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Sabeth schreibt

Poesie Melancholie Philosophie Feminismus Anarchismus

Über Kooperation, statt Wettbewerb und Kampf - über Mitgefühl, Altruismus, Fürsorglichkeit, Güte, Liebe, Selbstachtung, statt Hass, Verachtung, Ausgrenzung, Abwertung - über das Märchen vom homo oeconomicus, vom menschlichen "Wolf", vom "egoistischen Gen" und dessen Hintergründe …

 
Über Kooperation, statt Wettbewerb und Kampf - über Mitgefühl, Altruismus,  Fürsorglichkeit, Güte, Liebe, Selbstachtung, statt Hass, Verachtung, Ausgrenzung, Abwertung - über das Märchen vom homo oeconomicus, vom menschlichen "Wolf", vom "egoistischen Gen" und dessen Hintergründe …
 
Grundsätzlich: Mitgefühl und kooperatives Verhalten sind angeboren, nicht nur Menschen, auch anderen Primaten.
 
Erst durch Anpassung kommt es zu Konkurrenz; was wiederum mit den jeweiligen Gesellschaften, den in ihnen vorherrschenden Ideologien zu tun hat, durch diese hervorgebracht und fortwährend gefestigt wird - siehe auch Egomanie, Selbstsucht, Gier, Geiz durch Kapitalismus, durch das Belohnen des vermeintlich "Stärkeren" (der häufig schlicht der Selbstsüchtigere, weniger Empathische, Mitfühlende ist), durch das Abwerten von Empathie, Mitgefühl, Sensibilität, Verletzlichkeit und Fürsorglichkeit als vermeintliche, vorgebliche Schwäche, häufig als "weibisch, verweichlicht" diffamiert.

Außerdem wird Kooperation und Mitgefühl ausgehebelt durch manipulatives Ängsteschüren (die Angst, übergangen, übervorteilt, verletzt, ausgegrenzt ... zu werden), durch das Kämpfenmüssen um die nackte Existenz (materielle Armut), außerdem durch Abwertung und Ausgrenzungserfahrungen, die Schmerzerfahrung sind, siehe dazu Joachim Bauer "Schmerzgrenze - Vom Ursprung alltäglicher und globaler Gewalt".

Wenn selbstsüchtiges, egozentrisches, rücksichtsloses, unterdrückendes, unsensibles, auch aggressives, gewalttätiges, ignorantes Verhalten, Agieren, wenn Konkurrenz, Neid, Geiz, Gier in Gesellschaften belohnt und gefördert wird, muss man sich über das Nachlassen von Kooperationswillen, von je persönlichem Engagement hierfür sowie über die Zunahme von pathologischem Narzissmus - antisozialer Persönlichkeitsstörung - und weiteren PKST nicht wundern.

Wer langfristig, dauerhaft oder wiederholt intensiv existenziell beschädigt wird, hat irgendwann überdies schlicht keine physischen und/oder psychisch-emotionalen Ressourcen mehr, sich mitfühlend und prosozial verhalten zu können.

Die widerlegte These vom sogenannten "egoistischen Gen", vom "homo oeconomicus" wirkt also in genau dem Umfeld, in welchem Menschen sich mehrheitlich, aus Gründen, egozentrisch, selbstsüchtig, egoman verhalten wollen bzw. sollen - siehe oben: Gesellschaft, patriarchale Ideologien, Kapitalismus.
Dort lässt sich das Feindbild auch am besten etablieren, ist dies sogar erforderlicher, erhaltender Bestandteil: Einer g e g e n den Anderen, Konkurrenz und Kampf, bis hin zur Vernichtung des "Gegners", Widersachers, "Feindes" - statt Kooperation, Gemeinsamkeit, Solidarität, Verbindung.
 
Es beruht all dies auf tatsächlich fehlender Bindung und Beziehung.
Zumeist auf Beschädigungen, in bereits in der (frühen) Kindheit erlitten wurden - mit lebenslang wirksamen Folgen.
 
