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Lebenskunst für Laien

Sabeth schreibt Poesie Melancholie Philosophie Feminismus Anarchismus - non serviam.

Über das Alter, das Altern

 
Über das Alter(n) 
 
Alt werden ist wahrlich eine Kunst.
Vergeht doch seit Jahren kein Tag mehr, an dem dir nicht irgendetwas wehtut, an oder in deinem Körper kaputtgeht, "den Dienst versagt" und hässlich wird ... .
 
Muss man denn immer noch mehr Zeit `rausschinden? Wozu?
Es ist kein Mehr an Qualität, das Mehr an Jahren und Ballast.
Wer will denn bitte ernstlich 70 oder 80 oder älter werden - wenn sie/er körperlich und mental nicht mehr gesund, vital ist, sondern versehrt, gebrechlich, schwach, hilflos, abhängig, nicht mehr oder überhaupt je selbständig, noch weniger selbstbestimmt l e b e n kann.
 
Nein, es ist n i c h t das Gleiche, ob man abhängig und bedürftig ist: als kleiner niedlicher, glatter Säugling, der noch alles vor sich, der eine Zukunft hat, der noch im Aufbau befindlich und hübsch anzusehen ist.
 
Nein, ich finde nicht, dass es Ausdruck von Würde ist, zu vergreisen, dement, gebrechlich, zum Pflegefall zu werden - es ist dies das Gegenteil von Würde.
 
Leben ist sterben lernen.
 
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01. August 2026
 
Leben ist sterben lernen. - Kann man das Sterben, zu sterben "lernen"?
Nein. Man, Mensch stirbt. "Einfach". 
 
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29. Mai 2026
 
Altern ist Trauern über den unaufhaltsamen, irreversiblen Verlust von Jugend, Vitalität, Attraktivität, Möglichkeiten und Menschen (Gefährten).
 
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01.08.2026
 
Wo (noch) eitler Stolz ist, ist keine bodenlose Verzweiflung. 
Der Verzweifelte will seine Würde bewahren. 
Das ausweglose Leid, die Vergeblichkeit bricht ihn. 
Selbstbestimmung ("Freiheit") und Zuversicht sind ihm entzogen, verwehrt. Bis in den Tod.
 
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Wenn ohne dein Verschulden dauerhaft, unabänderlich Armut, Krankheit und Alter(n) - infolgedessen soziale Isolation, tote Tage, ungelebte Jahre - dein Leben regieren, was und wer bleibt dir dann, was bleibt von dir, wer bist du dann noch? 
Du vegetierst. Du krepierst wie ein Tier. 
Keine Würde.
 
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27. November 2025
 
Wenn mir nur mal jemand sagen könnte, wie andere mit der Lebenslast "fertig werden": o h n e Drogen, ohne "Gott", Glaube, Ideologie, Religion, Selbstbetrug, o h n e "Psychotherapie", "Coaching", Psychiatrie, Psychopharmaka: 
? ? ? 
Ja, die schreiben Bücher. Oder so. 
 
Ich trauere ja nicht nur um meine "verlorene Jugend", Jahre, Jahrzehnte, die auf der Strecke blieben - Alltag, Sorgen, Verantwortung, Pflichten, Belastungen, Krisen, Verluste, Verluste, Verluste ..., sondern auch um die Jugend der anderen. 
(Hohes) Alter macht Menschen optisch zu Monstern.
 
Und erzähle man mir jetzt keine Scheisse von "innerer Schönheit" und "Lebenserfahrung, Reife".
Ich höre und sehe, w i e Menschen altern: chronisch krank, mehrere OPs, Rollator, pflegebedürftig, alles am Körper geht sukzessive kaputt. 
Du verfaulst: noch "lebend". Altern ist vegetieren in den Tod.
 
Vergiss das Gelaber von "in Würde altern". 
Schiebt euch das dumme, ignorante, empathielose, selbstgerechte, ahnungslose Geschwätz und euren erbärmlichen Selbstbetrug in den Arsch!
 
Und es geht ja nicht nur um Äußerliches, Leibliches, um Krankheiten, Schmerzen, Einschränkungen, Verluste (auch anderer Menschen), Entbehrungen ... - du kannst den ganzen Wahnsinn - 5, 6, 7, 8 oder gar 9 LebensJAHRZEHNTE auch psychisch nicht ertragen. W i e ?!?
Vergessen kann auch Gnade sein.
 
Vor allem weiß jeder alte Mensch, wenn er sich nicht total selbst verarscht, dass er keine, jedenfalls kaum Zukunft mehr hat. Keine "Perspektive". 
Manch einer weiß auch, dass er am nächsten Morgen nicht mehr aufwacht oder den begonnenen Tag nicht überlebt.
 
"Lebenskunst" 
... du kannst froh sein, wenn du einigermaßen unbeschadet durchkommst und dabei nicht all zu viele Trümmer hinterlässt.
 
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24. Juni 2025
 
Niemand bringt dir bei, Verlust zu ertragen.
Niemand bringt dir bei, zu altern, zu sterben.
Lieben kann man vielleicht lernen - leben muss man ertragen - sterben und Verlust kann man nicht ertragen lernen.
 
W i e kommen andere Menschen mit all dem zurecht? 
Mit Krankheit, Armut, Leid, Not, Verlust, Trennungen, Entwurzelung, Einsamkeit, Isolation, mit schmerzlichen Erinnerungen, mit Verzweiflung?
Mit dem Leben?
Mit dem Sterben?
 
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18. August 2025
 
Zum Artikel von Christine Korte aus 2023 in der Berliner Zeitung - "Altern in Würde? Warum so viele Frauen ab 40 unsichtbar werden"
 
Es ist mir, 52-jährig, tatsächlich nicht nachvollziehbar, wie man mit Mitte 40 einerseits das patriarchale Schönheits- und Fruchtbarkeitsdogma kritisieren und sich zugleich Botox spritzen lassen kann.
 
Indem die Verfasserin des Artikels sich den sexistischen gesellschaftlichen Vorgaben unterwirft, also weiterhin krampfhaft versucht, "jung und sexy" auszusehen, so zu wirken, trägt sie und tragen alle sich ähnlich verhaltenden Frauen dazu bei, den frauenfeindlichen Schönheits- und Jugendwahn aufrechtzuerhalten. Indem man es mitvollzieht, wird man es ganz sicher nicht überwinden, weder jetzt noch "in 132 Jahren", man bringt gebotene Veränderungen auf diese Weise nicht einmal auf den Weg, sondern untergräbt sie. 
 
Ebensowenig nachvollziehbar ist mir, dass eine 44-Jährige auf der narzisstischen Teenie-Plattform Instagram unterwegs ist und sich von bearbeiteten und/oder anderweitig gefaketen Fotos triggern lässt. 
Noch weniger kann ich verstehen, dass sie "Dating-apps" nutzt und über die "weniger werdenden Matches" ihren Selbstwert definiert. 
Es scheint, als sei die Autorin im Alter von 44 Jahren in der Pubertät hängengeblieben. 
 
Ja, auch ich kämpfe mit dem Älter-, dem Altwerden und den zahlreichen einhergehenden Verlusten, aber eben nicht nur dem Verlust äußerlicher Attraktivität, sondern seit mindestens meinem 40. Lebensjahr vor allem mit dem fortschreitenden Verlust meiner Gesundheit, Vitalität, meines physischen und psychischen Wohlbefindens - mit sowas wie Muskelabbau, Eiweißmangel, Eisenmangelanämie, diversen anderen Vitalstoffmangelzuständen, chronischer Darmerkrankung, Fatigue, Gebärmuttersenkung und einhergehenden weiteren täglich belastenden Folgen, seit Jahrzehnten vor allem mit materieller Armut, da überzeugt ledige, unfreiwillig alleinerziehende, deshalb mittellose Frau, Mutter, gratis Sorge-Arbeit Leistende.
 
Ich kämpfe mit den Folgen dessen: Einsamkeit, soziale Isolation, weil ich nur noch an sehr wenigen Tagen im Monat die Wohnung verlassen kann, bspw. für den erforderlichen Lebensmitteleinkauf, dazu körperlich, gesundheitlich seit Jahren kaum mehr in der Lage bin, von Freizeitaktivitäten, Ausflügen, Urlauben, soziokultureller Teilhabe und Erwerbsarbeit ganz zu schweigen. 
 
Ich bin seit 16 Jahren vor allem armutsbedingt chronisch krank, ohne Zugang zu ambulanter medizinischer, wenigstens symptomatischer Behandlung und ja, das sieht man mir auch an. Nicht nur das Altern. 
Wie ich "auf Männer wirke", ist mir völlig egal. Sie müssen mich ja nicht mustern - ich gucke mir die vielen hässlichen Männer im öffentlichen Raum ja auch nicht (genauer) an. 
 
Ich kann auch nicht nachvollziehen, warum Frauen sich in unbequeme bis ungesunde Klamotten zwängen, mit Schminke (Makeup) vollkleistern - das sie abends wieder abnehmen müssen.
All das tat ich schon in jungen Jahren nicht, mir ging und geht es vor allem darum, überhaupt jahreszeitlich passende, funktionale und bequeme Alltagskleidung, die mir persönlich gut gefällt sowie entsprechende Schuhe verfügbar zu haben, diese habe ich mir immer schon secondhand gekauft, wie etliches andere, bspw. Möbel, auch. 
 
Warum soll ich jetzt meine Krankheit und/oder mein Alter verbergen, übertünchen - für wen?! 
 
Weder meine chronischen Erkrankungen noch mein Alter habe ich irgendwie selbst verursacht oder verschuldet.
Ich rauche, saufe, kiffe nicht, war nie übergewichtig, habe mich im Rahmen meiner finanziellen Möglichkeiten gesund zu ernähren versucht. Fastfood und Fertiggerichte gibt es hier nicht. Mein halbes Leben habe ich regelmäßig Sport gemacht - so lange mein Körper es zuließ. 

