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Sabeth schreibt

Poesie Melancholie Philosophie Feminismus Anarchismus

Pamphlet oder: Über Prostitution

 
Pamphlet
 
Wie oft erlebt eine Frau das - in Zeiten des überall kostenfrei verfügbaren Internets …:
Was früher auf offener Straße stattfand und sich u.a. in Wie-einem-Hund-Hinterherpfeifen, einfallslosen bis aggressiven Sprüchen und nicht selten auch in körperlichen Übergriffen – bspw. ans Gesäß und/oder die Brüste grapschen, klapsen, aber auch vermeintlich subtileren Formen körperlich von der Frau nicht erwünschter, auch nicht "provozierter", körperlicher Aufdringlichkeit, Übergriffigkeit vonseiten zahlreicher Männer - ausdrückte, geschieht heute mittels Internet-Kontakt, über sogen. "soziale" Netzwerke, Internet-Foren, chat-communities und andere Kommunikationsplattformen sowie e-mails und hierbei zumeist anonym. Na klar.
 
Frauen werden von Männern aller Altersklassen angeschrieben, angegraben. Nicht immer sofort fallen diese dabei mit der Tür ins Haus, häufig wird zunächst manipulative Vorarbeit "geleistet".
 
Da gibt es die Männer, die fremden Frauen online ihr Herz ausschütten über ihre (der Männer) private Lebenssituation, besonders über ihre Beziehung, d.h. Beziehungsprobleme, auch jene sexueller Art.
Da wird "Fremdgehen" gebeichtet, sich über "geheime" sexuelle Wünsche, Phantasien, "Nöte" verbreitet und werden noch andere Niederungen menschlichen Verhaltens ausgeleuchtet, zugemutet.
 
Aus welcher Motivation heraus und mit welcher Erwartung? Um Schulderlass von fremden Frauen zu erhalten, um das eigene Gewissen zu erleichtern, um sich "einfach mal aussprechen" zu können? Letzteres nur leider eben mit den falschen Personen, Frauen.
Und nicht zuletzt: um um Verständnis zu buhlen, Mitgefühl, Anteilnahme auszulösen, um die Frau auf diese manipulative Weise für sich einzunehmen zu versuchen.
 
Und es gibt offenbar tatsächlich immer wieder Frauen, die darauf hereinfallen.
Der Mann gibt sich ja so vermeintlich reflektiert und selbstkritisch, so "gewissenhaft", verantwortungsbewusst, auch vorgeblich haltlos, suchend, mit sich ringend, schuldbewusst und reumütig, so obendrein verwirrt, verloren, so arglistig verführt etc..
Das triggert bei nicht wenigen Frauen, auch aller Altersklassen btw, jedoch überwiegend bei den jüngeren Damen unter +/- 40, deren "Mutterinstinkt". Oder was sie bzw. die Männer dafür halten wollen. Man nennt es gelegentlich auch "Helfersyndrom" oder Naivität.
 
Wäre es mir rechtlich und moralisch erlaubt, könnte ich an dieser Stelle zum Zwecke der Beweisführung zahlreiche, veranschaulichende Beispiele anführen, anhand derer sich die/der Lesende selbst vom Zutreffen meiner Aussagen überzeugen könnte, denn ja, oft springen einen die eigentlichen Absichten der, d.h. dieser, solcher Männer so überdeutlich an, dass ihre Manipulationsversuche tatsächlich vor allem eines sind: ein Affront gegen die Intelligenz der Frauen.
Männer müssen Frauen offensichtlich und tatsächlich für unglaublich dumm halten oder aber sie nutzen schlicht scham- wie skrupellos deren Empathie, Mitgefühl aus.
 
Dann gibt es auch noch die anderen Männer - jene, die ohne irgendwelche lästigen, zeitverschwendenden Umschweife ganz direkt fragen, wohl gemerkt nicht auf entsprechenden Sex-Dating-Plattformen, sondern in "sozialen Netzwerken" und e-mails:
 
"Cumshot?! Anal?! – Ich will es dreckig und versaut!"
 
