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Lebenskunst für Laien

Sabeth schreibt Poesie Melancholie Philosophie Feminismus Anarchismus - non serviam.

Ernst Jünger - der Narzisst, der Sadist, der Antisemit

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Ernst Jünger - ein typisch nekrophiler Charakter, nach Erich Fromm.
 
Ein augenfällig ausgeprägter Hang zu Krieg, Kampf, Gewalt, Destruktivität, Autoritarismus, freiwilliger Selbstverknechtung, "Heroismus", zu Tod, Vernichtung, Hass, Gehorsam, Unterwerfung, Metaphysichem, Mythischem, verklärt-schwülstigem Kitsch - als Kompensation ureigener Defizite, ureigenen Beschädigt(worden)seins und erheblicher Unreife, dem Mangel an Resilienz, Selbstwertgefühl, an Mitgefühl, Feinfühligkeit, (Selbst-) Reflexionsfähigkeit, der Unfähigkeit, eigene Verletzlichkeit, Bedürftigkeit zulassen, ertragen zu können, sie stattdessen auszulagern und Schmerz, Leid stellvertretend, kompensatorisch anderen zuzufügen - mit Lustgewinn: Sadismus.
 
Ein pathologischer Narzisst auch er also - antisozial persönlichkeitsgestört und sicher auch noch anderweitig.
Ein Liebesunfähiger, emotional Verpanzerter, emotional Behinderter.
Arno Gruen, Erich Fromm, Klaus Theweleit haben das bereits detailliert ausgearbeitet.
 
Mit einem Satz: Eine arme Wurst.
Der Mann war augenfällig schwer therapiebedürftig, hätte eine gute Psychoanalyse, analytische, jedenfalls tiefenpsychologisch fundierte Therapie gebraucht. Und wahrscheinlich auch eine andere "Erziehung".
 
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"Es ließen sich noch viele Zeichen nennen, in denen der Niedergang sich äußerte. Sie glichen dem Ausschlag, der erscheint, verschwindet und wiederkehrt. Dazwischen waren auch heitre Tage eingesprengt, in denen alles wie früher schien.
Gerade hierin lag ein meisterhafter Zug des Oberförsters; er gab die Furcht in kleinen Dosen ein, die er allmählich steigerte und deren Ziel die Lähmung des Widerstandes war. Die Rolle, die er in diesen Wirren, die sehr fein in seinen Wäldern ausgesponnen wurden, spielte, war die der Ordnungsmacht, denn während seine niederen Agenten, die in den Hirtenbünden saßen, den Stoff der Anarchie vermehrten, drangen die Eingeweihten in die Ämter und Magistrate ja selbst in Klöster ein und wurden dort als starke Geister, die den Pöbel zu Paaren treiben würden, angesehen. Der Oberförster glich einem bösen Arzte, der zunächst das Leiden fördert, um sodann dem Kranken die Schnitte zuzufügen, die er im Sinne hatte."

Ernst Jünger, Auf den Marmorklippen (1939)
 
Dieser Auszug aus den "Marmorklippen" veranschaulicht nochmals deutlich, dass Jünger selbst s i c h als diesen "Oberförster" sieht, ich wiederhole: in typisch pathologisch narzisstischer Manier.

Und es muss auch immer schmerzhaft sein, es muss immer mit Leiden einhergehen (die vermeintlich daraus folgende "Katharsis"). Und er ist es, der das Leid zufügen will und den dies erregt - Sadismus.

Schließlich bleibt er bei leichten, leeren Worten, da er selbst keinen aktiven Widerstand gegen das NS-Terrorregime geleistet hat.

Klar: Als Jugendlicher im Sturm und Drang (Hormone, Pubertät) den Krieg verherrlichen und Grenzen, eigene, ausloten (auf katastrophale Art) und im Alter sich als elitär darstellen, inszenieren.
Es klingt aus dieser zitierten Textpassage übrigens auch der übliche Kulturpessimismus heraus und eben die stets sich überlegen meinende Attitüde, die klassisch narzisstische Selbstüberhöhung.
 
Und was genau hat Jünger selbst an aktivem Widerstand geleistet? Und warum nicht?

Und ist Jünger auf seinen passiven, jedenfalls rhetorischen Widerstand (?) - oder ist es nicht viel mehr bloße Ablehnung und Enttäuschtsein, denn offenbar gab es Zeiten, da er Hitler durchaus sympathsich fand ...? - zu reduzieren und all seine Gewalt, sein Sadismus in Form seines Denkens, Fühlens und Sich-Ausdrückens auszublenden?

Ja, lesen sollte man ihn, wie andere, wohl, aber nicht unkommentiert, unreflektiert. Und mir scheint, es fehlt so manchem Lesenden an der Fähigkeit, die Texte analytisch zu erfassen, auszuleuchten und/oder es liegt eine eigene ähnliche Charakter-, Persönlichkeitsstruktur bei Jünger-Anhängern vor, weshalb sie ihn selbstredend "verehren", weil sie sich selbst darin wiederfinden: in seinen Texten, seinem Denken, Fühlen.
 
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"Innere Emigration" findet üblicherweise immer dann statt, wenn man sich unverstanden bzw. vermeintlich oder tatsächlich missverstanden, ausgegrenzt, nicht zugehörig fühlt.
 
Die Frage ist dabei nur grundsätzlich: Ist Ursache hierfür tatsächlich Äußeres, die jeweiligen politischen, sozialen, gesellschaftlichen, kulturellen ... Umstände, Verhältnisse, die persönliche freie Entfaltung, Selbstbestimmung und Mitbestimmung, Mitgestalten tatsächlich? unmöglich machen oder ist es die je persönliche Unfähigkeit, sich angemessen, d.h. vor allem prosozial in die vorhandene engere oder weitere Gemeinschaft, Gesellschaft einzubringen?
 
Und eben dies dürfte Ernst Jünger schon seit frühester Jugend mindestens schwergefallen sein und eben deshalb sondern Menschen wie er sich häufig ab oder überhöhen sich selbst, plädieren für eine "Elite", ziehen sich in die "innere Emigration" zurück - ja, man kann das durchaus als Trotz bezeichnen, denn häufig liegt genau dieser zugrunde, psychisch-emotionale, soziale Unreife.
 
