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Sabeth schreibt

Poesie Melancholie Philosophie Feminismus Anarchismus

Die neue alte Rechte – aus psychoanalytischer Sicht

08. November 2018
 
Es ist in der Tat Nazismus gepaart mit pathologischem, malignen Narzissmus.
 
Und es ist dabei grundsätzlich nicht "nur" Antisemitismus, sondern generell gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit - deshalb sind Rechte üblicherweise auch rassistisch, sexistisch, homophob, misogyn, nihilistisch, oft auch nekrophil "eingestellt" bzw. fühlend, denn es hat vor allem mit ihrem spezifischen F ü h l e n (siehe auch Konservatismus, Menschenbild) zu tun, der theoretische Überbau, die Ideologie, soll lediglich der Rechtfertigung dieser Gefühle - vor sich selbst und anderen - dem Korpsgeist und dem kompensatorischen Selbstbetrug dienen.
 
Es gibt keine "neue" Rechte - es ist und war immer schon die "alte" Rechte.
Und ja: Man muss es psychoanalytisch betrachten.
 
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Die neue alte Rechte – aus psychoanalytischer Sicht
 
Es ist das Eingestelltsein, d.h. das Denken, mehr noch und zuvor aber das Fühlen und das daraus, aus dem Fühlen, resultierende Denken und Sich-Verhalten von rechtskonservativ, insbesondere von rechtsextrem eingestellten Menschen ein eigentlich psychologisches Problem, es kann diesen Menschen infolgedessen nicht mit Argumenten und/oder Fakten begegnet werden, selbige lassen sie bekannterweise unbeeindruckt; Fakten und Argumente erreichen sie, d.h. ihr Fühlen nicht, jedenfalls nicht in einer Weise, die zu emotionaler und geistiger Öffnung und Zugewandtheit führt, sondern nur noch mehr Abwehr, Trotz und Verweigerung bei ihnen evoziert.
 
Angemessen zuwenden würde man sich dem Phänomen des Rassismus´, des Rechtsextremismus´, der Homophobie, Misogynie, der gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit, daher auf psychoanalytische Weise.

Die Äußerungen und Verhaltensweisen von rechtskonservativ und mehr noch von rechtsextrem eingestellten Menschen legen ganz deutlich offen, welche psychisch-emotionalen und charakterlichen Defizite, Unzulänglichkeiten, Störungen ihnen tatsächlich allen gemeinsam sind; Erich Fromm hat diese längst umfassend analysiert, beschrieben und erläutert – siehe bspw. seine "Anatomie zur menschlichen Destruktivität" sowie den Sozial-/Gesellschaftscharakter … .

Demnach haben Rechtsextreme erkennbar Einstellungen, tätigen Äußerungen und zeigen Verhaltensweisen, die sich als neophob, xenophob, hysterisiert ängstlich, autoritär, angepasst-gehorsam (siehe freiwillige Selbstverknechtung), narzisstisch, d.h. antisozial persönlichkeitsgestört, destruktiv-aggressiv, lebensverneinend, nekrophil und sadistisch benennen lassen.

Auch Arno Gruen hat sich mit den Ursachen, Formen und Auswirkungen von Anpassung bzw. Gehorsam(sein), von Schmerzvermeidung und dem Mangel an Mitgefühl befasst.

Üblicherweise werden durch Druck, Zwang, Härte, Strenge, emotionale Kälte, Schikane und Strafe, durch eine autoritäre Erziehung, durch tatsächlich Schwarze Pädagogik - somit nicht bedürfnisorientierten, nicht einfühlsamen, feinfühligen, mitfühlenden, liebevollen Umgang mit Säuglingen und (Klein-) Kindern, d.h. durch fehlende sichere Bindung und Liebeserfahrung - solche Einstellungen und Verhaltensweisen in der frühen Kindheit geprägt, angelegt - und dies zumeist lebenslang wirkmächtig, dabei den Betroffenen jedoch mehr oder weniger unbewusst bzw. von ihnen verdrängt oder auch gänzlich geleugnet werdend.

Verdrängt, geleugnet werden "muss" dies deshalb, weil das Bewusstwerden dessen mit Schmerz verbunden ist, der durch das Verdrängen/Leugnen/Unterdrücken abgewehrt, vermeintlich "kontrolliert" wird.
 
Dieser Schmerz verschwindet damit natürlich nicht, er wird deshalb zu kanalisieren versucht, indem man ihn durch kompensatorisches Verhalten abwehrt und "auslagert", ihn anderen Menschen zufügt, somit ventilartig ausagiert, ihn dabei jedoch keineswegs loswird, sondern allenfalls nur vorübergehend abschwächt, umleitet.
 
