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Sabeth schreibt

Poesie Melancholie Philosophie Feminismus Anarchismus - non serviam.

Arbeit - Erwerbsarbeit, Arbeitsfetisch, Arbeitsideologie und Kapitalismus ...

01. August 2023
 
Arbeit, Ausbeutung, Kapitalismus
 
New Lanark, Mule-Jenny, Industrialisierung, Enteignung, Vertreibung, Versklavung der Bauern, der Substistenzwirtschaft.
Kinder arbeiteten ab dem Alter von 5 Jahren. Bis zu 16 Stunden täglich. Oft Waisenkinder.
Ganze Menschenleben: vernichtet. Schmerzgrenze. Reaktive Aggression!
 
Hat der erste Teil der arte-Doku "Nicht länger nichts. Geschichte der Arbeiterbewegung" mich vor allem wütend gemacht, überwiegt beim zweiten Traurigkeit, Beklemmung, Erschüttertsein. Arbeit - Ausbeutung - Armut
Staat. Macht. Gewalt.
 
Es ist unerträglich, dass und aus welchen Gründen, mit welchen Absichten, Vorstellungen, Zielen vor allem vermögende, reiche, autoritäre Menschen, Staaten, auch Kirche, Religionen anderen Menschen vernichtende Gewalt antaten - und nach wie vor. Autoritarismus, Patriarchat.
 
An manchen Stellen des zweiten Teils der oben verlinkten vierteiligen arte-Doku geht mir aber tatsächlich auch das Herz auf, siehe Pariser Kommune, siehe deren Dekrete, siehe die selbstgefertigten kleinen Kunstwerke von Fabrikarbeitern - Subversion.
Siehe die Genossenschaften.
Dazu auch nochmal der Hinweis auf Syndikalismus, Anarchosyndikalismus, Anarchismus - ebenfalls eine zweiteilige arte-Dokumentation: "Eine kleine Geschichte der Anarchie".
 
 
Nochmal der Hinweis: Den Generalstreik sowie den Acht-Stunden-Tag, 8-Stunden-Arbeitstag verdankt ihr Anarchisten. All das lehrt, vermittelt keine staatliche Schule. ;)
 
Habt ihr schon mal vom Front populaire, der Volksfront in Frankreich gehört?
 
Kann mich nur wiederholen: Warum und wie lange noch wollt ihr euch knechten lassen?
 
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update 12. Juli 2023
 
Arbeit, Leistung, Einkommen, Vermögen, Karriere, Aufstieg, Macht - Wie verhält es sich bei diesbzgl. sogenannt erfolgreichen Menschen mit DEREN Fürsorglichkeit, Beziehungsfähigkeit, Mitgefühl, Liebesfähigkeit, Prosozialität, Gemeinsinn und warum gilt das nicht als relevant?
 
Kein Mensch braucht Macht. Das Streben nach Macht ist ein stets kompensatorisches, narzisstisches. Menschen brauchen und wollen Teilhabe, Zugehörigkeit, Mitgestaltungsmöglichkeit, Selbstbestimmung, Solidarität, Kooperation.
Keine Herrschaft und Unterwerfung.
 
Der Wert eines Menschenlebens bemisst sich nicht nach akademischen Titeln, Einkommenshöhe, Vermögensumfang, Narzissmusgrad (besetzten Machtpositionen), Ruhm, wirtschaftlicher Funktionalität und Verwertbarkeit.
Menschenwürde.
 
Ja na sicher sind es die sogenannten, selbsternannten "Leistungsträger" und "Gutverdiener", d.h. Wohlhabende, Vermögende und pervers "Superreiche", die das System: den global destruktiven Kapitalismus am Laufen halten. Mit Gemeinwohl hat das halt nur genau nichts zu tun.
 
-
 
Arbeit ist eine - bspw. mentale, intellektuelle, physische, handwerkliche, soziale, schöpferische, gestalterische, künstlerische - Tätigkeit nicht erst oder nur dann/deshalb, wenn bzw. weil sie bezahlt, entlohnt wird, d.h. wenn sie kapitalistisch, wirtschaftlich nutzbar, funktional, ausbeutbar ist und nur unter diesem Aspekt betrachtet, als Arbeit anerkannt, wertgeschätzt wird, Gültigkeit und Wert zugewiesen erhält.
 
So ist bspw. Prostitution, auch wenn sie vorgeblich, vermeintlich "freiwillig" getätigt wird, keine Arbeit, weder Arbeit noch Sex, sondern bezahlte Vergewaltigung.
 
Sorge-Arbeit (die weit mehr ist, umfasst als "Putzen, Waschen, Kochen, Einkaufen, Organisieren, Betreuen") hingegen ist eine für weltweit jede Gemeinschaft und Gesellschaft unentbehrliche, unersetzliche Arbeit, sogenannte Reproduktionsarbeit, die jedoch nicht und schon gar nicht existenzsichernd entlohnt, nicht monetär wertgeschätzt, die nach wie vor zumeist nicht einmal als wertvolle Arbeit anerkannt wird.
 
Ein Mensch, eine Person, ein Subjekt, Individuum wird grundsätzlich nicht erst dadurch, nicht nur deshalb "wertvoll" als Mensch, wenn/weil sie Lohnarbeit tätigt, weil sie erwerbstätig ist, ein Einkommen erhält.
 
Der Wert eines Menschenlebens bemisst sich nicht nach akademischen Titeln, Einkommenshöhe, Vermögensumfang, Narzissmusgrad (besetzten Machtpositionen), Ruhm, wirtschaftlicher Funktionalität und Verwertbarkeit.
Menschenwürde.
 
„Handle so, dass du die Menschheit sowohl in deiner Person, als in der Person eines jeden anderen jederzeit zugleich als Zweck, niemals bloß als Mittel brauchst.“
Immanuel Kant
 
Wenn wir die "Logik" von "Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen." zu Ende denken, gelangen wir zu den auch gegenwärtig noch immer bestehenden Missständen:
Wer kapitalistisch nicht verwertbar, ausbeutbar ist, wird misshandelt, beschädigt, auf Raten in, durch Armut - oft trotz geleisteter Arbeit - vernichtet, gilt als Ballastexistenz - NS-Ideologie, -Terminologie, -Menschenbild.
 
Das Perfide, das Infame am staatlich, regierungspolitisch, kapitalistisch propagierten Arbeitsmantra, Arbeitsdogma ist genau dies: Das Selbstwertgefühl, gesellschaftliche Anerkennung, Wertschätzung, Teilhabe, Zugehörigkeit an Arbeit, Erwerbstätigkeit, Lohnarbeit und Einkommen (-shöhe) zu koppeln.
 
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Ein Mensch ist nicht nur oder erst dann existenzberechtigt oder "wertvoll", wenn er kapitalistisch, wirtschaftlich ausbeutbare Lohnarbeit tätigt, funktional, nützlich, benutzbar, knechtbar ist. Menschenwürde. Grundgesetz. Menschenrechte. Ethik.

Ein Mensch ist nicht nur oder erst dann existenzberechtigt oder "wertvoll", wenn er kapitalistisch, wirtschaftlich ausbeutbare Lohnarbeit tätigt, funktional, nützlich, benutzbar, knechtbar ist. Menschenwürde. Grundgesetz. Menschenrechte. Ethik.

31. Oktober 2022
 
Hartz IV, Bürgergeld, Sanktionen, "Aktivierung, Edukation, Anreize setzen, Fördern und Fordern", workfare
 
Warum wird von wem ;) eigentlich unterstellt, man müsse bestimmte Menschen, "Arbeitsunwillige", zu Arbeit zwingen? Wen, weshalb, womit - mit welchen Folgen?
 
Wenn Menschen für die von ihnen erbrachte Arbeit - d.h. nicht nur kapitalistisch, wirtschaftlich ausbeutbare Lohnarbeit, Erwerbstätigkeit - gesellschaftliche Anerkennung, Wertschätzung erhalten, die Arbeit ihren Interessen, Fähigkeiten, Stärken, auch ggf. vorhandenen Einschränkungen entspricht, wenn die Arbeitsumstände nicht erheblich, intensiv, dauerhaft belastend oder gar (psychisch, sozial und/oder physisch) schädigend sind, wenn Menschen ihre Arbeit als sinnvoll, dem Gemeinwohl förderlich erachten, sie auch persönlich als anregend, erfüllend oder wichtig erleben, wenn sie mit dieser Arbeit ihre Existenz sichern, Lebensqualität erlangen, erhalten können, sich dadurch weiterentwickeln, anderen damit wohltun, wenn sie nicht als Menschenmaterial eingesetzt, benutzt, ausgebeutet, objektifiziert, verheizt werden, dann:
 
muss man niemanden, der auf die ihm mögliche Weise, unter den ihm persönlich möglichen Umständen (Art, Dauer, Umfang, Häufigkeit, Umgebung ... der jeweiligen Arbeit) "arbeiten kann", zu Arbeit "aktivieren", gängeln, zwingen, insbesondere nicht durch Druck, Kontrolle, Strafe.
 
Denn unter den oben genannten Voraussetzungen wird ein jeder Mensch freiwillig, gerne, überzeugt, eigeninitiativ genau die Arbeit tun, die ihm, seiner Persönlichkeit, seinen jeweils gegenwärtigen (sozialen, physischen, psychischen) Umständen, Verhältnissen entspricht.
Und nur unter diesen Voraussetzungen ist ein jeder Mensch tatsächlich und auch langfristig sowohl leistungsfähig als auch leistungsbereit: wenn er die Arbeit, inkl. Dauer, Arbeitszeit und -häufigkeit, freiwillig, überzeugt, idealerweise auch mit Freude erbringt.
 
Wer dies nicht tut, arbeitet mehrheitlich, wenn nicht ausnahmslos eben deshalb nicht (freiwillig), w e i l er ausgebeutet, benutzt, objektifiziert, also: entmenschlicht wird.
 
Weil er belastende, beschädigende, sinnlose "Arbeit" ableisten soll/muss, weil er damit häufig jedoch nicht einmal wenigstens seine Existenz sichern kann, geschweigedenn seine Arbeit mit Wohlergehen, Lebensqualität, Lebensfreude, Gemeinwohlförderung, Sinnhaftigkeit einhergeht oder dies ermöglicht, erreichbar macht. Stichworte Lohn, Einkommen, Wohlstand.
 
