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Sabeth schreibt

Poesie Melancholie Philosophie Feminismus Anarchismus

Über Deutschsein, Nationalismus, Identität, Identifikation und die eigentlichen Probleme der neuen alten Rechten

 
"[...] Ein Volk ist stets eine ziemlich engumgrenzte Gemeinschaft; eine Nation aber umfaßt in der Regel eine ganze Anzahl verschiedener Völker und Völkerschaften, die durch mehr oder weniger gewaltsame Mittel in den Rahmen einer gemeinsamen Staatsform gepreßt wurden. In der Tat gibt es in ganz Europa keinen Staat, der nicht aus einer ganzen Reihe der verschiedensten Völkerschaften besteht, die ursprünglich durch Abstammung und Sprache voneinander getrennt waren und lediglich aus dynastischen, wirtschaftlichen oder machtpolitischen Interessen gewaltsam zu einer Nation zusammengeschweißt wurden. [...]
 
Aber jene Völker, die im Namen der nationalen Befreiung das Joch einer verhaßten Fremdherrschaft von sich abschüttelten, haben dadurch auch nichts gewonnen; in den meisten Fällen haben sie nur ein neues Joch auf sich genommen, das häufig viel bedrückender ist als das alte. Polen, Ungarn, Jugoslawien und die Randstaaten zwischen Deutschland und Rußland sind klassische Beispiele dafür. Die Verwandlung menschlicher Gruppierungen in Nationen, das heißt in Staatsvölker, hat der allgemeinen gesellschaftlichen Entwicklung Europas keine neuen Ausblicke erschlossen; sie hat sich vielmehr zu einem der festesten Bollwerke der internationalen Reaktion ausgewachsen und ist heute eines der gefährlichsten Hindernisse für die soziale Befreiung. [...]
 
Damit aber der Wille der wenigen der Wille aller werde – denn nur so kann er seine volle Wirksamkeit entfalten –, müssen alle Mittel des geistigen und seelischen Drills herhalten, um ihn im religiösen Bewußtsein der Massen zu verankern und ihn zu einer Sache des Glaubens zu gestalten. Die wahre Stärke jedes Glaubens aber liegt eben darin, daß seine Priester die Trennungslinien, welche den «Rechtgläubigen» von dem Bekennertum anderer Glaubensgemeinschaften scheiden, möglichst scharf herausarbeiten. Ohne die Ruchlosigkeit des Satans wäre es um die Größe Gottes schlecht bestellt. – Nationale Staaten sind politische Kirchengebilde. Das sogenannte Nationalbewußtsein, das dem Menschen nicht angeboren, sondern anerzogen wird, ist eine religiöse Vorstellung; man ist Deutscher, Franzose oder Italiener, wie man Katholik, Protestant oder Jude ist."
 
 
update: Das von mir verlinkte Video wurde zwischenzeitlich auf youtube gelöscht. Meine Stellungnahme lösche ich indessen nicht.
 
So verhält es sich: genau hierin, siehe, was Götz Kubitschek in oben verlinktem Video über "den Menschen" äußert, liegt das grundsätzliche Problem - der tiefe, unüberwindliche Graben zwischen "links" und "rechts", zwischen linksprogressiv-liberal und rechtskonservativ eingestellten bzw. entsprechend vor allem f ü h l e n d e n Menschen.
 
Ich kann mich diesbezüglich leider nur so permanent wie konsequent wiederholen.

Nein, es ist keineswegs "das Gegebene" - das rechte, das konservative Menschenbild vom Menschen als qua Natur (Biologie bzw. Biologismus) "schlechtem, bösen, dressurbedürftigen, unvollkommenen" Wesen, des Menschen als des Menschen Wolf, des mit der "Erbsünde" belegten, belasteten und von (einem) Gott in die Welt, "an seinen Platz gestellten" Menschen.


All das, all dieses Denken, Fühlen bringt kein einziger Mensch so mit auf die Welt - es ist all das F o l g e von Ideologie, von Indoktrinierung, von Schwarzer Pädagogik: Druck, Zwang, Kontrolle, Härte, Strenge, emotionale Kälte, Strafe, DressurGewalt (physische und/oder psychisch-emotionale). Folge von nicht bedürfnisorientiertem, liebevollen, einfühlsamen, empathischen, feinfühligen, respektvollen Umgang mit insbesondere Kindern.

Und dass es sich so verhält, veranschaulicht uns die menschliche Geschichte - von Kriegen, Gewaltherrschaft, Folter, Unterwerfung, Ausbeutung, Vernichtung - seit Bestehen bzw. mit Beginn des Patriarchats in aller Deutlichkeit und Brutalität.

Wenn also aufseiten der Konservativen, der Rechten von "dem" Menschen die Rede ist, so ist grundsätzlich vor allem bis fast ausnahmslos der Mann gemeint, siehe Androzentrismus, und es wird sich ausschließlich (!) am nach wie vor und seit bereits ca. 10 000 Jahren bestehenden Patriarchat orientiert und auf selbiges bezogen, denn:

Was wir in sämtlichen - auch den wenigen noch heute bestehenden (Khasi, Mosuo, Minangkabau ...) - sogenannten Matriarchaten vorfinden, ist vor allem ein spezifisches Merkmal: Gewaltlosigkeit.

