Overblog Alle Blogs Top-Blogs Politik
Edit page Folge diesem Blog Administration + Create my blog
MENU

Lebenskunst für Laien

Sabeth schreibt Poesie Melancholie Philosophie Feminismus Anarchismus - non serviam.

Ideen, Ansätze, Konzepte, Konstruktives, Prosoziales zur Überwindung des neoliberalen, unsozialen Systems, des Kapitalismus

 
Aktualisierung am 28. Dezember 2018
 
Selbstverständich ist es möglich und machbar, realisierbar: das Bewältigen des global destruktiven Kapitalismus´ und das Einsetzen der Gemeinwohlökonomie, der Solidarwirtschaft, Wirtschaft der Fürsorge, siehe auch feministische Kapitalismuskritik, des Commoning - je regional sowie überregional.
Es gibt längst seriöse, solide Konzepte und auch umgesetzte Praxis hierzu (siehe zahlreiche Beispiele unten verlinkt), einhergehend:

- anderes Arbeiten, siehe Arbeitsbegriff:
Arbeit ist mehr und noch anderes als kapitalistisch ausbeutbare Lohnarbeit, Erwerbstätigkeit (inklusive künstlich geschaffener bullshitjobs, bei David Graeber nachlesbar), siehe bspw. die für weltweit jede Gesellschaft und Gemeinschaft absolut unentbehrliche Sorge-Arbeit, die weltweit noch immer unentgeltlich, ohne Einkommen von mehrheitlich Frauen geleistet wird - auch das ist systematische Ausbeutung

- anderes Wohnen:
generationenübergreifend, gemeinschaftlich, siehe cohousing, inklusive entsprechender Architektur, Infrastruktur, Nachhaltigkeit, ökologischer Wohnungsbau, Städtebau etc..
 
- anderes, d.h. wohltuendes, prosoziales, solidarisches, verantwortungsvolles, ethisches Wirtschaften und Handeltreiben 

Es ist all das jedoch regierungspolitisch aus bekannten Gründen nach wie vor nicht gewollt, obschon längst überfällig: das Ablösen des/vom Kapitalismus, das Überwinden des ihm zugrundeliegenden rechtskonservativen Menschenbildes, inklusive Leistungsideologie, Primat der Wirtschaft und des Wirtschaftswachstums, Autoritarismus, Konkurrenzdenken/Kampf, patriarchal-autoritäre Religionen, Ideologien und entsprechende Indoktrinierung sowie Schwarze Pädagogik: Druck, Zwang, Kontrolle, Härte, Strenge, emotionale Kälte, Strafe, Dressur - Gewalt, Zerstörung.

Statt: Bedürfnisorientiertheit, Mitgefühl, Solidarität, Kooperation und Nachhaltigkeit, Umsicht, Besonnenheit, emotionaler, sozialer, charakterlicher Reife und Liebesfähigkeit.

Außerdem bedarf es global der Säkularisierung bzw. des Säkularismus´, der Basisdemokratie bzw. der Soziokratie - Konsentprinzip statt Mehrheitsprinzip - und der auf allen Ebenen in Politik, Wirtschaft, Gesellschaft paritätisch vorhandenen, d.h. entscheidungs-, verantwortungsbefugten und Einfluss nehmen könnenden Frauen.

Zur erforderlichen, unabdingbaren Liebesfähigkeit und der Definition von Liebe siehe nach wie vor Erich Fromm ("Die Kunst des Liebens" u.a.), Arno Gruen (Zitat: "Der mitfühlende Mensch kann Kriege verhindern") oder auch Martha Nussbaum ("Gerechtigkeit braucht Liebe").

Und ja: Weltweit gehen Menschen, Eltern, Bezugspersonen mit Kindern immer noch katastrophal falsch, schlecht, schädigend, nicht bedürfnisorientiert, nicht respekt- und liebevoll um - auch aus bekannten Gründen - eigenes Beschädigtwordensein in der Kindheit, Autoritarismus, Indoktrinierung, Internalisierung, materielle Armut, Überlastung, Unreife - mit bekannten Folgen, weshalb hier dringend anzusetzen ist.

Denn intensiv beschädigte Kinder werden zu beschädigten Erwachsenen, die sich infolgedessen wiederum selbst- und fremdschädigend kompensatorisch verhalten, bspw. durch stets narzisstisches Machtstreben, Sadismus, Gewalt, Sucht, Konsumismus, Gier, Geiz, Neid, Hass, aber auch Hypochondrie, Essstörungen, außerdem Ängste, verstärkte Ängstlichtkeit, Feindselligkeit, Neophobie, Xenophobie, Nekrophilie - alles typisch für Konservative, weiterhin Depression, diverse Persönlichkeitsstörungen, autoaggressives Verhalten, Selbstbetrug.

 
-
Werbung
Werbung
Werbung
Lösungskonzepte für bestehende (globale) soziale, politische Missstände:
 
Gemeinwohlökonomie, Wirtschaft der Fürsorge, Commons/Allmende, Commoning, demokratische, soziokratische Bildung, Schule (siehe bspw. nach dem Konzept von bspw. Summerhill und Sudbury Valley), bedürfnisorientierter Umgang mit Menschen, insbesondere mit Kindern - jenseits patriarchalischer Schwarzer Pädagogik (Dressur, Druck, Zwang, Kontrolle, Härte, Strenge, Kälte, Strafe: Gewalt, absichtsvolles Schmerzzufügen, Sadismus) und entsprechender (religiöser) Ideologien und Indoktrinierung.
 
