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Sabeth schreibt

Poesie Melancholie Philosophie Feminismus Anarchismus

Konservative Menschen sind nachweislich ängstlicher als liberale. Welche Ursachen, Hintergründe hat das? - Ist die politische Einstellung eine Sache der Gene? Oder geht sie auf Prägung und Erziehung in der Kindheit zurück?

 
Der konservativ denkende bzw. viel eher fühlende Mensch – Warum denkt und fühlt er, wie er es tut?
                  
Die nachfolgenden Texte bestätigen den Eindruck, den ich selbst von konservativ eingestellten Menschen habe, welcher insbesondere durch persönliche Erfahrungen, die man mit konservativ eingestellten Menschen macht, entsteht und sich durch Wiederholungen solcher Erfahrungen, Erlebnisse und Beobachtungen verfestigt.
 
Ja, der konservative Mensch ist ein vor allem eher fühlender, als kritisch, analytisch, reflexiv und differenziert denkender Mensch – er kann durchaus gebildet, belesen, intelligent und eloquent sein, aber Intellektualität ist seine Sache im Grunde nicht, was besonders in seiner (Kindheits-) Prägung, somit einhergehender Gehirnentwicklung, aber auch in seiner genetischen Disposition begründet liegt (siehe die entsprechenden Texte unten).  
 
Konservative Menschen sind keine "homogene Gruppe", dennoch verbindet sie alle durchaus einiges:
 
An vorderster Stelle steht hierbei ihre häufig übersteigerte, irrationale bis hysterische, hysterisierte Ängstlichkeit, ihr Abwehrverhalten, ihre spontane Ablehnung allem Neuen, Unbekannten, Fremden gegenüber (Neophobie, Xenophobie), sodann eine ausgeprägte Neigung zu Schwarzmalerei, zu Mystizismus, Aberglaube, auch Verschwörungstheorien, außerdem ihre bekannte, ausgeprägte Rückwärtsgewandtheit, mangelnde Offenheit und eine gewisse Scheubeklapptheit sowie selbstgefällig-selbstgerechte Ignoranz und selbstschonendes Verdrängen, Ausblenden oder auch sogar Leugnen von Fakten.
 
Auch sind konservativ eingestellte Menschen häufig nicht allzu kreativ, Komplexität überfordert sie rasch, was dazu führt, dass sie sich schnell in ihr Schneckenhaus aus vermeintlich Altbewährtem, aus Traditionen, Ritualen, Dogmen und durchaus auch aus Trotz, Bockigkeit, Starrköpfigkeit, Borniertheit zurückziehen.
 
Abwehren, statt sich auseinandersetzen ist ihr typisches Verhaltensmerkmal.
Verbarrikadieren, statt sich öffnen. Reduzieren, auf unangemessene Weise vereinfachen statt differenzieren und analysieren.
Verdrängen, unterdrücken und/oder vernichten, statt aushalten, gewährenlassen, zulassen.
Vorschnell (die Oberfläche be-) urteilen, statt geduldig, offen und bemüht in die Tiefe zu gehen, sich einzulassen und – immer wieder! - auseinanderzusetzen. Dies erfordert: sich selbst zurücknehmen, zurückhalten zu können. Selbstreflexion, Selbstkritik. Zugewandtheit. Ungewissheit(en) ertragen zu können – wie auch den Zufall, die Kontingenz (siehe einhergehend das Problem, die Herausforderung der Sinnfindung).
 
Im Grunde suchen solche Menschen Trost, Schutz und Halt, weshalb die meisten von ihnen auch religiös und/oder abergläubisch sind.
Sie suchen nach einem "übergeordneten Prinzip", das Orientierung gibt, das Trost schenkt, das sie "schützt", ihnen Zuflucht und Obdach bietet, das sie auffängt, sie entlastet - auch von Verantwortung, eben weil die Komplexität der Lebensrealität sie sehr häufig erheblich überfordert und sie mit ihrer Überforderung, mit eigenen Unzulänglichkeiten, Defiziten, Schwächen nicht angemessen umzugehen, sie nicht zu händeln wissen, die sie außerdem gerne verbergen möchten, statt ein- und zugestehen zu können, da sie sich ihrer häufig schämen - die Scham spielt eine gewichtige Rolle.
 
Letztlich ist all das deutlicher Ausdruck von psychisch-emotionaler, sozialer und intellektueller Unreife.
 
Was ist die Ursache hierfür bzw. lassen sich mehrere ausmachen?
 
Es gibt die Vermutung, zum Teil könne eine Ursache in den Genen zu finden sein. Das erscheint mir nicht völlig abwegig, da es für vielerlei sicher auch eine genetische Disposition gibt, wenngleich dies zweifelsfrei festzustellen nur schwer und bisher begrenzt möglich ist, weil auch auf diesem Gebiet eine hohe Komplexität zu bewältigen ist.
 
Mir persönlich scheint naheliegender, wie konservative Menschen in der (frühen) Kindheit geprägt wurden, wie mit ihnen auch und insbesondere im Säuglingsalter umgegangen wurde.
Denn unstrittig ist die Kindheit und gerade auch die frühe Kindheit ausschlaggebend, eben prägend für das ganze weitere, spätere Leben, was mit der Gehirnentwicklung von Feten, Säuglingen und (Klein-) Kindern zu tun hat.
 
Und meine Theorie ist hierbei, dass Menschen, die als Säuglinge und (Klein-) Kinder verlässlich und dauerhaft bedürfnisorientiert, fürsorglich, empathisch, liebevoll, respektvoll behandelt, umsorgt wurden, deutlich offenere, feinfühligere, empathischere, auch intelligentere sowie resilientere Persönlichkeiten werden als Menschen, welche als Babies und Kinder, Heranwachsende nicht auf diese Weise behandelt wurden, sondern stattdessen nach strengen/strikten theoretischen, ideologischen Prinzipien, mit eher Distanz, emotionaler Kälte, mit wenig(er) wohltuendem Körperkontakt bis hin auch zu Härte und Drill, welche die Extreme einer solchen nicht bedürfnisorientierten, wenig empathischen, d.h. wenig einfühlsamen, mitfühlenden Behandlung, "Erziehung" darstellen. Siehe Schwarze Pädagogik.
 
Wir wissen heute, wie wichtig Körperkontakt und liebevoller Umgang durch vertraute, beständige, verlässliche Bezugspersonen für die Entwicklung von Säuglingen und Kleinkindern ist und was Schmerzerfahrung (also auch das wiederholte Erleben von Verlassenheit, von Nichterfülltwerden der basalen Bedürfnisse des Säuglings und Kleinkinds nach bspw. auch körperlicher Nähe, nach Gehaltensein, Getragenwerden, Geborgenheit …, das wiederholte Erleben von Angst und schließlich Resignation) zur Folge hat, siehe bspw. bei Joachim Bauer "Schmerzgrenze – Vom Ursprung alltäglicher und globaler Gewalt".
 
Denn letztlich ist genau dies das Fundament, das auf solche Weise gelegt wird und für spätere psychische und durchaus auch physische Probleme, Belastungen stets der Urgrund ist: die (früh-) kindliche wiederholte bzw. kontinuierliche oder intensive physische wie psychische Schmerzerfahrung, die sich "in das Gehirn einschreibt" und offensichtlich also gerade nicht vollständig oder grundsätzlich durch spätere positive Erfahrungen "überschrieben werden", unwirksam werden kann.
 
Dies führt uns nochmals deutlich vor Augen, wie wichtig der angemessene Umgang mit Säuglingen und (Klein-) Kindern ist, welch große Verantwortung dies beinhaltet, auferlegt, wie weitreichend und tiefgehend die Prägung des Kindes ist und lebenslang bleibt.  
 
Und es lehrt uns folglich ein weiteres Mal, wie unverzichtbar und absolut alternativlos ein bedürfnisorienterter, liebevoller Umgang mit Kindern ist.
 
[Siehe hierzu auch den unten verlinkten blog-Eintrag:
Über die lebenslang wichtige frühkindliche Bindung, über den Unsinn von Kleinfamilie(n) und früher Fremdbetreuung, über beschädigte, in Folge selbst (eigene Kinder) schädigende Eltern, daraus folgend: schwierige zwischenmenschliche Beziehungen, beschädigte Gesellschaft(en) und wie all dem abzuhelfen wäre]
 
Der konservativ denkende bzw. gerade vor allem spezifisch f ü h l e n d e Mensch hat einen solchen Umgang mit an Sicherheit grenzende Wahrscheinlichkeit nicht erleben dürfen. Das heißt nicht, dass dessen Eltern bzw. Bezugspersonen es nicht gut mit ihm meinten oder ihn nicht nach bestem Wissen und Gewissen behandelt und "erzogen" haben. Es bedeutet viel mehr, dass sie es selbst zumeist nicht besser wussten, daher nicht anders, "besser", angemessen konnten und nicht selten selbst als Kinder auch auf die gleiche Weise oder noch schlimmer, noch schädigender behandelt und geprägt, lebenslang beschädigt wurden.
 
Diesen Schmerz, diese tiefgreifende Beschädigung (siehe auch Trauma posttraumatische Belastungsstörung ...) wird ein Mensch zumeist lebenslang nicht los – auch mittels Psychotherapie häufig nicht.
 
Das hat zur Folge, dass nicht wenige von solchem Schmerz betroffene Menschen diesen Schmerz, der sich auch durch eine Art innere Leere bemerkbar machen kann, mit diversen Dingen, Mitteln, Methoden, Verhaltensweisen "in Schach zu halten", zu kontrollieren bzw. zu überdecken, zu übertönen, zu verdrängen versuchen, was nicht selten bspw. zu Sucht, Substanzabhängigkeit führt und/oder anderweitig selbstschädigendem, auch selbstverletzenden oder auch phlegmatischem bis lethargischen Verhalten oder aber, dem gegensätzlich, zu unangemessen risikofreudigem, waghalsigen Tun. Siehe auch pathologischen Narzissmus als Folge, zur Kompensation.
 
Immer geht es dabei auch um das sich selbst intensiver Spüren (-Wollen, -Können), das wiederum aus einer unangemessenen Behandlung im Säuglingsalter resultiert, einem Mangel an Sich-Spüren- und in der Welt Verortenkönnen des Säuglings, der erst noch damit zurechtkommen lernen muss, solche Phänomene wie Schwerkraft, Licht- und andere visuelle Reize, verschiedene (ungedämpfte) Geräusche, Hunger, Frieren, Schwitzen und weitere, unangenehme Körperzustände zu bewältigen, wobei ihm die vertrauten Bezugspersonen entscheidend helfen, ihm dies erleichtern können – oder dies eben nicht tun.
 
All dies geschieht meist unbewusst, d.h. ohne Kenntnis der genauen Hintergründe, ohne das Bewusstsein über sie, die eigentliche Ursache: die frühe, prägende Schmerzerfahrung, das Schmerzerlebnis – in einem Alter also, da dieses noch weder geistig erfasst, erkannt und verarbeitet, noch abgewendet werden kann/konnte, da der Säugling und das Kleinkind den betreuenden Personen noch vollständig hilflos ausgeliefert sind, ihnen kaum etwas entgegenzusetzen haben – und das sowohl physisch als auch mental, kognitiv und verbal.
 
Fazit:
Selbst wenn Menschen sich dieser Umstände, dieser je individuellen, persönlichen, familiären Hintergründe bewusst werden, verlässliche Kenntnis darüber erlangen (soweit dies möglich ist), sich damit auseinandersetzen, wird es ihnen bedauerlicherweise kaum gelingen (können), ihre so tief im Gehirn verankerte Prägung überwinden, sie "überschreiben" zu können.
 
Wichtig ist jedoch, dass sie das, das ihnen widerfuhr, nicht selbst an (eigene) Kinder weitergeben, dass sie dieses Fehlverhalten nicht fortsetzen, sondern sich selbst kritisch hinterfragen, beobachten, reflektierend mit sich, ihrem Verhalten, ihrem Denken und Eingestelltsein, ihren Überzeugungen, Prinzipien, Werten, Urteilen und Meinungen auseinandersetzen. Wie dies unser aller Aufgabe ist. 
 
Das jedoch ist etwas, das – aus Gründen und auf Basis dessen, das ich bis hierhin ausgeführt habe – gerade konservativ eingestellten Menschen deutlich schwerer fällt als liberal denkenden, mitfühlenden Menschen.
 
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Aktualisierung 23. Juni 2018
 
Ich halte es, mit Verlaub, für kurzsichtig, permanent und ausschließlich soziale Ungerechtigkeit, Neoliberalismus als Ursache für Rechtsextremismus und Rassismus zu proklamieren.
 
Man wird nicht "zwangsläufig" oder überhaupt zum Rassisten, Rechtsextremisten oder auch nur Konservativen, wenn/weil man tatsächlich benachteiligt ist. - Man ist es längst zuvor bereits oder eben nicht.
Anderenfalls müssten sämtliche tatsächlich Benachteiligte (weltweit) Rassisten sein, was nicht der Fall ist.
 
Zum einen erklärt sich das Phänomen Trump (wie auch Putin, Erdogan und etliche andere, auch historische Figuren) m.E. durch deren Narzissmus - pathologische Narzissten (siehe anti-, dissoziale Persönlichkeitsstörung) kennzeichnet das stets kompensatorische Streben nach Macht, Kontrolle, Unterwerfung, Ausbeutung, Imperialismus, außerdem ein ausgeprägter Mangel an Mitgefühl und eine "virtuose" Manipulations"fähigkeit" - sie sind somit die idealen Populisten, Agitatoren, Demagogen - von jeher.
 
Zum anderen sind Konservative grundsätzlich Menschen mit hysterisierten, übersteigerten Ängsten, überdies rückwärtsgewandt, meist neophob, xenophob, schnell überfordert mit Komplexität und Veränderung, weshalb sie zum Reduktionsismus gleichermaßen neigen wie zum Biologismus und Sozialdarwinismus, zu vermeintlich einfachen, schnellen Antworten, Lösungen tendieren - die Populisten allzu bereitwillig anbieten, während sie zuvor noch die Ängste der Konservativen vorsätzlich intensiv schüren, verstärken, instrumentalisieren.
 
Auf Neues, Fremdes reagieren Konservative üblicherweise, mehrheitlich mit Abwehr, Angst und Ausgrenzung bis hin zu Wut und Hass - nicht mit Neugier, Offenheit, Zugewandtheit, Interesse, Kooperation, Solidarität.
 