Ich bin als Subjekt, Individuum, Frau nicht nur meine äußere Hülle, sie ist nicht, was mich als die Persönlichkeit, die ich war und jene, die ich geworden bin, ausmacht. Aber ich sehe auch nicht ein, die Spuren, die das Leben, die materielle Armut und Krankheit auf auch meinem Körper und meiner Psyche hinterlassen haben, zu verstecken. Warum? Wozu? Für wen?
 
Ja, mit dem Alter(n) werden Menschen zumeist äußerlich "weniger attraktiv", aber deshalb nicht alle zwangsläufig hässlich, entstellt. Das ist menschlich, Biologie.
Einige, leider nicht alle Menschen gewinnen allerdings mit fortschreitendem Alter an Erfahrung, (Selbst-) Erkenntnis, Selbstwertgefühl und Reife - ist, hat das keinen Wert?: was für ein Mensch man ist, welchen Charakter, welche Persönlichkeit man hat, wer man weshalb wie durch das Leben, im Lebensverlauf g e w o r d e n ist, welche je eigene Lebensgeschichte ein Mensch mit sich trägt und wie ihn das formte ... ?
 
Wollt ihr ewig genormte, austauschbare Puppen, Marionetten, Spielzeug, Objekte für Männer sein und bleiben?
Habt ihr so wenig Selbstbewusstsein, Selbstwertgefühl und seid ihr gegenüber Männern, deren Frauenbild, Charaktere und Sozialverhalten betreffend, derart anspruchslos?
 
Wollt ihr euch bis in alle Ewigkeit dressiert, abgerichtet unterwerfen, selbst verknechten - um fremden (?!) Männern für ein paar flüchtige Augenblicke oberflächlich zu gefallen, als sei der Mann und dessen Urteil der Maßstab aller Dinge, der Nabel der Welt?
 
Was den Sex angeht, das ist ja das nächste von Männern vorgegebene Diktat:
Warum muss eine Frau mit 60 oder gar 80 noch regelmäßig (?) sexuell aktiv sein (wollen), überdies mit Männern?
Die meisten Frauen erleben bei Masturbation weit intensivere Orgasmen als beim Geschlechtsverkehr mit Männern. Und für Intimität, Zärtlichkeit, Liebe, bedarf es nicht des Sex´ und dafür reicht Sex allein auch nicht aus.
 
Durch Wechseljahre, hormonelle und andere alters-, auch krankheitsbedingte körperliche Veränderungen haben Frauen in höherem Alter üblicherweise auch eine geringere Libido, denn diese ist bei Frauen bekanntlich (nicht nur, aber doch) sehr zyklusabhängig. Eine 80-jährige Frau hat wahrscheinlich ganz andere Sorgen, körperliche Beeinträchtigungen und Belastungen, Beschwernisse als Mangel an Sex. 
 
Hört doch einfach mal auf, euch ständig und in nahezu allem endlos den von Männern gemachten, erdachten, gewollten Vorgaben zu fügen! Wollt ihr nicht freie, selbstbestimmte Frauen, Persönlichkeiten sein?
 
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update 19. April 2021
 
Ja, mein derzeit "zentrales Thema" ist nach wie vor das Altern, damit einhergehende, zahlreiche Verluste, Einschränkungen, Belastungen.
Nein, ich werde mit dieser "Herausforderung" bislang nicht "fertig".
Wenn ich mir alleine diverse berühmte Persönlichkeiten ansehe - jung und alt - könnte ich im Grunde jedes Mal heulen.
 
Denn ja: unser Aussehen spielt in unserem Leben eine gravierende Rolle und hat eine Menge mit gerade auch Identität, mit Identifikation, Selbst- und Fremdwahrnehmung und -einordnung zu tun.
 
Du siehst, erlebst, erfährst dich Jahre, Jahrzehnte lang als junger, zumeist vitaler, gesunder, vielleicht auch attraktiver Mensch, es ist dies für dich so viele Jahre eine "alltägliche Selbstverständlichkeit, Normalität".
Und dann verändert sich dein Körper spürbar, wahrnehmbar. Und das üblicherweise nicht zum "Vitaleren, Attraktiveren" hin, im Gegenteil.
 
Du kannst dich irgendwann körperlich, leiblich nicht mehr mit dir selbst identifizieren - du bist es nicht mehr, du bist nicht mehr der Mensch, der du über Jahrzehnte täglich ganz selbstverständlich warst - nicht nur optisch, äußerlich, sondern auch vom inneren Gefühl, Körpergefühl her.
Bei mir fing das ungefähr im Alter von Mitte/Ende 40 an.
 
Auch zur Zeit meiner zwei Jahre währenden Magersucht - mit 39 kg Körpergewicht bei knapp 1,70 m Körpergröße im Alter von 14 und 15 Jahren - sowie zu den Zeiten meiner beiden Schwangerschaften hatte ich dieses "Identifikationsproblem", damals aber eben nur vorübergehend, nur für diese Zeiten, nicht dauerhaft.
 
Von all den weiteren Verlusten, Einschränkungen, Belastungen, dem ganzen Erfahrungsballast, den Verletzungen, Beschädigungen, auch psychischen Narben gar nicht erst angefangen.
 
Altern i s t nun einmal sukzessiver, vor allem physischer Abbau, Einschränkungen, Verlust, Selbstverlust, Weltverlust, Verfall - Sterben "auf Raten".
 
Bei mir persönlich fing das sicht- und spürbar im Alter von/ab 44 Jahren an, verstärkt durch chronische Krankheit und materielle Armut.
 
Nein, nichts wird da irgendwie "besser".
 
Nein, für mich ist es kein "Trost", zu sehen, dass die anderen, andere fremde oder mir bekannte Menschen auch alt geworden sind, altern, abbauen, verfallen, hässlich werden. Es macht es für mich nur noch schlimmer - unerträglich.
Alter(n) ist eine Zumutung!
Ja, bin da ganz bei Jean Améry und Simone de Beauvoir.
 
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04.08.2026
 
Zum Thema behaarte, unrasierte Frauenbeine ...
 
... bin jetzt 52 (fast 53), habe seit meinem 13. Lebensjahr Arme, Beine, Achseln regelmäßig rasiert, später auch Intimbereich, weil ich es so schöner und hygienischer fand, nicht nur bei mir selbst. 
Hat für mich nichts mit Feminismus zu tun. Aber:
 
Seit Jahren habe ich durch Mangelzustände (seit 27 Jahren Eisenmangelanämie, Vitamin D-, B12- und Eiweißmangel) und Wechseljahre täglich mit starker Erschöpfung, Fatigue, Kraftlosigkeit zu kämpfen, auch mit weiteren Beschwerden und alltägliche Dinge strengen mich extrem an - frage mich deshalb, wie kindisch es eigentlich ist, auch im Sommer, an sehr warmen Tagen nur mit langen Hosen ´rauszugehen, bspw. zum Lebensmitteleinkauf, nur weil ich keine Energie hatte, mir vorher die Beine zu rasieren. 
Inzwischen kommt altersbedingt auch anderes dazu, das nicht gerade schön ist.
Alles verstecken?
 
Ja, auch ich finde junge, glatte, leicht gebräunte Haut und straffes Gewebe, leichte Muskeln an bspw. Armen und Beinen auch unbehaart, ohne Besenreißer, ohne Falten schön, schöner als das Gegenteil all dessen. Aber ich bin nicht mehr 20 oder 30 oder 40.
Alter(n) verbergen, weil es hässlich ist?
 
Ich habe noch nie Push-up-BHs, Shapingwäsche, aufgeklebte Fingernägel, angeklebte Wimpern, Haarverlängerungen getragen und mich auch nur sehr selten (für Discobesuch) geschminkt, nie im Alltag Make up benutzt - gehört zur Authentizität also jetzt nicht auch, Altersspuren nicht zu verbergen? Ja. :)
 
Frauen haben natürlicherweise Körperbehaarung, nicht nur Männer. Ich erwarte von Männern nicht, dass sie sich die Beine rasieren, warum dann von Frauen? Warum finde ich rasierte Männerbeine eher hässlich als behaarte, aber bei Frauen ist es umgekehrt? 
Menschen altern auch natürlicherweise.
 
Was sich mir halt bis heute eingeprägt hat, weil ich es schon damals unangemessen fand:
Mein 14- oder 15-jähriger Sohn sagte vor Jahren mal zu mir: "Mama, du musst dir mal wieder die Beine rasieren!" Und es war nicht scherzend gemeint.
 
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Alter(n) ist, wenn du deinen Körper, ob gravierender innerlicher wie äußerlicher, dich wesentlich beeinträchtigender Veränderungen, nicht mehr als deinen eigenen erkennen kannst.
 
Identitätsverlust. Persönlichkeitsverlust. Selbst-Verlust.
 
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01. Mai 2024
 
Irgendwann ist es dir zu anstrengend geworden, neue Menschen kennenlernen, mit Fremden Zeit verbringen zu wollen. Nicht aus Desinteresse, sondern weil es dir an schon rein physischer Energie, Kraft mangelt und weil du durch das Altern in Armut krank, kaputt, hässlich geworden bist.
 
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Es ist natürlich nicht möglich, sich auf den, auf insbesondere seinen "eigenen" Tod tatsächlich auch nur ansatzweise vorbereiten zu können.

Wenn du nicht bereits als Kind bzw. junger Mensch mit schwerer Not, Armut, Hunger, Gewalt, Krieg, schwerer Krankheit, schwerer (geistiger und/oder körperlicher) Behinderung belastet bist und/oder wenn du nicht bereits im Alter weit fortgeschritten und ebenfalls mit einigem des Genannten belastet bist, verhält es sich üblicherweise so, dass du jeden Abend mehr oder weniger bewusst mit dem Gedanken, der Erwartung, der vermeintlichen "Gewissheit" einschläfst, am nächsten Tag und auch an noch zahlreichen darauffolgenden sehr wahrscheinlich wieder aufzuwachen, weiterzuleben, jedenfalls weiterzuexistieren - Tag für Tag und auch noch die nächsten Monate und ggf. Jahre oder gar Jahrzehnte.