Denn Urgrund jeglicher intrinsisch motivierten, nicht religiös, ideologisch oktroyierten Moral ist Mitgefühl und nur auf dieser Basis sind Kooperation, Solidarität, friedliches Miteinander möglich.
Dieses jedem Menschen angelegte, angeborene Mitgefühl wird jedoch weltweit nach wie vor und insbesondere in der Kindheit beschädigt, beschnitten - mit bekannten, nach wie vor deutlich wahrnehmbaren Folgen: rings um den Globus.
 
"(...) Als das Gegenteil einer gemeinwohlorientierten Politik gilt eine von persönlichen Machtinteressen bestimmte Politik. Diese dient den Machthabern (oder anderen profitierenden relativ kleinen Gruppen, die nicht direkt als Machthaber in Erscheinung treten), nicht aber der Gemeinschaft. Erstgenanntes lässt sich vor allem in absolutistischen Monarchien oder Diktaturen beobachten, doch auch der Kapitalismus als Wirtschaftsform steht in einer entsprechenden Kritik. Von Machtgruppen geleitete, wohlfahrtsmindernde Politik findet sich in unterschiedlich starker Ausprägung in allen politischen Systemen (siehe auch Lobbyismus) (...)
 
Bei der Bestimmung des Gemeinwohls im Sinne des Pluralismus seien es systematisch schwache Gruppen, die ihr Interesse nicht artikulieren bzw. durchsetzen können, z. B. Unterschicht oder Dritte Welt, oder allgemeine Interessen wie Bewahrung des Naturkapitals und Umweltschutz. Wenn aber berechtigte Interessen nicht artikuliert und in den politischen Prozess eingebracht würden, sei es problematisch, das Ergebnis derart defizitärer Verhandlungen mit dem Etikett „Gemeinwohl“ zu versehen. (...)
 
Staatliche Gewalt wird vom Bundesverfassungsgericht als dem Gemeinwohl verpflichtet angesehen.[10]
Damit der Eingriff in ein Grundrecht nicht unverhältnismäßig ist, muss der Gesetzgeber legitime Gemeinwohlinteressen verfolgen.[11]
Das Gemeinwohlkriterium ist in verschiedenen Gesetzen positiviert und bedarf als unbestimmter Rechtsbegriff der Auslegung. Dabei ist von einem "verfassungsstaatlichen Gemeinwohlverständnis auszugehen, das sich an den "Gemeinwohlwerten" des Grundgesetzes wie Menschenwürde, Freiheit, Rechtssicherheit, Frieden und Wohlstand und damit an den Grundrechten, dem Rechtsstaat-, Sozialstaats- und Demokratieprinzip festmachen lässt". (...)
 
Nach Art. 14 Abs. 2 Grundgesetz gilt: "Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen." Nach Art. 14 Abs. 3 Satz 1 GG: "Eine Enteignung ist nur zum Wohle der Allgemeinheit zulässig."
In Art. 14 Abs. 2 GG wird die sogenannte Sozialbindung des Eigentums festgesetzt (Sozialpflichtigkeit des Eigentums). (...)
 
Gesetzliche Regelungen der Berufsausübung nach Art. 12 Abs. 1 GG (siehe Berufsfreiheit) sind unter anderem nur zulässig, "wenn sie durch hinreichende Gründe des Gemeinwohls gerechtfertigt werden."[14] Der Gesetzgeber muss "einen Gemeinwohlbelang von hinreichendem Gewicht, der Einschränkungen der Berufsausübung rechtfertigen kann"[14] verfolgen. Dabei können "reine Berufsausübungsbeschränkungen .. grundsätzlich durch jede vernünftige Erwägung des Gemeinwohls legitimiert werden. Allerdings müssen Eingriffszweck und Eingriffsintensität in einem angemessenen Verhältnis stehen."[15]
 
Oder in einer anderen Wendung: "Um vor der Garantie der Berufsfreiheit (Art. 12 Abs. 1 GG) Bestand haben zu können, müssen Eingriffe in die Berufsausübungsfreiheit auf einer gesetzlichen Grundlage beruhen, die durch ausreichende Gründe des Gemeinwohls gerechtfertigt ist (...). Die aus Gründen des Gemeinwohls unumgänglichen Einschränkungen der Berufsfreiheit stehen unter dem Gebot der Verhältnismäßigkeit (...). Daher müssen die Eingriffe zur Erreichung des Eingriffsziels geeignet sein und dürfen nicht weiter gehen, als es die Gemeinwohlbelange erfordern (...).
Die Eingriffsmittel dürfen zudem nicht übermäßig belastend sein [...], so dass bei einer Gesamtabwägung zwischen der Schwere des Eingriffs und dem Gewicht der ihn rechtfertigenden Gründe die Grenze der Zumutbarkeit noch gewahrt ist." (...)
 
Für Unternehmen gewinnt der Gemeinwohl -/Public Value-Ansatz an Bedeutung, wenn sie ihre Rolle im gesellschaftlichen Umfeld bestimmen wollen. Neben dem Risikomanagement geht es um die strategische Positionierung und die Legitimation unternehmerischer Tätigkeit im gesellschaftlichen Umfeld. Das Neue daran ist eine ganzheitliche Betrachtung, bei der die finanziell-ökonomische Wertschöpfung nur einen Ausschnitt des Gemeinwohl-Beitrages darstellt. In dieser Perspektive leisten Unternehmen neben dem funktionalen Kundennutzen auch moralisch-ethische, politisch-soziale auch hedonistisch-ästhetische Beiträge zum Gemeinwohl – sie beeinflussen gesellschaftliche Werte. In der Praxis wurden bisher einzelne Gemeinwohlaspekte unter Begriffen wir „Nachhaltigkeit“ oder „gesellschaftliche Verantwortung“ thematisiert, doch in der Regel nicht im Sinne eines Wertbeitrages verstanden. (...)
 