Und eben weil solchen Menschen empathisches, mitfühlendes Verhalten - dem vorausgehend: Denken und vor allem Fühlen - fehlt bzw. in nur geringem Maße bei ihnen vorzufinden (da beschädigt worden) ist, beharren solche Menschen auf genau dieser Ideologie, diesem Narrativ, denn es schont sie selbst, es dient ihrer Selbstrechtfertigung, es "bewahrt" sie davor, ihr Fehlverhalten, ihre ureigenen charakterlichen Defizite ändern, bewältigen zu müssen. Sie dürfen sich stattdessen noch als "Gewinner, Siegertypen, Kämpfer, Helden" feiern lassen, sie dürfen sich weiterhin ihrem selbstschonenden Selbstbetrug hingeben und auf eben diese Weise andere Menschen beschädigen.
 
Unverzichtbar ist, was Gerhard Trabert im 3sat-scobel-Video ("Die Kraft des Guten") äußert, ich stimme ihm vollständig zu.

Thomas Metzinger hingegen macht in zumindest diesem Gespräch einen selbstgefälligen, sehr überheblichen Eindruck auf mich, zu weit weg von dem, das ich aus eigener (Lebens-) Erfahrung kenne und das erfreulicherweise auch Gerhard Trabert äußert.
 
Da Anpassung durchaus eine erhebliche Rolle spielt (hinsichtlich des Erhaltenbleibens oder Abgeschwächtwerdens von empathischem bzw. mitfühlendem, kooperativen, somit auch fürsorglichen Verhalten), ist Prägung, Erziehung, Sozialisation eben doch von Belang, beeinflusst bzw. beeinträchtigt sie das je individuelle Verhalten in Bezug auf Empathie, Mitgefühl, Kooperation ... . Und das üblicherweise lebenslang.

Deshalb ist entscheidend, was unser Bildungs-, Schulsystem auf welche Weise vermittelt.
Aktuell geht es darin nach wie vor kaum bis gar nicht um soziale Kompetenzen, der Schwerpunkt liegt auf kognitiv-intellektuellen Leistungen, auf Leistungerbringensollen, -müssen (mittels Druck, Wettbewerb, auch Strafe: schlechte Noten bspw., Ausgrenzung, Beschämung, Abwertung ...) und Funktionalität bzw. wirtschaftlicher Verfüg-,  Verwertbarkeit und gerade nicht auf Einfühlungsvermögen, Mitgefühl, Hilfsbereitschaft, Rücksichtnahme, Respekt, Kooperation, Solidarität, Fürsorglichkeit, Feinfühligkeit, Sensibilität.

Menschen, gerade schon also Kinder, die feinfühlig, sensibel, mitfühlend sind, sich verhalten, werden häufig entweder ausgenutzt und/oder gemobbt, unterdrückt; es wird ihnen häufig physische und/oder psychische Gewalt angetan, sie werden ausgegrenzt und gelten als "schwach", als unterlegen, als diejenigen, die sich zu verändern, anzupassen haben.
Sie werden zu Opfern gemacht, die sich überdies einzugliedern, zu verändern, selbst zu vergewaltigen haben - und die Täter, die eigentlichen Sich-Fehlverhaltenden, werden geschützt, geschont, entschuldigt, sogar gelobt, unterstützt und darin bestärkt, wie bisher weiterzumachen.
 
Im Video wird, mit Bezug auf Darwin, u.a. erwähnt, dass "evolutionärer Ursprung" des Mitgefühls die "natürliche Brutpflege" (gewesen) sei, das heißt, durch das Fürsorglichseinmüssen bzw. -wollen - aufgrund biologischer, hormoneller, neurobiologischer (siehe biochemische Gehirnvorgänge), aufgrund insgesamt also arterhaltender "Ur-, Grundausstattung" von Menschen bzw. Säugetieren - wird Mitgefühl, mitfühlendes Verhalten entwickelt, gestärkt, gefördert.

Wem solche bedürfnisorientierte, nicht-paternalistische (!) Fürsorglichkeit niemals wirklich abverlangt wurde, wem stattdessen wiederholt bzw. mehr oder weniger beständig durchgehengelassen wurde und wird, sich überwiegend selbstsüchtig, jedenfalls stark ich-bezogen verhalten zu können/zu dürfen, der wird dieses Mitgefühl, diese Fürsorglichkeit nicht entwickeln bzw. wird die auch bei ihm vorhandene, natürliche Anlage hierzu bei ihm verkümmern. 
 
