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Sabeth schreibt

Poesie Melancholie Philosophie Feminismus Anarchismus

Über Mutterschaft und das Märchen von der Vereinbarkeit von Familie und Beruf - die Vereinbarkeitslüge

 
Leider nach wie vor unerlässliche Vorbemerkung:
 
Mütter:
 
sind auch Frauen, Menschen, Persönlichkeiten - mit Bedürfnissen, Gefühlen, Sorgen, Nöten, Ängsten, einer Biographie, einer Vergangenheit, eigenen Verletzungen, Wünschen ... - nicht: Eier legende Wollmilchsäue.
 
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Akutalisierung am 07. Juli 2018
 
Stellungnahme zum oben verlinkten Artikel von Charlotte Roche in der Süddeutschen Zeitung
 
Mütter, lasst euch nicht zu neoliberal-kapitalistischen Instrumenten machen!
 
Sorge-Arbeit ist genau das: Arbeit. Sogenannt "häusliche". Reproduktionsarbeit.
 
Es bedürfte längst eines existenzsichernden Sorge-Gehalts, dann erst hätten Frauen tatsächlich die Wahl, die Selbstbestimmtheit, zu entscheiden, ob und wann sie Mutter werden wollen. Dann erst übernähmen wohl auch mehr Männer diese Arbeit, könnte sie geschlechterparitätisch aufgeteilt werden - nach je individueller Absprache der Paare, Eltern, Sorgenden - siehe auch häusliche Pflege ... .
 
Sorge-Arbeit ist weit mehr als "Haushaltstätigkeit" - vor allem hat sie eine Menge mit Mitgefühl, Beziehung, G e b e n zu tun - sie ist nicht nur organisatorische, physische, sondern auch psychisch-emotionale, soziale Arbeit und erfordert, sich selbst, eigene Bedürfnisse und Wünsche für einen anderen Menschen (oder mehrere) zurücknehmen zu können.

Nein, nur weil diese Arbeit aus/mit Liebe und Verantwortungsbewusstsein getan, geleistet wird, ist sie deshalb nicht weniger Arbeit.
 
Ja, es sind nach wie vor weltweit mehrheitlich Frauen, die diese für jede Gesellschaft und Gemeinschaft absolut unentbehrliche Arbeit leisten, eben deshalb sind global mehr Frauen (und deren Kinder) von materieller Armut betroffen, beschädigt als Männer. Frauen werden weltweit als Gratis-Sorge-Arbeit-Leistende ausgebeutet.
 
Nein, man löst das nicht damit, indem man Frauen in die Erwerbstätigkeit zwingt (und sanktioniert ...). Man löst es, indem man Sorge-Arbeit als Arbeit endlich und zeitgemäß anerkennt, wertschätzt - auch monetär, siehe Sorge-Gehal).

Man löst es, indem Frauen tatsächlich selbstbestimmt entscheiden können, ob und w i e sie Mutter sein wollen - dafür erforderlich sind andere, bedürfnisorientierte Strukturen, Formen und Zeiten in Erwerbstätigkeit, aber auch entsprechend angemessene Wohn-, Lebensverhältnisse: weg von der Kleinfamilie, hin zu generationenübergreifendem Wohnen, Leben in familiären Strukturen, Wahlverwandtschaften, entsprechende Architektur, Städteplanung, entsprechende politische Unterstützung, Förderung solcher Lebensweise.
 
Gäbe es solche Wohn"projekte" flächendeckend und bundesweit, machte dies die immer frühere, immer längere Fremdbetreuung überflüssig, würde es keine sozial isolierten, einsamen Singles, Senioren mehr geben (jeder behält selbstredend seinen privaten Rückzugsbereich, aber die Gemeinschaft ist dennoch vorhanden, zugänglich) und es würde auch Kindesmisshandlung besser vorgebeugt schon auch deshalb, weil Eltern weniger schnell überfordert, überlastet, weil nicht mehr allein wären, weil Kinder mehrere Bezugspersonen, statt, wie bisher, Betreuungspersonal (in Kitas) hätten.
 
Nein, Kinder brauchen keine "Frühförderung", sondern Bindung, einen bedürfnisorientierten (!) Umgang - eigentlich brauchen das alle Menschen, lebenslang - statt neoliberal-kapitalistisches Verfüg-, Verwertbar-, Funktionalisierbargemachtwerden.
 
Ja, möglich wäre das, war es bereits (vor der neolithischen Revolution) und ist es noch - in den wenigen noch heute bestehenden sogen. Matriarchaten (Khasi, Mosuo, Minangkabau), siehe auch die bedürfnisorientierte Gemeinwohlökonomie; es ist jedoch selbstredend völlig unvereinbar mit neoliberal-kapitalistischem System - mit also Fremdbestimmung, Ausbeutung, Untertanentum, Indoktrination - die g e r a d e bei den Kindern ansetzt (siehe auch religiöse und anderweitig ideologische Indoktrination von Kindern: von jeher so getätigt).
 
Ja: Kinder brauchen Mütter - das hat mit Bindung zu tun, insbesondere im ersten Lebensjahr, der Vater wird entwicklungspsychologisch erst ab etwa dem zweiten Lebensjahr des Kindes für dieses, für dessen Entwicklung wichtig. Je älter das Kind wird, umso mehr Bezugspersonen - idealerweise unterschiedlichen Alters und Geschlechts - braucht es, findet sich in dem Sprichwort "Es braucht ein ganzes Dorf, um ein Kind zu erziehen." Wobei es weniger ums "Erziehen", als ums Miteinanderleben in Gemeinschaft geht: prosozial, solidarisch, kooperativ, respektvoll, mitfühlend.

Und Eltern brauchen dieses tragende "soziale Netz" ebenfalls, denn auch Eltern, auch Mütter haben Bedürfnisse, Wünsche, Ziele - sind Menschen, keine eierlegenden Wollmilchsäue.
 
Weg von der Kleinfamilie, der patriarchalischen Ehe, weg von der Dreifachbelastung der Mütter und von regretting motherhood - durch: Selbstbestimmung und zeitgemäße Lebens-, Wohn-, Arbeitsverhältnisse. Arbeit ist btw mehr und noch ganz anderes als Erwerbstätigkeit.

Wir sollten uns nicht vorrangig über unsere Erwerbstätigkeit definieren, identifizieren, sondern über unsere Persönlichkeit, unsere Charakter- und Herzensbildung, unsere Vernunft, unsere Ambivalenz, auch Zweifel, Widersprüche, Liebesfähigkeit - nicht über unseren rein ökonomischen "Wert" als Menschenmaterial.
 
Im Übrigen, Frau Roche, gibt es auch noch so etwas wie Gefühle, Liebe, die sich nicht rationalisieren oder planen lässt. Ich persönlich möchte keine Welt, in der Menschen sich ihre Partner nach Pro-/Kontra-Listen, nach ökonomischer oder anderweitiger Leistungsfähigkeit und Verwertbarkeit, Nützlichkeit aussuchen - wie Gebrauchs-, Konsumgegenstände (Eva Illouz lässt grüßen: Ökonomisierung der Liebe). Dass wir all das längst haben (siehe dating-Plattformen, online-Kontaktbörsen, mingles, fuckbuddies, milfs, ohnehin Frauenkauf/Freiertum und Pornographie etc.) macht es nicht besser, ist jedoch ein weiterer Beleg für die narzisstische Gesellschaft. Nein, diese ist eines gewiss nicht: wohltuend und erhaltenswert.
 
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Einige Bemerkungen seien mir zu unten stehenden Artikeln und Aussagen erlaubt, denn es gibt bekannterweise Einwände bzw. Protest gegen das hier Dargestellte, auf welchen ich im Folgenden eingehen möchte:
 
1. Frauen möchten finanziell unabhängig sein (dürfen und können) und sich nicht lebenslang ausschließlich mit Kinderbelangen befassen (müssen). Sie haben ihre Ausbildungen nicht "umsonst" absolviert - nicht dafür, hinter dem Herd, am Sandkasten zu versauern und zu vereinsamen; Frauen möchten sich auch beruflich entwickeln ... .
 
Ja, das sind durchaus nachvollziehbare, unstrittig berechtigte Wünsche, Erwartungen und Forderungen.
Allerdings ist der bekannte Haken an der Sache eben jener, dass all dies, Kinder-, Haus-, also Familien-/Sorge-Arbeit (sogen. Reproduktionsarbeit), sich nicht mit den heutigen "Arbeitsmodellen" und Arbeitszeiten, d.h. besonders Arbeitsstrukturen, entscheidend also: mit den heute von Frauen erwarteten, von ihnen zu erbringen sollenden Leistungen im Beruf, vereinbaren lassen.
 
Denn wie diese Frauen - und inzwischen erfreulicherweise auch ihre Partner, Männer also (siehe entsprechende Artikel unten) - schon seit einiger Zeit feststellen/erleben, unterliegen sie, die Frauen, Mütter, einer Doppel- bzw. einer Dreifachbelastung ("Kinder, Küche, Karriere" - oder realistischer: Kinder, Familie, Haushalt und Beruf, Erwerbstätigkeit), der sie langfristig nicht gewachsen sind - nicht gewachsen sein können.
 