Eine umfassende Überarbeitung unseres gegenwärtigen Wirtschaftssystems will der österreichische Attac-Mitbegründer Christian Felber mit dem Modell einer Gemeinwohl-Ökonomie [21] erreichen, bei der Erfolg nicht mehr länger mit Konkurrenz und Finanzgewinn, sondern mit Kooperation und einem größtmöglichen Beitrag zum allgemeinen Wohl gleichgesetzt wird. Herzstück dabei ist eine „Gemeinwohl-Bilanz“, mit der Kriterien sozialer Verantwortung, ökologisch nachhaltigen Wirtschaftens, innerbetriebliche Demokratie und gesamtgesellschaftlicher Solidarität gemessen werden.[22] Betriebe, die eine solche Bilanz erstellen, sollten dann auch Vorteile bezüglich z. B. niedrigeren Steuern oder günstigeren Krediten bekommen. Nach Angaben des „Vereins zur Förderung der Gemeinwohl-Ökonomie“ wird dieses Wirtschaftsmodell nicht nur von vielen Einzelnen, Vereinen und Politikern unterstützt, sondern inzwischen (Ende Februar 2015) auch von über 1700 Unternehmen. (...)
 
Der Europäische Wirtschafts- und Sozialausschuss (EWSA), der die EU-Organe berät, hat im September 2015 in einer Stellungnahme empfohlen, das Modell der Gemeinwohl-Ökonomie sowohl in den europäischen als auch in die einzelstaatlichen Rechtsrahmen zu integrieren. Es wird vorgeschlagen, Unternehmen die Erstellung einer Gemeinwohlbilanz zu empfehlen und Investitionspläne auf ihre Wirkung auf das Gemeinwohl hin zu untersuchen. Ziel ist "der Wandel hin zu einer europäischen ethischen Marktwirtschaft". (...)"
 
Quelle: Wikipedia - "Gemeinwohl"
31. Mai 2026
 
by the way
Mit der "Zeitgeist-Bewegung" (TZM) bzw. -Ideologie habe ich nichts zu tun. 

Das ist mir zu technik-, elektronik-, computerbasiert - das Lebewesen Mensch steht darin nur vermeintlich im Zentrum, denn "das Menschliche", insbes. Leib, Leiblichkeit, Psyche, Emotionen, Gefühle werden verdrängt und es steht offenbar eine "Nutzenmaximierung" - vermeintlich zum Wohle des/von Menschen - im Vordergrund.
"Maximaler Nutzen" (wessen, wovon, wofür, wodurch ... ?) ist aber nicht dasselbe wie ethisch fundierte, realitätsbasierte, prosoziale, humane, konstruktive Wohltat, Wohlergehen, Wohlbefinden.
 
Das "Zeitgeist"-Ding ist mir schon wieder viel zu religiös-ideologisch, dogmatisch, artifiziell, mechanistisch, leblos - erinnert mich eher an Transhumanismus als an Gemeinwohl, "Basisdemokratie" (bzw. Soziokratie) und Humanismus, von Philosophie ganz zu schweigen. 
 
https://de.wikipedia.org/wiki/Die_Zeitgeist-Bewegung
 
-
02. Januar 2026
 
Wichtiger, lesenswerter Text! - selbstverwaltete, selbstgestaltete, gemeinschaftliche, konsentbasierte Haus-, Wohnprojekte und Betriebe

"Ein selbstverwalteter Kollektivbetrieb ist etwas anderes als gewerkschaftliche Mitbestimmung in Gremien von Unternehmen, oder als Mitarbeiterbeteiligung, bei der Beschäftigte finanzielle Anteile an dem Betrieb haben, bei dem sie angestellt sind, auf dessen Produktion sie jedoch keinen Einfluss nehmen können.
Er ist auch etwas anderes als flache Hierarchien oder auf einzelne Abteilungen begrenzte Selbstverwaltung in grossen Firmen, die letztlich der besseren Ausbeutung der Arbeitskraft dient.
Ein selbstverwaltetes Hausprojekt ist etwas anderes, als in einer grossen Genossenschaft zu wohnen, deren Mitglieder nur rudimentäre Rechte haben, aber über die Geschäftspolitik nicht mitentscheiden können (Rabe Ralf April 2025, S. 23).
 
Mit Selbstverwaltung meine ich, sich wirklich selbst zu verwalten – also Kollektivbetriebe und Hausprojekte in der Hand der Arbeitenden oder Bewohner*innen, die ganze Bandbreite basisdemokratischen Wirtschaftens.
Wie die Selbstverwaltung konkret ausgestaltet wird, das entscheiden die jeweils Beteiligten selbst. Nach meinem Verständnis handelt es sich um weitgehend autonome und selbstbestimmte Organisationsformen auf einem Wertefundament, das Menschenwürde und Menschenrechte für alle überall anerkennt (...).
 