Und dieses elitäre Gebaren, diese "innere Emigration" wird dann selbstredend gleichfalls überhöht, geadelt, mystifiziert - damit man sich selbst nicht als irgendwie falsch, defizitär, unzulänglich, unfähig, unreif wahrnehmen, erfahren muss; man lagert es aus, man projiziert eigene Schwächen auf andere, untestellt sie diesen, man wertet andere ab, um sich selbst aufwerten zu können.
Wie ich schon wiederholt erwähnte: Dem liegt eine ausgeprägte Selbstwertproblematik und der Mangel an Mitgefühl, an prosozialem Verhalten zugrunde.
 
Man flüchtet sich dann in Glaube, Religion, Esoterik, Mystik, Mythisches, u m sein persönliches Defizitärsein irgendwie vermeintlich rechtfertigen und "adeln" zu können, um der Auseinandersetzung mit eigenen Unzulänglichkeiten ausweichen zu können, sich diesen nicht stellen, d.h. sein Verhalten nicht ändern zu müssen - was zumeist anstrengend, mühevoll wäre/ist.
Es ist dies augenfällig Selbstbetrug, Selbstflucht, Kompensationsverhalten.
 
Fast immer geht das zu Lasten anderer, häufig zu deren Schaden, Beschädigung.
 
Was weiß man über Jüngers Beziehungen zu anderen Menschen? Über seine Freundschaften - mit wem pflegte er echte Freundschaft?
Was weiß man über seinen Umgang mit Frauen?
Wie beziehungs-, wie liebesfähig war Jünger - und damit ist selbstverständlich nicht bloß monogame Paarbeziehung, sondern gerade auch Freundschaft gemeint?
Wie war Jünger als Vater, wie ging er mit seinen Kindern um?
Dies würde sicher viel Aufschluss geben.
 
Es lässt sich "Werk" und Autor, Werk und Künstler grundsätzlich nicht voneinander trennen, so wenig wie Werk und Biographie und historischer, politischer Hintergrund.
Ja, ich halte die psychoanalytische Betrachtung daher generell für erforderlich, jedenfalls geboten.

Und klar: Je mehr Hässliches, Antisoziales, ggf. auch Destruktives, Sadistisches oder auch nur Ambivalentes, Widersprüchliches aus den je persönlichen Verhältnissen, Verhaltensweisen und in der jeweiligen Persönlichkeit vorhanden ist - das der jeweiligen Person selbst zumeist durchaus mehr oder minder als vorhanden bekannt ist - je intensiver die jeweilige Person sich dafür schämt (Scham spielt eine gewichtige Rolle hierbei), umso eher, gründlicher wird sie darauf bedacht sein, all dies vor der Öffentlichkeit, vielleicht auch vor nahestehenden Menschen, verborgen zu halten oder es umzudeuten, es als gegenteilig - als "gut, richtig, wichtig, ehrenvoll, erstrebenswert, wertvoll, besonders" usw. - darzustellen.

Das Private ist politisch.
 
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Hierdurch, siehe oben verlinkte 3sat-Dokumentation, wird sein ganzer pathologischer Narzissmus, seine antisoziale PKST nochmals in aller Deutlichkeit offengelegt.
Möglicherweise ist vielen gar nicht wirklich bekannt, was diese Persönlichkeitsstörung genau ist, umfasst, wodurch sie gekennzeichnet ist, wie sie sich auswirkt.
Ernst Jünger ist geradezu ein Paradebeispiel für pathologischen, malignen Narzissmus.
 
Unzweifelhaft war Jünger auch ein Sadist - siehe hier nochmals hervorragend erläutert, nicht nur hinsichtlich BDSM - und siehe wiederum den Zusammenhang mit pathologischem Narzissmus:
 
 
Und ein Antisemit und Antidemokrat:
 
"(...) Seine Erektionen hat er bevorzugt im Kampf Mann gegen Mann: »Unter allen erregenden Momenten des Krieges ist keiner so stark wie die Begegnung zweier Stoßtruppführer zwischen den engen Lehmwänden der Kampfstellung.« (...)
 
Jünger verachtet die »Zivilisationsjuden« und »Assimilationsjuden«, die er mit »Ameisen«, »Keimen« und »Bakterien« vergleicht und als »Geschmeiß« bezeichnet. Weil die Juden mit ihrem »endlosen Feuilletongeschwätz der Zivilisation« das vermeintlich spezifisch Deutsche intellektuell zersetzten, gelte es, sie zu separieren und auszuschalten. Und zwar nicht nach Art der Antisemiten, die »Bakterienjägern« glichen, sondern mittels einer »besseren Medizin«, nach deren Anwendung ein Prozess einsetze, den »auch der feinste, verborgenste Keim nicht mehr zu ertragen vermag«.
Überhaupt werde der »Stoß gegen die Juden (…) immer viel zu flach angesetzt, um wirksam zu sein«. Jünger will eine radikale Lösung, einen »Angriff«, der nicht bloß »einer äußerlichen Desinfektion« gleichkommt: »Man darf von diesem Lande schon hoffen, dass es einer eigenen und strengeren Lösung fähig ist.« (...)
 
Jünger verabscheut das Parlament als Quasselbude, in der nur Phrasen gedroschen würden. Nur wenige Wochen vor dem gescheiterten Hitler-Putsch im Jahr 1923 schreibt er im Völkischen Beobachter über die zu erwartende »wirkliche Revolution«, die er herbeisehnt: »Ihre Idee ist die völkische, (…) ihr Banner das Hakenkreuz, ihre Ausdrucksform (…) die Diktatur! Sie wird ersetzen das Wort durch die Tat, die Tinte durch das Blut, die Phrase durch das Opfer, die Feder durch das Schwert.«
 
Schon 1925 sieht er in Hitler »unzweifelhaft (…) die Vorahnung eines ganz neuen Führertypus«, in dessen Bewegung »Feuer und Blut« stecke. In der Folge korrespondiert er mit ihm und tauscht bis in die dreißiger Jahre hinein Bücher und Schriften mit ihm aus.
 
Dass Jünger Ende der zwanziger Jahre Distanz zum Nationalsozialismus gewonnen habe, wie gelegentlich behauptet wird, ist ein Mythos. Das zeigt sich auch daran, dass sich sein aggressiver Antisemitismus in seinen Texten dieser Jahre am deutlichsten niederschlägt. 1929 schreibt er: »Wir wünschen dem Nationalsozialismus von Herzen den Sieg; wir kennen seine besten Kräfte, deren Begeisterung ihn trägt, und deren Wille zum Opfer über jeden Zweifel erhaben ist.«
 
Noch 1946, ein Jahr nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, in dem er gehorsam seine Pflicht als Wehrmachtsoffizier erfüllte, schwärmt er von einer frühen Rede Hitlers, die er miterlebte und während der er meinte, sich »in einem Schmelztiegel, an einem Ort der nationalen Einigung zu befinden«. (...)"
 
