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Sabeth schreibt

Poesie Melancholie Philosophie Feminismus Anarchismus

Über den aktuell gebotenen Bewusstseinswandel

 
Über den aktuell gebotenen Bewusstseinswandel
 
Gysi bei Precht

Danke für dieses großartige Gespräch - in dem es endlich um das ging, das aktuell geboten ist: ein Bewusstseinswandel.
 
Besonders gefreut habe ich mich über das Thematisieren des (leider nach wie vor auch linken) Arbeitsbegriffs, der beklagenswerterweise Arbeit grundsätzlich mit Erwerbstätigkeit noch immer gleichsetzt.
Nein, im Zeitalter der Digitalisierung ist es gerade nicht mit bloßer Arbeitszeitverkürzung getan.
 
Erfreulicherweise geht es im Verlauf des Gesprächs um nicht nur die üblichen bekannten Phrasen über entfremdende Arbeit, sondern R.D. Precht fragt Gregor Gysi, was dieser mit schöpferischer Arbeit meine. Und ja: Es geht um mehr Muße, um Zeit, Möglichkeit für "Selbstfindung, Selbstverwirklichung", Selbsterkenntnis, Reife(n), Reflexionsfähigkeit und Kooperation - um bedürfnisorientiertes (also gerade nicht irgendwie ideologisch oktroyiertes) Gemeinwohl und nicht zuletzt um auch Zeit und Möglichkeiten für (häusliche) Sorge-Arbeit - wie gehen wir mit Kindern, Alten, Kranken um und wie könnten wir das mit mehr Zeit, entsprechenden Möglichkeiten und Infrastruktur so ändern, dass auch das tatsächlich bedürfnisorientierter, menschenwürdiger Umgang (wieder oder überhaupt endlich) wird.
Denn genau das ist - neben Kreativität, neben "Schaffenskraft", schöpferischem (phyischem und/oder geistigen) Tun, Tätigsein genau das, das wir nicht durch Roboter, Maschinen ersetzen sollten: die soziale Interaktion, die soziale, fürsorgliche Arbeit, den entsprechenden prosozialen, mitfühlenden, respektvollen, würdevollen Umgang miteinander.

Kämen wir dorthin, hätten wir dann tatsächlich eine Menge Probleme nicht mehr (siehe eben, wie wichtig gerade bspw. die frühkindliche Prägung, der angmessene, bedürfnisorientierte Umgang mit Kindern und Jugendlichen ist, wie wirksam dies lebenslang ist, bleibt - mit welchen Folgen: je nach dem, das erlebt, auch indoktriniert, auch erlitten wurde).
 
Gregor Gysi hat zweifelsohne Recht damit, wenn wer sagt, man müsse in längeren Zeiträumen denken (auch hinsichtlich des augenblicklich wahrnehmbaren Rechtsrucks, rollbacks, backlashs), es geht vieles nicht im Hauruckverfahren, vor allem kein (erforderlicher, gebotener) Bewusstseinswandel - hin zu einem anderen, zeitgemäßen, vor allem zuträglichen, gemeinwohl-, bedürfnisorientierten, aufgeklärten, humanistisch geprägten Menschenbild - das diametral zum rechtskonservativen steht, in welchem der Mensch als qua Natur "schlecht, böse, egoistisch", als zu dressieren erforderlich gesehen wird - siehe Schwarze Pädagogik: Druck, Zwang, Kontrolle, Härte, Strenge, emotionale Kälte, Strafe, Dressur - absichtsvolles Schmerzzufügen also (Sadismus), zu Gehorsam zwingen, unterwerfen, ausbeuten können - auf eben dieser Basis, in welchem außerdem Biologismus, Sozialdarwinismus als vermeintliche "Rechtfertigung" herangezogen werden, um seine jeweils ureigene Bequemlichkeit, seinen selbstschonenden Selbstbetrug, seine eigenen charakterlichen Defizite, Unzulänglichkeiten, seine eigenen Beschädigungen nicht einsehen und zugeben oder gar bewältigen zu müssen, sondern sie behaglich und selbstschonend auf andere zu projizieren und dann zu meinen, alle Menschen könnten, müssten so sein, nur weil man von sich selbst nichts anderes kennt).
 