Der Schmerz wird abgewehrt und unterdrückt, indem man statt des bedrohlich erscheindenden Zulassens der Schmerzerfahrung stellvertretend der Wut Raum gibt.
 
Wut und Hass (auch häufig unbewusster Selbsthass) überdecken das Schmerzerleben, Schmerzempfinden und die (erforderliche) Trauer nicht nur, sie ersetzen sie, da sie erträglicher erscheinen als der Schmerz, dem man sich anderenfalls völlig ausgeliefert fühlte.
 
Dieses Gefühl von "Schwäche" bzw. Ausgeliefert-, Ohnmächtigsein, von Verzweiflung, Haltlosigkeit, will keinesfalls erlebt, erlitten, darf daher nicht zugelassen, sondern muss in Schach gehalten werden – mittels kompensatorischer Wut, Hass, Aggression, Abwehr, emotionaler Verpanzerung, Härte, Kälte, Mangel an Empfindsamkeit, Feinfühligkeit, Mitgefühl, dem Unterdrücken von Verletzlichsein und Bedürftigkeit, nicht selten einhergehend mit psychisch-emotionaler und auch physischer Gewalt, mit Macht- und Unterwerfungswünschen, Rachegefühlen, mit Sadismus.
 
Opfer werden folglich selbst zu Tätern.
 
Was wir bei rechtsextremistisch eingestellten Menschen ebenfalls beobachten können, ist Humorlosigkeit, insbesondere die fehlende Fähigkeit zu Selbstironie und Selbstkritik, außerdem kaum bis keine Reuegefühle, keine Einsicht eigenen Fehlverhaltens, hingegen häufig das typisch narzisstische Sich-selbst-zum-Opfer-Stilisieren, überdies eine gewisse Grobschlächtigkeit, Schwerfälligkeit, Plumpheit, fehlende Feingeistigkeit, Mangel an Esprit, an Mäßigung, Selbstbeherrschung (auch im verbalen Ausdruck), Mangel an Horizontweite, fehlende Offenheit Neuem, Fremden, Unbekannten gegenüber - Mangel an intellektueller Eleganz, Kultiviertheit, geistiger Beweglichkeit, Beschwingtheit, Geschmeidigkeit, Heiterkeit – all das drückt sich unweigerlich auch in ihrer Körperhaltung, ihrer Mimik und Gestik und in gerade natürlich ihrem Verhalten, also ihrem Habitus aus.   
Die oft mühsam aufrecht erhalten werdende Fassade bekommt daher immer wieder deutlich wahrnehmbare Risse.
 
Keineswegs ist bei diesen Menschen das vorherrschende Gefühl etwa Melancholie, sondern viel mehr Wut, irrationale, hysterisierte Angst, Hass, Negativität, Destruktivität und Nekrophilie – der Hang zu Morbidem, Lebensfeindlichen, Verwesenden, Entstellten und Entstellenden, Qualvollen, Zerstörerischen, Gewaltsamen, Martialischen, Sadistischen.
 
Halt und Trost wird von solchen Menschen häufig in Religiös-Esoterischem gesucht (Magie, Mystik, dogmatische, patriarchalische Religion(en)), zumeist auch in Drogen – siehe Hedonismus und Eskapismus.
 
Da solche Menschen tatsächlich nicht liebesfähig sind (nicht lieben, also selbstlos geben, können), finden sie Halt und Trost nicht in zwischenmenschlichen Beziehungen und Bindung, jedenfalls nicht dauerhaft, außerdem nur vordergründig, scheinbar, nur gespielt.
Da es ihnen an Empathie und Mitgefühl mangelt, können ihre Beziehungen nur oberflächliche, nicht tiefe, insbesondere nicht längerfristig andauernde, tragfähige sein.
 
Am wenigsten ertragen sie die Scham über ihre ureigenen Unzulänglichkeiten und Defizite, die sie daher auf andere – als vermeintlich deren Schwächen und Fehler - projizieren.
Eigenes Fehlverhalten, eigene Schwächen, Verletzlichkeit, Bedürftigkeit, Unsicherheit, Charaktermängel "müssen" unbedingt verborgen gehalten werden, diese Menschen können sie weder sich selbst, noch (weniger) anderen gegenüber zugeben.
 
Sie können vor allem nicht um Verzeihung bitten. Es stellte dies nach ihrem Dafürhalten eine Erniedrigungs-, Demütigungs-, Unterwerfungsgeste, einen Ausdruck von Schwäche dar, die ihnen unerträglich wäre, die sie deshalb mit allen Mitteln vermeiden, abwehren, verweigern.
 
