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Sabeth schreibt

Poesie Melancholie Philosophie Feminismus Anarchismus

Über die "Neue Rechte" - nicht nur in Deutschland - die stets die alte Rechte war und ist - und: warum es sich so verhält ...

update 13. August 2020
 
Die "neue" alte Rechte und die "Konservative Revolution" mal wieder. Konservatismus, Rechtsextremismus.
 
Man beruft sich auf das "Naturrecht" - und meint damit faktisch Autoritarismus und Patriarchat.
 
Man beruft sich dabei auf (einen stets patriarchal männlich attributierten) "Gott" - und merkt nicht, wie absurd schon das ist, denn:
Es gibt bekanntlich keinen Gott, auch keine Götter. Es handelt sich dabei um ein menschliches Konstrukt, Phantasma, das einzig auf Glaube, also Illusion, Vorstellung, Phantasie, Irrationalität, Wissenschaftslosigkeit, Unvernunft, Selbstbetrug basiert.
 
Siehe der stets anthropomorphe, androzentrische Gott und ebensolche griechischen Götter, griechische Mythologie.
 
Man meint, auf dieser Basis und "der" Natur moralische Grundsätze, gesellschaftliche Gesetzmäßigkeiten, "Ordnungen" setzen zu können - auch all das: von Menschen gemacht, erdacht, keineswegs in "der" Natur "an sich" so vorhanden.
 
Denn:
Alles, das Menschen denken, fühlen, wahrnehmen, erkennen, benennen, analysieren, kombinieren, schlussfolgern, hinterfragen, reflektieren, woran sie weshalb wie zweifeln, was sie wie fühlen, empfinden usw. bewegt sich i m m e r n u r im Rahmen ihres menschlichen (!) Bewusstseins, somit Erkenntnis- und Interpretationsvermögens.
 
Es gibt nicht "die" Natur, "die" eine Realität, "die" eine Wahrheit.
Es gibt nur den menschlichen Wahrnehmungs- und Denkapparat bzw. -vorgang, das menschliche Bewusstsein, menschliche Gehirn, das mit dem menschlichen Körper und dessen Umwelt interagiert, darauf reagiert, davon angeregt, beeinflusst, beeinträchtigt etc. wird.
 
Insekten bspw. nehmen "die" Natur bekanntlich völlig anders wahr als wir und dies gilt auch für Menschen unter Einfluss bewusstseinsveränderner, also psychedelischer Drogen.
Es ist Neurobiologie, Hirnchemie, die da wirkt, verändert - mittels diverser Substanzen beeinflusst, verändert wird.
Und diese Veränderungen lassen sich ebenfalls durch Neurowissenschaften beobachten, beschreiben, erklären: was weshalb wie wirkt, was im Gehirn wodurch wie verändert wird, mit welchen Folgen, siehe auch Gehirnverletzungen, Gehirnerkrankungen, epileptische Anfälle etc..
 
Es gibt kein "NaturRECHT". Alles, das Menschen sich selbst moralisch setzen - Regeln, Normen, Gesetze ... - basiert auf veränderlichen Erfahrungen, Erkenntnissen, diversen äußeren Umständen, Einflüssen, Wechselwirkungen und auf Kutur, kulturellen Entwicklungen und Veränderungen.
 
Und basalster Urgrund für jegliche intrinsische - gerade nicht durch Religion, Ideologie oktroyierte - Moral ist das jedem Menschen angeborene Mitgefühl und so auch bei anderen Primaten. Siehe bspw. Spiegelneurone, Gefühle, Schmerzfähigkeit, Leidfähigkeit ... .
 
Ethik ist, was auf der Metaebene, auf Verstand und Vernunft basierend zwischen Menschen vereinbart und immer wieder modifiziert wird. Es ist die mentale, intellektuelle Ebene der Theorie(n).
 
Ethik ist Teilgebiet akademischer Philosophie und unterscheidet sich vom vorgeblichen "Naturrecht" und Religion(en) vor allem darin, dass sie eben wissenschaftsbasiert, wissenschaftliche Disziplin, auch interdisziplinär ist (Geschichte, Kulturgeschichte, Anthropologie, Evolutionsbiologie, Soziologie, Psychologie ...), somit falsifizierbar, stets modifizierbar und gerade nicht dogmatisch.
 
Und dass und warum die autoritäre, hierarchische, patriarchale Basis dieses sogenannten "Naturrechts" sich gerade nicht auf eine etwaig immer gleichbleibende "(menschliche) Natur als solche" stützen kann, zeigt sich in/an all jenen menschlichen Gemeinschaften und Kulturen, die gerade nicht hierarchisch, autoritär, patriarchal gelebt haben und leben, siehe bspw. verschiedene Jäger- und Sammler-Kulturen und sogen. Matriarchate. Siehe auch Anarchismus.
 
Es lässt sich abkürzen: Hinter all dem stehen konservative Menschen, für die es typisch, spezifisch ist, dass sie selbst massiv autoritär (geprägt) sind - zumeist seit ihrer Kindheit bereits. Ja, auch das ist psychoanalytisch zu betrachten.

Denn solche Menschen suchen, wollen das und fühlen sich zu eben dem hingezogen, das ihnen seit ihrer Kindheit vertraut ist - auch wenn es sie beschädigt hat, gerade deshalb! Denn sie scheuen den Reifeprozess und davor die Selbsterkenntnis, Selbstreflexion - die Erkenntnis des Beschädigtwordenseins: von üblicherweise ausgerechnet den eigenen Eltern.
 
