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Sabeth schreibt - Lebenskunst für Laien

Poesie Melancholie Philosophie Feminismus Anarchismus - non serviam.

Mein ganz persönliches regretting motherhood

 
10. September 2023
 
allein alleinerziehend - Frau, Mutter, ledig, arm
Frage mich jetzt, mit 50 Jahren, nach 30 Jahren für zwei Kinder geleistete Sorge-Arbeit in Armut, wie es bei anderen Alleinerziehenden so ist:
 
Wart ihr auch jahrelang regelmäßig mit eurem Kind allein auf Spielplätzen, im Zoo, Wald, Park?
 
Habt ihr auch alle Kindergeburtstage entweder gar nicht bzw. allein "zu zweit" feiern können (wie bei uns bei Tochter) oder nur mit Freunden des Kindes (wie bei Sohn) und nie mit Kindesvater und/oder anderen Verwandten, Familie, Großeltern, neuem Partner?
 
Habt ihr mit euren Kindern auch deren gesamte Kindheit und Jugend hindurch nie, nicht ein einziges Mal Urlaub machen, verreisen können?
Und auch keine Ausflüge in umliegende Natur, weil zu weit entfernt, zu schwer erreichbar, zu teuer - mit dem ÖPNV?
 
Habt ihr auch keine Parties gefeiert, keine Festivals, Konzerte, Kulturveranstaltungen, Theater, Oper, Kabarett besucht, seid ca. drei Jahrzehnte in kein Restaurant, Café (als Gast) gegangen - wenn, dann nur eure Kinder, mit anderen Menschen, weil: zu teuer?
 
Wart ihr auch an Weihnachten und Silvester jedes Jahr, 30 Jahre lang - Lebensjahre: eure - allein mit dem jeweiligen Kind (meine beiden haben einen Altersabstand von 13 Jahren, sind somit zwei Einzelkinder) oder allein und das Kind bei Freunden feiern?
 
Und wenn es um sowas wie Reparatur von Hausrat, Fahrrad (des Kindes, ich selbst hatte mehr als 20 Jahre kein Rad) oder Renovierung der Wohnung (bspw. wegen Umzug) ging, hattet ihr da auch niemanden, der euch geholfen hat, musstet alles allein organisieren, bewältigen?
 
Und wenn ihr krank wart oder geworden wärt, bspw. auch mit stationärem Klinikaufenthalt, wer hat oder hätte dann eure (kleinen) Kinder versorgt und: wo, wie, wie lange?
Oder wenn euch etwas "zugestoßen" wäre ... - wie, wo wären eure Kinder dann "untergekommen"?
 
Musstet ihr auch mit Jugendamt und wiederholt bzw. dauerhaft mit anderen Behörden, staatlichen Institutionen, Gerichten/Justiz, Schule und Jobcenter kämpfen - ums Existierendürfen ohne Strafe, Sanktionen: Kürzung des Existenzminimums? Ohne sozialen, familiären Beistand, Rückhalt, tatkräftige, praktische Unterstützung, Hilfe, gerade im Alltag durch all die Jahre hindurch?
 
Seid ihr infolge all dessen - 30 Lebensjahre überzeugt ledig, unfreiwillig mit zwei Kindern allein alleinerziehend in Armut, ohne Familie, Unterstützung, "soziales Netz" - auch physisch oder psychisch chronisch krank geworden?
Wertschätzung? Teilhabe? Selbstbestimmung?
 
Und das alles nur, weil ich keiner wohlhabenden, vermögenden Familie entstamme, keine Herkunftsfamilie, Eltern hatte/habe, mich nicht zur Ehe-Magd knechten und nicht mittels Niedriglohnmaloche ausbeuten ließ/lasse. Menschenwürde.
 
Nur weil man liebt, gibt, liebesfähig ist, lieben, geben, sorgen will und kann und das "sogar" selbstverständlich findet, heißt das nicht, dass man selbst ein bedürfnisloses Objekt, Gebrauchsgegenstand, eine Maschine oder Masochistin ist.
Mutter
 
Ehe, Kleinfamilie: meine Frau, meine Kinder, mein Haus, mein Auto, mein Eigentum, meine "Arbeit", meine "Leistung" - ICH ICH ICH.
Mein Selbstbetrug. Meine Liebesunfähigkeit und Unreife. Als Mann.
Patriarchat. Ich habe die Scheisse so satt!
 
Und ertragt, bewältigt ihr diese ganze existenziell belastende, beschädigende, sukzessive vernichtende! Scheisse, patriarchale, staatliche Gewalt auch lebenslang bereits vollkommen nüchtern: ohne jegliche Drogen, Alkohol, Kiffen, Tabletten, übermäßiges Essen oder andere Sucht, Süchte, Konsumismus, Ersatzbefriedigung?
 
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update 16. August 2023
 
Mütterkult
 
Ihr wollt keinen "Mütterkult" - keine Wertschätzung von Müttern?
 
Ja, ich war auch mal so dumm, naiv, manipulierbar, mir diesen patriarchalen Dreck einreden zu lassen.
 
Nein, nicht alle biologischen Mütter sind auch gute soziale Mütter, die hierzu zu stellende Frage ist:
Aus welchen Gründen sind oder waren sie es nicht? Warum konnten sie es nicht sein?
Stichworte Armut, Alleinerziehendsein, fehlende weitere Bezugspersonen - nicht: Betreuungspersonal, Fremdbetreuung, chronische psychische oder physische Erkrankungen, Traumatisierung, Gewalterfahrung, Vernachlässigung in eigener Kindheit, unfreiwillige Schwangerschaft und Mutterschaft, ohne Möglichkeit, legal und medizinisch sicher abtreiben, einen Abbruch vornehmen lassen zu können, weitere belastende, beschädigende Lebensumstände, Arbeit u.a.m..
 
Und dann mal ganz Grundsätzliches:
 
Mindestens und jedenfalls beim Kinderzeugungsfick, Geschlechtsverkehr, hatte jedenfalls der biologische Kindesvater seinen Spaß: seinen Schuss, seinen Orgasmus, seinen Erguss, seine Befriedigung.
Was die biologische Kindesmutter betrifft, ist das keineswegs so selbstverständlich der Fall, sie kann leider auch ohne sexuelle "Befriedigung", Erfüllung und sogar unter Schmerzen beim Geschlechtsverkehr, bei Penetration, bei der Kindeszeugung schwanger werden/geworden sein.
 
W e r aber hat danach alle physischen, psychischen, emotionalen, zumeist auch sozialen und existenziellen "Herausforderungen", Belastungen mehrheitlich oder auch alleinig zu tragen: die Schwangere, die werdende Mutter, die Frau.
 
In i h r e m Leib wächst und entwickelt sich der Embryo, der Fetus, das Ungeborene.
 
S i e hat - nicht immer, aber doch meistens - die Schwangerschaftsbeschwerden auszuhalten: Übelkeit (nicht nur die ersten drei Monate), Brustschmerzen, Verdauungsbeschwerden, ggf. Ödeme, die mit zunehmendem Bauchumfang einhergehenden Bewegungseinschränkungen, auch im Liegen, beim Schlafen, Verdrängung innerer Organe, Sodbrennen, Dehnungsstreifen/Schwangerschaftsstreifen und noch anderes mehr - bis hin zu Schwangerschaftsdiabetes, Präeklampsie und Gestose etc.. 
 
Es ist i h r Körper, auf, an, in dem Schwangerschaft, Geburt/Gebären und Stillen ihre Spuren irreversibel hinterlassen, auch bspw. Dammschnitte oder -risse, durch das Stillen erschlaffte Brüste, Veränderungen der Vulva, Gebärmuttersenkung u.a.m..
 
S i e, die Frau, die (werdende) Mutter, die Gebärende ist es, die die Schmerzen der Wehen, Geburt, des Gebärens zumeist über Stunden zu ertragen, zu durchleiden hat.
 
S i e ist es, die vom Stillen (anfangs) nicht selten wunde, sogar blutende Brustwarzen hat, die bei jedem Anlegen höllisch wehtun.
 
S i e hat ggf. Blasen- und Brustentzündung nach Geburt (wegen bspw. gelegtem, verunreinigten Blasenkatheter) und durch das Stillen.
 
S i e hat den Wochenfluss, kann wegen Dammriss oder -schnitt wochenlang kaum sitzen, hat Nachwehen und i h r e inneren Organe, vor allem aber Vagina und Vulva müssen sich erst wieder allmählich "zurückbilden", soweit es nach mehreren (vaginalen) (Spontan-) Geburten noch und je individuell möglich ist.
 
Nein, Schwangerschaft, Geburt/Gebären und Stillen sind keine Krankheiten, aber zweifelsohne sind sie dennoch meistens physisch, nicht selten auch psychisch belastend, beschwerlich, beeinträchtigend für die jeweilige Frau, Schwangere, Gebärende, Mutter - und sie hinterlassen irreversible Spuren, manchmal auch Blessuren, in schlimmen Fällen auch ein Trauma.
All das: bei der Frau, der Mutter - nicht beim Mann, Vater.
 
Es ist die biologische Frau, die entstehendes, werdendes Leben in, durch, mit ihrem Leib neun Monate trägt, schützt, dafür auch auf einiges verzichtet, die sich zurücknimmt, dies ohnehin und noch weit mehr, wenn das Kind geboren ist.
 
Es ist die biologische Frau, die neues Leben, einen neuen Menschen - unter starken Schmerzen, Wehen - zur Welt bringt.
Durch ihre Vagina und Vulva muss der Kopf des Babys herausgepresst werden - unter sehr starken Schmerzen. Und ihre Vulva fühlt sich dadurch, dabei wie zerfetzt ... an. Nicht die Genitalien des Mannes, Vaters.
Ihr Damm wird nach der Geburt genäht. Nicht der des Mannes, Vaters.
S i e hat die Dammnaht.
 
Es ist die biologische Frau und Mutter, die dann fast immer als auch soziale Mutter die erste Hauptbezugsperson, wichtigste Bindungsperson für das Neugeborene, den Säugling, das Kleinkind ist. Auch durch das Stillen, siehe Oxytocin. Mutter-Kind-Bindung.
 
S i e ist es, die es stillt, nährt, pflegt, umsorgt, seine Bedürfnisse fürsorglich, zugewandt, aufmerksam, empathisch, liebevoll und unermüdlich Tag und Nacht erfüllt - und infolgedessen nicht selten bald physisch und psychisch auf dem Zahnfleisch geht, weil sie selbst, vor allem im ersten Jahr, zumeist aber auch noch bis zum dritten Lebensjahr des Kindes, oft auch noch länger (siehe auch kranke Kinder) nachts nicht mehr durchschlafen, mal in Ruhe essen oder duschen, einkaufen, den Haushalt bewältigen ... kann. Geschweigedenn irgendetwas anderes für sich in Ruhe und längere Zeit, ohne Unterbrechung, tun.
 
S i e ist es, die das Kind meistens wickelt, füttert, trägt, wiegt, streichelt, massiert, es in den Schlaf singt, mit ihm spielt, dafür sorgt, dass es nicht überreizt wird, sich aber auch nicht langweilt (als Kleinkind und älteres Kind), dass es nicht schwitzt oder friert, dass es nicht Hunger leidet, dass es gesund ernährt wird, dass seine physische und psychische Entwicklung gut verlaufen kann, dass es zur richtigen Zeit das passende "Spielzeug", Materialien, Gegenstände, die alters-, kindgerechte Umgebung hat, ausreichend frische Luft, Natureindrücke, Naturkontakt erhält, vor Schaden, Gefahr, Verletzungen bewahrt, beschützt wird, sich nicht nachts ängstigt, nicht unter Trennungs-, Verlustschmerzen leidet, sich frei und individuell entfalten, ausprobieren, die Welt entdecken, erkunden, begreifen (lernen) kann und etliches andere mehr.
 
S i e ist es, die rund um die Uhr achtsam, aufmerksam und empathisch ist, die die feinen Antennen hat, sofort auch nachts aufwacht, wenn das Baby sich regt, Geräusche von sich gibt.
S i e ist es, die sich darum kümmert, dass es im Schlaf nicht überhitzt oder friert, dass es die Lage wechselt usw., die nachsieht, ob alles in Ordnung ist, ob es ihm gutgeht, ob es sich wohlfühlt. Tags wie nachts. 
 
S i e ist es auch, die nicht selten vom biologischen Kindesvater allein-, im Stich gelassen wird.
 
Der Kindesvater, der all die Sorge-Arbeit n i c h t leistet: Tag und Nacht.
Der n i c h t alltäglich Fürsorge leistet und Verantwortung für das psychisch-emotionale, physische, soziale Wohlergehen seines Kindes trägt.
Der oft nicht einmal wenigstens den Mindestunterhalt zahlt und/oder auch nicht von seinem Umgangsrecht Gebrauch macht.
Der säumige, verantwortungslose "Vater". Der dennoch nicht als Rabenvater bezeichnet, diffamiert, ausgegrenzt, geächtet wird, wenn/obwohl e r sich einfach aus dem Staub macht, seiner Verantwortung entzieht, sein K i n d im Stich lässt, zurücklässt: "entsorgt".
 
Wie praktisch, dass es ja noch die - biologische und soziale - Mutter, Frau gibt. Die sich kümmert. Die alles leistet, erträgt, bewältigt. Jeden Tag. Jede Nacht. Jahre lang. Auch selbst: mutterseelenallein. Allein alleinerziehend.
 
Es ist nach wie vor mehrheitlich weltweit, auch in Deutschland, die biologische und soziale Mutter, die den Hauptteil, als allein Alleinerziehende - ohne weitere Bezugspersonen (Kindesvater, Großeltern, weitere Familie oder enge Freunde) - auch die alleinige Verantwortung trägt und Sorge-Arbeit leistet: physisch, psychisch-emotional, sozial, inklusive Haushalt, nicht selten zusätzlich zu Lohnarbeit, Erwerbstätigkeit oder Ausbildung, Studium, Jobs und oft auch für mehrere Kinder.
 
Es ist die biologische und soziale Mutter, Frau, die dafür nach wie vor keinerlei, nicht einmal wenigstens gesellschaftliche und politische Wertschätzung erhält - oft nicht einmal vom Kindesvater und/oder ihren (älteren oder erwachsenen) Kindern, der "Familie" - von einem Sorge-Gehalt, Einkommen ganz zu schweigen.
 