Sie selbst sind (sich) ihre härtesten Gegner, ihre bittersten Feinde.
 
Aber sie projizieren diese Feindschaft und Feindseligkeit selbstschonend, sich selbst betrügend auf andere. - Nur so ertragen sie sich selbst.
 
Ihr gesamtes Fühlen, Eingestelltsein, Verhalten ist demnach psychopathologische Manifestation.
 
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Ernst Jünger - Krieg als Rausch, "In Stahlgewittern".

Kampf, Märtyrertum, "Heroismus", Maskulismus, Autoritarismus, Chauvinismus, Narzissmus - schwülstig-kitschige Sehnsucht nach "Metaphysischem", "übergeordnetem Prinzip".
 
Die biologistisch-androzentrisch-völkische homogenisierte Heimatschollenidentität einer konstruierten, phantasierten "Volksgemeinschaft" - wider das Individuum, wider Individualität.
 
Hass, Minderwertigkeitsgefühle, innere Leere, Selbstwertproblematik, typisch narzisstische Kompensation via Machtstreben, Kontrolle, Unterwerfung.
 
Männlichkeit als Kampf: gegen die eigene Bedürftigkeit, Verletzlichkeit, Feinfühligkeit, Vergänglichkeit, Sterblichkeit, gegen Mitgefühl, Bedürfnisorientiertheit. Stattdessen Dressur, Sadismus, Masochismus:
 
Lust am Schmerzerleiden, am Gehorsam, an Selbstverknechtung (hier als "Treue" missverstanden) gegenüber einem autoritären Führer sowie am Schmerzzufügen, am Quälen. Die Lust am Hässlichen, Morbiden, Toten, an Gewalt, Zerstörung, Vernichtung, Verwesung - Nekrophilie.
 
Wider Konsensualität, Differenzierung, Individualität - wider Persönlichkeitsreifung, Selbstreflexion.
 
Die primitiv-konservativ-kitschig-vulgäre Sehnsucht nach Geheimnis, Okkultem, Esoterischem, wider Wissenschaftlichkeit, Rationalität, Vernunft.
 
Die Unfähigkeit, mit Komplexität, Veränderung und Kontingenz zurandezukommen, die Verweigerung dessen - Trotz, Angst, Unreife.

Die Unfähigkeit, dem eigenen Sein, Leben Sinn zu geben.
Eskapismus, Selbstbetrug, Selbstflucht, nicht selten auch Drogensucht.
 
Liebesunfähigkeit.
 
D a s ist die "neue" alte Rechte. Siehe "Konservative Revolution".
 
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Nochmal Grundsätzliches:
 
Die politische Einstellung, Weltanschauung, Gesinnung eines Menschen ist nicht irgendwie "extern" an ihn angeheftet, sie ist integraler Bestandtteil seiner Persönlichkeit - seines Denkens, Fühlens, Handelns, Wollens, Strebens und Folge seines Charakters.
 
Und ja: Das Private ist politisch.
 
Wir können daher bei keinem Kontakt mit einem Menschen phasenweise, vorübergehend oder gar generell irgendwie außenvorlassen, außer Acht lassen, ignorieren, abspalten, wie dieser Mensch politisch, moralisch, geistig-intellektuell, weltanschaulich eingestellt, wovon er überzeugt und wie er sozial und charakterlich je persönlich verfasst ist, w e i l: er sich entsprechend v e r h ä l t - nicht "nur" denkt, spricht, fühlt. Sei ihm dies bewusst oder nicht.
 
Wer einem anderen Menschen, einem Gegenüber, vorschlägt, "anbietet" oder ihn auffordert, "das Politische" (zeitweise) beiseitezulassen, tut dies stets aus manipulativen Zwecken, niederen, verwerflichen, jedenfalls egomanen, selbstsüchtigen Beweggründen. Immer.
 
Man kann nicht an einem Tag Rassist, Rechtsextremist, Agitator/Demagoge, Hassender, Menschenfeind, Sadist sein und einige Stunden oder Tage oder Wochen später oder in der darauffolgenden Nacht all das wegschieben und sich als weißbewesteten, mitfühlenden "Gutmenschen" ausgeben. Denn es fehlt hierfür nicht nur an der erforderlichen Authentizität, Wahrhaftigkeit und Vertrauensbasis, sondern vor allem an Integrität.
 
