Armut, Gesundheit, Krankheit und soziale, gesellschaftliche, regierungspolitische Faktoren:
Bildung schützt nicht vor materieller Armut.
Armut erschwert, verhindert den Zugang zu, die Möglichkeit für Bildung.
Armut entzieht die Grundbedingungen:
Selbstwertgefühl, Selbstvertrauen, Selbstbestimmung, Selbstwirksamkeit, Resilienz, Perspektive, Zuversicht, Geld.
Arbeit schützt vor Armut nicht.
Armut ist ein Gefängnis.
Armut tötet: Menschen.
Staat. Macht. Gewalt.
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21.08.2026
Wann begreift die Mehrheit, bürgerliche Mitte, vermögende Mittelschicht, Ärzte, Psychiater, Psychologen, dass und w a r u m materielle Armut körperlich und psychisch krank macht?! :
Mangel an ausreichend gesunder Nahrung und regelmäßiger Regeneration in/durch Natur, Sonne, Ausflüge, Urlaube, gesellschaftliche, soziokulturelle Teilhabe.
Ausgrenzung, Ächtung.
Und nochmal: Wir sind weder dumm noch unsozial oder verwahrlost, nicht drogensüchtig, keine messies.
Frau, Mutter, überzeugt ledig, unfreiwillig alleinerziehend:
Ich rauche, saufe, kiffe nicht - auch meine Tochter tut das nicht - werfe keine Schmerzmittel, Pillen ein, keine Psychopharmaka, keine Antidepressiva, bin nicht übergewichtig, sondern seit Jahren untergewichtig, mangelernährt, chronisch krank.
Es ist Diskriminierung wegen materieller Armut, Mittellosigkeit, Erwerbslosigkeit - die keineswegs zugleich Arbeitslosigkeit ist. Siehe Sorge-Arbeit, häusliche Pflege, Ehrenamt ... .
Diskriminierung, Stigmatisierung, Ausgrenzung, Ächtung durch die Mehrheit, bürgerliche, vermögende Mitte - keine Solidarität, kein aktives Solidarisieren mit erwerbslosen, mittellosen Menschen.
Klassismus, Sozialrassismus
Bist du arm, bist du ´raus: aus der Gesellschaft.
Du erhältst keine Wohnung, hast keine Sozialkontakte, keine soziokulturelle Teilhabe, Mobilität, keinen Zugang zu Facharztpraxen, keine Perspektive, Zuversicht, Selbstwirksamkeit (mehr). Es wird dir all das systematisch entzogen.
Regierungen
Wer in diesem kapitalistischen, neoliberalen Staat nicht "arbeitet", erwerbstätig ist - Maloche, Drecksarbeit oder künstlich geschaffene bullshitjobs, Lohnarbeitsdogma, Erwerbsarbeitsfetisch um jeden Preis, auch arbeitend: alleinerziehend, "häusliche" Sorge-Arbeit, Care leistend und/oder chronisch krank, behindert, mit geringem Einkommen, somit in Armut bleibend, working poor (arm trotz Arbeit), ausgebeutet, verheizt, ohne Wohlstand - wird misshandelt wie/als ein Verbrecher. Arbeit und Armut als Strafe: Kürzen und sogar Entzug des Existenzminimums, der basalsten, materiellen Existenzgrundlage. Dressur, Gehorsam erzwingen. "Bürgergeld, Grundsicherungsgeld", Alg 2, Hartz IV.
Staat. Macht. Gewalt.
Wann kommt es bei der rechten und vermeintlich, vorgeblich linken bürgerlichen Mehrheit endlich an, dass etliche Menschen wegen "ihrer" Armut ausgegrenzt, diskriminiert werden, nicht nur aufgrund ihrer ethnischen Herkunft, ihres Migrationshintergrundes, Geschlechts, Krankheit, Behinderung.
?!?
Auch Mediziner, Therapeuten, Ärzte, Psychiater, Psychotherapeuten, Klinikleitungen ... solidarisieren sich nicht mit mittellosen Menschen, helfen ihnen nicht bedürfnisorientiert, effektiv, sondern nutzen sie auch nur für ihr Einkommen, ihren Profit.
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01.09.2026
Wann wird materielle Armut, Mittellosigkeit als Ursache für Behinderung gemäß § 2 Abs. 1 SGB IX anerkannt bzw. warum nicht? (Rhetorische Frage)
Auf viele Langzeiterwerbslose trifft dies zu - seit mehr als 6 Monaten, oft seit Jahren:
- keine soziokulturelle, gesellschaftliche Teilhabe
- keine Mobilität (armuts- und krankheitsbedingt), infolgedessen:
- kein Zugang zu Facharztpraxen, zu Sozialkontakten u.a.m..
Hartz IV, Alg 2, "Bürgergeld, Grundsicherungsgeld", SGB II
Das ist der entscheidende Passus in § 2 Abs. 1 SGB IX:
"(...) umweltbedingten Barrieren an der gleichberechtigten Teilhabe an der Gesellschaft mit hoher Wahrscheinlichkeit länger als sechs Monate hindern können. (...)"
Die umweltbedingten Barrieren habe ich oben genannt.
https://dejure.org/gesetze/SGB_IX/2.html
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09.09.2026
Armut macht krank. Krankheit macht arm.
"(...) So sind Frauen mit 33 Prozent häufiger betroffen als Männer mit 22 Prozent. Der Anteil der psychischen Störungen geht mit zunehmendem Alter zurück: Jüngere Menschen im Alter von 18 bis 34 Jahren erkranken häufiger, ältere Menschen zwischen 65 und 79 Jahren seltener als Menschen zwischen 35 und 49 Jahren. Menschen aus den unteren sozio-ökonomischen Schichten sind zudem stärker betroffen als die Mittelschicht. In der Oberschicht sind im Vergleich zur Mittelschicht weniger Frauen betroffen; für Männer trifft das nicht zu. (...)
Seit vielen Jahren bilden psychische Erkrankungen die Hauptursache für ein vorzeitiges gesundheitsbedingtes Ausscheiden aus dem Erwerbsleben. Sie spielen daher in der medizinischen Rehabilitation der Rentenversicherung eine wachsende Rolle. Im Jahr 2016 wurde bei 43 Prozent der Frühberentungen ein Zusammenhang mit psychischen Störungen gesehen. Eine dauerhafte berufliche (Re-)Integration durch Rehabilitationsmaßnahmen gelingt umso seltener, je höher die Zahl der krankheitsbedingten Fehltage vor der Rehabilitation war. Das weist auf die Bedeutung von Chronizität und Schwere in den Krankheitsverläufen hin.
Unter den psychischen Erkrankungen, die zu einer Erwerbsminderungsrente führen, sind Depressionen und Angststörungen führend. Diese nehmen kontinuierlich zu, während die Zahl der Neuberentungen wegen schizophrener, schizotyper (also in sozialer und zwischenmenschlicher Hinsicht verhaltensabweichender) und wahnhafter Störungen über die Jahre gesehen stabil ist. (...)
Nach einer IAB-Studie von 2014 hat fast die Hälfte der arbeitslosen Grundsicherungsbeziehenden ernsthafte Gesundheitsprobleme. Diese stellen eines der Haupthindernisse für eine Integration in den Arbeitsmarkt dar. (...)
Bei den Erwerbtätigen, die keine SGB-II-Leistungen beziehen, fällt die Kurve nahezu linear ab. Bei denjenigen, die Leistungen beziehen, nehmen die Werte ab einem Alter von 35 Jahren dagegen deutlich ab. Im Alter von 50 Jahren ist die Differenz zwischen den beiden Gruppen am größten. (...)
(...) dass Arbeitslosigkeit sich negativ auf das Befinden in sechs untersuchten Dimensionen auswirkt. Dazu gehören unspezifische Symptome, Depression, Angst, psychosomatische Symptome, subjektives Wohlbefinden und Selbstwertgefühl. (...)"
Nein, es ist nicht "Arbeitslosigkeit", die Menschen physisch und psychisch krank macht, sondern Armut, Ausgrenzung, gesellschaftliche Ächtung, Stigmatisierung, Diskriminierung, fehlende gesellschaftliche Zugehörigkeit, soziokulturelle Teilhabe, wohltuende Beziehungen, Wertschätzung.
"Bei mehr als jedem fünften Leistungsbeziehenden in der Grundsicherung wurde dabei eine Erkrankung aus dem Bereich „Neurotische, Belastungs- und somatoforme Störungen“ diagnostiziert. Bei etwa jedem sechsten Betroffenen wurde eine affektive Störung oder eine Suchterkrankung attestiert. Schizophrene Erkrankungen sowie Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen traten deutlich seltener auf. (...)
Depressive Episoden waren im Jahr 2009 mit einem Siebtel die häufigste psychische Erkrankung bei den Arbeitslosengeld-II-Beziehenden unter den Versicherten von AOK und Betriebskrankenkasse (BKK), wie eine weitere Auswertung der Studie ergab. Die nächsthäufige Diagnose waren somatoforme Störungen mit etwa einem Zehntel.
Neben psychischen oder Verhaltensstörungen durch Tabak- und Alkoholkonsum spielen bei den Einzeldiagnosen auch Angststörungen und Reaktionen auf schwere Belastungen und Anpassungsstörungen, die sich unter anderem in depressiven Stimmungslagen äußern können, eine größere Rolle. (...)"
https://iab-forum.de/wie-sich-psychische-erkrankungen-auf-die-teilhabe-am-arbeitsmarkt-auswirken-ein-ueberblick/
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12. April 2026
Man kann mittellose, materiell arme Menschen auf vielerlei Arten systematisch, sukzessive vernichten, bspw. durch:
- steigende Lebensmittelpreise (Mangelernährung)
- unbezahlbare Mieten (schlechte Wohnverhältnisse, Wohnungslosigkeit, Obdachlosigkeit)
- Entzug der Existenzgrundlage, Sanktionen
- erschwerten, fehlenden, unmöglich gemachten Zugang zu medizinischer, (fach-) ärztlicher ambulanter oder stationärer Untersuchung und Behandlung
- eingeschränkte, nicht bezahlbare, nicht zugängliche Mobilität (ÖPNV zu teuer, krankheitsbedingt nicht zu bewältigen)
- Hetze, Ausgrenzung, Einsamkeit
Arbeit, Ausbeutung, Arbeitszwang, Sanktionen, Bürgergeld, Grundsicherung, Hartz IV, Armut, Hetze, Spaltung
Staat. Macht. Gewalt. Regierungen.
