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Sabeth schreibt

Poesie Melancholie Philosophie Feminismus Anarchismus

"Der" Mensch ist nicht "qua Natur, Biologie böse", schlecht, Mensch ist nicht "ein Wolf dem Menschen", es gibt keinen Todestrieb - Fakten, statt destruktive, konservative, autoritäre Mythen, Menschenbild

 
"Der" Mensch ist nicht "qua Natur, Biologie böse", schlecht, Mensch ist nicht "ein Wolf dem Menschen", es gibt keinen Todestrieb - Fakten, statt destruktive, konservative, autoritäre Mythen, Menschenbild 
 
"Krieg" ist so wenig der "menschlichen Natur" inhärent wie Gewalt (-tätigkeit) oder "Todestrieb" (Freud). Belegt ist das längst durch Neurowissenschaften und Empirie.
 
Was im Menschen angelegt ist, ist neben Mitgefühl auch r e a k t i v e Aggression.
 
Ob es infolge dieser Aggression - und falls ja, aus welchen Gründen - zu Gewalttätigkeit kommt, hängt davon ab, wie das Umfeld mit dieser Aggression umgeht, denn Aggression ist ein Kommunikationsmittel, sie drückt aus: "Stop, hier ist eine Grenze, wird diese überschritten, ist mit Gewaltanwendung zu rechnen."
 
Aggression fungiert demnach als Warnsignal. Und diese reaktive Aggression wird ausgelöst, wenn eines Menschen (je individuelle) Schmerzgrenze überschritten wird. Somit ist reaktive Aggression ein Schutzfaktor und ein Kommunikationsmittel.

Um es einfach und anschaulich zu vermitteln: Üblicherweise knurrt ein Hund und zeigt weiteres Warnverhalten, bevor er ggf. zubeißt. So auch der Mensch. Erst wenn die r e a k t i v e Aggression - als Reaktion also auf zugefügten Schmerz bzw. auf das Überschreiten (!) der Schmerzgrenze - missachtet wird, kann Gewalt erfolgen.
 
Nachlesbar ist das bspw. bei Joachim Bauer in dessen hervorragendem, verständlichen Buch "Schmerzgrenze - Vom Ursprung alltäglicher und globaler Gewalt".
Oder auch bei Frans de Waal in bspw. "Der gute Affe".
 
Es ist jedoch das typisch rechtskonservativ-reaktionär-autoritäre Menschenbild, das Mensch als "von Natur aus böse, schlecht, grausam" etc. darzustellen versucht (der Mensch als "des Menschen Wolf", "Homo homini lupus", Titus Maccius Plautus und später missverständlich bei Thomas Hobbes) - dabei all die längst bekannten wissenschaftlichen Fakten übergehend, siehe oben genannt zu jedem Menschen (wie auch anderen Primaten) angeborenem Mitgefühl und der Tatsache, dass ohne Kooperation und Solidarität "der" (moderne) Mensch längst ausgestorben wäre. Wäre er also "von Natur aus", aufgrund Biologie tatsächlich "böse", nur oder vor allem gewalttätig, destruktiv, sadistisch, grausam, so gäbe es heute längst keine Menschen mehr.

Aber nach wie vor wird - von bestimmten Menschen - der Fokus weiterhin gezielt auf Destruktivität gesetzt - nicht auf Kooperation, Solidarität, prosoziales, fürsorgliches, verantwortungsvolles, hilfsbereites, rücksichtsvolles, faires, feinfühliges, zugewandtes, wohltuendes Verhalten - das Menschen nachweislich auch an den Tag legen, siehe Mitgefühl, das dem zugrundeliegt, also intrinsische (nicht religiös, ideologisch oktroyierte) Moral, Ethik, Altruismus.
 
