Overblog
Edit post Folge diesem Blog Administration + Create my blog

Sabeth schreibt

Poesie Melancholie Philosophie Feminismus Anarchismus

Die "Konservative Revolution", Präfaschismus - Über Agitation heute und damals - über antidemokratische Bestrebungen

 
update 13. August 2020
 
Die "neue" alte Rechte und die "Konservative Revolution" mal wieder. Konservatismus, Rechtsextremismus.
 
Man beruft sich auf das "Naturrecht" - und meint damit faktisch Autoritarismus und Patriarchat.
 
Man beruft sich dabei auf einen stets patriarchal männlich attributierten "Gott" und merkt nicht, wie absurd schon das ist, denn:
Es gibt bekanntlich keinen Gott, auch keine Götter. Es handelt sich dabei um ein menschliches Konstrukt, Phantasma, das einzig auf Glaube, also Illusion, Vorstellung, Phantasie, Irrationalität, Wissenschaftslosigkeit, Unvernunft, Selbstbetrug basiert.
 
Siehe der stets anthropomorphe, androzentrische Gott und ebensolche griechischen Götter, griechische Mythologie.
 
Man meint, auf dieser Basis und "der" Natur moralische Grundsätze, gesellschaftliche Gesetzmäßigkeiten, Ordnungen setzen zu können - auch all das: von Menschen gemacht, erdacht, keineswegs in "der" Natur "an sich" so vorhanden.
 
Denn:
Alles, das Menschen denken, fühlen, wahrnehmen, erkennen, benennen, analysieren, kombinieren, schlussfolgern, hinterfragen, reflektieren, woran sie weshalb wie zweifeln, was sie wie fühlen, empfinden usw. bewegt sich i m m e r n u r im Rahmen ihres menschlichen Bewusstseins, somit Erkenntnis- und Interpretationsvermögens.
 
Es gibt nicht "die" Natur, "die" eine Realität, "die" eine Wahrheit.
Es gibt nur den menschlichen Wahrnehmungs- und Denkapparat bzw. -vorgang, das menschliche Bewusstsein, menschliche Gehirn, das mit dem menschlichen Körper und dessen Umwelt interagiert, darauf reagiert, davon angeregt, beeinflusst, beeinträchtigt etc. wird.
 
Insekten bspw. nehmen Natur bekanntlich völlig anders wahr als wir und dies gilt auch für Menschen unter Einfluss bewusstseinsveränderner, also psychedelischer Drogen.
Es ist Neurobiologie, Hirnchemie, die da wirkt, verändert - mittels diverser Substanzen beeinflusst, verändert wird.
Und diese Veränderungen lassen sich ebenfalls durch Neurowissenschaften beobachten, beschreiben, erklären: was weshalb wie wirkt, was im Gehirn wodurch wie verändert wird, mit welchen Folgen, siehe auch Gehirnverletzungen, Gehirnerkrankungen, epileptische Anfälle etc..
 
Es gibt kein "NaturRECHT".
Alles, das Menschen sich selbst moralisch setzen - Regeln, Normen, Gesetze - basiert auf veränderlichen Erfahrungen, Erkenntnissen, diversen äußeren Umständen, Einflüssen, Wechselwirkungen und auf Kutur, kulturellen Entwicklungen und Veränderungen.
 
Und basalster Urgrund für jegliche intrinsische, gerade nicht durch Religion, Ideologie oktroyierte Moral ist das jedem Menschen angeborene Mitgefühl und so auch bei anderen Primaten. Siehe bspw. Spiegelneurone, Gefühle, Schmerzfähigkeit, Leidfähigkeit.
 
Ethik ist, was auf der Metaebene, auf Verstand und Vernunft basierend zwischen Menschen vereinbart und immer wieder modifiziert wird. Es ist die mentale, intellektuelle Ebene der Theorie(n).
 
Ethik ist Teilgebiet akademischer Philosophie und unterscheidet sich vom vorgeblichen "Naturrecht" und Religion(en) vor allem darin, dass sie eben wissenschaftsbasiert, wissenschaftliche Disziplin, auch interdisziplinär ist (Geschichte, Kulturgeschichte, Anthropologie, Evolutionsbiologie, Soziologie, Psychologie ...), somit falsifizierbar, stets modifizierbar und gerade nicht dogmatisch.
 
Und dass und warum die autoritäre, hierarchische, patriarchale Basis dieses sogenannten "Naturrechts" sich gerade nicht auf eine etwaig immer gleichbleibende "(menschliche) Natur als solche" stützen kann, zeigt sich in/an all jenen menschlichen Gemeinschaften und Kulturen, die gerade nicht hierarchisch, autoritär, patriarchal gelebt haben und leben, siehe bspw. verschiedene Jäger- und Sammler-Kulturen und sogen. Matriarchate. Siehe auch Anarchismus.
 
Es lässt sich abkürzen: Hinter all dem stehen konservative Menschen, für die es typisch, spezifisch ist, dass sie selbst massiv autoritär (geprägt) sind - zumeist seit ihrer Kindheit bereits. Ja, auch das ist psychoanalytisch zu betrachten.

Denn solche Menschen suchen, wollen das und fühlen sich zu eben dem hingezogen, das ihnen seit ihrer Kindheit vertraut ist - auch wenn es sie beschädigt hat, gerade deshalb! Denn sie scheuen den Reifeprozess und davor die Selbsterkenntnis, Selbstreflexion, die Erkenntnis des Beschädigtwordenseins von üblicherweise ausgerechnet den eigenen Eltern.
 
Sie bleiben in infantiler Unreife verhaftet und brauchen Autoritarismus für sich selbst, dieser gibt ihnen Halt, Orientierung, Sicherheit - Vertrautheit. Und ein Gefühl von Stärke, Wert und Überlegenheit - zur Kompensation ihrer Minderwertigkeitskomplexe, Angst, Scham, Unreife.
 
Und d e s h a l b verabscheuen und bekämpfen sie alles Liberale, Freiheitliche, Bedürftige, Verletzliche, das sie als schwach interpretieren und verachten, alles Individuelle, Gefühlvolle, Mitfühlende, Ambivalente, Widersprüchliche, Sensible, Feinfühlige - es verunsichert sie intensiv, es macht ihnen Angst, es konfrontiert sie mit ihrer eigenen Verletzlichkeit, Bedürftigkeit, Haltlosigkeit, ihren eigenen Schmerzen - insbesondere jenen des Kindes, das sie einmal waren und das sich ausgeliefert, hilflos, allein fühlte, weil es von den Eltern entsprechen be-, misshandelt wurde - mehr oder weniger "subtil" gewaltvoll: psychisch-emotional und/oder auch physisch.
 
-
 
Die "neue" alte Rechte: AfD, Identitäre Bewegung, Götz Kubitschek, Karlheinz Weißmann und Fanclub, Pegida, bis hin zu Peter Sloterdijk - Rechtspopulisten, rechte Ideologen, Rechtsagitatoren, -demagogen und ihr zutiefst antidemokratisches, antiliberales, anti-individualistisches, patriarchales, emotional verkrüppeltes, von Schwarzer Pädagogik geprägtes und gezeugtes Menschenbild, Fundament: die "Konservative Revolution" - und es ist dies so überaus offensichtlich, siehe, was alles sich im AfD-Bundestagswahlprogramm findet:
 
"[...] Als historischen Ausgangspunkt der aus ihrer Sicht „verhängnisvollen Entwicklung“ verortet die Konservative Revolution die Aufklärung und speziell die Französische Revolution.[42] Der Liberalismus und seine Auswirkungen werden in den Schriften ihrer Vertreter durch Gleichsetzung mit Formulierungen wie „seelenloser Mechanismus“, „Atomismus“, „krankhafter Individualismus“, „Nihilismus“, „Wertelosigkeit“ oder „kultureller Verfall“ polemisch diskreditiert. So schreibt Moeller van den Bruck in Das Dritte Reich:
 
„Der Liberalismus hat Kulturen untergraben. Er hat Religionen vernichtet. Er hat Vaterländer zerstört. Er war die Selbstauflösung der Menschheit.“ [...]
 
So bemerkt z. B. der in seinen Grundprinzipien antiliberale Carl Schmitt,[44] dass es ihm im Prinzip darum gehe, „den letzten Kern der Institution des Parlamentarismus zu treffen“.[45] Auch manche damalige Schriften des sich selber allerdings als „unpolitischen Sensor“ sehenden Ernst Jünger sind von einem starken Antiliberalismus geprägt.[46] So schreibt Jünger 1926 über den zukünftigen Staat:
„Er wird national sein. Er wird sozial sein. Er wird wehrhaft sein. Er wird autoritativ gegliedert sein.“ [...]
 
Dem Gedanken des Liberalismus entspringende Ideen wie Demokratie, Parlamentarismus, Repräsentation, Parteien u. a. wurden als einfache Folgeerscheinungen des Liberalismus entweder abgelehnt oder in „entkernender Weise“ umgedeutet. Demokratische Vordenker wie Jean-Jacques Rousseau wurden von Vertretern der Konservativen Revolution in vager Berufung auf die Volonté générale beliebig uminterpretiert.
„Wer Individualist ist, Mechanisierung und Gleichheit wirklich will, kann Demokrat sein, wer aber den Kulturstaat will, wer etwas Geistiges vom Staate verlangt, kann nicht mehr Demokrat sein.“[49]
 
Ein treffendes Beispiel für eine vollkommene Umdeutung des heutigen Demokratiebegriffs von Vertretern der Konservativen Revolution ist dabei folgender Satz:
„Der Ruf nach einer demokratischen Diktatur wird verständlich, weil sie geeignet erscheint, die Berührung zwischen Führer und Volk erneut herzustellen.“[50] [...]
 