Je jünger, vitaler und unbelasteter du bist, umso sicherer bist du dir dessen üblicherweise, wenngleich häufig unbewusst, vorbewusst.

Du kannst nicht vorgreifen.
 
Es gibt nichts, das zu deinen Lebzeiten auch nur annähernd dem Tode, dem Tot"sein", dem Nicht- m e h r -Sein vergleichbar wäre - eine solche Erfahrung macht, kennt der Mensch zeitlebens nicht.

Er mag schweres Leid kennen, erfahren, erleiden und ggf. auch überwinden und den intensiven Wunsch, nicht mehr existieren, nicht mehr leiden, nicht mehr sein zu müssen. Was er nicht kennt, ist das Nichts. Er kann es sich nicht einmal vorstellen. Immer noch nicht.

Du magst dich noch so viel, lange, intensiv mit Tod, Sterben, Endlichkeit, Vergänglichkeit und "Metaphysik" befassen - es ändert nichts daran, dass du nur ein Mal stirbst und diese Erfahrung "einzigartig", überdies deine absolut letzte ist, sein wird.

Es gibt keine Möglichkeit, das tatsächlich mental und/oder emotional im Vorhinein zu fassen, zu begreifen, zu "verinnerlichen". Dir bleibt nichts, als es hinzunehmen, darauf "zu warten", es geschehen-, es zuzulassen, wenn es so weit und wenn es unabänderlich ist - gleich, ob es sich dabei um deinen "eigenen" Tod oder den anderer, bspw. nahestehender Menschen, Lebewesen handelt.

Einzig der Suizid gibt dir ein wenig (mehr) Selbstbestimmung, Entscheidungsspielraum, auch wenn es wiederum der letzte Akt, deine letzte, mehr oder weniger freiwillige, selbstbestimmte Entscheidung und Tat ist.

W i e es ist, zu sterben, gar "tot zu sein", das wird kein Mensch zu Lebzeiten wissen, erfahren oder lernen können.
 
Wir wissen - im Gegensatz zu anderen Säugetieren - nur, d a s s uns dies unumgänglich, unabänderlich und absolut gewiss alle erwartet, widerfährt. Und damit kommen wir zumeist eher schlecht als recht zurande, jedenfalls dann, wenn wir es nicht verdrängen, sondern uns mit dieser Tatsache, diesem Wissen, dieser vielleicht einzigen absoluten Gewissheit gelegentlich bewusst konfrontieren, uns ihr stellen, statt ihr - mittels Eskapismus´, Hedonismus´, Konsumismus´, religiösen Glaubens, Aberglaubens, Esoterik, Mystik, Drogen, mittels also Selbstbetrugs, Selbstflucht - auszuweichen, vor ihr zu fliehen.
 
Du wirst geboren, um zu sterben. Dazwischen ist eine Episode.

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Die Mehrheit ? der Menschen "lebt" so unbewusst, verhält sich, als lebten sie (selbst, persönlich) ewig, als ginge es immer weiter, als gäbe es kein Ende: ihr und anderer Menschen Lebensende, Altern, Sterben, Tod. - "awareness"? Erkenntnis? Reife? Oder Selbstbetrug?
 
Endlichkeit, Vergänglichkeit, Sterblichkeit, Fragilität des Menschen: jeden Tag, lebenslang.
Kontingenz. Zufall. 
 
Jeden Tag denken wir und verhalten uns, als währte unser Leben ewig.
 
Als reihte sich bis in alle Ewigkeit ein Tag an den nächsten. Als erlebten wir gewiss weiterhin Jahr um Jahr.
Als hätten wir endlos Zeit.
 
Zeit, unsere Angelegenheiten zu regeln, bestimmte Unternehmungen aufzuschieben, erforderliche Taten hinauszuzögern, gebotene Verhaltensweisen zu verdrängen, zu vertagen, zu unterlassen.
 
Zeit: bewusstes Leben, Denken, Fühlen, Sich-Verhalten auf später zu verschieben, auf irgendwann - in einer Zukunft, die wir möglicherweise nicht (mehr) erleben werden.
 
Wir wissen um all das und "leben" dennoch Tag um Tag, Alltag - unbewusst. Selbstverständlich.
 
Als währte unsere Existenz ewig.
Als wären wir nicht sterblich. Als wüssten wir nicht um unsere begrenzte Zeit, um die Kontingenz, um die Unvorhersehbarkeit, um die Ungewissheit über die uns noch verbleibende Lebenszeit.
 
Als gäbe es, wenn nicht gegenwärtig, so doch gewiss zukünftig endlose, zumindest weitere, neue, andere Möglichkeiten.
Als gälte es nur, daran zu glauben, darauf "hinzuleben" oder dies geduldig abzuwarten.
 
Als hätten wir uns mit allen Gegebenheiten, Umständen und Widerfahrnissen schlicht abzufinden, alles anzunehmen, auszuhalten, zu "bewältigen", zu ertragen, zu erdulden, zu durchleiden.
Gerade so, als hätten wir keinen Verstand, keine Vernunft, keine Gefühle - keine Nöte, Ängste, Schmerzen. Als kennten wir keine Verluste, Trauer, Verzweiflung.
 
Als wären wir Kreaturen ohne Bewusstsein, ohne Reflexionsfähigkeit, ohne Gedächtnis, Erinnerung, Zeitverständnis - ohne Reife.
 
Bis die, "unsere" Zeit schließlich allmählich oder abrupt, unerwartet verbraucht ist. Abgelaufen. Abgerissen. Irreversibel.
 
Jeden Tag denken wir und verhalten wir uns, als wüssten wir nicht um all das. Als gäbe es immer wieder ein Morgen, einen weiteren Tag, ein weiteres Jahr. Gedankenlos. Verschwenderisch. Bequem. Unbewusst. Feige. Einfältig.
 
Wir sind sterblich.
Alle.
Jeden Tag. Zu jeder Zeit. Lebenslang.
Gewiss.
 
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Conditio humana
 
Als sterblich, einhergehend dann zumeist auch sterbewillig, erfährt, empfindet Mensch sich vor allem in Situationen und Phasen leidvoller Krankheit, intensiven, insbesondere langanhaltenden physischen und/oder psychischen Schmerzes und spürbaren Alterns, im "Erleben", Erleiden von existenzbedrohender bis eben tatsächlich existenzvernichtender Belastung, Gefahr, Beschädigung, absoluter Ausweglosigkeit, Unabänderlichkeit, Unentrinnbarkeit - somit im Zustand fehlender oder nicht mehr erkennbarer, nicht mehr erfahrbarer Selbstwirksamkeit.
 
Mensch ist mit seinem Leib, seiner Leiblichkeit untrennbar verbunden, d.h. ein Mensch, ein Individuum i s t dieser, sein je persönlicher Leib, durch, mit, in dem er alle (!) sinnlichen, mentalen, psychisch-emotionalen Erfahrungen macht, Erlebnisse, Empfindungen, Gefühle, Eindrücke, Erinnerungen hat und auf dieser materiellen, "stofflichen" Basis - in, mit seinem Gehirn (stets in Verbindung mit dem gesamten Körper, Nerven, Nervenverbindungen ...), durch selbiges - all diese Eindrücke, Wahrnehmungen, Empfindungen, Gefühle, Erlebnisse, Gedanken, Denkprozesse (bewusst, unbewusst, vorbewusst) "verarbeitet", ein-, zuordnet, bewertet, beurteilt, abspeichert, kombiniert, analysiert, erinnert, verändert und auch: vergisst.
 
Daran ändert auch Drogenkonsum, Medikamenteneinfluss oder Meditation nur wenig:
Kein Mensch kann ohne seinen Leib, seine Leiblichkeit - als Mensch - existieren, existent sein, mag er sich - aus bekannten Gründen - noch so oft einen "übergeordneten" oder irgendwie vermeintlich von seiner Physis, seiner Leiblichkeit unabhängigen "Geist" herbeiwünschen und zusammenphantasieren.

Es hilft nichts - Mensch ist und bleibt lebenslang, bis zu seinem Tod, eben dies: auf vielerlei Weise bedürftig und verletzlich.
Ob es ihm gefällt, ob er das zu akzeptieren befähigt ist oder nicht.
 
Es ist allerdings so hilfreich und entlastend wie empfehlenswert, diesen Umstand, diese unumstößliche, evidente Tatsache so früh als möglich im je persönlichen Leben zu erkennen und zu akzeptieren, da dies sowohl dem jeweiligen Individuum selbst als auch es umgebenden und mit ihm interagierenden anderen viel unnötiges Leid erspart.
 
Es gibt kein "Heraus" aus der Conditio humana, jedenfalls nicht, so lange Mensch Mensch ist (und nicht etwa Cyborg oder Androide).
Weder mittels Drogen, Glaube, Aberglaube, Esoterik, Okkultem, Mystik, Meditation, Selbst- und Weltflucht, Selbstbetrug oder irgendetwas anderem.
 
So lange Mensch Mensch ist, erlebt, erfährt, empfindet, fühlt er Schmerz, Leid, Begehren, Bedürftigkeit, Verletzlichkeit, Sehnsucht, Freude, Trauer, Angst, aber auch ggf. Erkenntnis, Zugehörigkeit, Wertschätzung, Neugier, Entwicklung, Persönlichkeitsreifung, Mitgefühl, Verbundenheit, Solidarität, Erfülltsein, Dankbarkeit, Liebe - so er liebesfähig ist.
 
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04. September 2024
 
Alter, Krankheit, Unfall, Pflegebedürftigkeit, Pflege und bestehende Hindernisse, politische Missstände ...

Habt ihr sowas wie eine wirksame, rechtlich sichere (notariell beglaubigte) Vorsorgevollmacht und/oder Patientenverfügung?
Habt ihr Angehörige, Familie, Freunde, Kinder, die eure Angelegenheiten regeln, euch vlt. auch pflegen (werden/wollen, können)?
 
Wieviele Menschen in Deutschland werden aufgrund von Alter, Krankheit, Demenz oder Behinderung zu Hause ambulant von auch oder nur der Familie gepflegt und wieviele vollstationär in Heimen, Einrichtungen?
 
