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Sabeth schreibt

Poesie Melancholie Philosophie Feminismus Anarchismus

Konservatismus vs. Liberalismus - worin bestehen die Unterschiede zwischen konservativen und liberalen Menschen tatsächlich? Und was hat das mit Demokratie zu tun?

 
update 13. August 2020
 
Die "neue" alte Rechte und die "Konservative Revolution" mal wieder. Konservatismus, Rechtsextremismus.
 
Man beruft sich auf das "Naturrecht" - und meint damit faktisch Autoritarismus und Patriarchat.
 
Man beruft sich dabei auf (einen stets patriarchal männlich attributierten) "Gott" - und merkt nicht, wie absurd schon das ist, denn:
Es gibt bekanntlich keinen Gott, auch keine Götter. Es handelt sich dabei um ein menschliches Konstrukt, Phantasma, das einzig auf Glaube, also Illusion, Vorstellung, Phantasie, Irrationalität, Wissenschaftslosigkeit, Unvernunft, Selbstbetrug basiert.
 
Siehe der stets anthropomorphe, androzentrische Gott und ebensolche griechischen Götter, griechische Mythologie.
 
Man meint, auf dieser Basis und "der" Natur moralische Grundsätze, gesellschaftliche Gesetzmäßigkeiten, "Ordnungen" setzen zu können - auch all das: von Menschen gemacht, erdacht, keineswegs in "der" Natur "an sich" so vorhanden.
 
Denn:
Alles, das Menschen denken, fühlen, wahrnehmen, erkennen, benennen, analysieren, kombinieren, schlussfolgern, hinterfragen, reflektieren, woran sie weshalb wie zweifeln, was sie wie fühlen, empfinden usw. bewegt sich i m m e r n u r im Rahmen ihres menschlichen (!) Bewusstseins, somit Erkenntnis- und Interpretationsvermögens.
 
Es gibt nicht "die" Natur, "die" eine Realität, "die" eine Wahrheit.
Es gibt nur den menschlichen Wahrnehmungs- und Denkapparat bzw. -vorgang, das menschliche Bewusstsein, menschliche Gehirn, das mit dem menschlichen Körper und dessen Umwelt interagiert, darauf reagiert, davon angeregt, beeinflusst, beeinträchtigt etc. wird.
 
Insekten bspw. nehmen "die" Natur bekanntlich völlig anders wahr als wir und dies gilt auch für Menschen unter Einfluss bewusstseinsveränderner, also psychedelischer Drogen.

Es ist Neurobiologie, Hirnchemie, die da wirkt, verändert - mittels diverser Substanzen beeinflusst, verändert wird.
Und diese Veränderungen lassen sich ebenfalls durch Neurowissenschaften beobachten, beschreiben, erklären: was weshalb wie wirkt, was im Gehirn wodurch wie verändert wird, mit welchen Folgen, siehe auch Gehirnverletzungen, Gehirnerkrankungen, epileptische Anfälle etc..
 
Es gibt kein "NaturRECHT". Alles, das Menschen sich selbst moralisch setzen - Regeln, Normen, Gesetze ... - basiert auf veränderlichen Erfahrungen, Erkenntnissen, diversen äußeren Umständen, Einflüssen, Wechselwirkungen und auf Kutur, kulturellen Entwicklungen und Veränderungen.
 
Und basalster Urgrund für jegliche intrinsische - gerade nicht durch Religion, Ideologie oktroyierte - Moral ist das jedem Menschen angeborene Mitgefühl und so auch bei anderen Primaten. Siehe bspw. Spiegelneurone, Gefühle, Schmerzfähigkeit, Leidfähigkeit ... .
 
Ethik ist, was auf der Metaebene, auf Verstand und Vernunft basierend zwischen Menschen vereinbart und immer wieder modifiziert wird. Es ist die mentale, intellektuelle Ebene der Theorie(n).
 
Ethik ist Teilgebiet akademischer Philosophie und unterscheidet sich vom vorgeblichen "Naturrecht" und Religion(en) vor allem darin, dass sie eben wissenschaftsbasiert, wissenschaftliche Disziplin, auch interdisziplinär ist (Geschichte, Kulturgeschichte, Anthropologie, Evolutionsbiologie, Soziologie, Psychologie ...), somit falsifizierbar, stets modifizierbar und gerade nicht dogmatisch.
 
Und dass und warum die autoritäre, hierarchische, patriarchale Basis dieses sogenannten "Naturrechts" sich gerade nicht auf eine etwaig immer gleichbleibende "(menschliche) Natur als solche" stützen kann, zeigt sich in/an all jenen menschlichen Gemeinschaften und Kulturen, die gerade nicht hierarchisch, autoritär, patriarchal gelebt haben und leben, siehe bspw. verschiedene Jäger- und Sammler-Kulturen und sogen. Matriarchate. Siehe auch Anarchismus.
 
Es lässt sich abkürzen: Hinter all dem stehen konservative Menschen, für die es typisch, spezifisch ist, dass sie selbst massiv autoritär (geprägt) sind - zumeist seit ihrer Kindheit bereits. Ja, auch das ist psychoanalytisch zu betrachten.

Denn solche Menschen suchen, wollen das und fühlen sich zu eben dem hingezogen, das ihnen seit ihrer Kindheit vertraut ist - auch wenn es sie beschädigt hat, gerade deshalb! Denn sie scheuen den Reifeprozess und davor die Selbsterkenntnis, Selbstreflexion - die Erkenntnis des Beschädigtwordenseins: von üblicherweise ausgerechnet den eigenen Eltern.
 
