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Lebenskunst für Laien

Sabeth schreibt Poesie Melancholie Philosophie Feminismus Anarchismus - non serviam.

Generation Krippe - Über FREMDBETREUUNG und deren Folgen

 
31. Juli 2025, 01. und 10. August 2025
 
Kinder sind keine "Privatsache".
Alte, kranke, behinderte, sterbende Menschen sind keine Privatsache.
Sorge-Arbeit ist keine Privatsache.
Fremdbetreuung ist menschenverachtende Auslagerung.
Menschenverachtung, Menschenmisshandlung ist keine Privatsache.
 
Wie Politik, Regierung, Gesellschaft mit "vulnerablen Gruppen", besonders bedürftigen, verletztlichen Menschen umgeht - Kinder, alte, kranke, behinderte, sterbende, mittellose (materiell arme) Menschen - sagt alles über sie aus.
Moral, Ethik - Menschenwürde
 
Wer legt auf welcher ethischen, ideologiefreien Grundlage/Definition, mit welcher ethischen Berechtigung fest, was Arbeit, was von Wert ist, was - auch monetär - wertgeschätzt wird?
 
Kinder sind keine "Privatsache".
Wären sie es, so gäbe es keine staatlichen Schulen, keine strafbewehrte Schulpflicht und Schulzwang, kein Jugendamt, keine städtischen Kindergärten, Kindertagesstätten, Krippen. 
Es gäbe keine zukünftigen Erwachsenen, Arbeiter, "Arbeitnehmer" ... .
 
Alte, kranke, behinderte Menschen sind keine "Privatsache".
Anderenfalls gäbe es keine Kliniken, Pflegeheime, "Behindertenwerkstätten" inkl. Ausbeutung dieser besonders verletzlichen Menschen durch Staat, Regierungen, Pharmaindustrie, Wirtschaft - Kapitalismus.
 
Kinder, alte, kranke, behinderte, sterbende Menschen sind keine Privatsache. 
Denn ohne andere Menschen, die sie bedürfnisorientiert, wertschätzend umsorgen, würde keine Gemeinschaft funktionieren. 

Wir waren alle Kinder, werden alle mal krank, meistens alt und sterben: gewiss.
Wir sind alle ab der Geburt lebenslang bedürftig, verletzlich und sterblich. 
Wir alle sind lebenslang existenziell darauf angewiesen, dass es andere Menschen gibt, die uns in der Kindheit und im Falle von Krankheit, Behinderung, Pflegebedürftigkeit wohltuend (!) umsorgen.
 
Die zu stellende Frage ist:
Wie gehen wir mit dieser Tatsache um, wie, auf welche - wohltuende, bedürfnisorientierte, wertschätzende oder aber belastende bis beschädigende - Art umsorgen wir Kinder, alte, kranke, behinderte, sterbende Menschen - in welcher Art Gesellschaft.
 
Deshalb nochmal:
Mehrere vertraute Bezugspersonen und entsprechende Wohn-, Lebensformen sowie ausreichend Zeit und Existenzsicherung für unentbehrliche "häusliche" Sorge-Arbeit inkl. Pflege, statt Fremdbetreuung, Auslagerung, Ausbeutung.
 
Kein Mensch weltweit sollte ein Kind oder gar mehrere allein umsorgen müssen, schon gar nicht täglich über Jahre. 
Vertraute Bezugspersonen, statt bezahltes, fremdes Betreuungspersonal, Fremdbetreuung.
Gilt auch für alte, kranke, sterbende Menschen.
 