Neben diesen beiden Säulen gehören als dritte Säule zum solidarischen Wirtschaften auch die Kämpfe gegen Privatisierungen und um die Rekommunalisierung öffentlicher Infrastrukturen, ebenso die Abwehr von Sozialabbau und Prekarisierung.
Denn mit den neoliberalen Angriffen auf öffentliche Güter werden einer anderen, nichtkapitalistischen Wirtschaftsweise systematisch die Grundlagen entzogen. Und weil ein gutes Leben für alle überall unerlässlich ist, dürfen Solidarische Ökonomien keinesfalls auf ein Land beschränkt sein – was in einer globalisierten Welt auch kaum möglich wäre –, sondern brauchen als vierte Säule unbedingt eine globale Perspektive (Rabe Ralf Februar 2019, S. 20). (...)
 
Zwar nehmen Online- und Crowdworking-Tätigkeiten zu, aber lebensnotwendige Tätigkeiten der Versorgung und Betreuung lassen sich nicht digitalisieren und brauchen lokale Arbeit (...)"
 
https://www.untergrund-blättle.ch/wirtschaft/theorie/kollektive-gruenden-warum-selbstverwaltete-betriebe-und-hausprojekte-wichtig-sind-009210.html
 
-
03. Januar 2026
 
Zum Artikel von Elisabeth Voß - "Solidarische Ökonomie"
 
Meine Rede zu sogen. Wohltätigkeit, Wohlfahrt, "Tafel", "Philanthrokapitalismus", Stiftungen, Spenden, Almosen ... vs. Würde, Gerechtigkeit, Zugehörigkeit, Teilhabe, Selbstwirksamkeit, Selbstbestimmung, Solidarität:
 
"(...) In Gesellschaften mit großer Ungleichheit mögen wohltätige Gaben für Schwächere und Ausgegrenzte nötig sein, solange Niedriglöhne oder staatliche Hilfen nicht zum Leben reichen. Sie sind jedoch keine Lösung, ganz im Gegenteil, denn gesellschaftliche Teilhabe und ein gutes Leben darf nicht von Gnade oder Barmherzigkeit abhängen. Wo die einen geben und die anderen nehmen, entsteht keine Gerechtigkeit, sondern die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Ursachen von Ungleichheit verfestigen sich. Auf den ersten Blick mag Wohltätigkeit selbstlos wirken, dient jedoch letztlich oft der Steuerersparnis oder wird selbst zum profitablen Geschäftsmodell. (...)"
 
Demgegenüber beruht Solidarität in der Regel auf Gegenseitigkeit. (...)
Dabei geht es nicht nur um Materielles. Wer solidarisch ist mit Menschen in sozialen Auseinandersetzungen – auch in weit entfernten Gegenden der Welt –, begreift deren Anliegen als die eigenen, vielleicht ohne selbst aktiv daran mitzuwirken, aber im Sinne übergreifender gemeinsamer politischer Ziele. Jedoch ist Solidarität nicht immer "gut" und wünschenswert, sondern es kommt darauf an, wer mit wem und für wen, vielleicht auch gegen wen solidarisch ist, also mit welchem Interesse sich Menschen zu solidarischen Gemeinschaften zusammentun. Auch elitäre Zusammenschlüsse Privilegierter oder korrupte und mafiöse Wirtschaftsstrukturen können im Inneren solidarisch funktionieren – eine Hand wäscht die andere. Es kommt also darauf an, wie sozial – im Sinne von gesellschaftlich verantwortlich – solche wirtschaftliche Selbsthilfe ausgerichtet ist.
 
Solidarische Ökonomie im weiteren Sinne kann als die Idee verstanden werden, über größere oder kleinere Einheiten wirtschaftlicher Selbsthilfe hinaus die gesamte Wirtschaft an Bedürfnissen auszurichten statt an Gewinnmaximierung. (...)
 
Eine demokratische Wirtschaft ginge weit über gewerkschaftliche Mitbestimmung hinaus und müsste die jeweils direkt Beteiligten einbeziehen. Um jedoch zuverlässig alle mit dem Lebensnotwendigen zu versorgen, sind öffentliche Infrastrukturen der Grundversorgung erforderlich, für Wasser und Abwasser, Strom, Abfallentsorgung, Mobilität, Bildung, Gesundheitsversorgung etc. Eine große Herausforderung solidarischen Wirtschaftens besteht darin, anstelle gewinnorientierter Konzerne oder privatwirtschaftlich organisierter staatlicher Unternehmen neue öffentliche Unternehmensformen zu entwickeln, die demokratische Beteiligung ermöglichen und dauerhaft vor der Privatisierung geschützt sind.
 
Zum solidarischen Wirtschaften gehören daher auch soziale Kämpfe gegen die Privatisierung und zur Rekommunalisierung der sogenannten Daseinsvorsorge. Und weil in einer globalisierten Welt letztlich alles mit allem zusammenhängt, stellt sich gleichzeitig die Frage, wie ein gutes Leben für alle überall möglich sein kann – unabhängig von geografischer und sozialer Herkunft, Geschlecht, Leistungsfähigkeit etc. Eine Solidarische Ökonomie in diesem Sinne braucht unbedingt die Perspektive globaler Gerechtigkeit."
 
https://www.raberalf.de/archiv/solidarische-oekonomie/
05.10.2025
 
Nachfolgend einkopiert mein Kommentar zum youtube-Video "Wie man eine feministische Stadt baut - How to build a feminist city", von RSA 
 
Eine feministische Stadt ist für mich eine Stadt, in der Frauen viel mehr als bisher und "idealerweise" weltweit in Stadtplanung, Städtebau, Architektur, Infrastrukturplanung u.a.m. involviert sind - nicht nur als je professionell Arbeitende, sondern als in der jeweiligen Stadt lebende Frauen. Denn bisher baisert, wie fast alles andere, auf von mehrheitlich Männern erstellten Konzepten, Plänen, Vorstellungen ... .
 