Sie bleiben in infantiler Unreife verhaftet und brauchen Autoritarismus für sich selbst, dieser gibt ihnen Halt, Orientierung, Sicherheit - Vertrautheit. Und ein Gefühl von Stärke, Wert und Überlegenheit - zur Kompensation ihrer Minderwertigkeitskomplexe, Angst, Scham, Unreife.
 
Und d e s h a l b verabscheuen und bekämpfen sie alles Liberale, Freiheitliche, Bedürftige, Verletzliche (das sie als schwach interpretieren und verachten), alles Individuelle, Gefühlvolle, Mitfühlende, Ambivalente, Widersprüchliche, Sensible, Feinfühlige - es verunsichert sie intensiv, es macht ihnen Angst, es konfrontiert sie mit ihrer eigenen Verletzlichkeit, Bedürftigkeit, Haltlosigkeit, ihren eigenen Schmerzen - insbesondere jenen des Kindes, das sie einmal waren und das sich ausgeliefert, hilflos, allein fühlte, weil es von den Eltern entsprechen be-, misshandelt wurde - mehr oder weniger "subtil" gewaltvoll: psychisch-emotional und/oder auch physisch.
 
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31. März 2018
 
Was heißt es, nicht nur, aber gerade auch heute, politisch links eingestellt - denkend, fühlend, sich entsprechend verhaltend - zu sein?
 
Für mich ist genuin Linkssein, sich auf Basis von Mitgefühl, Humanismus, Aufklärung, Gewissenhaftigkeit, Integrität, Reflexionsfähigkeit für Selbstbestimmung, Individualität, Freiheit (immer inkl. Verantwortung), soziale Gerechtigkeit, für das bedürfnisorientierte Gemeinwohl - letztlich unausweichlich: das globale - einzusetzen, dafür also, dass es möglichst allen Menschen einigermaßen gut geht und nicht einigen wenigen auf Kosten, zu Lasten anderer gut und vielen anderen "schlecht" ..) - ja, hat eine Menge mit "Gutmenschentum" (Ethik, Mitgefühl, Solidarität, Kooperation), mit Altruismus, aber auch mit Vernunft und Leidenschaft zu tun.

Das ist die Kurzversion, nachfolgend ausführlicher dargelegt.
 
Rechtskonservative bezeichnen das übrigens bekanntlich gerne abwertend und dabei unfreiwillig selbstenttarnend - siehe Menschenbild, Selbstbetrug - als "Sozialromantik".
 
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Aktualisierung am 14. September 2019
 
Liest du bspw. bei Zwitscher die tweets zu Sozialismus, siehst du, wie welche Leute den Begriff immer noch, immer wieder verunglimpfen, absichtsvoll oder auf Basis mangelnder kognitiver, intellektueller Fähigkeiten als Staatssozialismus, als Totalitarismus missverstehen: wollen, nur können?

Leute sagen, es habe den "echten" Sozialismus - in seiner genuinen (Wort-) Bedeutung - nie gegeben; das ist nachweislich falsch:

Gelebter Sozialismus findet sich bspw. in sämtlichen sogenannten Matriarchaten, außerdem in anarchistisch lebenden Gemeinschaften (siehe bspw. im spanischen Bürgerkrieg in Katalonien, Barcelona ...) und auch gegenwärtig in alternativen Wohnprojekten, siehe cohousing, Selbstverwatlung, Soziokratie (Konsentprinzip), siehe bedürfnisorientierte, ethisch fundierte Gemeinwohlökonomie und Solidarwirtschaft ... .
 
Das Problem ist also immer der verengte Horizont, das (je persönliche wie kollektive) Indoktriniertsein aufgrund bestimmter Ideologien, aufgrund bestimmter, erlittener, schädigender Sozialisation in Familie, in Gesellschaft, in Staaten, unter patriarchalen, autoritären, konservativen, reaktionären Ideologien und Religionen.
 
Wer also aus welchen Gründen und von jeher den Sozialismusbegriff in bekannter Weise zu diskreditieren versucht, ist ein so ausgelutschter Drops wie es Zeitvergeudung ist, darauf auch nur ansatzweise einzugehen.
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"[...] Der klassische Liberalismus ist nie den Weg in die Extreme mitgegangen. Dieser wurde von Teilen der rationalistischen Strömung, aus dem die Aufklärung und der Liberalismus sich herausbildete, gegangen, quasi am Liberalismus vorbei. Dieser hielt an der alten, gemäßigten Sichtweise fest. Rufen wir in Erinnerung, was die Kernpunkte sind. Das Hauptargument für die liberale Kernforderung der Herrschaft des Rechts (der rechtlichen Gleichstellung aller Menschen) ist seine zentrale Funktion bei der Sicherung der Zivilisation, d. h. der gesellschaftlichen Zusammenarbeit in Arbeitsteilung. Recht sichert Frieden, weil es faire Tauschbeziehungen definiert und absichert. Die marktwirtschaftliche Gesellschaft ist klassen- und kastenlos. Die persönlichen Unterschiede werden als Ursache für gesellschaftliche Unterschiede akzeptiert, und die wirtschaftlichen Unterschiede werden als Anreize für ein Gewinnstreben angesehen, das letztlich allen zugute kommt.
 