Und das umso mehr, als bereits oben Ausgeführtes gilt und wirkt, wenn also das Gewicht auf Leistung, Konkurrenz, Kampf, Herrschen und Unterwerfen gelegt wird, wenn stets kompensatorisches Machtstreben und Machtgebaren, siehe pathologischer Narzissmus, sowie auch Gier, "Cleverness", das Übervorteilen, Austricksen, Betrügen anderer als Leistung, als positive Fähigkeit interpretiert, belohnt, beklatscht, statt kritisiert und geächtet wird.
 
Was Matthieu Ricard im scobel-Video über das "Bewusstseinstraining" (in Bezug auf Mitgefühl) äußert, halte ich für sehr bedenklich, es erscheint mir künstlich übergestülpt bzw. antrainiert. Man soll sich quasi je nach Siutationserfordernissen selbst manipulieren. Das halte ich an sich schon für fragwürdig bzw. falsch: das je individuelle Mitgefühl gewissermaßen "an- oder abzustellen", es auf diese Weise trainieren zu sollen, es damit funktional zu machen.
 
Darüberhinaus ist hierbei jedoch auch problematisch, wie das jeweilige Individuum die jeweilige Situation selbst bewertet – ob und wann es das "Abrufen" des eigenen Mitfühlens bzw. Mitfühlenwollens je persönlich für angebracht oder aber für unangebracht hält. Es läge dem dann wieder ein Abwägen, ein Werten zugrunde: Für diesen oder jenen Menschen muss ich (nach je eigenem Dafürhalten) in dieser Situation weniger oder kein Mitgefühl und entsprechendes Verhalten abrufen, in einer anderen Situation bzw. bei einem anderen Menschen halte ich es für angemessen, es abzurufen.

Meiner Ansicht nach beschädigt man damit die natürliche Anlage zu Mitgefühl eher, als dass man sie fördert und "kultiviert".
Man ist mitfühlend dann wieder nur aus sehr offensichtlich bzw. überwiegend rein egoistischen und gerade nicht aus altruistischen, dem anderen zugewandten Gründen; man versucht, mittels solchen "Trainings" wiederum sich zu schonen und das Mitgefühl nützlich, verwertbar, funktional zu machen, statt es um seiner selbst willen zu leben – ohne vorausgehendes Kalkulieren, Taktieren, Abwägen.
 
Auch die Trennung zwischen "zwei verschiedenen Netzwerken" im Gehirn – dem der Empathie, die vorgeblich "depressiv machen" und zu Burnout führen können soll und jenem des "positiven Mitgefühls", das vorgeblich stärkt, das das Belohnungssystem im Gehirn anspricht – kann ich nicht nach- und möchte sie nicht mitvollziehen. Ich halte das für tatsächlich Unsinn, für unhaltbare, gewiss (in Zukunft) wissenschaftlich widerlegt werdende Behauptungen der Hirnforscher, siehe bspw. im Video sich dazu äußernde Tanja Singer.

Ich denke nicht, dass es sich um zwei verschiedene Systeme oder Netzwerke handelt, sondern um ein und dasselbe.
 
Unterschiedlich ist jedoch, welche Handlungsmöglichkeiten das mitfühlende Individuum in der jeweiligen Situation hat oder welche gerade nicht.
Je weniger Möglichkeit das mitfühlende Individuum hat, die Situation zu "verbessern", Leid also bspw. abzumildern oder ganz zu beheben (ggf. gemeinsam mit anderen, mit diverser anderer Unterstützung), umso eher wird das Mitfühlen, folglich das Mitleiden dieses Individuum selbst belasten.

Und umgekehrt: Je größer seine Möglichkeit, sein Handlungsspielraum ist, tatsächlich bedürfnisorientiert, angemessen "helfen" zu können und eine positive, zuträgliche, wohltuende, entlastende, erleichternde Veränderung beim Leidenden tatsächlich mitbewirken zu können, umso gewisser wird es beim mitfühlenden Individuum zu eigenen positiven bzw. angenehmen, zuträglichen, wohltuenden Gefühlen kommen.
Was eben deshalb auf der Hand liegt, da es ihm, dem Helfenden, gerade aufgrund seines Mitgefühls besser geht, wenn bzw. w e i l es dem Leidenden besser geht: Wenn der andere nicht mehr (so intensiv) leidet, so leide auch ich (der/die Helfende) nicht mehr (so intensiv). Gerade diesem Prozess liegt Mitgefühl zugrunde, nur dieses ermöglicht solche "Anteilnahme", das Nachvollziehenkönnen, "Miterleiden" des Schmerzes, des Leids eines anderen, auch mir fremden Menschen oder Tieres.

