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Sabeth schreibt

Poesie Melancholie Philosophie Feminismus Anarchismus

Die Parallelen zwischen dem AfD-Wahlprogramm (zur Bundestagswahl 2017) und der NS-Ideologie

 
Besehen wir uns die Parallelen zwischen der NS-Zeit und dem AfD-Wahlprogramm ein wenig näher:
 
"[...] So wurden 1933 Ehestandsdarlehen an die Ehemänner ausgezahlt – mit der Bedingung, dass die zukünftige Ehefrau vor der Eheschließung berufstätig war und den Beruf aufgab. Die Abzahlung des Kredites verringerte sich um ein Viertel pro Geburt eines Kindes. Staatlich veranschlagtes Soll waren somit vier Kinder. [...]"
 
 
Und im AfD-Wahlprogramm liest sich das in Kapitel 7.6 folgendermaßen:
 
"[...] Ehe-Startkredite mit Teilerlassen für Kinder sollen Ehepaare motivieren, früher mit der Familienplanung zu beginnen."
 
Unter Punkt 7.3 spricht sich die AfD ganz unmissverständlich gegen Alleinerziehende aus, gegen diese Lebensform, also: gegen eine selbstbestimmte Entscheidung hierfür - übrigens sind nicht alle Alleinerziehenden zwangsläufig allein, ihre Kinder haben bspw. durchaus Bezugspersonen beiderlei Geschlechts wie/durch Geschwister, andere Verwandte und vor allem Freunde der Familie.
 
Unter 7.3.2 spricht die AfD sich ganz deutlich für die "Väter-", also die Maskulistenbewegung aus, die nachweislich eine frauenverachtende, frauenhassende ist, in der es nicht im Mindesten um die Kinder, deren Wohl geht, sondern um die Macht der Väter - hierzu gibt es u.a. eine aufschlussreiche arte-Dokumentation: "In nomine patris" (unten verlinkt), in welcher sich auch Männer (Kinderärzte, Soziologen ...) kritisch zu dieser sogenannten "Väterbewegung" äußern bzw. deren eigentliche Motivation, Intention und ihre Ziele benennen.
 
Unter Punkt 7.2 im AfD-Bundestagswahlprogramm findet sich folgender Passus:
 
"Die AfD will das vom Grundgesetzt geschützte und bewährte Leitbild der Ehe und traditionellen Familie mit Kindern bewahren und stärken.

Durch Aufklärung und Hilfen wollen wir junge Menschen ermutigen und in die Lage versetzen, eine Familie zu gründen und zu erhalten. Wir wollen unnötige Hemmnisse beseitigen, damit stabile Ehen und Familien entstehen und bestehen bleiben. Hiermit wollen wir schon früh beginnen, indem anerkannte Regeln zu Partnerschaft und Familie, Haushaltsführung, Lebensschutz und Kindererziehung in Lehrplänen und Schulbüchern aller allgemeinbildenden Schulen wieder fester Bestandtteil werden."
 
Was genau die AfD damit meint, lässt sie vermeintlich offen - tatsächlich wird ganz klar ausgesagt, worum es geht und: worauf man rekurriert - insbesondere durch das verräterische Wörtchen "w i e d e r", siehe dazu Nachfolgendes:
 
"[...] Der Samstag wurde ab 1934 zum „Staatsjugendtag“ erklärt, an dem alle Angehörigen von Jungvolk und Jungmädelbund (also nur die 10- bis 14-Jährigen) HJ-Dienst hatten und die übrigen Schülerinnen und Schüler die Schule besuchen mussten. Um Unterschiede bei der Stoffvermittlung zu vermeiden und sämtliche Schüler zu indoktrinieren, fand an den Samstagen kein Fachunterricht statt, sondern zwei Stunden „nationalpolitischer“ Unterricht, sowie Sport und für die Mädchen „Nadelarbeit“ bzw. für die Jungen Werkunterricht. [...]
 
Preiswert produzierte Zusatzhefte sollten die Schulbücher ersetzen oder ergänzen und die nationalsozialistische Ideologie verbreiten. Am 15. Januar 1935 veröffentlichte der Reichsminister für Erziehung und Volksbildung Bernhard Rust die Richtlinien zur Rassenkunde, in denen der Biologie der Schwerpunkt der Rassenkunde zugeordnet wurde. Auch in allen anderen Fächern solle Rassenkunde vermittelt werden.[6]
Grundlage war die Vorstellung des „politischen Soldaten“ für Jungen und der robusten nationalsozialistischen Mutter für Mädchen. Dazu diente für die männliche Jugend die Erziehung zu Willens- und Entschlusskraft, zum absoluten Gehorsam, zur Verschwiegenheit und Verantwortungsfreudigkeit sowie die Vermittlung weiterer soldatischer Tugenden. Abgewertet wurde die wissenschaftliche Erziehung, welche Hitler bereits in Mein Kampf geringgeschätzt hatte. [...]

Bis 1937 waren die Richtlinien für den Unterricht kaum verändert worden oder stammten noch aus der Weimarer Zeit. So entstand der Eindruck, als habe sich zunächst nur wenig verändert (z. B. Aufnahme von Boxen in den Unterrichtskanon der Leibesübungen)[7] Danach wurden aber unter anderem verstärkt Gymnasien in Oberschulen umgewandelt, die Fächer neu geordnet und verbliebene unabhängige Schulbuchverlage[8] aufgelöst. [...]
 
 
Unter Punkt 7.1 heißt es bei der AfD ganz unverblümt:
 
"[...] Daher sind Maßnahmen zur mittelfristigen Erhöhung der Geburtenrate der einheimischen Bevölkerung unverzichtbar [...]"
 
Wer weiß, dass die AfD es auf Biodeutschtum abgesehen hat, versteht, was hier mit "einheimischer Bevölkerung" gemeint ist: der ethnische Hintergrund - ganz schnell sind wir da wieder beim Ariernachweis, den Nürnberger Rassegesetzen.
 
Dies geht auch zweifelsfrei aus Punkt 5.10 des AfD-Programms hervor, unter welchem zu lesen ist, Zitat:

"[...] Das Geburtsortsprinzip (Erwerb der deutschen Staatsangehörigkeit allein durch Geburt in Deutschland, auch wenn kein Elternteil Deutscher ist) wollen wir wieder aus dem Gesetz streichen und zum Abstammungsprinzip, wie es bis zum Jahr 2000 galt, zurückkehren. [...]"
 
Unter Punkt 7.7 verlautbart die AfD in ihrem Wahlprogramm, die "Gender-Ideologie" sei, Zitat "verfassungsfeindlich".
 
"[...]Die Gender-Ideologie widerspricht sowohl den wissenschaftlichen Erkenntnissen der Biologie und der Entwicklungspsychologie als auch der lebenspraktischen Alltagserfahrung vieler Generationen. Wir lehnen daher Bestrebungen auf nationaler wie internationaler Ebene ab, diese Ideologie durch Instrumente wieGender-Studies, Quotenregelungen z.B. für Frauen, Propagandaaktionen wie den „Equal Pay Day“ oder die „geschlech-terneutrale Sprache“ umzusetzen. Die AfD will, dass sich die Familienpolitik des Bundesund der Länder am Bild der Familie aus Vater, Mutter undKindern orientiert. Wir lehnen alle Versuche ab, den Sinn des Wortes „Familie“ in Art. 6 Abs. 1 Grundgesetz auf andere Gemeinschaften auszudehnen und der Familie auf diesemWege den besonderen staatlichen Schutz zu entziehen."
 
Fraglos ist es bereits absichtsvoll manipulativ sowie diffamierend, von einer Gender-Ideologie zu sprechen, darüberhinaus ist es vor allem jedoch primitiv, mit Biologismus aufzufahren (im Übrigen wieder ohne seriöse Quellen zur Untermauerung dieser unwissenschaftlichen Behauptungen anzuführen - das nennt man Propaganda), Lebensrealitäten (gerade jene von Frauen, insbesondere solchen Frauen, die - aus guten Gründen - nicht dem "traditionellen" Rollenbild, -klischee folgen) gleichermaßen zu missachten wie wissenschaftlich valide Daten, Erkenntnisse, entsprechende Forschung in Bausch und Bogen zu diskreditieren.

Und vom Selbstbestimmungsrecht (siehe Art. 2 Abs. 1 Grundgesetz) und Diskriminierungsverbot (siehe Europäische Menschenrechtskonvention) will die AfD gleich gar nichts wissen, da schaltet sie auf "blind-taub-stumm".
 
Selbstredend ist einer AfD nicht an tatsächlicher Gleichberechtigung, Gleichwertigkeit, Gleichwürdigkeit der Geschlechter gelegen, daher unter anderem auch nicht an gleicher Bezahlung für gleiche Leistung - die Frau soll bitteschön wieder ins "traute" Heim, an den Herd: `raus aus dem Berufsleben, viel mehr jedoch heraus aus der (finanziellen, materiellen, sozialen) Unabhängigkeit vom Mann.
 
Der typische AfD-Wähler ist daher bekanntermaßen männlich und: sehr w ü t e n d über den Verlust seiner Privilegien, seiner Deutungshoheit und Definitionsmacht, seiner Vormachtstellung, die er unbedingt zurückerlangen will. Auf die bekannte, unterdrückende, unterwerfende, ausbeutende Weise.
 
Denn nichts fürchtet er so sehr wie das Enttarnen seiner ureigenen charakterlichen Defizite und insbesondere das Enttarnen seiner moralischen Unterlegenheit sowie seiner (sozialen, emotionalen, sexuellen, existenziellen) Abhängigkeit von der Frau.
 
Siehe entsprechend im AfD-Programm ausgeführt - nichts ist dem rechts"konservativen" Manne/Pascha (weltweit übrigens) so verhasst wie die Gleichstellung, Gleichberechtigung bzw. Gleichwertigkeit, Gleichwürdigkeit von Frau und Mann:

"7.7.2 Steuerverschwendung durch„Gender-Forschung“ beenden
Die „Gender-Forschung“ ist keine seriöse Wissenschaft,sondern folgt der ideologischen Vorgabe, dass das natürlicheGeschlecht (Sex) und das soziale Geschlecht (Gender) voneinander völlig unabhängig seien. Ziel ist letztlich die Abschaffung der natürlichen Geschlechterpolarität. Bund und Länder dürfen keine Mittel für die „Gender-Forschung“ mehr bereitstellen und keine „Gender-Professuren“mehr besetzen. Bestehende Förderlinien sollen beendet werden, die der„Gender-Ideologie“ verpflichteten „Gleichstellungsbeauftragten“ an den Universitäten sind abzuschaffen."
 
Die Rede ist von "Geschlechterpolarität" - an keiner Stelle in diesem Zusammenhang von Geschlechterparität.
 
Unter Punkt 10.4 setzt die AfD den aktuellen Status quo der faschistisch geprägten Zwangsarbeit fort, indem sie Langzeiterwerbslose zu "gemeinnütziger Bürgerarbeit" verpflichten will - die Asozialen (siehe "Schwarzwinklige" im Dritten Reich) sollen also die Drecksarbeit, d.h. die gesellschaftlich eher unbeliebten Arbeiten, ausführen. Denn: "Arbeit macht frei."

Überdies ist an dieser Stelle zu lesen, Zitat:
"[...] Wir fordern daher eine bedarfsangepasste Qualifizierung für Arbeitslose.
Diese muss in enger Abstimmung insbesondere mit der mittelständischen Wirtschaft erfolgen, bei welcher 80 Prozent der Arbeitnehmer Deutschlands beschäftigt sind. [...]"

Im Klartext heißt das:
Die AfD übergeht mal eben vollständig Artikel 12 des Grundgesetztes und möchte ganz in neoliberalem Sinne billige, leicht verfügbare, "nachwachsende" und flexibilisierbare Fronarbeiter der Wirtschaft so bequem wie hürdenlos zuführen bzw. diese bereits stattfindende Praxis (siehe das Hartz IV-System, die Agenda 2010, die inhärente Schwarze Pädagogik) fortsetzen.
 
Um die Interessen, je persönlichen Umstände, Hintergründe, Fähigkeiten, Stärken, Bedürfnisse, Möglichkeiten, Einschränkungen und Wünsche der Menschen, der Individuen, geht es der AfD - in typisch NS-ideologischer Manier - dabei ebensowenig wie der aktuellen Regierung (-spolitik).
 
Auch hat die AfD offenbar vom Unterschied zwischen Arbeitslosigkeit und Erwerbslosigkeit noch nie gehört bzw. will davon nichts wissen, hält also am gängigen, falschen, diffamierenden Arbeitsbegriff - aus bekannten, aus strategischen Gründen - fest.

Und ebensowenig scheint die AfD sich auch nur ansatzweise mit der Digitalisierung der Arbeitswelt und ihrer Folgen befasst zu haben.

Von einem BGE, d.h. einer menschenwürdigen, daher bedingungslosen, finanziellen Existenzsicherung ganz zu schweigen.
 
An keiner Stelle ist im AfD-Programm (siehe insbesondere Punkt 11.8) etwas von Hartz 4, vom Abschaffen des Alg 2, vom Abschaffen der menschenverachtenden, menschenvernichtenden Sanktionen zu lesen.
 
Unter Punkt 10.3 "Soziale Arbeitswelt" findet sich der Mindestlohn lediglich erwähnt, nicht jedoch beziffert.
Auch die AfD will folglich billige, ausbeutbare Arbeitssklaven, eine Unterschicht, "Asoziale", auf die sie herabsehen, an denen sie sich aufwerten kann/muss. Siehe, was sie, wie oben bereits genannt, entsprechend unter Punkt 10.4 ausführt.
 
Natürlich will die AfD keine Legalisierung von Cannabis (siehe unter 12.12). Mit Alkohol hat sie hingegen keine Probleme.
 
Außerdem will sie (siehe Punkt 8.3) "Förder- und Sonderschulen erhalten" - wo wir längst wissen, dass und warum Inklusion zwar unstrittig alternativlos (!) ist, aber in bisheriger Weise nicht funktionieren kann und die Sonderpädagogik im Nationalsozialismus - aus bekannten Gründen - eingeführt wurde:
 
"[...] Körperlich und geistig behinderte Schüler waren wie keine andere Schülergruppe von der „Euthanasie“ der Nationalsozialisten betroffen. Gerade erbliche Behinderungsformen und offensichtliche Missbildungen waren Bestandteil des „Gesetzes zur Verhütung erbkranken Nachwuchses“ und ließen die Schüler Opfer von Sterilisation und später Opfer der Aktion T-4 und der Kinder-„Euthanasie“ werden. Bereits ab 1933 begannen erste Bestrebungen der Sonderpädagogik die im damaligen Sprachgebrauch als „schwerschwachsinnig“ und „idiotisch“ benannten Schüler auszuschulen. Auf Grund fehlender Richtlinien der Führung wurden vielerorts zunächst Sammelklassen eingerichtet, später dann Kinderhorte, in denen die Kinder von Kindergärtnerinnen oder Jugendleiterinnen betreut wurden.[40]
 
Die AAoPr von 1938 ermöglichte es, die wenigen Schüler mit geistiger oder schwerer körperlicher Behinderung, die nach der Segregation in den Jahren zuvor, aber auch schon während der Weimarer Republik, noch Regel- oder Hilfsschulen besuchten, als „bildungsunfähig“ zu erklären. Die Einrichtung von Sammelklassen wurde als unzulässig erklärt und die bestehenden wurden aufgelöst.[41]
 
Im August 1939 kam zudem ein Erlass des Reichsministeriums des Innern hinzu, der die „Meldepflicht für mißgestaltete und idiotische Kinder“ regelte. Der Erlass war die Vorbereitung für die Kinder-Euthanasie durch den Reichsausschuß zur wissenschaftlichen Erfassung von erb- und anlagebedingten schweren Leiden, der mehr als 5000 körperlich und geistig behinderte Kinder zum Opfer fielen.[42] Um die ausgeschulten Kinder begann ein Ringen um die Zuständigkeit. Zunächst wurde das Gesundheitsamt als nicht zuständig erklärt, ab dem 29. März 1940 wurde das Jugendamt mit der Aufgabe betraut.[43] Insbesondere Mehrfach- und Schwerstbehinderte wurden in Pflege- und Betreuungsanstalten untergebracht, wo sie „leicht erfasst und den Tötungsaktionen […] zugeführt werden konnten“. [...]"
 
 
Man darf sich im Übrigen von diversen pseudo-sozialen Formulierungen im Wahlprogramm nicht täuschen lassen - sie sind ausgelegte Köder, weiter nichts.

Beim Punkt Wohnungsbau (14.2) ist bspw. mit keiner Silbe der erforderliche, soziale Wohnungsbau erwähnt.
 
Wir kennen auch diese Taktik (vorgebliche "Sozialpolitik") aus der NS-Zeit, siehe an folgendem Beispiel - im Grunde fast deckungsgleich übernommen - verdeutlicht:
 
"[...] Die Arbeitslosenzahl sank auch deshalb, weil einige Branchen (Landarbeiter, Fischereiarbeiter, Forstarbeiter, Dienstboten) aus der Arbeitslosenversicherung herausgenommen wurden; ein zusätzlicher Effekt wurde erzielt, indem Frauenarbeit verpönt und eine Kampagne gegen Doppelverdiener gestartet wurde. Insbesondere aus dem Dienstleistungsgewerbe und den höher qualifizierten Berufen wurden Frauen systematisch verdrängt und dadurch viele freie Stellen geschaffen.

Der durchschnittliche Wochenlohn lag allerdings immer noch ein Viertel unter dem Wert von 1929 [...]"

https://de.wikipedia.org/wiki/Sozialpolitik_im_Nationalsozialismus

Im AfD-Bundestagswahlprogramm liest sich das folgendermaßen:

"[...] 7.4 Familiennahe Betreuung würdigen Kinder unter drei Jahren fühlen sich am wohlsten, wenn sie durch die eigenen Eltern betreut werden. Es muss wieder möglich sein, dass eine Familie mit kleinen Kindern von einem Gehalt leben kann, so dass die Eltern frei zwischen Berufstätigkeit oder Erwerbspause entscheiden können. Der Staat muss dafür die elterliche Betreuung genauso finanziell unterstützen wie Kitas und Tagesmütter. [...]"

Hiermit ist jedoch keineswegs ein eigentsändiges Sorge-Gehalt für Sorge-Arbeit Leistende gemeint, das Sorgende (Fürsorge-Arbeit Leistende) finanziell unabhängig machen würde/könnte, sondern: Es soll einen Hauptverdiener geben, der unzweifelhaft der Mann, der Patriarch, ist, dies nach AfD-Vorstellungen sein soll (eben deshalb spricht die AfD sich gegen gleiche Bezahlung, gegen Alleinerziehende, gegen gender studies und für die "Väterbewegung" aus) - die Frau soll, wie auch die gemeinsam zum Volkserhalt gezeugten, biodeutschen Kinder (siehe 7.1 "Deutschland nicht abschaffen"), von dem einen Gehalt - jenem des Mannes/Haushaltsoberhauptes also - "mitleben" können, dies gnädigerweise dürfen - Klartext: Die Frau soll vom und durch den Mann in Abhängigkeit gehalten werden.

Man will mittels all der verklausilierten, verharmlosenden Formulierungen schlicht auf hinterhältige Art eine doch möglichst breite Wählerschaft erreichen, ködern (Rechtspopulismus), daher gibt man sich den Anstrich der vermeintlich "gutbürgerlichen Mitte", die man vorgeblich verkörpert, die man jedenfalls vereinnahmen, für eigene Zwecke manipulieren, benutzen will: zur Machtergreifung.