Die Zuschreibung, Diffamierung "Totalverweigerer", diese vorsätzlich getätigte Hetze und einhergehende Ächtung, Ausgrenzung, Herabsetzung, Entwertung, Beschämung mittelloser Menschen ist systematische Gewalt.
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Belastende Lebensumstände, chronische Krankheit, Sucht, Armut, Herkunft, Biographie, Alter, Arbeit und Regierung, Kapitalismus, Gewalt - Sabeth schreibt - Lebenskunst für Laien
Belastende Lebensumstände, chronische Krankheit, Sucht, Armut, Herkunft, Biographie, Alter, Arbeit und Regierung, Kapitalismus, Gewalt - Menschenmaterial Nachfolgendes habe ich ursprünglich verfasst
https://kallisti-dichtet-belichtet.over-blog.com/2026/04/belastende-lebensumstande-chronische-krankheit-sucht-armut-herkunft-biographie-alter-arbeit-und-regierung-kapitalismus-gewalt.html
28.07. und 01.08.2026
Bist du arm, bist du ´raus: gesellschaftlich ausgegrenzt, gebrandmarkt, stigmatisiert, diskriminiert.
Du giltst als überflüssig, unsozial, Dreck. Mensch dritter Klasse - "Sozialschmarotzer", Asoziale Ballastexistenzen: NS-Ideologie. CDU Menschenbild, Regierungspolitik.
Du wirst als "Totalverweigerer, Sozialschmarotzer, arbeitsscheu, faul, unanständig" etc. diffamiert - das ist systematische Hetze gegen mittellose, erwerbslose, einkommenslose Menschen, die mehrheitlich nicht selbstverschuldet lebenslang mittellos sind und bleiben.
Wenn ohne dein Verschulden dauerhaft, unabänderlich Armut, Krankheit und Alter(n) - infolgedessen soziale Isolation, tote Tage, ungelebte Jahre - dein Leben regieren, was und wer bleibt dir dann, was bleibt von dir, wer bist du dann noch?
Du vegetierst. Du krepierst wie ein Tier.
Keine Würde.
Was ist der Mensch - w e r ist "der" Mensch, das jeweilige Individuum, die Persönlichkeit?
Der Mensch, das Leben ist kein persönliches oder fremdes "Werkstück", an dem zur scheinbaren "Optimierung", etwaig für wirtschaftliche, kapitalistische oder soziale Funktionalität, Effizienz, herumgefeilt, der/das nach Plänen vom Reißbrett zurechtgebogen oder als Art Modelliermasse, nach Rezept in die jeweils gewünschte Form gepresst werden kann.
Die Würde des Menschen, sein Existenzrecht sind nicht an wirtschaftlich, kapitalistisch, politisch, ideologisch ausbeutbare Lohnarbeit, Erwerbstätigkeit, nicht an Funktionalität, Nützlichkeit, Verwertbarkeit, Zweckmäßigkeit, Gehorsam eines Menschen gebunden - ein Mensch ist kein dressierbares, funktionalisierbares, instrumentalisierbares Objekt, kein Mittel zum Zweck, keine Maschine, sondern Subjekt, Individuum, Persönlichkeit.
Der Wert eines Menschenlebens bemisst sich nicht nach akademischen Titeln, Einkommenshöhe, Vermögensumfang, Narzissmusgrad (besetzten Machtpositionen), Ruhm, wirtschaftlicher Funktionalität und Verwertbarkeit.
Menschenwürde.
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02. August 2026
Du wirst mich nicht beeindrucken durch Karriere, beruflichen Erfolg, Titel, Posten, Ämter, Macht, Sieg, Ruhm, Reichtum, Statussymbole - ich werde dich dafür nicht wertschätzen, geschweigedenn lieben, denn:
deine Persönlichkeit stößt mich ab - sie ist, du bist hässlich: antisozial, egoman, unreif.
Was bleibt von einem Menschen übrig, wenn er nicht mehr reich, vermögend ist, keine Posten, Titel mehr hat, wenn er nackt ist?
Was bleibt von einer Person übrig, wenn ihr alle Titel, alles Vermögen, sämtliche Statussymbole genommen werden, verlustig gehen - welcher Mensch, welche Persönlichkeit?
Was ist das für eine beschissene Welt, in der Menschen sichere Existenz haben, frei von Armut sind, Lebensqualität erlangen, nicht durch einen guten Charakter und gemeinwohlförderliche Arbeit, sondern indem sie andere übervorteilen, knechten, ausbeuten, lügen, betrügen, zerstören.
Wertschätzen werde und kann ich all jene, namentlich zumeist nicht bekannten integren, couragierten, intelligenten, vernünftigen, reflektierten, empathischen, feinfühligen, prosozialen Menschen, die anderen ohne Eigennutz Wohl tun, die für Benachteiligte, Unterdrückte, Beschädigte kämpfen
und
wertschätzen werde ich deine Ehrlichkeit, Wahrhaftigkeit, Authentizitiät, Gewissenhaftigkeit, Heiterkeit - ein sonniges Gemüt, das dein Wesen ist, ohne oberflächliche Kasperei.
Tiefes Mitgefühl habe ich mit dir: ob deines Leids, Schmerzes, Ringens mit dem Leben, der Welt, dir selbst.
Schönheit.
Nein, alles oben Geäußerte hat nichts mit "Pathos" zu tun, sondern mit Lebenserfahrung, inkl. dem Wissen um, der persönlichen Erfahrung mit Schmerz, Leid, Haltlosigkeit, tödlicher Verzweiflung.
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Tapferkeit
... zeigt sich nicht im Kämpfen mit Waffen, in Kriegen.
Unabdingbar ist sie fürs Durchstehen, Ertragen, Durchleiden, Bewältigen all der unzähligen unzumutbaren Vorkommnisse, Widerfahrnisse, Umstände, Verhältnisse im einzigen, kleinen Leben eines (bewussten) Menschen.
Dies insbesondere dann, wenn dieser Mensch sich an keine Krücken hängt, klammert:
Drogen, Sucht, Religion, Glaube, "Gott", Esoterik, Aberglaube - Selbstflucht, Selbstbetrug.
Wenn er alles stattdessen wach, bewusst, nüchtern erfährt, erleidet, erträgt. Immer wieder. Lebenslang.
Und selbstverständlich: zeitigt das keineswegs "schöne" Folgen, hinterlässt all das Spuren. Wahrnehmbar, irreversibel eingraviert. Im Körper, in der Psyche, im Leib, in der Persönlichkeit eines solchen Menschen.
Nein, man muss deshalb kein Masochist oder Märtyrer sein oder dazu werden (wollen).
Nur der Mensch, als einziges Lebewesen auf diesem Planeten, kann sich selbst, selbstbestimmt, den eigenen Tod geben. Das erfordert eine immense Stärke.
Freitod
Was ich mit Tapferkeit meine, ist also etwas wie emotionale Stärke, eher: emotionale Reife, sich auf Mitgefühl, Liebesfähigkeit, (Selbst-) Erkenntnis, Urteils-, Reflexionsfähigkeit gründend, für die es wiederum der Lebenserfahrung und intellektueller Reife bedarf.
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Michel Foucault - Staat. Macht. Gewalt. Herrschaft, Überwachen, Strafen, Gefängnis, Militär, Psychiatrie, Schule, Kloster ... - Lebenskunst für Laien
Michel Foucault - Staat. Macht. Gewalt. Herrschaft, Überwachen, Strafen, Gefängnis, Militär, Psychiatrie, Schule, Kloster, diverse Fremdbetreuungseinrichtungen ... 11.06.2026 Wissen, Erfahrung ...
https://kallisti-dichtet-belichtet.over-blog.com/2026/06/michel-foucault-staat.macht.gewalt.herrschaft-uberwachen-strafen-gefangnis-psychiatrie-schule-kloster.html
TED, Rutger Bregman über Armut, Charakter, Bildung, Paternalismus, Arbeit, Gewalt, Kriminalität, Grundeinkommen, Freiheit ... "Poverty isn't a lack of character; it's a lack of cash", Rutger Bregman
Rutger Bregman, Double Down News - "Everything you know about poverty is wrong" - Rutger Bregman über die verbreiteten Vorurteile, Unkenntis bzgl. Armut, Arbeit, bullshitjobs, Ökonomie (Wirtschaft), Ideen, Utopien, Innovationen, das BGE, Regierungen, politisch linke Radikalität, Linksradikalismus, Gemeinwohl
TEDx, Rutger Bregman - Why we should give everyone a basic income
27. März 2024
Ich möchte, dass jeder vermögende Mensch auf dieser Erde wenigstens einen Tag, besser eine Woche oder einen Monat "lebt" wie ein Obdachloser: ohne feste Bleibe, Geld für tägliche Nahrung erbetteln müssend, ohne Schutz vor Wetter, ohne sanitäre Anlagen ... .
Nein, mir geht es dabei nicht um "Rache", sondern um Erfahrung, Erkenntnis und Mitgefühl.
Vermögende Menschen sollten die Gefühle von Angst, Not, Verzweiflung, Demütigung, Ausweglosigkeit, Ausgeliefertsein, Wut (reaktive Aggression), Traurigkeit, Verlassenheit erleben. Armut.