Irgendetwas leidet zwangsläufig immer, bleibt auf der Strecke - entweder kommen Kinder und/oder Haushalt zu kurz oder der Beruf und/oder die (Paar-) Beziehung und/oder die Frau selbst - ihre eigenen Bedürfnisse, Wünsche.
Die Frauen stellen fest, dass sie häufig ein schlechtes Gewissen deswegen haben, sie bemerken überdies, dass sie sich aufreiben, dass die Zeit zumeist nicht reicht, dass diese Dreifachbelastung sie auslaugt, dass sie sie zermürbt - eben weil sie in jedem Bereich "alles geben" (wollen und: sollen!), weil von ihnen erwartet wird und sie es deshalb auch von sich selbst erwarten:
 
eine gute, d.h. aufmerksame, zugewandte, fürsorgliche, fröhliche, liebevolle, anregende, haltende, verantwortungsbewusste, unterstützende ... Mutter zu sein
 
eine finanziell unabhängige, selbständige, vielseitig interessierte, kreative, zuverlässige, pflichtbewusste, teamfähige, leistungsbereite, flexible, entwicklungsfähige, mobile und ggf. auch ehrgeizige Berufstätige
 
und "daneben" bzw. zugleich
 
auch im Haushalt und in der Beziehung alles zu geben:
gutbürgerlich einen "ordentlichen Haushalt" zu führen und dem Partner überdies eine unterhaltsame, gebildete Gesprächspartnerin, eine liebevolle, fürsorgliche, intelligente, selbstbewusste, humorvolle, zärtliche, attraktive, leidenschaftliche, erotische, sexuell offene (und experimentierfreudige sowie hingabebereite ...) Frau zu sein - die "mit beiden Beinen fest im Leben steht, weiß was sie will und mit der mann Pferde stehlen kann" - dabei jedoch gleichzeitig das anschmiegsame, bemutternde, hingebungsvolle, Ihn bewundernde Weibchen sein und bleiben soll (wenngleich Männer dies heute mehrheitlich so nicht mehr offen sagen, sondern es eher vehement abstreiten - die Erfahrung nicht weniger Frauen lehrt hingegen leider nach wie vor etwas anderes ..., aber dies ist ein eigenes Thema).
 
Ja, es gibt das Mütter-Burnout, die chronische - oft Jahre andauernde - physische sowie psychisch-emotionale Erschöpfung - aus oben genannten Gründen.
Denn nach wie vor leisten die meiste Arbeit im Haushalt und verbringen die meiste Zeit mit den Kindern: die Frauen. Siehe unten stehende Links.
 
2. Geht es um einen neuen Mütterkult, soll die Mutter als solche glorifiziert und berufstätige Mütter zu "Rabenmüttern" diskreditiert werden? Sollen Frauen also in den heimischen vier Wänden versauern und finanziell wieder vom Mann abhängig sein/gemacht werden? - Und was ist mit all den Frauen - gerade auch alleinerziehenden Müttern und Frauen, deren Männer nur geringes Einkommen erzielen können - die erwerbstätig sein müssen, um die Familie über die Runden bringen zu können?
 
Hier geraten mehrere Aspekte durcheinander, die man einzeln in den Blick nehmen muss.
 
Was die finanziell erforderliche Erwerbstätigkeit von Frauen anbetrifft:
Siehe dazu, was unter Care-Revolution lesbar ist - dort ist verständlich erläutert, warum die Sorge-Arbeit anders bewertet, anders, das heißt gerecht verteilt und entsprechend, angemessen entlohnt, also monetär honoriert werden muss.
 
Denn eben dies ist ein zentrales Problem von und für Frauen: Die sogenannte Reproduktionsarbeit wird nach wie vor (und weltweit) von mehrheitlich Frauen geleistet - überwiegend unentgeltlich oder deutlich unterbezahlt.
 
Genau dieser Umstand - dass Frauen noch immer (bei auch gleicher Qualifikation und Stelle, Arbeitsaufwand ...) schlechter bezahlt werden als Männer, dass überdies überwiegend Frauen - aufgrund mangelnder Qualifikation (die wiederum Gründe hat!) oder/und aufgrund ihrer Mehrleistung in der Familienarbeit - in prekären Arbeitsverhältnissen, in Teilzeit, befristet, in Mini-Jobs etc. erwerbstätig sind (nur sein können) und in Folge ein deutlich geringe(re)s Einkommen als Männer erzielen (können) - genau dieser Umstand ist es, der Frauen in finanzielle Abhängigkeiten bringt - abhängig vom Partner, von also einem Mann oder anderen Familienmitgliedern oder auch von staatlichen Geldern.
Wir wissen: Armut ist weiblich.
 
Dem könnte jedoch Abhilfe geschaffen werden, indem Familienarbeit, Sorge-Arbeit, "Reproduktionsarbeit" (siehe u.a. auch Arbeit und Liebe) gesellschaftlich angemessen bewertet (als Arbeit anerkannt!) und adäquat bezahlt wird - nicht in Form einer "Herdprämie", sondern eines Mütter-, Sorgegehalts.
 
Alternativ auch eines bedingungslosen Grundeinkommens. Jedoch würde bei Letzterem die viel geforderte Arbeitsleistung (Stichwort: Arbeitsfetisch, Leistungsgesellschaft) nicht als solche anerkannt, bewertet und honoriert.
 
Das alles hat mit "Glorifizierung" von Müttern nichts zu tun, sondern es geht tatsächlich um nicht mehr, aber auch nicht weniger als Mütter in ihr Recht zu setzen, (wieder) zu erkennen, dass Frauen und Mütter Arbeit leisten, da sowohl häusliche als auch außerhäusliche Sorge-Arbeit genau das ist: Arbeit - überdies eine sehr wichtige Arbeit, welche für jede "intakte" Gesellschaft absolut unentbehrlich ist.
 
Was seit Jahrzehnten, eigentlich bereits deutlich länger, stattfindet, ist das Gegenteil:
Haus- und Familienarbeit wurde und wird noch immer - nicht zuletzt bedauerlicherweise von zahlreichen indoktrinierten, angepassten, artigen, "pflichtbewussten" Frauen selbst - abgewertet. Sie wird als "niedere", anspruchslose Nebenbeitätigkeit betrachtet - und wie selbstverständlich noch immer mehrheitlich Frauen überlassen.
 
Mutter zu sein gilt als etwas Banales, Ordinäres, das eine Frau vermeintlich grundsätzlich freiwillig entscheidet (anderenfalls kann sie ja verhüten ...) und daher auch vollständig selbst (die Mutter, ggf. heute also noch der Vater) zu tragen, zu verantworten, zu erfüllen hat. Kinder gelten als "Privatvergnügen".
 
Dem widerspricht die Alltagsrealität jedoch längst - weshalb es bspw. staatliche Schulen und Kinderbetreuungs-, -aufbewahrungseinrichtungen gibt. Und vorgeblich steht die Familie staatlich laut Grundgesetz Art. 6 unter besonderem Schutz und hat jede Mutter "Anspruch auf den Schutz und die Fürsorge der Gemeinschaft".
 
Auch Sportvereine, Musikschulen etc., die zwar zumeist privat finanziert werden müssen (die Teilnahme, Mitgliedschaft dort), jedoch öffentlich angeboten werden, zeugen davon, dass Eltern de facto nicht sämtliche kindlichen Bedürfnisse über Jahre und Jahrzehnte alleine erfüllen können - das sollen sie btw auch nicht.
 
Um Eltern zu entlasten, um dem Kindeswohl tatsächlich gerecht werden zu können, um Mütter nicht in häuslicher Isolation vereinsamen und sich erschöpfen zu lassen, bedürfte es jedoch wie bereits erwähnt anderer Arbeitsstrukturen, einer angemessenen Bewertung von Care-Arbeit und besonders auch anderer Lebens-, Wohnverhältnisse:
 
Wohnen, leben in familiären Strukturen, in Wahlverwandschaften - generationenübergreifend mit befreundeten Menschen: Singles, Familien, Alleinerziehenden, Senioren. Cohousing.
 
 
Dies würde die Isolierung alter Menschen, aber auch die Isolation von Müttern und (Klein-) Kindern (u.a. solchen, die ohne mehr oder weniger gleichaltrige Geschwister aufwachsen) verhindern. Es käme allen zugute, da Mütter in einer Gemeinschaft leben könnten, in welcher man sich gegenseitig im Alltag, in der Betreuung und Fürsorge unterstützt, in der man also auch regelmäßige soziale Kontakte, Begegnungen, Interaktionen, Anregungen, Austausch hat.
 
Senioren würden nicht mehr vereinsamt in ihren Wohnungen vegetieren müssen, je nach individuellen Möglichkeiten könnten sie für in der Gemeinschaft lebende Kinder eine große Bereicherung sein - als weitere Bezugspersonen, nicht als unentgeltlich in Anspruch genommenes Betreuungspersonal, mit ihren Erfahrungen und Erinnerungen aber auch die Gemeinschaft insgesamt bereichern und von dieser selbst Unterstützung (im Alltag) erhalten. 
Kinder hätten Spielgefährten, "soziale Kontakte" und langjährige, beständige Bezugspersonen: Kinder und Erwachsene verschiedenen Alters in unmittelbarer Nachbarschaft, was für deren (der Kinder) gesunde Entwicklung unabdingbar ist.
 
Die "traditionelle" Kleinfamilie, bestehend aus Vater - Mutter - Kind(ern) dient niemandes Wohl.
 
