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Sabeth schreibt

Poesie Melancholie Philosophie Feminismus Anarchismus

Warum ich keinen Porno-Sex mag - Über Pornokonsum und dessen Folgen

 
Aktualisierung am 14. März 2020
 
Porno kann niemals "frauenfreundlich", gar feministisch sein. Porno ist Sexualgewalt, Vergewaltigung- genau wie Freiertum.

Porno ist nicht Sex, schon gar nicht Erotik, sondern Gewalt. Immer.
 
Denn es geht darin (mainstream-Pornos) grundsätzlich nie um die echte, tatsächliche sexuelle Lusterzeugung und -erfüllung der Frau.

Die Frau fungiert in Porno wie in Prostitution bekanntlich und augenfällig lediglich als Objekt, Ge- bzw. Missbrauchsgegenstand, als fleischliche Erfüllungsgehilfin zur erweiterten Masturbation des Mannes. Um die körperlichen wie psychischen Befindlichkeiten, Gefühle, Gedanken, Wünsche, Präferenzen, Abneigungen, auch bspw. Ekel, Schmerz ... der F r a u geht es n i c h t, im Gegenteil: Sie muss all das für den Pornokonsumenten und Freier noch zusätzlich wegspielen und ihm sexuelle Lust vorgaukeln, vortäuschen, womit sie sich im Grunde auch noch selbst vergewaltigt.

Genau das will, wünscht der Pornokonsument und Freier: die Frau als sein ihm verfügbares Objekt, das er nach Belieben benutzen, missbrauchen kann, als eben Gegenstand.
Die Frau wird dabei nicht als Subjekt, als Individuum, Persönlichkeit gesehen, sondern nur als Mittel zum Zweck, eben als benutzbares Objekt. Man nennt das auch Entwertung, Entwürdigung, Entmenschlichung. Weiterhin Egomanie, Selbstsucht, Ignoranz, Mangel an Mitgefühl, antisoziales Verhalten - bis hin zu Sadismus und Misogynie ("Gonzopornos" ...).
 
Nein, daran ändern auch Nischen-Pornos nichts.

In Prostitution und Porno gibt es keinen sexuellen Konsens der Frau. Und genau darum geht es dem Pornokonsumenten und Freier: Er will sich gerade n i c h t auf die jeweilige Frau angemessen einlassen, ihr zuwenden, rücksichts-, respektvoll, wertschätzend und empathisch mit ihr umgehen und interagieren. Genau das will er nicht, kann er zumeist nicht, eben deshalb konsumiert er Pornos und Prostituierte.
 
In nachfolgendem Link/Text ist hervorragend erläutert, was aus welchen Gründen sexueller Konsens ist, nur sein kann, und was Vergewaltigung. Nein, es gibt auch keinen "unterschiedlichen sexuellen Konsens" für Teenager oder Erwachsene - es ist entweder sexueller (!) Konsens oder es ist Vergewaltigung. Dazwischen gibt es nichts.

Und nein, die verlinkte Erläuterung wird auch nicht dadurch disrkeditierbar, dass/weil die Plattform "planned parenthood" heißt, denn es geht hierbei (bei der Konsensdefinition) nicht um "Sexnegativität, Sexfeindlichkeit", sondern um eine Definition, die sich am Menschenwürdeprinzip, universellen Menschenrechten, Persönlichkeitsrechten (siehe Grundgesetz), also ethischen Grundsätzen orientiert, darauf stützt.
 
Zustimmung erteilt die Pornodarstellerin und Prostituierte nur ihrem Benutztwerden gegen Bezahlung. Gäbe es diese Bezahlung nicht, täte sie nicht, was sie auf die jeweilige Weise mit den jeweiligen Männern, Freiern, Pornodarstellern tut. Es ist also kein echter, kein sexueller Konsens, sondern nur die Zustimmung zum Benutzt-, Objektifiziert-, Missbrauchtwerden, wobei das Geld für all das gerade nicht auch nur ansatzweise "Entschädigung" sein kann.
 
Die sogenannt freiwillig Prostituierte (auch Pornodarstellerin, Escort) erhält folglich mit ihrem Verhalten, ihrem Sich-Prostituieren, die bestehenden Missverhältnisse selbst aktiv aufrecht und entwürdigt sich überdies selbst, indem sie sich - gegen/wegen Bezahlung - "freiwillig" benutzen, zum Objekt, zur Ware machen, vergewaltigen lässt.
 
Die Antwort auf die Frage, warum sie - die vermeintlich freiwillig, nicht Zwangsprostituierte - das tut, findet sich immer in ihrer Kindheit, Jugend, Prägung, Sozialisation, d.h. in einer bestehenden, gravierenden Selbstwertproblematik und Kompensationsverhalten.

Nicht selten liegt auch Traumatisierung in/seit der Kindheit vor. Das bestätigen Aussagen von Aussteigerinnen und Traumatherapeutinnen.
 
Ein weiterer Grund ist finanzielle Not, auch dann, wenn die jeweilige Frau nicht "bettelarm" ist. Sie hat unter Umständen trotzdem Schwierigkeiten, ihren Lebensunterhalt zu bestreiten, materieller Armut zu entgehen, ihre Miete zu zahlen, ihr Studium zu finanzieren, ihre Kinder zu "ernähren" ... und/oder weitere prekäre, belastende Lebenssituationen.
 
Und nein: Es gibt kein "Recht auf Sex". Auch nicht für physisch und/oder psychisch eingeschränkte Menschen.
Nein, "Sexarbeit", Prostitution ist auch nicht care. Im blog an anderer Stelle argumentativ dargelegt, begründet.

Üblicherweise lässt sich der reine Sexualtrieb mittels Masturbation ausreichend, vollumfänglich befriedigen.

Wer S e x will, also die Interaktion, Begegnung, Erfahrung mit anderen Menschen, Persönlichkeiten - nicht Objekten, sondern Subjekten - muss sich prosozial verhalten.

Nein, Frauen und Männer haben keinen qua Geschlecht/Biologie unterschiedlich starken Sexualtrieb, Libido. Die Libido ist vielmehr je individuell unterschiedlich stark ausgeprägt, hängt von diversen äußeren wie inner-psychischen Faktoren, Einflüssen ab, bei Frauen spielt auch der Zyklus eine Rolle.
Auch hierzu finden sich im blog Information und Quellenbelege (unter "Über den Sexualtrieb ...").
 
All das nachfolgend Genannte trifft auf die Prostituierte und Pornodarstellerin nicht zu:
 
- freely given: also gerade nicht gegen bzw. wegen Bezahlung
 
- reversible: weder die Prostituierte noch die Pornodarstellerin kann jederzeit abbrechen, aufhören, das macht sie einige Male und sie ist `raus aus dem "Geschäft", denn die Konkurrenz macht es - aus Gründen ...
 
- informed: zahlreiche Freier wollen Geschlechtsverkehr bspw. ohne Kondom oder ziehen das Kondom unerwartet, ohne vorherige Absprache absichtlich ab - kein Konsens für die Prostituierte
 
- enthusiastic: hierzu ist, denke ich, weiter nichts zu erläutern bzw. tat ich dies oben bereits - die Pornodarstellerin und Prostituierte tut nicht, was sie selbst im jeweiligen Moment tatsächlich will, sie kann auch nicht unterlassen zu tun, was von ihr erwartet wird, wenn/obwohl sie es tatsächlich nicht will, es ihr nicht gefällt, es ihr keine sexuelle Lust bereitet, sondern ggf. sogar Schmerzen, Ekel ... . Sie muss all das auch noch überspielen und sexuelle Lust, Erregung, Orgasmen vortäuschen. Das ist so brutal und sadistisch, dass es mich nach wie vor entsetzt, wieviele Männer das für selbstverständlich, "normal" halten, es sie nicht stört, abstößt, sie sich nicht selbst schäbig, unerträglich und gewalttätig finden, erkennen.
 
- specific: Die Prostituierte und Pornodarstellerin kann kaum etwas mitentscheiden; sie "bietet an", was nachgefragt wird. Wenn sie sich nicht der männlichen Nachfrage anpasst, fügt, unterwirft, ist sie relativ schnell `raus aus dem Geschäft, denn: es gibt aus bekannten Gründen (materielle Armut, Traumatisierung, Zwang, finanzelle, existentielle Not ...) immer "Konkurrenz", die es macht.
 