Nein, es wird nicht mehr über all das, diese systematische, staatliche, kapitalistische, patriarchale Ausbeutung der biologischen und sozialen Frau und Mutter und über das Mütterbashing sowie über regretting motherhood und weltweite Frauenarmut, Mütterarmut geschwiegen.
Es wird nicht mehr einfach ausgehalten, durchgestanden, geleistet, bewältigt, "klaglos", devot als selbstverständlich, als "normal" hingenommen zumindest nicht, was mich betrifft.
 
Was wäre diese Welt ohne empathische, fürsorgliche, liebevolle, verantwortungsvolle, gebende Frauen und Mütter.
 
Das Mindeste, das ihnen zusteht, ist echte, nicht bloß geheuchelte Wertschätzung, d.h. auch: angemessene Entlastung, Unterstützung, Beistand, Rückhalt: sozial, emotional, existenziell - durch die Gesellschaft, Gemeinschaft, von Politik, Regierenden. Fürsorge für sie selbst: die unentbehrlichen, unersetzlichen Frauen, Mütter, Sorgenden, Gebenden, Arbeitenden, Entbehrenden, Verzichtenden, Liebenden.
 
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02. Januar 2023
 
regretting motherhood
 
Mutterschaft, Mutterliebe, Hingabe, Selbstaufgabe, Muttermythos, Mutterhass, Muttermord, Matrizid, Femizid, Maskulinismus, Androzentrismus, Biologismus, Misogynie, maligner Narzissmus, Autoritarismus - Patriarchat
 
Ich bin es leid, Mutter zu sein.
Ich bin es nach 30 Jahren leid, als biologische und soziale Frau, als ledige, unbemittelte, allein alleinerziehende Mutter, gratis Sorge-Arbeit Leistende, systematisch ausgebeutet, entwertet, bevormundet, verhöhnt, staatlich mit Armut bestraft, misshandelt, beschädigt, auf Raten vernichtet zu werden.
 
Kapitalismus, Patriarchat:
 
Autoritarismus, Zwang, Härte, Strenge, emotionale Kälte und Verpanzerung, Strafe, Rache, Macht, Kontrolle, Beherrschen-, Unterwerfenwollen, Narzissmus, Knechtung, Objektifizierung, Entwertung, Ausbeutung, Grausamkeit, Sadismus - Gewalt, Vernichtung.
 
Kompensationsverhalten.
Intellektuelles, soziales, emotionales Defizitärsein, Liebesunfähigkeit, Unreife - charakterliche Armut, Schwäche.
Das Gegenteil von Souveränität, Stärke: Charakterstärke, Herzensbildung, Persönlichkeitsreife.
 
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22. Dezember 2023
 
Édouard Louis - das Buch über seine Mutter, "Die Freiheit einer Frau", möchte ich unbedingt lesen. Ich wünschte, mein fast gleichalter, 30-jähriger Sohn wäre auch so mitfühlend und reflektiert. ...
 
"Es ist mitten in der Nacht, als in ihrer zu kleinen Wohnung in einem  nordfranzösischen Provinznest, eine junge Frau, Mitte zwanzig, drei  Kinder und zweimal verheiratet, die Scorpions voll aufdreht. Als  ihr jüngster Sohn, ein Kleinkind noch, von der Musik geweckt, sich  darüber beschwert, schreit sie, die sonst nie tanzt und selten die  Stimme erhebt, ihn an. "Verdammte Scheiße, lasst ihr mich denn niemals  glücklich sein?" (...)
Hatte ihrem Ehemann die harte körperliche Arbeit und das unzureichende  Sozialsystem "die Luft genommen", so ist es nun er, der die Gewalt eine  soziale Hierarchiestufe weiter nach unten reicht. Louis' Mutter bricht  ihre Ausbildung der Kinder wegen ab, der erste Ehemann, ein Trinker,  verprügelt sie, der zweite Ehemann, auch ein Trinker, beleidigt sie. Die  inzwischen fünf Kinder sind kaum zu ernähren, eine wirtschaftliche  Katastrophe, die nur gelegentliche Besuche bei der Essensausgabe  abmildern. "Sie hat ihre Träume nicht verwirklicht.
Sie hat, was sie als  Abfolge von Unfällen sah, aus denen ihr Leben bestand, nicht  reparieren können."
 
 
Zwar war ich nie verheiratet, sondern lebenslang überzeugt ledig, habe auch nicht mit Männern (bis auf eine kurze Zeit von 6 Monaten) in Paarbeziehung, Wohnung zusammengelebt, aber vieles, das hier über Édouard Louis´ Mutter gesagt wird, trifft auch auf mich zu. Alleinerziehend.
 
So kam es, dass ich im Alter von Mitte/Ende 40, inzwischen 50, mein Muttersein, Mutterschaft in, wegen einer kapitalistischen, patriarchalen Gesellschaft und Politik/Regierungen bereue: nach 30 Jahren gratis geleisteter Sorge-Arbeit, in Armut vegetierend.
 
Frau, überzeugt ledig, unfreiwillig allein alleinerziehend, nicht selbstverschuldet mittellos - vom Staat, von Regierungen, Kapitalismus, Patriarchat für Selbstbestimmung und Haltung mit Armut b e s t r a f t. Lebenslänglich.
 
Nein, es bedarf weder der patriarchalen Ehe noch der Kleinfamilie. Ganz im Gegenteil. Denn beides ist gerade nicht wohltuend - vor allem für Frauen und Mütter nicht.
Cohousing, statt Ehe, Kleinfamilie, Single-Dasein Mehrere Bezugspersonen unterschiedlichen Alters und Geschlechts für alle Menschen, nicht bezahltes Betreuungspersonal und Einsamkeit, soziale Isolation.
 
Es gibt übrigens noch ein paar weitere offenbar reflektierte, mitfühlende, selbstkritische, liebesfähige Männer, die ihre Wurzeln, Eltern, Herkunft aus Armut, Arbeiterklasse, auch ihre Mütter nicht verleugnet oder herabgesetzt haben: David Graeber, Albert Camus, Pierre Bourdieu.
 
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14. Januar 2023
 
Wer hilft tatsächlich: bedürfnisorientiert, nicht-paternalistisch, wenn Mutter und Tochter infolge langjähriger Armut - in, durch, wegen Hartz IV/"Bürgergeld", typischen einhergehenden Belastungen, Entbehrungen, Folgen - Burnout und Depression "haben"?
 
Ich habe 30 Lebensjahre, meine, gegeben: zwei Kindern. Weil es nicht anders ging: ledig, unbemittelt, allein alleinerziehend.
Dieses Jahr werde ich 50, seit 14 Jahren chronisch physisch krank, seit 10 Jahren ohne medizinische Behandlung. Es geht nicht mehr.
 
Wie meiner Tochter und mir seit 18 Jahren, seit 2005, dürfte es den meisten anderen Betroffenen, Menschen im Hartz-Vollzug, in Armut, auch gehen.
Es ist staatlich entzogenes, geraubtes Leben. Vegetieren. Krepieren auf Raten. Vernichtung.
 
Wiedergutmachung für 17, nun 18 Jahre entzogenes, geraubtes Leben: Hartz IV, Bürgergeld. Unmöglich: Es ist die gesamte Kindheit meiner Tochter, inklusiver aller Entbehrungen, lebenslang wirksamer Prägung.
 
#IchbinArmutsbetroffen: seit 36 Jahren, seit meinem 13. Lebensjahr - als Jugendliche, Azubi, Jobbende, Schwangere, Mutter, Studentin, Sorge-Arbeit Leistende, alleinerziehende, ledige Frau. Bildung schützt vor Armut nicht.
Armut = Gefängnis.
Armut tötet: Menschen.
 
Wie verhält es sich mit Respekt, Wertschätzung, Anerkennung von Lebensleistung, unentbehrlicher, unersetzlicher Arbeit von Alleinerziehenden, Müttern?
Sorge-Arbeit, Frau, ledig, alleinerziehend, d e s h a l b: in materieller Armut vegetierend, krepierend.
Armut als Strafe.
 
Auch in Medizin, Schulmedizin, auch Psychotherapie geht es zumeist nicht um tatsächliche Heilung von Menschen, sondern um bloße Symptombehandlung, Reparieren: um das (wieder) Funktionalisierbarmachen von Objekten für Arbeit, Wirtschaft.
 
"Der Krug geht so lange zum Brunnen, bis er bricht."
Und offensichtlich s o l l er brechen: irreparabel, total, endgültig. Bestimmte Menschen wollen es so, tun alles dafür, dass dies "passiert". Sagen dann: Der Krug war zu faul, schwach, schlecht. Gut, dass er hinüber ist!
 
Es sind ja nur "Schmarotzer, Asoziale, Ballastexistenzen".
 
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19. Mai und 13., 16., 17. Juni 2024
 
Stelle die Frage nochmals:
Wer kümmert sich wann, wie oft, wie um euch: Frauen, Mütter, Alleinerziehende, Sorgende, Fürsorgliche, Pflegende, Verantwortungsvolle, Mitfühlende, Verzichtende, Sorge-Arbeit gratis Leistende: ?
Welche Menschen: Partner, große/erwachsene Kinder ... ?
 
Wer? Welche Menschen - für die ihr all das über Jahre alltäglich getan, geleistet, gegeben habt: ihr Frauen, Mütter, Sorgende, Pflegende, Alleinerziehende, "häusliche" Sorge-Arbeit Leistende. Welche Menschen sorgen bedürfnisorientiert! für euch?
 
Wer kauft für euch Lebensmittel ein, wenn ihr krank seid?
Wer kocht euch Tee, Suppe ... ?
Wer nimmt euch in den Arm, ist zärtlich zu euch, berührt euch wohltuend: nicht-sexuell?
Wer kümmert sich um eure (kleinen) Kinder, wenn ihr krank, bettlägerig oder im Krankenhaus seid?
 
Wer putzt, wäscht, kocht für euch, wenn ihr längerfristig krank seid?
Wer bringt euch Kleinigkeiten mit, macht euch damit oder mit bestimmtem Tun, Verhalten eine kleine Freude, um euch Wohl zu tun, aufzuheitern, zu stärken?

Wer steht emotional, sozial, politisch an eurer Seite?
 
Wer kümmert sich um, sorgt bedürfnisorientiert, verantwortungsvoll, mitfühlend, nicht-paternalistisch, gebend, prosozial für mittellose, ledige Frauen, Mütter, häuslich Pflegende, allein Alleinerziehende?
Wie oft, wie lange?
 
Wertschätzung: von wem?
 
Ja: Es ginge längst! ganz anders: wohltuend, wertschätzend, prosozial, solidarisch - wäre, würde dies politisch und gesellschaftlich, Stichwort "Mehrheit" ;), gewollt und eingefordert. Siehe cohousing statt Ehe, Kleinfamilie, Patriarchat.
 
Nein, patriarchale (Institution) Ehe und Kleinfamilie sind nicht "typisch menschlich", nicht "natürlich", nicht "von jeher so gewesen" und nicht unveränderlich, keine Naturgesetze.
Die längste Zeit seit es Menschen, Gattung Homo, gibt, vor Beginn des Patriarchats, vor also ca. acht- bis zehntausend Jahren (vor der sogen. neolithischen Revolution, Ackerbau, Sesshaftwerdung, bestimmte Eigentumsverhältnisse, Staatenbildung, Kriege ...) lebten diese n i c h t in Ehe und Kleinfamilie und auch nicht in patriarchaler Sippe, sondern in matrifokalen, matrilinearen Gemeinschaften: Clans, Lineages.
 
Ich halte es für natürlich und wichtig für das psychische und physische Wohlbefinden, die Entwicklung, Persönlichkeitsentfaltung und -reifung von Menschen, dass diese mit mehreren bekannten, vertrauten anderen Menschen unterschiedlichen Alters und Geschlechts - biologische Frauen und Männer - zusammenleben können: Bezugspersonen, Beziehungen, Bindungen, Verbundensein.
 
Siehe aber auch hier, cohousing, gemeinsam selbstbestimmt, solidarisch miteinander wohnen, leben ... das Problem der Bedarfsgemeinschaft, Zwangsgemeinschaft im "Bürgergeld"-Vollzug -> Jobcenter, Alg 2, SGB II, "Sozial"gesetzbuch, Regierungen.
Ich möchte grundsätzlich nicht von einem Mann, Partner, Ehemann finanziell, wirtschaftlich abhängig sein/gemacht werden. Gegenseitige freiwillige Fürsorge und Verantwortung: ja! Keine Zweck-, Zwangs"gemeinschaft", auch nicht als "Bedarfsgemeinschaft": Bürgergeld.
 
Und nochmal:

Nein, ich habe mir nicht ausgesucht, selbst verschuldet, zu verantworten, dass meine biologischen Eltern - beide: Mutter und Vater - für mich nicht Fürsorge geleistet, nicht Verantwortung getragen, sondern mich - beide - entsorgt haben.
 
Nein, ich habe nicht verschuldet, verursacht, zu verantworten, dass ich bei Pflegeeltern aufgewachsen bin, die meine Großeltern hätten sein können (Alter) ... .
Und die beide längst verstorben sind, die ich im Alter von 16 Jahren zuletzt sah.
Keine Eltern, Familie, Wurzeln.
 
Nein, ich habe auch nicht verursacht, verschuldet, zu verantworten, dass ich ungeplant zwei Kinder bekommen habe, deren Väter - beide - ihren, der Väter, Teil der Fürsorge und Verantwortung für ihr jeweiliges Kind nicht, nie getragen haben.
Nein, ich bin keine Ehemagd.
 
Für Liebe, aktives Lieben, also: Erkenntnis, Achtung (Wertschätzung), Fürsorge, Verantwortung, Freiheit, Freundschaft, Gefährtensein, Verbundensein bedarf es keiner Kleinfamilie, schon gar keiner Ehe.
Es bedarf des Mitgefühls, der "Güte", intellektueller, sozialer und emotionaler Reife - Persönlichkeitsreife.
 
Nein, ich war nie drogensüchtig, substanzabhängig, habe meine Kinder beide nie vernachlässigt, misshandelt, geschädigt. Ich habe, im Gegensatz zu den Kindesvätern, alleine die tägliche Fürsorge und Verantwortung, physische, soziale, emotionale Sorge-Arbeit geleistet: gratis.
Ich habe dafür in 31 Jahren - Sohn ist 31, Tochter 18 Jahre jung - niemals, von keinem einzigen Menschen je Wertschätzung erhalten, geschweigedenn ein Einkommen für die geleistete Arbeit, Sorge-Arbeit und die durchlittenen Entbehrungen, geleisteten Verzichte ... .
 