Aber frühe - und immer frühere und ausgedehntere - Fremdbetreuung ist gerade nicht die Alternative, die dem viel zitierten Kindeswohl dient, schon gar nicht hilft sie Müttern im Sinne von "Gleichberechtigung", Selbstbestimmung, Emanzipation. Im Gegenteil: Wie oben bereits dargelegt, werden Mütter auf diese Weise nur überlastet, überfordern sich selbst, weil sie allen Anforderungen gerecht werden wollen (werden zu müssen meinen), weil dies so gesellschaftlich von ihnen erwartet wird, als zu erfüllende Norm gilt, und werden ausgebeutet. Zuträglich ist dies lediglich der Wirtschaft - keinesfalls den Familien.
 
Leider haben sich inzwischen zahlreiche Frauen von dieser aggressiven Propaganda manipulieren, indoktrinieren lassen - sie glauben das Märchen der "Gleichstellung durch Erwerbstätigkeit", sie meinen, das hätte mit Emanzipation und Progressivität zu tun, sie spielen ihre Überlastung herunter, verharmlosen oder verschweigen, verheimlichen, verbergen sie, sie sitzen den falschen Behauptunten auf, "Frühförderung" käme ihren Kindern zugute, sei heute existenziell wichtig (im Hinblick auf die Zukunft ihrer Kinder).
 
Nicht selten versuchen Frauen damit auch ihr eigenes schlechtes Gewissen zu besänftigen, zu übertünchen, ihr Verhalten zu rechtfertigen.
 
Denn:
Aus nachvollziehbaren Gründen befinden sich Frauen, Mütter in einer belastenden Situation, wenn sie ihre (Klein-) Kinder (heute, je nach Region, auch sogar Säuglinge schon) in frühe Fremdbetreuung geben müssen, weil sie, um ihren Lebensunterhalt sichern zu können, erwerbstätig sein müssen (wobei wie gesagt oft: unterbezahlt). - Dies ließe sich mittels eines Mütter-/Sorgegehaltes ändern.
 
Aus nachvollziehbaren Gründen möchten Frauen/Mütter nicht über Jahre isoliert mit Kleinkindern zu Hause (auf dem Spielplatz ...) sitzen und vom gesellschaftlichen Leben abgeschnitten sein. Sie möchten auch nicht "umsonst" in ihre (gute) Ausbildung investiert haben. Wenn sie einen Beruf haben, dem sie gerne und überzeugt nachgehen, möchten sie nicht auf dem Abstellgleis landen, weil sie eine (zu lange) Kinder"auszeit" genommen haben. - Dies ließe sich mit anderen Arbeitsmodellen, -strukturen ändern und insbesondere: mittels anderer Wohnformen, siehe oben: cohousing. 
 
Einiges Grundsätzliche sollte jedoch unmissverständlich klar sein, auch, um regretting motherhood vorzubeugen:
 
Kinder sind nur ein Mal ein, drei, sechs ... Jahre alt. Die nicht (mit ihnen) geteilten Situationen, Erlebnisse, Erfahrungen lassen sich "später" nicht - niemals -  zurückholen, wiederholen oder auch nur nachholen.
 
Gerade Säuglinge und Kleinkinder sind auf stabile, sichere Bindung zu zunächst wenigen (Haupt-) Bezugspersonen angewiesen - dies ist essentiell für ihre gesamte Entwicklung, für ihr ganzes späteres Leben, Selbstbild, Selbstwertgefühl, psychisch-emotionale Entwicklung, Gesundheit etc..
 
Säuglinge und Kleinkinder sind aus tatsächlich auch biologischen Gründen zunächst intensiv an die (biologische) Mutter gebunden, da sie schon vorgeburtlich eine Menge mit der Mutter "erlebt", von ihr erhalten, durch sie erfahren, von ihr mitbekommen haben: während der Zeit der Schwangerschaft.
 
Auch stillen kann nur die Mutter und hierbei geht es nicht allein um die gesunde Muttermilch, sondern Stillen befördert bekannterweise auch die Beziehung, Bindung zwischen Mutter und Kind (Oxytocin ...), gibt dem Kind das Gefühl von Geborgensein, Gehaltensein - wichtig für das Urvertrauen
 
Schließlich lehrt die Erfahrung, dass die meisten Säuglinge und Kleinkinder, wenn sie krank sind, eher nach der Mutter als nach dem Vater verlangen, eher an die Mutter anhänglich sind.
 
Der Vater spielt entwicklungspsychologisch gesehen verstärkt ab etwa dem vollendeten ersten und mehr noch in den folgenden Lebensjahren eines Kindes eine wichtige Rolle als weitere Bezugsperson neben der Mutter.

Wer sich also für Kinder entscheidet, sollte sich darüber im Klaren sein, dass die Fürsorge für, d.h. das (alltägliche) Leben mit einem Kind, besonders in den ersten 3 bis 6 Lebensjahren, den Eltern, gerade also der Mutter durchaus einiges abverlangt:
Geduld, Verständnis, Verzichte, Opfer (ggf. auch Entbehrungen - je nach Kind, Lebensverhältnissen, persönlichen Problemen ...), sowieso Zeit, Aufmerksamkeit, Zuwendung, Verlässlichkeit und noch einiges andere mehr - ganz besonders Einfühlsamkeit, Feinfühligkeit - Empathie, Mitgefühl.
 
Es bedeutet also, dass man generell, insbesonere in den ersten ca. 3 bis 4 Lebensjahren des Kindes, als Erwachsene/Eltern eigene Bedürfnisse und Wünsche hintanstellen können muss und dies zum Wohle des Kindes dies selbst auch möchte.
 
Wer dazu nicht bereit, wem das zu viel ist, der sollte keine Kinder bekommen (um sie dann wegzuorganisieren).
 
Man sollte sich dabei durchaus vor Augen halten, dass solche, mit Kindern verbrachte Zeit ... auch als erfüllend erlebt werden kann, dass sie Momente inniger Nähe, Wärme und Verbundenheit, Freude, Frieden und Glück erleben lässt; dass Kinder außerdem älter, verständiger, auch selbständiger werden, dass sie, ihrer Entwicklung entsprechend, von selbst mit den Jahren mehr "nach außen gehen", "das Nest" zwar noch benötigen (im Hintergrund wissend), aber es zunehmend verlassen wollen und werden - so dass Eltern dann auch wieder mehr eigene Freiräume erhalten.
 
Es geht nicht darum, zur "Glucke", zu "Helikopter-Eltern" zu mutieren. Wirklich nicht. Auch nicht zur "Übermutter" - Fehler lassen sich ohnehin nicht (gänzlich) vermeiden, gehören sogar dazu und Mütter sind eben auch Menschen mit eigenen Bedürfnissen ... .
Daher sollte eine Mutter auch niemals alleine für ein oder mehrere Kinder sorgen müssen.
Denn wenn die Mutter am Rande ihrer Kräfte ist, k a n n sie nicht (mehr) angemessen für ihr(e) Kind(er) sorgen ... .
 
Eben deshalb braucht jedes Kind mehrere Bezugspersonen - langjährige, verlässliche, liebevolle. Diese müssen selbstredend keineswegs alle zu jeder Zeit/gleichzeitig anwesend, "verfügbar" sein, aber eben durchaus grundsätzlich erreichbar, verlässlich und beständig: idealerweise über viele Jahre.
 
Bezugspersonen: vertraute, wohlwollende, zugeneigte, verantwortungsvolle, empathiereiche, reflektierte Menschen unterschiedlichen Alters und Geschlechts, die das Kind über und durch die Jahre begleiten ... .
 
Und Mütter benötigen eine familiäre Gemeinschaft, deren Unterstützung (siehe oben), um ihren alltäglichen Aufgaben, ihrer Sorgetätigkeit nachkommen zu können. - Eine Mutter muss bspw. wenigstens immer wieder einmal ;) ausreichend schlafen und essen, regenerieren können. Anderenfalls kann sie nicht funktionieren, nicht angemessen für ihr Kind da sein - es geht dies sonst zu Lasten des Kindes und/oder - meistens - der Mutter, falls die Mutter dauerhaft überlastet ist.
 
Das alles kann der Partner, zumal, wenn er berufstätig ist (womöglich Vollzeit), alleine nicht sein, nicht leisten, nicht geben.
Und Großeltern sind heute nicht selten selbst noch ins Berufsleben eingebunden und/oder wohnen zu weit entfernt oder möchten selbst aktiv und unabhängig sein, ihren (wohl verdienten) Ruhestand genießen.
 
Aus all diesen Gründen sind oben genannte - allen interessierten Menschen finanziell gleichermaßen zugängliche (!) gemeinschaftliche Wohnformen, andere Arbeitsstrukturen und eine Aufwertung der Sorge-Arbeit sowie eine finanzielle Absicherung von Müttern (siehe Müttergehalt) erforderlich - und eigentlich längst überfällig.
 
Fremdbetreuung in bspw. Kindergärten halte ich für Kinder ab 3, eher 4 Jahren für einige Stunden am Tag in kindgerechter Umgebung mit qualifizierten Betreuenden für empfehlenswert.
 