 
"Der Krieger, der Arbeiter, der Waldgänger" - Man könnte auch sagen:
Der Sadist, der Narzisst, der Opportunist.
 
"Kämpfen, feiern, siegen, sterben", "die Erhabenheit männlicher Tugenden" - exakt:
Kampf, Gewalt, Vernichtung, Macht, Kontrolle, Unterwerfung.
 
Aus Angst, Unsicherheit, der Unfähigkeit, mit eigener Verletzlichkeit, Bedürftigkeit, Verwundbarkeit, Vergänglichkeit, Haltlosigkeit, mit Schmerz und Kontingenz angemessen umzugehen.
 
Die Unfähigkeit zu geben, zu lieben, zu reifen.
Die Unfähigkeit m i t z u f ü h l e n.
Ja, das ist narzisstisch, das ist pathologisch.
 
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"(...) "Die Gliederung aller Deutschen in das große Hundertmillionenreich der Zukunft, das ist das Ziel, für das es sich wohl zu sterben und jeden Widerstand niederzuschlagen lohnt. Uns aber leite über alles Niederträchtige hinweg unsere große, klare und verbindende Idee: das Vaterland, in seinem weitesten Sinn gefaßt. Dafür sind wir alle zu sterben bereit." ("In Stahlgewittern") (...)

"In göttlichen Funken spritzt Blut durch die Adern, wenn man zum Kampfe über die Felder klirrt im klaren Bewußtsein eigener Kühnheit. Unterm Sturmschritt verwehen alle Werte der Welt wie herbstliche Blätter. Auf solchen Gipfeln der Persönlichkeit empfindet man Ehrfurcht vor sich selbst. (...) Gewiß wird der Kampf durch seine Sache geheiligt; mehr noch wird eine Sache durch Kampf geheiligt. (...) Mir ist Kampf immer noch etwas Heiliges, ein Gottesurteil über zwei Ideen." ("Der Kampf als inneres Erlebnis") (...)

"Wir brauchen für die kommenden Zeiten ein eisernes, rücksichtsloses Geschlecht. Wir werden wieder die Feder durch das Schwert, die Tinte durch das Blut, das Wort durch die Tat, die Empfindsamkeit durch das Opfer ersetzen - wir müssen es, sonst treten uns andere in den Dreck." ("In Stahlgewittern")

"Leben", sagt Jünger, "heißt töten." ("Der Kampf als inneres Erlebnis") (...)

Der Menschenverächter ist vom Morden berauscht: Krieg ist ein "vom überschäumenden Blute der Jugend berauschtes Fest", die Stunde der "großen Gefühle". Auf einer einzigen Seite in "Der Kampf" schreibt er: "Blutdurst", "Wollust des Blutes", "sich auf den Gegner stürzen, ihn packen, wie es das Blut verlangt!", "Lechzen, sich im Kampfe völlig zu entfesseln". Dies mündet schließlich in: "Orgien der Wut" (...) "an grenzenlosem Schwung nur dem Eros verwandt". Krieg, Schmerzen und Blut betrachtet er unter dem Gesichtspunkt der Erlebnisintensität für sich selbst. Der Krieg wird zum Kunstwerk - für den Überlebenden. Wer den Naziideologen ästhetisiert - "Dandy" - hat eine Flanke offen, in absehbarer Zeit auch der deutschen Beteiligung an Kriegen eine spezifische "Ästhetik" abzugewinnen. Andere Menschen werden zum Material für den eigenen Rausch, der die Langeweile des eigenen sinnleeren Lebens unterbrechen soll. (...)
 
 
Jünger will "den Juden" als das schlechthin "andere" entlarven: "Die Erkenntnis und Verwirklichung der eigentümlichen deutschen Gestalt scheidet die Gestalt des Juden ebenso sichtbar und deutlich von sich ab, wie das klare und unbewegte Wasser das Öl als eine besondere Schicht sichtbar macht. In dem Augenblick jedoch, in dem der Jude als eine eigentümliche und eigenen Gesetzen unterworfene Macht unverkennbar wird, hört er auf, am Deutschen virulent und damit gefährlich zu sein. Die wirksamste Waffe gegen ihn, den Meister aller Masken, ist, ihn zu sehen (...), im gleichen Maße jedoch, in dem der deutsche Wille an Schärfe und Gestalt gewinnt, wird für den Juden auch der leiseste Wahn, in Deutschland Deutscher sein zu können, unvollziehbarer werden, und er wird sich vor seiner letzten Alternative sehen, die lautet: in Deutschland entweder Jude zu sein oder nicht zu sein." ("Über Nationalismus und Judenfrage")

Die Revolutionäre von 1918/19 verachtet der Herrenmensch als "Ausgeburten des Hungers und der Feigheit, viehisch ist der einzige Ausdruck (...). Den Deserteuren scheint sich in sicherer Entfernung ein geistiges Zuhältertum und geschäftsmäßiges Literatenpack zuzugesellen, für das sofort die Prügelstrafe wiedereingeführt werden müßte." ("Das Wäldchen")

Der Feind sind nicht nur KommunistInnen oder SozialistInnen: "Ich hasse die Demokratie wie die Pest", sagte Jünger 1925. In der letzten Zeit formulierte er es taktischer, die "Demokratie (ist) eine Pforte zur Gewalt". Für den erträumten deutschen Militärstaat ist das mindeste die Abschaffung der Pressefreiheit (1932): "(...) die Trockenlegung jenes Sumpfes der freien Meinung, in den sich die liberale Presse verwandelt hat." ("Der Arbeiter") (...)
 
Noch mit 76 Jahren gab er seinen Namen für die Herausgeberschaft der italienischen faschistischen Monatszeitschrift La Destra. In dieser Zeitung standen 1972 Sätze wie: "Das Blut von einer Million Menschen ist gut vergossen, wenn es nur eine Ruhmeslegende für die kommenden Generationen schafft (...), wozu es vergossen wird, spielt keine Rolle." (...)"
 
Quelle: "Der veredelte Faschist", Jutta Ditfurth, jungle world.
https://jungle.world/artikel/1998/09/der-veredelte-faschist
Farbliche Hervorhebungen habe ich vorgenommen.
 
