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Sabeth schreibt

Poesie Melancholie Philosophie Feminismus Anarchismus - non serviam.

Marcel Proust - Auf der Suche nach der verlorenen Zeit

 
Herzlichen Dank nochmals an rbb Kultur - für das Zugänglichmachen dieses Hör-, Hochgenusses, der gerade durch Peter Matics einzigartige Stimme, Interpretation, sein sinnlich, emotional Wahrnehmbarmachen dieses herausragenden literarischen Werks Marcel Prousts vermittelt, geschenkt wird - das, ob seiner sprachlich unvergleichlichen, unnachahmlichen Fülle, Dichte, Vielfalt, mentalen wie emotionalen Tiefe, Reife, Reflektiertheit, (Selbst-) Analysefähigkeit, Beobachtungsschärfe auch mich beeindruckt, bewegt, begeistert, auch in mir Erinnerungen heraufholt, Empfindungen und tatsächlich Bewunderung für Prousts Werk, Leistung, Persönlichkeit auslöst.
 
Es selbst vollständig zu lesen, habe ich mich bisher nicht "getraut", umso mehr freue ich mich über den Zugang hierzu durch diese in jeder Hinsicht ganz besondere Lesung.
 
Man muss Prousts "Auf der Suche nach der verlorenen Zeit" kennen - als unentbehrliche Bereicherung und Wohltat.
 
Durchaus wird man - allerdings abhängig von Alter bzw. bisheriger persönlicher Lebenserfahrung, Analyse-, (Selbst-) Erkenntnis- und Reflexionsfähigkeit, Reife, Introspektion und Empfindsamkeit - bei Proust eigene Gedanken, Gefühle, Empfindungen, Erinnerungen, Beobachtungen, Erkenntnisse, Einsichten und Analysen, die man bei und gegenüber sich selbst sowie gerade auch mit anderen erlebt, sie sich bewusst gemacht, reflektiert hat, wiederfinden, aber dies in einer Form, Fülle, analytischen Präzision und sprachlichen Virtuosität, wie man sie selbst in einer solchen Weise hervorzubringen "wahrscheinlich" (eigentlich zumeist: gewiss) außerstande, nicht befähigt ist.
 
Proust hat das Heraufholen, Beschreiben, Anschaulichmachen von je persönlichen, eigenen, eigenartigen Erinnerungen, inneren Bildern, vielförmigen Empfindungen, Gefühlszuständen, das Freilegen, Wahrnehmbar-, Wiederfühlbarmachen so zahlreicher, vielgestaltiger Schichten, Ebenen all dessen mittels "bloßer" Sprache zur Vollendung gebracht.
 
Er öffnet all jenen, die dafür zugänglich sind, das Tor zu ihrer je persönlichen, ganz und gar einzigartig subjektiven (dabei veränderlichen) Erinnerungs-, Erlebnis-, Erfahrungs-, Empfindungswelt, die sie mehr oder weniger bewusst in und mit sich, ihrem Selbst, Sein, ihrer Persönlichkeit tragen und die sie mehr oder weniger ausgeprägt und sorgfältig hüten, pflegen, bewahren.
 
Wer Proust nicht kennt, dem entgeht Essentielles.
 
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update 06. Februar 2022
 
Frage an die Proust-Kenner.
Bei aller Wertschätzung dieses fulminanten Werks, ist es als Selbstironie, -kritik zu verstehen, wie Proust sich über seine Beziehungen zu Frauen, im Besonderen der zu "Albertine", selbst darstellt: so deutlich manipulativ?
Seiner ausgeprägten Eifersucht und seines ebensolchen Kontrollzwanges war Proust sich ja durchaus bewusst, nicht grundlos bezeichnete er "Albertine" als - seine - Gefangene.
 
13. Februar 2022
 
Proust - "Auf der Suche nach der verlorenen Zeit"
 
Wie deutlich zeigt er hier, in den Episoden vier bis sieben aus "Die Entflohene", Band VI, wie all das Lügen, Täuschen, Manipulieren aus vermeintlichem Stolz nichts weiter ist, als die niederst vorstellbare Schwäche, charakterliche Unreife, emotionale und soziale Armut.
 
All die Eifersucht, all das Besitzergreifenwollen, all das Sich-Verstellen, Täuschen, die Unfähigkeit, ehrlich, wahrhaftig zu sein, eigene Bedürftigkeit und Verletzlichkeit zuzugeben, all das ist so typisch für malignen Narzissmus.
 
Und welch hohen Preis, durch die irreversible Folge all dessen - wieder, auch hier, ist es der Tod der Frau - zahlt der Ich-Erzähler dafür.
 
Indem sie andere zu ihrem Vergnügungs-, Besitzobjekt machen, beliebig über es verfügen, es kontrollieren, beherrschen wollen, es isolieren, einsperren, bewachen, ausspionieren,
halten sie das tatsächlich für Liebe: ihre Unfähigkeit, zu lieben.
 
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