Davor, aber auch danach natürlich noch haben Kinder - nach meinem Modell, siehe diesen gesamten Text - regelmäßigen Kontakt zu und mit Kindern und Erwachsenen verschiedenen Alters und Geschlechts)aus dem Wohnprojekt und ggf. auch Geschwistern und können innerhalb dieser familiären Strukturen, die solches gemeinsames Wohnen überhaupt erst ermöglichen, auch zeitweise (je nach Alter und Wesen, individuellen Voraussetzungen und Gegebenheiten...) von diesen ihnen vertrauten Bezugspersonen betreut werden; zusätzlich werden sie auf diese Weise (Wohnen, Leben in familiärer Gemeinschaft) auch sozialisiert und erhalten eine Menge Eindrücke, auch Fertigkeiten, welche ihnen die Eltern alleine, aber auch eine Krippe nicht vermitteln, nicht anbieten können - schon gar nicht auf solch zuträgliche Weise, in eben der Form eines Familienverbundes, einer beziehungsgeprägten, beständigen Gemeinschaft.
 
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"[...] Die Wahrheit ist: Wir sind permanent müde, haben Ringe unter den Augen, schlafen schlecht. Wir sind ständig nervös, wie gehetztes Wild. Wenn wir morgens aufwachen, fällt uns sofort ein, was wir alles schaffen müssen. Wenn wir abends ins Bett fallen, wissen wir, dass wir wieder nur die Hälfte von dem erledigt haben, was eigentlich anlag.
Wir trinken unseren Kaffee im Gehen, essen im Stehen. Und wenn wir nach Hause kommen, nach einer Dienstreise, einem turbulenten Meeting, einer Brüllerei am Telefon, sind wir abgekämpft und angespannt. In unserem Kopf tobt noch der Tag, und dann braucht es nur eine falsche Bemerkung – und es gibt Streit.
 
Es geht einfach nicht zusammen. Wir haben nie genug Zeit für unsere Kinder. Wir haben nie genug Zeit für unsere Partner. Und wir haben nie genug Zeit für unseren Job. Klingt das frustriert? Mag sein. Aber ich bin gar nicht frustriert. Nur verärgert.
 
Flexible Arbeitszeiten sind nicht das Zaubermittel
Ich ärgere mich darüber, dass mir permanent suggeriert wird, alles ließe sich mit allem vereinbaren, es sei nur eine Frage der Organisation. Und damit meine ich nicht die Hochglanzillusion der Margarinewerbung, die Bilder perfekter Familien, allesamt lachend, wie an einem ewigen Sonntag. Ich weiß schon, dass uns Eltern da etwas vorgemacht wird.
 
Nein, ich ärgere mich über eine Politik, die hartnäckig behauptet, mit wenigen Monaten Elternzeit und ein paar Kita-Plätzen mehr lasse sich Deutschland in ein Familienparadies verwandeln.
Ich ärgere mich darüber, dass diese Politik vorwiegend von Menschen betrieben wird, die entweder selbst keine Kinder haben oder achtzig Stunden die Woche ackern, auf Adrenalin surfen und selbst nie genug Zeit für ihre Familie haben.
 
Und ich ärgere mich über Wirtschaftslobbyisten, die uns weismachen wollen, flexiblere Arbeitszeiten seien das Zaubermittel, um alle Probleme zu lösen – und dabei ganz andere Interessen verfolgen.
 
Und weil so viele Eltern das Gefühl haben, den widerstreitenden Anforderungen nicht gerecht zu werden, und weil so viele deswegen fast ständig ein schlechtes Gewissen haben, muss irgendwann Schluss sein mit der Vereinbarkeitslüge.
 
Nicht bloß ein Problem der Karrieregeilen 
Manche mögen profitieren vom Schweigen und Herumdrucksen, für manche mag es bequemer sein, sich an den gesellschaftlichen Illusionen festzuklammern. Aber uns Eltern ist damit nicht geholfen, und auch nicht unseren Kindern.
 
Wenn über die Vereinbarkeit von Kindern und Job geredet wird, dann entsteht oft der Eindruck, das sei nur ein Problem der Karrieregeilen und Überehrgeizigen. Aber das stimmt nicht. Es trifft auch die Supermarktangestellten, Busfahrer oder Krankenschwestern. Sie können, wenn ihr Kind krank ist, auch nicht einfach mal von zu Hause arbeiten.
Unter der Vereinbarkeitslüge leiden ganz normale Leute, die über die Runden kommen wollen und sich dabei permanent selbst ausbeuten. Es sind – wie es die Kolumnistin Sibylle Berg einmal formuliert hat – gehetzte Menschen in der Lebensmitte, die bei jeder Zusatzbelastung, jedem unvorhergesehenen Ereignis, von der Steuernachzahlung bis zum Einsturz des Daches, einfach nur auf den Boden fallen und schreien möchten.
Diese gehetzten Menschen, das sind wir."
 
Zitiert aus dem Beitrag des Deutschlandradio Kultur; farbliche Hervorhebungen habe ich vorgenommen.
 
Wie schön, dass nun auch Männer erkennen und öffentlich machen, dass und warum es "nicht geht", warum es sich um Ausbeutung einzig zu Gunsten der Wirtschaft, nicht der Eltern, noch weniger der Frauen, der Mütter, schon gar nicht der Kinder, handelt.
 
"Muttersein jenseits des Patriarchats
 
Aus dem Vortrag von Dr. Heide Göttner-Abendroth auf dem Kongress „Muttergipfel“, Karlsruhe 2008
Der klassisch patriarchale Begriff ist, dass die Frau nur Mutter und Hausfrau ist, wobei sie auf ihre Gebärfähigkeit als ihre „Bestimmung“ reduziert wird. Es ist die hausfrauisierte, isolierte Mutter. Sie lebt im Hause des Mannes, um ihn zu bedienen und „seine“ Kinder zu gebären, vor allem seine Söhne. Dabei muss jede Frau zwangsweise Mutter sein, denn außerhalb davon wird ihr keinerlei Wert zugestanden. Daraus entsteht eine überaus unterdrückerische Situation für Frauen, die nicht auszuhalten wäre, wenn nicht dazu eine Ideologie mitgeliefert würde, welche die Situation verschleiert. (…)
 
Der moderne patriarchale Mutterbegriff soll dann die Lösung dieses Dilemmas bringen, nämlich die Vorstellung von der Karriere-Frau, die im Berufsleben erfolgreich ist und „nebenbei“ auch noch ihre Kinder pflegt. Es ist das Bild der Superfrau oder Rabenmutter – je nach Wertesystem – die alles macht und alles kann, die überall „ihren Mann steht“, doch ganz weiblich auch noch die nächste Generation gebiert und erzieht. In beträchtlicher Untertreibung nennt man das die „Doppelbelastung“ der Frau.
 
Denn eine einzelne Frau kann ihre Kinder weder nur nebenbei erziehen, noch kann sie gleichzeitig voll in Berufsstrukturen einsteigen, die nicht nach ihren Bedürfnissen aufgebaut sind. (…) Dabei haben wir das Problem der Fremderziehung der Kinder durch andere Personen noch gar nicht erwähnt, was nicht immer im Sinne der Mütter ist, aber im Sinne der patriarchalen Ideologie.
 
So stellt diese Diskrepanz von nicht zusammen passenden Mustern weit mehr als nur eine „Doppelbelastung“ dar. Sie bedeutet eine doppelte Ausnutzung der Frau, nämlich in der Familie, wo sie gratis arbeitet, und im Beruf, wo sie in der Regel schlechter bezahlt wird. Das mündet nicht selten in ihrem gesundheitlichen Zusammenbruch. (…)
 
Noch schlimmer wird die Situation, wenn diese rudimentäre Form von sozialem Zusammenhang, die Kleinfamilie, auseinander fällt – was ebenfalls immer häufiger ist. Dann ist die berufstätige Mutter auch noch Alleinerziehende. Der zunehmende Zusammenbruch der sozialen Muster in unseren westlichen Industriegesellschaften geht zu Lasten der Frau, die darin allein gelassen wird und als Single-Mutter nicht selten auf die unterste Ebene der Armut gerät.
 
In diesem Zusammenhang wird neuerdings von der wachsenden „Kinderarmut“ geredet. Gibt es die Kinder denn ohne Mütter? Es ist wieder eine Verschleierung der Tatsache, dass die „Kinderarmut“ eine Folge der Mütterarmut ist – eine beschämendes Faktum für einen reichen Staat!
 
Es ist daher nicht erstaunlich, wenn junge Frauen und Frauen, die unabhängig bleiben wollen, zunehmend das Muttersein ablehnen, sogar eine Feindschaft dagegen entwickeln. Diese Haltung ist nicht unbedingt – wie es offiziell dargestellt wird – der Ausdruck eines wachsenden persönlichen Egoismus, sondern einer äußerst mütterfeindlichen, sozial beschränkten, kranken Gesellschaft.
 
Dabei ist die Fähigkeit von Frauen zum Muttersein für jede Gesellschaft das höchste Gut, denn von Generation zu Generation lebt sie nur durch die Mütter weiter. Allgemein heißt das, dass Frauen noch immer jeder Gesellschaft in der Welt das höchste Gut schenken, nämlich den Fortbestand in der Zukunft.
 