Von vielen Vertretern der Konservativen Revolution wurden ständische, korporative Modelle als Organisationsformen der Gesellschaft angestrebt. Diese seien organische Staatsauffassungen, die aus der Betonung der Ungleichheit der Menschen die Notwendigkeit einer – vorgeblich in der Natur begründeten – hierarchischen Ordnung in an die Ständeordnung des Mittelalters angelehnten Stufen ableiten.[59] Wegweisend war hierfür Othmar Spanns Schrift Der wahre Staat aus dem Jahr 1921, in der er ausführt,
 
„daß jeder niedere Stand geistig vom jeweils höheren nach dem geistigen Lebensgesetz aller Gemeinschaft und Gemeinschaftsverbindung Unterordnung des Niedern unter das Höhere geführt wird.“[60]
Ständestaatlichen Ideen ist somit eine Elitevorstellung zu eigen, die auch einen autoritären oder totalen Staat – trotz der Bedeutung von Dezentralisierung und Selbstverwaltung im Ständestaat – und das Führerprinzip als durchaus damit vereinbar und sich ergänzend erscheinen lässt. [...]
 
Der Sozialismusbegriff unterschied sich insofern von dem der „traditionell Linken“, als die soziale Frage gegenüber dem Willen, einen starken Staat zu bilden, stärker in den Hintergrund trat.
Der dem Sozialismus unentbehrliche Fortschrittsgedanke und Glaube an die Möglichkeit eines nach Rousseau zum „Besseren und Guten“ befähigten und durch pädagogische Bemühungen dazu „umzuwandelnden“ Menschen ist den meisten Vertreten der Konservativen Revolution eher fremd.[63]
 
Der Sozialismus der Konservativen Revolution lehnt ebenfalls das für den traditionellen Sozialismus fundamentale Postulat eines anzustrebenden Egalitarismus zugunsten einer gestuften, „natürlichen Rangordnung“ ab, die sich z. B. in korporativen oder ständischen Strukturen verwirklichen lasse. So sieht Othmar Spann in Der wahre Staat die Forderung nach Gleichheit als degenerationsfördernd:
 
„Sofern dabei durchgängig die große Menge die Höheren herabzieht und beherrscht, in der großen Menge jedoch abermals der Abschaum zur Herrschaft drängt, drängt Gleichheit zuletzt gar auf Herrschaft des Lumpenproletariats hin.“[64]
 
Ein wesentlicher Unterschied zum Marxismus und Sozialismus war die durchgehende Ablehnung des Internationalismus und „Fremden“.[65] Dies zeigt sich schon an den verwandten bzw. neu geschaffenen Begriffen „nationaler Sozialismus“, „deutscher Sozialismus“ und „preußischer Sozialismus“ (bei Spengler).
 
Ein weiterer wichtiger Unterschied zum traditionellen Sozialismus besteht in der Außerachtlassung ökonomischer Gesichtspunkte. Genaue Begriffe, Forderungen und Analysen wie z. B. die Erlangung der Verfügungsgewalt über die Produktionsmittel, eine gerechtere Verteilung des Sozialprodukts und eine Theorie des Klassenkampfes sucht man hier vergebens. [...]
 
Viele Personen wie Ernst Jünger, Edgar Julius Jung, Jörg Lanz von Liebenfels, Wilhelm Stapel, Theodor Fritsch, August Winnig, Willibald Hentschel oder Carl Schmitt bekannten sich zumindest in einer Phase ihres Wirkens mehr oder weniger offen zu rassistischem und/oder antisemitischem Gedankengut und förderten dies teilweise auch. [...]
 
Armin Mohler konstatiert, dass der Nationalsozialismus wie von anderen Gruppen so auch bei der Konservativen Revolution – speziell bei den Völkischen und den Nationalrevolutionären – Anleihen aufgenommen habe und somit als ein vergröbernder Verwirklichungsversuch ihrer Ideen aufgefasst werden könne.[79]
 
Trotz dieser Differenzierungen sei darauf hingewiesen, dass einige Autoren wie Zeev Sternhell „Konservative Revolution“ und „deutschen Faschismus“ mitunter relativ eng miteinander in eins setzen:
 
„Die konservative Revolution, das war der deutsche Faschismus, gleichzeitig entstand hier der Nationalsozialismus. Das liegt an der verhängnisvollen Relevanz der völkischen Definition der Nation.“[80]
 
Thomas Mann bezeichnete in einer Tagebuchnotiz vom 26. September 1933 den Nationalsozialismus als „politische Wirklichkeit jener konservativen Revolution“ [...]
 
Ein weiterer fundamentaler Unterschied ist die Antwort auf die Frage nach dem „absoluten Wert des Individuums“. Die christliche Lehre betont, auch in den Schriften vieler Denker wie z. B. Romano Guardini, explizit den „Wert und die unteilbare Würde des Individuums“ gegenüber den Interessen jeglicher Gemeinschaft, Gesellschaft oder Assoziation.
Diese christliche „Wertschätzung des Individuums“ scheint mit Äußerungen mancher Vertreter der Konservativen Revolution, die ein wie auch immer gestaltetes Kollektiv dem Einzelnen vorordnen, unvereinbar. [...]"
 
Quelle: Wikipedia - "Konservative Revolution"
 
Noch einmal zur "Konservativen Revolution":

Wer auch im nachfolgend verlinkten/zitierten Text noch immer nicht die ideologische Matrize, das template für AfD, Identitäre Bewegung, Neue Rechte erkennen kann, muss unstrittig auf beiden Augen vollständig blind sein.
 
Das Abstoßende daran ist die überdeutlich zum Ausdruck kommende, eigentlich schon exhibitionistisch zu Markte getragene Schwäche so eingestellter Menschen. Ihr totales Überfordertsein mit Komplexität, Veränderung, Wandlung. Ihre ins Auge springende Enge im Geist und im Herzen.

Sie brauchen Autorität, Härte, Strenge: als Art "Halt" - weil sie von klein auf nichts anderes kennengelernt haben als eben solche emotionale Kälte, als Feindseligkeit gegenüber allem Emotionalen, Sensiblen, auch Leiblich-Sinnlichen - eigene Bedürfnisse mussten abgeklemmt, ignoriert bzw. verleugnet werden - wurden abtrainiert, galten als schlecht, schmutzig, böse.

Schwarze Pädagogik eben - sie bringt genau solche emotional verpanzerten, verstümmelten Menschen hervor.

Das Ekelhafte daran ist, dass sie ihre Verblendung nicht erkennen, stattdessen ihre ureigenen Defizite, Mängel, Unzulänglichkeiten auf andere projizieren, sie anderen unterstellen und sich selbstgerecht-selbstschonend als überlegen darstellen - um all ihre eigenen Schwächen, Fehler, Makel zu verbergen, zu unterdrücken, zu übertünchen.
Es ist dies leider genau nur eines: erbärmlich. Es ist: krank - beschädigt. Demonstrativ.
 
"[...] Die Konservative Revolution steht für eine Gruppe ideologischer Strömungen und der sie tragenden Akteure, die sich im Kontext der Weimarer Republik entwickelten. Gemeinsam war diesen Akteuren, dass ihre Ideologien entschieden antiliberale, antidemokratische und antiegalitäre Züge trugen.[22] Die Autoren der Konservativen Revolution bildeten keine feste Gruppe, sondern eher ein verzweigtes publizistisches Geflecht. Sie schufen keine einheitliche Doktrin, bemühten sich jedoch alle, ähnlich dem italienischen Faschismus, die „Phänomene der Moderne“ in eine theoretische Synthese mit einer rechten Weltanschauung zu bringen. Die Konservative Revolution kann auch als Reaktion auf eine als krisenhaft empfundene gesellschaftliche Modernisierung verstanden werden, als eine neokonservative intellektuelle Suchbewegung im Umbruch der sich durchsetzenden Moderne. [...]
 
Die dort vertretenen Intellektuellen waren in der Regel keine aktiven Nationalsozialisten, die sich in der NSDAP betätigten und Adolf Hitler als Führer verherrlichten, standen aber ebenso wenig nationalsozialistischen Ideen in fundamentaler Ablehnung gegenüber.[24]Die Bewegung wird als einer der „intellektuellen Wegbereiter“ des Nationalsozialismus gesehen. Rassismus und völkische weltanschauliche Positionen wurden jedoch von vielen Personen offen vertreten. [...]
 
Ideologen wie Arthur Moeller van den Bruck, Carl Schmitt, Ernst Jünger, Othmar Spann und Oswald Spengler vertraten in der Weimarer Republik antiliberale Positionen und waren ideologische Steigbügelhalter der NSDAP. Bei ihr handelt es sich nicht um eine festgefügte Organisation oder homogene politisch-ideologische Richtung. Arthur Moeller van den Bruck formulierte beispielsweise: „Liberalismus hat Kulturen zerstört. Er hat Religionen vernichtet. Er hat Vaterländer zerstört. Er war die Selbstauflösung der Menschheit.“[26]
 
Kurt Sontheimer sieht die Bewegung als „intellektuellen Wegbereiter des Nationalsozialismus“.[27] Zeev Sternhell setzt die Konservative Revolution und den deutschen Faschismus gleich:[28] „Die Konservative Revolution, das war der deutsche Faschismus, gleichzeitig entstand hier der Nationalsozialismus. Das liegt an der verhängnisvollen Relevanz der völkischen Definition der Nation.“
 
Arthur Moeller van den Bruck lobte in seinem 1916 erscheinenden Werk „Der preußische Stil“ Bismarck, der einen autoritären Staat mit einer außerordentlichen Führungspersönlichkeit vorgeformt hatte.[29] Preußen sah er als „die größte kolonisatorische Tat des Deutschtums, wie Deutschland die größte politische Tat des Preußentums sein wird.“[30] Diese Abhandlung markierte seine Hinwendung zum Nationalismus. Er sah sich von nun an als Gegner von Parlamentarismus, Liberalismus und Demokratie. [...]
 