Es hängt m.E. immens von verschiedenen, vielfältigen Außenfaktoren ab – vom Leidenden selbst, seinem persönlichen Wesen, seinem Leid und dessen Ausmaß, Intensität, Dauer, seinen persönlichen Hintergründen etc., von außerdem den jeweiligen Umständen, Lebensverhältnissen, persönlichen Bedingungen des Leidenden wie auch jenen des Mitfühlenden, desweiteren von anderen möglicherweise vorhandenen oder nicht vorhandenen Menschen/Helfenden, von außerdem politischen Gegebenheiten und Entscheidungen sowie Veränderungen.
Davon also, ob das mitfühlende Individuum sein Mitfühlen als erleichternd, als wohltuend, tragend empfinden kann und wird (mit dem Glücksgefühle bzw. Gefühle von Erleichterung, Zufriedenheit, Wohlbefinden einhergehen) oder ob es unter der Situation des Mitfühlens bzw. der Leidsituation des Anderen selbst auch und wie intensiv leidet.
 
Wenn eine mitfühlende Person wiederholt und/oder langfristig die Erfahrung macht, das Leid anderer nicht "positiv beeinflussen", d.h. möglicherweise abwenden oder zumindest mildern zu können, wird diese Person unter dem eigenen Mitfühlen früher oder später selbst leiden.
Dann kommt es nachvollziehbarerweise, aus Gründen des Selbstschutzes, der Selbstschonung, zu einer Abstumpfung, Verhärtung, zu einem Abwenden oder Ignorieren oder aber auch Relativieren bis hin zum Leugnen des Leids des Anderen, des de facto dennoch Leidenden.

Oder aber das Leid des Anderen wird so stark verinnerlicht, dass es zu eigenem, nicht mehr bewältigbaren Leid wird, das langfristig dann das eigene Selbst beschädigt – wenn nicht Abhilfe geschaffen, wenn die Siutuation nicht entspannt, das Leid nicht anderweitig gemildert bzw. behoben wird, durch bspw. veränderte Situation, durch weitere Unterstützung, Entlastung, Hilfe - von weiteren/mehr Menschen.
 
Es zeigt sich auch hier ein Mal mehr, dass das Individuum – sowohl das jeweils akut oder chronisch physisch und/oder psychisch-emotional oder sozial leidende – stets auf die unterstützende, fürsorgliche, schützende, tragende, haltende Gruppe, Gemeinschaft existenziell angewiesen ist.

Metzinger hebt am Ende wieder auf die Rationalität ab; dazu lässt sich nur sagen: "Verstand und Gefühl" lassen sich nicht voneinander abkoppeln, denn es liegen allen sogenannt rationalen Entscheidungen stets (zumeist unbewusste) emotionale Vorgänge zugrunde, häufig sogar solche der physischen Befindlichkeit.
 
Ein rein rational-steriles, von jeglichem Gefühl bzw. Fühlen, d.h. emotionalen Geschehen "bereinigtes" Denken und Tun/Handeln, so dies möglich wäre, wäre schlicht nicht mehr menschlich.
Und es ist das Fühlen vom Denken nicht tatsächlich, schon gar nicht vollständig "abspaltbar".
 
Daher verhält es sich mit dem "Optimieren von Altruismus", siehe "effektiver Altruismus", Peter Singer, William MacAskill, auch so schwierig. Er erfordert wiederum ein Rationalisieren des Mitgefühls, ein Abwägen, Bewerten, gewissermaßen ein Aufwiegen von Leid:
Wer ist bedürftiger (für Hilfe …) und wer nicht – w e r entscheidet das auf welchen Grundlagen, wie ist das ethisch legitimierbar (ist es das?) und was hat es letztlich zur Folge:
Was macht das mit unserem natürlichen spontanen (!) Mitgefühl, unserem spontanen Impuls und Bedürfnis, helfen zu wollen, wenn wir uns mit einer Not-, Leidenssituation spontan konfrontiert sehen?