Das Ziel ist ganz klar die Überwindung der Klassengesellschaft, durch die Gleichstellung aller Stände, aller Menschen. Das Ziel ist die Verbesserung der Lebensbedingungen der Vielen durch die Freisetzung der wirtschaftlichen Dynamik des Kapitalismus. Der Liberalismus kämpft für die Freiheit und Gerechtigkeit, in der alle Menschen prinzipiell frei sind, sich nach ihren eigenen Möglichkeiten zu entfalten. Die Macht von Gruppen und Eliten über andere lehnt er ebenso ab, wie Eingriffe in die Eigentumsrechte zum Zwecke der Gleichmacherei. Die Kategorien rechts und links lassen sich nicht auf den klassischen Liberalismus anwenden. Es kann daher auch keinen Links- oder Rechtsliberalismus geben. Diese Begriffe stehen für Strömungen, die sich liberal wähnen, aber einen egalitaristischen oder elitaristischen Einschlag haben und daher nicht liberal sind. Es sind rechte oder linke Strömungen im liberalen Gewand.
 
Der klassische Liberalismus ist also weder weder rechts noch links. Diese Unterscheidungen beziehen sich auf in sich widersprüchliche und unhaltbare Ideologien, die jünger sind als der Liberalismus und die sich historisch längst überholt haben. Er ist auch nicht das Gegenteil von beiden, wie das die Anarchisten vorschlagen. Sie stellen Rechts und Links unter den Oberbegriff des Etatismus (verstanden als Staatsfreundlichkeit) und den Liberalismus als antietatistisch. Nein, auch die Stellung zum Staat in antithetischer Zuspitzung hilft nicht weiter. Die Koordinaten sind allesamt unbrauchbar. Der Liberalismus hält den minimalistischen Rechtsstaat für unverzichtbar und hat mit dem Anarchismus keine tragfähigen Gemeinsamkeiten.
 
Der Liberalismus ist eine Denkweise, die die Gesamtinteressen aller Menschen ins Auge fasst, die langfristigen Interessen aller den kurzfristigen und partikulären einzelner Gruppen vorzieht. Sie geht von der allen Menschen eigenen Freiheit aus. Der Liberalismus ist keine politische Partei, sondern eine humanistische Philosophie, die allen Menschen zugute kommt. Er tritt der ideologischen Überspitzung entgegen, führt zusammen, wo andere spalten; er glaubt an die Harmonie der Interessen, wo andere Hass säen. [...]"
 
Quelle: "Der Unterschied zwischen der Rechten und der Linken und warum ich weder das eine noch das andere bin", von Helmut Krebs, forum-freie-gesellschaft.de; Hervorhebungen habe ich vorgenommen. - Nicht allem, in diesem Text Erwähnten kann ich vorbehaltlos zustimmen.
 
In oben stehenden Texten ist durchaus bereits herausgearbeitet, worin die grundsäztlichen Unterschiede zwischen konservativ und liberal eingestellten Menschen, ihren Haltungen, Überzeugungen, ihrem Denken bestehen.
Dennoch gibt es einige Missverständnisse bzw. werden auch absichtlich falsche, schlagseitige Definitionen der beiden Begriffe sowie auch des Unterschieds - zu manipulativen Zwecken - gegeben.
 
Allgemeinhin gilt der konservative Mensch als bodenständiger Skeptiker, Zweifler, Bewahrer, als ein Mensch, der Verantwortung, Moral, Ordnung und Beständigkeit hochhält.
Der liberale Mensch wird üblicherweise dargestellt als am Fortschritt orientiert, auf Fortschritt ausgerichtet, als ein Mensch, der "Altes" gerne grundsätzlich verwirft, der den Menschen für "von Natur aus gut" hält – als sei er, der Liberale, ein romantischer, realitätsferner, schwärmerischer Idealist, ja Utopist in Rousseau´scher Gefolgschaft.
 
Doch ganz so einfach – wie es Konservative stets gerne hätten und daher herunterzubrechen versuchen – ist es zu erwartenderweise nicht.
 
Vor allem ist Liberalismus nicht mit Egalitarismus gleichzusetzen.
 
Der Hauptunterschied zwischen Konservativen und Liberalen besteht darin, dass der Konservative sich prinzipiell mehr am Ich, am Ego, an egoistisch-egozentrischen Interessen entlang bewegt, während der liberal eingestellte Mensch stärker (als der konservative) auch den Anderen in den Blick nimmt, sich an dessen und nicht nur den eigenen Rechten, Interessen, Wünschen, Bedürfnissen, Verhältnissen, Möglichkeiten … orientiert – und dabei jeglichen "Anderen" meint, nicht nur den ihm privat (familiär …) Nahestehenden.
 
Der liberale Mensch ist dabei keineswegs ein Menschenfreund per se.
Sein Anliegen ist es jedoch, sich mit den Phänomenen, Umständen, Bedingungen von und für die Existenz, d.h. die Art und Weise des Existierens von "Welt und Mensch" bzw. vom Menschen in der Welt - und folglich mit anderen Lebewesen (also auch und gerade anderen Menschen) zusammen - immer wieder vor allem selbstreflexiv, selbstkritisch hinterfragend, ergründend auseinanderzusetzen, sich nicht vorschnell bequem mit Vordergründigem, scheinbar Gegebenem, "Richtigem" abzufinden, es sich darin für sich selbst behaglich einzurichten und es als unveränderliches Moral- oder gar "Naturgesetz" hinzunehmen, sondern stattdessen: alles daraufhin zu prüfen, ob es sich unter dem Aspekt humanistischer Werte, Grundsätze rechtfertigen und erhalten lässt oder als zu verändern erforderlich zeigt. – Siehe hierzu bspw. auch den oben stehenden Text/Link: "Der Unterschied zwischen der Rechten und der Linken (…)", Forum Freie Gesellschaft.
 
