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Sabeth schreibt - Lebenskunst für Laien

Poesie Melancholie Philosophie Feminismus Anarchismus - non serviam.

Hörgenuss - Hörbücher, Hörspiele

 
Es ist nachfolgend nur die jeweils erste Episode eines Hörspiels oder einer Lesung verlinkt, die weiteren Folgen, so vorhanden, sind auf der jeweilig verlinkten Seite zu finden.
 
Aus "Die Gerechten", Albert Camus
 
Dora: "(...) ob die Liebe nicht auch etwas anderes ist, ob sie nicht aufhören kann, ein Monolog zu sein, ob es nicht hin und wieder auch einer Antwort bedarf. Manchmal stelle ich mir vor, die Sonne scheint, die Häupter neigen sich sanft, das Herz lässt seinen Stolz fahren und die Arme öffnen sich. (...)"
 
Yanek Kaliajev: "Ja, Dora, das nennt man Zärtlichkeit."
 
Yanek: "Wenn es etwas Verwerflicheres gibt als ein Verbrecher zu sein, so dies, jemanden zum Verbrechen zu zwingen, der nicht dazu geschaffen ist."
 
Großfürstin: "Es gibt keine Liebe als die zu Gott."
Yanek: "Doch, die Liebe zur Kreatur."
 
"Leben ist eine einzige Tortur, denn Leben trennt."
 
Dora: "Yanek sagte, er bereue, dass er nur ein einziges Leben habe, um es als Herausforderung der Gewaltherrschaft vor die Füße zu werfen. Ein Mensch, der das gesagt hat, kann nicht um Gnade winseln und bereuen. Nein, er will sterben."
 
Annenkov: "`Der Tod wird mein letzter Protest gegen eine Welt der Tränen und des Blutes sein´, sagte Yanek."
 
Dora: "Wenn die einzige Lösung der Tod ist, dann sind wir nicht auf dem guten Weg. Der gute Weg führt zum Leben und zur Sonne. Man kann nicht unaufhörlich in der Kälte leben."
"Ich hasse die Tyrannei. (...) Wir sind Gefangene, Annenkov."
 
"Wieviel leichter ist es, aus dieser Welt der Widerwärtigkeiten zu gehen als in ihr zu leben."
"Hast du je geliebt? Hast du ein einziges Mal geliebt, Annenkov?"
 
"Man möchte ein Wesen, ein Gesicht lieben, die Liebe über die Gerechtigkeit stellen."
"Sieh´ durchs Fenster, Annenkov. Der Morgen dämmert schon. Yanek ist bereits tot. Ich weiß es."
 
"Sah er glücklich aus? Ja ich bin sicher, er sah glücklich aus! Um der Gerechtigkeit willen hat er in seinem Leben auf das Glück verzichtet. Es wäre zu ungerecht, wenn er nun auch im Tode sein Glück nicht fände. Er war glücklich und er ist ruhig zum Galgen geschritten, nicht wahr?!"
 
"Und nachher? NACHHER, frag´ ich dich!?"
 
(...)
 
"Du wirst mir die Bombe geben, nicht wahr, Annenkov? Ich werde sie werfen. Und nachher ... in einer kalten Nacht ... . Yanek! Eine kalte Nacht ... und der gleiche Strick ... .
Alles wird nun viel leichter sein."
 
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Aus Honoré de Balzac - "Eugénie Grandet":
 
"Das Leben des Geizhalses ist eine ständige Machtausübung im Interesse der eigenen Person.
Er verlässt sich nur auf zwei Gefühle: Eigenliebe und Eigennutz.
Grandet hatte, wie alle Geizhälse, unentwegt das Bedürfnis, mit den anderen Menschen ein Spiel zu spielen."
 
Aus Honoré de Balzac - "Vater Goriot":
 
Vautrin: "Jeder große Geldbesitz, dessen Herkunft man nicht kennt, entstammt s i c h e r einem Verbrechen, das geschickt ausgeführt wurde."
 
Eugène: "Berühmt und reich sein wollen, heißt das nicht, bereit sein, zu lügen, zu kriechen, zu heucheln?"
Honoré de Balzac Honoré de Balzac

Honoré de Balzac

Charles Dickens - "Große Erwartungen", "David Copperfield", "Oliver Twist" - Hörspieledition des NDR Kultur und hr2, HörverlagCharles Dickens - "Große Erwartungen", "David Copperfield", "Oliver Twist" - Hörspieledition des NDR Kultur und hr2, Hörverlag

Charles Dickens - "Große Erwartungen", "David Copperfield", "Oliver Twist" - Hörspieledition des NDR Kultur und hr2, Hörverlag

02. Dezember 2023
 
Charles Dickens - "Große Erwartungen"
 
Die bisherigen Verfilmungen dieses Literaturklassikers sind Schund. Vergesst sie schnell wieder.
Das Hörspiel, siehe oben verlinkte Fotos (Hörverlag, ndr kultur und hr2), hingegen ist ein Genuss.
 
Charles Dickens versteht man wohl auch erst, wenn man etwas mehr Lebenserfahrung hat (als in der Zeit der Jugend).
Bei genannter, zum besseren (Lektüre-) Verständnis erforderlicher Lebenserfahrung handelt es sich nicht nur um im Lebensverlauf "gehabte" und reflektierte Erlebnisse sowie Menschenkenntnis, sondern um einhergehende persönliche Leiderfahrung, Erinnerungen - Gefühle.
 
Es sind Gefühle auch der Scham, der Reue - wen hast du selbst auf welche Weise mit welchen für diese Menschen irreversiblen, endgültigen, nicht wiedergutzumachenden Folgen verlassen, zurückgelassen, im Stich gelassen.
Solche Erfahrungen, Erinnerungen, Gefühle ... .
 