In Patriarchaten steht diese ganze Sache auf dem Kopf, denn die Wichtigkeit der Frau für das Leben der gesamten Gesellschaft ist hier kein Anlass sie zu achten, sondern sie zu unterdrücken und Muttersein zur rein privaten Angelegenheit zu erklären. Jedoch widerspricht die manisch ausgeübte Kontrolle aller patriarchalen Staaten über die Gebärfähigkeit der Frauen dieser angeblichen Nebensächlichkeit. Warum wohl? Gerade weil das, was sie können und tun, so wichtig ist – aber sie sollen es nicht merken!
 
Muttersein, Mutterschaft und Mütterlichkeit im Matriarchat
Auf der naturgegeben großen Bedeutung der Frau baut das matriarchale Verständnis von Gesellschaft und Kultur auf. Hier wird eine biologische Grundtatsache, nämlich die Gebärfähigkeit der Frau, zu einer kulturellen Schöpfung geformt. Darum verlieren matriarchale Gesellschaften nicht „den Boden unter den Füßen“ und sind viel realistischer.
 
Hier wird der Frau, weil sie die Schenkerin und Erhalterin des Lebens für die ganze Gesellschaft ist, die höchste Achtung entgegengebracht. Eine Frau muss noch nicht einmal persönliche Mutterschaft erleben oder wünschen, um an dieser allgemeinen Verehrung der Frau teilzuhaben. Denn die Vorstellung von Mütterlichkeit trägt und gestaltet die ganze Gesellschaft, es ist ein allgemein gültiger und real umgesetzter Wert – und keine unterdrückerische und sentimentale Schablone nur für Frauen. Deshalb gibt es keinen Mutterkult in Matriarchaten, wohl aber eine grundsätzliche Mutter-kultur. (…)
 
In diesem Sinne eines für die einzelnen Frauen nicht zwangsweise verordneten und nicht abgespaltenen Mutterseins ist Mutterschaft das tragende soziale und kulturelle Element im Matriarchat. (…)
 
Textauszüge aus: Heide Göttner- Abendroth: „Am Anfang die Mütter. Matriarchale Gesellschaft und Politik als Alternative“, Kapitel 18; überarbeitete Neuerscheinung 2011 im Kohlhammer-Verlag [...]"
 
Auch für diesen so wertvollen Beitrag kann und möchte ich mich ein Mal mehr von Herzen bedanken. Entnommen habe ich ihn dem Text/Link des Mütterblitz (s.o.).
Farbliche Hervorhebungen (dunkelblau markiert) habe ich vorgenommen.
 
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"[...] Aber wer da dachte, alles würde besser, wenn sich der Nachwuchs erst das eigene Pausenbrot schmieren kann, der irrt. Frauen bleiben die Packesel der Nation – bis zum Eintritt ins Rentenalter, so die deprimierenden Ergebnisse einer Studie, die Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel gerade vorgestellt hat.
 
Das Institut für Demoskopie in Allensbach hat für die „Bild der Frau“ in einer repräsentativen Studie die Lebenswelten von 1060 Personen abgefragt. Nun konstatiert Geschäftsführerin Renate Köcher, man habe fälschlicherweise über Jahre „die Mehrfachbelastung berufstätiger Frauen vor allem unter dem Aspekt der Kindererziehung gesehen“, jetzt aber rückten die Eltern und Schwiegereltern in den Vordergrund. Und da kommt ein nahtloser Übergang der Kümmerei zu Tage.
Wer also mit 40 beruflich durchstarten wollte, wird schnell wieder ausgebremst: Drei Viertel der Frauen in der sogenannten Sandwich-Generation, also derer zwischen 40 und 59 Jahren, haben Kinder. 86 Prozent von ihnen unterstützen Eltern und Schwiegereltern bei Arbeiten im Haus, Arztbesuchen und Einkäufen, ein Fünftel pflegt seine Angehörigen. Knapp 80 Prozent dieser Frauen arbeitet, die Hälfte von ihnen in Vollzeit. Die Hausarbeit kommt in den meisten Fällen noch hinzu – auch wenn beide Partner Vollzeit arbeiten, ist sie neben der Familienarbeit weiterhin meist Frauensache.
 
Klinikaufenthalte als Fortbildungsreisen ausgegeben
Bemerkenswertes Distinktionsmerkmal der Frau, das auch aus dieser Studie herauszulesen ist, ist: ihr schlechtes Gewissen. Es scheint der Diesel zu sein, der den weiblichen Motor am Laufen hält. Da ist die Freundin, arbeitend, mit Kindern, den Haushalt im Griff, die sich wenige Tage Italienurlaub freigeschaufelt hat und nun mit schwerem Herzen voller Schuldgefühle in den Flieger steigt. Eine andere gibt ihren Klinikaufenthalt als Fortbildungsreise aus, die nächste wieder schleppt sich mit Magen-Darm-Virus in die Sandkiste. Mütterburnoutstatistiken lassen grüßen.
 
Ohne dieses Gewissen aber würde Familienleben im heutigen Deutschland wohl kaum funktionieren. Familienministerin Manuela Schwesig wusste deswegen genau, was sie tat, als die die Studie mit den Worten ankündigte: „Es ist wichtig, dass Frauen kein schlechtes Gewissen mehr haben müssen. Diese Frauen sind Leistungsträgerinnen.“ [...]"
 
Was eine Chuzpe (von Frau Schwesig)!
 
Zitiert aus dem Artikel von Marie Amrhein im Cicero (siehe oben stehenden Link).
 
Wenn der Staat, d.h. Regierungspolitik, nicht gewährleistet, dass Eltern, insbesondere Mütter, nach denen die kranken Kinder zumeist mehrheitlich de facto dann verlangen, sich an den Bedürfnissen und dem Wohl der Kinder orientiert ausreichend lange und umfangreich um ihre Kinder kümmern, diese also s e l b s t betreuen, versorgen können (statt dies an "Notmütterdienste" und Nachbarn oder Schulkrankenschwestern auszulagern), dann begeht der Staat damit wissentlich nicht nur eine Kindeswohlgefährdung, sondern eine Kindeswohlschädigung.
 
Kranke Kinder gehören nach Hause, in die ihnen vertraute Umgebung, in der sie sich am besten erholen, regenerieren, in der sie mit angemessener, bedürfnisorientierte, liebevollerr Pflege genesen können - und ihr Bedürfnis ist zumeist, von den Hauptbezugspersonen, insbesondere bei Krankheit mehrheitlich von der Mutter, betreut, umsorgt zu werden. Dem haben Staat und Wirtschaft angemessen Rechnung zu tragen, d.h. dies zu ermöglichen - so oft, lange und wiederholt es erforderlich ist.
 
Und ja, auch ein zwölfjähriges Kind braucht solches Umsorgtwerden, solche Zuwendung noch.
 
Wir kommen folglich um ein existenzsicherndes Sorge-Gehalt nicht herum.
 
Das Perfide ist allerdings, dass Regierungspolitik weiß, dass häuslich Sorgende nicht streiken können/werden, da sie die bedürftigen Menschen, die auf sie, ihre Fürsorge und Zuwendung angewiesen sind, nicht im Stich lassen werden, wollen, können.
 
Wir müssen uns also überlegen, wie wir das angemessene, d.h. existenzsichernde Sorge-Gehalt anderweitig durchsetzen können.
 
Siehe dazu auch besonders Absatz 4 des Art. 6 des Grundgesetzes.
 
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arte-Dokumentation: "In nomine patris - Die Interessen der Väterbewegung"

"[...] Es spricht einiges gegen die Einschätzung, Beauvoir lehne die Mutterschaft ab. Der Blick in Beauvoirs Hauptwerk „Das andere Geschlecht. Sitte und Sexus der Frau“ zeigt, dass Beauvoir die Problematik Mutterschaft sehr differenziert aufreißt und hierfür bestimmte, nämlich idealisierende Mutterbilder und deren ungute Aneignung durch Frauen kritisiert. Gleichzeitig beanstandet sie die Abwertung der Schwangerschaft, die gesellschaftliche Unterwerfung von Frauen durch die Mutterschaft, das Abtreibungsverbot, die Stilisierung der Mutter als Feindin des Mannes, ferner die „Mutterschaft“ als Lohn und Ort der Autonomie der Frau ebenso wie die Gebärfähigkeit und Mutterliebe als ausschlaggebenden Grund weiblichen Selbstbewusstseins, weiblicher Transzendenz. Dies ist eine vielseitige Kritik der Konstellation „Mutterschaft“, die Beauvoir wie kaum eine andere zuvor erst einmal zusammenstellt. In all diesen Zusammenhängen spricht Beauvoir von „solchen Frauen, die ihre Freiheit zugunsten ihres Körpers entfremden“, indem sie beständig schwanger werden. Das besagt, dass es in ihren Augen auch solche gibt, die das gerade nicht tun.
 
Akribisch beschreibt Beauvoir außerdem die Unvereinbarkeit von „Mutterschaft und Beruf“ und veranschlagt, dass Mütter dieselbe materielle und moralische Verantwortung für das Paar übernehmen sollen wie Väter. Und sie bringt zur Sprache, dass Frauen sich über ihre Schwangerschaft freuen, wenn ihre Lebensumstände stimmen, nämlich frei von Knechtschaft sind, sodass sie mit ihrer Schwangerschaft also einverstanden sind, diese frei und aufrichtig bejahen. Eine Schwangerschaft ist Beauvoir zufolge ein Existential und Differential im Leben einer Frau, denn eine Schwangerschaft spiegelt einer Frau ihre genaue Situation und ihre mit ihrer Situation verknüpften Ambivalenzen.
 
