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Sabeth schreibt - Lebenskunst für Laien

Poesie Melancholie Philosophie Feminismus Anarchismus - non serviam.

KAPITALISMUS, Neoliberalismus

 
update 11. Dezember 2023
 
Es ist übrigens nicht vorrangig eine Frage des Begriffs, der Bezeichnung - Kapitalismus - sondern der zugrundeliegenden Verhältnisse, Missstände.
 
"(...) Allgemein wird unter Kapitalismus eine Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung verstanden, die auf Privateigentum an den Produktionsmitteln und einer Steuerung von Produktion und Konsum über den Markt (Marktwirtschaft) beruht.[1] Als weitere konstitutive Merkmale werden genannt: die Akkumulation (für manche das „Herzstück“, Hauptmerkmal und Leitprinzip des Kapitalismus),[2] „freie Lohnarbeit“ und das „Streben nach Gewinn im kontinuierlichen, rationalen kapitalistischen Betrieb“.[3]
 
Marktwirtschaft hat es unter vielen verschiedenen Regierungsformen, Gesellschaften und Kulturen gegeben.[4] Die Epoche des modernen Kapitalismus bezeichnet eine wirtschaftsgeschichtliche Periode, die im 18. Jahrhundert in Europa mit der industriellen Revolution beginnt und bis heute andauert.[5][6] Sie folgte auf die Epochen des Feudalismus des europäischen Mittelalters bzw. des Merkantilismus zur Zeit des Absolutismus. (...)
 
In der marktkritischen Wahrnehmung steht Kapitalismus für ein ausschließlich an einer kapitalistischen Rationalität orientiertes Denken, das auf Profit und die optimierte Verwertung der eingesetzten Produktionsmittel abzielt, ohne dabei Aspekte der Nachhaltigkeit, der Ethik und möglicher sozialer Verwerfungen zu berücksichtigen.[17]
 
In der sozialkritischen Wahrnehmung kommt der Phase des Hochkapitalismus eine besondere Bedeutung zu. Die Durchsetzung des Kapitalismus bewirkte demnach weitreichende Verschiebungen der Wirtschafts- und Gesellschaftsstruktur und einschneidende Brüche in den Lebens- und Arbeitsbedingungen. Es sei der Antagonismus zwischen Kapitaleignern und Kapitallosen (Proletariern) entstanden. Das „industrielle Proletariat“ hätte den Unternehmen als reichliche Reservearmee zur Verfügung gestanden und sei dadurch gezwungen gewesen, niedrige Löhne und materielle Unsicherheit in Kauf zu nehmen. (...)
 
Die Polarisierung der Gesellschaft durch die Entstehung der „sozialen Frage“ als Folge des ungehemmten „Manchesterkapitalismus“ ist der soziale und wirtschaftliche Hintergrund der wirkungsmächtigen Kapitalismusanalyse von Karl Marx. (...)
 
Einige Autoren befürworten anstelle des in Deutschland als wertend verstandenen Begriffs Kapitalismus die neutralere Bezeichnung Marktwirtschaft.[19] Unter angelsächsischen Ökonomen ist der Gebrauch des Begriffs capitalism durchgängig üblich.[20] Nach John Kenneth Galbraith wurde der Begriff „market system“ in den USA nach dem Zweiten Weltkrieg gezielt eingeführt, da „capitalism“ durch die Weltwirtschaftskrise in Misskredit geraten war.[21] Einige Politiker, Journalisten und Wissenschaftler bevorzugten den Begriff „Marktwirtschaft“, da die Frage des beherrschenden Einflusses von Unternehmen und allgemein die Frage wirtschaftlicher Macht so nicht thematisiert werden müsse. Lediglich als Bezeichnung für die moderne Finanzwelt habe sich der Begriff Kapitalismus halten können, da hier der Zusammenhang zwischen Vermögen und Macht besonders augenfällig sei.[16]
 
Andere Autoren unterscheiden zwischen beiden Begriffen. Danach hänge das Vorliegen einer kapitalistischen Wirtschaftsordnung von den Eigentumsverhältnissen der Produktionsmittel ab, eine Marktwirtschaft zeichne sich durch die Koordination der Wirtschaftsprozesse über den Marktmechanismus aus.[22][23] Beide Merkmale treten im Wirtschaftssystem der kapitalistischen Marktwirtschaft gemeinsam auf. Eine Marktwirtschaft könne theoretisch jedoch ebenso ohne Kapitalismus vorliegen (Beispiel: Sozialistische Marktwirtschaft in Jugoslawien) wie Kapitalismus ohne Marktwirtschaft (was auf die Wirtschaft im nationalsozialistischen Deutschland zutreffe).[24] Gleichwohl treten die beiden letztgenannten Wirtschaftssysteme vergleichsweise selten auf. Mankiw und andere Autoren verstehen Kapitalismus als Marktwirtschaft mit Privateigentum an Produktionsmitteln, bezweifeln jedoch, dass Marktwirtschaft ohne Privateigentum funktionsfähig ist. (...)"
 
30. November 2023
 
Über vieles sind Menschen nicht, nur unzureichend oder falsch informiert, wenn sie etwas wissen, fehlen Courage, Integrität, Handhabe, zu intervenieren.
Wer trägt denn jeweils wofür die Verantwortung? Nicht nur bei Interessenkonflikten?
Regierungen: in Diensten der Wirtschaft.
 
Mir zum Beispiel ist völlig unverständlich, dass und warum so zahlreiche Menschen rings um den Globus sich täglich, lebenslang durch Kapitalismus knechten, ausbeuten und in Armut vernichten lassen.

Siehe dazu auch die oben verlinkte, dreiteilige arte-Doku "Kapitalismus made in USA".
arte-Doku aus dem Jahr 2023 - "Kapitalismus made in usa, Reichtum als Kult"
 
Teil 1 "Paradies für Millionäre (1870-1920)":

Rockefeller, Carnegie, J.P. Morgan, Ford Öl, Stahl, Bank, Auto ... Männer, Patriarchat.
 
Teil 2 "Die Reichen zur Kasse bitten (1921-1946)":

Andrew Mellon: Steuersenkungen für Reiche "trickle down", Roosevelt "New Deal", Alfred Sloan: General Motors, DuPont, Liberale vs. Konservative, Republikaner "American Way". Die Großunternehmer, Superreichen - Männer, wie üblich - starten die Propaganda des "American Way", NAM: privates Unternehmertum, repräsentative Demokratie. Rockefeller: Steuerbefreiung für "Gemeinnützigkeit, Wohltätigkeit", Steuerschlupfloch für Reiche, "Philanthrokapitalismus".
 
Zweiter Weltkrieg: US-Industrie, insbes. Automobilindustrie wird zur Kriegsindustrie umgerüstet - Rüstung, Krieg, Kriegswirtschaft, Patriotismus und: Gewinne - von Arbeitern generiert, nur durch diese.

"Freie Marktwirtschaft"
Harry Truman, Atombombe - Hiroshima, Nagasaki.
 
Es - Krieg, Rüstung, Militär, tödliche Gewalt, Atombombe, Zerstörung, Vernichtung - ist so unbeschreiblich pervers, aber dass Menschen all das IMMER WIEDER mitvollziehen, sogar für richtig, gut befinden, darauf stolz sind, damit reich werden ... ist - mir fehlen die Worte.
 
Teil 3 "Wer will Milliarden verdienen? (1981 bis heute)":

Big Tech, Big Business, Big Five - GAFAM: Google, Amazon, Facebook, Apple, Microsoft
Larry Page & Sergey Brin, Jeff Bezos, Steve Jobs & Steve Wozniak, Mark Zuckerberg, Bill Gates Silicon Valley - Intel, Hewlett Packard, AMD, Apple, Facebook, ebay ... . Plattformkapitalismus.
Zitat aus Teil 3 der arte-Doku "Kapitalismus made in usa":
"Die Grundlage des amerikanischen Kapitalismus ist seit jeher die Einflussnahme auf das Recht. (...)
Entscheidend bleibt, Gesetze und Gerichte für seine eigenen Interessen zu instrumentalistieren."
arte: merci! <3
 
Zitat aus Teil 3 der oben verlinkten arte-Doku "Kapitalismus made in usa":

"Innerhalb von 30 Jahren ist das durchschnittliche Vermögen der Amerikaner um 20% gestiegen. Das Vermögen der reichsten 0,1% der Bevölkerung stieg um 6000%."
SECHSTAUSEND!
 
Was lernen Kinder und Jugendliche über all das, diese nachweislich wahren Tatsachen, Realität, wann, wo, von wem, wie in welchen, in staatlichen? Schulen - und warum nicht? ... ;)
 
-
 
Kapitalismus, Neoliberalismus, Wirtschaftsliberalismus, Patriarchat
 
Was ist das für eine beschissene Welt, in der Menschen sichere Existenz haben, frei von Armut sind, Lebensqualität erlangen, nicht durch einen guten Charakter und gemeinwohlförderliche Arbeit, sondern indem sie andere übervorteilen, knechten, ausbeuten, lügen, betrügen, zerstören.
 
Was bleibt von einer Person übrig, wenn ihr alle Titel, alles Vermögen, sämtliche Statussymbole genommen werden, verlustig gehen - welcher Mensch, welche: Persönlichkeit?
 
Der Wert eines Menschenlebens bemisst sich nicht nach akademischen Titeln, Einkommenshöhe, Vermögensumfang, Narzissmusgrad (besetzten Machtpositionen), Ruhm, wirtschaftlicher Funktionalität und Verwertbarkeit.
Menschenwürde.
 
"Wert der Arbeit", "Recht auf Arbeit", "Anerkennung von Lebensleistung", "Leistungsgerechtigkeit, Einkommen, Wohlstand" - patriarchal-kapitalistische Definition von Arbeit, Lohnarbeitsdogma, Erwerbsarbeitsfetisch und Selbstwert, Zugehörigkeit. Perfidie.
 
Das Perfide am staatlich propagierten Arbeitsmantra, Arbeitsdogma ist genau dies: Das Selbstwertgefühl, gesellschaftliche Anerkennung, Wertschätzung, Teilhabe, Zugehörigkeit an Arbeit, Erwerbstätigkeit, Lohnarbeit und Einkommen (-shöhe) zu koppeln.
 
Die neue/alte grassierende Gesellschafts-, "soziale" Menschenseuche scheint zu sein: Autoritarismus, maligner Narzissmus, erheblicher Mangel an Mitgefühl, Gewissenhaftigkeit, Integrität, prosozialem Verhalten, also Antisozialität. Ursachen: Kapitalismus, Patriarchat.
 
Im Übrigen ist sowohl internalisierter als auch (deshalb) ausagierter Autoritarismus - aus bekannten Gründen - mehrheitlich bei Konservativen, Neoliberalen, Wirtschaftsliberalen, "Libertären" anzutreffen. Dazu nochmals der Verweis auf Erich Fromm und Arno Gruen.
 
Kapitalismus fördert, will Profit, Übervorteilen, Ausstechen, Konkurrenz, Kampf, Neid, Gier, Geiz, Egozentrismus, Konsumismus, künstlich geschaffene "Bedürfnisse", Wünsche, Ersatzbefriedigung, Oberflächlichkeit, Abgestumpftsein, emotionale Kälte, Ausbeutung, Knechtung, Armut, Gewalt, Zerstörung, Vernichtung - totale soziale, emotionale, intellektuelle Armut, Unreife.
 
Grundsätzlich mangelt es meiner Beobachtung und Erfahrung nach gesamtgesellschaftlich erheblich an empathischen, reflektierten, mitfühlenden, moralisch, prosozial sich verhaltenden Menschen, sowieso: Ärzten, Politikern. Kapitalismus fördert antisoziales Verhalten.
 
Ich wiederhole nochmal, dass dies auch durch das nach wie vor gängig verbreitete, bürgerliche Lebensmodell "Ehe, Kleinfamilie", insbes. patriarchale Institution Ehe zementiert wird.
Daran ändert auch die "Homo-Ehe" nichts.
 
Patriarchale Institution Ehe und Kleinfamilie: Meine Frau, meine Kinder, mein Haus, mein Auto - mein Besitz, mein Eigentum -> meine Gebrauchsgegenstände, zu meiner Verfügung. Als Mann.
Androzentrismus, Konservatismus, Kapitalismus, Patriarchat.
 
Erich Fromm: "Haben oder Sein". Solidarität, Kooperation, Mitgefühl.
 
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18. November 2023
 
Zitate aus oben verlinktem Video: Erich Fromm Study Center Berlin, Erich Fromm im Gespräch mit Micaela Lämmle und Jürgen Lodemann, Locarno, 1977, über "Haben oder Sein"
 
Erich Fromm über seine jüdische Kindheit, Jugend, über Freud (bürgerliche Familie, Bürgertum, Besitz, chauvinistisches Frauenbild), Marx, Religion, Ideologie, Kapitalismus, Anpassung, Schmerz, Krankheit, Konsumismus ... .
 
"Wir leben in einer Gesellschaft von notorisch unglücklichen Menschen. (...)
 
Wen bewundern wir denn heute in Europa - bewundern wir den Armen, den Aufopfernden, den Liebenden?"
 
"Es ist gar nicht das Unbehagen in der Kultur, es ist das Unbehagen in der bürgerlichen Gesellschaft, die den Menschen zum Arbeitstier macht und alles, was wichtig ist, die Fähigkeit zu leben, für sich und für andere da zu sein, zu denken, nicht ein Instrument zu sein für die Wirtschaft, sondern der Zweck alles wirtschaftlichen Geschehens, das macht eben die Menschen so, wie sie sind. (...)
 
Die Normalsten sind die Kränkesten und dei Kranken sind die Gesündesten. (...)
Das Symptom ist ja, wie der Schmerz, nur ein Anzeichen, dass etwas nicht stimmt. Glücklich der, der ein Symptom hat."
 