Die Verfilmungen von "Große Erwartungen" kratzen nur an der Oberfläche und stellen eine vermeintliche "Romanze" in den Mittelpunkt, um die es in der literaritschen Vorlage aber nicht hauptsächlich geht. Sondern um Freundschaft, Treue, Loyalität, Güte, Leid, Mitgefühl, Reifung.
 
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15. Dezember 2023
 
Selma Lagerlöf - "Der Kaiser von Portugallien", SR2 Lesung
 
Folge 16:
 
"Denn es gibt Vergebung, wenn man sie nur sucht."
"Die große Lieblosigkeit ist´s, die er nicht ertragen kann."
"Wir können über alles miteinander reden."
 
22. Dezember 2023
 
Folge 19, Selma Lagerlöf - "Der Kaiser von Portugallien":
 
"Die Feinde waren da. Der Hochmut und die Härte und das Laster und die Begierde. Alle miteinander."
 
Die wunderbare Lesung sollte unbedingt vollständig, von Anfang an gehört werden.
 
Folge 20:
 
"Wir haben auch Eltern gehabt. Und auch wir haben nicht recht an ihnen gehandelt."
 
Vieles versteht man leider erst, wenn mal selbst Eltern und alt geworden ist - wenn es zu spät ist. Weil die eigenen Eltern (oder Pflegeeltern) längst tot sind.
 
"Du hast´s nicht gutgehabt, seit du von uns gegangen bist."
 
Ja, so ist es. Nicht nur bei Klara Gulla. Aber wir waren sehr jung und lebensunerfahren - Klara 18, ich damals 13 - als wir fortgingen, das Nest verließen: freiwillig. Ich übrigens von meinen Pflegeeltern zu meiner leiblichen "Mutter" ... .
Ich ging - real, nicht in einer Geschichte - zu einer "Mutter", die mich nie bei sich haben wollte und die mich von sich aus niemals zu sich geholt hätte. Nie. Gleiches gilt für meinen biologischen "Vater".
Diesen Verrat habe ich an meinen beiden Kindern nicht begangen.
 
Es gibt keine "Vereinigung im Tode".
Es gibt nichts mehr. Es ist für alles endgültig, absolut zu spät: für die Toten.
Wiedergutmachung, Danksagung, Wertschätzung, Versöhnung, Trost, Freude - Verbundensein.
Nichts mehr erlebbar, erfahrbar, teilbar, schenkbar. Nichts. Nie.
 
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Jules Verne, Hörspiele

Jules Verne, Hörspiele

14. November 2023
 
So stilistisch brillant, feingeschliffen und inhaltlich konsistent die Geschichte des Dr. Jekyll und Mr. Hyde - "Der seltsame Fall des Dr. Jekyll und Mr. Hyde" - von Robert Louis Stevenson dem ersten Eindruck nach auch erscheint, enthält sie doch einige Passagen, an denen zumindest ich mich gestoßen habe und sich mir die Frage stellte, warum ihm diese Fehler (?) unterlaufen sind, ob diesbezüglich geschichtlich bedingte Unwissenheit, Kenntnismangel und/oder persönliche Erfahrungen zugrundeliegen.
 
Am Ende des Romans erläutert Dr. Jekyll, in einem Brief an den Rechtsanwalt Utterson, wie, wodurch und warum es zu der seltsamen Verwandlung des Dr. Jekyll kam.
 
Er berichtet dabei nicht nur von seiner, Zitat "Lebenslust", seinen "Ausschweifungen", der "Dualität des Menschen", von den "Bereichen des Guten und des Bösen, welche "die Doppelnatur des Menschen teilen und verbinden", seinem Nachdenken über "jenes harte Gesetz des Lebens, das die Wurzel aller Religion bildet und eine der ergiebigsten Quellen für Kummer und Not ist", von seinem Schamgefühl hinsichtlich der von ihm begangenen, Zitat "Sünden", vom Wunsch des Dr. Jekyll in Gestalt des Dr. Hyde gesellschaftliche, moralische Konventionen zu durchbrechen.
Er äußert überdies, er habe sich "der beständigen Wahrheit" genähert, "dass der Mensch in Wahrheit nicht ein Mensch ist, sondern aus zwei Menschen besteht. Ich sage zwei, weil der Stand meines eigenen Wissens nicht hierüber hinausreicht. Andere Forscher werden mir folgen, andere werden auf demselben Wege weiterkommen als ich. Und ich wage zu vermuten, dass man am Ende wissen wird, der einzelne Mensch ist weiter nichts als eine Gemeinschaft von mannigfaltigen, ungleichartigen und unabhängigen Bürgern."
 
Dies lässt vermuten, dass Stevenson sich damit auf seine Beobachtung, Erkenntnis und Erfahrung von in jedem Menschen vorhandenen, unterschiedlichen Persönlichkeitsaspekten sowie auf emotionale Widersprüchlichkeit und Ambivalenz bezieht, was nichts Pathologisches ist.
Im Folgenden spricht er dann aber wiederum nur von "den beiden Naturen" - "Gut und Böse" - legt also den leider auch heute noch global stark verbreiteten, religiös-ideologisch verbrämten, sich auf patriarchal-autoritäre Religion gründenden Gut-Böse-Dualismus zugrunde, wie und weil es für auch seine Zeit, die Viktorianische Epoche, üblich war.
 
Dr. Jekyll träumt von einem, Zitat "außerhalb des Ich liegenden Bösen", das "den Guten und Gerechten" nicht länger, Zitat "bedroht".
Jekyll: "Es war der Fluch der Menschheit, dass diese nicht zueinander passenden Elemente auf solche Weise aneinander gekoppelt waren."
 