Siehe bspw. zu
Punkt 1.4 "Volksabstimmungen nach Schweizer Vorbild", warum dies gerade nicht demokratisch, sondern antidemokratisch intendiert ist - in nachfolgend Verlinktem erläutert:
 
"[...] Die AfD will einen Umbau des Staates. Das Vehikel dazu ist die Forderung nach einer direkten Demokratie, wobei man sich auf das Schweizer Vorbild beruft. Die AfD geht davon aus, dass in Deutschland die Volkssouveränität eine Fiktion sei. „Heimlicher Souverän“ ist „eine kleine, machtvolle politische Führungsgruppe innerhalb der Parteien“, eine „politische Klasse von Berufspolitikern“, die sich um ihr eigenes „Wohlergehen“ und ihre Macht kümmert und den Staat „ausbeutet“. Generell will man die Macht der Parteien beschränken, da sie den Staat ausbeuten. Paradoxerweise konstituiert sich die AfD selbst als Partei, will aber ein ganz anderer Typ Partei sein als die von ihr kritisierten Altparteien. Wie geht das?
 
Es gibt im Programm eine interessante Formulierung: Die Abgeordneten seien „Mandatare“ der Bürger, nicht der Parteien. Das widerspricht natürlich dem Grundgesetz, das von einem freien Mandat der Parlamentarier ausgeht, auch wenn in der Praxis der Fraktionszwang überwiegt. Allerdings fordert die AfD auch nicht das imperative Mandat, wie wir es aus der Rätebewegung kennen. Und wir kennen aus der athenischen Demokratie das Prinzip des Losverfahrens. Soviel Radikalität traut sich die AfD offensichtlich nicht zu.
 
Die Idee des Mandatars verweist auf etwas anderes. Erinnern wir uns an den völkischen Volksbegriff. Das Volk als Kollektiv-Subjekt ist keine empirische Größe, das man gewissermaßen am Stammtisch vorfindet. Das Volk ist vielmehr eine Art metaphysische Größe, die aber mit Willen und Geist (Volksgeist) ausgestattet ist. Wie aber kann man den Willen des Volkes erkennen? In Wahlen können lediglich empirisch Mehrheiten festgestellt werden. Mehrheiten sind aber nicht gleichbedeutend mit dem Willen des Volks (als metaphysischem Subjekt), sondern immer nur Bestandteil eines plural zusammengesetzten Meinungsspektrums. Wenn dagegen der Populist (oder der völkische Nationalist) sich auf das Volk beruft, es gegen die Eliten in Stellung bringt, dann kann er das nur, weil er ein „moralisches Alleinvertretungsrecht“ (Jan-Werner Müller) in Anspruch nimmt. Mit anderen Worten: Der Populist weiß immer schon, was das Volk denkt und was des Volkes Wille ist. Er repräsentiert das, ob er nun gewählt wird oder nicht. Er ist eben Mandatar des Volkes bzw. der Bürger, was heißt, er unterschiebt dem sog. Volk das, was er als Volkswille behauptet. Gewinnt er damit Abstimmungen, umso besser.
 
Geht man von diesen Überlegungen aus, so ist das, was die AfD zur direkten Demokratie schreibt, ein Fake. Es geht gar nicht darum, den Bürgern eine größere Teilhabe am politischen Geschäft zu verschaffen. Vielmehr geht es darum, erinnern wir uns an die Weimarer Republik, Volksbegehren und Volksentscheide gegen das System der parlamentarischen Demokratie, gegen das Parteiensystem in Stellung zu bringen. In dieser Hinsicht ist eine weitere Forderung auf dem AfD-Parteitag in das Programm gerutscht, nämlich die Direktwahl des Bundespräsidenten, um diesen in seinem Amt aufzuwerten. Das erinnert ebenfalls an die Weimarer Republik, denn die parlamentarische Demokratie wurde nicht nur von der Seite direktdemokratischer Verfahren, sondern auch von der Rolle des Reichspräsidenten in der Verfassung in die ‚Zange’ genommen. Und wir wissen, dass die extreme Rechte in der Weimarer Republik sich die Stärkung der Autorität des Reichspräsidenten (plebiszitär abgesichert) auf die Fahnen schrieb, um die Republik aus den Angeln zu heben. Davon ist die AfD sicherlich noch weit entfernt, aber sie strebt, getragen vom angeblichen ‚Volkswillen’, parlamentarische Mehrheiten an, mit denen sie möglicherweise den Umbau des Staates in diese Richtung betreiben könnte."

Quelle: diss-duisburg.de - "Helmut Kellershohn: AfD-Sondierungen (5)", farbliche Hervorhebungen habe ich vorgenommen.
 
Zu Punkt 1.15 des AfD-Wahlprogramms - der "bürgerlich-freiheitlichen Rechtsordnung", unter welchem die AfD sich gegen Quotenregelungen ausspricht, ist festzustellen, dass es immer dann und so lange einer solchen Regelung bedarf, als de facto Etliches sich nicht (nur) durch Gesetze allein regeln lässt bzw. eine tatsächliche Gleichberechtigung und insbesondere Gleichwertigkeit und -würdigkeit der Geschlechter durch das Umgehenkönnen von Gesetzen, durch deren "Beugung" und durch außerdem das Vorgehen, Verhalten in zwischenmenschlichen Bereichen, die sich nicht vollständig gesetzlich regeln lassen können und sollen, ausgehebelt wird.

So lange Frauen für gleiche Arbeit, Leistung bei gleicher oder sogar besserer Qualifikation schlechter bezahlt werden als Männer, so lange Frauen als (gratis) Sorge-Arbeiterinnen ausgebeutet und damit vorsätzlich benachteiligt, diskriminiert und beschädigt werden (siehe materielle Armut mit all ihren Belastungen, Einschränkungen, Entbehrungen als Folge - nicht nur, aber gerade auch Altersarmut), so lange bedarf es entsprechender Regulierungen zum Ausgleich/Auffangen der nach wie vor bestehenden Diskriminierungen, Benachteiligungen von Frauen.

Aus gleichen Gründen ist die AfD gegen das Antidiskriminierungsgesetz (siehe Punkt 1.15.1) - es geht hierbei schlicht um den Privilegienerhalt des weißen, biodeutschen Mannes
 
So gleichermaßen unter Punkt 7.5 "Schutz des ungeborenen Lebens" - siehe die Ausführungen im AfD-Programm:

"[...] Bereits vorher muss aber die Gesellschaft in Familien, Schule und Medien den Respekt vor dem Leben und ein positives Bild von Ehe und Elternschaft vermitteln. Die Schwangerschaftskonfliktberatung muss tatsächlich dem Schutz des Lebens dienen. Wie vom Bundesverfassungsgerichtzur Bedingung gestellt, ist regelmäßig die Wirksamkeit der Beratungsscheinregelung zu überprüfen. Gegebenenfalls ist durch gesetzliche Korrekturen ein wirksamer Lebensschutz zu gewährleisten. Um realistische Abtreibungszahlen erheben zu können, muss die Meldepflicht für Abtreibungen verbessert werden. Eine Unterlassung der Meldung seitens des ausführenden Arztes muss spürbare Sanktionen nach sich ziehen. [...]"

Wiederum spricht die AfD sich also für die patriarchalische Ehe aus, überdies gegen das Selbstbestimmungsrecht der Frau und sie (die AfD) will sogar eine "Meldepflicht für Abtreibungen" inklusive Sanktionen, bei nicht erfolgtem "Meldungmachen".

Die AfD will folglich den totalen Zugriff auf Kinder - insbesondere auf biodeutsche und somit auf Mütter, Frauen - siehe den Passus "ist durch gesetzliche Korrekturen ein wirksamer Lebensschutz zu gewährleisten".

Ich habe mich an anderer Stelle im blog bereits ausführlich zum Schwangerschaftsabbruch geäußert, siehe eine ausführliche Auseinandersetzung mit dem Thema an eben dieser Stelle (unten verlinkt).

Im nächsten, zu erwartenden Schritt wird die AfD dann - mittels entsprechender "gesetzlicher Korrekturen" - MedizinerInnen, die Abtreibungen vornehmen und abtreibende Frauen mit Geldbußen oder gar Freiheitsstrafen belegen. Wir hatten das alles bereits und es ist das Erschweren von Schwangerschaftsabbrüchen bei unseren europäischen Nachbarn wieder Gegenwart, siehe am Beispiel von Polen und Spanien.

Die AfD verlautbart unter demselben Punkt auch, Zitat:
"[...] Solchen Ängsten will dieAfD durch konkrete Hilfen für Familien in allen Lebenslagenvorbeugen, insbesondere den lebensrettenden Ausweg der Adoption erleichtern und fördern. [...]"

Dass und warum Adoption keineswegs grundsätzlich "lebensrettend" ist (siehe Problem der Identitätsbildung/-findung, siehe Problem der geschlossenen Adoption, der Wurzelsuche, der häufig lebenslangen Belastungen hierdurch, von schwierigen Verhältnissen zwischen Adoptierten und ihren Adoptionsfamilien, -eltern gar nicht erst anzufangen ...), dass und warum mann sich so vehement wie patriarchal für den vermeintlichen/sogenannten "Schutz des ungeborenen Lebens", tatsächlich: für die Verfügbarkeit und Annexion des weiblichen Körpers sowie für die Einschränkung, Beschneidung der (phyisischen, psychischen, sozialen, finanziellen ...) Selbstbestimmung der Frau einsetzt und sich um das dann geborene Leben und die Sorgen und Nöte der Mütter zumeist einen feuchten Kehricht schert, die Mütter überdies nach dem artigen, gehorsamen Gebärthaben noch zusätzlich und weiterhin auf welche Weise und aus welchen Gründen massiv belastet, benachteiligt, ausbeutet, habe ich ebenfalls an anderer Stelle im blog bereits ausgeführt (siehe unten verlinkte blog-Einträge zum Schwangerschaftsabbruch, zur Sorge-Arbeit, Mutterschaft etc.).

Mit einem "Familiensplitting" (11.2), was/wie immer das genau sein, gehandhabt werden soll, ist es nicht getan - erforderlich ist ein eigenständiges Sorge-Gehalt für Sorge-Arbeit Leistende und dies in angemessener Weise/Höhe, also menschenwürdig und existenzsichernd. Keine "Herd-Prämie".

Erst damit hätten vor allem Frauen eine echte Wahlfreiheit, ob und wann sie Kinder bekommen, ob und wann sie in den Beruf wie zurückkehren wollen; einhergehend bedarf es allerdings auch entsprechend angepasster Arbeits- und Wohnformen, -strukturen: weg von der "traditionellen", patriarchalen Kleinfamilie, hin zu gemeinschaftlichem Wohnen in familiären Strukturen, d.h. in Wahlverwandtschaften mit Gleichgesinnten, Freunden, generationenübergreifend, bedürfnisorientiert.
 
Zum Unsinn der "deutschen Leitkultur" - siehe Punkt 9.1 des AfD-Wahlprogramms - habe ich mich ebenfalls bereits ausführlich geäußert, siehe unten verlinkten blog-Eintrag hierzu.
 
Nochmal ganz neoliberal wird es unter Punkt 10.6 "Wirtschaftspolitik (...)":

Die AfD will erneuerbare Energien nicht mehr fördern, Zitat "Förderung zurückfahren", sie will bereits in Schulen/Unterricht und in Bezug auf Steuern alles an den Wünschen der Wirtschaft, der inländischen Unternehmen, des hiesigen Wirtschaftswachstums (Steigerung desselben) ausrichten - statt: eine an menschlichen, auch immateriellen Bedürfnissen ausgerichtete Gemeinwohlökonomie und gerade transnational faire Handelsabkommen anzustreben. Siehe hierzu bspw. auch das "Alternative Handelsmandat" von attac. An solchem hat die AfD selbstredend nicht das geringste Interesse. 
 
Unter Punkt 3.6 geht es entsprechend vorrangig um Expansion deutscher Unternehmen in Entwicklungsländer - wie gehabt also um nur eigene Profitmaximierung zu Lasten derer, die hierbei ausgebeutet werden, um nach wie vor Kolonialismus und gerade nicht um fairen, gerechten Handel auf Augenhöhe.
 
Siehe Punkt 3.5:
"[...] Die AfD fordert den diskriminierungsfreien Zugang zu ausländischen Import- und Exportmärkten für deutsche Unternehmen. Dazu gehören auch der Zugang zu Rohstoffen und die Freiheit der Handelswege. [...]"
 
Die G20 könnten es nicht "schöner" (euphemistischer) formulieren.
 
Im Übrigen hofiert und pampert die AfD ebenfalls in neoliberaler Manier die Reichen, Superreichen (siehe deren multinationale Unternehmen, Großkonzerne ... - mit entsprechendem, politischen "Einfluss", Macht), deren Reichtum fast ausnahmslos nicht durch Arbeit, durch "Leistung" entstanden ist und durch Selbstvermehrung ausufert, sondern durch korrupte, teils menschenverachtende Geschäfte sowie insbesondere durch Vererben.
Mitnichten geht es der AfD hierbei um kleine, durchschnittliche "Familienerbe".

Siehe, was hierzu im AfD-Programm unter Punkt 10.1 "Steuern" aufgeführt ist:
"[...] Die AfD ist für eine Abschaffung der Erbschaftsteuer als Substanzsteuer und gegen die Reaktivierung der Vermögensteuer. [...]
Die Übergabe von Vermögen – auch und gerade in Unternehmen gebundenes – ist Privatangelegenheit und darf nicht dem Staatszugriff ausgesetzt werden."
 
Unter Punkt 4.3 proklamiert die AfD das Herabsetzen des Strafmündigkeitsalters auf unfassbare 12 Jahre (statt wie bisher 14 Jahre). Auch das kennen wir aus der NS-Zeit:
 
"[...] Im Vorläufer des Strafgesetzbuches, dem Reichsstrafgesetzbuch von 1871[1], trat eine Strafmündigkeit mit dem vollendeten 12. Lebensjahr ein. Sie wurde durch § 56 bis zum 18. Lebensjahr abhängig von der für die „Strafbarkeit erforderlichen Einsicht“ relativiert, und der Angeschuldigte konnte dann seiner Familie überwiesen oder in eine Erziehungs- oder Besserungsanstalt gebracht werden. Diese Regelung bestand auch schon im Strafgesetzbuch für den Norddeutschen Bund vom 31. Mai 1870.
 
Durch das in der Weimarer Republik am 16. Februar 1923 neu erlassene Jugendgerichtsgesetz wurde die Strafmündigkeit in § 2 auf 14 Jahre angehoben. Der § 3 regelte die Relativierung anhand der „verstandesmäßigen Einsichtsfähigkeit“ und erstmals anhand der „geistigen und sittlichen Entwicklung“. Als zweite Schiene wurde schon 1922 das erste Reichsjugendwohlfahrtsgesetz beschlossen, nach dem erziehungsbedürftige Jugendliche (zeitgenössisches Stichwort: „Verwahrlosung“), die nicht strafbar geworden sind, in die Zuständigkeit von Vormundschaftsrichter und Jugendamt fielen, wobei die Umsetzung anfangs sehr zögerlich verlief.
 
Mit der „ersten Verordnung zum Schutz gegen Jugendliche Schwerverbrecher“ im Dritten Reich vom 4. Oktober 1939 wurden Jugendliche ab dem 16. Lebensjahr den Erwachsenen gleichgestellt, wenn sie nach ihrer „geistigen und sittlichen Entwicklung einer über achtzehn Jahre alten Person gleichzuachten“ waren und die „bei der Tat gezeigte, besonders verwerfliche verbrecherische Gesinnung oder der Schutz des Volkes eine solche Bestrafung erforderlich“ machte (§ 1 Abs. 2). Mit dem Reichsjugendgesetz vom 6. November 1943 sank die Schuldfähigkeit wieder auf 12 Jahre. [...]"
 
Quelle: Wikipedia - "Strafmündigkeit"
 
Unter Punkt 4.4 "Polizeireform" spricht sich die AfD für, Zitat: 

"Bundeseinheitliche, modernste und lageangepasste Bewaffnung und Ausrüstung (u.a. Bodycam, Taser)"

aus.
 
Die Taser (Elektroschockpistolen) können ohne Übertreibung als Foltergeräte bezeichnet werden. Es sollen damit insbesondere auch Menschen, die sich suizidieren möchten, zwangsweise (siehe also strukturelle Staats-, ExekutivGEWALT) von ihrem Recht auf selbstbestimmten Tod nicht "Gebrauch machen" können/dürfen. Auch dies ist ein umfassendes, eigenes Thema - Freitod und Hintergründe sowie insbesondere die Gründe dafür, warum er noch immer tabuisiert wird und noch immer verboten ist und: bleibt.  

Unter Punkt 4.5 "Bessere Fahnungsmöglichkeiten" heißt es:
"Für die Verbesserung der Fahndungsmöglichkeiten sollen die Polizeibehörden an kriminalitätsneuralgischen öffentlichen Plätzen und Gebäuden eine Videoüberwachung mit Gesichtserkennungssoftware einsetzen können. [...]"

Einen autoritären Polizei- und Überwachungsstaat also - noch mehr, noch intensivere ExekutivGEWALT, noch mehr Beschränken der Freiheitsrechte - unter dem schmutzigen Deckmantel vorgeblich dadurch gewährleisten zu könnender "Sicherheit".

Bei Punkt 5.1 "Die demografischen Probleme Europas und Afrikas" kann einem schließlich nur übel werden, denn dort heißt es in widerwärtigster Agitationsmanier mittels primitivstem, manipulativem Ängsteschüren, Untergangsszenario-Inszenieren, Zitat:

"[...] Die derzeit in Europa lebenden rund 590 Millionen Menschen werden sich im gleichen Zeitraum zahlenmäßig auf ca. 540Millionen verringern, wovon ein Drittel über 60 Jahre altsein wird. Im Verhältnis zum wohlhabenden Europa stellt Afrika ein Armenhaus der Welt dar. Aus beiden Ursachen – dem Bevölkerungswachstum Afrikas und dem Wohlstandsgefälle zu Europa – entsteht ein Wanderungsdruck, der Dimensionen einer Völkerwanderung hat. Sozialgeografische Fachleute sind seit langem in der Lage, diesen Wanderungsdruckzu quantifizieren. Im arabischen Raum werden 23 Prozentder Bevölkerung als auswanderungswillig eingeschätzt, in Afrika unterhalb der Sahara etwa 37 Prozent. In absolutenZahlen sind dies derzeit rund 350 Millionen wanderungs-willige Menschen, überwiegend junge Männer. Bis 2050 wird sich deren Zahl auf rund 950 Millionen erhöhen. Eine zunehmende Zahl sogenannter „Failed States“ und fehlende Geburtenkontrollen tragen ihren Teil zu dieser schier unlösbaren Situation bei.
 
Vor diesem Problemhintergrund ist offensichtlich, dass Wanderungsbewegungen von Afrika nach Europa im zu erwartenden Umfang unseren Kontinent in wenigen Jahrendestabilisieren können. [...]"
 