So gesehen ist der liberal eingestellte Mensch durchaus ein "Moralist", weshalb er ja auch abwertend als "Gutmensch" bezeichnet wird - als sei es irgendwie peinlich, verwerflich oder lächerlich, durch moralische Werte geleitet, d.h. empathisch zu sein und sich (alltäglich) entsprechend auch zu verhalten. - Nein, es ist viel mehr die Scham derer, die im Grunde durchaus wissen, dass sie selbst von Ich-Bezogenheit, von Selbstsucht, von Egozentrismus, Bequemlichkeit und Ängstlichkeit angetrieben sind bzw. sich davon treiben lassen, dem nichts (Humanistisches, keine kritische wie selbstkritische Reflexion) entgegensetzen.
Sie sind von Komplexität überfordert und haben zumeist Angst, es würden ihnen ihre Privilegien, ihr Wohlstand abspenstig gemacht. Es hat somit auch mit Geiz, Gier und Neid zu tun.
 
All diese niederen Gefühligkeiten werden selbstredend in dieser Weise nicht offen eingestanden und zugegeben, stattdessen versuchen solche Menschen diese ihre ureigenen Unzulänglichkeiten begrifflich euphemisierend und vorgeblich "intellektualisiert" umzudeuten, auszudrücken bzw. hinter diversen Begriffen und Erklärungen zu verstecken.
 
Die eigentlich spannende Frage allerdings ist jene nach den Ursachen, Hintergründen des Entstehens von konservativen und liberalen Einstellungen und in Folge Verhaltensweisen.
 
Und die Antwort auf diese Frage ist psychologischer bzw. psychoanalytischer Art, ist also nicht ausschließlich in der Soziologie, sondern viel mehr in der (Entwicklungs-) Psychologie, Bindungstheorie auch Anthropologie und Pädagogik zu suchen und zu finden. - Siehe dazu auch die unten stehenden blog-Einträge zum Konservatismus.
 
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"[...] Egoismus ist nicht bloß ein Aspekt meines Verhaltens, sondern meines Charakters. Er bedeutet, dass ich alles für mich haben möchte; dass nicht Teilen, sondern Besitzen mir Vergnügen bereitet; dass ich immer habgieriger werden muss, denn wenn Haben mein Ziel ist, bin ich um so mehr, je mehr ich habe; dass ich alllen anderen gegenüber feindselig bin - meinen Kunden gegenüber, die ich betrügen, meinen Konkurrenten gegenüber, die ich ruinieren, meinen Arbeitern, die ich ausbeuten möchte. Ich kann nie zufrieden sein, denn meine Wünsche sind endlos. Ich muss jene beneiden, die mehr haben als ich, und mich vor jenen fürchten, die weniger haben. Aber all diese Gefühle muss ich verdrängen, um (vor anderen und vor mir selbst) der lächelnde, vernünftige, ehrliche, freundliche Mensch zu sein, als der sich jedermann ausgibt.
Die Habsucht muss zu endlosen Klassenkämpfen führen. [...]
Habgier und Friede schließen einander aus. [...]
 
Der Kapitalismus des 18. Jahrhunderts machte schrittweise einen Wandel durch: Das wirtschaftliche Verhalten wurde von der Ethik und den menschlichen Werten abgetrennt. [...]

Das Elend der Arbeiter sowie der Ruin einer stetig zunehmenden Zahl kleinerer Unternehmen infolge des unaufhaltsamen Wachstums der Konzerne galten als wirtschaftliche Notwendigkeit, die man vielleicht bedauern konnte, jedoch akzeptieren musste wie die Auswirkungen eines Naturgesetzes.

Die Entwicklung dieses Wirtschaftssystems wurde nicht mehr durch die Frage: Was ist gut für den Menschen? bestimmt, sondern durch die Frage: Was ist gut für das Wachstum des Systems? Die Schärfe dieses Konflikts versuchte man durch die These zu verschleiern, dass alles, was dem Wachstum des Systems (oder auch nur eines einzigen Konzerns) diene, auch das Wohl der Menschen fördere. Diese These wurde durch eine Hilfskonstruktion abgestützt, wonach genau jene menschlichen Qualitäten, die das System benötigte - Egoismus, Selbstsucht, Habgier - dem Menschen angeboren seien; sie seien somit nicht dem System, sondern der menschlichen Natur anzulasten. [...]"
 
Es dürfte kaum erforderlich sein, dass ich Quelle und Autor obiger Sätze nennen muss, der Vollständigkeit und Seriosität wegen tue ich es natürlich dennoch - einfach mal wieder lesen:
 
Erich Fromm - "Haben oder Sein"
 
Und es ist exakt das, das ich in meinem blog-Eintrag vor einiger Zeit bereits anmerkte (siehe oben):
 
Der Unterschied zwischen rechtskonservativ und linksliberal eingestellten Menschen liegt nicht in ihrer "Einstellung", in ihrem Denken, sondern in ihrem Fühlen - das aus ihrer jeweiligen Prägung, Erziehung, Sozialisation und Indoktrination resultiert, vor allem aber daraus, wie mit ihnen in der (frühen) Kindheit umgegangen wurde.