Aus solchen Formulierungen geht hervor, dass es Stevenson, jedenfalls aber Dr. Jekyll an wichtigen psychoanalytischen Erkenntnissen noch mangelte und dass er sehr intensiv religiös geprägt, indoktriniert war. Daraus resultiert sein, Jekyll´s Wunsch, die "guten und bösen, niederen Elemente" voneinander zu trennen, um von einem als belastend erlebten Gewissen bzw. von damals noch sehr menschenfeindlichen, destruktiven, patriarchal-autoritär-religiösen Moralvorstellungen und -auflagen entledigt, befreit zu sein.
Hierbei wird allerdings Moral als solche gleich zur Gänze über Bord geworfen und der Hingabe an den vordergründig bequemen, selbstschonenden Selbstbetrug vollständig die Zügel gelassen.
Im folgenden Text ist von, Zitat "stürmischer Sorglosigkeit, einer Flut ungeordneter wollüstiger Bilder" und von Befreiung von "den Banden der Pflicht" die Rede.
 
Jekyll: "Ich empfand eine unbekannte, aber nicht unschuldige Freiheit der Seele."
 
Der religiöse, lust-, leib-, genussfeindliche Moralballast, inklusive entsprechender Sexualmoral, der immense Druck von Schuldgefühlen, (Angst vor) Strafe, Buß- und Sühnepflicht sowie die Gewalt und Destruktivität all dessen und der ausgeprägte, natürliche, gesunde Drang, dem zu entkommen, auszubrechen, sich davon befreien zu wollen, kommt hierin zum Ausdruck.
Zugleich das sich sofort regende schlechte Gewissen, das stets von Kindheit an religiös, autoritär eingeimpft wurde und der darauf folgende Trotz, die Abwehrreaktion, die Rebellion hiergegen.
 
Jekyll: "Mit dem ersten Atemzug, den ich in diesem neuen Leben tat, wusste ich, dass ich sündhafter, zehnfach sündhafter sei. Ein Sklave des Urbösen in mir. Und dieser Gedanke entzückte, erfrischte mich in diesem Augenblick wie Wein."
 
Als moralisch gut gelten Jekyll, gemäß der (auch) damaligen Konventionen, Zitat: "Arbeit, Tugend und Selbstbeherrschung".
 
In seinem Bericht spricht Jekyll zwar von, Zitat "Schandtaten, Grausamkeiten, Reue, Gewissen", das ihn wegen der von Hyde begangenen Gewalttaten plagt, derer er sich schämt, an keiner Stelle aber ist je von Mitgefühl mit den Opfern seiner Taten die Rede.
Es ist nur der kalte, sterile Verstand, der ihm Gewissensbisse, Schuldgefühle auferlegt, kein Gefühl für die Opfer, kein aus ihrem Leid resultierender eigener Schmerz des Jekyll.
Und eben dies ist der Grund, dessentwegen er weitere Grausamkeiten tätigen, sie sadistisch ausagieren will und kann: Er empfindet keinerlei Mitgefühl mit den, seinen Opfern.
Nur das Mitgefühl könnte ihn im konkreten Moment zurückhalten, innehalten lassen. Denn beim Mitfühlen fühlen wir eigenen Schmerz.
 
Bloß ein Mal ist der Ausdruck "Mitleid" erwähnt: Das Mitleid, das Jekyll mit Hyde hat - also mit nur sich selbst.
 
Einzig, Zitat "der Schrecken des Schafotts", die Angst also vor Strafe, Todesstrafe, seinem eigenen Tod, gebietet Hyde Einhalt.
Lediglich aufgrund des verstand- und erziehungsbasierten schlechten Gewissens ist Dr. Jekyll um Wiedergutmachung der Taten des Mr. Hyde bemüht - nicht auf Basis von Mitgefühl: intrinsisch motivierter, nicht religiös oktroyierter Moral.
 
Dass Vorlage für Stevensons Novelle der Kunsttischler Deacon William Brodie gewesen sein soll, der ein "Doppelleben" geführt, da nachts als Einbrecher tätig gewesen sein soll, erschließt sich mir nicht, da Brodie nach meinem Kenntnisstand keine Gewalttaten gegen Menschen, auch keine Morde beging. Er war somit der Figur des Mörders Mr. Hyde nicht ähnlich.
 
Was liegt dem Motiv der in solcher Weise "gespaltenen Persönlichkeit" tatsächlich zugrunde - eine dissoziative Identitätsstörung, die Stevenson möglicherweise bei anderen Menschen oder sich selbst beobachtet und in seiner Novelle mehr oder weniger stark abgewandelt, schriftstellerisch frei beschrieben und ausgeschmückt, intensiviert hat?
 
Und/oder veranschaulicht er mittels der Gewaltexzesse des Mr. Hyde die Folgen von substanz-, drogen-, alkoholinduzierter Enthemmung, Aggressivität, Bewusstseinsveränderung, von Substanzmissbrauch und Sucht? Ggf. auch von unter anderem stark alkoholhaltigen Laudanum, das Stevenson selbst offenbar eine Zeit lang nahm, das außerdem zur damaligen Zeit verbreitet angewandt, konsumiert wurde?
 
Jekyll nochmals zitierend:
"kalte Raserei, Lust am Bösen, Angriffe der Versuchung, mit meinem Gewissen spielen, eine Nachgiebigkeit gegen das Böse, das Tier in mir, teuflische Wut, eine Verachtung gegen jede Gefahr, Mordlust, danach lechzend, Schmerzen zu bereiten, dieses Kind der Hölle hatte nichts Menschliches - in ihm lebte nichts als Furcht und Hass; dass das, was tot war und ohne Form nun das Amt des Lebens übernahm".
 