Die Ursachen, die zu diesem "Wohlstandsgefälle" führ(t)en (siehe Kolonialismus, auch heutige, unfaire Handelsabkommen Europas mit Afrika - siehe die EPAs ...), benennt die AfD perfiderweise nicht.
Auch belegt sie die von ihr genannten Zahlen an keiner Stelle mittels Quellen, validen Daten, Fakten - nun ist die AfD ja bekannt für das Verbreiten von fake news, von "alternativen Wahrheiten", aber so leicht sollte man es ihr dann doch nicht machen und ihr den braunen Mist sogar noch widerstandslos aus der Hand fressen.

All die Ursachen, die überdies zu Flucht, Migration (nicht nur, aber auch aus wirtschaftlichen Gründen) führen, benennt die AfD ebenfalls abstoßenderweise nicht - siehe deutsche Abkommen mit Schurkenstaaten, Despoten und "unsere" lukrativen Waffenlieferungen in solche Staaten sowie die Stellvertreterkriege, die Unterstützung, Ermöglichung derselben, den Rohstoff- und Landraub gerade in Afrika, die Folgen, Probleme des Klimawandels, den nicht die Dritte-Welt-Länder verursachen und noch etliches andere mehr - auch dazu Ausführliches unten verlinkt (entsprechender blog-Eintrag über globale Migration/Migrationsgründe ...).

Letztlich schürt die AfD wiederum nur die Angst vor und den Mythos vom "großen Austausch" sowie jenen von der "Überbevölkerung". Beides nachweislich Nonsens.


Fazit:
Dieses AfD-Programm lässt den Rechtsextremismus, die ideologischen Wurzeln/die ideologische Heimat der AfD, die gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit - Homophobie, Misogynie, Rassismus, Behindertenfeindlichkeit, Diffamierung von auch Erwerbslosen, sogenannten "Asozialen", einhergehend: Hass, Hetze, Abwehr, Ausgrenzung, Abwertung, Neid, Scham, narzisstisches Machtstreben, Unterwerfung, Ausbeutung - also Kompenstionsverhalten - bereits sehr deutlich erkennen.
 
Diese Partei ist demgemäß unwählbar, denn sie ist weit entfernt davon, nur konservativ-bürgerlich zu sein:
 
Die AfD ist nachweislich gegen eine offene, diverse Gesellschaft, für Demokratieabbau. Ganz in NS-ideologischer "Tradition".
 
Und das zeigt sich, sie selbst nicht nur in ihrem Wahlprogramm in aller Deutlichkeit.
 
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AfD-Bundestagswahlprogramm (vom 22./23. April 2017)

afd.de

Weitere Parallelen zwischen damals (Weimarer Republik) und heute finden sich bspw. auch an dieser Stelle - siehe die damalige und heute wieder in gleicher Weise durch die AfD, die "Neue Rechte", die Identitäre Bewegung, die Rechtspopulisten getätigte Agitation:

"[...] „In diesen Nächten wuchs mir der Hass, der Hass gegen die Urheber dieser Tat“, schrieb Hitler in „Mein Kampf“ und hielt unmissverständlich fest, wer für ihn die „Urheber“ waren: „Mit dem Juden gibt es kein Paktieren, sondern nur das harte Entweder – Oder. Ich aber beschloss, Politiker zu werden.“

Selbstverständlich erschuf Hitler hier seine eigene Legende. Seine tatsächliche Entscheidung, in die Politik zu gehen, fiel erst zwei Jahre später. Und natürlich waren nicht Juden verantwortlich für die Niederlage Deutschlands. Aber es ist kennzeichnend, dass er diese Wende in seinem Leben an eben jenem historischen Punkt ansetzte, als das Deutsche Reich seine bis dahin tiefste Niederlage erlebte. Aus dem Moment der absoluten Ohnmacht heraus, der Empfindung, Opfer zu sein und Vergeltung üben zu müssen, erwuchs sein Entschluss. Nicht konstruktiver politischer Gestaltungswillen, sondern Hass bildete die Emotion, mit der Hitler seinen Eintritt in die Politik begründete.

Schon während des Krieges hatte der Antisemitismus, insbesondere der Vorwurf, „jüdische Schieber“ und „Kriegsgewinnler“ verdienten Millionen, während die Bevölkerung hungern müsste, rasch an öffentlicher Resonanz gewonnen. Tatsächlich aber hatte imperialistische Überheblichkeit das Deutsche Reich in den Krieg getrieben, und die Siegesgewissheit war schnell in den fürchterlichen Schlachten des Weltkrieges zerstoben. Da das Reich nicht auf einen längeren Krieg vorbereitet war, mangelte es bald an Lebensmitteln und anderen Versorgungsgütern. Und schon seit 1915 protestierten die Arbeiter mit Streiks gegen die schlechten Lebens- und Arbeitsbedingungen. Antisemiten machten „die Juden“ zu Sündenböcken und verdächtigten sie sogar, sich vor dem Militärdienst zu drücken. Deshalb wurde im Oktober 1916 eine offizielle „Judenzählung“ im deutschen Heer durchgeführt. Da diese Maßnahme willkürlich und ohne Konzept vorgenommen wurde und die Zahlen dieses antisemitische Vorurteil vermutlich bloßstellten, wurden die Ergebnisse nicht veröffentlicht, was die antisemitische Kampagne noch verstärkte. Als sich nach dem unerwarteten Eingeständnis der Obersten Heeresleitung Ende September 1918, dass der Krieg nicht mehr gewonnen werden könne, plötzliche Ernüchterung einstellte, wurden vielfach „die Juden“ ebenso wie die politische Linke, die die Arbeiter zu Streiks aufgewiegelt habe, für die Niederlage verantwortlich gemacht. Revolutionäre mit jüdischer Herkunft wie Rosa Luxemburg, Hugo Haase oder Eugen Leviné schienen die antisemitische wie antikommunistische Weltsicht zu bestätigen, dass es „jüdische Bolschewisten“ seien, die dem deutschen Heer einen „Dolch in den Rücken“ gestoßen hätten und nun den Umsturz wollten. [...]"
 
Wie damals den Juden die Sündenbockfunktion oktroyiert wurde und sie zum Feind beschworen wurden, sind es heute die Geflüchteten, insbesondere Muslime.
Und auch heute wird die politische Linke wieder diffamiert.

"[...] Obwohl die britische und die US-amerikanische Regierung die Notwendigkeit von Nachverhandlungen über den Zahlungsmodus der Reparationsforderungen anerkannten und verhindern wollten, dass das Deutsche Reich durch eine hohe Schuldenaufnahme ökonomisch in die Krise geriet, war der Versailler Vertrag eine schwere Belastung für die Republik. Denn die Rechte mobilisierte mit aller Kraft gegen das „Schanddiktat von Versailles“ und nutzte jede Gelegenheit, republiktreue Politiker als „Erfüllungspolitiker“, „Novemberverbrecher“ und „Handlanger der Alliierten“ zu diffamieren. Auch die Mordanschläge auf den früheren Reichsfinanzminister und Unterzeichner des Waffenstillstandes Matthias Erzberger (Zentrum), den Industriellen und Reichsaußenminister Walther Rathenau (DDP) und andere zielten darauf, im aufgebrachten politischen Klima den Bürgerkrieg zu provozieren.
 
Gründung der NSDAP
In diesem politischen Umfeld gründeten in München der Eisenbahnschlosser Anton Drexler und der Journalist Karl Harrer am 5. Januar 1919 die Deutsche Arbeiterpartei (DAP), eine von vielen rechtsextremen, völkischen Gruppen, die den Kampf gegen die „Novemberverbrecher“, gegen den „jüdischen Bolschewismus“ und Marxismus auf ihre Fahnen geschrieben hatten. In ihrer radikalen Ablehnung des Versailler Friedensvertrages 1919 als „Diktat“ und „Schande“ waren die Völkischen nicht randständig, denn die harten Bedingungen des Vertrages lehnten auch weite Teile des Bürgertums bis hinein in die Sozialdemokratie ab. In der hämischen Kritik am liberalen Rechtsstaat der Weimarer Republik und am parlamentarischen System unterschied sich die DAP wenig von anderen rechten Gruppierungen. Ebenfalls trieb sie wie etliche andere rechtsextreme Organisationen ein radikaler Antisemitismus um. Was indessen die Nationalsozialisten von anderen Antisemiten unterschied, war die Bereitschaft zur Gewalt. Für Hitler galt nur ein Antisemitismus der Tat.

Hitler, der 1919 noch für die Reichswehr tätig war, um die rechtsradikale Szene in München zu bespitzeln, erhielt im September den Auftrag, eine Versammlung der DAP zu besuchen. Drexler entdeckte rasch das Rednertalent Hitlers und warb ihn an, wie auch er in der Gruppe ein Betätigungsfeld für seine politischen Ambitionen sah. Hitler, der kurz darauf aus der Reichswehr ausschied, um sich ganz auf die Parteiarbeit zu konzentrieren, wurde zum Hauptredner der Partei; über seine öffentliche Agitation – er bestritt jede Woche mehrere Versammlungen – gewann die Nationalsozialistische Arbeiterpartei Deutschlands, wie sie seit Februar 1920 hieß, zunehmend mehr Mitglieder.

Im Winter 1919/1920 arbeiteten Drexler und Hitler das Parteiprogramm aus, das im Laufe der nächsten Jahre für unabänderlich erklärt wurde. Viele der 25 Punkte unterschieden sich in ihrer Zielsetzung nicht von anderen völkischen Programmen der Zeit. Gefordert wurden die Aufhebung des Versailler Vertrages, der Anschluss Österreichs, die Rückgabe der Kolonien und die Verstaatlichung von Großbetrieben. Für den Mittelstand wurde die Auflösung der Warenhäuser zugunsten der kleinen Gewerbetreibenden verlangt, für die Bauern in einer schwammigen Formulierung eine den „nationalen Bedürfnissen angepasste Bodenreform“. Von dem damals bekannten völkischen Wirtschaftstheoretiker Gottfried Feder stammte die Forderung nach „Brechung der Zinsknechtschaft“, was die Abschaffung von Einkommen aus Zinserträgen bedeuten sollte. „Arbeit“, vor allem Handarbeit, stand im Mittelpunkt und die Parole: „Gemeinnutz geht vor Eigennutz“. Insbesondere zielte das Programm auf die Herstellung einer „Volksgemeinschaft“ ohne Juden. Unter Punkt 4 hieß es klipp und klar: „Staatsbürger kann nur sein, wer Volksgenosse ist. Volksgenosse kann nur sein, wer deutschen Blutes ist, ohne Rücksicht auf Konfession. Kein Jude kann daher Volksgenosse sein.“ [...]
 
Bald war Hitler der häufigste Redner der NSDAP mit mehreren öffentlichen Auftritten in der Woche, der mit seinen Ausfällen gegen die Republik, insbesondere gegen die sozialdemokratisch geführte Reichsregierung in Berlin, gegen den Versailler Vertrag und gegen die Juden überhaupt rasch bekannt und von einflussreichen, rechten Kreisen protegiert wurde. [...]"

Wer an dieser Stelle (siehe durch mich vorgenommene, farbliche Hervorhebungen) noch immer keine Parallelen zum AfD-Bundestagswahlprogramm und zum Agieren, Agitieren der AfD erkennen kann bzw. will, enttarnt sich damit selbst in aller Deutlichkeit als Rechtsextremist, als Rassist.
 
"[...] Zwar stellte die NSDAP zu dieser Zeit in München nur eine unter etlichen völkischen Gruppen dar. Aber es gab honorige und vor allem vermögende Gönner der jungen Partei wie den Verleger Julius F. Lehmann, der mit medizinischen Fachbüchern viel Geld verdiente, das er rechtsextremen Organisationen zukommen ließ, oder Rudolf Freiherr von Sebottendorf, den Vorsitzenden der sogenannten Thule-Gesellschaft. Diese war ein exklusiver völkischer Klub, dem unter anderen Julius F. Lehmann, Gottfried Feder, Rudolf Heß und Hans Frank angehörten, und zu dem andere, wie der einflussreiche Publizist Dietrich Eckart sowie der spätere NSDAP-Führer Alfred Rosenberg, Kontakt hielten. Sebottendorf kaufte, um die völkische Agitation zu forcieren, die Zeitung „Münchner Beobachter“, die im August 1919 ihren Namen in „Völkischer Beobachter“ änderte. Immer wieder unterstützten in diesen frühen Jahren wohlhabende Sympathisanten, wie der junge Geschäftsmann Kurt Lüdecke, der Klavierfabrikant Edwin Bechstein oder der Verleger Hugo Bruckmann samt ihrer Ehefrauen, die finanzschwache Partei mit zum Teil beträchtlichen Spenden. [...]"
 
Siehe die Parallele zu Götz Kubitscheks "Antaios-Verlag", insbesondere, welche Bücher er in der "Reihe Kaplaken" herausgibt.
Siehe Kubitscheks Zeitschrift "Sezession" sowie seinen blog "Sezession im Netz".

Siehe Zeitungen wie die "Junge Freiheit" - das Sprachrohr der AfD.
Siehe rechtspopulistische und rechtsextremistische blogs wie "achgut.com", "Tichys Einblick", "pi-news", Medien wie "Compact", Rechtspopulisten wie Thilo Sarrazin.
 
Und siehe unten verlinkt (lobbypedia.de), wer heute die AfD finanziell mittels Spenden unterstützt, fördert, ihr zu Einfluss, zu Macht verhilft.
 
"[...] Die militante Aufkündigung staatsbürgerlicher Loyalität darf nicht unterschätzt werden. Denn sie war Ausdruck dafür, wie sich der Hass gegen das Weimarer „System“ verstärkte, das anscheinend nicht in der Lage war, die wirtschaftliche Not zu lindern und die bedrängten Bauern gegen die ruinösen Ansprüche der Gläubiger zu schützen. Die staatliche Pflicht zur Zwangsvollstreckung, wenn der Gläubiger vor Gericht die Eintreibung seiner Schulden erstritten hatte, erschien den Betroffenen als Parteinahme des bürgerlichen Staates für das anonyme, kalte, „raffende“ Kapital. Der rasante Aufstieg der Nationalsozialisten innerhalb weniger Jahre ist daher nicht allein mit der sozialen Misere zu erklären, sondern bedurfte auch dieser politischen Ablösung aus der Loyalität zur bürgerlichen Rechtsordnung und der Hinwendung zu Selbsthilfe und Gewalt. [...]
 
Inhaltlich richtete sich die NS-Propaganda in den Wahlkämpfen 1928 und 1930 gegen die Sozialdemokraten, denen Verrat wegen ihrer Zustimmung zum Versailler Vertrag, Korruption und Bonzentum vorgeworfen wurde. Als „Büttel der jüdischen Hochfinanz“ treibe die SPD Deutschland in den Abgrund. Nicht zuletzt mobilisierten die Nationalsozialisten im „Kampf gegen den Marxismus“ die antikommunistischen Ängste des Bürgertums auch gegen die Sozialdemokraten. Zwar stand der Antisemitismus nicht ausdrücklich in der Propaganda im Vordergrund, aber Weimarer Republik, Demokratie und Judentum wurden im „Kampf gegen das System“ untrennbar miteinander verknüpft. Im Reichstagswahlkampf 1930 wurden die politischen Repräsentanten der Republik als Juden dargestellt und die Forderung gestellt: „Deutsches Volk, Du hast zu wählen“. [...]"

All die sprachlichen und inhaltlichen, programmatischen Übereinstimmungen sind schlicht nicht von der Hand zu weisen, sondern springen einem förmlich ins Auge.

Heute werden die "politischen Repräsentanten" nicht (nur) als Juden, aber in ähnlicher Bedeutung als "Volksverräter" bezeichnet, diffamiert, siehe allerdings, wie die AfD kürzlich Martin Schulz (SPD) als Juden "karikierte". 
 
"[...] Insgesamt hatte sich die politische Landschaft mittlerweile nach rechts verschoben. In der Deutschnationalen Volkspartei, die in den Reichstagswahlen 1928 zwar fast ein Drittel ihrer Wähler verloren hatte, aber dennoch nach der SPD zweitstärkste Fraktion des Reichstags blieb, hatte der rechtsnationalistische Chef eines weit verzweigten Presse- und Filmkonzerns, Alfred Hugenberg, die Wahlniederlage genutzt, um die bisherige nationalkonservative Parteiführung abzulösen und sich an die Spitze der Partei zu stellen. Auch im katholischen Zentrum übernahm mit dem Trierer Prälaten Ludwig Kaas eine deutlich national-autoritäre Figur die Führung der Partei und drängte den sozialen Katholizismus an den Rand. Und wer die Wahlen in jenen Monaten aufmerksam beobachtete, konnte den unaufhörlichen Aufstieg der NSDAP kaum übersehen.

Bei den Landtagswahlen in Sachsen im Mai 1929 stieg der Anteil der NSDAP-Stimmen von 1,6 Prozent auf fünf Prozent, bei den badischen Landtagswahlen im Oktober 1929 erreichte sie sieben Prozent und hatte damit die Zahl ihrer Wähler versiebenfacht. In Berlin wählten einen Monat später über 130000 Wähler, knapp sechs Prozent, die Nationalsozialisten. Damit zogen erstmals 13 NSDAP-Abgeordnete in die Berliner Stadtverordnetenversammlung ein. Und im Dezember 1929 gewann die Partei in Thüringen über elf Prozent der Stimmen, was dazu führte, dass ein Nationalsozialist, Wilhelm Frick, als Minister für Inneres und Volksbildung Mitglied in einer Landesregierung wurde. Als im Juni 1930 erneut Landtagswahlen in Sachsen notwendig wurden, verdreifachte die NSDAP ihr Vorjahresergebnis nahezu auf nunmehr über 14 Prozent.

Im Wahlkampf für die Reichstagswahlen im September 1930, der von Joseph Goebbels als frisch ernanntem Reichspropagandaleiter geführt wurde, waren die Nationalsozialisten überaus aktiv. Im Sommer fanden bis hin in die entlegensten Orte Wahlveranstaltungen der NSDAP statt. Allein in den letzten vier Wochen vor dem Wahltermin waren nicht weniger als 34000 Versammlungen angesetzt. In seinen Reden griff Hitler die parlamentarische Demokratie und die Parteien scharf an, die allesamt nur Interessen vertreten würden, während die NSDAP für die ganze „Volksgemeinschaft“ stünde.

Trotz aller Anzeichen war das Ergebnis der Reichstagswahlen am 14. September 1930 für viele Beobachter ein Schock. Während die SPD im September 1930 zwar Stimmen verlor, mit 24,5 Prozent aber immer noch stärkste Reichstagsfraktion blieb und die KPD ihren Anteil auf 13,1 Prozent steigern konnte, erlitt das bürgerliche Lager dramatische Verluste. Dagegen übertraf der Erfolg der NSDAP selbst die eigenen Erwartungen. Ihre Stimmenzahl stieg von gut 800000 auf über 6,4 Millionen, das entsprach einem Anteil von 18,3 Prozent. Damit wurde die NSDAP auf Anhieb zweitstärkste Partei und zog mit 107 Abgeordneten in den Reichstag ein – ein politischer Erdrutsch, wie es ihn in der Geschichte der parlamentarischen Wahlen in Deutschland bis dahin noch nicht gegeben hatte.