Konservative neigen zum Führerprinzip, um einen vermeintlichen Beschützer und starken, d.h. autoritären "Entscheider" zu haben, an den sie einen Teil ihrer eigenen Verantwortung abgeben können/wollen - siehe hierzu die freiwillige Knechtschaft, Etienne de la Boétie sowie die Identifikation mit dem Aggressor, Sandor Ferenczi ... - sie hängen daher auch der Vorstellung eines übergeordneten Prinzips an (siehe religiöser Glaube, Esoterik, Aberglaube, Mystizismus, Fatalismus).
 
Es lassen sich die Ursachen für bestehende Missstände bzw. die Umgangsweisen, Reaktionen von Menschen hierauf folglich nicht ausschließlich in zweifelsohne katastrophalen Außenbedingungen finden, sondern gerade in der Persönlichkeit, dem Menschen- und Weltbild von Personen. Und es gälte, hier präventiv anzusetzen - folglich immer bei den Kindern, im bedürfnisorientierten, repektvollen, nicht-paternalistisch fürsorglichen Umgang mit ihnen: in Familien, Schulen, Vereinen etc..
 
Eine durch Schwarze Pädagogik und Leistungsprinzip, Ausbeutung, Unterwerfung, Ignoranz, Egomanie und Narzissmus geprägte Gesellschaft (wo immer sie anzutreffen ist) ist dem - solcher gebotenen Prävention - selbstredend nicht förderlich.
 
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Da mir an anderer Stelle im Grunde Eindimensionalität vorgeworfen wurde, nachfolgend meine Replik darauf und nochmalige, vertiefende Erläuterung meiner Sichtweise:

An keiner Stelle äußerte ich je, ein Mensch würde als Rassist geboren.
 
Auch äußerte ich nicht, Menschen unterlägen keinen Einflüssen. Hingegen schrieb ich, dass niemand zwangsläufig aufgrund von mangelnder Bildung oder "prekären Verhältnissen" zum Rassisten, Rechtsextremisten wird - denn etliche Menschen bestätigen das Gegenteil dessen, sind keine Rassisten, obgleich sie materiell, finanziell, sozial benachteiligt sind.

Resilienz ist ein eigenes Thema - wie kommt es dazu, wodurch ist sie bei wem wie zu erlangen, bei einigen Menschen nicht usw..

Ich denke, es ist weniger eine Frage von Resilienz, ob man zum Rassisten, Rechtsextremisten wird, als tatsächlich eine Sache der Charakter- und Herzensbildung, für die Reflexionsvermögen, Intelligenz sicher nicht abträglich ist, aber wie wir wissen, können auch gebildete (belesene) Menschen Rassisten sein, Bildung ist also kein Schutzfaktor.

Ich denke, dass jedoch eine augenfällige Verbindung besteht zwischen Konservatismus und Rassismus sowie Rechtsextremismus und autoritärem, patriarchalen Verhalten sowie eine augenfällige Verbindung zwischen folglich der Anfälligkeit für Populismus und Konservatismus - aus genannten Gründen: den typischen Merkmalen konservativ eingestellter, d.h. vor allem in dieser Weise f ü h l e n d e r Menschen.

Ich bin keine ausgebildete Psychologin oder Psychoanalytikerin, aber ich bin in der Lage, analytisch zu denken. Und für meine These finden sich auch außerhalb meiner persönlichen Einschätzung Belege derselben, siehe im blog verlinkt.

Im Übrigen verweise ich immer wieder gerne in auch diesem Zusammenhang auf Erich Fromm ("Anatomie der menschlichen Destruktivität" ...), Arno Gruen (Gehorsam, Mitgefühl ...) und Alice Miller (Folgen Schwarzer Pädagogik, eines entsprechenden Umgangs mit insbesondere Kindern) sowie Sandor Ferenczi (Traumatherapie, Identifikation mit dem Aggressor).

Sie meinen dennoch, Rassismus und Rechtsextremismus, die Anfälligkeit für Populismus sei ausschließlich oder doch überwiegend auf Klassenzugehörigkeit reduzierbar?

Was das multifaktorielle Geschehen anbetrifft - es gibt sicher verschiedene Auslöser, Faktoren, "trigger", die sich summarisch zu vermutenderweise verstärken (können), dennoch sehe zumindest ich, dass die Verbindung zwischen Konservatismus und Rechtsextremismus sich nicht nur psychologisch und psychoanalytisch erkennen lässt, sondern auch historisch belegen.
 
Und ja, ich bin überzeugt davon, dass das eine Menge mit Prägung, Erziehung, dem - falschen, unangemessenen, d.h. nicht bedürfnisorientierten - Umgang mit Kindern zu tun hat, im Rahmen dessen auch mit Indoktrinierung (ideologischer, religiöser) und nicht zuletzt scheint es auch eine genetische Komponente zu geben, siehe entsprechende Quellen in diesem blog-Eintrag.
 
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"Die Ergebnisse der Studie von US-Psychologen dürften den Konservativen nicht gefallen
 
Die politischen Konservativen werden es nicht gerne hören, was US-Psychologen herausgefunden haben wollen. Die These ist schlicht die, dass geringe Denkleistungen, die den Dingen nicht auf den Grund gehen, sondern an der Oberfläche stehen bleiben, Konservativismus produzieren sollen, der sich u.a. durch persönliche anstatt systemische oder gesellschaftliche Verantwortung, Akzeptanz von Hierarchien und die Vorliebe für den Status quo auszeichnet. Das würde bedeuten, dass Anhänger von konservativen Parteien eher zur Denkfaulheit neigen, aber auch, dass die konservative Politik entsprechend intellektuell bescheiden formuliert wird.
 
Um die steile Hypothese zu testen, dass allein schon anstrengungsloses Denken (low-effort thinking) eine konservative Einstellung im US-amerikanischen Kontext erzeugt, so dass andere Bestandteile des Konservatismus wie Angst vor Ungewissheit und Instabilität oder eine autoritäre Neigung gar nicht notwendig sind, haben die Psychologen, wie sie in ihrem Artikel ausführen, der in der Zeitschrift Personality and Social Psychology Bulletin erschienen ist, vier Experimente durchgeführt, die in der Tat kein gutes Licht auf die Konservativen bzw. die Gründe für ihre Einstellung werfen.
 
Der erste Versuch war eine Feldstudie. Die Psychologen besuchten eine Bar in New England und baten 85 Besucher, die über 21 Jahr alt und nicht mit dem Auto da waren, ins Röhrchen zu blasen, um den Alkoholwert im Blut festzustellen und einen kurzen Fragebogen auszufüllen. Dabei ging es um die Haltung zu Äußerungen wie: "Produktion und Handel sollten frei von Regierungseinfluss sein" oder "Privateigentum gehört letztlich abgeschafft". Nach der Auswertung ist der Blutalkoholwert ein Indikator für politischen Konservatismus. Ausbildung oder Geschlecht spielte keine Rolle, auch nicht die eigene Identifikation mit dem Konservatismus. Da Alkohol das Denken beeinträchtigt, werde dadurch die Ausgangshypothese verstärkt.
 
Im zweiten Test, in dem auf politischen Liberalismus und Konservativismus sowie die Stimmung getestet wurde, übten die Psychologen kognitiven Druck auf die Hälfte der 38 Versuchspersonen aus. Diese mussten neben dem Ausfüllen eines Fragebogens noch eine weitere Aufgabe bewältigen. Auch hier zeigte sich, dass diejenigen, die unter höherem kognitiven Stress standen und daher eine geringe Möglichkeit hatten, über etwas nachzudenken, eher zum einfachen Denken neigten und damit zum Konservatismus, während die Zustimmung zum Liberalismus zurückging. Die Stimmung hatte keine Auswirkungen auf die Ergebnisse.
 
Im dritten Versuch, der die Versuchspersonen unter Zeitdruck setzte, kam es ebenfalls bei den Gestressten zur stärkeren Neigung zum Konservatismus. Und in einem letzten Test sollten die Versuchspersonen 30 politische Begriffe für politischen Konservatismus und Liberalismus bewerten. Während die Mitglieder einer Gruppe aufgefordert wurden, gründlich nachzudenken, welchen Begriff sie unterstützen können, sollte die andere Gruppe auf die die erste, unmittelbare Reaktion setzen. Danach mussten sie noch Gedächtnisübungen machen und sollten sagen, welche von mehr als 60 Wörtern schon zuvor vorgekommen waren. Wer gründlicher nachgedacht hat, konnte sich an mehr Wörter erinnern und neigte eher zum Liberalismus, während diejenigen, die schnell aus dem Bauch heraus entschieden, weniger erinnern konnten und eher zu konservativen Werten neigten.
 
Es scheint eine einzigartige Verbindung zwischen dem "ideologischen Inhalt des politischen Konservatismus" und dem anstrengungslosen, wenig tiefschürfenden Denken zu geben, schreiben die Psychologen. Möglicherweise kommt der Konservatismus der Anforderung nach, unter Bedingungen der Unsicherheit und der Bedrohung einfache Antworten zu geben. Die Psychologen wollen auf jeden Fall klar stellen, dass anstrengungsloses Denken den Konservatismus verstärke, was aber nicht hieße, dass Konservative notwendig nur flüchtig und oberflächlich dächten oder sich darauf verließen. Vermutlich seien die konservativen Denkweisen "elementar, normal oder auch natürlich", so dass es eine primäre, unreflektierte oder reflexhafte Neigung dazu geben könnte, die durch größere Nachdenklichkeit - oder Aufklärung - verändert würde, sofern die Mühen des Denkens auf sich genommen werden."
 
Quelle: heise.de, "Flüchtiges, anstrengungsloses Denken führt zu einer politisch konservativen Einstellung", von Florian Rötzer; Hervorhebungen habe ich vorgenommen.
 
"[...] Diese schon relativ breit angelegte Konzeption von Konservatismus wird bei Wilson (1973) noch erweitert. In seiner dynamischen Theorie wird Konservatismus zu einer Persönlichkeitsdimension, mit deren Hilfe man sowohl die Tradierung wie die Entstehung von Einstellungen und Überzeugungen in sehr vielen inhaltlichen Bereichen erklären können soll. Militarismus, Rassismus, Dogmatismus, Konventionalismus sind einige der zahlreichen Facettten des Konservatismus-Syndroms, dessen allgemeine Grundlage eine generalisierte Furcht vor Unsicherheit ist (Wilson, 1973). Die unterschiedlichen Konzeptionen von Konservatismus und Liberalismus haben zu einer relativ umfangreichen Entwicklung von Skalen geführt, von denen die wichtigsten bei Knight (1999) zusammengestellt sind, die zusätzlich einen umfangreichen Überblick über die aktuelle Forschung gibt. [...]
 
Die bei Knight für den Zeitraum von 1972 bis 1998 tabellierten Umfrageergebnisse großer amerikanischer Befragungsinstitute, bei den denen sich die Befragten auf einer Liberalismus-Konservatismus Skala selbst einstufen mußten, zeigten zwar nicht unbeträchtliche Unterschiede (die minimalen Konservatismus-Werte variierten zwischen 49 und 56%, die maximalen Werte zwischen 60 und 70%), dennoch verweisen die Ergebnisse auf einen zunehmenden konservativen Trend in den letzten ca. 30 Jahren. Derartige Ergebnisse verlieren allerdings schnell an ihrer einprägsamen Eindeutigkeit, wenn andererseits festzustellen ist, daß liberalere Einstellungen mit zunehmender formaler Bildung ansteigt und daß z.B. in den USA der Anteil der Bevölkerung mit College-Bildung von 17% im Jahre 1960 auf 52% im Jahr 1994 angestiegen ist. Die Befürworter der Rassenintegration in den USA hat stark zugenommen, diejenigen, die für eine Frau ins amerikanische Präsidentenamt stimmen würden, stieg von 1972 bis 1994 von 74% auf 92% an. Die unterschiedlichsten Auffassungen zwischen Liberalen und Konservativen (Knight, 1999, 147) bestehen in der Sexualmoral, der Gleichberechtigung von Mann und Frau vor dem Gesetz und der Legalisierung von Marihuana. [...]"
 
Quelle: spektrum.de / Spektrum der Wissenschaft, "Konservativismus"; Hervorhebungen habe ich vorgenommen.
 
Es zeichnet sich auch hier ab, dass Bildung, seriöse Information, faktenbasiertes Wissen, Kenntnis von "Welt und Mensch" (siehe im Zusammenhang folglich auch und gerade Naturwissenschaften, wissenschaftliche Forschung, Erkenntnistheorie, Geisteswissenschaften, Sprache - Linguistik, Sprachphilosophie ...), dass also Aufklärung durchaus dazu führt, den Horizont zu öffnen, zu weiten, Neugier, Interesse, Wissensdurst hervorzurufen, kritisch, analytisch, differenziert, reflexiv denken zu lernen und es in Folge dann auch zu tun, anzuwenden und vor allem anwenden zu wollen.
 
"[...] In der politischen Analyse finden Erkenntnisse aus der Psychologie noch zu wenig Berücksichtigung. So zeigen unzählige Studien, dass Progressive (Linke und Liberale) und Konservativ-Rechte in ihren Ideologien oft weit auseinanderliegen, weil sie sich grundlegend in ihren Denkstilen und Emotionen unterscheiden. Das hat eine Gruppe um den amerikanischen Moralpsychologen Jonathan Haidt mit Hunderten von Versuchen an über hunderttausend Probanden weltweit gezeigt. [...]
 
Vieles spricht dafür, dass oft Gefühlsdispositionen und nicht reflektierte Überzeugungen unseren normativen (moralischen, politischen) Intuitionen zugrunde liegen. So lösen vor allem Verletzungen von moralischen Prinzipien Emotionen aus, die uns zu unseren Urteilen leiten. Dieser Einfluss ist für uns schwer zu erkennen und umso schwerer zu unterdrücken.
 
Mindestens sechs emotionsbasierte Prinzipien hat die Forschung herausgearbeitet. Fürsorge stellt sicher, dass wir uns um Kinder und Hilfsbedürftige kümmern. Freiheit zeigt sich in dem Wunsch, selbstbestimmt und ohne Zwang zu leben. Fairness sensibilisiert uns für das Gleichgewicht in der Kooperation. Diese drei Prinzipien finden sich in allen Kulturen und Religionen. Wir reagieren mit negativen Emotionen auf deren Verletzungen, und zwar mit moralischer Wut: Wir sind empört, wenn Schwachen Leid widerfährt (Fürsorge), wenn Menschen unterdrückt werden (Freiheit) und wenn man sie ungerecht behandelt (Fairness).
 