Das Organ des Juniklubs verstand sich als revolutionär-konservativ und richtete sich vor allem an Jungkonservative aus dem eher intellektuellen Milieu. Es lehnte sowohl die sozialistische Novemberrevolution als auch den bestehenden Staat und lehnte die Parteipolitik als solche ab. Trotz der recht kleinen Auflage und der geringen Verbreitung war das Heft für die Konservative Revolution bedeutsam. Das Heft enthielt Beiträge der wichtigsten konservativen Intellektuellen seiner Zeit. So waren Gastautoren wie Werner Best, Hans Blüher, Hans Grimm, Ernst Jünger, Hans Schwarz und Otto Strasser vertreten. Arthur Moeller van den Bruck zählte zu den regelmäßigen Mitarbeitern. [...]
 
Im Jahre 1923 publizierte Moeller van den Bruck sein Hauptwerk „Das Dritte Reich“. Dabei verstand er unter dem „Ersten Reich“ das „Heilige Römische Reich Deutscher Nation“, das „Zweite Reich“ war das von Bismarck gegründete deutsche Kaiserreich. Das zukünftige „Dritte Reich“, was er auch als „Endreich“ bezeichnete, gründete auf den „deutschen Nationalismus“:[38] „Der deutsche Nationalismus ist Streiter für das Endreich. Es ist immer verheißen. Und es wird niemals erfüllt. Es ist das Vollkommene, das nur im Unvollkommenen erreicht wird. (…) Es gibt nur Ein Reich, wie es nur eine Kirche gibt. (…) Der deutsche Nationalismus kämpft für das mögliche Reich. Der deutsche Nationalist dieser Zeit ist als deutscher Mensch immer noch ein Mystiker, aber als politischer Mensch ist er Skeptiker geworden. (…) In dieser sinkenden Welt, die heute die siegreiche ist, sucht er das Deutsche zu retten.“ Der „Reichsgedanke“ ist für Moeller prozesshaft zu verstehen, „im Werdenden, im um uns Entstehenden“.
 
Durch Möller van den Bruck fand der Begriff „Drittes Reich“ Eingang in das Denken der „Konservativen Revolution“ und die 1920 gegründete NSDAP.
Das „Dritte Reich“ sollte von einer „sozialaristokratischen Regierung“ geführt werden:[39] „(…) diese deutsche Führung sollte sich in der dritten Partei sammeln und sollte als Partei über den Parteien stehen. Nicht in der Konzession an die Mitte konnte ihre Gestaltung liegen, sondern sie musste von den politischen Rändern her und ihrer die Mitte zermürbenden Radikalisierung ausgehen, musste wie der überspringende Funke dort aus dem Hufeisen schlagen, wo sich seine Enden einander nahebiegen! Diese Führerschicht mit einem konservativ-revolutionären Sozialismus verbinden hieß eine neue sozialaristokratische Regierung fordern.“
 
Er stellt sich die Frage nach „echter Demokratie“, die er nicht in der parlamentarischen Demokratie der Weimarer Republik wiederfindet.[40] Die Deutsche waren seiner Vorstellung nach ursprünglich ein demokratisches Volk, Diese Demokratie ging aber nicht auf einem Vertrag zurück, sondern auf das Blut. Demokratie und Volksgemeinschaft gehören zusammen und zur Demokratie gehört nach Moeller ganz wesentlich der Führer. Als Ausdruck der ursprünglichen deutschen Demokratie sieht Moeller van den Bruck die Volksversammlung. Im Mittelalter konstatiert er eine gegliederte, körperschaftliche und organische Gesellschaft. Für ihn bedeutet Parlamentarismus nicht gleich Demokratie. Wirkliche Demokratie überwindet nach seinen Vorstellung den Parlamentarismus. Sie braucht eine Volksvertretung, die sich durch einen organischen, nicht mehr mechanischen Aufbau in ständiger Beziehung mit dem Volk befindet. [...]
 
Als politischer Gegner dieses völkischen Nationalismus wurden die Ideen der Französischen Revolution, der demokratische Parlamentarismus, der Liberalismus und der aufkommende Marxismus gesehen. Weiß stellte fest:[60] „Moeller und sein Umfeld verstanden sich als Revolutionäre für einen völkischen Nationalismus. Sie entwickelten den Gedanken einer spezifisch deutschen Staatsform, die eine Synthese aus moderner Industriegesellschaft und aristokratischem Obrigkeitsstaat darstellte. Im Mittelpunkt seines Denkens stand das ‚kommende Reich’ und die Zerstörung der Weimarer Republik.“
 
Moeller van den Brucks Werke enthalten rassistische Überzeugungen, die jedoch keinen zentralen Stellenwert einnehmen.[61] Die Rezeption der rassistischen Ideen Gobineaus innerhalb des Wagner-Kreises fand seine Zustimmung. In seinen Briefen an Richard Dehmel, der in der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg als einer der bedeutendsten deutschsprachigen Lyriker galt, im Jahre 1906 gab es Ansätze einer Auseinandersetzung mit modernen Rassentheorien. 1907 unterzeichnete Moeller van den Bruck den Gründungsaufruf des völkischen „Werdandi-Bundes“[62], der sich auf die nordische Schicksalsgöttin Werdandi bezog, gemeinsam mit Houston Stewart Chamberlain und dem deutschen Herausgeber Gobineaus, Ludwig Schemann. In seiner ablehnenden Haltung zu Karl Marx und seinem kommunistischen Gesellschaftsbild zeigte sich ein rigider Antisemitismus:[63] „Aber prophezeien darf nur, wer zu diesen Teilhaftigen gehört und mit dem Wachstum der Dinge, die werden wollen, mit den Menschen, in denen es sich vollzieht, blutlich und geistig eines ist. Marx gehörte nicht zu den Teilhaftigen. Er war als Jude ein Fremder in Europa.“
 
Moeller van den Brucks politische Vorstellungen wurden stark vom deutschen Idealismus und den philosophischen Schriften Friedrich Nietzsches sowie von den imperialistischen Zielen des Antisemiten Paul de Lagarde geprägt.[64] Seine mystischen Neigungen wurden von dem russischen Schriftsteller Dmitri Mereschkowski befördert.[65] In seinem Ost-West-Dualismus lehnte Mereschkowski die sich im Westen vollzogene Aufklärung ab und schwärmte für einen „Osten“ unter Bezug auf das Alte Testament und mystische Traditionen der ägyptischen Antike. In seinem Werk „Der Anmarsch des Pöbels“ sprach er sich gegen anarchistische und sozialistische Tendenzen im zaristischen Russland aus. [...]
 
Der Universalismus soll laut Moeller van den Bruck für die Vermassung und damit Austauschbarkeit der Individuen verantwortlich zu sein.[69] Er wehrt sich gegen eine Vorstellung, was Individuen und nicht etwa „Völker“ zum Ausgangspunkt politischen Denken und Handelns nimmt. Die hinter dem Universalismus stehende jüdisch-christliche Tradition mit ihrer Betonung der Unantastbarkeit der Würde des je einzelnen Menschen, die sich über alle Kulturen, „Völker“ und Gemeinschaften hinweg als solidarisch innerhalb einer Menschheit versteht, wird als individualistische Ideologie abgelehnt. Die allgemein gültigen Menschenrechte widersprechen diametral den zentralen Ideen des historisch gewachsenen Volkes, der gemeinsamen Kultur, Sprache und Abstammung. Pluralismus existiert immer nur zwischen Völkern, keinesfalls darf es zu einem Pluralismus innerhalb eines Volkes kommen. Die andere und die eigene Kultur sind für Moeller van den Bruck fest determinierte Wesenheiten. [...]
 
Er möchte verhindern, dass es eine „Vemischung“ der Lebens und Denkweisen zwischen den „Völkern“ gibt. Hier wird eine „Reinheit“ konstruiert, die alles „Fremde“ aussondert. Jedes „Volk“ ist für ihn einmalig, jedes „Volk“ ist durch jahrhundertelange, jahrtausendelange Anpassung an seine Umwelt entstanden, weshalb es zu bewahren ist. Jedes „Volk“ hat eine einmalige Kultur hervorgebracht und diese Vielseitigkeit der Menschheit ist auch eine Voraussetzung zum Überleben. Die „Vielseitigkeit der Völker“ sei zu bewahren, weil jedes „Volk“ einen Wert an sich darstelle.
Er wendet sich gegen eine „Vermassung“, die er in der bolschewistischen Revolution bemerkt und fürchtet, dass dies auch auf das Deutschland in der Weimarer Republik übertragen wird.[70] Der Verlust jeder Individualität werde dabei als befreiender Akt betrachtet, da der Einzelne nicht mehr alleine der chaotischen Welt gegenüber stehe. Jetzt, da sich alle gleich fühlten, sei die Furcht vor dem Fremden innerhalb der Masse zwar aufgehoben, doch das Andersartige der Welt da draußen werde der Masse umso deutlicher bewusst. Das Andersartige gefährde das „Überleben“ der Masse, da es Alternativen zu dem Zustand der Gleichheit aufzeige."
 
Quelle des zitierten Textes: de.indymedia.org - "Die wichtigsten Vertreter der Konservativen Revolution"
 
"[...] Die Sozialpolitik der Weimarer Republik hatte den im 19. Jahrhundert beschriebenen Rahmen der Lösung der "sozialen Frage" gesprengt und sich in Richtung auf eine "gesellschaftsgestaltende" Politik ausgeweitet. Nicht zuletzt durch den Einfluss der Gewerkschaften waren gerade im Arbeitsrecht, in der Wohnungsbaupolitik und bei den kommunalen Versorgungsleistungen wesentliche Verbesserungen erzielt worden. Doch wurde u. a. von den Unternehmerverbänden die Ausweitung des sozialen Netzes als "Überspannung" bekämpft und vor dem Hintergrund der steigenden Kosten eine Unterordnung der Sozialpolitik unter die Wirtschaftspolitik gefordert. Dies wurde in der Endphase der Weimarer Republik unter den Präsidialkabinetten realisiert und es kam zu einem Abbau des sozialen Besitzstands.
 