Das klingt alles nicht nach biologisch bedingter, natürlicher reaktiver Aggression, sondern nach Grausamkeit, Sadismus, Nekrophilie. Was hat dies verursacht?
Und warum hat Hyde Briefe und Bilder seines - Jekylls - Vaters verbrannt?
 
Jekyll: "Hiermit, indem ich denn die Feder niederlege und meine Beichte versiegele, setze ich dem Leben des unglücklichen Henry Jekyll ein Ende."
 
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25. Mai und 01., 10., 11. und 14. Juni 2024
 
Stefan Zweig - "Ungeduld des Herzens", wdr 5 Lesung, Robert Levin

Schade nur, dass Leutnant Hofmiller in Folge 7 das von ihm offenbar erstmals empfundene Mitgefühl als "Macht über andere Menschen", als "Toxin" und "Magie" bezeichnet. Mal sehen, ob er noch begreift ... .
 
Folge 15 - "Lumpus maximus" ...
 
Folge 31 - Condor
Liebe(n) mit Courage, ohne Scham
 
Folge 32 - Condor: das Gewissen, die Verantwortung
 
Folge 34
Leutnant Hofmiller hat noch immer nicht verstanden, dass Mitgefühl zwar basalste Voraussetzung für Liebe, aber nicht mit Liebe identisch ist.
Und er macht Edith für seine eigene Unsicherheit, Feigheit, Schwäche verantwortlich.
 
Leider unterscheidet Stefan Zweig in "Ungeduld des Herzens" bisher auch nicht zwischen Liebe - Verliebtsein - Leidenschaft. Er setzt vielmehr all das gleich, in Eins. Wie dies auch heute noch leider viele Menschen tun, den Unterschied offenbar nicht kennen - mit bekannten Folgen.
Verliebtsein ist nicht Liebe(n).

Es gibt durchaus leidenschaftliche Liebe, aber Liebe bedarf der Leidenschaft nicht.
Wo Leidenschaft ist, ist nicht zwangsläufig auch Liebe.
Liebe(n) ist und bleibt auch ohne Leidenschaft, auch völlig ohne Sex eben dies: Liebe(n).
Wie kommst du darauf, Elsbeth, woher nimmst du dieses Wissen, diese Gewissheit?

Aufgrund persönlicher Lebens- und Liebeserfahrung sowie auch "theoretischer", intellektueller Auseinandersetzung mit Liebe(n). Verweise hierzu, wie stets, auf vor allem Erich Fromm und Emmanuel Lévinas.
Ausführlich zu Liebe, aktivem Lieben, Erkenntnis, Reife, Gefährtensein ... im kosten- und spendenfrei zugänglichen blog.
 
 
Bzgl. Leidenschaft halte ich es mit Albert Camus. :)
 
"Aber zu wissen, ob man mit seinen Leidenschaften leben kann, zu wissen, ob man ihr tiefes Gesetz - nämlich das Herz zu verbrennen, das sie gleichzeitig in Begeisterung versetzen - akzeptieren kann: das eben ist die Frage."
Albert Camus - Der Mythos des Sisyphos
 
Stefan Zweig - "Ungeduld des Herzens"
Folge 41 - Schuld
 
Fazit:
Leutnant Hofmiller, ein Mann, hat zwar wohl "begriffen" ..., war aber - immer wieder - zu feige, zu schwach: couragiert, verantwortungsvoll, fürsorglich, verbindlich zu sein, zu geben - zu lieben.
Das Opfer dessen ist, wie so oft, eine - ohnehin bereits versehrte - Frau.
 
Nein, Edith hat sich nicht deshalb suizidiert, weil sie etwaig "so jung, unerfahren, leidenschaftlich, dabei unglücklich verliebt" war, sondern weil sie sich zum x-ten Male (!) vergeblich an eine Hoffnung geklammert hat - einen Menschen, an Liebe: Heilung durch Beziehung!
 
Ihre Hoffnung auf, ihr Antrieb, Auftrieb und Wille zu Genesung, Heilung wurde ihr zum x-ten Male enttäuscht, genommen - weil der ihr Auftrieb, Energie, Kraft, Willen, Hoffnung gebende Mensch, siehe Heilung durch Beziehung, zu feige, zu schwach war: zu lieben.
 
Er machte ihr gegenüber, auch nonverbal, Versprechungen, Hoffnung: wenn und so lange die Situation, die Umgebung und andere Menschen ihn darin bestärkten und sein Gewissen es ihm gebot, aber Eitelkeit, falsche Scham, Feigheit, Schwäche: Unreife obsiegten in ihm.
 
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Hörbücher, Hörspiele, kleine persönliche Sammlung - gerne gehört, da mit großartigen Stimmen, Sprechern, wie bspw. Peter Matic, Matthias Habich, Burghart Klaußner, Gert Westphal, Friedhelm Ptok, Konstantin Graudus u.v.a.m..Hörbücher, Hörspiele, kleine persönliche Sammlung - gerne gehört, da mit großartigen Stimmen, Sprechern, wie bspw. Peter Matic, Matthias Habich, Burghart Klaußner, Gert Westphal, Friedhelm Ptok, Konstantin Graudus u.v.a.m..Hörbücher, Hörspiele, kleine persönliche Sammlung - gerne gehört, da mit großartigen Stimmen, Sprechern, wie bspw. Peter Matic, Matthias Habich, Burghart Klaußner, Gert Westphal, Friedhelm Ptok, Konstantin Graudus u.v.a.m..