Und es ist nicht eine Frage der bloßen Einstellung/Überzeugung, als sei das irgendetwas oberflächlich Aufgesetztes, sondern es ist zutiefst eine Frage, eine Sache des Charakters, der psychisch-emotionalen Verfasstheit. Exakt. Siehe ähnlich bei Erich Fromm, siehe bspw. seine Ausführungen zum autoritären Charakter, Autoritarismus ... .
 
Daher ist es auch nicht möglich, diese Menschen irgendwie als Erwachsene durch Argumente und Fakten rational zu überzeugen. Aus soeben genanntem Grund ist das ein vollständig aussichtsloses Unterfangen.
 
Denn es geht um nichts weniger als das Welt-, Menschen- und vor allem Selbstbild der Leute. Es geht um ihr je eigenes, ganz und gar persönliches Fundament, ihr Selbstverständnis, ihre Selbstgewissheit, ihre Selbstrechtfertigung.
 
Dieses lassen sie sich durch definitiv n i c h t s "abändern", entziehen. Durch: nichts.
Das lehrt die Erfahrung - immer wieder. Immer noch.
 
Und ähnlich, eigentlich gleich, verhält es sich mit dem Entstehen von (Kultur-) Rassismus, Fremdenfeindlichkeit bzw. Fremdenhass, Xenophobie, aber auch Misogynie, Homophobie, gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit, siehe unten verlinkten blog-Eintrag hierzu.
 
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15. Oktober 2018
 
Meines Erachtens verkennt der wohlmeinende Ansatz, das politische und weltanschauliche Lagerdenken zu überwinden, die Ursachen dieser "Lagerbildung".
 
Nach meiner Beobachtung, Erfahrung und daraus resultierenden heutigen Überzeugung liegt das Urproblem - global übrigens - in der grundlegenden jeweiligen politischen Einstellung begründet, noch basaler in der jeweiligen Persönlichkeit und darin, wie sich diese aus welchen Gründen ausbildete, was m.E. sehr viel mit Kindheit, Identitätsbildung, Prägung, Sozialisation und häufig leider eben auch religiöser, ideologischer Indoktrination zu tun hat, darauf zurückgeht, weshalb das Problem gerade auch psychoanalytisch zu betrachten ist.

Tatsächlich denke ich, dass die "Lager", die Gräben zwischen rechtskonservativ und links-liberal-progressiv eingestellten Menschen bestehen und dass es auf die jeweilige Kindheit (siehe oben genannten Einflüsse, Erfahrungen etc.) zurückgeht, ob ein Mensch rechtskonservativ wird/ist oder links-liberal, denn es hat basal weniger mit dem Denken zu tun als mit dem Fühlen, gerade bei Konservativen jedenfalls, die bekanntlich grundsätzlich ängstlicher sind als "Linksliberale", die außerdem noch weitere spezifisch konservative Gefühle, Gefühligkeiten aufweisen; das Denken, die Überzeugungen, der theoretische Überbau, die Ideologie sind dann erst im Nachhinein eine Art Legitimation, auch Selbstrechtfertigung für dieses Fühlen.

Nach meiner Beobachtung und Erfahrung ist das zumeist lebenslang wirksam, so dass hierin das eigentliche "Lagerproblem" besteht bzw. sich daraus ergibt und man eben deshalb, weil es vorrangig, unterschwellig, häufig auch unbewusst um vor allem Gefühle geht, mit Fakten und Argumenten bei konservativen Menschen, noch weniger bei rechtsextremistischen, rassistischen, etwas erwirken kann, warum Diskussion mit ihnen zumeist nicht möglich oder nicht konstruktiv ist, da sie stets ihre Gefühle durch den "theoretischen Überbau" (entsprechende Ideologie, Aussagen, Behauptungen) zu rechtfertigen versuchen - insbesondere übrigens vor sich selbst.

Das heißt, das basal zugrundeliegende Problem zwischen Links und Rechts ist das jeweilige Menschenbild und was daraus abgeleitet wird.

Der Konservative sieht "den" Menschen üblicherweise als qua Natur "schlecht, böse, falsch", als zu führen, zu disziplinieren, zu dressieren, zu "formen" bedürftig, als des Menschen Wolf.
Der Konservative klammert sich daher Halt, Trost suchend, kompensatorisch an das Führerprinzip, an Abgrenzung, Abschottung, an Altbewährtes/Bekanntes, scheut das Fremde, Neue, hängt sich an ein irgendwie vermeintlich übergeordnetes Prinzip (siehe "Gott", religiöser Glaube, auch Aberglaube, Esoterik, Mystik ...).

Der Konservative kann sich gar nicht vorstellen, dass es Menschen gibt, die völlig anders erleben, empfinden, denken als er und w i e jeweils sie das tun, er projiziert sein negatives Menschenbild auf alle anderen, unterstellt ihnen seine ureigenen Schwächen, Defizite, Unzulänglichkeiten und meint, daraus das Prinzip ableiten zu können, alle anderen bedürften - wie er - der Führung, Leitung, des Paternalismus´ bis hin zu Schwarzer Pädagogik, Gewalt (Druck, Zwang, Kontrolle, Härte, Strenge, emotionale Kälte, Strafe, Dressur - absichtsvolles Schmerzzufügen zur "Disziplinierung" etc. - Gewalt also).