Weitere, detaillierte Beschreibungen lassen sich jederzeit dem Internet entnehmen (sofern man bspw. auf einschlägigen Plattformen angemeldet und mehr oder weniger aktiv, dort kommunizierend ist), ich muss das hier nicht umfangreicher ausführen.
Müsste ich wählen, wären mir Letztere tatsächlich lieber, da weiß ich immerhin sofort und genau, was die Stunde geschlagen hat, woran ich bin.
 
Kommen wir daher ebenso schnörkellos endlich zur Sache – meinen "Lieblingsthemen": Pornographie und Prostitution.
 
Wobei Pornographie auch nur eine Form, eine Variante von Prostitution ist und Prostitution überdies durchaus auch in Beziehungspartnerschaften stattfinden kann und stattfindet. Das allerdings ist kein neues, sondern ein ebenfalls uraltes Phänomen, was die Sache keineswegs besser macht.
 
Männer also.
Sie schreiben und erzählen es im Übrigen auch immer wieder gerne den Bezahldamen, dass sie seit Jahren oder auch Jahrzehnten bereits verheiratet sind, oft haben sie auch Kinder. Sie besuchen mehr oder weniger so regelmäßig wie häufig Prostituierte oder bestellen sie sich nach Hause.
Heute kann der Mann auf entsprechenden Plattformen, wie aus einer Speisekarte ein Menu, nicht nur eine Frau nach ihrer optischen Erscheinung (drall, schlank, "Körbchengröße", Silikonimplantatgröße, Haarfarbe , Reizwäsche, Fetisch etc.) auswählen, sondern auch aus ihrem jeweiligen breiten Angebot an Techniken, Praktiken, Utensilien, Rollen … .
Schnell stellt der clevere Mann dabei fest, dass die Damen fast alle ein fast gleich breites und inhaltlich ebenfalls recht ähnliches Angebot offerieren: via Internet-Bestellservice – Fellatio, cumshot und a tergo sind dabei absolute Standards und werden in diversen Variationen angeboten, daneben noch mehrere spezifischere Praktiken … .
Klar wird dabei ebenso schnell, zumindest der Frau, dass die Bezahldamen hier nicht zimperlich sein dürfen: wer nicht ein ähnlich breites sowie umfangreiches Standard-Repertoire anbieten kann oder will, hält sich nicht lange, hat keine Chance auf dem Markt.
 
Nun schreiben Männer, es finde ja doch nur das statt, das zuvor vereinbart worden sei und da seien die Grenzen vonseiten der Prostituierten sehr klar abgesteckt. Ja aber sicher sind sie das! Allerdings: innerhalb dieser Grenzen bietet sich dem Mann ein recht weites Spektrum.
 
Von Zwangsprostitution ist hier nicht die Rede, sondern von all den Frauen, die sich freiwillig und gerne, überzeugt prostituieren, vor allem selbstbestimmt. ;)
Wir bewegen uns also bereits im durchaus "gehobeneren" Segment.
 
Männer schreiben weiterhin, es gebe darunter "etliche" Frauen, die sich auch aus eigener sexueller Lust prostituieren bzw. die dabei sexuelle Lust empfinden, sich ihre "Kunden" schließlich auch selbst aussuchen könnten und eben nur das anböten, das sie anbieten wollen.
 
Frau fragt sich: Wie naiv können Männer sein?!
 
Klar, die Dame verweigert jeden zweiten oder dritten oder auch bloß jeden vierten Kunden – und sie ist ganz schnell raus.
Und sie bietet, wie oben schon festgestellt, nicht das an, das ihr selbst zusagt, sondern das von Kunden mehrheitlich nachgefragt wird. Verweigert sie diverse dieser Praktiken: ist sie ganz schnell raus.
 
Aber sicher, bei jedem zweiten Kunden am Tag hat sie mindestens einen Orgasmus, wenn nicht multiple – weil die "Kunden" bekanntlich so unsagbar gute Liebhaber sind … .
Wieviele Männer haben Schwierigkeiten mit weiblicher Lust, Sexualität, Befriedigung derselben, da werden Freier zweifelsohne die große Ausnahme bilden, und weil sie, die Freier, auch so überdurchschnittlich attraktiv und/oder gepflegt sind und weil die Bezahldamen offenbar allesamt Nymphomaninnen sein müssen, um bei soundsovielen Kunden am Tag, und das (beinahe) jeden Tag, und bei mindestens jedem zweiten oder dritten Kunden intensive Orgasmen bekommen zu können.
 