Hörbücher, Hörspiele, kleine persönliche Sammlung - gerne gehört, da mit großartigen Stimmen, Sprechern, wie bspw. Peter Matic, Matthias Habich, Burghart Klaußner, Gert Westphal, Friedhelm Ptok, Konstantin Graudus u.v.a.m..

20. April 2024
 
"Finsternis bedeckt die Erde", von Jerzy Andrzejewski
Hörspiel aus 1984 (1985) nach dem gleichnamigen Roman von 1957

Großartig. Über Liebe vs. Macht: Regieren, Indoktrinieren, Herrschen, Unterwerfen: das Böse -> die Unfähigkeit, zu lieben.
 
Aus "Finsternis bedeckt die Erde" zitiert:
"Finsternis bedeckt die Erde und das Volk liegt im Schlaf.
Doch warum es schläft, darauf gibt niemand Antwort.
Und sein Erwachen wird so dumpf sein wie sein Schlaf."

"Torquemada: "Wer dem Glauben dienen will, muss sich den Grundsätzen unterordnen, zu denen der Glaube verpflichtet - ohne Zögern, ohne Fragen, ohne Zweifel. Ohne den Schatten eines Nebengedankens und mit uneingeschränktem Vertrauen zur Obrigkeit."
 
Absoluter, blinder Gehorsam, Unterwerfung unter eine "Macht", einen "Führer" oder auch "Vater", siehe Patriarchat (Vaterherrschaft), wurde und wird bekanntlich immer von Autoritären, von Tyrannen, Sadisten eingefordert. Siehe auch Militär, Soldaten, Krieg.
 
Torquemada: "Im Gegenteil, der Mensch ist armselig. Seine Angst ist nicht nur nützlich, sondern dringend notwendig.(...)"
 
Torquemada: "Wenn wir das Böse brandmarken wollen, dann müssen wir es fortgesetzt aufdecken und entblößen, damit es durch seine sichtbar gemachte Abscheulichkeit Ekel und vor allem Furcht erwecke. Das ist die Wahrheit der Macht. (...)"
 
Torquemada: "Sollte es eines Tages an Schuldigen mangeln, müssten wir sie schaffen. Weil wir sie brauchen, um das Verbrechen unaufhörlich, zu jeder Stunde öffentlich anzuprangern und zu bestrafen."
 
Torquemada: "(...) Die Notwendigkeit unserer Macht liegt vor allem darin, dass die Angst jeden, mit Ausnahme einer Handvoll Menschen, die aus freiem Willen gehorchen, ergreifen und zu einem Zustand werden soll, der alle Lebensgebiete erfüllt, in die geheimsten Fugen des Daseins eindringt, so dass sich kein Mensch mehr ein Leben ohne Angst vorzustellen vermag. (...)
Wir müssen viele Rechte und viele Schreckmittel haben. Verstehst du mich?"
 
Fray Diego: "Darum knie ich vor dir, Vater. Ich habe dir alles bekannt. Erst vor einer Weile wurde mir bewusst, dass meine Gedanken, die immer Gefahr laufen, zu erlahmen und der Verderbnis anheimzufallen, nicht mir allein gehören dürfen."
 
So leicht wird ein Mensch zum Knecht.
Und überdies zum Verräter.
Zum Verräter. Aufgrund seines schäbigen, selbst- und fremdschädigenden Selbstbetrugs. Feigheit, Bequemlichkeit, Unreife.
 
"Das Böse" ist Mangel an oder gänzliches Fehlen von Mitgefühl (siehe bspw. Psychopathie, antisoziale PKST, APS) und Liebesunfähigkeit.
 
Menschen "können" nur dann grausam, brutal, sadistisch sein, andere wissentlich, absichtsvoll quälen, verletzen, beschädigen, foltern, wenn sie kein Mitgefühl (mehr) haben.
D a s ist "das Böse".
 
Noch einfacher heruntergebrochen:
Ich schlage, misshandle, beschädige, quäle, verletze dich nicht deshalb nicht, weil es verboten ist, weil man "das nicht macht", sondern weil i c h leide, wenn ich es tue, weil es m i r selbst wehtut - deshalb k a n n ich es nicht.
 
Reue, Bereuen
Echte Reue ist gerade nicht eine rein rationale Schuldeinsicht oder Ärger darüber, etwas getan oder unterlassen zu haben, das/weil es einem selbst schadete.
Echte Reue ist genau das: der eigene! intensive Schmerz über den Schmerz, das Leid, das man anderen zugefügt hat.
 
Immer wieder der Verweis auf Erich Fromm und Arno Gruen zu Mitgefühl, Liebe, kompensatorischem Streben nach nur vermeintlicher Stärke: "Erhabenheit, Unerschütterlichkeit", Macht, Erfolg, Ruhm, Reichtum - Selbstbetrug, emotionale Kälte, Unreife.
 
Ein Mensch, der "unerschütterlich" ist, ist emotional kalt, verpanzert. Und infolgedessen - fehlendes Mitgefühl - zumeist selbst- und fremdschädigend. Entweder unterliegt er dem selbstschonenden Selbstbetrug oder er ist Psychopath.
 
"Das Böse" ist im Kern ein ausgeprägter Mangel an Mitgefühl und Liebesunfähigkeit.
 
Das sogenannte "Böse" zeigt sich generell darin, dass und dann, wenn das einem jeden Menschen angeborene, genetisch angelegte Mitgefühl mit dem anderen, mit anderen Lebewesen (nicht nur Menschen) taub, blind, stumm geworden ist. 
 