Während diese Reaktionen bei Progressiven besonders stark ausfallen, sind sie bei Konservativen vergleichsweise schwach ausgeprägt. Stattdessen stehen bei ihnen drei weitere Prinzipien im Vordergrund, die besonders in nichtwestlichen Kulturen Wertschätzung erhalten. Erstens: Loyalität. Da geht es um die Treue gegenüber dem eigenen Stamm: dem Volk, der Religion oder der Fussballmannschaft. Zugehörige Gefühle sind Vereins- oder Nationalstolz sowie die Verachtung für Fremde und Verräter. [...]
 
Das zweite Prinzip ist das der Autorität. Dabei geht es um Hierarchie und Anerkennung, um Rang und Ehre, Respekt und Unterordnung. Autorität findet Ausdruck in Familienhierarchien wie dem Patriarchat, in Orden und Abzeichen. Wer Autorität schätzt, will mit «Entschlossenheit» und «Härte» gegen Verbrecher vorgehen. Das Prinzip der Reinheit schliesslich suggeriert einen Unterschied zwischen dem «Reinen» und «Natürlichen» (beispielsweise der Ehe) einerseits und dem «Unreinen» und «Unnatürlichen» (zum Beispiel Inzest) andererseits.
 
Zwar geht es in vielen Analysen über Populismus und die Spaltung der Gesellschaft um Gefühle wie Hass oder um die Fähigkeit zur Empathie, doch fehlt meist der Bezug zur Emotionsforschung. Vor allem übersehen alle Analysen die zentrale moralische Emotion der Konservativen und Rechtsradikalen: den Ekel. Denn der spielt den Studien gemäss für die Prinzipien Reinheit, Loyalität und für den Wert, der der Tradition zugemessen wird, eine entscheidende Rolle.
 
Die schwankende Ausprägung solcher Ekel-Neigungen kann man aus dem «Dilemma der Allesfresser» heraus verstehen. Unsere Vorfahren mussten bei Nahrungsknappheit Neues ausprobieren (Neophilie), sonst wären sie verhungert. Gleichzeitig mussten sie dem, was sich als Nahrung anzubieten schien, vorsichtig begegnen (Neophobie), denn vieles davon war giftig oder krankheitserregend. Ekel ist derjenige Mechanismus, der uns vor Schadstoffen schützt: Wir ekeln uns vor Kadavern, Körperflüssigkeiten und verdorbenem Essen. Sie alle können gefährliche Keime übertragen.
 
Doch die Neophobie macht nicht beim Essen halt. Probanden, die während eines Interviews üble Gerüche ertragen mussten, gaben zu politischen Fragen klar konservativere Antworten als die Vergleichsgruppe. Kurz gesagt: Ekel macht konservativ. Konservative ekeln sich besonders schnell und nachhaltig. Diese Neigung überträgt sich auf ihre Ansichten über Sex, Tod und Leben. [...]
 
Die Ekel-Disposition macht Menschen ausserdem zu Traditionalisten. So scheuen Konservative ganz allgemein vor Neuem zurück; sie reagieren selten positiv auf überraschende Stimuli, wollen lieber Ordnung und Vertrautheit im Leben. Bei Progressiven hingegen ist die Neigung zum Ekel deutlich schwächer ausgeprägt: Sie benötigen dementsprechend weniger Struktur und Ordnung im Leben, schätzen Individualität, Kreativität und neue Eindrücke. Sie sind zudem offen für nichttraditionelle Partnerschaften und Sexualpraktiken, sie sind eher atheistisch und haben wenig für Fahnen, Orden oder Autoritäten übrig. [...]
 
Die Elitenhasser, die sich den Rechtspopulisten zuwenden, sind nämlich nur teilweise ökonomisch «abgehängt». Sie empfinden sich vielmehr als sozial «abgehängt». Sie haben den Eindruck, als feierten in den Grossstädten Politiker, Journalisten, Hipster und Prominente eine Party – und sie sind nicht dabei.
 
Der politisch rechte Rand vertritt in vielen Punkten die Extremformen der auf Ekelgefühlen basierenden konservativen Moral. Dort verwandeln sich Loyalität und Tribalismus in eine Treue zu «Blut und Boden» und damit zur Fremdenfeindlichkeit. Der Wunsch nach Autorität und Struktur schlägt um in eine Sehnsucht nach dem autokratischen Führer, der richtig aufräumt – zur Not auf Kosten der Demokratie. Die Präferenz für Reinheit ist zur Abscheu gesteigert: Homosexualität gilt als «widerlich», ebenso unklare Geschlechterrollen oder «linksgrünversifftes» Gedankengut. Die «Wutbürger» sind also tatsächlich «Ekelbürger». [...]
 
Doch warum haben sich die Fronten so verhärtet? Auch hier geben Studien Aufschluss. Progressive pflegen eher einen analytischen, Konservative eher einen intuitiven, gefühlsgeleiteten Denkstil. Progressive überdenken ihre spontanen emotionalen Reaktionen häufiger und zensieren so ihre ersten Impulse, während bei Konservativen Bauchgefühl und moralisches Urteil im Einklang sind. Wenn man den «intuitiv» denkenden Konservativen Widersprüche nachweist, beharren sie eher auf ihrer Position, statt sie zu revidieren.
 
Der Wunsch, dass die Welt zu den eigenen Normen passt, ist stärker als das Streben nach Wahrheit. Selektive Wahrnehmung hilft ihnen dabei, kognitive Dissonanz zu vermeiden. So erklärt sich die Anfälligkeit für Fake-News und Verschwörungstheorien vor allem im rechtsradikalen Lager. [...]
 
Schliesslich kann man emotionsbasierte Prinzipien wie Fürsorge, Fairness und Freiheit besser mit rationalen Gründen in eine universelle Ethik überführen als die Prinzipien Loyalität, Autorität und Reinheit. Denn Erstere betonen Symmetrie und Gleichheit, während Letztere asymmetrisch sind, indem sie Gruppen ausschliessen.
 
Auch in der Gruppendynamik gibt es Unterschiede: Zwar entfernen sich durch die Selbstverstärkung der Meinungen alle nach rechts wie nach links Geneigten von der Mitte, sobald sie sich einer Seite zuordnen. Doch die Echokammer des rechten Randes ist fast schalldicht geschlossen, während die Progressiven zumindest abweichende Positionen erwägen.
Um Menschen vom rechten Rand zurückzuholen, muss man daher langfristig auf gute Schulen und Universitäten setzen: Bürger mit hohem Bildungsstand denken tendenziell eher progressiv. Kurzfristig hilft der Appell an die Vernunft selten. Da empfiehlt sich eher die positive Emotionalisierung von progressiven Themen, zum Beispiel, indem man an das Mitgefühl gegenüber Fremden appelliert, das manchmal den Ekel übertrumpfen kann. Das ist zwar nur eine Notlösung, aber immerhin ein Anfang."
 
Quelle: nzz.ch - "Was Progressive und Konservative unterscheidet, sind ihre Gefühle", farbliche Hervorhebungen (dunkelblau markiert) habe ich vorgenommen.
 
Aktualisierung am 01.07.2019
 
Auch ich habe mich schon häufig gefragt, warum offenbar zahlreiche Menschen so fasziniert sind von und so großen Gefallen finden an ausgesprochen und unzweifelhaft Hässlichem, Bedrohlichen, Gewaltvollen, Destrutkiven, Ekelerregenden, Vulgären, Morbiden, an solchen - zumeist sehr expliziten, auch übertriebenen, monströsen, unrealistischen - Darstellungen, Bildern, Figuren in Filmen, Serien, Musik, Bildender Kunst ... .
 
Nicht alle Menschen fühlen sich dazu hingezogen, nicht alle Menschen betrachten und konsumieren solches - überdies freiwillig und absichtsvoll sowie wiederholt bis regelmäßig. 
Antwort auch hierauf dürfte in den Neurowissenschaften und der Psychologie zu finden sein, siehe oben verlinkte Texte/Artikel zur unterschiedlichen Wahrnehmung und dem unterschiedlichen Empfinden bzw. Fühlen, Gefühlen von konservativ und linksliberal eingestellten Menschen.
 
Zu fragen ist durchaus, welche Folgen das für, welche Auswirkungen es auf diese Menschen, ihr Denken, Fühlen und Verhalten, ihr Menschen- und Weltbild wiederum hat, insbesondere, wenn bereits Kinder und Jugendliche intensiv, regelmäßig, im Grunde alltäglich in Film, Fernsehen, Werbung, Medien und Computerspielen etc. damit fast unausweichlich konfrontiert, damit geradezu penetriert werden, da das kindliche und juvenile Gehirn bekanntlich noch nicht ausgereift ist, Kinder und Jugendliche außerdem zumeist noch nicht über den erforderlichen umfassenden Erfahrungsfundus, Wissens-, Bildungshintergrund und das entsprechende Abstraktions-, Analyse-, Reflexionsvermögen verfügen, um das Gesehene angemessen einordnen und verarbeiten zu können - um keinen Schaden zu nehmen. 
 
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"[...] Bei allen Probanden feuerten die Nervenzellen nach dem zweiten Signal im anterioren cingulären Cortex besonders stark ? ein Zeichen dafür, dass sie sich mit einer neuen, ungewohnten Sache auseinandersetzen mussten. Bei den Versuchsteilnehmern, die sich selbst als liberal bezeichnet hatten, maßen die Wissenschaftler eine viel stärkere Aktivität in dieser Gehirnregion. Das zeige, warum liberal eingestellte Menschen sich eher auf neue Dinge einlassen als Konservative, erklären die Forscher. Dementsprechend machten die Konservativen auch mehr Fehler bei ihrer Aufgabe: Sie drückten auf den Knopf, obwohl sie es eigentlich gar nicht mehr sollten.
 
Ihre Ergebnisse sehen die Forscher als Hinweis dafür, dass eine gewisse Veranlagung, die schließlich zu einer bestimmten politischen Einstellung führt, zumindest zu einem Teil vererbt werden könnte. Das zeige sich auch darin, dass bei vielen Menschen die politische Einstellung im Laufe des Lebens unverändert bleibt und bereits bei Kindern festgestellt werden kann, ob sie Neuem eher aufgeschlossen oder abweisend gegenüberstehen. [...]"
 
Quelle: wissenschaft.de / Bild der Wissenschaft - "Wo die liberale Gesinnung wohnt"
 
"[...] Wie immer man das Phänomen nennen will, für das die Namen Trump, Le Pen oder AfD stehen – es ist nicht bloß eine Denkweise, sondern eine Gefühlswelt. Wird sie beschrieben, dann fallen Vokabeln wie Hass, Wut, Frust, Sorgen und Nöte. Und so viel steht fest: "Man kann diese Gefühle nicht einfach als zufällig oder den Menschen eingeredet abtun; sie gehören zum Grundbestand der modernen Gesellschaft. Misstrauen, Abhängigkeit, Sich-ausgeschlossen-fühlen, Angst und Desillusionierung fließen in eins zusammen und ergeben einen grundlegenden Zustand des Menschen im heutigen Dasein: das große Unbehagen." Kluge Worte, sie wurden vor 70 Jahren geschrieben.
So lange ist es schon her, dass die beiden Emigranten Leo Löwenthal, ein Deutscher, und Norbert Gutermann, ein Pole, ihre Untersuchung über die Reden rechtsextremer Führer in den USA veröffentlichten (Agitation und Ohnmacht). Ein Jahr später wurde auch ein zweites Buch fertig, das Theodor W. Adorno berühmt machen sollte: die sozialpsychologischen Studien zum autoritären Charakter. Die beiden Werke ergeben ein Bild protofaschistischer Verhetzung, das beklemmend aktuell wirkt. Und das eine Erklärung dafür anbietet, warum Menschen für Hetze so empfänglich sind. [...]

Adorno und seine Mitautoren wenden sich gegen die vulgärmarxistische Vorstellung, rechtsradikale Stimmungen seien einfach der Ausdruck sozialer Missstände. Sie vermuten stattdessen, dass "lange bestehende Sehnsüchte und Erwartungen, Ängste und Unruhen die Menschen für bestimmte Überzeugungen empfänglich und anderen gegenüber resistent machen". Zu diesen Sehnsüchten zählte schon damals, dass der permanente Veränderungsstress endlich aufhören möge. Das ist verständlich, aber doch regressiv: die Verweigerung eines erwachsenen Umgangs mit der Welt. [...]
 
Sie zeigen, dass sich Vorurteile gegen Minderheiten durchaus unabhängig von sozialen Lagen herausbilden. Ein weiterer Befund ist der "Bruch zwischen angeblichem und wirklichem Denken". Etliche Befragte hatten ihre Fragebögen so ausgefüllt, wie sie es für erwünscht hielten ("politisch korrekt", würde man heute sagen) – erst im Gespräch zeigten sie ihre wahren Ansichten, oft in Form neurotischer Fixierungen. Das waren beispielsweise pathologische Überlegenheitsfantasien ("Ich kenne alle Hintergründe") oder auch sexuelle Triebe, die man sich nicht gern eingesteht, sie vielmehr anderen – namentlich den Fremden – zuschreibt, um diese sodann zu verurteilen.
 
Um Verborgenes geht es also. Theodor W. Adorno schreibt in seiner Analyse der Rundfunkreden von Martin Luther Thomas, einem faschistischen Prediger der dreißiger Jahre: "Unter der Maske christlicher Ekstase versteckt sich die Ermutigung zu Heidentum, orgiastischer Entfesselung der eigenen emotionalen Triebe, zur Regression auf die unartikulierte Natur." Der Autor sieht darin einen "Gefühls-Befreiungs-Trick".
 
Namentlich der Faschismus lebe "von dem Mangel an emotionaler Befriedigung in der Industriegesellschaft" und davon, "dass er den Menschen jene irrationale Genugtuung verschafft, die ihnen durch die heutigen sozialen und wirtschaftlichen Verhältnisse vorenthalten wird". Der faschistische Führer gebe "ein Modell für das Verhalten, das seine Zuhörer nachahmen und annehmen sollen. Sie sollen sich nicht zivilisiert benehmen, sie sollen schreien, gestikulieren, ihren Gefühlen freien Lauf lassen." So erklärt sich, warum die Anhänger Trumps oder ihre hiesigen Pendants dann besonders jubeln, wenn ihre Idole ein Tabu brechen: Das löst die Spannung zwischen dem, was man sagen darf, und dem, was man sagen will. Entzivilisierung macht glücklich.
 