Erich Fromm
 
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23. Dezember 2022
 
Erich Fromm - Der passive Mensch ... und sein Kompensationsverhalten
 
Erich Fromm: "Der passive Mensch ist der ewige Säugling. Ob er nun konsumiert: Zigaretten, Bier, Wein, Alkohol, Frauen oder Männer, Bücher, Zeitungen, Television - alles, es kommt gar nicht darauf an (...).
Die Haltung des offenen Mundes, des Säuglings, der auf die Flasche wartet und dann wird er langsam befriedigt. Er hat nichts zu tun. Keine seiner seelischen Kräfte wird davon berührt, er wird in keiner Weise aktiviert. Aber er wird zum Schluss schläfrig. (...)"
 
Was Erich Fromm über den passiven Menschen sagt, der alles ! passiv konsumiert, danach giert, maßlos in sich hineinschlingt, ohne dabei je satt zu werden, erfüllt sein zu können, trifft besonders auf Narzissten zu. Narzissmus, Gier, Liebesunfähigkeit.
 
Erich Fromm zu Arbeit:
"Die grundsätzliche Frage: Was ist unser Ziel? Ist unser Ziel die größere Produktivität oder ist unser Ziel das Wachstum und die Entfaltung des Menschen? (...)
Viele Dinge sind gut für die Industrie und schlecht für den Menschen."
 
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05. April 2024
 
Liebe, Freude, Sinn, Halt, Verbundensein, Erfüllung, Fürsorge, Verantwortung, Freiheit, Geben, Gemeinwohl, Gemeinschaft, Zugehörigkeit, Kooperation, Solidarität

vs.
passives Konsumieren, Konsumismus, Drogen, Sucht, Macht, Autoritarismus, Reichtum, Kapitalismus, Arbeit, Ausbeutung, Armut, Narzissmus, Selbstbetrug, inkl. Religion/Ideologie, Glaube, "Gott"
 
Psychisch gesunde Menschen erfahren Freude, Lebenszufriedenheit, Erfüllung, Sinn, Halt, Verbundensein nicht durch passiven Konsum von (übermäßigem) Essen, Alkohol, Cannabis, Drogen, Produkten, Prestigeobjekten, sondern durch Beziehung zu mehreren! Menschen, idealerweise unterschiedlichen Alters und Geschlechts (Frauen und Männer).
 
Solche stabilen Beziehungen, Freundschaft, Liebe, Bindung, Verbundensein, Zugehörigkeit, Gemeinschaft kann auch kein Selbstgespräch mit "Gott", einem Hirngespinst, ersetzen.
 
Im Kapitalismus wie auch Neoliberalismus geht es nicht und ging es noch nie je um Gemeinwohl - das war nie das Ziel. Sondern Kapitalakkumulation, Wohlstand, Reichtum nur bestimmter, weltweit vergleichsweise weniger Menschen: zu Lasten zahlreicher anderer.
Von jeher wurden im Kapitalismus mittellose Menschen, siehe Arbeiter, Arbeiterklasse, ausgebeutet - via Arbeit, Lohnarbeit und weltweit nach wie vor auch unzählige Frauen via einkommenslos geleisteter, unentbehrlicher Sorge-Arbeit. Konservatismus. Patriarchat.
 
Gleiches gilt für Selbstbetrug, inkl. des stets kompensatorischen Strebens nach Macht, Herrschen, Unterwerfen - es ist demonstrativer Ausdruck von Unreife (mangelnder Persönlichkeitsreife) und einer kranken, beschädigten, gestörten Psyche.
 
Menschen, die nach Macht, Kontrolle, Herrschaft streben, das wollen, brauchen, sind zumeist autoritär und beziehungs-, liebesunfähig, "einsame Wölfe" - Narzissten (siehe antisoziale PKST, APS). Es mangelt ihnen erheblich an Mitgefühl und Prosozialität.
 
Sie haben nicht die Größe, charakterliche Stärke, das Rückgrat, die Integrität, die Reife, Irrtümer, Fehlverhalten, Missetaten zuzugeben, geschweigedenn, dafür um Verzeihung zu bitten und sich um Wiedergutmachung und Versöhnung eigeninitiativ, engagiert, ausdauernd zu bemühen.
Stattdessen kehren sie lieber alles unter den Teppich, leugnen, verdrängen, verweigern, verpanzern und graben sich immer tiefer in ihren selbstschonenden, bequemen Selbstbetrug.
 
Solche Menschen ertragen es nicht, wenn sie sich nicht - zumindest oberflächlich, vermeintlich - mächtig fühlen können. Ihnen geht es nicht um Konfliktbewältigung, Persönlichkeitsreifung, Selbstreflexion, Zugewandtsein, prosoziales Miteinander, sondern um ihre (vermeintliche) Macht, ihre irrige Vorstellung von Stärke, Kontrolle sowie um vorrangig bis ausschließlich ihre Vorteile, Annehmlichkeiten, Bedürfnisbefriedigung, Willensdurchsetzung.
Wer da nicht "mitspielt" - gerade auch um den Preis, sich wiederholt benutzen, ausbeuten, psychisch, physisch, sozial, auch existenziell beschädigen, verletzen, misshandeln lassen zu  müssen - wird entweder abserviert oder attackiert, auch bis zur existenziellen Vernichtung.
 
Solche Menschen, die ihr "Glück" in Reichtum, Status, passivem Konsumieren, Drogen, Sucht, also in Ersatzbefriedigung und Symptombehandlung, Kompensationsverhalten, suchen, sind unfähig, zu lieben. Liebesunfähig.
 
Liebe, aktives Lieben, Geben
 
Erich Fromm - aus "Die Kunst des Liebens" zitiert:
"Liebe ist die tätige Sorge für das Leben und das Wachstum dessen, was wir lieben. Wo diese tätige Sorge fehlt, ist auch keine Liebe vorhanden."
"Impotenz ist die Unfähigkeit, Liebe zu erzeugen."
 
Ja, immer wieder Erich Fromm, da er gemäß auch meiner Erkenntnis, persönlichen (Lebens-) Erfahrung sowie Reflexion derselben Liebe so beschreibt, wie auch ich sie definiere, erlebe und gebe.
Aktives Lieben drückt sich aus in, durch bedürfnisorientierte, nicht-paternalistische Fürsorge, Achtung, Freiheit, Verantwortung, Erkenntnis - Verbundensein.
 
Erich Fromm:
"Liebe ist eine Aktivität und kein passiver Affekt. Sie ist etwas, das man in sich selbst entwickelt, nicht etwas, dem man verfällt.
Ganz allgemein kann man den aktiven Charakter der Liebe so beschreiben, dass man sagt, sie ist in erster Linie ein Geben und nicht ein Empfangen."

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Erich Fromm - "Haben oder Sein" und "Die Kunst des Liebens" Erich Fromm - "Haben oder Sein" und "Die Kunst des Liebens"

Erich Fromm - "Haben oder Sein" und "Die Kunst des Liebens"

22. Dezember 2023
 
Wie geistig arm und seelisch verarmt kann ein Mensch nur sein, der reich werden will - der nach monetärem Reichtum, Vermögen strebt.
Denn niemand, der geistig und seelisch gesund ist, kann nur eigenen Reichtum, Wohlstand im Wissen um Armut, Not, Leid, Elend anderer genießen.
 
Was bleibt von einer Person übrig, wenn ihr alle Titel, alles Vermögen, sämtliche Statussymbole genommen werden, verlustig gehen  - welcher Mensch, welche: Persönlichkeit?
Wenn der Kaiser nackt ist, kommt seine ganze abstoßende Hässlichkeit und Kleinheit, Schwäche zum Vorschein. Drum will er diese Blöße, diese Wahrheit mit allen Mitteln verborgen halten.
 
Woran es diesen vermeintlich Reichen, Mächtigen fehlt, ist Würde, Mitgefühl, Verantwortungsbewusstsein, Liebesfähigkeit.
Es sind sämtlich arme Teufel.
 
Der Wert eines Menschenlebens bemisst sich nicht nach akademischen Titeln, Einkommenshöhe, Vermögensumfang, Narzissmusgrad (besetzten Machtpositionen), Ruhm, wirtschaftlicher Funktionalität und Verwertbarkeit.
Menschenwürde.
 
Es ist Ausdruck von charakterlicher, d.h. intellektueller, sozialer und emotionaler Unreife, seinen Wert als Mensch, Person, Persönlichkeit, seinen Selbstwert, sein Selbstverständnis auf Besitz, Vermögen, Reichtum, Macht zu gründen. Patriarchat.
 
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Aus Honoré de Balzac - "Vater Goriot":
 
Vautrin: "Jeder große Geldbesitz, dessen Herkunft man nicht kennt, entstammt s i c h e r einem Verbrechen, das geschickt ausgeführt wurde."
 
Eugène: "Berühmt und reich sein wollen, heißt das nicht, bereit sein, zu lügen, zu kriechen, zu heucheln?"
Aus Honoré de Balzac - "Eugénie Grandet":
 
"Das Leben des Geizhalses ist eine ständige Machtausübung im Interesse der eigenen Person.
Er verlässt sich nur auf zwei Gefühle: Eigenliebe und Eigennutz.

Grandet hatte, wie alle Geizhälse, unentwegt das Bedürfnis, mit den anderen Menschen ein Spiel zu spielen."
Honoré de Balzac Honoré de Balzac

Honoré de Balzac

Arno Gruen - "Der Verrat am Selbst. Die Angst vor Autonomie bei Mann und Frau." Arno Gruen - "Der Verrat am Selbst. Die Angst vor Autonomie bei Mann und Frau."

Arno Gruen - "Der Verrat am Selbst. Die Angst vor Autonomie bei Mann und Frau."

11. September 2023
 
Arno Gruen - "Der Verrat am Selbst - Die Angst vor Autonomie bei Mann und Frau"
In Kindheit erlittener und indoktrinierter sowie internalisierter Autoritarismus und Folgen dessen. Siehe auch bei Erich Fromm, Alice Miller, Wilhelm Reich.
 
Es sind übrigens keineswegs nur oder generell die Eltern, die Autoritarismus und toxische Männlichkeit (Macht, Kontrolle, Herrschen, Ausbeuten, Chauvinismus ... - also Kompensationsverhalten) indoktrinieren und Mitgefühl schwächen, sondern vor allem patriarchale Religionen, Ideologien.
 
Wer gehorsame, folg-, fügsame, funktionale Untertanen, Knechte, Sklaven, Arbeiter, Soldaten, abrichtbare Objekte, Menschenmaterial will, muss Menschen selbstredend Empfindsamkeit, Mitgefühl, Autonomiestreben austreiben - zumeist mittels psychischer, oft auch physischer Gewalt.
 
Und so wurde, wird ein Kult installiert:
Der Krieger gilt als Held, als "stark, hart, gestählt", schier, zumindest scheinbar unverwundbar. Gefühle, Sensibilität, Feingefühl, Empfindsamkeit, Mitgefühl, Ambivalenz, Angst, Schmerz, Bedürftigkeit werden da verachtet.
Verpanzerung.
 
"(...) Um diese Spaltung dann aufrechtzuerhalten, muss Hilflosigkeit zum Objekt der Ablehnung und des Hasses werden. (...)
So rächt man sich an allem, was die eigene Hilflosigkeit hervorrufen könnte. Deswegen verachtet man Hilflosigkeit bei anderen. Dieses Verachten verbirgt die dahinter stehende eigene Angst und fördert zugleich die Haltung des Verachtens und die Notwendigkeit einer kompensierenden Ideologie der Macht und des Herrschens. (...)
Und so wird alles, was zu einem eigenen Ansatz zur Autonomie führen könnte, gehasst.
 
Der unablässige Drang nach Erfolg und Leistung tritt an die Stelle der Autonomie. Aber Autonomiebestrebungen werden nicht nur abgelehnt, weil sie solche Menschen an ihre eigene Unterwerfung erinnern könnten. (...)
 
Tschechow verstand, dass Feindseligkeit, Bösartigkeit und Sadismus das Ergebnis von Hilflosigkeit und Selbstverachtung sind; (...)
 
Solange wir das Ausmaß, in dem Konventionen akzeptiert werden, zum Maßstab seelischer Gesundheit machen, übersehen wir, dass Konventionen unter Umständen Forderungen dienen, sich Irrtümern und Lügen zu unterwerfen. (...)
 
In unserer Welt gelten die als die Erfolgreichsten, die sich dieser Pseudo-Realität am besten anpassen. Und die, die sich am besten anpassen, sind wiederum jene, die am meisten von ihren Gefühlen abgeschnitten sind. Auf diese paradoxe Art verbirgt hier Erfolg den Irrsinn einer abgretrennten Gefühlswelt. (...)
 
Die Lektion aus der Kindheit ist, dass die Macht, zuerst durch die Eltern erlebt, den Ausweg aus einer verschmähten Hilflosigkeit verspricht. (...)
Freiheit meint dann Erlösung von, nicht Verbindung mit den eigenen Bedürfnissen. Dadurch wird Freiheit in ein Streben nach Macht pervertiert, das heißt in ein Streben nach Eroberung von Dingen außerhalb des zurückgewiesenen Selbst. Der Besitz von Dingen und Lebewesen wird, so verspricht es uns die Gesinnung unserer Kultur, uns Sicherheit bringen. Tatsächlich aber trennen unsdie daraus entstehenden zahlreichen künstlichen Bedürfnisse nur noch mehr von uns selbst. (...)
 
Dass der Gehorsam gegenüber Macht und Autorität zu einer allgemeinen Verneinung der eigenen menschlichen Gefühle führt, wird auch durch das berühmte Experiment veranschaulicht, das S. Milgram (...) durchgeführt hat. (...)
 
Er möchte die Macht haben, die es ihm ermöglichen würde, der Wirklichkeit der Gefühle und Bedürfnisse anderer wie der seiner eigenen zu entgehen. Das ist seine (und eine unausgesprochene gesellschaftliche) Idee von Freiheit (...).
Dadurch wird unsere Empfindsamkeit verschüttet. Der wahre Sachverhalt ist der, dass man dem eigenen Leiden entkommen möchte. Denn man hat nicht die Kraft, das eigene Leid oder das der anderen wahrzunehmen. (...)"
 
Siehe Glaube, "Gott", Drogen, Sucht: Betäubung, Flucht, Unreife.
 