Dies geht m.E. auf die jeweils individuelle, in der Kindheit erlittene Beschädigung dieser Menschen zurück, in der es ihnen nicht möglich war bzw. nicht ermöglicht wurde, ein Urvertrauen auszubilden, was zu eben dieser feindseligen, emotional verpanzerten und ängstlichen, abwehrenden Haltung führt.

Es ist dabei keineswegs "erforderlich", dass diese Menschen als Kinder schwer physisch misshandelt und/oder intensiv vernachlässigt wurden, es "reicht" vollauf, dass nicht bedürfnisorientiert mit ihnen umgegangen wurde/wird (was nach wie vor rings um den Globus leider bei vielen Kindern der Fall ist), sie kein Urvertrauen ausbilden konnten und das ihnen (wie jedem Menschen und auch anderen Primaten) angeborene Mitgefühl daher von frühester Kindheit an bei ihnen beschädigt, begrenzt, beschnitten wurde.

Genau dieses Mitgefühl ist jedoch die Urbasis für intrinsische, nicht oktroyierte Moral, für also prosoziales, faires, kooperatives Verhalten, das - intrinsisch - aus ureigenem Wollen, Antrieb gelebt wird - nicht, weil es in irgendeiner Form, durch Dressur mittels Lob/Belohnung, Tadel/Strafe, aufgezwungen, antrainiert, andressiert wurde, sondern aufgrund des, ihres natürlichen, angeborenen Impulses zu helfen, zu unterstützen, zu entlasten, wenn sie wahrnehmen, dass andere dessen bedürfen.
Dieser Impuls, der durch das angeborene Mitfühlenkönnen direkt/spontan verursacht, getriggert wird (wissenschaftlich lässt sich das auf bspw. die Spiegelneuronen zurückführen, ich bin jedoch keine Expertin auf dem Gebiet der Neurowissenschaften), ist ausschlaggebend, muss gestärkt, statt beschädigt werden.

Die rationale Ebene, das Begründen, die Theoriebildung, die Ethik folgen erst im nächsten, späteren Schritt - auf der Metaebene.
 
Jede rationale, vernunftbasierte Ethik wäre jedoch leer, könnte überdies gefährlich, d.h. missbräuchlich eingesetzt werden, wenn ihr der Urgrund des Mitgefühls verlustig geht.
 
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"[...] Wie immer man das Phänomen nennen will, für das die Namen Trump, Le Pen oder AfD stehen – es ist nicht bloß eine Denkweise, sondern eine Gefühlswelt. Wird sie beschrieben, dann fallen Vokabeln wie Hass, Wut, Frust, Sorgen und Nöte. Und so viel steht fest: "Man kann diese Gefühle nicht einfach als zufällig oder den Menschen eingeredet abtun; sie gehören zum Grundbestand der modernen Gesellschaft. Misstrauen, Abhängigkeit, Sich-ausgeschlossen-fühlen, Angst und Desillusionierung fließen in eins zusammen und ergeben einen grundlegenden Zustand des Menschen im heutigen Dasein: das große Unbehagen." Kluge Worte, sie wurden vor 70 Jahren geschrieben.
So lange ist es schon her, dass die beiden Emigranten Leo Löwenthal, ein Deutscher, und Norbert Gutermann, ein Pole, ihre Untersuchung über die Reden rechtsextremer Führer in den USA veröffentlichten (Agitation und Ohnmacht). Ein Jahr später wurde auch ein zweites Buch fertig, das Theodor W. Adorno berühmt machen sollte: die sozialpsychologischen Studien zum autoritären Charakter. Die beiden Werke ergeben ein Bild protofaschistischer Verhetzung, das beklemmend aktuell wirkt. Und das eine Erklärung dafür anbietet, warum Menschen für Hetze so empfänglich sind. [...]

Adorno und seine Mitautoren wenden sich gegen die vulgärmarxistische Vorstellung, rechtsradikale Stimmungen seien einfach der Ausdruck sozialer Missstände. Sie vermuten stattdessen, dass "lange bestehende Sehnsüchte und Erwartungen, Ängste und Unruhen die Menschen für bestimmte Überzeugungen empfänglich und anderen gegenüber resistent machen". Zu diesen Sehnsüchten zählte schon damals, dass der permanente Veränderungsstress endlich aufhören möge. Das ist verständlich, aber doch regressiv: die Verweigerung eines erwachsenen Umgangs mit der Welt. [...]
 
Sie zeigen, dass sich Vorurteile gegen Minderheiten durchaus unabhängig von sozialen Lagen herausbilden. Ein weiterer Befund ist der "Bruch zwischen angeblichem und wirklichem Denken". Etliche Befragte hatten ihre Fragebögen so ausgefüllt, wie sie es für erwünscht hielten ("politisch korrekt", würde man heute sagen) – erst im Gespräch zeigten sie ihre wahren Ansichten, oft in Form neurotischer Fixierungen. Das waren beispielsweise pathologische Überlegenheitsfantasien ("Ich kenne alle Hintergründe") oder auch sexuelle Triebe, die man sich nicht gern eingesteht, sie vielmehr anderen – namentlich den Fremden – zuschreibt, um diese sodann zu verurteilen.
 