Ein solcher Mensch ist also kein "Arbeitsverweigerer, Sozialschmarotzer, Arbeitsscheuer, Asozialer" ..., sondern ein durch und durch vernünftiger Mensch. Stichwort Menschenwürde.
 
Ein anderer, sehr häufiger Grund dafür, warum jemand nicht in der oben beschriebenen Weise freiwillig arbeitet, arbeiten will/kann, ist Krankheit - physische und/oder psychische.
 
Sehr viele Menschen werden trotz bestehenden chronischen Erkrankungen zu Erwerbstätigkeit, Lohnarbeit genötigt, gezwungen. Siehe dazu die Ausführungen zur Erwerbsminderungsrente, Jobcentern, medizinischen Gutachten des Ärztlichen Dienstes der Agenturen für Arbeit sowie des MDK (Medizinischer Dienst der Kranken- und Pflegeversicherung) und der Deutschen Rentenversicherung etc..
 
- Einschub, ursprünglich verfasst am 01. Juni 2022:
 
Warum sollen Menschen miserabel "entlohnte", oft intensiv physisch und/oder psychisch belastende Arbeit, Drecksjobs, Maloche ableisten, wenn sie damit nicht einmal wenigstens ihre Existenz sichern können, geschweigedenn entschädigt werden?
Kein vernünftiger Mensch, der nicht Masochist ist, würde, wird sich so verhalten: wissentlich selbstschädigend, sich durch Staat, Regierung(en) vorsätzlich ausbeuten, verheizen, beschädigen lassend. Ein Staat, eine Regierung, die so agiert, ist sadistisch, destruktiv.
 
Müssten nicht gerade all jene Jobs, "Drecksjobs", überdurchschnittlich gut bezahlt werden, die keiner so wirklich gerne, aus Überzeugung, gar mit Freude, erfüllt (jahrelang!) macht bzw. machen muss?
Müsste es nicht also einen Bonus für all jene geben, der für die Schmerzen - siehe "Schmerzensgeld"- solch zermürbender Tätigkeiten, Arbeitsbedingungen, Lebensbedingungen wenigstens einigermaßen monetär sowie durch mehr Urlaub, Freizeit, Muße, Regenerationsmöglichkeit, Zeit (für sich selbst, Freunde, Familie...) entschädigt?
 
Denn Bundestagsabgeordnete erhalten für ihre offenbar immens belastende Tätigkeit längst eine monatliche Aufwands-, Abgeordnetenentschädigung in Höhe von €10.000,-, siehe unten verlinkte Quelle. -
 
Um es nochmal zu verdeutlichen:
Es geht im globalen Kapitalismus, somit Staaten, Regierungen, nicht darum, den Wohlstand der Bevölkerung, der Arbeit Leistenden, durch von ihnen erbrachte Arbeit zu ermöglichen, zu erhalten, zu sichern, sondern sie dies lediglich glauben zu machen.
Einige, vergleichsweise Wenige, profitieren davon, da sie vielfach privilegiert, wohlhabend, vermögend sind - bspw. familiär bedingt, durch Erbe, Vermögen, leistungsloses Einkommen, staatliche Vergünstigungen etc. - die Mehrheit der Weltbevölkerung: wird ausgebeutet, verheizt.
 
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16.03.2024
 
Da Berufspolitiker, Regierungsmitglieder, Bundestagsabgeordnete (MdB) so gerne so oft von "Arbeit, Leistung, Leistungsgerechtigkeit, Fleiß, Einkommen" sprechen, hierzu folgende Fragen:

 
Kann mir bitte jemand faktenbasiert, inkl. seriöser Belege aufzeigen, wodurch genau jeweils welche Tätigkeit eines MdB und/oder Regierungsmitglieds das Gemeinwohl wie fördert?
"Repräsentative" Demokratie?
 
Bundestagsabgeordnete, MdB - Arbeit? Leistung?
Siehe bspw. die sogenannte "Abgeordnetenentschädigung, Aufwandsentschädigung", Diäten, deren Höhe in Bezug zur Tätigkeit eines MdB: Angemessenheit, Verhältnismäßigkeit?
Aufschlussreich ist auch, aus welchen Berufszweigen MdB am häufigsten kommen: der Wirtschaft.
Sowie auch die Geschlechtszugehörigkeit: deutlich überwiegend Männer.
 
Man erläutere mir faktenbasiert, mit Nachweisen, inwiefern das in diesem Artikel Genannte das Gemeinwohl der Bevölkerung auf welche Weise, mit welchen konkreten Effekten, Ergebnissen fördert, stärkt?
bpb - "Arbeitswoche eines Bundestagsabgeordneten"
 
https://www.bpb.de/themen/politisches-system/deutsche-demokratie/39346/arbeitswoche-eines-bundestagsabgeordneten/
 
"Repräsentative", parlamentarische, indirekte "Demokratie", Volksvertretung, Vertretung der Interessen des "Volkes", der Staatsbevölkerung, Zivilbevölkerung?
Bundestagsabgeordnete, Regierungsmitglieder, Regierung/en - Gemeinwohl?
 
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Wikipedia-Eintrag "Mitglied des Deutschen Bundestages", screenshots vom 16.03.2024 Wikipedia-Eintrag "Mitglied des Deutschen Bundestages", screenshots vom 16.03.2024 Wikipedia-Eintrag "Mitglied des Deutschen Bundestages", screenshots vom 16.03.2024

Wikipedia-Eintrag "Mitglied des Deutschen Bundestages", screenshots vom 16.03.2024

"(...) Für die junge Frau, die in irgendeinem Haushalt angestellt ist, gilt das Putzen oder Kochen als Arbeit. Rackert sie sich für ihre eigene Familie ab, so zählt das nicht als Arbeit - allenfalls als Hausarbeit, und das ist etwas anderes.
 
Der Manager, der in einem elegant eingerichteten Chefzimmer residiert, ist überzeugt, daß er härter arbeitet als die Arbeiter in der Montagehalle. Schließlich erkennt der Staat bei Menschen seiner Klasse sogar das Essen mit Geschäftsfreunden als Arbeit an.
 
Arbeit, was ist das eigentlich?
Ist jede Arbeit wirklich Arbeit? Ist Arbeit das Gegenteil von Freizeit, Freizeit das Gegenteil von Arbeit? Wodurch unterscheidet sich Arbeit, die bezahlt wird, von der Arbeit, die nicht bezahlt wird? Ist die Erziehung der eigenen Kinder tatsächlich weniger wert als die Arbeit in einer Werbeagentur?
 
Und überhaupt - wieviel Arbeit braucht der Mensch? Ist Arbeitslosigkeit wirklich ein Übel? Und Vollbeschäftigung, sprich die 40-Stunden-Woche, ein natürliches Bedürfnis, das um jeden Preis befriedigt werden muß?
 
Die Repräsentanten der Arbeitsgesellschaft halten sich bei derlei Fragen gar nicht erst auf. Für sie stimmt, was die ökonomische Theorie lehrt. Als Arbeit, so lautet ihr Prinzip, gelten alle Tätigkeiten, die gegen Bezahlung ausgeübt werden. Arbeit, die unentgeltlich geleistet wird, ist keine Arbeit, auch wenn sie noch so nötig oder nützlich ist. So einfach ist das.
Und ebenso einfach sind die Rezepte, die zur Überwindung der statistisch unwiderlegbaren Arbeitslosigkeit angeboten werden.
 
Wenn es an bezahlter Arbeit mangelt, so stimmen Arbeitgeber und Gewerkschaften, Christen und Sozialisten rabentraulich überein, dann muß der Mangel eben ausgeglichen werden. Soll heißen: Das Volumen der Arbeit, die gegen Geld geleistet wird, muß aufgebläht werden; die Wirtschaft muß wachsen, wachsen, wachsen.
 
Uneins sind die Priester des Wachstums und der Vollbeschäftigung lediglich darin, wie sich das anvisierte Ziel erreichen läßt. (...)
 
 Es spricht sich herum, daß die natürlichen Ressourcen - Rohstoffe und Raum, Wasser und Luft - begrenzt sind. Und nicht nur Grüne beginnen zu verstehen, daß die Kosten des Wachstums bald seinen Nutzen übersteigen. Es ist ja S.60 durchaus nicht so, daß die Summe der gegen Geld verrechneten Arbeit einen zuverlässigen Maßstab für individuelles Wohlergehen bietet. Stoßen zwei Autos zusammen, so schafft das Wachstum, weil zwei neue angeschafft werden. Mindestens die Hälfte des Bruttosozialprodukts, so errechnete der Ökonom Alois Steiger, sei »wohlfahrtsfragwürdig«. Der größte Teil werde dafür aufgewendet, Schäden zu beheben, die ohne Wachstum gar nicht erst entstanden wären.
 
Der amerikanische Zukunftsforscher Alvin Toffler behauptet: Der Anteil des Bruttosozialprodukts, den man aufwenden müsse, um Konflikte beizulegen, Verbrechen zu bekämpfen, die Umwelt zu schützen, Krankheiten zu heilen und soziales Gleichgewicht zu erhalten, beginne »progressiv zu steigen«. (...)
 
 Die Entzauberung des Wachstums als Heils- und Glückspender trifft vor allem jene, deren Zukunftsentwürfe allein auf die Zuwachsraten des Bruttosozialprodukts gründeten. Immer nachdrücklicher fordern die Gewerkschaften Beschäftigungsprogramme, immer törichter werden die Argumente, mit denen die Sicherung der Arbeitsplätze begründet wird.
 
»Wir sind an einem Punkt angelangt«, umreißt der französische Philosoph Andre Gorz die Situation, »wo es im offiziellen Sprachgebrauch nicht mehr heißt, die Arbeit schafft Produkte, sondern die Produktion schafft Arbeit.«
 
Wie recht Gorz hat, zeigte sich gerade erst wieder auf dem Konvent der SPD. Die Sozialdemokraten machten die Floskel »Arbeit schaffen« zum Parteitagsmotto. (...)
 
 Erst die puritanische Arbeitsmoral verwandelte die Arbeit von einer Verbannung in eine Tugend. Ein Leben ohne Arbeit galt fürderhin als unmoralisch und schmarotzerhaft. »Arbeit ist des Blutes Balsam, Arbeit ist der Tugend Quell«, dichtete zum Beispiel Johann Gottfried Herder.
Andere Kulturvölker blieben da ganz anderer Meinung. Als die Europäer die Neue Welt eroberten, trafen sie dort ein Volk, in dessen Sprache das Wort »arbeiten« überhaupt nicht vorkam. Später setzten die Indianer das Wörtchen »fast« vor den Begriff »sterben« und meinten damit arbeiten.
 