Wusstet ihr, dass auch Eltern keine ärztlichen, medizinischen Informationen erhalten und keine solchen Entscheidungen treffen können, wenn ihre Kinder volljährig sind und es keine Vorsorgevollmacht gibt?
 
Wann kann man in Deutschland sein Leben endlich selbstbestimmt, menschenwürdig, ohne Leid, sicher selbst beenden, idealerweise mit ärztlicher Begleitung und Natrium-Pentobarbital i.v., nicht oral eingenommen? ! ? Freitod, Suizid, siehe BVerfG-Urteil vom 26. Februar 2020 - 2 BvR 2347/15!
 
 
Oder findet ihr den Gedanken, die Vorstellung angenehm, in fortgeschrittenem Alter als Pflegefall, ggf. dement oder schwer krank in einer Einrichtung, einem Pflegeheim "fremdbetreut" Tag für Tag dem Tod nur noch entgegenzuvegetieren?
? ? ?
 
Wieviele ältere und alte Menschen, Eltern, v.a. Frauen, Mütter, Alleinerziehende, die ihre Kinder Jahre und Jahrzehnte fürsorglich, verantwortungsvoll, bedürfnisorientiert! umsorgt haben, sind im Alter von diesen Kindern ausrangiert, abgeschoben: Pflegeheim, "Fremdbetreuung"?
 
Alternde, alte Eltern, erwachsene Kinder - das Verhältnis, die Fürsorge, Verantwortung ist inzwischen offenbar längst eine Einbahnstraße geworden. Es geht nicht um "Pflicht", es geht um MITGEFÜHL und Wertschätzung.
Es geht nicht darum, ob erwachsene Kinder ihren (alten) Eltern etwas schulden oder etwas aus Pflicht (-vorstellung) oder aufgrund religiösen Indoktriniertseins, Glaubens tun.
Es geht um Wertschätzung, Mitgefühl, Solidarität, Loyalität. Vielleicht sogar Dankbarkeit.
 
Du hast jahrelang unentbehrliche Arbeit: "häusliche" Sorge-Arbeit geleistet, wirst dafür vor allem als Frau, alleinerziehende, ledige Mutter, lebenslang mit Armut bestraft, inkl. aller bekannten Folgen ... .
 
Meine Freunde blieben wiederholt auf der Strecke: eben weil ich so früh, mit 19, das erste Mal Mutter wurde, weil ich häufig umziehen musste, weil kinderlose Freunde umzogen (Studium) und andere Interessen hatten, weil soziokulturelle Teilhabe und Mobilität, Mobilseinkönnen (kein Auto, kein Führerschein, ÖPNV und Zug/Bahnfahrten zu teuer) in Armut nicht möglich ist.
Es gibt auch keine Art "Kontaktbörse" für mittellose Menschen, keine offenen Begegnungsstätten (nicht: kostenpflichtige Vereine!), die fußläufig, ohne Kosten, ohne ÖPNV für eingeschränkt mobile Menschen erreichbar sind.
Ich wohne in einem weit außerhalb des Zentrums gelegenen, elitären Stadtteil. Nur hier habe ich vor elf Jahren mit Glück eine jobcentertaugliche Wohnung gefunden. Hier gibt es keine "Sozialkaufhäuser", Begegnungsstätten etc..
 
Und selbst wenn du mit deinen ggf. noch verbliebenen "Angehörigen, Familienmitgliedern" - bspw. Eltern und/oder Kinder - zusammensein möchtest, geht es oft aufgrund räumlicher Distanz und Armut nicht. Sie wohnen zu weit weg, man kann auch nicht einfach umziehen, zusammenziehen.
Staat, Regierungen machen es unmöglich, dass Menschen zusammenkommen, einander gegenseitig unterstützen ... können, siehe Wohnungsnotstand, Pflegenotstand, Armut, Einsamkeit, soziale Isolation, nicht nur/erst im Alter.
 
Wenn deine alternden oder alten Eltern hunderte Kilometer entfernt wohnen und ihr - sie und du - mittellos, nicht-vermögend, ggf. auch chronisch krank seid, infolgedessen "kaum" mobil sein könnt, WIE willst, kannst du ihnen da helfen, sie unterstützen, sie pflegen - w i e ? ? ?
 
Sehr vieles an der Art und Weise, wie wir heute "leben", wohnen, arbeiten uns (vermeintlich) "entspannen", was und wie wir konsumieren, wie wir was medizinisch behandeln, "therapieren" ist falsch, ist schädigend, macht (zusätzlich) krank!:
Ehe, Kleinfamilie, Kapitalismus, Neoliberalismus, Primat der Wirtschaft, statt des Sozialen: "Arbeit" bzw. Erwerbstätigkeit, Zwang zur Lohnarbeit, Beziehungslosigkeit, Bindungslosigkeit, Singledasein, Drogen, Sucht, Konsumismus - Kompensationsverhalten, Selbstbetrug ... .
Kapitalismus ist nicht Gemeinwohl, sondern das Gegenteil dessen.
 
Fremdbetreuung ist systematische, gezielte, vorsätzlich getätigte Auslagerung - ausgerechnet von bedürftigen, verletzlichen, oft wehrlosen Menschen: Kindern, Säuglingen, Kleinkindern, kranken, alten, behinderten, sterbenden Menschen. Damit "die Leistungsfähigen" "arbeiten gehen" können. Menschenverachtend.
 
Wie geht eine Gesellschaft mit ihren Alten, Sterbenden, Kranken, Versehrten, Kindern, Fremden um?
Wir lagern sie sämtlich in Einrichtungen zur Fremd"betreuung" aus - bequem, kalt, schäbig.
Um "frei", ohne Ballast der Lohnarbeit frönen zu können, uns unter diese Knute zu beugen.
Wohl wissend, aber zumeist, alltäglich verdrängend, dass wir alle einmal Kinder waren, krank, alt werden und dass nichts im Leben eines jeden Menschen so gewiss ist wie der Tod - nicht nur sein eigener.
Wie barbarisch kann Mensch sein: wenn sein Mitgefühl betäubt ist.
 
An dieser Stelle abermals der Verweis auf Erich Fromm - "Haben oder Sein", "Die Kunst des Liebens", der passive Mensch, Kompensationsverhalten, Konsumismus ... und Arno Gruen - Mitgefühl, Autonomie, Empfindsamkeit vs. Macht, Erfolg, Anpassung, Gehorsam, Selbstbetrug, Selbstverrat ... .
 
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05. September 2024
 
Fortsetzung - persönliche Situation, Lebensumstände, Belastungen, Hürden ...
 
Wenn du deiner gerade volljährigen Tochter helfen möchtest, aber es nicht kannst, wenn du deiner pflegebedürftigen, schon kurz vorm Sterben gewesenen Mutter helfen möchtest, aber es nicht kannst - weil dir das Geld fehlt, weil Behörden, Bürokratie, Gesundheitssystem dir praktische, tatkräftige, bedürfnisorientierte!, nicht-paternalistische, wohltuende! Unterstützung, Beistand unmöglich machen - auch bspw. Pflegeheim, Betreuer, Betreuungsgericht bei Mutter und Klinikambulanzen, Fachärzte (keine zeitnahen Termine), Krankenkasse (u.a. keine Reha-Bewilligung) sowie behandelnde Ärztin (über Wochen, zuletzt drei Monate! keinerlei Rückmeldung bei uns, bis ich bei der Kassenärztlichen Vereinigung schließlich "Hilfe" suchte ...) - wenn du ca. 800 km (?) entfernt wohnst (von Mutter), deshalb nicht einmal von sterbenden Menschen - bspw. vor Jahren auch meinen Pflegeeltern, beiden - Abschied nehmen und vor Ort nichts erledigen, nicht unterstützen, nichts bringen, besorgen ... kannst, wenn du selbst chronisch physisch krank, geschwächt bist und leider auch dein erwachsener (31-jähriger) Sohn, den du seit mindestens 11 Jahren bekniest, er möge doch b i t t e zumindest für deine Tochter, seine (Halb-) Schwester gelegentlich eine Bezugsperson sein, auch nicht "beisteht", für seine Schwester nicht "da ist", es nicht sein w i l l - wenn du aufgrund all dessen - Biographie, materielle Armut seit Jugend, alleinerziehend mit einem, dann zwei Kindern, jetzt "nur noch einem" seit insgesamt drei Jahrzehnten, eigene körperliche Erkrankungen, Dauerstress mit dem Jobcenter ("Bürgergeld", Hartz IV) - l ä n g s t dringend "Bezugspersonen" brauchst: Menschen, denen du vertrauen kannst, die dich nicht beschädigen, benutzen, die mitfühlend sind, die dir mit Tat, nicht bloß "Ratschlägen", beistehen, die Anteil nehmen, dir Halt geben, dich mal im Arm h a l t e n, dir mal etwas abnehmen ..., Menschen, auf die du dich verlassen kannst: gerade in der Not, bspw. auch dann, wenn/weil du vom Jobcenter vollsanktioniert bist (bereits warst) oder krankheitsbedingt bettlägerig bist (bereits warst) - wenn du all das: solche Menschen, Bezugspersonen, Familie, Freunde, Partner und hilfreiches GELD gerade aufgrund deiner Lebensumstände (Armut, fehlende Mobilität, Krankheit, Gebundensein mit Kindern über viele Jahre deiner eigenen Jugend) nicht hast - was machst du dann?
 
Aktuell bspw. bräuchte ich umgehend ein Seniorenhandy, Smartphone und einen "Senioren-Laptop" oder ggf. wenigstens ein geeignetes Tablet mit Tastatur für meine pflegebedürftige Mutter. Wie, woher, von welchem Geld beschaffen?
 
Ich bräuchte eine bestimmte Fachärztin/Facharzt und Untersuchung in einer UKE-Spezialambulanz für meine Tochter sowie Reha-Bewilligung für sie - keine Chance!