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Aktualisierung am 30. Juli 2018
 
Beim IfS - so hochtrabend wie hochmütig (siehe das Institut für Sozialforschung, Kritische Theorie, Frankfurter Schule) "Institut für Staatspolitik" genannt - handelt es sich tatsächlich um nichts weiter als eine one man show des Götzen (Götz Kubitschek), allenfalls um einen Altherrenverein - bestehend aus ein paar emotional verpanzerten, verstümmelten, konservativ-reaktionären Hanseln, die sich kompensatorisch ihrem larmoyant verbittert-verzweifelten Lamento hingeben und erhoffen, man möge ihren pathologischen Narzissmus neben weiteren ihrer Charakterdefizite nicht erkennen, sondern ihrer agitatorischen Schwadronade auf den Leim gehen, mit welcher sie vor allem sich selbst und einige weitere maskulistische, patriarchale, autoritäre, emotional verpanzerte Leidensgenossen psychsich über Wasser zu halten versuchen.
 
Die Hybris, die sich durch die Bezeichnung (Institut für "Staatspolitik") ausdrückt, ist dabei keineswegs marginaler Nebeneffekt, sondern gewollt gesetzter Hinweis, zugleich Selbstoffenbarung: maßt mann sich doch an, zu wissen, was den deutschen Staat ausmacht, was, wie er zu sein resp. zu werden habe, nämlich w i e d e r antidemokratisch, autoritär, faschistisch, woran im Übrigen der Umstand, dass die Bundesregierung die "Neue" Rechte, inklusive IfS, nicht als der freiheitlich demokratischen Grundordnung zuwiderlaufend, nicht als rechtsextremistisch einstuft, keineswegs etwas ändert, man sich viel mehr ein weiteres Mal fragen darf, warum es sich so verhält - siehe auch das nicht ergangene NPD-Verbot und seine Folgen, siehe den Verfassungsschutz nicht nur, aber gerade auch im Zusammenhang mit dem NSU, siehe den institutionellen Rassismus, rechtsextremistische, rassistische Staatsdiener: Polizisten bspw., aber auch Bundeswehrsoldaten, Staatsanwälte, Richter (wie Jens Maier), Lehrer (wie z.B. Karlheinz Weißmann, Björn Höcke).
 
Letztendlich ist das Possenspiel reine, typisch narzisstische Selbstinszenierung, nicht einmal mit etwaig wohlwollendem Bemühen in auch nur die Nähe von Intellektualität zu bringen, woran auch das neurechte ideologische Fundament - die "Konservative Revolution" mit ihren entsprechenden Figuren - nichts zu ändern vermag, denn: Es gibt keine Rechtsintellektualität und es gab sie nie je. Intellektualität ist grundsätzlich, zwangsläufig, per definitionem politisch links und Faschismus ist auf ebenfalls sowohl Definitionsgrundlage wie auch historischer Vorlage ebenso zwangsläufig wie unverkennbar rechts.
 
Wie ich schon mehrmals äußerte:
 
Man muss das Phänomen Rechtsextremismus, Rassismus sowie auch und gerade Konservatismus, man muss Rechtspopulisten, Agitatoren, "Nihilisten", Hassende, Verbitterte, ihre Äußerungen, Ideologie, Verhaltensweisen, insbesondere ihr all dem zugrundeliegendes, ausschlaggebendes Fühlen nicht ausschließlich sozialwissenschaftlich, sondern endlich angemessen, d.h. psychoanalytisch betrachten.

Nur dann wird man der Sache gerecht und kann entsprechend widerständig wie insbesondere präventiv dagegen vorgehen und solche letztlich pathologischen Manifestationen bewältigen, ihnen vor allem vorbeugen. Ja: Das hat immer mit Kindheit, mit Prägung, "Erziehung", "Sozialisation", auch (religiöser, ideologischer) Indoktrination, mit Beschädigung zu tun. Überall auf dieser Welt, nicht nur in Deutschland.
 
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"[...] Wie immer man das Phänomen nennen will, für das die Namen Trump, Le Pen oder AfD stehen – es ist nicht bloß eine Denkweise, sondern eine Gefühlswelt. Wird sie beschrieben, dann fallen Vokabeln wie Hass, Wut, Frust, Sorgen und Nöte. Und so viel steht fest: "Man kann diese Gefühle nicht einfach als zufällig oder den Menschen eingeredet abtun; sie gehören zum Grundbestand der modernen Gesellschaft. Misstrauen, Abhängigkeit, Sich-ausgeschlossen-fühlen, Angst und Desillusionierung fließen in eins zusammen und ergeben einen grundlegenden Zustand des Menschen im heutigen Dasein: das große Unbehagen." Kluge Worte, sie wurden vor 70 Jahren geschrieben.
So lange ist es schon her, dass die beiden Emigranten Leo Löwenthal, ein Deutscher, und Norbert Gutermann, ein Pole, ihre Untersuchung über die Reden rechtsextremer Führer in den USA veröffentlichten (Agitation und Ohnmacht). Ein Jahr später wurde auch ein zweites Buch fertig, das Theodor W. Adorno berühmt machen sollte: die sozialpsychologischen Studien zum autoritären Charakter. Die beiden Werke ergeben ein Bild protofaschistischer Verhetzung, das beklemmend aktuell wirkt. Und das eine Erklärung dafür anbietet, warum Menschen für Hetze so empfänglich sind. [...]