Die intrinsisch motivierte - im Gegensatz zur religiös, ideologisch oktroyierten - Moral, das angeborene Mitgefühl ist essentielle Voraussetzung, ist basale Grundlage jeglicher rationalen Ethik.
Einer Ethik ohne Mitgefühl sind inhärenterweise Tür und Tor zu Missbrauch und Pervertierung geöffnet.
 
Nein, nicht: "Wenn Gott tot ist, ist alles erlaubt." (Dostojewski, Karamasow-Gesetz)
Sondern: Wenn das jedem Menschen angeborene Mitgefühl betäubt, abgestumpft, nicht mehr intakt ist, wird jede Grausamkeit, Brutalität, Barbarei, Hass  möglich und: ausagiert.
 
Um zu reifen und zu lieben braucht kein Mensch auf dieser Welt einen phantasierten, illusionierten "Gott", "Götter", keine "übergeordnete metaphysische Instanz", sondern intaktes Mitgefühl, Vernunft, Erkenntnis-, Urteils-, Reflexionsfähigkeit.
 
Unkenntnis, Unreife, Gehorsam, freiwillige Knechtschaft (Etienne de la Boétie), Untertanen (Ernst Alexander Rauter), Konformismus, Opportunismus, Narzissmus, Selbstbetrug, Kompensationsverhalten, Autoritarismus (Erich Fromm, Arno Gruen) -> Totalitarismus.
 
Das Schlimm(st)e ist nicht, dass es Menschen immer schon mit schlechten Absichten, Zielen gab und gibt, sondern dass zu viele ihnen so schnell glauben, blind, gehorsam, ängstlich folgen, dass sie so leicht indoktrinierbar, dressierbar, instrumentalisierbar sind.
 
Es gibt keine "Gottesliebe" - weder Liebe von einem "Gott", Hirngespinst, zu Menschen noch Liebe von Menschen zu "Gott". Es ist Selbstbetrug, Unreife.
Glaube, Religion/Ideologie, Aberglaube, Esoterik, Fatalismus.
 
Alle monotheistischen, abrahamitischen, alttestamentarischen, androzentrischen Religionen/Ideologien sind patriarchal-autoritär, massiv gewaltgeprägt, inkl. Rache, Vergeltung, Masochismus, Sadismus - Grausamkeit. Judentum, Christentum, Islam.
Bibel, Bibelgeschichten, Altes Testament - Männergeschichten. Damals wie heute. Autoritarismus, Patriarchat, Gewalt.
 
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11. Januar 2017
 
"Für eine solche Liebe ist das abwesende Gegenüber kein unglücklicher Zufall, sondern Voraussetzung. Der Text ersetzt die Anwesenheit. Die geschriebenen Zeilen werden körperlich, sinnlich. (...) Permanente Verfügbarkeit, die jederzeit unterbrochen werden kann."
 
"Das Melodrama beruht auf Unmöglichkeit, Verzögerung und Unterwerfung."
 
Viele Parallelen zu malignem Narzissmus:
Manipulation, Täuschung, Selbstinszenierung, gaslighting, on-off-"Beziehung" - Beziehungs-, Liebesunfähigkeit, Unreife.
 
"Die emotionalen Übertreibungen des Melodrams und der prickelnde Schauder des ganz Anderen, zeigen mögliche Auswege aus der alltäglichen Ödnis."
 
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06. und 07. Dezember 2023
 
Leo (Lew) Tolstoi - "Krieg und Frieden", Hörspiel in 35 Teilen, aus dem Jahr 1967, rbbkultur
 
Zitiert aus Folge 8 des Hörspiels, gegen Ende, André Balkonski (?):
 
"Mein Gott, was soll ich denn tun, wenn mich nichts anderes zu entflammen vermag als der Gedanke an den Ruhm (...), ja nur das Eine! (...) Der Tod, Wunden, der Verlust meiner Angehörigen - nichts kann mich schrecken.
Wie lieb sie mir auch sind, mein Vater, meine Schwester, meine Frau - ich würde sie alle hingeben für einen Augenblick des Ruhms, des Triumphes und der Herrschaft über die Menschen."
 
Folge 11:
 
"Hier im Regiment war alles klar und einfach. Man musste nur das tun, was einem deutlich vorgeschrieben wurde, und alles war gut."
 
Folge 12:
 
"Beide Kaiser tauschten Orden aus. (...) Ferner fand an diesem Tag ein öffentliches Festessen statt."
"Ich möchte ein Schriftstück überreichen, ein Bittgesuch an seine Majestät. (...) Sie haben gehört: später, morgen. Jetzt ist keine Zeit dafür."
 
"Lange sah Rostow den Schmausenden zu. In seiner Seele hatten sich quälende Zweifel erhoben. (...) Dann dachte er wieder an den selbstzufriedenen Bonaparte, der plötzlich vom Zaren Alexander geehrt und geschätzt wurde. Wozu eigentlich dann all die hingeschlachteten Menschen?"
"Wie können Sie sich denn anmaßen - ein Urteil darüber erlauben, was hier das Richtige ist. Was für ein Recht haben w i r, die Entschlüsse des Zaren zu bekritteln, wie wollen wir uns anmaßen, seine Pläne und Handlungen zu verstehen?!
Wir sind keine Diplomanten, wir sind Soldaten und sonst nichts. Wenn uns befohlen wird, zu sterben, so sterben wir eben! Wenn man uns bestraft, so heißt es, wir haben es verdient! Wir haben darüber nicht zu urteilen. (...)"
"Wir haben unsere Pflicht zu tun, wir haben zu kämpfen und nicht zu denken!"
 