Ich müsste mich längst um bauliche Mängel, Defekte in meiner Mietwohnung kümmern: kostet Geld, das ich nicht habe und es wären dann mehrere unterschiedliche Handwerker zu beauftragen (von Vermieterin), somit etliche Termine für Instandsetzungsarbeiten zu vereinbaren - w i e, wenn ich oft körperlich nicht kann?!
 
Du versuchst, dich um das Wohl anderer bedürfnisorientiert, einfühlsam, effektiv zu kümmern, bemühst dich darum, aber dir fehlen die Kraft und die finanziellen Mittel sowie das Mitwirken anderer erforderlicher Menschen.
Wie soll man da nicht "resignieren", aufgeben?
 
Und falls sich jemand gewundert oder gefragt haben sollte: Ja, es geht um meine leibliche Mutter - die ich seit  fast 30 Jahren nicht mehr gesehen habe, zuletzt war es im Jahr 1995.
An anderer Stelle, siehe "Biographisches", habe ich den Hintergrund, die Umstände ... bereits detailliert offengelegt. Für Nachvollziehbarkeit, Transparenz:
 
 
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07. September 2024
 
Aufgrund meiner Beobachtungen und Erfahrungen denke ich, dass viele Menschen, gleich welchen Alters, auch deshalb diverse Ängste und "Sozialphobie" entwickeln, weil sie zu lange Zeit zu viel einsam, sozial isoliert sind - bspw. krankheits-, armuts- und/oder altersbedingt.
 
Und ich denke, das ist auch einer der Gründe, warum einige Menschen im Alter "schwierig" werden - sie sind zu wenig unter ihnen vertrauten, verbundenen Menschen: Bezugspersonen, nicht Betreuungspersonal, das sie oft nicht ernstnimmt, keine Zeit für Gespräche, Nähe hat.
 
Kann es daher nur wiederholen: Es ist falsch, schlecht, schädigend, wie so viele Menschen aufgrund politischer, gesellschaftlicher Missstände und biographischer Umstände "leben" müssen: sozial isoliert, einsam, ausgegrenzt, "fremdbetreut": ausgelagert, kaum oder nicht mobil ... .
 
Du kannst pflegebedürftige Eltern nicht einfach, zeitnah oder überhaupt je zu dir holen, sie nicht selbst umsorgen, pflegen, "betreuen", nicht zu ihnen ziehen: weil es keinen bezahlbaren Wohnraum gibt, man zu weit voneinander entfernt wohnt: mehrere hundert Kilometer.
 
Deine volljährigen Kinder können nicht ausziehen, nicht in eigene Wohnung, eigenen Haushalt ziehen, selbständig werden, ihren eigenen Weg gehen ... : weil es keinen bezahlbaren Wohnraum/Mieten gibt, dies insbes. nicht für Menschen mit sehr geringem oder keinem Einkommen. Armut.
 
Es helfen auch keine Ärzte, Therpeuten, Beratungsstellen, Behörden, Einrichtungen, Heime, Pflegedienste etc. - alles nur in der Theorie, in der Praxis: keine Hilfe.
Unzureichende oder Fehlinformationen, Paternalismus, Mangel an Verständnis, Mitgefühl, viel zu lange Bearbeitungszeiten: in der Zwischenzeit versterben Menschen!
Weil sie schon zu lange chronisch krank, alternd sind, weil sie schon seit Jahren oder Jahrzehnten (!) n i c h t die erforderliche Unterstützung erhalten haben und weil es dann, nach so langer Zeit, ZU SPÄT ist.
 
Wenn du Glück (!) hast, gibt es mitfühlende, verantwortungsvolle Menschen mit funktionierendem moralischen Kompass und intaktem Mitgefühl (!) in deiner direkten Nähe, idealerweise Familie, Freunde, ggf. Nachbarn, die dir tatkräftig helfen.
Wenn du Glück hast. Zufall.
 
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08. September 2024
 
Einsamkeit, soziale Isolation, Messie-Syndrom, "pathologisches Horten" (Sammeln ist etwas anderes), Kompensation

Falls ihr betroffene Angehörige oder Freunde habt oder selbst betroffen seid, hier die für mich bisher beste Information dazu:
 
"(...) Psychoanalytiker sprechen von einer narzisstischen Störung oder einer oralen Schädigung: Die Betroffenen versuchen unbewusst, die Löcher in der Seele mit Äußerlichkeiten – in diesem Fall mit Sammeln und Horten – zu stopfen. Frühkindliche traumatische Verlusterlebnisse, Bindungsstörungen und kritische Lebensereignisse können eine Einschränkung des emotionalen Erlebens hervorrufen. Es wird dann versucht, dies mit Besitz zu kompensieren: Die Unfähigkeit zu fühlen, bringt Messies dazu, sich für das „Haben“ statt für das „Sein“ (nach Erich Fromm) zu entscheiden. Viele Psychologen, so auch Gisela Steins (9), sehen im Messie-Dasein ein äußerlich sichtbares Spiegelbild des inneren Chaos. Ein erhöhtes Erregungsniveau (oft gespeist durch soziale Ängste, überhöhte Ansprüche an sich selbst und die Trauer darüber, dass man sie nicht erreicht) erschwert die Kontrolle über das Messie-Verhalten. Untersuchungen von Renate Pastenaci (2) zeigen, dass der Müll die Betroffenen von seelischen Problemen entlasten kann und dass bei einer „Entmüllung“ der Wohnung Panikreaktionen auftreten können.
Was sich oberflächlich als Messie-Verhalten zeigt, wird im Einzelfall mit unterschiedlichen Krankheitsbildern konnotiert. (...)

Zwangsstörung
Das Sammeln von Objekten, die nur einen subjektiven und keinen objektiv  erkennbaren Wert haben, kann Ausdruck einer Zwangsstörung sein.
Zwanghafte Messies haben Schwierigkeiten, sich von emotional besetzten Gegenständen zu lösen. Die Trennung von dem Gegenstand wird häufig als Verlust eines Teils der eigenen Identität erlebt und ist hochgradig angstbesetzt. Ein weiterer Grund kann ein extremes Vermeidungsverhalten  sein, bei dem der Patient – etwa aus Angst, etwas falsch zu machen –  alle anstehenden Entscheidungen vor sich herschiebt und sich nicht  entscheidet. (...)
 
Sucht
Häufiger wird das Messie-Phänomen mit Suchterkrankungen konnotiert. Während die zwanghaften Messies strukturiert, ordentlich und vordergründig kontrollierend mit dem Horten und Sammeln umgehen, haben  die Suchtkranken einen ausgeprägten Kontrollverlust. Ihr Sammeln ist unstrukturiert, chaotisch, ohne System und kann bis zur Vermüllung  gehen. Betroffene reagieren mit Messie-Verhalten auf erlebte Verluste oder nicht erfüllte Wünsche. (...)
 
Depression
Häufig sind einsame, depressive Menschen vom Messie-Syndrom betroffen. Es ist jedoch selten das Leitsymptom, sondern eine Nebenproblematik. Der Mangel an Zuwendung und auch die eigene Gefühlsarmut verlangen nach  einem Ausgleich. Die materiell greifbaren Objekte treten an die Stelle sozialer Nähe und steigern kurzfristig das Selbstwertgefühl. Deshalb kommt es zu weiteren Anhäufungen, aber auch zu immer größeren Frustrationen. Der Depressive landet in einem Teufelskreis: Durch die fortschreitende Isolation können die wahren sozialen Defizite nicht  aufgefangen werden, und die depressiven Phasen verschlimmern sich. (...)
 
Altersverwahrlosung
Die Verwahrlosung und „Vermüllung“ im Alter ist häufig Ausdruck altersbedingter Krankheiten oder sozialer Isolation. Demente Patienten versuchen, sich symbolisch (durch das Horten) ihre Welt zu erhalten: Was  sie „im Kopf“ immer wieder verlieren, wird materiell festgehalten oder  herangeschafft. Zudem „vergessen“ die Betroffenen im fortgeschrittenen  Stadium der Krankheit, sich selbst und ihre Wohnung zu pflegen.
Auch  soziale Ängste im Alter führen häufig zu aufgetürmten Müllbergen – als  „Schutz“ gegen die Außenwelt. Menschen, die im Alter kaum soziale  Kontakte haben, leben oft nur in der Erinnerung.
Ihre einzige  Lebenserfüllung ist das Aufbewahren alter Kleider, Fotos und  Verpackungen, da es sonst nichts mehr in ihrem Leben gibt, woran sie  sich halten können. (...)"
 
 
Und deshalb hilft messies, hilft einem messie auch NICHT, nur aufzuräumen und das Schlimmste für Betroffene ist, in der Wohnung eine Entrümpelungsfirma wüten zu lassen, aber genau das wird gerade bei alten und/oder pflegebedürftigen Menschen vollzogen, diese die Betroffenen massiv belastende, brachiale, brutale Vorgehensweise ist überdies mit hohen Kosten verbunden. Sie müssen diese Misshandlung also auch noch selbst bezahlen - oder kommen in ein Pflegeheim. So viel nochmal zur "Hilfe, Unterstützung" in Deutschland - "Sozialstaat".
 
Bloßes Aufräumen, Ausräumen, Entrümpeln, Reinigen der Wohnung hilft einem messie nicht! Diese Menschen brauchen psychotherapeutische Hilfe, vor allem: Bezugspersonen, Beziehungen, soziales Eingebundensein, statt Einsamkeit, soziale Isolation!
 
 
Ich habe vier Personen in meinem Umfeld, die davon betroffen, die "messies" sind, die pathologisch Horten ... und darunter mehr oder weniger bewusst leiden.
 
Welche bedürfnisorientierte, wohltuende, effektive Hilfe erhalten mittellose messies zeitnah! wo, wie, von wem?: In materieller, finanzieller Armut.
 
Besonders belastend und beschädigend, für Betroffene und Angehörige erschütternd ist es, wenn es sich um einen pflegebedürftigen Menschen handelt, der vor von gesetzlichem Betreuer vor die "Wahl" gestellt wird:
entweder teure Entrümpelung der Wohnung, Kosten ca. €3000,- oder vollstationäre Unterbringung - dauerhaft, endgültig, irreversibel - in einem Pflegeheim, "Seniorenheim".