Adorno und seine Mitautoren wenden sich gegen die vulgärmarxistische Vorstellung, rechtsradikale Stimmungen seien einfach der Ausdruck sozialer Missstände. Sie vermuten stattdessen, dass "lange bestehende Sehnsüchte und Erwartungen, Ängste und Unruhen die Menschen für bestimmte Überzeugungen empfänglich und anderen gegenüber resistent machen". Zu diesen Sehnsüchten zählte schon damals, dass der permanente Veränderungsstress endlich aufhören möge. Das ist verständlich, aber doch regressiv: die Verweigerung eines erwachsenen Umgangs mit der Welt. [...]
 
Sie zeigen, dass sich Vorurteile gegen Minderheiten durchaus unabhängig von sozialen Lagen herausbilden. Ein weiterer Befund ist der "Bruch zwischen angeblichem und wirklichem Denken". Etliche Befragte hatten ihre Fragebögen so ausgefüllt, wie sie es für erwünscht hielten ("politisch korrekt", würde man heute sagen) – erst im Gespräch zeigten sie ihre wahren Ansichten, oft in Form neurotischer Fixierungen. Das waren beispielsweise pathologische Überlegenheitsfantasien ("Ich kenne alle Hintergründe") oder auch sexuelle Triebe, die man sich nicht gern eingesteht, sie vielmehr anderen – namentlich den Fremden – zuschreibt, um diese sodann zu verurteilen.
 
Um Verborgenes geht es also. Theodor W. Adorno schreibt in seiner Analyse der Rundfunkreden von Martin Luther Thomas, einem faschistischen Prediger der dreißiger Jahre: "Unter der Maske christlicher Ekstase versteckt sich die Ermutigung zu Heidentum, orgiastischer Entfesselung der eigenen emotionalen Triebe, zur Regression auf die unartikulierte Natur." Der Autor sieht darin einen "Gefühls-Befreiungs-Trick".
 
Namentlich der Faschismus lebe "von dem Mangel an emotionaler Befriedigung in der Industriegesellschaft" und davon, "dass er den Menschen jene irrationale Genugtuung verschafft, die ihnen durch die heutigen sozialen und wirtschaftlichen Verhältnisse vorenthalten wird". Der faschistische Führer gebe "ein Modell für das Verhalten, das seine Zuhörer nachahmen und annehmen sollen. Sie sollen sich nicht zivilisiert benehmen, sie sollen schreien, gestikulieren, ihren Gefühlen freien Lauf lassen." So erklärt sich, warum die Anhänger Trumps oder ihre hiesigen Pendants dann besonders jubeln, wenn ihre Idole ein Tabu brechen: Das löst die Spannung zwischen dem, was man sagen darf, und dem, was man sagen will. Entzivilisierung macht glücklich.
 
"Bezeichnend für den Faschistenführer ist ein Hang zu geschwätzigen Erklärungen über die eigene Person", erklärt Adorno weiter. Das sei nicht bloß Narzissmus, "es ist ein Teil des Geheimnisses totalitärer Führung, der Gefolgschaft das Bild eines autonomen Charakters vor Augen zu stellen, der zu sein ihr in Wahrheit verwehrt wird". [...]
 
"Der Agitator", so nennen Löwenthal und Gutermann diesen Typus des Volksverhetzers, "ist sehr besorgt, weil alle Informationsmittel in die Hände der Feinde des Vaterlandes gefallen sind" – Mainstream-Medien, Lügenpresse, man kennt das. Er "spielt mit dem Misstrauen, das seine Zuhörer grundsätzlich gegen alle sozialen Erscheinungen hegen, die in ihr Leben eingreifen, ohne dass sie verstünden, wie das eigentlich geschieht". Zu diesen Erscheinungen rechnen die Autoren ausdrücklich die Immigration.
 
"Der Agitator", fahren sie fort, "kann offenbar voraussetzen, es mit Menschen zu tun zu haben, die unter dem Gefühl ihrer Hilflosigkeit und Passivität leiden. Er kann sich der Zwiespältigkeit dieses Komplexes bedienen, der einerseits einen Protest gegen jede Bevormundung enthält, auf der anderen Seite den Wunsch, beschützt zu werden (...), von einem starken Mann geführt zu werden."
 