Zitiert aus Folge 12 "Der Friede von Tilsit" Leo Tolstoi - "Krieg und Frieden"
 
Folge 13:
 
Pierre Besuchow: "Was ist denn eigentlich gewesen, ich habe den Liebhaber meiner Frau über den Haufen geschossen. Und warum, wie kam ich dazu? Sie ist an allem schuld. Ja, sie allein ist an allem schuld."
 
Freimaurer Basdjejew zu Besuchow: "Diese Weltanschauung, Sie halten sie für das Ergebnis Ihrer Gedankenarbeit, nicht wahr? Dabei ist sie doch weiter nichts als die Frucht von Hochmut, Trägheit und Unwissenheit. Wie bei den meisten Menschen."
 
Basdjejew, Freimaurer: "Niemand kann allein und auf sich selbst gestellt zur Wahrheit gelangen."
 
Anmerkung hierzu:
Ja, es bedarf dafür der je persönlichen Lebenserfahrung, der Urteils-, Erkennntnis-, Reflexionsfähigkeit und des Kontaktes, Austausches mit anderen Menschen, des Du´s, des Anderen.
Bekanntes Problem im Umgang mit Gläubigen: Wer weshalb, aus welchen Gründen (!) was wie als vermeintliche "Wahrheit" und sogar "Weisheit" definiert, proklamiert oder auch nur selbst: glaubt. ;)
 
In Kurzfassung:
Glaube, Religion, Ideologie hat kaum etwas mit Verstand, Vernunft, Erkenntnis, Reflexion zu tun, sondern eine Menge mit Gefühlen, mit emotionalen Bedürfnissen, mit intellektueller, oft auch sozialer und emotionaler Unreife, mit Mangel an Liebe, Verbundensein.
 
Basdjejew: "Die höchste Weisheit gründet sich nicht auf den Verstand allein, die weltlichen Wissenschaften (...). Die höchste Weisheit ist nur eine, sie ist unteilbar, sie kennt nur ein Wissen. Wer es in sich aufnehmen will, der muss zuvor seinen inneren Menschen läutern und erneuern und darum muss man erst glauben und nach innerer Vollkommenheit streben, bevor man versuchen darf, einen Zugang zu diesem Wissen zu finden. Und damit wir dieses Ziel erreichen, ist uns ein göttliches Licht in die Seele gelegt worden, nämlich das Gewissen."
 
Zustimmung meinerseits zum Gewissen, vor allem aber, und das nennt Basdjejew, der Freimaurer, nicht: Mitgefühl. Beides ist btw kein "göttliches Licht", sondern angeboren (Mitgefühl, Fairness, auch bei anderen Primaten). Und: niemals nach "Vollkommenheit" streben. Mensch bleiben!
 
Was ist Lebenskunst?
Einen Sinn, seinen Platz, Gefährten zu finden?
Eine Spur zu hinterlassen, (sich) anderen zu geben, nicht zu verzweifeln, Zweifel auszuhalten, Fragen zu stellen, ohne Antwort zu erwarten?
Zu reifen, dabei nie zu "Vollkommenheit": um Mensch zu bleiben?
Lieben?
Verlust ertragen (lernen). Selbst zu entscheiden, wann (es) genug ist - Leben war.
 
Mensch sollte m.E. nach Reife, Persönlichkeitsreife streben, nicht nach "Vollkommenheit", Perfektion. Menschen sind weder illusionierte "Götter" noch konstruierte Maschinen, Roboter, Objekte.
Reife ist etwas völlig anderes als Vollkommenheit.
 
Elsbeth, du schreibst so oft über Unreife, was ist denn nach deinem Dafürhalten Reife? :
Erkenntnis-, Urteils-, Reflexions- und Selbstreflexionsfähigkeit, Vernunft, Empathie, Mitgefühl, Authentizität, Integrität, (Zivil-) Courage, Rückgrat, Prosozialität, Liebesfähigkeit.
 
Weiter zitiert aus Folge 13, "Die Freimaurerloge", des oben verlinkten Hörspiels:
 
Basdjejew: "Sie sind jung, Sie sind reich, Sie sind klug und gebildet, mein Herr. Was haben Sie aus all diesen Ihnen verliehenen Gütern gemacht? Sind Sie mit sich und Ihrem Leben zufrieden?"
Besuchow: "Nein! Ich hasse mein Leben."
Basdjejew: "Wenn du es hassest, so ändere es! Läutere dich selbst und in dem Maß, wie deine Läuterung fortschreitet, wird auch deine Erkenntnis fortschreiten. In wilden Orgien und Ausschweifungen haben Sie Ihr Leben verbracht. Ihnen ist Reichtum zuteil geworden.
Und was für einen Gebrauch haben Sie von diesem Reichtum gemacht? Haben Sie je einen Gedanken an die Zehntausende Ihrer Knechte gewandt? Sie haben sich ihrer Arbeitskraft nur bedient, um ein ausschweifendes Leben zu führen."
 
Hahaha, André (Andrej) Balkonski ist ja wirklich selten blöde: das narzisstische, kompensatorisch-unreife Streben nach Ruhm hält er für "leben für andere".
In Folge 15, "Recht und Unrecht", sondert er noch mehr Gülle ab. Kein Wunder, bei dem Vater ... .
 
Folge 21:
 
Andrej Balkonski: "Das Verzeihen ist die Tugend der Frauen. Ein Mann kann und soll nicht vergeben und vergessen."
Und seine Schwester Marja meint, alles "Böse" sei von "Gott" gesandt, die Menschen seien nicht persönlich verantwortlich.
 
... Tolstoi, der Fuchs. ;)
24. Dezember 2022
 
Einsicht, Erkenntnis, auch Selbsterkenntnis, basiert nicht vorrangig, gar ausschließlich auf angelesenem, nur theoretischen Wissen (a priori), sondern auf wiederholter, intensiver persönlicher (Lebens-) Erfahrung und gründlicher, ergründender Reflexion über selbige.
 