Was mich an dieser "Geduld" nur doch ziemlich stört, ist, dass diese "entspannte" Sichtweise eine gewisse Ignoranz und einen Mangel an Mitgefühl leider offenbart, denn sie übergeht, dass in der Zwischenzeit, d.h. täglich rings um den Globus über Jahre, Jahrzehnte und so nach wie vor also unzählige Menschen l e i d e n und häufig auch qualvoll und "zu früh" sterben - aufgrund der bestehenden "Missstände", an ihren Folgen und das zumeist nicht selbst verschuldet habend (diese Missstände, die Ursachen für deren Leid, ihr Elend, ihre Not).

Aus dieser Perspektive betrachtet ist jeder einzelne Tag des Status quo ein Tag zu viel.
 
Ja, der Bewusstseinswandel ist vor allem auch dahingehend erforderlich, dass wir nicht nur anders arbeiten (werden, müssen), sondern auch entsprechend anders wohnen, miteinander leben - nämlich so, dass die oben erwähnten sozialen Kontakte, die soziale und schöpferische Arbeit, jedenfalls das Tätigsein, der zwischenmenschliche Umgang überhaupt erst möglich werden - das bedeutet, wir brauchen eine entsprechende Architektur, Städteplanung, Infrastruktur, Politik und Ökonomie. Insbesondere weg von Kleinfamilie, sozialer Isolation (nicht nur, aber auch im Alter), weg von immer früherer immer längerer Fremdbetreuung, die gerade nicht zum Wohle der Kinder und/oder der Mütter/Familien ist, die gerade nicht zu deren (der Frauen, der Familien) erhöhter Selbstbestimmung und Unabhängigkeit, Entscheidungsfreiheit führt, sondern einzig dem Primat der Wirtschaft unterstellt ist, unterworfen wird, dienlich ist, woran auch das Herunterbeten von vorgeblich erforderlicher "Frühförderung" faktisch nichts ändert, das auch nur zu manipulativen Zwecken eingesetzt wird.
 
Der Bewusstseinswandel ist überdies dahingehend erforderlich, zu erkennen, was alles aus welchen Gründen Arbeit ist, was aus welchen Gründen auf welche Weise tatsächlich dem Gemeinwohl zuträglich ist und was nicht und dass es letztlich in einer eng vernetzten, verflochtenen (globalisierten) Welt nur um das globale Gemeinwohl gehen kann und muss, dass die globalen Probleme nur durch Kooperation zu bewältigen sind, nicht durch Konkurrenz, Kampf, Ausbeutung, Destruktivität.
Unabdingbar ist für all das allerdings nicht nur die Vernunft, sondern vor allem auch das jedem Menschen (wie auch anderen Primaten) angeborene Mitgefühl, das die Urbasis jeglicher (intrinsischer) Moral und (verstandgeformter) Ethik ist. Ohne dieses Mitgefühl wären Moralsysteme hohl, außerdem gefährlich, schädlich, könnten sie missbraucht werden (siehe nicht nur, aber auch religiöse Ideologien).

Und um dieses Mitgefühl wiederum stärken zu können, ist es wichtig, bei den Kindern anzusetzen - bei also dem oben erwähnten bedürfnisorientierten Umgang mit ihnen und der Erwachsenen miteinander, die nur dann nicht schädigend Eltern sein können und die das nicht alleine sein sollten, sondern im Verbund - siehe möglich durch entsprechendes Wohnen, Leben in familiären Strukturen, generationen- und geschlechterübergreifenden Wahlverwandtschaften (mit selbstverständlich ausreichender Privatsphäre) - so hätten Kinder die benötigten mehreren Bezugspersonen (verschiedenen Alters und Geschlechts, verlässlich über Jahre, statt wechselnden Betreuungspersonals), sie würden völlig anders aufwachsen und lernen können, entsprechend verändert werden müsste auch (Schul-) Bildung (siehe Reformpädagogik, demokratische Bildung nach bspw. dem Konzept von Summerhill und Sudbury Valley - nein, hat beides nichts mit Waldorfpädagogik und nichts mit Esoterik zu tun).
 