Fazit: Das Phänomen, für das die Namen Trump, Le Pen oder AfD stehen, lässt sich nicht allein auf heutige Umstände zurückführen. Nicht nur auf demografische Umbrüche, die Globalisierung oder das Internet. Vor dem "großen Unbehagen" in Überlegenheitsfantasien zu flüchten ist eine dauerhafte Option. Manchmal genügt eine Unwucht im Parteiensystem oder die offenkundige Abnutzung einer Führungsschicht, und es beginnt eine Dynamik, die sich ihren Brennstoff sucht – sei dieser auch "postfaktisch", also herbeifantasiert und zusammengelogen. Er zündet dennoch.
 
Fragt sich nur, was aus alledem zu lernen ist.
Die Studien beschreiben Leute, die längst gegen Erfahrungen immun sind, welche ihre Vorurteile infrage stellen könnten. So stellt sich nach der Lektüre ein Gefühl der Hilflosigkeit ein; zu den Kennzeichen der Frankfurter Schule, der die Autoren angehörten, zählte es, analytisch stark zu sein, aber politisch resignativ. Rückzug ins bessere Wissen.
Politisch lernen lässt sich daraus dennoch einiges:
Überzeugte sind für Argumente unerreichbar, auch wer sich auf ihre Emotionen einlässt, belohnt diese nur. Die Leute leben jedoch inmitten einer Mehrheit, die anders denkt als sie. Daher hängt alles davon ab, wohin diese Mehrheit insgesamt tendiert. Gewinnt der rechte Rand ideologische und emotionale Energie aus seinem Nahfeld, oder verliert er sie daran? Als politische Aufgabe formuliert: Die Radikalen sollen sich nicht wie der Fisch im Wasser fühlen, sondern wie der Fisch an Land. [...]

Nicht die Verhetzten muss die Politik gewinnen, sondern jene, die das "große Unbehagen" empfinden, ohne deswegen schon den Anstand verloren zu haben."
 
Quelle: zeit.de - "Theodor W. Adorno: Der Trick mit der Gefühlsbefreiung", farbliche Hervorhebungen (dunkelblau) habe ich vorgenommen.
 
03. April 2018
 
Weil es immer noch im Umlauf ist, immer wieder wiederholt wird, dass u.a. Hartz 4, Jobcenterschikanen, Niedriglöhne, prekäre Beschäftigungsverhältnisse, gesellschaftliches Ausgegrenztsein/fehlende Teilhabe, materielle Armut ... Rassisten, Rechtsextremisten Zulauf böte, nochmals eine Stellungnahme hierzu:
 
Es ist einfach falsch, zu behaupten, Menschen würden durch (sozial) ungerechte, menschenverachtende Be- bzw. Misshandlung, durch Beschädigung "in die Arme von Rechten und Rassisten getrieben" und selbst zu Rassisten, Rechtsextremisten etc. (siehe generell gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit).
 
Es s i n d diese Menschen, die sich von rechten Rattenfängern ködern und einlullen lassen, längst zuvor Rassisten und Rechts"konservative", Rechtsnationalisten, Rechtsextremisten gewesen, denn es geht dies immer auf das Fühlen der Menschen zurück - die Ideologie dient erst im zweiten Schritt als eine Art Rechtfertigung dieser niederen Gefühle wie (Sozial-) Neid, Gier, Geiz, hysterisierte Ängste, Rache-/Vergeltungswünsche, kompensatorisches Macht- und Unterwerfungsstreben etc..
 
Man wird nicht zum Rechten, zum Rassisten, weil man als erwachsener Mensch (sozial) misshandelt, beschädigt wird, man trägt das bereits zuvor längst in sich - es ist eine Sache des Charakters, der (mangelnden) Herzensbildung (siehe Mitgefühl, Reflexionsfähigkeit, Selbstkritik etc.); ursächlich ist hierfür eine bereits in der Kindheit erlittene Beschädigung durch Schwarze Pädagogik, durch nicht bedürfnisorientierten, feinfühligen (empathischen, mitfühlenden, respektvollen) Umgang der Bezugspersonen mit dem jeweiligen Kind.
 
Wir finden daher die Mehrheit der Wähler rechtsextremistischer Parteien nicht unter den der sogen. Unterschicht zugehörigen Menschen, den tatsächlich gesellschaftlich Augegrenzten, "Abgehängten", sondern zumeist in der (unteren) Mittelschicht - diese Leute wählen rechts nicht aus Protest, sondern aus Überzeugung, weil es ihnen um Privilegienerhalt, Besitzstandswahrung und Deutungshoheit geht. Und daher handelt es sich heute wie damals um einen Extremismus der Mitte - es war auch damals die Mitte, die aus Überzeugung die NSDAP wählte und wir finden Altnazis in sämtlichen etablierten Parteien (CDU, CSU, FDP, SPD) - siehe die nicht stattgefunden habende "Entnazifizierung".
 