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Selbstoptimierung - Bodytracking, Biohacking, Coaching, Psychotainment, Lohas ... - Lebenskunst für Laien
Selbstoptimierung - Bodytracking, Biohacking, Coaching, Psychotainment, Lohas, NLP ... ... Gesundheit, Freude, Gelassenheit, Verantwortung, Bewusstheit, Reife oder: Leistungs- und Konformitätsdruck
https://kallisti-dichtet-belichtet.over-blog.com/2023/06/selbstoptimierung-bodytracking-biohacking-coaching-psychotainment-lohas.html
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SINN, Ziel des Lebens, Menschsein, Conditio humana, Bewusstsein, Erkenntnis, Reife, Ethik, Verantwortung, Mitgefühl, Liebe, Vergänglichkeit - Lebenskunst für Laien
Sinn, Ziel "des" Lebens, Menschsein, Conditio humana, Bewusstsein, Erkenntnis, Reife, Ethik, Verantwortung, Mitgefühl, Liebe, Vergänglichkeit - Kein Mensch ist eine Insel. Nein, es gibt kein ...
https://kallisti-dichtet-belichtet.over-blog.com/2021/04/sinn-ziel-des-lebens-menschsein-conditio-humana-bewusstsein-erkenntnis-reife-ethik-verantwortung-mitgefuhl-liebe-verganglichkeit-kei
Klassismus, Sozialrassismus
Erinnern wir uns mal eben wieder an Pierre Bourdieu, "Die feinen Unterschiede", Habitus, soziale Herkunft und Folgen ...
"[...] Jeder kann es schaffen, und wer es nicht schafft, ist selbst schuld: So lautete das neue Dogma, das bis heute dominiert. Bildung wurde zum zentralen Mittel für die Lösung gesellschaftlicher Probleme. Dass die soziale Herkunft die Bildungschancen entscheidend beeinflusst, wird zwar gesehen. Dem kann man aber durch Veränderungen im Bildungssystem begegnen, so der Glaube der Verantwortlichen. Was ungeachtet möglicher Fortschritte aber ignoriert wird, ist die Tatsache, dass eine zentrale Voraussetzung der Angleichung von Bildungschancen in der Angleichung der materiellen Lebensbedingungen besteht. Armut führt auch beim besten Bildungssystem zu schlechteren Abschlüssen. [...]"
"(...) Eine Studie der Weltgesundheitsorganisation aus dem Jahr 2004 zu den sozialen Determinanten von Gesundheit (2) liefert erste Hinweise auf das komplexe Bild:
„Die kombinierten Erkenntnisse aus Wirtschaftswissenschaft, Soziologie, Psychologie, Neurobiologie und Medizin deuten darauf hin, dass viel vom Verständnis der Wechselwirkungen zwischen materieller Benachteiligung und sozialem Sinn abhängt“, heißt es dort. Und weiter: „Nicht einfach materielle Armut ist gesundheitsschädigend. Der soziale Sinn, der Armut, Arbeitslosigkeit, Ausgrenzung und anderen Stigmatisierungen beigemessen wird, ist ebenfalls wichtig. Als soziale Wesen benötigen wir nicht nur gute materielle Bedingungen, sondern von Kindesbeinen an das Gefühl, geschätzt und gemocht zu werden. Wir brauchen Freunde, wir brauchen menschliche Gesellschaften, wir müssen uns nützlich fühlen und wir müssen ein wesentliches Maß an Entscheidungsbefugnissen über eine sinnvolle Arbeit haben. Sonst sind wir deutlich anfälliger für Depressionen, Drogenkonsum, Angst, Feindseligkeit, Hoffnungslosigkeit etc.“
Die Autoren der Studie belegen, wie soziale Ungleichheit, Stress, wie frühe Entbehrungen und Traumata, wie soziale Ausgrenzung, Arbeitslosigkeit und anderes, alles Dinge, die zuerst und am stärksten für Menschen in den unteren Gesellschaftsebenen tägliche Bedrohungen oder Lebenspraxen sind, zu chronischen Krankheiten führen und das Leben massiv erschweren und verkürzen. Armut tötet also nicht nur – sie behindert auch die Realisierung von Leistung und Potential.
Aktuelle Veröffentlichungen des Robert-Koch-Instituts (3) bestätigen diese Befunde auch für Deutschland: Frauen und Männer, deren Einkommen unterhalb der Armutsrisikogrenze liegen, haben ein im Verhältnis zur höchsten Einkommensgruppe um das 2,4- bzw. 2,7-Fache erhöhtes Mortalitätsrisiko. (Anzahl der Todesfälle in einem bestimmten Zeitraum bezogen auf 1.000 Individuen einer Population.)
Noch eindrücklicher lesen sich die Befunde, wenn sie auf die mittlere Lebenserwartung bei Geburt bezogen werden, die nach den Periodensterbetafeln für den Zeitraum 1995 bis 2005 für Frauen mit 81,3 Jahren und für Männer mit 75,3 Jahren beziffert werden kann. Die Differenz zwischen der niedrigsten und höchsten Einkommensgruppe beträgt hier, legt man die zuvor ermittelten Mortalitätsunterschiede zugrunde, bei Frauen 8,4 Jahre und bei Männern 10,8 Jahre.
Betrachtet man dabei nur die gesunde Lebenserwartung, das heißt jene Lebensjahre, die in sehr gutem oder gutem allgemeinen Gesundheitszustand verbracht werden, macht der Unterschied zwischen der niedrigsten und höchsten Einkommensgruppe sogar 10,2 Lebensjahre bei Frauen und 14,3 Lebensjahre bei Männern aus.
Daten der Deutschen Rentenversicherung zeigen darüber hinaus, dass sich die sozialen Unterschiede in Bezug auf die ferne Lebenserwartung im Zeitverlauf sogar noch vergrößert haben: Zwar ist die Lebenserwartung in allen betrachteten Gruppen gestiegen, die Zugewinne fielen aber in den unteren Einkommens- und Berufsstatusgruppen geringer aus.
Infolgedessen haben die Unterschiede zwischen den Einkommensgruppen zwischen 1995/6 und 2007/8 um 1,7 Jahre und jene zwischen den Berufsstatusgruppen um 0,9 Jahre zugenommen.
Die Ergebnisse weiterer Analysen (4) belegen zudem, dass Kinder und Jugendliche aus Familien mit niedrigem Sozialstatus in vielen Bereichen geringere Gesundheitschancen haben. Neben dem allgemeinen Gesundheitszustand lässt sich dieser „negative Zusammenhang“ dabei auch und insbesondere bezüglich der für Bildungschancen und -teilhabe so maßgeblichen psychischen und Verhaltensauffälligkeiten feststellen. Insbesondere bei diesen zeigt sich dabei ein starker Einkommenseffekt, der den Effekt des Bildungsniveaus der Eltern deutlich übersteigt. Armut also, nicht Bildungsherkunft bzw. -mangel erschwert und hindert beim konkurrierenden Kampf um die ohnehin zu wenigen „Plätze an der Sonnenseite des Lebens“, die unsere Gesellschaft aktuell zur Verfügung stellt – auch hier.
Vergessen dürfen wir in diesem Kontext aber auch nicht den von der Weltgesundheitsorganisation so hervorgehobenen „sozialen Sinn“. Denn auch unabhängig davon, ob die dem Esel vorgehaltene Möhre namens Bildung diesen nun schneller oder klüger machte oder gar „aufsteigen“ ließe: Ist es nicht gerade dieser „Sinn“, der unserer Gesellschaft und ihren Bildungseinrichtungen mehr und mehr abhanden kommt? Denn wo ist und realisiert er sich denn, insbesondere in Bezug auf das Erleben von Handlungsfähigkeit und eigene Bedeutsamkeit, für all die Haupt- oder Förderschüler, deren gesamte Bildungskarriere primär aus einem „Du wirst eh nie dazugehören“ besteht (5)? Und wo für all die Bachelorstudierenden, die wie Fließbandprodukte immer rascher unter hohem Druck durch unsere Hochschulen geschleust werden? Und wo für all die G8-Schülerinnen und Schüler, die das, was früher noch Bildung hieß, inzwischen oftmals selbst nur noch als Bulimielernen beschreiben, das ihre Interessen und Seelen kaum mehr berührt?
Es ist inzwischen wohl evident: Die Lernenden in den Bildungsanstalten unseres Landes werden mehr und mehr ihrer Würde, ihrer Motivation und Begeisterungsfähigkeit beraubt und zunehmend zu Objekten, zu Lernmaschinen und Humankapital-Automaten degradiert. Und all das – das bringt ihnen am Ende ihrer „Bildungskarriere“ dann mit hoher Wahrscheinlichkeit eben nicht nur nicht den erwarteten sozialen Aufstieg ein. Es bedroht zudem ihre Gesundheit sowie den sozialen Zusammenhalt im Land. Und ist überdies auch Gift für unsere Volkswirtschaft, die von möglichst weitreichender Potentialentwicklung (6) möglichst vieler ihrer Bürgerinnen und Bürger profitiert und lebt.
"(...) Defizite in allen Lebenslagen
Der Mangel an materiellen Ressourcen führe zu einem Mangel an sozialer Bewegungsfreiheit, so Butterwegge: „Armut in Köln ist zwar eine andere als in Kalkutta, Kairo oder Kapstadt. Sie ist aber für die Menschen nicht weniger bedrückend, bedrängend und erniedrigend.“ Im Gegenteil sei sie sogar für viele Betroffene deprimierender, weil die Armen in einer reichen Industrienation von Wohlstand umgeben seien und entsprechend mehr litten. Beschränkungen in ihren Handlungsmöglichkeiten seien die Folge. (...)