Wählerinnen und Wähler der NSDAP
Woher kamen die Stimmen für die NSDAP? Erstens konnten die Nationalsozialisten stärker als andere Parteien bisherige Nichtwähler, vor allem in den ländlichen Wahlkreisen, mobilisieren und profitierten vom generellen Anstieg der Wahlbeteiligung. Hatten 1928 gut 31 Millionen Bürgerinnen und Bürger ihre Stimme abgegeben, waren es im Sommer 1932 knapp 37 Millionen, bei den Märzwahlen 1933 sogar 39 Millionen. Rund ein Viertel derjenigen, die 1930 für die NSDAP votierten, waren zwei Jahre zuvor nicht zur Wahl gegangen.

Zweitens konnten die Nationalsozialisten in hohem Maße Stimmen aus dem deutschnationalen und rechtsbürgerlichen Lager abziehen, wie die drastischen Verluste der Deutschnationalen Volkspartei DNVP und der Deutschen Volkspartei DVP zeigten. Die DNVP, die im Dezember 1924 mit über sechs Millionen Stimmen bei mehr als zwanzig Prozent gelegen hatte, erreichte jetzt gerade einmal sieben Prozent; die DVP halbierte im selben Zeitraum ihre Stimmenzahl und kam auf nur noch knapp fünf Prozent. Überall dort, wo diese Parteien Stimmen verloren, gewannen die Nationalsozialisten überdurchschnittlich hinzu. Neben den bisherigen Nichtwählern speiste sich der Erfolg der NSDAP vor allem aus diesem Wählerreservoir. Der Zerfall des bürgerlich-protestantischen Lagers, das nicht mehr in der Lage war, kontinuierliche politische Bindungen herzustellen, begünstigte das Image der NSDAP als einer jungen Volkspartei, die klassen- und schichtenübergreifend die deutsche „Volksgemeinschaft“ schaffen wollte.

Entgegen einer immer noch landläufigen Meinung waren es keineswegs die Frauen, die Hitler und der NSDAP zum Aufstieg verhalfen. Zwar erzielten die Nationalsozialisten bei den Wählerinnen einen überdurchschnittlichen Stimmenzuwachs. Aber Frauen gehörten, obwohl sie deutlich mehr Wahlberechtigte stellten als die Männer, eher zu den Nichtwählern. Und wenn sie zur Wahl gingen, stimmten sie mehr für die konservativen Parteien der Mitte als für die Radikalen auf der rechten oder linken Seite. Zwischen 1924 und 1930 wurde die NSDAP deutlich weniger von Frauen gewählt als von Männern. Nach 1932 änderten jedoch viele Wählerinnen ihre Meinung, und der Zustrom weiblicher Stimmen für die Nationalsozialisten, vor allem bei den Reichstagswahlen im März 1933, trug ohne Zweifel zur nochmaligen Steigerung der nationalsozialistischen Stimmenzahl bei. [...]
 
Die wichtigste Gruppe der NSDAP-Wähler schienen nach zeitgenössischer Ansicht die Mittelschichten zu sein. Nach der Septemberwahl 1930 prägte der Soziologe Theodor Geiger das Schlagwort von der „Panik im Mittelstand“. Die Arbeiter galten den Zeitgenossen als weniger anfällig für den Nationalsozialismus. Demgegenüber ist jedoch festzuhalten, dass keineswegs alle Arbeiter in der Weimarer Republik links wählten. Die Arbeiterschaft stellte zwar die größte soziale Gruppe der Wahlberechtigten, aber zu ihr zählten die ostelbischen Landarbeiter ebenso wie Heimarbeiter aus dem Erzgebirge und Arbeiter in kleinen Handwerksbetrieben. Nur eine Minderheit gehörte zur klassischen Industriearbeiterschaft, die überwiegend sozialdemokratisch wählte.

Arbeiterstimmen trugen nicht in besonderem Maß zum Erfolg der NSDAP bei, sondern sie entsprachen dem durchschnittlichen Zuwachs. Bemerkenswert ist auch, dass es nicht die Arbeitslosen, sondern vielmehr die erwerbstätigen Arbeiter waren, die für die NSDAP stimmten. Hingegen lässt sich ein positiver statistischer Zusammenhang zwischen Landarbeitern und NSDAP feststellen. Die Wahlerfolge der Nationalsozialisten in den agrarischen Regionen Deutschlands wurden demnach nicht nur von den Bauern, sondern auch von den Landarbeitern getragen. [...]
 
Dagegen war die Beamtenschaft in ihrer Gesamtheit deutlich anfälliger für den Nationalsozialismus. Zwischen 1928 und 1933 traten Beamte in überdurchschnittlicher Zahl in die NSDAP ein, so dass sogar die amtliche Parteistatistik feststellen musste, dass sie als Berufsgruppe unter den Mitgliedern schon vor dem September 1930 überrepräsentiert waren. Und nach den Reichstagswahlen am 5. März 1933 waren es wiederum die Beamten, die den Hauptzustrom an neuen Mitgliedern stellten. Den Beamten, die aufgrund von Gehalts- und Pensionskürzungen ebenfalls unter der desaströsen Lage der öffentlichen Haushalte durch die Wirtschaftskrise litten, bot sich die NSDAP als Verteidigerin ihrer Interessen an. Nicht von ungefähr hieß das antisemitische Gesetz vom April 1933, das den deutschen Juden im öffentlichen Dienst Berufsverbot erteilen sollte, „Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“.

Der entscheidende Wahlerfolg der NSDAP im September 1930 beförderte auch die Mitgliederentwicklung. Gab es Ende 1928 rund 97000 NSDAP-Mitglieder, wuchs deren Zahl auf knapp 130000 im September 1930 und sollte sich bis zur Machtübernahme im Januar 1933 auf annähernd 850000 steigern. Die zunehmende organisatorische Stärke der Partei machte es ihr wiederum leichter, mit zahlreichen Veranstaltungen vor Ort Wahlerfolge zu erzielen.

Obgleich die Oberschicht in absoluten Zahlen nur einen kleinen Teil der NSDAP-Mitgliedschaft ausmachte, so war dennoch auch sie deutlich überrepräsentiert. Neben Adligen und Selbstständigen stellte vor allem die angehende akademische Elite einen signifikanten Teil der NSDAP-Mitglieder. Es gab neunmal so viele Studenten in der NSDAP wie in der erwerbstätigen Bevölkerung insgesamt. Und es waren die Universitäten, an denen die Nationalsozialisten frühe Triumphe feiern konnten. 1926 gegründet, breitete sich der Nationalsozialistische Deutsche Studentenbund (NSDStB) im reaktionär und antisemitisch geprägten studentischen Milieu rasch aus. Nach internen Auseinandersetzungen übernahm Baldur von Schirach als Hitlers Gefolgsmann die Leitung des NSDStB im Juli 1928. Von nun an folgten die Hochschulgruppen der Linie der NSDAP, viele nationalsozialistische Studenten gehörten zugleich der Partei, der SA oder SS an. [...]
Nicht zuletzt lehnten etliche Industrielle und Großgrundbesitzer Schleichers Konzept der „Querfront“ als „sozialistisch“ ab und intervenierten gegen ihn beim Reichspräsidenten. Zugleich gab es hinter den Kulissen seit Anfang Januar 1933 wieder geheime Verhandlungen zwischen Hitler und von Papen, der glaubte, auch einen Reichskanzler Hitler unter Kontrolle halten zu können. Nach dem Rücktritt von Schleichers am 28. Januar zeigte sich nun auch Hindenburg geneigt, einem Kabinett Hitler zuzustimmen, zumal von Papen zusätzlich die Deutschnationalen samt ihres Parteichefs Hugenberg für das neue Kabinett gewonnen hatte.

Die Ernennung Hitlers war keineswegs unvermeidlich; politische Alternativen gab es durchaus. Aber Papen und sein Förderer Hindenburg glaubten, die NS-Bewegung als Massenunterstützung für einen nationalkonservativen, autoritären Machtstaat benutzen und sich die NS-Führung gefügig machen zu können. Die parlamentarische Demokratie hatten sie bereits aufgegeben. Wenn es noch einmal zu Wahlen, nunmehr mit der vereinten Rechten, kommen sollte, die dann auf den Sieg hoffte, sollten dies die letzten freien Wahlen in Deutschland sein.

Ebenso hatten sich wesentliche Teile der Wirtschaftselite von der demokratischen Republik längst abgewandt und verlangten ihrerseits eine autoritär unternehmerfreundliche Politik, die insbesondere die Kommunisten, aber auch die Sozialdemokraten radikal bekämpfen sollte. Nicht zuletzt unterstützten einflussreiche Reichswehrgeneräle wie Werner von Blomberg die Machtübertragung an die Nationalsozialisten, weil sie damit eine Stärkung der Stellung des Militärs im Staat und in der Gesellschaft erwarteten.

Die herrschenden politischen, wirtschaftlichen und militärischen Eliten hatten die Demokratie abgeschrieben, bevor sie Hitler an die Macht brachten. Vielmehr setzten sie auf einen autoritären Staat unter Einschluss der Nationalsozialisten, die sie hofften, zähmen zu können. Im Vertrauen auf die Herrschaft über die wichtigsten institutionellen Machtapparate wie das Heer, die Bürokratie und die Justiz sowie die Unterstützung seitens der Wirtschaft glaubten sie, die nationalsozialistische Massenbewegung als Mehrheitsbeschafferin einbinden und zugleich von den tatsächlichen Entscheidungen fernhalten zu können. „In zwei Monaten“, so soll von Papen gesagt haben, „haben wir Hitler in die Ecke gedrückt, dass er quietscht“ – eine ebenso bornierte wie katastrophale Fehleinschätzung. Denn Hitler und die NS-Führung waren keineswegs gewillt, nur den Steigbügelhalter für die alte Herrenklasse zu spielen, sondern wollten die politische wie gesellschaftliche Ordnung in Deutschland grundlegend verändern und besaßen den unbedingten politischen Willen wie die gewalttätige Rücksichtslosigkeit, ihren Reden Taten folgen zu lassen."
"[...] Der Siegeszug, den die Biologie, insbesondere Charles Darwins Buch über die Entstehung der Arten, im europäischen Denken nahm, führte dazu, auch Menschen nach biologischen Kriterien in angeblich höher- und minderwertige Rassen einzuteilen. Darwins Formulierungen wie „natürliche Auslese“ oder „Überleben der Tüchtigsten“ („survival of the fittest“) wurden politisch missbraucht, um angeblich „lebensunwertes Leben“ zu definieren. Rassismus war durchaus bis in die Wissenschaft hinein verbreitet; die Forderung nach „Rassereinheit“ und nach erbbiologischen Maßnahmen, damit sich nur die „Besten“ vermehrten und die „Minderwertigen“ sich nicht fortpflanzten, fanden selbst in der Sozialdemokratie Gehör.

Die traditionelle religiöse Judenfeindschaft, die sich im 19. Jahrhundert aufgrund der Emanzipation der Juden in der bürgerlichen Gesellschaft auch um den Neid auf deren wirtschaftliche Entwicklung erweiterte, wurde nun auch rassistisch bestimmt. Es entstand der moderne Antisemitismus, der glaubt, in den Juden eine zersetzende, zerstörerische Rasse zu erkennen, die insbesondere die „arische Rasse“ vernichten wollten. Vor allem der Engländer Houston Stewart Chamberlain verbreitete mit seinem viel gelesenen Buch „Die Grundlagen des 19. Jahrhunderts“ diese Ideologie. Chamberlain, der eng mit der Familie Richard Wagners verbunden war, traf Hitler Anfang der 1920er- Jahre in Bayreuth und sah in ihm den kommenden Retter des deutschen Volkes. [...]
 
Der bekannte preußische Historiker Heinrich von Treitschke formulierte 1879 öffentlich: „Die Juden sind unser Unglück.“ Die populäre Familienzeitschrift „Die Gartenlaube“ veröffentlichte antisemitische Artikel. Über 250000 Bürger unterstützten 1881 eine Petition der „Antisemitenliga“, die den Ausschluss von Juden aus dem öffentlichen Dienst und ein Zuwanderungsverbot von Juden aus Osteuropa forderte. Zwischen 1893 und 1898 saßen 16 Abgeordnete antisemitischer Parteien im Reichstag.
Zwar verloren antisemitische Parteien in den folgenden Jahren an Einfluss, aber der Antisemitismus in der Gesellschaft war keineswegs verschwunden. In den völkischen, nationalistischen Verbänden, in denen sich Hunderttausende von Deutschen organisierten, gehörte Antisemitismus zum politischen Repertoire.
[...]"
 
Quelle: bpb.de - "Aufstieg", farbliche Hervorhebungen habe ich vorgenommen.

Heute sind nicht mehr die Juden (allein) der erklärte Feind, sondern die Muslime und politisch links-progressiv Eingestellte.
 
Alles, das sich hier aufgelistet findet, entspricht vollumfänglich dem "Denken" bzw. Eingestelltsein, der Gesinnung, dem Welt- und Menschenbild heutiger Rechtsextremisten, Rassisten, von (Selbst-) Hass geplagter, verblendeter Menschen - ganz gleich, wo auf diesem Globus.
Nationalismus, Sozialdarwinismus, Biologismus, Rassismus, Sexismus, stets kompensatorisches, pathologisch narzisstisches Macht- und Unterwerfungsstreben ...

"Hitlers Weltbild
[...] Wenn man die starren Koordinaten [von Hitlers] Weltbild [...] systematisch ordnet, stößt man auf zehn axiomatische Basisüberzeugungen.

1. Hitler verstand die Geschichte als endlosen sozialdarwinistischen Kampf, in dem sich das Recht des Stärkeren, die natürliche Auslese der Überlegenen, das Überleben der Tüchtigsten durchsetzte. Der Krieg wurde als „Vater aller Dinge“ glorifiziert. So gesehen verstand Hitler seine Politik zuerst als Kriegserklärung, dann als Kriegsführung gegen die bestehende Welt und die vorherrschende Weltauffassung.

2. In diesem welthistorischen Kampf besaß das „arische“ Volk der Deutschen dank seiner unübertrefflichen Rassequalität im Prinzip die Überlegenheit, die ihm das Anrecht auf die Eroberung der weltpolitischen Führung gewährte. [...]

3. Innerhalb dieses von der Natur privilegierten Rassestaats galt das Führerprinzip. [...]

4. Als Handlungseinheit und Loyalitätspol, als Integrationszentrum und Lebenssinn besaß die Nation den höchsten Wert. [...]

5. Das innere Ordnungsgefüge der Nation mußte zur „Volksgemeinschaft“ umgebaut werden [...].

6. Mit der Etablierung der „Volksgemeinschaft“ sollte auch der Marxismus, den die NS-Bewegung von Anfang an erbittert bekämpft hatte, endgültig überwunden werden. [...]

7. Wie die Zielutopie und die Politik aller Linksparteien abgelehnt wurden, gehörten auch Liberalismus und Demokratie in die Rumpelkammer der Geschichte. Die Republik und der Parlamentarismus mußten einer autoritären Staatsform weichen. Dank dieser antiliberalen und antidemokratischen, antirepublikanischen und antiparlamentarischen Grundhaltung wurde der Nationalsozialismus zum Erben aller völkischen und rechtsradikalen Strömungen, aber auch vieler in die Gesellschaft tief hineinreichender antimoderner Traditionen.

8. Die höchste Priorität genossen jedoch zwei weitere Zielvorstellungen: die „Entfernung der Juden“ – dieses „unverrückbar“ feststehende „letzte Ziel“ des Antisemitismus hatte Hitler, wie erinnerlich, schon in seinem ersten politischen Schriftstück vom September 1919 fixiert – und die Eroberung von „Lebensraum im Osten“. [...]"

Quelle: bpb.de - "Aufstieg"
 
Nochmal: Die NSDAP wurde g e w ä h l t - und die Parallelen zu heute, AfD, deren absichtlich nebulöse, unkonkrete Aussagen (auch in ihren Programmen) bei gleichzeitig offensichtlich völkisch-nationalistischer Ausrichtung, das Agitieren gegen Muslime, "den" Islam als Feindbild, die Unterstützung, der Zuspruch und Zulauf gerade aus der Mittelschicht u.a.m. sind inzwischen hoffentlich jedem augenfällig:
 
"[...] Wichtiger waren Zuwendungen der mittelständischen Industrie, vor allem aber die vergleichsweise hohen Mitgliedsbeiträge (ein Finanzierungsinstrument, das die Nationalsozialisten von der SPD übernommen hatten) sowie die Eintrittsgelder zu Veranstaltungen mit Hitler oder Goebbels, für die zwischen 50 Pfennig und zwei Mark verlangt wurden – der durchschnittliche Monatslohn eines Arbeiters lag bei 180 Mark, ein Student oder ein Arbeitsloser mit Familie musste mit etwa 80 Mark auskommen.[13]
 
Zwischen 1925 und 1930 stieg die Mitgliederzahl der Partei von 27.000 auf 130.000. Die NSDAP nutzte die Weltwirtschaftskrise und die damit einhergehende Massenverelendung, welche ihr antikapitalistisches, antiliberales und vor allem antisemitisches Programm gegen das „internationale Finanzjudentum“ in der Bevölkerung stützte. Schon 1926 wurde parteiintern der Hitlergruß eingeführt und Hitler als Führer bezeichnet.
 
Nach dem verheerend schlechten Ergebnis bei den Reichstagswahlen 1928, als sich die NSDAP mit 2,6 Prozent der Stimmen begnügen musste, erging die Weisung an alle Parteigliederungen, in ihrer Propaganda den Antisemitismus zurückzuschrauben, der vor allem auf bürgerliche Kreise abschreckend wirkte. Von nun an setzte die NSDAP zentral auf den Straßenterror der SA und andere Themen wie die Außenpolitik, woraufhin ihre Stimmenanteile bei den Landtagswahlen 1929 und 1930 auf über 10 Prozent anstiegen (zum Beispiel in Sachsen mit 14,4 Prozent). Dies lag auch an den nicht durch Wahlen legitimierten Präsidialkabinetten.
 
Besonders Jugendliche und junge Männer traten in die Hitlerjugend und die SA ein. Die nationalsozialistischen Politiker gingen von dem Versuch ab, vor allem die Arbeiterschaft für sich zu gewinnen, was zur Abspaltung eines „linken“ Flügels führte, zu dem unter anderen Otto Strasser gehörte. Die NSDAP erhielt aber immer mehr Unterstützung von Bauern (die Agrarpreise waren ab 1928 zusehends verfallen), Handwerkern und Einzelhändlern (Angst vor der Konkurrenz durch „jüdisch geführte“ Kaufhauskonzerne) sowie aus den Reihen der Studenten- und Beamtenschaft (Furcht vor einer drohenden „Proletarisierung“ des akademischen Bürgertums).
 
So konnte die NSDAP die Weltwirtschaftskrise, deren Auswirkungen im Deutschen Reich besonders spürbar wurden, zur Gewinnung einer Massenbasis in denjenigen Wählerschichten nutzen, die vorher für die DNVP oder eine der sonstigen nationalen Kleinparteien gestimmt hatten oder enttäuscht von den bürgerlichen Parteien (DVP und DDP) seit Jahren ins Nichtwählerlager gewechselt waren. [...]
 
Die Propaganda der NSDAP stellte vor allem außenpolitische und soziale Themen in den Vordergrund. In ihrer Polemik gegen den Versailler Vertrag und namentlich gegen den Young-Plan, die als die Ursache der Verelendung in der Weltwirtschaftskrise hingestellt wurden, fasste sie beide Themen zusammen. [...]
 