Die Haltung der Nationalsozialisten zu diesem Thema war höchst ambivalent. Auf der einen Seite erkannten sie in den sozialpolitischen Forderungen ein großes politisch-gesellschaftliches Identifikationspotential und nutzten die Krise der Sozialpolitik agitatorisch aus. Auf der anderen Seite wandten sie sich gegen die staatliche "Versorgungsanstalt" und traten für Streichungen und Kürzungen ein. Der Nationalsozialismus hat zu keinem Zeitpunkt ein einheitliches wirtschaftliches und gesellschaftspolitisches Gesamtkonzept entwickelt.
Auch nach der Machtergreifung vermied die Regierung Hitler zunächst jede Festlegung in wirtschaftlichen, gesellschafts- und sozialpolitischen Grundfragen.
 
Eine Grundlage der nationalsozialistischen Politik war die Idee der Volksgemeinschaft. Die Interessen der Einzelnen, der Gruppen und Klassen sollten dem "Gesamtwohl" der Gemeinschaft untergeordnet werden, über auftretende Divergenzen wurde autoritär von Staat entschieden, der dieses "Gesamtwohl" definierte. Als sozialpolitische Leitlinie des Volksgemeinschaftsideals galt, dass sozialer Fortschritt sich nicht durch Forderungen des Einzelnen, sondern nur durch seine Unterordnung unter die Gemeinschaft entwickle. Die Sozialpolitik wurde mit ihren gesamten Einrichtungen der Staatspolitik unterstellt und für deren Ziele eingesetzt. Die Regierung Hitler verschaffte sich u. a. durch die Reichstagsbrandverordnung, durch das Ermächtigungsgesetz, durch die Auflösung des Reichstags und die Gleichschaltung der Länder diktatorische Vollmachten auch auf dem Gebiet der Sozialpolitik. Im Folgenden sollen die Auswirkungen dieser Politik auf einige gesellschaftlichen Gruppen gezeigt werden, die vom Nationalsozialismus besonders angesprochen wurden: Arbeiter, Mittelstand und Bauern. [...]
 
Der Unternehmer erhielt in diesem System wieder die traditionelle "Herr-im-Haus-Stellung" zugesprochen. Über die Löhne entschied im Betrieb allein der Unternehmer. Überbetriebliche Regelungen der Mindestlöhne und Tarifordnungen verfasste der Treuhänder der Arbeit, ein Staatsorgan. Es zeigte sich jedoch bald, dass mit der Zerschlagung der Arbeiterorganisationen, der Selbstauflösung der Arbeitgeberverbände und Einführung der staatlichen Regelung der Löhne und Tarife die Lohn- und Verteilungskonflikte einer hoch industrialisierten Gesellschaft nicht einfach beseitigt werden konnten. Nach der Machtübernahme sorgten die offene Unterdrückung der Arbeiterschaft, der staatlich verordnete Lohnstopp und die hohe Arbeitslosenquote für Ruhe an der "Lohnfront".
 
Die nationalsozialistische Regierung war sich der positiven psychologischen Wirkung der Beseitigung der Arbeitslosigkeit bewusst und verband geschickt die Maßnahmen der Arbeitsbeschaffung von Anfang an mit der angestrebten Aufrüstung. In der Arbeitsbeschaffungspolitik knüpfte die Regierung Hitler an Konzepte und Pläne der Präsidialkabinette an. Sie hob jedoch die Frage der Arbeitsbeschaffung aus dem engen Bereich der Wirtschaft heraus und propagierte eine "Arbeitsschlacht", deren Erfolge und "Frontberichte" den Deutschen jeden Tag durch die Presse vermittelt wurden. Begünstigt von der sich bereits 1932 abzeichnenden konjunkturellen Erholung, konnte sich Hitler spätestens 1936 als Sieger dieser Schlacht feiern lassen und hatte damit einen großen Kredit in der Arbeiterschaft gewonnen. Auch wenn die Bedingungen für die Arbeiter im Rahmen der Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen äußerst schlecht waren, ihr Verdienst nahe dem Existenzminimum lag und die arbeitsrechtlichen Garantien eingeschränkt worden waren – die geregelte Beschäftigung war doch mit Hoffnungen und Erwartungen auf eine bessere Zukunft verknüpft. Die Lage der Arbeitslosen hingegen verschlechterte sich mit sinkender Arbeitslosigkeit, der Kreis der Anspruchsberechtigten auf staatliche Unterstützung wurde systematisch eingeschränkt, die versprochene Reform der Arbeitslosenversicherung unterblieb.
 
Auch für die Rentner wurde die Situation eher schwieriger, da das niedrige Rentenniveau der Weltwirtschaftskrise bei Neufestsetzungen noch unterschritten wurde. Die Rentenbewilligungsvorschriften wurden verschärft. Mit der Forcierung der Rüstungspolitik wurden die Vermögenswerte der Sozialversicherung für die Rüstungsfinanzierung beansprucht und die Versicherungsträger zu Kreditinstituten des Staats umfunktioniert. Die Rentenpolitik stand im Dienst der Rüstungspolitik, indem sie einen Zwang zur Weiterarbeit ausübte. Außerdem sollte durch die hohen Beiträge und die niedrigen Leistungen Kaufkraft in dem 1936 einsetzenden Aufschwung abgeschöpft werden. [...]
 
Die Doppelseitigkeit von Disziplinierung und Kontrolle einerseits und Befriedigung sozialpolitischer Forderungen andererseits zeichnete die Sozialpolitik insgesamt aus.
Die eingeschränkten staatlichen Sozialleistungen wurden durch freiwillige Zuwendungen der mit Spenden finanzierten Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt (NSV) ersetzt. Die propagandistische Heraushebung der "zusätzlichen" Leistungen sollte der Bevölkerung die Illusion einer sozialen Besserstellung vermitteln. Doch stand bei der Unterstützung durch die NSV nicht die Not des Einzelnen, sondern der Nutzen für den Staat im Vordergrund. [...]
 
Zur erfolgreichen Aufrüstungspolitik benötigte die Regierung Hitler die Großindustrie, deren Monopolisierung voranschritt, was Einbußen der mittleren und kleineren Unternehmen zur Folge hatte. [...]
 
Die Erschließung von Land für industrielle und militärische Zwecke hatte eindeutig Vorrang. Der Anteil der bäuerlichen Einkommen am Sozialprodukt verringerte sich im Verhältnis zu den Löhnen und Preisen ab 1935 beständig. Die Verschuldung zumal der kleineren und mittleren Höfe nahm nach kurzer Erholung weiter zu. Der bäuerliche Lebensstandard lag weit unter dem allgemeinen Niveau.
 
Doch war dies nur die eine Seite der Sozialpolitik. Im Bewusstsein der Bevölkerung verwoben sich diese alltäglichen Erfahrungen mit dem propagandistischen Anspruch des "nationalen Sozialismus". Er versprach die klassenlose Gleichheit aller "Volksgenossen", die ohne Statusunterschiede an den sozialen Leistungen der Volksgemeinschaft partizipieren sollten. Der Status in der Volksgemeinschaft sollte nicht mehr von Bildung oder Klassenzugehörigkeit abhängen, sondern von der Gesinnung und Zugehörigkeit zur "deutschen Rasse". So wurde der Sozialstatus der Arbeiter und Bauern durch die Festsetzung von Feiertagen und Massenaufmärsche zum Erntedankfest und am "Tag der nationalen Arbeit" angehoben, womit die Nationalsozialisten geschickt an die Traditionen der Arbeiterbewegung anknüpften. Soziale Einrichtungen wie NSV und WHW, Musterbetriebe der DAF, die Organisation Kraft durch Freude, verbunden mit vorbildlichen Urlaubsregelungen, und die scheinbar klassenlose Gemeinschaft in den nationalsozialistischen Organisationen verfehlten nicht ihre Wirkung auf die Arbeitnehmer, obwohl die Teilnahme oft erzwungen war und der Kontrolle und Kriegsmobilisierung diente. [...]
 
Eine besondere Stellung in diesem System nahm die nationalsozialistische Frauen- und Familienpolitik ein. Sie hob die Familie als kleinste Zelle der Volksgemeinschaft besonders heraus und schrieb tradierte Rollenvorstellungen fest, die die Frau als Ehefrau und Mutter den langfristigen rassischen und bevölkerungspolitischen Zielen dienstbar machten. Dazu gehörte die nur in Ansätzen gelungene Verdrängung der Frau aus dem Arbeitsleben: Die einzigen Gruppen, die konsequent aus ihren Berufen vertrieben wurden, waren Akademikerinnen und Beamtinnen. Frauen durften erst vom 35. Lebensjahr an verbeamtet werden und erhielten weniger Gehalt als ihre männlichen Kollegen.
 
Gleichzeitig gab es offene Berufsbeschränkungen; Frauen durften z. B. nicht mehr als Richter oder Anwälte tätig sein, an den Hochschulen wurden Zulassungsgrenzen für Frauen eingeführt. Hinzu kamen gesundheitspolitische Maßnahmen wie Verbesserung der Schwangerschaftsberatung und Arbeitsschutz, Bekämpfung der Geburtenkontrolle und Einführung eines monatlichen Kindergelds. Auch als das Mütterlichkeitsideal Ende der 30er Jahre in Kollision mit dem wachsenden Arbeitskräftemangel trat und Frauenarbeit wieder zur ökonomischen Notwendigkeit wurde, behielten die bevölkerungspolitischen Ziele Vorrang. Im Krieg waren in Deutschland weniger Frauen als in anderen Krieg führenden Ländern berufstätig.
 