Möglich wäre, i s t all das, Ideen, Konzepte gibt es bereits - siehe eben Gemeinwohlökonomie, demokratische Bildung/Schule, Alternatives Handelsmandat (attac), Mehrgenerationenhäuser (müsste dann ausgeweitet werden auf nicht nur einzelne Häuser) ... .
 
Aber es fängt bekanntermaßen immer in den Köpfen der Menschen an - siehe eben Bewusstseinswandel.
 
Häufig entwickelt sich der Mensch wohl erst durch Leid, durch je persönliche schlechte, belastende Erfahrungen bzw. daraus resultierende Einsichten weiter (wenn diese denn auch erfolgen), aber eben nicht nur und oft kann das Leid so/zu intensiv sein (siehe "Schmerzgrenze - Vom Ursprung alltäglicher und globaler Gewalt", hervorragendes Buch von Joachim Bauer), so dass überhaupt keine zuträgliche, wünschenswerte, prosoziale Entwicklung mehr möglich ist, sondern stattdessen das Beschädigtwerden zu Abwehr, Verweigerung, natürlicher Aggression (als Selbstschutz, als "Kommunikationsmittel", Warnung, Grenzsignal), auch zu Trotz und eben auch zu Gewalt führt, nicht, weil "der" Mensch "von Natur aus schlecht/böse, verdorben ..." ist, sondern weil er beschädigt ist und eine (je individuelle) Schmerzgrenze hat. Und die Schmerzgrenze vieler Menschen rings um den Globus wird noch immer Tag für Tag intensiv - wissentlich! - überschritten - nicht nur, aber auch durch bspw. entfremdende Erwerbstätigkeit und kompensatorischen Konsum, katastrophale Lebensverhältnisse, materielle Armut, Gewalt, Vernichtung der Existenzgrundlage ... .
 
Wie der Weg hin zu diesem Bewusstseinswandel zu gehen sein könnte, ist eine Frage für sich, eine Aufgabe, eine Herausforderung - ich denke wie Gregor Gysi, dass er eher mittels Transformation als Revolution zu gehen sein wird, sein kann.
Ein Generalstreik bspw. könnte aber durchaus hilfreich sein, die Dinge vielleicht doch etwas zu beschleunigen . Dafür jedoch ist Vorbedingung, dass eine Mehrheit von Menschen (nicht nur in Deutschland, sondern mindestens europaweit) sich über die zu erwirkenden, gewünschten Verhältnisse n a c h dem Streik(en) einig sein müsste, was wiederum ein gewisses Bewusstsein, Erkenntnis, Reflexion, auch Besonnenheit, Weitsicht, Umsicht und vor allem das Solidarisieren und Kooperieren (statt Konkurrieren) voraussetzt.
 
Nicht im Klein-Klein verlieren, nicht nur permanent bloße Symptombehandlung an einzelnen Stellen betreiben - ohne Visionen, Ideale, Ideen, Konzepte, gedankliches Überschreiten eigener, auf Prägung, Sozialisation, Indoktrination basierender Grenzen, ohne Zweifeln, Hinterfragen, Selbstkritik, Reflexion, Offensein/Sich-Öffnen, Vernetzung, Neugier und Courage: kann und wird sich nichts wandeln können - hin zu besseren Verhältnissen, zum Gemeinwohl.
 
Eine gute, tatsächliche Fehlerkultur gehört übrigens auch unabdingbar dazu.
 