Wenn die Leute also mit Sozialneid reagieren und auf dieser Basis (Herzens- und Horizontenge, Charakterlosigkeit, Egomanie, Kleingeistigkeit und Scham darüber - über ihre ureigenen Charakterdefizite, die sie verborgen halten wollen) Geflüchtete, Migranten zum Sündenbock, zum Feindbild erklären "müssen", um sich mittels dessen kompensatorisch über Nationalität, Zugehörigkeit zu einer Kultur und/oder ethnischen Gruppe - siehe "Kulturrassismus" - vermeintlich aufzuwerten, dann unterscheidet sich das in nichts von damals (Drittes Reich, NS-Ideologie) und ist deutlichster Ausdruck eigener charakterlicher Defizite (siehe mangelnde Herzensbidlung, Mitgefühl - Kompensation eigenen kindlichen Beschädigtwordenseins).

Und es ist diese Charakterlosigkeit auch mit nichts irgendwie auch nur ansatzweise zu rechtfertigen - zu erklären allerdings schon (siehe im blog ausführlich dargelegt).
 
In Kurzfassung: Man ist nicht und wird nicht Rassist, Rechtsextremist (oder auch misogyn, homophob ...), weil man benachteiligt ist oder misshandelt wird - man ist das längst zuvor bereits.

Es gibt etliche massiv beschädigte Menschen (weltweit), die dennoch n i c h t Rassisten und/oder Rechtsextremisten sind.
 
Jeder einigermaßen mitfühlen könnende, vernunftbegabte, verständige Mensch kann - gerade dann wenn/weil er beschädigt ist, misshandelt wird (auf welche Weise auch immer) - nicht genau dort vermeintliche Zuflucht oder gar Unterstützung finden, wo weitere, intensivere Beschädigung ihn erwartet (Ausnahme: Internalisierung, Identifikation mit dem Aggressor als Folge von Beschädigtwordensein im Kindesalter), sondern er wird nach Mitteln und Wegen suchen, die zu "Heilung" führen (können), die also helfen, bestehende Missstände zu beheben - in nicht nur seinem eigenen Sinne, sondern im Sinne von tatsächlichem, bedürfnisorientiertem (!) Gemeinwohl.

Das aber ist, ja, eine typisch, eine genuin linke ("soziale") Haltung (faires, prosoziales, kooperatives Verhalten auf Basis von vor allem Mitgefühl und Integrität) - das Gegenteil dessen findet sich bekanntlich im Rechtskonservatismus, deren Anhänger auf den eigenen Vorteil (oder den der "Sippe", der Nation, der Kultur) bedacht sind und es von jeher waren (siehe Leistungsideologie, Schwarze Pädagogik, Mangel an Mitgefühl, Egomanie, Narrativ vom homo oeconomicus etc.).
 
Und wenn man wissen will, warum Rechte, warum Menschenfeinde, Narzissten, Sadisten (ganz gleich, wo auf dieser Welt) so eingestellt sind wie sie es sind, d.h., warum sie f ü h l e n wie sie fühlen, so muss man also einen Blick in ihre Kindheit und Jugend werfen.

Und genau gerade hier gälte es daher - weltweit - präventativ anzusetzen: bei den Kindern. Das Gegenteil findet statt. Nach wie vor - siehe nicht nur, aber auch religiöse Ideologie, die gerade Kindern eingeprägt wird - zumeist lebenslang irreversibel wirksam, typisches Vorgehen in sämtlichen Religionen, insbesondere den drei monotheistischen, patriarchalischen: Judentum, Christentum, Islam, aber wie wir wissen so auch von Nazis praktiziert: der Kindermentizid.
Siehe aber auch frühe (und immer frühere, längere) Fremdbetreuung, die die lebenslang wichtige frühkindliche Bindung (infolgedessen Beziehungsfähigkeit, Mitgefühl, Liebesfähigkeit) unmöglich macht oder zerstört.
 