Meine Kinder konnten beide nie je "mal bei Papa übernachten" oder Wochenenden oder Schulferien beim jeweiligen Vater oder bei Großeltern verbringen.
Sie hatten beide außer, neben mir keine anderen erwachsenen Bezugspersonen.
Allein alleinerziehend. Frau. Ledig. Mittellos.
 
Menschen, Frauen, Mütter wie ich - ledig, allein alleinerziehend, ohne Familie, Wurzeln, Vermögen - werden vom Staat, von Regierungen lebenslang mit Armut b e s t r a f t. Weil sie sich nicht von einem Mann, Ehemann, abhängig machen lassen.
Längst ließe sich das ändern!: existenzsicherndes, sanktionsfreies Sorge-Gehalt für geleistete Sorge-Arbeit u n d emanzipatorisches BGE.
Statt systematischer Ausbeutung, zementierter Armut.
Armut ist weltweit Frauenarmut, Mütterarmut. Infolgedessen: Kinderarmut, Altersarmut.
 
Und dann der ewige heuchlerische, scheinheilige, selbstgerechte, manipulative Dreck von und über das Jugendamt, den ASD, Therapie, Therapeuten, Beratungsstellen - vorgebliche "Hilfe, Entlastung, Unterstützung, Stärkung" ... .
 
Das Jugendamt ist eine staatliche Kontroll- und Überwachungsinstanz, Kinder, Jugendliche, Eltern, Familien erhalten dort k e i n e effektive, bedürfnisorientierte Hilfe, Unterstützung, schon gar nicht unbürokratisch, nicht-paternalistisch.
 
Was, wenn Mütter sich hilfesuchend an das Jugendamt, den ASD, wenden, bspw., wenn auch Drogen, Sucht, Substanzabhängigkeit beim Jugendlichen oder Adoleszenten zugrundeliegt, Mütter aber ohne Hilfe abgewiesen werden! ?!?
Das kann nicht sein, das gibt es nicht, meint ihr?
Da täuscht ihr euch. Auch ich hielt es für unmöglich. Aber so ist es geschehen.

So habe ich vor Jahren zwei mir nahestehende Menschen durch deren Suizid verloren - sie waren 17 und 21 Jahre jung - Silke und Christian.
Und nein, ich schweige NICHT darüber, es muss endlich Schluss sein mit Tabuisierung, Pathologisierung des Suizids!
Silke nahm Tabletten, ist an ihrem Erbrochenen erstickt. 17 Jahre jung.
Christian: "Schienentod" ... . 21 Jahre jung.
 
Suizidversuch des Vaters meiner Tochter, im Jahr 2014, danach 6 Wochen Aufenthalt im UKE Hamburg, Intensivstation (sogar dort: mit Fixierung!), mit viel Glück massive Verletzungen, Blutvergiftung, mehrere Lungenentzündungen und Delir überlebt, seither Pflegegrad.
 
Wer war der dritte Mensch, der sich suizidiert hat?
Ein junger Mann in meiner Nachbarschaft, vor vielen Jahren. Er kam, wie ich, ursprünglich aus Heidelberg, lebte in Hamburg, studierte dort (wie ich).
Seine Bücherregale stehen noch heute in meiner Wohnung.
 
Und als ich für meinen pubertierenden, 15-jährigen Sohn (nicht drogenabhängig) und mich beim Jugendamt einen sogen. Erziehungsbeistand erbat, wurden wir an eine Erziehungsberatungsstelle verwiesen - abgewimmelt. Wenige Wochen später war mein Sohn weg - "abgehauen" ... .
Mir wurde schließlich für meinen dann 16-jährigen Sohn das Sorgerecht gerichtlich entzogen, obgleich mir weder Kindeswohlgefährdung noch Kindeswohlschädigung zur Last gelegt werden konnte. Ja, auch das hielt ich (damals noch) für unmöglich: im Rechtsstaat Deutschland.
 
Und auch jetzt gibt es für meine 18-jährige Tochter keine effektive, wohltuende Hilfe, Unterstützung - weder vonseiten des Jugendamtes (ASD), siehe sogen. "Hilfen für junge Volljährige" (§41 SGB VIII), noch mittels "Therapie, Therapeuten".
 
Was meinen Kindern und mir tatsächlich effektiv, wohltuend geholfen, was uns alle entlastet, gestärkt hätte - Ressourcen, Resilienz, Selbstwirksamkeit, Selbstwert und so - sind Bezugspersonen, Familie, Wurzeln und: nicht in Armut leben zu müssen.
 
Deshalb schiebt euch eure Heuchelei, all die bloße pro forma-, Schein-, Pseudo"hilfe" in den Allerwertesten, siehe auch "Telefonseelsorge", "Nummer gegen Kummer", siehe Jugendamt, ASD, Tafel u.a.m.. Es gibt KEINE tatsächliche wohltuende Hilfe vom Staat!
Warum nennen all die Psychologen, Psychotherapeuten, Psychiater, Berater, Coaches, sogen. Beratungsstellen, Sozialberatung, Telefonseelsorge, "Anlaufstellen" ... NIE Armut als Ursache! für etliche physische und psychische Belastungen und Erkrankungen?
 
Und warum nennen all die Psychologen, Psychotherapeuten, Psychiater, Berater, Coaches, Ärzte ... NIE öffentlich!, dass das kapitalistische System rings um den Globus unzählige Menschen süchtig, krank, kaputt macht!? Kapitalismus, Arbeit, Ausbeutung, Armut, Einsamkeit. Von wegen "Wohlstand" durch Arbeit, Leistung, "Fleiß".
 
Welche und wieviele seriöse, unabhängige Forschung, Studien, validen Daten gibt es eigentlich dazu, wieviele Kinder, Jugendliche und Erwachsene! infolge materieller Armut, Ausgrenzung, Benachteiligung, Selbstwertverlust unter Depression, Drogensucht leiden oder den Suizid vollziehen?
Wieviele Menschen haben infolge von Armut, bekannten einhergehenden Belastungen, Entbehrungen, Ausgrenzungs-, Schmerzerfahrungen, Sorgen, Nöten (auch Kinder betreffend), Krankheiten, Verzweiflung den Suizid bereits vollzogen?
Warum erfahren wir darüber nie je etwas?
 
Medizin, Ärzte, Therapie, Psychotherapie ... - Es geht nicht um Heilung.
Es geht um bloß oberflächliche Symptombehandlung, um Funktionalisierbarmachen von Menschen als nutzbare Objekte für Arbeit, Wirtschaft, Wirtschaftswachstum, Kapitalismus, Konsumismus. Menschenmaterial, Verfügungsmasse.
Kapitalismus, Konsumismus, Sucht, Kompensationsverhalten, Depression, "Therapie" ...
und wer davon profitiert ... .
 
Ihr malocht ein Leben lang, bis ins Alter, täglich - für geschiedene Ehe, Kleinfamilie, ein "Eigenheim", Auto: Konsum aller möglichen Dinge, Objekte, Urlaube, die euch doch nicht lebenszufrieden machen, ihr konsumiert Substanzen, Billigfraß, die euch krank und fett machen. wtf?!
Und wenn dann früher oder später keine Bezugspersonen, Beziehungen mehr vorhanden sind und/oder ihr krank, alt, versehrt, einsam, depressiv, ausgebrannt seid, flüchtet ihr euch - neben Drogen - wie ein unreifes Kind zu "Gott": einem, eurem Hirngespinst.
 
Und wenn gar nichts mehr geht, lasst ihr euch psychisch pathologisieren.
Seid ihr total bescheuert?! : vernunftlos, urteils-, reflexionsunfähig, emotional verpanzert und/oder total indoktriniert, gehorsam, konformistisch, opportunistisch, feige?
 
Was ist das für ein destruktives System - Kapitalismus, Patriarchat - in dem/durch das Menschen als Folge von Arbeit und Ausbeutung Entlastung, Schmerz-, Leidlinderung in Drogen, Sucht (Alkohol, Cannabis ...), Essen, Shoppen, Konsumismus etc. suchen, siehe Kompensationsverhalten und Symptombehandlung, um funktional zu bleiben. Würde?
 
Was ist das für eine beschissene Welt, in der Menschen sichere Existenz haben, frei von Armut sind, Lebensqualität erlangen, nicht durch einen guten Charakter und gemeinwohlförderliche Arbeit, sondern indem sie andere übervorteilen, knechten, ausbeuten, lügen, betrügen, zerstören: Kapitalismus, Neoliberalismus, Konservatismus, Patriarchat - Gewalt.
 
Der Wert eines Menschenlebens bemisst sich nicht nach akademischen Titeln, Einkommenshöhe, Vermögensumfang, Narzissmusgrad (besetzten Machtpositionen), Ruhm, wirtschaftlicher Funktionalität und Verwertbarkeit.
Menschenwürde.
 
Kapitalismus, Reichtum, Konsumismus
Psychisch gesunde Menschen erfahren Freude, Lebenszufriedenheit, Erfüllung, Sinn, Halt, Verbundensein nicht durch passiven Konsum von (übermäßigem) Essen, Alkohol, Cannabis, Drogen, Produkten, Prestigeobjekten, sondern durch Beziehung zu mehreren! Menschen, idealerweise unterschiedlichen Alters und Geschlechts (Frauen und Männer).
Solche stabilen Beziehungen, Freundschaft, Liebe, Bindung, Verbundensein, Zugehörigkeit, Gemeinschaft kann auch kein Selbstgespräch mit "Gott", einem Hirngespinst, ersetzen.
 
Im Kapitalismus wie auch Neoliberalismus geht es nicht und ging es noch nie je um Gemeinwohl - das war nie das Ziel. Sondern Kapitalakkumulation, Wohlstand, Reichtum nur bestimmter, weltweit vergleichsweise weniger Menschen: zu Lasten zahlreicher anderer.
 
Gleiches gilt für Selbstbetrug, inkl. das stets kompensatorische Streben nach Macht, Herrschen-, Unterwerfenwollen - es ist demonstrativer Ausdruck von Unreife (mangelnder Persönlichkeitsreife) und einer kranken, beschädigten, gestörten Psyche.
Menschen, die nach Macht, Kontrolle, Herrschaft streben, das wollen, brauchen, sind zumeist autoritär und beziehungs-, liebesunfähig, "einsame Wölfe" - Narzissten, siehe antisoziale Persönlichkeitsstörung, APS. Es mangelt ihnen erheblich an Mitgefühl, Prosozialität, Liebesfähigkeit, Reife.
 
Was ist Reife:
Erkenntnis-, Urteils-, Reflexions- und Selbstreflexionsfähigkeit, Vernunft, Empathie, Mitgefühl, Authentizität, Integrität, (Zivil-) Courage, Rückgrat, Prosozialität, Liebesfähigkeit.
 
Wo ist die breite gesellschaftliche Solidarität?  Warum gibt es in Deutschland nicht bspw. eine Bewegung wie die "Gelbwesten" Gilets Jaunes in Frankreich? Siehe auch attac, DiEM25, Occupy (David Graeber).
Warum keine gemeinschaftliche Ursachenbehebung?
 
Ja Elsbeth, hast du nur eine große Klappe oder was tust du selbst aktiv wo, wie gegen Ausbeutung, Unterdrückung, Jobcenter, Schikane, Druck, Zwang, Kontrolle, Klassenjustiz, Behörden, Gerichte, Schulen ... - gegen: Staat. Macht. Gewalt. ?
So versuche auch ich, politisch Widerstand dort, dann und so lange zu leisten, wie und wo es mir möglich ist - nach wie vor zwangsläufig "auch" dann, wenn ich infolgedessen mit weiterer, zusätzlicher staatlicher Beschädigung rechnen muss und sie getätigt, vollzogen wird.
 
Diese "Bereiche" sind, mich betreffend seit Jahrzehnten - immer wieder, immer noch:
- Jobcenter und (andere) Behörden
- Gerichte, Justiz
- staatliche Schule(n)
- Jugendamt
- Bank (hier: Haspa)
- und leider auch Ärzte, Medizin, Krankenkasse, Gesundheitssystem
 
Ich frage mich seit Jahren: Wo sind die anderen: ähnlich Betroffene? Wie geht es ihnen? Wie gehen sie mit all dem um? Wie leben sie? Drogensüchtig, krank, in Therapie, Psychiatrie? Suizid?
Hatten/haben sie Unterstützung, Rückhalt, Begleitung - welche, von wem, seit wann?
 
Erwarten andere langjährig, oft lebenslang arme, mittellose, nicht-vermögende Menschen noch irgendetwas "Gutes" vom Leben - so etwas wie soziokulturelle Teilhabe, wohltuende, stärkende Sozialkontakte, Mobilität, Selbstbestimmtsein, Selbstwirksamkeit, Perspektive, positive Veränderungsmöglichkeiten?
 
Wenn du dann als seit deinem 19. Lebensjahr ledige, mittellose, alleinerziehende zweifache Mutter nach Jahrzehnten - seit Kindheit dich durchkämpfend, weil ohne Wurzeln, Familie, Rückhalt, Beistand, Unterstützung, Fürsorge - zusammenbrichst, wird dir auch dafür noch Schuld zugeschoben.
 
Meine "Ansprüche", Vorstellungen, Erwartungen, Wünsche, Bedürfnisse waren/sind offenbar zu hoch. Seltsamerweise gilt das aber immer nur für weltweit alle mittellosen Menschen.
 
Ich wollte nie ein Haus, habe kein Interesse an Statusobjekten, teuren elektronischen Geräten, Fernreisen, Reichtum, "Luxus".
Was ich gerne gehabt hätte: verantwortungsvolle, fürsorgliche Eltern, meinen biologischen Vater zu kennen, echte Gefährten, Freunde, unbeschwert/beschwerdefrei essen zu können, mit meinen beiden Kindern Familie zu sein, Mobilität, Ausflüge, soziokulturelle Teilhabe und ab und zu mal ein Urlaub, drei Wochen am Stück, kürzer ist es zu stressig, mit meinen Kindern (in deren Kindheit) an den Orten meiner Kindheit, an denen ich die beste Zeit meines Lebens hatte: Berge, Alpen: Schweiz (Wallis), Österreich (Tirol) - dortige Natur, Landschaft.
 
Es ist zu spät. Es hat all das nicht gegeben. Es wird all das zu meinen Lebzeiten, in meinem Leben nicht (mehr oder überhaupt je) geben, erlebbar sein. Ich kann es selbstwirksam nicht "verwirklichen".
50 Jahre sind - längst - genug. Zu viel. Zu lange.
 