"[...] Asking for consent isn’t hard or awkward. In fact, it makes doing sexy stuff less awkward and less confusing because when there’s clear consent, you know for sure that the person you’re with is down to do the same thing you are.
 
Consent is:
 
Freely given. It’s not okay to pressure, trick, or threaten someone into saying yes. And you can’t give consent if you’re drunk, high, or passed out.
 
Reversible. It’s okay to say yes and then change your mind — at any time! Even if you’ve done it before, and even if you’re both naked in bed.
 
Informed. You can only consent to something if you have all the facts. For example, if someone says they’ll use a condom and then they don’t, there isn’t full consent.
 
Enthusiastic. When it comes to sex, you should do stuff you WANT to do, not things people expect you to do. If someone doesn’t seem enthusiastic (meaning happy, excited, or energized), stop and check in.
 
Specific. Saying yes to one thing (like going to the bedroom to make out) doesn’t mean you’re saying yes to other things (like having sex). [...]"
 
12. Juni 2015
 
Warum ich keinen Porno-Sex mag
 
Es ist bekannterweise nicht das erste Mal, dass mich dieses "Thema" beschäftigt.
 
[Siehe hier - 3sat-Dokumentation und verschiedene Artikel zum Thema.]
 
Der Grund ist, dass (Standard-) Porno-Sex leider nach wie vor von Männern erwartet, gewünscht und auch - "durch die Blume" oder ganz offen und ohne Umschweife - gefordert wird. Mit seit Jahren steigender Tendenz.
 
Meines Eindruckes nach, verhält es sich dabei folgendermaßen:
 
Je leichter zugänglich, je verbreiteter und jederzeit konsumierbar(er) der – überdies kostenfreie und heute "salonfähige", selbstverständliche - Konsum von Pornovideos wurde, je selbstverständlicher auch im Bereich der Musik (unterschiedlicher Genres und "Subkulturen", aber auch und gerade in der Pop-Musik), sowie auch in der Literatur und im Film die offene Darstellung pornographie-ähnlicher Kleidung, Gebärden bzw.  Szenen, "Geräusche", (angedeuteter) Sexualpraktiken etc. wurde und je mehr sich auch BDSM-Praktiken dort hineinfanden, untermischten und nicht nur "gleichberechtigt akzeptiert" wurden, sondern immer mehr "en vogue" sowie zumindest (Teil-) Bereiche daraus zum "mainstream" wurden - umso offensiver wurde die Erwartungshaltung von meines Eindruckes nach immer zahlreicher werdenden Männern gegenüber Frauen, dass sie, die Frauen, die "realen" Sexual – und/oder Beziehungspartnerinnen also, diesen Vorstellungen, Darstellungen entsprechen, nachkommen, "gerecht werden" sollen – möglichst das Aussehen betreffend (man denke an zahlreiche sogen. Schönheitsoperationen, besonders Brustvergrößerungen, Verkleinerungen der inneren Schamlippen, Anal-bleaching …, auch an Reizwäsche, Fetisch-Dessous etc.), aber vor allem das sexuelle Verhalten, die sexuelle "Interaktion" betreffend, welche im Grunde immer mehr zu einer Art gratis (Sex-) Dienstleistung (der Frau für den Mann) werden soll/wird bzw. längst (geworden) ist.
 
Was meine ich nun eigentlich mit "Standard-Porno-Sex"?
 
Eben die gängigen Praktiken, die es in unzähligen Pornofilmen/-videos zu sehen gibt und die von mehrheitlich Männern präferiert und konsumiert werden.
Noch mehr aber geht es um die Haltung der Männer Frauen gegenüber – bei zumindest also der sexuellen Interaktion - um die Verfügbarkeit der Frau und darum, sie (sexuell) zu dominieren, zu unterwerfen, zu besitzen, auch: zu erniedrigen, zu demütigen … .
 
Frauen konsumieren (solche) Pornos eher zu Informationszwecken, zur "Orientierung" (daran, was männlicherseits von ihnen erwartet wird, wie sie sich verhalten, welche Praktiken sie "beherrschen" sollen, weil von Männern so gewünscht …) oder aus Neugier.
Männer konsumieren die Porno-Videos bekannterweise, um sexuell erregt zu werden bzw. als Masturbationshilfe.
 
Es geht dabei insbesondere darum, dass der Mann den "dominanten Part" übernehmen will und die Frau ihm zu Willen zu sein, ihm zur Verfügung, zu Diensten zu stehen hat, dass sie vorrangig bis ausnahmslos ausschließlich seine sexuellen Wünsche erfüllen, befriedigen soll - auf eben die Art und Weise, was und wie es ihm gefällt, wie er es wünscht und will und so dann auch "praktiziert": an der Frau – weniger: mit ihr.
 
Ich hatte an anderer Stelle bereits angemerkt, dass es dabei also um die sexuellen Vorlieben, Abneigungen, Wünsche und Bedürfnisse der Frau gar nicht (mehr) geht. Diese werden vernachlässigt, ignoriert, verdrängt, ausgeblendet. Und "der Mann" möchte in diesem Fall auch gerade kein schlechtes Gewissen (wegen seines Verhaltens) haben "müssen", haben sollen, sondern im Gegenteil: Er möchte das Gefühl vermittelt bekommen bzw. haben können, dass er ein "guter Liebhaber" ist, der es "der Frau so richtig besorgt" … .
Er geht nicht selten also tatsächlich davon aus, die Frau wolle den Sex (auch) genau so, auf genau diese Art (wie er) und "genieße" ihn.
 
Was leider auch mit daran liegt, dass zahlreiche Frauen sich den sexuellen Wünschen und Erwartungen ihrer Partner allzu bereitwillig unterordnen, fügen, anpassen und leider gerade nicht so viel (erforderlichen) Selbstwert und Selbstvertrauen bzw. das ( - nicht - erlernte) Selbstverständnis (!) haben, eigene sexuelle Wünsche gegenüber dem Mann zu äußern, zu benennen oder nonverbal auszudrücken, eigene Präferenzen, Aversionen, Bedürfnisse, Phantasien oder auch je individuelle "Eigenheiten", Besonderheiten anzusprechen oder auszuagieren.
 
Dies wiederum hat den Hintergrund, dass nicht wenige Frauen mit sich, ihrem Äußeren unzufrieden sind, dass sie "Komplexe" haben – welche ihnen wiederum durch u.a. die weit verbreitete, eigentlich allgegenwärtige bildliche Darstellung von wenig bis gar nicht bekleideten, stets jungen, gesunden Frauen mit vermeintlich "optimalen Formen" verursacht werden - und/oder sie sexuell nicht sehr erfahren sind und  (deshalb) unsicher sind, nicht wissen, wie sie sich verhalten sollen, wie sie die sexuelle Lust eines Mannes, jenseits des Standards, jenseits üblicher oder bewährter Praktiken,  "befriedigen", d.h. ihm Lust verschaffen können oder sich manches auch nicht trauen, bspw. weil sie dabei "unvorteilhaft" aussehen, es ihnen peinlich ist oder sie Angst haben, sie könnten etwas falsch oder sich lächerlich machen etc..
 
Die (junge) Frau (mit noch wenig Erfahrung und/oder Reflexion) betrachtet sich also längst selbst auch als "sexuelle Dienstleisterin", als "Verfügungsmasse" des Mannes, von Männern, was ihr indessen leider durchaus häufig selbst gar nicht bewusst, präsent ist – sie will ihm gefallen, sie will gut ankommen, begehrt werden, eine gute Liebhaberin sein – vielleicht auch, weil sie dem Irrglauben aufsitzt, ihn damit möglicherweise gar an sich binden zu können.
 
Die Indoktrination war und ist augenscheinlich längst erfolgreich.
 
Ein weiterer Grund ist, dass die Frauen eben deshalb von ihren Partnern selbst dann nichts "einfordern" (die sexuelle Erfüllung, also auch rein körperliche Befriedigung der Frau betreffend), weil sie davon ausgehen, ihm auch nicht die "ekstatischen Lusthöhenflüge" verschaffen zu können.
So stellen sie dann selbst erst gar keine "Ansprüche". Es könnte dies sonst möglicherweise zur Folge haben, dass der Mann ihrer überdrüssig wird, sich dann nach anderen Frauen umsieht, die weniger anspruchsvoll, weniger "anstrengend" und also leichter zu händeln, anpassungswilliger, fügsamer … sind.
 