Die modernen Industriegesellschaften blieben dagegen durch das puritanische Arbeitsethos geprägt. Nur wer einen Beruf hat, gilt als seriöses Mitglied der Erwerbsgesellschaft. Wer keine Arbeit hat, wird als minderwertig angesehen. »Die Arbeit«, meinte DGB-Chef Heinz Oskar Vetter, »ist ein Wert an sich.«
Es ist bezeichnend, daß zumeist jene die Arbeit verklären, die einen attraktiven Arbeitsplatz besitzen. Denn Selbsterfüllung und Selbstverwirklichung, von Hegel als Ideal der Arbeit postuliert, finden nur die wenigsten Menschen in ihrer Erwerbsarbeit.
 
Die Mehrheit erlebt die Arbeit in der Industriegesellschaft wohl eher so, wie sie der Chemie-Gewerkschafter Werner Vitt beschreibt: »Ich kenne viele«, so Vitt, »die unter dem Druck der schnell voranschreitenden Technologisierung ihre Gesundheit ruinieren, ihre Arbeitskollegen durch erhöhte Leistungen auszustechen suchen, ihre soziale Umwelt durch Unzufriedenheit, Nervosität und Ungerechtigkeit in einer Weise belasten, daß sogar freundschaftliche und verwandtschaftliche Bande zerbrechen.«
 
Die Realität der Arbeitswelt spiegelt sich in den Zahlen der Rentenversicherung. Jeder zweite Arbeiter und jeder dritte Angestellte muß wegen Invalidität vor Erreichen der Altersgrenze aus dem Arbeitsleben ausscheiden. Jeder sechste Arbeiter und jeder zehnte Angestellte wird vor dem 50. Lebensjahr arbeitsunfähig.
Was also heißt da Recht auf Arbeit? Selbst wenn sich unter diesen Frühinvaliden einige Drückeberger verstecken, so bestätigen die Zahlen nur, daß viel Arbeit nicht unbedingt Voraussetzung für ein erfülltes Leben ist.
Doch es wird immer schwerer für die Ideologen der Arbeitsgesellschaft. Sieben Prozent Wachstum wären nötig, um die Arbeitslosigkeit auf Null zu bringen. Und solche Zuwachsraten sind blanke Illusion. (...)
 
Mehr Erfolg als die Modelle, die alle Arbeitnehmer in einheitliche Zeit-Schablonen pressen, versprechen Lösungen, die den Menschen mehr individuelle Möglichkeiten bei der Wahl ihrer Arbeitszeiten eröffnen. (...)
 
Modelle, die den einzelnen Arbeitnehmern mehr »Zeitsouveränität« verschaffen und ihnen erlauben, Arbeit und Freizeit besser zu mischen, gibt es zuhauf: Teilzeitarbeit und Jobsharing, Langzeiturlaub und gleitender Ausstieg aus dem Arbeitsleben.
Der Abschied von den konventionellen Zeitnormen mildert nicht nur die Arbeitslosigkeit; er könnte auch die Qualität der Arbeit grundlegend verändern. Erst die extrem arbeitsteilige Industriegesellschaft hat die Arbeit zu dem gemacht, was sie heute ist: eine aus anderen Lebenszusammenhängen herausgelöste Tätigkeit.
 
Erfindergeist, Technik und Energieeinsatz haben den Menschen soviel Arbeit abgenommen, daß sie sich erlauben können, statt fremdbestimmter Arbeit wieder mehr Arbeit für sich selbst zu leisten. Denn weniger Erwerbstätigkeit, das muß beileibe nicht nur mehr Muße oder Langeweile und schon gar nicht mehr Zeit zum einfallslosen Konsumieren heißen. Im Gegenteil: Weniger Arbeit in der Geldwirtschaft schafft Freiräume für Arbeit, die nicht zerstückelt ist, die der einzelne gern verrichtet, die ihm persönlich nützt. Diese Art von Arbeit schafft zwar kein Einkommen und wird daher nicht in die Statistik des Bruttosozialprodukts aufgenommen, aber sie stiftet zumeist mehr Nutzen und Lebensfreude als ein paar Geldscheine oder das, was man dafür kaufen kann.
Die Neuaufteilung der Arbeit müßte nicht einmal mit Einkommenseinbußen verbunden sein. Es reichte schon, wenn der Produktivitätsfortschritt, der bisher zur Steigerung der Kaufkraft verwendet wurde, in Zukunft für die Verminderung der Arbeitszeit genutzt würde.
 
Daß dies die Politiker dazu zwingen würde, das auf stetig steigende Einnahmen ausgelegte Sozialsystem zu reformieren, wäre kein Nachteil. Die auf totalen Schutz zielenden staatlichen Zwangsversicherungen sind immer weniger in der Lage, die sozialen Schäden auszugleichen, die durch die Arbeitsgesellschaft verursacht werden. Der wachsenden Zukunftsangst, der zunehmenden Vereinsamung und dem Mangel an menschlicher Wärme stehen die Sozialbürokratien hilflos gegenüber.
 
Eine Gesellschaft, die von den alten Arbeitsformen Abschied nimmt, könnte zwar den Sozialstaat herkömmlicher Art nicht mehr bezahlen. Sie böte dafür aber eine bessere Lösung an: Soziale Dienstleistungen wie Kindererziehung, Altenpflege und Krankenbetreuung könnten in die kleinen Netze der Familie, des Freundeskreises oder der Nachbarschaft zurückverlagert werden. Denn für solche Tätigkeiten hätten die Menschen dann mehr Zeit. (...)
 
Noch nie zuvor haben sich so viele in Selbsthilfegruppen und Kleingenossenschaften, in Interessengruppen und Bürgerinitiativen zusammengeschlossen. Und was sonst demonstrieren die vielen Wohngemeinschaften als den Versuch, verlorengegangene Familienbande durch neue Beziehungen zu ersetzen?
 
Die Abkehr von den ökonomischen Werten der Arbeit und des Habens hin zu den humanen Werten des Seins oder, in eine gängigere Formel gefaßt, von industriellen zu nachindustriellen Wertvorstellungen läßt sich auch an einer Fülle von Meinungsumfragen ablesen. Der Berliner Politologe Richard Löwenthal irrt, wenn er glaubt, der Bewußtseinswandel betreffe nur eine kleine Minderheit.
 
Was also hindert Arbeitgeber und Gewerkschaften, die Arbeit zum Nutzen aller umzuverteilen und neu zu ordnen?
Ganz einfach: Die Frage nach der Organisation und dem Stellenwert fremdverrichteter Arbeit ist zugleich auch die Frage nach der Herrschaft über die Menschen. Je weniger Bedeutung die Arbeit bekommt, desto mehr schwindet auch die Macht von Arbeitgebern und Gewerkschaften.
Der britische Ökonom Denis Pym trifft den Punkt, wenn er feststellt: »Wir sind alle Sklaven der Arbeit und ihrer Institutionen - Arbeitgeber, Gewerkschaften und Regierung -, nicht weniger, als die Menschen im Mittelalter Sklaven der Kirche, des Adels und der Sitten waren.«
Der Arbeitsgesellschaft, hat Hannah Arendt vor 20 Jahren vorausgesehen, geht allmählich die Arbeit aus. Schaden muß das nicht."
 
Der Spiegel, 18/1982
 
31. Oktober 2022
 
Warum lasst ihr - nicht vermögenden Werktätigen, Niedriglohnempfänger, Dienstleistungsprekariat, workingpoor, von Armut Betroffenen, Beschädigten, Unbemittelten, HartzIV-Erhaltende/"Bürgergeld", Kranke, Alte, Alleinerziehende ... - euch eigentlich wie lange noch ausbeuten, verheizen?
 
Arbeit, Leistung, Wohlstand, Einkommen, "Wert der Arbeit", "Recht auf Arbeit", "Teilhabe, Teilhabechancengesetz, Integration, Arbeitsethik" - Arbeitsbegriff, Manipulation, Indoktrinierung, Konditionierung, Dressur, Ausbeutung, Armut.
Generalstreik
 
Warum muss auch jeder "einer Erwerbstätigkeit nachgehen"? Es wird so viel Arbeit geleistet - unentgeltlich. Es wird so viel sinnvolle, gemeinwohlförderliche, wichtige, wohltuende Arbeit nach wie vor nicht als Arbeit anerkannt, erkannt. So bspw. Sorge-Arbeit, sogenannte Reproduktionsarbeit, Ehrenamt u.v.a.m..
 
Regierungen haben Menschen eingetrichtert, indoktriniert, moralisiert, es gebe ein "Recht auf Arbeit" und kapitalistisch ausbeutbare Erwerbstätigkeit - fürs Wirtschaftswachstum - die häufig nicht einmal ihre Existenz sichert, diene dem Gemeinwohl und persönlichen Wohlstand.
Zu viele Menschen glauben das, waren, sind, bleiben gehorsame Untertanen, finden sich mit den Gnadenbrosamen ab, die ihr Job abwirft oder sind auf ihren Wohlstands-, Vermögens-, Privilegienerhalt bedacht, der vorgeblich auf persönlicher Leistung beruht.
 
Wann überwinden wir den Erwerbsarbeitsfetisch, wonach nur jene Menschen als "wertvoll und zufrieden" gelten, die möglichst lange möglichst viel malochen, lebenslang in Drecksjobs ausgebeutet, verheizt werden oder bullshitjobs machen, die nicht zum Gemeinwohl beitragen?
Es geht ja nicht ums tatsächliche Gemeinwohl, Wohlergehen der Leute, sondern um Profit, Wirtschaftswachstum, Kapitalakkumulation, Vermögenszuwachs, Macht und Deutungshoheit einiger vergleichsweise Weniger - auch global.
 
Und so ist der "Produktionsfaktor Arbeit" - neben Maschinen, inkl. zunehmender Digitalisierung, nicht nur Industrialisierung - der Mensch: über Erwerbsarbeit bequem ausbeutbar, wenn, weil und so lange er auf ein Erwerbseinkommen zur Existenzsicherung angewiesen ist.
 