Die zu stellende Frage ist: w e l c h e Menschen aus welchen Gründen - "neben reaktiv aggressiv" - durchaus auch eben dies w e r d e n und dann sein können, sind: "böse", grausam, falsch, antisozial, sadistisch, hassend, destruktiv.
Und hier schließt sich der Kreis zu Erich Fromm ("Anatomie der menschlichen Destruktivität", nekrophiler Charakter, autoritärer Charakter, Sadismus etc.), aber auch Arno Gruen, Wilhelm Reich (Autoritarismus ...) und Alice Miller:
 
die Ursachen liegen immer, bei jedem Menschen und überall auf der Welt, in dessen Kindheit: Prägung, Sozialisation ("Erziehung"), falscher, intensiv schädigender Umgang mit dem Kind, siehe Schwarze Pädagogik:
 
Autoritarismus, Druck, Zwang, Kontrolle, Härte, Strenge, emotionale Kälte (auch Vernachlässigung), Dressur - also psychische (!) und im leider nicht seltenen Extremfall auch physische Gewalt, wobei die psychische Gewalt physischer Gewalt üblicherweise voraus- und Erstere mit Letzterer zwangsläufig immer einhergeht.
 
Denn auf diese Weise wird dem Kind sein angeborenes Mitgefühl, seine Offenheit gewissermaßen abtrainiert bzw. kann ein so misshandeltes Kind - siehe insbesondere frühe Kindheit, Prägung - kein Urvertrauen, infolgedessen später auch kein Selbstvertrauen, kein Selbstwertgefühl ausbilden, sondern wird misstrauisch, ängstlich - nachweislich sind konservative Menschen ängstlicher als progressiv-liberale, abwehrend und/oder aggressiv und bildet eine emotionale Verpanzerung aus.
Siehe zum Körperpanzer auch Wilhelm Reich und Klaus Theweleit sowie Alice Miller und Gabor Maté.
 
Es ist in ständiger Hab-Acht-Stellung, es kann sich schlecht selbst regulieren, es geht nicht offen, neugierig, vertrauensvoll auf Welt und Menschen zu, dies eben aufgrund seiner massiv "negativen", zumeist lebenslang prägend, oft irreversibel schädigenden Erfahrungen in gerade seiner frühen Kindheit (in der überdies das autobiographische Gedächtnis noch nicht entwickelt ist).

Diese Erfahrungen sind in gewisser Weise ins Gehirn und den Körper eines so beschädigten, traumatisierten Kindes lebenslang "eingraviert" und es ist schwer, darauf mittels bspw. Psychotherapie Zugriff zu erhalten, eben weil das autobiographische Gedächtnis noch nicht entwickelt war, als die Schädigung erlitten wurde, d.h. es wird diese nicht bewusst erinnert, kann durch Erinnerung nicht abgerufen werden.
Hier kann evtl. analytische Psychotherapie (Psychoanalyse) und vor allem Körpertherapie helfen.
 
Keineswegs also ist "Krieg", Töten, Destruktivität "in der menschlichen DNA", "in menschlicher Natur" enthalten. Denn kein einziger Mensch (!) kommt als Gewalttäter oder Psychopath, Soziopath, Sadist, Mörder zur Welt. Er wird aus Gründen dazu, siehe oben in Kurzversion angeschnitten. Es gibt keinen "Todestrieb".
 
Wenn aber ausgerechnet Psychologen (?), gar Psychotherapeuten solchen unqualifizierten, unreflektierten, unwissenschaftlichen Müll verbreiten, muss man sich nicht wundern, dass und warum die Dinge sich nur sehr langsam in gebotener, zuträglicher, wohltuender Weise verändern.
 
Ausführlich und mit Quellenbelegen siehe blog, bspw. die unten verlinkten Einträge zu Konservativen, die ängstlicher sind, zur wichtigen frühkindlichen Bindung, zu Mitgefühl, Aggression und Schmerzgrenze, zu Autoritarismus, zu Erich Fromm, Arno Gruen, Wilhelm Reich, zu Gewalt, auch und gerade psychischer, zu Hass, Verbitterung, Sucht u.a.m..
 