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19. November 2018
 
Es kann nicht sein, dass Menschen weiterhin für ihre Existenzsicherung, für einen Lohn, alle möglichen, d.h. häufig gerade auch für sie je individuell ungeeignete, belastende bis (physisch und/oder psychisch) schädigende Erwerbstätigkeiten ausführen sollen, um d e s h a l b/dadurch ein "Recht auf Teilhabe" zu erlangen, um durch solche Erwerbstätigkeit W e r t und W ü r d e gesellschaftlich, politisch zugemessen, gewährt zu bekommen.
 
Wir müssen endlich weitflächig (Gesellschaft) erfassen, dass der Wert, die Würde eines Menschen sich nicht danach bemisst, auf welche Weise und/oder in welchem Umfang er erwerbstätig ist.
 
Wir müssen erkennen, dass es darüberhinaus etliche geleistete Arbeit gibt, die als solche gesellschaftlich nicht einmal anerkannt, geschweigedenn (angemessen oder überhaupt) monetär honoriert wird - siehe bspw. die für weltweit jede Gesellschaft und Gemeinschaft absolut unentbehrliche Sorge-Arbeit, ohne die Gesellschaft(en) binnen kürzester Zeit kollabierten.
Diese Sorge-Arbeit wird weltweit nach wie vor von mehrheitlich bis fast ausnahmslos Frauen geleistet - häufig zusätzlich zu Erwerbstätigkeit. Dennoch sind es diese Frauen, die mehrfachbelastet sind (durch Sorge-Arbeit, Erwerbstätigkeit und materielle Armut sowie diverse Formen von Benachteiligung), die nach wie vor kein oder ein geringeres Einkommen für gleiche Arbeit bei gleicher oder besserer Qualifizierung (wie Männer) erhalten und die - die Frauen - infolgedessen zusammen mit ihren Kindern weltweit intensiver als Männer von materieller Armut betroffen, beschädigt sind.
 
Wir müssen erkennen, dass etliche ehrenamtliche, soziale, handwerkliche, kreative Arbeit von Menschen (regional, kommunal ...) geleistet wird, der Staat sich hierauf ausruht und Menschen auf diese Weise - wie auch durch die gratis geleistete Sorge-Arbeit - intensiv ausgebeutet werden.
 
Wir müssen verstehen, dass Arbeit keineswegs grundsätzlich "hart, dreckig", unangenehm, belastend, zermürbend, langweilend, überfordernd ist bzw. dies nicht sein muss und auch nicht sein sollte, sondern dass Menschen dort am besten, ehesten und üblicherweise freiwillig, gerne arbeiten, tätig sind, wo es ihnen je persönlich, ihrer Biographie, ihren persönlichen Lebensumständen inklusive Einschränkungen, entspricht, d.h. wo sie ihre Interessen, Fähigkeiten, Neigungen, Stärken haben, einbringen, anwenden, umsetzen und weiterentwickeln können/dürfen und wo sie hierfür die angemessene Anerkennung, Wertschätzung erhalten, die auch, aber nicht nur eine monetäre sein kann, sein sollte.
 
Für Teilhabe benötigen Menschen - im Kapitalismus - Geld, ein Einkommen, außerdem Mobilität, Zugehörigkeit, Anerkennung, Wertschätzung. All das sollten wir von Erwerbstätigkeit endlich, da zeitgemäß (siehe u.a. durch die Digitalisierung), abkoppeln und entsprechend ein emanzipatorisches Grundeinkommen (letztlich global) einführen, umsetzen.

Erforderlich sind hierfür selbstredend weitere Umstrukturierungen - hin zu bedürfnisorientierter (!) Gemeinwohlökonomie, zu Basisdemokratie, zur Abkehr von Wachstum, Privilegien- und Machterhalt einiger Weniger zu Lasten der vielen Mittellosen weltweit - eine Abkehr also endlich von kapitalistischer Ausbeutung über Lohnarbeit (-ssklaventum).
 