In staatlichen Schulen werden Kinder, Jugendliche immer früher - via Berufs"beratung", Praktika etc. - in Erwerbstätigkeit, ins "Arbeitsleben", in Lohnarbeit gedrückt, insbesondere, wenn es sich nicht um Abiturienten und um nicht-vermögende Familien handelt.
Um Allgemeinbildung, Persönlichkeitsentwicklung und -reifung, um das Individuum, dessen Bedürfnisse, Wünsche, Belastungen, Einschränkungen, Sorgen, Nöte, tatsächliche Interessen, Neigungen, Fähigkeiten und Belastungsgrenzen geht es: null. Schon bei Kindern und Jugendlichen so. Menschenmaterial.
 
Es ist kein "Arbeitsmarkt", sondern ein Beschäftigungs- und Ausbeutungsmarkt. Es sind keine "Arbeitslosen", sondern Erwerbs-, Einkommenslose - die häufig arbeiten.
 
Die brave, folgsame, konditionierte, ab Kindergarten, Kita und Schule indoktrinierte Mehrheit hat den Mythos vom "Recht auf Arbeit", die Malochepflicht, das Untertanentum, die Selbstverknechtung so stark verinnerlicht, dass sie sich freiwillig schädigen lassen. Staat, Regierung.
 
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Arbeit - Erwerbsarbeit, Arbeitsfetisch, Arbeitsideologie und Kapitalismus ...
Das grundsätzliche Problem ist unser gängiger Arbeitsbegriff
 
Mit Arbeit assoziieren die meisten Menschen Erwerbstätigkeit und Frust, Stress, Maloche, Bürde.
 
Dass Arbeit auch soziales, kreatives, mentales, intellektuelles, emotionales Tätigsein ist, dass auch und gerade Sorge-Arbeit eine weltweit unentbehrliche Arbeit ist, dass etliche Arbeit ehrenamtlich geleistet wird - gerade "zwischenmenschlich" - all das m u s s natürlich außenvorbleiben und überdies diskreditiert, entwertet, mindestens relativiert werden, da es nicht ins neoliberal-kapitalistische System passt, da es diesem zuwiderläuft; und genau diese Erkenntnis (bei einer Mehrheit der Bevölkerung sich einstellend) muss dringend vermieden werden - von all jenen zumindest, die Profiteure des bestehenden Systems sind, siehe Wirtschaftswachstum, Primat der Wirtschaft, global destruktiver Kapitalismus, Gier, Neid, Strafe, Druck, Kontrolle, Zwang, Gewalt - und es daher mit allen Mitteln zu erhalten versuchen.

Was Menschen entwertet, ist nicht Erwerbslosigkeit, sondern wie Erwerbslose diffamiert, behandelt, ausgegrenzt, herabgesetzt, entwertet werden und es ist die materielle Armut, die sie entwertet, entwürdigt sowie die Schwarze Pädagogik und Weisse Folter (Hartz 4-Schikane, -Bürokratie, das bloße Verwalten von Menschen als "Kundennummern"), die sie systematisch, sukzessive v e r n i c h t e t: psychisch, sozial, physisch - existenziell, total.
 
Denn es geht global nicht um das durchaus mögliche Beheben von Armut, sondern um das Ausrotten der Armen - der Menschen, die von Armut betroffen, beschädigt sind, der nach wie vor als "Asoziale, Ballastexistenzen" geltenden, siehe NS-Ideologie, -Terminologie, -Menschenbild.
 
Was ist das für eine beschissene Welt, in der Menschen sichere Existenz haben, frei von Armut sind, Lebensqualität erlangen: nicht durch einen guten Charakter und gemeinwohlförderliche Arbeit, sondern indem sie andere übervorteilen, knechten, ausbeuten, lügen, betrügen, zerstören.
 
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26. November 2023
 
Deutschlandfunk, Mathias Greffrath - "Eine knappe Weltgeschichte der Arbeit in praktischer Absicht"
Nein, nicht "der Mensch, die Menschheit", das "Anthropozän" ist das Problem, sondern das Androprozän, das Patriarchat. Mit keinem Wort erwähnt. Wie üblich.
 
Nein, uns geht nicht die Arbeit aus und wir entwickeln uns nicht zu Tieren zurück, wie Hannah Arendt zitiert wird, sondern wir arbeiten w i e d e r menschlich: wohltuend, solidarisch fürs Gemeinwohl statt wie Roboter, Maschinen im Kapitalismus für Profit, Vermögen einiger Weniger.
 
Der Reichtum der Vermögenden dieser Welt gründet sich - von jeher, seit Jahrtausenden - auf die systematische Unterdrückung, Benachteiligung, Beschädigung und Ausbeutung biologischer Frauen. Patriarchat.
 
Und nochmal: Arbeit ist nicht dasselbe wie kapitalistisch ausbeutbare Erwerbstätigkeit.
 
Auch an dieser Stelle der Verweis auf Doris Wolf - vom Matriarchat, matriarchal, matrifokal, matrilinear Gemeinschaften, Lebensweise, zum Patriarchat:
 
 
Abermals auch der Verweis auf Erich Fromm:
 
""Wir leben in einer Gesellschaft von notorisch unglücklichen Menschen. (...)
 
Wen bewundern wir denn heute in Europa - bewundern wir den Armen, den Aufopfernden, den Liebenden?"
 
"Es ist gar nicht das Unbehagen in der Kultur, es ist das Unbehagen in der bürgerlichen Gesellschaft, die den Menschen zum Arbeitstier macht und alles, was wichtig ist, die Fähigkeit zu leben, für sich und für andere da zu sein, zu denken, nicht ein Instrument zu sein für die Wirtschaft, sondern der Zweck alles wirtschaftlichen Geschehens, das macht eben die Menschen so, wie sie sind. (...)
 
Die Normalsten sind die Kränkesten und dei Kranken sind die Gesündesten. (...)
Das Symptom ist ja, wie der Schmerz, nur ein Anzeichen, dass etwas nicht stimmt.
Glücklich der, der ein Symptom hat."
 
Erich Fromm - aus dem Gespräch zu "Haben oder Sein"
 
 
Nochmal: Es ist nicht "der Mensch, die Menschheit" destruktiv, gewalttätig, vernichtend, es ist seit Jahrtausenden der patriarchal-autoritäre Mann.
 
 
Gewalt gegen Frauen, Männergewalt. Weltweit. Täglich. Seit Beginn des Patriarchats vor ca. 10 000 Jahren.
 
Das ist tatsächlich der Grund für die Entstehung und den Erhalt des Patriarchats - nicht die Sesshaftwerdung, der Ackerbau, die neolithische Revolution, sondern was bestimmte Männer weshalb wie daraus mach(t)en. Patriarchat ist Kompensationsverhalten.
 
Nein, das Patriarchat entstand nicht, weil es Biologie, zwei biologische Geschlechter gibt, sondern weil biologische Männer sich biologischen Frauen unterlegen und von ihnen abhängig fühlten und das nicht ertrugen.
 
Und das zeigt sich insbesondere in "Geburtenkontrolle", Schwangerschaftsabbruch, Abtreibungsgegnern, FGM: Genitalverstümmelung von Frauen und Mädchen - eben, w e i l es um Biologie, biologisches Geschlecht und Folgen geht. Um Macht, Kontrolle, die Männer über Frauen "haben", tätigen wollen.
 
Pathologisieren von weiblichem Zyklus, Schwangerschaft, Geburt, Gebären, Stillen, Wechseljahren, Abtreibung, Sex, Porno, Prostitution, FGM, Kleidungsvorschriften - es geht immer um Kontrolle, Unterwerfung, Misshandlung der Frau durch den Mann. Patriarchat.
 
Und es ist so gut wie immer religiös, also ideologisch, also patriarchal "begründet", motiviert, initiiert. Gewalt, Frauenhass, Frauenentwertung, Kontrolle, Unterwerfung, Misshandlung der Frau. Patriarchat. Die Angst der Männer vor - starken, freien, selbstbestimmten - Frauen.
 
Gewalt gegen Frauen ist übrigens auch der patriarchal-autoritäre, global destruktive Kapitalismus, Neoliberalismus mit entsprechender "Ökonomie" - Staat, Regierungen - und Definition von Arbeit und Leistung. Systematische Ausbeutung.
 
-
Erich Fromm, zitiert aus unten verlinkten Videos "Der passive Mensch" und "Menschliches Wachstum":
 
"Der passive Mensch ist der ewige Säugling. Ob er nun konsumiert: Zigaretten, Bier, Wein, Alkohol, Frauen oder Männer, Bücher, Zeitungen, Television - alles, es kommt gar nicht darauf an (...). Die Haltung des offenen Mundes, des Säuglings, der auf die Flasche wartet und dann wird er langsam befriedigt. Er hat nichts zu tun. Keine seiner seelischen Kräfte wird davon berührt, er wird in keiner Weise aktiviert. Aber er wird zum Schluss schläfrig. (...)"
 
Erich Fromm zu Arbeit:
 
"Die grundsätzliche Frage: Was ist unser Ziel? Ist unser Ziel die größere Produktivität oder ist unser Ziel das Wachstum und die Entfaltung des Menschen? (...) Viele Dinge sind gut für die Industrie und schlecht für den Menschen."
 
 
 
Was Erich Fromm über den passiven Menschen sagt, der alles ! passiv konsumiert, danach giert, maßlos in sich hineinschlingt, ohne dabei je satt zu werden, erfüllt sein zu können, trifft besonders auf Narzissten zu. Narzissmus, Gier Liebesunfähigkeit.
 
15. Juni 2023
 
Was für ein großartiger junger Mann und Schriftsteller: Édouard Louis!
 
Gewalt, Angst, Arbeiterklasse, workingpoor, Prekariat, Armut, Gilets Jaunes, Patriarchat, Männlichkeit, Wahrheit, Wirklichkeit (in Politik, Regierungspolitik) - all das und noch weiteres wird in oben verlinkter Sendung/Video des SRF (Sendung "Sternstunde Philosophie" vom 17.02.2019 mit Édouard Louis) thematisiert, selbstverständlich auch unter Bezugnahme auf Pierre Bourdieu.
 
"Was Verantwortung bedeutet"
 
Wenn ich das mal so simpel formulieren darf: Ja, Édouard Louis spricht mir selbstverständlich aus dem Herzen. Und ja, auch ich schätze die Gilets Jaunes sehr und bin dankbar dafür, dass es diese, solche Menschen gibt! Leider in Frankreich. In Deutschland nur als Einzelne.
 