Siehe oben,  zum "Trainieren" des Mitgefühls, ich halte aus dort genannten Gründen vom "effektiven Altruismus" nur wenig. Die dahinterstehende Idee, die Motivation, ist nachvollziehbar, jedoch halte ich dies nicht für dauerhaft und weitreichend praktikabel, auch nicht für angemessen, geboten.

Das Mitgefühl des Einzelnen wird üblicherweise durch eine je direkte Situation, Konfrontation (mit dem Leid anderer) ausgelöst bzw. durch etwas, das das eigene Leid-, Schmerzerleben triggert – das können durchaus auch Informationen, Bilder etc. von weit entfernten Situationen, leidenden Menschen sein. Entscheidend ist jedoch stets, ob und wie stark es das jeweilige Individuum jeweils persönlich anspricht, "triggert" – ob es also Mitgefühl in ihm auslöst oder nicht.

Nur dann, wenn mein je persönliches Mitgefühl wirklich angesprochen, "angeregt", ausgelöst wird, werde ich überzeugt, dabei auf emotionaler Basis und gerade nicht auf rationaler helfen, mich engagieren wollen und es dann hoffentlich auch (im Rahmen meiner Möglichkeiten) tun. Und auch längerfristig werde ich mich nur da engagieren, wo ich mich emotional berührt fühle.
Es heißt nicht umsonst Mitgefühl. Nicht "Mitverstand".
 
"Effektiver Altruismus", mit der Aufforderung, sich gerade nicht von Emotionen leiten zu lassen, ist daher ein Widerspruch in sich, ist dem Urgrund, der Urbasis von Mitgefühl diametral entgegengesetzt, er höhlt das Mitgefühl geradezu taktierend, berechnend, kalkulierend aus.
Das kann der Sinn der Sache nicht sein. Und ich sehe darin, wie oben bereits erwähnt, sogar ein Gefahrenpotential. Es könnte auf dieser Basis erst recht wieder zu Ideologie kommen (ist es eigentlich ja bereits) und zum "Bewerten" von Leid, zum Abwägen bzw. Abwiegen von Menschenwürde.
Es würde Altruismus dann wiederum der Verwertbarkeit, Funktionalität unterworfen, statt auf Mitmenschlichkeit, Güte, Geben (-wollen), Fürsorglichkeitsbedürfnis, auf natürlichem, intrinsischen "Helfenwollen-Impuls" zu beruhen.
 
Natürlich verhält es sich auf politischer Ebene anders, hier steht weniger der unmittelbare, je persönliche Impuls im Vordergrund als durchaus viel mehr andere Aspekte, bspw. der Verteilung der vorhandenen Hilfsressourcen, -mittel etc.: nach welchen moralischen, nach welchen Gerechtigkeitskriterien erfolgt diese Verteilung und kann oder sollte diese wie lange, wo, für wen, für wieviele Bedürftige erfolgen usw..
Dennoch bleibt auch auf dieser eher distanzierten, abstrahierenden Ebene der natürlich angelegte, emotionale Hilfsimpuls von Bedeutung und stellt das Abwägen eine ethische Herausforderung und auch eine emotionale Belastung dar.
 
Ganz wichtig gegen Ende des Videos noch ein Mal die Äußerungen von Gerhard Trabert – über Begegnungen, Kontakt, Beziehung, letztlich also immer auch: Bindung.
 
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Noch einer (Paul Bloom), der es nicht verstanden hat. Fängt schon damit an, dass er sagt, Empathie mit Opfern, Geschädigten mache rachsüchtig(er) - wer rachsüchtig ist, ist wiederum gerade nicht mitfühlend, schon gar nicht Menschen, die "längere Haftstrafen" fordern, denn Strafe, Gefängnis nützt überhaupt nichts und niemandem - den Tätern nicht und hilft auch den Opfern nicht. Ich habe dazu an anderer Stelle im blog ausführlicher Stellung genommen, siehe bei Interesse unten verlinkt.