Ja Elsbeth, dafür musst du schon selbst was tun, aktiv werden, nicht nur jammern! Geh´ doch ´raus!
Dafür fehlt mir die physische Kraft. Immer wieder auch für den Lebensmitteleinkauf. Krankheits- und armutsbedingt.
 
Was sicher nicht nur, aber auch uns helfen würde: offene, unbürokratisch zugängliche Begegnungsstätten - in jedem Stadtteil, jedem Dorf! Frei von Kirche, Religion, Ideologie! Für Kultur, Handwerken, Reparieren, Basteln, Kochen, Brettspiele u.a.m..
Es bedarf solcher "Orte der Begegnung" für Menschen - generationenübergreifend, für "Jung und Alt"! und gleich, welcher Herkunft und "sozialen Schicht" - in jedem Ort, Gemeinde, Stadt, Stadtteil: leicht und rein analog! zugänglich. Gemeinwohl, Gemeinsinn.
 
Meine Tochter z.B. isst gerne gut, aber ich kann seit vielen Jahren kaum noch etwas essen, koche deshalb auch nur wenig/selten.
Sie würde gerne Handarbeiten lernen - kann und mag ich nicht.
Aber andere ältere Menschen könnten es ihr vielleicht zeigen!: Begegnungsstätte.
Man könnte sich in solchen Begegnungsstätten, Begegnungsräumen auch gegenseitig bei Reparaturen oder Renovierarbeiten unterstützen. Zusammen musizieren, malen, Sprachen lernen, Brettspiele spielen, tanzen, singen ... . Analog, physisch. Ohne Smartphone. Offenes Angebot!
 
Andere, wohlhabende, vermögende Menschen haben für all solche Dinge, Tätigkeiten, Hobbies Geld, Familie, Verwandte (Väter, Großeltern, Onkel, Tanten ...), Vereine, Urlaube, Konzerte, Theater ... .
Mittellose, versehrte Menschen haben das häufig nicht.
 
Und ich meine - ist doch längst angekommen: Wenn Politik, Wirtschaft, Gesellschaft, Kapitalismus, Regierungen/Regierende Ballastexistenzen nicht wollen: Warum dann nicht für jeden einen Schuss Natrium-Pentobarbital. Wie bei Tieren: einschläfern.
Aber Regierung, Regierungen, Gesundheitsminister geben das Zeug einfach nicht frei - trotz des BVerfG-Urteils zu Suizid und Sterbehilfe aus 2019!
Natrium-Pentobarbital: bitte für alle Sterbewilligen als sichere, tödliche Injektion! Nicht oral.
 
Wichtig wäre vor allem, dass es keine Tabuisierung des Suizids, der Selbsttötung in Medien mehr gibt.
Auch wenn man bei twitter / X "Suizid" in die Suche eingibt, werden keine tweets angezeigt, nur:
"Du bist nicht allein ... ". - D a s ist kranke Scheisse!
 
Übrigens:
Wenn es den Eltern, insbes. den Müttern, Frauen schlecht geht - physisch und oder psychisch, sozial, materiell, existenziell - geht es infolgedessen! früher oder später auch den Kindern schlecht.
Sorge-Arbeit, Care: Arbeit, Leistung ohne Wertschätzung, ohne Einkommen, Armut, Ausbeutung - Mütterburnout ... .
 
Elsbeth, nimmst du dich nicht ein bisschen zu wichtig?
Nein. Ich habe - wie alle Menschen - nur dieses eine "Leben".
Aus dem Gefängnis der Armut gibt es lebenslang kein Entkommen.
Staat. Macht. Gewalt. Kapitalismus, Patriarchat.
 
Lebenskunst
Ist das Leben, "gut" - nicht fremd- und selbstschädigend, wohltuend, sinnerfüllt, mit Freude - zu leben eine Kunst? Eine Aufgabe, Herausforderung? Eine Zumutung?
Für wen, wann, wo, unter welchen Umständen jeweils ... ?
 
Was ist Lebenskunst?
Einen Sinn, seinen Platz, Gefährten zu finden?
Eine Spur zu hinterlassen, (sich) anderen zu geben, nicht zu verzweifeln, Zweifel auszuhalten, Fragen zu stellen, ohne Antwort zu erwarten?
Zu reifen, dabei nie zu "Vollkommenheit": um Mensch zu bleiben?
Lieben?
Verlust ertragen (lernen).
Selbst zu entscheiden, wann (es) genug ist - Leben war.
 
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06. April 2024
 
ndr Kultur, Sendung "à la carte" vom 08.03. 2024, Julia Knörnschild "Mama kann nicht mehr"
Eine Sendung vorgeblich über Mütterburnout, Erschöpfungsdepression. Mutterbild, Mutterrolle ... - ziemlich unerträgliches Gequatsche, siehe nachfolgend begründet.
 
1. Julia Knörnschild beschreibt "Kliniken" als, Zitat "Seelenwellness, mit die beste Zeit meines Lebens", aus einer Klinik kommt man "als die bessere Version seiner selbst wieder ´raus und wenn nich, kann man da weiter dran arbeiten".
Da kommen "alle Berufsgruppen zusammen".
 
Kein Wort von mittellosen, ledigen, allein alleinerziehenden, nicht erwerbstätigen, aber einkommenslos Sorge-Arbeit leistenden Frauen, Müttern. Solche Frauen hat Julia Knörnschild in ihrer Tagesklinik offenbar nicht kennengelernt.
 
Und nein, es ist nicht der Druck, den man sich selbst macht, sondern es sind Rollenbilder, Rollenklischees, Vorstellungen von Frauen, Müttern aufgrund nach wie vor patriarchal-kapitalistischer, frauenfeindlicher Verhältnisse. Dieser Indoktrinierung folgen einige, vor allem, aber nicht nur junge Frauen.
Gäbe es solche gesellschaftlichen, patriarchal-autoritären, kapitalistischen, konservativen Klischees, Stereotype über Frauen, Frausein, Muttersein, Mutterschaft nicht nach wie vor, so machten Frauen, Mütter sich eben nicht selbst "diesen Druck".
 
Und nein: eine Klinik ist kein Ort der Selbsterkenntnis, Selbstfindung, Selbstreflexion, Persönlichkeitsreifung, sondern es geht darin, bei Behandlung, Therapie grundsätzlich, nur um "Reparieren", darum, wieder funktional gemacht zu werden, wieder zu funktionieren, sich also gerade nicht zu emanzipieren, auszubrechen, sondern schlicht wieder die alte Rolle - jetzt "therapiert", deshalb vermeintlich leichter, freiwilliger, angemessener, reibungs-, widerstandsloser - mit allenfalls ein paar oberflächlichen Änderungen, "Korrekturen" brav anzunehmen, auszufüllen.

Alles andere würde erfordern, dass frau entweder keine Kinder zu umsorgen hat oder dass die gesellschaftlichen Verhältnisse gravierend andere (geworden) sind: Sorge-Gehalt für Sorge-Arbeit, Care, Männer, die gleich viel Sorge-Arbeit leisten, viel weniger auszuführende Erwerbstätigkeit, bezieht sich auf Frauen und Männer, keine Ehe und Kleinfamilie mehr, sondern mehrere Bezugspersonen unterschiedlichen Alters und Geschlechts (Frauen und Männer) für alle Beteiligten: Kinder, Jugendliche, Erwachsene, Eltern, Mütter, Väter ... .
 
Ein anderes Wirtschaftssystem - Postwachstum, Gemeinwohlökonomie, überwundener Kapitalismus, somit Konservatismus und Patriarchat.
Eine andere, wohltuende Art zu wohnen - inkl. entsprechender Architektur und Infrastrutkur - zu arbeiten, zu leben.
 
So lange die "äußeren", menschen-, seit Jahrtausenden vor allem männergemachten Verhältnisse, Missstände bleiben, wie sie sind, hilft, d.h. h e i l t keine "Behandlung, Therapie", kein Klinikaufenthalt. Es ist bloß oberflächliche Symptombehandlung und Selbstbetrug.
 
Dann sagt Julia Knörnschild tatsächlich, Zitat:
"Ich persönlich z.B. hatte ´ne ganz bestimmte Vorstellung von mir, wie ich als Mutter sein werde. Ich dachte wirklich, ich hüpfe mit Leinenkleider am Meer mit meinen Kindern auf Zehenspitzen herum und wir singen fröhlich Lieder miteinander. Aber die Realitätsklatsche hat mir einfach eine ´reingehauen."

Das klingt nicht nach Ironie, Satire, Scherz. Es klingt unfassbar realitätsfern, unreif, infantil.
Solche Vorstellungen hatte ich nie, auch nicht, als ich mit 19 das erste Mal alleinerziehende Mutter wurde - warum und woher auch? Ok: Es gab damals noch kein für alle zugängliches Internet, ich hatte weder Computer noch Handy noch Instagram, Tik Tok oder Ähnliches. Ich habe die Zeitschrift "Eltern" gelesen, um mich zu informieren.
 
Wenn Frauen als Mütter, Zitat "Schuld- und Schamgefühle" haben, so liegt es an oben bereits genannten Gründen: am Druck, den die patriarchal-kapitalistische Gesellschaft macht, an den Rollen-, Frauen, Mutterbildern, die sie indoktriniert und oktroyiert.
 
2. Und dann geht´s in oben verlinkter Sendung (ndr Kultur "à la carte"vom 08.03.2024) mit der psychischen Pathologisierung los: Angststörung, ADHS und die genannten, mehr oder weniger typischen Symptome, Verhaltensweisen, Beschwerden, Belastungen ... .
Julia Knörnschild findet ihre Diagnose, Zitat "episch".
"Warum fühle ich mich anders als andere (...), mir wurde auch oft das Gefühl gegeben, ich wäre anders (...), weil ich eben die Diagnose ADHS habe (...) mein Gehirn funktioniert anders und deswegen war´s sehr erklärend und der Schlüssel zu meinen Glück und ich konnte mich damit abfinden."

Solchen Sätzen, solcher Einstellung, Überzeugung (?!) sitze ich tatsächlich sowohl entsetzt als auch ernüchtert, desillusioniert gegenüber. Denn:
Wie praktisch: Wir sind zwar als Menschen, Persönlichkeiten, Individuen grundsätzlich alle "anders" als andere, eben weil wir Individuen - mit unterschiedlicher genetischer Anlage, Wesen/Naturell, Sozialisation, Erfahrungen ... - aber zugleich alle Menschen sind, aber das übergehen "wir" mal eben, denn wer sich aus verschiedenen Gründen - die zwar je Individuum vorhanden und dabei auch unterschiedlich ausgeprägt sind, sich aber bei Menschen zugleich durchaus wiederholen, gehäuft vorkommen, keineswegs "einzigartig, einmalig" auftreten - einigermaßen anpassen kann, w e i l er/sie andere Umstände, Lebensverhältnisse, Hintergrund, ggf. auch Unterstützungs-, Entlastungs-, Regenerations- und Kompensationsmöglichkeiten hat als ein anderer Mensch mit ähnlichen Belastungen, "Symptomen" und in ggf. auch ähnlicher Situation, gilt halt als "normal, gesund", während Menschen, denen es situations-, familiär, gesellschaftlich und politisch bedingt an diesen Entlastungs-, Unterstützungs-, Regenerations-, Kompensationsmöglichkeiten, schon am Zugang hierzu mangelt, als "psychisch krank" oder "gestört" gelten: psychisch pathologisiert und infolgedessen lukrativ! "therapiert, behandelt" werden: können und es sogar selbst wollen, eben weil sich die belastenden äußeren, gesellschaftlichen, politischen, familiären, sozialen Umstände, Missstände nicht mal eben ändern lassen - da doktert man mehr oder weniger notgedrungen und verzweifelt dann doch lieber an sich selbst herum bzw. lässt sich "behandeln, therapieren", also wieder funktional machen.
 
Mit Heilung und/oder Bewältigung, gar Befreiung und Reifung (Persönlichkeitsreife) hat das nicht das Mindeste zu tun, im Gegenteil: indem die äußeren, gesellschaftlichen, politischen, Menschen massiv belastenden bis sogar gesundheitlich und existenziell beschädigenden Umstände, Verhältnisse, Missstände nahezu unverändert erhalten bleiben, ist persönliche Heilung damit unmöglich gemacht.
 
Anna Novak, die Interviewende, fragt Julia Knörnschild sodann, was sie anderen Frauen, Müttern rät, die denken "Ach, ich glaub´ ich hab´ das auch?", J.K. sagt daraufhin, Zitat: "Es sind sogar vier Expertinnen, Therapeutinnen und Psychiaterinnen einer Klinik, die sich auf ADHS spezialisiert haben, die haben auch ein ganz tolles Buch geschrieben."
und, Julia Knörnschild:
"Was ich raten würde, ist schwer gesagt, es gibt ja endlose Wartelisten für ADHS-Diagnosen."
"Wenn man in ´ner Tagesklinik oder in ´ner vollstationären Klinik is´, kriegt man natürlich schneller ´ne Diagnose, weil man da eben schon bei den richtigen Leuten is´."
"Ich brauch´ jetzt endlich ´ne Diagnose, weil das könnte uns allen weiterhelfen hier, an der Arbeit an mir."
 
Das ist die bekannte, verbreitete Vorgehensweise:
Menschen lassen sich psychisch pathologisieren und "therapieren", w e i l sie unter den oben bereits genannten äußeren, d.h. gesellschaftlichen, politischen, kapitalistischen Verhältnissen psychisch und/oder physisch leiden.
Da aber diese äußeren, gesellschaftlichen, sozialen, politischen Missstände - Kapitalismus, Lohnarbeit, Erwerbstätigkeit, Sorge-Arbeit, Dreifachbelastung von vor allem Frauen und Müttern, insbes. auch Alleinerziehenden, mangelnde bis keine Wertschätzung und kein Einkommen für diese mehrheitlich von Frauen geleistete "häusliche" Sorge-Arbeit (sogen. Reproduktionsarbeit), Armut, auch physische chronische Erkrankungen und verbreitete Erschöpfung, Fatigue bei vor allem Frauen, siehe auch ME/CFS und Fibromyalgie sowie LongCovid, PostCovid - sich nicht zeitnah angemessen, wohltuend ändern, bewältigen, überwinden lassen, werden die Belastungen und daraus resultierenden! Beschwerden, Verhaltensweisen, vermeintlichen "Störungen" psychisch pathologisiert und vermeintlich "therapiert": lukrativ für Ärzte, Kliniken ... .
 
Es wird die gesamte Verantwortung also, wie üblich und wie stets im patriarchal-autoritären Kapitalismus, dem jeweiligen Individuum zugeschoben, exakt so macht man es auch im Falle von materieller Armut!