Ja, in einer feministischen Stadt gibt es viel Natur, grundsätzlich Barrierefreiheit, es können dort Kinder, Jugendliche, junge Erwachsene, behinderte, mobilitätseingeschränkte, alte und vor allem auch mittellose Menschen gut leben, mobil sein, es wird auf ihre jeweils besondere, oft belastende Situation, auf ihre Bedürfnisse und Einschränkungen entsprechend Rücksicht genommen, so dass sie nicht ausgegrenzt werden - was sie bisher jedoch weitgehend sind, siehe bspw. auch Armut und fehlende soziokulturelle Teilhabe, Mobilität, siehe die nach wie vor erheblichen Schwierigkeiten durch Treppen, Absätze, fehlende Rampen oder ebenerdigen Zugang für Menschen mit Rollator, Rollstuhl oder Kinderwagen, siehe die zumeist viel zu schmalen, nicht sicheren, nicht ausreichend vorhandenen Fahrradwege und zu schmalen Fußgängerbereiche u.a.m..
 
Wer weiter außerhalb der Stadt wohnt, ist dort ohne Auto meistens nach wie vor sehr abgeschnitten, nicht selten sozial, ohnehin bzgl. kultureller Teilhabe isoliert. 
 
In einer feministischen Stadt gibt es Sauberkeit, überall ausreichend Licht und ansprechbare, ausreichend vorhandene unterstützende Menschen, eine Art "Alltagsbegleiter" - statt Überwachungskameras und/oder bewaffnetes Personal. 
 
In einer feministischen Stadt gibt es ausreichend offene Begegnungsstätten, nicht nur outdoor, sondern auch entsprechende, einladende Räumlichkeiten für gemeinsames Aktivsein, Austausch, Diskussion, gemeinsame handwerkliche, künstlerische und andere Tätigkeiten, bspw. Handarbeiten, Fremdsprachen (Tandemlernen), Kochen, Backen, Malen, Musizieren, Tanzen, Brettspiele spielen - es sind dies generationenübergreifende "Begegnungsräume", die keine Vereinsmitgliedschaft erfordern, die idealerweise auch kommunal gefördert, finanziert werden, aber weitgehend selbstverwaltet und selbstgestaltet sind.
 
In einer feministischen Stadt gibt es viele und allen, auch mittellosen Menschen zugängliches, generationenübergreifendes Cohousing und andere "alternative" Wohnprojekte - nicht überwiegend Singles und Kleinfamilien, sondern Wahlverwandtschaften, gemeinschaftliches Wohnen, Miteinanderleben, bei zugleich ausreichend vorhandener Privatsphäre. Cohousing ist nicht WG. 
 
In einer feministischen Stadt gibt es keine unfreiwillig obdachlosen oder wohnungslosen Menschen.
 
In einer feministischen Stadt haben alle Menschen gute, fußläufig erreichbare medizinische, auch fachärztliche, ambulante Versorgung. 
 
In einer feministischen Stadt, in feministischer Politik hat das Soziale, das Gemeinwohl die oberste Priorität, nicht Profit, Macht, Reichtum, Destruktivität, Gewalt, Ausbeutung ... .
 
In einer feministischen Stadt und Politik wird jegliche Sorge-Arbeit, insbes. auch die "häusliche", die weltweit mehrheitlich Frauen unbezahlt, ohne Einkommen leisten, als unentbehrlich, als sinnvoll erkannt, anerkannt und entsprechend auch monetär wertgeschätzt: existenzsicherndes Sorge-Gehalt oder mindestens ein emanzipatorisches BGE, Grundeinkommen.
 
In einer feministischen Stadt ist Frauenkauf/Freiertum verboten, Freier werden geächtet, ebenso Pornographie und jegliche Form von Misogynie und Gewalt gegen Frauen. Es gibt dort daher selbstverständlich auch keine Bordelle. 
 
In einer feministischen Stadt gibt es ausreichend und zu jeder Zeit, Tag und Nacht zugängliche, versierte Mediation, um Konflikte gewaltfrei zu lösen, um Gewalt im öffentlichen und privaten Raum ("häusliche" Gewalt) effektiv vorzubeugen.
 
In einer feministischen Stadt und Politik, Gesellschaft gibt es keine Klassenjustiz, keine Polizeigewalt, kein Abtreibungsverbot, keine bullshitjobs, keine Unterdrückung von Frauen, von Menschen durch patriarchal-autoritäre Religion(en) oder andere Ideologie(n).
Es gibt keine Machtpositionen und keine Hierarchien. 
 
Und vor allem gibt es in einer feministischen, man kann auch sagen: matrilinearen, "matriarchalen" Stadt, Politik, Gesellschaft, Kultur keinen Krieg, kein Militär, keine Nationalstaaten, keinen Kapitalismus.
 
Ja, eine feministische "Stadt", vielmehr Gesellschaft, Politik ist eine kollektivistisch, mutualistisch anarchistische, eine Gemeinwohl förderliche, selbstbestimmte, antiautoritäre. 
Es ist keine, die auf sogenannt "repräsentativer", indirekter, parlamentarischer "Demokratie" (Mehrheitsprinzip, Regierungen) basiert, sondern auf Soziokratie: Konsentprinzip, systemischem Konsensieren - "Basisdemokratie". 
 