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David Graeber über Bullshit-Jobs

jacobin.de

30. Juli 2023
 
"(...) Das Konzept habe ich der feministischen Theorie entliehen. Ich glaube, das ist sehr wichtig, weil die traditionelle Idee von Arbeit sehr theologisch und patriarchal ist. (...)
 
Nun, hier ist eine Tasse. Jemand muss diese Tasse herstellen. Das ist wahr. Aber man stellt die Tasse einmal her und wäscht sie zehntausendmal ab, richtig? In den meisten Vorstellungen verschwindet diese Art der Arbeit vollkommen. Meistens geht es bei Arbeit nicht um das Produzieren von Dingen, es geht darum, sie beizubehalten, sie zu erhalten, sich darum zu kümmern. Und genauso geht es auch darum, sich um Menschen zu kümmern, um Pflanzen und um Tiere. (...)"
 
David Graeber
 
17. November 2018
 
Nochmal:
Es geht doch nicht um Arbeit: für das Gemeinwohl- es geht darum, einen Mythos aufrechtzuerhalten, um Menschen mittels Erwerbstätigkeit im Kapitalismus ausbeuten, sie unterwerfen, sie verbrauchen, ausschlachten, verheizen zu können. Um Macht und Kontrolle über sie zu haben und zu behalten.
 
Es geht darum, ihren W e r t und ihre W ü r d e an diesen Mythos zu heften; dabei wird Arbeit gerade absichtsvoll als ausschließlich Erwerbstätigkeit definiert - sämtliche weitere, sinnvolle, notwendige, für das Gemeinwohl tatsächlich unentbehrliche Arbeit bleibt absichtsvoll aussen vor, denn nur mittels der Ausbeutung über Lohnarbeit ist der Kapitalismus aufrechtzuerhalten - somit die Privilegien, der Reichtum, die Macht und Kontrolle einiger Weniger zu Lasten der vielen Armen, Beschädigten - der Ballastexistenzen.
 
Deshalb wird ein "Recht auf Arbeit" proklamiert. Gleich, wie zermürbend, beschädigend, ausbeutend, destruktiv für Mensch, Individuum und Umwelt, für das Gemeinwohl diese "Arbeit", diese Erwerbstätigkeit, Lohnarbeit ist und dass man damit häufig nicht einmal wenigstens die eigene Existenz sichern kann.
 
Es geht darum, Menschen dahingehend weiterhin zu indoktrinieren, zu konditionieren, zu dressieren, damit sie selbst daran glauben (sollen) und damit ihnen die Möglichkeit für Muße, zum Denken, Reflektieren, Erkennen, Austausch und für prosoziales, zwischenmenschliches Verhalten, Tätigsein genommen wird, entzogen werden k a n n, denn sie sind vor lauter Maloche, Existenzsicherungskampf, Abstiegsängsten und Leistungsideologie zu entkräftet und zu verblendet, um noch erkennen und sich aktiv solidarisieren zu können, zu wollen.
 
Und genau das soll ja so. Spalten, Zwietracht säen. Divide et impera. Nach wie vor funktioniert das sehr gut, siehe gerade auch den Rechtspopulismus, rechte Agitation, Demagogie - rollback in usa, Europa - Konservatismus, Autoritarismus, pathologischer Narzissmus.
 
Siehe auch David Graeber über bullshitjobs.
 
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update 07. Februar 2022
 
Wie geht eine Gesellschaft mit ihren Alten, Sterbenden, Kranken, Versehrten, Kindern, Fremden um?
 
Wir lagern sie sämtlich in Einrichtungen zur Fremd"betreung" aus - bequem, kalt, schäbig. Um "frei", ohne Ballast, der Lohnarbeit frönen zu können, uns unter diese Knute zu beugen.
 
Wohl wissend, aber zumeist, alltäglich verdrängend, dass wir alle einmal Kinder waren, krank, alt werden und dass nichts im Leben eines jeden Menschen so gewiss ist wie der Tod - nicht nur sein eigener.
 
Wie barbarisch kann Mensch sein: wenn sein Mitgefühl betäubt ist.
 
So lange es Kapitalismus, Neoliberalismus gibt, so lange Menschen über Erwerbsarbeit systematisch ausgebeutet werden können und andere infolgedessen ihren zumeist ererbten Reichtum mehren, so lange wird es Armut geben.
 
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Faktencheck zur Sendung "Die Anstalt" vom 20. Dezember 2022

zdf, Die Anstalt, Faktencheck

Martin Luther und der Erwerbsarbeitsfetisch, Anfänge der Lohnarbeit, der Ausbeutung, Calvinistische Arbeitsethik und bis heute wirkmächtige Folgen.
 
"[...] Die frischgebackenen Lohnarbeiter nahmen ihr Los nicht einfach hin: Die eigene Arbeitskraft an eine andere Person zu verkaufen und damit deren Profit zu mehren, galt den Menschen damals als unehrenhaft und entwürdigend. Wie sich die Zeiten doch ändern – heute akzeptieren wir die Lohnarbeit als naturgegeben wie den alltäglichen Sonnenaufgang. Viele arbeiteten damals nur solange, bis sie genügend Geld hatten und ließen dann buchstäblich bis zum Monatsende den Hammer fallen. Die Unternehmer reagierten schnell und senkten die Löhne so, dass sie gerade zum Überleben ausreichten. Daraufhin zettelten die Lohnarbeiter Streiks an, betrieben Sabotage oder stibitzten Gegenstände aus den Fabriken, um sie zu verhökern.
 
"Gott will keine faulen Müßiggänger haben, sondern man soll treulich und fleißig arbeiten, ein jeglicher nach seinem Beruf und Amt, so will er den Segen und das Gedeihen dazu geben", behauptete Luther. Während Jesus noch ein glücklicher Arbeitsloser war, wurden Faulheit und Zeitvergeudung spätestens jetzt zur Todsünde – und sind es bis heute. Nur wer arbeitet, hat eine Existenzberechtigung. Was vor der Reformation noch undenkbar war, ist seitdem das Maß aller Dinge, wie Michel Foucault kritisiert: "Man muß einen Beruf haben, einen Status, eine erkennbare Identität, eine ein für allemal fixierte Individualität. Und schließlich muß man einen Meister haben und in eine Hierarchie eingeordnet sein; man existiert nur innerhalb festgelegter Herrschaftsverhältnisse: Bei wem arbeiten Sie? D.h. da Sie nicht Meister sind, müssen Sie Diener sein, egal, unter welchen Bedingungen; es geht ja nicht um die Befriedigung Ihrer Individualität, sondern um die Aufrechterhaltung der Ordnung."
 
Die protestantische Erwerbsethik segnete den neu aufkommenden Arbeitsfetisch und erteilte den Lohnsklaven damit quasi die letzte Ölung. "Seid untertan der Obrigkeit", zitierte Luther die Bibel und verbat sich jeden Protest am profitgierigen Obrigkeitsstaat. Nach und nach füllten sich die Fabriken Europas mit Lohnsklaven und die Straßen mit Vagabunden. War das Betteln während des Mittelalters noch eine völlig legitime Lebensweise, um über die Runden zu kommen, wurden die Arbeitslosen nun in Arbeitshäusern interniert. Edward VI., der erste protestantische König Englands, erließ 1547 folgendes Gesetz: "Wenn jemand zu arbeiten weigert, soll er als Sklave der Person zugeurteilt werden, die ihn als Müßiggänger denunziert hat. Er hat das Recht, ihn zu jeder auch noch so eklen Arbeit durch Auspeitschung und Ankettung zu treiben. Wenn sich der Sklave für 14 Tage entfernt, ist er zur Sklaverei auf Lebenszeit verurteilt und soll auf Stirn oder Backen mit dem Buchstaben S gebrandmarkt, wenn er zum drittenmal fortläuft, als Staatsverräter hingerichtet werden. Der Meister kann ihn verkaufen, vermachen, als Sklaven ausdingen, ganz wie andres bewegliches Gut und Vieh." [...]
 
Im Oikos, der antiken und mittelalterlichen Hausgemeinschaft, arbeiteten Männer und Frauen zusammen – keine Arbeit war "mehr wert" als die andere. Doch mit dem aufkommenden Kapitalismus schuftete Adam außerhalb des Oikos, während Eva ihm ein kuschliges Zuhause bereitete und in die private Häuslichkeit gedrängt wurde. Einzig die Lohnarbeit führt seither zu gesellschaftlicher Anerkennung, während die unbezahlte Hausarbeit bis heute als selbstverständlich hingenommen und weitgehend marginalisiert wird, wie die Feministin Laurie Penny kritisiert: "In Wirklichkeit ist Hausarbeit überhaupt nicht trivial. Ohne die Arbeit, die Frauen umsonst leisten, würde jede westliche Ökonomie innerhalb weniger Tage kollabieren. Der Betrag, der Frauen für ihre unbezahlte Betreuungs- und Hausarbeit zustünde, wäre in den USA sechsmal höher als der nationale Verteidigungsetat, und der ist bekanntermaßen nicht gerade klein." [...]
 
Martin Luther, Huldrych Zwingli und Johannes Calvin befürworteten nicht nur den Allmenderaub, sondern auch eine Aufhebung des Zinswuchers: Bis zur Reformation waren Zinsen gemäß den biblischen Geboten weitgehend verboten. Luther verwarf diese Gebote und erklärte, dass Zinssätze von vier bis fünf Prozent rechtmäßig seien. Die Könige und Fürsten ließen sich natürlich nicht zweimal bitten, Luthers Auffassung zu folgen, um Profite zu machen. Manch Historiker sieht hier, parallel zum Allmenderaub, die Geburt des Kapitalismus, der sich ja maßgeblich von Krediten und Zinsen nährt. Max Weber betont in seinem Klassiker Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus (1904), "dass unser heutiger Begriff des Berufs religiös fundiert sei" und dass "das Ethos des rationalen bürgerlichen Betriebs und der rationalen Organisation der Arbeit" der Reformation entspringe.
 