Aber halt! Wir wissen ja auch, dass es Frauen beim Sex – wie sie schließlich selbst doch immer wieder zu beteuern nicht müde werden – auf ihren eigenen Höhepunkt, ihre körperliche Befriedigung, diesen Genuss, gar nicht unbedingt ankommt. Sie genießt es schon, wenn immerhin er, jedes Mal für gewöhnlich, zum Schuss kommt; "aus Liebe" verzichtet sie also bereitwillig und hingebungsvoll auf eigene Erfüllung, Ekstase, wegen des Gefühls des "Verschmelzens", der Verbundenheit. Dafür braucht sie ja keinen Orgasmus.
 
Wir erinnern uns an dieser Stelle nichtsdestotrotz kurz mal an Oxytocin und so. Und weil es ihr ja schon vollauf genügt und es sie außerdem total geil macht, wenn sie ihm nur die lustvollsten Wonnen bescheren kann und das mehrmals wöchentlich, über Jahre, in vermeintlich monogamer Beziehung.  
Was bedeutet schon so ein ultrakurzer Orgasmus? Der wird total überbewertet. Deshalb wollen Männer ja auch so selten kommen.
 
Na und wenn es sich dann sogar um also "eine Professionelle" handelt, so weiß diese doch ohnehin viel schneller, leichter, besser zum Höhepunkt zu gelangen, insbesondere mit all ihren attraktiven, virtuosen Freiern!
 
Und wo sie es doch mit ihnen so lustvoll und erfüllend findet, vor allem mit beinahe jedem Freier in genau diesem Moment genau das zu tun, das er vorher mit ihr vereinbart hat und das sie ihm gegenüber nun also zu leisten, zu erbringen hat - wer sagt da: der Mann verfüge über die Frau?! - was soll sie sich solch großartige sexuelle Erlebnisse und diese auch noch täglich mit so ausgesuchten "Liebhabern" dann überhaupt noch bezahlen lassen?
 
Wer sagt hier, der Mann bezahle sie doch eben genau dafür:
 
- dass er ihr gegenüber zu nichts verpflichtet ist
- dass er über sie verfügen kann/darf
- dass sie ihm genau das liefert und an ihm genau das vollzieht, das er zuvor geordert hat
- dass er absolut keine Rücksicht auf ihre Tagesform, ihre körperliche Befindlichkeit, ihre psychische Verfasstheit nehmen muss
- dass sie nichts von ihm erwartet, nichts fordert und er auch nicht unter einem Erfüllungsdruck stehen muss wie möglicherweise so aber bei (s)einer Beziehungspartnerin, die am gemeinsamen Sex vielleicht doch auch gelegentlich ein bisschen Spaß und auch den ein und anderen "Höhepunkt" erleben, genießen möchte …
 
Dass er sie also dafür bezahlt:
 
dass sie tut, was sie tut, genau dann, wenn/wann er es will, wie er es will, was er will und so lange und oft er es – mit ihr – will.
 
Und vor allem dafür: dass sie anschließend ohne Murren und Klagen wieder geht. Ohne eigene Wünsche, Erwartungen, Forderungen anzumelden, ohne Hemmungen, Befindlichkeitsstörungen, Unpässlichkeiten, ohne Gefühle, ohne eigene Persönlichkeit, eigenes Mensch-, Individuumsein, Frausein.
 
Klar. Es gibt Männer, denen geht das vollständig am Allerwertesten vorbei. Die sind auch gar nicht so selten.
 
Aber es gibt auch diejenigen, die darauf nicht ganz so gut klarkommen und die dann auch mal mit Pillen oder Pülverchen etc. nachhelfen bzw. sich auf den Besuch der Bezahldame vorbereiten (müssen), damit sie den Akt vollziehen und den Schuss abfeuern können.
 