Und nicht zuletzt: gibt es auch nach wie vor mehr Frauen als Männer mit Kinderwunsch.
 
Wenn aber eine Frau einen Mann "gefunden" hat, mit dem sie sich ein gemeinsames Leben bzw. gemeinsame Kinder vorstellen kann …, und der Mann beim Thema Kinder(wunsch) nicht gleich panisch die Flucht ergreift ;) – was mitunter ein schwieriges, oft auch langwieriges Unterfangen sein kann (als Frau – noch  im "gebärfähigen Alter" … -  einen solchen Mann zu "finden"), so begnügen sich diese Frauen leider gar nicht selten auch mit mittelmäßigem bis "schlechtem", d.h. weder physisch noch emotional erfüllendem (schon gar nicht: physisch und emotional erfüllendem) Sex. Es soll ja schließlich vorrangig ein Kind entstehen, d.h. mittels Sex gezeugt werden. Um das zu "erreichen", machen Frauen durchaus Zugeständnisse und Abstriche beim Sex. Und kommen dem Mann auch mal mehr entgegen, als es ihnen selbst eigentlich lieb ist – es soll ja doch ein Kind entstehen. Und das geht nun mal auf "natürlichem Wege" nur, wenn vor allem er (seinen) Spaß bei der Sache, jedenfalls eine Ejakulation hat.
 
Weitere Gründe dafür, dass Frauen "die Porno-Bitch" spielen – denn der (porno-affine) Mann mag es nach eigenem Bekunden: "animalisch, dreckig, versaut, hemmungslos …" -  sind bspw. auch schlicht die Suche nach Selbstbestätigung (wiederum aus mangelndem Selbstwertgefühl) und weil es seit Jahren bereits sehr jungen Mädchen beigebracht, öffentlich vorgeführt und geradezu oktroyiert wird, den (jungen) Männern gefallen zu sollen, schließlich also auch gefallen (vermeintlich) zu wollen.
 
 
Aber nein, ich muss an dieser Stelle nun keine Ideologie und keinen Feminismus bemühen.
Es reicht vollauf, wenn und dass ich persönlich, d.h. "privat" Porno-Sex aus bereits ersichtlich gewordenen Gründen "nicht mag" … und damit unter den Frauen durchaus keine Randerscheinung darstelle.  
 
Nur heute ist es verpönt, dazu offen zu stehen, sich also auch entsprechend unmissverständlich zu äußern, zur Porno-Abneigung. Denn frau will dem Mann nach wie vor gefallen – oft, nicht immer.
Und sie möchte ihn auch "befriedigen" und, ja, sie fühlt sich auch einfach gerne begehrt.
 
Und als Feministin, als Emanze bezeichnet zu werden, ist längst ja Schelte, die frau heute auch nicht über sich ergehen lassen, in welche "Ecke" sie nicht gestellt werden will: die (vorgeblich) selbstbewusste, junge, sexuell aufgeschlossene Frau.
 
Sie ist oberflächlich vielleicht sogar überzeugt davon, dass sie "es auch so will", dass sie es auch "mitentscheidet" oder überhaupt diejenige ist, die eigentlich die Zügel in der Hand hält … .
Weil er  ja Wachs in ihren Händen ist oder es zumindest sein soll, weil sie schließlich zu nichts gezwungen wird, sondern alles – vermeintlich, vordergründig – freiwillig und selbstbestimmt tut.
 
Sie will überdies nicht als verklemmt, antiquiert, prüde, mimosenhaft oder gar "frigide" gelten – die "moderne, junge Sie": möchte sexy sein – und also begehrt, gewollt.
 
Nur geht es faktisch gar nicht um sie, um ihre Persönlichkeit, ihre Person, sondern lediglich um ihre "sexuell verwertbare" Hülle.
Und ja: Sie ist de facto mehr oder weniger beliebig austauschbar, ersetzbar. Konsumierbar – vorübergehend, befristet. Und genau das findet statt.
 
Die AkteurInnen halten sich dabei jedoch irrtümlicherweise für "sexuell selbstbestimmt und frei" und unterwerfen sich (im wahrsten Wortsinn) dabei doch nur, mehr oder weniger freiwillig: den Wünschen, Erwartungen, Ansprüchen und Forderungen von Männern.
 
Sie ordnen sich den männlichen Wünschen und Vorstellungen unter, leisten ihnen unhinterfragt, unreflektiert und völlig bedenkenlos Folge. Sie merken nicht einmal mehr, dass ihre eigenen Bedürfnisse … dabei nahezu vollständig auf der Strecke bleiben – sondern halten dies obendrein für den "Normalzustand" oder geben sich selbst sogar dafür die Schuld, suchen Ursachen, womöglich gar Fehler und Schwächen bei sich selbst – wenn sie den Sex  - so: gewaltvoll, missbräuchlich - als nicht befriedigend, nicht erfüllend erleben und ihn deshalb nicht wirklich genießen können.
 
Dem gegenüber stehen Männer, die sich über all dies entweder selbst auch gar keine Gedanken machen, weil es sie nicht interessiert, weil es sie selbst ja nicht "stört", sondern sie im Gegenteil von solchem "weiblichen" Verhalten ja profitieren, oder die darum zwar wissen, darüber jedoch tunlichst Stillschweigen bewahren.
 
Es sind diese Männer keineswegs ausnahmslos alle gewissenlose, schamlose, egozentrische oder gar frauenverachtende Charakterschweine.  ;)
 
Sehr häufig rührt ihr Verhalten und ihre sexuellen Präferenzen, ihr kompensatorischer Wunsch nach Macht, Dominanz und – sexueller – Unterwerfung der Frau, daher, dass sie sich in diversen Lebensbereichen immer mehr überfordert, abgehängt, übervorteilt, ausrangiert, unnütz, überflüssig oder Frauen grundsätzlich sozial, psychisch-emotional, moralisch und/oder intellektuell unterlegen und - auch sexuell sowie existenziell - von ihnen abhängig fühlen.
 
Es liegt also eine Selbstwertproblematik zugrunde, häufig eine narzisstische Kränkung oder auch eine anti-, dissoziale (narzisstische) Persönlichkeitsstörung.
 
Und das muss nicht vorrangig oder grundsätzlich das "weibliche und männliche Rollenverständnis" oder Geschlechterverhältnis betreffen, sondern es kann sich auch um ganz basale Unsicherheit in Bezug auf sexuelles Verhalten, sexuelle "Praktiken, Techniken" bzw. die sexuelle Interaktion mit Frauen handeln – die (bei Männern durchaus recht verbreitete) Unsicherheit im Umgang mit dem weiblichen Körper, mit weiblicher Lust, Sexualität … .
 
Doch da schaffen noch so zahlreich konsumierte Porno-Filme überhaupt keine Abhilfe – das Gegenteil ist bedauerlicherweise der Fall.
Mittels Pornos erfährt kein Mann etwas über weibliche Lust, Erregung, Wünsche, über die Befriedigung, das Erfüllen weiblicher Lust … .
 
Dieses "Wissen" erfährt, erhält er nur im Austausch, Kontakt, in der Interaktion, im Umgang mit (unterschiedlichen) Frauen – durch also Gespräche, Erlebnisse, Erfahrung.
 
Denn sexuelle Lust, Leidenschaft, Ekstase, Erfüllung … lassen sich nicht in theoretische Erklärungen pressen, lassen sich nicht auf Techniken oder Praktiken reduzieren, stellen sich nicht ein durch oberflächlichen, mechanischen Körperkontakt - im Abspulen eines Programms, das immer wieder abgerufen wird, das immer wieder – mittels Porno-Konsums – immer stärker zementiert wird.
 
Sexuelle Erfüllung findet sich durch die Individualtiät der Beteiligten, durch die Interaktion zweier Persönlichkeiten, durch deren Neugier, Vertrauen, starke Anziehung, durch Annäherung, Ausprobieren, Erkunden, durch Vertrautheit, aber auch das Verlassen "sicherer (ausgetretener, erfolgversprechender) Pfade" – durch das Spiel mit Dominanz und Hingabe, Verführung - durch das Fühlen und Empfinden all dessen, durch das, das in den Gedanken der Interagierenden ist, geschieht, durch: Intimität.
 