Dass vormals freie Flächen und Quellen rund um den Globus eingezäunt sind und ausgebeutet oder niedergebrannt werden, hinterfragt heute kaum jemand. Dass die Lohnarbeit ein historisch recht junges Zwangsgebilde ist, das allein dem Zweck dient, den Profit anderer zu mehren, ist selbstverständlich geworden. Dass Schuldzinsen tausende Menschen und ganze Staaten knechten, wird als Notwendigkeit abgetan. Heute, wo sich viele vom Glauben abwenden, sind der Kapitalismus und die Arbeit zum Gottesersatz geworden und sie weisen alle Merkmale einer Religion auf: unhinterfragte Vergötterung ihres Sinnstifters, Inkaufnahme schmerzhafter Entbehrungen, übersteigerte Symbole und Riten sowie eine rigorose Bestrafung all jener, die partout nicht "glauben" wollen. Wer nicht arbeiten will, muss fühlen. Und wer nicht zahlen will, erst recht. [...]"
 
Quelle: zeit.de - "Martin Luther, der Vater des Arbeitsfetischs"
"[...] Warum aber ist es so schwierig, uns von der Vorstellung der zentralen Stellung von Erwerbsarbeit in unserem Leben zu lösen? Die kulturelle Hegemonie der Lohnarbeit – die Verknüpfung von Identität mit unserer Stellung im Erwerbsprozess – herrscht aller Aufklärung zum Trotz ungebrochen fort. Weder feministische noch ökologische Argumente haben bisher viel an der herrschenden sozialen Norm von Vollzeitbeschäftigung in Lohnarbeit ändern können.
 
Dabei ist die moderne kapitalistische Lohnarbeit als lebenslange Vollzeiterwerbstätigkeit nicht vom Himmel gefallen, sie musste sich historisch erst gegen ihre Vorläufer durchsetzen: bäuerliche und handwerkliche Formen der Subsistenzwirtschaft. Zum gewaltsamen Prozess dieser Durchsetzung gehörte nicht nur eine eiserne kapitalistische Fabrikdisziplin, sondern auch eine ganze Reihe von Enteignungen von Land und Produktionsmitteln sowie ein mächtiger staatlicher Apparat der Disziplinierung und Dressur von Menschen, die den Lohnarbeiter als kapitalistische Arbeitskraft überhaupt erst hervorgebracht haben. Als „normale“, das heißt als legitim anerkannte Lebensform ist die kapitalistische Arbeitsgesellschaft erst in der sozialstaatlich eingerahmten Industriegesellschaft entstanden. Dazu gehörte zum einen ein Klassenkompromiss, zum anderen die Institution der patriarchalen Kleinfamilie mit geschlechtsspezifischer Arbeitsteilung. Erst dann erscheint diese Gesellschafts- und Lebensform nicht mehr einfach nur als Gewalt und Ausbeutung, sondern als legitime politische Ordnung. Und erst dann kann die Arbeit und der Arbeitsplatz so etwas wie eine spezifische soziale „Identität“ des Arbeiters erzeugen. [...]
 
Voraussetzungen sind aber relativ sichere Arbeitsplätze im Industriesektor zum einen sowie die kulturelle Norm von geschlechtsspezifischer Ungleichheit und geschlechtsspezifischer Arbeitsteilung zum anderen. Beide Voraussetzungen sind heute zerfallen: Sowohl die historische Verknüpfung von Arbeiter-Identität und lebenslangem Vollzeitjob als auch die als „normal“ geltende Befreiung des männlichen Arbeiters von Haushalts- und Erziehungsarbeiten lösen sich auf. Diese Krise der Arbeitsgesellschaft dauert bereits seit Jahrzehnten an, hat aber noch nicht zu neuen sozialen Institutionen geführt. Seitdem werden fortschrittliche Alternativen wie radikale Arbeitszeitverkürzung oder ein bedingungsloses Grundeinkommen diskutiert. Sie stehen einem immer noch mächtigen Arbeitsgesellschaftskonservatismus gegenüber, der von den meisten großen Parteien sowie von Unternehmer- und Gewerkschaftslager geteilt wird. Das Festhalten am identitätsstiftenden Charakter von Lohnarbeit als zentraler sozialer Grundnorm ist ihr Mantra, auch wenn die Abnahme sicherer sowie einigermaßen existenzsichernder und qualifizierter Jobs nicht mehr zu leugnen ist.
 
Zwar gibt es mittlerweile ein wachsendes Unbehagen an den vielen Formen von ökonomisch unsinniger Scheinbeschäftigung und Mehrarbeit sowie an der chronischen Unterbewertung unbezahlter, zumeist weiblicher Arbeit. Doch die politische Formel, auf die man sich geeinigt hat, scheint weiterhin die herrschende Norm männlicher Lebensverläufe zur Voraussetzung zu nehmen. Die Benachteiligung weiblicher Lebensverläufe wird mit der einfachen Losung beantwortet: mehr weibliche Erwerbsbeteiligung. So werden die Doppel- und Mehrfachbelastungen chronisch, in denen sich Menschen wiederfinden, wenn sie sich nicht nur für Lohnarbeit, sondern auch für unbezahlte familiäre und andere soziale Arbeit zuständig fühlen. Man bürdet sie den Betroffenen als ihr Privatproblem auf und versucht, die Nachteile mit teuren öffentlichen Betreuungseinrichtungen abzumildern. Zugleich zeichnet sich längst ein Projekt der sozialen Spaltung ab: Die Besserverdienenden und Höherqualifizierten lösen ihre Probleme der Haus- und Sorgearbeit, indem sie sie an andere delegieren. Willkommen in der Dienstbotengesellschaft. [...]
 
Die absehbaren Potenziale der Rationalisierung von Arbeit hängen nur dann als Damoklesschwert über der Gesellschaft, wenn wir weiter Angst davor haben, dass insgesamt die Menge gesellschaftlich notwendiger Arbeit zurückgeht. Dieser Angst können wir nur mit einer konkreten Fortschrittsidee begegnen: einem Bild von einer möglichen anderen Gesellschaft, einer Vorstellung von einem guten Leben für alle. Doch die derzeit herrschenden Eliten in Politik, Gewerkschaften, Wirtschaft, Kultur und Medien schrecken vor dieser fortschrittlichen Vision zurück. [...]
Das Zurückschrecken der IG Metall vor dem eigentlich logischen nächsten Schritt, dem Kampf für die 30-Stunden-Woche nämlich, zeigt, wie es heute um fortschrittliche Arbeitszeitpolitik bestellt ist.
 
Zwar lassen sich immer mehr Argumente für eine Reduzierung der Arbeitszeiten finden. Aber die Forderung nach einer generellen Veränderung der herrschenden Tarifnorm, und damit der wichtigsten Vorgabe für die zeitliche Struktur im Alltagsleben der Menschen, findet aktuell keine Mehrheit. Alle segeln jetzt unter der Flagge der Flexibilität – anstatt dass Progressive für eine generelle Änderung der herrschenden Norm einträten. [...]
 
Fortschrittliche Arbeitspolitik zielt auf eine generelle Verkürzung und soziale Umverteilung aller Arbeitszeiten und Arbeitsarten, aller Qualifikationen und Belohnungen ab. Das ist eine klare Vision von sozialer Gerechtigkeit, Geschlechtergerechtigkeit und ökologischer Nachhaltigkeit. Aus meiner Sicht ist dies der Kern des Narrativs einer zukünftigen Linken, das es ungleich selbstbewusster zu vertreten gälte als bisher. Nur wenn die intellektuellen und politischen Eliten auch sich selbst in solche Überlegungen einbeziehen, und das heißt, wenn sie sich auch für sich selbst ein anderes, vielfältigeres Leben, mit anderen Schwerpunkten und Identifikationen außerhalb von Erwerbsarbeit vorstellen können und wünschen, sind sie in der Lage, glaubwürdig für eine Gesellschaft jenseits des Primats der Lohnarbeit einzutreten. Das beinhaltet dann eben auch den Einsatz für die Teilung von Führungspositionen in Kulturinstitutionen, Medien, Hochschulen, Partei- und Gewerkschaftsapparaten. Die große Masse prekär beschäftigter Wissensarbeiterinnen lebt ohnehin schon lange so – nur bisher eben ohne die nötige materielle und symbolische Anerkennung. [...]
 
Wenn wir der wirtschaftlichen Produktivitätssteigerung einen fortschrittlichen Sinn geben wollen, dann muss sich die Verknüpfung von Identität und Vollzeitlohnarbeit ändern. Es geht dabei nicht um ein abstrakt vorgestelltes, sondern von vielen bereits konkret erfahrenes Bild eines vielfältigen Lebens. Darin sind wir zugleich in Erwerbsarbeit, in Haus- und Familienarbeit, im politischen Gemeinwesen und in der Kultur tätig. Damit verbindet sich die Vision eines besseren Lebens, aber auch einer gestärkten Demokratie: Wenn das durch die freie Zeit verwandelte Subjekt in den wirtschaftlichen Prozess zurückkehrt, dann kann es dort ungleich souveräner auftreten und ihn demokratisch umgestalten."
 
Quelle: freitag.de - "Arbeit: Das Salz des Lebens"
"[...] Der einzelne Mensch wird in der Gesellschaft und Wirtschaft vorwiegend als unpersönliches Einzelteilchen wahrgenommen statt als individuelle Persönlichkeit. Gleichgültig ob im Unternehmen oder in der Konsumwelt, er ist zu einer abstrakten Größe geworden, die sich in Zahlen ausdrücken lässt und somit berechnet werden kann. Ein gutes Beispiel ist der typische Bürokrat. Für ihn existieren die Mitmenschen, über deren Schicksal er möglicherweise entscheidet, vor allem als Objekte und Zahlen auf dem Papier. Dies ermöglicht ihm, ohne Anteilnahme oder zwischenmenschliche Gefühle wie Sympathie oder Antipathie Entscheidungen über sie zu fällen. Ebenso geht es dem Großunternehmer, der mit nur einer Unterschrift 100 Menschen entlassen kann, ohne diese je kennen gelernt zu haben und von ihren Lebensumständen zu wissen. Nur ob sie die Anforderungen erfüllen oder nicht, ist entscheidend.
 
Eine maßgebliche Ursache für das Absehen vom konkreten einzelnen Menschen ist das Streben nach größtmöglicher Effizienz, das für den Kapitalismus charakteristisch ist. Nicht zuletzt durch die steigende ökonomische Macht von Großkonzernen und das damit verbundene Verschwinden kleiner Betriebe wird der Einzelne vorwiegend nach seinem „Marktwert“ beurteilt und kann wie die kaputte Schraube einer Maschine beliebig ausgetauscht werden.
 