Warum sind Kinder, alte, kranke, behinderte, pflegebedürftige, sterbende, mittellose, materiell arme, obdachlose, also besonders verletzliche und bedürftige Menschen keine Privatsache:
Menschenwürde- und Sozialstaatsprinzip, Grundgesetz. Grundrechte, Menschenrechte.
Art. 1 i.V.m. Art. 20 Abs. 1 GG
 
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03.09.2025
 
Kommentar zur arte-Doku (F, 2025) - "Die Schattenseite privater Krippen - Kleine Kinder, großes Geld (1/2)"
 
Fremdbetreuung für Säuglinge ist ein Verbrechen. Säuglinge, eigentlich alle Kinder unter 4 Jahren, gehören nicht in Fremdbetreuung - hat mit Bindung, Trennungs-, Verlustängsten, Entwicklung zu tun. 
Und auch ältere Kinder dürften nirgendwo 7, 8 oder gar mehr Stunden "fremdbetreut" werden - so wenig übrigens wie pflegebedürftige Menschen in Pflegeheimen. 
Fremdbetreuung ist menschenverachtende, Menschen schädigende Auslagerung.
 
Betreuungspersonal ist nicht dasselbe wie liebevolle, vertraute Bezugspersonen. 
Menschen, die in Fremdbetreuungseinrichtungen arbeiten, können unmöglich zu allen Kindern eine Bindung, Beziehung aufbauen und die Kinder nicht zu ihnen. Betreuungspersonal kann Bezugspersonen nicht ansatzweise ersetzen, aber viele Kinder verbringen offenbar mehr Zeit mit Betreuungspersonal/in Fremdbetreuung als mit ihren Bezugspersonen. 
 
Kleinkinder spielen außerdem auch noch nicht miteinander, sondern mehr nebeneinander - siehe Entwicklung ... . 
Sie brauchen auch keine "Frühförderung", sondern ein natürliches, vertrautes, anregendes Umfeld und liebevolle, zugewandte, empathische, verantwortungsbewusste, bedürfnisorientiert fürsorgliche Bezugspersonen. 
Das gilt so auch für kranke, pflegebedürftige, sterbende Menschen. 
 
Menschen, die "häusliche" Sorge-Arbeit leisten - mehrheitlich sind das weltweit Frauen - brauchen ein existenzsicherndes! Sorge-Gehalt für ihre unentbehrliche Arbeit, auch, um finanziell nicht von Partnern, Männern, Ehemännern abhängig zu sein. Alternativ/mindestens ein BGE, um nicht mit Säuglingen, Kleinkindern, Grundschulkindern oder pflegebedürftigen Angehörigen noch zusätzlich erwerbstätig sein zu müssen. 
 
Wenn eine Frau nicht auf ihre Erwerbstätigkeit, ihren Beruf, ihre Karriere vorübergehend - einige Jahre - verzichten will oder kann, sollte sie dann keine Kinder bekommen. Denn nein, Väter können Mütter nicht ersetzen, Mütter sind nicht austauschbar, schon gar nicht als Stillende und üblicherweise erste Bezugsperson eines Kindes.
Wozu bekomme ich ein Kind, wenn ich dann nicht - und nicht einmal in der wichtigsten Zeit der frühen Kindheit, der mindestens ersten drei Lebensjahre - miterlebe, wie es sich entwickelt, wächst, mit ihm lebe, sondern die meiste Zeit des Tages, der Woche, während es wach und aktiv ist, von ihm getrennt bin.
 
Und dann nicht "nur" Misshandlung von Kindern, sondern sogar Mord in Kitas?! Was sind das für Menschen, die dort arbeiten, die man auf Säuglinge und Kleinkinder loslässt, ihnen zumutet?
 
Die "Rettung in der Not" ist: weniger Lohnarbeit, Erwerbstätigkeit, mehr Zeit für Sorge-Arbeit, Beziehungen, Muße, Persönlichkeitsreifung, Gemeinwohl - anders arbeiten, wirtschaften (Gemeinwohlökonomie statt Kapitalismus ...), wohnen: keine Ehe, Kleinfamilie, sondern gemeinschaftliches, konsentbasiertes Leben in alternativen Wohnprojekten, generationenübergreifend, siehe  cohousing. 
All das hat der Staat, hätten Regierungen zu fördern, zu unterstützen - nicht Kapitalismus, Militär, Ausgaben für Rüstung, Hofieren von Superreichen.
 