Pathologischer Narzissmus, Sadismus. Exakt. Wie praktisch, dass solche Leute sich durch ihre eigenen Texte, Aussagen und Verhaltensweisen eigentlich immer selbst enttarnen.
 
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Jünger proklamiert den "Kollektivkörper" ("der Arbeiter" und siehe seinen Nationalismus) zwar: für andere, sieht sich selbst überhöhend aber als davon abgehoben, siehe sein elitäres, pseudo-aristokratisches Gebaren . Das eben ist u.a. typisches Merkmal von pathologischen Narzissten, die stets kompensatorisch nach Macht, Kontrolle, Unterwerfung streben.

Zugrunde liegt dem stets eine ausgeprägte Selbstwertproblematik und ein erheblicher Mangel an Mitgefühl (nicht gleichbedeutend mit Empathie btw), was die ebenfalls typische emotionale Verpanzerung zur Folge hat.
 
Selbstauflösungswünsche sehe ich bei Jünger nicht, er scheint einen doch sehr ausgeprägten (Über-) Lebenswillen gehabt zu haben.
 
Aber ja: Er spricht anderen Menschen deren Individualität ab - dieser Vergleich mit dem Ameisenstaat veranschaulicht das ja sehr gut und ja, das zeugt von intensiver Selbstwertproblematik und emotionaler Kälte, Verpanzerung, um nicht zu sagen emotionaler Behinderung.
 
Nein, es ist nicht Selbstauflösung, sondern Selbstberauschung - das erlebt, empfindet er im Krieg, bei dem Ausagieren von Gewalt, "Kampf". Es ist das Gegenteil von Selbstauflösung - es ist der Versuch, sich zu spüren, weil offenbar derart verpanzert, dass nur noch Gewalt ihm Gefühlsintensität (emotionales Erleben) ermöglicht, überdies sexuelle Erregung.
Wie gesagt: Das ist zweifelsfrei Sadismus: die Lust am Schmerz, Leid, am Quälen und Unterwerfen des Anderen.
 
Nach Macht, Kontrolle, Unterwerfung zu streben, was Jünger augenfällig tat, andere - als "Gegner, Feind" - vernichten (!) zu w o l l e n, sich daran überdies zu berauschen und alles Individuelle unterwerfen, ausmerzen zu wollen, ist kein "Wachstumsprozess", sondern bekanntlich kennzeichnend für Autoritarismus, für Faschismus.
Das zeugt nicht von Reflexion und Reife, sondern von Regression und Persönlichkeitsstörung, siehe antisoziale PKST, Narzissmus, Sadismus.


Ich empfehle zum besseren Verständnis dessen nach wie vor die "Klassiker": Erich Fromm und Arno Gruen. Denn ja: Man muss es psychoanalytisch betrachten, da hier die Quelle, die Ursache liegt.
 
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"(...) Jüngers Stil, der vielgerühmte kristallene, zeichnet sich oft aus durch jene Unklarheit, die den mystisch-irrationalen Neigungen seines Autors entspricht; zeichnet sich aus durch Unsicherheit im Bereich des Geschmacks; zeichnet sich aus durch eben jene Zwanghaftigkeit, die dem nimmermüden Verehrer, ja Anbeter der desinvoltura beim Ringen um die noble Lässigkeit angeborener Gelassenheit die Feder knirschend führt. Der Versuch, sich der Präzision technischer Chiffren anzunähern, beraubt die Sprache des präzisen Aussageinstruments der Musikalität. Denn Jünger hat kein Verhältnis zur Musik; (...)
 
Das, was sich technisch fassen läßt als sachlich unstimmig, als verfehlt in Bildwahl und Logik, als verschwommen und unverbindlich bis zur simplen Umkehrbarkeit, als schmerzhafter Verstoß gegen die Gesetze des Maßes und der Angemessenheit (also des Geschmacks), muß natürlich zurückgeführt werden auf Eigentümlichkeiten des Autors, die seiner Substanz innewohnen. Denn seit Buffon (dem immer wieder falsch zitierten) gilt das „le style c’est de l’homme même“, und Jünger sagt es immer wieder variierend auf seine Weise. Am umfassendsten (vom Schreiben ausgehend) wohl im Nachwort von 1964: „Der Stil eines Menschen (...) – das reicht tief in die Gründe, ist Ausdruck des ihm auferlegten Schicksals und seiner Prägung“ (X/409). Hier weiterzugründeln, kommt der Literaturkritik nicht zu. Allemal aber handelt es sich um den Fall einer Persönlichkeitsverengung, die sich im Bewußtsein ihrer Reduktion mit um so fanatischerem Eifer auf die austastende Musterung der Kernsubstanz konzentriert, auf solche Weise zu maßloser Innenschau, zu rauschhaftem Autismus getrieben. Eben die hypertrophen Eigentümlichkeiten, etwa die des legendären Kriegshelden und seiner nahezu somnambul gelenkten Tapferkeit, die defizienten Zonen im Bereich des Musischen, im Bereich der désinvolture sie nötigen zu Kompensationsakten von imponierender und zwanghafter. Einseitigkeit. (...)
 
Letztlich wird diese stilistisch sich als Unsicherheit manifestierende Defizienz, wird dieser Mangel an Instrumentation offenbar im Fehlen allen Humors. Humor als Existenzcharakter hat ja nichts zu tun mit dem albernen „wenn man trotzdem lacht“ (das leicht als Bestialität sich erweisen kann) noch mit Schnurren in kopfsteingepflasterten Gassen, darüber gutmütige Sterne; nichts mit jener Form der „provinziellen Ironie“, über die Jünger sich zu Recht anläßlich Raabes mokiert (10. Dezember 1942); sondern ist eine Daseinsform. Jünger ist ihr fern. Und es scheint, als nötige ihn das Bewußtsein solchen Mangels zu seiner Kritik an dem Erzähler Fontane, dem er Fülle als Schwäche ankreidet, da er sie bei Musterung des eigenen Bestandes als fehlend buchen müßte (...)
 