Von Beauvoirs berechtigter Kritik an Mutterbildern und Mutterkult kann also nicht geschlossen werden, dass sie Mutterschaft grundsätzlich ablehnt. Nicht nur differenziert sie genau, wovon sie jeweils spricht, wenn es um Mutterschaft geht, und unterscheidet Bilder, gesellschaftliche Umstände, historische Entwicklungen, wobei sie im- und explizit neue Maßstäbe für eine Mutterschaft entwickelt, die mit der Freiheit von Frauen vereinbar ist. Sie plädiert sogar regelrecht dafür: für eine freie Mutterschaft. [...]
 
Beauvoir zählt zu denjenigen Frauen, die wesentlich dafür einstehen, dass unehelich Schwangere nicht länger aus seltsamen, zumeist doppelmoralischen Gründen sozial diskriminiert werden sollen. Außerdem hält Beauvoir fest, dass es Frauen gibt, die nicht nur sexuelle Beziehungen jenseits der Ehe, sondern sogar Kinder ohne Ehe wollen (was nicht unbedingt heißt: ohne stabile Beziehung zu einem Mann oder zu Männern). Und sie führt an, dass auch ledige Frauen gerne Kinder bekommen würden, wenn sie auf die entsprechenden notwendigen Unterstützungen zurückgreifen könnten.
(Männer mit Kinder-, aber ohne Ehewunsch kommen bei ihr auffälligerweise nicht vor. Ist das nur der Zeit geschuldet? Väter wiederum tauchen als Anstifter zu Abtreibung oder als Ehemänner auf, die unter Ehezwang stehen und/oder ihre Erben sichern wollen.)
 
Mit dieser Analyse von Beauvoir steht im Raum: Es gibt eine Menge von Frauen, die Kinder ohne eheliches Konstrukt wollen! Dieses Wollen jenseits einer frauen- und sexualitätsverachtenden Moralität zu schützen, also Frauen und Sexualität, letztlich auch Männer nicht länger in falsche, enge gesellschaftliche Formen zu pressen, die viele Menschen in Verzweiflung und Unglück stürzen, würde bedeuten: Unverheiratet schwanger zu sein wäre nicht automatisch ein Missgeschick oder moralisches Fehlverhalten, kein moralisches oder verhütungstechnisches Versagen, sondern könnte in einigen Fällen regelrecht das Ergebnis eines freien Wunsches sein. Allerdings verbleibt gesellschaftsanalytisch anzufügen: Insofern Ökonomie und Arbeitsteilung mitspielen.
 
Frauen würden sogar mehr Kinder bekommen, wenn sie damit nicht von der Ehe abhängig wären, deswegen heiraten oder eine feste Partnerschaft anvisieren müssten, soviel lässt sich festhalten. Schon für die 40er Jahre des 20. Jahrhunderts kann Beauvoir konstatieren, dass sich viele Frauen aus diesem Grund die Möglichkeit einer künstlichen Befruchtung wünschen. Dabei ist mit der Abhängigkeit der Kinderwunscherfüllung von der Ehe nicht einfach nur die zeugende eheliche Beziehung zu einem Mann, gar dem Vater der Kinder gemeint, sondern die Abhängigkeit des Kinderbekommens und -habens von der „Ehe“ als der gesellschaftlichen Organisationsweise, die es Frauen (und Männern) erlaubt und ermöglicht, Kindern zu bekommen und aufzuziehen.
 
Eine Gesellschaft, die Kinderbekommen und -haben nicht vom Ehepaar als gesellschaftlicher, moralisierter Organisationsweise abhängig macht? Welch großer Kontrast zwischen der Vision Beauvoirs und dem Vorhaben des Schutzes der Ehe (und Familie) vor allem des deutschen Grundgesetzes, das zugleich die Würde der Frauen und wohl auch Mütter garantieren will.
 
Und wie zynisch erst erscheint vor dieser Vision das spezifisch deutsche Ehegattensplitting, insbesondere wenn man weiß, dass diese Konstruktion die konservativ christliche politische Reaktion darauf war, dass die meisten Frauen und viele Männer in der Nachkriegszeit zwar Kinder bekommen, nicht aber heiraten wollten. Da „christliche“ Ehe-Religionswahrheiten gerade in Anbetracht der historischen Geschlechter-Situation der Nachkriegszeit jeglichen Überzeugungswert verloren hatten, schien konservativen Katholiken wie dem damaligen Familienminister Franz-Josef Wuermeling nur ein letztes Überzeugungsmittel zu bleiben: Frauen und Männern wurde Geld angeboten, wurden Kredite und Steuernachlässe für die Eheschließung zur Verfügung gestellt. Fiskale Manipulation moralischer Freiheit für eine Moral, die in Anbetracht der Lebensverhältnisse schon damals ausgespielt hatte. Korruption der Moral aufgrund einer versagenden Moral könnte das genannt werden.
 
Auch heute wieder ist Heirat aus steuerlichen Gründen ein häufig genannter Grund für Eheschließungen.  Frau mag gar nicht darüber nachdenken, wie sehr die Ehe-Familien-Kinder-Korruptions-Organisation selbstverständliche Grundlage der derzeitigen gesellschaftlichen ökonomischen Verhältnisse und damit die Korruption zur moralisch legitimierten Grundstruktur menschlichen Zusammenlebens und der Ökonomie geworden ist. [...]
 
Vielleicht machen diese Kontraste die Schwierigkeiten erst so richtig deutlich, denen Feministinnen nun schon seit mehr als einem halben Jahrhundert hinterherlaufen. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu verlangen, ist viel zu oberflächlich. Darauf wird es erst Antworten geben können, wenn die Mutterschaft und die gesellschaftliche Organisationsweise des Lebens von Müttern und des Versorgens und Erziehens von Kindern neu gefasst wird: jenseits von Moral und ökonomischer Manipulation und Korruption von Frauen und Männern. Das Versorgen und Erziehen von Kindern ist Arbeit, braucht Zeit, Raum, Anstrengung, Geld, Nerven: vom Zusammenleben mit Kindern zu sprechen, verharmlost die Aufgabe. [...]"
 
Zitiert aus oben stehendem Text in bzw-weiterdenken.
 
"[...] "Wer Schweine erzieht ist ein produktives, wer Menschen erzieht ein unproduktives Mitglied der Gesellschaft." Mit diesem Zitat beginnt Krebs ihre Untersuchung zur Stellung und Bedeutung der Haus- und Familienarbeit und unterbreitet dann die Fakten: Frauen verwenden nur eine Drittel ihrer Arbeitszeit auf bezahlte Arbeit, Männer drei Viertel ihrer Arbeitszeit. Sie leitet daraus die Frage ab, ob und welche Anerkennung solcher Arbeit gebührt.
 
Dazu werden zuerst die gängigen Arbeitsbegriffe durchleuchtet (Arbeit als bezahlte Tätigkeit, als mühevolle Tätigkeit...) und Unterteilungen verschiedener Arten von Tätigkeiten vorgenommen (Erwerbsarbeit, Partnerarbeit, Familienarbeit) um dann zu einem institutionellen Verständnis von Arbeit zu kommen: Arbeit ist eine Tätigkeit im Rahmen des gesellschaftlichen Leistungsaustausches - und gehört als solche entlohnt, auch wenn es sich um Familienarbeit handelt.
 
Wird die Entlohnung als Forderung an den Staat gestellt, ergibt sich noch das Problem der (Um-)Verteilungsgerechtigkeit. Gewöhnlich werden solche Fragen, spätestens seit Rawls "Theorie der Gerechtigkeit" mit egalitaristischen Argumenten beantwortet und es wird auf eine Gleichheit der Chancen, der Möglichkeiten, der Belastungen oder der Ausstattung mit Grundgütern abgezielt. Krebs zieht aber humanistische Argumente heran: Nicht Gleichheit ist das Ziel der Gerechtigkeit, sondern ein würdiges Leben für alle. Ähnliche Ansätze in Avishai Margalits "Politik der Würde" und Michael Walzers "Sphären der Gerechtigkeit" lotet sie in allen Feinheiten auf ihre Brauchbarkeit hin aus.
 
Diese Würde verlangt - zumindest in einer Gesellschaft, in der Anerkennung durch sie und Teilhabe an ihr hauptsächlich durch bezahlte Arbeit erworben wird - ein Recht auf Integration durch bezahlte Arbeit. Diese könnte durch ein allgemeines Grundeinkommen (für Familienarbeit) gewährt werden. Anders als Philippe van Parijs Forderung "surfers should be fed" (Arbeitslose sollen eine Prämie dafür erhalten, dass sie auf einen raren Arbeitsplatz verzichten) fordert sie "mothers should be fed" (S.230). Dem Abschnitt "Gerechtigkeit", der das Herz des Textes darstellt, wurden 90 Seiten gewidmet, der Diskussion um Arbeit und Bezahlung weitere 40 Seiten.
 
Schlussendlich verteidigt sie noch ihre Konstruktion gegen ein landläufiges Standardargument: Bezahlte Familienarbeit könnte eine "Pervertierung der Liebe" (S. 240) darstellen, weil - so wird häufig argumentiert - das ökonomischen Denken nicht in die Privatsphäre eindringen dürfe und Familienarbeit Ausdruck reiner hingabebereiter Liebe zu sein hat. Liebe besteht aber nach Krebs nicht nur aus dem Willen zur opferbereiten Hingabe, sondern auch in geteiltem Empfinden und Tun. Und das altruistischen Füreinander darf, "wenn es um den Abwasch geht" (S. 19), dem eigeninteressierten Tausch weichen.
 
Zielgruppe
Der Text argumentiert auf hohem Niveau und sehr analytisch und verlangt so ein über die politische Bedeutung hinausgehendes philosophisches Interesse. Die Werke, auf die Bezug genommen wird, werden immer kurz zusammengefasst, so dass spezielle Vorkenntnisse nicht benötigt werden.
 
Fazit
Das sehr systematisch aufgebaute Buch argumentiert nicht nur schlüssig, sondern handelt immer auch alle geläufigen Gegenargumente ab, es wird dadurch aber auch etwas unübersichtlich. Die Argumentationen für die Anerkennung, Aufwertung und Bezahlung der gewöhnlich von Frauen geleisteten Familienarbeit erweist sich als anschlussfähig an die Erkenntnisse der feministischen Ökonomie, der Geschlechterpolitik und anderer geschlechtsspezifischer Forschungsrichtungen, beispielsweise was die Zeitverwendung von Frauen, die Benachteiligungen von Frauen durch das male-breadwinner-System oder die Funktionen des Wohlfahrtsstaates betrifft. [...]"
 
Quelle: socialnet-Rezension zu "Arbeit und Liebe" von Angelika Krebs (Professorin für Philosophie an der Universität Basel), siehe oben verlinkt.
 
"[...] Ihr Lebenstempo zieht langsam an: Krippenplatz vom 11. Monat an, Kindergarten bis in die späten Nachmittagsstunden, nachmittags zum Reiten, seit kurzem noch Ballett, nun rät die Schulleiterin zur Einschulung mit fünf Jahren. Und ist es nicht schon längst Zeit für ein Instrument?
 
Kinder müssen träumen, frei spielen, nicht zu viel vor dem Computer hocken, auf Bäume klettern und im Dreck wühlen. Ich weiß das schon. Theoretisch. Praktisch beobachte ich auch an mir eine Tendenz, mein Kind gemäß heutiger Gesellschaftsstrukturen zu überfordern.
 
Kinder als Investitionsmaterial
Der Kinderarzt Herbert Renz-Polster hat in der vergangenen Woche sein Buch „Die Kindheit ist unantastbar“ in die Buchläden gebracht. Sein Verlag preist ihn als Querdenker an, er selbst wehrt sich in einer Passage gegen den Duktus des „Verschwörungstheoretikers“. Wer aber sein Buch liest, findet eine klare Analyse unserer Zeit – aus geschichtlicher, wirtschaftswissenschaftlicher, psychologischer und soziologischer Perspektive. Und er findet eine Warnung: Die Kindheit ist in Gefahr.
 
Mit zahlreichen Beispielen macht Renz-Polster deutlich, wie sehr wirtschaftliche Interessen die frühkindliche Bildung beeinflussen; und damit den Jüngsten Schaden zufügen. Er entlarvt die Forderungen nach Bildungsreformen als das Streben einer Bundesregierung, die Frauen als das „am schnellsten aktivierbare ungenutzte Potential für den Arbeitsmarkt“ definiert. In deren Kindern wiederum, so das Institut der Deutschen Wirtschaft Köln, stecke „ausreichend Humankapital“, um die dringend notwendige „technologische Wettbewerbsfähigkeit und Attraktivität für ausländische Investoren“ zu sichern. In Anbetracht der Kinder als Investitionsmaterial wird die Kita zum „heiligen Gral“ eines ganzen Wirtschaftsmodells, schreibt Renz-Polster. Alles in der Hoffnung, dass diese heute noch kleckernden, nervenden, randalierenden Wesen eines Tages endlich zu etwas Nutze sind. Dafür aber müsse die Schule nicht länger als „soziale Einrichtung“ gelten sondern zur „Dienstleistungsgesellschaft im Bereich Bildung“ umgebaut werden, so sieht es der Hessische Unternehmerverband.
 
Uns emanzipierte Eltern erwischt die Analyse ziemlich kalt. Haben wir doch gerade angefangen selbstsicher zu verkünden, dass nur eine zufriedene Mutter eine gute Mutter sein kann. Und das bedeutet eben für viele, dass es in ihrem Leben mehr geben muss als Kartoffelbrei, Fischstäbchen und dreckige Wäsche.
 
Eben noch schauten wir eifersüchtig nach Schweden und Frankreich, wo die flächendeckende Kinderbetreuung den Frauen das Gebären und das Arbeiten gleichzeitig erlaubt. Und nun hat sich der Wind unmerklich gedreht. Mehr Kitaplätze, längere Betreuungszeiten, frühere Einschulung scheinen doch nicht das Maß aller Dinge.
 
Die Zeichen sind zaghaft: Wenig Beachtung fand eine Bewegung junger Mütter in Frankreich, die mehr Zeit mit ihren Kindern forderten und sich dabei Feministinnen nannten. Dass Kristina Schröder ihren Job als Ministerin und Mutter nicht schaffen konnte, wurde ihr als persönliche Schwäche ausgelegt. Als der hochgelobte Pädagoge Jesper Juul das ach so fortschrittliche Kinderbetreuungssystem in Schweden kritisierte, nahm das kaum einer wahr.
 
Kinder sollten lernen, ein eigenes Rückgrat zu entwickeln
Denn wir sind auf einem anderen Weg. Auf einem, der Wirtschaftswachstum und Erfolg verspricht. Da will niemand hören, dass es an Geld mangelt für eine flächendeckende gute Kinderbetreuung. Und dass die Wege, die in der frühkindlichen Bildung eingeschlagen werden, häufig Holzwege sind, wie Renz-Polster zusammenträgt: Da organisiert die Microsoft AG eine „Schlaumäuse-Initiative“, die Telekom-Stiftung finanziert das Kitaprojekt „Die digitale Gesellschaft – Kinder erforschen Kommunikation“ und im Wissenschaftsjahr 2015  ist das Thema „Mobilität der Zukunft“ dran. Die Autostadt GmbH (Volkswagen) sitzt schließlich im Stiftungsrat. [...]"
 
Quelle: Cicero-Artikel von Marie Amrhein, siehe oben stehenden Link. Farbliche Hervorhebungen habe ich vorgenommen.
 
"[...] Die "hyper mères" - so die Elternzeitschrift "Parents" etwas abfällig - halten an den bisherigen Errungenschaften des Feminismus fest, aber sie wollen ihnen etwas hinzufügen: das Recht, die eigene Mütterlichkeit weit und breit auszuleben. Möge ihr Beruf eine Weile Nebensache sein - egal. Sie folgen ihrem "Herzen", ihrem "Instinkt", und dem mütterlichen Oxytocin-Hormon, die ihnen diktieren: Bleib lange in der Nähe deiner Kinder.
 
"Diese Frauen sind Feministinnen"
Seit Jahrzehnten - von Coco Chanel bis Simone de Beauvoir und Elisabeth Badinter - war es bisher Tradition: Bloß weg mit den mütterlichen Mühen. Chanels Befreiung lief über die Mode, Simone de Beauvoir und ihre Nachfolgerin Elisabeth Badinter werten die Mutterliebe als ein kulturelles, künstliches Konstrukt. Nötig habe sie die emanzipierte Frau nicht - sie sollte lieber nach edleren Aufgaben streben, sprich: beruflicher Anerkennung. Doch das ändert sich, dank Internet fanden die neuen Mütter zueinander.
In Foren und Chats entdeckten die wegen der Doppelbelastung ausgelaugten Frauen: Ich bin nicht die einzige. Seitdem kursiert der neue Begriff "maternage de proximité" - "Bemutterung mit Nähe". Neue Magazine, Fernsehsendungen und zahlreiche Vereine entstanden. Vorträge und Workshops über Babymassage, gewaltlose Erziehung oder Burnout breiteten sich aus.
 
Der Trend habe "Wind in den Segeln", schätzt Catherine Rouet-Piraud in ihrem Buch "Planète maternage". Rund 15 bis 20 Prozent der Französinnen interessierten sich dafür. Zwischen 1995 und 2012 stieg die Stillquote nach der Geburt von 45 auf 69 Prozent.
An der Säule der Berufstätigkeit rütteln die "GA"-Autorinnen kaum. Sind sie eine Weile bei den Kindern zu Hause, betonen sie, dass sie weiter arbeiten: bei einer Weiterbildung, beim Aufbau eines kleinen Unternehmens, bei einem Ehrenamt - oder bei allem gleichzeitig. Schließlich seien sie keine Reaktionäre, die Frauen an den Herd zurückwünschten.
 
"Diese Frauen sind Feministinnen", kommentiert die emeritierte Professorin Yvonne Knibiehler aus Aix-en-Provence. "Denn sie legen viel Wert auf ihre Autonomie und auf ihre Rechte." In ihrem Buch "La révolution maternelle" listet Knibiehler drei Generationen auf: die Mütter des Baby-Booms, die Revoltierten der siebziger Jahre und die aktuellen Frauen. Diese seien dabei, "ihre Mutterschaft neu zu erfinden".
 