Ergebnis: Soziale Isolation
Betroffen von Armut waren laut Studie vor allem Alleinerziehende und kinderreiche Familien, deren Haushaltseinkommen zu gering war, um den Unterhalt von Kindern zu bestreiten. „Kinderarmut ist natürlich immer auch Eltern-, vor allem Mütterarmut“, so Butterwegge. „Sie hat damit zu tun, dass es den Familien materiell schlecht geht.“ Das führe nicht nur zu Spannungen innerhalb der Familien, sondern auch und vor allem zu Restriktionen für die Kinder, die in ihrer kognitiven Entwicklung, schulischen Leistungsfähigkeit, psychischen Stabilität und physischen Konstitution gefährdet sind. Geradezu banal, aber in ihrer Tragweite schwerwiegend waren die materiellen Gründe und sozialen Umstände dieser Restriktionen. Genannt sei nur der beschränkte Wohnraum, unter dem viele Familien litten. So verfügten die Kinder aus armen Familien nicht nur über keinen eigenen Platz, um ihre Hausaufgaben zu machen, zu entsprechend schlechteren schulischen Leistungen führte. Dadurch, dass die Kinder ihre Klassenkameraden nicht zu Geburtstagen oder ähnlichen Anlässen zu sich nach Hause einladen konnten, gerieten sie zudem in soziale Isolation.
Kinder leiden ganz besonders
Ebenso ging es Kindern, deren Eltern sie nicht auf die Klassenfahrten mitschicken konnten. Fehlende Förderung durch Nachhilfeunterricht führte zur häufigeren Nichtversetzung mit den bekannten sozialen Problemen. Da bei vielen Familien das Haushaltsgeld nur bis zur Mitte des Monats reichte, stellten sich bei manchen Kindern auch Ernährungsprobleme ein. „Die meisten Kinder leiden stark unter der Armut. Es fehlen ihnen geeignete Mechanismen, um die Folgen der Armut zu bewältigen“, erklärt Butterwegge. „Somit steigt das Risiko von Verhaltensstörungen und -auffälligkeiten.“ Erstaunlich war die weitgehende Tabuisierung des Themas „Kinderarmut“ an den Schulen. Sowohl die Schulleiter wie auch die Lehrer neigten dazu, offensichtliche Armutssignale eher als individuelle Vernachlässigung der Kinder zu deuten. „Da niemand „arm“ sein will, verdrängt man das Problem oder schiebt es den Eltern in die Schuhe“, so Butterwegge. Statt darin ein gesellschaftliches Phänomen zu sehen, wurde die „Schuld“ bei den Individuen gesucht und gefunden.
Armut der Eltern – Armut der Kinder
Oft bedeutet die Armut in der Kindheit den Anfang einer lebenslangen Karriere als Armer und die soziale „Vererbung“ Armut an die eigenen Kinder. Wie kann man den Kindern helfen aus diesem Teufelskreis zu entkommen? Ist Bildung der Königsweg, um der Armut zu entrinnen? „Das wird in der Öffentlichkeit häufig angenommen“, so Butterwegge. Gerade die derzeitige Diskussion um Bildungsgutscheine gehe wieder in diese Richtung. Eine bessere Bildung allein würde aber seiner Ansicht nach nicht helfen. „Man setzt zu stark auf Bildung. Sie hat in der Öffentlichkeit mehr die Funktion einer Art Beruhigungspille.“ Gerade im Niedriglohnsektor hätten über 80 Prozent der Beschäftigten eine abgeschlossene Berufsausbildung, viele sogar einen Hochschulabschluss.
„Bildung schützt längst nicht mehr vor Armut“, schließt der Politikwissenschaftler daraus. Deswegen sei es sinnlos, Bildung als eine Art Wunderwaffe gegen Armut zu begreifen. „Arme Kinder sollten bessere Bildungschancen haben. Aber auch wenn alle armen Kinder und Jugendlichen besser gebildet wären, würden sie womöglich auf einem höheren intellektuellen Niveau um die weiterhin fehlenden Lehrstellen und Arbeitsplätze konkurrieren.“ Bildung könne zwar in Einzelfällen helfen, dem Schicksal der sich perpetuierenden Armut zu entkommen. Einen gesellschaftlichen Automatismus zialexperte allerdings nicht erkennen: „Armut führt dazu, dass man dumm gemacht wird. Der Kluge wird jedoch nicht automatisch reich.“
Aufgaben der Gesellschaft
Wichtiger als nur im Bildungsbereich allein zu fördern sei es, die Armut an der Wurzel zu bekämpfen und die materiellen Bedingungen zu verbessern. Wohlhabende Menschen hätten die Möglichkeit, sich zu bilden und freier über ihr eigenes Schicksal zu entscheiden. Millionen Menschen brauchten mehr Geld, um sich undihre Familien zu ernähren. Sonst könnten sie am gesellschaftlichen, kulturellen und politischen Leben nicht teilnehmen, so der Kölner Wissenschaftler. Dazu sei eine andere Arbeitsmarktpolitik notwendig und ein flächendeckender gesetzlicher Mindestlohn wie in 20 von 27 EU-Staaten. In den skandinavischen Ländern werde die Armutsbekämpfung als gesellschaftliche Aufgabe wahrgenommen. In Deutschland werde dem betroffenen Individuum die Schuld an seiner Misere selbst angelastet. Durch ideologische Behauptungen wie „Jeder der will, findet auch einen Arbeitsplatz“ entledigten sich Staat und Gesellschaft ihrer Verantwortung. Diese Ignoranz gegenüber der Problematik setze sich zum Teil in der Wissenschaft, der Wirtschaft und der Politik fort, so Butterwegge. Es sei heute ausgesprochen schwer, für Forschungsprojekte zum Armutsthema Drittmittel einzuwerben.
Düstere Prognosen
Doch gerade in der heutigen Zeit sei das Thema „Armut“ von überaus großer Bedeutung für die Gesellschaft. Am Horizont täten sich Gefahren für das friedliche Zusammenleben und selbst für die Demokratie auf: „Ich sehe die Gefahr von Parallelweltenher aufziehen, und zwar sowohl bei den Armen wie auch bei den Reichen“, so Butterwegge. Während sich die Reichen wie schon heute in den Vereinigten Staaten in von privaten Sicherheitsdiensten bewachten Luxusquartieren – sogenannten „Gated Communities“ – abschotteten, wüchsen die Kinder von Hartz-IV-Empfängern zunehmend in einer von Lebensmitteltafeln, Sozialkaufhäusern und Kleiderkammern der Wohlfahrtsverbände geprägten Umgebung auf. Diese Entwicklung müsse gestoppt werden. „Denn das wäre eine Gesellschaft, die inhuman ist, die unsozial ist und die wahrscheinlich eher undemokratisch strukturiert wäre“, so der Wissenschaftler. Eine alleinerziehende Mutter, die von ALG II lebe, könne nicht mehr an den politischen Willensbildungs- und Entscheidungsprozessen teilnehmen. Insofern sei ein großzügiger und gut ausgestatteter Sozialstaat die Grundvoraussetzung für das Funktionieren unserer Demokratie.
Gibt es denn überhaupt keine Chancen angesichts der wachsenden Armut in Deutschland? „Chancen in dieser Krise sehe ich nur, wenn sich die Gesellschaft bewusst wird, dass sie auseinanderzufallen droht“, schließt Christoph Butterwegge: „Falls die Wohlhabenderen merken, dass der soziale Zusammenhalt auch für sie nötig ist, um friedlich leben zu können, birgt die Krise auch eine Chance in sich.“ "
Quelle: portal.uni-koeln.de - "Deutschlands arme Kinder"
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Über sogen. Chancengleichheit und Leistungsrassismus.
Gegen Kinderarmut, Elternarmut, Mütterarmut, Frauenarmut, Armut hilft: ausreichend mehr Geld.
"(...) Sie sind es, die nicht nur absolut, sondern auch relativ zu ihrem Einkommen am meisten Geld für Bier, Wein und Schnaps ausgeben, wie der „Alkoholatlas 2022“ des Deutschen Krebsforschungszentrums ausweist.
In keiner Gehaltsklasse ist der Anteil größer als in der von Christian Lindner, Christian Dürr und Markus Herbrand. (...)
Ein Langzeitexperiment in den USA – Forscher mehrerer Universitäten und Disziplinen führen es unter dem Titel Baby’s First Years durch – bestätigt dies gerade wieder. In ihrem Versuch stellen sie armutsbetroffenen Familien von der Geburt eines Kindes an jeden Monat 333 Dollar zusätzlich zur Verfügung. Die Eltern können damit tun, was sie wollen, es gibt keine Bedingungen.
Als Kontrollgruppe dienen Familien, die lediglich 20 Dollar erhalten. Bereits nach einem Jahr maßen Neurowissenschaftler, wie sehr Kinder der Versuchsgruppe (die mit den 333 Dollar monatlich) von der Gabe profitierten:
Ihre Gehirne entwickelten sich signifikant besser als bei den Kindern in der Kontrollgruppe. An mehr Alkohol und Kippen für die Eltern lag das nicht, und übrigens auch nicht an größeren Glotzen, die sich die Erwachsenen mit den Geld hätten anschaffen können.
Eine erste Auswertung zeigt, dass sie ihr zusätzliches Budget in Dinge wie Kinderspielsachen und Bücher investierten. (...)"
update 06.04.2023
Beliebteste Studiengänge in Deutschland - an oberster Stelle: BWL.
Philosophie und andere Sozial- und Geisteswissenschaften tauchen da gar nicht erst auf.
Lauter wirtschaftskompatible Fachidioten. Null Kenntnis von Ethik, Erkenntnistheorie u.a.m..
Wie "überraschend", dass es unter den erwerbslosen Akademikern, Stichwort Einkommen - die nicht zwangsläufig Arbeitslose sind! - so viele Geiesteswissenschaftler gibt.
Bildung schützt vor Armut nicht. Vor Unkenntnis, Ignoranz, Hybris btw auch nicht.
"(...) Die höchste berufsspezifische Arbeitslosenquote hatten die Naturwissenschaften mit 7,5 Prozent, gefolgt von Mediengestaltung, Werbung und Marketing (6,7 Prozent) sowie Geistes- und Gesellschaftswissenschaften (6,3 Prozent)."
update 20. März 2024
Armut betrifft, belastet, beschädigt weltweit vor allem Frauen, Mütter, Alleinerziehende. Frauen, die unbezahlt, ohne Einkommen dafür zu erhalten, alleine Sorge-Arbeit, inkl. häusliche Pflege, leisten!