Porno ist das Gegenteil dessen, macht Intimität zunichte. Bei Porno ist Intimität gerade zu vermeiden, will und soll sie vermieden werden.
Eben deshalb kann Porno-Sex zwar bestenfalls rein physisch "befriedigend" (für vor allem den Mann) sein, nicht jedoch: erfüllend.
Und Sex mit einem anderen Menschen kann nur dann als wirklich erfüllend erlebt, empfunden werden, wenn beide echte "Freude daran" … haben.
 
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Pornographie hinterlässt nicht nur bei Jugendlichen "Spuren" ... .

Pornographie ist Mittel zum Zweck - sie stellt nicht "nur" Gewalt dar (denn Porno-"Sex" ist keineswegs so "freiwillig" und "einvernehmlich" wie es propagiert wird, sondern augenfällig physische und psychische Gewalt, Misshandlung, Erniedrigung - Entwertung), sondern Indoktrination. Um die "Geschlechterordnung" zu zementieren bzw. gerade in heutiger Zeit "wiederherzustellen" - wenigstens und gerade also auf sexuellem Terrain. - Nichts ist hier "zufällig" oder "harmlos". Absolut nichts. Es ist viel mehr Taktik, Strategie.
 
Es geht bei Pornographie nicht um Sex, um "Leidenschaft", um Intensität, um sexuelle Freizügigkeit und Vielfalt. Es geht einzig um: Macht (-demonstration) und Unterdrückung - der Frau durch den Mann.
 
Was in Pornos gezeigt wird, ist generell Ficken - nicht: authentischer, echter, intimer Sex.
Gerade die Intimität kann Pornographie niemals "abbilden, einfangen, wiedergeben" - denn das wäre ein Widerspruch in sich. Sobald die Kamera läuft - übrigens auch bei Laienpornos - ist jegliche Intimität schon dadurch zunichte gemacht - denn im Bewusstsein schwingt stets mit: das ist Material, das angesehen werden soll/will, es wird also etwas vorgeführt, es ist der intime Rahmen, die intime Atmosphäre schon damit, schon deshalb zunichte gemacht, aufgehoben. Zwangsläufig.

Und vor allem kann Porno niemals Erotik zeigen. Denn spezifisch an Erotik ist gerade das, das sich im Kopf abspielt (Gedanken, Gefühle, Eindrücke, Assoziationen ...) - und eben nicht das, das plakativ bildlich gezeigt, vorgeführt wird.
 
Porno und Erotik schließen einander aus, sind einander diametral entgegengesetzt.

Gerade die Erotik aber ist es, die den Sex - bei aller Wiederholung - interessant und reizvoll bleiben lässt/lassen kann - eben weil es mehr und ganz anderes ist als rein körperliches Tun, Aktion, Interaktion. Aber eben genau dieses Mehr vermag Pornographie nicht einzufangen, nicht wiederzugeben. Im Gegenteil: Sie würgt alle Phantasie und Vielfalt genau in dem Moment ab, da sie gezeigt bzw. abgerufen, konsumiert wird - sie schränkt sexuelle Vielfalt massiv ein, weil sie den Raum für Erotik nicht lässt - nicht lassen kann (siehe, wie oben erläutert).
 
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Aktualisierung am 05. April 2019

Ein paar Sätze zum Anal"sex":
 
Es geht hier nicht um irgendeine, überdies vorgeblich private Sexualpraktik, sondern darum, was genau Analfick mit Patriarchat und nicht selten auch mit Sexualgewalt zu tun hat und w a r u m Männer eben auf diesen Analfick stehen. Warum Analfick, via Porno, "salonfähig", zur sexuellen Norm, zu einer Art Standardpraktik wurde und dass eben deshalb einige Frauen dies mitvollziehen, obwohl sie es selbst nicht wirklich wollen, es sie nicht erregt, schon gar nicht physisch befriedigt, sondern es ihnen unangenehm ist und/oder auch Schmerzen verursacht - auch psychische, denn der Analfick ist vor allem eine Unterwerfungsgeste, wie auch facial/cumshot. Er ist für Männer also nicht einfach physisch geil, weil "es so eng ist", sondern es spielt g e r a d e die psychische Komponente eine entscheidende Rolle dabei.
 
Und genau dieses Ins-Private-Schieben, ist und war von jeher das Problem. Das Private ist politisch, wie wir wissen.

Kein silencing, keine Indoktrination, dann auch kein Missbrauch, keine Sexualgewalt, keine Objektifizierung der Frau.
 
Vergewaltigung ist es nicht "erst" oder nur dann, wenn der Täter ein Fremder ist und/oder die Frau prügelt, würgt oder mit einer Waffe bedroht. Die meiste Vergewaltigung, Sexualgewalt findet innerhalb von Beziehungen und Bekanntschaftsverhältnissen statt, die Täter sind den Frauen mehrheitlich bekannt, n i c h t Fremde. Und die meiste Sexualgewalt findet in Privaträumen statt, in vertrauter Umgebung oft, bspw. in der Wohnung des Opfers oder der des Täters.
 
Das ist der Punkt:
Geschieht das Jeweilige t a t s ä c h l i c h "freiwillig und einvernehmlich"? Oder ist die jeweilige Frau schon so, häufig unbewusst, indoktriniert und angepasst, devot oder auch fürsorglich-bedürfnisorientiert liebend, selbstlos, dass sie ihre eigenen echten physischen und psychisch-emotionalen Bedürfnisse und Grenzen zurückstellt bzw. vom Mann überschreiten l ä s s t, dass sie das, das sie als "freiwillig und konsensual" vermeintlich wahrnimmt gar nicht mehr als Missbrauch, als Sexualgewalt erkennt bzw. es aus Gründen - Indoktrinierung, Manipulation, Liebe oder auch Abhängigsein (wirtschaftlich oder auch sozial, emotional) - z u l ä s s t, mitvollzieht.
Siehe hierzu auch narzisstischen Missbrauch, der weit verbreitet zu sein scheint: der Mann, Partner als pathologischer Narzisst (anti-, dissoziale PKST) mit all dem dafür typischen, kennzeichnenden Verhalten.
 
Oder auch, weil sie Angst hat, dass der jeweils betreffende Mann sich sonst anderswo sucht, was sie ihm "nicht gibt", dass er bspw. "fremdgeht" oder Frauenkauf tätigt: Prostituierte konsumiert, missbraucht, oder dass sie anderweitige Nachteile, gar Beschädigung (physische, soziale, wirtschaftliche, psychisch-emotionale, bspw. auch Trennung) durch den Mann erleiden wird, wenn sie seine sexuellen Wünsche, Forderungen, so "subtil" bzw. manipulativ sie auch vermittelt werden, nicht (mehr) erfüllt.
 
Ja, im Grunde müssten wir uns an dieser Stelle schon wieder mit BDSM befassen. Im blog habe u.a. auch ich dazu einiges informative Material gesammelt.
 
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Leute behaupten wiederholt etwas, das sie nicht durch Fakten, seriöse Quellen, wissenschaftliche Erkenntnisse belegen:

Welche Frauen und wieviele haben Orgasmen durch, bei, von Analpenetration? Denn zum Orgasmus k a n n Analpenetration gar nicht führen, da dies bei jedenfalls der Frau schon anatomisch nicht möglich ist.

Wenn überhaupt tatsächlich eine Frau Analpenetration erregend findet, so kann sie dies nur "im Kopf" erleben, dann aber wäre wiederum zu fragen, was genau aus welchen Gründen sie daran erregt, warum sie also durch Unterwerfung erregt wird. Hierzu müssten wir uns wiederum genauer mit BDSM befassen.

Und wenn eine Frau Analpenetration physisch erregend findet, dann kann sie dies nur, wenn sie dabei auch an der Vulva (Klitoris, innere Schamlippen, Scheiden e i n g a n g - nicht in der Vagina selbst) stimuliert wird. Das aber bedeutet, dass ihre physische Erregung durch eben diese Stimulation ihrer Vulva ausgelöst wird, n i c h t dadurch, dass ihr Anus, ihr Rektum penetriert wird.