Da sie ihren parteipolitischen Apparat organisatorisch stark ausgeweitet hatte, konnte sie für jede soziale Gruppe speziell auf sie zugeschnittene Organisationen und Propaganda anbieten. In „nacktem Populismus“ (Hans-Ulrich Wehler) versprach sie jeder gesellschaftlichen Gruppe, genau ihre Wünsche zu erfüllen:[18] Für die Industriearbeiter etwa gab es die Nationalsozialistische Betriebszellenorganisation und die Hib-Aktion („Hinein in die Betriebe“), für sie gerierte sich die Partei als sozialistisch und organisierte auch Streiks. Für kleinere Ladenbesitzer gab es den Nationalsozialistischen Kampfbund für den gewerblichen Mittelstand, der gegen die den kleinen Spezialgeschäften ökonomisch überlegenen Warenhäuser und Einheitspreisläden kämpfte. Auf dem Lande übernahm die NSDAP die Themen der Landvolkbewegung und konzentrierte sich auf ihre Blut-und-Boden-Ideologie und ihr Ziel, die deutsche Wirtschaft vom Weltmarkt abzukoppeln.[19] Dass die Nationalsozialisten eine Autarkie planten, wurde von Hitler gegenüber den Großindustriellen dagegen bestritten, so etwa in seiner Rede vor dem Düsseldorfer Industrie-Club. [...]
 
Integrierendes Element dieser widersprüchlichen Forderungen waren der radikale Nationalismus der Partei und ihre Volksgemeinschaftsideologie, die man je nach Publikum unterschiedlich auslegen konnte. Zwar gab es sowohl innerhalb der Partei als auch von außen, zum Beispiel von Seiten der Industrie, die wissen wollte, wie es denn nun mit dem „Sozialismus“ des Parteiprogramms bestellt war, immer wieder Ansätze, die NSDAP auf ein konkretes Aktionsprogramm für die Zeit nach einer Machtergreifung festzulegen. Dies wurde von Hitler stets rundweg abgelehnt, der programmatisch stets wolkig blieb und unterhalb der Ebene vager Großforderungen wie der nach einer „Regeneration unseres Volkskörpers“ jede politische Konkretion vermied: „So unveränderlich […] die Gesetze des Lebens selbst sind und damit die unserer Bewegung zugrunde liegende Idee, so ewig fließend ist das Ringen um die Erfüllung“.[20]
 
Durch ihre breit adressatendifferenzierte Propaganda gelang es der NSDAP, Wähler in allen gesellschaftlichen Gruppen und Schichten zu gewinnen. Zwar erwiesen sich das traditionsbewusst-katholische Milieu und das der organisierten Industriearbeiter als weniger anfällig als die anderen Milieus, doch blieben auch sie nicht immun gegenüber der nationalsozialistischen Verlockung. Überproportional viele Anhänger konnte sie im alten Mittelstand gewinnen, bei den kleinen Gewerbetreibenden, den Ladenbesitzern und Inhabern von Handwerksbetrieben. Aus diesem Befund zieht der Parteienforscher Jürgen W. Falter den Schluss, dass die NSDAP eine „Volkspartei mit Mittelstandsbauch“ war, die die zum Teil diametral divergierenden Werte und Interessen aller Teile der Wahlbevölkerung zu integrieren vermochte. [...]
 
Hitler kam auf Platz zwei; bei den Landtagswahlen in Preußen, Bayern, Württemberg und anderen Reichsländern erzielte die Partei deutliche Erfolge und wurde bei den Reichstagswahlen am 31. Juli 1932 auch stärkste Partei im Reichstag. Zwar durchlief die Partei 1932 eine schwere Krise, welche in den Misserfolgen bei der Reichstagswahl am sechsten November gipfelte, doch konnte sie sich wieder erholen. Die Trendumkehr gelang bei der Landtagswahl in Lippe am 15. Januar 1933: die Mitgliederstärke der NSDAP erhöhte sich auf rund 850.000.[22] Die Wahlerfolge sind auch auf die erfolgreiche Mobilisierung von Nichtwählern zurückzuführen, welche den bis dahin regierenden Parteien nicht mehr zutrauten, die Weltwirtschaftskrise zu überwinden. [...]"
 
Quelle: Wikipedia - "Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei", farbliche Hervorhebungen habe ich vorgenommen.
 
"[...] Der NS-Vernichtungskrieg, den die Wehrmacht in Osteuropa und der Sowjetunion führte, um die jüdischen und slawischen Untermenschen auszurotten und Lebensraum für die arische Herrenrasse zu schaffen, er solle nun laut Gauland ein positiver Bezugspunkt deutscher Identität werden.
 
Einerseits sollen die "zwölf Jahre" der Nazizeit "unsere Identität" nicht mehr betreffen, so Gauland, weshalb man sich nun "nicht nur unser Land, sondern auch unsere Vergangenheit zurückholen" werde. Anderseits solle Deutschland nun Stolz sei auf die "Leistungen deutscher Soldaten in zwei Weltkriegen".
 
Allein der Überfall Nazideutschlands auf die Sowjetunion hat mehr als 20 Millionen Sowjetbürgern das Leben gekostet. Länder wie Jugoslawien, Polen, Griechenland waren einem mörderischen, auf die Auslöschung ganzer Bevölkerungen ausgerichteten Besatzungsregime unterworfen, bei dem gerade Wehrmachteinheiten eine führende Rolle spielten. Mitunter, etwa bei den von der Wahrmacht begangenen Massenmorden in Jugoslawien, wurden für jeden getöteten Nazisoldaten 100 Zivilisten erschossen.
 
Gauland will somit den nationalsozialistischen Vernichtungskrieg zum positiven Bezugspunkt deutscher Identität oder deutschen Nationalstolzes machen. Es handelt sich somit offensichtlich um eine nationalsozialistische Erinnerungspolitik, die gezielt auf den rechten Rand der CDU/CSU abzielt, wo ja immer noch die Legende von der "sauberen Wehrmacht" gepflegt wird. [...]
 
In Sachen Auschwitz, der industriell betriebenen Vernichtung von Menschen durch Nazideutschland, herrscht aber in der AfD noch Klärungsbedarf. Während man in Jena mutig auch dieses Tabu bricht und sich offensiv dazu bekennt, gar lautstark eine erneute Inbetriebnahme der Gaskammern verlangt, will man in Niedersachsen Auschwitz als eine Geschichtslüge entlarvt haben.
 
Das niedersächsische AfD-Vorstandsmitglied Wilhelm von Gottberg hat in einem Beitrag für das "Ostpreußenblatt" unter Verwendung von Zitaten italienischer Neofaschisten Auschwitz als einen "Mythos" bezeichnet, der als "Instrument zur Kriminalisierung der Deutschen und ihrer Geschichte" fungiere. Der Holocaust sei ein Mythos, "ein Dogma, das jeder freien Geschichtsforschung entzogen bleibt", so von Gottberg, der hierbei zustimmend den Faschisten Mario Consoli zitierte. Sollte die AfD tatsächlich in den Bundestag einziehen, wird der 77-jährige Holocaustleugner (der sich nach eigenen Angaben "entschuldigt" hat) das Recht haben, als Alterspräsident den Bundestag zu eröffnen.
 
Jedenfalls geht die AfD mit ihrem "tabubrechenden" neuen Geschichtsverständnis wirklich offensiv um. Die Gedenkstätte des KZs Bergen Belsen meldete auf ihrer Facebook-Seite, dass die AfD an der Zufahrtsstraße zur Gedenkstätte mit "ausländerfeindlichen Plakaten" Werbung für sich mache. Die Plakate seien "nur einige Hundert Meter vom Gedenkstättengelände" angebracht worden, direkt neben einem Friedhof, auf dem "über 4500 NS-Opfer bestattet" seien. [...]
 
Während die Partei offensichtlich um ihr Verhältnis zu Auschwitz noch ringt, sieht es mit der SA, mit der terroristischen Sturmabteilung der NSDAP, schon ganz anders aus. An deren Traditionen wollen AfD-Politiker wie Ulrich Oehme, Bundestagskandidat im Wahlkreis Erzgebirge II, durchaus wieder anknüpfen.
 
Oehme machte Wahlkampf mit der Naziparole "Alles für Deutschland", die auf den Dolchen der SA eingraviert war. Nachdem er über das noch geltende Verbot dieses Spruchs informiert war, erklärte der AfD-Politiker, inhaltlich weiterhin zu dieser Aussage zu stehen, auch wenn er diese nun mit dem Spruch "Herz für Deutschland" überkleben werde - dies ist bekanntlich eine NPD-Parole.
 
Oehme wörtlich: "Wir dürfen unsere deutsche Sprache nicht geißeln, indem wir Sprüche, die so nahe am Leben stehen, uns selbst verbieten." Die Sprecherin des AfD-Politikers erklärte überdies, dass er gegen diese "Einschränkung der Redefreiheit" kämpfen wolle. Neben dem SA-Spruch "Alles für Deutschland" gelte dies auch für die Naziparole "Deutschland erwache". Damit scheint der AfD-Mann den politischen Schwerpunkt seiner eventuellen parlamentarischen Arbeit umrissen zu haben: Naziparolen legalisieren. Selbst Marco Wanderwitz, CDU-Gegenkandidat in Oehmers Wahlbezirk, gibt sich keinen Illusionen hin: "Alles, was ich über Ulrich Oehme gelernt habe, ist, dass er ein reinrassiger Nazi ist. So ein Mann gehört nicht in ein Parlament." [...]
 
Das Bild einer zunehmend völkisch ausgerichteten, rechtsextremistischen Partei komplettieren noch die ungeklärten Skandale um das rechtsterroristische Netzwerk in und um die AfD, sowie die Vernichtungsphantasien führender AfD-Politiker aus Mecklenburg-Vorpommern (Vom Rechtspopulismus zum Rechtsterrorismus).
Dabei handelt es sich nicht um lauter "Einzelfälle", sondern um den Ausdruck einer extremistischen Tendenz. Die rechten Populisten in der AfD vom Schlage einer Frauke Petry sind längst in der Defensive, sie verlieren an Boden gegenüber den völkisch-nationalistischen Kräften, wie etwa die Zeit in einem Bericht aus Sachsen konstatierte. Längst seien die Anhänger des Nazis Björn Höcke selbst in dem Wahlkreis tonangebend, in dem Petry antritt. Die Verfilzung zwischen AfD, Pegida und offen extremistischen Kräften wie der "Identitären Bewegung" scheint vor Ort irreversibel vorangeschritten.
 
Inzwischen warnen Aussteiger wie die ehemalige AfD-Jugendfunktionärin Franziska Schreiber eindringlich vor der extremistischen Partei. Der völkische Flügel sei längst in der AfD "dominant", so Schreiber, laut der die bewusst provozierten Skandale des NS-Flügels als eine innerparteiliche Machtstrategie fungierten: Hierdurch sollen nicht-völkische Gruppierungen endgültig aus dem Parteiapparat verdrängt werden. Die völkische Transformation der AfD sei irreversibel, so Schreiber: "Die Partei ist verloren."
 
Angesichts dieser evidenten, ordinär faschistischen Tendenzen, brachte es zumindest der Tagesspiegel über sich, in einem Kommentar die AfD nicht mehr zu verharmlosen - und, wie ansonsten üblich, als "Populisten" oder "Rechtskonservative" zu bezeichnen. Der "völkische Reinheitsgedanke", durchziehe, ebenso wie der Geschichtsrevisionismus, wie ein roter Faden das Grundsatzprogramm der AfD:
Die Alternative für Deutschland ist eine rechtsextreme Partei, die versucht, völkisches Denken in Deutschland wieder hoffähig zu machen. Sie strebt ein ethnisch homogenes Deutschland an. Sie will die deutsche Geschichte revidieren. Sie ist gefährlich.
Tagesspiegel
 
Und eben dieser "völkische Reinheitsgedanke", der alles Artfremde, Schwache oder "Kranke" am halluzinierten "Volkskörper" ausmerzen will, bildet das zentrale Element nationalsozialistischer Ideologie. Die AfD knüpft somit immer deutlicher an NS-Ideologie an, sie wandelt sich zu einer extremistischen Nazipartei. Hierüber dürften, auch gerade am Wahlsonntag, keine Illusionen mehr herrschen. Jeder, der sein Kreuz bei der AfD macht, weiß ganz genau, was er damit anrichtet. Nicht dass es bei der nächsten Entnazifizierung wieder heißt, man habe von alldem nichts gewusst."
 
Quelle: heise.de / Telepolis - "AfD: Keiner kann mehr sagen, von alldem nichts gewusst zu haben"
 
"[...] Für Gedeon arbeiten Juden an der „Versklavung der Menschheit im messianischen Reich der Juden“ mit dem Ziel der Durchsetzung einer „Judaisierung der christlichen Religion und Zionisierung der westlichen Politik“.
 
Innerer und äußerer Feind des Abendlandes
Gedeon im Wortlaut: „Wie der Islam der äußere Feind, so waren die talmudischen Ghetto-Juden der innere Feind des christlichen Abendlandes […]. Als sich im 20. Jahrhundert das politische Machtzentrum von Europa in die USA verlagerte, wurde der Judaismus in seiner säkular-zionistischen Form sogar zu einem entscheidenden Wirk- und Machtfaktor westlicher Politik. […] Der vormals innere geistige Feind des Abendlandes stellt jetzt im Westen einen dominierenden Machtfaktor dar, und der vormals äußere Feind des Abendlandes, der Islam, hat via Massenzuwanderung die trennenden Grenzen überrannt, ist weit in die westlichen Gesellschaften eingedrungen und gestaltet diese in vielfacher Weise um.“
So weit, so offensichtlich [...]
 
Viel naheliegender ist es aber, sie ernst zu nehmen und die Partei dafür in Verantwortung zu nehmen, was sie getan hat. Dann sieht man: Gedeon hat sich in aller Deutlichkeit und Unmissverständlichkeit antisemitisch geäußert und in zahlreichen Facetten antisemitisches Gedankengut von sich gegeben. Dass man nun in der AfD ernsthaft fragte, ob das von Gedeon geäußerte denn überhaupt antisemitisch sei, zeigt, dass man in der Partei offensichtlich den Inhalt der Aussagen selbst nicht für problematisch hielt, sondern sich einen Gesinnungs-TÜV wünschte, der diese Bewertung übernehmen sollte – weil man offenbar selbst mindestens Teile des Weltbildes von Gedeon für unproblematisch hält. Eine andere plausible Erklärung gibt es nicht.
 
Dieser Umgang zeigt zweierlei: Zum einen, dass die AfD selbst jede Verantwortung für ihr eigenes Handeln externalisieren wollte, um nicht die eigenen Kameradinnen und Kameraden zu verschrecken – im Zweifel hätte eben ein Forscher befunden, Gedeon sei Antisemit, aber nicht man selbst; zum anderen, dass der Antisemitismus in der Partei tief verankert ist und die AfD Antisemitinnen und Antisemiten anzieht wie ein Magnet, denn wenn man selbst bei Gedeon nicht zu sehen in der Lage ist, dass seine Äußerungen antisemitisch sind, wo beginnt denn dann für die AfD Antisemitismus? Beim umgesetzten Massenmord?
 
Die Spitze des Eisbergs
Dass man in der AfD Antisemitismus nicht als solchen erkennt – entweder, weil man nicht einräumen möchte, dass man selbst antisemitische Positionen teilt, oder weil man die, die Antisemitisches äußern, nicht für das in Haftung nimmt, was sie sagen – zeigen zahlreiche andere Fälle. Bei keinem von ihnen wurde klar und unmissverständlich gesagt, dass es sich um Antisemitismus handelt. Man hat stattdessen inhaltliche Distanzierungen unterlassen, weshalb Gedeon auch nur eine Spitze der antisemitischen Eisberge ist, die immer umfangreicher in der AfD sichtbar werden.
 
Bereits 2015 hatte der AfD-Lokalpolitiker Gunnar Baumgart aus Bad Münder die nazistischen Geschichtsrevisionisten und Holocaust-Leugner Ernst Zündel, Germar Rudolf und Fred Leuchter verteidigt und auf Facebook einen Artikel verlinkt, der behauptete, dass „kein einziger Jude“ durch „Zyklon B oder die Gaskammern umgekommen“ sei. Baumgart, der betonte, dass, hätte er Kinder, diese „den Geschichtsunterricht in Deutschland nicht besuchen“ dürften, erklärte nach mehreren Strafanzeigen, die gegen ihn gestellt wurden, aus der AfD austreten zu wollen, „um Schaden von der Partei abzuwenden“.
 
Auch andere Funktionseliten der AfD haben sich antisemitisch geäußert, wie etwa deren hessischer Schatzmeister Peter Ziemann, der 2013 über „satanische Elemente der Finanz-Oligopole“ und „freimaurerisch organisierte Tarnorganisationen“ fantasiert hatte. Oder ihr brandenburgischer Kreistagsabgeordnete Jan-Ulrich Weiß, der den Investmentbanker Jacob Rothschild antisemitisch karikiert hatte. Oder der nordhessische AfD-Kreistagsabgeordnete Gottfried Klasen, der dem Zentralrat der Juden die „politische Meinungsbildungshoheit sowie die politische Kontrolle über Deutschland“ unterstellte. [...]
 
Kay Nerstheimer, der für die AfD im Wahlkreis Lichtenberg 1 bei der Berliner Landtagswahl das Direktmandat gewonnen hat, vermutet hinter dem Ersten und Zweiten Weltkrieg „Kräfte“, die nun auch einen dritten Weltkrieg verursachen wollen würden und fantasiert die Bundesrepublik zu einer „BRD Treuhandgesellschaft mit Sitz in Frankfurt am Main“, glaubt also an eine Finanzverschwörung. Dass Nerstheimer jetzt bei deren Konstituierung nicht zur AfD-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus gehörte, ist die gleiche verlogene Kosmetik wie bei der Spaltung der Stuttgarter Landtagsfraktion, die medienwirksam inszeniert die Kritik am Antisemitismus der Partei abwürgte, nun aber schon bald offenbar wieder rückgängig gemacht werden soll.
 
Gedeon selbst übrigens hat, offenbar von jeder Erkenntnis völlig unberührt, nach der öffentlichen Diskussion über ihn noch nachgelegt und einem Kritiker, der seine antisemitischen Äußerungen in der Zeit analysiert hatte und Mitarbeiter beim Zentrum für Antisemitismusforschung an der TU Berlin ist, gefragt, „von welchen nichtstaatlichen Stellen“ dessen Arbeit finanziert werde, denn das würde, so Gedeon, „sicher manchen Leser interessieren“ – dass Gedeon hier die Frage nur antisemitisch stellt, ohne sie selbst zu beantworten, baut auf das antisemitische Suggestivpotenzial. Man muss sich seinen Wahn nur zuraunen, ohne ihn explizit zu nennen.
Dass dieser immer öfter und immer deutlicher auch als offener Antisemitismus artikuliert wird, zeigen die bisherigen Beispiele. Es ist nur eine Frage der Zeit, wann aus der Partei für Antisemiten auch eine dezidiert antisemitische Partei werden wird. Den Weg dahin zeigt die obsessive Bemühung der AfD, NS-Begriffe wie „Volksgemeinschaft“ und „völkisch“ wieder positiv besetzen zu wollen – denn das schließt völkische und antisemitische Vernichtungspolitik der deutschen Volksgemeinschaft nicht nur ein, sondern diese Vernichtung ist die historische Wahrheit der Begriffe."
 