Das ist systematische Ausbeutung von Frauen.
Kinderarmut, Frauenarmut, Mütterarmut, Altersarmut. Patriarchat.
Siehe dazu u.a. die zdf-Sendung 37 Grad "Vererbte Armut" vom 27.02.2024.
Seht euch die Wohnverhältnisse an. Seht euch die "Ernährung" der Frauen und ihrer Kinder an.
All jene Menschen, mehrheitlich sind es nach wie vor Frauen, die diese unentbehrliche, unersetzliche Sorge-Arbeit leisten, brauchen und verdienen l ä n g s t ein existenzsicherndes Sorge-Gehalt für geleistete Arbeit, monetäre Wertschätzung, Existenzsicherung, Einkommen, statt strafbewehrtes "Bürgergeld", Grundsicherung, zementierte Armut und Ausbeutung.
Es sind bekanntlich gerade mittellose, nicht-vermögende, ledige, alleinerziehende Frauen, Mütter, die mit materieller Armut eben dafür bestraft werden: dass sie ledig oder geschieden sind, ich nicht an einen Ehemann binden, von ihm abhängig machen wollen.
Dies betrifft auch mich: Frau, zweifache Mutter, überzeugt ledig, unfreiwillig allein alleinerziehend, mittellos, nicht-vermögend, ohne Einkommen Sorge-Arbeit leistend, deshalb im Kapitalismus, vom Patriarchat mit Armut b e s t r a f t. Lebenslang.
Zur unten verlinkten zdf-Doku "Vererbte Armut":
Warum schaffen einige Kinder ihren Schulabschluss nicht, warum werden sie aggressiv, depressiv, resigniert: Weil sie kaum Bezugspersonen haben, keine Wertschätzung erhalten, ihre Welt klein, karg, trist, voller Sorgen, Belastungen, Ausgrenzung ist.
Woran, worüber können sie sich freuen? Es ist eine Kindheit und Jugend geprägt von Verzicht, Entbehrungen, Belastungen, Traurigkeit, Eintönigkeit. Deshalb entwickeln sie kein Selbstvertrauen, kein Selbstwertgefühl, keine Zuversicht. Täglich spüren sie ihre Ausgrenzung, fühlen sich wertlos!
Auch meine beiden Kinder sind ihre gesamte Kindheit hindurch nie verreist, "in Urlaub gewesen", kennen kaum Ausflüge, Geselligkeit: mehrere vertraute Bezugspersonen - es gab/gibt keine fürsorglichen, verantwortungsvollen Väter, keine Großeltern, keine Familie.
Als Mutter, als alleinig Fürsorge Leistende und Verantwortung Tragende, hast du all das - zusätzlich zu deinen eigenen finanziellen, existenziellen, gesundheitlichen Belastungen, Sorgen, Nöten und Entbehrungen - zu tragen, abzufedern, "auszugleichen" soweit es irgend geht.
Wer geht je mal bedürfnisorientiert, wohltuend fürsorglich, zärtlich, liebevoll, stärkend, unterstützend mit d i r, der Frau, Mutter, Gebenden, um: in all den Jahren, in bei mir mittlerweile drei Jahrzehnten!?
Jedenfalls kein Mann, "Partner". Auch keine Eltern. Sowieso nicht deine (erwachsenen) Kinder.
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"(...) „Alleinerziehende haben eine hohe Motivation, erwerbstätig zu sein. Doch für sie ist es besonders schwer, Beruf und Familie miteinander zu vereinbaren. Es ist erschreckend, dass ein so hoher Anteil der Alleinerziehenden trotz Arbeit auf Transferleistungen angewiesen ist, um das Existenzminimum für sich und ihre Kinder zu sichern“, sagt Anette Stein, Director Bildung bei der Bertelsmann Stiftung.
Kinder erhöhen das Aufstocker-Risiko
Ob aufgestockt wird oder nicht, hängt maßgeblich von der Erwerbssituation ab: Je geringer die Arbeitszeit und je niedriger der Stundenlohn ausfallen, desto höher ist die Wahrscheinlich-keit, zusätzlich SGB-II-Leistungen beziehen zu müssen. Von allen Aufstocker:innen üben fast die Hälfte (46 Prozent) eine geringfügige Beschäftigung aus und über drei Viertel erhalten einen Niedriglohn. Bei Alleinerziehenden wirkt sich das besonders stark aus. Das Aufstocker-Risiko steigt bei ihnen erheblich, wenn sie einer Beschäftigung mit geringem Verdienst oder nur in Teilzeit nachgehen. Aufgrund der oftmals alleinigen Fürsorgeverantwortung für ihre Kinder bleibt ihnen aber häufig keine andere Wahl.
Die Analyse belegt: Haushalte mit Kindern, egal ob alleinerziehend oder als Paar, haben gegenüber kinderlosen Paaren und Alleinstehenden eine höhere Wahrscheinlichkeit, trotz Arbeit SGB-II-Leistungen beziehen zu müssen. Dazu kommt es insbesondere dann, wenn Kinder unter zwölf Jahren im Haushalt leben. „Jüngere Kinder benötigen zumeist mehr Zeit und Fürsorge. (...)
Erst im Juli wies die Bertelsmann Stiftung in einer Studie nach, dass Alleinerziehende trotz häufiger Erwerbstätigkeit sehr stark von Einkommensarmut bedroht sind. (...)
Dass gerade bei Alleinerziehenden, aber auch bei Paarfamilien mit Kindern, geringere
Arbeitszeiten häufig mit einem höheren Aufstocker-Risiko einhergehen, wirft zudem die Frage nach der Wertschätzung von Kinderbetreuung auf. „Es darf nicht sein, dass Eltern noch immer vor dem Dilemma stehen, entweder zu wenig Zeit für ihre Kinder zu haben oder finanziell in Armut abzurutschen. Die Bedeutung und Notwendigkeit von Care-Arbeit sollten gesellschaftlich endlich stärker anerkannt werden. Das muss sich auch in Leistungen für Kinder niederschlagen, wie etwa dem von uns vorgeschlagenen Teilhabegeld“, sagt Anette Stein. (...)"
https://nachrichten.idw-online.de/2021/12/15/trotz-arbeit-auf-sozialleistungen-angewiesen-alleinerziehende-haben-das-hoechste-risiko
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Frau, Geschlecht, Zyklus, Biologie, Leiblichkeit und Arbeit, Sport, Medizin, Gesundheit, Gesellschaft, Ethik - Sabeth schreibt - Lebenskunst für Laien
05. März 2026 Frau, Geschlecht, Zyklus, Biologie, Leiblichkeit und Arbeit, Sport, Medizin, Gesundheit, Gesellschaft, Ethik Der weibliche Zyklus ist kein, Zitat Wikipedia "Menstruationszyklus", es ...
https://kallisti-dichtet-belichtet.over-blog.com/2026/03/frau-geschlecht-zyklus-biologie-leiblichkeit-und-arbeit-sport-medizin-gesundheit-gesellschaft-ethik.html
Frauen sind keine Männer. Der Mann ist nicht der Maßstab, Orientierungsgeber, Bezugspunkt, nicht der Nabel der Welt.
31.10.2025
Ein paar Anmerkungen zum youtube Video, arte re (D, 2025) - "Junge Frauen und der harte Weg aus der Armut"
1. Warum wird nach wie vor von, Zitat "sozial Benachteiligten" gesprochen? Ein mittelloser - mit materieller Armut belasteter - Mensch ist nicht "sozial schwach, defizitär, benachteiligt", sondern finanziell und infolgedessen mit zahlreichen Einschränkungen, schwierigen Situationen belastet, auch ausgegrenzt.
2. Warum sollen Menschen sich nach wie vor über irgendeinen Job, eine Erwerbstätigkeit "definieren"? Arbeit ist nicht dasselbe wie kapitalistisch ausbeutbare Lohnarbeit, Maloche und künstlich geschaffene bullshitjobs. Etliche wichtige, für das Gemeinwohl unentbehrliche, sinnvolle, konstruktive Arbeit wird als Arbeit nach wie vor weder anerkannt noch entlohnt, weder gesellschaftlich noch monetär wertgeschätzt: "häusliche" Sorge-Arbeit.
Etliche "Arbeit" ist überflüssig, selbst- und fremdschädigend, siehe bullshitjobs, mit Verweis auf David Graeber.
arte Frankreich hat eine hervorragende mehrteilige Doku zum Thema gemacht: "Arbeit, Lohn, Profit". :)
3. Ja, alle Menschen brauchen lebenslang mehrere Bezugspersonen, nicht Fremdbetreuung, Betreuungspersonal, Auslagerung in diversen Einrichtungen.
Menschen brauchen Wertschätzung, die Möglichkeit und Erfahrung, zu entdecken, herauszufinden, was ihre Interessen, Stärken, Schwächen sind, wer sie als Persönlichkeit sind oder warum sie welche Persönlichkeit werden wollen. Stichwort: Haben oder Sein (Erich Fromm).
Staatliche Schule leistet das nicht, es geht in Schule nicht um Persönlichkeitsentwicklung, "Selbstfindung", (Selbst-) Erkenntnis, Urteilsfähigkeit, auch nicht um Vermittlung von Allgemeinwissen, sondern um ganz anderes - eigenes Thema.
Viele Eltern reflektieren all das selbst nicht, sind je selbst hart indoktriniert, rennen lebenslang im Hamsterrad. Es geht zumeist nur darum, Armut zu vermeiden oder nur eigenen materiellen Wohlstand zu erlangen und zu erhalten, es geht um Konsumismus, Oberflächlichkeit, Konformismus, Opportunismus. Mit Erkenntnis, Reife, Würde, Gemeinwohl hat das nichts zu tun.
4. Um Armut zu beheben, bedarf es einer anderen Gesellschaft und Regierungspolitik. Es ist völlig falsch, nur auf die je einzelnen Betroffenen zu blicken und von ihnen zu erwarten, ihnen abzuverlangen, dass sie es je individuell irgendwie selbst "aus der Armut heraus schaffen" - mit Glück, durch Zugang zu Unterstützung, siehe wie in dieser Doku genannt, oder alleine - oder eben nicht.