Ich, 52-jährig, bin übrigens überzeugt ledig, unfreiwillig alleinerziehend, mittellos. Meine Kinder sind 32 und 19 Jahre alt.
 
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07.09.2025
 
Kann mich auch hier - Teil 2 der arte Doku (F, 2025) "Ein staatlich gefüttertes System - Kleine Kinder, großes Geld" - nur wiederholen: Kinder unter vier, jedenfalls aber unter drei Jahren gehören grundsätzlich nicht in Fremdbetreuung. Schon gar keine Säuglinge. Diese Kinder brauchen vertraute Bezugspersonen, nicht bezahltes, fremdes, wechselndes Betreuungspersonal.
Ein Schlüssel von einer Betreuungsperson zu neun oder acht oder auch "nur" 5 Kindern ist für Kinder unter 3 Jahren eine Vollkatastrophe, da die Bedürfnisse der Kinder in diesem Alter so nicht ansatzweise, schon gar nicht angemessen erfüllt werden können. Es beschädigt die Kinder und belastet die Betreuungspersonen. Krippen müssten sämtlich abgeschafft werden. 
 
Entweder Eltern übernehmen das Umsorgen ihrer Babies und Kleinkinder selbst - schön, wenn es noch weitere Bezugspersonen wie bspw. Großeltern gibt - oder sie sollten keine Kinder bekommen. 
Und Bezugspersonen könnten selbstverständlich auch andere vertraute Menschen in alternativen Wohnprojekten sein, siehe cohousing - statt Kleinfamilie.
 
Niemals je zuvor in der Geschichte der Menschheit wurden Menschen in altershomogenen Gruppen fremdbetreut/ausgelagert, schon gar nicht, damit Menschen vom "Ballast" der Sorge-Arbeit frei waren, um kapitalistisch ausbeutbare Lohnarbeit, Erwerbstätigkeit abzuleisten. Das ist eigentlich pervers. 
 
Häusliche Sorge-Arbeit, inkl. Pflege ist mit die unentbehrlichste, wichtigste, sinnvollste Arbeit überhaupt, weltweit wird diese Arbeit von mehrheitlich Frauen unbezahlt, ohne Einkommen geleistet und als Arbeit noch nicht einmal anerkannt, geschweigedenn monetär wertgeschätzt - sie muss endlich existenzsichernd entlohnt werden: Sorge-Gehalt. Nur so sind Frauen, Mütter von Männern, auch von Ehe unabhängig, nicht nur, aber gerade auch Alleinerziehende.
Und nur so können sie ohne Lohnarbeit, Erwerbstätigkeit ihre Existenz sichern, wenn sie Kinder haben, Sorge-Arbeit leisten und mit ihren Kindern auch selbst die meiste Zeit des Tages gemeinsam verbringen möchten - nicht nur kurze Zeit jeweils am Morgen, am Abend und am Wochenende. - Wozu haben diese Menschen, Frauen wie Männer, Kinder, wenn sie sie die meiste Zeit, auch später in der Schule, fremdbetreuen lassen, ihre Kinder nicht sehen, nicht erleben, nicht mit ihnen zusammen sind, sondern sie im Grunde ständig wegorganisieren?
 
Wie barbarisch ist es, die Lohnarbeit über die Sorge-Arbeit zu stellen, Erwerbstätigkeit höher zu bewerten und nur diese zu bezahlen. Das ist Kapitalismus, Konservatismus, Patriarchat, Androzentrismus. Die Frauen leisten die Arbeit, die Männer machen weltweit die Regeln, Gesetze, siehe Wirtschaft, Regierungen, Führungs-, Entscheidungs-, Machtpositionen. 
 