Nur dass man bei "psychischer Erkrankung" eben nicht "selbst schuld" ist - man ist ja krank, kann nichts dafür, denn es ist nicht eigenes Verschulden zugrundeliegend, wenn man psychisch krank (geworden) ist, denn es liegt, insbes. bei psychischer Erkrankung, Störung schließlich "am Gehirn" oder an der "Veranlagung", den Genen.
 
Julia Knörnschild: "Durch mein ADHS ist mein Gehirn sehr laut oder mein Kopf, ich denke mehrere Sachen gleichzeitig. Deswegen kann ich auch keine Bücher lesen (...), weil während ich lese, denk´ ich auch."

D a s ist jetzt aber hoffentlich schon ein Witz!?
Ja s e l b s t ve r s t ä n d l i c h denkt man - hoffentlich! - "mehrere Sachen gleichzeitig" und selbstverständlich! denkt man, während man liest, setzt sich kognitiv mit dem Gelesenen und Assoziationen, weiteren, eigenen Ideen, Fragen auseinander, zu denen das Gelesene anregt.
Und ja: sich zu konzentrieren hat mit Anstrengung zu tun: ganz selbstverständlich! Das geht auch anderen Menschen so. Deshalb ist man nicht "psychisch krank".

Nicht zur Ruhe kommen zu können hat wiederum mit äußeren Umständen zu tun. Dies bestätigt Julia Knörnschild selbst, indem sie sagt :"Die Kunst hilft mir, zur Ruhe zu kommen und dann mal´ ich."
 
Das bedeutet: sie befasst sich mit sich, mit etwas, worauf sie Lust, woran sie Interesse, wobei sie Freude, ein gutes Gefühl hat - also nicht: Pflichten erfüllen, für andere sorgen, arbeiten!
Es ist demzufolge - nicht nur bei Julia Knörnschild und/oder anderen Menschen, die meinen ADHS zu haben oder eine solche Diagnose haben ;) - die übermäßige äußere, gesellschaftliche Belastung, die zahlreiche! Menschen überlastet, stresst, aus der Ruhe, "Mitte" bringt!
 
Wiederum bestätigt Julia Knörnschild genau das, wenn dann von der "me-time" die Rede ist - Rückzug auf, in sich selbst, Zeit, Ruhe, Muße für und mit sich selbst. Jedoch ohne dabei dauerhaft sozial isoliert zu sein. Denn auch das ist nicht "menschengerecht", nicht wohltuend.
 
Dann kommen von ihr, Julia Knörnschild, für auch alleinerziehende Mütter unerträglich primitive, platte "Tips": "die Fünf-Minuten-Pause". "Wenn man sich am Tag nur fünf Minuten für sich nimmt, dann ist das schon ganz schön gut für die mentale Gesundheit."

Das ist b i t t e Satire!
 
Julia Knörnschild: "Bei youtube eingeben: Es gibt Fünf-Minuten-Yoga-Sessions, Achtsamkeitsübungen, man kein einfach um den Block einmal rennen! Es gibt so viele Möglichkeiten, wie man in fünf Minuten was für sich machen kann."

Das ist Hohn, Ignoranz und/oder Idiotie - eine Zumutung für all jene Menschen, die in ihrem Alltag, ihrem Leben aufgrund gesellschaftlicher, politischer, ökonomischer Verhältnisse, infolge derselben! intensiv belastet bis beschädigt, ausgebeutet werden - insbes. mittellose Frauen, Mütter, Alleinerziehende.
 
Wie kann man so viel unerträglich gequirlte Scheisse in einer Radiosendung verbreiten und in Büchern als Verlag veröffentlichen?!
W e i l es um das Zementieren dieser kapitalistischen, patriarchalen, destruktiven Indoktrinierung, des Funktionalhaltens, Ausbeutens geht.
Krank!
 
Übrigens, nein, ich hatte vor dieser ndr-Sendung noch nie von einer Julia Knörnschild gehört, gelesen oder etwas gesehen. Liegt vielleicht an meinem fortgeschritteneren Alter.
Ihre Tips helfen jedenfalls mir - aus genannten Gründen - null.
 
Sorry, jedenfalls mir helfen die billigen, idiotischen Tips von Julia Knörnschild weder jetzt, nach 31 Jahren ledig und allein alleinerziehend, mittellos Muttersein (Mutter zweier Kinder), noch hätten sie mir vor Jahren geholfen. Sondern ganz anderes - oben bereits genannt: mehrere Bezugspersonen unterschiedlichen Alters und Geschlechts (Frauen und Männer, nicht Fickkontakte), Fürsorglichkeit, Unterstützung, Entlastung von anderen, cohousing, existenzsicherndes, menschenwürdiges Sorge-Gehalt für geleistete Sorge-Arbeit u.a.m..
 
Am Ende der Sendung gibt Julia Knörnschild schhließlich noch den unbeschreiblich tiefschürfenden Tip, Zitat: "Feel it to heal it."
Du glaubst es einfach nicht.
 
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12. Dezember 2023
 
Wie es auch heute noch zu ungeplanter Schwangerschaft, ungeplanten Schwangerschaften kommen kann, bei mir: siehe nachfolgend (unten) genannt.
 
Weitere Gründe sind bspw. Vergewaltigung, die Annahme, aus gesundheitlichen, organischen oder hormonellen Gründen, nicht fruchtbar bzw. zeugungsfähig zu sein.
 
So lange ich als - biologische - Frau die Hauptlast der Konsequenzen einer ungeplant, ggf. auch ungewollt entstandenen Schwangerschaft trage - Schwangersein, Geburt und Folgen, inkl. Alleinerziehendsein und Armut oder Abtreibung - präferiere ich nfp.
Nicht Verhütung für den Mann.
 
Hätte ich schon als Jugendliche gewusst, was nfp - Natürliche Familienplanung bzw. symptothermale Methode - ist, wie "das geht", wann genau die fruchtbaren Tage je Zyklus (bei einer gesunden Frau mit regelmäßigem Zyklus) sind und woran man sie erkennt, etc., wäre ich möglicherweise kein einziges Mal ungeplant schwanger geworden.
 
Chemisch-synthetische Verhütung, Verhügungsmittel, habe ich von jeher abgelehnt, verfüge aber über Erfahrung mit kurzzeitiger Einnahme der Pille ("Anti-Baby-Pille", Hormonpräparat) sowie längere (einjährige) Anwendung der DMS (Drei-Monats-Spritze) und den Folgen dessen. Ich empfehle deshalb nfp.
 
Kondome sind selbstverständlich eine gute, wichtige Erfindung. Sie werden halt nur aus diversen, durchaus nicht nebensächlichen Gründen oft nicht bzw. irgendwann in einer Beziehung nicht mehr genutzt.
 
Da in jedem Falle, gleich ob bei Schwangerschaftsabbruch, Abtreibung oder Austragen einer Schwangerschaft und Geburt/Gebären und Mutterschaft immer die biologische Frau die physische, psychische, soziale, existenzielle Hauptlast trägt, hat sie allein zu entscheiden!
 
Was bei ungeplanter Schwangerschaft auch und wahrscheinlich gar nicht so selten zugrundeliegen kann, sind unbewusste, innerpsychische (intrapsychische) Vorgänge, Gefühle. Das also, das patriarchal-autoritäre, grobschlächtige, unsensible Menschen, mehrheitlich Männer, leugnen oder unterdrücken müssen/nur können. Mit Verweis auf Erich Fromm und Arno Gruen.
 
Es ist mir erst viele Jahre später aufgefallen, aber ich wurde mit jedem der beiden Kinder fast genau zwei Jahre nach dem Suizid eines mir nahegestandenen habenden Menschen schwanger:
 
1992 schwanger mit Sohn - 1990 hatte sich meine langjährige Kindheitsfreundin Silke im Alter von 17 Jahren suizidiert.
2005 schwanger mit Tochter - 2003 hatte sich Christian, ein junger Mann, in den ich zwei Jahre lang sehr verliebt gewesen war, im Alter von 21 Jahren suizidiert.
 
Es kann/wird schlicht Zufall sein, vielleicht war es aber auch so, dass ich unbewusst nach "etwas" suchte, das mich selbst im Leben halten "sollte", konnte.
 
Die "Trauerphase" war damit keineswegs beendet - auch wenn die Trauer nicht mehr so intensiv und vernichtend ist wie damals (wenn ein Todesfall noch "akut" ist) - man vermisst bestimmte Menschen lebenslang und wird immer wieder an sie erinnert, bewahrt bewusst, willentlich ihr Andenken. Treue.
 
Was meine "suboptimale Familienplanung" anbetrifft:
Vater von Kind 1, Sohn: wollte sich nie um sein Kind kümmern, auch nicht sein Umgangsrecht wahrnehmen und hat auch über Jahre keinen Unterhalt für seinen Sohn gezahlt.
Vater von Kind 2, Tochter: kann sich aus gesundheitlichen Gründen nicht kümmern.
 
Und dann gibt es bekanntlich nicht wenige völlig ignorante, verantwortungslose, empathielose Männer, "säumige" biologische Väter, wie bspw. meinen "Vater":
Was sind das für Männer, "Väter", die Jahre, in u.a. meinem "Fall" fünf Jahrzehnte (50 Jahre), von der Existenz ihres Kindes wissen!, lebenslang aber jeglichen Kontakt, Umgang mit diesem Kind verweigern, sich null um dessen Existenz, Rechte ... scheren?
 
Und ja, das trifft leider ähnlich auch auf meine biologische, ledige, alleinerziehende Mutter zu, die mich seit meiner frühesten Kindheit (im Säuglings- und Kleinkindalter bereits) zu Tagesmüttern und auch später wiederholt zu Pflegeeltern, in Pflegefamilien abgeschoben, entsorgt hat.
 
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update 07. März 2021
 
Ich bereue kaum etwas so sehr, wie zwei Kinder bekommen zu haben:
allein alleinerziehend, unbemittelt, in Armut, sozialer Isolation, chronisch physisch krank, alternd vegetieren müssend: wegen Hartz IV und nicht als Arbeit anerkannter Sorge-Arbeit, Leistung.
 
Wieviel, was alles muss eine Mutter - überzeugt ledig (keine Ehemagd), unfreiwillig alleinerziehend (allein Verantwortung tragend und Fürsorge leistend: täglich über etliche Jahre) - eigentlich wie lange für ihre Kinder opfern, entbehren?
Auf welcher moralisch-ethischen Legitimationsgrundlage dies?
 
Warum muss sie allein Jahre, Jahrzehnte lang - Sohn wird in Bälde 28, Tochter ist 15 - die ganze Last der alleinigen Verantwortung tragen, wenn/weil es keine anderen Bezugspersonen (verantwortungsvolle, fürsorgliche, liebevolle Kindesväter und/oder Großeltern, sonstige Familie) gibt?
 
Warum wird politisch, gesellschaftlich zugelassen, dass eine solche Mutter für Kind 1 schon ihre gesamte Jugend gab, aufgab - zwangsläufig, gezwungenermaßen, eben weil sie die gesamte Verantwortung alleine trug/trägt, die ganze Sorge-Arbeit alleine unentgeltlich leistete, neben Jobs, Ausbildungen, (halbem) Studium, zahlreichen Umzügen ... - und für Kind 2 ihre "restlichen" guten, mittleren Jahre, ihre 30er und 40er?
 
Warum muss eine solche allein alleinerziehende Mutter, Frau chronisch physisch krank über Jahre, Jahrzehnte in materieller Armut, in Hartz IV und/oder Niedriglohn vegetieren - sozial isoliert, ohne soziokulturelle Teilhabe, ohne Mobilität, da ÖPNV viel zu teuer, an Führerschein und Auto war ohnehin nie zu denken.
 
Warum wird eine solche Frau von zahlreichen Männern nur als gratis Fickobjekt gesehen, be-, misshandelt - denn die wenigsten wollen Verantwortung für fremde Kinder tragen.
 
Warum muss eine solche Frau noch im Jahr 2021 in Deutschland nahezu jegliche Selbstbestimmung entbehren - w e i l sie seit frühester Jugend allein alleinerziehende, l e d i g e, materiell arme Mutter, Frau ist?
 
Sie kann nicht einfach in Freizeit tun, unternehmen, was sie wann wie will, was ihr guttut, was sie gerade auch für die zu leistende Sorge-Arbeit, sogenannte Reproduktionsarbeit stärkt - sie muss immer Rücksicht nehmen: auf Kleinkind(er), auf ältere Kinder.
Sie muss sich selbst ein "soziales Netz" basteln, wozu sie wiederum mobil sein können muss und idealerweise nicht arm, unbemittelt ist.
 
Sie kann sich beruflich nicht entwickeln, entfalten, sie kann sich nicht bilden, aus-, fortbilden, studieren, wie, wo, wann sie gerne möchte, gewollt hätte, als noch Zeit dafür war - weil sie bedürfnisorientiert fürsorglich und verantwortungsvoll mit zwei Kindern allein alleinerziehend "Umgang hatte". Stets in materieller Armut befindlich.
 
Sie kann nicht reisen, sie kann mit Kind/ern nicht (mehr) trampen, sie findet mit Kind/ern weniger leicht einen existenzsichernden Job, eine Wohnung, einen Partner, Gefährten.
Sie ist gebunden: an Kind/er, durch die Kinder. Seit ihrem 19. Lebensjahr: nontsop.
 
Sie hat ihre besten Lebensjahre gegeben: zwei Kindern, wovon eines, ihr Sohn, ihr das Sorgerecht entziehen ließ, weil es im Alter von 16 Jahren einen Umzug nicht mitvollziehen wollte, weil das Jugendamt nicht minimalst unterstützt hat, weil es keine weiteren Bezugspersonen - für Kind/er und Mutter - gab, gibt und: obwohl keine Kindeswohlgefährdung, gar -schädigung vorlag.
 
Als allein alleinerziehende, mitfühlende, verantwortungsvolle Mutter, Frau, Partnerin bist du es immer, die gibt, fürsorglich ... ist. Wer, welcher Mann, geht wann mal bedürfnisorientiert-fürsorglich, liebevoll, verantwortungsvoll, wertschätzend mit d i r um?
 
Als (alleinerziehende) Mutter bist du auch ein bedürftiger, verletzlicher, belasteter, versehrter Mensch - bedürfnisorientiert fürsorglich, alleine Verantwortung tragend, etliche Entbehrungen leistend: Jahre, Jahrzehnte lang.
Keine eierlegende Wollmilchsau. Keine Maschine.
 