Es müsste A r b e i t ganz anders definiert, interpretiert, gestaltet und wertgeschätzt werden, siehe oben.
Das Gemeinwohl und Prosozialität, Persönlichkeitsreifung müssten im Vordergrund stehen - statt Job, Beschäftigung, Geld, nur eigener Wohlstand, Profit, Konsum.
5. Schade, dass nicht eine einzige alleinerziehende junge Mutter in diese Sendung einbezogen wurde. Denn bekanntlich sind gerade alleinerziehende, vor allem l e d i g e Frauen, Mütter besonders von materieller Armut betroffen, damit belastet, denn die von ihnen geleistete "häusliche" Sorge-Arbeit ("Reproduktionsarbeit", Care) gilt nicht als Arbeit, wird nicht mittels existenzsicherndem Sorge-Gehalt bezahlt.
Sie sollen "daneben" noch Vollzeit erwerbstätig sein, auch in Maloche, Drecksjob, Niedriglohn oder bullshitjob. Systematische Ausbeutung von Frauen. Mit Teilzeittätigkeiten lässt sich die Existenz - von Mutter und Kind/ern - zumeist nicht sichern. Es sei denn, die Mütter haben finanzielle Unterstützung.
Alternative: Ehe, Kleinfamilie. So werden Frauen von (Ehe-) Männern weiterhin in finanzieller, wirtschaftlicher Abhängigkeit gehalten.
6. Auch ich bin (fast) lebenslang "armutsbetroffen". Bildung schützt vor Armut nicht. Arbeit schützt vor Armut nicht. Jedenfalls nicht, wenn man allein alleinerziehend ist, keinerlei familiäre Unterstützung, keine Bezugspersonen, keine "Förderer" hat.
Und ja: Wer arm ist, wird bekanntlich schneller, leichter, früher chronisch krank, altert schneller. Auch ohne Alkohol, Nikotin, Cannabis oder andere Drogen, Substanzen. Die psychische Belastung ist immens, inklusive der fehlenden Perspektive, aus der Armut je herauszukommen, die fehlende soziokulturelle Teilhabe, fehlenden Regenerationsmöglichkeiten (Ausflüge, Urlaub in Natur ...), der fehlende soziale Rückhalt, Beistand, die Wurzellosigkeit und die vollständig allein für Kind/er zu leistende Fürsorge und zu tragende Verantwortung: das alles ist Arbeit, ist Leistung. Lebensleistung.
Statt Wertschätzung begegnet man unfreiwillig allein alleinerziehenden, überzeugt ledigen, mittellosen Frauen, Müttern wie mir mit Verachtung, Vorwürfen, Belehrungen oder Herablassung, Herabsetzung.
Kapitalismus ist Konservatismus ist Patriarchat, Androkratie. Nach wie vor global so.
7. Abhilfe schüfe bspw. ein emanzipatorisches, existenzsicherndes BGE, ein ebensolches Sorge-Gehalt, allen daran interessierten Menschen zugängliches cohousing (Wahlverwandtschften, gemeinschaftliches, selbstverwaltets, konsentbasiertes Wohnen, idealerweise generationenübergreifend) und oben schon genannte angemessene, zeitgemäße Definition von Arbeit, insbes. gemeinwohlorientiert. Gemeinwohl ist mit Kapitalismus, Neoliberalismus augenfällig unvereinbar.
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Lauterbach K, Lüngen M, Stollenwerk B, Gerber A, Klever - Deichert G. Zum Zusammenhang zwischen Ei n- kommen und Lebenserwartung. Studien zu Gesundheit, Medizin und Gesellschaft 2006; Köln: Ausgabe 01/2006 vom 25.02.2006
Zur oben verlinkten Studie -
Lauterbach K, Lüngen
M, Stollenwerk B, Gerber A, Klever
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Deichert G. Zum Zusammenhang zwischen Einkommen und Lebenserwartung. Studien zu Gesundheit, Medizin und Gesellschaft 2006; Köln: Ausgabe 01/2006 vom 25.02.2006 -
Allein die Balken auf Seite 7 zeigen anschaulich die vorsätzliche, politische gewollte Vernichtung von materiell armen Menschen (Geringverdienern, Erwerbslosen ...) - durch deren höhere Sterblichkeit aufgrund materieller Armut und all ihrer Folgen - auf.
Denn diese materielle Armut wurde politisch absichtsvoll installiert: zuletzt durch die Agenda 2010, Niedriglöhne, Ausbeutung, Hartz IV und wird ebenso absichtsvoll weiterhin politisch (durch Regierungspolitiker, politisch Verantwortliche) erhalten.
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Materielle Armut macht krank - physisch und psychisch, insbesondere Hartz 4 mit all seinen Schikanen, Repressalien, der Schwarzen Pädagogik, der Strafe, Dressur, des Zwangs (zu Gehorsam, Unterwerfung), mit all den Entbehrungen und Ausgrenzungs-, Schmerzerfahrungen. Täglich. Oft über Jahre.
Ganze Kindheiten werden hierdurch lebenslang irreversibel geprägt, Kinder, Familien, Beziehungen dauerhaft intensiv beschädigt. - Wenn das nicht Vorsatz, Menschenfeindlichkeit, systematische physische wie psychische Vernichtung ist - was ist es dann? "Hilfe"?: Zum schnelleren Altern, Erkranken, Ableben und zum Suizid.
"(...) Anders als viele körperliche Behinderungen sind psychische Behinderungen meist weder von Unfällen oder schweren körperlichen Erkrankungen verursacht noch angeboren. Sie entwickeln sich vielmehr im Lebensumfeld. Dass dabei soziale und ökonomische Benachteiligungen eine offenbar wesentliche Rolle spielen, zeigt der überproportionale Anteil der Jugendlichen aus Hartz-IV-Familien.
Armut „in hohem Maße mit gesundheitlichen Belastungen verbunden“
„Die ,Nebenwirkungen‘ von Hartz IV – Armut, beengtes Wohnen, geringere Bildungschancen, weniger Teilhabe an der Gesellschaft – können die körperliche, geistige und emotionale Entwicklung von Kindern und Jugendlichen negativ beeinflussen“, stellt DGB-Vorstandmitglied Annelie Buntenbach fest. Bereits 2009 kam der Kinder- und Jugendbericht der Bundesregierung einem ähnlichen Befund: Soziale Benachteiligung und Armut seien „in hohem Maße mit gesundheitlichen Belastungen verbunden“. (...)"
Quelle der zitierten Textpassage: berliner-zeitung.de - "DGB-Studie: Hartz IV-Kinder leiden vermehrt unter psychischen Behinderungen"
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"(...) Der umgekehrte Effekt ist sehr viel weniger signifikant: Ein schlechter oder fehlender Schulabschluss verringert zwar die Erwerbschancen, wirkt sich aber weniger nachteilig auf den Wohlstand einer Person aus, wenn diese vermögend ist oder Kapital besitzt.
Mehr Bildung, weniger Armutsrisiko - was unter günstigen Umständen ohne Zweifel zum individuellen beruflichen Aufstieg taugt, versagt als gesellschaftliches Patentrezept. Denn wenn alle Kinder, was durchaus wünschenswert wäre, mehr Bildungsmöglichkeiten bekämen, würden sie um die wenigen Ausbildungs- und Arbeitsplätze womöglich nur auf einem höheren Niveau, aber nicht mit besseren Chancen konkurrieren. Folglich gäbe es am Ende mehr Taxifahrer mit Abitur und abgeschlossenem Hochschulstudium, aber kaum weniger Armut.
Eine bessere (Aus-)Bildung erhöht die Konkurrenzfähigkeit eines Heranwachsenden auf dem Arbeitsmarkt, ohne jedoch die Erwerbslosigkeit und die (Kinder-)Armut als gesellschaftliche Phänomene zu beseitigen.
So wichtig mehr Bildungs- und Kulturangebote für Kinder aus sozial benachteiligten "Problemfamilien" sind, so wenig können sie das Armutsproblem lösen. Zwar werden die Armen häufig dumm (gemacht), die Klugen aber deshalb nicht automatisch reich. Zu den Menschen, die mit ihrer Hände Arbeit so wenig verdienen, dass sie sich und ihre Familie kaum ernähren können, gehören keineswegs nur schlecht Ausgebildete. Eine fehlende, schlechte oder falsche Schulbildung kann die Armut potenzieren und im Lebensverlauf zementieren. Sie ist jedoch nicht die Ursache materieller Not. Bildung ist deshalb ein nur begrenzt taugliches Mittel gegen die (Kinder-)Armut, weil sie zwar durch soziale Diskriminierung entstandene Partizipationsdefizite junger Menschen mildert, allerdings nicht verhindern kann, dass jemand materiell arm bleibt.
Ohne Frage, Bildungs-, Erziehungs- und Kultureinrichtungen sind für eine gedeihliche Entwicklung und freie Entfaltung der Persönlichkeit sozial benachteiligter Kinder unentbehrlich, weshalb sie nicht - dem neoliberalen Zeitgeist entsprechend - privatisiert, sondern weiterhin öffentlich finanziert und noch ausgebaut werden sollten. Bildung ist jedoch keine Wunderwaffe im Kampf gegen die Kinderarmut, zumal sie immer mehr zur Ware wird. Studiengebühren, Transportkosten und Schul- oder Büchergeld schrecken gerade die Kinder aus sozial benachteiligten Familien vom Besuch einer weiterführenden Schule beziehungsweise einer Universität ab. (...)
Es ist nicht nur politisch unredlich, sondern auch purer Zynismus, den Armen "Bildet euch!" zuzurufen und Erwachsenen wie Kindern beim Hartz-IV-Regelsatz keinen einzigen Cent für Bildung zu gewähren."
Quelle: spiegel.de - "Bildung ist keine Wunderwaffe gegen Armut"
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Qualifizierung und individuell angemessene, bedürfnisorientierte Unterstützung, statt Druck, Zwang, Kontrolle, Härte, Kälte, Strafe.