Bei vaginaler Penetration ist es immerhin möglich, dass die Klitoris indirekt stimuliert werden k a n n, das hängt wiederum von der jeweiligen Stellung, aber auch von der jeweiligen Anatomie (!) der Beteiligten ab (siehe bspw. wie der Penis geneigt ist, wie dick oder dünn er ist, wie "biegsam" und siehe auch den Abstand zwischen Scheideneingang und Klitoris bei der jeweiligen Frau und auch die Beckenbodenmuskulatur spielt eine Rolle, außerdem auch psychische uns sonstige physische Befindlichkeit).

Bei analer Penetration ist diese indirekte Klitorisstimulation durch den Penis rein anatomisch schon völlig ausgeschlossen, unmöglich. Die Klitoris befindet sich nicht im Anus einer Frau. 
 
Und nur weil/wenn einige Frauen AM Anus stimuliert werden wollen, das als erregend erleben, heißt das nicht, dass sie IN ihren Anus penetriert werden wollen. Siehe Vulva und Vagina.
 
Der unten verlinkte Text - eigentlich sollte man solchen Müll gar nicht "teilen" - ist aus wissenschaftlicher Sicht der reine Nonsens. Man kann natürlich allen möglichen Unsinn behaupten, dabei überdies völlig anonym, denn selbst durch die Verlinkung auf die HuffPost gelangt man nicht zum Verfasser des Artikels (und ja: ich hoffe, es ist ein Mann, denn solcher Nonsens von einer Frau verbreitet, wäre tatsächlich unentschuldbar). Und es sind an keiner Stelle wissenschaftlich fundierte, seriöse Quellen genannt, auf die sich diese leeren, unhaltbaren Behauptungen stützen.

Ich kann auch einfach schreiben, es gibt fliegende rosa Elefanten. Zwar hat sie noch nie jemand - in nüchternem Zustand, bei voller Urteilsfähigkeit - gesehen, aber wenn man nur intensiv daran glaubt, also glauben will bzw. andere dies glauben macht, aus üblichen Gründen: Manipulation, Kontrolle, Unterwerfung, Instrumentalisierung, Missbrauch, Ausbeutung, as always im Patriarchat - dann gibt es sie. ;)
 
-
Und damit es keine etwaigen Missverständnisse gibt, "oute", bekenne ich mich auch mal ganz unmissverständlich:
 
Bei, mit mir gab es nie je und wird es niemals je "freiwillig, einvernehmlich" BDSM, also auch n i c h t Analfick geben.
 
Weder passiv noch aktiv.
Ich habe meinerseits nicht das Bedürfnis oder den Wunsch, einen Mann oder eine Frau mittels bspw. strap on, Umschnalldildo oder womit auch immer zu penetrieren, in k e i n e Körperöffnung. Und ich möchte selbst auch nicht anal "penetriert" werden, wurde es auch nie. Immerhin wenigstens das konnte ich erfolgreich abwehren, verhindern.
 
Denn weder BDSM noch Analfick finde ich sexuell erregend, befriedigend oder gar erfüllend - nichts von all dem, nicht ansatzweise.
 
Denn auch ich erlebe diese Unterwerfungsgeste weder psychisch-emotional noch physisch als erregend. Ich habe - wie alle Frauen - im Enddarm, im Rektum keine Nerven oder anderweitige körperliche, anatomische Beschaffenheit, die durch Penetration desselben, meines Anus´, sexuelle Erregung oder gar Befriedigung, Orgasmen auslösen, ermöglichen könnte/würde. Grund: die biologische Anatomie der Frau.
 
Das ist fast so ähnlich wie der Mythos vom "G-Punkt" (oder F- oder X, Y, Z-Punkt) oder jener vom "vaginalen Orgasmus".
 
Nicht mit mir, die Herren.
 
-
Aktualisierung 08. November 2018
 
Sexualtrieb und Begehren sind nicht gleichbedeutend, kongruent.
Worin besteht der grundlegende Unterschied zwischen Sexualtrieb und Begehren?
 
Er besteht darin, dass der Trieb relativ beliebig, wahllos, nicht besonders wählerisch, nicht personalisiert ist, während das Begehren sich auf bestimmte Person(en), individuelle Persönlichkeit(en) bezieht, auf diese ausgerichtet, an sie gebunden ist.
 
Man begehrt also (einen) bestimmte(n) Menschen - sexuell, emotional, gedanklich, physisch.
 
Dort, wo gegenseitiges Begehren aufeinandertrifft und erfüllt wird, wird sowohl intensive Leidenschaft als auch tief berührende physich-sexuelle sowie psychisch-emotionale Erfüllung erlebt, erfahren - das Gefühl von "Verschmelzung, Einswerdung".
 
Wer dies - wer "solchen", d.h. echten, tatsächlichen, intensiven, erfüllenden Sex - kennengelernt, erlebt hat, wird es nicht vergessen und sich mit nichts "Geringerem" (mehr) zufriedengeben (wollen).
 
Das ist im Übrigen, was man allgemeinhin als Erotik bezeichnet, die sich im Unterschied zu plakativem, ordinären, oberflächlich-mechanischem, nicht-intimem, egomanem, selbstbezogenen Porno vor allem darin unterscheidet, dass sie sich intensiv in den Köpfen, den Gedanken und Gefühlen der Beteiligten, der Interagierenden, abspielt.
 
Die Erfüllung wird dort/dann erlebt, wenn das Kopfkino der Beteiligten zueinanderpasst und sich in körperlichem und einhergendem emotionalen Tun und Empfinden entsprechend ausdrückt, "vollzogen" wird und wenn dies sich nicht in Routine erschöpft, sondern Raum für bedürfnisorientierte, je persönliche, gemeinsam erlebte, erkundete Veränderungen bleibt.

Das setzt gerade voraus, dass es nicht um bloß mechanisches Tun, um reine Triebbefriedigung geht, sondern um das Interagieren von Persönlichkeiten - die sich ihrerseits verändern ... .
 
Eben darin besteht der Unterschied zwischen Masturbation - auch erweiterter Masturbation mit fleischlichem Erfüllungsgehilfen, wie so in Pornographie üblich - und Sex, den man nur gemeinsam m i t anderer Persönlichkeit erleben kann.
 
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"[...] Es geht bei Pornografie nicht um Lust. Es geht um Macht. Eros liegt plattgewalzt unter den Rädern der Sexmaschine. Sex und Gewalt sind heute in den Phantasien und Bedürfnissen von Männern wie Frauen kaum lösbar miteinander verbunden. Pornografie macht die Frauen und die Sexualität kaputt. Pornografie, dieses "kalte Herz der Frauenfeindlichkeit" macht "Sexismus sexy" (McKinnon). Mehr noch: Sie macht den Geschlechterkampf zum Geschlechterkrieg. Pornografie ist Kriegspropaganda gegen Frauen.
 
Sie sind in diesem ihrem Krieg schon ganz schön weit gekommen: Am Anfang haben sie uns "nur" ausgezogen; dann haben sie uns "nur" vergewaltigt; dann haben sie uns "nur" gefoltert; jetzt zerstückeln sie uns. Immer mehr wird die Porno-Produktion zur Gewalt-Porno-Produktion. Jeder Bürger ein Marquis de Sade. Das ist Demokratie im Patriarchat.
 
Pornografie, das Wort kommt aus dem Griechischen und bedeutet: Darstellung von Huren. Pornografie schafft ein Frauenbild, das Frauen zu Menschen zweiter Klasse degradiert. Pornografie bedroht die elementaren Menschenrechte von Frauen: das Recht auf Würde oder Freiheit, auf körperliche Unversehrtheit oder Leben.
 
Bilder, die Menschen sich von Menschen machen, haben Auswirkungen auf deren gesellschaftliche, soziale und psychische Realität - das ist bei einem sexistischen Bild nicht anders als bei einem rassistischen oder einem antisemitischen.
 
Das geltende Strafrecht (§ 184 StGB) definiert Pornografie anders. Danach sind Darstellungen dann pornografisch, wenn sie "auf Erregung eines sexuellen Reizes beim Betrachter abzielen und dabei die im Einklang mit allgemeinen gesellschaftlichen Wertvorstellungen gezogenen Grenzen des sexuellen Anstands eindeutig überschreiten". Der § 184 StGB dient also dem Schutz eines allgemeinen "Anstands"gefühls, nicht dem Schutz der Würde von Frauen.
 