Um Verborgenes geht es also. Theodor W. Adorno schreibt in seiner Analyse der Rundfunkreden von Martin Luther Thomas, einem faschistischen Prediger der dreißiger Jahre: "Unter der Maske christlicher Ekstase versteckt sich die Ermutigung zu Heidentum, orgiastischer Entfesselung der eigenen emotionalen Triebe, zur Regression auf die unartikulierte Natur." Der Autor sieht darin einen "Gefühls-Befreiungs-Trick".
 
Namentlich der Faschismus lebe "von dem Mangel an emotionaler Befriedigung in der Industriegesellschaft" und davon, "dass er den Menschen jene irrationale Genugtuung verschafft, die ihnen durch die heutigen sozialen und wirtschaftlichen Verhältnisse vorenthalten wird". Der faschistische Führer gebe "ein Modell für das Verhalten, das seine Zuhörer nachahmen und annehmen sollen. Sie sollen sich nicht zivilisiert benehmen, sie sollen schreien, gestikulieren, ihren Gefühlen freien Lauf lassen." So erklärt sich, warum die Anhänger Trumps oder ihre hiesigen Pendants dann besonders jubeln, wenn ihre Idole ein Tabu brechen: Das löst die Spannung zwischen dem, was man sagen darf, und dem, was man sagen will. Entzivilisierung macht glücklich.
 
"Bezeichnend für den Faschistenführer ist ein Hang zu geschwätzigen Erklärungen über die eigene Person", erklärt Adorno weiter. Das sei nicht bloß Narzissmus, "es ist ein Teil des Geheimnisses totalitärer Führung, der Gefolgschaft das Bild eines autonomen Charakters vor Augen zu stellen, der zu sein ihr in Wahrheit verwehrt wird". [...]
 
"Der Agitator", so nennen Löwenthal und Gutermann diesen Typus des Volksverhetzers, "ist sehr besorgt, weil alle Informationsmittel in die Hände der Feinde des Vaterlandes gefallen sind" – Mainstream-Medien, Lügenpresse, man kennt das. Er "spielt mit dem Misstrauen, das seine Zuhörer grundsätzlich gegen alle sozialen Erscheinungen hegen, die in ihr Leben eingreifen, ohne dass sie verstünden, wie das eigentlich geschieht". Zu diesen Erscheinungen rechnen die Autoren ausdrücklich die Immigration.
 
"Der Agitator", fahren sie fort, "kann offenbar voraussetzen, es mit Menschen zu tun zu haben, die unter dem Gefühl ihrer Hilflosigkeit und Passivität leiden. Er kann sich der Zwiespältigkeit dieses Komplexes bedienen, der einerseits einen Protest gegen jede Bevormundung enthält, auf der anderen Seite den Wunsch, beschützt zu werden (...), von einem starken Mann geführt zu werden."
 
Fazit: Das Phänomen, für das die Namen Trump, Le Pen oder AfD stehen, lässt sich nicht allein auf heutige Umstände zurückführen. Nicht nur auf demografische Umbrüche, die Globalisierung oder das Internet. Vor dem "großen Unbehagen" in Überlegenheitsfantasien zu flüchten ist eine dauerhafte Option. Manchmal genügt eine Unwucht im Parteiensystem oder die offenkundige Abnutzung einer Führungsschicht, und es beginnt eine Dynamik, die sich ihren Brennstoff sucht – sei dieser auch "postfaktisch", also herbeifantasiert und zusammengelogen. Er zündet dennoch.
 
Fragt sich nur, was aus alledem zu lernen ist.
 
Die Studien beschreiben Leute, die längst gegen Erfahrungen immun sind, welche ihre Vorurteile infrage stellen könnten. So stellt sich nach der Lektüre ein Gefühl der Hilflosigkeit ein; zu den Kennzeichen der Frankfurter Schule, der die Autoren angehörten, zählte es, analytisch stark zu sein, aber politisch resignativ. Rückzug ins bessere Wissen.
Politisch lernen lässt sich daraus dennoch einiges:
Überzeugte sind für Argumente unerreichbar, auch wer sich auf ihre Emotionen einlässt, belohnt diese nur. Die Leute leben jedoch inmitten einer Mehrheit, die anders denkt als sie. Daher hängt alles davon ab, wohin diese Mehrheit insgesamt tendiert. Gewinnt der rechte Rand ideologische und emotionale Energie aus seinem Nahfeld, oder verliert er sie daran? Als politische Aufgabe formuliert: Die Radikalen sollen sich nicht wie der Fisch im Wasser fühlen, sondern wie der Fisch an Land. [...]

Nicht die Verhetzten muss die Politik gewinnen, sondern jene, die das "große Unbehagen" empfinden, ohne deswegen schon den Anstand verloren zu haben."
 
Quelle: zeit.de - "Theodor W. Adorno: Der Trick mit der Gefühlsbefreiung", farbliche Hervorhebungen (dunkelblau) habe ich vorgenommen.
 

Literaturcafé "Harald Welzer: Selbst denken - eine Anleitung zum Widerstand" - Harald Welzer über Eigeninitiative, wider die unter insbesondere Konservativen verbreitete Apokalypserhetorik. Was Rechtskonservative und tatsächlich Linksliberale grundlegend unterscheidet, sind ihre Gefühle, ist ihr jeweiliges Menschenbild, Weltbild, infolgedessen ihre Einstellungen, Überzeugungen, Werte und Verhaltensweisen.

"Ein Konservativer ist ein Mensch mit zwei völlig gesunden Beinen, der nie gehen gelernt hat."
 