Ja, es geht um meine Mutter.
W a s soll, was kann ich w i e tun - selbst mittellos und aus ca. 800 Kilometern räumlicher Entfernung?! ?
 
Selbstverständlich will meine Mutter n i c h t in ein Pflegeheim, dort auch nicht sterben.
Selbstverständlich möchte auch meine Mutter in ihrer vertrauten Umgebung, ihrer Wohnung und so lange als möglich selbstbestimmt bleiben - wie es wohl die meisten Menschen so möchten.
 
Übrigens: Meine Mutter hat keinen Festnetzanschluss mehr, kein funktionierendes Handy (Mobiltelefon, Smartphone), keinen PC, Laptop, kein Tablet, keinen Internetzugang - sie ist mental fit, nicht dement, aber mittellos, kann nicht einmal jemanden anrufen ! ! ! Armut.
 
Armut tötet. Menschen. Auf vielerlei Weise, Arten, Wegen ..., zumeist auf Raten: sukzessive - jedenfalls immer absolut verlässlich.
Mittellose Menschen werden schneller, früher krank, alt, einsam - sind früher tot.
Falls ihr es noch nicht wusstet.
 
Und nein, ich kann nicht einfach zu meiner Mutter nach Süddeutschland fahren. Ich habe nicht das Geld für die Zugfahrt, Fahrkarte, weder Führerschein noch Auto, könnte dort nirgendwo unterkommen, habe hier eine Tochter "in Behandlung", die jedoch auch keine Hilfe erhält ... .
 
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10.09.2024
 
Alltag im Altenheim, "Seniorenheim"

Was tut ihr Menschen an!? Wie könnt ihr alten Menschen sowas antun?! Es ist eine Zumutung. Schon das Ansehen. D a s soll ich meiner Mutter antun ?!? Pflegeheim!
 
Siehe ndr-Doku - "Altenheim: Wenn das Leben plötzlich von anderen geregelt wird"
Denkt ihr, das sei gut so? Jeder Tag von morgens bis abends gleich, künstlich durchgetaktet, rund um die Uhr fremdbestimmt: wann wie Körperpflege, was wann essen, welche "Freizeitangebote", wann schlafen, wann aufstehen ...
Es ist eine Zumutung!
 
Nur weil ein Mensch alt, gebrechlich, auf Hilfe angewiesen ist, ist er deshalb nicht zwangsläufig dement oder blöde und will auch nicht wie ein Kleinkind behandelt werden!
ES IST FALSCH: kleine Kinder zusammenzupferchen und/oder alte Menschen. Fremdbetreuung, Auslagerung.
 
Es ist falsch, Menschen in "altersähnlichen Gruppen" wie Tiere zu dressieren, Menschen wie Roboter zu takten - erst in der Kita, dann beim Job, Lohnarbeit, dann im Altenheim, im Pflegeheim: dem Tod entgegenvegetieren. Fremdbestimmt bis zum letzten Moment.
 
Niemals je haben Menschen so gelebt!
Menschen lebten in altersgemischten Gemeinschaften zusammen: Kinder, Jugendliche, Adoleszente, Erwachsene, alternde, kranke, gesunde und sterbende Menschen: n i c h t voneinander getrennt!
HÖRT DAMIT ENDLICH AUF ! 
Ich ertrage es nicht.
 
"Um jedoch zu verhindern, dass sich der pflegebedürftige Mensch schon vor dem Umzug vom "echten" Leben ausgeschlossen oder seiner  Mitbestimmungsrechte beraubt fühlt (...)"
 
Doch, genau das wird er: völlig selbstverständlich!
Was eine Heuchelei!
 
Und wenn du dann sagst, du möchtest das alles nicht: Altenheim, Pflegeheim, wenn du sagst, du möchtest in deinem Zuhause ärztlich begleitet selbstbestimmt, würdevoll, ohne Leid sterben: Suizid, Freitod, Sterbehilfe - darfst du nicht einmal wengistens das! - Würde ?!?
 
Es ist falsch. Es ist falsch. Es ist falsch.
Es belastet, schädigt Menschen - psychisch, emotional, sozial und auch physisch, gesundheitlich. Fremdbetreuung ist Auslagerung: Kinder, alte, kranke, fremde, behinderte, sterbende Menschen. Kapitalismus.
 
Habt ihr alle kein Mitgefühl?
Seid ihr alle so hart indoktriniert, so abgerichtet, dressiert - so gefühllos, kalt, emotional verpanzert, abgestumpft? Denn die Mehrheit lässt es zu, vollzieht es mit, findet es "normal": Fremdbetreuung, Auslagerung.
 
Wiederhole es nochmals:
Wie geht eine Gesellschaft mit ihren Alten, Sterbenden, Kranken, Versehrten, Kindern, Fremden um?
Wir lagern sie sämtlich in Einrichtungen zur Fremd"betreuung" aus - bequem, kalt, schäbig.
Um "frei", ohne Ballast der Lohnarbeit frönen zu können, uns unter diese Knute zu beugen.
Wohl wissend, aber zumeist, alltäglich verdrängend, dass wir alle einmal Kinder waren, krank, alt werden und dass nichts im Leben eines jeden Menschen so gewiss ist wie der Tod - nicht nur sein eigener.
Wie barbarisch kann Mensch sein: wenn sein Mitgefühl betäubt ist.
 
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update 09. und 10. Oktober 2023
 
"Ruhestand"
 
Ich weiß nicht, wie´s euch geht, aber für mich steht spätestens und jedenfalls jetzt, im Alter von 50 Jahren fest: Das Leben findet statt bis zum Alter von max. 45 Jahren. Alles danach ist überflüssiges, zumeist leidvolles Verrotten. Sinnlos.
 
Zugegeben, es hat selbstredend immer auch mit dem jeweiligen sozio-ökonomischen Hintergrund, den Lebensumständen, also Politik, Regierungen zu tun: Wohlhabende, vermögende Menschen können zweifelsohne leichter und länger "jung, vital, gesund" bleiben als mittellose, arme Menschen.
 
Denn wir alle wissen - einige von uns aus persönlicher, zumeist lebenslanger Erfahrung:
Armut macht krank und (früher, schneller) alt und gerade im Alter sind viele Menschen krank und arm - weltweit aus längst und hinreichend bekannten Gründen mehrheitlich biologische Frauen. Kapitalismus, Patriarchat.
 
"(...) 70 Prozent der 1,4 Milliarden armen Menschen weltweit sind Frauen. Sie sind nicht nur stärker von Armut betroffen als Männer, sie haben auch einen schlechteren Zugang zu Bildung und unsicherere Einkommensverhältnisse. Ihre rechtliche Stellung ist vielerorts mehr als prekär. Frauen leisten laut UNICEF mit 66 Prozent einen weitaus größeren Anteil an der weltweiten Arbeit – bezahlt und unbezahlt, können jedoch lediglich 10 Prozent des Einkommens auf sich vereinigen. Ihr prozentualer Anteil am Zugang zu Ressourcen, inklusive zu Land und Krediten, liegt lediglich bei 1 Prozent. Armut ist weiblich. Frauen stellen das Gros der working poor. Es ist daher notwendig und sinnvoll zu fragen, wie sich die Armutsverteilung jenseits geografischer Analyse darstellt und was die Ursachen sind. (...)"
 
Die MDGs basieren auf einem auf materielle Aspekte verengten Entwicklungsbegriff. Die Vielgestaltigkeit der Ursachen von Armut und sozialer Ausgrenzung werden erst gar nicht adressiert. Entwicklung und Armutsüberwindung werden völlig unterkomplex behandelt. Strukturelle Fragen der Verteilungsgerechtigkeit, asymmetrische, ungerechte weltwirtschaftliche Handelsbeziehungen und vor allem zentrale Aspekte der demokratischen und politischen Entwicklung (Rechtsstaatlichkeit, demokratische Partizipation, Transparenz, Menschen und Bürgerrechte) blenden die acht MDGs, ihre Unterziele und Indikatoren, die mittlerweile erarbeitet wurden, aus. „In den MDGs erscheint Armut als ein macht- und verteilungsunabhängiges Symptom eines gesellschaftlichen Ungleichgewichts. Das Problem der Armut ist abgelöst von seinen strukturellen Ursachen, von makro-ökonomischen Prozessen, sozialen Ungleichheiten…“ (Christa Wichterich 2006:126). (...)
 
Auch strukturelle Ursachen von Armut – nationale wie internationale – werden nicht thematisiert. (...)
 
Unübersehbar ist jedoch, dass mangelnde Rechte, keine Eigentumstitel für Land usw. in den MDGs überhaupt nicht mehr vorkommen. Auch reproduktive und sexuelle Rechte für Frauen sind in der Zielformulierung der MDGs komplett entfallen. Dies ist ein absoluter Rückschritt im Vergleich zu den verabschiedeten Dokumenten der Weltfrauenkonferenz wie der Aktionsplattform von Peking 1995 und zur Antidiskriminierungskonvention CEDAW aus dem Jahr 1979. (...)
 
Christa Wichterich fasste dies präzise wie folgt zusammen: „Frauen sind arm an Ressourcen, Bildung, Gesundheit, Beschäftigung, Einkommen, etc., weil sie arm sind an Rechten, Chancen, Macht, sozialer Sicherheit, Zeit, Gewaltfreiheit etc. (Wichterich 2006: 127). (...)
 
40 Prozent aller Erwerbstätigen weltweit, wenn auch mit signifikanten regionalen Unterschieden, sind heute weiblich – vor 30 Jahren waren es nur halb so viele. Verglichen mit der Situation von Frauen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts hat sich eine beachtliche Transformation vollzogen. Den unbestrittenen Fortschritten gegenüber steht, dass – national wie global gesehen – die Hierarchien, Machtunterschiede und Dominanzverhältnisse zwischen den Geschlechtern noch längst nicht abgebaut sind. Die Armutsstatistiken sind ein Spiegelbild dessen.

