07.12.2024
"Gegen die furchtbare Einsamkeit nützen alle Therapien nichts: «Mein Gott, ich muss ja für die Zuwendung bezahlen! Oder besser gesagt, meine Kasse zahlt dafür . . . Psychiater sind geistige Huren.»"
"Das liegt vor allem an der engsten Beziehung Duvanels in ihren letzten Lebensjahren: der zu ihrer Tochter, die zur eigentlichen Lebensgefährtin wurde. (...)
Tochter Adelheid bekam im Januar 1985 ein Kind, das später bei Pflegeeltern aufwuchs. Und im selben Jahr wurde bei ihr Aids diagnostiziert. Von da an begann eine Kranken- und Leidensgeschichte, in die Mutter wie Tochter gleichermassen involviert waren.
Die Tochter mit einem unbändigen Lebenswillen und einer gebieterischen Dominanz über die Mutter, diese mit unendlicher Nachgiebigkeit, Schuldgefühlen und – wie zuvor schon in der Ehe – einer zuweilen das Schicksal anklagenden Opferhaltung, (...)
Das alles wird fast verwundert über so viel Unglück berichtet, bald stoisch hinnehmend, bald aufbegehrend, oft verzweifelt. Und immer schimmert der Witz der begabten Schriftstellerin durch (...)
«Gut, ich strample um mein Leben, ich gebe mir Mühe, nicht unterzugehen. Ich will so oft als möglich Freude empfinden – ich will nicht in Verzweiflung fallen wie in ein tiefes, finsteres Wasser, in dem ich ersaufe. Täglich kämpfe ich gegen diese Verzweiflung an.»
Doch das Elend überwog. Ihm hielt Duvanel schliesslich nicht mehr stand. (...)"
https://www.nzz.ch/feuilleton/adelheid-duvanels-briefe-zeigen-wie-eng-werk-und-biografie-verbunden-sind-ld.1855929
Ich hätte sie gerne persönlich gekannt.
Adelheid Duvanel.
-
Kommentiere diesen Post