Sie bleiben in infantiler Unreife verhaftet und brauchen Autoritarismus für sich selbst, dieser gibt ihnen Halt, Orientierung, Sicherheit - Vertrautheit. Und ein Gefühl von Stärke, Wert und Überlegenheit - zur Kompensation ihrer Minderwertigkeitskomplexe, Angst, Scham, Unreife.
 
Und d e s h a l b verabscheuen und bekämpfen sie alles Liberale, Freiheitliche, Bedürftige, Verletzliche (das sie als schwach interpretieren und verachten), alles Individuelle, Gefühlvolle, Mitfühlende, Ambivalente, Widersprüchliche, Sensible, Feinfühlige - es verunsichert sie intensiv, es macht ihnen Angst, es konfrontiert sie mit ihrer eigenen Verletzlichkeit, Bedürftigkeit, Haltlosigkeit, ihren eigenen Schmerzen - insbesondere jenen des Kindes, das sie einmal waren und das sich ausgeliefert, hilflos, allein fühlte, weil es von den Eltern entsprechen be-/misshandelt wurde - mehr oder weniger "subtil" gewaltvoll: psychisch-emotional und/oder auch physisch.
 
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"[...] Dass Rechtsextreme die Debatte um den demographischen Wandel mit ihren Kampagnen in den vergangenen Jahren verstärkt aufgreifen, ist durchaus einleuchtend. Wie eingangs erwähnt, können sie hier ihre Ideologie nahtlos an ein Thema des politischen Mainstreams anknüpfen. Die Thematik ist in der extremen Rechten aber nicht neu: Bereits im Nationalsozialismus war es die völkische Begründung für die Bevölkerungspolitik sowie »Rassenhygiene« der NS-Ideologie – rechtsextreme Gruppierungen beziehen sich auch nach 1945 noch auf den Begriff des »Volkstods«. Sie stellen die Veränderungen der Bevölkerungsstruktur als rassistische Apokalypse dar. Dahinter steckt die für die rechtsextreme Ideologie zentrale Konstruktion der »Volksgemeinschaft«. Diese imaginierte »Volksgemeinschaft« wird dem »Volkstod« als Ideal und Alternative gegenüber gestellt. In der rassistischen Idee einer »homogenen Gemeinschaft« sind biologistische Vorstellungen der Mutter- und Vaterschaft zentral.
 
Mit dem Bild eines angeblich »schleichenden Volkstods« versuchen die Kampagnen der Rechtsextremen den Kern völkischen Denkens »alltagstauglich« aufzuarbeiten. Im Zentrum der Propaganda wird versucht, die freie und demokratische Grundordnung anzugreifen. Das politische System der Bundesrepublik sei verantwortlich für eine Entwicklung von Gesellschaft als »Zweckverband ohne Gemeinschaftswerte« sowie für die »Gefahr des Volkstods«. Zuwanderung wird in dem rassistischen Konzept der »Volksgemeinschaft« zur drohenden »Überfremdung« – Migrantinnen und Migranten werden Rechte und Teilhabe an der Gesellschaft abgesprochen. Rechtsextreme imaginieren einen »Austausch« der deutschen Bevölkerung durch »Fremde« – forciert durch ein bewusstes Interesse der »etablierten Politik«. In dieser Verschwörungstheorie inszeniert sich die rechte Szene gleichzeitig als durch das »System« verfolgte Gruppe, die als einzige die Interessen der »Deutschen« vertrete und den Mut habe, die »Wahrheit« auszusprechen.
 
Für Frauen mag das Thema »Volkstod« interessant sein, als dass ihnen hier eine besondere Verantwortung und Relevanz zugesprochen wird: Rechtsextreme thematisieren und dramatisieren die »natürliche« Rolle der Mutter – schließlich hänge aus ihrer Sicht die Verhinderung der demografischen Apokalypse daran, dass »deutsche«, weiße Frauen »deutsche«, weiße Kinder gebären. Die im Internet von den »Unsterblichen« verbreiteten Bilder bieten die Möglichkeit, rechtsextreme Ideologie mit einem äußerlich modernen und zeitgemäßen Frauenbild zu verbinden. [...]"
 
Quelle: netz-gegen-nazis.de - "Die Kampagne `Volkstod´ (...)"
 
"[...] Nietzsche wandte sich dagegen, dass unter dem Banner nationaler Identität gleich noch eine homogene Gemeinschaft eingefordert werde, die Völker "wie in Quarantänen abgrenzen und absperren" wolle. Der Philosoph, der sich als "Heimatloser" sah, empfand sich als nicht "deutsch" genug, um – wie er schrieb – an Nationalismus und Rassenhass, an der nationalen Herzenskrätze und Blutvergiftung Europas Freude haben zu können.
 
Nein, ganz im Gegenteil: Der Basler Freidenker erfreute sich am preußischen Völker-Mischmasch. Kruden Abstammungslehren konnte er nichts abgewinnen, auch nicht einem Europa der Vaterländer. Denn als Europäer seien wir eben moderne Menschen, die der Rasse und Abkunft nach zu vielfach und gemischt sind, als dass sie versucht seien, an einer verlogenen Rassen-Selbstbewunderung teilzunehmen. [...]"
 
Quelle: Deutschlandradio Kultur - "Nietzsche über den Hornvieh-Nationalismus"
 

arte Mit offenen Karten - Die Entstehung des Rassismus´

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