Ja, wir brauchen viel mehr konstruktive, wohltuende, menschenwürdige Utopien, Ideen, Konzepte als destruktive Dystopien, entsprechende Informationen, Medien, Schulen, Bildung, Austauschmöglichkeiten ... .
 
-
"(...) Der Exklusionslogik von Berechnung, Verwertung und Vernutzung steht die Inklusionslogik mit Intimität, Sorge und Liebe komplementär gegenüber. Was nicht verwertbar ist, aber benötigt wird, bleibt der abgespaltenen Privatheit überlassen; was als Gegenstand der Kommerzialisierung entdeckt wird, wird in berechenbarer Form der Verwertung einverleibt (Stichwort: Pflege).
Das Verrückte dieser Sphärenspaltung ist ihre quantitative Verteilung: Entgegen dem Augenschein werden nahezu zwei Drittel der gesellschaftlich notwendigen Tätigkeiten nicht in der Warenform (vulgo: bezahlt) erbracht, sondern jenseits dieser mehr oder minder freiwillig. Gleichwohl bestimmt die Warenlogik die gesellschaftliche Entwicklung umfassend, sie durchwirkt auch die sozialen Beziehungen im privaten Nahraum. Da in abhängiger Weise auf eine funktionierende Warensphäre bezogen, kann die abgespaltene Privatsphäre in ihrer grundsätzlich inklusiven Logik die Ökonomie dennoch nicht ersetzen. Obwohl gesellschaftlich unabdingbar fehlt ihr die produktive Potenz. Eine Alternative kann nur eine Weise der Herstellung aller erforderlichen Existenzbedingungen sein, in der produktive und reproduktive Aspekte nicht konträren Logiken folgen, sondern einander durchdringen und Momente des gleichen Prozesses werden.

Peer-Commons
Eine solche Alternative existiert, es sind die Commons. Sie bilden eine Alternative zur Ware, denn sie repräsentieren eine andere soziale Form die Lebensbedingungen herzustellen. Sie sind die Elementarform einer anderen, einer commonistischen Handlungsstruktur. Ein Commons (das „s“ wird für Einzahl und Mehrzahl verwendet) ist der Prozess der Nutzung und Erhaltung von Ressourcen durch eine Gruppe von Menschen, die ihren sozialen Prozess, das Commoning, selbst organisieren und dabei die Regeln ihres Miteinanders festlegen. Die Resultate dieses Prozesses sind traditionell die Erhaltung der gegebenen Ressourcen (meistens Naturressourcen wie Wald, Boden, Wasser) oder in neuerer Form die Herstellung von neuen Produkten (etwa Wissen, Software, Hardware, Nahrungsmittel, Produktionsmittel). Peer verweist in diesem Zusammenhang auf die Gleichrangigkeit der Beteiligten, die die Grundlage der selbst organisierten, freien Kooperation bildet. Peer-Commons sind vernetzbar, die Resultate des einen Commons können Ressource eines anderen sein. Damit ist ihre prinzipielle gesellschaftliche Integration und Verallgemeinerbarkeit gegeben. Doch in welcher Form können Schöpfung und Nutzung gesellschaftlich vermittelt werden, wie entsteht perspektivisch aus den vielen Mikroprojekten eine gesellschaftliche Makrokohärenz? (...)
 
Warenlogik und Commonslogik
Die Exklusionslogik als dynamisches Verhältnis von Inklusionen und Exklusionen wurde bereits als konstitutive Handlungsstruktur der Ware bestimmt. Voran kommt, wer sich auf Kosten anderer durchsetzt und dabei partielle Bündnisse eingeht. Dem steht die Inklusionslogik als bestimmendes Merkmal der Peer-Commons gegenüber. Hier geht es darum, möglichst viele und geeignete Mitstreiter*innen zu gewinnen, um die Projektziele zu erreichen. Die grundsätzliche Freiwilligkeit, dem auf Seiten der Ware der Zwang zur Verwertung gegenüber steht, ist die Grundlage dafür, dass die Strukturen integrativ und gewinnend gestaltet werden müssen. Die Entfaltung des Einzelnen wird hier zur Voraussetzung für die Entfaltung der anderen Beteiligten. Diese Beziehungsform kann als positive Reziprozität gefasst werden, der im Fall der Ware die strukturell exkludierende negative Reziprozität gegenüber steht. Während negativ-reziproke Beziehungen tendenziell strukturelle Vereinzelung erzeugen, ist das Resultat positiv-reziproker Inklusionsbeziehungen die strukturelle Gemeinschaftlichkeit.
 
Die Produktion der Güter ist bei der Ware durch fremde Zwecke bestimmt, nämlich die Verwertung des eingesetzten Kapitals. Bei den Commons geht es um die je eigenen Zwecke, um die Befriedigung der Bedürfnisse. Bedürfnisse zählen auf der anderen Seite bei der Ware nur, sofern sie zahlungsfähig sind – Ökonomen nennen sie Bedarfe. Doch auch die Bedarfe sind nicht in ihrer vollen Bandbreite gemeint, sondern nur insoweit sie auf den Kauf der aus Sicht des Verkäufers jeweils eigenen Ware zielen. Alle anderen Bedürfnisse werden unberücksichtigt gelassen oder gar verletzt, sie werden externalisiert. Im Ergebnis erfolgt die Vermittlung der Bedürfnisse ex post über den Markt oder den Staat, also nachdem die Produktion bereits gelaufen ist und die Waren zu Markte getragen wurden.
 