Eine weitere Auswirkung der auf Produktionssteigerung und Profit ausgerichteten ökonomischen Verhältnisse ist eine sich immer mehr verzweigende Arbeitsteilung, die dem Einzelnen den Bezug zu seiner Arbeit nimmt. Im humanistischen Sinne dient die Arbeit der Menschwerdung des Einzelnen. Indem er die Natur beherrscht und gestaltet, kann er einen Weg finden, sich mit ihr zu vereinigen und durch diesen fortwährenden Entwicklungsprozess zu mehr Individualität zu gelangen. Die meisten Menschen der Industriegesellschaften arbeiten jedoch nur zur Gewährleistung eines geregelten Einkommens. Da sie nur einen Teil irgendeines Ganzen produzieren, verlieren sie die Verbundenheit mit ihrem Tun und den Bezug zum eigenen Selbst. Arbeit kann in diesem Sinne nicht als sinnvolle Tätigkeit angesehen werden, da sie keine Entwicklungsmöglichkeiten in sich birgt. [...]"

Quelle: Wikipedia - "Erich Fromm"
Es ist unfasslich, wie dieser Mensch (Detlef Scheele) die Tatsachen auf den Kopf stellt - wie er Ursache und Wirkung "verwechselt", verdreht, wie er heuchelt und die Fakten ignoriert: Dass es keine Förderung von Menschen gibt, insbesondere nicht von Langzeitarbeitslosen - angemessene Förderung, nicht das Pressen in sinnlose Maßnahmen, nicht der Zwang zu Niedrigohnjobs etc..

Statt Hartz 4-Regelbedarfe kleinzuhalten und damit materielle Armut zu verursachen und zu zementieren, müsste der Mindestlohn angemessen erhöht und stets angeglichen werden - und in Folge die Regelbedarfe erhöht.

Grundsätzlich: sind völlig andere Arbeitsstrukturen und -formen erforderlich und das nicht nur in Nischenbereichen, sondern weitflächig.

Und wer seinen Selbstwert, seine Identität ausschließlich oder überwiegend über seine Erwerbstätigkeit und/oder sein Vermögen definiert, daraus bezieht - nicht also über deren Inhalt, Sinnhaftigkeit, nicht über seinen Charakter, seine Persönlichkeit, seine Integrität, sondern nur darüber, dass er erwerbstätig ist und/oder ein hohes Einkommen erzielt, vermögend ist - der ist unzweifelhaft krank, beschädigt oder hart indoktriniert.
Ein solcher Mensch hat massive Kompensationsbedürfnisse, er braucht Zwänge und auferlegte Regeln von außen, weil er sie sich nicht selbst geben kann, weil er es von klein auf nicht gelernt, erlebt, erfahren hat, dass und wie das möglich und eigentlich natürlich ist, siehe intrinsisch motivierte Moral, die auf angeborenem Mitgefühl basiert - n i c h t auf Autoritarismus.

Ein solcher Mensch projiziert seine ureigenen, persönlichen, sozialen, emotionalen, intellektuellen Defizite auf andere Menschen. Mit bekannten Folgen.

D a s ist charakterliche Armut.
 
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Ehrenamt, Freiwilligendienste und systematische Ausbeutung durch den Staat, die Regierung(en), Prekarisierung durch das Hofieren der Reichen und das Schröpfen, Verheizen der Armen - und das auch noch durch manipulatives Moralisieren ..., hier noch mal wunderbar dargelegt (kenne das Buch nicht, die Rezension ist aber für sich schon erfreulich aussagekräftig):
 
"[...] Besonders ärgert es Claudia Pinl, dass angesichts zahlreicher Probleme in unserer Gesellschaft immer nur eine Seite der Medaille beleuchtet wird. So werde etwa über die Ebbe in den öffentlichen Kassen geklagt und das durch Engagement zu generierende „soziale Kapital“ beschworen, um die Versorgungslücken zu füllen, nicht aber darauf hingewiesen, dass die Kluft zwischen Arm und Reich beständig wächst. Und arm seien nicht nur die armen Teile der Bevölkerung (rund ein Fünftel), sondern auch der Staat, der sich – durch Steuer-„Reformen“ zugunsten von Unternehmen und Reichen – in den letzten zwanzig Jahren erfolgreich selber die Grundlagen für die Finanzierung von Sozialem, Kultur und Bildung beschnitten habe. Und nun sollten wir Bürgerinnen und Bürger es richten. [...]
 
Nach Ansicht der Autorin soll durch vermehrtes praktisches Engagement, sprich: Gratisarbeit in Schulen, Kitas und Büchereien, in Krankenhäusern, auf Spielplätzen, an Museumskassen, bei der Grünpflege und in Schwimmbädern, der Mangel an Pflegekräften, Erzieherinnen und kommunalen Bediensteten kompensiert werden. Nicht so gern rede man darüber, dass ein Großteil der eingeforderten und geleisteten Gratisarbeit den vielen gering qualifizierten Langzeitarbeitslosen auch noch die letzten Reste an Beschäftigungsmöglichkeiten in einfachen Tätigkeiten wegnimmt.
„Bürgersinn und Bürgerengagement als Lösung aller gesellschaftlichen Probleme, oder wenigstens vieler?“ Vor dem Hintergrund dieser Frage beleuchtet Claudia Pinl in ihrem Buch „Freiwillig zu Diensten?“ nicht nur „Aspekte der real existierenden ‚Bürgergesellschaft‘“, sondern beschäftigt sich auch mit den Interessen derjenigen, die sie propagieren.
Unmissverständlich weist sie darauf hin, dass es ihr dabei nicht darum geht, das Potential, das in ehrenamtlicher Betätigung liegt, zu leugnen oder die positiven Seiten selbstlosen Engagements herabzusetzen. Ihr Anliegen sei vielmehr, „die ständigen Appelle an unsere Hilfsbereitschaft und Verantwortung in Beziehung zu setzen zum Abbau sozialer Sicherheit, zur Privatisierung und Kommerzialisierung von Pflege und Gesundheit, zur finanziellen Austrocknung der Kommunen, zur Unterfinanzierung von Kultur und Bildung, zur Vermögenskonzentration und zu wachsender Armut, kurz: zur Umgestaltung von Staat und Gesellschaft zugunsten weniger, auf Kosten vieler“ [...]
 
Ohne die rund 23 Millionen Menschen, die sich in Deutschland ehrenamtlich, ohne Erwerbsabsicht, für andere einsetzen, wäre unsere Gesellschaft, so die Autorin, „nicht nur ein Ort großer sozialer Kälte“ – viele uns selbstverständlich erscheinende Einrichtungen und Dienstleistungen gäbe es nicht.
 
Nach der Darstellung verschiedener Beispiele ehrenamtlicher Arbeit („Kommune, Schule, Krankenhaus – wie Ehrenamtliche den Betrieb in Gang halten“) und deren Auswirkung auf den Arbeitsprozess beleuchtet Claudia Pinl auch „Die Goodwill-Industrie“ – ein Kranz unterschiedlichster Institutionen und Anbieter – die damit beschäftigt ist, die Philosophie des Helfens zu fördern, Freiwilligkeit und „Bürgersinn“ zu fordern, „Zivilgesellschaft“ und Spendenfreude anzuregen, zu vermitteln, zu begleiten, zu beforschen, zu propagieren und zu subventionieren. Demnach ist mittlerweile ein ganzer Wirtschaftszweig damit beschäftigt, den Engagementwillen der Bürgerinnen und Bürger zu wecken und ihn in entsprechende Freiwilligentätigkeit zu überführen. [...]
 
Dass der Staat nicht mehr „alles“ richten kann, sondern wir Bürgerinnen und Bürger selbst „Hand anlegen“ müssen, ist für Claudia Pinl zur scheinbaren Selbstverständlichkeit geworden, nicht zuletzt dank einer „neoliberalen Dauerberieselung in Medien, Öffentlichkeit und Politik“, wie sie im Kapitel „Meinungsmache“ ausführt. Zugleich gelte es der „Goodwill-Industrie“ darum „Abwehrfronten aufzubauen“ gegen drohende Steuererhöhungen und Subventionsabbau, gegen Gerechtigkeitsforderungen und „Gerechtigkeitsansprüche, die einmal nicht nur ‚Chancengerechtigkeit‘ meinen, sondern auch Verteilungsgerechtigkeit einfordern“ [...]
 
In diesem Zusammenhang thematisiert sie auch die angebliche „Arbeitsmarktneutralität“ ehrenamtlicher Tätigkeiten, ebenso wie die Rolle der „Bufdis“ (Bundesfreiwilligendienst-Leistende) und der „FSJler“ (Freiwilliges Soziales Jahr). Viele Tätigkeiten in den Freiwilligendiensten ebenso wie vieles andere, was unter ehrenamtlicher Tätigkeit mit Aufwandsentschädigung läuft, seien „de facto Jobs im Niedrigstlohnsektor“. Überwiegend würden sie verrichtet in Bereichen, die durch hohe Belastung, extremen Personalmangel und strukturelle Unterfinanzierung gekennzeichnet sind und in denen Gehälter ohne hin schmal ausfallen. So trägt auch der seit 2011 bestehende Bundesfreiwilligendienst (BFD) nach Ansicht von Claudia Pinl dazu bei, „die Grenzen zwischen ‚monetarisiertem Ehrenamt‘ und dem wachsenden Sektor prekärer Beschäftigung weiter zu verwischen“ [...]
 
Von dem zersplitterten, völlig intransparenten Arbeitsmarkt mit Bufdis, FSJlern, Teilzeitkräften, Leiharbeitern, 450-Euro-Jobber unterhalb der Versicherungspflichtgrenze, Honorarkräfte, Praktikanten, Menschen mit „Arbeitsgelegenheiten mit Mehraufwandsentschädigung“ (sogenannte Ein-Euro-Jobs), Ehrenamtliche mit und ohne „Aufwandsentschädigung“ würden alle profitieren, die traditionellen Träger von Einrichtungen und die neuen privaten Betreiber von Kliniken, wie Fresenius, Asklepios, Helios oder Rhönklinikum, nur nicht die dort Beschäftigten.
 