Und diese Männer kämpfen geradezu darum, irgendwie vermeintlich beweisen zu können, dass es Prostituierte gibt, welche diese "Dienstleistung" gerne erbringen.
Es ist für solche Männer nicht unbedingt problematisch, dass sie für Sex und ihre Triebbefriedigung Geld bezahlen müssen, was ihnen bisweilen jedoch zu schaffen macht, ist die Vorstellung, die Dame ließe alles mehr oder minder angeekelt oder auch bloß gelangweilt über sich ergehen, ohne jegliche eigene Lust und Leidenschaft zu empfinden, sie mache es also tatsächlich rein nur des Geldes wegen oder möglicherweise gar aus Mitleid oder mit Verachtung, Ekel.
 
Nein, der "Kunde" muss bitte wenigstens und immerhin die Illusion haben dürfen und können, die Prostituierte habe doch auch ein bisschen Spaß bei der Sache, vielleicht sogar Sympathie für ihn.
Und auch für diese Illusion bezahlt er sie. Und sie spielt ihm vor, was er glauben dürfen, woran er sich festhalten können möchte.
 
Man kann das Selbstbetrug der traurigsten Sorte nennen.
 
Solche Männer befragen dann auch gelegentlich Prostituierte nach deren Motivation, "Arbeitssituation" etc.. Das alles jedoch, um damit irgendwie ihr eigenes Verhalten moralisch vermeintlich legitimieren zu können – und auch, um sich ihre Selbstachtung noch irgendwie ansatzweise zu bewahren.
 
Und je intensiver und offensichtlicher sie darum also bemüht sind und sich darüber auch kommunizierend verbreiten, umso deutlicher drücken sie damit doch nur ihre eigenen Zweifel aus.
Darüber, dass es vielleicht doch keine "Dienstleistung wie jede andere" ist.
Darüber, dass es vielleicht doch nicht in Ordnung ist, über Frauen körperlich, sexuell, über ihr Intimstes zu verfügen und sie dafür mittels Geld vermeintlich zu "entschädigen".
Und es entlastet sie auch nicht, von sich ggf. behaupten zu können, sie behandelten die Damen immer zuvorkommend und respektvoll etc. pp..
 
Sie kaufen sich Frauen – für ihre eigene Triebabfuhr, um über diese Frauen nach eigenen Vorstellungen, Wünschen, Phantasien zu verfügen: sexuell, physisch und damit zwangsläufig immer auch psychisch-emotional.
Sie bezahlen für Sex. Mit Frauen, die den "Sex" leisten, die Benutzung, den Missbrauch, die Entwertung zulassen, mitvollziehen, nur weil sie dafür bezahlt werden.
 
Und die wenigsten dieser Frauen werden "angemessen" bezahlt, sofern man hier von Angemessenheit überhaupt sprechen kann.
 
Übrigens: Eine Frau, die einfach gerne viel, oft Sex mit fremden Männern haben, promisk leben möchte und/oder die auch etwas speziellere sexuelle Präferenzen und Neigungen hat und diese auch ausleben möchte, muss sich dafür spätestens heute (in Zeiten des Internet) nicht prostituieren. Beileibe nicht.
 
Dann hört und liest man von Männern sogar, was denn jene machen sollen, die es bei Frauen nicht so einfach hätten, aufgrund geringer Attraktivität oder ausgeprägter Schüchternheit oder aus sonstigen Gründen. Ob diese denn alle auf sexuelle Befriedigung mit einer Frau bzw. durch eine Frau unfreiwilligerweise verzichten müssten? Ja, das müssen sie!
 
Denn es gibt kein "Recht auf Sex, auf Triebbefriedigung", auch nicht für den Mann; und Frauen, auch Prostituierte also, sind keine "Barmherzigen Schwestern".
Wer den reinen Trieb befriedigen will oder muss, kann dies üblicherweise ganz gut mit sich alleine tun: durch Masturbation.
 
Frauen sind keine qua Natur fleischlichen Masturbationshilfen.
 
Wer hingegen Sex mit einer oder mehreren anderen Personen erleben möchte, muss sich darüber im Klaren sein, dass es sich um folglich andere Personen und Persönlichkeiten handelt – die alle je eigene Bedürfnisse, Wünsche, Erwartungen, Befindlichkeiten, Neigungen und Besonderheiten haben, was bedeutet, dass man niemals über einen anderen Menschen verfügen dürfen und/oder können sollte,  auch und schon gar nicht sexuell, sondern auf diese andere Person eingeht, mit ihr interagiert – das hat mit Wechselseitigkeit, mit Nehmen und Geben zu tun, niemals mit Einseitigkeit.
 