Wer die Schmerzgrenze eines Menschen wiederholt, dauerhaft, intensiv überschreitet, wird Aggression, irgendwann auch Gewalt ernten und das sowohl im Falle von physischem als auch psychischem Schmerz (siehe Neurobiologie), die Aggression dient hier als wichtiges Kommunikationsmittel (Warnhinweis) und Schutzfunktion des betroffenen Schmerz Leidenden, wenn die Schmerzgrenze des jeweiligen Individuums nicht beachtet, das (absichtsvolle) Schmerzzufügen nicht eingestellt wird, ist früher oder später mit Gewalt zu rechnen. Es sei hierzu nochmals auf Joachim Bauers hervorragendes Buch "Schmerzgrenze - Vom Usprung alltäglicher und globaler Gewalt" verwiesen, in welchem er auch die durch materielle Armut und Ausgrenzung erzeugte, erlittene Schmerzerfahrung und deren Folgen erläutert.
 
Grundsätzlich verhält es sich in dieser Weise bei allen Menschen, gleich, welchen ethnischen oder kulturellen Hintergrund sie haben.
 
Keineswegs lässt sich daraus jedoch Rassismus, Rechtsextremismus, grupppenbezogene Menschenfeindlichkeit, Sozialneid, Geiz, Gier, Narzissmus, Selbstbetrug, Herzens- und Horizontenge, Charakterschwäche erklären - die Ursache all dessen liegt in lange zuvor erlittenem Schmerz, in der massiven Beschädigung des Kindes. - Siehe hierzu Ursachen, Zusammenhänge, Auswirkungen nachlesbar bei insbesondere Arno Gruen, Erich Fromm, Alice Miller; siehe Schwarze Pädagogik, welche zumeist lebenslang wirksamen Folgen sie (die durch sie erlittene Beschädigung, Prägung) zeitigt und wie wichtig folglich präventiv ein bedürfnisorientierter Umgang mit Kindern (weltweit) ist.
 
Kein Mensch wird als Rassist, Rechtsextremist, Terrorist, Sadist ... - als Täter geboren.
 
Es gibt daher auch nicht "das Böse" (im Menschen, in menschlicher "Natur"), sondern Verhaltensweisen und Taten, die aufgrund eines zumeist langen Vorlaufs eigenen Beschädigtwordenseins, eigenen, persönlichen, individuellen Opferseins eben hieraus resultieren.
 
Es kann daher nur (und müsste eigentlich längst) um angemessene Prävention gehen - solches Beschädigtwerden zu vermeiden, ihm vorzubeugen, ganz besonders bei Kindern. Hier sind nicht nur Eltern, "Erziehende", Lehrer, d.h. alle Erwachsenen, die mit Kindern Umgang haben, gefordert, sondern insbesondere auch die Politik, die entsprechende, erforderliche, d.h. bedürfnisorientierte Rahmen-, Lebensbedingungen (gerade auch für die Erwachsenen - siehe Arbeiten, Wohnen ...) schaffen und erhalten muss, damit Eltern, damit Erwachsene nicht schädigend mit Kindern und Jugendlichen umgehen k ö n n e n.
 
Wenn die Erwachsenen selbst gravierenden, überdies langandauernden Belastungen, Überlastung sowie eigener (kindlicher) Beschädigung ausgesetzt sind, werden sie einen bedürfnisorientierten, fairen, prosozialen, kooperativen, respektvollen Umgang mit Kindern und anderen Erwachsenen nicht (dauerhaft) leisten können.
 
Eine leistungsorientierte, Arbeit mit Erwerbstätigkeit reduktionistisch gleichsetzende, eine kapitalistische, neoliberale Gesellschaft und Politik, die durch Konkurrenz, Kampf, stets kompensatorisches Machtstreben, Unterwerfung, Übervorteilung, Ausbeutung geprägt ist, durch also Schwarze Pädagogik (Druck, Zwang, Kontrolle, Härte, Strenge, Schikane, emotionale Kälte, Erniedrigung, Demütigung, Strafe, Gehorsam, Dressur), durch absichtsvolles Schmerzzufügen vulgo Sadismus ergo (physische und/oder psychisch-emotionale) Gewalt - eine solche Gesellschaft, Ideologie, Indoktrination kann zwangsläufig nur mehrheitlich beschädigte Menschen hervorbringen, die in Folge ihres eigenen Beschädigtwordenseins, Opferseins ihrerseits wiederum auf verschiedene Weise zu Tätern werden, sich also gerade nicht prosozial, kooperativ, mitfühlend verhalten (siehe intrinsische, auf Mitgefühl basierende Moral, für die es im Übrigen keiner Religion, keinen religiösen Glaubens, keiner Ideologie bedarf, da Mitgefühl jedem Menschen angeboren ist), sondern oben genannte Charakterdefizite aufweisen und ausagieren.
 
Solche Menschen sind nicht liebesfähig. Sie sind (als Täter) nicht "von Grund auf/von Natur aus" böse, schlecht, sondern dies aus genannten Gründen geworden - was vermeidbar wäre, so politisch und gesellschaftlich gewollt.
 
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