Aber was "kommt zurück"? Welches Mitgefühl, welche Anteilnahme, welches prosoziale Verhalten, welche Wertschätzung, Hilfsbereitschaft, Unterstützung, welcher Gemeinsinn, Verantwortungsbewusstsein?
Nada. Niente. Nothing.
Wie so auch bereits von den eigenen "Eltern".
 
regretting motherhood !
 
ICH KANN, ICH WILL NICHT MEHR.
"(...) Dürre Worte, hinter denen das Martyrium des schlechten Gewissens eines Menschen steht, der es doch so bitter nötig hätte, ohne schlechtes Gewissen auch einmal an sich selbst denken zu können; dem jedoch nur eines gestattet wird: immer nur an die anderen zu denken! (...)
 
Aus Gewöhnung an die "Mutterliebe" erwarten auch Männer, von Frauen bedient zu werden; treten Schwestern, Freundinnen, Kolleginnen, Ehefrauen die direkte Nachfolge der Mütter an. "Mutterliebe" bedeutet also heute vor allem eines: Arbeit.
 
Aber wer bedient uns? Wer sagt eigentlich, dass nicht auch Männer "mütterlich" sein könnten? Dass nicht auch sie liebevoll Rücksicht auf andere nehmen, nachts durch Kinderweinen hochschrecken und für die lieben Kleinen Windeln waschen könnten? Auch Selbstverzicht hätte, neben gesunder Selbstliebe, durchaus in männlichen Seelen Platz. Oder sind die Männer von Geburt an allesamt Monster? Doch wohl kaum... (...)
 
Der terroristische Anspruch der "Mutterliebe" verbietet jeder Frau das Eingeständnis ihrer Ambivalenz, ihrer Widersprüche. Dabei ist es nun einmal eine Realität, dass Mutterschaft unter den heutigen Bedingungen Frauen weitgehend versklavt. Daraus resultiert das, was wir in EMMA den "Mutterhass" genannt haben. (...)"
 
 
Alice Schwarzer schrieb das bereits im Jahr 1978 in der EMMA. Es hat sich bis heute nichts geändert, "gebessert": zum Wohl der Mütter und damit, erst dann, erst hierdurch auch der Kinder, der Gesellschaft.
 
Was tun wieviele Männer, Väter aktiv, engagiert, im Alltag wie bedürfnisorientiert, respektvoll, nicht-paternalistisch, nicht autoritär, stattdessen empathisch, mitfühlend, wertschätzend, verantwortungsvoll, fürsorglich für dieses Mutterwohl - für Mütter, Partnerinnen, Töchter, Schwestern, für Frauen?
 
Was heißt das denn, Opfer zu bringen, zu entbehren, Verzichte zu leisten für zwei Kinder, über Jahre, inzwischen fast drei Jahrzehnte? Bring´ doch dafür mal ein paar konkrete Beispiele, Else, mach´ es doch mal anschaulich, nachvollziehbar!
 
Gut, Beispiele, beziehen sich nun hauptsächlich auf Tochter, da ich mit ihr aktuell noch zusammenlebe und weil Sohn schon seit 11 Jahren aus dem Haus ist.
 
- gerade letzte Woche war Tochter (nach einem Jahr) endlich mal wieder beim Friseur, €26,- nur für Spitzenschneiden und das war noch "günstig". Müsste für sie sonst, bei anderen Friseuren, schon den vollen Erwachsenen-, Damenpreis zahlen - hier im Stadtteil sind das um die €50,- aktuell. Mit anderen "günstigen Friseuren" haben wir schon wiederholt negative Erfahrungen gemacht.
 
Ich war 2017 das letzte Mal beim Friseur und davor auch stets nur ein Mal im Jahr, wie so auch Tochter. Seitdem schneide ich mir die Haare selber - entsprechend sieht es aus.
 
- Kind (Tochter) wollte nun auch mal Schminkzeug, ich schminke mich nie, habe sowas daher auch nicht. Letztes Jahr für Kind Schminkgrundausstattung (Bio-Schminke) im Wert von ca. €120,- gekauft.
 
- Kind wünschte sich vor Jahren ein Skateboard - hat sie bekommen, angeblich neu, aber leider ein Billigteil, ging nach zweimaliger Benutzung kaputt - Holz abgesplittert und es fährt von Anfang an schief, kriege das mit T-Schlüssel nicht behoben.
 
- Kind wünschte sich Rollschuhe, hat sie bekommen - neue von BTFL.
 
- Kind wünschte sich Meerschweinchen - hat sie bekommen, mit großem Gehege und Zubehör; mussten wir dann wieder abgeben, weil in der Haltung zu teuer: Heu und nur Frischfutter (kein Trockenfutter) für zwei, später drei Tiere, um die €45,- je Monat, Gehege aus Holz und Zubehör teils neu, teils gebraucht angeschafft, kostet auch Geld.
 
- Kind brauchte einen Schreibtisch, auch mal sowas wie ein, zwei Teppiche (gebraucht gekauft, gewaschen) für ihr Zimmer, "Vorhänge" (hier sind das Tücher, bunte Pareos vor den Fenstern), diversen "Kleinkram", bspw. Poster, Taschen, Rucksack, Stifte, Schränkchen/Kleinkommode für Krimskrams, dann auch sowas wie
 
- Malzeug: bspw. Wasserfarbkästen, Acrylmalfarben, bisschen Bastelkram, zuletzt Pastellmalkreiden mit passendem Papier, dazwischen auch mal Garn für Freundschaftsbänder, sowas wie Springseil, Hüpfpferd, Schaukelpferd (als sie noch klein war)
 
- Kind wünschte sich früher Spielzeug (Puppenhaus aus Holz, Duplo-Sachen, Stofftiere, Puppen und Puppengeschirr, -kleidung, Puppenwagen, Kaufladensachen, Brettspiele etc.) - hat Kind bekommen: alles secondhand angeschafft, so auch
 
- Kleidung, sogar zeitweilig Schuhe (ich auch sowie auch meine Kleidung und Möbel: secondhand-Ware) und inzwischen auch BH´s (auch sowas habe, trage ich selbst nicht)
 
- Kind ging gelegentlich (vor Corona) mit Freundinnen ins Kino
 
- Kind isst im Sommer häufiger Eis: zwei bis drei Kugeln von der Eisdiele
 
Ich gehe nie aus, weder ins Kino noch Theater, Konzert, Ausstellung, ich gehe nie in ein Café, Restaurant - seit mindestens 15 Jahren nicht mehr: HartzIV, aber auch davor nur sehr selten.
 
- Kind hat eine Schülerfahrkarte und ein je Alter/Größe passendes Secondhand-Fahrrad. Ich habe keine Fahrkarte für den ÖPNV, kann ich mir seit acht Jahren nicht mehr leisten, davor auch schon kaum.
Ein Fahrrad habe ich mir letzten Herbst secondhand gekauft, für €45,- (leicht defekt) - nach mehr als 20 Jahren habe ich nun wieder ein Rad.
 
- Wir gehen nie "shoppen". Alles, was Tochter braucht, wünscht, versuche ich secondhand via Internet zu beschaffen, auch ihren Modewünschen so weit es möglich ist zu entsprechen.
 
- Ausflüge: sind hier unmöglich, gibt es: nie.
 
- Urlaube: gibt es nie, gab es mit beiden Kindern: nie.
 
Mein letzter Urlaub liegt 35 Jahre zurück, war in meiner Kindheit - mit meinen Pflegeeltern in Österreich.
Außer Österreich (Tirol, Burgenland - wunderschön!) und ein bisschen Schweiz (Wallis - ein Traum!) habe ich von dieser Welt nichts gesehen, auch noch nie je in einem Flugzeug gesessen.
 
Das sind nur einige Beispiele. Davor war es mit Sohn schon ähnlich - unser gesamter Haushalt: Secondhandware - Kleidung, Möbel, Bücher, Hausrat.
 
Und wie, meint ihr, geht all das: in langjähriger materieller Armut (schon lange vor Hartz 4), alleinerziehend, ohne familiäre Unterstützung und seit 15, nun 16 Jahren im Hartz-Vollzug?
Wer, meint ihr, verzichtet da also ... ? Exakt.
 
Der einzige "Luxus", den wir uns, ich auch mir, leiste, sind Bio-Lebensmittel. Auch hier isst inzwischen, aufgrund von Pubertät, Wachstum ..., meine Tochter mehr als ich.
Ich kann auch krankheitsbedingt kaum noch etwas essen. Folge: kontinuierlicher physischer Verfall, Muskelabbau (sichtbar), Gewichtsverlust, untergewichtig, mangelernährt.
 
Mit Lebensqualität, Lebensfreude, Genuss hat all das schon lange nichts mehr zu tun.
 
Sorge-Arbeit: gratis geleistet seit nunmehr 28 Jahren nonstop - alleine. Daneben jobbend, in Ausbildungen und Studium befindlich gewesen, zahlreiche Umzüge bewältigt habend - und noch einiges andere mehr: mehrere Gerichtsverfahren (Sozialgericht, Finanzgericht, Familiengericht, Amtsgericht - zumeist ohne anwaltliche Vertretung, da schon PKH verwehrt wurde), Behördenschikane, Kampf gegen permanente Jobcenter-Beschädigungen.
 
Keine Eltern. Kein sozialer Rückhalt, Beistand, Unterstützung, Entlastung. Keine Wertschätzung. Keine Liebe. Keine Gefährten.
 
Soziale Isolation in Armut und physischer chronischer Krankheit. Kein Zugang zu medizinisch erforderlicher, hilfreicher (wenigstens symptomatischer) Behandlung.
 
Else, wie oft, lange noch willst du immer und immer dasselbe schreiben, offenlegen, dokumentieren? - So lange, als diese "Missstände" bestehen, sie nicht nur mich und mein(e) Kind(er) beschädigen und: so lange ich noch existiere, vegetiere.
 
Habe ich also noch immer nicht genug ertragen, durchlitten, bewältigt (von Kindheit, meiner, noch gar nicht gesprochen ...)?
Habe ich mich nicht genug bemüht, gekämpft?
 
WAS VERFICKTE SCHEISSE SOLL ICH N O C H AUSHALTEN.
 
Übrigens: Ich saufe nicht, rauche nicht, kiffe nicht, nehme auch keine anderen Drogen. Ich bin nicht übergewichtig, nicht kriminell geworden - trotz all der Belastungen.
Im Gegensatz zu etlichen Menschen, die ich kenne, die drogensüchtig sind, mindestens saufen (ja: Alkoholiker), kiffen, rauchen ... .
Und im Gegensatz zu meiner biologischen "Mutter" - der Säuferin. Die nicht einmal ihren Teil ihrer Verantwortung für ihre Tochter getragen hat - nie je. Weshalb ich bei mehreren Pflegeeltern aufgewachsen bin und zwei "Internate besuchte".
 
Biologischer Vater: unbekannt. Hat sich nie für mich interessiert, nie gekümmert. Ich habe ihn noch nie je gesehen.
 
Pflegeeltern: beide längst verstorben.
 
Biologische "Eltern": machen´s sicher auch nicht mehr lange, denke ich - altersbedingt.
 
Trotz all dessen: war ich ein gesundes, vitales, fröhliches Kind, Mädchen, gut in der Schule, hatte Freundinnen, Hobbies, habe immer gerne und regelmäßig Sport gemacht.
 
Ab dem Zeitpunkt, da ich - vorübergehend - bei meiner biologischen "Mutter" "lebte": fing die soziale Isolation und auch physische Krankheit an, später dann durch die beiden Kleinkinder und die Armut.
 
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update 14. Mai 2022
 
Nochmal zu den zahlreichen geleisteten Verzichten und Entbehrungen von Müttern, jedenfalls dann, wenn sie allein alleinerziehend, ledig und unbemittelt sind, zu über Jahre, Jahrzehnte geleisteter bedürfnisorientierter Fürsorglichkeit, Verantwortung:
 
- Tochter war letztes Jahr im Sommer, mit 15 Jahren, zum ersten Mal in ihrem Leben in einem Restaurant, einem Bistro: Essen. Mit ihrer Freundin.
Niemals je zuvor mit ihrer Mutter. Kein Geld für zwei ... .
 
- Tochter war kürzlich, mit 16 Jahren, mit Freundinnen auf dem "Dom" (Hamburger Kirmes, Jahrmarkt, hier so bezeichnet), sie hat dort knapp €60,- ausgegeben.
 
All das und das im älteren thread bereits Genannte, ist nur möglich, weil die Mutter verzichtet: bei sich selbst.
Und das geht ETLICHEN unbemittelten Müttern im reichen Deutschland genau so! Soviel nochmal zum Mütterbashing.
 
Aber g e m e i n s a m können meine Tochter und ich nichts unternehmen.
Ich: sowieso nicht(s). Hartz IV, Armut, unten
 
- Tochter hat vor ca. 2 Jahren Bio-Schminke im Wert von insgesamt ca. €150,- bekommen, kürzlich auch ein Parfum.
Ich habe mir selbst in meinem ganzen Leben, bis heute nie Schminke für auch nur €100,- gekauft und hatte mit 16 noch kein Parfum.
 
- Tochter kann auch gelegentlich zum Friseur gehen, ich schneide mir die Haare seit 2017 regelmäßig selbst, weil ich nicht auch noch Friseur für mich bezahlen kann.
 
- Tochter hat auch das weit bessere secondhand-Handy als ich.
 
Und nochmal: Ich rauche, saufe, kiffe nicht, werfe keine Pillen ein, trinke seit Jahren nicht mal mehr Kaffee, weil ich ihn nicht mehr vertrage - aber es ist Kaffee da: für Tochter, weil sie gelegentlich Kaffee trinken möchte.
 
Aber klar: Müttern wie mir sollte man die Kinder wegnehmen. Weil sie ihnen, Zitat gelöschter twitter-account "MaedchensOpili":
"kein lebenswertes Leben zu ermöglichen in der Lage sind".
 
SO läuft das. Immer noch. Im maximal destruktiven, gewaltvollen Patriarchat.
Frauen, Mütter attackieren, herabsetzen, entwerten, schwächen, beschuldigen, beschädigen.
 
Ihr seid so erbärmliche Wichte.
 
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Was dem am 14. Mai 2022 vorausgegangen war:
 
Jemand - der account "MaedchensOpili" wurde inzwischen gelöscht - hatte mir am 14.05.2022 bei twitter, anonym, wie üblich, "vorgeschlagen", meine sechzehnjährige Tochter in eine Pflegefamilie zu geben, da ich, Zitat gelöschter account: "nicht in der Lage" sei, "ihr ein lebenswertes Leben zu ermöglichen".
 