Der von EMMA vorgeschlagene Gesetzesentwurf will die Opfer schützen. Er präzisiert und ergänzt den geltenden Anti-Porno-Paragraphen. Allerdings durch ein zivilrechtliches Gesetz, das die Ahndung eines Verstoßes nicht in die Hand des Staatsanwaltes, sondern in die der betroffenen Bürgerinnen selbst legt.
 
So ein Gesetz würde auch eine Gesetzeslücke schließen. Die zeigte sich nicht zuletzt beim sogenannten Stern-Prozess im Sommer 1978, bei dem auf Initiative von EMMA hin zehn Frauen den Stern wegen seiner sexistischen, Frauen erniedrigenden Titelbilder verklagten. Als Richter Engelschall das Urteil sprach, gab er den Klägerinnen zwar moralisch recht ("Die Kammer verkennt nicht, dass es ein berechtigtes Anliegen sein kann"), aber juristisch unrecht. "Diese Klage", so argumentierte der Richter, "hat in dem geltenden Rechtsschutzsystem noch keinen Platz. Mit einem solchen Anliegen müssten sich die Klägerinnen vielmehr an den Gesetzgeber wenden." - Das tun wir hiermit.
 
"Jede der Klägerinnen ist durch die vorgelegten Titelbilder als Mitglied der Gruppe Frauen persönlich betroffen und in ihrer Ehre verletzt." So argumentierte schon 1978 Rechtsanwältin Gisela Wild, die damals die Klägerinnen im Stern-Prozess vertrat. Mit Hinweis auf die sexistischen bzw. pornografischen Titelbilder des Stern fuhr sie fort: "Die Darstellung der Frau ist auf diesen Bildern völlig entpersönlicht und reduziert auf geschlechtliche Benutzbarkeit. Zugleich wird damit weibliche Unterlegenheit und männliche Dominanz ausgedrückt. (...) Die Frau wird so dargestellt, als sei sie männlicher Lust jederzeit verfügbar und unterstehe damit seiner Beherrschung."
 
Doch seither ist die Pornografie auch in den Medien nicht weniger, sondern mehr und härter geworden. Doch immer noch fehlt ein Gesetz, das die Opfer davor schützen könnte. Auch die Pressefreiheit wird nicht zufällig im Artikel 5 des Grundgesetzes beschränkt, wo es in Absatz 2 heißt, sie findet "ihre Schranken in den Vorschriften der allgemeinen Gesetze, den gesetzlichen Bestimmungen zum Schutze der Jugend und in dem Recht der persönlichen Ehre". Sie hat auch ihre Pflichten, diese Pressefreiheit. So die Pflicht, im Dienste der Aufklärung und nicht in dem der Anti-Aufklärung, der Volksverhetzung zu stehen. Antisemitische und rassistische Darstellungen verbietet in der Bundesrepublik das Gesetz. Bei sexistischen Darstellungen sollte es nicht anders sein. [...]
 
Doch wir leben auch in einem Land, in dem die Propagierung eines plumpen Sexismus eine Selbstverständlichkeit ist, Teil der "Meinungsfreiheit".
 
"Echt in" in modernen Kreisen: allzeit bereite, dümmliche, unterwürfige, verfügbare, benutzbare, missbrauchte Frauen.
 
Es gibt nicht viele Männer, die das empört. Doch auch unter den Frauen sind noch längst nicht alle gegen Pornografie. Das ist schon befremdlicher. Denn wenn wir den Kampf gegen die Pornografie nicht gewinnen, verlieren wir den Kampf um unsere Emanzipation. So einfach ist das. Übrigens: Der allererste Satz des Grundgesetzes lautet: "Die Würde des Menschen ist unantastbar." Die Würde der Frau ist antastbar. - Wie lange noch?"
 
Quelle: aliceschwarzer.de - "Pornografie propagiert Gewalt"
Wie soll einem da der Respekt vor Männern nicht abhanden kommen, insbesondere, wenn man sich vergegenwärtigt, wieviele Männer täglich Frauen kaufen, benutzen, misshandeln, beschädigen - mit oder auch ganz ohne "Bezahlung" und wieviele Männer genau solche Pornographie täglich ganz selbstverständlich konsumieren?
 
Und: Wieviele Frauen, Freundinnen, Partnerinnen, Schwestern leugnen oder verdrängen, dass ihr eigener Partner, Bruder, Freund, Kumpel, Bekannter ... sich in eben solcher Weise verhält?
Weil: Diese Frauen nichts davon wissen wollen - davon, dass ggf. auch sie selbst von ihnen nahestehenden Menschen benutzt, erniedrigt, misshandelt werden. Sie entschuldigen es, sie relativieren, verharmlosen es, sie verdrängen es, sie leugnen es. D a s ist das Bitterste daran. Denn sie verraten und beschädigen damit nicht nur sich selbst, sondern auch all ihre Geschlechtsgenossinnen - und tragen auf diese Weise aktiv dazu bei, dass alles genau so bleibt, bleiben k a n n.
"[...] Sie versucht, die Nervosität wegzulachen, als ihr ein Assistent ein Sexspielzeug einführt. Es soll ihren Anus dehnen. Das fühlt sich unangenehm an, aber es ist nichts im Vergleich zu dem, was gleich kommen wird.
 
Annas Sexpartner dringt in sie ein. Sie stöhnt. Aber nicht aus Lust. Es tut weh. Er stößt immer fester zu. Jetzt schreit Anna vor Schmerz. Tränen laufen ihre Wangen hinunter, während sie fleht: "Bitte. Hör auf."
Szenen wie diese wird der Zuschauer nicht sehen. Er sieht eine Frau, die sich dem Mann hingibt. Eine, die nicht genug kriegen kann. Pornos bedienen die Fantasien der Zuschauer. Doch Fantasien haben einen entscheidenden Nachteil:
Sie sind nicht echt.
 
"Die meisten Frauen halten im Porno-Business nicht länger als drei Monate durch", sagt Gail Dines, Professorin für Soziologie und Frauenforschung in Boston. Sie betreibt mit ihrer Organisation "Stop Porn Culture" Aufklärungsarbeit über eine Branche, die ihre Geheimnisse sehr gewissenhaft hütet.
 
Das Geschäft habe sich in den vergangenen Jahren verändert, sagt Dines. Pornografie sei durch das Internet bezahlbar, leicht zugänglich und anonym geworden. Und weil das Angebot so groß ist, wird der Hardcore-Porno immer härter.
Der Reiz des Verbotenen nutzt sich ab. Filmemacher müssen immer neue Tabus brechen, um das Publikum zu locken. Der Film-Sex wird brutaler, die Praktiken ausgefallener.
In einer US-Studie von 2010 untersuchten Forscher Szenen aus den am häufigsten verkauften Pornos. 88 Prozent der Filme enthielten körperliche Gewalt.
Fast die Hälfte zeigten auch verbale Gewalt, zum Beispiel Beschimpfungen. [...]
 
Doch die Aussteigerinnen reden anders. Auf der Webseite der ehemaligen Erotik-Darstellerin und Aktivistin Shelley Lubben berichten sie von ihren Erfahrungen.
 
"Es waren sieben Jahre Folter", schreibt die Ex-Darstellerin Jenna Presley. "Mir ging es furchtbar, ich war einsam. Ich wandte mich den Drogen und dem Alkohol zu und versuchte, mich umzubringen. Ich wusste, ich wollte raus, aber ich wusste nicht wie."
Auch die Aussteigerin Erin Moore erinnert sich mit Entsetzen an ihre Erlebnisse:
"Während meiner Porno-Karriere wurde ich erniedrigt und wie Dreck behandelt - so etwas hätte ich mir nie im Leben ausmalen können. Ich war keine Frau in den Augen der Regisseure. Ich war ein Nichts. Männer würgten und schlugen mich, sie nahmen mich so hart, dass ich tagelang nicht laufen konnte. Und sie taten das auch, wenn ich sie bat, damit aufzuhören."
 
Jeder vierte Pornodarsteller ist laut einer Studie der University of California mit einer Geschlechtskrankheit infiziert. Eine andere Studie ergab, dass sich Erotik-Darstellerinnen in Los Angeles öfter mit sexuell übertragbaren Krankheiten anstecken als Prostituierte.
Weil Drehpartner den Frauen Sperma ins Gesicht spritzen, erkranken sie häufig an einer Gonorrhoe des Auges. Durch den brutalen Analsex tritt die Schleimhaut des Anuskanals nach außen. Außerdem ziehen sich die Frauen oft Verletzungen an den Geschlechtsteilen zu. [...]
 