"Die Schlussfolgerung drängt sich auf, dass in unserer Gesellschaft die wirklich Schwachen nicht diejenigen sind, die leiden, sondern jene, die vor dem Leiden Angst haben. Die Menschen, die am erfolgreichsten angepasst sind, sind die eigentlich Schwachen. Darum propagieren sie seit Jahrtausenden den Mythos, dass Empfindsamkeit Schwäche sei. (...)
Sie sind die eigentlichen Träger einer verzerrten Realität, das heißt der Ideologie der Macht und des Herrschens."
 
Siehe Autoritarismus, Patriarchat. Selbstbetrug, Kompensation, Unreife.
 
"(...) den Versuch, Stärke ausschließlich durch die Identifizierung mit der unterdrückenden Autorität zu finden  (...)"
 
Siehe Identifikation mit dem Aggressor.
 
"Kein Ringen um Selbstverwirklichung kommt zustande."
 
"Nur wenn wir den Hilfesuchenden nicht als ein Objekt des Besitzes gebrauchen (...), nur wenn wir dem anderen als einem anderen Menschen entgegenkommen, nicht um uns mächtig zu fühlen, sondern weil sein Leid unsere Sympathie auslöst (...)"
 
M I T G E F Ü H L !
 
"(...) nur dann, wenn wir riskieren, unsere gemeinsame Menschlichkeit anzuerkennen, werden wir Autonomie (...) freisetzen."
 
Mit "Menschlichkeit" meint Arno Gruen hier Bedürftigkeit, Verletzlichkeit - Mensch sein.
 
"Grundlegend für das Verhalten des Mannes in unserer Kultur ist die Angst vor Hilflosigkeit, Schwäche und Verwundbarkeit."
 
Ich würde sagen: die Angst vor Bedürftig- und Verletzlichsein. Vor also: Leid und Angewiesensein auf andere Menschen, auf Beziehung, Liebe.
 
"Er kann sie sich aber nicht eingestehen, da seine Metaphysik des Seins auf Heldentum zielt. Sogar wenn er Heldentum für sich selbst nicht für möglich hält, bleibt es immer noch sein Wertmaßstab. Seine Selbstachtung ruht deswegen auf dem Image seiner Wichtigkeit, also wirklicher oder auch nur eingebildeter Macht, für deren Bestätigung er Bewunderung benötigt. (...)
 
D.H. Lawrence gibt uns in seinem Roman `Der Regenbogen´ ein Proträt solch einer Frau in der Person der jungen Lehrerin Winnifred Inger. Er lässt sie sagen: `Die Männer ... machen viel Getue und reden, aber in Wirklichkeit sind sie hohl. Sie pressen alles in eine wirkungslose Schablone. Liebe ist für sie eine tote Vorstellung. Sie kommen nicht zu einem und lieben einne, sie kommen zu einer Vorstellung (...), so lieben sie sich selbst. Als ob ich irgendeines Mannes Vorstellung wäre! (...)
Als ob ich von ihm verraten sein will, ihm meinen Körper als ein Instrument für seine Vorstellung leihen will, um nur ein Apparat mehr für seine tote Theorie zu sein ... (...)´
Statt wahre Intimität zu suchen, zielen wir auf Bewunderung. Aber dadurch rührt niemand den anderen an.
(...) dadurch wird Sex zum Mittel (...). Dass dies ein Akt der Destruktivität und nicht der Liebe ist (...). (...)
 
Wenn die Hilflosigkeit eines anderen Menschen unsere eigene anrührt, wir diese aber verneinen, weil wir sie als unsere eigene Schwäche verurteilen, erregt das Opfer in uns Selbsthass. In der Hilflosigkeit verwandelt sich unsere Angst in Wut auf den Unterlegenen.
Das Opfer spiegelt unser eigenes gehasstes Selbst wider. Wir machen das Opfer für unsere `Schwäche´ verantwortlich. Dieser Mechanismus hat eine lange entwicklungsbedingte Vorgeschichte. Es ist die Rache für unsere eigene verdrängte Demütigung. (...)"
 
Zitiert aus: Arno Gruen - "Der Verrat am Selbst - Die Angst vor Autonomie bei Mann und Frau"
 
Und deshalb nochmal zur Erinnerung:
"Das Böse" gründet sich auf Mangel an oder gänzliches Fehlen von Mitgefühl. Siehe malignen Narzissmus, Sadismus, Psychopathie, antisoziale PKST.
 
Mitgefühl, Liebesfähigkeit - nicht "Gott", Glaube, Aberglaube, Esoterik, Mystik, Religion, Ideologie, Selbstbetrug, Flucht, Krücke, Unreife.
 
Nein, nicht: "Wenn Gott tot ist, ist alles erlaubt." (Dostojewski, Karamasow-Gesetz) Sondern: Wenn das jedem Menschen angeborene Mitgefühl betäubt, abgestumpft, nicht mehr intakt ist, wird jede Grausamkeit, Brutalität, Barbarei, Hass möglich und: ausagiert.
 
Wir fühlen beim Mitfühlen e i g e n e n Schmerz. Was bitte auch sonst?!
 
Intrinsisch motivierte, n i c h t religiös, ideologisch oktroyierte, indoktrinierte Moral - ist das jedem Menschen wie auch anderen Primaten angeborene Mitgefühl.
Keine Moral, keine Ethik, keine Liebe, keine Versöhnung, kein Frieden ohne Mitgefühl.
 
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20. März und 03. April 2023
 
Um das nochmal und ein für alle Mal klarzustellen:
Sogenannter Anarchokapitalismus, Liberalismus, also: Wirtschaftsliberalismus, Neoliberalismus, Kapitalismus - haben nichts, ich wiederhole n i c h t s mit Anarchismus zu tun.
 
Kapitalismus, Neoliberalismus, "Anarchokapitalismus" = Autoritarismus, Egozentrismus, Selbstsucht, Ignoranz, Narzissmus, Mangel an Mitgefühl, Unreife - Schädigen des Gemeinwohls, bis hin zur Existenzvernichtung: Vernichtung von Menschen, Natur, Planet.
 
Wer verwendet aus welchen Gründen, aus welcher Absicht heraus mit welchen Zielen und welchen Folgen welchen Freiheitsbegriff, Freiheitsdefinition?
 
Unter "Freiheit" verstehen sie ausschließlich den Erhalt nur ihrer eigenen Privilegien, Vorteile, nur ihres persönlichen Wohlstands, Vermögens.
Auf wessen Kosten, zu wessen Lasten diese ihre sogenannte, vermeintliche "Freiheit" geht, wie es sich mit der Freiheit, Selbstbestimmung, Lebensgrundlage, dem Wohlergehen anderer Menschen auf dieser Erde, dem Gemeinwohl verhält, interessiert solche Menschen - Wirtschaftsliberale, Neoliberale, "Libertäre" - nicht im Mindesten, sie fühlen sich dafür nicht zuständig, nicht moralisch verantwortlich. 
 
Es gibt jedoch keine Freiheit ohne Verantwortung.
 
Man erzwingt keine Verantwortung, indem man Freiheit an Verantwortung koppelt, denn es gibt, es ist keine Freiheit, wenn diese nur eigene "Freiheit" wissentlich zu Lasten anderer geht, andere Menschen physisch, psychisch, sozial, wirtschaftlich, existenziell erheblich belastet oder sogar beschädigt und letztlich vernichtet - Stichworte Ausbeutung und Armut.
Es ist Egoismus, Selbstsucht, Ignoranz, Gewissen-, Morallosigkeit.
 
Die Kehrseite der Freiheitsmedaille war schon immer und ist nach wie vor Verantwortung. Nicht nur die für sich selbst, die eigene Person, sondern auch für andere, für das eigene Tun und Unterlassen, das bzw. eben w e i l es sich zwangsläufig (fast) immer auf andere auswirkt. Moral, Ethik.
 
Von solcher Verantwortung, Ethik, prosozialem, solidarischen Verhalten wollen die ignoranten, selbstbezogenen, selbstsüchtigen rechtskonservativen Neoliberalen bekanntlich nichts wissen - Sie k ö n n e n es nicht, siehe ihren Charakter, Persönlichkeit, Menschen- und Weltbild, Einstellung, Gefühle, Erziehung, Indoktriniertsein, internalisierten Autoritarismus, Sozialdarwinismus. Drum.
Lieber die Schrotflinte im Anschlag. Im Namen "der" Freiheit.
 
Mehrheitlich sind es konservative Menschen, die auf solche Weise von Freiheit schwafeln, philosophastern, aber zugleich an einen von Menschen phantasierten, illusionierten, konstruierten "Gott" glauben, devot vor ihren "Gott" hinkriechen oder an ein "Schicksal, Vorhersehung, Fügung", an ein "übergeordnetes metaphysisches Prinzip, Instanz" glauben. Glaube, Aberglaube, Esoterik.
Und sie erkennen ihren bequemen, selbstschonenden Selbstbetrug, ihre Selbstverknechtung, freiwillige Knechtschaft, ihren internalisierten Autoritarismus, ihre emotionale, soziale und intellektuelle Unreife nicht ansatzweise selbst: selbständig.
Aber sie sind es, die sich als "Leistungserbringer, Leistungsträger", als "stark, mächtig, wichtig, wertvoll" wähnen, sich öffentlich so inszenieren, selbst bewerben, selbstbeweihräuchern.
Und mehrheitlich sind diese wohlhabenden, vermögenden Menschen Männer oder verheiratete Frauen, jedenfalls nicht ledige, alleinerziehende, gratis unentbehrliche Sorge-Arbeit leistende Frauen, Mütter. Systematische Ausbeutung, strukturelle Gewalt, Armut, Kapitalismus, Patriarchat.
 
Nein, Gemeinwohl "funktioniert" nicht für alle, wenn einige - Privilegierte, Wohlhabende, Vermögende - andere - mittellose, oft seit Geburt und lebenslang vielfach benachteiligte, beschädigte, versehrte Menschen - ausbeuten. Kapitalismus zementiert Armut.
 
Es wird sich nichts ändern, so lange Staaten, Regierungen, vermögende, einflussreiche Menschen in Macht-, Entscheidungspositionen am patriarchal-autoritären Kapitalismus festhalten, das System in Schulen und Familien indoktrinieren. Narrativ.
 
-
ursprünglich verfasst am 22. August 2022 und 17. Januar, 03. Februar, 26. August, 09. Oktober 2023
 
Ehe, Kleinfamilie, Mittelschicht, Mittelstand, Kapitalismus, Staat, Patriarchat
 
Mittelschicht - patriarchale Institution Ehe und Kleinfamilie:
Meine Frau, meine Kinder, mein Haus, mein Auto - mein Besitz, mein Privateigentum -> meine Gebrauchsgegenstände, zu meiner Verfügung. Mein Wohlstand, meine "Leistung" - mein Selbstbetrug, Egozentrismus, meine Ignoranz, meine Horizontenge. Als Mann. Androzentrismus, Kapitalismus, Patriarchat.
 
"Der Mittelstand", die Mitte, Mittelschicht:
die wann endlich zugibt, dass es ihr auch nur um ihre eigenen Interessen, den Erhalt nur ihres Wohlstands, Lebensmodells (Ehe, Kleinfamilie, Eigenheim, Auto) geht, die als "Leistungsträger" den global destruktiven Kapitalismus erhalten.
 
Ja na sicher sind es die sogenannten, selbsternannten "Leistungsträger" und "Gutverdiener", d.h. Wohlhabende, Vermögende und pervers "Superreiche", die das System: den global destruktiven Kapitalismus am Laufen halten. Mit Gemeinwohl hat das halt nur genau nichts zu tun.
 
Ehe, Kleinfamilie ist nach wie vor das einzig staatlich anerkannte und geförderte Lebensmodell, insbesondere dann, wenn Menschen Kinder "haben".
 
Am meisten von materieller Armut belastet, beschädigt sind weltweit biologische Frauen, insbes. Alleinerziehende. Kinderarmut ist weltweit immer auch Mütterarmut, Frauenarmut.
 
Es ist eine Schande, unzumutbar, dass der Staat, bisher j e d e Regierung, sich auf der von mehrheitlich Frauen unbezahlt geleisteten, unentbehrlichen "häuslichen" Sorge-Arbeit, sogen. Reproduktionsarbeit, ausruht, Frauen systematisch ausbeutet. Insbesondere, wenn sie ledig, nicht-vermögend und allein alleinerziehend sind. Strukturelle Gewalt. Patriarchat.
 
Es ist unerträglich und ethisch nicht legitimierbar, dass nach wie vor alle Menschen mehr oder weniger dem Lebensmodell Ehe und Kleinfamilie staatlich, politisch, gesellschaftlich unterworfen werden - oder mit Armut b e s t r a f t.
 
Nochmal: Es kann im 21. Jh. nicht sein, ist ethisch nicht legitimierbar, dass eine Frau, nur deshalb wenn/weil sie Kinder will oder bekommen hat, von einem (Ehe-) Mann finanziell, materiell abhängig ist, gemacht wird, eine Ehe eingehen muss, um ihre Existenz sichern zu können.
 
09. Dezember 2023
 
Nur weil eine Frau und ein Mann biologische Eltern eines Kindes oder mehrerer Kinder sind, heißt das nicht, dass sie als/in Kleinfamilie zusammenleben müssen - die längste Zeit in der Menschheitsgeschichte taten sie dies gerade nicht: keine Ehe, keine Kleinfamilie.
Siehe Matriarchate, matrilinear, matrifokal lebende Gemeinschaften.
 
07. Februar und 02. November 2022
 
Kein Mensch, gleich welchen Geschlechts und Alters, sollte ein Kind oder gar mehrere Kinder allein, als einzige, alleinige Bezugsperson, umsorgen müssen.
 
Sorge-Arbeit: emotional, sozial, physisch, psychisch, organisatorisch ..., Fürsorge, Verantwortung, Kindeswohl, Elternwohl.
 
Das afrikanische Sprichwort "Es braucht ein ganzes Dorf, um ein Kind großzuziehen." meint nicht, Kinder seien so schwierig, weshalb es mehrerer Erwachsener bedarf, aber durchaus, dass Sorge-Arbeit Arbeit ist und dass die Kinder eben mehrere verschiedene Bezugspersonen brauchen.
 