"Ich bin nicht die Super-Woman, wie ihr denkt"
Es sei "ein Akt der Emanzipation", sich von einer "stressigen Vollzeit von 8 bis 19 Uhr" zu verabschieden, so die 38-jährige "GA"-Autorin und Ingenieurin Marie-Florence Astoin. In der aktuellen Alumni-Zeitschrift ihrer Hochschule "Agro" beschreibt die Mutter von drei kleinen Töchtern ihren Weg.
Sie wehrte sich gegen ihren Vater, der "eine große Karriere" für sie vorsah, gegen ihren Mann, der eine "unabhängige" Frau wollte. Und vor allem gegen ein "Gesellschaftsmodell, in dem Frauen alles leisten müssen". Die "Geschichte mit der Geschlechtergleichheit" ziehe Frauen über den Tisch. Die Aufgaben seien ungerecht verteilt, vor allem mit einem kleinen Baby.
 
"Ich bin nicht die Super-Woman, wie ihr denkt", erkannte Astoin, als es ihr körperlich immer schlechter ging. Von "anglophonen Frauen" lernte sie, "sich Freiheiten mit dem System zu nehmen": "You can have it all, but not all at once." Finanzielle Sorgen habe sie nicht - ihr Mann arbeitet in einem Pariser Ministerium. Sie selber berät ab und zu ein holländisches Unternehmen als Freiberuflerin. Dafür musste sie neulich in den Kongo, sie nahm ihre jüngste Tochter mit.
 
Auch Mütter mit knapperem Geld handeln ähnlich. Die alleinerziehende, 36-jährige "GA"-Autorin Anne-Claire Ricot wollte nach der Geburt ihrer beiden Kinder (acht und zwei Jahre alt) keine feste Stelle mehr als Lehrerin. "Dafür bin ich bereit, materiell mit sehr wenig zu leben", sagt sie. "Lebt man nach seinem Herzen, dann sinkt die Sehnsucht nach Konsum." Zu Hause arbeitet sie als Übersetzerin und Lektorin. Sie unterrichtet ab und zu in Gefängnissen. Mit staatlicher Unterstützung und Kindesunterhalt kommt sie "gerade so" über die Runden.
 
Claude Didierjean-Jouveau - Buchautorin, "GA"-Chronistin und Großmutter - macht sich Sorgen um die Armut der mit 40 verlassenen Nur-Hausfrauen. Sie wünscht sich familienfreundlichere Arbeitsformen: "Auch Väter könnten im Beruf kürzertreten". [...]
 
Mit Rückblick auf die letzten Jahre schmunzelt sie: "Vor 20 Jahren wirkten wir wie Außerirdische mit unseren Thesen über das Stillen. Heute stehen sie ganz oben - offiziell zumindest." Seit ein paar Jahren erst empfiehlt das französische Gesundheitsministerium volles Stillen bis zum Alter von sechs Monaten. Auch "bis zwei Jahre und sogar darüber hinaus" sei es möglich, weiter zu stillen - mit ergänzender Nahrung.
 
Als "aktive Avantgarde einer wachsenden Bewegung" bezeichnet der deutsche, in Lyon arbeitende Kinderarzt Adrian Serban die neuen Mütter. Ende September hielt er einen Vortrag vor Eltern und Gesundheitsexperten in einem repräsentativen Raum im Rathaus des 1. Arrondissement. Eine Woche im Voraus waren alle Plätze ausgebucht. Unter der Marianne-Büste erklärte er, wie die Bindung, die der Säugling in den ersten Monaten mit seinen Eltern aufbaut, sein gesamtes Leben prägt. [...]"
 
Quelle: Spon-Artikel, siehe oben stehenden Link; farbliche Hervorhebungen habe ich getätigt.
 
"[...] Auch neue Daten des Statistischen Bundesamtes zeigen: Die Bundesbürger sind viel weniger »faul«, als es Politiker oft suggerieren. In einer ebenfalls am Mittwoch von der BA vorgestellten Untersuchung der Statistikbehörde heißt es, dass die Wertschöpfung der unbezahlt geleisteten Arbeit im Jahr 2013 rund 987 Milliarden Euro entsprach.
 
Zugrunde gelegt wurde hier ein Entgelt von 9,25 Euro pro Stunde, ein »vergleichsweise niedriges« Lohnniveau, wie die Verfasser der Studie einräumen. Die Summe entsprach nach dieser Berechnung rund 39 Prozent der Bruttowertschöpfung im Bruttoinlandsprodukt. Männer wandten der Untersuchung zufolge im Schnitt täglich 2,5 Stunden, Frauen vier Stunden für Ehrenamt, Hausarbeit, Betreuung und Pflege von Angehörigen oder Nachbarschaftshilfe auf. Insgesamt hätten Frauen und Männer damit unentgeltlich mehr Werte geschaffen als das produzierende Gewerbe mit 769 Milliarden Euro im selben Jahr.
 
Die Arbeitsleistung von Müttern mit kleinen Kindern – sie gelten für Jobcenter als »Vermittlungshemmnis« – beleuchtete im Auftrag der BA das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB). Seiner ebenfalls am Mittwoch vorgestellten Analyse zufolge arbeiten Mütter mit zwei Kindern, von denen das jüngste im Vorschulalter ist, durchschnittlich 61 Stunden pro Woche. Davon waren nur 15 Stunden bezahlte Erwerbsarbeit. Der »Rest« entfiel auf Haushalt, Kinderbetreuung und Pendeln. Ist das jüngste Kind mindestens zwölf, arbeiten Mütter immer noch rund 56 Wochenstunden. Männer wenden ähnlich viel Zeit auf, davon allerdings doppelt so viele Stunden für den Beruf. Bei der Erwerbsarbeit seien Frauen deutlich benachteiligt."
 
Quelle: neue Welt, "Verwaiste Hängematten", siehe oben verlinkt.
 
"[...] Aber die Euphorie für die in den Medien spätestens seit Sigmar Gabriel allseits hochgelobten neuen Väter erschöpft sich beim Weiterlesen. Zwar wird Kindererziehung stärker als früher als Eltern- und nicht nur als Mütterprojekt wahrgenommen und viele Väter haben Spaß an ihren Kindern. Sie  gehen heute in Geburtsvorbereitungskurse, in den Kreißsaal und anschließend mit Babytrage shoppen. Aber die Begeisterung oder das Verantwortungsgefühl reicht nicht so weit, dass sich substanziell etwas an der Lastenverteilung zwischen Müttern und Vätern geändert hätte, an der Umverteilung von Arbeit und Kinderbetreuung.
 
Nur ein Viertel der engagierten neuen Väter hat sich bis zu zwei Monaten Elternzeit genommen. Vier bis sechs Monate Elternzeit nahm genau 1 Prozent der Väter – soviel Elternzeit nimmt beinahe jede Mutter. Und das, obwohl fast die Hälfte aller Väter glaubt, dass sich die Elternzeit nicht negativ auf die Karrierechancen der Männer auswirkt.  Unlängst hat das Statistische Bundesamt neue Zahlen vom Mikrozensus für Teilzeitarbeit veröffentlicht. Während 69 Prozent aller erwerbstätigen Mütter Teilzeit arbeiten, sind es genau 5 Prozent aller Väter.
 
Die Schuldfrage ist jedoch nicht so einfach zu klären. Es gibt zweifellos viele Väter, die gern mehr für ihre Kinder da wären. Arbeiten bis zum Umfallen, berufliches Jetsetten immer knapp am Herzinfarkt vorbei – das ist immer seltener ein Lebensmodell, das Männern heute vorschwebt. In vielen Berufsfeldern ist jedoch die Firma trotzdem Familienersatz für Väter,  permanente Verfügbarkeit wird vorausgesetzt. Doppelspitzen in der Führungsetage sind nach wie selten, obwohl Unternehmensstrategen dies im Sinne flacherer Hierarchien und eines weniger zentralistischem Firmengefüge schon seit Langem propagieren.
 
Der Paradigmenwechsel ist in vollem Gange, abgeschlossen ist er nicht. Und natürlich sind viele Väter auch nicht mutig, nicht risikobereit genug: Für Frauen bringt die Geburt eines Kindes nicht nur enorme körperliche Veränderungen – und durchaus auch Gefahren – mit sich, sie stehen anschließend beruflich oft schlechter da und verdienen weniger. Für viele Männer ändert sich deutlich weniger, abgesehen davon, dass auch sie weniger schlafen und weniger Sex haben – auch das belegt die Studie. Dafür füllen sie ihre neue Rolle mediengerecht und öffentlichkeitswirksam aus und gestalten sie vornehmlich als Zugewinn – als Auszeit mit der Familie, Selbstverwirklichung oder schöner Urlaub in der Elternzeit. 
 
Kinder werden von vielen jüngeren Vätern heute erfreulicherweise als Bereicherung für das Leben angesehen, aber sie sollen eben nur bereichern und nichts wegnehmen: keine Karrierechancen, keinen beruflichen Erfolg, keine Zeit für sich selbst. Kinder werden von Vätern immer noch additiv betrachtet. An dem alten Spruch: "Wenn ein Mann ein Kind bekommt, bekommt er Nachwuchs, wenn eine Frau ein Kind bekommt, verändert sich ihr Leben" ist leider noch viel dran."
 
Quelle: oben stehender ZEIT-Artikel "Nachwuchs soll Väter bereichern, nicht einschränken" (siehe Link); farbliche Hervorhebungen habe ich vorgenommen.
 

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