Die Isolation der unterschiedlichen Bedürfnisse voneinander und ihre getrennte Befriedigung bringt die Individuen in eine Situation struktureller Verantwortungslosigkeit – ethisches Handeln wird so zur externen und ebenso fremden Anforderung, die zudem faktisch nicht einlösbar ist. Sie resultiert in struktureller Selbstfeindschaft ausgedrückt als das Gegeneinander unterschiedlicher Partialinteressen, die durch die Personen hindurch gehen: Mobilität gegen Straßenlärm, Arbeitsplätze gegen saubere Umwelt etc. Peer-Commons auf der anderen Seite tendieren dazu, die unterschiedlichen Bedürfnisse zu internalisieren und ex ante zu vermitteln, also bevor die Produktion beginnt.
 
Die Kommunikation findet nicht wie bei der Ware über den wertvermittelten Umweg des Marktes statt, wo sich nur die Bedürfnisse durchsetzen, die zahlungsfähig sind, sondern die Kommunikation bezieht sich unmittelbar auf die unterschiedlichen Bedürfnisse der Menschen in ihrer vollen Bandbreite, die nun selbst und ohne die Möglichkeit des Einsatzes struktureller Gewalt (als die Geld wirkt) in struktureller Verantwortungsfähigkeit eine Vermittlung finden müssen. Dass dies auf der lokalen Ebene noch vorstellbar, auf regionalen oder überregionalen Ebenen schwierig wird, liegt auf der Hand (dazu gleich mehr). Dabei erscheint der vergrößerte Zeitaufwand für die direkte kommunikative Vermittlung unterschiedlicher Bedürfnisse nur vor dem Hintergrund der durch permanente Verbilligung der partialisierten Produktion erzwungenen Zeiteinsparung als „ineffizient“.
 
Tatsächlich ist eine Ex-Ante-Vermittlung gesamtgesellschaftlich betrachtet nicht nur effizienter, da durch ihre Ausrichtung eher auf die Vorsorge, Erhaltung und Schadensvermeidung als auf Nachsorge, Verschleiss und Schadensbewältigung (wie bei der Ware) orientiert ist. Sie ist auch individuell befriedigender, da durch die Freiwilligkeit der produktiven Tätigkeiten in der tatsächlichen Zeitverausgabung die Lebensqualität liegt und nicht in die abgespaltene Sphäre der Familie, Ehe, Freizeit, Urlaub etc. ausgelagert ist. (...)
 
Gegen diese Formen abstrakter Gleichheit und formaler Gerechtigkeit der Ware setzen die Commons hingegen auf die konkrete Besonderheit und empfundene Fairness der beteiligten Menschen. Sie berücksichtigen die Tatsache, dass die Menschen nun einmal besondere Individuen sind, jede und jeder einzelne für sich.
 
Auch die neoliberale Ideologie setzt hier an, doch für sie ist die individuelle Besonderheit nur Faktor im Kampf aller gegen alle. Die Aufhebung der konkurrenzförmigen Entfaltung der Individualität ist jedoch nicht leere Gleichmachung, sondern die Entfaltung aller in ihrer jeweiligen Besonderheit in einer Weise, dass niemand unter die Räder kommt. Das ist in der exklusionslogischen Praxis nicht denk- und machbar. Hier ist die Freiheit des Anderen die Grenze der eigenen Freiheit. Inklusionslogisch begriffen ist hingegen die Entfaltung der konkreten Besonderheit des individuellen Menschen die Voraussetzung für die Entfaltung aller anderen Menschen. Diese positiv-reziproke Beziehung der Menschen zueinander fassten Marx und Engels (1848) als „Assoziation worin die freie Entwicklung eines jeden die Bedingung für die freie Entwicklung aller ist“. Die Elementarform der Peer-Commons weist in ihrer sozialen Handlungslogik genau diese Beziehungsweise auf – in Keimform (vgl. Meretz 2014a) und mit allen Widersprüchen behaftet, die sich einstellen müssen, wenn sich die Mikroform nicht auf ihrer eigenen Grundlage, sondern in strukturell feindlicher Umgebung behaupten und entwickeln muss.

Vermittlung
Damit kommen wir zu der Frage, wie denn jene Assoziation, deren inklusive Logik schon Marx und Engels auf den Begriff brachten, aussehen kann und wie ihre gesellschaftliche Vermittlung funktioniert. Es ist klar, dass die Ware als Elementarform, als Mikroform dieser Vermittlung ausscheidet – und damit auch alle warenproduzierenden „Übergangsgesellschaften“ (etwa der Sozialismus welcher Prägung auch immer). Die neue soziale Form der Vermittlung muss vielmehr in der dominanten alten Form direkt entstehen und sich dort verbreiten und schließlich die alte Warenlogik ablösen (zu den widersprüchlichen Schritten der Transformation vgl. Meretz 2014b und 2015).
 
Gesetzt also, die Elementarform „commonistischer“ Vergesellschaftung sind die Peer-Commons. Wie lässt sich eine gesamtgesellschaftliche Vermittlung auf dieser Grundlage entwickeln? Drei Elemente, die sich teils getrennt, teils in Verbindung miteinander real herausgebildet haben und weiter entwickeln, sollen hier erläutert werden: Soziale Netzwerke, polyzentrische Selbstorganisation und Stigmergie.
 