"Bezeichnend für den Faschistenführer ist ein Hang zu geschwätzigen Erklärungen über die eigene Person", erklärt Adorno weiter. Das sei nicht bloß Narzissmus, "es ist ein Teil des Geheimnisses totalitärer Führung, der Gefolgschaft das Bild eines autonomen Charakters vor Augen zu stellen, der zu sein ihr in Wahrheit verwehrt wird". [...]
 
"Der Agitator", so nennen Löwenthal und Gutermann diesen Typus des Volksverhetzers, "ist sehr besorgt, weil alle Informationsmittel in die Hände der Feinde des Vaterlandes gefallen sind" – Mainstream-Medien, Lügenpresse, man kennt das. Er "spielt mit dem Misstrauen, das seine Zuhörer grundsätzlich gegen alle sozialen Erscheinungen hegen, die in ihr Leben eingreifen, ohne dass sie verstünden, wie das eigentlich geschieht". Zu diesen Erscheinungen rechnen die Autoren ausdrücklich die Immigration.
 
"Der Agitator", fahren sie fort, "kann offenbar voraussetzen, es mit Menschen zu tun zu haben, die unter dem Gefühl ihrer Hilflosigkeit und Passivität leiden. Er kann sich der Zwiespältigkeit dieses Komplexes bedienen, der einerseits einen Protest gegen jede Bevormundung enthält, auf der anderen Seite den Wunsch, beschützt zu werden (...), von einem starken Mann geführt zu werden."
 
Fazit: Das Phänomen, für das die Namen Trump, Le Pen oder AfD stehen, lässt sich nicht allein auf heutige Umstände zurückführen. Nicht nur auf demografische Umbrüche, die Globalisierung oder das Internet. Vor dem "großen Unbehagen" in Überlegenheitsfantasien zu flüchten ist eine dauerhafte Option. Manchmal genügt eine Unwucht im Parteiensystem oder die offenkundige Abnutzung einer Führungsschicht, und es beginnt eine Dynamik, die sich ihren Brennstoff sucht – sei dieser auch "postfaktisch", also herbeifantasiert und zusammengelogen. Er zündet dennoch.
 
Fragt sich nur, was aus alledem zu lernen ist.
Die Studien beschreiben Leute, die längst gegen Erfahrungen immun sind, welche ihre Vorurteile infrage stellen könnten. So stellt sich nach der Lektüre ein Gefühl der Hilflosigkeit ein; zu den Kennzeichen der Frankfurter Schule, der die Autoren angehörten, zählte es, analytisch stark zu sein, aber politisch resignativ. Rückzug ins bessere Wissen.
Politisch lernen lässt sich daraus dennoch einiges:
Überzeugte sind für Argumente unerreichbar, auch wer sich auf ihre Emotionen einlässt, belohnt diese nur. Die Leute leben jedoch inmitten einer Mehrheit, die anders denkt als sie. Daher hängt alles davon ab, wohin diese Mehrheit insgesamt tendiert. Gewinnt der rechte Rand ideologische und emotionale Energie aus seinem Nahfeld, oder verliert er sie daran? Als politische Aufgabe formuliert: Die Radikalen sollen sich nicht wie der Fisch im Wasser fühlen, sondern wie der Fisch an Land. [...]

Nicht die Verhetzten muss die Politik gewinnen, sondern jene, die das "große Unbehagen" empfinden, ohne deswegen schon den Anstand verloren zu haben."
 
Quelle: zeit.de - "Theodor W. Adorno: Der Trick mit der Gefühlsbefreiung", farbliche Hervorhebungen (dunkelblau) habe ich vorgenommen.
 
Wie bereits wiederholt gesagt: Das grundsätzlich zugrundeliegende Problem ist ein psychologisches:
 
Es sind die hysterisierten Ängste mehrheitlich konservativer Menschen - gleich, wo, in welchem Land.
 
Es ist der Konservatismus geprägt von übersteigerter Angst, anstrengungslosem Denken (Mangel an Differenzierungs-, Reflexionsfähigkeit), dem raschen Überfordertsein mit Komplexität und Veränderung von außerdem ausgeprägter Ichbezogenheit (Selbstsucht), dem Mangel an Mitgefühl, von freiwilliger Knechtschaft und Führerprinzip (Wunsch nach autoritären Führern, "Entscheidern, Beschützern", um eigene Verantwortung abgeben zu können, siehe auch autoritärer Charakter, Identifikation mit dem Aggressor, patriarchales Denken, Fühlen, Verhalten, siehe daraus resultierend auch entsprechende Religionen, Ideologien, der Glaube an eine irgendwie "übergeordnete Ordnung", daher das Festhalten an Hierarchien) sowie weiterhin Abwehr, häufig narzisstischer Trotz, Verweigerung bpsw. von um Konsensfindung bemühten Diskurs.
 
Es äußert sich in all dem eines augenfällig: Eine psychisch-emotionale und soziale Unreife solcher Menschen. Nicht selten auch eine intellektuelle Unreife, Schwäche, Defizite.

Und selbstredend haben Populisten hier leichtes Spiel, denn sie schüren diese Ängste und Hassgefühle, nähren sie, steigern sie - um die Menschen für ihre Zwecke/Ziele instrumentalisieren zu können.
 
"[...] In seinen "Überlegungen zur Judenfrage" beschrieb der französische Philosoph Jean-Paul Sartre die Weltsicht der Antisemiten so: "Für den Antisemiten ist das Böse sein Schicksal, sein 'Job'. Andere werden nach ihm kommen und sich um das Gute kümmern, wenn es sein muss Er steht an vorderster Front der Gesellschaft, er wendet den reinen Tugenden, die er verteidigt, den Rücken zu: er hat nur mit dem Bösen zu tun, seine Pflicht ist es, es zu enthüllen, bloßzustellen, sein Ausmaß zu ermessen. Seine einzige Sorge besteht darin, Geschichten zu sammeln, die die Geilheit des Juden offenbaren, seine Gewinnsucht, seine Schlauheit, seine Wortbrüchigkeit. Er wäscht seine Hände in Unrat."

Abrund einer paranoiden Welt
Lege ich meine eigene Erfahrung zugrunde, dann funktioniert die Selbstinszenierung der "besorgten Bürger", der "Merkel muss weg"-Schreier, der glühende AfD-Anhänger, der Flüchtlingsgegner und "Systemkritiker" auf Facebook und Co. heutzutage exakt nach demselben Muster. Ungeheuer schnell wird man in den psychologischen Abgrund einer paranoiden Welt gerissen, deren Nachrichtenauswahl sich auf Horror- und Ekelmeldungen beschränkt. Diejenigen, die diese Inhalte teilen und verbreiten, sehen sich selbst als Kämpfer für das Gute. Dort wieder herauszufinden und die eigene Wahrnehmung zu hinterfragen, ist ungeheuer schwierig, besonders wenn man dem "Unrat" gerne glauben schenken möchte.
 
Wie sieht die Welt aus der Sicht derjenigen aus, die all diese Dinge teilen und glauben? Oftmals sind die Quellen nämlich keine Gerüchteküchen, sondern Sensationsmeldungen von Boulevard- aber auch vermeintlich seriösen Medien, die zum Klicken verleiten sollen. Aus Sicht der Schreier gibt es also sogar journalistische Belege, die man seriöserweise kaum mehr ignorieren könne. Dass sie teilweise überhöht und spätestens im Resonanzraum der sozialen Medien verzerrt werden, verschweigen die Laut-Sprecher. Der Vorwurf an andere Journalisten und "Gutmenschen" wie mich lautet folgerichtig, wir würden die Probleme ignorieren, kleinreden oder gleich ganz verschweigen.
 
Zerrspiegel der Realität
Auf die Idee, dass es sich um eine extrem verengte Auswahl der Realität handelt, einen "Zerrspiegel", wie die Journalistin Ingrid Brodnig sagt, in der die große Mehrheit der von "Deutschen" an "Deutschen" verübten Verbrechen, gar nicht mehr vorkommt, kommt die Klientel, die die rechtspopulistischen Timelines bevölkert nicht. Und meiner Meinung nach glauben selbst führende Protagonisten dieser Bewegung bei Pegida oder in der AfD an die Realität des Zerrspiegels, den sie selbst erschaffen haben. Die psychologische Wirkung jedenfalls lässt sich kaum überschätzen. [...]"
 
Quelle des zitierten Textes: ndr.de - "Die Hass-Welt: Social Media am rechten Rand", farbliche Hervorhebungen habe ich vorgenommen.
 
"Aristoteles wusste es schon vor 2000 Jahren. Der Mensch sei „von Natur aus ein politisches Tier“, schrieb der griechische Philosoph in seiner „Politik“. Der Satz ist das Lieblingszitat einer kleinen Gruppe von Wissenschaftlern, die zurzeit die Erforschung der Politik umkrempeln. Sie untersuchen, wie die Gene eines Menschen seine politischen Überzeugungen beeinflussen.
Der Zweiklang von Politik und Genetik klingt gefährlich nach Eugenik, und so traute sich lange Zeit niemand, so eine Frage ernsthaft anzugehen. [...]
 
Doch die Schlussfolgerung verhallte ungehört. „Vielleicht waren die Leute einfach nicht bereit“, sagt der Politikwissenschaftler John Hibbing von der Universität Nebraska. 2005 veröffentlichte er eine Studie, die die gleichen Zusammenhänge zwischen Genetik und Politik zeigte. Dieses Mal gab es ein Echo, wenn auch kein freundliches. „Die meisten Politikwissenschaftler fanden die Behauptung, Genetik könnte bei der politischen Orientierung eine Rolle spielen, absurd und sogar gefährlich“, sagt Hibbing. Er erhielt etliche anonyme E-Mails, die seine Arbeit schmähten. Viele Menschen schienen das Ergebnis instinktiv abzulehnen.
 
Ein möglicher Grund: Die Ergebnisse legen nahe, dass die politischen Überzeugungen eines Menschen zum Teil von Kräften geformt werden, derer er sich nicht bewusst ist. „Viele glauben, dass unsere politischen Überzeugungen rational sind und dass wir sie durch sorgsames Abwägen von Argumenten erreichen“, sagt Hibbing. „In Wirklichkeit sind sie aber nicht rational, wir rationalisieren sie nur hinterher.“
 
In seinem neuen Buch „The Righteous Mind. Why Good People Are Divided by Politics and Religion“ vergleicht der Psychologe Jonathan Haidt die Rolle unseres Verstands mit der eines Regierungssprechers. „Egal, wie schlecht ein Gesetzentwurf ist, der Regierungssprecher wird einen Weg finden, ihn zu loben. Manchmal wird es eine peinliche Pause geben, während er die richtigen Worte sucht, aber was Sie niemals hören werden ist: ,Hey, das stimmt. Vielleicht sollten wir das Gesetz noch einmal überdenken.’ Regierungssprecher können das nicht sagen, weil sie nicht die Macht haben, Gesetze zu ändern. Ihnen wird erzählt, was das Gesetz ist und sie sollen Belege und Argumente finden, die dieses Gesetz gegenüber der Bevölkerung begründen.“
 
Es gab auch wissenschaftliche Kritik an Hibbings’ Studie. So wurde behauptet, eineiige Zwillinge würden von ihrem Umfeld anders behandelt als zweieiige und das verfälsche das Ergebnis. Genetiker hingegen überraschte das Ergebnis kaum. Schließlich zeigen ihre Untersuchungen seit 40 Jahren, dass die Gene die Persönlichkeit eines Menschen prägen.
 
Tatsächlich sind inzwischen zahlreiche Studien in Australien, Dänemark, Schweden und anderen Ländern zu ähnlichen Ergebnissen gekommen. Zuletzt erschien im September eine Analyse von Pete Hatemi und Rose McDermott in „Nature Reviews Genetics“. Darin haben sie alle Zwillingsstudien, die in den Jahren 1974 bis 2012 veröffentlicht wurden, zusammengefasst. Für die meisten politischen Themen fanden die Forscher einen großen genetischen Anteil (siehe Grafik). [...]
 
Eine Ausnahme bildet interessanterweise die Parteizugehörigkeit. Sie wurde vor allem in den USA untersucht – und ob jemand Demokrat oder Republikaner wird, hängt offenbar in erster Linie davon ab, ob seine Eltern Demokraten oder Republikaner waren. „Parteizugehörigkeit ist vor allem sozial bestimmt“, sagt Hibbing. Das Phänomen sei auch aus Religionen bekannt: Die meisten Menschen seien in der Kirche, der ihre Eltern angehörten, ihre religiösen Überzeugungen jedoch unterschieden sich häufig stark von denen der Eltern.
 
Ohnehin behauptet kein Forscher, dass es ein Gen für Konservatismus oder Sozialdemokratie gibt. Vermutlich haben Hunderte oder Tausende Gene einen Einfluss auf unsere politischen Überzeugungen. Und diese Gene geben dem Individuum lediglich eine Prädisposition mit, sie beeinflusst ein wenig, wie der Mensch die Welt sieht, wie er auf sie reagiert. Der Rest passiert ganz von allein.
 
So sind zum Beispiel Menschen, die eine bestimmte Variante des Dopaminrezeptors D4 tragen und viele Freunde haben, liberaler als der Durchschnitt. Menschen, die diese Genvariante tragen, das ist aus anderen Untersuchungen bekannt, suchen häufiger nach neuen Erfahrungen. Zusammen mit einem großen sozialen Umfeld könnte das dazu führen, dass sie mehr verschiedene Erfahrungen machen, was wiederum dazu führen könnte, dass sie liberale Überzeugungen entwickeln. Andere Studien haben andere Botenstoffe im Gehirn wie NMDA, Serotonin oder Glutamat mit liberalen oder konservativen Überzeugungen verknüpft.
 
Der Neurowissenschaftler Gary Marcus hat vorgeschlagen, das Gehirn wie ein Buch zu sehen, dessen erster Entwurf während der Entwicklung des Embryos geschrieben werde. Kein Kapitel sei bei der Geburt fertig geschrieben, aber es bestehe auch keines, ob Sprache oder Moral, aus leeren Seiten. [...]
 
Die meisten Erlebnisse ändern die politische Überzeugung aber nicht langfristig. Wie Lottogewinner, die nach einer kurzen Zeit des Glücks wieder zu ihrem üblichen Zufriedenheitslevel zurückkehren, scheint es auch eine robuste politische Prägung zu geben, zu der Menschen meist Zuflucht nehmen.
 