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update 13. August 2020
 
Und wenn ihr, gerade bei der gegenwärtigen Hitze, ausreichend sauberes Wasser zu trinken, zum Händewaschen (Corona), zum Duschen, Wäschewaschen und sogar für die Toilettenspülung (Trinkwasser!) habt - denkt ihr dann auch manchmal oder vielleicht auch regelmäßig an all jene Menschen, die das nicht haben und wie sie darunter leiden: täglich - lebenslang?
 
Und wenn ihr schöne Erlebnisse, Momente habt, es euch gut geht, ihr euch wohlfühlt, Ausflüge, Urlaube macht, diverse kulturelle Veranstaltungen besucht u.a.m., müsst ihr dann auch häufig an all die vielen Menschen weltweit denken, die das nie je hatten, niemals haben, erleben (können) werden - die intensiv unter Armut und ihren bekannten Folgen leiden und das zumeist bis zu ihrem (auch frühen) Tod (als Kinder bereits), die um ihr ganzes, e i n z i g e s Leben betrogen werden, denen es genommen wird: gewaltsam, die unverschuldet (!) lebenslang massiv leiden müssen und das selbst mehrheitlich auch nicht abwenden können?
 
Und habt ihr dann auch ein schlechtes Gewissen, wenn ihr nur ein gutes Brot oder Salat, Gemüse, Kuchen ... esst, darum wissend, wieviele Menschen, auch Kinder auf dieser Welt täglich unter Hunger leiden und daran sowie an zahlreichen Krankheiten und schmutzigem, fehlendem Wasser und ärztlicher Versorgung elendig krepieren?
 
Und all das auch bezogen auf die vielen Menschen, die vor uns gelebt und unverschuldet (!) gelitten haben - all diese vielen Menschen, die durch Krankheiten, katastrophale Kriege, Gewalt, Armut, Ungerechtigkeit ... Qualen litten und qualvoll starben.
 
Ist es auch so unerträglich, dass ihr deswegen heulen müsst, weil ihr euch verantwortlich fühlt - einfach weil es euch besser geht, weil ihr G l ü c k hattet, anderswo geboren, aufgewachsen zu sein, leben zu können, weil das Z u f a l l ist und nicht euer Verdienst, aber ihr doch nicht wirklich, effektiv, zeitnah helfen könnt und ihr mit dieser Ungerechtigkeit nicht zurandekommt, weil sie nicht "vom Himmel gefallen", kein Naturgesetz ist, SONDERN MENSCHENGEMACHT?
 
Ja, vielleicht verliere ich allmählich jeglichen Resthalt.
Vielleicht bin ich einfach nur "überlastet" - emotional, sozial, physisch, existenziell.
Vielleicht ist mein Gemüt noch immer ein kindliches, einfaches, einfältiges, das mit all der menschlichen Schwäche, dem Selbstbetrug, den Selbstlügen, der Selbstsucht nicht zurandekommt.
 
Und ja: Es hilft keinem einzigen aneren Menschen, dass ich seines Leidens wegen Schmerzen habe - aber ich habe sie und ich denke, wenigstens das bin ich ihnen schuldig. Das schlechte Gewissen, das Mitgefühl, das Verantwortungsgefühl, den Willen, die Dinge ändern zu wollen. Auch wenn ich keinen Weg sehe, es aktiv, effektiv zu tun.
 
Und ihr so?
 
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Der wunderbare Gabor Maté über Sucht, Schmerz, Macht (-streben, siehe auch malignen Narzissmus), Kompensationsverhalten - Ursachen, Gründe - Beschädigung in der Kindheit und Abhilfe: Mitgefühl, Liebe, Kooperation, Bindung, Beziehung.
 

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Ralf 07/27/2020 08:56

Prima Text, kurz und nachvollziehbar, alle Quellen genannt. Danke dafür zu diesem Thema in dieser Art Informationen zur Verfügung zu stellen
Ralf

Sabeth 07/27/2020 13:07

Danke für das freundliche feedback.