Die sterile Form der Ich-Verhaftung ist die Wendung zur eigenen Körperlichkeit in Form der Hypochondrie. Einige Beispiele von vielen (sämtlich den „Strahlungen“ I oder II entnommen): Schlaflosigkeit führt den Hauptmann Jünger am 13. Oktober 1942 in Paris zum Oberstabsarzt. Der weist ihn ins Lazarett ein. Dort liest er Jesaja, Lichtenberg, Schopenhauer; Freundinnen bringen ihm Zinnien, eine violette Cattleya; die Nächte bleiben unruhig und bedrückend, allein: „Morgens recht abgespannt, doch geistig mächtig.“ Wie ermißt sich diese Mächtigkeit? Der Autor „nahm das an der Wölbung wahr, mit der sich die grünen und gelben Bäume in den Gärten den Augen darboten“. Nach acht Tagen entlassen die ratlosen Ärzte den Patienten, Diagnose: „Magenkatarrh.“ Konsequent sucht der durch solche Gesunderklärung Versehrte jetzt einen zivilen Arzt auf: einen Franzosen, „der mir durch Zuspruch sehr nützlich war“.
 
Das ist als Bericht so absurd, weil es sich abspielt unmittelbar vor der Abkommandierung Jüngers aus den Köstlichkeiten von Paris an die Ostfront. Natürlich weigert sich der Soldat, sich solchem Kommando zu widersetzen (das übrigens seinem Schutze zugedacht war). Natürlich sträubt sich der Körper, ganz Zivilist, sich solchem Kommando zu fügen. Der Registrator aber registriert, er diagnostiziert nicht, bleibt ahnungslos.
Der komische und, da nicht gewollt, stilwidrige Effekt rührt in Fällen wie diesen von der Disproportion her. Weltkriege entflammen, Welten gehen zugrunde, der Beobachter ist sich dessen nicht im ungewissen – jedoch: „Beim Abmarsch Magenschmerzen, die sich dann besserten“, und vier Monate später, nach wie vor an der (damals schlummernden) Westfront, war es „ein Katarrh, der mich plagte; ich führe daher Emser Pastillen mit“ (15. Mai 1940). Häufig auch „plagt“ den Chronisten „eine leichte Migräne“. So notiert am 6. März 1943; und es ist schon staunenswert, wie diese leichte Indisposition nicht nur inventarisiert, sondern unbefangen mit dem Befinden des Großen und Allgemeinen in Zusammenhang gebracht wird: Denn es erfüllt ihn der Jahresanfang dennoch „zugleich mit starker Zuversicht auf eine Wendung zum Besseren. Daß letzten Endes alles gut wird, vergessen wir in Zeiten der Schwäche, der Melancholie“. Das ist eine ebenso wahre wie fragwürdige und triviale Behauptung. Wahr ist der melancholiebedingte Pessimismus, fragwürdig die Erfahrung, daß alles „letzten Endes“ gut wird, und trivial die ganze Notiz. (...)
 
Vom „Lob der Vokale“ (1934) und seiner Sprachkabbala sei hier geschwiegen – vor allem, weil diese dilettierenden Absurditäten anzuprangern allzu billig wäre. Was aber zehn Jahre später im Kriege sich an Sprachmystik andrängt, ist wiederum durch die Einbettung in seinen Kontext nicht ohne absurde, ja komische Funktion. Eben die von Jünger nicht hoch geachtete Sprachwissenschaft hat jene semantische Qualität des Wortes zu erfassen gelehrt, die bei subtiler Jagd auf der Strecke bleibt, das heißt eben nicht erfaßt, sondern einer eigentümlichen Zuerkennung absoluter sprachlich-lautlicher Sinnhaftigkeit preisgegeben wird: „Im Halbschlaf drang ich innig in den Geist der Sprache ein – besonders deutlich wurden mir die Konsonantengruppen m–n, m–s, m–j, in denen das Hohe, Männliche und Meisterhafte zum Ausdruck kommt“ (27. Juni 1941). Nun denn: Minne, Mein-(eid), Mus und Muse, Mai...: es muß gesagt sein, auch wenn die Widerlegung so leicht ist. Am 4. Januar 1942 notiert Jünger: „Mir fiel der Euphon des ,ei‘ in ‚bleiben‘ auf, wie er übrigens auch durch andere Vokale in manere, manoir zum Ausdruck kommt.“ Frage: Ist „ei“ ein Euphon? Wenn ja, wie kann er in gleichbedeutenden Wörtern zum Ausdruck kommen durch einen anderen Vokal? Und welcher Vokal ist – übernationalsprachlich – kein Euphon? „In diesem Sinne muß die Sprache neu entdeckt werden“, heißt es weiter. Die Antwort sei ein euphonisches Nein.
 
Karnevaleske Züge gewinnen die Spekulationen schließlich, wenn sie (29. Juni 1943) fragen: „Vokale: Pokale? Der Vokal wird durch den Konsonanten gefaßt; er faßt das Unaussprechliche. So faßt die Frucht den Kern und dieser wiederum den Keim.“ Der Gipfel des aussprechbar Unaussprechlichen findet sich unter dem 23. Mai 1943: „Atome + Hamannsches H =
Athome = At home.“ Hier beginnt, was nicht einmal mehr des Widerspruchs wert ist. Zum Abschluß dieser Beobachtungen eignet sich ein anderes Jünger-Zitat: „Jeder Fehler hat auch seine Vorzüge und umgekehrt“ („Gläserne Bienen“, IX/407).
 
Jünger ist verführbar wie wenige Schreibende durch die Suggestivkraft eines Bildes. Bilder, die auf den ersten Blick bestechen, erweisen sich beim zweiten Zusehen als beliebig, also unbrauchbar. Es geht, am 15. Januar 1940, um Gesang auf dem Marsch – „was den Leuten und mir selber gut bekommt. Alle rhythmischen Dinge sind Waffen gegen die Zeit, und gegen sie im Grunde kämpfen wir. Der Mensch kämpft immer gegen die Macht der Zeit“. Er kämpft auch gegen anderes, und mancher kämpft gar nicht – aber darum soll es nicht gehen, sondern um die „rhythmischen Dinge“: Ebensowohl kann man sagen, daß sie, als hörbar gemachte Zeit, nicht gegen sie sind, sondern für sie, als Begleiter, Bewußtmacher. Es kommt, um es mit Jüngerscher Großzügigkeit zu formulieren, auf die Art der Zeit an.
Licht „webt“, Menschen „weben“, Blankenburg ist „eine der Perlen der Harzstädte“ und Freiburg doch wahrhaftig „eine Perle unter den Städten“: Das klingt wie das Werbedeutsch eines Reisebüros und bekundet allenfalls Furchtlosigkeit gegenüber dem Klischee.
 