Und auch in "tierischen Matriarchaten" wie bspw. bei den Bonobos finden wir genau das vor.

Überdies ist längst wissenschaftlich bestätigt, was konservativ denkende bzw. fühlende Menschen kennzeichnet und was Linksprogressive, siehe hierzu die beiden unten verlinkten blog-Einträge über Konservative, inklusive darin eingebundene zahlreiche, seriöse Quellen.

Der Konservative kann sich all das, das für den Linksliberalen selbstverständlich ist, nicht einmal vorstellen und er, der Konservative, projiziert all seine ureigenen charakterlichen Defizite, Niederheiten, persönlichen Schwächen, sozialen und psychisch-emotionalen Unzulänglichkeiten auf alle anderen Menschen - daher die Annahme, alle Menschen seien zu dressierende "Wölfe", sie seien "von Natur aus schlecht, böse, dumm, sadistisch" ... .

Der Konservative kann sich nicht im Ansatz vorstellen, denken, noch weniger f ü h l e n - siehe Mitgefühl, Feinfühligkeit, Sensibilität, Empfindsamkeit, Reflektiertheit, Reflexions-, Differenzierungsvermögen - dass es Menschen gibt, die tatsächlich altruistisch, ohne Zwang, ohne religiös, ideologisch oktroyierte Moral mitfühlend denken, fühlen, handeln wollen und können - und das eben auf Basis i n t r i n s i s c h e r Moral - des basalsten Urgrunds jeglicher dauerhaft lebbarer Moral bzw. Ethik: des Mitgefühls, der Liebesfähigkeit.
 
Lieben heißt vor allem bedürfnisorientiert-fürsorglich (nicht paternalistisch!), respektvoll, zugewandt, mitfühlend g e b e n, geben können, geben wollen und darin, dadurch Verbundenheit, Freude, Sinn, Erfüllung zu erleben, zu erfahren.

Dass und warum der konservative Mensch das nicht kann, hat seine Gründe, siehe oben genannt - sie liegen vor allem in seiner Kindheit und das im Übrigen global zutreffend, in den in seiner jeweiligen Kindheit aufgrund von Ideologien, Indoktrination und nicht-bedürfnisorientiertem Umgang (!) erlittenen und lebenslang wirksamen Beschädigungen, den daraus resultierenden Folgen für sein Fühlen, Denken, seine Glaubenssätze, sein Welt-, Menschen- und Selbstbild.


D a s ist das eigentliche, tatsächliche globale Problem: der noch immer global weit verbreitete Konservatismus, das Patriarchat (siehe strukturelle Gewalt).

Doch gibt es nachweislich eben auch links eingestellte, so denkende und f ü h l e n d e Menschen - was der Konservative für nicht möglich, stattdessen für eine Täuschung hält, eben weil er selbst emotional so verpanzert ist, dass er es sich nicht einmal vorzustellen vermag, dass andere Menschen tatsächlich völlig anders fühlen und infolgedessen denken und sich verhalten können als er.

Was hier Abhilfe schüfe und das im Übrigen global und längst gebotenerweise, ist vor allem der bedürfnisorientierte Umgang mit Säuglingen, mit Kindern, sodann, infolgedessen globale Säkularisierung, globale praktizierte, gelebte Geschlechterparität (Gleichwertigkeit, Gleichwürdigkeit der Geschlechter), das Stärken und Unterstützen von Frauen, Müttern - da sie als biologische Mütter, siehe Schwangerschaft, Geburt, Stillzeit, unersetzlich, unentbehrlich sind und somit schon vorgeburtlich intensiv mit dem Ungeborenen verbunden, idealerweise deshalb auch die erste Bezugsperson, also auch die soziale Mutter, siehe Bindung, Beziehung, Urvertrauen, Selbstvertrauen, Resilienz - von weiblichem Einfluss, von weiblicher, idealerweise nicht-paternalistischer, sondern mitfühlender, bedürfnisorientierter Fürsorglichkeit, Verantwortung, Liebesfähigkeit.

Für all das ist keine einzige Religion, kein religiöser Glaube erforderlich, sondern einzig die jedem Menschen angeborene Fähigkeit zu Mitgefühl.
 
Ethik folgt erst im weiteren Schritt, auf der rationalen, der Metaebene; keine Ethik könnte im Sinne des Menschen, seines Wohlergehens sein ohne das basale Fundament des Mitgefühls, ohne intrinsische Moral, ohne dieses Mitgefühl würde, wäre Ethik missbräuchlich, gefährlich, schädlich, destruktiv.