Vieles Gelesene erfasst, begreift, durchdringt ein Mensch kognitiv, intellektuell, auch körperlich, sozial und emotional überhaupt erst dann, wenn er über einen umfangreichen Erfahrungsfundus verfügt und diese Erfahrungen reflektiert hat.
Wenn er (Persönlichkeits-) Reife, umfassendes Bewusstsein, sogenannte Lebensweisheit erlangt hat.
Seine Leiblichkeit ist dafür unabdingbar.
 
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02. Januar 2023
 
Ratgeber"literatur", Coaching, NLP, Selbst"optimierung", Selbstobjektifizierung, Zwangs-, Zweckoptimismus - Selbstbetrug
 
Das Leben, mit all seinen Ambivalenzen, Widersprüchen, Widerfahrnissen, lässt sich nicht als Art "eigenes" Projekt durchorganisieren, planen, abhandeln, vollziehen.
 
Der Mensch ist keine von wem auch immer bloß "richtig" zu programmierende, funktionalisierbar, ausschlachtbar zu machende Maschine, kein effizientes, zu optimierendes Gerät, Objekt, das nach eigenem oder fremdem Willen für bestimmte Zwecke nutzbar, verwertbar, darauf reduzierbar zu machen ist, verdinglicht werden darf. - Menschenwürde, Ethik.
 
Der Mensch, das Leben ist kein persönliches oder fremdes "Werkstück", an dem zur scheinbaren "Optimierung", etwaig für wirtschaftliche, kapitalistische oder soziale Funktionalität, Effizienz, herumgefeilt, der/das nach Plänen vom Reißbrett zurechtgebogen oder als Art Modelliermasse, nach Rezept in die jeweils gewünschte Form gepresst werden kann.
 
Mensch lernt, erfasst, erkennt (inklusive Selbsterkenntnis), begreift, durchdringt, reift, wenn überhaupt, nur "von innen heraus", organisch, leiblich: infolge je persönlich, individuell, subjektiv gelebten Lebens, leiblich gemachter Erfahrungen, (wiederholt) durchlittener Widerfahrnisse, bewältigter oder auch gerade nicht bewältigter Herausforderungen, Krisen, Geworfenseins, Zweifelns, Fragens, Suchens und der gründlichen, bewussten, ehrlichen, couragierten Reflexion über all das.
Ohne Krücken. Ohne "Sicherheitsleine". Ohne selbstschonenden, bequemen, vorübergehend behaglichen Selbstbetrug.
 
Es gibt - leider offenbar zahlreiche - Menschen, Zeitgenossen, die das nie erfassen, begreifen, durchdringen (können).
Mit Philosophie wissen sie nichts "anzufangen", sie wissen zumeist nicht einmal, was Philosophie ist.
Und nicht einmal wenigstens in fortgeschrittenem Alter, mit mehr Lebenserfahrung (als in jungen Jahren, in Kindheit, Jugend, Adoleszenz, mit 20, 30, vlt. auch noch 40 Jahren) - wenigstens ab 50 Jahre aufwärts - reflektieren sie.
Verbreiteter Missstand scheint überdies zu sein, dass Menschen zwar ggf. lesen, auch belesen sind, das Gelesene aber "trotzdem" nicht intellektuell erfassen und reflektieren können.
 
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11. Juni 2023
 
Conditio humana
 
Menschsein: lebenslang bedürftig, verletzlich, fragil, sterblich sein. Jeden einzelnen Tag. Wissentlich.
Die Absurdität des (menschlichen, des Mensch-) Seins. Schöne Grüße von Albert Camus.
 
Die Kontingenz. Das Geworfensein.
All das nicht selbstverschuldete Leid, Elend.
Immer und immer wieder, weiter ... .
All die Ungerechtigkeit. Die Sinnsuche.
Ohne Glauben: ohne Netz und Boden. Wach, bewusst.
 
Leiblichkeit. Kontingenz. Zufall. Widerfahrnisse. Verstand, Vernunft, Erkenntnis-, Reflexionsfähigkeit, Verantwortung. Mitgefühl. Liebe.
 
NEIN:
Das Leben des Menschen, auch das des jeweiligen Individuums, der jeweiligen Person, Persönlichkeit ist k e i n durchplanbares Projekt. Es lässt sich nicht alles nach eigenen Vorstellungen, Wünschen, Erwartungen, persönlichem Willen im Leben planen, formen, umsetzen, bestimmen.
Der Mensch ist kein Objekt.

Mensch, Menschsein vs. Kapitalismus, Objektifizierung, Entmenschlichung, Entwürdigung.
 
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"In der Sache J. Robert Oppenheimer", DDR Hörspiel aus 1982, Heinar Kipphardt
 
Nachfolgend einige Zitate daraus:
 
"Es gibt Leute, die bereit sind, die Freiheit zu schützen, bis nichts mehr von ihr übrig ist."
 
"Ich bin der Ansicht, dass die gegenwärtig umlaufende Kommunismushysterie für die Art unseres Zusammenlebens und unsere Form der Demokratie gefährlich ist."
 
Ersetze "Kommunismushysterie" durch bspw. Pandemiehysterie - oder was immer als nächstes benutzt wird (Krieg ...).
 
"An die Stelle von gesetzlichen Kriterien treten Furcht und Demagogie."
 
"Um eine hundertprozentige Sicherheit zu haben, müssten wir alle die Freiheiten aufheben, die wir zu verteidigen wünschen und das ist kein gangbarer Weg."
 
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