Nachfolgend einkopiert meine Repliken auf diesen Ratschlag:
 
Ganz sicher nicht - sie ist 16. Und ich wollte meine beiden Kinder nie weggeben - nicht nochmal das erleiden, das ich erleiden musste. Nicht, weil meine Pflegeeltern so schlecht waren, sondern weil es eine existenziell lebenslang prägende "Sache" ist - wurzellos.
 
Und es gibt eine viel einfachere, bessere Lösung: für alle ähnlich Betroffenen, Frauen, Mütter, Alleinerziehenden, Familien in Armut: mehr Geld, somit immense Entlastung, überhaupt erst Mobilität, Teilhabemöglichkeit hierdurch - Lebensqualität.
 
Aber "interessant" und typisch: Der erste Gedanke ist: Wie kann man die Kinder von ihren Eltern wegorganisieren. Nicht und stattdessen: Wie kann man Familien so helfen, dass sie gut zusammenleben können: Armut beheben. Mütter stärken, entlasten.
 
Und wenn man schon feststellt, dass jemand am Ende seiner schon rein physischen Kräfte ist, ist es ganz gewiss das Beste für diese Person, ihr noch zusätzlich in die Visage zu treten.
Vielleicht lässt du deinen Sadismus fachärztlich behandeln.
 
Deine empathielose Ignoranz lässt noch viel tiefer blicken. Deine bösartigen, herabwürdigenden, absichtsvoll verletzen wollenden Unterstellungen - "nicht in der Lage, deinen Kindern ein lebenswertes Leben zu ermöglichen" - noch weit tiefer.
 
Und nein, das hat in der Tat nichts mit Schuld, Schuldfrage zu tun, sondern mit Ursachen. Und nicht nur, aber auch hier sind die Ursachen letztlich alle auf materielle Armut, Hartz IV und eben hieraus resultierende Folgen zurückzuführen - angefangen von der fehlenden Mobilität, somit soziokulturellen Teilhabe, über damit einhergehenden, nicht möglichen Zugang zu medizinischer Behandlung in Facharztpraxen, Freizeitaktivitäten, Sozialkontakten, Abwechslung, neuen Eindrücken, bis hin zu fehlendem Geld für Zugang zu anwaltlicher Vertretung - die in den meisten, wenn nicht allen Fällen, jedenfalls meinen, gar nicht vonnöten wäre, da ich den gesamten Jobcenter-Kampf (Widersprüche, Klagen ...) dann nie hätte führen müssen, da ich den aktuellen Stress mit der Jugendmusikschule und allen involvierten Behörden(stellen) nicht hätte usw..
 
Darauf entgegnete der gelöschte account, u.a., ob mir mehr Geld helfen würde und was denn passiere, wenn ich dieses nicht erhielte, wenn es, Zitat "nicht kommt".
Meine Replik hierauf:
 
Ja, stelle diese Frage doch gerne unserer Regierung und Gesellschaft. Denn diesen gilt Sorge-Arbeit nichts - nicht als unentbehrliche, unersetzliche Arbeit, Leistung.
 
Stelle diese Frage Kinderschutzverbänden, Jugendämtern, Politikern:
Warum sie sehenden Auges Kinder und Jugendliche leiden lassen: Kinderarmut ist immer auch Mütterarmut - weltweit. Eben deshalb, weil Frauen Mütter sind und für ihre Arbeit, Leistung kein Einkommen erhalten, schon gar kein existenzsicherndes, sind sie weltweit mehrheitlich von Armut betroffen, belastet, beschädigt.
 
Und auf die Idee, die Mütter zu stärken, weil es Kindern nur dann gut gehen kann und wird, wenn es auch ihren Eltern gut geht, kommst du erst gar nicht.
Auch nicht darauf, dass Mütter auch Menschen sind - keine Versorgungsmaschinen, die beliebig benutzbar sind.
 
Und welche, wie zahlreiche Entbehrungen Frauen, alleinerziehende, mit Armut belastete Mütter über Jahre und Jahrzehnte für das Wohlergehen ihrer Kinder leisten, interessiert dich auch nicht im Mindesten, diese Tatsache übergehst du: vollständig.
 
Aber dafür, dass diese Frauen, Mütter Jahre und Jahrzehnte auf eigene ausreichende, gesunde Nahrung, auf Teilhabe, Freizeitgestaltung, Mobilität, Sozialkontakte und zahlreiches "Alltägliche" verzichten, damit einiges davon wenigstens ihren Kindern möglich ist, sollen diesen Frauen, Müttern dann auch noch die Kinder weggenommen werden - drauf geschissen, d a s s sie offensichtlich "gute Mütter" haben: bedürfnisorientiert! fürsorgliche, verantwortungsvolle, liebevolle.
 
Und nochmal randläufig: Das aktuelle Problem mit bspw. der Jugendmusikschule - von dieser geforderte Gebühren für zwei Monate, obwohl meine Tochter den Unterricht gar nicht in Anspruch genommen hat und ich nachweislich (vorhandene e-mail-Korrespondenz, die das beweist) im Vorhinein, vor der Anmeldung, intensiv, eigeninitiativ darum bemüht war, jegliche Kosten zu vermeiden - habe ich, weil ich meiner Tochter Unterricht an selbiger, im Rahmen unserer finanziellen Situation, ermöglichen wollte.
Meiner Tochter. Nicht mir. Genau.
 
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update 14. Mai 2022
 
Meine Tochter hat keinerlei Erinnerungen mehr an unsere Zeit in Heidelberg, als ich mit ihr noch regelmäßig in die Natur ging: in den Wald, in den Weinbergen spazieren, zum Bierhelderhof den schönen Weg von Rohrbach aus, in den Wald in Sandhausen, auf die Neckarwiese ... .
 
Von diesen Spaziergängen und Spielplatzbesuchen abgesehen waren wir zweimal im Heidelberger Zoo, weil wir dort damals keinen Eintritt zahlen mussten. Hartz IV
 
Wir waren zweimal im von mir seit meiner eigenen Kindheit so geliebten Luisenpark in Mannheim und ein Mal fuhren wir mit der Bergbahn zum "Märchenparadies" auf dem Königstuhl.
Ein einziges Mal war ich mit ihr im Freibad, in Leimen.
 
Seit wir wieder in Hamburg wohnen, seit 2013, seit neun Jahren also, haben wir nichts gemeinsam unternommen. Nichts, außer ein paar Spaziergänge auf den immer gleichen zwei, drei Wegen hier im Stadtteil.
Da ich mir den ÖPNV nicht leisten kann, auch keine Gebrauchtfahrräder für uns beide, so hatte all die Jahre nur meine Tochter ein jeweils größen-, alterspassendes Gebrauchtrad.
 
Meine Tochter hat nichts erlebt, keine Abwechslung, keine Ausflüge in umliegende Natur, Umgebung, keine kulturellen Veranstaltungen, keinen Urlaub in Nachbarländern. Nichts.
 
Sie kennt nicht einmal die Stadt, in der sie seit neun Jahren "lebt", wohnt - nur unseren kleinen, außerhalb gelegenen Stadtteil.
Sie war noch nie an der Nord- oder Ostsee, noch nie im Harz, in der Lüneburger Heide, nie am Meer, nie in den Bergen.
 
Und genau so war es auch schon bei meinem inzwischen 29-jährigen Sohn, mit dem ich seit meinem 19. Lebensjahr ebenfalls allein alleinerziehend war.
 
Woran werden meine Kinder sich einmal erinnern, wenn sie (noch) etwas älter sind, wenn sie vielleicht eigene Kinder haben, wenn sie auf ihre Kindheit zurückblicken - woran werden sie sich erinnern, wenn sie an ihre (dann verstorbene) Mutter denken? An all die leeren, toten Stunden in Wohnungen.
 
Alles, das in ihrer Kleinkindzeit war, erinnern sie nicht - gemeinsames Keksebacken. Basteln ging schon nie, weil ich dafür keine Begabung habe und man auch dafür einen Grundstock unterschiedlicher Grundmaterialen braucht - und den Platz dafür.
 
Meine Tochter will längst schon keine Spaziergänge im Stadtteil mehr mit mir machen. Verständlich. Auf den Spielplatz geht sie auch nicht mehr. Klar.
 
Mein Sohn will seit seinem 16. Lebensjahr keinen Kontakt zu/mit uns, leider vor allem auch nicht zu seiner (Halb-) Schwester.
 
Seit 13 Jahren habe ich keinen Sohn mehr, hat meine Tochter keinen Bruder.
Großeltern oder andere Familie gibt es nicht.
Perspektive: gibt es nicht.
Nur noch Vegetieren, Abmagern, Krepieren in der Kammer.
 
Hartz IV
Je suis Ballastexistenz
Zu vernichten.
 
Dreißig Jahre, seit deinem 19. Lebensjahr, deine gesamte Jugend, vitalen Jahre, hast du fürsorglich g e g e b e n: zwei Kindern. Alleine.
 
Du hattest schon keine Eltern - fürsorglich, verantwortungsvoll, liebevoll, sie haben dich beide abgeschoben, ignoriert, im Stich gelassen.
 
Männer: woll(t)en dich letztlich immer nur ficken.
 
Wer geht eigentlich je mal mit dir wertschätzend, fürsorglich, liebevoll, gebend um - mit dir, als Frau, als Mutter, als Sorge-Arbeit-Leistende, Verletzliche, Versehrte.
 
Du, ledig: wirst lebenslang mit Armut b e s t r a f t.
 
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Aktualisierung am 30. April 2019
 
Lieben bedeutet nicht Unterwerfung - weder aktiv noch passiv.
 
Wer liebt, gerne, von Herzen g i b t (materiell, immateriell, emotional, sozial), sorgt (bedürfnisorientiert fürsorglich ist), Verantwortung für den geliebten Menschen - gleich ob Kind, Partner, Freunde, Eltern ... - trägt, sich mit ihm befasst, auseinandersetzt, ist und bleibt dabei auch selbst bedürftig.
Du kannst nicht endlos nur geben und deine eigenen natürlich menschlichen Bedürfnisse (nach Fürsorge, Nähe, Wertschätzung, Zuwendung, Beistand, Rückhalt, Verbundenheit ...) übergehen l a s s e n, du wirst dadurch verbraucht, du wirst davon krank und (schneller) alt.
 
Als Frau, als - alleinerziehende, ledige, unbemittelte - Mutter bist du es zumeist, die gibt, sorgt, Verantwortung trägt, verzichtet, kämpft, erträgt, bewältigt ... : viele Jahre lang, jeden Tag - bis zum physischen und psychischen Zusammenbruch. Weil du kaum etwas zurückerhältst, weil Kinder nicht deine Bedürfnisse erfüllen können, es auch nicht sollen.
Ein Kind ist kein Partner, auch kein Partnerersatz. Kinder sind auch nicht die Freunde ihrer Eltern und umgekehrt.

Du gibst - und entbehrst, verzichtest. Jahre, Jahrzehnte lang. Jeden Tag.
Sie gehen aus dem Haus und ihrer Wege. Du bleibst alt, krank, verbraucht zurück und vegetierst, stirbst nur noch in Krankheit und Armut, w e g e n beidem.

"Mehr": war es nicht.

Ich habe mein Soll erfüllt. Seit meinem 19. Lebensjahr: mit zwei Kindern allein alleinerziehend in materieller Armut und inzwischen langjährig chronisch physisch krank.
 
Es gibt hier keine Mobilität, keine soziokulturelle Teilhabe, keine "Förderung" durch Jobcenter bspw., keine Perspektive auf je nochmal eine Verbesserung der Situation, nicht einmal auf die notwendige medizinische Behandlung, ebenfalls wegen der Armut, ihrer Begleiterscheinungen und Folgen, wie bspw. fehlende Mobilität, Nichterreichbarkeit von Facharztpraxen.
 
Es gibt hier keine "Resilienz" und keine Selbstwirksamkeit mehr.
Irgendwann ist einfach keine Kraft (zum Aushalten, Durchhalten, Ertragen, Kämpfen, Bewältigen) mehr vorhanden - weder physische noch psychische. Insbesondere dann nicht, wenn es keinen familiären, sozialen Beistand, Rückhalt gibt.
 
Wenn du jung, gesund, vital, attraktiv und naiv, aber alleinerziehend und arm bist, "findest" du noch "ausreichend" Männer, die dich ficken wollen, aber auf Beziehung und Verantwortung (für ein fremdes Kind) haben sie üblicherweise, mehrheitlich keine Lust.
 
Wenn du alt, krank, nicht mehr attraktiv, nicht mehr naiv, aber zusätzlich alleinerziehend und arm bist, willst du nicht mehr - noch zusätzlich - gefickt werden.
 
Du möchtest Wertschätzung, nicht-paternalistische, sondern bedürfnisorientierte, respektvolle Fürsorglichkeit, Nähe, Vertrautheit, Intimität, Leidenschaft(en), Zärtlichkeit, Mitgefühl (statt Mitleid), Verlässlichkeit, Verantwortung, Verbundensein, (mentale, intellektuelle) Anregung, Austausch - du möchtest einen Gefährten. Gleich, ob du jung warst oder alt bist.
 
Deine Kinder können und sollen dir solche Gefährten niemals sein.
Dass einige Eltern das anders sehen, wollen, sich wünschen und ihre Kinder entsprechend behandeln, d.h. missbrauchen, ändert daran nichts.
 
Es ist anstrengend, sich allein und in materieller Armut um Kinder zu kümmern. Es ist Arbeit. Es ist Leistung. Und sie schwächt, verbraucht, insbesondere dann, wenn du selbst kaum je einmal regenerieren, auftanken kannst: physisch und psychisch-emotional. Wenn du alles alleine organisieren, ertragen, bewältigen, verantworten musst und dabei das Geld nicht einmal für ausreichend gesunde Nahrung für die Kinder und dich vorhanden ist, obwohl du schon Jahre und Jahrzehnte selbst zurücksteckst, verzichtest, entbehrst.
 
Du erhältst dafür weder von "Staat", Regierungspolitik noch Gesellschaft noch deinen Kindern Anerkennung, Wertschätzung.
Nichts. Nada, niente, nothing.
 
Du vegetierst nur noch: krank, alternd, sozial isoliert in Armut. Bis du schließlich krepierst.
 
Frau, Mutter, Sorge-Arbeit-Leistende - überzeugt ledig, unverschuldet mittellos, unfreiwillig alleinerziehend, seit 27 Jahren nonstop (im Jahr 2020). In Deutschland.
 