Nein, bezahltes Betreuungspersonal in Kita, Krippe, Kindergarten, Schule ... ist n i c h t dasselbe wie, auch nicht annähernd vergleichbar mit idealerweise langjährig bekannten, vertrauten, zugewandten, wohltuenden Bezugspersonen.
 
Fremdbetreuung ist nicht die Lösung, sondern Teil des Problems.
 
Wie geht eine Gesellschaft mit ihren Alten, Sterbenden, Kranken, Versehrten, Kindern, Fremden um?
Wir: lagern sie sämtlich in Einrichtungen zur Fremd"betruung" aus - bequem, kalt, schäbig. Um "frei", ohne Ballast, der Lohnarbeit frönen zu können, uns unter diese Knute zu beugen.
Wohl wissend, aber zumeist, alltäglich verdrängend, dass wir alle einmal Kinder waren, krank, alt werden und dass nichts im Leben eines jeden Menschen so gewiss ist wie der Tod - nicht nur sein eigener.
Wie barbarisch kann Mensch sein: wenn sein Mitgefühl betäubt ist.
 
Ich wiederhole es deshalb nochmal:
Das Problem ist nach wie vor die Ehe, Kleinfamilie und immer frühere, immer längere Fremdbetreuung.
Alle Menschen brauchen lebenslang mehrere Bezugspersonen, idealerweise unterschiedlichen Alters und Geschlechts, Bindungspersonen, nicht: Betreuungspersonal.
 
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09. und 19. Dezember 2023
 
Fällt es der Mehrheit der Menschen wirklich so schwer, sich wohltuende Alternativen zu Kapitalismus, Ehe, Kleinfamilie, Macht/Herrschen, Unterwerfen, Ausbeutung, Rache vorzustellen?
Haben sie kein Interesse daran, keine Kenntnis davon?
Ist ihnen Gemeinwohl, statt Profit, ist ihnen Selbstbestimmung, Mitgefühl egal?
 
Und immer ging und geht es im global nach wie vor bestehenden Patriarchat um Rache, Vergeltung, Strafe, Konkurrenz, Übervorteilung, Macht,  Unterwerfung, Ausbeutung, Gewalt, Krieg - statt um Kooperation, Solidarisieren, Gemeinwohl: für a l l e Menschen. Menschenwürde.
 
Hat die Mehrheit der Menschen in Deutschland und weltweit offenbar nicht die geringste Kenntnis von Gemeinwohlökonomie, Commons, Allmende, cohousing, Solawi, Soziokratie (Konsentprinzip, statt Mehrheitsprinzip - systemisches Konsensieren), kollektivistischem Anarchismus?
 
Und könnte das daran liegen, dass Regierungen, Menschen in Macht-, Einfluss-, Entscheidungspositionen, dass Schule und Familien, Eltern ihren Kindern den überkommenen, konservativen, destruktiven Dreck - Ehe, Karriere, Profit ... - hartnäckig indoktrinieren, oktroyieren?
 
Verantwortung, Fürsorge, Mitgefühl, Liebe, Reife, Würde - Mensch sein.
Nicht abgerichteter, dressierter Hund, Untertan, nicht egomanes, gieriges, unreifes, erbärmliches Monster. Zu viel Toastbrot auf der Welt - Würste. Zu viel Gollum.
 
Wir haben es bei zahlreichen Menschen in Entscheidungs-, Verantwortungspositionen - weltweit btw - augenfällig nicht mit reifen, reflektierten, prosozialen Menschen zu tun, sondern mit Menschen, denen es vor allem um ihre persönlichen Vorteile, Macht, Geld, "Ruhm" geht.
 
"Die Menschenwürde, sagt Lévinas, beginnt damit, dass ich für das Leben eines Anderen einstehe. Das ich angesichts von Not und Elend dem Anderen antworte. Dass ich sage: `Hier bin ich.´ (...)
Es gebe keine Garantie, kein Prinzip Hoffnung, sondern nur die unbedingte Verantwortung für den Anderen und die Pflicht, aus seiner Selbstzufriedenheit zu erwachen. (...)
Das Antlitz des Anderen ist der wahre Lehrer der Philosophie. Das Ideal des Philosophen ist nicht die Selbstverwirklichung, sondern Liebesweisheit. (...)
Eine Zukunft denken, heißt, es ist eine Zukunft, die Sinn hat, ohne dass ich dabei bin. Das heißt, es ist nicht der Gedanke des ewigen Lebens, sondern ein Gedanke, den Tod anzunehmen, wenn die Anderen den Frieden genießen. (...)
Niemand  kann hier an meine Stelle treten, denn die Verantwortung an mich  appelliert wie an einen Angeklagten, der die Sache nicht wird  zurückweisen können, verpflichtet sie mich als jemand Einmaligen und  Unersetzbaren. (...)
Und Verantwortung heißt eben nicht heute Ja, morgen Nein, sondern die Verantwortung kommt sozusagen mir voraus."
 
 
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20. Dezember 2023
 
Teilen, Geben, Schenken

Verhält es sich tatsächlich so, dass Menschen mehrheitlich aufgrund von Konvention oder Taktik, Berechnung schenken und dies so auch anderen Schenkenden unterstellen? Also nicht, um anderen, insbesondere Nahestehenden, eine Freude machen, wohltun zu wollen?
 
Verhält es sich tatsächlich so, dass die meisten? Menschen - gerade auch größere, teure - Geschenke machen, um damit etwas zu erreichen, bspw. ihr Gewissen zu entlasten, sich von Schuld, Verantwortung "freizukaufen" oder andere zu bestimmtem Verhalten zu bringen, zu manipulieren?
 
Ist es wirklich so, dass zahlreiche Menschen dieses eigene Verhalten - Taktik, Berechnung beim Schenken - dann auch von sich auf andere projizieren, es anderen unterstellen, dass sie nicht aus Mitgefühl, Freundschaft, Liebe gerne, wahrhaftig von Herzen teilen, geben, schenken?
 
Und ist das angeboren oder anerzogen - siehe Persönlichkeit, Charakter, Genetik, Verhaltensgenetik, Erziehung, Sozialisation, Individuation, Verhaltensforschung, Psychologie ... ?
Was, wenn Selbstsucht, Geiz, Gier nicht von Eltern, Hauptbezugspersonen "vorgelebt" wurden, dennoch bei Erwachsenen ausgeprägt sind?
 
Wenn Mitgefühl, Fairness, prosoziales Verhalten? angeboren, d.h. bei Menschen und anderen Primaten genetisch angelegt sind (siehe Verhaltensforschung, Primatologie, Frans de Waal ...), warum ist dieses Mitgefühl dann bei offenbar so zahlreichen Menschen weltweit so verkümmert, nicht (mehr?) intakt, nicht aktiv?
 
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04. Dezember 2023
 
Man befrage sich einfach selbst ehrlich, ob die einem langjährig nahestehenden Menschen, so vorhanden - also bspw. Partner, Eltern, erwachsene Kinder, enge Freunde - in der Not tatsächlich ihr letztes "Stück Brot" mit einem teilen würden: ohne einen zu hintergehen, zu belügen ... .
 
Denn bekanntlich erkennt man in der Not, auch: in der Krise ..., den wahren Freund, Gefährten - so er denn ein solcher ist.
Stichwort Liebe, aktives Lieben, gemäß Erich Fromm:
Achtung, Erkenntnis, Freiheit, Verantwortung, Fürsorge - Verbundensein.
 
Sind diese nahestehenden Menschen, siehe oben genannt, wirklich solche, die dich tatsächlich wertschätzen - nicht, weil du Titel, "Macht", Vermögen hast, sondern aufgrund deiner Persönlichkeit (Charakter, Wesen)?
Respektieren sie deine Selbstbestimmung?
Sind sie aktiv mitfühlend?
 
Sind diese Menschen in ihren Entscheidungen, Taten, Zielen, politischen Einstellungen, gerade auch ihrem Wählerverhalten verantwortungsvoll: in dem Sinne, dass sie dir damit nicht wissentlich erheblichen, existenziellen Schaden zufügen?
Sind sie solidarisch, loyal, verlässlich?
 
Sind diese Menschen, gerade auch im Alltag, bedürfnisorientiert - also: n i c h t paternalistisch - fürsorglich dir gegenüber, gehen sie entsprechend mit dir um? Das setzt natürlich Empathie und intaktes Mitgefühl voraus, siehe oben.
Macht es ihnen Freude, dir wohlzutun?
 
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29. Februar 2020
 
Die Frage - nicht erst am Ende - deines Lebens sollte sein
nicht: Hatte ich genug "Spaß"?

"Erkenne dich selbst" und "Tu, was du willst" bedeutet gerade nicht maximaler, egomaner Hedonismus und Eskapismus, sondern das Gegenteil dessen.

Die Frage, die du dir zu Lebzeiten stellen solltest, u m dein Leben als sinnvoll, erfüllt erleben, erfahren, bewerten zu können, ist:
Habe ich mit meinem Wollen, Streben, Verhalten dazu beigetragen, "die Welt ein bisschen besser zu machen", d.h. habe ich nach meinen persönlichen Möglichkeiten, Umständen, Fähigkeiten und Kräften zum (je "privaten", regionalen wie globalen) Gemeinwohl beigetragen?


Deutlicher:
War mein Leben, meine Existenz, mein Wirken, Tun und Unterlassen nach bestem Wissen und Gewissen für auch andere Menschen, schmerzfähige Lebewesen gut, zuträglich, wohltuend, konstruktiv, förderlich, hilfreich, stärkend?

Ich denke, nur dann, wenn man seine kleine Existenz "in den Dienst einer dem Ego übergeordneten Sache stellt", also nicht in den engen Grenzen des je eigenen Egos - nicht zu verwechseln mit dem Selbst - verhaftet, gefangen bleibt, erfährt man Sinn und Erfüllung.
Und eben dies erfährt, (er-) lebt man vor allem durch das aktive Lieben.

Nein, dafür bedarf es keines "Gottes", keiner Metaphysik, keiner Mystik, keiner Religion, Ideologie, Esoterik, sondern "nur" der je persönlichen Erkenntnis-, Reflexionsfähigkeit, des Mitgefühls, der Vernunft, der Persönlichkeitsreife - der Liebesfähigkeit.
 
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Wolfgang Streeck:
 
"Ebenfalls zum Standardmodell gehörten möglichst umfassend organisierte Interessenverbände, insbesondere von Arbeit und Kapital."
 
Lobbyismus, Gewerkschaften
 
"(...) eine bis dahin für unmöglich gehaltene Koexistenz von Kapitalismus und Demokratie. Als historische Vernunftehe zusammengehalten wurde sie durch die geniale Friedensformel der Keynes´schen Wirtschaftstheorie, die die Demokratie zu einer kapitalistischen Produktivkraft umdefinierte."
 
BINGO! Und bekanntlich liegt (unter anderem) hierin das Problem inkl. aller bekannten Missstände: die permanente Kopplung von - überdies nur repräsentativer - "Demokratie" an Kapitalismus. Ideologie.
 
"Eine den Interessen der lohnabhängigen Mehrheit wahlpolitisch verpflichtete Regierung sorgte im Bündnis mit etablierten Gewerkschaften für jene fortlaufende und nachhaltige Umverteilung von oben nach unten, die (...) erforderlich war."
 
Soll man lachen? Weinen? WELCHE "den Interessen der lohnabhängigen Mehrheit wahlpolitisch verpflichtete Regierung" bitte: ?
 
Wolfgang Streeck setzt fort: "(...) um die effektive Nachfrage auf dem für Vollbeschäftigung und Wachstum nötigen Niveau zu halten."
 
Ja: Wenn man Kapitalismus will - mit all den global destruktiven Folgen für unzählige Menschen weltweit. Inklusive Vernichtung durch Armut.
 
"Länger als drei Jahrzehnte freilich hat dieses im Rückblick oft als demokratischer Kapitalismus bezeichnete Arrangement nicht gehalten. In den 1970er Jahren begann es überall zu erodieren."
Inflation, Stagnation, Arbeitslosigkeit
 
"Eine Suche, die sehr bald in den bis heute andauernden Prozess der sogenannten Globalisierung einmündete. [...]
Damit begann die Ära neoliberaler Reformen mit dem Ziel einer Revitalisierung des Kapitalismus zu dessen Bedingungen: Deregulierung, Marktöffnung, Freihandel, weniger Staat, mehr Markt und schwarze Nullen ohne Ende. [...]
 
Demokratie (...), weil unfähig, den Bürgern reinen Wein über die Gesetze der Wirtschaft einzuschenken, denen zufolge neues Wachstum gerade nicht durch Umverteilung von oben nach unten entsteht, sondern umgekehrt: durch Umverteilung von unten nach oben, durch Schaffung stärkerer Arbeitsanreize - am unteren Rand der Einkommensverteilung mittels Abbau von Mindestlöhnen und Senkung von Sozialleistungen, am oberen dagegen durch verbesserte Gewinnaussichten und höhere Bezahlung, gerne auch mit Hilfe niedrigerer Steuern."
 
In Deutschland nennt sich das bekanntlich Agenda 2010: Hartz IV, Niedriglöhne, Armut, systematische Ausbeutung von lohnabhängigen, unbemittelten, nicht-vermögenden Menschen als Objekte, verheizbares Menschenmaterial für Wirtschaft, Wachstum, Wohlstand: der Vermögenden.
 
"Wie bei jeder anderen wirtschaftswissenschaftlichen Doktrin handelt es sich auch bei ihm um eine verklausulierte Beschreibung der aus einer historischen, politischen Machtverteilung erwachsenden Handlungszwänge als Naturgesetze.[...]
 
Inflation, Staatsverschuldung, Öffnung der privaten Kreditmärkte und heute die grenzenlose, freie Produktion von Geld folgten einander als Notbehelfe. [...]
 
(...) so reduzierte sich politische Partizipation nach dem weltweiten Ende der Inflation auf die Beteiligung an Wahlen, bei denen es vor allem um die Verteidigung sogenannter sozialer Besitzstände ging. Besitzstände, die jedoch über kurz oder lang von allen sog. verantwortlichen Parteien für unhaltbar erklärt wurden.[...]
 