Aber warum sollten Gene, die sich über Jahrmillionen verändert haben, um den Menschen an seine Umwelt anzupassen, überhaupt einen Einfluss auf politische Überzeugungen haben? Schließlich hat die Evolution unser Erbgut geformt, um das Überleben von unseren Jäger-Sammler-Vorfahren zu erhöhen. Und die hatten mit anderen Problemen zu kämpfen als Steuern und Wahlen. Was hat die Biologie mit der Ideologie zu tun?
 
Sehr viel, sagen Psychologen. Bei vielen politischen Fragen unserer Zeit geht es um dieselben Themen, mit denen sich schon unsere Vorfahren beschäftigen mussten: Fortpflanzung, Verteidigung, Kooperation, Überleben. So berührt Einwanderungspolitik die uralte Frage, wen wir als Teil unserer Gruppe akzeptieren, soziale Sicherungssysteme werfen die Frage auf, wie Ressourcen am besten aufgeteilt werden, und Außenpolitik beschäftigt sich maßgeblich mit dem Schutz der eigenen Gruppe gegen andere Gruppen.
 
Jonathan Haidt hat fünf moralische Fundamente ausgemacht, auf denen unsere Werturteile gründen: Fürsorge, Fairness, Loyalität, Autorität und Reinheit. Für jedes dieser Module sieht Haidt gute evolutionäre Gründe. So habe die Evolution Frauen und Männer begünstigt, die der Anblick eines leidenden Kindes berührt und zum Handeln animiert (Fürsorge). Ein Gerechtigkeitsempfinden sei wichtig gewesen, um in einer kooperativen Gemeinschaft nicht über den Tisch gezogen zu werden (Fairness) und Ekel vor Körperflüssigkeiten oder bestimmten Tieren habe Menschen davor geschützt, sich mit einer Krankheit anzustecken (Reinheit). Für Haidt sind die fünf Kategorien so etwas wie die Primärfarben unserer Moral. Aus ihnen lassen sich die verschiedensten Charaktere mischen – und offenbar ist genau das bei Liberalen und Konservativen der Fall. Während Liberale ihre politischen Überzeugungen vor allem aus Fairness und Fürsorge ableiten, werten Konservative alle fünf Module etwa gleich stark.
 
Liberale und Konservative (im amerikanischen Sinne) wünschen sich sogar ihre Hunde entsprechend dieser moralischen Matrix, sagt Haidt. Liberale wollten Hunde, die sanft seien (Fürsorge) und ihrem Herrchen nicht unterwürfig, sondern als Freund gegenüberstehen (Fairness). Konservative hingegen wollen von ihren Hunden auch Treue (Loyalität) und Gehorsam (Autorität).
 
Viele Studien bestätigen inzwischen, dass Konservative und Liberale die Welt mit unterschiedlichen Augen sehen. So konnten Hatemi und McDermott zeigen, dass Liberale sich bei politischen Bildern stärker auf Gesichter konzentrieren, während Konservative die Teile des Bildes länger anschauten, die patriotische Symbole zeigten, oder Gegenstände, die Furcht einflößen.
 
In einer anderen Studie zeigten Forscher Testpersonen Bilder einer Wunde mit Maden oder einer Spinne, die über ein ängstliches Gesicht krabbelt, und maßen ihre körperlichen Reaktionen, wie den elektrischen Widerstand der Haut, der sich bei Erregung verändert. Menschen, die unter anderem für die Todesstrafe und Schulgebete waren, aber gegen schärfere Waffengesetze oder die Homoehe, zeigten eine deutlich höhere Schockreaktion als Menschen mit liberalen Überzeugungen. „Konservative reagieren offenbar von Natur aus stärker auf negative oder bedrohliche Reize. Das ist der Hauptunterschied.“
 
Und er zeigt sich auch im Gehirn. Ryota Kanai vom University College London hat 90 Studenten im Hirnscanner untersucht. Testpersonen, die sich als sehr konservativ bezeichneten, hatten im Schnitt eine größere Amygdala. Die mandelförmige Struktur ist daran beteiligt, Bedrohungen zu erfassen und auf sie zu reagieren. „Anhand der Bilder konnten wir mit einer Trefferquote von 70 Prozent vorhersahen, ob eine Testperson liberale oder konservative Überzeugungen hegte“, sagt Kanai.
 
Ob die Unterschiede im Gehirn Ursache oder Wirkung der politischen Einstellung sind, kann so eine Studie nicht klären. Aber sie bestätigt die Sicht der Psychologen, dass Konservative und Liberale die Welt unterschiedlich wahrnehmen. [...]
 
Und dann gibt es noch die Nichtwähler. Der Forscher John Dawes hat die Daten eines Zwillingsregisters in Kalifornien mit den Wahldaten von Los Angeles verglichen. Auch hier zeigten sich starke Unterschiede zwischen eineiigen und zweieiigen Zwillingen. Ob wir überhaupt wählen gehen, hänge zu 60 Prozent von unseren Genen ab, folgerte Dawes.
 
Studien in anderen Ländern haben Menschen untersucht, die an Demonstrationen teilnehmen oder an ihren Abgeordneten schreiben, und sind zu ähnlichen Ergebnissen gekommen. Mancher Mensch ist offenbar von Natur aus kein politisches Tier."
 
Quelle: Der Tagesspiegel - "Die politische Einstellung steckt in den Genen", von Kai Kupferschmidt; Hervorhebungen habe ich vorgenommen.
 

OCCI Psychologie-Spezialausgabe: Verschwörungstheorien im Netz

isdglobal.org

"Ein Konservativer ist ein Mensch mit zwei völlig gesunden Beinen, der nie gehen gelernt hat."
Franklin D. Roosevelt
 
"[...] Nach seiner ersten Amtszeit wurde er 1936, 1940 und 1944 wiedergewählt – er ist damit der einzige US-Präsident, der länger als zwei Wahlperioden regierte. Seine Präsidentschaft ist durch innenpolitische Reformen unter dem Schlagwort New Deal zur Bekämpfung der Weltwirtschaftskrise geprägt. Seine Politik setzte die Leitlinie zum regulierenden Eingreifen der amerikanischen Regierung ins wirtschaftliche Geschehen, um bestimmte, im allgemeinen Interesse bestehende Ziele durchzusetzen. Zudem brachten die Einführung der Sozialversicherung und eines bundesweiten Mindestlohns nachhaltige Veränderungen im Sozialwesen des Landes mit sich.

Das bedeutendste außenpolitische Ereignis war der Eintritt der Vereinigten Staaten in den Zweiten Weltkrieg nach dem japanischen Angriff auf Pearl Harbor im Dezember 1941. Roosevelt widmete sich trotz der politischen und gesellschaftlichen Gegensätze zur Sowjetunion aktiv dem Aufbau der Anti-Hitler-Koalition und hatte entscheidenden Anteil an der Definition der alliierten Kriegsziele gegen die Achsenmächte. Unter seiner Führung erfuhr die bis dato überwiegend isolationistische US-Außenpolitik eine neue Ausrichtung hin zum Internationalismus. Mit seiner Politik versuchte Roosevelt, anstelle eines Nationalismus dem Gedanken der globalen Abhängigkeit aller von allen Geltung zu verschaffen. Ausdruck wurde dem durch die Gründung der Vereinten Nationen (UNO) 1945 verliehen, die der Präsident maßgeblich vorangetrieben hatte. [...]

Während seiner Senatorentätigkeit (1910–1913) setzte er sich für Reformen der politischen Willensbildung (Direktwahl der Senatoren auf Bundesebene, Frauenwahlrecht) ein, bekämpfte die rigorose Abholzung der Wälder – das deutlichste Erbe seines Vetters Theodore – und stand für die Verbesserung der Lebensbedingungen von Farmern und Arbeitern ein. [...]

In der Amtseinführungsrede vor dem Kongress im März 1933 verkündete er seine außenpolitische Vision der „Good Neighbor Policy“ („Außenpolitik der Guten Nachbarschaft“). Roosevelt war überzeugt, dass die weltweiten imperialistischen Überdehnungen der USA den revolutionären Ursprungsidealen seines Landes zuwiderliefen. Im Jahr 1933 folgte außerdem eine Anerkennung der Sowjetunion, was unter den Vorgängerregierungen seit der Oktoberrevolution 1917 nicht der Fall gewesen war.

Die kooperativen, gutnachbarschaftlichen und gleichberechtigten Austauschbeziehungen der ländlichen Gemeinden Amerikas untereinander waren das Modell, nach dem die USA unter Roosevelt auch die internationalen Beziehungen eingerichtet wissen wollten. Aus diesem pragmatischen, vom „common sense“ (Gesunder Menschenverstand) geprägten Ansatz heraus war für Roosevelt die Außenpolitik immer auch eine unmittelbare Funktion einer auf Ausgleich, Entwicklung und Gerechtigkeit gegründeten humanen Gesellschaftspolitik im Innern. [...]

Anstelle eines engen Nationalismus versuchte Roosevelt, dem Gedanken der globalen Abhängigkeit aller von allen („One World“) in seiner Außenpolitik zur Geltung zu verhelfen. Diesem sollten sich auch die weltweiten industriellen und die Finanzinteressen der amerikanischen Konzerne unterordnen:

“We now realize, as we have never realized before, our interdependence with each other – that we cannot merely take but we must give as well.”

„Wir stellen nun fest, wie wir es nie zuvor festgestellt haben, dass wir voneinander abhängen – dass wir nicht nur nehmen können, sondern auch geben müssen.“ [...]"
 
Quelle: Wikipedia - "Franklin D. Roosevelt"
 
"Konservative? Gibt es die überhaupt noch? Kirchen, Parteien, Institutionen und Medien verschreiben sich rückhaltlos der Dynamik der Zukunft. Die Beschleunigung der Diskurse entwurzelt konservative Werte-Positionen wie ein Sommersturm alte Fichten. Selbst der Vatikan oder die AfD lassen sich nur ungern als „konservativ“ bezeichnen. Das schließt Bedeutungen wie „der Zukunft nicht gewachsen“ und damit „ohne Relevanz“ ein. Sie bestehen darauf, als „moderne“ Organisationen wahrgenommen und angesprochen zu werden, um im Gespräch zu bleiben.
 
Unter diesem Blickwinkel ist es interessant, die Entstehung eines selbstbewussten neuen konservativen Milieus zu beobachten, das aus dem Geist der Netz-Opposition erwächst. Dieses Milieu formiert sich nicht „für“, sondern „gegen“ etwas. Es ist sozial nicht homogen, sondern heterogen. Es folgt keiner ökonomischen, sozialen oder moralischen Logik. Es ist ein existenzialistischer Konservativismus, der über die Grenzen der Einkommensschichten und Bildungsniveaus hinweggreift und sich die Rettung eines – wie auch immer definierten – „alten, analogen Menschen“ auf die Fahnen geschrieben hat. Aber es ist zweifelsohne ein Konservativismus. Denn er gehorcht in vielen Merkmalen der Logik konservativen Denkens, die in Vereinfachung, Selbstinszenierung, Misogynie und im Ausschluss von Neugier besteht.
 
Die Rede ist von der Bewegung des Anti-Digitalen, die sich fast jeden Tag ganzseitig im Feuilleton der FAZ, in den Publikationen einer Miriam Meckel, eines Byung-Chul Han, eines Roland Reuß – um nur die wichtigsten Protagonisten zu nennen – nachlesen lässt. Hier entsteht eine überzogene Theorie der digitalen Verschwörung gegen die Menschheit, die die Saat des Misstrauens verbreitet und die Gesellschaft lähmt. Die Debatte um das Netz ist in eine Phase der kulturellen Endschlacht getreten, in dem es um die nackte Existenz geht. Entsprechend alarmistisch ist diese Debatte, in der sich ein neuer Konservativismus der Unterkomplexität formiert.
 
„Big Data macht euch alle nackt“

Ein Leitmedium wie die FAZ opfert große Teile ihres einstmals so vielfältigen Feuilletons einer gebetsmühlenartigen Wiederholung der These „Big Data macht euch alle nackt“. Alte, linke Männer des Literaturbetriebs wie Grass und Enzensberger, die früher in jedem zweiten Satz mit ihrem Willen zur „gesellschaftlichen Veränderung“ genervt haben, werden primitiv und menschenverachtend („Facebook ist Scheißdreck“) oder einfach nur lächerlich („Schaltet die Smartphones ab“), wenn sie zu den neuen Medien, die die Gesellschaft nun tatsächlich verändern, Stellung beziehen. Manchmal denkt man sich: Si tacuisses… Aber dann ist man auch wieder froh um diese Worte, die so unbedacht und emotional gesprochen oder geschrieben werden. Entlarven sie doch das neue Dogma der neuen Konservativen.
 
Dieses Dogma lautet: Die Menschen sind gefangen in einer Transparenzfalle, die sie erschöpft und auslaugt, während sich das echte Leben woanders abspielt. Gleichzeitig ist diese Transparenzfalle eine gigantische Apparatur, die amerikanische Konzerne installiert haben, um nichts weniger als einen „neuen Menschen“ zu erzeugen. Dieser neue Mensch, eine Ausgeburt des Silicon Valley, ist vollkommen durchsichtig, steuer- und ausbeutbar, er ist ausgemessen und quantifiziert. Er ist eine Gestalt aus Big Data, die sich wie ein Roboter programmieren lässt. Gesellschaftlich gesehen beenden die sozialen Medien, in denen nur „Scheißdreck“ geredet wird, die Habermas‘sche Diskursethik und zersetzen dadurch den politischen Raum und seine Meinungsbildung. [...]
 
Dieses anti-digitale Dogma hat zwei Funktionen. Zum einen leistet es das, was alle konservativen Dogmen leisten: eine radikale Vereinfachung einer überkomplexen Wirklichkeit und dadurch eine Verortung des Orientierung suchenden Lesers. Es reduziert komplexe, untereinander verzahnte Realitäten auf einen simplen gemeinsamen Nenner (Daten und Quantifizierung = Gefahr, Zerfall, Untergang), der dann flux noch in einer wohl bekannten Geste des Anti-Amerikanismus politisch verortet wird. So entsteht das Szenario: Böse amerikanische Technokraten wollen den guten alten Europäern, die noch Vinylplatten hören und in alten Folianten blättern, an den Kragen. Zum anderen funktioniert das Dogma wie das Credo in der katholischen Kirche. Es wird permanent wiederholt in einer Liturgie, die die Apokalypse des Abendlandes herbeiruft, und scheint durch diese Wiederholung immer wahrer zu werden.
 