Um Missverständnissen vorzubeugen: Ich wollte nie heiraten und nie einen "Versorger". Und so bis heute.
Was fair/geboten wäre: ein existenzsicherndes Sorge-Gehalt, keine Herdprämie, für alle Sorge-Arbeit Leistenden, auch häuslich Pflegende und zusätzlich ein echtes, emanzipatorisches, menschenwürdiges BGE.
 
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September 2017
 
Nicht, dass ich sie "nachträglich" nicht hätte haben wollen (obwohl ...) - aber regretting motherhood überkommt mich in den letzten Monaten zunehmend - jetzt "erst", nachdem Kind 1 schon 24 und längst aus dem Haus ist und Kind 2 auf dem Weg in die Pubertät - und mich das Altern so schnell einholt, dass mir infolgedessen umso bewusster wird, wie wenig Zeit ich tatsächlich für mich alleine hatte. Ja, JETZT "erst" tut mir das Leid.
 
Jetzt, da ich meine Pflicht mehr oder weniger getan habe. Fast meine gesamte Jugend meinen Kindern gegeben. Irreversibel.
Die Zeit der Vitalität, der Anfänge, der offenen Türen, der Egozentrik, der Unvernunft ... .
 
Das Problem sind/waren nicht die Kinder, ist nicht Mutterschaft als solche, das Problem, die Last, ist das a l l e i n Verantwortlich-, Zuständigseinmüssen und die "misslichen" Umstände, Lebensverhältnisse: materielle Armut und all ihre Folgen für auch und gerade die eigene Persönlichkeit.
 
Du hast keine Zeit, keine Möglichkeit, dich deiner eigenen Entwicklung, Entfaltung, Reifung (bewusst, aufmerksam) zu widmen und ehe du dichs versiehst, bist du jenseits der 40, alterst sichtbar, spürbar und wirst dir gewahr: das war´s. Das war "alles".
 
Es gab kaum Gestaltungsspielraum, es stand nie zur Debatte, was ich "will". Es ging immer um Pflichterfüllung, Verantwortungtragen, Fürsorge, Existenzsicherung. Alleine.

Es ging ums Überleben (Wohnung, Nahrung, die in unserer Gesellschaft basalsten Dinge eben) und die Bedürfnisse, Wünsche, das Wohlergehen der Kinder.
Irgendwann stellst du dann fest: Da ist keine Zeit mehr, die Türen sind zu und du hast physisch keine Kraft mehr.
 
Vielleicht haben die jungen Frauen, die ihr Muttersein bereits früh bereuen, mir also einiges an Erkenntnis voraus. Ich habe 24 Jahre gebraucht (seit Geburt des ersten Kindes), zu erkennen ... .
 
Fazit: Muttersein ist in dieser Zeit in auch diesem Land - in materieller Armut, ohne Wertschätzung, Anerkennung (stattdessen wird einem mit Mitleid, Verachtung, Ignoranz begegnet) - alles andere als ein "Glück".
 
Meine Kinder würde ich nicht missen wollen, aber nochmal würde ich es gewiss nicht machen, wäre ich heute nochmal 19 (und schwanger).
 
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23. Februar 2018
 
Zur Situation nicht nur, aber gerade auch vieler Alleinerziehender im reichen Deutschland, dem es doch "so gut geht", hier nochmal (m)eine Stellungnahme:
 
Unter anderen (Menschen) malocht auch die Alleinerziehende häufig in einem Niedriglohnjob oder mehreren Minijobs, ihre Kinder sind währenddessen qualitativ keineswegs gut fremdbetreut, sondern von frühester Kindheit an durch die grundsätzlich viel zu frühe Fremdbetreuung geschädigt - siehe Verlust-, Trennungsängste, Stress, gestörte oder unmöglich gemachte Bindung - die jedoch lebenslang eine so immens wichtige Rolle spielt: die sichere Bindung, das Ausbildenkönnen von Urvertrauen, das das Selbstvertrauen überhaupt erst möglich macht/zur Folge hat - und wir sehen all die persönlichkeitsgestörten Menschen, insbesondere pathologische Narzissten, ängstliche Konservative bis hin zu Tätern schwerer Gewalttaten ..., denen es an genau dieser sicheren Bindung fraglos fehlte.
 
Ich wiederhole: Es geht in neoliberaler Politik, Regierung nicht um die Kinder, deren Wohl, es geht nicht um die Mütter, Frauen (deren berufliche "Selbstverwirklichung", Freiheit, Selbstbestimmung, Gleichberechtigung, Gleichwertigkeit, Gleichwürdigkeit) - es geht rein nur um die Wirtschaft, um das Instrumentalisieren der Lohnarbeitssklaven.
 
Denn ein tatsächlich bedürfnisorientiertes Arbeiten, Wirtschaften, Handeltreiben und Wohnen, müsste ein tatsächlich (!) am Gemeinwohl orientiertes sein (und das in letzter Konsequenz auch und gerade auf das möglichst globale Gemeinwohl hin orientiert, darum bemüht). Aber es geht nicht um das Gemeinwohl, sondern um Privilegien, Profite, Gier, Geiz, Neid, Konkurrenz, Kampf, Ausbeutung, Unterwerfung, Macht, Unterdrückung.
 
Und da schließt sich der Kreis: W a r u m werden Menschen (weltweit btw) zu solchen "Monstern"? - Es liegt in ihrer Kindheit, Prägung und Sozialisation begründet, häufig eben in Schwarzer Pädagogik (die nicht nur aus Schlagen besteht, die nicht ausschließlich durch physisch sichtbare Gewalt gekennzeichnet ist) und zumeist auch in religiöser Indoktrinierung.
 
Wenn mit dem Kind nicht angemessen, d.h. je individuell bedürfnisorientiert umgegangen wird oder werden kann (weil die Eltern selbst bereits massiv beschädigt (worden) sind oder unter Druck stehen - siehe Krisengebiete, Gewalt, Armut, Elend, Not, diktatorische Regime ...), dann entwickelt es sich entsprechend: negativ - bspw. ängstlich, misstrauisch, aggressiv, gewalttätig, abwehrend, verweigernd, unkooperativ, neidisch, gierig, narzisstisch, Sucht ausbildend, Macht, Kontrolle, Unterwerfung anstrebend usw. - man nennt das allgemeinhin Kompensation, siehe außerdem Gehorsam, Identifikation mit dem Aggressor, freiwillige Knechtschaft, Selbstentfremdung (mit wiederum entsprechenden Folgen - des Suchens nach "Höherem, Übergeordnetem" aufgrund der Haltlosigkeit usw.).
 
Denn das ihm angeborene Mitgefühl ist gravierend beeinträchtigt, beschädigt, somit seine Fähigkeit zu prosozialem Verhalten auf ganz ursprünglicher Basis eben dieses Mitgefühls, intrinsischer, nicht (bspw. religiös) oktroyierter Moral.
 
Zum Nachweis des Zutreffens dessen sei immer wieder auf Erich Fromm ("Anatomie der menschlichen Destruktivtät", "Die Kunst des Liebens" ...) verwiesen, außerdem auf Alice Miller, Arno Gruen (Schmerz, Anpassung, Gehorsam ...) und Joachim Bauer ("Schmerzgrenze - Vom Ursprung alltäglicher und globaler Gewalt").
 
Und die Geschichte zeigt uns in nicht wenigen Figuren deutlich auf, was passiert, wenn Menschen eine belastende, insbesondere physisch und/oder psychisch gewaltvolle Kindheit erlitten haben: Sie werden (als einstige Opfer) selbst zu Tätern - man denke bspw. an Hitler, Stalin - oder zu Kranken - man denke bspw. an Nietzsche.
 
Es kann allerdings auch vorkommen, dass die alleinerziehende Mutter in Hartz 4 - mit ihrem Kind - vegetiert.
 
Weil:

- es ihr an einer beruflichen Qualifikation, einem berufsqualifizierenden Abschluss/Scheinchen, außerdem auch an "Kontakten" fehlt
 
- sie vom Jobcenter über Jahre keine Weiterbildung, Umschulung bzw. berufliche Qualifizierung gewährt/finanziert bekommt (da es hierauf keinen Rechtsanspruch gibt), obwohl sie zertifizierte Maßnahmen und entsprechende Träger vorlegt
 
- sie infolgedessen mittels Ein-Euro- oder Minijobs bis ins Alter bzw. bis in den Tod am Hartz 4-Tropf hängen muss - und das offensichtlich auch s o l l (anderenfalls erhielte sie ja vom Jobcenter individuelle passende Unterstützung, Stichwort "fördern")
 
- sie möglicherweise physisch chronisch krank und daher zusätzlich entsprechend beruflich eingeschränkt ist und die Jahrzehnte währende materielle Armut (inklusive aller Folgen, Belastungen, Entbehrungen und ohne jeglichen familiären/sozialen Rückhalt) diese Situation kontinuierlich nur verschlechtert, statt verbessert.
 
Sorry, dass ich schon wieder selbstmitleidvoll "gejammert" hab´, aber ja:
Ich würde sehr gerne mal Zahlen haben:
 
Wievielen Menschen es im Hartz-Vollzug eigentlich wie lange schon aus welchen Gründen wie schlecht geht: physisch und/oder psychisch. Und was das mit ihnen "macht" - mit ihrer Persönlichkeit, ihrem Selbstwertgefühl, ihrer Gesundheit, ihrem Verhalten (siehe bspw. Ängste, Rückzug, Aggression, Depression, Verzweiflung bis hin zum Suizid).
 
Warum gibt es hierzu keine Studien - nicht nur also zur "Erwerbslosigkeit", denn es ist nicht die Erwerbslosigkeit das Problem dieser Menschen, sondern: dass sie keine Zugehörigkeit haben, keine Teilhabe, dass sie keine Anerkennung und Wertschätzung erhalten und sich nicht nach je persönlichen Möglichkeiten, Fähigkeiten, Interessen, Stärken, Wünschen, aber auch etwaig vorhandenen Einschränkungen, Belastungen in die Gesellschaft einbringen können und dabei gerade n i c h t individuell bedürfnisorientiert, respektvoll, nicht-paternalistisch unterstützt werden.
 
Nein, Menschen brauchen keine "Arbeit" um jeden Preis.
Nein, nicht jede "Arbeit", d.h. Lohnarbeit, Erwerbstätigkeit ist besser als keine.
 
Menschen brauchen ein existenzsicherndes Einkommen und all das, das ich soeben aufgezählt habe.
 
Und dafür wiederum ist eine gute, stabile, fröhliche, lebenslang prägende und im Idealfall tragende Kindheit absolute Grundvoraussetzung - um den "Unbillen", Herausforderungen, Belastungen des Lebens überhaupt gewachsen zu sein, um sie bewältigen zu können.
 
Was Menschen (gleich ob Kinder oder Erwachsene) n i c h t brauchen, was sie stattdessen belastet, beschädigt, ist:
 
bevormundender, respektloser Paternalismus, Ignoranz, Verachtung (getarnt als "Mitleid"), Beschämung, Verheizt-, Ausgebeutetwerden und Schwarze Pädagogik:

Druck, Zwang, Kontrolle, Schikane, Härte, Strenge, emotionale Kälte, Dressur, Strafe - absichtsvolles Schmerzzufügen, das man im allgemeinen Sprachgebrauch als Sadismus bezeichnet, Gewalt: psychische und/oder physische.
 
-
"(...) Die meisten Tötungen von halbwüchsigen Kindern finden bei Familiendramen statt, meist im Rahmen eines erweiterten Suizids, außerdem in verhärteten Trennungsfällen und hier sind es auch meist die Väter, die ihre Kinder umbringen. (...)
 
Die Welt: Sind Mütter, die ihr Kind töten bzw. es versuchen, psychisch krank?
 
Dr. Michael Soyka: Je nach Definition, aber im Großen und Ganzen gilt das Gegenteil. Nur eine Minderheit ist psychisch schwer krank. Es gibt eine kleine Gruppe von Müttern, die aufgrund wahnhafter Vorstellungen oder schwerer Depressionen ihre Kinder töten, in solchen Fällen dann, um beispielsweise die Kinder vor einer drohenden Gefahr zu schützen. Dies sind aber Einzelfälle. (...)
 
Dr. Michael Soyka: Häufig haben diese Frauen selbst Gewalt erfahren, nicht zwingend physisch, sondern auch emotional. Wahrscheinlich ist auch, dass es ihnen an Empathie mangelt, vielleicht weil sie selbst sehr auf sich gestellt aufgewachsen sind und mit ihren Problemen überwiegend alleingelassen wurden. Die Frauen können aus ganz unterschiedlichen sozialen Umfeldern stammen, der Intellekt spielt nur begrenzt eine Rolle, wobei der Großteil tötender Mütter aus einem belasteten sozialen Milieu kommt. Was die Mütter oft eint, ist eine Art Sprachlosigkeit. Sie sind nicht in der Lage, ihre Probleme auszusprechen, geschweige denn anzusprechen und um Hilfe zu bitten. Hier spielen frühe Erziehungsmuster eine große Rolle, also die Fähigkeit Unangenehmes, ja Probleme zur Sprache zu bringen. Diese Frauen haben Angst davor, negativ aufzufallen, anderen zur Last zu fallen, sie vertrauen sich niemandem an. (...)
 
In jedem Fall müssen sich bei beiden Müttern eine Vielzahl von Spannungen entladen haben, also ein ganzes Motivbündel aus Wut, Überforderung, ein Gefühl des Alleingelassenseins, Schuldgefühle, vielleicht auch finanzielle Perspektivlosigkeit. Solche Taten entstehen kaum rein situativ, also aus einem Streit heraus. Sie entstehen, weil sich im Laufe chronischer Konflikte ein hohes Maß an Aggression aufgestaut hat, das sich plötzlich entlädt – und dann meist an völlig unbeteiligten Personen. (...)
 
Tötungsdelikte sind manchmal nicht nur eine Aggression dem Getöteten gegenüber, sondern eine Aggression, die sich eigentlich gegen etwas ganz anderes richtet. In diesen beiden Fällen wird das Kind vielleicht zum Opfer, weil es das schwächste Glied ist. Die Mütter richten ihre Wut gegen die Kinder, weil sie die Einzigen sind, die ihnen unterlegen sind. In der Fachsprache spricht man, psychodynamisch gedacht, vom „chiffrierten Matrizid“, wenn Söhne ihre Ehefrauen umbringen, weil sie sich nicht trauen, die verhasste Mutter zu töten. (...)"
 

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