Eine alte Frau bricht auf der Straße zusammen, fällt aufs Gesicht, erholt sich bald wieder. Vergleich: „So tauchen Schwimmer bei hohem Seegang für einen Augenblick ins Wasser ein“ (20. September 1939). Nein, denn der Schwimmer, tauchend, bleibt in seinem Element und verhält sich ihm gemäß. Die alte Frau war ausgebrochen, für den Augenblick herausgeglitten aus ihrem Element.
 
Unter dem 5. Mai 1943: „Zum Stil. Die Anwendung des Substantivums ist auf alle Fälle stärker als die der Verbalformen. ‚Sie setzten sich zum Essen‘ ist schwächer als: ‚Sie setzten sich zu Tisch‘ oder: ‚Sie setzten sich zum Mahl‘. ‚Er bereut das Getane‘ ist schwächer als ‚Er bereut die Tat‘. Das ist der Unterschied zwischen Bewegung und Substanz.“
Wieder wird die Sprache anthropomorph behandelt. Es geht hier nicht um „stärker“ oder „schwächer“, sondern jede der Aussagen trifft einen anderen Sachverhalt, „das Getane“ ist summarisch-allgemein, „die Tat“ konkrete Einheit; und es kommt lediglich darauf an, ob „er“ das eine zu bereuen hat oder das andere. Eingangs der zweiten Fassung des „Abenteuerlichen Herzens“ heißt es von den früheren Aufzeichnungen: „Wie ich höre, finden sie seit langem mit erstaunlicher Regelmäßigkeit ihre fünfzehn Leser im Vierteljahr. Ein solcher Zuspruch erinnert an gewisse Blumen wie an Silene noctiflora, deren während einer einzigen Nachtstunde geöffnete Kelche eine winzige Gesellschaft beflügelter Gäste umkreist“ (VII/180–81). Wieder lockt Expertenwissen in die Falle des irrigen Bildes. Während die Pointe der Blüte darin besteht, daß sie nur für einen einzigen Augenblick geöffnet ist, handelt es sich bei dem Buch eben darum, daß es lediglich eine kleine Schar anzieht, obwohl es permanent „geöffnet“, vorhanden und bereit ist.
 
Der Unsicherheit in der Anwendung von Bildern und Formeln entspricht die unheilvolle Neigung zum allzu hoch angesetzten Ton. Narzißhaft und preziös behängt die Sprache sich mit gravitätischem Zierat und kredenzt mit Imponiergebärde erlesene Nichtigkeiten. Im besetzten Paris vergehen so die Tage, die Monate, man speist im „Ritz“, nimmt seinen Tee, tauscht Gedanken über Kunst und Künstler, schmeichelt die Namen von Fürstinnen und Grafen, von großen Schriftstellern und Malern wie einen Hermelin um den Schreibschaft, tut Antiquitäten auf und seltene Bücher. Man denkt nicht nach, man sinnt; Besucher sind nicht einfach da, sie weilen; sie essen nicht, sondern speisen; sie geben nicht, sondern spenden; man besucht nicht, sondern spricht vor; man frühstückt nicht „wie gewohnt“, sondern man pflegt zu frühstücken – oder „in der Sonne eine Tasse Tee zu trinken und einige hauchdünne Sandwiches zu verzehren, beinahe Oblaten, die der Erinnerung vergangenen Uberflusses gewidmet sind“. Das ist 1941, Paris ist noch voll des Überflusses, und die Sandwiches (vermutlich) wollten hauchdünn sein, weil sie hauchdünn besser sind. „So treibt man auf bekränzten Schiffen dem Abgrund zu“ – ein allzu kulinarisches Bild vom Ende, und dem Abgrund des Kitsches zutreibend. So berührt es erholsam, wenn inmitten von Marmorstirn und Brunnenrand, von Frühstück im „Ritz“ und Tee beim Oberbefehlshaber, wenn es inmitten der Lektüre des Alten Testaments plötzlich tegtmeiert: „Der Schwager Kurt klagt brieflich, daß Nase und Ohren ihm am Erfrieren sind“ (25. Januar 1942).
 
Daß der Stil „eben im tiefsten Grunde auf Gerechtigkeit“ ruhe, ist eine anspruchsvolle und eindrucksvolle Feststellung (17. Februar 1942). Daß es Verstöße gegen diese Art von Gerechtigkeit sind, die Jünger daran hindern, die von ihm erstrebte „Macht und Leichtigkeit“ in der Prosa zu erreichen, mag sich ihm gelegentlich angedeutet haben: Im ersten der „Drei guten Vorsätze“ zu Neujahr 1943 heißt es sehr hellsichtig: „Fast alle Schwierigkeiten in meinem Leben beruhten auf Verstößen gegen das Maß.“ Auch die Schwierigkeiten der Sprache sind derartige Maßverstöße, auch die Anlehnung ans Klischee ist Mangel an Maß. (...)
 
Und konstant scheint jenes archaische Männer-Ideal das ganze Werk zu durchdringen, das etwa in den „Gläsernen Bienen“ sich verkündigt: „Was sie in ihrer Jugend getrieben hatten und was seit Tausenden von Jahren des Mannes Amt, Lust und Freude gewesen war: ein Pferd zu reiten, des Morgens hinter dem Stier das dampfende Feld zu pflügen, im glühenden Sommer das gelbe Korn zu schneiden, während Ströme von Schweiß an der gebräunten Brust herunterrieseln und die Binderinnen kaum Schritt halten können, das Mahl im Schatten der grünen Bäume – alles, was das Gedicht seit uralten Zeiten gepriesen hat, es sollte nun nicht mehr sein. Die Lust war dahin“ (IX/425). Es klingt wie aus einem Katalog zu den einstmals im „Haus der Deutschen Kunst“ ausgestellten, derzeit in Frankfurt neu zu betrachtenden Bildern.
 
Archaische Mannes-Ideologie. Jäger, Waldläufer, Grabenkämpfer – ihnen ist als Geisteshaltung gemäß, was die Frau entbehren muß, Ironie etwa.
 
„Die Ironie ist Männersache, wie das Schachspiel oder die Philosophie. Sie ist zudem eine Sache von Junggesellen oder solchen, die als Junggesellen leben, und wie ein Wein, der im Alter an Säure gewinnt, ja Essig wird. Den Frauen steht sie nicht zu und nicht an. Sie haben andere Mittel und sind um so stärker, je mehr sie die Macht auf das Geschlecht gründen. Die Macht der Ironie liegt im Geist. Sie geht auf Kosten des Eros, und die beiden sind in kein Bett zu zwingen oder höchstens in ein sehr künstliches“ („Sgraffiti“, VII/366). Vielleicht sprach man 1960 noch nicht von rollenspezifischem Verhalten, aber man wußte in aufgeklärten Kreisen schon lange vor 1960, daß die schlichte Aufteilung der Menschheit in Geist und Schoß lediglich der einen Hälfte eben dieser Menschheit zum Genuß gereicht – aus welchem Grunde sie diesen Zustand gern als einen natur- oder gottgegebenen auslegt. Verstoß gegen das Maß.
 