Dann unterscheidet er zwar zwischen Empathie und Mitgefühl, setzt aber Mitleid mit Empathie gleich und Mitgefühl mit - ja was?
Er behauptet schlicht, aus seinen Beobachtungen schlussfolgern zu dürfen, Mitgefühl sei weniger auf Gefühlen basierend - was Unsinn ist. Denn es ist beim Mitgefühl genau und gerade das: Man leidet mit dem anderen aufgrund e i g e n e r Schmerzerfahrungen (der Erinnerung daran, die dann unwillkürlich "abgerufen" wird) - weil man niemals den Schmerz eines anderen empfinden, fühlen kann. Es ist der eigene Schmerz, der Mitgefühl, also gerade das Mitleiden (!) ermöglicht und hervorruft, die eigene (erinnerte) Schmerzerfahrung.

Und nur w e i l es Mitgefühl gibt, kann es auch Moral geben:
 
Die Urbasis jeglicher Moral ist Mitgefühl, denn auf dieser Basis habe ich das Bedürfnis/den Impuls, helfen, unterstützen, das Leid/den Schmerz vom anderen abwenden oder es mildern zu wollen und mich kooperativ zu verhalten. Es (das moralische Verhalten) ist auf diese Weise also intrinsisch, nicht ideologisch, religiös, nicht rational oktroyiert. Und nur so kann es langfristig, dauerhaft praktisch gelebt werden.

Wird Moral hingegen von außen oktroyiert (siehe Religionen, Ideologien), so wird sie nur befolgt aufgrund von Strafe oder Belohnung, also Dressur - nicht aber aus ureigenem Antrieb, Bedürfnis, Impuls.

Ethik folgt dann erst im zweiten Schritt - auf der "theoretischen, rationalen (Meta-) Ebene", siehe, was ich oben bereits schrieb.
 
Es ist daher auch völliger Nonsens, was Bloom im Weiteren (siehe ZEIT-Artikel) äußert: das Arzt-Patient-Verhältnis betreffend, dass Mitgefühl weniger mit Gefühl als mit Verstandestätigkeit einherginge und man, d.h. er, "vermutlich ein besserer Mensch" sei, wenn er weniger "intuitiv mitfühlte".
 
Natürlich ist die Verstandestätigkeit erforderlich, um Lösungen zu finden, um komplexe Vorgänge, Sachverhalte zu erfassen, zu analysieren, zu reflektieren, um besonnen zu reagieren. Das alles ändert jedoch nichts an der Tatsache, dass wir nicht helfen würden/werden, wenn nicht gerade und zuerst intensiv unser Gefühl "getriggert", angesprochen würde/wird.

Erst kommt dieser "Gefühlstrigger", der den spontanen, emotionalen Impuls helfen zu wollen - Leid von anderen verringern, lindern, abwenden zu wollen - auslöst, dann kommt der Verstand hinzu, der beiträgt, herauszufinden, wie genau angemessen, in gebotener Weise vorzugehen, was aus welchen Gründen wie zu tun und was möglicherweise weshalb zu unterlassen ist.
 
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Druck, Zwang, Kontrolle, Strafe wird überall auf der Welt zu Beschädigten, Versehrten führen - früher oder später, je nach individuellen Umständen, aber letztlich: immer. Das lehrt uns die Geschichte anschaulich.

Mittels Repressalien werden (manche) Menschen allenfalls kurzfristig dazu mobilisiert, zu folgen, zu parieren, gehorsam zu sein - und genau das ist ja das Ziel: folgsame, gehorsame, verfügbare, wirtschaftlich verwertbare, funktionale Marionetten (siehe Produktionsfaktor Arbeit), Untertanen - die natürlich zuvor manipuliert (siehe Werbung, Konsum, Indoktrinierung) und unter Druck gesetzt (siehe Abbau des Sozialstaats, siehe kapitalistische Leistungsideologie ...) werden müssen, damit auf diese Weise das Ziel, die Ausbeutung erreicht werden, gelingen kann.
 
Es gibt aber auch Menschen, die sich dem nicht nur nicht beugen wollen, sondern auch solche, die es nicht können - die schon "vorher" daran, darin, darunter zerbrechen - sie werden aggressiv, depressiv, ggf. auch gewalttätig, sie fühlen sich nicht nur, sondern sie s i n d de facto "schlicht" hilflos, sie haben keine Stimme, finden kein Gehör, erfahren keine Unterstützung, schon gar keine "Förderung".
 