Dem Dogma kann natürlich nicht entgegengehalten werden, dass es vollkommen falsch ist. Natürlich befindet sich unsere Gesellschaft in einem radikalen Umbruch. Natürlich befinden wir uns in einer Phase der Inkulturation, eines Hineinwachsens neuer Technik in unser Leben. Natürlich geht alles viel schneller, als wir denken und schreiben können. Das Problem besteht tatsächlich darin, dass Unternehmen schneller agieren, als moralische Koordinatensysteme und gesetzliche Rahmenwerke nachwachsen können. Aber das ist in der Medizin und in der Biotechnologie nicht anders, und dort wird die Asymmetrie zwischen Möglichem und Erlaubtem, zwischen Risiko und Chance längst nicht so laut beklagt wie in der Sphäre der Daten. Das sollte nachdenklich stimmen und zu einem Überdenken der Prioritäten anregen.
 
Die Internet-Unternehmen optimieren die Möglichkeiten ihrer Daten- und Vertriebsmodelle unter den Gegebenheiten eines globalen Finanzmarktes. Das kann man ihnen nicht vorwerfen, auch dann nicht, wenn sie das, was wir in Europa unter „Kulturgut“ verstehen, ihrer Wachstumslogik unterwerfen. Das konservative Erklärungsmodell geht einen entscheidenden Schritt zu weit, indem es vereinfachend und projektiv zugleich arbeitet.[...]
 
Genau diese Neugierde ist es, die uns fehlt. Sie ist auch der Grund dafür, warum es kein deutsches Amazon und kein deutsches Google gibt. Der Deutsche ist der Technik gegenüber, wie sich wieder einmal zeigt, zutiefst konservativ und träge eingestellt. Denn das Wesen des Konservativen besteht ja gerade darin, keine Fantasie zu haben. Der Konservative kann und will sich keine andere Wirklichkeit vorstellen als die, die er vor Augen hat. Er ist nicht neugierig. Staunen ist keine konservative Haltung.
Neugierig zu sein und zu bleiben ist aber der Motor von Erkenntnis und gesellschaftlicher Entwicklung. Es ist der erklärte Auftrag der Aufklärung, neue Technologien zu nutzen und sozial zu strukturieren, um sie in den Dienst der Neugierde zu stellen. [...]
 
Der neue Konservativismus verschmilzt ehemals linke Themen (Datenschutz, Privatsphäre, Gemeinwohl, Anti-Amerikanismus, Anti-Kapitalismus) in einen typisch reaktionären, monothetischen Block. An dieses neokonservative Netzdogma glauben die Neo-Konservativen dabei gar nicht mehr selbst. Jeder von ihnen googelt, surft und amazont wie alle anderen auch. Das Netzdogma hat einen ganz anderen Zweck: Es dient der Selbstrechtfertigung einer intellektuellen Elite, die überholt wird. Es ist ein Machtinstrument. Es ist eine Debatte um der Debatte willen.
 
Die analogen Intellektuellen und ihre Leitmedien spüren, dass sie ihre Deutungshoheit abgetreten haben an die alphanumerische Elite, an die Netzcommunities, an Blogger und Twitterer. Sie stecken in einer tiefen Identitätskrise und beschwören aus eben diesem Grund den Widerstand gegen die neue Welt als eine Form der Selbstfindung. Dabei entsteht aber leider weder guter Journalismus, noch gute Literatur, und erst recht keine gute Philosophie. Grass konnte in seinen guten Zeiten einen lesbaren Roman über einen Arbeitskampf schreiben. Die schillernde Welt einer sozial vernetzten Gesellschaft entzieht sich seinem literarischen Zugriff.
 
Die philosophische Analyse der Transparenzgesellschaft erschöpft sich in modischen Nichtigkeiten und Banalitäten, trifft darin aber genau den Geist der Zeit, die eine Erklärung sucht für ihre eigene Lethargie. Diese hat nichts mit Smartphones und Tablets zu tun, sondern mit einer viel tiefer liegenden Müdigkeit: mit dem freiwilligen Verzicht auf Neugierde und Staunen-Wollen, das im Dogma der Netz-Konservativen seinen vorläufigen Höhepunkt findet."
 
Quelle: Cicero, "Ideologisch, änstlich, anti-modern: Das Dogma der neuen Netz-Konservativen", von Alexander Pschera; Hervorhebungen habe ich vorgenommen.
 
" „Genuin liberal zu sein, heißt heute, konservativ zu sein“, heißt es in Marc Jongens „AfD Manifest“. Und beinah trotzig schiebt er hinterher: „Zuweilen sogar reaktionär“.
 
Keine Frage: Das soll – in bester Karlsruher Tradition – irgendwie provokativ wirken und ein bisschen polemisch. Neu ist der Gedanke allerdings nicht. Seit geraumer Zeit wird in einschlägigen Medien immer wieder diskutiert, ob der Konservativismus so etwas wie der natürliche Verbündete oder zumindest strategische Partner des Liberalismus ist.
 
Der Grund für die Debatte ist leicht zu erkennen. Auf den ersten Blick scheint es tatsächlich so zu sein, als ob es programmatische Überschneidungen zwischen Liberalen und (Neo-)Konservativen gibt: Beide streiten für Meinungsfreiheit, das Recht auf Eigentum und wenden sich gegen die Bevormundung des Einzelnen durch den Staat.
 
Gemeinsamer linksalternativer Gegner
Ist es also wirklich so, dass, wie Jongen behauptet, liberal zu sein, heutzutage bedeutet, konservativ zu sein? Oder am Ende gar reaktionär? Die Antwort auf diese Frage ist einfach. Sie lautet: Nein!
 
Die oberflächliche Nähe von liberalen und (neo-)konservativen Denkansätzen ergibt sich aus der gemeinsamen Gegnerschaft gegen alle Versuche, die Gesellschaft im Sinne linker, linksalternativer oder ökosozialistischer Ideologien zu normieren und paternalistisch umzuerziehen: sei es mit Hilfe von Quotierungen, der Reglementierung des Konsumverhaltens oder des Durchsetzens eines bestimmten Familienideals.
 
An diesem Punkt hören die Gemeinsamkeiten aber auch schon auf. Denn der Konservative ist eigentlich gar nicht gegen den starken Staat. Er ist nur gegen den starken linken Staat. Solang der Staat in der Hand aristokratischer oder bürgerlicher Eliten war und beharrlich traditionelle Werte gegen Modernisierungstendenzen verteidigte, solang war der Konservative ein eifriger Verteidiger eines omnipräsenten und autoritären Staatswesens.
 
Die konservative Staatsskepsis
Aufgrund der politischen Reformen und der gesellschaftlichen und kulturellen Entwicklungen ab den 70er Jahren kollidierte die konservative Staatsanbetung jedoch zunehmend mit der Staatswirklichkeit. Staat und Gesellschaft machten sich verstärkt Ziele und Ideale zu Eigen, die in konservativen Milieus als links oder zumindest linksliberal wahrgenommen wurden. Der Konservative begann sich vom Staat zu entfremden.
 
Die Staatsskepsis der neuen Konservativen ist somit nicht Ausdruck eines prinzipiellen Misstrauens gegen den Staat, sondern lediglich einer Unzufriedenheit mit der normativen Ausrichtung des gegenwärtigen Staates. So richten sich etwa die neokonservativen Vorbehalte gegen staatlich sanktionierte Emanzipationskonzepte nicht gegen die damit verbundene Bevormundung, sondern im Grunde gegen den Emanzipationsgedanken selbst und die Befreiung des Individuums aus tradierten Rollenkonzepten.
Dieses antiemanzipatorische Ressentiment ist mit liberalem Denken unvereinbar. Liberalismus und Emanzipation des Individuums sind untrennbar miteinander verbunden. [...]
 
Wie scheinheilig die konservative Empörung über linke Reglementierungswut ist, zeigt sich spätestens bei Themen wie Abtreibung, Pränataldiagnostik oder Sterbehilfe. Plötzlich nämlich kann gar nicht genug vorgeschrieben, verboten oder dirigiert werden. Und es ist daher auch kein Zufall, dass etwa bei vielen bioethischen Themen konservative Standpunkte und linksökologische Positionen kaum noch voneinander zu unterscheiden sind. [...]
 
Ausgangspunkt liberalen Denkens ist das Individuum, seine Freiheit, seine Autonomie und sein Recht, nach Glück zu streben. Den Konservativen aber interessiert das Individuum nicht. Im Gegenteil, für ihn zählt die Traditionsgemeinschaft, die Glaubensvereinigung, das Volk, die Nation oder irgendein anderes identitätsstiftendes Kollektiv. Individualismus ist aus konservativer Sicht ein fehlgeleiteter und fehlleitender Modernismus, der zur Zersetzung und Atomisierung gewachsener Gemeinschaften führt. Erst Traditionsgemeinschaften wie Volk oder Nation geben aus konservativer Sicht dem vereinzelten Individuum der Moderne wieder seinen Wert. Der Konservativismus ist ein systematischer Antiindividualismus und steht somit liberalem Denken diametral entgegen.
 
Dünkelhafte Abscheu vor der Massenkultur
Die ressentimentgeladene Konzeptlosigkeit des Konservativismus wird auch daran deutlich, dass er neben seinem ausgeprägten Antiindividualismus eine tiefe Verachtung für die moderne Massengesellschaft und ihre populärkulturellen Phänomene kultiviert.
 
Kulturpessimismus und dünkelhafte Abscheu vor der Massenkultur ist dem Liberalismus jedoch fremd. Das liegt nicht nur daran, dass er ein zutiefst von aufklärerischem Optimismus getragenes politisches Konzept ist. Vor allem basiert der Liberalismus auf der Einsicht, dass ästhetische oder ethische Normen und Werte keine objektiven oder rational erkennbaren Größen sind, sondern in letzter Konsequenz Ausdruck persönlicher Präferenzen. Dieser subjektive und relative Charakter von Normen und Werten ist aus liberaler Sicht aber kein Mangel. Im Gegenteil, er eröffnet dem Individuum erst die Möglichkeit, sich frei und unabhängig von Traditionen, Bräuchen oder gar objektivistischen Moralansprüchen zu entfalten.
 
Es gehört zu den besonderen Borniertheiten des Konservativismus, den modernen Wertewandel als Werteverfall zu interpretieren. Werte aber gehen nicht verloren, sie ändern sich lediglich.
 
Mit seinem nüchternen Rationalismus ist das liberale Denken Erbe und auch Speerspitze der radikalen Aufklärung. Wissenschaftliche und technische Rationalität gelten dem Liberalen – anders als dem Konservativen – nicht als Zeugnisse einer degenerierten, entfremdeten und zerstörerischen Vernunft, sondern als Ausdruck menschlicher Kreativität, Gestaltungskraft und Fantasie. Zugleich ist der wissenschaftliche Rationalismus ein Bollwerk gegen Ideologien, Aberglaube und Mystizismus – weshalb Ideologen von links und rechts immer wieder versuchen, ihn seinerseits als Ideologie zu entlarven.
 
Liberal zu sein, bedeutet nicht, konservativ zu sein. Geschweige denn reaktionär. Es bedeutet, von der Freiheit und Autonomie des Individuums überzeugt zu sein [...]
 
Mit konservativen Restaurationsfantasien von Familie und Nation ist das alles unvereinbar."
 
Quelle: Cicero, "Konservative sind zutiefst antiliberal", von Alexander Grau; Hervorhebungen habe ich vorgenommen.
 
"[...] Mit der modernen Welt Schritt zu halten - damit hatte konservatives Denken von Beginn seiner Existenz an einige Mühe. Schon von seinen Anfängen im späten 18. Jahrhundert an stand der Konservatismus unter dem Vorzeichen eines "anti", argumentierte aus der historischen Defensive heraus. Paradoxerweise konnte er als Weltanschauung überhaupt erst unter den Bedingungen einer von der Aufklärung geprägten Moderne entstehen, die traditionelle, zuvor unantastbare Werte und Konventionen infrage stelle. Dazu gehören der Glauben an eine einzige Religion, eine hierarchische staatliche Autorität und den unbedingten Gehorsam gegenüber der Obrigkeit.
 
Als sich frühe konservative Denker wie der französische Staatsmann und Schriftsteller Joseph de Maistre (1753-1821) mit polemischer Schärfe gegen die Ideale der Aufklärung, die Ideen des Rationalismus und die Emanzipationsforderungen der bürgerlichen Revolution wandten, taten sie dies bereits im Bewusstsein des Verlustes eben jener vermeintlich ewigen Werte, zu deren Verteidigung sie antraten. Im Grunde war der Konservative nie ein reiner "Bewahrer", sondern forderte die Wiederherstellung dessen, was durch die Entwicklung bereits überholt war. Er lehnte das kritische Denken der Aufklärer als Frevel gegen eine unveränderbare, organisch vorgezeichnete Weltordnung ab, betätigte sich seinerseits als Kritiker des Bestehenden - nämlich des durch die Veränderung dieser Ordnung bereits entstandenen Neuen.
 
Dieses innere Dilemma des Konservatismus veranlasste spätere konservative Theoretiker, das paradoxe Denkkonstrukt einer "konservativen Revolution" aufzustellen. Einer der wichtigsten Köpfe dieser Richtung, der deutsche Publizist Moeller van den Bruck (1876-1925), meinte Anfang der 20er-Jahre, konservativ heiße, die Zustände überhaupt erst wiederherzustellen, die es dann zu bewahren gelte. Um einer vermeintlich ewigen, "elementaren" Ordnung wieder zum Durchbruch zu verhelfen, müsse die verkommene, widernatürliche Ordnung des Liberalismus, des Sozialismus und der demokratischen Massengesellschaft hinweggefegt werden.
 
Radikalisierungen wie diese trieben den Konservatismus jedoch in eine verhängnisvolle Nähe zum faschistischen und nationalsozialistischen Denken und sind seither dauerhaft diskreditiert.
 
Als überlebensfähig erwies sich der Konservatismus nur, indem er seinen ursprünglich antidemokratischen Affekt abstieß und seinen Frieden mit den Spielregeln der pluralistischen Demokratie machte. Dazu bedurfte es freilich kräftiger ideeller Anleihen beim Liberalismus, aber auch einem christlich geprägten Sozialismus. In Deutschland gelang diese Symbiose erst nach 1945, als mit CDU und CSU Volksparteien der rechten Mitte entstanden, in denen das Konservative nur noch ein Element unter anderen bildete - wie dem christlich-sozialen und dem marktliberalen, für das Ludwig Erhard stand.
 