Franklin D. Roosevelt
 
"[...] Nach seiner ersten Amtszeit wurde er 1936, 1940 und 1944 wiedergewählt – er ist damit der einzige US-Präsident, der länger als zwei Wahlperioden regierte. Seine Präsidentschaft ist durch innenpolitische Reformen unter dem Schlagwort New Deal zur Bekämpfung der Weltwirtschaftskrise geprägt. Seine Politik setzte die Leitlinie zum regulierenden Eingreifen der amerikanischen Regierung ins wirtschaftliche Geschehen, um bestimmte, im allgemeinen Interesse bestehende Ziele durchzusetzen. Zudem brachten die Einführung der Sozialversicherung und eines bundesweiten Mindestlohns nachhaltige Veränderungen im Sozialwesen des Landes mit sich.

Das bedeutendste außenpolitische Ereignis war der Eintritt der Vereinigten Staaten in den Zweiten Weltkrieg nach dem japanischen Angriff auf Pearl Harbor im Dezember 1941. Roosevelt widmete sich trotz der politischen und gesellschaftlichen Gegensätze zur Sowjetunion aktiv dem Aufbau der Anti-Hitler-Koalition und hatte entscheidenden Anteil an der Definition der alliierten Kriegsziele gegen die Achsenmächte. Unter seiner Führung erfuhr die bis dato überwiegend isolationistische US-Außenpolitik eine neue Ausrichtung hin zum Internationalismus. Mit seiner Politik versuchte Roosevelt, anstelle eines Nationalismus dem Gedanken der globalen Abhängigkeit aller von allen Geltung zu verschaffen. Ausdruck wurde dem durch die Gründung der Vereinten Nationen (UNO) 1945 verliehen, die der Präsident maßgeblich vorangetrieben hatte. [...]

Während seiner Senatorentätigkeit (1910–1913) setzte er sich für Reformen der politischen Willensbildung (Direktwahl der Senatoren auf Bundesebene, Frauenwahlrecht) ein, bekämpfte die rigorose Abholzung der Wälder – das deutlichste Erbe seines Vetters Theodore – und stand für die Verbesserung der Lebensbedingungen von Farmern und Arbeitern ein. [...]

In der Amtseinführungsrede vor dem Kongress im März 1933 verkündete er seine außenpolitische Vision der „Good Neighbor Policy“ („Außenpolitik der Guten Nachbarschaft“). Roosevelt war überzeugt, dass die weltweiten imperialistischen Überdehnungen der USA den revolutionären Ursprungsidealen seines Landes zuwiderliefen. Im Jahr 1933 folgte außerdem eine Anerkennung der Sowjetunion, was unter den Vorgängerregierungen seit der Oktoberrevolution 1917 nicht der Fall gewesen war.

Die kooperativen, gutnachbarschaftlichen und gleichberechtigten Austauschbeziehungen der ländlichen Gemeinden Amerikas untereinander waren das Modell, nach dem die USA unter Roosevelt auch die internationalen Beziehungen eingerichtet wissen wollten. Aus diesem pragmatischen, vom „common sense“ (Gesunder Menschenverstand) geprägten Ansatz heraus war für Roosevelt die Außenpolitik immer auch eine unmittelbare Funktion einer auf Ausgleich, Entwicklung und Gerechtigkeit gegründeten humanen Gesellschaftspolitik im Innern. [...]

Anstelle eines engen Nationalismus versuchte Roosevelt, dem Gedanken der globalen Abhängigkeit aller von allen („One World“) in seiner Außenpolitik zur Geltung zu verhelfen. Diesem sollten sich auch die weltweiten industriellen und die Finanzinteressen der amerikanischen Konzerne unterordnen:

“We now realize, as we have never realized before, our interdependence with each other – that we cannot merely take but we must give as well.”

„Wir stellen nun fest, wie wir es nie zuvor festgestellt haben, dass wir voneinander abhängen – dass wir nicht nur nehmen können, sondern auch geben müssen.“ [...]"
 
Quelle: Wikipedia - "Franklin D. Roosevelt"
 

Alles Alte ist besser als alles Neue?

neues-deutschland.de

Das kommt dabei heraus, wenn Menschen Linkssein so intensiv missverstehen als möglich: vollständig.
 
Die hier (nd-Artikel "Unverbindliche Linke") vorgebrachte Kritik an realen Verhältnissen und Vorkommnissen ist durchaus angebracht, greift aber letztlich etwas zu kurz.
 
Linkssein hat vor allem mit gerade Solidarität, Loyalität, Reflexion und Selbstreflexion - also: Selbstkritik - zu tun und insbesondere damit, am Anderen, am Du, am Gemeinwohl ausgerichtet zu sein, siehe Fürsorglichkeitsprinzip, Gebenwollen und -können, siehe Respekt, Anerkennung, Wertschätzung, Offenheit, Zugewandtheit, Konfliktfähigkeit, Diskursfähigkeit und Mitgefühl.
 
Das bedeutet für mich genuin und in Kurzfassung Linkssein.
 
Und nein, Fürsorglichkeit ist gerade nicht gleichbedeutend mit Paternalismus, mit Fremdbestimmtwerden, Freiheitsentzug, Bevormundung, Gängelei, Entmündigung; sie hat viel mehr mit Bedürfnisorientiertheit, Respekt, Feinfühligkeit, Mitgefühl und Solidarität zu tun.
 
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