"(...) Das heißt, dass pro Hartz-IV-Empfänger halb so viel Geld für eine Qualifizierung ausgegeben wird wie bei einem Arbeitslosengeld-Empfänger. Den stärksten finanziellen Einschnitt gab es im Jahr 2011. Damals strich die Bundesregierung die bisher gezahlten Rentenbeiträge für die Hartz-IV-Betroffenen und sparte dadurch rund fünf Milliarden Euro ein. Die Auswirkungen dieser Maßnahme zeigen sich heute: Sie sorgt für eine deutliche Zunahme der Altersarmut bei langjährigen Arbeitslosen. (...)"
"(...) Dennoch: Sie lacht viel und spricht offen über das, was sie erlebt hat. Dass sie bei einem Wohnungsbrand ihre Wohnung verlor. Für eine neue die Kaution nicht aufbringen konnte, weil ihr Mann ohne ihr Wissen Schulden gemacht hatte. Es kein Geld vom Amt gab, weil er Arbeit hatte und die beiden noch nicht geschieden waren. Anderthalb Jahre lebte Sylvia dann auf der Straße, schlief auf Parkbänken, in der S-Bahn oder in Notübernachtungen. Auf einmal obdachlos. Ein Schock (...)"
Eine hervorragende Darlegung der bestehenden Missstände.
"(...) Wenn die Suizide abnehmen, kann das schlicht an besseren Behandlungsmöglichkeiten liegen und entlastet nicht die wirtschaftlichen Verhältnisse. Für eine Gegenprobe sollten die Autoren neueste Zahlen aus Griechenland betrachten ("Es ist kein Geheimnis, dass aufgrund der Krise längst Menschen sterben").
Abseits solcher wissenschaftstheoretischer Scharmützel über Korrelation und Kausalität begehen Dornes und Altmeyer aber einen schwerwiegenden logischen Fehler: Sie scheren viele verschiedene Bedeutung des Begriffs "Depression" über einen Kamm und bringen diese so in einen Zusammenhang, dass sie zu ihrer verneinenden Antwort kommen. (...)
Der Autoren-Irrtum besteht in der Annahme, es gäbe so etwas wie eine "echte" Depression und unterschiedliche, mehr oder weniger zutreffende Weisen, ihr Auftreten zu messen. Selbst hartgesottene Biopsychiater leugnen aber nicht, dass die Kriterien psychischer Störungen von Fachleuten am Konferenztisch festgelegt werden und sich auch im regelmäßigen Abstand von zehn bis zwanzig Jahren verändern. Diese Änderungen werden in medizinischen Handbüchern wie dem amerikanischen DSM oder dem internationalen ICD kodifiziert und beeinflussen medizinische Forschung wie Praxis.
Epidemiologen, deren Forschung Dornes und Altmeyer als Belege anführen, verwenden aber eigene Kriterien und Methoden, Stichwort Forschungsfreiheit. Wenn diese keine Zunahme psychischer Störungen feststellen, dann heißt dies aber nicht zwingend, dass es keine Zunahme gibt. Allein die Tatsache, dass Emil Kraepelin, Vorreiter der heutigen wissenschaftlichen Psychiatrie, einst zwei Störungen für hinreichend hielt, die neueste Auflage des DSM aber schon 400 unterscheidet, sollte einen zur Vorsicht mahnen. Die Häufigkeit nur einer psychischen Erkrankung auf die Entwicklung des Kapitalismus zu beziehen ist dann so aussagekräftig, wie die Inflation am Preis nur eines einzigen Produkts festzumachen. (...)
Denn selbst wenn die Häufigkeit bestimmter psychischer Symptome in Europa noch so gut gezählt wird, gibt dies wenig Aufschluss über die klinische Signifikanz im Einzelfall. Die Feststellung dieser Epidemiologen, jährlich würden ca. 40 Prozent der europäischen Bevölkerung mindestens einmal an einer psychischer Störung leiden - und dies wohlgemerkt nur auf Grundlage der Untersuchung von 27 der 400 nun schon unterschiedenen Störungen! -, sollte einem zu denken geben.1
Denn offensichtlich kommen ganz viele dieser als psychisch krank gezählten Menschen auch ganz gut ohne medikamentöse oder psychotherapeutische Hilfe zurecht. Deshalb sollte man aber nicht übersehen, dass es umgekehrt Menschen gibt, die von solcher Hilfe deutlich profitieren würden, sie aber aus verschiedensten Gründen nicht in Anspruch nehmen (können). (...)
Allerdings widersprechen Teile der von Dornes und Altmeyer zitierten epidemiologischen Studien sogar ihrer Erklärung. So hat sich nämlich das altersabhängige Muster der Häufigkeit bei Gefühlsstörungen einschließlich Depressionen zwischen den großen Erhebungen in Deutschland von 1998 und 2013 umgekehrt: Während damals die Befragten im höheren Alter häufiger betroffen waren, fanden die Forscher bei der neueren Untersuchung in der Altersgruppe 18 bis 29 Jahre mit 10 Prozent eine höheres Aufkommen depressiver Symptomatik als in allen anderen Altersgruppen (6 bis 8 Prozent).2
Diese Unterschiede könnten sehr wohl durch zunehmende Zukunftsunsicherheit oder Leistungsdruck bedingt sein. In dieselbe Richtung weisen Befunde der Techniker-Krankenkasse, die allein für die Jahre 2006 bis 2010, also parallel zur Einführung des Bachelor-Master-Systems, fast eine Verdopplung der verschriebenen Antidepressiva für Studierende und gleichaltrige Nicht-Studierende dokumentieren. Dabei bekommen die Studierenden insgesamt wesentlich mehr Antidepressiva verschrieben. (...)
Jenseits der zum Scheitern verurteilten Suche nach der "echten" Depression gibt es jedoch aussagekräftige Gesundheitsdaten, die sich mit Blick auf gesellschaftliche Entwicklungen interpretieren lassen. So sind die Zahlen diagnostizierter psychischer Störungen und verschriebener psychopharmakologischer Medikamente insgesamt in den letzten Jahrzehnten angestiegen. Da es sich dabei um sozial institutionalisierte Akte handelt - ein Arzt oder Psychologe diagnostiziert und behandelt im Rahmen des vorhandenen Abrechnungssystems -, lassen sich diese auch vergleichsweise leicht zählen.
Unter dem Stichwort "versorgungsbedingte Verzerrungen" diskutieren Dornes und Altmeyer den Effekt, dass sich in wohlhabenden Städten wie Würzburg mehr Gesundheitsdienstleister niederlassen und dort auch mehr psychische Störungen diagnostiziert werden. Mit der Einführung des marktwirtschaftlichen Modells für das Gesundheitssystem wurden sogar öffentlich-rechtliche Universitätskliniken zu profitorientierten Unternehmen gemacht. Dass diese anschließend die Anzahl ihrer "Kunden" erhöhen wollen oder gar müssen, überrascht nicht. Denn nur mit Kunden kann man Gesundheitsleistungen abrechnen.
Wie man diese Zunahme auch interpretiert, ein soziales Faktum ist, dass sich stets mehr Menschen eine psychologisch-psychiatrische Behandlung angedeihen lassen beziehungsweise dies ihren Kindern auferlegen. Ein Erklärungsansatz hierfür, den die Autoren nicht miteinbeziehen, ist die voranschreitende Medikalisierung und Pharmakologisierung von Lebensproblemen. (...)
Ähnliches lässt sich für Angst oder Störungen des Sexuallebens nachweisen. Transhumanisten wie Aubrey de Grey wollen sogar das Altern schlechthin zu einer behandelbaren Erkrankung umdefinieren: Dadurch würde jeder Mensch unausweichlich zum chronischen Dauerpatienten. Durch die Ausdehnung des medizinischen Bereichs auf immer weitere Felder, verdienen eine ganze Reihe von Spezialisten sehr gut mit und es ist sogar dem Bruttoinlandsprodukt zuträglich.
Anstatt nach der "echten" Depression zu fahnden oder sich das epidemiologische Plazet abzuholen, hätten Dornes und Altmeyer einige harte Gesundheitsdaten in Betracht ziehen können, die aus der von ihnen konstatierten Periode der Ausbreitung des Kapitalismus fallen. So ist weithin bekannt, dass die Anzahl verschriebener Antidepressiva oder Medikamente zur Behandlung von Aufmerksamkeitsstörungen seit den 1980er Jahren explodiert ist. (...)
Warum so viele Menschen heutzutage auf dieser allgemein auch "Stimulanzien" genannten Mittel angewiesen sind, ist ein soziales Phänomen, das einer Erklärung bedarf. In den USA kam es trotz der drastisch erhöhten Produktionsmenge wiederholt zu Engpässen. Für diejenigen, die die Substanzen nicht nur zum Durchhalten brauchen, sondern sogar körperlich abhängig sind, sind die Folgen nicht einlösbarer Rezepte dramatisch. Wohl deshalb packte die US-Regierung von 2012 auf 2013 noch einmal 32 Tonnen MPH (+ 50 Prozent) und 14 Tonnen AMPH (+ 41 Prozent) drauf.
Manche Experten versuchen, die steigenden Verschreibungszahlen auf einen Durchbruch in der Wissenschaft, also der Pharmakologie oder weit gefasst den Neurowissenschaften, zurückzuführen. Diese Erklärung überzeugt jedoch nicht: AMPH ist seit über 100 Jahren bekannt und wird spätestens seit den 1930er Jahren zur Behandlung von Verhaltensauffälligkeiten bei Kindern (und zur Leistungsoptimierung von Soldaten) eingesetzt, das pharmakologisch ähnliche MPH wurde schon in den 1940er Jahren entdeckt.