Quelle: taz.de - "Antisemitismus in der AfD - Zugeraunter Wahn"
 

Wer auch im nachfolgend verlinkten/zitierten Text noch immer nicht die ideologische Matrize, das template für AfD, Identitäre Bewegung, Neue Rechte erkennen kann, muss unstrittig auf beiden Augen vollständig blind sein.
 
Das Abstoßende daran ist die überdeutlich zum Ausdruck kommende, eigentlich schon exhibitionistisch zu Markte getragene Schwäche so eingestellter Menschen. Ihr totales Überfordertsein mit Komplexität, Veränderung, Wandlung. Ihre ins Auge springende Enge im Geist und im Herzen.

Sie brauchen Autoritarismus, Härte, Strenge: als Art "Halt" - weil sie von klein auf nichts anderes kennengelernt haben als eben solche emotionale Kälte, als Feindseligkeit gegenüber allem Emotionalen, Sensiblen, auch Leiblich-Sinnlichen - eigene Bedürfnisse mussten abgeklemmt, ignoriert bzw. verleugnet werden, wurden abtrainiert, galten als schlecht, schmutzig, böse, schwach, krank.

Schwarze Pädagogik - sie bringt genau solche emotional verpanzerten, verstümmelten, beschädigten Menschen hervor.

Das Ekelhafte daran ist, dass sie ihre Verblendung nicht erkennen, stattdessen ihre ureigenen Defizite, Mängel, Unzulänglichkeiten auf andere projizieren, sie anderen unterstellen und sich selbstgerecht-selbstschonend als überlegen darstellen - um all ihre eigenen Schwächen, Fehler, Makel zu verbergen, zu unterdrücken, zu übertünchen.
 
"[...] Die Konservative Revolution steht für eine Gruppe ideologischer Strömungen und der sie tragenden Akteure, die sich im Kontext der Weimarer Republik entwickelten. Gemeinsam war diesen Akteuren, dass ihre Ideologien entschieden antiliberale, antidemokratische und antiegalitäre Züge trugen.[22] Die Autoren der Konservativen Revolution bildeten keine feste Gruppe, sondern eher ein verzweigtes publizistisches Geflecht. Sie schufen keine einheitliche Doktrin, bemühten sich jedoch alle, ähnlich dem italienischen Faschismus, die „Phänomene der Moderne“ in eine theoretische Synthese mit einer rechten Weltanschauung zu bringen. Die Konservative Revolution kann auch als Reaktion auf eine als krisenhaft empfundene gesellschaftliche Modernisierung verstanden werden, als eine neokonservative intellektuelle Suchbewegung im Umbruch der sich durchsetzenden Moderne. [...]
 
Die dort vertretenen Intellektuellen waren in der Regel keine aktiven Nationalsozialisten, die sich in der NSDAP betätigten und Adolf Hitler als Führer verherrlichten, standen aber ebenso wenig nationalsozialistischen Ideen in fundamentaler Ablehnung gegenüber.[24]Die Bewegung wird als einer der „intellektuellen Wegbereiter“ des Nationalsozialismus gesehen. Rassismus und völkische weltanschauliche Positionen wurden jedoch von vielen Personen offen vertreten. [...]
 
Ideologen wie Arthur Moeller van den Bruck, Carl Schmitt, Ernst Jünger, Othmar Spann und Oswald Spengler vertraten in der Weimarer Republik antiliberale Positionen und waren ideologische Steigbügelhalter der NSDAP. Bei ihr handelt es sich nicht um eine festgefügte Organisation oder homogene politisch-ideologische Richtung. Arthur Moeller van den Bruck formulierte beispielsweise: „Liberalismus hat Kulturen zerstört. Er hat Religionen vernichtet. Er hat Vaterländer zerstört. Er war die Selbstauflösung der Menschheit.“[26]
 
Kurt Sontheimer sieht die Bewegung als „intellektuellen Wegbereiter des Nationalsozialismus“.[27] Zeev Sternhell setzt die Konservative Revolution und den deutschen Faschismus gleich:[28] „Die Konservative Revolution, das war der deutsche Faschismus, gleichzeitig entstand hier der Nationalsozialismus. Das liegt an der verhängnisvollen Relevanz der völkischen Definition der Nation.“
 
Arthur Moeller van den Bruck lobte in seinem 1916 erscheinenden Werk „Der preußische Stil“ Bismarck, der einen autoritären Staat mit einer außerordentlichen Führungspersönlichkeit vorgeformt hatte.[29] Preußen sah er als „die größte kolonisatorische Tat des Deutschtums, wie Deutschland die größte politische Tat des Preußentums sein wird.“[30] Diese Abhandlung markierte seine Hinwendung zum Nationalismus. Er sah sich von nun an als Gegner von Parlamentarismus, Liberalismus und Demokratie. [...]
 
Das Organ des Juniklubs verstand sich als revolutionär-konservativ und richtete sich vor allem an Jungkonservative aus dem eher intellektuellen Milieu. Es lehnte sowohl die sozialistische Novemberrevolution als auch den bestehenden Staat und lehnte die Parteipolitik als solche ab. Trotz der recht kleinen Auflage und der geringen Verbreitung war das Heft für die Konservative Revolution bedeutsam. Das Heft enthielt Beiträge der wichtigsten konservativen Intellektuellen seiner Zeit. So waren Gastautoren wie Werner Best, Hans Blüher, Hans Grimm, Ernst Jünger, Hans Schwarz und Otto Strasser vertreten. Arthur Moeller van den Bruck zählte zu den regelmäßigen Mitarbeitern. [...]
 
Im Jahre 1923 publizierte Moeller van den Bruck sein Hauptwerk „Das Dritte Reich“. Dabei verstand er unter dem „Ersten Reich“ das „Heilige Römische Reich Deutscher Nation“, das „Zweite Reich“ war das von Bismarck gegründete deutsche Kaiserreich. Das zukünftige „Dritte Reich“, was er auch als „Endreich“ bezeichnete, gründete auf den „deutschen Nationalismus“:[38] „Der deutsche Nationalismus ist Streiter für das Endreich. Es ist immer verheißen. Und es wird niemals erfüllt. Es ist das Vollkommene, das nur im Unvollkommenen erreicht wird. (…) Es gibt nur Ein Reich, wie es nur eine Kirche gibt. (…) Der deutsche Nationalismus kämpft für das mögliche Reich. Der deutsche Nationalist dieser Zeit ist als deutscher Mensch immer noch ein Mystiker, aber als politischer Mensch ist er Skeptiker geworden. (…) In dieser sinkenden Welt, die heute die siegreiche ist, sucht er das Deutsche zu retten.“ Der „Reichsgedanke“ ist für Moeller prozesshaft zu verstehen, „im Werdenden, im um uns Entstehenden“.
 
Durch Möller van den Bruck fand der Begriff „Drittes Reich“ Eingang in das Denken der „Konservativen Revolution“ und die 1920 gegründete NSDAP.
Das „Dritte Reich“ sollte von einer „sozialaristokratischen Regierung“ geführt werden:[39] „(…) diese deutsche Führung sollte sich in der dritten Partei sammeln und sollte als Partei über den Parteien stehen. Nicht in der Konzession an die Mitte konnte ihre Gestaltung liegen, sondern sie musste von den politischen Rändern her und ihrer die Mitte zermürbenden Radikalisierung ausgehen, musste wie der überspringende Funke dort aus dem Hufeisen schlagen, wo sich seine Enden einander nahebiegen! Diese Führerschicht mit einem konservativ-revolutionären Sozialismus verbinden hieß eine neue sozialaristokratische Regierung fordern.“
 
Er stellt sich die Frage nach „echter Demokratie“, die er nicht in der parlamentarischen Demokratie der Weimarer Republik wiederfindet.[40] Die Deutsche waren seiner Vorstellung nach ursprünglich ein demokratisches Volk, Diese Demokratie ging aber nicht auf einem Vertrag zurück, sondern auf das Blut. Demokratie und Volksgemeinschaft gehören zusammen und zur Demokratie gehört nach Moeller ganz wesentlich der Führer. Als Ausdruck der ursprünglichen deutschen Demokratie sieht Moeller van den Bruck die Volksversammlung. Im Mittelalter konstatiert er eine gegliederte, körperschaftliche und organische Gesellschaft. Für ihn bedeutet Parlamentarismus nicht gleich Demokratie. Wirkliche Demokratie überwindet nach seinen Vorstellung den Parlamentarismus. Sie braucht eine Volksvertretung, die sich durch einen organischen, nicht mehr mechanischen Aufbau in ständiger Beziehung mit dem Volk befindet. [...]
 
Als politischer Gegner dieses völkischen Nationalismus wurden die Ideen der Französischen Revolution, der demokratische Parlamentarismus, der Liberalismus und der aufkommende Marxismus gesehen. Weiß stellte fest:[60] „Moeller und sein Umfeld verstanden sich als Revolutionäre für einen völkischen Nationalismus. Sie entwickelten den Gedanken einer spezifisch deutschen Staatsform, die eine Synthese aus moderner Industriegesellschaft und aristokratischem Obrigkeitsstaat darstellte. Im Mittelpunkt seines Denkens stand das ‚kommende Reich’ und die Zerstörung der Weimarer Republik.“
 
Moeller van den Brucks Werke enthalten rassistische Überzeugungen, die jedoch keinen zentralen Stellenwert einnehmen.[61] Die Rezeption der rassistischen Ideen Gobineaus innerhalb des Wagner-Kreises fand seine Zustimmung. In seinen Briefen an Richard Dehmel, der in der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg als einer der bedeutendsten deutschsprachigen Lyriker galt, im Jahre 1906 gab es Ansätze einer Auseinandersetzung mit modernen Rassentheorien. 1907 unterzeichnete Moeller van den Bruck den Gründungsaufruf des völkischen „Werdandi-Bundes“[62], der sich auf die nordische Schicksalsgöttin Werdandi bezog, gemeinsam mit Houston Stewart Chamberlain und dem deutschen Herausgeber Gobineaus, Ludwig Schemann. In seiner ablehnenden Haltung zu Karl Marx und seinem kommunistischen Gesellschaftsbild zeigte sich ein rigider Antisemitismus:[63] „Aber prophezeien darf nur, wer zu diesen Teilhaftigen gehört und mit dem Wachstum der Dinge, die werden wollen, mit den Menschen, in denen es sich vollzieht, blutlich und geistig eines ist. Marx gehörte nicht zu den Teilhaftigen. Er war als Jude ein Fremder in Europa.“
 
Moeller van den Brucks politische Vorstellungen wurden stark vom deutschen Idealismus und den philosophischen Schriften Friedrich Nietzsches sowie von den imperialistischen Zielen des Antisemiten Paul de Lagarde geprägt.[64] Seine mystischen Neigungen wurden von dem russischen Schriftsteller Dmitri Mereschkowski befördert.[65] In seinem Ost-West-Dualismus lehnte Mereschkowski die sich im Westen vollzogene Aufklärung ab und schwärmte für einen „Osten“ unter Bezug auf das Alte Testament und mystische Traditionen der ägyptischen Antike. In seinem Werk „Der Anmarsch des Pöbels“ sprach er sich gegen anarchistische und sozialistische Tendenzen im zaristischen Russland aus. [...]
 
Der Universalismus soll laut Moeller van den Bruck für die Vermassung und damit Austauschbarkeit der Individuen verantwortlich zu sein.[69] Er wehrt sich gegen eine Vorstellung, was Individuen und nicht etwa „Völker“ zum Ausgangspunkt politischen Denken und Handelns nimmt. Die hinter dem Universalismus stehende jüdisch-christliche Tradition mit ihrer Betonung der Unantastbarkeit der Würde des je einzelnen Menschen, die sich über alle Kulturen, „Völker“ und Gemeinschaften hinweg als solidarisch innerhalb einer Menschheit versteht, wird als individualistische Ideologie abgelehnt. Die allgemein gültigen Menschenrechte widersprechen diametral den zentralen Ideen des historisch gewachsenen Volkes, der gemeinsamen Kultur, Sprache und Abstammung. Pluralismus existiert immer nur zwischen Völkern, keinesfalls darf es zu einem Pluralismus innerhalb eines Volkes kommen. Die andere und die eigene Kultur sind für Moeller van den Bruck fest determinierte Wesenheiten. [...]
 
Er möchte verhindern, dass es eine „Vemischung“ der Lebens und Denkweisen zwischen den „Völkern“ gibt. Hier wird eine „Reinheit“ konstruiert, die alles „Fremde“ aussondert. Jedes „Volk“ ist für ihn einmalig, jedes „Volk“ ist durch jahrhundertelange, jahrtausendelange Anpassung an seine Umwelt entstanden, weshalb es zu bewahren ist. Jedes „Volk“ hat eine einmalige Kultur hervorgebracht und diese Vielseitigkeit der Menschheit ist auch eine Voraussetzung zum Überleben. Die „Vielseitigkeit der Völker“ sei zu bewahren, weil jedes „Volk“ einen Wert an sich darstelle.
Er wendet sich gegen eine „Vermassung“, die er in der bolschewistischen Revolution bemerkt und fürchtet, dass dies auch auf das Deutschland in der Weimarer Republik übertragen wird.[70] Der Verlust jeder Individualität werde dabei als befreiender Akt betrachtet, da der Einzelne nicht mehr alleine der chaotischen Welt gegenüber stehe. Jetzt, da sich alle gleich fühlten, sei die Furcht vor dem Fremden innerhalb der Masse zwar aufgehoben, doch das Andersartige der Welt da draußen werde der Masse umso deutlicher bewusst. Das Andersartige gefährde das „Überleben“ der Masse, da es Alternativen zu dem Zustand der Gleichheit aufzeige."
 
Quelle des zitierten Textes: de.indymedia.org - "Die wichtigsten Vertreter der Konservativen Revolution"
 
"[...] Indes ist es gerade die Strategie der permanenten rassistischen und ausländerfeindlichen Provokationen, die von der AfD verfolgt wird, die dem Rechtsterrorismus dem Boden bereitet. Durch Gewaltphantasien und Putschträume heize das radikale Umfeld der AfD den Rechtsterrorismus an, warnte Focus unter verweis aus das BKA bereits 2016. Die Partei schaffe ein "Klima der Angst", das Anschläge befördere.
 
Der Anstieg rechter Gewalttaten, der mit dem Aufstieg der AfD einhergeht, hat in der offiziellen Statistik 2016 einen neuen historischen Höchststand erreicht. Die Zahl stieg um 35 Prozent auf 22 960 Straftaten an, mehr als doppelt so viele, wie die der Linken zugerechneten 9605 Straftaten.
Hinzu kommt die Tendenz der Polizeibehörden und der Justiz, die rechte Gewalt zu verharmlosen oder zu vertuschen, sodass viele rechte Gewaltdelikte nicht in der offiziellen Statistik auftauchen, wie die Süddeutsche Zeitung berichtete. [...]"
 
Quelle: heise.de / Telepolis - "Vom Rechtspopulismus zum Rechtsterrorismus"
 
Warum wird rechte Gewalt von der Exekutive verharmlost? Haben wir ein braunes Problem in der deutschen Exekutive, siehe institutionellen Rassismus?
 
"[...] Die AfD wird zunehmend mit Spenden aus der Wirtschaft bedacht. Zu den Spendern gehören Heinrich Weiss, Großaktionär und Aufsichtsratsvorsitzender der SMS Group sowie ehemaliger Präsident des Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI), und Hans Wall, Gründer des Berliner Außenwerbers Wall AG.[15] Nach Angaben von Weiss sind auch Spenden von anderen bekannten Wirtschaftsführern geflossen - allerdings unter der Meldegrenze, sodass sie nicht im Rechenschaftsbericht erscheinen müssen. Der Stellv. Parteisprecher Hans-Olaf Henkel, ehemaliger Präsident des Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) erklärte, mehrere Dax-Vorstände und zahlreiche Chefs von Familienunternehmen unterstützten die AfD.[16] Im März 2015 gab es Berichte über unzureichende Buchhaltung bei der Partei[17]
 
Kredite
Bereits 2013 wurde in den Medien über einen Kredit an die Partei berichtet. Laut Spiegel gab es zwei Kredite über je 500.000 Euro, die der Partei von dem Hamburger Reeder Folkard Edler gewährt wurden. [...]
 
Im April 2014 hat Hans-Olaf Henkel, damals Stellvertretender AfD-Sprecher und Kandidat für die Europawahl, der AfD ein Darlehen mit Laufzeit bis 5/2015 über eine Million Euro zu 2 % Zinsen gewährt. [...]
 
Die Frankfurter Allgemeine Zeitung berichtet im August 2016 über die Unterstützung der AfD durch einen Verein. Bei diesem ist weder die Finanzierung transparent, noch stehen die Verantwortlichen für Auskunft zur Verfügung. Der Verein unterstützt mit aufwändigen Plakaten Wahlkämpfe der Partei, so etwa in Baden-Württemberg und Mecklenburg-Vorpommern. Verantwortliche Parteileute gaben dazu ebenfalls keine Auskünfte.[27] [28] Kurz vor den Landtagswahlen in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt wurden fast zwei Millionen Exemplare eines Flugblatts mit dem Namen "Extrablatt" verteilt, in dem zur Wahl der AfD aufgerufen wurde. Als Chefredakteur fungierte Josef Konrad, Mitglied des AfD-Bezirksverbandes Oberfranken und Geschäftsführer der Polifakt Medien GmbH in Leipzig ist. [...]"

Quelle: lobbypedia.de - "Alternative für Deutschland (AfD)"
 
"[...] "Auch wenn sie unter demokratischen Bedingungen gehalten wird", so Olschanski, "hat sie eine Tendenz zur autoritären Schmährede und Invektive. Sie ist eine Rede, die nach Form und Inhalt die offene Gesellschaft in Frage stellt. Sie kennt deutlich voneinander geschieden nur Gute und Böse, zwischen denen kein Dialog möglich erscheint" (S. 28). Bürgerkriegsideen und Eskalationsrhetorik gehörten beispielsweise dazu. Auch in Faktenverachtung und Remythisierung erblickt er solche Strukturmerkmale. Es gebe auch eine Art Doppelerzählung von einer Welt heiler Identität und ihrem historischen Niedergang, welche eine Art Hintergrundfolie für die populistische Rhetorik sei. An den Beispielen von Björn Höcke und Donald Trump zeigen sich diese Mechanismen exemplarisch.
 
Das Hauptaugenmerk wird aber entsprechend des Titels auf etwas anderes gelegt: "Unter Missachtung der normativ-rationalen Standards, denen die klassische politische Rede hier unterliegt, ist die populistische Rede vor allem eines: Erzählung und These von einem Feind, scheinbarer Beweis für dessen Feindlichkeit sowie rhetorische Bekämpfung des Feindes" (S. 77). Es werde ständig das Bild beschworen, wonach das Idyll des eigenen Herzlandes gefährdet und der Feind für Bedrohung und Niedergang verantwortlich sei. Dabei weist der Autor auf formale und strukturelle Gemeinsamkeiten vieler Reden mit Westernfilmen hin: "Sie orientiert sich an der Revenge Story, wie man sie aus Kriminalfilm und Western kennt, mit einer Dramaturgie, die von heiler Eigenwelt über den Einbruch eines Feinds hin zu dessen siegreicher Überwindung führt" (S. 117). Die damit einhergehende Feindbildzeichnung präge die populistische Rhetorik bis hin zu einer regelrechten Hasssprache, welche sich gegen die politische Elite ebenso wie gegen soziale Minderheiten richte. [...]"