Klar, in der häuslichen Sorge-Arbeit, sogen. Reproduktionsarbeit gibt es keine Aufstiegschancen, man macht nicht Karriere, man verdient nicht "das große Geld". So überlässt mann das Frauen. 
Aber ja: Gerade im ersten Lebensjahr, oft auch noch länger, ist die Mutter auch aus physischen Gründen (Stillen) die erste Hauptbezugsperson eines Menschen - ja, das hat nun mal mit Leiblichkeit, Biologie zu tun: Es sind Frauen, die schwanger werden können, Kinder gebären, sie stillen können. Und all das hat auch mit Bindung zu tun: Mutter-Kind-Bindung, frühkindlicher Bindung, Prägung ... . Diese wird durch das Stillen bekanntlich gefördert, vor allem aber durch das häufige, intensive Zusammensein von Mutter und Kind - ohne Sorgen, Nöte, starke Belastungen, Bedrohungen. 
 
Säuglinge und Kleinkinder, Menschen sind keine Dinge, die man in Fremdbetreuung auslagert, als seien sie zu verwaltende Objekte oder Besitzgegenstände. 
 
Gleiches gilt für die Auslagerung von kranken, alten, behinderten und sterbenden Menschen - siehe Pflegeheime, Hospize ... . 
Es muss möglich sein, professionelle Pflegekräfte nach Hause holen zu können, sofern man die Pflege nicht vollumfänglich selbst leisten kann. Es muss möglich sein, dass all diese besonders bedürftigen und verletzlichen Menschen - Kinder, alte, kranke, sterbende Menschen - in ihrer vertrauten Umgebung, mit ihnen vertrauten, wohlgesonnenen Bezugspersonen leben und umsorgt werden können. Primat des Sozialen, statt der Wirtschaft. Menschenwürde. Ethik. 
 
Und Kleinkinder brauchen auch keinerlei "Frühförderung", sondern einfach eine sichere, geschützte, zugleich offene, anregende, aber nicht reizüberflutende Umgebung, in der sie sich und die Welt kennenlernen und ausprobieren können. 
Kinder unter 3 Jahren spielen außerdem noch nicht miteinander - das können sie entwicklungsbedingt nicht. 
 
Welche unabhängigen Studien gibt es von wem zu all den von diesen kleinen Kindern erlittenen Trennungs- und Verlustschmerzen und welche negativen Folgen so frühe Fremdbetreuung sehr wahrscheinlich hat, wie sie sich auf das Verhalten, die Psyche, auf Bindungs- und Beziehungsfähigkeit, auf die Entwicklung auswirkt?
 
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Aktualisierung am 02. August 2019 - zur Sendung "Kinder im Kita-Stress - Wie vereinbar sind Familiie und Beruf wirklich?", swr2 Forum
 
Ich bin immer wieder entsetzt, wie für Fremdbetreuung plädiert wird. Warum dies geschieht, ist mir bewusst, es ändert jedoch nichts daran, dass und warum das Bewerben der Fremdbetreuung falsch ist.
Zu den einzelnen in der Sendung genannten Punkten:
 
1. Ja, Kinder brauchen Bezugspersonen, aber keine "Bezugserzieherin", denn ErzieherInnen wechseln mehr oder weniger häufig in den Einrichtungen (Kitas, Krippen) und sie sind gerade keine echten, vertrauten und auch zukünftig idealerweise langjährig verlässlichen Bezugspersonen mit emotionaler Bindung an jedes einzelne (Kita-) Kind, sondern sie machen einen Job, für den sie entlohnt werden und nicht, um zu all ihren "Bezugskindern" echte, emotionale Bindungen, Beziehungen einzugehen, das könnten sie selbst emotional auch gar nicht über Jahre leisten und bewältigen, z.B. deshalb, da die Kinder nach einigen Jahren sämtlich wieder gehen.
 