Pillen zur Leistungsoptimierung…
Zudem haben Medizinanthropologen wie Nicolas Rasmussen von der australischen University of New South Wales festgestellt, dass der heutigen Stimulanzienepidemie bereits eine in den USA der 1950er und 1960er Jahre vorausging.3 Die Substanzen wurden damals offensiv als Mittel zur Leistungssteigerung am Arbeitsplatz und im Haushalt beworben und auch dafür verschrieben, dass Menschen ihre sozialen Rollen erfüllen. Das Verschreibungsniveau von AMPH für das Jahr 1969 wurde, zählt man nun MPH und AMPH zusammen, 2005 wieder überschritten. (...)
Darin äußert sich auch eine Doppelmoral der Gesellschaft im Umgang mit Drogen: Konsumieren junge Menschen AMPH - Szenename: Speed - als Spaßdroge, dann kommt die Polizei; neben Geldstrafe und Sozialarbeit drohen Führerscheinentzug, psychiatrische Zwangsbehandlung und/oder Inhaftierung. Verschreiben Ärzte Stimulanzien zum besseren Funktionieren in Schule oder am Arbeitsplatz, dann wird dies "Therapie" genannt. Auch viele Medizin- und Neuroethiker, die auf staatliche oder privatwirtschaftliche Forschungsmittel angewiesen sind, schauen dann weg.
…und moralischen Erziehung
Ein einflussreiches Beratergremium des US-Präsidenten legte 2003 in einem öffentlichen Bericht nahe, dass die Mittel Kindern zur Leistungssteigerung, für bessere Chancen im Wettbewerb und zur moralischen Erziehung verschrieben werden: Es gehe darum, sich zu Hause und in der Schule, in Reaktion auf Autorität und im Umgang mit Familien und Freunden sozial angemessen zu verhalten; Stimulanzien für mehr Rücksicht, Aufmerksamkeit, die Ausführung von Aufträgen, das Übernehmen von Verantwortung, den Umgang mit Stress und Enttäuschung sowie das Einüben von Selbstkontrolle.4 Webers protestantischer "Geist des Kapitalismus" lässt grüßen.
Wissenschaftler liefern Klinikern die passende Rechtfertigung für die Verschreibungspraxis: Die Kinder hätten eben eine Gehirnstörung. In den 1960er Jahren nannte man es noch Minimal Brain Disorder (MBD), heute nennt man es Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS). Der (Trug-) Schluss ist, dass Kinder, die sich nicht so verhalten, wie die Erwachsenen es für normal halten, auch nicht richtig im Gehirn "ticken".
Wissenschaftler rechtfertigen Hirneingriffe
Damals wie heute suchen deshalb zahlreiche Pharmakologen und Hirnforscher nach dem biologischen Korrelat dieser Störung; vergebens. Damals wie heute diagnostizierte man die Gehirnstörung komischerweise nicht im Gehirn, sondern durch Gespräche und Verhaltensbeobachtung. Dennoch greift man ins Hirn ein, wo man freilich alles menschliche Denken, Fühlen und Handeln beeinflussen kann.
Auch wenn man sich einen Zeh bricht, dann kann man den Schmerz im Fuß behandeln, wo er entsteht, oder im Gehirn, wo er bewusst wird. Kinder haben keine Chance, die Denkfehler der Erwachsenen, die es ja nur gut mit ihnen meinen, zu durchschauen. Für manche sind die Stimulanzien zweifellos eine wichtige Hilfe; andere bezahlen mit psychischen und physischen Nebenwirkungen, Folgen der Stigmatisierung, der Idee, dass mit ihnen etwas nicht stimmt, und fehlender Erfahrung von Selbstwirksamkeit einen ungerechtfertigten Preis.
Elite-Studierende brauchen Motivationspillen
Scott Vrecko vom Londoner King's College führte mit Studierenden Interviews, die an einem Elite-College in den USA MPH konsumierten. Seine Analysen ergaben, dass die Studierenden damit vor allem Motivationsprobleme beheben und ihr Durchhaltevermögen verbessern wollten.5 Obwohl sie sich bereits in den harten Aufnahmeprüfungen als Top-Performer bewiesen hatten, schien ihnen ihr Studienstoff nicht interessant genug, um ihn ohne Stimulanzien zu bewältigen.
Dies sind anekdotische Befunde, die vorsichtig interpretiert werden müssen. Doch es gibt auch quantitativ erhobene repräsentative Zahlen, die Leistungsdruck und Wettbewerb mit dem Konsumverhalten psychopharmakologischer Substanzen in Zusammenhang bringen.6 Wie schon erwähnt, muss man sich davor hüten, aus Korrelationen vorschnell einen Kausalzusammenhang abzuleiten. Doch solche Daten liefern zumindest Indizien dafür, dass es Interaktionen zwischen Gesellschaftsform, psychischer Gesundheit und pharmakologischem Konsumverhalten gibt.
Soziale Verhältnisse können krank machen
Erhärtet sind die sozialen Mechanismen psychischer Störungen schon lange - und zwar durch empirische Daten. In jahrzehntelangen Bemühungen haben Sozial- und Verhaltensforscher zahlreiche Evidenzen dafür zusammengetragen, dass zum Beispiel die Gesundheitsversorgung, sozioökonomischer Status, Partnerschaftssituation, Kinder im Haushalt, Geschlecht, schwierige Lebensereignisse und Alter mit der psychischen Gesundheit zusammenhängen.7 Auch führende Biopsychiater anerkennen wieder zunehmend Umwelt- und kulturelle Einflüsse, beispielsweise der Schizophrenie oder Depression. (...)
Damit will ich nicht abstreiten, dass das vorherrschende Behandlungssystem Vorteile hat. Viele Kunden der Gesundheitsdienstleister sind dankbar dafür, sich beim Experten eine medizinische Entschuldigung für ihr Scheitern abholen zu können: Es ist nicht mein Fehler, ich bin bloß (gehirn-)krank! Durch den Konsum mancher psychopharmakologischer Mittel fühlt man sich einfach besser und macht gesellschaftliches Funktionieren wieder mehr Spaß.
Zudem freuen sich Biopsychiater über den milliardenschweren Geldsegen von Staat und Industrie zur Produktion in der Regel praktisch irrelevanter wissenschaftlicher Publikationen, etwa zur "molekularen Psychiatrie". Als Gegenleistung liefern sie eine Rechtfertigung für den Status quo und stabilisieren somit das vorherrschende System. Psychiatrie ist eben politisch.
Kritische Reflexion statt rosaroter Brille
Dennoch, Transparenz, Ehrlichkeit und Authentizität genießen in diesem System keinen hohen Stellenwert. (...)
Zusammenfassend lässt sich also feststellen: Die psychologische Unbedenklichkeitserklärung des Kapitalismus von Dornes und Altmeyer greift zu kurz. Im Gegenteil sind soziale, einschließlich wirtschaftliche Faktoren für die psychische Gesundheit gut belegt. Das Gesundheitssystem ist heute selbst als Markt organisiert und seine Akteure haben ein großes Interesse an der Ausdehnung ihrer Dienstleistungen; dazu passen steigende Diagnose-, Behandlungs- und Verschreibungszahlen.
Wissenschaftler verdienen eifrig mit und liefern eine inhaltliche Rechtfertigung für das System, vor allem durch die biologische/neurowissenschaftliche Sichtweise, obwohl trotz jahrzehntelanger Forschung keine einzige der 400 Störungen zuverlässig im Gehirn diagnostiziert werden kann. Das Individuum wird in Form von Aufmerksamkeit und/oder Psychopharmaka funktionstüchtig gehalten und erhält obendrein, durch das biologische Modell, eine Entschuldigung angeboten: Psychische Störungen sind dann nichts mehr, wofür irgendjemand verantwortlich gemacht werden müsste, sondern Naturereignisse, die uns überkommen. (...)"
Quelle: heise.de - "Kapitalismus und psychische Gesundheit"
Farbliche Hervorhebungen habe ich vorgenommen.
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Es gäbe diverse Möglichkeiten, Abhilfe zu schaffen - es fehlt jedoch, wie stets, der politische Wille hierzu. Denn: Auch hier geht es zumeist um Menschen, die nicht erwerbstätig sind (sein können), damit wirtschaftlich nicht verfügbar, funktionalisierbar, verwertbar - genau wie Alte, Pflegebedürftige, chronisch Kranke, Geflüchtete, Sterbende und Menschen im Hartz-Vollzug. Sie gelten sämtlich als lästig, belastend bis überflüssig, d e s h a l b hat die neoliberale Politik keinerlei Interesse an der Verbesserung ihrer Lebenssituation.
Großartig. Der richtige Weg.
r e a k t i v e Aggression und Gewalt
Zusätzliche Quellen, Artikel zum Thema auch in diesem blog-Eintrag eingebunden/verlinkt.
Über Leistungsideologie, Meritokratie, Neoliberalismus, Glück, Zufall, Chancen(un)gleichheit, Willensstärke, Schwarze Pädagogik, Selbstoptimierungszwang, Ausbeutung, freiwillige Knechtschaft ... - Sabeth schreibt
phoenix-Runde vom 27.06.2017 - "1000 Euro für jeden - Wie sinnvoll ist das Grundeinkommen?" Zur phoenix-Runde "1000 Euro für jeden - Wie sinnvoll ist das Grundeinkommen?": Die beiden Damen (Anke ...
http://kallisti-dichtet-belichtet.over-blog.com/2017/04/uber-leistungsideologie-meritokratie-neoliberalismus-gluck-zufall-chancen-un-gleichheit-willensstarke-schwarze-padagogik-selbstoptim
Über Strafe, das Strafen, Straftäter, das Täter-Opfer-Verhältnis, Reue, Wiedergutmachung ... - Sabeth schreibt
Über Strafe, das Strafen, Straftäter, das Täter-Opfer-Verhältnis, Reue, Wiedergutmachung ... Das Strafen hat wesentlich drei Aspekte, d.h. es soll aus Sicht des Strafenden alle drei oder jedenf...
http://kallisti-dichtet-belichtet.over-blog.com/2017/11/uber-strafe-das-strafen-straftater-das-tater-opfer-verhaltnis-reue-wiedergutmachung.html
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