Quelle: hpd.de - "Die Beschwörung des Feindes in der populistischen Rhetorik", farbliche Hervorhebungen habe ich vorgenommen.
 
 
Hier - die Parallelen zur heutigen, frühen Fremdbetreuung und damit: der Zerstörung, Verhinderung von lebenslang wichtiger, frühkindlicher Bindung, Beziehung (mit dieser wichtigen Bindung einhergehend: die Fähigkeit zu Mitgefühl, Liebes- und Beziehungsfähigkeit, deren Voraussetzung die stabile frühkindliche Bindung ist), wie wir es ähnlich auch aus der ehemaligen DDR kennen - was stattfand, war also das Gegenteil von bedürfnisorientiertem Umgang mit Säuglingen und (Klein-) Kindern - aus bekannten Gründen: auf genau diese Weise (Schwarze Pädagogik) schafft man gehorsame Untertanen (siehe freiwillige Knechtschaft) - beschädigte, emotional verpanzertes, leicht manipulier-, instrumentalisierbares Menschenmaterial:
 
"[...] Neben den nach nationalsozialistischen Vorstellungen umgestalteten Kindergärten[3] gab es Versuche, „den neuen Menschen“ im Sinne des Nationalsozialismus zu „züchten“. Aus den Erziehungsschriften der Ärztin Johanna Haarers (1900–1988) wird deutlich, wie sehr die ideologische Forderung nach Härte im Nationalsozialismus auch den Umgang mit Kleinkindern geprägt hat.[4] Sie behandelt Kinder ab der Geburt als Wesen, deren Schreien und Flehen nicht nachgegeben werden soll. Der Aufbau einer liebevollen Beziehung zwischen Eltern und Kindern soll verhindert werden, wobei die Kindererziehung selbstverständlich Aufgabe der Mutter ist. [...]"
 
Quelle: Wikipedia - "Erziehung im Nationalsozialismus"
 
Die Parallelen zu heute: siehe das Mütter-, Frauen-, Familienbild der AfD:
 
"[...] „Der Führer entwickelt ganz neue Gedanken über unsere Stellung zur Frau. Die sind für den nächsten Wahlgang von eminenter Wichtigkeit; denn gerade auf diesem Gebiet sind wir bei der ersten Wahl hart angegriffen worden. Die Frau ist Geschlechts- und Arbeitsgenossin des Mannes. Sie ist das immer gewesen und wird das immer bleiben. Auch bei den heutigen wirtschaftlichen Verhältnissen muß sie das sein. Ehedem auf dem Felde, heute auf dem Büro. Der Mann ist Organisator des Lebens, die Frau seine Hilfe und sein Ausführungsorgan. Diese Auffassungen sind modern und heben uns turmhoch über alles deutschvölkische Ressentiment.“
– Joseph Goebbels: Tagebücher, 29. März 1932[16]
 
Nach dem nationalsozialistischen Ideal sollte die Frau sich im Gegensatz zu den emanzipatorischen Entwicklungen in der Weimarer Republik wieder vermehrt dem Mann unterordnen.[17] Gesetze schränkten Berufs- und Bildungschancen der Frauen deutlich ein. Der Muttertag und die Stiftung des Mutterkreuzes wurden 1938 institutionalisiert, „um die Rolle und Wertigkeit der Frau zu untermauern“.
 
Die Emanzipation wurde als Erfindung des „jüdischen Intellekts“ bezeichnet, die die vorbestimmte Geschlechterordnung zerstöre. Hitler sagte auf dem Reichsparteitag der NSDAP am 8. September 1934 in Nürnberg: „das Wort von der Frauenemanzipation ist ein nur vom jüdischen Intellekt erfundenes Wort. Wir empfinden es nicht als richtig, wenn das Weib in die Welt des Mannes eindringt, sondern wir empfinden es als natürlich, wenn diese beiden Welten geschieden bleiben.“ [...]"
 
Quelle: Wikipedia - "Frauen in der Zeit des Nationalsozialismus"
 
"[...] Dieses Idealbild der Frau als Mutter, das von den Nationalsozialisten verbreitet wurde, wurde auch durch den damaligen Antisemitismus und durch Grundzüge der Lebensraumpolitik des Dritten Reiches beeinflusst. In ihren Augen konnte nur die deutsche Frau mit einer erstklassigen „arischen“ Abstammung dafür Sorge tragen, dass die deutsche „Rasse“ fortgesetzt wurde. Deutsche Nachkommen wurden für das „Tausendjährige Reich“ benötigt, um den Osten zu besiedeln und an das Deutsche Reich anzugliedern, außerdem sicherte ein Geburtenanstieg auch spätere Soldaten, die für den Krieg besonders wichtig waren.
 
Damit war die Frau in der nationalsozialistischen Propaganda die „Quelle der Nation“, auf deren Schultern die Zukunft des Deutschen Reiches ruhte. Die deutschen Frauen wurden öffentlich mit Charaktereigenschaften wie Selbstlosigkeit, Treue, Pflichtbewusstsein und auch Opferbereitschaft versehen, während ihnen eine bedeutende Rolle im Aufstieg des Dritten Reiches zugesprochen wurde, was ihr eigenes Selbstbewusstsein enorm steigerte, „was der Mann an Opfern bringt im Ringen seines Volkes, bringt die Frau an Opfern im Ringen um die Erhaltung dieses Volkes in den einzelnen Zellen. Jedes Kind, das sie zur Welt bringt, ist eine Schlacht, die sie besteht für das Sein oder Nichtsein ihres Volkes.“ [4] [...]"
 
Das maximale Ausbeuten, Instrumentalisieren und Verheizen von Frauen, Müttern und ihren Kindern:
 
"[...] V. Fazit
Die Nationalsozialisten wollten zu Anfang, dass die Frau im Nationalsozialismus nur Mutter und Ehefrau war. Sie sollte viele Kinder bekommen und auf diese Weise den Fortbestand des Dritten Reiches sichern. Der Mann dagegen wurde als Ernährer und Beschützer dargestellt. Um den Frauen die Mutterschaft schmackhaft zu machen, betrieben sie einen großen Mutterkult und priesen sie als besonders wertvoll, da es ihre Aufgabe sei, dem Führer und dem Volk neue Kinder zu schenken. Vermutlich war es für die Frau sehr schmeichelhaft, als „Quelle der Nation“ betrachtet oder besonders ehrenvoll behandelt zu werden, wenn sie viele Kinder hatte.
 
Doch mit dem Krieg musste sich ihre Rolle verändern. Nun musste sie auch die Rolle des abwesenden Mannes einnehmen und mit ihrer Rolle als Mutter kombinieren. Während des schwierigen Kriegszustandes, der ohnehin viele Opfer von ihnen verlangte, war dies kaum zu bewältigen, da sie sich darum kümmern musste, dass ihre Kinder sicher waren und genug zu essen bekamen.
 
Die Nationalsozialisten hatten einen Fehler gemacht, als sie in den Jahren vor dem Krieg ständig betont hatten, dass die Frau nur eine gute deutsche Mutter und Ehefrau sein sollte, die keinen Platz im Berufsleben hatte. Sicherlich war die Frau durch die Mutterschaft schon eine „Stütze“ des Dritten Reiches, aber nachdem die Männer als Soldaten in den Krieg gegangen waren, musste sie auch die Aufgaben bewältigen, die ihr vorher verboten worden waren. Trotz dieser vielen Aufgaben wurde die Frau bis zum Ende des Kriegs stets nur als Mutter geehrt, während die harten Kriegsarbeiten, die sie machte, kaum erwähnt wurden. Die Frau sollte weiterhin in der nationalsozialistischen Öffentlichkeit nur als Mutter dastehen."
 
Quelle: zukunft-braucht-erinnerung.de - "Die deutsche Frau und ihre Rolle im Nationalsozialismus"
 
"[...] Das Deutungsmonopol der Sonderpädagogik zeigt sich in der kritiklosen Übernahme sonderpädagogischer Glaubenssätze nicht nur in der Allgemeinen Pädagogik, sondern auch in der Bildungspolitik. So wird der sonderpädagogische Glaubenssatz, dass Kinder, denen die allgemeine Schule nicht gerecht werden kann, Behinderte sind und als solche sonderpädagogischer Förderung bedürfen, allgemein geteilt. Allgemein geteilt wird auch die Auffassung der Sonderpädagogik, dass für die Förderung dieser Kinder sonderpädagogische Kompetenz unverzichtbar ist, die wiederum an die sonderpädagogische Ausbildung gebunden wird. Es ist deshalb nur konsequent, wenn allgemeine Lehrkräfte erklären, dass sie Behinderte nicht angemessen fördern können, weil sie dafür nicht ausgebildet worden sind.
 
Dass es sich bei den Behinderten im deutschen Bildungssystem vorwiegend um Kinder in Armut handelt, die aus dem Mainstream der Kinder in der allgemeinen Schule negativ ausgelesen und auf der Grundlage sonderpädagogischer Diagnostik als "Behinderte" behauptet worden sind, ist allgemein nicht bewusst oder wird nicht kritisch hinterfragt. Diese Kinder machen rund 80 Prozent der in der allgemeinen Schule und rund 60 Prozent der in der Sonderschule sonderpädagogisch Geförderten aus. Das Stereotyp des Behinderten, das von Kindern mit Down-Syndrom und von Rollstuhlfahrern repräsentiert wird, trifft damit auf die Mehrheit der Behinderten im deutschen Bildungssystem nicht zu. Auch die Geschichtskonstruktionen der Sonderpädagogik werden von der Allgemeinen Pädagogik weitgehend kritiklos übernommen. [...]
 
Dagmar Hänsel: Ungeachtet der seit vier Jahrzehnten in allgemeinen Schulen praktizierten Beschulung von Behinderten hat sich die Allgemeine Pädagogik bisher kaum forschend mit der Sonderpädagogik befasst. Vielmehr hat die Allgemeine Pädagogik das sonderpädagogische Verständnis von Inklusion weitgehend übernommen und ihre "Anschlussfähigkeit" an die Sonderpädagogik betont. Ebenso ist die strikte Trennung zwischen allgemeiner und sonderpädagogischer Lehrerausbildung im Zusammenhang von Inklusion nicht verändert worden. Dabei hätte die Neustrukturierung der Lehrerausbildung im Rahmen des Bachelor- Mastersystems und die damit verbundene Neugestaltung des erziehungswissenschaftlichen Curriculums dafür eine historisch einmalige Chance geboten. Der Anachronismus der Sonderpädagogik als Fach, das neben und getrennt vom Fach Erziehungswissenschaft gelehrt wird, hätte überwunden und die Sonderpädagogik wie jede andere Teildisziplin der Erziehungswissenschaft in das erziehungs- bzw. bildungswissenschaftliche Fachstudium integriert werden können. Stattdessen weitet die Sonderpädagogik unter dem Anspruch von Inklusion ihren Einflussbereich aus und beansprucht sowohl die Sonderschule als auch die allgemeine Schule als ihr Tätigkeitsfeld. [...]
 
Dagmar Hänsel: Wer die Interessen einer Interessengruppe berührt, legt sich notwendig mit dieser an. Der Verband Sonderpädagogik, der die Interessen der sonderpädagogischen Lehrkräfte vertritt, ist aus dem Hilfsschulverband hervorgegangen und damit am Erhalt der inzwischen als Förderschule Lernen bezeichneten Hilfsschule und der sonderpädagogischen Ausbildung ihrer Lehrkräfte besonders interessiert. Das Eintreten für die Interessen der Profession wird vom Verband damals wie heute mit dem Eintreten für die Rechte der Behinderten verknüpft und moralisch stark aufgeladen. Diese moralische Aufladung ist nach der Zeit des Nationalsozialismus, in der Behinderte im Rahmen der "Euthanasie" ermordet und im Rahmen der Zwangssterilisation verstümmelt wurden, extrem gestiegen. Die deutsche Sonderpädagogik nimmt seitdem für sich in Anspruch, nicht nur für die gesellschaftliche Teilhabe und für das Bildungsrecht der Behinderten, sondern auch für die Bewahrung ihres Lebensrechts unverzichtbar zu sein. Der Versuch, das sonderpädagogische System zu beschneiden, kann damit mit dem Versuch gleich gesetzt werden, Behinderten ihr Lebensrecht abzusprechen und in die Barbarei der NS-Zeit zurückzufallen. Der Ausbau des Sonderschulsystems und die Etablierung der Sonderpädagogik als eigenständigem Fach ist von sonderpädagogischen Fach- und Verbandsvertretern nach 1945 denn auch mit dem Argument begründet worden, dass damit ein Rückfall in die Barbarei der NS-Zeit vermieden werde.
 
Allgemeine Lehrkräfte fordern, und das mit Recht, mehr Unterstützung bei der Förderung von Kindern mit Lern- und Entwicklungsschwierigkeiten, deren Zahl durch steigende Armut und Migration sprunghaft wächst. Sie fordern aber nicht zwangsläufig mehr Sonderpädagogen. Das gilt zumal dann, wenn sonderpädagogische Lehrkräfte als Berater und Entwickler allgemeiner Lehrkräfte fungieren sollen. Weitreichende Unterstützung könnte allgemeinen Lehrkräften ohne Mehrkosten geleistet werden, wenn die Kosten, die für die sonderpädagogische Förderung von Kindern mit Lern- und Entwicklungsschwierigkeiten derzeit aufgewendet werden, für pädagogische Förderung in allgemeinen Schulen verwendet und sonderpädagogischen Lehrkräfte in allgemeinen Schulen, insbesondere in Grundschulen und in Brennpunktschulen, nicht als Berater und Schulentwickler, sondern als Lehrkräfte im Unterrichten von Klassen eingesetzt würden. Zudem könnten flexible Förderangebote allgemeinen Lehrkräften helfen, Kinder pädagogisch zu unterstützen. Wie sich der Verzicht auf sonderpädagogische Förderung zu Gunsten pädagogischer Förderung durch allgemeine Lehrkräfte auswirken kann, habe ich an einem Beispiel, dem Fall des Schülers S., in der Zeitschrift SchulVerwaltung ( 11/2012) verdeutlicht. Nachdem S. in einer Schule für Geistigbehinderte als "Schwerstmehrfachbehinderter" sechs Jahre beschult worden war und dort nicht lesen gelernt hatte, wurde er als Nichtbehinderter in eine Hauptschule umgeschult. S., der aus benachteiligten sozialen Verhältnissen stammt, ist weder intellektuell noch körperlich beeinträchtigt. In der Hauptschule ist S. von seiner Klassenlehrerin neben dem Klassenunterricht fünf Stunden in der Woche individuell pädagogisch gefördert worden. Er hat lesen gelernt und inzwischen die Zwischenprüfung in seinem Ausbildungsberuf erfolgreich bestanden. [...]
 
Die forschende Auseinandersetzung mit der Sonderschule und der Sonderpädagogik im Nationalsozialismus halte ich für besonders wichtig, nicht nur weil es zu diesem Bereich in der Sonderpädagogik kaum Forschung gibt oder diese von Außenseitern betrieben wird, die aus dem sonderpädagogischen Diskurs ausgeschlossen bleiben. Auch in der Geschichtswissenschaft gibt es zur Sonderschule keine Forschung. Obwohl (ehemalige) Hilfsschülerinnen und Hilfsschüler als "angeboren Schwachsinnige" die Hauptgruppe der Opfer der Zwangssterilisation darstellten, ist dieser Zusammenhang aus der geschichtswissenschaftlichen Forschung zur Zwangssterilisation ausgespart geblieben. Das gilt auch für die geschichtswissenschaftliche Forschung zur Sozialgeschichte der deutschen Schule.
 
Durch Forschung lassen sich nicht nur verborgene Zusammenhänge aufdecken, sondern auch Geschichtskonstruktionen der sonderpädagogischen Historiographie als Mythenerzählungen erweisen. Bis heute lebt die Mythenerzählung von der versuchten Abschaffung der Hilfsschule und dem Verbot der Hilfsschullehrerausbildung durch das Naziregime fort, die von Sonderpädagogen in der Nachkriegszeit erfunden worden ist. Diese Mythenerzählung ist damals wie heute von zentraler Bedeutung, um Sonderpädagogen als Verfechter des Lebensrechts von Behinderten zu erweisen und den Ausbau des sonderpädagogische Systems moralisch zu rechtfertigen."
 
Quelle: bildungsklick.de - "Die Sonderpädagogik weitet ihren Einflussbereich aus", Hervorhebungen habe ich vorgenommen.
 
"[...] Die Hilfsschule steckt zu Beginn der NS-Zeit in einem Dilemma. Sie definiert ihre Schülerschaft als „angeboren schwachsinnig“, was die Nationalsozialisten in ihren Vorstellungen mit „erbkrank“ gleichsetzen. Wenn aber alle Schüler der Hilfsschule „erbkrank“ sind, wozu soll man die Hilfsschule dann erhalten? Welche Eltern würden ihr Kind freiwillig auf diese Schule schicken? Karl Tornow löst dieses Problem.
 
Er führt den Begriff der „Behinderung“ ein. Er definiert Hilfsschulkinder als Kinder, „die ein bisschen zurück sind“. „Beim einen ist es das Lesen, beim anderen das Schreiben, beim dritten das Erzählen, beim vierten das Diktat oder das Auswendiglernen. Der fünfte ist unruhig, passt nicht auf, er kann nicht stillsitzen. Der sechste ist langsam und pomadig, nichts kann ihn aus der Ruhe bringen.“
 
Tornow betont, dass diese Hilfsschüler nicht zwangsweise „erbkrank“ seien. Er grenzt sie von „Schwachsinnigen“ ab, die in die Anstalt gehörten. Den Nationalsozialisten gegenüber legitimiert er die Hilfsschule, weil sie die „schwachen Kinder“ aus der Volksschule fernhalte und gleichzeitig ein Sammelbecken für „potenziell erbkranke Kinder“ sei, die man sterilisieren könne.
Heutige Schätzungen gehen davon aus, dass die Hälfte der Hilfsschüler im Dritten Reich sterilisiert wird.
 
Problematische Aufarbeitung
1934 führt Tornow erstmals in Deutschland den Begriff Sonderpädagogik als zentralen Fachbegriff ein. In einer Rede erklärt er, dass es bei der Arbeit der Sonderpädagogen nicht auf die einzelne Schädigung eines Kindes ankomme, ob es blind, taub oder langsam sei, sondern darauf, ob die Gefahr bestehe, dass jemand „behindert“ sei, sich unter „Benutzung der üblichen Bildungs- und Erziehungseinrichtungen“ zum „vollwertigen und lebenstüchtigen Mitglied des deutschen Staates“ zu entwickeln. „Der Begriff der Besonderung“, erklärt Tornow, habe den Vorteil, dass eine Abweichung vom Üblichen mitgedacht werde, „ohne daß sich wie beim Heilen eine Sinngebung auf Krankes, Anormales, Defekthaftes, und wie die gefühltsbetonten Dinge alle heißen, einschleicht.“
 
Für Hänsel begründet Tornow damit das berufliche Selbstverständnis der Sonderpädagogen, das bis heute gilt. Doch davon wolle man heute nichts wissen: „In kaum einer Überblicksdarstellung der Sonderpädagogik und in keiner Begriffsgeschichte finden sie auf diese Ursprünge einen Hinweis.“ Auch zu anderen zentralen NS-Sonderpädagogen läge bis heute keine nennenswerte Forschung vor.
 