2. Kinder brauchen Bezugspersonen unterschiedlichen Alters und Geschlechts, um sich gut, natürlich entwickeln zu können und ja, dazu gehören auch andere Kinder unterschiedlichen Alters, aber eben auch Erwachsene unterschiedlichen Alters und Geschlechts - exakt so lebten Menschen über viele Jahre zusammen, in solchen Gemeinschaften.
 
Nicht hingegen wurden Kinder je in Gruppen gehalten, in denen sie mit viel zu vielen anderen Kindern und viel zu wenigen, ihnen gerade nicht wirklich vertrauten, nicht verbundenen (!) Erwachsenen zusammenkamen und noch weniger wurden sie dafür an spezielle Orte gebracht, außerdem und vor allem: nicht ab einem Alter von nur 1 oder 2 Jahren.
 
3. Kinder lernen Empathie bzw. Mitgefühl nicht nur oder erst in der Kita, durch die Kita, sondern es ist ihnen - wie jedem Menschen sowie auch anderen Primaten - a n g e b o r e n. Dieses angeborene Mitgefühl wird dann durch Umgang gestärkt oder aber geschwächt.
 
Für das Stärken, Fördern des Mitgefühls ist der entsprechend bedürfnisorienterte Umgang mit dem Säugling und (Klein-) Kind besonders wichtig, entscheidend. Sodann können Kinder sich dies bei anderen Kindern und vor allem Erwachsenen "abschauen" - ganz ohne Kita.
 
4. Was überwunden werden muss, ist die Vollzeit-Erwerbstätigkeit und die Kleinfamilie.
 
Damit Kinder mit verschiedenen Menschen - unterschiedlichen Alters und Geschlechts - regelmäßig Umgang haben, Bezugspersonen, tragende, verlässliche, liebevolle Beziehungen haben, finden, erleben können - die übrigens alle Menschen lebenslang brauchen, nicht nur Kinder - ist ein anderes Wohnen, Zusammenleben erforderlich, nämlich das in familiären Gemeinschaften, Wahlverwandtschaften - gemeinschaftlich, generationenübergreifend, selbstverwaltet, soziokratisch, siehe cohousing.

Dafür wiederum ist eine entsprechende Architektur und Infrastruktur erforderlich, außerdem das Fördern des gemeinschaftlichen, generationenübergreifenden Wohnens durch Politik.
 
5. Erst ab dem Alter von etwa 3 Jahren spielen Kinder wirklich m i t einander, vorher ist es eher ein Nebeneinander.
Kinder im Alter von 1 bis 3 Jahre würden sich selbst überlassen nicht miteinander zurechtkommen, schon gar nicht spielen oder voneinander lernen. Eben deshalb ist es wichtig, dass auch ältere Kinder und Erwachsene in ausreichender Anzahl als Bezugspersonen vorhanden sind. Dies wäre in co-housing-Wohn-, Lebensform gewährleistet, insbesondere, wenn die Menschen erheblich weniger Zeit mit Erwerbstätigkeit verbringen, stattdessen mit Sorge-Arbeit und Beziehungsarbeit ... .
 
6. Erst ab dem Alter von 3 bis 4 Jahren haben Kinder ein Zeitempfinden bzw. Zeitverständnis, das ihnen ermöglicht zu verstehen, wann sie wieder "abgeholt" werden, wie lange sie sich in etwa in der Kita, dem Kiga aufhalten, was mit "später" oder "in ein paar Stunden" etc. gemeint ist. Ein jüngeres Kind kann mit solchen Angaben und Aussagen nichts anfangen, es beruhigt sich durch solche Mitteilungen nicht, da es sie noch nicht verstehen kann.
 
Und auch erst ab diesem Alter - eher ab 4 Jahre - können Kinder sich einigermaßen gut verbal ausdrücken, d.h. von ihren Erlebnissen und Empfindungen erzählen.
Jüngere Kinder können das nicht! Sie können nicht erzählen, was wie mit wem in der Kita gelaufen ist, worüber sie wann und wie lange ggf. traurig waren, ob, wie oft, wie lange sie sich einsam fühlten, wie sie sich überhaupt fühlten, was sie erlebten, wie mit ihnen umgegangen wurde usw.. Sie können nur weinen, schreien, wimmern oder einzelne Worte und kurze Sätze sagen - oder schweigen, eben weil ihnen die Worte, die kognitiven Fähigkeiten noch fehlen.
 