Eine Abkehr vom Mythos der "Arbeit" als Garant für Existenzsicherung, Teilhabe, denn es ist niemals Arbeit gemeint, sondern ausschließlich Erwerbstätigkeit, die sich kapitalistisch, neoliberalistisch verwerten, funktionalisieren, verfügbar machen, ausschlachten lässt - dies bezieht sich gleichermaßen auf die diese "Arbeit" ausführenden Individuen, die kapitalistisch verheizt werden - zum Wohle einiger Weniger, zu Lasten von Vielen: global, nach wie vor.
 
Erforderlich ist ein Bewusstseinswandel in den Köpfen der Menschen, die Gesellschaften bilden - dass sie erkennen (können), wem die Propaganda vom "Recht auf Arbeit" dient, nützt, dass sie erkennen können, dass und auf welche Weise für diese kapitalistische Ausbeutung der Staat, die Bürokratie und insbesondere auch Polizei und Militär erforderlich sind, entsprechend als vermeintlich unverzichtbar (für "Sicherheit" etc.) dargestellt, proklamiert werden.
 
Es ist schlicht erfahrungsgemäß ein längst (!) widerlegter Mythos, Nonsens, dass Erwerbstätigkeit zu Wohlstand führt - unzählige Menschen rings um den Globus erleben, erfahren, erleiden, dass sie lebenslang malochen, vernichtende Arbeit leisten, ohne davon wenigstens ihre Existenz sichern zu können, von Kinderarbeit gar nicht erst anzufangen.
 
Was längst überfällig ist, ist daher die Abkehr, das Überwinden des global gravierend destruktiven Kapitalismus´ und das Hinwenden zu Gemeinwohl, Regionalität in Verbindung mit Transnationalität - Solidarität, Kooperation, Demokratie, Säkularisierung, Gleichberechtigung, Geschlechterparität, Erhalt von Frieden und unserer Lebensgrundlage - statt Zerstörung all dessen aufgrund von stets kompensatorischer (!) Gier, pathologischen, narzisstischen Machtstrebens und globaler Vernichtung durch Kriege, Landraub, Rohstoffverbrauch, Klimawandel, Kolonialismus, (Wirtschafts-) Imperialismus, Unterwerfung, Ausbeutung, Gewalt.
 
Alternativkonzepte gibt es: längst. Siehe bedürfnisorientierte Gemeinwohlökonomie, siehe faire Handelsabkommen (bei attac nachlesbar), siehe Regionalität, Basisdemokratie, alternative Formen zu wohnen (siehe bspw. Co-Housing), zu arbeiten, zu wirtschaften also - inklusive entsprechend veränderter Architektur und Infrastruktur.
 
Ja: siehe die Urgedanken von Sozialismus, Feminismus und Anarchismus.
 
Ja, es schadet dem Kapitalismus, der Ausbeutung, wenn: es soziale Gerechtigkeit gibt und Menschen nicht mehr mittels Gewalt, Schwarzer Pädagogik verfügbar, dressierbar, ausschlachtbar gemacht werden können.
 
Wer vom Kapitalismus, wer von den bestehenden Missverhältnissen ganz persönlich erheblich profitiert, wird selbstredend alles daran setzen - inklusive Propaganda, Manipulation und Agitation - seinen privilegierten Status mit allen Mitteln und um jeden Preis erhalten zu können.
 
Das Problem:

Um lesen, verstehen, erkennen, reflektieren, analysieren zu können, benötigen Menschen Zeit, Muße und das Selbstwertgefühl (!), den Texten intellektuell gewachsen zu sein.

Diese erforderliche Zeit und Muße haben viele Menschen jedoch aufgrund von erforderlicher Existenzsicherung durch Erwerbstätigkeit sowie aufgrund von (gratis) zu leistender Sorge-Arbeit, diversen Alltagsverpflichtungen und Existenznöten nicht - und sie s o l l e n sie eben deshab auch gerade nicht haben, erhalten - damit sie n i c h t erkennen ... .