Dass sich der Konservatismus auf die breite Basis einer Volkspartei stellen musste, war die Folge des Verlustes seiner ursprünglichen sozialen Bastion - vornehmlich des Großgrundbesitzertums. Über die Jahrzehnte hinweg setzte sich die Erosion des klassischen konservativen Anteils in der Gesellschaft wie in den Unionsparteien zugunsten des Vordringens liberaler und sozialer Ideen fort. Wenn ein führender CDU-Politiker wie der Berliner Landeschef Friedbert Pflüger heute sagt, "Kernpunkte einer konservativen Agenda sind Wachstum, die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit und solide Staatsfinanzen", so lassen sich darin in der Tat keine Besonderheiten einer konservativen Philosophie mehr erkennen.
 
Doch der Konservatismus hatte ohnehin niemals jene ideologische Geschlossenheit erreichen können wie der Sozialismus und bis zu einem gewissen Grad der Liberalismus. Konservatismus blieb stets mehr Ausdruck einer Haltung, eines Gefühls, als einer klaren, zielgerichteten politischen Bewegung. Intuitives Erfassen und Glauben setzten Konservative stets der "kalten" Logik der Rationalität und des Nützlichkeitsdenkens entgegen.
 
Thomas Mann formulierte zudem schon 1918 in seinen "Betrachtungen eines Unpolitischen" einen anderen konservativen Grundwert: die Skepsis gegenüber hochfliegenden Weltverbesserungsplänen und euphorischem Fortschrittsglauben. Der Fortschritt, räumte Mann sinngemäß ein, sei ohnehin nicht mehr umkehrbar. Der Konservative könne sich so nur noch als eine Art zweifelndes Element in diesen Prozess einschalten und so möglicherweise seine zerstörerischen Konsequenzen abmildern.
 
Auf diesem kulturellen Gebiet, in der Rolle eines "Aufhalters", der die Gesellschaft dazu bringt, das Neue zuerst zu hinterfragen, bevor sie es begrüßt, nur weil es neu ist, könnte das konservative Denken heute am ehesten verlorenes geistiges Terrain wettmachen. Als politisches Programm trägt ein solches Funktionieren als Fortschrittsbremse jedoch nur sehr begrenzt.
 
Der Versuch, konservative Werte wieder stärker ins Zentrum des politischen Wirkens der Union zu stellen, kann im Wesentlichen allenfalls rhetorischer Natur sein. In der politischen Praxis kann ein moderner Konservatismus nur bestehen, wenn er die alten Ideale kreativ auf neue Formen anwendet - etwa indem er in seine Maxime des Schutzes der Familie auch die vielfältigen neuen Ausprägungen privater Lebensgemeinschaften aufnimmt."
 
Quelle: Die Welt, "Was heißt konservativ?", von Richard Herzinger; Hervorhebungen habe ich vorgenommen.
 
"Die Einstellungen eines Menschen lassen sich bereits im Kindesalter vorhersagen. Wer als Zehnjähriger in Intelligenztests schlecht abschneidet, pflegt als Erwachsener eher rassistische Vorurteile, berichten Psychologen um Gordon Hodson von der Brock University in Kanada (Psychological Science, online).
Rechts-konservative politische Anschauungen spielten dabei die Rolle als Katalysator, argumentieren die Psychologen: Menschen mit geringeren kognitiven Fähigkeiten neigten eher politischen Meinungen vom rechten Rand zu, "weil diese Stabilität und Ordnung im psychologischen Sinne bieten". Da diese Ideologien den Erhalt des Status quo betonten, förderten sie Vorurteile gegen andere soziale Gruppen, die diesen vermeintlich gefährdeten. Die Psychologen analysierten Daten aus zwei Langzeitstudien mit etwa 16.000 Briten.
 
In einer zweiten Studie untersuchten die Psychologen die Einstellung von etwa 250 US-Studenten zur Homosexualität. Je geringer die Fähigkeit der Probanden zu abstraktem Denken war, desto heftiger fiel auch die Ablehnung gegen Homosexuelle aus. Die Neigung zu rechtslastigem, autoritärem Gedankengut verstärkte die Korrelation deutlich.
 
Schon länger ist bekannt, dass die politische Einstellung von Menschen mit deren Intelligenzquotienten (IQ) einhergeht. Der Psychologe Satoshi Kanazawa von der London School of Economics veröffentlichte vor zwei Jahren eine Analyse, die er aus Daten von 15.000 Teilnehmern einer amerikanischen Langzeitstudie gewonnen hatte. Wer sich darin als "sehr konservativ" bezeichnete, erzielte im Schnitt einen IQ von 95, also fünf Punkte unter dem Durchschnitt. Wer sich hingegen als politisch "sehr progressiv" bezeichnete, kam im Schnitt auf einen IQ von 106.
 
Einen weiteren Hinweis darauf, wie unterschiedlich Menschen mit verschiedenen politischen Einstellungen sein können, liefern Psychologen um Mike Dodd von der Universität Nebraska-Lincoln im Fachblatt Philosophical Transactions of the Royal Society B (online). Sie beobachteten die physiologischen Reaktionen von Probanden, während diese Bilder betrachten mussten. Politisch Progressive reagierten eher auf positiv gefärbte Darstellungen, die konservativen Teilnehmer waren hingegen vor allem auf negative Bilder fixiert. Auch diese Ergebnisse lassen sich im Sinne von Hodson interpretieren: Wie zahlreiche Studien gezeigt haben, sind Konservative misstrauischer als Progressive. Je weniger ein Mensch sich - wegen geringerer kognitiver Fähigkeiten - in einen anderen hineinversetzen kann, desto eher reagiert er eben mit Ablehnung."
 
Quelle: sz.de / Süddeutsche Zeitung - "Kinder mit geringerem IQ neigen später eher zum Rassismus", Hervorhebungen habe ich vorgenommen.
 
Der letzte Satz in diesem Artikel macht ein weiteres Mal deutlich, wie eng also Empathie mit Offenheit, Zugewandtheit, Liberalität, Mitfühlenkönnen, Anteil nehmen können verknüpft ist - wie essentiell Empathie folglich für das menschliche Miteinander ist. - Und auch und gerade Empathie, auf welcher im Übrigen jegliches moralische Empfinden, Denken und Handeln ganz basal beruht, wird in der frühen Kindheit "angelegt" bzw. gefördert, verstärkt oder aber beschnitten und ausgehöhlt.
"[...] Im Jahr 2016 legten die Psychologen, Politologen und Sozialwissenschaftler ihr Augenmerk auf die "autoritäre und rechtsextreme Einstellung in Deutschland" sowie auf die Frage, wer die AfD wählt. Ihre Antwort: Wenn am nächsten Sonntag Bundestagswahl wäre, würden vermutlich vor allem junge Männer ohne Abitur die rechtspopulistische Partei wählen. Denn die Wähler der Partei sind nach den Grünen-Wählern die zweitjüngste Wählergruppe. Diese besteht zudem zu zwei Dritteln aus Männern, und nur 16 Prozent der AfD-Wähler haben die Hochschulreife.
 
Ein ähnliches Bild zeichneten auch Wählerbefragungen zu den Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern: So machten rund 25 Prozent der männlichen Wähler ihr Kreuz bei der AfD, bei den Frauen waren es nur 16 Prozent. Auch hier war die Partei vor allem bei der unteren und mittleren Bildungsschicht beliebt, gewählt wurde sie vor allem unter Arbeitern und Arbeitslosen – aber auch unter Selbstständigen. Ein wenig überraschend wirkt dagegen die Altersverteilung: Statt bei der jungen Wählerschaft zu punkten, kam die AfD in Mecklenburg-Vorpommern offenbar vor allem bei Menschen zwischen 30 und 59 gut an. [...]
 
In der Mitte-Studie führten die Wähler der AfD die Statistiken zu rechtsextremen Ansichten an. Sie befürworteten am ehesten rechtsautoritäre Diktaturen, waren besonders ausländerfeindlich, antisemitisch oder verharmlosten den Nationalsozialismus. Von allen Befragten, die besonders viele rechtsextreme Ansichten vertraten, wählt mehr als jeder Dritte die AfD. [...]
 
Von den mehr als 2400 befragten Erwachsenen stimmte zudem rund jeder Zehnte Aussagen wie dieser zu, Deutschland sollte "einen Führer haben, der Deutschland zum Wohle aller mit starker Hand regiert"; außerdem, dass auch heute noch der Einfluss der Juden zu groß sei oder dass die Deutschen eigentlich von Natur aus anderen Völkern überlegen seien. Knapp jeder Dritte gar ist überzeugt, Ausländer kämen nur ins Land, um den deutschen Sozialstaat auszunutzen. Und mehr als sechs Prozent gaben an, die Verbrechen des Nationalsozialismus seien in der Geschichtsschreibung weit übertrieben worden. [...]
 
Insgesamt haben rechtsextreme Einstellungen bei den Befragten seit Beginn der Studie 2002 abgenommen. Zugleich hat sich aber ein sichtbarer Wandel vollzogen: Es lasse sich feststellen, "dass bisher viele Personen rechtsextrem eingestellt waren, aber nicht entsprechend handelten. Das hat sich nun geändert – die Einstellung führt zur Handlung", schreiben die Studienautoren. Und zwar "in Form von Wahlentscheidungen für die AfD und, wie die Statistiken von Polizeibehörden und Opferberatungsstellen zeigen, auch in Gewalt."
 
Rechtspopulistische Parteien gäben dem schon lange vorhandenen Potenzial in der Bevölkerung den Forscher zufolge eine "neue Heimat".
Das ist gefährlich, meint der Soziologe Johannes Kiess von der Universität Siegen, der seit 2008 an der Mitte-Studie mitwirkt. "Rechtsextreme Werte normalisieren sich, wenn Parteien mit diesen vielfach gewählt werden", sagt er. Allein von dem Gedanken, dass manche Menschen anderen überlegen sind, sterbe noch keiner. "Aber wenn plötzlich ein gewählter Politiker öffentlich sagt, zur Not könne man an den Grenzen gegenüber Flüchtlingen Gebrauch von Schusswaffen machen, dann gibt es auch eher Menschen, die das tun würden", mahnt Kiess. Gelangen rechtspopulistische Parteien in ein Parlament, habe das außerdem zur Folge, dass die Parteien Gelder erhielten, mit denen sie Projekte starten könnten, die sie tiefer in die Gesellschaft vordringen lassen. [...]
 
Warum sind es vor allem Männer – und weshalb gerade weniger gebildete?
Wieso Männer so häufig den Rufen rechtspopulistischer Parteien folgen, ist bislang kaum erforscht. [...]
 
Vor allem entstehe die politische Kluft zwischen Männern und Frauen aber, so Montgomery, weil rechtsradikale Parteien eher männliche Stereotype verkörperten, also andere Werte als Frauen pflegten. Die rechtsextreme Partei Jobbik aus Ungarn etwa gebe sich aggressiv, habe eine paramilitärische Gruppe gegründet, mache Minderheiten wie Roma, Juden, aber auch Intellektuelle, Feministen und EU-unterstützende Politiker zum Feindbild. Frauen hingegen würden eher so geprägt, dass sie Gewalt und radikalen Ausschluss anderer ablehnten.
 
Eine Frage der Persönlichkeit
Ob jemand eine rechtsextreme oder -populistische Partei wählt, hängt aber vor allem von seiner Persönlichkeit ab, meinen zahlreiche Forscher. [...]
 
So konnten sie zeigen, dass Menschen, die wenig offen für neue Eindrücke, Kulturen oder Erlebnisse sind, sowie jene, die weniger sozial verträglich und anpassungsfähig sind, eher rechts wählten.
FPÖ-Wähler hatten zudem ein größeres Bedürfnis nach Sicherheit für sich selbst und ihr enges Umfeld. Sie dachten mehr in Hierarchien, hielten also bestimmte Menschengruppen für minderwertig, andere für überlegen. Zugleich fühlten sie sich eher von Geflüchteten bedroht. [...]
 
Menschen, die gegen die Aufnahme von Flüchtlingen Widerstand leisten, seien damit vor allem jene, die zuallererst eine mögliche Benachteiligung ihrer selbst wittern, so der Psychologe. "Sie befürchten einen sozialen Abstieg, weil der Staat sich nun um unzählige andere, bedürftigere Menschen kümmern muss." Die Tendenz, rechtspopulistischen Politikern zu folgen, liegt dann nahe.
 
Eine weitere Facette der menschlichen Persönlichkeit könnte ebenfalls die Entscheidung am Wahltag beeinflussen: die Fähigkeit, mit Widersprüchen, Unklarheiten oder auch Konflikten umzugehen. Experten sprechen von einem "need for cognitive closure" (auf Deutsch etwa: "Bedürfnis nach kognitiver Geschlossenheit"). Menschen, die sich von Unwägbarkeiten bedroht fühlen, haben ein großes Bedürfnis danach – und sind meist konservativ eingestellt. "Sie lassen sich von populistischen Aussagen eher mitreißen, da diese eine radikal einfache Antwort auf schwierige Fragen geben", erklärt Rothmund. Das vermittle den Menschen Sicherheit und das Gefühl, die Welt besser zu verstehen. [...]"
 
Quelle: spektrum.de - "Warum rechts so verlockend ist", farbliche Hervorhebungen habe ich vorgenommen.
 
"[...] Die meisten AfD-Wähler sind männlich, älter als 30 Jahre, durchschnittlich gebildet, und verdienen gut. Auch die Daten von YouGov bestätigen: Die AfD-Wähler sind nicht das, was man gemeinhin "die kleinen Leute" nennt. [...]
 
Die AfD wird vor allem von Menschen mit mittlerem bis gutem Einkommen gewählt: 38 Prozent der aktuellen AfD-Wähler verdienen 1.500 bis 3.000 Euro netto. Immerhin 25 Prozent liegen über 3.000 Euro, eben so viele kommen auf 1.500 Euro oder weniger. Auch beim Bildungshintergrund spiegelt die AfD den gehobenen Durchschnitt der Bevölkerung wider. Die meisten ihrer Wähler (44 Prozent) haben einen Realschulabschluss. Etwa ein Drittel hat Abitur oder Fachhochschulreife. [...]
 