Es empfiehlt sich, bei solcher Gelegenheit die sparsamen Äußerungen des Tagebuchschreibers über Frauen genauer zu betrachten. Über manche, die ihm näher, ja nahe gestanden haben mag, äußert er sich mit verständlicher und zu respektierender Kargheit, Namen verschlüsselnd, Beziehungen lediglich andeutend. Dann aber bricht wohl auch eine Lust an landsknechthafter Rede hervor, Kasino-Erotik verbreitend.
Unter dem 10. Februar 1940 findet sich folgende Geschmacklosigkeit: „Zur erotischen Fortifikationslehre: vor allem vermeide jene vertrackte Art von Vesten, bei denen die Außenforts gleich unter dem ersten Angriff fallen, die Zitadelle aber unüberwindlich bleibt.“ Da lacht der Landsknecht, und die Dirne kichert.
 
Am 1. Mai 1941 notiert Jünger, daß er mit der Französin Renée ins Kino geht, nein, „ins Lichtspiel; ich berührte dort ihre Brust. Ein heißer Eisberg, ein Hügel im Frühling, in den Myriaden von Lebenskeimen, etwa von heißen Anemonen, eingebettet sind.“ Der Vorgang selber beschäftige uns nicht, wohl aber seine Schilderung, deren monströse Unangemessenheit wiederum die latente Unsicherheit gegenüber der Frau ausdrückt. Schon die Ortsangabe „dort“ ist auf absurde Weise komisch. Dann aber liest sich die berührte Brust doch wirklich, als preise die baute cuisine die Meisterkreationen ihres Kochs auf der Dessertkarte an. (...)
 
Die kontrastive Kombination von Flammentod und Flammenzauber; von fallenden Bomben und subtiler Jagd; von Hunger und Folter hier, Teerosen und Schachspiel da ist ein Kunstmittel, das man als barbarisch empfinden darf, das aber als solches bewußt Haltung ausdrückt: die der elitären Distanz, ja Arroganz innerhalb des durchaus nicht ignorierten Ganzen – Leben im Dotter des Leviathan, um es mit einem von Jüngers Lieblingsbildern zu sagen. Nachbarschaft von Rausch und Tod, Eros und Thanatos, Genuß und Untergang: das klingt fernher von Nietzsche und Spengler und ist vieux jeu (...)
 
Bis hin zu der an Sadismus grenzenden berühmten Stelle zum 27. Mai 1944: „Alarme, Überfliegungen. Vom Dache des ‚Raphael‘ sah ich zweimal in Richtung von Saint Germain gewaltige Sprengwolken aufsteigen, während Geschwader in großer Höhe davonflogen. Ihr Angriffsziel waren die Flußbrücken. Art und Aufeinanderfolge der gegen den Nachschub gerichteten Maßnahmen deuten auf einen feinen Kopf. Beim zweitenmal, bei Sonnenuntergang, hielt ich ein Glas Burgunder, in dem Erdbeeren schwammen, in der Hand. Die Stadt mit ihren Türmen und Kuppeln lag in gewaltiger Schönheit, gleich einem Kelche, der zu tödlicher Befruchtung überflogen wird. Alles war Schauspiel, war reine, von Schmerz bejahte und erhöhte Macht.“ (...)"
 
Quelle: zeit.de - "Ernst Jünger oder Der allzu hoch angesetzte Ton", von Peter Wapnewski, farbliche Hervorhebungen habe ich vorgenommen.

Man kann Ernst Jüngers Fühlen, das daraus resultierende "Denken" und Sich-Äußern schon als pervers, jedenfalls abstoßend bezeichnen, unzweifelhaft ist es pathologisch.
 
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Ein Narzisst, wenn nicht Psychopath - es ist so augenfällig wie abstoßend gruselig, was dieser Mann gedacht, gefühlt und von sich gegeben hat: Ernst Jünger.
Er legt seinen Narzissmus mittels seiner schwülstigen Äußerungen, seiner demonstrativ zum Ausdruck gebrachten Ich-Bezogenheit, Selbstsucht, Realitätsverweigerung und fehlendem Mitgefühl in aller Deutlichkeit, dabei unfreiwillig, unreflektiert selbst offen.
 
"(...) Meine psychoanalytische Diagnose für den Helden des Romans und seinen damit fast deckungsgleichen Autor lautet: Eine pathologischer Narzissmus mit abnormen Größen- und Unverletzlichkeitsphantasien, mythologischem Denken übersich selbst, unkontrollierbarer Ruhmsucht und Dominanzstreben, rauschhaften Erlebenszuständen und vorübergehendem Realitätsverlust mit halluzinatorischen Einsprengseln und unbezähmbarer Kampfbegeisterung mit latent suizidalen Neigungen. Zur Begründung:
 
Der knapp 18-jährige Kriegsfreiwillige schreibt bei der Ankunft des Soldatenzugs in der Nähe der Front Herbst1914: „Mit ungläubiger Ehrfurcht lauschten wir den langsamen Takten des Walzwerks der Front, einer Melodie, die uns in langen Jahren Gewohnheit werden sollte. … Ahnten wir, daß fast alle von uns verschlungen werden sollten … - der eine früher, der andere später? … Da hatte der Krieg uns gepackt wie ein Rausch. … Der Krieg musste es uns ja bringen, das Große, Starke, Feierliche.“ Eine erste Ernüchterung bringt der „Marsch durch den schweren Lehmbogen der Champagne“, durch scheue und zerlumpte Zivilisten,: „überall Soldaten in abgetragenen, zerschlissenen Röcken … Der Eindruck wurde durch den beginnenden Verfall des Dorfes noch vertieft.“ Aber der Kampfesrausch wird für Jünger fast vier Jahre erhalten bleiben, trotz der verstümmelt oder zerfetzt zu Tausenden immer wieder mit kaltem Blick beschriebenen Verwundeten und Toten. „Der Krieg hatte seine Krallen gezeigt und die gemütliche Maske abgeworfen. Das war so rätselhaft, so unpersönlich.“ Der kommende Held wünschte es von Anfang an persönlicher, als Nahkampf, rauschhafter und todesmutiger, als extrem männliche Bewährung. „Obwohl die Beschießung sich in jedem Augenblick wiederholen konnte, zog mich das Gefühl einer zwingenden Neugier an den Unglücksort.“ Diese Neugier wird nicht versiegen bis zur letzten Apotheose des blutigen Kampfes kurz vor dem bedauerten Ende im Herbst 1918. Aber erst einmal:
 