Bezugnehmend auf den aktuellen „Armuts- und Reichtumsbericht“ der Bundesregierung weist die Autorin im Kapitel „Miese und Millionen – Armut, Reichtum, Engagement“ darauf hin, dass die Deutschen immer reicher werden. Allerdings würden nicht alle in Deutschland lebenden Menschen reicher. Denn synchron mit der wunderbaren Geldvermehrung bei wenigen wachse die Zahl der Armen und von Armut Bedrohten. So verfügten nach Angaben des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) zehn Prozent der Bevölkerung über zwei Drittel der Vermögenswerte. Gleichzeitig wachse parallel zum privaten Reichtum der Schuldenstand der öffentlichen Haushalte. „Sollte da etwa ein Zusammenhang mit der langjährigen Politik der Steuersenkungen bestehen?“ (S. 124). „Die Steuergesetzgebung der vergangenen Jahrzehnte hat die Reichen reicher gemacht, die Mittelschicht ausgedünnt und den Staat arm“ (S. 125). Dabei könnte man, so Claudia Pinl, die öffentliche Haushalte auf einen Schlag sanieren, wenn man nur ein Fünftel des Privatvermögens in Form eines „Lastenausgleichs“ einzöge. Wenn sich der Staat weiter arm spare, statt zum Wohle aller den Reichtum einiger höher zu besteuern, werde jedenfalls die Nachfrage nach Freiwilligen und Ehrenamtlichen weiter steigen, denn Bildungsetats sowie Kultur- und Sozialhaushalte würden weiter knapp gehalten, und ihre hauptamtliche Personaldecke dünn. [...]
 
Weil der Staat die sozialen Netze kappe, die früher Armen, Alleinerziehenden, Arbeitslosen oder Kranken ein Leben in Würde ermöglichten, wachse im reichen Deutschland die Armut, und es entstünden weitere Betätigungsfelder für Freiwillige: Lebensmittel-Tafeln, Suppenküchen, Kleiderkammern, Sozialkaufhäuser. Mit kritischem Blick betrachtet Claudia Pinl hierbei beispielhaft die „Tafeln“ als das bekannteste „Geschäftsmodell der neuen Armutsökonomie“, weil sie ihres Erachtens dazu beitragen, „Armut als Normalzustand zu etablieren“, nach dem Motto: „Ungerechte Gesellschaft? Wieso, hier muss doch niemand hungern!“ (S. 133). Hier mischten nicht nur Rewe, Edeka, Lidl und Daimler-Benz – das Mercedes-Lieferwagen stellt – mit, sondern auch viele andere, die auf diese Weise gleichzeitig Steuern sparen und das Firmenimage aufpolieren. [...]
 
Warum etwas kritisieren, das anscheinend funktioniert. Zumal Ehrenamt einen guten Ruf hat, einen sehr guten Ruf. Von daher fragt die Autorin selbstkritisch, ob man diesen schädigen darf? Oder ob das Rufmord sei? Darf man gegen das scheinbar Allerheiligste zu Felde ziehen, was diese Gesellschaft an werten zu bieten hat, gegen die Hilfsbereitschaft, die Politik der ausgestreckten Hand? Ihre klare Antwort: „Ja, darf man. Wenn Staat und Gesellschaft dulden, dass einige wenige sich auf Kosten vieler bereichern, dass öffentliche Infrastruktur und kulturelle Errungenschaften den Bach hinuntergehen, weil Multimillionäre den Hals nicht voll kriegen, wenn die politische Ebene sich von der Verantwortung verabschiedet, das gemeinsam Erwirtschaftete möglichst allen in der Gesellschaft zugutekommen zu lassen. Dann darf man, ja muss man davor warnen, dass gutgläubige, hilfsbereite Menschen für die Folgen politischer Fehlsteuerung den Ausputzer machen“ (S. 143).
 
Verantwortung zu übernehmen, nicht nur für sich selbst, sondern auch für das Umfeld, in dem man lebt, schaffe Zufriedenheit; anderen zu helfen, mache froh und bereichere. Engagement sei eine Ressource, ohne die es keine Demokratie gäbe. Aber diese Ressource sei in Gefahr, weil sie als Lückenbüßerin für eine verfehlte Politik missbraucht wird. Wörtlich schreibt sie hierzu: „Hilfsbereitschaft und Nächstenliebe dienen heute als Kitt einer auf Egoismus und sozialer Kälte basierenden ‚Leistungsgesellschaft‘“ (S. 144).
Eine rund ums „bürgerschaftliche Engagement“ entstandene Bewusstseinsindustrie wolle uns außerdem weismachen, es gehe um Partizipation, um Mitbestimmung, um den „mündigen Bürger“. Eine „Aktive Bürgergesellschaft“ aber kann nach Ansicht von Claudia Pinl heute nur heißen, „sich aktiv einzusetzen für eine andere Politik, die den Reichtum in Deutschland umverteilt und die Almosengesellschaft verabschiedet“ (S. 144). [...]"
 
Quelle: socialnet.de - "Claudia Pinl: Freiwillig zu Diensten"
Zum oben verlinkten Artikel der Hans Böckler-Stiftung übers HomeOffice:

Selbst sechs "Partnermonate" sind ein Witz.
Familienarbeitszeit - ja, vor allem aber die unentbehrliche, unersetzliche Sorge-Arbeit als Arbeit gesellschaftlich, politisch anerkennen und mittels Sorge-Gehalt existenzsichernd monetär honorieren. Dann machen es/sie auch mehr Männer. ;)
 
Für Menschen, die aus gesundheitlichen und/oder auch finanziellen Gründen nicht mobil sein können, ist homeoffice die einzige "Chance" für/auf kapitalistisch ausbeutbare Erwerbstätigkeit. Wer dies(e) nicht mehr will, muss das System ändern, den Kapitalismus überwinden, nicht (nur) die Erwerbstätigkeitsform.
 
An wen richtet sich dieser "Artikel" (ze.tt - "Wer diese Frage nicht mit Ja beantworten kann, sollte kündigen")? Zwölfjährige? - Man muss es leider so annehmen, nicht nur aufgrund des Schreibstils, mehr noch aufgrund des "Inhalts".
 
Klar: einfach mal eben kündigen - ganz radikal! Für die "Selber-Geilheit". Und dann? Welche Alternative bietet sich wem genau?
Klar, wer privilegiert, wohlhabend ist, aus solchen Verhältnissen stammt, dahinein geboren wurde, findet durch Kontakte, Beziehungen sicher etwas Neues, "Besseres" - den idealen Job: bei dem man so viel verdient, dass es über bloße Existenzsicherung hinausgeht und der dabei zusätzlich eine tolle Arbeitsatmosphäre bietet (nette Kollegen, angenehmes Arbeitsumfeld, Wohlfühlarbeitsplatz), der überdies Identifikationsmöglichkeiten bietet, Sinn stiftet, als sinnvoll erlebt wird, ein Job, der nicht nur Beruf, sondern Berufung und der außerdem sicher, nicht "prekär", ist. - Wieviel Prozent der (deutschen) Erwerbstätigen haben solche Arbeitsverhältnisse? Das würde mich tatsächlich sehr interessieren:
 
Wieviele Menschen in Deutschland können gut von ihrem Arbeitslohn leben, sind mit ihrer Tätigkeit, ihrem beruflichen Tun zufrieden, stehen auch moralisch dahinter, inklusive Sinnfindung, Identifikation, gehen überwiegend gerne zur Arbeit und das über Jahre?
Ja: Das sind nach wie vor die Privilegierten. Und was also ist mit all den anderen? Was sollen die mit solchen "Artikeln" anfangen - sich noch beschissener fühlen?!
 
Nein, klar: Jeder ist seines Glückes Schmid. Absolut. Es hat nur minimal, wenn überhaupt, mit gesellschaftlichen, politischen Verhältnissen, Entscheidungen, Gesetzen zu tun, siehe Agenda 2010, Leiharbeit, Niedriglöhne, Neoliberalismus und dessen Opfern, dessen: verheiztes Menschenmaterial, dessen Menschen vernichtende Ideologie.
 
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Abhilfe: Arbeitsbegriff differenter, d.h. angemessen, reifer bestimmen, d.h. erfassen, was alles auf welche Weise in welcher Form für jede Gesellschaft unentbehrliche Arbeit (auch Leistung) ist und: was weshalb in welcher Form durchaus wieder bzw. grundsätzlich entbehrlich wäre bzw. nachweislich schädigend (für das Gesamtgefüge) ist - mit welchen zu ziehenden Konsequenzen, sowohl politisch, auf gesellschaftlicher Ebene wie auch je persönlich, "privat".
 
Außerdem: Arbeitskultur tatsächlich schaffen bzw. zulassen und damit Wertschätzung für Wertschöpfung zulassen, ermöglichen, statt genau dies zunichte zu machen und das überdies systematisch. Aus bekannten Gründen.
 
Es gäbe Alterntiven - es g i b t realistische, realisierbare, teilweise bereits realisierte, funktionierende Konzepte hierfür, sie auch im größeren, weitläufigeren nationalen wie transnationalen, letztlich zwangsläufig globalen Rahmen umsetzen, anwenden zu können, erfordert entsprechendes Erkennen (-können und -wollen) beim je Einzelnen.
Hierfür ist bekannterweise entsprechend angemessene Information, Bildung, Wissen, Information, "Aufklärung" und zwischenmenschlicher Austausch, gemeinsame Erfahrungen erforderlich, global beim je Einzelnen sowie dementsprechender politischer Wille und einhergehende Tatkraft.
Dies kann nur jenseits bisher bestehender, beherrschender neoliberal-kapitalistischer Strukturen - Macht-, Ungleichgewichts-, Ausbeutungsverhältnisse - verwirklichbar werden.
 
Siehe bedürfnisorientierte Gemeinwohlökonomie, Wirtschaft der Fürsorge, angemessenes gesellschaftliches Wertschätzen und Honorieren jeglicher Sorge-Arbeit, siehe Gleichwertigkeit, Gleichwürdigkeit, Kooperation.
 
Siehe all jene Leistungen, die mentaler und/oder sozialer und auch emotionaler Art sind und nicht grundsätzlich, zur Gänze oder überhaupt gemessen, erfasst und in bare Münze übersetzt werden können (auch in dieser Weise nicht sollten), die dennoch unentbehrlich sind und entsprechend als Arbeit, als Leistung, als Bereicherung, Wertschöpfung anerkannt, wertgeschätzt werden, somit entsprechend politisch und gesellschaftlich behandelt werden müssen.

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