Wer überlastet ist, flüchtet sich häufig in Ablenkung, Abwehr, kompensatorischen Konsum, Sucht, Hedonismus, Eskapismus oder auch in (Aber-) Glauben, Esoterik, Mystizismus.

Wer von den Missständen profitiert, wird auch nicht "lesen" und verstehen (wollen) - jedenfalls nicht das Gebotene, denn er möchte diese Missstände zu seinem Macht- und Privilegienerhalt gerade unbedingt aufrechterhalten und wird daher mit Ignoranz oder (Gegen-) angriff, mit Propaganda, Indoktrinierung, Agitation, Demagogie, jedenfalls mit massiver Manipulation aufwarten.

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10. Mai 2018
 
Die Welt ist voller Untertanen. Immer noch. - Nicht, weil Menschen so gerne Untertanen sind, sondern weil man ihnen indoktriniert, es sei Diverses "alternativlos, utopisch, unrealistisch, nicht praktikabel". Und weil sie es glauben - auf Basis von Indoktrinierung.
 
Diese ist möglich, indem man Menschen gezielt, systematisch von klein auf beschädigt, auf vielerlei Weise, damit bereitet man den Boden, die Aufnahmefähigkeit, den Zugang für Indoktrination, für Manipulation, Instrumentalisierung, Unterwerfung, Ausbeutung - durch nicht nur, aber auch und immer noch religiöse Ideologie und dazu gehört auch der Mythos vom alternativlosen Kapitalismus, Neoliberalismus sowie der von der vorgeblich unentbehrlichen Strafe, von Schwarzer Pädagogik (Druck, Zwang, Kontrolle, Härte, Strenge, emotionale Kälte, Gehorsam erzwingen, Dressur, absichtsvolles Schmerzzufügen - Sadismus, Gewalt), die Mär vom "homo oeconomicus", vom Menschen als "Wolf", als vermeintlich "naturgegeben bösem, schlechtem, egoistischen" Wesen, das man mittels "Disziplinierung" - Schwarzer Pädagogik - "erziehen" müsse.
 
Erforderlich ist nichts weniger als ein Bewusstseinswandel.

Denn nochmal: Es ist das Mitgefühl einem jeden Menschen (wie auch anderen Primaten, bspw. Bonobos) angeboren (und nein, auch Schimpansen sind n i c h t qua Natur "böse" ..., aber Biologismus wird so gerne als Ausflucht benutzt - sich nicht mit je persönlichen Charakterdefiziten auseinandersetzen zu müssen), es ist keine (religiöse) Ideologie zur "Zähmung" des Menschen erforderlich, stattdessen bedarf es schlicht des Förderns, Stärkens seines angeborenen Mitgefühls, somit intrinsischer, statt oktroyierter Moral und auch seines Reflexionsvermögens.
 
Hierfür unabdingbar sind bestimmte äußerliche - gesellschaftliche, politische - Verhältnisse und noch basaler der angemessene, bedürfnisorientierte Umgang mit Menschen, mit insbesondere Kindern (siehe lebenslang wirksame Prägung, Bindung, Beziehungs- und Kooperationsfähigkeit).
 
Menschen brauchen keinen "Gott", sondern die Fähigkeit, die Möglichkeit, zu reifen und zu l i e b e n, also zu geben. Siehe Fürsorglichkeit, Verantwortung, Achtung/Respekt und Erkenntnis (nachlesbar immer noch bei Erich Fromm, "Die Kunst des Liebens"). Siehe auch, wie Martha Nussbaum es formulierte: "Gerechtigkeit braucht Liebe."
 
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Aktualisierung am 19. Oktober 2018
 
Es muss den Menschen erst mal in den Kopf - was sie aus welchen Gründen wollen, wem das auf welche Weise nützlich, dienlich, hilfreich ist und warum (nur so), was aus welchen Gründen sozial gerecht und tatsächlich demokratisch, liberal (nicht wirtschaftsliberal) ist.