Betrachtet man abschließend die Kernpunkte der nationalsozialistischen Sozialpolitik, lässt sich das Resümee ziehen, dass es für den Einzelnen nur bedingt Verbesserungen gab. In jeder Phase standen die staatspolitischen Belange, d. h. die rüstungspolitischen und expansionistischen Ziele, im Vordergrund. Der Einzelne war in ein System aus Zwang, partiellen Zugeständnissen, Fürsorgemaßnahmen und Identifikationsangeboten eingebunden. Das psychologische Moment der massenpropagandistischen Verwertung von Politik, die ununterbrochen Erfolgsmeldungen produziert, darf nicht unterschätzt werden. Die von anderen Informationen weitgehend abgeschnittene Bevölkerung fand sich in das System, das ihr soziale Ordnung und Gemeinschaft versprach und vordergründig Sicherheit garantierte."
 
Quelle des zitierten Textes: lexikon-drittes-reich.de - "Sozialpolitik", farbliche Hervorhebungen (dunkelblau markiert) habe ich vorgenommen.
 
"[...] Dabei ist der neurechte Idealismus bestimmend, während die Inhalte der Idee selbst in den Hintergrund rücken. Dieser Idealismus wendet sich gegen Konsumdenken und Individualismus im Spätkapitalismus, setzt diesem aber eine in der ‚Idee’ vereinte Gemeinschaft entgegen. Eine plurale Gesellschaft hat die Neue Rechte nicht im Sinn. Deren Gemeinschaft ist natürlich ethnisch strukturiert. Der regressive Zweck heiligt die revolutionären Mittel.
 
Der Pianist Siegfried Gerlich pflichtet Kaiser in der Sezession bei: So seien die Vielschichtigkeit und die „im Denken von Marx und Engels wirkenden konservativen und reaktionären Antriebskräfte […] neu zu erschließen“. Der Verfasser einer Ernst Nolte-Biographie geht davon aus, dass auch mit Marx eine ‚konservative Revolution’ zu machen wäre.
 
Beide, Kaiser und Gerlich, sehen in der auf Marx zurückgeführten ‚Verelendungstheorie’, die von einer Verschlechterung der Lage der Arbeiterklasse und einer damit einhergehenden Bewusstwerdung derselbigen ausgeht, den Schlüssel für eine Annäherung. Allerdings wenden sie Marx’ Annahme von der Existenz einer ‚Reservearmee’ ins Biologistisch-Rassistische. Marx (und Engels) dient ihnen immer wieder als Stichwortgeber, um ihre Agenda der „Umverteilung“ zu verfolgen. Mit Alain de Benoist, dem Vordenker der französischen Neuen Rechten, gehen sie davon aus, dass heute Migrant_innen und Geflüchtete die von Marx einst beschriebene „Reservearmee des Kapitals“ darstellen. Nicht sie sollten daher als Gegner betrachtet werden, sondern der grenzenlose Kapitalismus, der sie produziere. In dem Büchlein „Querfront“ macht Kaiser denn auch deutlich, gegen wen sich der neurechte Antikapitalismus wirklich richten müssen, nämlich gegen die Hegemonie von USA und NATO. Antikapitalismus habe daher antiimperialistisch zu sein.
 
Selbst in den Kreisen der neonazistischen NPD kann man daher mit dem ‚Juden’ Karl Marx etwas anfangen. Trotz eines klar antisemitisch konnotierten Antimarxismus beschäftigte man sich 2013 mit einem „Nationalen Karl-Marx-Seminar“ in Trier, der Geburtsstadt von Marx. Der NPD-Kreisvorsitzende Safet Babic „plädierte dafür, daß sich auch Nationalisten die Kapitalismusanalyse von Marx aneignen sollten“. Auf der Veranstaltung referierte auch der ‚Nationalmarxist’ Reinhold Oberlercher, der sich seit etlichen Jahren in einer ‚rechten’ Marx-Exegese versucht. Sein ‚Nationalmarxismus’ läuft in der Konsequenz jedoch lediglich auf die antisemitische Unterscheidung zwischen ‚raffendem’ (gemeint ist jüdisches), sowie ‚schaffendem’ (also deutsches) Kapital hinaus.
 
Auch Lothar Fritze bemüht sich, der Neuen Rechten die „Faszination des Marx­schen Denkens“ — so der Titel seines Vortrages auf der 18. Winterakademie des "Institut für Staatspolitik" (IfS) im Januar 2018 in Schnellroda — schmackhaft zu machen. Der wissenschaftliche Mitarbeiter beim "Hannah-Arendt-Institut für Totalitarismusforschung" in Dresden ist kein Unbekannter, fiel er doch bereits im Jahr 2000 unangenehm auf, als er dem Hitler-Atten­täter Georg Elser attestierte, dieser habe „seine politische Beurteilungskompetenz überschritten“, als er 1938 den Ausbruch eines Krieges prognostizierte. 2016 schließlich veröffentlichte er beim neurechten "Manuscriptum-Verlag" ein Buch, dass sich — so der Untertitel — mit „Weltrettung und Selbstaufgabe in der Migrationskrise“ befasste.
 
Die rechte „Diskurspiraterie“, wie sie schon Alfred Schobert beschrieben hat, ist weder neu noch innovativ. Bereits seit den 1970er Jahren adaptierte Alain de Benoist den Begriff der ‚kulturellen Hegemonie’, um ihn für die neurechte Strategie der Diskursverschiebung nutzbar zu machen. Der italienische Kommunist Antonio Gramsci beschrieb mit ‚kultureller Hegemonie’ ursprünglich die Herstellung konsensfähiger Ideen und die daraus folgende Erzeugung von Herrschaft in der bürgerlichen Gesellschaft. Der ‚Gramscianismus von rechts’ hat mit Gramscis linker Theorie wenig gemein und nutzt den Begriff lediglich als Slogan, um eine neurechte ‚Kulturrevolution’ zu vollziehen und Mehrheiten für die eigene Ideologie herzustellen.
 
Nach PEGIDA-­­Aufmärschen, AfD-Wahlerfolgen und dem Erstarken der ‚Identitären Bewegung‘ (IB) in den letzten Jahren sieht die Neue Rechte ihre Strategie bestätigt. Dafür spricht nicht zuletzt, dass Benoists Buch „Kulturrevolution von rechts“ (1985) gerade eine Neuauflage beim Dresdner "Jungeuropa Verlag" erfuhr, der von Philipp Stein betrieben wird. Zuletzt hat der Österreicher Martin Sellner, einer der IB-Wortführer, in seinem beim "Antaios-Verlag" erschienenen Buch „Identitär! Geschichte eines Aufbruchs“ (2017) auf Gramsci und Benoist Bezug genommen.
 
Ein deutscher Sozialismus
Um das Wesen der neurechten Marx-Verklärung zu verstehen, müssen wir aber noch einen Schritt zurückgehen. Schon die Stichwortgeber der ‚Konservativen Revolution’ in der Zeit der Weimarer Republik setzten sich mit Marx auseinander. [...]
 
Das Klassensubjekt nach Marx sollte durch das Kollektivsubjekt der Nation abgelöst werden, wie der Historiker und Publizist Volker Weiß betont. Eine straff organisierte Wirtschaft sollte demnach die Klassengegensätze auf nationaler Ebene auflösen. Auch der Antisemitismus sticht bei Moeller van den Bruck ins Auge: Marx hätte „als Jude kein Vaterland“ gehabt und sei ein „Intellektmensch“ ohne nationalen Standpunkt gewesen. Auch sei Marx gar nicht gegen den Kapitalismus an sich gewesen, sondern habe sich nur gegen die Industrialisierung gewendet. Dass das angeblich von Juden ins Leben gerufene Unternehmertum von dem ‚Juden‘ Karl Marx nicht ausreichend kritisiert würde, passte für Moeller van den Bruck zusammen.
Die ‚Nationalbolschewisten’ oder besser ‚Nationalrevolutionäre’ schrieben sich schließlich auf die Fahnen, die Forderung Moeller van den Brucks nach einem ‚nationalen Sozialismus’ zu verwirklichen. Dabei wendeten sie sich gegen Liberalismus, Demokratie und Judentum, die sie als ‚westlich’ ansahen, und orientierten sich stattdessen gen ‚Osten’, also an der Sowjetunion.
 
Einer der bekanntesten Nationalrevolutionäre dieser Zeit wurde Ernst Niekisch, der für einen autoritären ‚Arbeiterstaat’ eintrat. Sogar eine ‚nationalsozialistische Linke’ organisierte sich ab 1926 innerhalb der NSDAP. Dieser ‚Strasser-Flügel’, benannt nach Otto Strasser, stand für einen antikapitalistischen Kurs in der Partei. Auch Josef Goebbels fand damals durchaus positive Worte für Lenin und das sowjetische Modell.
 
Jahrzehnte später propagierte die 1972 gegründete ‚Aktion Neue Rechte‘ (ANR) einen „antimarxistischen Sozialismus“, der an den Leistungen des Einzelnen für die ‚Gemeinschaft‘ orientiert sein sollte. Als Reaktion auf das Scheitern der NPD bei der Bundestagswahl 1969 wollte die ANR die aktionsorientierten Teile der Neonazipartei sammeln — die Neue Rechte war geboren. Vordenker war damals Henning Eichberg, der linke Begriffe mit rechtem Gedankengut paarte. ‚Sozialismus‘, ‚Antiimperialismus‘ und ‚Befreiung‘ sollten mit ‚nationaler Selbstbestimmung‘ und einem ‚Neuen Nationalismus‘ zusammengebracht werden. Mit Marx‘ Ideen und den verschiedensten marxistischen Denktraditionen hatte das nichts zu tun. Aber die Beispiele zeigen, dass sich Rechte seit eh und je irgendwie zu den linken Ideen verhalten müssen — einerseits durch Ablehnung und Bekämpfung, andererseits durch Adaption und Begriffsübernahme.
 