Das Problem mit der Aufarbeitung sei, dass die offizielle Geschichtsschreibung der Sonderpädagogik seit der Nachkriegszeit vom Verband Sonderpädagogik und ihm nahestehenden Sonderpädagogen bestimmt werde, behauptet Hänsel. „Kein Historiker oder Erziehungswissenschaftler hat sich bisher eingehend mit dem Thema beschäftigt. Es ist eine komplett interne Sache.“ Bis jetzt.
 
Der Verband Sonderpädagogik gründet sich nach 1945, zunächst unter dem Namen Verband deutscher Hilfsschulen. Er hat das erklärte Ziel, das Hilfsschulsystem in Deutschland auszubauen und das Sonderschulsystem auszudifferenzieren. Zwar bezieht sich der neue Verband auf den 1933 aufgelösten Hilfsschulverband der Weimarer Republik, doch viele seiner führenden Vertreter waren in den Nationalsozialismus verstrickt.
 
Gustav Lesemann, der bis zu seinem Tod 1973 als „Vater der Sonderpädagogik“ gilt und Ehrenvorsitzender des Verbands ist, äußert sich 1931: „Solange man sich nicht entschließen kann, zur Zwangsuntersuchung vor der Ehe, zur Sterilisierung tiefstehender Schwachsinniger zu greifen, bleibt die Erziehung so ziemlich der einzige Weg der Fruchtbarkeitsauslese.“
 
Während des Nationalsozialismus kritisiert er sogar die angeblich zu lasche Anwendung des Gesetzes zur Verhütung „erbkranken“ Nachwuchses: „Ich persönlich stehe auf dem Standpunkt, daß man hier und da ruhig einmal einen Zweifelsfall mehr sterilisieren soll, anstatt etwa (…) viele durchrutschen zu lassen, die in Wirklichkeit sterilisiert werden müßten.“ Noch heute ist eine Förderschule in Baden-Württemberg nach ihm benannt.
 
Er machte sich zum Anwalt dieser Kinder
Es sind nicht nur personelle Kontinuitäten, die den Verband Sonderpädagogik in der Nachkriegszeit prägen. Man baut auch auf den Ideen aus der NS-Zeit auf. Man orientiert sich an den Unterrichtsrichtlinien, die Tornow 1942 für das Dritte Reich entwickelt hat, man nutzt die Ausbildungskonzepte für Sonderschullehrer, Unterrichtmaterialien, Elternbroschüren. [...]
 
„Sonderpädagogen legitimieren sich bis heute moralisch als Anwälte für das Lebensrecht behinderter Menschen“, sagt die Erziehungswissenschaftlerin Hänsel. „Aber die Sonderpädagogik – besonders die Lernbehindertenpädagogik – hat sich ihren fundamentalen Ausbau in der Nachkriegszeit auf dem Rücken ihrer NS-Opfer erschlichen.“
 
Keine Hinweise auf der Webseite des Verbands
Der Verband hält sich mit Informationen zu seiner NS-Geschichte eher bedeckt. Auf der Internetseite findet man keinerlei Hinweise. Wer auf Wikipedia nachschaut, findet lediglich einen kurzen Passus, in dem steht: „Der Verband gründete sich 1898 als Verband deutscher Hilfsschulen. 1955 erfolgte die Umbenennung in Verband deutscher Sonderschulen, im Jahre 2008 in Verband Sonderpädagogik.“ [...]
 
Ähnlich sieht das auch der Sonderpädagoge Werner Brill, der jahrelang Ellger-Rüttgardts Assistent war. 2010 legt er eine Habilitation über die NS-Zeit vor. Er greift seine Kollegen scharf an: „Vieles ist geprägt durch ideologische Denkmuster, durch standespolitische Interessen, durch Rücksichtnahmen und durch politische Lagerbildung.
 
Noch immer kann z. B. keine Monographie zum Thema ‚Sonderschule im NS-Staat‘ mit gutem Gewissen empfohlen werden.“ Ein durchgängiges Phänomen sei die „unkritische Übernahme von Positionen anderer“, ohne dass „deren Darstellungen hinterfragt werden. Aus Meinungen werden Fakten.“ Oft werde auf Nachweise verzichtet. Besonders problematisch sei, dass die Geschichte der NS-Zeit beinahe ausschließlich von ehemaligen Hilfsschullehrern und nicht von Externen geschrieben werde. [...]
 
Brills Habilitation fällt beinahe durch. Von drei Gutachtern stimmt einer dagegen. Brill hat vor einigen Monaten Akteneinsicht genommen und gesehen, dass das Veto vom Sonderpädagoge Clemens Hillenbrand stammt, der Schriftleiter des Verbands ist. Brill berichtet, er sei Hillenbrand vorher im Rahmen einer Probevorlesung für eine Professur begegnet. Brill hatte in seiner Probevorlesung die Forschungspraxis von sonderpädagogischen Historikern wie Ellger-Rüttgardt kritisiert. Hillenbrand habe ihm zu verstehen gegeben, dass man diese Personen aufgrund ihrer großen Verdienste für die Sonderpädagogik nicht auf solche Weise kritisieren dürfe. Auf Nachfrage der taz erklärte Hillenbrand, er dürfe sich zu den Vorwürfen aus juristischen Gründen nicht äußern.
 
Ein AfDler ist Referent des Verbands
Ein externes Gutachten rettet Brills Habilitation. Es würdigt die Arbeit als wichtige Pionierleistung. Besprochen wird die Studie von fast niemandem, obwohl Brill Exemplare an alle wichtigen Sonderpädagogen schickt. „Man versucht, es unter den Teppich zu kehren“, sagt er. [...]
 
Der Verband Sonderpädagogik reagiert nun auf die Kritik. Er hat angekündigt, auf seinem nächsten Bundeskongress auch die Rolle der Sonderpädagogik im Dritten Reich zu diskutieren, er findet am kommenden Wochenende in Weimar statt. Als Vortragende hat man Dagmar Hänsel eingeladen. Sie ist gespannt, aber auch skeptisch: „Ich publiziere seit Jahren, und es ist nie etwas passiert. Wahrscheinlich will man sich den Anschein geben, als setze man sich mit der Kritik auseinander – und dann weitermachen wie bisher.“
 
Hänsel hat Gründe für ihre Skepsis. Als einziger Nachwuchswissenschaftler wurde Frank Brodehl eingeladen. Brodehl ist Taubstummenlehrer und im Landesvorstand der AfD in Schleswig-Holstein. Er ist vor Kurzem zum stellvertretenden Referenten des Verbands für den Schwerpunkt Hören ernannt worden, nachdem er letztes Jahr eine Dissertation zur NS-Geschichte vorgelegt hat. Sie trägt den Titel: „Widerstand, Anpassung, Pflichterfüllung? Zur Konfrontation der Taubstummenpädagogik mit dem Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses vom 14. Juli 1933.“ Doktorvater ist der Verbandsschriftleiter Clemens Hillenbrand. [...]"
 
Quelle: taz.de - "Sonderpädagogik und Nationalsozialismus - Behinderte Aufklärung"
 
"[...] Die Mär von der Unverzichtbarkeit sonderpädagogischer Diagnostik
Bis heute ist es der wissenschaftlichen Sonderpädagogik gelungen, ihre Diagnostik als „unverzichtbare Kernkompetenz“ im Bewusstsein der  Bildungspolitik und der Öffentlichkeit zu verankern.
Dementsprechend tragen die Fortbildungskonzepte für inklusive Schulentwicklung in allen Bundesländern fast ausschließlich eine sonderpädagogische Handschrift. Darin werden den Sonderpädagogen die Diagnostik und die Beratung der allgemeinen Pädagogen als neues Aufgabenfeld in der „inklusiven“ Schule zugewiesen. Die taufrisch aufgelegte Broschüre des nordrhein-westfälischen Schulministeriums über „Sonderpädagogische Förderschwerpunkte in NRW“ aus ausschließlich sonderpädagogischer Sicht liefert einen typischen Beweis für die sonderpädagogische Definitionsmacht in der Schulpolitik. [...]
 
Schon seit den 1970er Jahren gibt es begründete wissenschaftliche Kritik an der Sinnhaftigkeit sonderpädagogischer Diagnostik. Wissenschaftler wie Ulf  Preuss-Lausitz, Alfred Sander und Reimer Kornmann haben wiederholt empirisch nachgewiesen, dass die mittels sonderpädagogischer Diagnostik als „lernbehindert“ etikettierten Sonderschülerinnen und -schüler  –  die weitaus größte Gruppe unter den Schülern mit sonderpädagogisch festgestelltem Förderbedarf  –  nicht eindeutig abgegrenzt werden können von schulschwachen Schülerinnen und Schülern der allgemeinen Schulen. Da eine „Lernbehinderung“ kein objektivierbarer Sachverhalt sei, sei ein diagnostischer Abgrenzungsversuch mit der Zuweisung zur Sonderschule ein ebenso widersinniges Unternehmen wie die Sonderschule für Lernbehinderte selbst.
 
Angesichts des nachgewiesenen extrem engen Zusammenhangs von  sozioökonomischer Benachteiligung und diagnostizierter „Lernbehinderung“  hat Prof. Hans Wocken in seiner sarkastischen Kritik an der Sonderpädagogik vorgeschlagen, die Sonderpädagogik solle anstelle von Intelligenztests doch gleich den Zollstock als Messinstrument für „Lernbehinderung“ einsetzen, da die Anzahl der Bücher in den elterlichen Wohnungen  ein verlässlicher Prädikator für eine solche Diagnose sei.
 
Migrantenkinder überrepräsentiert
Prof. Lisa Pfahl hat in ihrer Diskursanalyse zu „Lernbehinderung“ 2011 festgestellt, dass die Sonderpädagogik uns bis heute eine aussagekräftige wissenschaftliche Definition von „Lernbehinderung“ schuldig bleibt. Unter dem Label „lernbehindert“ fasse die Sonderpädagogik alle Kinder zusammen, die „nach unten“ abweichen und an den Regelschulen nicht ausreichend gefördert werden. „Lernbehinderung“ werde  ausschließlich relational als negative Abweichung von der Durchschnittsleistung der Kinder der betreffenden Klasse, Schule oder eines Altersjahrgangs bestimmt. Sie werde immer mit individuellen Defiziten begründet. Damit lasse sich auch erklären, warum Migrantenkinder mit Problemen in der deutschen Sprache im Verhältnis zu herkunftsdeutschen Schülerinnen und Schülern in Sonderschulen überrepräsentiert sind.
 
In den von Pfahl untersuchten Bildungsbiografien von Sonderschülerinnen  und -schülern zeigt sich in Übereinstimmung mit anderen Studien, dass mit der Zuschreibung der Kategorie der „Behinderung“ ein Verlust des Selbstwertgefühls einhergeht, der zu lebenslangen einschränkenden  „Selbsttechniken der Behinderung“ führt. Daher plädiert sie nachdrücklich dafür, die behinderungsspezifische Etikettierung und Klassifizierung von Kindern im Rahmen der individuellen Feststellungsdiagnostik zu beenden und die Sonderschule mit dem Förderschwerpunkt Lernen aufzulösen.
 
In historischer Perspektive hat Prof. Dagmar Hänsel nicht nur die vielfältigen Verstrickungen der Sonderpädagogik mit der nationalsozialistischen Politik detailliert nachgezeichnet. Sie hat auch nachwirkende Kontinuitäten in den bestehenden sonderpädagogischen Strukturen analysiert. Sie hat u.a. sichtbar gemacht, dass die Konstruktion der „Lernbehinderung“ an die fragwürdigen Grundlagen anknüpft, die vor und im Nationalsozialismus von der Hilfsschulpädagogik gelegt wurden. 
   
Sonderpädagogische Diagnostik als Etikettierungsschwindel
Wocken hat in jüngster Zeit nachgewiesen, dass der Anstieg der Inklusionsquoten nicht im Sinne der UN-Behindertenrechtskonvention  mit rückläufigen Schülerzahlen in den Sonderschulen einhergeht. Er ist auf „sonderpädagogische Metamorphosen“ zurückzuführen, so Wocken. Vermehrt würden Kinder in den Grundschulen, die früher dort als schwache Schülerinnen und Schüler geführt wurden, heute mittels sonderpädagogischer Diagnostik als Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf identifiziert und zu „Inklusionskindern“ gemacht.
Diese Praxis ist für die Grundschulen nützlich, da sie sich damit eine zusätzliche  sonderpädagogische Ressource erschließen. Die Sonderschulen können sich mit dem Anstieg der sonderpädagogischen Förderquoten als Parallelsystem erhalten und die Kultusministerien benutzen die boomenden Inklusionsquoten als Beweismittel für ihre gelingende Inklusionspolitik. Lediglich für die betroffenen Schülerinnen und Schüler ist und bleibt die Etikettierung und Kategorisierung als „behindert“ stigmabehaftet und diese werden sie in der Regel auch nicht wieder los.
 
Einmal Sonderschule, immer Sonderschule
Der Landesrechnungshof  NRW hat 2013 in seinem Bericht an den Landtag „über den Schulbetrieb an öffentlichen Förderschulen“ auf den längst bekannten Sachverhalt kritisch hingewiesen, dass die Förderschulen in der Rückführung ihrer Schülerinnen und Schüler versagen. [...]
 
Die vorgeschriebene jährliche Überprüfung des sonderpädagogischen Förderbedarfs durch Sonderpädagogen ist daher ein höchst unwirksames Mittel, einmal gefasste sonderpädagogische Entscheidungen im Sinne einer Rückführung zu korrigieren. [...]
 
Während erfreulicherweise die Förderquoten im Bereich Lernen seit 2008 sinken und damit weniger Kinder mit dem zweifelhaften Etikett „lernbehindert“ klassifiziert werden, steigen die Anteile der Kinder mit festgestelltem Förderbedarf in den Förderschwerpunkten Emotionale und soziale Entwicklung sowie Geistige Entwicklung auffällig an. Bei kritischen Beobachtern legt diese Entwicklung den Verdacht nahe, dass Schülerinnen und Schüler, denen früher von der Sonderpädagogik eine „Lernbehinderung“ zugeschrieben wurde, jetzt vermehrt zu den Förderschwerpunkten Geistige Entwicklung oder Emotionale und soziale Entwicklung umgeleitet werden.
 
Alter Wein in neuen Schläuchen: RTI als Retter sonderpädagogischer Diagnostik
Die wissenschaftliche Sonderpädagogik hat für sich längst erkannt, dass der Glaube an die absolute Verlässlichkeit sonderpädagogischer Diagnostik angesichts der vielen „Ungereimtheiten“ gestärkt werden muss. Wie will sie beispielsweise erklären, dass die Förderquoten in den Bundesländern höchst unterschiedlich ausfallen und sogar innerhalb eines Bundeslandes und einer Region extrem voneinander abweichen?
 
Mit dem in den USA entwickelten Programm RTI (Response to Intervention) verspricht die Sonderpädagogik der Bildungspolitik ein evidenzbasiertes, d.h. wissenschaftlich erprobtes Diagnoseinstrument, das zudem mit einem  Präventionsprogramm für Kinder mit Lern- und Verhaltensproblemen verbunden ist. Auf der Basis standardisierter Testdiagnostik soll bei den frühzeitig ermittelten „Risikokindern“ eine intensivierte Förderung mit standardisierten Förderprogrammen vorgenommen werden. Diese werden in einer engmaschigen Lernverlaufsdiagnostik auf ihre Wirksamkeit überprüft und können je nach Bedarf gesteigert werden.
 
Das RTI-Modell, so die Kritiker, ist darauf  angelegt, sich selbst zu bestätigen. Da die Instrumente der Diagnostik und Förderung für sich beanspruchen, „evidenzbasiert“ zu sein, kann es nur am Kind liegen, wenn die Förderung nicht entsprechend  wirkt. Respondiert das Kind in der gewünschten Weise, dann hat RTI gewirkt. Wenn es trotz intensivster Förderung keine Lernfortschritte macht, dann hat es einen zweifelsfrei erwiesenen sonderpädagogischen Förderbedarf.
Für die Kritiker untergräbt RTI die Inklusion, da unter dem Vorzeichen von Inklusion lediglich eine modernisierte Variante der traditionellen medizinisch-defektologischen  Diagnostik zur Anwendung kommt. Es handelt sich um alten Wein in neuen Schläuchen. Mit der früh einsetzenden, regelmäßigen Vermessung aller Kinder durch sonderpädagogische Tests und der Vermessung der Effekte von Förderprogrammen seien Stationen markiert, die in letzter Konsequenz  in die individuelle Diagnose „Behinderung“ einmünden, wenn die Kinder nicht erfolgreich „respondieren“.  
 
Plädoyer für eine inklusive Diagnostik in der inklusiven Schule
Für Inklusionsbefürworter kann das Ziel der Diagnostik in einem inklusiven Klassenzimmer nicht mehr darin bestehen, „Fehlentwicklungen“ bei Kindern  frühzeitig zu identifizieren und die Kinder entsprechend zu kategorisieren, zu klassifizieren und damit auszugrenzen oder auszusondern. Inklusion misst  Kinder nicht an einem Normalitätsverständnis, das vorschreibt, was Kinder zu einem bestimmten Zeitpunkt zu können haben. „Das Prinzip der grundlegenden humanen Anerkennung setzt das Konstrukt des schlechten Schülers außer Kraft“, so die Erziehungswissenschaftlerin Annedore Prengel.
 
In der inklusiven Schule wird eine inklusive Diagnostik dringend gebraucht, die die individuellen pädagogischen Angebote und sonstigen Rahmenbedingungen  begründet, die ein Kind für seine gleichberechtigte Teilhabe am Lernen und Leben in der schulischen Gemeinschaft benötigt. Diese Diagnostik geht davon aus, dass jedes Kind das Recht hat, dass in der Begleitung seines Lernprozesses die Barrieren aufgedeckt, vermindert und abgebaut werden, die sein Lernen behindern oder verhindern. Jedes Kind hat das Recht auf individuelle Unterstützung seiner Lernwege, unabhängig davon, auf welcher Stufe es kompetent ist.
Diese verantwortungsvolle Aufgabe kann nur in Kooperation und Dialog mit den am Lernprozess beteiligten Akteuren und mit Einbindung und Unterstützung unterschiedlicher pädagogischer Professionen und Experten gelingen. Dazu gibt es verschiedene Vorschläge. Dabei muss gesichert sein, dass die Lernenden immer eine Stimme haben. [...]
 
Es kann also unter dem Vorzeichen von Inklusion nicht darum gehen, die sonderpädagogische Diagnostik ausgeklügelt zu verfeinern, sie durch standardisierte Programme und Verfahren zu vereinheitlichen und durch verbesserte  Kontrollmechanismen weniger „fehleranfällig“ zu machen, um sie damit weiterhin pädagogisch und bildungspolitisch als Spezialdisziplin für Diagnostik zu legitimieren. Sonderpädagogische Diagnostik ist theoretisch und praktisch mit ihrer Verankerung in der Sonderpädagogik und den damit verbundenen aussondernden Strukturen ungeeignet, inklusive Lernprozesse zu unterstützen. Sie ist verzichtbar."

Quelle: bildungsklick.de - "Sonderpädagogische Diagnostik: fragwürdig, beschädigend, verzichtbar", Hervorhebungen habe ich vorgenommen.
 

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