Es bedarf insgesamt umfassend anderer Lebens-, d.h. Arbeits-, Wohnverhältnisse (entsprechender Infrastruktur, Architektur, gesellschaftlicher Vereinbarungen, Absprachen und der Möglichkeit hierzu - Basisdemokratie, Soziokratie (Konsent-, statt Mehrheitsprinzip), Mitbestimmung, Mitgestaltung, insbesondere auf je regionaler Ebene, dann aber transnational verbunden, sich auswirkend), daher halte ich es eher mit "dem" Anarchismus, dem Sozialismus zwangsläufig inhärent nur sein kann.

Erforderlich ist vorausgehend ein Bewusstseinswandel - die Leute sind mehrheitlich jedoch so intensiv indoktriniert (kapitalistisch auf Spur gebracht - fängt ja in Kitas, siehe "Frühförderung" und Schulen schon an), dass es ein langer Weg sein wird, wie ich fürchte.


Die grundsätzliche Frage ist doch:

Bin ich bereit, etwas, d.h. all das, das und wie ich es je persönlich (nur) kann, für das Gemeinwohl, die Gemeinschaft zu tun, zu geben, bin ich bereit, zu teilen oder will ich vorrangig meine persönliche Situation verbessern - auch zu Lasten anderer, wissentlich bis vorsätzlich (siehe also Unterwerfung, Ausbeutung).

Sehr hinderlich sind im Übrigen Religionen, da sie von einem irgendwie vorhandenen "übergeordneten Prinzip" ausgehen ("Gott" ...) mittels dessen sich alles Mögliche vermeintlich legitimieren, begründen lässt.

Sobald ich jedoch davon ausgehe, es gebe ein solches "übergeordnetes Prinzip", also Hierarchie, Macht, "jemanden", der es a priori "besser weiß", der aufgrunddessen "die Macht", die Legitimation zu Machtanspruch, Machtanwendung hat, dem diese aufgrund seines Status´ (als "übergeordnet Seiender") zukommt bzw. zugebilligt wird, ist es konsequenterweise sofort vorbei mit jeglicher Möglichkeit zu Basisdemokratie, zu Selbstbestimmtheit, zu kollektiver Konsensfindung auf Basis von menschlicher Vernunft (nicht zu verwechseln mit Verstand).

Folglich ist globale Säkularisierung bzw. Säkularismus unabdingbar.

 
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Der brillante David Graeber über Bürokratie, Lobbyismus, Markt, Arbeit, Technologie(n), Polizei, Ethik, Regeln, Strukturen, Konsens ... .

Der wunderbare David Graeber (Anthropologe, Ethnologe) über Polizei, Bürokratie, Kooperation ...
 
"[...] Es muss halt irgendjemand die Einhaltung solcher Regeln kontrollieren.
Das ist historisch gesehen falsch. Die längste Zeit der Menschheitsgeschichte war es nicht so. Die moderne Polizei gibt es erst seit dem 19. Jahrhundert. Ich habe in Madagaskar zwei Jahre lang in einer Stadt gelebt, wo die Gendarmen nichts getan haben als die Straße frei zu halten. Den Menschen dort wäre niemals eingefallen, dass ihnen jemand mit Uniform und Waffe vorschreibt, was sie verkaufen dürfen, wer wo etwas kocht oder Musik spielt. Das Verblüffende ist, dass wir uns das nicht mehr vorstellen können, obwohl die überwältigende Mehrheit der Menschheit immer so gelebt hat. [...]
 
Haben Sie unter den klassischen Anarchisten wie Bakunin, Proudhon oder Mühsam einen Liebling?
Am ehesten Michail Kropotkin, weil er beschrieb, dass jene Spezies erfolgreich sind, die miteinander kooperieren, und dass die sozialdarwinistische Lehre vom Überleben des Stärkeren falsch ist. Das bestätigt jetzt auch die moderne soziologische Forschung. Zusammenarbeit, nicht Konkurrenz ist Grundlage des Erfolgs. Und was noch besser war bei Kropotkin: Er zeigte, dass Tiere auch kooperieren, weil sie schlicht Spaß daran haben. [...]
 