Seit den 1970er Jahren ging die Beteiligung an Wahlen aller Art in allen kapitalistischen Demokratien bemerkenswert stetig zurück und zwar weit überwiegend am unteren Rand der Verteilung von Einkommen und Lebenschancen, also bei denen, die umverteilende Politik eigentlich am nötigsten hätten. Zugleich verzeichneten die politischen Parteien über alle nationalen und ideologischen Unterschiede hinweg einen dramatischen Einbruch ihrer Mitgliederzahlen. Und dasselbe gilt für die Gewerkschaften, die seit den 1980er Jahren nur noch in Ausnahmefällen in der Lage waren, mit Aussicht auf Erfolg von ihrem Streikrecht Gebrauch zu machen. [...]
 
So zogen sich die staatstragenden Parteien der Mitte zunehmend aus der Gesellschaft ihrer Wähler in die Apparate ihrer Staaten zurück. (...) Das beständig sich weiter ausbreitende neoliberale Einheitsdenken. So wurden die etablierten Parteien der Mitte immer ununterscheidbarer und gab es für eine wachsende Zahl von Bürgern keinen Grund mehr, sich an Wahlen zu beteiligen, es sei denn als Abnehmer des Unterhaltungsprogramms der entstehenden Postdemokratie. [...]
Und tatsächlich bekämpfen sie die neue Politisierungswelle mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln: propagandistisch-kulturell, juristisch, institutionell."
 
Exakt.
 
"Mit dem Niedergang der Gewerkschaften, dem Aufstieg einer marktkonformen Technokratie und dem Übergang zu Global Governance war eine doppelte Umdeutung von Demokratie einhergegangen (...). [...]
 
Im Ergebnis wurde Demokratie damit zum Hoheitsgebiet einer neuen, meritokratisch und kosmopolitisch orientierten Mittelschicht, während sie als Artikulationskanal für im normalen Lauf der Dinge abgehängten Unterschichtinteressen delegitimiert wurde. [...]
Wer, Zitat `nichts von Politik versteht´, also das neoliberale Schulwissen nicht verinnerlicht hat, die globalisierungsoffenen, sogenannten demokratischen Werte nicht teilt, kann nunmehr als antidemokratisch von einem weiten Bündis aller Demokraten bekämpft werden."
 
Das Narrativ.
 
"Der Riss zwischen denen, die andere als Populisten bezeichnen und denen, die von ihnen als solche bezeichnet werden, ist heute die dominante politische Konfliktlinie in den Krisengesellschaften des finanzialisierten Kapitalismus. Thema ist kein geringeres als das Verhältnis von globalem Kapitalismus und staatlicher Ordnung. [...]
 
Dabei reagieren die von den sogenannten Populisten abfällig und von sich selbst beifällig als solche bezeichneten Eliten auf die neuen Parteien, indem sie diese zu demokratischer Teilhabe für kognitiv und moralisch ungeeignet erklären."
 
Diffamierung.
 
"Der kognitiven Unmündigkeitserklärung folgt die moralische Disqualifizierung. (...), was dadurch erleichtert wird, dass die früheren Fürsprecher der plebejischen Klassen zur Globalisierungsfraktion übergewechselt sind und ihrer ehemaligen Klientel für die Artikulation von Protest nur das unbehandelte sprachliche Kondensat ihrer Deprivationserfahrungen zurückgelassen haben."
 
Man kann es auch als Verrat bezeichnen.
 
"Märkte haben sich nicht unabhängig von staatlicher Herrschaft entwickelt. In ihrer Mehrzahl wurden sie von staatlichen Institutionen für militärische Zwecke geschaffen. Wenn man sich die Ursprünge der Münzprägung im östlichen Mittelmeer, in Indien und China anschaut, überall kommen die Herrscher auf die gleiche geniale Idee, wie sie ihre stehenden Heere bezahlen können. Sie prägen ihr Bild auf handliche Gold- und Silberstücke, verteilen sie an ihre Soldaten und belegen dann alle in ihrem Herrschaftsbereich mit einer in Münzen zu entrichtenden Steuer. Das ist der Grund, warum Märkte geschichtlich immer im Umfeld der Heerlager entstehen. [...]
 
"Die Freiheit erlaubt mir, soziale Bindungen einzugehen und anderen Versprechungen zu machen. [...]
 
Übertragbare, quantifizierbare Versprechen sind die Basis des Geldsystems. Wenn dann noch staatliche Gewalt die Einlösung dieser Versprechen sicherstellt, hat sich der Charakter der sozialen Beziehungen dramatisch verändert. Dinge scheinen moralisch gerechtfertigt, die sonst nirgendwo im sozialen Raum zu legitimieren wären. [...]
 
Wenn soziale Beziehungen quantifizierbar und austauschbar werden, erscheint ein Zustand erstrebenswert, bei dem alle Schulden beglichen sind und niemand mehr jemandem etwas schuldet. Das deckt sich mit den großen Erzählungen von Adam Smith und anderen Theoretikern des freien Marktes. Darin ist vom Tauschhandel die Rede, der in diesen Darstellungen am Anfang stand. Es folgte die Erfindung des Geldes, um den Tausch zu vereinfachen. Schließlich folgten Kredit und Schulden. Eine geschichtliche Analyse zeigt, dass es genau anders herum war. Am Anfang steht der Kredit als Kitt der Gesellschaft und das Geld in physischer Form folgt erst zu einem späteren Zeitpunkt. Und auch die Vorstellung, dass der moderne Individualismus mit dem Markt geboren wurde, ist falsch. Auch in traditionellen Gesellschaften gab es einen sehr starken Individualismus. Allerdings zeichnete er sich durch das jeweilige Netzwerk sozialer Beziehungen aus, durch das, was die Soziologie soziales Kapital nennt. Die Marktgesellschaften erfinden das Individuum in gewisser Weise neu, indem sie alle diese sozialen Verpflichtungen in quantifizierbare Schulden verwandeln. Ihr Ideal ist der Mensch, der all diese Schulden beglichen hat. [...]
 
Das eigentliche Problem ist, dass wir uns alle Beziehungen als Tausch vorstellen. Der Tausch hat einen Platz in jeder menschlichen Gemeinschaft, aber es gibt viele andere Beziehungsformen. Sobald man alles unter dem Aspekt eines wechselseitigen Tausches sieht, wo jeder gleichermaßen nimmt und gibt, erscheint jede bleibende Beziehung als Schuld. Daraus entwickelt sich dieses reduktionistische Ideal der Freiheit: Ich gebe exakt das zurück, was ich bekommen habe. Dann bin ich frei und kann gehen. Das schließt dauernde Beziehungen aus. Aus diesem Grunde wollen die Menschen in vielen von Nahbeziehungen geprägten Gesellschaften ihre Schulden gar nicht vollständig begleichen. Man gibt immer ein bisschen weniger oder auch ein bisschen mehr. Andernfalls gäbe man zu verstehen, dass man mit seinem Gegenüber nichts mehr zu tun haben möchte. Sobald man alles als Markt sieht, auf dem ein ausgeglichener Tausch stattfindet, entwickelt man eine äußerst negative Vorstellung von der Natur gesellschaftlicher Beziehungen. Der erste Schritt zu nachhaltigeren Gesellschaftsformen ist deshalb die Frage, welche anderen Handlungsmotive gibt es? Ich habe drei wichtige unterschieden. Da ist das, was ich Alltagskommunismus nenne. In der überwältigenden Mehrzahl der Nahbeziehungen handeln wir spontan kooperativ nach der Devise, jeder gibt nach seinen Fähigkeiten jeder nimmt entsprechend seinen Bedürfnissen. Wenn mich jemand nach dem Weg fragt, frage ich nicht zurück, was ich für die Auskunft bekomme. Auch Familienbeziehungen funktionieren so. Dann haben wir den mehr oder weniger ausgeglichenen Tausch. Er ist eigentlich nur mit Fremden möglich, denen wir auf Augenhöhe begegnen. Aber es gibt auch hierarchisch strukturierte Beziehungen, die ganz anders ablaufen. Auch dort wird nicht Gleiches mit Gleichem verglichen. Mit dem, was er gibt, bestätigt der Mächtige die Asymmetrie der Beziehung zum Unterlegenen. Wenn dieser das Gleiche zurückgeben würde, müsste der Mächtige das als subversiven Akt auffassen. Ich glaube, dass eine nachhaltige Gesellschaft nur funktionieren kann, wenn kooperative Beziehungen überall dort greifen, wo es um die Grundbedürfnisse der Menschen geht. Nur so kann existenzielle Sicherheit hergestellt werden. Auf der Basis dieser Sicherheit kann man dann frei entscheiden, welches Spiel man spielen möchte."
 
David Graeber
 
15.04.2023
 
Hier, siehe unten verlinkte wdr-Doku "Die Reichen und Mächtigen: Wer regiert Deuschland?", nochmal veranschaulicht, dass die manipulative Heuchelei der Reichen, "Mächtigen", Vermögenden, Neoliberalen - auch Politiker - eben dies ist: Lüge, Täuschung, Hohn.
Siehe u.a. das Verhältnis von Realwirtschaft zu Finanzwirtschaft ... .
 
Ab ca. Min. 17:30 ist auch nochmal bestätigt, dass Regierungen, Regierende Politik für Reiche, Vermögende, Wohlhabende machen - nicht für unbemittelte, benachteiligte, vielfach belastete, oft beschädigte, versehrte Menschen.
Kapitalismus, Neoliberalismus - Staat. Macht. Gewalt.
 
Mit Demokratie, gar Menschenwürde hat dieser global täglich! g e t ä t i g t e, vollzogene Menschen verachtende, unzählige Menschen vernichtende Dreck übrigens nicht das Mindeste zu tun. Armut.
 
Christoph Gröner bei ca. Min. 31:28, Zitat:
"Und dafür brauch´ ich, liebe HERRN von den Banken, liebe Investoren, brauch´ ich auch in Zukunft Ihre Unterstützung. Des is´ ganz wichtich."
 
Von Damen, Frauen spricht, an sie wendet er sich erst gar nicht, obwohl solche zugegen waren.
Denn wie wir alle längst wissen, wahrnehmen, beobachten, erfahren, ist der Club der Reichen und Mächtigen ein Männerverein, ein patriarchal-autoritärer, neoliberaler, nicht selten narzisstischer (Alt-) Herren-Club. Aus eben diesen, hinreichend bekannten, Gründen: Patriarchat.
 
Gegen Ende der Doku, bei ca. Min. 34:00, wird wieder mal gesagt:
"Die Menschen wenden sich von der Demokratie ab."
 
Wie oft noch?! : Menschen wenden sich nicht von tatsächlicher (Basis-) Demokratie, sondern von sogen. repräsentativer, indirekter, parlamentarischer, von REGIERUNGEN ab.
Menschen sind nicht "gegen das Wertefundament der Demokratie", sondern gegen indirekte, repräsentative, häufig exkludierende "Demokratie" - gegen Entscheidungen und Vorgehensweisen ihrer Regierungen, Regierenden.
 
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"(...) Gleichwohl hängt die Höhe der Erbschaftsteuer nicht in erster Linie vom Wert des übertragenen Vermögens, sondern vom Verhältnis zwischen Erblasser und Erben sowie der Art des Vermögens ab. Wer seinem Bruder oder seiner Schwester mehr als 20.000 Euro vermacht, muss darauf 15 Prozent Steuern zahlen.
 
Wird hingegen eine Immobilie in mittlerer Lage an den Ehepartner übertragen, ist dies oft steuerfrei. Und selbst wenn Betriebsvermögen in zweistelliger Millionenhöhe übertragen werden, geht der Fiskus zumeist leer aus. Zwar kennt das deutsche Erbschaftsteuergesetz Steuersätze von bis zu 50 Prozent, doch zahlen muss die wegen großzügiger Sonderregeln und Freistellungen faktisch niemand.
 
Das DIW schätzt, dass pro Jahr Vermögen im Wert von rund 400 Milliarden Euro vererbt werden. Bei auf ein Minimum reduzierten Ausnahmen und einer breiten Bemessungsgrundlage könnte mit einem niedrigen effektiven Steuersatz ein beachtliches Aufkommen generiert werden. So würde ein effektiver Steuersatz von nur zehn Prozent dem Staat Mehreinnahmen von 30 Milliarden Euro erbringen.
 
Vor dem Hintergrund, dass sich maßgebliche Teile der FDP gegen solche Pläne sperren dürften, sei ein Blick in die „Freiburger Thesen“ dieser Partei empfohlen. In diesem am 27. Oktober 1971 verabschiedeten Grundsatzprogramm der FDP heißt es, „die bisherige Erbschaftsteuer schleppt ein veraltetes System fort, das unsere Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung und deren freiheitliche Entwicklung vor allem dadurch beeinträchtigt, dass es die angestrebte Vermögensbildung bei breiten Schichten der Bevölkerung behindert“.
 
Ferner begünstige diese Steuer „eine gesellschaftlich schädliche Akkumulation größter Vermögen und der damit verbundenen Verfügungsrechte“. Der Erbschaftsteuertarif sei wegen zahlreicher Gestaltungsmöglichkeiten „in höchstem Maße unsozial“. Er begünstige einen kleinen Personenkreis und die Erwerber großer Vermögen.
 
Damals forderte die FDP den Ersatz der Erbschaftsteuer durch eine Nachlassabgabe. Kleinstvermögen sollten steuerfrei bleiben, größere Nachlässe mit 22 Prozent und sehr hohe mit 75 Prozent besteuert werden. (...)"
 
"Seit Jahren nimmt die Konzentration von Vermögen zu. Die Ungleichheit bei den Vermögen ist in Deutschland laut dem französischen Starökonomen Thomas Piketty wieder auf einem Niveau wie zur Kaiserzeit. Das reichste ein Prozent besitzt rund ein Drittel des gesamten Nettovermögens. Davon entfällt mit 16 Prozent fast die Hälfte auf die reichsten 0,1 Prozent - Tendenz steigend. Diese Vermögen bestehen zu einem Großteil aus Eigentum an Unternehmen oder Anteilen daran. Die Hälfte der Bevölkerung hingegen besitzt unter dem Strich fast Nichts.
 
Wirtschaftliche Macht erzeugt politische Macht und gefährdet somit die Demokratie: Das Ahlener Programm der CDU von 1947 fordert die »Verhinderung der Zusammenballung wirtschaftlicher Kräfte in der Hand von Einzelpersonen, von Gesellschaften, privaten oder öffentlichen Organisationen, durch die die wirtschaftliche oder politische Freiheit gefährdet werden könnte.« (...)
 
Die Vermögenden in Deutschland entstammen meist Familien, die schon vor dem Zweiten Weltkrieg zu den reichsten Deutschen gehörten. Abstammung entscheidet somit über Lebenschancen. Aber die Coronakrise erzeugt auch neue Gewinner und Verlierer. Wie Jeff Bezos, der Chef von Amazon, oder die größten Aktionäre von Pharmaunternehmen, die von der staatlichen Förderung der Impfstoffe profitieren.
Die neue Studie der Unternehmensberatung PricewaterhouseCoopers und der schweizerischen Großbank UBS zeigt, dass allein das Vermögen der 119 Dollar-Milliardäre in Deutschland seit März 2019 - trotz Krise - bis Ende Juli 2020 um 20 Prozent auf über 594 Milliarden Dollar gestiegen ist. Diese Corona-Party ist nicht das Ergebnis von Leistung, sondern von Besitz. (...)
 
Die Schulden im Verhältnis zur Wirtschaftskraft liegen aber ebenso wie die Zinskosten des Bundes weit unter dem Niveau der Finanzkrise. (...)
 
Die Vermögensteuer ist bereits geltender Bestandteil der deutschen Finanzverfassung, wird aber seit 1997 nicht mehr erhoben. Um die massive Ungleichheit zu korrigieren, braucht die Vermögensteuer wieder einen Impuls. Damit durch die Vermögensteuer nur Milliardäre und Multimillionäre zur Kasse gebeten werden, braucht es hohe Freigrenzen für privates und betriebliches Nettovermögen (Vermögen minus Schulden). Dabei sollte der Freibetrag für Betriebsvermögen deutlich höher sein, weil dort Vermögen etwa in Form von Maschinen und Anlagen festgebunden ist und nicht einfach auf dem Konto liegt. Der Freibetrag darf aber auch nicht zu hoch sein, weil sonst Anreize verstärkt werden, den Lamborghini zum Dienstwagen oder die Luxusvilla zum Firmensitz zu deklarieren, um ihn der Besteuerung zu entziehen.
 
Es gibt dabei derzeit eine Faustformel: je geringer die Vermögen, desto höher der Anteil des Geldvermögens. Und desto geringer die Renditen, die auf diese Vermögen wegen des Niedrigzinsumfelds erzielt werden. Je höher die Vermögen, desto höher auch die durchschnittlichen Renditen. Zudem zeigt die Studie des DIW zur Vermögensabgabe, dass ein erheblicher Teil des Steueraufkommens bei den obersten 0,1 Prozent realisiert wird.
Daher spricht viel für einen progressiven , also ansteigenden Steuerverlauf. Das heißt: wer mehr hat, der zahlt auch höhere Steuersätze. Vereinfacht kann man davon ausgehen, dass ein Prozent Vermögensteuer auf Betriebsvermögen etwa zehn Prozent zusätzlicher Gewinnbesteuerung entsprechen. Hinzu kommen natürlich höhere Steuern für Konzerne und Spitzenverdiener gemäß des Steuerkonzepts. (...)
 
Wir schlagen einen progressiven Tarif mit einem Freibetrag für Privatvermögen von einer Million Euro pro Person vor. Wer etwa mit einer Eigentumswohnung in der Innenstadt »Papier-Millionär« ist, wird nicht belastet. Dies ist insbesondere wegen der Entwicklung der Immobilienpreise wichtig, die zu massiven Vermögenszuwächsen für Eigenheimbesitzer führten, die aber im Unterschied zu großen Immobilienhaien nicht mit hohen Renditen einhergehen.
 
Der Freibetrag für Betriebsvermögen könnte bei fünf Millionen Euro liegen. Dazu soll die Altersvorsorge von der Steuer ausgenommen werden. Der Eingangssteuersatz startet bei einem Prozent und steigt bis zu einem Nettovermögen von 100 Millionen Euro stetig an. Ab da greift dann der Höchststeuersatz von fünf Prozent. Das ist angemessen, weil große Vermögen besonders hohe Renditen abwerfen. Zudem ist bei sehr großen Vermögen auch eine Umverteilung zulasten von Vermögenssubstanz erforderlich. Die geschätzten Einnahmen liegen dann jährlich bei über 50 Milliarden Euro. Hinzu kommt die Vermögensabgabe von knapp 20 Milliarden Euro jährlich. (...)
 
Dazu kommt: Im Gegensatz zu Einnahmen aus der Einkommen-, Umsatz- und Gewerbesteuer sind die Einnahmen aus der Vermögensteuer nicht so stark von der Konjunktur abhängig. Sie brechen also nicht weg, wenn die Wirtschaft lahmt. Das ist wichtig, denn Erzieher und Pfleger müssen auch dann bezahlt werden, wenn die Wirtschaft nicht brummt. (...)
 
 
"[...] Es liegt im Wesen der Macht, nicht nur ihre Erhaltung mit allen Mitteln zu verteidigen, sondern sich materiell und ideell immer stärker zu machen, ja, ihre Ausdehnung und Kräftigung als einzigen Inhalt allen ihrer Handlungen zugrunde zu legen. Menschen und gesellschaftlich lebenden Tieren ist das Machtstreben nicht angeboren. Erst jahrtausendelange Gewöhnung an Vorrecht und Entrechtung hat die Menschen, nur sie, zu dem Glauben gebracht, es sei in ihrer Natur bedingt, daß der Wettstreit um den Platz an der Sonnenseite des Daseins in der Form von Machtkämpfen geführt werden müsse. Gerade aber erst die Machtkämpfe haben mit der Spaltung des Menschengeschlechts in Herrschende und Beherrschte verursacht, daß es eine Sonnenseite und eine Schattenseite des Lebens gibt. Macht kann nicht sein, wo keine Ohnmacht ist. Wer nach Macht strebt, kann sein Ziel nur erreichen, indem er andere ohnmächtig macht. Die größte und umfassendste Macht der bisher erlebten Geschichte ist die vom Kapitalismus entwickelte Macht. Zweck der halt- und grenzenlosen Kapitalshäufung ist jedoch keineswegs, dem Kapitalisten bloß ein Wohlleben zu verschaffen. Seine Absicht, in Reichtum zu leben und Aufwand zu treiben, läßt sich erreichen, ohne daß Milliardenwerte, ungeheure Ländereien, Bergwerke, ganze Industrieausbeuten unter die Verfügung eines Einzelnen zu gelangen brauchten. Der Großkapitalist rafft seine Güter durchaus nicht zusammen, um sich ein bequemes Leben zu schaffen; er verwendet im Gegenteil außerordentlich mühevolle Tätigkeit auf die Erhaltung, Vermehrung und Vervielfältigung seines Kapitals, obwohl er weiß, daß sich durch die Ausdehnung seines Eigentums an seiner Lebensführung gar nichts ändern wird und obwohl jede Vergrößerung seines Reichtums größere Anforderung an seine organisatorische Spannkraft stellt.

Der Kapitalist weiß sogar, daß bei gerechter und natürlicher Bewirtschaftung der Erde im Sozialismus, bei gleicher Berücksichtigung aller in der Regelung des Verbrauchs, für niemanden, also auch für ihn nicht, eine Verarmung im Sinne von Mangel an Gütern und Freuden eintreten würde. Denn der Boden trägt, wenn er sozialistisch gepflegt wird, genügend, um guten Wohlstand für alle Menschen zu verbürgen, und wir kämpfen für die kommunistische Anarchie nicht, um den Reichtum, sondern um die Armut abzuschaffen. Der Kapitalist macht sich reich, um andere arm zu machen. Sein Antrieb zur Kapitalanhäufung ist nicht Habsucht, sondern Machtgier. Je mehr Menschen er durch seinen Reichtum in Armut treibt, um so mehr Menschen macht er sich hörig. Je ärmer jemand ist, um so abhängiger ist er, je abhängiger er ist, um so besser kann er beherrscht werden. Darum bleibt es sich auch für den arbeitenden Menschen ganz gleich, ob seine Arbeitskraft von einem Privatmann oder einer Ausbeutergesellschaft gedungen wird oder vom Staat. Dadurch, daß ihm der Ertrag seiner Leistung vorenthalten bleibt, wird Macht geschaffen, von der er abhängig ist. Die Staatsmacht braucht seine Armut genau so wie der Private, um durch sie Macht auszuüben. Die Macht des Staates ist aber gefährlicher als jede andere Macht, weil sie mit dem Anspruch auftritt, Ausdruck des allgemeinen Willens zu sein und die von ihr der Arbeit abgenommenen Reichtümer dem allgemeinen Nutzen zuzuführen. In Wahrheit dienen diese Reichtümer ausschließlich der Erhaltung des Staates selbst, das heißt der Macht der Obrigkeit, die die Ohnmacht der Regierten braucht. [...]"
 
Erich Mühsam, 1932
 
 
"[...] Der zentrale Motor der Geschichte war dabei für Kurz die Selbstunterwerfung des Menschen unter den ökonomischen Prozess der Geldvermehrung, was er mit dem von Adam Smith geprägten Bild der „schönen Maschine“ (S. 41) umschreibt. Deren „völlig unpersönlicher“ (S. 41) und „blinder Mechanismus“ werde als quasi „Naturgesetzlichkeit“ unreflektiert vorausgesetzt. Das einzige „Ziel“ der „schönen Maschine“ sei die „Verwertung des Werts“ (S. 85), die unaufhörliche Anhäufung von „Geld“ und „Quanten abstrakter Arbeit“ (S. 145). Mit diesem von Karl Marx übernommenen Begriff charakterisiert Kurz die Unterwerfung unter eine Form des Produzierens, die letztlich „sinnvergessen“ (S. 16) sei, da es nicht mehr auf ihre Inhalte ankomme, sondern nur noch um die „Verausgabung von Arbeitskraft schlechthin“, die Auslieferung an den „abstrakten Selbstzweck des Geldes“, um eine „fremdbestimmte, jenseits der eigenen Bedürfnisse und außerhalb der eigenen Kontrolle liegenden Tätigkeit“. Das Festhalten an diesem Prinzip der „abstrakten Arbeit“ bilde letztlich die große Gemeinsamkeit aller Gesellschaften und ihrer Kritiker seit Beginn der Neuzeit. Selbst die Vertreter der bürgerlichen Revolutionen und der Arbeiterbewegung hätten sich von diesem Paradigma nicht lösen können. [...]
 
Kurz beginnt seine historische Analyse des Kapitalismus mit dem Anfang des 17. Jahrhunderts, in dem sich ein Gesellschaftsmodell der „totalen Konkurrenz“ (S. 18) entwickelt habe. Dessen zugrunde liegendes Welt- und Menschenbild sei seiner Meinung nach „für das gesamte westliche Denken der Moderne bis zum heutigen Tag hegemonial“ geworden.
Das aufstrebende marktwirtschaftliche Unternehmertum habe sich eine starke gesellschaftliche Stellung gesichert. Gleichzeitig habe es sich jedoch „nicht mehr an die traditionelle Struktur der autoritären Hierarchie gebunden“ (S. 18) gefühlt und seine eigene „Herrschaftsideologie“ zur Legitimierung seiner spezifischen Interessen entwickelt.
 
Der „große Stammvater des Liberalismus“ (S. 18) ist für Kurz Thomas Hobbes. Da jener den Menschen als ein prinzipiell von Natur aus egoistisches Wesen auffasse, der sich natürlicherweise in einem „Krieg aller gegen alle“ (bellum omnium contra omnes) (S. 20) befinde, bedürfe es laut Hobbes einer übergeordneten Macht, des Staates, der den „menschlichen Raubaffen zur negativen Gesellschaftlichkeit zähmen sollte“ (S. 21). Dieser Rechtfertigungsgedanke des „absoluten Staates“ finde sich laut Kurz bis heute (S. 22). „Freiheit“ bestehe für Hobbes vor allem darin, „zu kaufen und zu verkaufen und miteinander Handel zu treiben“ (S. 19), nicht etwa in der Möglichkeit, „sich nach eigenen Bedürfnissen und Vereinbarungen kooperativ zu verhalten“.
Die Wendung des Konkurrenzstrebens zu einer positiven Eigenschaft – was Kurz als „Umwertung aller Werte“ (S. 25) bezeichnet – sei durch Bernard Mandeville vorgenommen worden. Durch gegenseitige Konkurrenz könnte der naturgemäß faule, egoistische und geldgierige Mensch eine Gesellschaft im Endresultat zu einer „blühenden Gemeinschaft“ (S. 25) machen. Dabei wird das „Mit-Fühlen und Mit-Leiden bei Unglück und Elend anderer“ zu einem Gefühl der „schwächlichsten Gemüter“ erklärt, dem die „Männer des Marktes“ nicht nachgeben dürften (S. 27).
 
Übertroffen, so Kurz, werde dieser Zynismus von Marquis de Sade, der die Ideologie vom „Recht des Stärkeren“ in einer radikalisierten Gestalt bis hin zum Mord vertritt (S. 31). Jegliches soziale Mitleid werde von De Sade als eine negative „Natureigenschaft“ der Frauen gebrandmarkt (S. 32). Durch die Reduzierung der Sexualität auf die Verrichtung des Koitus verwandele er sie „gewissermaßen in einen (analog zum kapitalistischen Produktionsprozess) maschinellen Vollzug“ (S. 34). [...]
 
Das ethische Prinzip des „größtmöglichen Glücks für die größtmögliche Zahl“ von Jeremy Bentham propagiere eine Gesellschaft, „die jedem Menschen das Recht gibt bzw. geben sollte, ‚sein Glück zu machen‘“ wie es auch in der Formel des pursuit of happiness in die Unabhängigkeitserklärung der USA Eingang gefunden habe. Der objektive Maßstab für Glück sei letztlich das Geld, wobei nach Bentham das Eigentumsrecht in keiner Weise angetastet werden dürfe.

Biologistischer Unterbau
Eine zentrale Entwicklung im 19. Jahrhundert ist für Kurz der Darwinismus, der einen für die moderne Naturwissenschaft typischen Charakter aufweise:
„Eine wirkliche große Entdeckung verschmolz vollständig mit einem irrationalen ideologischen Impuls und unreflektierten Interessen des kapitalistischen Fetisch-Systems, um sich schließlich mit einer enormen Zerstörungskraft aufzuladen“ (S. 154).
 
Kurz sieht Darwin in der Tradition der Aufklärung und ihrem Programm der „Vernaturwissenschaftlichung“ der Welt (S. 155). Die Freigeister hätten jedoch keine echte Aufklärung im Sinn gehabt: die scheinbare Aufhebung der Religion durch die Naturwissenschaften sei nur der intellektuellen Elite vorbehalten gewesen bzw. habe doch nur einer raffinierterer Form der Gängelung und Selbst-Disziplinierung der Massen gedient.
Darwin habe geglaubt, den Mechanismus für die Evolution, d. h. die allmähliche Veränderung und Höherentwicklung der Lebewesen, im ‚Kampf ums Dasein‘, d. h. in der Selektion gefunden zu haben. Die Rückprojektion dieser Lehre auf die Gesellschaft sei eine willkommene ‚naturwissenschaftliche‘ Rechtfertigung für das kapitalistische Konkurrenzkonzept gewesen. Der sogenannte „Sozialdarwinismus“ sei dann schon bald von „imperialistischen Ideologen wie Friedrich Naumann, Walter Rathenau oder Max Weber“ zur Formulierung deutscher Weltmachtansprüche verwendet worden.
 
Für Kurz verbinden sich Darwinismus und Kapitalismus in den „Eugenik“-Bewegungen, die eine „wissenschaftlich“ basierte menschliche „Zuchtwahl“ hätten entwickeln wollen. Der Sozialdarwinismus habe die „negative Selektion“ zur Ausschaltung der „biologisch Minderwertigen“ der Gesellschaft eingeführt, die besonders Kriminelle und alle, die im „kapitalistischen Sinne“ arbeitsuntauglich gewesen seien, betroffen habe. Diese Ideologie des Sozialdarwinismus sei zunächst als eine Art „Fortpflanzungshygiene“ realisiert worden:
„Während die ‚Minderwertigen‘ und ‚Entarteten‘ notfalls gesetzlich und mit Polizeigewalt daran gehindert werden sollten, sich fortzupflanzen, galt es andererseits als gesellschaftspolitisches Ziel, ‚erbgesundes‘ Menschenmaterial nach landwirtschaftlichen Gesichtspunkten zusammenzuführen“ (S. 161).
 
Mit dem Darwinismus habe sich auch der moderne Rassismus verbunden, der von Kant („Race“) über Hegel bis zu Auguste Comte („Stadientheorie“) gereicht hätte und Joseph Arthur Graf de Gobineau den „Mythos der ‚arischen Edelrasse‘“ habe erfinden lassen.
Die mit dem Darwinismus verschmolzene Rassentheorie habe – so Kurz – unmittelbar biologistischen Charakter angenommen. Houston Stewart Chamberlain sei dabei der Lieferant einer Interpretation der „gesamten Geschichte einschließlich der Kunstformen nach ‚rassischen‘ Gesichtspunkten“ gewesen (S. 164). Diese Verbindung von Darwinismus und Rassenwahn im Kapitalismus habe zu einer dualistischen Rangordnung zwischen „Herrenmenschen“ und biologisch inferiorem „Menschenmaterial“ geführt. Der gesellschaftliche Wahn habe eine Projektionsfläche für die „Verkörperung seiner eigenen Negativität“ und einen ‚negativen Übermenschen‘ „in Gestalt der Juden“ gefunden; eine Entwicklung, in der sich für Kurz die europäische Tradition des Antisemitismus in die kapitalistische Moderne transformiert habe: vor allem in der Idee einer ‚jüdischen Weltverschwörung‘. [...]
 
Die Konkurrenz der Unternehmen habe die Marktteilnehmer nun zu einer permanenten Produktivkraftentwicklung genötigt, um das eigene Angebot marktfähig zu halten. Im Kampf um die Preise sei es zu einer Art „Standortdebatte“ um die günstigsten Arbeitslöhne gekommen, die beginnende internationale Konkurrenz habe als Mittel der sozialen Erpressung gedient (S. 59).
Bald sei der Kapitalismus gewissermaßen als „gesellschaftliches Naturereignis“ betrachtet worden. Das Paradoxon, dass er einerseits eine „bis dahin niemals für möglich gehaltene Arbeitsersparnis durch das Maschinenwesen“ erreicht, diese aber andererseits „nicht als Steigerung der gesellschaftlichen Wohlfahrt und als Lösung der sozialen Probleme“ (S. 59) habe nutzen können, begegnete man nach Kurz’ Ansicht allein mit der Hoffnung auf eine „naturwissenschaftlich-technische Erlösung, die doch irgendwann einmal aus den Maschinenkräften selber kommen sollte“.
Kurz glaubt, dass die kapitalistische Produktionsweise in einen „unlösbaren logischen Selbstwiderspruch“ geriete, da sie einerseits „abstrakte Arbeit“ in Waren verwandele, andererseits aber menschliche Arbeit fortlaufend „durch technisch-wissenschaftliche Agenzien“ ersetzt und so die Substanz der „Wertschöpfung“ selbst aushöhle. [...]
 
Mit dem Fabrikproletariat sei eine neue Kategorie von „arbeitenden Armen“ entstanden, Kinder und Frauen seien zu Niedriglöhnen in den Fabriken beschäftigt worden. Die Opfer hätten aber Widerstand geleistet, wodurch es zu Sozialrevolten gekommen sei. [...]
 
Nur wenige Intellektuelle – allen voran Karl Marx und Friedrich Engels – seien durch persönliche Erfahrungen „umgedreht“ worden. Historische Folgen seien jedoch ausgeblieben. Marx habe zwar stets Sympathie für die sozialen Aufstände geäußert, deren Impuls aber „im wesentlichen als eine Verirrung gegen ‚die Produktivkräfte’ betrachtet“. Kurz wirft dem Marxismus die Übernahme des „positivistischen, technisch-naturwissenschaftlich verkürzten Fortschrittsbegriff des Liberalismus“ vor. Eine radikale Kritik an der Modernisierungsgeschichte und ihres gewandelten Arbeitsbegriffs sei auch in der „Linken“ bis heute ausgeblieben. [...]
Kurz charakterisiert den Beginn des 20. Jahrhunderts als eine
„eigentümliche schizophrene Mischung aus Fortschrittsgläubigkeit und Untergangsphantasie, technokratischem Machbarkeitsdenken und biologistischer ‚Veterinärphilosophie’, Staatsräson und Marktkonkurrenz, individuellen Ansprüchen und wahnhafter Kollektivsubjektivität von ‚Nation’ und ‚Rasse’“. [...]
 
Besonders in Deutschland habe „die Mischung aus Krisenangst, phantasmagorischen Projektionen und Spekulantenhatz den alten, tiefsitzenden Dämon des Antisemitismus“ erneut geweckt, insbesondere in Gestalt der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei. [...]
 
Bei einer Betrachtung der gesamten Modernisierungsgeschichte liege es Kurz zufolge nahe, „Kapitalismus, Liberalismus und Marktwirtschaftsdemokratie nicht als übergreifendes Positivum zu verstehen“, sondern als „negative und repressive Zwangsvergesellschaftung durch die monströse ‚schöne Maschine’ der ‚Verwertung des Werts’“.
Die Diktaturen des 20. Jahrhunderts wurzeln für Kurz in der kapitalistischen Produktionsweise und seien Erscheinungsformen des liberalen Kapitalismus. Er behauptet weiter:
„Aus dieser negativen, kritischen Perspektive kann besonders Auschwitz nur als die nicht mehr zu überbietende äußerste Konsequenz der liberalen Ideologie in der Tradition von Hobbes, Mandeville, de Sade, Bentham, Malthus u. Co. verstanden werden“,
deren „Naturalisierung und Biologisierung des Sozialen“ eine „historische Schicht von Auschwitz“ darstelle.
In den Diktaturen des 20. Jahrhunderts habe sich „nur der liberale Terror des Frühkapitalismus auf höherer Stufenleiter der Entwicklung und mit verschobenen ideologischen Legitimationsmustern“ wiederholt. [...]
 
Kurz bemerkt kritisch, dass Keynes selbst zugegeben habe, dass es sich bei dessen Theorie „im Grunde nur um einen ‚Aufschub‘ der absoluten Grenze kapitalistischer Produktion handeln kann. Ebenso unfreiwillig enthüllt er die Absurdität der dem Kapitalverhältnis inhärenten Logik“. Die erste Runde des ‚Keynesianismus‘ sei in einen neuen Rüstungswettlauf gemündet: wieder einmal sei der Krieg der Vater aller Dinge, Hitler gewissermaßen der „Exekutor dieser mörderischen ‚List‘“ des Aufschubs gewesen.
 
Als Ergebnis dieser Entwicklung sieht Kurz den Zweiten Weltkrieg, über den er das folgende Resümee zieht:
„Dieser neuerliche Triumph der ‚schönen Maschine‘ kostete insgesamt 55 Millionen Menschen das Leben, große Teile Europas und Asiens wurden verwüstet. Aber merkwürdig: Die abermaligen und ungeheuerlichen ‚Kosten der Modernisierung‘, die quantitativ wie qualitativ allen bisherigen Terror und Horror des Kapitalismus übertrafen, riefen kein geistiges Echo der tiefen Erschütterung mehr hervor […] Es war, als liefe das bis ins Mark demoralisierte Menschenmaterial geradezu gleichgültig und bereits roboterhaft kalt durch eine Feuerwand in den kommerziellen, endgültig entgeistigten Stumpfsinn des kommenden trostlosen Konsumparadieses hinein.“
In der Nachkriegszeit sei es dann darum gegangen, „die kriegswirtschaftlichen Strukturen […] in ‚zivilökonomische’ Regulationsformen zu überführen und zu einem dauerhaften System auszubauen“. [...]
 
Kurz sieht die zweite industrielle Revolution wesentlich durch den Begriff des „Totalitären“ gekennzeichnet. Er wirft den gängigen Totalitarismus-Theorien vor, dass in ihnen der Begriff „totalitär“ nur im „staatlich-politischen“ Sinne definiert werde, „während der ökonomische völlig ausgeblendet“ bliebe, obwohl der politische Totalitarismus eine ökonomische Grundlage habe. So seien „sowohl die stalinistische als auch die Nazi-Diktatur ebenso wie der italienische Faschismus auf dem Boden des warenproduzierenden Systems entstanden“. [...]
 
Kurz glaubt, dass die Vorstellung, dass mit dem Kapitalismus immer mehr Freizeit und Spaß für den Menschen einhergehen werde, im Hinblick auf den Zusammenhang mit einer „Arbeitszeitverkürzung“ zu relativieren sei. Diese beschränke sich zum ersten nur auf wenige reiche kapitalistische Zentren, vor allem die Länder des kontinentalen Westeuropas. Zum zweiten sei die Arbeitszeitverkürzung nur eine temporäre Erscheinung in der Phase schnellen Wirtschaftswachstums gewesen. Zum dritten würde die Zeitverkürzung durch eine übermäßige Steigerung der Arbeitsbelastung für den einzelnen überkompensiert. Auf der anderen Seite sei Freizeit nur „scheinbar frei disponible Zeit“, denn im „Freizeitkonsum“ – im Massentourismus etwa würde die „Mobilmachung“ auch auf die freie Zeit ausgedehnt – setze sich die „kapitalistische Konditionierung“ fort, so dass es letztlich keinen sozialen Raum mehr außerhalb dieser gebe.
 
Totalitäre Demokratie
Kurz ist der Ansicht, dass auch die Demokratie ein totalitäres Element enthalte. So habe bereits Erich Ludendorff erkannt, dass „das Menschenmaterial des Verwertungsprozesses in keiner anderen Staatsform so widerspruchslos und kostengünstig an der Leine geführt werden kann wie in der Demokratie“.[6] Der Grund sei, dass das gesellschaftliche Leben letzten Endes nicht durch bewusste gemeinsame Entscheidung der demokratischen Gesellschaftsmitglieder gesteuert werde, da die demokratischen Prozeduren von freier Meinungsäußerung, politischer Willensbildung und freien Wahlen den Wirkungen der ‚Gesellschaftsphysik’ von anonymen Märkten nur nachgeschaltet seien: alle demokratischen Entscheidungen seien immer schon im Voraus durch die Automatik des ökonomischen, naturgesetzhaft verstandenen Systems festgelegt.
 
Hinter den drei staatlichen Gewalten Legislative, Exekutive und Judikative stehe nach Kurz also immer auch die strukturelle (vierte) Gewalt eines totalitären Marktsystems, welches seit Rousseau unter dem Namen des abstrakten „Gemeinwohls“ firmiere, und auf die sich die postulierte ‚Volkssouveränität’ nicht erstrecke. Ein letzter totalitärer Charakter zeige sich ebenfalls in der totalen Bürokratie der Menschenverwaltung in den Demokratien. [...]
 
Am Wendepunkt der wirtschaftlichen Prosperität Anfang der 1970er Jahre wurden laut Kurz deren Folgen sichtbar: die umfassende Zerstörung der natürlichen Lebensgrundlagen. Er führt diese Entwicklung auf die Logik der „abstrakten Arbeit“ zurück, die ihre Kosten auf die Gesamtgesellschaft, die Zukunft und eben auch auf die Natur abwälze. Letzteres sei bereits dem jungen Friedrich Engels in seiner Analyse „Die Lage der arbeitenden Klasse in England“[7] aufgefallen. Jedoch erst mit der kapitalistischen „Totalmobilmachung“ sei die Natur nun der abstrakten betriebswirtschaftlichen Vernutzungslogik vollständig ausgeliefert gewesen.
 
Im Jahr 1972 seien erstmals die „Grenzen des Wachstums“ nach einer gleichnamigen Studie des Club of Rome weltweit debattiert worden, in der das Verhältnis von Wachstumszwang und natürlichen Rohstoffen zur Sprache gekommen sei. Kurz kritisiert an dieser Studie, dass darin „der destruktive Charakter betriebswirtschaftlicher Rationalität bestenfalls indirekt“, als „bedauerliche Nebenwirkung der ‚Industriegesellschaft’“ vorkomme. Kurz meint zu erkennen, dass die offizielle Gesellschaft die Debatte über die Grenzen und destruktiven ökologischen Folgen des Wachstums nur aufnahm, um das Problem besser verdrängen zu können: die eigentliche Ursache der ökologischen Katastrophe sei folgenlos zerredet, oder in die unverbindliche Propaganda einer „Versöhnung von Ökonomie und Ökologie“ überführt worden.
 
Erst die revoltierende Studentenbewegung habe wieder von einer Welt träumen können, die „vom kapitalistischen Selbstzweck der ‚schönen Maschine’ erlöst“ sei und die Produktionstätigkeit auf vielleicht zwei oder drei Stunden am Tag reduzieren würde.
„Erstmals seit vielen Jahrzehnten gab es wieder so etwas wie den Versuch, eine authentische Reformulierung der Marxschen fundamentalen Kapitalismuskritik zu wagen. Der Pariser Mai schien das System in seinen Grundfesten zu erschüttern“.
Kurz zieht allerdings die Bilanz, dass die „Bewegung von 1968 im Sinne der sozialen Emanzipation restlos gescheitert“ sei. Die radikale Kritik an Warenform und ‚abstrakter Arbeit’ sei schließlich nicht weiter verfolgt worden, stattdessen seien die Studenten wie schon zuvor die Arbeiterbewegung „auf die schiefe Bahn der ‚Politik’“ geraten. [...]
 
Die Dritte industrielle Revolution hat für Kurz ihre technologische Basis in der Elektronik und den Informationswissenschaften. Die mit ihr verbundene Automatisierung führt seiner Ansicht nach „zu einer qualitativ neuen Stufe der Massenarbeitslosigkeit und damit der Systemkrise“. Die logisch einzig mögliche Verlaufsform der Automatisierung im Kapitalismus sei Massenarbeitslosigkeit. Das Hauptproblem bestehe darin, dass jene Menschen, die nun „überflüssig“ seien, aus dem System des Geldverdienens und der Konkurrenz ausgestoßen würden, obwohl dieses weiterhin ihre unausweichliche Existenzgrundlage bilde. Das „Ende der Arbeitsgesellschaft“ droht Kurz zufolge in einen „wirklichen historischen Systemzusammenbruch“ zu münden, da mit der Arbeit die „Substanz des Kapitals selbst“ auszugehen drohe. [...]
 
Die Lösungsversuche des zeitgenössischen Liberalismus zu dieser Problematik hält Kurz für grotesk. Die Argumentation Ralf Dahrendorfs, eine radikale Absenkung des Niveaus von Reallöhnen und Sozialleistungen vorzunehmen, hält er nicht nur für einen nicht funktionierenden Ausweg, sondern empfindet selbst das Ansinnen solcher Zumutungen für die Lohnarbeiter als absurd. Die „einzig vernünftige Konsequenz“ bestehe für Kurz darin, im Einklang mit dem technischen Fortschritt „mehr Muße für alle einzuklagen, bei voller Beteiligung aller an den Früchten der ungeheuer angewachsenen Produktivität.“
 
Kurz sieht mit „der fortschreitenden Dehumanisierung des Kapitalismus“ einen „demokratischen Gulag“ heraufziehen. Dieser Gulag gliedere sich in drei Abteilungen:
 
Die erste Abteilung bestehe in Menschenverwahrung und -Einschließung; Institutionen, in denen immer mehr „überflüssige“, „delinquente“ oder sonstwie „unverwertbare“ Menschen verschwinden würden, und die selber zu einem gewaltigen Kostenfaktor angeschwollen seien: Gefängnisse, Zuchthäuser, Drillanstalten, „Heime“ aller Art, Armenkliniken, psychiatrische Anstalten usw.

Die zweite und größte Abteilung bestehe aus den Massen der Arbeitslosen und Herausgefallenen, die von der demokratischen Armuts- und Krisenverwaltung bürokratisch in Bewegung gehalten, drangsaliert, gedemütigt und zunehmend auf „Hungerrationen“ gesetzt werden würden.
Die dritte Abteilung bildeten die ganz am Rande der Gesellschaft „vegetierenden“ Obdachlosen, Straßenkinder, Immigranten, Asylbewerber und sonstigen Illegalen, die nicht einmal mehr durchgehend verwaltet würden, sondern nur noch sporadisches Objekt von Polizei- und gelegentlich sogar Militäreinsätzen (oder in manchen Ländern von privaten Todesschwadronen) seien.
 
Kurz’ Fazit: Die dritte industrielle Revolution habe in nur knapp 20 Jahren die größte Krise seit 1929 heraufbeschworen, die nicht nur die überwunden geglaubte Massenarbeitslosigkeit zurückgebracht, sondern auch die Geldwirtschaft in vielen Ländern bereits zusammenbrechen lassen habe. Hier trete der immanente Selbstwiderspruch des Kapitalismus final zutage. [...]
 
Sozialstaat
Der Liberalkonservatismus sei zur Abwendung sozialer Revolten geneigt gewesen, „dem Staat eine gewisse soziale Verantwortung zu übertragen – selbstverständlich […] untrennbar vermengt und verbunden mit seiner Repressionsfunktion“. Kurz bezeichnet dies als „Wiederverheiratung“ des Liberalismus mit dem „absolutistischen Apparat“, der in allen wichtigen Ländern Europas stattgefunden habe. [...]
 
Für Kurz haben die ökonomischen Krisen der beiden letzten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts, einhergehend mit dem staatlichen Rückzug aus der sozialen Verantwortung und dem Erstarken des Neoliberalismus zur größten Welle von Massenverarmung seit dem frühen 19. Jahrhundert geführt. Dabei sei der größte Teil der Dritten Welt vollständig ruiniert worden, inklusive der aufstrebenden südostasiatischen Länder, ebenso die Staaten der ehemaligen Sowjetunion und in ganz Osteuropa. Aber auch im Westen würden jährlich größere Regionen und Bevölkerungsgruppen der Massenverarmung anheimfallen. Kurz zieht daraus den Schluss, dass das globale kapitalistische System vollkommen versagt habe.
 
Kurz führt das Phänomen der Verarmung an verschiedenen Beispielen aus. So gebe es weltweit eine wachsende Verelendung von Kindern: die Kinderarbeit in der Dritten Welt, aber auch in Deutschland und den USA nehme zu; das Phänomen der Straßenkinder habe sich ebenfalls massiv ausgedehnt. Seit den 1990er Jahren sei es zudem zu einem weltweiten Anschwellen des Hungers gekommen. Auch in den westlichen Industrieländern nehme die Unterernährung und damit einhergehende Mangelerkrankungen zu. In der medizinischen Versorgung würden die gesetzlichen Krankenversicherungen überall zur „Armenkasse“ umfunktioniert. Jenseits der großen Industrienationen gebe es in den meisten östlichen und südlichen Ländern medizinische Hilfe ohnehin nur noch gegen Barzahlung. Zunehmend würde „die Geldarmut sogar dazu ausgenutzt, die Armen als regelrechte Organbanken für die Besserverdienenden auszuschlachten“, wozu sich die „vom Weltmarkt ruinierte Dritte Welt“ geradezu anbieten würde[8] – für Kurz das wohl „letzte noch denkbare Stadium der Angebotsökonomie“. Die allgemeine „Dehumanisierung des kapitalistischen Medizin- und Gesundheitswesens“ setze sich auch vor allem darin fort, wie mit pflegebedürftigen Alten umgegangen werde. Selbst engste Angehörige hätten oft nur noch den Status entfernter Verwandten, sobald sie hinter den Mauern einer Pflege- oder Aufbewahrungsanstalt verschwunden seien. Dabei nähmen die Altenheime für die verarmten Massen unter dem zunehmenden Kostendruck „KZ-ähnlichen Charakter“ an.

Fazit des Autors
Im Epilog des Buches zieht Kurz das Fazit, dass der Kapitalismus auf seine eigene Selbstvernichtung zulaufe, die auch in einer Zerstörung der menschlichen Gesellschaft enden könne. Um dieser Gefahr entgegenzutreten, müssten „radikale theoretische Kritik und Rebellion zusammenkommen“. Kurz sieht zwei mögliche Wege zur Überwindung des kapitalistischen Gesellschaftssystems: der kürzeste Weg sei „die Besetzung der Produktionsbetriebe, Verwaltungsinstitutionen und sozialen Einrichtungen durch eine Massenbewegung, die sich die gesellschaftlichen Potenzen direkt aneignet und die gesamte Reproduktion in eigener Regie betreibt, also die bislang herrschenden ‚vertikalen’ Institutionen schlicht entmachtet und abschafft“. Denkbar wäre auch eine „Übergangsphase, in der sich eine Art Gegengesellschaft bildet, die bestimmte soziale Räume gegen die kapitalistische Logik eröffnet, aus denen Markt und Staat vertrieben werden“. Als ein mögliches institutionelles Gefüge der Zukunft, das „Marktwirtschaft und Demokratie ablösen könnte“, sieht er die Einrichtung von „Räten“, d. h. „beratende Versammlungen aller Gesellschaftsmitglieder auf allen Ebenen der gesellschaftlichen Reproduktion“. Hierzu müsste eine bewusste „Palaverkultur“ geschaffen werden, um „alles zu bereden und abzuwägen“.
 
Kurz sieht für eine solche zukünftige Gesellschaft vor allem drei Aufgaben:
die „vorhandenen Ressourcen an Naturstoffen, Betriebsmitteln und [..] menschlichen Fähigkeiten so einzusetzen, dass allen Menschen ein gutes, genussvolles Leben frei von Armut und Hunger gewährleistet wird“;
„die katastrophale Fehlleitung der Ressourcen […] in sinnlose Pyramidenprojekte und Zerstörungsproduktionen zu stoppen“;
„den durch die Produktivkräfte der Mikroelektronik gewaltig angeschwollenen gesellschaftlichen Zeitfonds in eine ebenso große Muße für alle zu übersetzen“.
 
Bei der Lösung dieser Probleme handle es sich letztlich „weder um ein materielles noch um ein technisches oder organisatorisches Problem, sondern allein um eine Bewusstseinsfrage“. Für Kurz ist es aber wahrscheinlich, dass der dazu notwendige „Bewusstseinssprung“ nicht mehr vollzogen wird. Der Kapitalismus sei aber dennoch nicht überlebensfähig, was „die unaufhaltsame Entzivilisierung der Welt“ nach sich ziehe. Die einzige Handlungsalternative sei „eine Kultur der Verweigerung“. Dies bedeute, „jede Mitverantwortung für ‚Marktwirtschaft und Demokratie‘ zu verweigern, nur noch ‚Dienst nach Vorschrift‘ zu machen und den kapitalistischen Betrieb zu sabotieren, wo immer das möglich ist“. [...]"
 
Quelle: Wikipedia - "Schwarzbuch Kapitalismus"
Großartig:
 
"[...] Die Ein- und Auswanderung der Arbeiter sind vom Wesen des Kapitalismus ebenso unzertrennliche Erscheinungen wie die Arbeitslosigkeit, Überproduktion und Unterkonsum der Arbeiter. Sie sind oft ein Mittel, den Anteil der Arbeiter an der Arbeitsproduktion herabzusetzen und nehmen zeitweise durch politische, religiöse und nationale Verfolgungen anormale Dimensionen an.
 
Der Kongress vermag ein Mittel zur Abhülfe der von der Aus- und Einwanderung für die Arbeiterschaft etwa drohenden Folgen nicht in irgendwelchen ökonomischen oder politischen Ausnahmemaßregeln zu erblicken, da diese fruchtlos und ihrem Wesen nach reaktionär sind, also insbesondere nicht in einer Beschränkung der Freizügigkeit und in einem Ausschluß fremder Nationalitäten oder Rassen.
 
Dagegen erklärt es der Kongress für eine Pflicht der organisierten Arbeiterschaft sich gegen die im Gefolge des Massenimportes unorganisierter Arbeiter vielfach eintretende Herabdrückung ihrer Lebenshaltung zu wehren, und erklärt es außerdem für ihre Pflicht, die Ein- und Ausfuhr von Streikbrechern zu verhindern.
 
Der Kongress erkennt die Schwierigkeiten, welche in vielen Fällen dem Proletariat eines auf hoher Entwicklungsstufe des Kapitalismus stehenden Landes aus der massenhaften Einwanderung unorganisierter und an niederer Lebenshaltung gewöhnter Arbeiter aus Ländern mit vorwiegend agrarischer und landwirtschaftlicher Kultur erwachsen, sowie die Gefahren, welche ihm aus einer bestimmten Form der Einwanderung entstehen.
Er sieht jedoch in der übrigens auch vom Standpunkt der proletarischen Solidarität verwerflichen Ausschließung bestimmter Nationen oder Rassen von der Einwanderung kein geeignetes Mittel, sie zu bekämpfen. Er empfiehlt daher folgende Maßnahmen:
 
I. Für das Land der Einwanderung:
 
1. Verbot der Aus- und Einfuhr derjenigen Arbeiter, welche einen Kontrakt geschlossen haben, der ihnen die freie Verfügung über ihre Arbeitskraft wie ihre Löhne nimmt.
2. Gesetzlichen Arbeiterschutz durch Verkürzung des Arbeitstages, Einführung eines Minimallohnes, Abschaffung des Sweating-Systems [heute: System von Subunternehmen oder Sweatshop] und Regelung der Heimarbeit.
3. Abschaffung aller Beschränkungen, welche bestimmte Nationalitäten oder Rassen vom Aufenthalt in einem Lande und den sozialen, politischen und ökonomischen Rechten der Einheimischen ausschließen oder sie ihnen erschweren, weitgehendste Erleichterung der Naturalisation [Einbürgerung]. [...]"
 
Quelle: klassegegenklasse.org - "Grenzkontrollen sind `fruchtlos und reaktionär´ - Sozialistenkongress von 1907"

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