Gerade das macht den Sex, bei aller Ähnlichkeit, Wiederholung, überhaupt reizvoll und interessant: dass man interagiert, dass man mit jemandem "zu tun hat" und nicht ausschließlich oder überwiegend oberflächlich-mechanisch an ihm bzw. ihr.
Dass der Andere individuell reagiert, sich verhält … . Nicht nach Norm oder nach nur je eigenen Wünschen, Vorstellungen und Erwartungen.
Die andere Person ist genau das: eine eigenständige Persönlichkeit, keine belebte (Gummi-) Puppe, keine Marionette, keine Verfügungsmasse aus Fleisch und Blut.
Ja, eben dies macht die Interaktion gelegentlich und immer wieder auch störanfällig, irritierend, herausfordernd, unbequem, unperfekt, also: menschlich. Authentisch.

Zuletzt noch ein Wort zu männlicher Prostitution. Warum diese mit weiblicher nicht "gleichsetzbar", nicht vergleichbar ist/sein kann:

Sobald eine männliche Prostituierte empfangend Fellatio praktiziert oder gebend Analverkehr oder auch vaginale Penetration, ist es unabdingbar erforderlich, dass diese männliche Prostituierte eine Erektion hat. Wenn sie eine solche hat, so üblicherweise (von Ausnahmen absehend) deshalb, wenn/weil sie körperlich, d.h. sexuell erregt ist. Wenn eine Ejakulation stattfindet, so geht diese üblicherweise mit mindestens also körperlich-sexueller Befriedigung, einem Orgasmus einher.
 
Ganz anders hingegen bei weiblichen Prostituierten:
 
Sie sind gewissermaßen immer fickbarohne dabei jegliche eigene sexuelle, d.h. körperliche Erregung, Lust oder gar Leidenschaft empfinden, erleben zu "müssen".
Eine Frau "kann" zwar folglich immer: benutzt, vergewaltigt werden, aber wie oft will sie selbst auch: körperlich-sexuell und psychisch-emotional und wie oft mit eben diesem "Kunden" auf diese Art an diesem Tag, in dieser Stunde, diesem Moment … ?!
 
In einer Beziehungspartnerschaft kann es durchaus der Fall sein, dass die Frau das ein und andere nur oder vor allem "ihm zuliebe" tut und dabei selbst zumindest körperlich auf der Strecke bleibt – auch wiederholt, auch regelmäßig, auch über Jahre.
Die Basis dessen ist jedoch eine emotionale Beziehung, Verbundenheit, nicht nur geringfügige Zuneigung also.
 
Solche ist jedoch zwischen Prostituierter und Freier i.d.R. nicht gegeben, nicht vorhanden, auch nicht gewünscht. Genau dies ist tatsächlich zu vermeiden:
Der Freier will, wie oben bereits dargelegt, keine emotionale Beziehung zur Prostituierten, er will ihr gegenüber zu nichts verpflichtet sein, will keine Verantwortung tragen (sollen) und keine Verbindlichkeit(en) eingehen, auch keinen sexuellen Erwartungen entsprechen müssen etc., siehe oben.
 
Er will möglichst und tunlichst ohne schlechtes Gewissen über sie verfügen dürfen. Gegen Geld. Das ist der deal.
Ihre Lust … ist dabei "entbehrlich". Tatsächlich: vollständig.
Einfach, weil es geht!
 
Und eben dies ist das Abstoßende, das Verwerfliche, das Inakzeptable, Unzumutbare daran.
 
Sex hat nach meinem Dafürhalten nicht nur vorgeblich "freiwillig" und vermeintlich "einvernehmlich" stattzufinden, sondern wirklich und grundsätzlich nur um der Sache selbst Willen:  
 
Alle Beteiligten haben Sex miteinander, weil sie ihn in genau diesen Momenten, dieser Zeitspanne mit genau diesen Menschen, auf eben diese Art erleben wollen.
 