Was macht für Sie Anarchismus attraktiv?
Erstens: Die Idee, dass eine Gesellschaft ohne Ausübung von Zwang und Gewalt möglich ist. Zweitens: Es ist nicht zu akzeptieren, dass der Zweck die Mittel heiligt, also zu meinen, um das hehre Ziel zu erreichen, dürfe man eine noch größere Bürokratie errichten und noch mehr Zwang ausüben. Marx zum Beispiel sah das Heil in der Diktatur des Proletariats, Bakunin als Anarchist war vehement dagegen. Darüber haben sie gestritten. [...]
 
Hat diese Philosophie auch Bedeutung für Ihre Forschung als Anthropologe?
Bestimmt. Die Anthropologie untersucht die Muster des sozialen Verhaltens – die Grammatik der Gesellschaft, der zwar alle folgen, die aber niemand richtig beschreiben kann. Dabei entdecken wir, dass es in manchen Gesellschaften Prinzipien gibt, die einem anderen Kontext utopisch erscheinen. Kommunismus etwa, also jedem nach seinen Bedürfnissen, jeder nach seinen Fähigkeiten, ist ein ganz normales Verhalten im Alltag. Beobachten Sie einen Pulk von Menschen, der in einen Bus einsteigt. Das organisiert sich ohne Gesetz und Polizei. Fast jede Gruppe funktioniert spontan erst mal so. Ich versuche zu zeigen, dass direkte Demokratie und Kooperation seit Ewigkeiten existieren. [...]
 
Als es 2011 losging, priesen Sie Occupy und die Proteste in Griechenland, Spanien und den arabischen Ländern als Beispiele lebendiger Demokratie. Viele sind nun bitter enttäuscht, Sie auch?
Nein. Wir dürfen nicht vergessen, dass tiefgreifende soziale Veränderungen viel Zeit und Geduld brauchen. Denken Sie an die Sklavenbefreiung oder den Feminismus, das waren Prozesse über Generationen. [...]"
 
Quelle des zitierten Textes: tagesspiegel.de - "David Graeber - `Ich bin nicht gegen Regeln´", farbliche Hervorhebungen (dunkelblau markiert) habe ich vorgenommen.
 
23. Mai 2018
 
Wunderbare Dokumentation: arte "1968 - Die globale Revolte" - beide Teile unbedingt sehenswert.

Viele Fragen - nein, eigentlich nur eine: Und jetzt? Und heute ... ? Wie weiter?
 
Woran mangelt es - an Zielen? Idealen? Utopie? Solidarität - zwischen insbesondere Intellektuellen, Künstlern ("Kulturschaffenden") und Arbeitern? Am politischen Bewusstsein der Arbeiter?
Am Mut und der Organisation zum europaweiten Generalstreik bspw. oder der digitalen Sabotage?
 
Ist es am Ende gerade das Internet, das zwar Vernetzung ermöglicht, aber zugleich lahmlegt, phlegmatisiert, lethargisiert?
Die Leute hängen eher an ihren Geräten als auf die Straße zu gehen und sich dort von Polizei verprügeln, verletzen zu lassen? Verständlich. Aber kann Resignation je eine "Alternative", ein Weg sein? Wohin - ins bequeme Sich-Fügen, inklusive Selbstbetrug, Selbstverrat?

Es reicht nicht: je einzelne, verstreute Initiativen, Bewegungen, Aktionen, es bedarf der Vernetzung, jedenfalls und mindestens der Gleichzeitigkeit und Dauer, der Transnationalität - und des Enthusiasmus´. Denn keine Veränderung, Transformation ohne Emotionen, schon gar keine "Revolution".
 
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