Diese Frauen würden mit falschen Versprechungen geködert. "Die Produzenten wiegen sie in Sicherheit. 'Du musst nichts tun, was du nicht tun willst', sagen sie ihnen", erklärt Gail Dines. Tatsächlich sei es das Ziel, die Frauen dazu zu bringen, ihre Grenzen zu überschreiten. "Und wenn die Regisseure das geschafft haben, dann haben sie die Frauen gebrochen."
 
Wie das abläuft, kann man sich im Netz anschauen. Auf einschlägigen Webseiten laden Nutzer solche Take-Outs hoch, um die "dummen Schlampen" zu verspotten. So landete auch das Video von Anna im Internet.
 
Die Clips auf diesen Portalen sind kaum zu ertragen: Ein Darsteller rammt einer Frau seinen Penis so tief in die Kehle, dass sie würgen muss. Gagging heißt das im Porno-Jargon. In Tränen aufgelöst gibt sie nach kurzer Zeit auf. Die Männer am Set johlen.
 
Ein anderes Video zeigt eine wimmernde Frau, die von einem Darsteller in harten Stößen penetriert wird. Über dem Video steht: "Er fickt sie richtig, obwohl sie schon lange nicht mehr kann."
 
Diese Bilder haben nichts mehr mit Lust zu tun. Aber sehr wohl mit der Wirklichkeit hinter den Porno-Fantasien."
 
Quelle: huffingtonpost.de - "Pornostars: So brutal ist der Alltag der Darstellerinnen"; farbliche Hervorhebungen habe ich vorgenommen.
"[...] Diese Frauen haben also schon alles gehört und gesehen. So brutal eine Geschichte auch sein mag, sie kennen eine noch brutalere. Was männliche Gewalt angeht, da kann ihnen niemand mehr etwas Neues erzählen. Und dennoch: Nach drei Stunden Pornofilmen sind die meisten dieser Frauen fertig. Die Stimmung ist gedrückt.
 
Eine, die während des gesamten Workshops die Arme fest um den Oberkörper geschlungen hielt, sagt: "Das ist schmerzhaft. Es ist einfach so schmerzhaft. Es schmerzt zu wissen, dass du als Frau, ganz egal, wer du bist, auf ein Ding reduziert werden kannst, das dazu da ist, penetriert zu werden, und dass in vielen Pornofilmen Erniedrigung zentral ist." Und Männer auch noch drauf stehen.
 
Damit haben selbst diese Frauen zu kämpfen, die es im wahren Leben doch schaffen, offensiv auf die Folgen konkreter männlicher Gewalt zu reagieren. Doch mit Taten, selbst mit extrem brutalen Taten, konfrontiert zu sein, scheint eine Sache zu sein - die Gedanken, Vorstellungen und Phantasien hinter diesen Taten kennen zu lernen, noch eine ganz andere.
Pornofilme erzählen Storys über Sex. Die Frage ist, welche Art Story? Für wen? Und aus wessen Perspektive? Unter Mainstream-Pornos verstehen wir heute die vielerorts erhältlichen Videos und DVDs, die als "Hardcore" gelten, und hauptsächlich von Männern ausgeliehen oder gekauft werden.
Sie zeigen vor allem Sex zwischen Männern und Frauen. Die sexuelle Aktivität ist dabei in der Regel nicht simuliert: Diese Videos sind Aufnahmen von faktischem Sex zwischen den Darstellern. Was auf dem Bildschirm stattfindet, hat auch real stattgefunden.

Sopornos IV zum Beispiel ist ein Video von VCA Pictures, einer Firma, die für den in der Branche so genannten "Paare-Markt" produziert. Die Handlung ist eine Parodie auf The Sopranos, die (auch in Deutschland ausgestrahlte) populäre Mafia-Serie des Pay-Kanals HBO. In Sopornos IV ist Gangsterboss Bobby Soporno besessen vom Gruppensex. In der finalen Sexszene hat seine Frau dann Sex mit zweien seiner Leute.
Nach oralem und vaginalem Sex schickt sich einer der Männer an, sie anal zu nehmen. Sie sagt: "Dieser verdammte Schwanz ist so verdammt riesig. ... Spreiz meinen verdammten Arsch. Spreiz ihn auf." Er penetriert sie. Dann sagt sie, etwas leiser: "Nicht tiefer", offenkundig hat sie Schmerzen. Am Ende der Szene bettelt sie dann um das Sperma: "Zwei Schwänze, die in mein Gesicht abspritzen. Das will ich!". Sie öffnet den Mund und beide Männer ejakulieren gleichzeitig auf sie.
 
Oder Two in the Seat 3, ein bei Red Light District erschienenes Video. Es besteht aus sechs Szenen, in denen jeweils zwei Männer Sex mit einer Frau haben, und gipfelt in der Doppelpenetration, wobei die Frau gleichzeitig vaginal und anal penetriert wird. In einer der Szenen sagt die zwanzigjährige Claire, sie sei jetzt seit drei Monaten in der Branche.
Vom Interviewer aus dem Off gefragt, antwortet sie: "Ich bin hier, um richtig durchgebumst zu werden." Die beiden hinzukommenden Männer überschütten sie mit einem Schwall von Beleidigungen, nennen sie ein "dreckiges, verdorbenes kleines Ding", eine "verdammte kleine Fotze", eine "kleine Schlampe".
 
Nach dem oralen und vaginalen Sex bittet sie einen von ihnen: "Steck deinen Schwanz in meinen Hintern." Während der Doppelpenetration auf dem Fußboden klingen die Laute, die sie von sich gibt, gequält. Am Sofa eingekeilt, bewegt sie sich kaum. Die Männer schlagen sie, und ihr Gesäß ist sichtlich rot. Einer der Männer fragt sie: "Heulst du?" Claire: "Nein, es macht mir Spaß." Der Mann: "Verdammt, ich dachte, du heulst. Es hat mich angetörnt, dass ich dachte, du heulst." Claire: "Möchtest du, dass ich heule?" Der Mann: "Ja, gib mir eine verdammte Träne. Ah, da ist ja eine verdammte Träne." Etc. etc.
 
Oder ein drittes und letztes Beispiel: Gag Factor 10. Der Film ist ein 2002 veröffentlichtes Video von J. M. Productions. Die Website des Unternehmens wirbt damit, dass die Gag-Factor-Videos als "beste Oralserie" prämiert wurden und beantwortet die Frage, "Wodurch unterscheidet sich Gag Factor von all den vielen Blowjob-Videos da draußen?" So: 1. Jedes Mädel muss die volle Ladung Sperma schlucken! 2. Jedes Mädel wird in die Kehle gefickt, bis es würgt und beinah kotzt! 3. Bei Gag Factor werden alle Mädels bis zum Anschlag in die Kehle gefickt!
Eine der zehn Szenen des Films beginnt damit, dass eine Frau und ein Mann im Park picknicken. Dann steht er auf und stößt in ihren Mund, während sie auf der Decke sitzt. Zwei scheinbar zufällig vorbeikommende Männer schließen sich an und machen mit. Unter Äußerungen wie "Bums dieses Gesicht, bums dieses verfickte Gesicht", "Ganz runter, komm schon, bis zum Ersticken" und "Das nenn ich einen echten Gesichtsfick" halten sie ihren Kopf fest und stoßen immer fester.
 
Einer packt sie am Haar und zieht ihren Kopf immer wieder ruckartig über seinen Penis, eine Technik, die sein Kumpel den "Presslufthammer" nennt. Ihr Gesicht ist verzerrt. Sie liegt auf dem Boden und die Männer nähern sich ihr von hinten. "Du kleine Hure, du stehst doch drauf, dass es weh tut", sagt einer. "Stehst du auf Gesichtsfick?", fragt ein anderer. Sie kann nicht antworten. "Mach den Mund auf, wenn du drauf stehst", sagte er.
Sie öffnet den Mund. Als sie alle drei in ihren Mund ejakulieren, rinnt das Sperma auf ihren Körper hinunter. Nach der letzten Ejakulation schaut sie ihren Freund an und sagt: "Gott, ich liebe dich, Baby." Ihr Lächeln gleitet ab in einen gequälten Ausdruck von Scham und Verzweiflung.
 