Nicht: weil sie sich, aus welchen Gründen auch immer, dazu verpflichtet fühlen, dazu genötigt, gezwungen, gedrängt, überredet oder dafür bezahlt werden.
 
Sondern tatsächlich nur aus je eigener Lust daran – mit dieser Person, zu dieser Zeit, auf diese Weise … .
 
Nur unter dieser Voraussetzung kann Sex echt konsensual und somit wirklich "gut" sein.
Und nur dann, nur so auch ethisch legitim.
 
Welcher Vater will seine Tochter wirklich gerne als Prostituierte sehen, und sei sie (zu Anfang) noch so überzeugt davon, sie täte es völlig freiwillig und selbstbestimmt?
 
Aber es sind diese Männer, die von Monogamie sprechen, ihre Partnerinnen dabei mehrfach, wiederholt hintergehen, weil/indem: sie es heimlich tun, weil sie es nicht offen kommunizieren - aus Konfliktscheu und Angst vor Trennung, Verlust, also aus eigener Bequemlichkeit, Feigheit und Selbstsucht.
 
Weil sie sich überall die Rosinen herauspicken nicht nur wollen, sondern es auch tun – bequem unverbindlichen, "animalischen" Sex mit ons, Affären und/oder Prostituierten sowie Sicherheit, Geborgenheit, Fürsorglichkeit, Umsorgtwerden, Beständigkeit, Stabilität … "zu Hause".
 
Die Frau als "Mutter, Heilige" und/oder "Hure, Magd". Die Frau als Dienstleisterin, Dienerin, Objekt, Gebrauchsgegenstand, Bedürfnis-, Wunscherfüllerin, Verfügungsmaterial des Mannes. Patriarchat.
 
Und es gibt so zahlreiche Frauen, die sich so sicher sind, ihr Partner gehe gewiss nicht "fremd", sei "treu", sei noch nie bei einer Prostituierten gewesen, würde das auch niemals tun. – Ach Mädels, wie naiv seid ihr bloß!?
 
Treue, das ist für mich Solidarität, Loyalität.
 
Hat demzufolge mit Verbindlichkeit, Verantwortung, Dauer, Beständigkeit zu tun. Auch u.U. mit emotionaler Anhänglichkeit.
Nicht jedoch mit dem Verfügen über den Körper, die Sexualität des Partners oder gar Besitzenwollens.
 
Und ich frage mich, ob es gerade heute, Internet, siehe oben, überhaupt noch? Männer gibt, die nicht mehr oder weniger (voll-) ständig ihrem Trieb und Macht-, Unterwerfungsstreben nachgeben, gehorchen.
Und das zumeist heimlich, ohne das Wissen ihrer Partnerin(nen). Immer wieder. Nicht selten über Jahre.
 
Und die dann fremden Frauen darüber ihr "Herz ausschütten". Statt mit ihren Partnerinnen Tacheles zu reden. Und das so zeitnah als möglich, nicht erst Jahre später, wenn überhaupt je.
Damit die Partnerinnen die Möglichkeit haben, sich dazu positionieren und eine eigene Entscheidung treffen zu können, damit sie überhaupt erst auch, durch dieses Wissen, eine Chance erhalten, Dinge, Verhaltensweisen ggf. zu ändern oder auch: sich zu trennen, für Trennung zu entscheiden.
 
Und die Männer, Väter überdies auch mit ihren Söhnen und Töchtern nicht offen darüber reden (können): über Prostitution, Pornographie und ihren je eigenen Konsum dessen.
Nur das wäre ehrlich, wahrhaftig. Charakterstark, reflektiert, souverän, verantwortungsvoll. 
 
Und schließlich frage ich mich, wie ich als Frau – um all das wissend und nicht nur ich solches mehrfach erlebt habend - vor "solchen" Männern überhaupt noch Achtung, Respekt haben kann?
 
Wie soll mir das möglich sein? Wenn ich den Mann nicht als schwache, charakterlose, antisoziale bemitleidenswerte Kreatur sehen möchte, sondern als charaktervollen Menschen, der von Empathie und ethischen Prinzipien, Überzeugungen nicht bloß theoretisch geleitet ist, sondern in auch seiner Lebenspraxis danach handelt, sich verhält.  ?
 