Zudem sind sie deutlich pessimistischer als die Wähler der übrigen Parteien: Das Land geht vor die Hunde, dieser Aussage stimmten 78 Prozent der AfD-Wähler zu. Unter den übrigen Wählern waren es nur 39 Prozent. [...]"
 
Quelle: zeit.de - "Nicht nur die kleinen Leute", farbliche Hervorhebungen habe ich vorgenommen.
 
"[...] Das wichtigste Motiv, AfD zu wählen, ist die Unzufriedenheit mit der eigenen Lebenssituation, und zwar unabhängig davon, ob die eigene soziale Lage tatsächlich schlecht ist. Entscheidend ist die subjektive, die gefühlte Lebenslage. Die AfD-Wählerschaft setzt sich aus zwei Gruppen zusammen. Eine Mehrheit ist männlich und gehört zur unteren Mittelschicht, ihr Nettoeinkommen liegt mit durchschnittlich 1.664 Euro kaum unter dem allgemeinen Durchschnitt. Dazu kommen überdurchschnittlich Gebildete, die entsprechend gut verdienen. Es trifft also auch nicht zu, dass vor allem Arbeitslose sich zur AfD hingezogen fühlen. [...]
 
Die Forscher wollten auch wissen, ob das konkrete Arbeitsumfeld und die Mitgliedschaft in einer Gewerkschaft die Einstellung zur AfD prägt. Ob jemand in einer Gewerkschaft ist oder nicht, hat der Studie zufolge keinen Einfluss darauf, ob er mit den Rechtspopulisten sympathisiert, deren Anhänger sind unter organisierten Gewerkschaftern ebenso häufig anzutreffen wie bei anderen Befragten. Allerdings machten bei den Landtagswahlen in diesem Frühjahr überdurchschnittlich viele Gewerkschaftsmitglieder ihr Kreuz bei der AfD. Die Autoren führen das darauf zurück, dass unter den AfD-Wählern auch überdurchschnittlich viele Arbeiter sind, von denen wiederum viele in der Gewerkschaft aktiv sind.  [...]"
 
Quelle: berliner-zeitung.de - "Wer wählt die AfD? Und warum?"
 
"[...] Die Nation wird umgedeutet in ein homogenes Volk mit einem Volkswillen, der sich anti-elitär gibt, der sich anti-egalitär und anti-pluralistisch gegen das Fremde richtet und der auf autoritäre Lösungen setzt. Wer sich auf diese Seite schlägt, bei dessen Entscheidung spielt die materielle Lage, egal ob sie gut oder schlecht ist, nicht die ausschlaggebende Rolle. [...]
 
Die AfD steht für klare Regeln im Leistungswettbewerb – »Einheimische zuerst«. Wenig nützliche Menschen könne sich keine Gesellschaft leisten, also keine »Einwanderung in die Sozialsysteme«. Gleichzeitig hat sich die Mitte radikalisiert. Die Ächtung von Gewalt hat abgenommen, die Grenzen des öffentlich Sagbaren haben sich nach rechts verschoben. Wähler mit einem eher rechten und autoritären Weltbild, die bisher Union oder SPD oder die Linkspartei gewählt haben, finden mit der AfD nun eine politische Form, die nicht aus der rechten Schmuddelecke kommt und wählbar ist. Auf der politischen Bühne erscheint, was in der Gesellschaft schon lange oder immer vorhanden war. [...]
 
Nicht die Unterschicht wählt überdurchschnittlich AfD. Weit überdurchschnittlich gewählt wurde die AfD erstens von Männern und zweitens von Wählern und Wählerinnen mit einem mittleren Bildungsabschluss, also 10. Klasse und Abitur, leicht unterdurchschnittlich von denjenigen mit maximal Hauptschulabschluss und deutlich unterdurchschnittlich von Menschen mit (halb-)akademischen Berufsabschlüssen. Den Blick auf Bildung und Qualifikation halte ich bei der Analyse für ertragreicher als den auf die aktuelle Einkommenssituation. Was sagen uns die Zahlen dann? Angehörige der Unterschicht ohne eine Perspektive, der eigenen Klassenlage zu entkommen, vor allem: das neue Dienstleistungsproletariat, gehen wie schon seit zwanzig Jahren eher gar nicht wählen. Menschen mit einer betrieblichen Ausbildung, also die klassischen Fachlehrberufe in Handwerk, Industrie und Verwaltung, wählen überdurchschnittlich AfD – ein Bild, wie es sich im übrigen auch in anderen westlichen Ländern einschließlich der USA zeigt. Zu den Erfahrungen dieser Menschen zählt: Die ehemals goldene Regel »streng dich in der Schule an und lerne einen anständigen Beruf« hat immer weniger Bedeutung. Stattdessen erfordern immer mehr Jobs eine akademische Qualifikation. Der Aufstieg des Populismus, also auch der AfD, ist daher auch eine Kampfansage der mittleren Qualifikationen an die akademischen Eliten. Ausländer oder massenhafte Zuwanderung wirken da nur als Katalysatoren. Wer in der globalisierten Welt für sich keine Aufstiegschancen oder andere Verbesserungen erkennen kann, wird eher ansprechbar für populistische Ansprachen. [...]
 
Höhere Renten und Mindestlöhne zu fordern, gegen Freihandelsabkommen und Bankenmacht einzutreten, ist ja nun nicht per se kapitalismuskritisch, sondern allenfalls kritisch gegenüber der aktuellen Verfasstheit des globalen Kapitalismus. Die soziale Marktwirtschaft gründet geradezu auf dem Versprechen, am Ende eines langen Arbeitslebens warte eine Rente, die den Lebensstandard sichert. Die bekannten Kapitalismuskritiker Konrad Adenauer und Ludwig Erhard hatten das auf den Weg gebracht. Und eine ganze Ökonomenschule des Kapitalismus, die Ordoliberalen, forderte, der Staat müsse gegen Konzern- und Bankenmacht einschreiten, um das Wirken der Marktgesetze zu sichern. Also: Aus der Nostalgiemischung der AfD kann kein linkes wirtschafts- und sozialpolitisches Programm entstehen. Ob sich die AfD ähnlich wie der Front National ein Wirtschafts- und Sozialprogramm zulegt, das gezielt auf die Menschen und Regionen jenseits der urbanen Wachstumszentren gerichtet ist, lässt sich heute nicht abschätzen. Das Gespür ist da, wie der Wahlkampf in Sachsen-Anhalt gezeigt hat. Aber in der Partei dominiert noch die Strategie der rechten Sammlungsbewegung mit populistischer Radikalisierungsdynamik. Konkret: Die Islamfeindschaft hält den Laden eher zusammen als es ein Wirtschafts- und Sozialprogramm könnte. [...]
 
Niemand wird als Demokrat geboren. Eine Demokratie erzieht ihre Demokraten. Das Erstarken einer antidemokratischen, antipluralistischen, autoritären Partei wie der AfD deutet auf mangelnde Investitionen in die Demokratie und ihre Institutionen hin. Daraus ergeben sich ganz praktische Fragen: Welchen Anteil hat der Demokratieunterricht in den Schulen, welchen haben politischen Themen beim Bildungsurlaub? Stärken oder schwächen Gebiets- und Verwaltungsreformen, die unter Kriterien der Austeritätspolitik stattfinden, die demokratischen Institutionen im Alltag? Die Demokratiefrage ist immer auch eine Frage der Souveränität über die eigenen Lebensverhältnisse und -planungen. Ist man abhängig von anonymen Wirtschaftsmächten, oder gibt es zumindest ein Gegengewicht durch demokratisch legitimierte Institutionen?
 
Die zweite Frage ist die Internationalismus-, die Europa-Frage, was für Linke immer auch heißt: Wie kommen wir zu einem sozialen Europa? Ein soziales Europa ist immer eine Solidargemeinschaft mit finanziellen Ausgleichsmechanismen zwischen starken und schwachen Wirtschaftsräumen. [...]
 
Demokratieförderung und soziale Gerechtigkeit europäisch übersetzen, damit würde ich beginnen, um den Gegenpol zur Rechtsentwicklung zu stärken. "
 
Quelle: oxiblog.de - "Wer wählt die AfD - und warum?"
 
24. Juni 2018 - zum oben verlinkten Artikel "Die soziale Frage"
 
Ist im Grunde alles längst bekannt. Man darf sich daher fragen, warum das angemessene Positionieren gegenüber der AfD vonseiten der Gewerkschaften dennoch (bisher?) ausbleibt?
 
Das grundsätzliche Problem scheint doch zu sein, dass die AfD wie auch andere rechtspopulistische und rechtsextremistische Parteien (auch außerhalb Deutschlands) von mehrheitlich männlichen Konservativen gewählt wird.
 
Hierauf sollte der Fokus insbesondere hinsichtlich Prävention stärker gelegt werden - auf die Wählerpersönlichkeit sowie auf die ursächlichen Faktoren die ein Zustandekommen konservativen, patriarchalen Menschen- und Weltbildes zur Folge haben und das im Übrigen global, denn der Konservatismus mit seinen historisch und psychoanalytisch bekannten Folgen ist ein weltweit verbreitetes Problem, das sich m.E. insbesondere auf den unangemessenen (nicht bedürfnisorientierten) Umgang mit insbesondere Kindern sowie auf ideologische, häufig patriarchalisch-religiöse (siehe vor allem die drei monotheistischen, alttestamentarischen Religionen Judentum, Christentum, Islam, aber auch Freudianismus, Jungianismus ...) Prägung, Sozialisation und Indoktrinierung gründet sowie mit sozial-, wirtschafts-, arbeits- und familienpolitischen Missständen korreliert.
 
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"[...] Da Burke erstmals die Maximen der Konservativen in all ihren Facetten umriss, wird er auch als Vater des Konservatismus bezeichnet. Für die Konservativen, die sich Burke anschließen, existiert eine göttliche oder naturgegebene Weltordnung, die sich auch in der Gesellschaft niederschlägt. In seinen Vorstellungen ist der Mensch unvollkommen und sündig. Es gibt eine körperliche und geistige Ungleichheit unter den Menschen. Eigentum, auch ungleich verteiltes, und das Recht darauf, ist im Sinne des Konservativen ein wichtiger Eckpfeiler einer funktionierenden Gesellschaftsform. Der Konservative erkennt die Kehrseiten des Fortschritts und weiß den Menschen an Tradition, Mythen und Verfassung gebunden. Bei Burke verläuft die Bindung an eine Tradition über die Idee einer generationenübergreifenden Gemeinschaft. Es gelte, die Erfahrung und das Wissen, die in den überlieferten Institutionen und Gebräuchen gespeichert seien, zu nutzen und weiterzuentwickeln, statt potenziell verheerende radikale Neuerungen umzusetzen: „Wut und Verblendung können in einer halben Stunde mehr niederreißen, als Klugheit, Überlegung und weise Vorsicht in hundert Jahren aufzubauen imstande sind.“ [...]"
 
Quelle: Wikipedia - "Edmund Burke"
 
"Klugheit, Überlegung und weise Vorsicht" sowie die Abwesenheit von "Wut und Verblendung" lassen sich bei Pegida, AfD, NPD & Co. allerdings so gar nicht erkennen. ;)
 

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V
Ich denke nicht,dass Konservative Menschen ängstlicher sind,generell sind Menschen ängstlich durch Fernsehenmanipulation, durch den harten Alltag und hinzu kommt noch Mobbing ins Spiel und ja die Erziehung der Eltern die meisten erziehen nicht.Wer sich mit deutscher Geschichte und Politik gut auskennt,wird ausgegrenzt als KInd, dass durfte Ich erleben und einige Ausländer waren richtige Neo Nazis in meiner KLasse und dumme deutsche Neo Nazis die keine Ahnung von nichts hatten einen niedrigen IQ und intellektuell unterentwickelt tja und Neid ,aber so ist das in Dörfern in der Stadt gabe es weniger davon,aber viele polnische mit rechten Gedankengut.Als Russlanddeutscher wird man mit Russendeutschen und Russen in ein Topf geworfen, leider weil die Deutschen zu blöd sind um zu unterscheiden.
S
Nun, dass und warum konservative Menschen nachweislich ängstlicher sind, ergibt sich aus den im blog-Eintrag verlinkten Quellen, der wissenschaftlichen Basis. Ja, auch ich bin überzeugt, dass "Erziehung" bzw. ein falscher, ein nicht bedürfnisorientierter Umgang mit Kindern eine, wenn nicht die entscheidende Ursache für diverse Probleme, Störungen und eben auch eine konservative Einstellung, entsprechendes Menschen- und Weltbild ist. Und das überall auf der Welt, weshalb es überall konservative Menschen gibt, die sich entsprechend verhalten. Folglich gibt es auch überall Rassisten, Rechtsextremisten, Menschenfeinde, Hassende, die sich ebenfalls wiederum kompensatorisch verhalten. Abhilfe schüfe hier ein angemessener Umgang mit Kindern: global und entsprechende soziale Verhältnisse, die es Eltern ermöglichen, nicht schädigend Eltern sein zu k ö n n e n, was weltweit vielen schon allein aufgrund materieller Armut, Ausgegrenztseins, Benachteiligtwerdens, Beschädigtseins nicht möglich ist. Viele Eltern, die sich schädigend verhalten, wurden als Kinder selbst "schlecht" behandelt ... . Siehe Schwarze Pädagogik: Druck, Zwang, Kontrolle, Härte, Strenge, emotionale Kälte, Strafe, Dressur - also Gewalt (phyische und/oder psychisch-emotionale). Das beschädigt, prägt Menschen lebenslang und sie verhalten sich als Jugendliche und Erwachsene entsprechend - siehe bspw. eben Mobbing, Aggression, Gewalttätigkeit, Substanzabhängigkeit, Hass, Rassismus etc.. Religionen tragen ihr Übriges dazu bei, insbesondere patriarchale Religionen wie das (orthodoxe) Judentum, das Christentum (insbesondere der Katholizismus, aber auch Evangelikale) und der Islam, die sämtlich auf dem gewaltvollen, patriarchalen Alten Testament gründen, siehe aber auch den Hinduismus mit seinem katastrophalen Kastensystem ... . <br /> Schließlich befördert auch der globale Kapitalismus, Neoliberalismus solche Feindseligkeiten, Feinschaften, Neid, Gier, Narzissmus, Konkurrenz, Kampf - statt Mitgefühl, Solidarität, Kooperation. - Eigenes Thema. ;)