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Sabeth schreibt

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Über den Unterschied zwischen Spiritualität und Glaube, religiösem Glauben, Aberglaube, Esoterik, Mystik, Metaphysik sowie Synkretismus

 
Über den Unterschied zwischen Spiritualität und Glaube, religiösem Glauben, Aberglaube, Esoterik, Mystik, Metaphysik sowie Synkretismus
 
Noch immer setzen zahlreiche Menschen Spiritualität mit religiösem Glauben oder auch mit Esoterik gleich, deshalb scheint es mir erforderlich, die faktisch bestehenden Unterschiede im Folgenden aufzuzeigen.

Religiöser Glaube geht üblicherweise mit dem Glauben an einen Gott (siehe monotheistische, alttestamentarische, androzentrische, patriarchale Buchreligionen - Judentum, Christentum, Islam) oder an mehrere Götter (Polytheismus) oder jedenfalls an ein "übergeordnetes Prinzip", eine "höhere Macht", ein "höheres Wesen", eine "metaphysische Energie" oder Ähnlichem einher, siehe auch Pantheismus, Mystik, Mystizismus, Esoterik, Aberglaube, Fatalismus.

Die auf solche Weise gläubigen Menschen sprechen von "Erkenntnis", "Erfahrung", "Erscheinung(en)", "Visionen" oder auch Gefühlen - alles üblicherweise relativ vage, diffus, nebulös, da nicht wissenschaftlich, nicht empirisch überprüfbar, untersuchbar, belegbar, d.h. nicht mittels Verstand bzw. Vernunft und Empirie erklärbar, nachweisbar, nicht wissenschaftlicher Methodik (siehe Aufklärung, Wissenschaftstheorie/Philosophie) zugänglich, da solcher Glaube weder verifizierbar noch falsifizierbar ist.
 
Oft ist "das religiöse Gefühl", die religiöse Erfahrung nicht einmal hinreichend verbalisierbar, kommunizierbar.
 
Letztlich entzieht es sich damit der zwischenmenschlichen Interaktion, zwar wird gezielt durch Regeln, Ge- und Verbote, Dogmen und Rituale ein Kollektiv-, Gemeinschaftsgefühl erzeugt - darüberhinaus bekanntlich auch durch bspw. Drogen, bestimmte Substanzen, Tänze etc., die zu Ekstase, out-of-body experience/außerkörperlicher Erfahrung, "ozeanischem Gefühl" etc. führen können/sollen - es bleibt all dies jedoch letztlich eine ausschließende, nur je individuelle Erfahrung, ein je persönliches, subjektives Erleben, Fühlen, d.h. der je persönlichen Interpretation - auf Basis je individueller Hintergründe, Biographie, Prägung, Sozialisation, Überzeugungen, Einstellungen, Glaubenssätzen, Erfahrungen (und deren Einordnung) - unterworfen.

Eben dies macht "den" Glauben, das Glauben, für viele Menschen gerade so attraktiv.
 
Man kann ihn, d.h. die Glaubensinhalte, die religiöse Erfahrung, nicht wissenschaftlich "widerlegen", weil er wissenschaftlich - mittels Vernunft - nicht greifbar, der Vernunft nicht zugänglich ist, sondern sich dieser gerade absichtsvoll entzieht und somit jeglicher, auch intensiv abstruser Spekulation, Phantasterei, Illusion, folglich auch Manipulation, Indoktrination, Ideologie, Instrumentalisierung, Machtmissbrauch, Unterwerfung und Selbstverknechtung, also gerade auch dem Selbstbetrug Tür und Tor weit öffnet.

Aus welchen Gründen Menschen dennoch gläubig, abergläubisch, warum sie Esoteriker, Mystikanhänger, Sektenanhänger etc. sind, habe ich an anderer Stelle im blog bereits dargelegt, siehe bei Interessse dort (unten verlinkte blog-Einträge).

Im Wesentlichen geht es dabei darum, Halt, Trost, Orientierung und so etwas wie Sicherheit, Gewissheit, auch Geborgenheit, Getragensein zu finden, zu erleben, zu spüren - angesichts des Bewusstseins, der Erkenntnis und der Erfahrung dessen, dass ein jeder Mensch "ins Leben geworfen" wurde (niemand konnte/kann sich bisher aussuchen, selbst frei darüber bestimmen ob, wann, wo und in welche Verhältnisse er geboren werden will oder dies gerade nicht will), dass er einer existenziellen Kontingenz und zahlreichen Widerfahrnissen, Unwägbarkeiten ausgeliefert, mit all dem jedenfalls (wiederholt im Leben und mehr oder weniger bewusst) konfrontiert ist, dass er oft meint, auch erlebt, all dem nicht gewachsen zu sein, sich davon (psychisch-emotional, intellektuell, physisch ...) überfordert fühlt, all das nicht angemessen, gut, wohltuend für sich und andere zu bewältigen weiß und dass er um seine Endlichkeit, Vergänglichkeit weiß - die conditio humana also und damit einhergehend, daraus resultierend die Absurdität (siehe bspw. bei Albert Camus nachlesbar) menschlicher, somit auch je persönlicher Existenz:
 
als Mensch, der zugleich Säugetier, Primat - inklusive aller Triebe, Bedürfnisse, eminenter, nicht ignorierbarer Leiblichkeit - und mit ("höherem", umfassendem) Bewusstsein, mit Kognition ausgestattetes, vernunft-, erkenntnis-, reflexionsfähiges, mitfühlendes Lebewesen ist.

Eben diese Diskrepanz, dieses Wissen, dieses Erleben stellt die zentrale, grundsätzliche Herausforderung für Menschen dar, jedenfalls dann, wenn sie sich ihrer Situation (der conditio humana) bewusst sind/sein können, sie nicht verdrängen oder gar leugnen und wenn sie nach "Sinn" in ihrem Leben, für ihr (je persönliches!) Existieren, den "Grund", die Bedeutung oder auch Rechtfertigung ihres Daseins suchen.

Es ist nachvollziehbar, dass Menschen vor dem Hintergrund all dessen, auch je persönlich erfahrenen Leids, nach Halt, Trost, Geborgenheit, Sicherheit, Antwort(en) suchen - um nicht zu verzweifeln.
Es ist unmittelbar einleuchtend, dass, wer gläubig ist, wer sich selbst betrügt, vordergründig betrachtet leichter durchs Leben geht (bspw. auch optimistischer sein kann), eben weil er sich durch seinen Glauben, resp. Selbstbetrug, selbst entlastet, erleichtert, schont; er kann ein Stück Verantwortung (-slast) abgeben - an "Gott" oder wie immer man das "übergeordnete Prinzip" nennen will.

Damit ist es - der Glaube, der kompensatorische, selbstschonende Selbstbetrug - jedoch nicht ethisch oder intellektuell legitimiert, nicht rehabilitiert, nicht respektabel, nicht anerkennenswert, wertschätzbar.
 
Er ist viel mehr genau deshalb (siehe das Genannte) demonstrativer Ausdruck von offensichtlicher Unsicherheit, psychisch-emotionaler, intellekuteller, charakterlicher, sozialer Unreife, Infantilität. 

Beliebt ist insbesondere in westlichen Kulturen seit geraumer Zeit auch der Synkretismus, vor allem in Bezug auf (Zen-) Buddhismus oder auch Yoga und Meditation.

Besonders verbreitet findet sich religiöser Glaube, auch Fatalismus, Aberglaube ... weltweit bei konservativ eingestellten, d.h. so vor allem fühlenden Menschen.
Dies gründet sich auf deren gesteigerte Ängstlichkeit, ihr erhöhtes Sicherheitsbedürfnis, ihre ausgeprägten Ekelgefühle etc.. Siehe auch hierzu unten verlinktes Quellen-/Infomaterial.
 
Worin unterscheidet sich nun säkulare Spiritualität von religiöser, von religiösem Glauben:

Bei säkularer oder auch atheistischer Spiritualität wird kein "geistiges, übergeordnetes Prinzip", kein "Gott"/keine "Gottheiten", keine Metaphysik, keine Transzendenz, kein Jenseits angenommen oder zugrundegelegt.
Es gibt auch kein irgendwie zu erreichendes, anzustrebendes Ziel wie bspw. Wiedergeburt, "Erleuchtung", "Nirvana" oder "Paradies/Jenseits".

Säkulare, atheistische Spiritualität ist im Grunde eine Erfahrung, ein Gefühl (-szustand), ein Erleben von emotionaler Tiefe, ggf. auch Ergriffenheit, von Freude, Ruhe, "innerem Frieden", ggf. auch Dankbarkeit, von Einssein (mit "der Welt", mit anderen Menschen, Lebewesen, der Natur) und zugleich Über-sich-Hinausgehen, von Verbundenheit, Getragensein, Geborgenheit, auch von Staunen, Leichtigkeit, Zufriedenheit, Erfülltsein, (Selbst-) Erkenntnis.

Und dieses Gefühl, Erleben stellt sich bspw. im Naturerlebnis ein oder durch Alleinsein, Introspektion, Selbstfeflexion, physische und/oder psychisch-emotionale Grenzerfahrung sowie im Kontakt, Gemeinsamsein, (emotionaler, auch körperlicher) Intimität mit anderem/anderen Menschen.


Letztendlich ist dieses Gefühl, Erleben, dieser Zustand, diese Erfahrung nichts anderes als Liebe(n).
 
Siehe zur Definition von Liebe(n) insbesondere und nach wie vor Erich Fromm - "Die Kunst des Liebens".
 
Um dies, um (solche) Spiritualität, Tiefe, um Liebe erleben, erfahren und geben zu können, ist kein "Gott", keine übergeordnete Instanz, keine Transzendenz, Metaphysik, keine Mystik, kein Glaube erforderlich, auch und schon gar nicht oktroyierte Moral, sondern intrinsische "Moral": Mitgefühl - das jedem Menschen (wie auch anderen Primaten) genetisch angelegt, angeboren ist; außerdem Erkenntnisfähigkeit, Reflexionsvermögen, Selbstkritik, Verantwortungsgefühl, nicht-paternalistische, sondern bedürfnisorientierte Fürsorglichkeit ("Selbstlosigkeit, Güte", Altruismus) und infolgedessen der intensive Wunsch, zu geben, zu teilen, beizustehen, durchzustehen, loyal, fair, prosozial, wahrhaftig, authentisch, integer zu sein, zu halten, zu reifen - gerade an, durch und mit anderen Menschen, im "Diesseits", im Hier und Jetzt, im Alltag also.
 
Sich nicht fortzuschleichen, hinwegzustehlen, herauszuwinden, nicht zu kneifen, es sich nicht (nur) selbst leicht zu machen, sondern sich beherzt, couragiert zu stellen: sich selbst und anderen, nicht vor sich und/oder anderen und "der Welt", den Herausforderungen, den Widerfahrnissen zu fliehen, stattdessen selbst Verantwortung zu übernehmen, selbst zu entscheiden, die Konsequenzen dessen zu tragen, über sich selbst, so weit als möglich, zu bestimmen, zu verfügen, andere dabei nicht absichtsvoll zu beschädigen, sich nicht selbst zu unterwerfen (auch keinem "Gott"), sich nicht selbst zu verknechten - sich nicht selbst zu betrügen: zur bloß eigenen Entlastung und dabei zumeist zu Lasten, zum Schaden anderer.
 
Es geht bei "solcher" Spiritualität, bei Liebe(n), also mehr und grundsätzlich um das Geben, nicht das Nehmen. Und das nicht aufgrund von Zwang, nicht oktroyiert, sondern aus freien Stücken, aus eigenem Wunsch, Bedürfnis heraus.

Weil aktives Lieben erfüllt.
 
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Wenn es etwas gibt, dem es gebührt, wirklich und wahrhaftig als "göttlich" oder "heilig" bezeichnet zu werden - als etwas, das:
 
den Einzelnen in seinem individuellen, "abgetrennten" Menschsein (als Säugetier, generell: seine conditio humana) übersteigt, über ihn hinausweist, das Bestand hat (haben kann und sollte), das nicht bloßen, vorübergehenden "Trends" oder kurzen Begeisterungsstürmen unterworfen ist, das hingegen dauerhaft bewegt, berührt, beeindruckt, fasziniert, in Ekstase versetzen wie entrückt sein lassen kann, das einen tatsächlich in Ehrfurcht und überwältigt zurücklässt, gleichermaßen aber auch (Horizont) geweitet, inspiriert und erfüllt, so ist das:
 
all das, das Menschen an Schaffenskraft, Geisteskraft und Herzenstiefe in sich tragen und das sie auf dieser Basis an Kunst, Virtuosität, (Selbst-) Erkenntnis - mittels je persönlicher, dafür erforderlicher, dem vorausgegangen seiender bzw. einhergehender individueller Hintergründe, "Stärken, Schwächen" und Eigenheiten sowie Lebensumstände (auch Krisen ...) - hervorbringen, das sie zu erschaffen, zu gestalten, in die Welt zu bringen, also zu geben in der Lage sind - und hierbei eingeschlossen auch all das, das sie und ihre Wegbegleiter hierfür, ertragen, auch erlitten und (manches) bewältigt haben sowie auch ("teilweise", phasenweise oder auch dauerhaft) dadurch nicht nur verändert, sondern nicht selten versehrt wurden.

Es ist das Sich-Verbinden mit "dem Sein", der "Natur", dem, das ein Mensch vor seinem je individuellen, physischen wie psychisch-emotionalen "Hintergrund", je individuell/subjektiv erlebt, erfährt - das ihn ergriffen sein lässt, bewegt, antreibt, umtreibt, das ihn "Ruhe" finden, erleben lässt - das Gefühl von zugleich "Einssein" mit allem, das außerhalb von ihm ist (außerhalb seines Körpers, seiner Psyche, seines Verstandes/Geistes und seiner je persönlichen Gefühls- und Erfahrenswelt), das ihn sich aber gleichzeitig bzw. gerade deshalb als lebend, seiend, "unscheinbar"/winzig, jedoch getragen, gehalten, eingebunden, verbunden fühlen lässt.

Man nennt das allgemeinhin "Spiritualität".

Und diese ist gerade nicht gleichbedeutend mit religiösem Glauben - denn sie ist frei von Regeln, Dogmen/Dogmatik, frei von Zwängen, Ängsten und vor allem: Zweifeln.
 
Spiritualität kann nicht gelehrt, nicht verabreicht, nicht okroyiert und nicht gelernt werden - sie ist einfach "da", im Menschen vorhanden, offenbar angelegt - je nach Individuum, dessen "Hintergrund", stärker oder schwächer ausgeprägt, früher oder später zum Ausdruck kommend, persönlich bewusst erlebt, erfahren werdend.

Schon und gerade Kinder erleben sie - ohne sich dessen bewusst zu sein, ohne sie als solche verbal direkt benennen, bezeichnen zu können (aber ggf. umschreiben oder nonverbal vermitteln, darstellen, ausdrücken).

Keineswegs ist dafür religiöser Glaube oder Esoterik erforderlich.
Es braucht nur das Individuum, das Subjekt und etwas, das es in oben beschriebener Weise bewusst "trifft", bewegt.
 
Nein, es sind hierfür auch keinesfalls bestimmte bzw. irgendwelche "Substanzen" erforderlich. Sie können ggf. Hilfsmittel, vielleicht Krücken sein, aber gerade weil sie nicht dauerhaft/permanent zur Verfügung stehen und man sich nicht kontinuierlich in einem von ihnen ausgelösten oder beeinflussten Zustand befinden kann (so man existent sein bzw. bleiben möchte, also seine basalen Bedürfnisse befriedigen können muss ...), wohl auch nicht sollte (schon aus gesundheitlichen Gründen bspw.), sind sie nicht geeignet, Spiritualität authentisch und "unabhängig" erleben, erfahren zu können - eben weil sie Hilfsmittel sind, die entbehrlich sind und überdies auf vielerlei Weise schädigend sein können.
 
Es ist im Menschen selbst "vorhanden". Es ist das, das er hervorbringen, das er je selbst erfahren und das, das er geben (anbieten) kann: das über ihn (seine Kleinheit, seine vorübergehende "Größe", seine Vergänglichkeit und sein "Tiersein") hinausgeht - das er als erhaben, als vollkommen, vollendet erlebt:
 
Es ist das, das ihn sich eingebunden und verbunden, getragen, gehalten und "lebendig" sein fühlen, erleben lässt.

Letztlich ist es also: Liebe.

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