Soziale Netzwerke sind Systeme sozialer Interaktionen, die mit Hilfe der Netzwerktheorie beschrieben werden können. Soziale Netzwerke wachsen zunächst langsam und benötigen dafür externen Ressourcen-Input. Oberhalb einer bestimmten kritischen Schwelle wachsen große Netzwerke schnell und tragen sich selbst, indem sie die benötigten Ressourcen selbst erzeugen (Netzwerkeffekt). Teil des Wachstumsprozesses großer sozialer Netzwerke ist ihre interne Ausdifferenzierung durch Funktionsteilung und Clusterbildung. Es bilden sich Hubs (wichtige „Knoten“) mit vielen Verbindungen („Kanten“).
 
In sehr großen sozialen Netzwerken folgt die Verteilung der Verbindungszahlen der Knoten dem Potenzgesetz: Von wenigen sehr großen Hubs mit sehr vielen Verbindungen bis hin zu sehr vielen Knoten mit wenigen Verbindungen sind alle Verbindungsdichten vertreten. Solche Netzwerke sind damit häufig skalenfrei, das heißt, Netzwerkausschnitte (fast) beliebiger Größe sind strukturell gleichartig (gleiche Verteilung der Verbindungsdichten). Sie sind damit entwicklungsoffen (flexibel restrukturierbar) und fehlertolerant, da im Extremfall des Ausfalls wichtiger Hubs die abgetrennten Teilnetze weiterhin ihre Funktion erfüllen können (etwa in Katastrophenfällen). Die commonistische gesamtgesellschaftliche Vermittlung ist als soziales Makronetzwerk denkbar, das zwei Eigenschaften aufweist, die die beiden nächsten zu erläuternden Begriffe darstellen: polyzentrische Selbstorganisation (Qualität der „Knoten“) und Stigmergie (Qualität der „Kanten“).
 
Polyzentrische Selbstorganisation ist ein Begriff von Elinor Ostrom (2009), der die strukturelle Meta-Organisation in großen Commons-Systemen beschreibt. Anders als in hierarchischen Systemen mit einem Entscheidungszentrum an der Spitze bilden sich viele Zentren heraus, die unterschiedliche Funktionen wahrnehmen. Es sind die Hubs im Netzwerk, die sich durch die Selbstorganisation der Commons entwickeln. (...)
 
Perspektivenwechsel
Niemand kann die Organisation einer freien Gesellschaft voraussagen. Darum geht es auch nicht. Es geht darum, die Vermittlung jenseits der Warenform prinzipiell denkbar zu machen, um daraus Inspiration und konkrete Kriterien für die Gestaltung der realen Commons-Projekte zu entwickeln. So sollte eines dieser Prinzipien deutlich geworden sein: Statt (fremder) Planung und Organisation der Produktionsprozesse geht es um die Selbstplanung (Meretz 1999) und Selbstorganisation (Schlemm 2006) durch die Produzent*innen. Statt für andere die Prozesse zu organisieren und zu planen, geht es darum, die Bedingungen und Infrastrukturen für die Organisation der Prozesse durch die Menschen selbst zu schaffen.
 
Die Frage ist also nicht, ob geplant wird, sondern wo, durch wen, für wen und orientiert an welchen Kriterien. Jede Gesellschaft ist in diesem Sinne eine Plangesellschaft. So aktivieren und fordern etwa Marktsysteme die Selbstplanung, dies jedoch unter den Bedingungen der Exklusionslogik auf volles eigenes Risiko und nicht auf Basis von Freiwilligkeit und Abgesichertheit. Fremdbestimmung und Existenzbedrohung schränken Kreativität und Motivation ein. Zentralplansysteme haben im Unterschied zu Marktsystemen die gesamtgesellschaftliche Proportionalität im Blick, können jedoch aufgrund ihrer unflexiblen hierarchischen Struktur nur zäh auf Veränderungen reagieren. Die Menschen sind zwar grundsätzlich abgesichert, in ihren schöpferischen Handlungsmöglichkeiten jedoch durch die Planvorgaben eingeschränkt.
 
Der Perspektivenwechsel besteht nun darin zu erkennen, dass die Menschen selbst am besten wissen, wie die konkreten Anforderungen vor Ort und an der Sache bewältigt werden. Sie brauchen dafür geeignete Entfaltungsvoraussetzungen, die unter warengesellschaftlichen Bedingungen – mit Markt oder Zentralplan oder Mischformen – nicht gegeben sind. Erst die Aufhebung der Warenform durch die Peer-Commons schafft die Voraussetzungen für eine gesellschaftliche Vermittlung durch stigmergische polyzentrische Selbstorganisation, die ihrerseits die Voraussetzungen für die allgemeine menschliche Selbstbestimmung und -entfaltung schafft.
 
Die neue Qualität liegt im Sozialen, in der neuen Art und Weise, die Lebensbedingungen und damit sich selbst als Mensch zu produzieren. Neue Technologien bieten hierbei wichtige Möglichkeiten – ohne das Internet keine vernetzten Peer-Commons, ohne neue Produktionsmittel keine relokalisierte Produktion. Sie allein erzeugen jedoch nicht den gesellschaftlichen Umbruch. Umbrüche sind soziale Prozesse, das müssen wir schon selber tun."
 

Diese Seite teilen

Repost0
Um über die neuesten Artikel informiert zu werden, abonnieren: