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Sabeth schreibt

Sabeth schreibt

Poesie Melancholie Philosophie Feminismus

Warum Prostitution keine Sexarbeit, keine Dienstleistung "wie jede andere" ist und warum es infam ist, Prostituierte zu Sexarbeiterinnen zu erklären ...

Das Nachfolgende ist oben stehendem Link/Text "Die linke Freude an der Prostitution", von Huschke Mau, entnommen.
 
"[...] Und ich kann mich nur wundern darüber, dass ihr den prostitutiven Akt als „Beruf“ und als „Dienstleistung“ bezeichnet. Sexualität ist der intimste Bereich eines Menschen, dürfen wir wenigstens den bitte behalten, oder müssen wir ALLES an uns verwerten und verkapitalisieren lassen, restlos? Seit wann tritt die Linke eigentlich als Verteidigerin des Verkaufs sämtlicher menschlicher Bereiche auf? Ihr bezeichnet Sex als Dienstleistung, als ließe er sich abtrennen vom Ich, vom Selbst, vom Körper, von der Persönlichkeit, als könne man ihn ablösen, hübsch verpacken, auf die Ladentheke stellen und dann kommt da so ein Typ, gibt mir 50 Euro und nimmt den Sex mit. Stellt ihr euch das so vor, ja? Ihr sprecht sogar von „miserablen Arbeitsbedingungen“, ja, meint ihr denn der Missbrauch, den wir erlebt haben und den so viele von uns immer noch erleben wird schöner wenn wir einen hübschen „Arbeitsplatz“, wie ihr es nennt, kriegen? „Arbeitsbedingungen“, was soll das? Unter welchen „Bedingungen“ wäre der Missbrauch, den die Freier uns antun, für euch denn okay? Oder seht ihr das gar nicht als Missbrauch und ignoriert das, was aus der Prostitution ausgestiegene Personen und auch die Traumaforschung so sagen? 68% aller Prostituierten haben eine PTBS, da haben wir noch nicht mal von Depressionen, Süchten, Borderline, Psychosen gesprochen. Meint ihr die kommen von den „miserablen Arbeitsbedingungen“, diese Sachen, oder wie? Jede Aussteigerin, die ich kenne, bezeichnet das, was sie erlebt hat in der Prostitution, als sexuellen Missbrauch. Dass wir diesen sexuellen Missbrauch geduldet haben oder dulden mussten, macht noch lange keinen Beruf daraus!
 
Dann hackt ihr immer wieder auf dem Stigma rum und darauf, dass wir nicht stigmatisiert werden dürfen. Da gebe ich euch Recht, wenn ich auch anmerken muss, dass es nicht das Stigma ist, welches uns vergewaltigt, missbraucht, tötet, sondern die Freier. Leider zieht ihr aus der Forderung, prostituierte Personen dürften nicht stigmatisiert werden, die falschen Schlüsse. Ihr schreibt:
 
Dieses drückt sich in der fehlenden Anerkennung ihres Berufes (aus).“
Ihr wollt also quasi, um das mal klarzustellen, dass der Missbrauch, dem prostituierte Frauen ausgesetzt sind, etabliert wird, ihr wollt, dass er ein Job wird, ihr wollt, dass der Missbrauch OKAY wird. Kurz und gut, ihr tretet hier für das Recht von Frauen ein, die Duldung von sexuellem Missbrauch als Job zu benennen. Oder besser: ihr tretet für das Recht von Männern ein, Frauen zu missbrauchen und diesen Missbrauch zu verharmlosen, indem er „Arbeit“ genannt wird. Euer Draufrumgereite auf einer „selbstbestimmten Sexarbeit“ versteh ich auch nicht. Alle prostituierten Frauen die ich kenne haben die Prostitution „gewählt“ weil sie keine andere Option gesehen haben. Was soll daran selbstbestimmt sein? Dass ich mich dann IN DER PROSTITUTION wenigstens noch dafür entscheiden kann nur mit Gummi zu blasen und wegen all der noch weniger „selbstbestimmten“ Frauen aus Südosteuropa nix mehr zu verdienen oder mich eben gleich dafür zu entscheiden jeden Schwanz einfach so in den Mund zu nehmen, weils Standard is? Tolle Selbstbestimmung!
 
Unser Problem ist nicht die „fehlende Anerkennung des Berufs“, unser Problem IST der „Beruf“! 9 von 10 Prostituierten würden sofort aussteigen, wenn sie es könnten. Was erzählt ihr da von Anerkennung des Berufs?! [...]
 
Weiter schreibt ihr:
So treten einige Teile der Linken immer wieder für ein “absolutes Prostitutionsverbot” oder das angeblich fortschrittliche “Schwedische Modell” ein, weil Sexarbeit/Prostitution Ausdruck des Patriarchats schlechthin sei.“
Hier eine Verständnisfrage: das klingt, als wärt ihr nicht der Meinung, dass Prostitution Ausdruck des Patriarchats ist – habe ich das richtig verstanden? Wenn es das nicht ist, was ist es dann? Wieso sind dann 98% aller Personen in der Prostitution weiblich und die Freier zu fast 100% männlich? Und jetzt sagt nicht: das ist so, weil wir im Patriarchat leben.
 
Weiter:
Ja, Sexarbeit findet unter gegebenen Bedingungen im Patriarchat statt, sodass die Frage nach der Freiwilligkeit nie leicht zu beantworten ist.“
Findet Prostitution also noch woanders als im Patriarchat statt? Ernsthaft? Und welche Schlüsse zieht ihr aus der Tatsache, dass, wie ihr ja selber erkennt, die Frage nach der Freiwilligkeit schwer zu beantworten ist?
 
Weiter:
Zum überwiegenden Teil üben Frauen* diesen Beruf aus, während vor allem Männer Dienstleistungen von Sexarbeiter*innen kaufen.“
Wie ihr euch schön auf die Täterseite stellt und sexuelle Gewalt verharmlos hier, ist echt ein Fest.
 
Weiter:
Die feministische Reaktion kann jedoch nicht eine paternalistische Haltung sein, die Sexarbeiter*innen vorschreiben will, wie ein richtiges Leben auszusehen habe.“
Hier möchte ich euch so gern fragen wo ihr DAS bitte herhabt. Menschen die Prostitution als zerstörerisch ansehen, als menschenverachtend, paternalisieren nicht, sie solidarisieren sich mit uns! Das ist übrigens genau das, was ihr noch üben müsst. Und btw, niemand schreibt prostituierten Frauen vor, wie ein „richtiges Leben“ auszusehen hat. Ihr müsst unbedingt von der Leier runterkommen, alle die Prostitution als schädlich erkannt haben seien irgendwelche konservativen Moralapostel, die „gefallene Mädchen“ belehren. Die Anerkennung des Elends und des Leids in der Prostitution, das Konstatieren von Gewalt in ihr, all das macht keine Belehrung aus, sondern ein SEHEN der wahren Verhältnisse, in denen prostituierte Menschen stecken, und damit das Zeigen von Respekt und Zugewandtheit gegenüber denen, die daran und darin leiden!
 
Weiter:
Sowohl im schwedischen Modell als auch bei einem kompletten Verbot würde die Selbstbestimmung und der Schutz von Sexarbeiter*innen noch dramatischer gefährdet werden als unter der bestehenden Gesetzeslage. Am Bestehen des Patriarchats mit seinen spezifischen Rollenbildern und gesellschaftlichem Machtungleichgewicht zwischen Frauen* und Männern würden diese Gesetzesverschärfungen nichts verändern.“
Warum würde das nichts ändern? Prostitution ist ein Grundpfeiler des Patriarchats, so wie alle sexuelle Gewalt. Warum sollte es nichts ändern, das zu verbieten? Warum ist Prostitution der einzige Bereich des Lebens, in dem Gesetze plötzlich nicht mehr wirken sollen? Findet Prostitution outer space statt, oder wie? Genauso könnte man sagen, Vergewaltigung darf nicht per Gesetz geregelt werden – das würde ja eh nichts an den Rollenbildern und dem bestehenden Machtungleichgewicht ändern! Ihr wollt also alles lassen, wie es ist? Sexuelle Gewalt, patriarchale Verhältnisse, dabei belasst ihr es? Hat die Linke keine Visionen mehr? Oder hat sie nur keine Visionen mehr, wenn es speziell um prostituierte Frauen geht…?
 
Ja, ich unterstelle euch, ihr meint es gut. Aber wenn ihr für eine Entkriminalisierung der Prostitution auf Freierseite eintretet (für eine Entkriminalisierung auf Seiten der prostituierten Personen sind wir ja hoffentlich alle), dann ist das so als würdet ihr sagen: „Frauen die von Partnerschaftsgewalt betroffen sind, sind mit einem Stigma belegt. Um dieses Stigma abzuschaffen, entkriminalisieren wir häusliche Gewalt, auch auf Seiten des Täters, dann hat die Frau nix mehr, wofür sie beschämt wird!“ Merkt ihr was?
 
Wer überhaupt nicht vorkommt in eurem Pamphlet, das ist, wie übrigens immer, der Freier. [...]
 
Weiter:
Wer selbstbestimmte Sexarbeiter*innen illegalisieren will, der*die kriminalisiert diese und drängt die gesamte Branche in den Untergrund, wo keinerlei Schutz mehr gewährt werden kann. Für besseren Schutz benötigen Sexarbeiter*innen mehr Selbstbestimmung und die gesellschaftliche und rechtliche Anerkennung ihres Berufes. Nur auf diese Weise und als anerkannte Arbeiter*innen können sich diese als Teil der Arbeiter*innenklasse öffentlich organisieren, für ihre Interessen, bessere Arbeitsbedingungen und soziale Absicherung einstehen. Ein Verbot von Sexarbeit oder die Kriminalisierung von Freier*innen (wie in Schweden) würden letztlich nur dazu führen, dass Sexarbeit unsichtbar und unsicherer wird.“
Dann das Märchen vom Untergrund. Bitte lest euch dazu mal Ausführungen zum schwedischen Modell, das den Freier kriminalisiert und die Prostituierte entkriminalisiert, durch. Und auch die Evaluierung dieses Gesetzes in z.B. Norwegen. NEIN, Prostitution ist keine feste Größe. Ja, sie kann verringert werden. NEIN, das schwedische Modell verschiebt sie nicht in den Untergrund. Ja, das Frauenbild in der Gesellschaft ändert sich damit, wenn das eine Geschlecht das andere nicht mehr kaufen kann. NEIN, wir brauchen keine „Anerkennung als Beruf“, wir brauchen eine Anerkennung von Prostitution als MISSBRAUCH! Und NEIN, wir sind kein Teil der ArbeiterInnenklasse, wir sind zuerst mal Geschädigte sexuellen Missbrauchs durch die Prostitution! Wir organisieren uns damit NICHT in der ArbeiterInnenklasse, sondern in Opferverbänden (z.B. sisters e.V., SPACE International), denen ihr ja aber nicht zuhört! Eine Organisation durch euch und auch ein Sprechen von euch über uns brauchen wir nicht, wir organisieren uns selbst, danke!
 
Weiter:
Wer ernsthaft für eine emanzipatorische Gesellschaft eintritt, der*die muss auch für körperliche und sexuelle Selbstbestimmung eintreten.“
Prostitution ist das genaue Gegenteil sexueller Selbstbestimmung. Der eine will Sex, der andere nicht. Geld soll das regeln. Prostitution hat NICHTS mit körperlicher und sexueller Selbstbestimmung zu tun, es ist das genaue Gegenteil davon, denn alles, was ich tu, bestimmt der FREIER, und ist damit fremdbestimmt. Was mich richtig, richtig annervt, ist euer Gesabbel von sexueller Befreiung bei gleichzeitiger Nennung von Prostitution als Beispiel dafür. Haltet uns da raus, wir lassen uns dafür nicht benutzen! Macht eure sexuelle Befreiung selbst, unseren Missbrauch braucht ihr dafür nicht hernehmen und beschönigen!!! [...]
 
Wem vom BesD, von den Betreiberinnen da, habt ihr denn zugehört? Den 90% Migrantinnen, die wir hier haben, ganz sicher nicht, die sind dort nämlich gar nicht vertreten, und ihr macht bei dieser rassistischen Scheiße auch noch mit! Die Masse ist eben NICHT Bordellbetreiberin, Edelhure, Domina, die Masse spricht nicht mal deutsch! Wie ignorant kann man sein? Prostitution ist klassistisch und rassistisch, was meint ihr, warum so viele indigene Frauen drin sind, oder hier in Deutschland Romnija? Was meint ihr, wo das herkommt? [...]
 
Weiter:
Daher meinen wir, dass ein Feminismus, der es mit der Selbstbestimmung von Frauen* und Sexualität ernst meint, auch für die Rechte und Forderungen von Sexarbeiter*innenverbänden kämpfen muss. Der Landesverband Bremen der linksjugend [‘solid] bekennt sich zu einem solchen Feminismus und wird für die rechtliche Stärkung von Sexarbeiter*innen einstehen und sich mit deren Kämpfen solidarisieren.“
Mit unseren Kämpfen solidarisiert ihr euch ganz bestimmt NICHT, indem ihr die sexuelle Gewalt als Beruf bezeichnet, die Masse von uns IGNORIERT und Prostitution sexuelle und körperliche Selbstbestimmung nennt!
Ich frage mich wirklich, von was zur Hölle redet ihr? Kommt mal in der Realität an! Und wenn ihr euch schon nicht mit uns solidarisieren könnt, weil ihr so gerne BetreiberInnen zuhört, lasst uns wenigstens in Ruh und maßt euch nicht an für uns zu sprechen! Ihr habt noch nie selber den Arsch hingehalten, ihr seid nicht in der Prostitution, das ist, nur zur Erinnerung, übrigens ein PRIVILEG, das ihr damit habt, und dann hockt ihr da in eurem Bremer Landesverband und auf dem Bundeskongress und babbelt von Anerkennung als BERUF?! Geht’s noch?!
 
Hier im Sisters e.V. schlägt wöchentlich mindestens eine Frau auf, die bereits ausgestiegen ist (mal abgesehen von denen die uns kontaktieren weil sie raus wollen!), und die uns erzählt, dass sie gerade zum ersten Mal darüber spricht, weil die Gesellschaft ihr immer nur vorhält, es sei doch ein BERUF und eine ARBEIT und ein JOB und alles happy sexwork und ganz toll, und weil die Verletzungen, die sie in der Prostitution erlebt hat, also darauf schließen lassen müssen dass mit IHR etwas nicht stimmt! Genau für dieses gesellschaftliche Klima sorgen Leute wie IHR. Wegen dem was ihr erzählt, reden die Aussteigerinnen nicht. Auch mir hat es wegen solchen Texten wie eurem jahrelang die Sprache verschlagen, weil man als Prostituierte nicht mal weiß wo man ANFANGEN soll, wenn man sowas liest!
 
Prostitution ist sexistisch, rassistisch und klassistisch, und dann kommt ihr daher, lasst euch von Bordellbetreibern, Escortagenturbesitzerinnen bequatschen und erzählt uns einen von sexueller Befreiung? Und das nennt ihr LINKS?! Das kann nicht euer Ernst sein! Es kann ums Verrecken nicht darum gehen, es sich in so einem sexistischen, klassistischen und rassistischen System wie der Prostitution so gemütlich wie möglich einzurichten! Wem mutet ihr sowas zu?! So ein System gehört ABGESCHAFFT! [...]
 
Dieses System gehört überwunden, und nicht etabliert und „anerkannt als Beruf“! Loben kann man euch hier höchsten dafür wie fein ihr von der ZuhälterInnenLobby abgeschrieben habt! [...]"
 
"[...] Zunächst einmal hast Du vergessen, die grundsätzliche Frage zu stellen, ob es der Prostitution überhaupt bedarf. Es ist schön, dass Du wenigstens nicht das alte, abgenudelte Pseudoargument verwendest, ohne Bordelle triebe es die Vergewaltigungsrate hoch (was ja bedeutet, Männer können ihre Triebe nicht kontrollieren, und kämen sie nicht zum Stich, könnten sie ja nicht anders als zu vergewaltigen).
Aber wozu braucht die Gesellschaft Prostitution, Stephanie? Wozu braucht es die Tatsache, dass Männer Frauen kaufen dürfen (denn die meisten Prostituierten sind weiblich, und die, die männlich sind, bedienen das Homosexuellenmilieu). Wie erklärst Du Dir denn diese Tatsache und was sagt sie für Dich aus? Anscheinend ist das für Dich kein Merkmal eines Machtverhältnisses. Und da ist er schon, der erste blinde Fleck auf Deiner Linse.
 
Der einzige, der sich bei Prostitution auslebt, ist der Freier!
 
Du schreibst, Prostitution sei Sex. Weißt Du, für Sex, da gehören für mich mindestens zwei Personen dazu. Und nicht eine, die die sexuellen Wünsche ausschließlich (!) des Kunden bedient und dabei ihre eigene Sexualität und sich selbst, ihre Person, ihre Persönlichkeit „wegmachen“ muss.
Ich möchte Dich gerne fragen, in welchem Prostitutionsmilieu Du so lebst, wenn Du nicht mitbekommen hast, dass die „Spielarten“ von „Sexualität“, sprich die „Wünsche“ der Freier immer gewalttätiger werden und immer mehr auf Demütigung abzielen. Lies doch mal in den Freierforen, liebe Stephanie, da steht sehr deutlich, dass Männer (Freier) es als Ausdruck ihrer Macht empfinden, wenn sie Frauen im Bordell ins Gesicht spucken, ihr das Sperma „reinspritzen“ dürfen; wenn sie in Sachen Analverkehr schauen wollen, wie viel die Frau „verträgt“; wenn sie ihr ins Gesicht spritzen und wollen, dass sie das Sperma schluckt, nachdem sie, die Freier, ihr den Schwanz bis an die Mandeln reingewürgt haben. [...]
 
Es geht in der Prostitution nicht um Sex, es geht um Macht. Und nur um Macht. Tu nicht so, als könnten Frauen sich dort ausleben in ihrer Sexualität, der einzige, der sich auslebt, ist der Freier, dessen Wünsche Du erfüllst. Und zwar auf Deine Kosten.
Und nein, Stephanie, der Freier vergisst dieses Machtgefühl, das er sich gekauft hat, nicht. Er vergisst nicht, dass Frauen verfügbar sind, dass er sie sich nehmen kann, dass sie dazu da sind, seine Wünsche zu erfüllen, dass sie ihre Sexualität und Seele beim Akt wegmachen und keine Bedürfnisse/Grenzen/Wünsche haben dürfen. Oh nein. Er nimmt dieses Gefühl, dass Sex für ihn mit Macht gleichsetzt, mit raus aus dem Bordell und es wirkt sich auf seinen Umgang mit sich nichtprostituierenden Frauen aus. Prostitution ist Gewalt. Eine Männerbefriedigungsmaschine.
 
Tu nicht so, als hättest Du nie Freiergewalt erlebt, und erzähl nicht die Mär vom lieben, netten Kunden, der nur kuscheln will und Deine Grenzen immer achtet. Deutschland hat Prostitution legalisiert, und zu was hat das geführt? Zu noch mehr Prostitution und vor allem: zu immer krasserer Nachfrage. Und damit meine ich nicht nur, dass es immer mehr Freier gibt, weil Männer lernen, dass es okay ist, sich Frauen zu kaufen. (Ja, ich höre schon das Pseudoargument, der Freier kaufe ja keine Frau, sondern eine „Dienstleistung“, was für ein Unsinn! Kannst Du Deine Muschi, Deinen Arsch, Deine Brüste, Deinen Mund und das, was Du damit machst, von Dir abkoppeln? Berührt wird immer der ganze Mensch.)
 
Ihr sprecht NICHT für mich und für keine Prostituierte, die ich kenne!
 
Schau Dir mal an, was Freier so wollen: Küssen, alles ohne, Analverkehr (auch ohne), Französisch total (heißt Sperma schlucken), Zungenanal, Faustfick, ins Gesicht spritzen, sie wollen Gangbang- und Rape-Partys, sie wollen immer jüngere Mädchen, sie wollen „tabulose“ Mädchen, die darauf konditioniert sind, ALLES zu machen, was der Freier will. Sie wollen Flatrate-Ficken, so viele Mädchen/Frauen wie möglich, alles im Clubeintritt inbegriffen.
Wie erklärst Du Dir das? Es ist doch eindeutig, dass sich mit der Legalisierung der Prostitution ihr wahres Wesen offenbart: Gewalt. Völlige Verfügbarkeit von Frauenkörpern. Das hemmungslose Ausleben von Männermacht. Und: sexualisierte Folter. [...]
 
Wie schaffst Du es zu übersehen, dass mittlerweile in jeder Stadt mehrere Großbordelle stehen, in denen fast nur Frauen arbeiten, die kaum oder wenig Deutsch sprechen, die von ihren „Beschützern“ morgens hingebracht und abends abgeholt werden und die Praktiken anbieten, die weh tun und gesundheitsgefährdend sind? Steh‘n die da drauf oder wie? Alles Masochistinnen? Und Du schreibst, für diese Frauen (aus Rumänien, aus Bulgarien) sei Prostitution eine tolle Alternative? Du findest, Prostitution ist eine tolle Alternative zu Armut?
 
Du redest von Prostitution, als sei sie etwas, das erstrebenswert wäre, das toll sei für Frauen und Mädchen. Warum erwähnst Du nicht, welche Gründe Frauen in die Prostitution treiben? Und da nehme ich die Zwangsprostitution jetzt schon mal raus. So nebenbei, was ist für Dich Zwang? Sich aus Armut und fehlender Perspektivlosigkeit heraus für die Prostitution entscheiden zu müssen? Das ist für Dich kein Zwang, sondern eine tolle Chance? Selbst Frauen, die „freiwillig“ einsteigen, sind im Gewerbe Zwang ausgesetzt.
 
Ich bin da nicht die einzige. Ich habe keine einzige Prostituierte erlebt, die nicht, als Kind oder als Erwachsene, sexuell missbraucht/vergewaltigt worden wäre oder anderweitig sexualisierte Gewalt erlebt hätte. Und ich wage die steile These, dass unsere Gesellschaft den massenhaften Missbrauch junger Mädchen deswegen nicht konsequent verfolgt, weil er ihr nutzt. Missbrauch ist wie frühes Einreiten. Das ist praktisch, denn durch Missbrauch lernen Frauen/Mädchen zu dissoziieren, sich wegzumachen dabei. Nicht da zu sein (und das ist genau das, wofür der Freier zahlt – dafür, dass der Wille der Frau in dem Moment nicht da ist, denn er hat ihn wegbezahlt).
Der Zusammenhang zwischen sexuellem Missbrauch und Prostitution ist längst belegt, mindestens 60 Prozent (andere Statistiken sprechen von bis zu 90 Prozent) aller weiblichen Prostituierten wurden als Kind sexuell missbraucht. Das einzige, was diese Frauen ausleben, Stephanie, ist die Reinszenierung ihrer Traumata, die sie so zu verarbeiten hoffen, aber natürlich nicht können. Und Du willst da keine Hilfe aus der Prostitution, sondern Einstiegshilfen in die Prostitution, ja?
 
In der Prostitution leben Frauen, die traumatisiert sind, und die durch die Prostitution weiterhin traumatisiert werden. Oder wie erklärst Du Dir, liebe Stephanie, dass Prostituierte (auch ich) massenhaft an posttraumatischen Belastungsstörungen leiden (Studien sprechen von mindestens 60 Prozent mit einer voll ausgeprägten PTBS)?
 
Du erzählst, Prostitution versetze Prostituierte in Hochgefühle, sie seien glücklich, den Kunden glücklich gemacht und Geld in der Tasche zu haben. Aber was heißt „den Kunden glücklich machen“? Das bedeutet doch auch nur, dass ich erfolgreich gewalttätig gegen mich selber geworden bin (indem ich mich wegmache, meinen Ekel, meinen (Wider-)Willen), damit der Kunde gewalttätig an mir werden kann, indem er mich für seine Wünsche benutzt. Und das macht Prostituierte also glücklich, ja? Macht es Dich glücklich, zu dissoziieren und nicht da zu sein?
 
Du sagst, erst wenn die Prostituierte aus der Bordelltür trete, begänne ihre Traumatisierung, und diese beruhe auf ihrer gesellschaftlichen Diskriminierung. Dazu möchte ich Dir gerne was erzählen, Dir, die Du denkst, es bräuchte Einstiegshilfen statt Ausstiegshilfen.
 
Ich bin eine von denen, die sich prostituiert haben, als Prostitution in Deutschland längst nicht mehr sittenwidrig war. Soll ich Dir sagen, zu was das geführt hat? Ich habe mich, wie der Großteil aller Prostituierten, nicht als solche angemeldet, weil ich Angst hatte, dann nicht mehr aussteigen zu können. Weil ich Angst hatte, gefragt zu werden, warum ich nicht mehr als Prostituierte arbeiten will, wo das doch ein Beruf wie jeder andere sei. Und genau das ist passiert, als ich aussteigen wollte. Ich habe auf dem Gesundheitsamt Hilfe gesucht und erntete Unverständnis. Und kam nicht raus.
 
Was hätte ich dem Arbeitsamt denn erzählen sollen, wenn ich einen ALG-II-Antrag stelle, um nicht mehr täglich zehn Schwänze lutschen zu müssen, damit ich wo wohnen und was essen kann? Wovon, würden sie fragen, hätte ich gelebt die letzten drei Monate? Und wenn ich es gesagt hätte, hätten sie mich dann gefragt, warum ich das nicht weitermachen will, es gäbe da ein tolles Bordell hier in der Nähe, die suchen noch…? Oder hätte ich beweisen müssen, dass ich mich nicht mehr prostituiere? Und wie beweist frau das?
Was hätte ich dem Arbeitsamt denn erzählen sollen?
 
Du vergisst auch den Drogen- und Alkoholkonsum, der im Gewerbe unter Prostituierten herrscht, Stephanie. (Warum wohl? Wenn doch alles so toll ist? Aber anscheinend ist es eine einzige große Party, eine Orgie, da gehört das dazu, zum Sichausleben, ah?) Du vergisst so vieles. [...]
 
Du vergisst den Frauenhass, den Selbsthass. Du vergisst, dass Vermieter, Bordellbetreiber, Zeitungen (ja, solche Anzeigen in denen Prostituierte sich bewerben sind extrem teuer), der Staat (Steuern) profitieren. Du vergisst, dass alle an einer Prostituierten verdienen, sie ausnutzen.
 
Wer hat am wenigsten davon? Die Prostituierte. Die kriegt den geringsten Anteil am Geld, alle verdienen an ihr, alle haben was von ihr (Sex, Geld, befriedigte Machtgeilheit), aber was hat sie? Eine Posttraumatische Belastungsstörung, eine Substanzsucht und jede Menge Einsamkeit und Selbsthass. Das alles kommt von der gesellschaftlichen Diskriminierung, ja?
Komisch, mir persönlich kommen bei Flashbacks, die ich auf Grund meiner durch Prostitution verursachten PTBS habe, immer nur die Bilder von mich missbrauchenden Freiern vors innere Auge! Stephanie, frag doch mal TraumatherapeutInnen, woher die PTBS kommt, die die Prostituierten haben die irgendwann (hoffentlich!) bei ihnen landen!
 
Ich hab die Schnauze voll von euch prostitutionsfremden ProstitutionsbefürworterInnen, die ihr mir erzählen wollt, dass Prostitution ein Beruf wie jeder andere ist. Ich hab keinen Bock mehr auf euch, die ihr allen hier das Märchen von der ach so tollen freiwilligen Prostitution erzählen wollt. Ihr, die ihr keine Ahnung von Prostitution habt und in eurem linken Selbstverständnis irgendwas von „Prostitution ist früher mal Ausdruck von Macht über Frauen gewesen, aber nun ist es eine Umkehr der Power relations, die Prostituierte hat Macht über den Freier“ babbelt. Ich hab nie Macht empfunden, wenn ich unter einem verdammten Freier lag, und ich kenne keine, die das je so gefühlt hat!
 
Ich krieg das Kotzen über euch, die ihr in der Prostitution seid und euch „Sexarbeiterinnen“ nennt. Weil ihr euch aufschwingt, für uns alle zu sprechen, für uns alle, die in der Prostitution sind, und weil ihr denen, die nichts von Prostitution wissen (Frauen – denn Männer wissen es zumeist, so als Freier, nur die werden euch nicht erzählen, warum sie wirklich ins Bordell gehen, was sie dort wollen und machen!) glauben macht, es sei alles okay.
Es ist NICHT okay. [...]
 
Ihr wollt für alle sprechen? Ihr sprecht NICHT für mich und für keine Prostituierte, die ich kenne. Ihr nutzt den Umstand, dass die meisten Prostituierten einfach zu beschäftigt sind mit Überleben, zu traumatisiert, um zu sprechen. Ich spreche euch ab, für alle Prostituierten zu sprechen, weil ihr die, die diese Gewalt benennen könnten, mundtot macht, ihr Schweigen nutzt und sie einfach nicht erwähnt und sie damit erneut zu Opfern macht.
Wenn ihr sagt, „es sollen doch alle machen können, was sie wollen“, dann meint ihr doch in Wirklichkeit nur, dass die Freier und die Zuhälter, die hinter euch stehen, machen können sollen, was sie wollen. Und nicht die Prostituierten.
 
Ihr befreit niemanden mit eurem neoliberalen Gebabbel. Wenn ihr erzählt, Prostitution müsse nur von sämtlichen Kontrollen, Auflagen usw. befreit werden und alles sei supi, dann lügt ihr und verfolgt eine merkwürdige Theorie: Denn wenn Opfer von Sklaverei sich unglücklich fühlen, weil sie Sklaven sind, hilft es dann, Sklaverei zu legalisieren, damit die Sklaven nicht mehr „gesellschaftlich diskriminiert“ werden und sich in der Sklaverei noch besser versklaven lassen können? [...]"
 
Zitiert aus oben stehendem Text/Link in der EMMA: "Ich habe die Schnauze voll von euch!" von Huschke Mau.

 

"[...] Wenn sie an meinen Haaren zogen, wenn sie ihre Hände um mein Genick legten, wenn sie versuchten, das Kondom abzuziehen, wenn sie mentale und verbale Gewalt ausübten, wenn sie versuchten, mir Furcht einzuflößen, wenn sie auf mich vor dem Bordell warteten oder wenn sie mich Gewalt aussetzen. - In meinen 3 Jahren in der Prostitution sprach ich niemals von den Käufern als gewalttätig. Denn ich hatte gelernt zu glauben, dass dies normal und okay sei.
 
Als ich aus der Prostitution ausstieg war ich selbstmordgefährdet. Ich wollte mich selbst umbringen. Um all diese Gewalt auszuhalten ohne die Verantwortung dorthin zu platzieren, wo sie hingehört, bedeutet, dass du dich vollständig von dir selbst dissoziieren musst. Du musst jede Emotion ausschalten, um morgens aufstehen zu können, ohne komplett zusammenzubrechen.
 
Wenn wir von einer Frau hören, die mit einem Partner zusammengelebt hat, der sie Gewalt ausgesetzt hat, dann verstehen wir, was sie durchgemacht hat: Die allgegenwärtige Angst, die Unvorhersehbarkeit, das Nicht-Wissen, was kommen wird. Wir verstehen, dass der Partner sie bricht und sie Glauben macht, dass niemand sie jemals lieben wird, dass sie der Grund ist, warum er sie prügelt.
 
Wir wissen, dass dies nicht ihre Schuld ist und wir haben Gesetze gegen diese Taten, ungeachtet der Tatsache, dass sie viele Jahre bei ihm geblieben ist und sogar dann, wenn sie wieder zu ihm zurück geht. Sogar dann, wenn sie sagt, sie liebt ihn. Wir wissen, dass diese Frau so viel Gewalt ausgesetzt war, psychischer, verbaler, physischer, dass wir als Gesellschaft die Verantwortung übernehmen und handeln müssen, um diese Frau zu schützen.
Aber wenn es um Prostitution geht, dann scheint niemand dies mit einer gewalttätigen Beziehung in Verbindung zu bringen. Aber genau das ist es, es ist eine schlechte und gewalttätige Beziehung. [...]
 
Aber was Prostitution ist, ist das hier:
 
Du wartest darauf, ausgewählt zu werden. Du wartest darauf zu hören, was er von dir will. Du wartest, um zu gucken, ob er die Regeln bricht und deine Grenzen übertritt, du wartest auf den Betrag, mit dem er dir zeigt, was du ihm wert bist, du tust so, als seist du gerne dort, dass du es magst, auserwählt zu werden, dass du es magst über deine Regeln und Grenzen zu diskutieren, dass du es magst zu sehen, wie viel du ihm wert bist. Und dann, wenn er für das gezahlt hat, was er will, dann legst du deine Unterwäsche ab, legst dich hin und gibst vor, ihn zu mögen, du gibst vor, dass du seine Handlungen magst und die Art, wie er dich berührt und die Art, wie er dich ansieht, die Art, wie er mit dir spricht, sogar dann, wenn er grob, gewalttätig, aggressiv, widerlich, stinkend, abstoßend, herablassend und beleidigend ist - Du musst so tun, dass du dies tolerierst, dass du es magst und dass er dich antörnt.
 
Aber wir sind noch nicht fertig. Denn es geht nicht nur darum, etwas vorzutäuschen. Es geht darum, etwas vorzutäuschen, während er physisch so nah an dir dran ist, wie es nur geht. Dann wenn sein Penis in dir drin ist, in deinem Mund, deiner Vagina, deinem Anus. Sogar wenn es weh tut, musst du so tun, als würdest du es mögen. Du tust das, wenn du am verletzlichsten bist, nackt, alleine, und wenn er dich bittet auf die Knie zu gehen und seinen Penis in deinen Mund zu nehmen. Während du ihm einen Blowjob gibst, nennt er dich eine schmutzige Hure. Wenn er dich bittet, dich vornüberzubeugen, damit er seinen Penis in deine Vagina stecken kann, dann hoffst du nur noch, dass er dich nicht schlagen wird, dich nicht an den Haaren ziehen wird, das Kondom nicht abziehen oder dich anspucken wird. Und das Ganze passiert 5, 10 oder 15 mal am Tag. Könnt ihr euch vorstellen, was mit Menschen passiert, die solchen Handlungen so viele Male am Tage, mehrmals in der Woche, ausgesetzt sind? [...]
 
Weltweit sprechen wir über Gleichberechtigung. Wir sprechen über geschlechterspezifische Gewalt, über die sexuelle Ausbeutung von Frauen und Kindern. Wir sprechen über Vergewaltigungen in Indien, dem Mord an einer jungen Frau hier in Deutschland, die zwei jungen Mädchen helfen wollte, die von einer Gruppe von Männern belästigt wurden, wir sprechen über Menschenhandel, über Armut, über nigerianische Frauen, die durch Voodoo bedroht werden in der Sexindustrie zu arbeiten, wir sprechen über den Mord an einer 20-jährigen Frau hier in Dänemark, die von Männern ermordet wurde. Wir sprechen über sexuelle Gewalt gegen Kinder, meistens von Männern ausgeübt. Wir sprechen über Säureattacken gegen pakistanische Frauen, wir sprechen über junge jemenitische Mädchen, die in die Ehe gezwungen werden und dann ... Dann sprechen wir über Sexarbeit. Wie kann dieses Wort aus jedermanns Mund kommen, wissend, dass Frauen weltweit benutzt und missbraucht werden - ausgebeutet und geschädigt auf so viele verschiedene Arten und Weisen? Das muss aufhören. Solange wir die Gewalt in der Prostitution ignorieren, wird niemand in der Lage sein, Gewalt gegen Frauen allgemein zu beenden.
 
Du kannst etwas, das fundamental im Mensch ist, nicht kommerzialisieren oder zu einer Handelsware machen. Du kannst die Sexualität nicht aus Menschen herausnehmen und in etwas verwandeln, was man kaufen und verkaufen kann. Sexualität ist in uns drin - in uns allen. Es ist etwas, was wir von innen heraus ausleben, aus Attraktion, Lust, Bedürfnis und Liebe - es wächst in uns, wenn wir Kinder sind, und es wird durch die Liebe unserer Eltern oder anderer Menschen in unserem Leben stimuliert.
 
Wenn wir sie ausleben aus Verzweiflung, aufgrund von Armut, aufgrund eines niedrigen Selbstwertgefühls, weil wir Gewalt erfahren haben oder sexuell belästigt worden sind oder weil wir dazu gezwungen wurden, dann dissoziieren wir uns von diesem Kern, dem Kern, der eigentlich zu Wohlgefallen, Freude und einem Glücksgefühl führen soll. Die meisten der Frauen, die in der Prostitution waren, sind nicht mehr in der Lage, ihren Weg zurück zu diesem Kern zu finden, und wenn doch, dann braucht dies eine lange Zeit, da man es ihnen genommen und kommerzialisiert, zur Handelsware gemacht und objektifiziert hat - es ging niemals um die Attraktion, die Lust, die Bedürfnisse oder die Liebe von Frauen, und das ist der Grund warum viele von ihnen heute nicht mehr in sexuellen Beziehungen sein können, weil ihre Sexualität immer und immer wieder vergewaltigt wurde.
 
Wenn irgendjemand hier in diesem Raum Prostitution Sexarbeit nennt, dann möchte ich, dass sie oder er es selbst ausprobiert, nicht nur einmal, sondern für ein paar Monate, und dann zurückkommt und mir sagt, ob dies etwas ist, was er/sie immer noch als Arbeit bezeichnen würde.
 
Vielen Dank."
 
Aus oben stehendem Text "Abolition 2014 - Für eine Welt ohne Prostitution", von Tanja Rahm, entnommen; (farbliche) Hervorhebungen habe ich vorgenommen.
 
"[...] Heute liegt mein Schwerpunkt auf der Nachfrage, auf den Freiern. Wir müssen klar erkennen, dass die gewaltige Mehrheit der Nachfrage von Männern ausgeht und dass die gewaltige Mehrheit dieser Freier völlig gewöhnliche und oft nette Männer sind. Das macht Freier unsichtbar – denn Freier lassen sich nicht in Stereotype pressen, denen zufolge sie sie zum Beispiel einsam sind, oder behindert, keine „echte“ Beziehung haben können oder in irgendeiner Weise seltsam oder gruselig auf andere wirken. Mensch, wie ich mir nur wünsche, dass alle Freier Aufkleber auf ihrer Stirn hätten – dann könnten sie ausgegrenzt werden oder es wäre zumindest leichter, sie zu verhaften.
 
Nein, Freier werden unsichtbar gemacht – oder ich sollte besser sagen, dass sie in aller Öffentlichkeit verborgen werden, in der Schusslinie versteckt sind. Freier sind überall – sie sind in deinen Familien, deine unmittelbaren Kollegen, sie könnten die Männer sein, mit denen du freiwillig deine Freizeit verbringst. Freier verkleiden sich als ganz gewöhnlich, sie können vorspielen, freundlich zu sein, sie können gut mit ihrer Familie umgehen. Sie ganz leicht solche Deckmäntel tragen – denn Freier können das Foltern derer, die prostituiert wurden, von ihrem „realen“ Leben trennen und tun das auch.
Je mehr wir darauf schauen, wer und was diese Freier sind – umso mehr können wir erkennen, dass diejenigen in der Prostitution gezwungen werden, un(ter)menschlich zu werden und umso deutlicher wird, dass das Angehen der Prostitution eine Menschenrechts-Angelegenheit ist. Ich glaube nicht, dass wir jemals ein Ende der Prostitution bewerkstelligen können, wenn wir nicht ein gnadenloses Licht auf die Freier werfen.
 
Denkt immer daran, dass Freier niemals auch nur irgendeine Menschlichkeit der prostituierten Menschen sehen. Nein, was sie sehen, ist sexuelles Gut, das ihm zu gehorchen hat, das seine Porno-Träume erfüllt – um dann weggeworfen zu werden. Freier denken nicht, dass sie vergewaltigen, sie würden nicht mal in Erwägung ziehen, dass sie misshandeln könnten, [...]
 
Wir müssen mit klarem Auge erkennen, dass Freier ein ständiges Angebot an prostituierten Frauen wollen, um an ihnen sexuelle Handlungen zu begehen, die sie niemals den Frauen antun würden, die sie als gut benennen. Freier tun, was man unaussprechliche Taten nennt. Nichts sollte unaussprechlich gemacht werden – es zuzulassen, dass Taten des Hasses und der Gewalt unaussprechlich werden, heißt, die Unterdrückten der Sprache zu berauben. [...]"
 
Quelle: "Abolition 2014" - Text von Rebecca Mott, siehe oben stehenden Link.
 

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