Rechts gegen rechts
Doch der zaghafte Versuch von einem Teil der Neuen Rechten, einen positiven Bezug auf Marx unterzubringen, stoßen nicht auf ungeteilte Zustimmung. In der Wochenzeitung "Junge Freiheit" (JF), dem wohl wichtigsten Periodikum der Neuen Rechten, kann man dem Marx-Revival wenig abgewinnen. Der „Totalitarismustheoretiker“ Konrad Löw bekannte hier zuletzt über Das Kapital: „[W]er das Buch verstanden hat, kann kein Marxist mehr sein.“ Löw hat es sich zur Aufgabe gemacht, die „immanenten Widersprüche“ und „schweren Mängel“ im Marxschen Denken aufzudecken. Und — oh Wunder! — er will diese in der Werttheorie gefunden haben, indem er einzelne Passagen aus dem „verdammte[n] Buch“ herausnimmt und neu aneinanderreiht. [...]
 
Ähnlich funktioniert die Argumentation bei Carlos Wefers Verástegui, der in dem Blog der von Felix Menzel betriebenen Zeitschrift "Blaue Narzisse" den Rassetheoretiker Eric Voegelin bemüht. Der Autor will dem Marxismus nachweisen, dass er gar nicht so wissenschaftlich ist, wie er sich gibt. Der Historische Materialismus als Grundannahme von Marx und Engels wird nicht ohne Hintergedanken als „eine Übersetzung der altjüdischen Eschatologie in szientistische Futurologie“ beschrieben. Der Verweis auf den Messianismus im Denken von Marx ist wissenschaftlicher common sense. In der Neuen Rechten dient er jedoch als verstecktes antisemitisches Argument. Dass gerade die "Blaue Narzisse" den Kontrapart zum neurechten Marx-Lese­kreis um Kaiser bildet, wundert kaum: Während Kaiser die soziale Frage von rechts durch eine ökonomische Umverteilung angehen will, schlägt Menzel einen voluntaristischen Weg ein, indem er die Aufgaben des Staates auf das Nötigste reduziert. Im Zentrum seiner Überlegungen steht eine „nachbarschaftliche Marktwirtschaft“, in der „das Lokale anstelle des Globalen bevorzugt“ und „Familien in ihrer Unabhängigkeit“ gestärkt statt zerstört würden. Nur so könne die eigene ‚Kultur’ erhalten werden. Für 2018 kündigte Menzel daher die Gründung eines „patriotische[n] Wirtschafts-Thinktanks“ an, um die „ökonomische Kompetenz des patriotischen Spektrums“ zu steigern.
 
Doch es geht noch deutlicher: Manchem sind selbst die ‚Nationalbolschewisten’ der 1920er Jahre schon zu ‚links’: So urteilte der neurechte Maler Michael von Bentivegni schon im Jahr 2014 in der neurechts-marktliberalen Monatszeitschrift „eigentümlich frei“ postum über den Querfrontstrategen Niekisch, dieser sei ein „typischer Streuner, ein Staatsfetischist, einer, der vom verordneten Wir ausging“. [...]
 
So bleibt es dabei: Die Neue Rechte wird das Erbe Marx’ nicht verwalten. Es gibt keinen neurechten Marxismus. Die Aneignung von Marx ist eine neurechte Nebelkerze. Es geht der Neuen Rechten bei ihrer Zuwendung zu Marx & Co. nicht darum, sich linken Idealen (oder das was man dafür hält) anzunähern. Linkes Denken soll nicht im Sinne einer Querfront-Strategie einfach übernommen werden, sondern durch ein rechtes Vokabular ersetzt werden. Dazu müsse die Neue Rechte ideologisch nachrüsten. [...]
 
Letztlich dient auch dieser Winkelzug dazu, dem politischen Gegenüber den Diskurs streitig zu machen, ihm letztlich die Basis zu entziehen. Man will kein rechts-linkes Bündnis gegen den Kapitalismus. Vielmehr soll linke Kapitalismuskritik überflüssig gemacht und von rechts neu besetzt werden.
Hegemonie können derlei Positionen innerhalb des neurechten Spektrums bisher jedoch nicht beanspruchen. Zu groß ist hier der Widerspruch seitens eines „autoritären Liberalismus“ (Helmut Kellershohn), der eher einen Nachtwächter-Staat fordert, in dem sich staatliche Regulierung auf den Bereich der Sicherheit beschränkt, sich aber aus dem Sozial- und Wirtschaftsbereich herauszuhalten hat. Die Verfechter eines Staatskapitalismus, der die Unbilden der Globalisierung abfedert, bleiben in der Minderheit. [...]"
 
Quelle: antifainfoblatt.de - "Marx von rechts gelesen", farbliche Hervorhebungen (dunkelblau markiert) habe ich vorgenommen.
 
Autoritär, "männlich", rechtsextrem, androzentrisch, biologistisch, patriarchal, misogyn, homophob, konservativ, reaktionär, hysterisierte Ängste, Wut über Verlust von Privilegien, Macht, Deutungshoheit, Mangel an Empathie und Mitgefühl, anti-individualistisch, anti-liberal, anti-demokratisch - geschlossenes Weltbild, geschlossene Gesellschaft, Nationalismus, Patriotismus, Rassismus, Abwertung, Hass, Agitation, Verschwörungstheorien, fake news, freiwillige Knechtschaft - Unfreiheit - Zwang, Druck, Kontrolle, Strafe, Kampf - Schwarze Pädagogik.
 
"[...] Eine Erklärung ist das Rollenangebot, das die rechtsextreme Ideologie Männern bietet. Ein "deutscher Mann" zu sein bedeutet in dieser Gedankenwelt immer, weiß und nicht-jüdisch zu sein – die rechtsextreme Ideologie orientiert sich nicht an der Staatsangehörigkeit, sondern an der Volksgemeinschaftsideologie, die auf Blutabstammung basiert. Aus einer rechtsextremen, rassistischen Perspektive ist das völkisch gedachte deutsche Volk sowohl durch "Überfremdung" bedroht, als auch wegen eines Mangels an eigenen, "rassisch reinen" deutschen Kindern. Für Rechtsextreme ist Kinderreichtum daher sowohl eine individuelle als auch eine gesellschaftspolitische Aufgabe. Da die deutsche Nation und damit verknüpft die "Volksgemeinschaft" Kernbezugspunkt rechtsextremer Ideologie sind, fällt der Bevölkerungspolitik und der Kontrolle der Sexualität eine zentrale Rolle zu.
 
Legitimiert wird diese rechtsextreme Vorstellungswelt, indem Bedrohungsszenarien konstruiert werden. Zur rechtsextremen, rassistischen Denkweise gehört zum Beispiel die Bedrohung durch den "fremden Mann", der die deutsche Gesellschaft gefährdet. Dieser "fremde Mann" taucht auch in der Konstruktion des männlich gedachten "kriminellen Ausländers" auf. Indem sie demografische Entwicklungen und Prognosen sehr spezifisch auslegen, untermauern Rechtsextreme die von ihnen aufgestellten bedrohlichen Zukunftsszenarien.
 
Eine weitere Hypothese der Rechtsextremen lautet, wegen der Frauenemanzipation habe Männlichkeit in modernen Gesellschaften an Bedeutung verloren.[5] Als Reaktion darauf seien die gegenläufigen Männlichkeitsentwürfe der rechtsextremen Ideologie zunehmend attraktiv – so auch eine gängige wissenschaftliche Erklärung. Es werden hierbei aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen konstatiert, die die Geschlechterverhältnisse – und somit die männliche Geschlechtsidentität – in grundsätzlicher Weise veränderten. Dabei wird behauptet, dass diese neuen und für die Männlichkeit krisenhaft anmutenden Phänomene nun erhebliche und besondere Anstrengungen verlangen. Die Geschlechterordnung scheint also unlängst instabil geworden zu sein.
 
Fraglich ist jedoch, ob diese Vorstellungen von Männlichkeit in der Krise einen realen Ausgangspunkt hat oder ob nicht ein Trugbild vorliegt, welches zwar real wirksam wird, weil es unter anderem in rechtsextremen Argumentationen herangezogen wird, aber den tatsächlichen gesellschaftlichen Entwicklungen nicht gerecht wird. Sicherlich war die Geschlechterordnung auch in den letzten Jahrzehnten zu keinem Zeitpunkt statisch. Anzunehmen ist, dass diese beständigen Veränderungen die Geschlechterordnung[6] prinzipiell stören. Es fällt zudem auf, dass ähnliche Krisenrhetoriken – die Warnung vor einer "Feminisierung der Kultur" – bereits seit dem 19. Jahrhundert kursieren.
 
Darüber hinaus scheint Männlichkeit in einer historischen Perspektive immer wieder verschiedensten Krisen ausgesetzt zu sein.[7] Die von Rechtsextremen behaupteten Bedrohungsszenarien erscheinen dadurch ebenso zweifelhaft wie deren Ruf nach einer dringlichen Reaktion. Rechtsextreme argumentieren mit Männlichkeit und Geschlechterordnung, unabhängig davon, ob diese tatsächlich in einer schweren Krise stecken.
 
Ein überlegene Position für den (weißen, nicht-jüdischen) Mann[8]
Somit behaupten Rechtsextreme, es gebe eine Bedrohungslage, und gegen diese müsse "Notwehr" geleistet werden. Konkret geht es den Rechtsextremen um den Erhalt der "deutschen Volksgemeinschaft", die wegen mangelnden Nachwuchses und der Migration "Fremder" (insbesondere fremder Männer) von Rechtsextremen als gefährdet angesehen wird. Fremde Männer werden als sexuell übergriffig dargestellt; dadurch störten sie die Fortpflanzung deutscher Männer. Durch die Abwertung fremder Männer wird die männliche, deutsche Wir-Gruppe als Trägerin gegenteiliger positiver Eigenschaften konstruiert. Fremde Männer und deutsche Männer stehen in der rechtsextremen Ideologie in einer feindlichen Auseinandersetzung um sexuelle Beziehungen und Fortpflanzung.
 
Während das übergriffige, bedrohliche Verhalten fremder Männer als unveränderlich erscheint und somit nach rassistischer Segregation (Ausweisung, Abschiebung, getrennte Schulklassen, etc.) verlangt wird, müssen deutsche Frauen, die die Reproduktion des deutschen Volkes leisten sollen, gemäß dieser Erwartung in die "Volksgemeinschaft" eingebunden werden. Da deutschen Frauen von Rechtsextremen der Mangel an Selbstkontrolle und Rationalität zugeschrieben wird, obliegt dem deutschen Mann die Aufgabe, deutsche Frauen zu schützen. Der Mann bewahrt die Frau so vor Dekadenz beziehungsweise vor den – auf die deutschen Frauen auch verführerisch wirkenden – Verlockungen der "Rassenschande", dem sexuellen Kontakt mit fremden Männern also.[9]
Die Aufsicht und Kontrolle weiblicher Sexualität wird damit zur gesellschaftlichen Pflicht an der deutschen Volksgemeinschaft erhoben.
 
Zugleich ist sie Ausdruck eines männlichen Herrschaftsanspruchs über Frauen, der unter der Etikette des "Schutzes" präsentiert wird. Diese Aufgaben erheben das männliche Individuum aus einer anonymen Bedeutungslosigkeit und verleihen seinem Handeln gesellschaftliche Relevanz und Größe im "volksgemeinschaftlichen" Rahmen. Mit dem Verweis auf das Wohl der deutschen Volksgemeinschaft werden die zu bewältigenden Aufgaben von Schutz und Kontrolle als Dienst am deutschen Volk interpretiert, und das männliche Engagement erscheint dementsprechend als selbstlos. Für den einzelnen rechtsextremen Mann ist dieses Angebot aufgrund der Aussicht auf eine machtvolle Position innerhalb des dargestellten Gedankengebäudes attraktiv: Es verspricht eine Überlegenheit gegenüber Frauen, fremden Männer etc..
 
Das rechtsextreme Männlichkeitsideal und seine Anforderungen
Ein solcher Einsatz für Deutschland erfordert Männer, deren Männlichkeit "richtig" im Sinne einer vermeintlich ursprünglichen Ordnung ist. Dieses Männlichkeitsideal steht an einer zentralen Stelle innerhalb der rechtsextremen Weltsicht. Als Ideal erscheint in rechtsextremen Diskursen eine deutsche, heterosexuelle Männlichkeit, in der Härte, Entschlusskraft, Eignung zum Handeln gemäß der Prinzipien Befehl und Gehorsam, Selbstaufgabe und Opferbereitschaft sowie Kampfesmut beziehungsweise Heldenhaftigkeit zum Ausdruck kommen.
 
Gewalt im Sinne der (potentiellen) Ausübung einer direkten körperlichen Gewalt ist Bestandteil der Konstruktion und steht entweder im Kontext des politischen Kampfes, der als ein soldatisch-kriegerischer begriffen wird, oder aber konkreter in der Abwehr von behaupteten Bedrohungen durch fremde Männer und der Regulation deutscher weiblicher Sexualität.
 
Die Konstruktion einer anderen Männlichkeit (wie einer fremden oder homosexuellen[10]) dient der Herstellung einer Norm, die für den einzelnen deutschen Mann zum Bewertungsmaßstab wird – für ihn selbst, aber auch als Erwartungshaltung seines rechtsextremen Umfelds. Diese Norm tritt ihm fordernd und im Falle einer Abweichung auch feindlich gegenüber. So ist mit der Forderung nach "harter Männlichkeit" die Abwendung der zu befürchtenden ("weichen") "Verweiblichung" verknüpft.
 
Zu authentischen Repräsentanten einer "selbstbewussten, starken, harten, geraden und wehrhaft-soldatischen Männlichkeit" können fremde Männer nicht erhoben werden. Allein das unterstellte Vortäuschen dieser "deutschen Männlichkeit" weist den "heutigen verweichlichten deutschen Männern" aber die Richtung. In die (behauptete) Krise geraten ist der deutsche Mann durch Schwäche. Verlangt wird also eine gesellschaftliche Veränderung, mit der konträre Männlichkeitskonstruktionen einhergehen. Während von fremden Männer behauptet wird, sie seien so (ihnen also unveränderbare Eigenschaften zugeschrieben werden), ist die deutsche Männlichkeit veränderbar: sie kann auch wieder selbstbewusst, hart, wehrhaft-soldatisch werden. Deutsche Männer können so zur Zielgruppe rechtsextremer Agitation werden: sie sind grundsätzlich erreichbar und können ihr Handeln im rechtsextremen Sinn ändern.
 
Notwendig für die deutschen, rechtsextremen Individuen wird hierbei, dass sie "männliche Härte" immer wieder unter Beweis stellen. Auch die anti-individualistische Ausrichtung rechtsextremer Geschlechterkonstruktionen im volksgemeinschaftlichen Kontext bedeutet für deutsche Männer meist die (Selbst-)Unterwerfung unter äußere Anforderungen und ebenso oft den Verlust individueller Handlungsfreiheit, die sich, wenn überhaupt, nur gegen große Widerstände und "gegen den Strom" durchsetzen lässt. Das ist ein Schritt in die Unfreiheit, den einige offenbar gerne gehen."
 
Quelle: bpb.de - "Männliche Überlegenheitsvorstellungen in der rechtsextremen Ideologie"
 
"[...] Zu Beginn seiner politischen Laufbahn zeichnete sich Hitler vielleicht nur durch größeres Temperament, eine lautere Stimme und selbstsichere geistige Beschränktheit aus. Er brachte in die Bewegung keinerlei fertiges Programm mit – wenn man den Rachedurst des gekränkten Soldaten nicht zählt. Hitler begann mit Verwünschungen und Klagen über die Versailler Bedingungen, über das teure Leben, über das Fehlen des Respekts vor dem verdienten Unteroffizier, über das Treiben der Bankiers und Journalisten mosaischen Bekenntnisses. Heruntergekommene, Verarmte, Leute mit Schrammen und frischen blauen Flecken fanden sich genug. Jeder von ihnen wollte mit der Faust auf den Tisch hauen. Hitler verstand das besser als die anderen. Zwar wußte er nicht, wie der Not beizukommen sei. Aber seine Anklagen klangen bald wie Befehl, bald wie Gebet, gerichtet an das ungnädige Schicksal. Todgeweihte Klassen werden – ähnlich hoffnungslosen Kranken – nicht müde, ihre Klagen zu variieren und Tröstungen anzuhören. Alle Reden Hitlers sind auf diesen Ton gestimmt. Sentimentale Formlosigkeiten, Mangel an Disziplin des Denkens, Unwissenheit bei buntscheckiger Belesenheit – all diese Minus verwandelten sich in ein Plus. Sie gaben ihm die Möglichkeit, im Bettelsack »Nationalsozialismus« alle Formen der Unzufriedenheit zu vereinen und die Masse dorthin zu führen, wohin sie ihn stieß. Von den eigenen Improvisationen des Beginns blieb im Gedächtnis des Agitators nur das haften, was Billigung fand. Seine politische Gedanken waren die Frucht der rhetorischen Akustik. So ging die Auswahl der Losungen vonstatten. So verdichtete sich das Programm. So bildete sich aus dem Rohstoff der »Führer«. [...]
 
Die Scheiterhaufen, auf denen die verruchten Schriften des Marxismus brennen, werfen helles Licht auf die Klassennatur des Nationalsozialismus. Solange die Nazis als Partei handelten und nicht als Staatsmacht, fanden sie fast keinen Eingang in die Arbeiterklasse. Andererseits betrachtete sie die Großbourgeoisie, auch jene, die Hitler mit Geld unterstützte – nicht als ihre Partei. Das nationale »Erwachen« stützte sich ganz und gar auf die Mittelklassen, den rückständigsten Teil der Nation, den schweren Ballast der Geschichte. Die politische Kunst bestand darin, das Kleinbürgertum durch Feindseligkeit gegen das Proletariat zusammenzuschweißen. Was wäre zu tun, damit alles besser werde? Vor allem die niederdrücken, die unten sind. Kraftlos vor den großen Wirtschaftsmächten hofft das Kleinbürgertum, durch die Zertrümmerung der Arbeiterorganisationen seine gesellschaftliche Würde wiederherzustellen.
 
Die Nazis geben ihrem Umsturz den usurpierten Namen Revolution. In Wirklichkeit läßt der Faschismus in Deutschland wie auch in Italien die Gesellschaftsordnung unangetastet. Hitlers Umsturz hat, isoliert betrachtet, nicht einmal Recht auf den Namen Konterrevolution. Aber man darf ihn nicht abgesondert sehen, er ist die Vollendung des Kreislaufs von Erschütterungen, der in Deutschland 1918 begann. Die Novemberrevolution, die die Macht den Arbeiter- und Soldatenräten übergab, war in ihrer Grundtendenz proletarisch. Doch die an der Spitze der Arbeiterschaft stehende Partei gab die Macht dem Bürgertum zurück. In diesem Sinne eröffnete die Sozialdemokratie die Ära der Konterrevolution, ehe es der Revolution gelang, ihr Werk zu vollenden. Solange die Bourgeoisie von der Sozialdemokratie und folglich von den Arbeitern abhängig war, enthielt das Regime aber immer noch Elemente des Kompromisses. Bald ließ die internationale und die innere Lage des deutschen Kapitalismus keinen Raum mehr für Zugeständnisse. Rettete die Sozialdemokratie die Bourgeoisie vor der proletarischen Revolution, so hatte der Faschismus seinerseits die Bourgeoisie vor der Sozialdemokratie zu retten. Hitlers Umsturz ist nur das Schlußglied in der Kette der konterrevolutionären Verschiebungen.
 
Der Kleinbürger ist dem Entwicklungsgedanken feind, denn die Entwicklung geht beständig gegen ihn – der Fortschritt brachte ihm nichts als unbezahlbare Schulden. Der Nationalsozialismus lehnt nicht nur den Marxismus, sondern auch den Darwinismus ab. Die Nazis verfluchen den Materialismus, weil die Siege der Technik über die Natur den Sieg des großen über das kleine Kapital bedeuten. Die Führer der Bewegung liquidieren den »Intellektualismus« nicht so sehr deshalb, weil sie selbst mit einem Intellekt zweiter und dritter Sorte versehen sind, sondern vor allem, weil ihre geschichtliche Rolle es ihnen nicht gestattet, irgendeinen Gedanken zu Ende zu führen. Der Kleinbürger braucht eine höchste Instanz, die über Natur und Geschichte steht, gefeit gegen Konkurrenz, Inflation, Krise und Versteigerung. Der Evolution, dem »ökonomischen Denken«, dem Rationalismus – dem zwanzigsten, neunzehnten und achtzehnten Jahrhundert – wird der nationale Idealismus als die Quelle des Heldischen entgegengestellt. Die Nation Hitlers ist ein mythologischer Schatten des Kleinbürgertums selbst, sein pathetischer Wahn vom tausendjährigen Reich auf Erden.
 
Um die Nation über die Geschichte zu erheben, gab man ihr als Stütze die Rasse. Den geschichtlichen Ablauf betrachtet man als Emanation der Rasse. Die Eigenschaften der Rasse werden ohne Bezug auf die veränderlichen gesellschaftlichen Bedingungen konstruiert. Das niedrige »ökonomische Denken« ablehnend, steigt der Nationalsozialismus ein Stockwerk tiefer, gegen den wirtschaftlichen Materialismus beruft er sich auf den zoologischen.
Die Rassentheorie – wie besonders geschaffen für einen anspruchsvollen Autodidakten, der nach einem Universalschlüssel für alle Geheimnisse des Lebens sucht – sieht im Licht der Ideengeschichte besonders kläglich aus. Die Religion des rein Germanischen mußte Hitler aus zweiter Hand beim französischen Diplomaten und dilettierenden Schriftsteller Gobineau entlehnen. [...]
 
Auf der Ebene der Politik ist der Rassismus eine aufgeblasene und prahlerische Abart des Chauvinismus, gepaart mit Schädellehre. Wie herabgekommener Adel Trost findet in der alten Abkunft seines Bluts, so besäuft sich das Kleinbürgertum am Märchen von den besonderen Vorzügen seiner Rasse. Es verdient Beachtung, daß die Führer des Nationalsozialismus nicht germanische Deutsche sind, sondern Zugewanderte: aus Österreich, wie Hitler selbst, aus den ehemaligen baltischen Provinzen des Zarenreichs, wie Rosenberg, aus den Kolonialländern, wie der augenblickliche Stellvertreter Hitlers in der Parteileitung, Heß, und der neue Minister Darré. Es bedurfte der Schule barbarischer nationaler Balgerei in den kulturellen Randgebieten, um den Führern die Gedanken einzuflößen, die später ein Echo im Herzen der barbarischsten Klassen Deutschlands fanden.
 
Die Persönlichkeit und die Klasse – der Liberalismus und der Marxismus – sind das Böse. Die Nation ist das Gute. Doch an der Schwelle des Eigentums verkehrt sich diese Philosophie ins Gegenteil. Nur im persönlichen Eigentum liegt das Heil. Der Gedanke des nationalen Eigentums ist eine Ausgeburt des Bolschewismus. Obwohl er die Nation vergottet, will der Kleinbürger ihr doch nichts schenken. Im Gegenteil erwartet er, daß die Nation ihm selbst Besitz beschert und diesen dann gegen Arbeiter und Gerichtsvollzieher in Schutz nimmt.
Vor dem Hintergrund des heutigen Wirtschaftslebens – international in den Verbindungen, unpersönlich in den Methoden – scheint das Rassenprinzip einem mittelalterlichen Ideenfriedhof entstiegen. Die Nazis machen im voraus Zugeständnisse: Im Reich des Geistes wird Rasseneinheit durch den Paß bescheinigt, im Reich der Wirtschaft aber muß sie sich durch Geschäftstüchtigkeit ausweisen. Unter heutigen Bedingungen heißt das: durch Konkurrenzfähigkeit. So kehrt der Rassismus durch die Hintertür zum ökonomischen Liberalismus – ohne politische Freiheiten – zurück.
 
Praktisch beschränkt sich der Nationalismus in der Wirtschaft auf – trotz aller Brutalität – ohnmächtige Ausbrüche von Antisemitismus. Vom heutigen Wirtschaftssystem sondern die Nazis das raffende oder Bankkapital als den bösen Geist ab; gerade in dieser Sphäre nimmt ja die jüdische Bourgeoisie einen bedeutenden Platz ein. Während er sich vor dem kapitalistischen System verbeugt, bekriegt der Kleinbürger den bösen Geist des Profits in Gestalt des polnischen Juden im langschößigen Kaftan, der oft keinen Groschen in der Tasche hat. Der Pogrom wird zum Beweis rassischer Überlegenheit. [...]
 
Der deutsche wie der italienische Faschismus stiegen zur Macht über den Rücken des Kleinbürgertums, das sie zu einem Rammbock gegen die Arbeiterklasse und die Einrichtungen der Demokratie zusammenpreßten. Aber der Faschismus, einmal an der Macht, ist alles andere als eine Regierung des Kleinbürgertums. Mussolini hat recht, die Mittelklassen sind nicht fähig zu selbständiger Politik. In Perioden großer Krisen sind sie berufen, die Politik einer der beiden Hauptklassen bis zur Absurdität zu treiben. Dem Faschismus gelang es, sie in den Dienst des Kapitals zu stellen. Solche Lösungen wie die Verstaatlichung der Trusts und die Abschaffung des »arbeits- und mühelosen Einkommens« waren nach Übernahme der Macht mit einem Mal über Bord geworfen. Der Partikularismus der deutschen Länder, der sich auf die Eigenarten des Kleinbürgertums stützte, hat dem polizeilichen Zentralismus Platz gemacht, den der moderne Kapitalismus braucht. Jeder Erfolg der nationalsozialistischen Innen- und Außenpolitik wird unvermeidlich Erdrückung des kleinen Kapitals durch das große bedeuten.
 
Das Programm der kleinbürgerlichen Illusionen wird dabei nicht abgeschafft, es wird einfach von der Wirklichkeit abgetrennt und in Ritualhandlungen aufgelöst. Die Vereinigung aller Klassen läuft hinaus auf die Halbsymbolik der Arbeitsdienstpflicht und die Beschlagnahme des Arbeiterfeiertags »zugunsten des Volkes«. Die Beibehaltung der gotischen Schrift im Gegensatz zur lateinischen ist eine symbolische Vergeltung für das Joch des Weltmarkts. Die Abhängigkeit von den internationalen – darunter auch jüdischen – Bankiers ist nicht um ein Jota gemildert, dafür ist es verboten, Tiere nach dem Talmudritual zu schlachten. Ist der Weg zur Hölle mit guten Vorsätzen gepflastert, so sind die Straßen des Dritten Reiches mit Symbolen ausgelegt.
 
Indem er das Programm der kleinbürgerlichen Illusionen auf elende bürokratische Maskeraden reduziert, erhebt sich der Nationalsozialismus über die Nation als reinste Verkörperung des Imperialismus. Die Hoffnung darauf, daß die Hitlerregierung heute oder morgen als Opfer ihres inneren Bankrotts fallen werde, ist völlig vergeblich. Das Programm war für die Nazis nötig, um an die Macht zu kommen, aber die Macht dient Hitler durchaus nicht dazu, das Programm zu erfüllen. Die gewaltsame Zusammenfassung aller Kräfte und Mittel des Volkes im Interesse des Imperialismus – die wahre geschichtliche Sendung der faschistischen Diktatur – bedeutet die Vorbereitung des Krieges; diese Aufgabe duldet keinerlei Widerstand von innen und führt zur weiteren mechanischen Zusammenballung der Macht. Den Faschismus kann man weder reformieren noch zum Abtreten bewegen. Ihn kann man nur stürzen. Der politische Weg der Naziherrschaft führt zur Alternative Krieg oder Revolution. [...]
 
Je weniger das Polizeiregime der Nazis ökonomisch leistet, desto größere Anstrengungen muß es auf außenpolitischem Gebiet unternehmen. Dies entspricht völlig der inneren Dynamik des durch und durch aggressiven deutschen Kapitals. Das Umschwenken der Naziführer auf Friedensdeklarationen kann nur Dummköpfe irreführen. Hitler hat kein anderes Mittel, die Schuld an inneren Schwierigkeiten auf äußere Feinde abzuwälzen und die Sprengkraft des Imperialismus unter dem Druck der Diktatur zu steigern.
Dieser Teil des Programms, der noch vor der Machtergreifung der Nazis offen angekündigt wurde, realisiert sich jetzt mit eiserner Logik vor den Augen der ganzen Welt. Die Zeit, die uns bis zur nächsten europäischen Katastrophe bleibt, ist befristet durch die deutsche Aufrüstung. Das ist keine Frage von Monaten, aber auch keine von Jahrzehnten. Wird Hitler nicht rechtzeitig durch innerdeutsche Kräfte aufgehalten, so wird Europa in wenigen Jahren neuerlich in Krieg gestürzt."
 
Quelle: marxists.org - "Porträt des Nationalsozialismus", von Leo Trotzki
 

Diesen Post teilen

Repost0
Um über die neuesten Artikel informiert zu werden, abonnieren:

Kommentiere diesen Post