Frauen sind im informellen Sektor (ohne Landwirtschaft), in dem soziale Sicherung kaum gewährleistet ist, überrepräsentiert. Und in den Spitzenjobs sind Frauen nach wie vor stark unterrepräsentiert . Geschlechterungleichheit besteht nicht nur in der Erwerbsarbeit, sondern vor allem auch in der Sorgearbeit (Haushalt, Pflege, Reproduktion) weiter. Sorgearbeit wird weitgehend unbezahlt von Frauen geleistet, u.a. weil sie nicht mit dem dominierenden Männerbild in Einklang zu bringen zu sein scheint. Frauen und Männer lösen das Vereinbarkeitsproblem durch die Beschäftigung niedrig entlohnter Putzhilfen, Kindermädchen, Altenpflegerinnen – häufig Migrantinnen. Die Neuverteilung von Sorgearbeit findet derzeit rund um den Erdball statt, aber nicht in ausreichendem Maße zwischen Männern und Frauen, sondern durch eine globale Versorgungskette zwischen sehr verschiedenen Frauen aus verschiedenen Ländern, sozialen Klassen und Kulturen. (...)"
 
 
Hervorhebungen habe ich vorgenommen.
 
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Eine in jeder Hinsicht herausragende Stellungnahme, Rezension des von mir überaus geschätzten Jean Améry über Simone de Beauvoirs "Das Alter" - und seine persönliche, gleichermaßen brillante Beurteilung, der ich mich (ein Mal mehr/auch hier) in vollem Umfange anschließen nur kann.
 
"(...) Ebensowenig tröstlich ist der zweite Teil, der vom "In-der-Welt-Sein" der Alten handelt. Hat die Verfasserin bei der Darlegung geschichtlicher Objektivitäten sich an historisches und soziologisches Informationsmaterial gehalten, so zieht sie in ihrer Beschreibung der Befindlichkeit im Alter, also der Subjektivität, zahlreiche Zeugnisse aus der Geistesgeschichte heran, Äußerungen bedeutender Menschen über ihr eigenes Alter, das Alter überhaupt. War die Betrachtung "von außen" erschreckend durch die Unbarmherzigkeit, mit welcher die Welt allezeit den Endlebenden entgegenkam, so sind diese Zeugnisse erschütternd durch ihreMelancholie und Resignation. Als Motto kann über ihnen der Satz von Sainte-Beuve stehen: "Man verhärtet an manchen Stellen, man verfault an anderen; man reift niemals." Hier treten uns Magnifizenz-Greise von teilweise gewaltiger Werkkraft entgegen, die gleichwohl diese Lebensphase als ein Ungemach, ja als Qual empfinden. Die Verfasserin spricht von Victor Hugo, von Verdi, Goethe, Michelangelo, von François Mauriac, von Jonathan Swift, Chateaubriand, von Gott weiß wie vielen anderen Großen.
 
Gide sagte, er glaube nicht an die Weisheit des Alters, fühle nichts als Kälte und Indifferenz. Einstein erkannte mit fünfundfünfzig Jahren seine "wachsende Schwierigkeit, sich neuen Gedanken anzupassen". Der alternde Flaubert schrieb an seine Nichte: "Um gute Sachen zu schreiben, bedarf es einer gewissen Gelöstheit, die ich nicht mehr habe." Madame de Beauvoir selber kommentiert: "Das Alter vermindert die Kräfte, dämpft die Leidenschaften. Der Verlust der Libido hat ... auch den Verlust einer gewissen biologischen Aggressivität zur Folge: die körperliche Ermattung, die Müdigkeit, die Gleichgültigkeit, die sich im Alter oft einstellen, halten von der Beschäftigung mit den anderen ab."
 
Auf eigene Hand füge ich hinzu: Die Altersinvolution bringt unweigerlich eine dramatische Form des Alters-Narzißmus mit sich. Der alte Mensch ruiniert sein Geschick, seine Vergangenheit. Er geht an der Welt vorüber, als wäre sie nichts. Die wenigen in der Geistesgeschichte uns entgegentretenden Exempel für ein humanes und soziales Engagement im Alter, wie der von Simone de Beauvoir angeführte Bertrand Russell, sind frappierend gerade durch ihre Seltenheit. Entgegen ihrer Intention, die aus den Konklusionen ihrer Arbeit heraustritt, führt die Verfasserin den Nachweis, daß das Alter eine öde und verödende Lebensregion ist, darin Geist und Tat und Liebe nur noch schlecht gedeihen.
 
Der Gegensatz zwischen ihrer Elaboration und ihren Schlußfolgerungen ist flagrant. Denn am Ende, nachdem sie uns durch die Jammertäler der Alterslandschaft gelotst hat, verkündet sie eine ganz und gar unwahrscheinliche frohe Botschaft: das Elend des Alters sei wesentlich ein gesellschaftliches. Mit einer radikalen Änderung der sozialen Strukturen, einem verwandelten Leben in Jugend und Reife, werde auch das Alter seine Schrecken verlieren. "Wie müßte eine Gesellschaft beschaffen sein", so fragt die Autorin, "damit ein Mensch auch im Alter ein Mensch bleiben kann?" Und von der Antwort sagt sie, daß sie "einfach" sei, und das ist sie wahrhaftig – einfach auf erschreckende Weise: "(Der Mensch) muß immer schon als Mensch behandelt worden sein. Das Schicksal, das sie ihren nicht mehr arbeitsfähigen Menschen bereitet, enthüllt den wahren Charakter der Gesellschaft..." Und schließlich: "In der idealen Gesellschaft ... würde, so kann man hoffen, das Alter gewissermaßen nicht existieren: der Mensch würde, wie es bei manchen Privilegierten vorkommt, durch Alterserscheinungen unauffällig geschwächt, aber nicht eigentlich vermindert, eines Tages einer Krankheit erliegen."
 
Es soll diese Denk- und Arbeitsleistung von Kraft und Würde nicht herabgesetzt werden durch den Trick psychologisierender Kritik. Es darf, des weiteren, was ich hier noch anmerke, keinesfalls dahin mißverstanden werden, als wollte ich durch eine Ausweichbewegung ins Ontologische der Gesellschaft, die ja in der Tat den alten Menschen das Los schlimmster Entfremdung (wo nicht nackten Elends) bereitet, ein Alibi sichern. Nur komme ich nicht umhin, die das Werk durchziehende Kontradiktion als ein unbewußtes Strategem zu verstehen: Simone de Beauvoir flüchtete aus ihrem eigenen Alter, das sie zu überwältigen drohte, als sie die letzten Seiten von "Der Lauf der Dinge" schrieb, in die Arbeit (eben das hier rezensierte Werk) und enthob sich zugleich, indem sie dieses Werk der Gesellschaft als eine Anklage entgegenschleuderte, der Klage, die sie vordem rechtens angestimmt hatte. Sie konnte ihr eigenes Alter, wie sie einmal in einem Interview selber gestanden hat, nicht verantwortend übernehmen ("assumer") – also leugnete sie das Alter als Verhängnis und Menschengeschick schlankweg ab und übergab das Unannehmbare der Gesellschaft zur Abfertigung. (...)
 
Man kann es ihr nicht als Schuld aufrechnen, denn vor dem Alter und dem Tode, vor jenem Negativen, das keinerlei Positivität mehr enthält, muß jegliche Dialektik zuschanden werden. Simone de Beauvoirs Revolte wäre sinnvoll nur durch die Annahme des Widerspruches, das heißt: die totale Anerkennung der Hoffnungslosigkeit. Die Introduktion einer Hoffnung auf die "ideale Gesellschaft" als Waffe gegen das Nichts macht den Aufstand Madame de Beauvoirs zu einem blind irrenden.
 
Wer gleichwohl bei diesem Unternehmen, wie immer es um dessen philosophische Haltbarkeit auch bestellt sei, den Gewinn einstreicht, ist der Leser. Simone de Beauvoirs Buch ist der ernsteste, umfassendste Versuch, die Kondition alter Menschheit zu untersuchen. Die Fülle des vor uns hingebreiteten Materials ist ebenso achtunggebietend wie die schriftstellerische Organisation. Überflüssig zu sagen, daß es bei einer solchen Autorin natürlich auch nicht an scharfsinnigen Beobachtungen und eigenständigen Gedanken fehlt. (...)"
 
Quelle des zitierten Textes: zeit.de - "Der Skandal des Alterns", von Jean Améry
 
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04. Mai 2024
 
Frage zu Sex im Alter:

Gibt es Daten, Informationen dazu, wieviele heterosexuelle Frauen ab 50 heutzutage in und außerhalb fester Beziehung (inkl. Ehe) noch und falls ja, wie häufig gerne, freiwillig, mit Freude und eigener sexueller Erfüllung sexuell aktiv sind?
 
Nicht nur, aber auch das Buch von Simone de Beauvoir - "Eine gebrochene Frau" - hat mich zu dieser Frage angeregt.
 
"Für mich ist das Sexuelle bedeutungslos geworden, es existiert nicht mehr. Bisher habe ich diese Gleichgültigkeit als heitere Ruhe bezeichnet; nun aber ist mir plötzlich klargeworden, dass es sich um ein Gebrechen handelt, um den Verlust eines Sinnes"
Simone de Beauvoir
 
Es ist auch ein erheblicher Unterschied, ob man mit einem über Jahre physisch, emotional ... vertrauten Menschen noch gemeinsamen erfüllten Sex erlebt oder mit Fremden und jeweils! alternden Körpern inkl. Veränderungen, nachlassender Vitalität, Attraktivität ... .
 
Nochmal Simone de Beauvoir aus o.gen. Buch zitiert:
"Wir sind nicht mehr dreißig Jahre alt, Maurice und ich. Unsere Körper vereinigen sich gern - selten, um die Wahrheit zu sagen -, aber ohne übermäßige Erregung (...)
Miteinander schlafen, das bedeutet ja nicht nur die körperliche Vereinigung."
 
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Über das Alter, das AlternÜber das Alter, das Altern
01. Mai 2024
 
Nachfolgend aus dem Buch "Eine gebrochene Frau", von Simone de Beauvoir, zitiert.
 