Man verprellt, manipuliert, diskreditiert sie mit Sätzen wie "Du musst für dich selbst (endlich) Verantwortung tragen." oder "Wo kämen wir hin, wenn jeder ein solcher Taugenichts, Nichtsnutz, Faulenzer, Schmarotzer, Schwächling, Versager wäre wie du?!"
Diese Menschen werden früher oder später psychisch und/oder physisch krank - einige süchtig, andere nehmen sich das Leben oder vegetieren nur noch vor sich hin, nicht wenige sind obdachlos.
 
Man wird durch solche "Disziplinierungs-"Ideologie, durch Dressur, Schwarze Pädagogik, niemals langfristig, dauerhaft bewirken können, dass Menschen leistungsfähig, leistungswillig, "leistungsstark", verantwortungsbewusst, gewissenhaft, verlässlich, prosozial, konstruktiv, kreativ tätig bzw. sich verhaltend sind oder sein werden.

Die Sklaven"moral" bewirkt das genaue Gegenteil: Abwehr, Abkehr, Verweigerung, Trotz, Duckmäusertum, Unterwürfigkeit, Aggression, Gewalt, Hass,  Angst, Verzweiflung, Resignation - all dies oder einiges davon je nach Persönlichkeit und Situation/Umständen unterschiedlich ausgeprägt in Erscheinung tretend.

Und warum dies? Weil die Schmerzgrenze von Menschen dadurch überschritten wird, weil es ihnen an die Substanz, die Existenz geht. Siehe hierzu Joachim Bauers hervorragendes Buch "Schmerzgrenze - Vom Ursprung alltäglicher und globaler Gewalt".
 
Aber genau darum geht es nach wie vor und bekanntlich schon sehr lange: das Herstellen von Untertanen, von verheizbarer Verfügungsmasse, Menschenmaterial.
Das absichtsvolle Herstellen von Ungleichheit, Ungerechtigkeit - aus bekannten Gründen.

Und entscheidend trugen und tragen dazu nach wie vor besonders die drei monotheistischen, durch und durch patriarchalen Buchreligionen bei, deren gemeinsames Fundament das Alte Testament ist. Kampf, Gewalt, Härte, Strenge, Kälte - statt Vertrauen, Unterstützung, Respekt, Anerkennung, Wertschätzung, Mitgefühl, Bedürfnisorientiertheit, Kooperation, Liebe.

Man muss Menschen Moral nicht aufzwingen, man darf die in ihnen natürlich angelegte (Mitgefühl ist Menschen und auch anderen Primaten angeboren) nur nicht gewaltvoll beschädigen - und das schon bei ganz kleinen Kindern: durch den völlig falschen Umgang mit ihnen.
 
Aber von solchen Einsichten sind rechtskonservative und rechtsextreme Menschen Lichtjahre entfernt, eben weil sie selbst auf genau diese Weise indoktriniert, geprägt, lebenslang wirksam beschädigt wurden.
Sie kennen nichts anderes, sie können daher nicht anders. Sie sind beschädigt und beschädigen auf dieser Basis, aus diesem Grund andere. Und meinen sich damit tatsächlich sogar im Recht. Siehe "autoritärer Charakter", "freiwillige Knechtschaft", "Identifikation mit dem Aggressor/Internalisierung" (Erich Fromm, Arno Gruen, Th.W. Adorno, Sandor Ferenczi, Etienne de la Boétie ...).
 
Man wird solche Menschen nicht überzeugen können - es müsste aus ihrem je eigenen Wunsch, eigener Einsicht eine veränderte Haltung entspringen, was nur bei den Wenigsten geschieht, denn ihr gesamtes Menschen-, Welt-, Selbstbild geriete dadurch massiv ins Wanken, das jedoch ist unbequem, unangenehm, häufig schmerzhaft, verunsichernd, drum wird es vermieden, abgewehrt, verweigert.
 
Man kann letztlich nur durch Prävention, bei insbesondere Kindern etwas bewirken und indem all jene, die gegenteilig eingestellt sind, sich zusammenschließen, sich solidarisieren und gemeinsam aktiv werden, sich gegenseitig solidarisch, kooperativ unterstützten.
 
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