Doch genau dieses jedem Menschen (und auch anderen Primaten) angeborene Mitgefühl wird gerade bei Kindern weltweit systematisch beschädigt, abgeschwächt oder auch gänzlich zunichtegemacht - durch den falschen Umgang mit ihnen, siehe wie oben dargelegt. Patriarchale, autoritäre Verhaltensweisen, Erziehungsvorstellungen, Ideologien machen es zunichte - sowohl bei Kindern als auch Erwachsenen.
 
Ja, wenn "wir" - Rechtskonservative und Linksprogressive - uns hierüber nicht einigen können, wenn wir das nicht als die tatsächliche Faktengrundlage anerkennen, akzeptieren (können bzw. wollen), dann wird der Graben zwangsläufig unüberwindlich bleiben.

Fangen wir also bei den Kindern an - hören wir auf, sie zu beschädigen: in Familien, in (staatlichen) Schulen, in der Gesellschaft, gesellschaftlichen Institutionen - überall auf der Welt.

Dafür braucht es das Stärken vor allem der Mütter, die Abkehr von Kleinfamilie, patriarchaler Ehe, von Neoliberalismus, Kapitalismus, Faschismus, Rassismus, Nationalismus, dem Gleichsetzen von Arbeit und Erwerbstätigkeit, der sozialen Ungerechtigkeit, das Überwinden materieller Armut, das Überwinden, Einstellen, Unterlassen Schwarzer Pädagogik, Gewalt, pathologischen Narzissmus´ (inklusive typischen, stets kompensatorischen Macht-, Kontroll- und Unterwerfungsstrebens), Androzentrismus´, religiösen Glaubens. Spiritualität ist übrigens nicht gleichbedeutend mit religiösem Glauben oder Aberglauben, Esoterik, Mystik.

Erforderlich ist ein Bewusstseinswandel, Selbstreflexion, Selbsterkenntnis, statt selbstschonenden, behaglichen Selbstbetrugs, und in nicht wenigen Fällen eine gute Psychoanalyse - diesbezüglich sei abermals auf insbesondere Erich Fromm, Arno Gruen und Sandor Ferenczi verwiesen.
 
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Adorno - Faschismus - Rechtsextremismus - Narzissmus - Selbstwertproblematik - Kompensation
 
Die Sehnsucht (?) nach autoritären Systemen, weil konservative Menschen (siehe typische Gefühle Konservativer: übersteigerte Angst, Neophobie, Xenophobie, Glaube an ein "übergeordnetes Prinzip", Rückwärtsgewandtheit, erhöhtes Sicherheitsbedürfnis etc.) mit Komplexität und Veränderung heillos überfordert sind - daher die erhöhte Anfälligkeit für Reduktionismus, Biologismus, für fake news, Verschwörungsideologie und eben Autoritarismus - weil sie sich "überflüssig", "abgehängt", übergangen, nicht wertgeschätzt, nicht zugehörig f ü h l e n.

Nein, das liegt nicht an tatsächlichem Benachteiligtsein, denn dann müssten global sämtliche tatsächlich materiell armen, ausgegrenzten, erheblich benachteiligten, belasteten und beschädigten Menschen ausnahmslos eben dies sein: Rechtsextremisten, Rassisten, Faschisten - was sie de facto nicht sind.

Es ist, ich wiederhole mich, eine Sache des Charakters, der Persönlichkeit, der Prägung, Sozialisation, Identitätsbildung, Persönlichkeitsentwicklung, somit vor allem, wie stets, der Kindheit. Bitte daher immer auch Erich Fromm und Arno Gruen einbeziehen. Nach wie vor.
 
Und Arbeit nicht länger mit Erwerbstätigkeit gleichsetzen, Sinnfindung vollzieht sich nicht ausschließlich oder überwiegend via Arbeit bzw. kapitalistisch ausbeutbarer Erwerbstätigkeit. Entscheidend sind ein existenzsicherndes Einkommen, siehe BGE, Wertschätzung, Zugehörigkeit, Teilhabe, außerdem Mitgefühl und Reflexionsfähigkeit, letztlich: Persönlichkeitsreife - statt Unreife und Verbitterung, Hass, Scham und Kompensationsverhalten.
 
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Zu den Äußerungen Volker Kronenbergs im Deutschlandfunk Kultur, siehe oben verlinkten Beitrag:

Ist das Geschichtsrevisionismus? Framing? Manipulation?
Was hat Patriotismus mit freiheitlich-demokratischer Grundordnung zu tun?
Was hat die "Werteordnung", gar Demokratie mit nationalstaatlichen Grenzen zu tun?
 
Warum übergeht Kronenberg den Zusammenhang zwischen Patriotismus und Patriarchat?
 
Muss man wirklich nachhelfen oder gar bei Null anfangen? Geade in Bezug auf Linke und Patriotismus, siehe bspw. Emma Goldman und was sie über Patriotismus schrieb (siehe unten verlinkt).

Dann auch noch im Zusammenhang mit Patriotismus und Nationalismus ausgerechnet das historisch anarchistische Katalonien zu nennen, ist tatsächlich mit nichts zu entschuldigen.
 
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