„Laden und Sichern! Mit geheimer Wollust einen Rahmen scharfer Munition ins Magazin.“ Dann, nach dem Exerzieren und erholsamen Ruhetagen: „Statt der erhofften Gefahren hatten wir Schmutz, Arbeit und schlaflose Nächte vorgefunden … Es gibt noch Lichtblicke mit Fressen und Saufen und neuen Freunden, die alle fielen oder in Schlamm und Bombentrichtern verfaulen.“, außer ihm, der in seine Phantasien der Unverwundbarkeit fiel in den unzähligen Stoßtruppunternehmungen, in denen er als Kommandeur Hunderte von „Kameraden“ in seinem Ehrgeiz, sich als Held auszuzeichnen, mit in den Tod riss. Er fühlt sich als mythischer Ritter vor dem Einsatz: „Am Abend saß ich noch lange in jener ahnungsvollen Stimmung, von der die Krieger aller Zeiten zu erzählen wissen“… „Endlich kam der ersehnte Befehl. … Dann glitt der Mahnruf des Todes durch die Reihen: 'Sanitäter nach vorn!'. Bald kamen wir an der Stelle vorbei, wo es eingeschlagen hatte. Die Getroffenen waren schon fortgeschafft. Blutige Zeug- und Fleischfetzen hingen rings um den Einschlag (der Granate, tm) an den Gebüschen - ein sonderbarer, beklemmender Anblick, der mich an den rotrückigen Würger denken ließ, der seine Beute auf Dornensträucher spießt.“, ein Beispiel von Jüngers kalter Beobachtungssprache inmitten des Gemetzels. Ein erster Einfall zum „Aufspießen“ geht zu den tausenden der vom halbprofessionellen Entomologen in späteren Jahrzehnten unter Schaugläsern auf gespießten Käfern. (...)"

Quelle: tilmannmoser.de - "Ernst Jünger: `In Stahlgewittern´ - Eine Deutung"
Farbliche Hervorhebung habe ich vorgenommen.
 
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Der Narzisst vermag seine innere Leere nicht zu füllen - denn er kann ja nicht lieben = geben. Niemanden je . Er nimmt nur - alles, so viel und so lange er kriegen kann. Skrupellos.
Und er wird nie satt. Er ist maximal gierig.

Wenn er irgendwann im Lebensverlauf allerdings durchaus sieht, feststellt, dass andere Menschen etwas erleben, erfahren, das er nicht kennt, nicht kann, nicht fühlt, nicht erlebt, nicht versteht, wendet er sich dem Morbiden, Hässlichen zu.
 
Denn vor gerade dem Tod, seiner eigenen Vergänglichkeit, vor dem Untergang seines Ich bzw. Egos hat der Narzisst eine unerträgliche Angst. Er erträgt es nicht, denn es bedeutet nichts anderes als alles (auf-) zu geben; es ist dies das Gegenteil von Gier und Nehmen, von Völlerei, Sucht, von Schlingen, Sich-Einverleiben und Aussaugen - das er ja aber zeitlebens tut, braucht.

Das Ende seiner Existenz bedeutet nichts anderes für ihn als der Schlusspunkt hinter seiner Leere. Die Leere seiner Existenz wird durch seinen Tod potenziert - und das in seinem Gefühl, in seinen Gedanken: lange, bevor er stirbt.
 
Er hat ja seine Leere sein gesamtes "Leben" hindurch mit sich geschleppt - und sie zu überdecken, zu unterdrücken, zu übertünchen versucht (mittels eben Konsums, Hedonismus, Sucht ... - mittels des Ausbeutens, Aussaugens anderer Menschen, an denen er sich sattzumachen versucht). Aber angesichts des absoluten Endes (seines Existierens) überkommt ihn das Grauen, denn es führt ihm unerbittlich genau das vor Augen, das er gerade unbedingt nicht sehen will: seine Lebensleere, die Nichtigkeit seiner Existenz, dessen totale Sinnlosigkeit. Denn: Er hat nie je einen anderen Menschen geliebt. Er kann es nicht. Er konnte es nie. Lebenslang nicht ein Mal.

Und obgleich er nicht weiß, was genau ihm solche Angst einflößt, spürt er doch diese Leere, diesen Abgrund, in den er im Grunde jederzeit zu fallen droht. Es ist sein ganz und gar eigener Abgrund, der daher durch nichts zu bewältigen, zu überdecken, dem durch nichts sein Schrecken zu nehmen ist. Durch nichts. Denn in ihm, dem Narzissten, regiert genau dieses Nichts - die absolute Leere.

Er kann emotional nie "satt" werden, er kennt das Gefühl der tiefen Freude, Verbundenheit, Erfüllung nicht.
 
Er kennt nur oberflächliche Bedürfnisbefriedigung, kurzlebigen Spaß, kleine Kicks durch Essen, Drogen, Sex, Konsum und vor allem durch das Bewundertwerden, den Applaus anderer, den er lebensnotwendig braucht.
Aber nichts vermag seine totale innere Leere, Schwärze zu füllen, zu erhellen. Er kann nicht lieben.
 
Wenn du mit einem Narzissten zu tun hast, musst du dir über eines absolut im Klaren sein: Er meint nicht dich. Es geht ihm nie je um dich. Er sieht, erkennt dich gar nicht, er will es gar nicht wissen, es interessiert ihn nicht: wer du als Persönlichkeit bist.
Er will und braucht von dir nur dein Geben, deine Fürsorglichkeit, Aufmerksamkeit, Zuwendung, deine Leidenschaft, deine Freude, deinen Schmerz, deine Lust, deine Intensität, deine Originalität, deinen Geist/Esprit, deinen Humor - ja: deine Lebensenergie, die Essenz deines Seins. Daran berauscht er sich, damit füllt er seine Leere. Stets folglich nur vorübergehend, so lange die Wirkung andauert, dann braucht er neuen Stoff ... - bis zum nächsten Mal, zum nächsten Kick, zum nächsten "Schuss".
 
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