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18 Mythen über Prostitution

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M
Diesem Artikel hätte es gut getan, in mehrere zerlegt zu werden! Zu viele Themen werden hier in ein Posting verwurstet, so dass es ganz unmöglich ist, "in Anbetracht des Ganzen" zu kommentieren.<br /> <br /> <br /> Daher nur zu 1 Punkt: <br /> <br /> Stimmt, es gibt kein RECHT auf sexuelle Bedürfnisbefriedigung. Aber es gibt einen MARKT sexueller Dienstleistungen. Das ist etwas ganz Anderes und hat mit RECHT nur am Rande zu tun, nämlich nur insofern, dass das eine legale Tätigkeit ist, keine Straftat, keine Ordnungswiedrigkeit.<br /> <br /> Zwangsprostitútion ins Menschenhandel und muss mit aller Macht verhindert werden.<br /> <br /> Wogegen Frauen, die sagen "ich will nicht bei ALDI an der Kasse sitzen" und sich statt dessen auf sexuelle Dienste spezialisieren, durchaus selbstbestimmt agieren. Dass sie dabei eigene Lust haben, ist nicht anzunehmen, gehört aber eben auch nicht zum Deal. Wenn der Kunde allerdings die Illusion benötigt, liefert sie dieses "Feature" aber gerne mit.<br /> <br /> Es gibt nicht wenige Studentinnen, die sich als Eskort oder mit einem "Sugardaddy" ihr Studium finanzieren. Was ist dagegen einzuwenden? Und auch jene, die auf dem normalen Arbeitsmarkt nur Peanuts verdienen würden oder Hartz4 beziehen - ist es nicht ihre freie Entscheidung, dem die Prostitution vorzuziehen?<br /> <br /> Prostitution wird es IMMER geben, egal wieviel Pamphlete dagegen erscheinen, egal wie sehr man sie wieder illegal macht. Und zwar deshalb, weil es eben jenen Unterschied zwischen Frauen und Männern gibt, denn du ja auch beschreibst: Frau hat in aller Regel kein Problem (aber nicht den Drang), auf Wunsch auch VIELE Sexpartner zu finden. Wogegen Männer es durch das sehr selektive weibl. Wahlverhalten und den die meiste Zeit geringeren weibl. Trieb schwer haben, ein erfülltes Sexleben zu führen. <br /> <br /> Die Lücke, die hier aufklafft, füllt der Markt. Immer schon, und immerdar.
S
... in diesem Text habe ich erläutert, was Sex ausmacht, kennzeichnet und warum Ficken nicht dasselbe ist wie Sex:<br /> <br /> http://kallisti-dichtet-belichtet.over-blog.com/2016/01/uber-den-unterschied-zwischen-sex-und-ficken-sowie-warum-sind-prostitution-und-pornographie-jeweils-formen-von-sexualisierter-gewalt
S
... Hier nochmal Infos/Fakten zum Sexualtrieb:<br /> <br /> http://kallisti-dichtet-belichtet.over-blog.com/2018/05/uber-den-sexualtrieb-sexuelle-lust-sexuelles-begehren-und-geschlecht-biologie-und-biologismus-und-die-bedeutung-von-wer-ficken-will
S
Hallo Maria,<br /> in deinem Kommentar setzt du einiges als eine Art unumstößliche Tatsache voraus, unterstellst, es sei so. Dies widerlege ich wie folgt.<br /> Zunächst einmal ist es falsch, dass es Prostitution immer schon gegeben habe und daher immer geben müsse/würde, ich verweise bzgl. dessen auf die beiden nachfolgend verlinkten Texte zur Information:<br /> https://diestoerenfriedas.de/die-geschichte-der-prostitution-keineswegs-das-aelteste-gewerbe-der-welt/<br /> siehe im folgenden blog-Eintrag die verlinkten Seiten von Doris Wolf ("Das andere Ägyptenbuch"):<br /> http://kallisti-dichtet-belichtet.over-blog.com/2016/02/12-mythen-uber-prostitution-fundierte-sachliche-argumente-auf-einwande-kritik-besser-geht-s-nicht.html<br /> <br /> Im Weiteren ist es falsch, dass es innerhalb von Prostitution um Sex gehe und/oder um sexuelle Triebbefriedigung des Mannes. Denn keineswegs haben Männer per se einen stärkeren und Frauen einen schwächeren Sexualtrieb und Prostitution ist gerade deshalb nicht Sex, weil beim Sex alle Beteiligten das, das sie tun, wie und mit wem sie es tun selbst genau auf diese Weise tatsächlich wollen und genießen können müssen - nur dann ist es Sex, nur dann besteht tatsächliche Einvernehmlichkeit/Konsens, Freiwilligkeit. <br /> Es geht beim Freiertum/Frauenkauf folglich nicht um Sex, nicht um Triebbefriedigung, denn jeder Mensch, auch jeder Mann kann sich seinen Sexualtrieb mittels Masturbation recht komplikationslos selbst befriedigen.<br /> <br /> Beim Sex geht es hingegen um Erotik, Intimität, Nähe, Leidenschaftlichkeit, Zärtlichkeit, Intensität, um eine Begegnung von Persönlichkeiten und deren Interaktion - genau das macht Freiertum/Frauenkauf gleichermaßen zunichte bzw. ermöglicht es gar nicht erst wie so auch Pornographie. Pornographie ist daher wie Freiertum/Frauenkauf Gewalt: "sexuelle", d.h. physische und damit zwangsläufig (!) immer einhergehend auch psychisch-emotionale Gewalt. <br /> Denn sowohl beim Frauenkauf/Freiertum (Prostitution) als auch in Pornographie geht es deshalb wiederum nicht um Sex, sondern um Gewalt, weil die sexuellen, physischen und psychischen Bedürfnisse, Wünsche, Befindlichkeiten, Schmerzen und Grenzen der FRAU grundsätzlich vom agierenden Mann übergangen werden, absichtsvoll übergangen werden w o l l e n. <br /> <br /> Es geht also nicht um Sex, sondern um Macht, Gewalt, Kompensation. Bekannt ist, dass Freier grundsätzlich beim Sex - auch dem "privaten" - gewalttätiger sind als Nichtfreier.<br /> <br /> https://psylex.de/psychologie-lexikon/sozialpsychologie/sexuelle-aggression.html<br /> <br /> Warum Freiertum/Frauenkauf/Prostitution k e i n e Dienstleistung und kein "Job wie jeder andere" ist, findet sich in nachfolgenden, im verlinkten blog-Eintrag eingebundenen Texten dargelegt:<br /> http://kallisti-dichtet-belichtet.over-blog.com/2016/05/warum-prostitution-keine-sexarbeit-keine-dienstleistung-wie-jede-andere-ist-und-warum-es-infam-ist-prostituierte-zu-sexarbeiterinnen<br /> <br /> Wenn jemand also ein, Zitat "erfülltes Sexualleben" haben möchte, kann er nur Sex haben - nicht erweiterte Masturbation mittels Pornographie und/oder Frauenkauf, eben weil es in beiden Fällen gerade nicht um Sex geht, wie bereits dargelegt. <br /> <br /> Grundsätzlich sollte man(n) sich fragen, was man(n) für ein Frauenbild hat und wie sich mit dem Nutzen, Konsumieren von Pornographie und/oder Prostitution, von Frauen als Ware, als Objekte, Gebrauchs-, Verfügungsgegenstände die Wertschätzung von Frauen vereinbaren lassen - nämlich tatsächlich inhärenterweise gar nicht. <br /> <br /> Und schließlich geht es auch n i c h t darum, Prostitution oder Prostituierte zu bestrafen, sondern Freiertum zu verurteilen, zu ächten, zu ahnden und Männer - von klein auf im Übrigen - zu einem angemessenen Frauenbild zu verhelfen, was wiederum viel mit Sozialisation, Gesellschaft, Sexismus und also auch Prostitution und Pornographie zu tun hat, die (Letztere) es keineswegs immer schon gab, sondern erst seit Beginn des Patriarchats vor ca. 10 000 Jahren. <br /> <br /> Gruß<br /> Sabeth