Diese drei Beispiele sind typisch für Mainstream-Videos und DVDs mit Gonzo-Pornos. Entscheidend dabei ist der Schmerz der Frauen. Wenn man bedenkt, dass die überwiegende Mehrzahl der Käufer und Entleiher solcher Videos Männer sind, stellt sich die Frage: Warum empfinden manche Männer es nicht als Lust hemmend bzw. sogar Lust steigernd, wenn Frauen beim Sex Schmerz zugefügt wird?
 
Als in den 70er und 80er Jahren die gesetzlichen Einschränkungen der Pornografie gelockert wurden und die Darstellung von Sex auf der Leinwand oder dem Bildschirm nicht mehr per se etwas Verbotenes war, wurde analer Sex zum Standard in Pornofilmen. Analsex galt als etwas, das Frauen nicht wollen, und war insofern ein besonderer Kick. Als Analsex in der Pornografie Routine wurde, verschoben die Gonzo-Pornos die Grenze in Richtung Doppelpenetration und Kehlensex bis zum Würgen.
 
In Adult Video News erklärt der Porno-Produzent Jerome Tanner bei einer Roundtable-Diskussion: "Die Leute wollen immer härtere und noch härtere Sachen." Ein anderer Porno-Regisseur, Jules Jordan, sagt unverblümt: "Anscheinend wollen heutzutage alle ein Mädel bei einer D.P. (Doppel-Penetration) oder einem Rudelfick sehen. Die extremeren Sachen haben den Pornofilm eindeutig vorangebracht. Aber wo das noch hinsteuert, weiß ich auch nicht."
 
In den letzten Jahren wurden drei Studien durchgeführt, die den Inhalt von Mainstream-Video/DVD Pornografie untersuchten, alle mit dem Ergebnis: Der Hass auf Frauen ist zentrales Element zeitgenössischer Pornografie. Würde man jedes Video entfernen, in dem eine Frau Nutte, Fotze, Schlampe oder Hure genannt wird - dann wäre das Regal fast leer.
Die Andersartigkeit von Frauen im Gegensatz zu Männern ist eines der Leitmotive in der Pornografie; genau wie die Vorstellung, dass sie Schmerz, Demütigung und Erniedrigung genießen.
 
Wir leben in einer Kultur, in der Männer vor Fernsehern und Computerbildschirmen masturbieren, auf denen Sex mit immer mehr Grausamkeit gegenüber Frauen stattfindet. Was niemanden sonderlich zu beunruhigen scheint. Pornografie ist nicht nur weithin akzeptiert, sie wird uns auch noch als Emanzipation verkauft.
 
Doch wenn eine Studentin bei einer Projektbesprechung einem Dozenten gegenübersitzt, der am Vorabend Gag Factor 10 gesehen hat - wer ist sie dann für ihn? Wenn eine Frau auf die Bank kommt, um ein Darlehen zu beantragen, und der Bankbeamte am Vorabend Two in the Seat 3 gesehen hat - was denkt er dann? Wenn eine Frau vor einen Richter tritt, der am Vorabend Sopornos IV gesehen hat, kann sie erwarten, dass er sie als vollwertigen Menschen wahrnimmt?
 
Sicher, es wäre alles leichter, wenn wir davon ausgehen könnten, dass diese Filme von einer kleinen, devianten Minderheit der Männer konsumiert würden. Wenn wir auf die Frage, "Was für Männer stehen denn auf so was?", antworten könnten, das seien eben emotional gestörte Männer oder pathologische Fälle, Männer mit einem Problem. Dann könnten wir diese Männer identifizieren und isolieren, ja vielleicht sogar heilen. Aber die Antwort auf die Frage, wer so etwas konsumiert, lautet: Männer wie ich. Männer wie wir alle.
 
Männer, die es schwer haben, Kontakt zu Frauen zu finden, oder solche, die so viele Kontakte zu Frauen haben, wie sie sich wünschen. Allein lebende Männer oder verheiratete Männer. Männer aus einem liberalen Elternhaus, wo ein gelassenes Verhältnis zu Pornografie herrschte, oder Männer aus einem streng religiösen Elterhaus, wo Sex tabuisiert war. Reiche Männer oder arme Männer. Männer jedweder Art.
 
Sie geben pro Jahr allein in den USA zehn Milliarden Dollar für Pornografie aus. Jedes Jahr werden 11.000 neue Pornofilme produziert. Und in diesen Filmen sind Frauen keine Menschen. Sie sind nichts als drei Löcher und zwei Hände.
 
Die Pornoindustrie ridikulisiert jede gesellschaftliche Debatte über die Bedeutung von Intimität und Sexualität als prüde und repressiv. Sie will das Nachdenken über Sexualethik verhindern. Dabei hat sie selbst natürlich durchaus eine Sexualethik: die des Anything-Goes. Es ist richtig: Erwachsene Menschen sollen selbst entscheiden dürfen, das finde ich auch. Aber in einer Gesellschaft, in der die Macht ungleich verteilt ist, bedeutet Anything-Goes: Für Männer geht alles - auf Kosten von Frauen und Kindern.
 
Kritik an Pornografie üben heißt, sich hinstellen und sagen, dass Menschen wichtiger sind als die Profite der Pornoindustrie und das Vergnügen der Pornokonsumenten. Es heißt schlicht und einfach: Frauen sind keine Untermenschen, sondern genauso ernst zu nehmen wie Männer."
 
Quelle: emma.de - "Im Zentrum steht der Schmerz"; (farbliche) Hervorhebungen habe ich vorgenommen.
"[...] In seiner Erkundungsreise durch den Status Quo der deutschen Pornobranche zeigt Siegel auf, dass inzwischen vor allem mit den Plattformen für Amateurpornodarsteller Geld verdient wird. Den „Kunden“ gefällt, dass sie direkten Kontakt zu den Darstellerinnen haben und in deren Videos sogar mitspielen dürfen. Diese Pornodrehs finden in den heimischen Wohnzimmern oder irgendwo draußen statt, manchmal sogar in angemieteten Räumlichkeiten, es geht um Masse, nicht um Qualität. Siegel betont in seinem Buch immer wieder, wie sehr doch der Siegeszug der Amateurpornografie für die Befreiung der Frauen steht, die sich, zum Teil mit Anfang 50, noch einmal der Auslebung ihrer Fantasien hingeben wollen. Diese Romantisierung des Pornos zieht sich durch sein ganzes Buch. Dass es vor allem Hartz IV Empfängerinnen sind – stört ihn nicht. Dass viele der Frauen eindeutig auch Prostitution anbieten – für ihn kein Problem. Dass die Männer hinter Masken verschwinden, während sie zu 20 eine Frau vollpinkeln – für ihn total ok. Er wird nicht müde immer wieder zu betonen, wie oft die Darstellerinnen am Set kommen und das alles genießen und dass der Porno so auf den Money Shot fixiert ist, liegt für ihn an der weiblichen Anatomie: weibliche Orgasmen sieht man seiner Meinung nach nicht. Deshalb umso schöner, wenn Frauen dann gleich spritzen. Über Gewalt, Sexismus und Ausbeutung im Amateurporno spricht er nicht, viel mehr feiert er auf 265 Seiten, dass wir nun alle zu Darstellerinnen werden können und unsere Sexualität damit endgültig befreit ist.
 
Wenn alles, was Frauen noch zu Markte tragen können, ihr eigener Körper ist, den sie entweder im Laufhaus oder vor der Kamera verkaufen, wenn sie für Drehs mit 20 oder mehr Männern ein paar hundert Euro bekommen (diese Drehs dauern stundenlang und jeder darf mal dran. Die Männer können sich für ein geringes Entgeld anmelden, manchmal werden gültige Tests verlangt, oft auch nicht) und die Grenzen zwischen Porno und Prostitution endgültig verschwinden, dann ist das kein Grund zum Feiern, dann ist das auch kein Zeichen von Befreiung, sondern nur der Beweis dafür, dass unsere Sexualität immer mehr den kapitalistischen Bedingungen untergeordnet wird. Sich für Geld vollpinkeln zu lassen, bleibt, was es ist: maximale Demütigung, die immer gegen die Frauen geht, die Männer werden weder bepinkelt, noch sind sie in der Unterzahl. [...]"
 
Quelle: diestoerenfriedas.de - "Drei Zimmer, Küche, Porno: Die neue Amateur-Pornografie"

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