Teil/Kapitel 1 - "Das Alter der Vernunft"
 
"Für mich ist das Sexuelle bedeutungslos geworden, es existiert nicht mehr. Bisher habe ich diese Gleichgültigkeit als heitere Ruhe bezeichnet; nun aber ist mir plötzlich klargeworden, dass es sich um ein Gebrechen handelt, um den Verlust eines Sinnes"
 
"Dass ich gegen Philippe wütete, ist nichts Neues, solche Ausbrüche sind mir vertraut. Aber wenn sich mein Zorn gegen André richtet (...), dann ist es, als wirble mich ein Tornado durch die Luft und trage mich fort, weit, weit fort von ihm und von mir, in eine Einsamkeit, die eiskalt und zugleich brennend heiß ist. (...)
 
`Was dich so aufbringt - und natürlich lässt du es mich entgelten -, ist die Tatsache, dass du Philippe überschätzt hast.´
`Du hast ihn von jeher unterschätzt.´
`Nein. Ich habe mir nur keine großen Illusionen über seine Fähigkeiten und seinen Charakter gemacht. Und alles in allem habe ich ihn noch immer zu hoch bewertet.´"
 
"Er ist alt geworden und misst den Dingen nicht mehr so viel Bedeutung bei. Früher wäre er über Philippes Entschluss hell empört gewesen; heute begnügt er sich damit, ihn zu missbilligen. Früher hätte er keine Heimlichkeiten vor mir gehabt, mich nicht belogen.
Sein Empfindungsvermögen, seine Moralbegriffe sind abgestumpft. Wird es so weitergehen mit ihm? Wird er von Tag zu Tag gleichgültiger werden? (...)
 
Diese Trägheit des Herzens, die man als gütige Nachsicht, als Weisheit bezeichnet, ist in Wirklichkeit der Tod, der sich in dem Menschen einnistet."
 
"Soll ich mich noch mehr versteifen, mich in die schwarzen Tiefen der Einsamkeit fallen lassen? Oder soll ich versuchen, diese hilfreich ausgestreckte Hand zu ergreifen?"
 
"Früher hatten wir im Bett stürmisch Versöhnung gefeiert; in der Begierde, der Erregung, der Lust waren die Anklagen und Beschwerden gegenstandslos geworden, und wir hatten einander wiedergefunden (...). Jetzt waren wir dieser Zuflucht beraubt."
 
"Anscheinend war zwischen uns kein offenes, ehrliches Gespräch mehr möglich. Ob die Sache mit der Kontaktarmut vielleicht doch stimmte? Waren wir, wie ich es im Zorn schon gedacht hatte, zur Einsamkeit, zum Schweigen verdammt? (...)
 
Wir dürfen nicht aufgeben, sagte ich mir (...). Wenn unser Streit noch immer zwischen André und mir stand, dann konnte er nur ein Symptom gewesen sein. Man musste also weiter zurückgehen und versuchen, das Übel an der Wurzel zu packen."
 
"(...) Das also war die Schlussfolgerung, die er aus dem missglückten Ausflug gezogen hatte: Statt sich um Verständigung zu bemühen, ergriff er die Flucht."
 
"Kann man jemanden lieben, ohne ihn zu achten? Wo beginnt die Achtung, wo endet sie?
Und die Liebe?"
 
"Das Telefon verbindet nicht, es betont die Entfernung. Man hat keinen Partner wie bei einem Gespräch, denn man sieht den anderen ja nicht.
Man ist aber auch nicht allein wie vor dem Briefbogen, der einem gestattet, zu dem anderen zu sprechen und dabei von sich selbst zu erzählen, die Wahrheit zu suchen, sie zu finden."
 
"Sich seine Vitaliltät, seinen Frohsinn, seine geistige Frische bewahren, das heißt jung bleiben. Das Los des Alters ist es also, dem täglichen Einerlei, dem Missmut, der Hilflosigkeit zu verfallen."
 
"Aber ich fürchtete mich vor der Wüste, durch die ich mich von nun an schleppen musste, bis der Tod mich erlöste."
 
"Auch das gehört zum Altwerden: dass man so viele Tote hinter sich lässt, betrauterte Tote, vergessene. (...)

Es muss ein seltsames Gefühl sein, wenn man, wie Manette, als einziger Zeuge einer versunkenen Welt zurückbleibt."
 
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02. Mai 2024
 
Teil/Kapitel 2 - "Monolog", zitiert aus "Eine gebrochene Frau" von Simone de Beauvoir
 
"Sie rächt sich durch den Monolog."
Flaubert

"Tristan hat mich mit seiner Leidenschaft erobert, ich war so gerührt, dass ich ihm sofort nachgab. Und das habe ich nun davon!
Dieser Größenwahnsinnige, der den kleinen Napoleon spielt, hat mich sitzenlassen, weil ich keine Hysterikerin bin und nicht dauernd vor ihm auf den Knien liegen wollte."
 
"Tristan ödete mich an und ich hab´s ihn merken lassen. Die Menschen vertragen es nicht, dass man ihnen die Wahrheit sagt. Sie möchten, dass man ihren schönen Worten glaubt oder wenigstens so tut als ob."
 
"Mir tat es geradezu weh, wenn Tristan so geschwollen daherredete und alle diese Idioten vor ihm auf den Knien lagen. Ich stapfte zwischen den Andächtigen herum, ich griff mir die großen Worte, stach sie auf und ließ die Luft aus ihnen entweichen (...)"
 
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03. Mai 2024
 
Teil/Kapitel 3 - "Eine gebrochene Frau", aus: Simone de Beauvoir - "Eine gebrochene Frau"
 
"Ich brauche dich, und du bist nicht da!"
 
"Ich muss mir die Wahrheit eingestehen; für mich war es von jeher wichtig, die Wahrheit zu wissen, und deshalb bin ich ihr nie ausgewichen."
 
"Also doch. Es ist geschehen. Mir geschehen."
 
"Mir kann das nicht passieren, dachte ich immer.
Ich bin keine Mutter, die man belügt, keine Frau, die man belügt.
Wie dumm, wie hochmütig ich war!
Alle Frauen halten sich für eine Ausnahme, alle sind sicher, dass ihnen gewisse Dinge nicht passieren können, und sie täuschen sich alle."
 
"Das tägliche Einerlei stumpft die Menschen ab; nur Schocks rütteln auf. (...)
 
Ich aber hatte seit fast fünfzehn Jahren kein Nachtlokal mehr betreten und war daher von allem begeistert."
 
"Wir sind nicht mehr dreißig Jahre alt, Maurice und ich. Unsere Körper vereinigen sich gern - selten, um die Wahrheit zu sagen -, aber ohne übermäßige Erregung (...)
Miteinander schlafen, das bedeutet ja nicht nur die körperliche Vereinigung."
 
"Bitter ist nur, dass Maurice mein Verhalten offenbar nicht zu würdigen weiß. Mir scheint, er legt mir mit einem typisch männlichen Mangel an Logik die Gewissensbisse zur Last, die ihn meinetwegen quälen."
 
Keineswegs Mangel an Logik, sondern Taktik: Schuld-, Täter-Opfer-Umkehr.
 
"`Nazi!´ habe ich ihm ins Gesicht geschrien. `Folterknecht!´ Er sah mich mit schmerzlicher Miene an. Für ihn war nicht ich das Opfer, sondern er selbst. Er verstieg sich sogar zu der Bitte: `Monique, hab doch Mitleid mit mir!´"
 
"Jetzt bin ich eine Tote. Eine Tote, die noch wer weiß wie viele Lebensjahre vor sich hat."
 
Simone de Beauvoir - "Eine gebrochene Frau"
 
Der Täter, der nachweislich tatsächlich Schuldige, Beschädigende, weist seine Schuld, sein Fehlverhalten, sein Schädigen von sich, leugnet es, tätigt oft auch Täter-Opfer-Umkehr, um, sofern er noch über rudimentäres  Gewissen verfügt, die Scham hierüber nicht ertragen zu müssen.
 
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Was ich in jungen Jahren nicht kannte, nicht hatte, ist ein gewisses Anlehnungsbedürfnis. Dass da jemand ist, der es deutlich besser kann und besser weiß als ich, der es vielleicht auch sogar besser m a c h t als ich und zu dem ich berechtigterweise tiefes Vertrauen habe(n) (kann).
 
Es ist nicht der Wunsch nach "Aufschauenkönnen", sondern nach Horizontweitung, nach Wachsen, Reifen am Anderen, durch den Anderen, mit dem Anderen - aufgrund der Differenz und aufgrund seiner Reife, Güte und zugleich seiner eigenen "Unvollkommenheit", Bedürftigkeit.
 
Es ist auch nicht das Bedürfnis nach Geborgenheit, Getragensein, Schutz oder Sicherheit, sondern nach Verbundensein sowie Loslassenkönnen, -dürfen - ohne den Halt zu verlieren.
 
Loslassen. Abgeben. Die Last der alleinigen Verantwortung für gerade nicht nur das "eigene" Leben, sondern das anderer Menschen (der "eigenen" Kinder bspw.).
 
Loslassen, ausatmen, ohne aufzugeben, ohne zurückzulassen, ohne im Stich zu lassen. Verantwortungtragen: teilen können.
 
Das gab es: nie. Jedenfalls in 26 Jahren Mutterschaft nonstop nicht.
 
Das Altern. Man wird müde, kraftlos - physisch und psychisch. Stress, Armut, soziale Isolation, Krankheit, Bürokratie ... zermürbt, schwächt, schleift ab.
Und für die Kinder immer wieder zu verzichten, zu entbehren, sich selbst zurückzunehmen.
 
Liebe. Ja. Aber noch einmal: Lieben bedeutet nicht, sich zu unterwerfen, sich selbst aufzugeben, sich vollständig zu opfern.
Wer liebt, ist kein Masochist und kein Märtyrer, sondern: Mensch. Auch als Mutter btw - keine eierlegende Wollmilchsau, schon gar nicht über Jahrzehnte.
 
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