7. Was er forderlich ist, ist:
 
- erheblich weniger Erwerbstätigkeit und ein zeitgemäßer Arbeitsbegriff - Arbeit ist mehr und noch anderes als kapitalistisch verwertbare Erwerbstätigkeit
 
- "häusliche" Sorge-Arbeit als eine für jede Gesellschaft und Gemeinschaft unentbehrliche Arbeit anerkennen und sie existenzsichernd monetär honorieren, so auch bspw. wenn Angehörige zu Hause gepflegt werden ... Sorge-Gehalt, statt Herdprämie.
 
- anders Wohnen: cohousing
 
N i c h t immer noch frühere, noch längere Fremdbetreuung in speziellen Einrichtungen. Und der sogenannten Frühförderung bedarf es nachweislich schon gar nicht, siehe Hirnforschung, Neurobiologie, bspw. Gerald Hüther.
 
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08. Juni 2026
 
Wie oberflächlich und tendenziös, suggestiv ist das denn?!: swr, 29.05.2026 - "Erwerbstätige Mütter: In der Regel keine Nachteile für Kinder"
 
Weder wird in dem Artikel offengelegt, in welchem Umfang welche in den Studien erfassten Mütter in welchem Alter welcher Art Erwerbstätigkeit wieviele Jahre nachgingen - bspw. Teilzeit, Vollzeit, Home-Office, waren die Mütter mittellos oder vermögend, alleinerziehend oder verheiratet, gab es unterstützende Großeltern, wieviel Sorge-Arbeit leisteten diese Mütter neben der und welcher, wieviel Erwerbstätigkeit, hat das die Mütter (!) selbst belastet? - noch wird mitgeteilt, ob, falls ja wie, wie oft und lange (wieviele Stunden an wievielen Tagen die Woche) die Kinder welchen Alters in welcher Art Einrichtung wie gut oder schlecht fremdbetreut wurden.
 
Gerade über die Art, den Umfang, die Qualität der Fremdbetreuung wird in dem Artikel - und auch in den zugrundegelegten Studien? - mit keinem Satz Bezug genommen, Fremdbetreuung wird gar nicht erwähnt. Warum nicht?
Denn wie gesundheitlich, psychisch-emotional und physisch gut oder schlecht es fremdbetreuten Kindern geht, hängt nachweislich erheblich von der Art, Dauer, Häufigkeit und Qualität der Fremdbetreuung ab. 
 
https://www.swr.de/swraktuell/baden-wuerttemberg/berufstaetigkeit-der-mutter-schadet-kindern-in-der-regel-nicht-100.html
 
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26. September 2018
 
Möglicherweise ist frühkindliche Fremdbetreuung grundsätzlich ein Übel - Kinder und Eltern schädigend. Siehe bedürfnisorientierter Umgang, frühkindliche Bindung.
 
Wir brauchen im Sinne bedürfnisorientierten Gemeinwohls und demokratischer, gerechter Verhältnisse (auch Geschlechterparität) andere Wohn-, Arbeits-, Sorgestrukturen: familiäre Gemeinschaften auf Basis freiwilliger Wahlverwandtschaften - dann gäbe es keine soziale Isolation, keine vereinsamten Senioren, keine Überforderung, Überlastung von Eltern und somit weniger oder auch keine Gewalt mehr gegen insbesondere Kinder, die in solchen Gemeinschaften immer andere Kinder und erwachsene verlässliche, langjährige Bezugspersonen unterschiedlichen Alters und Geschlechts hätten (statt wechselnden Betreuungspersonals). So gäbe es Entlastung der Eltern und insgesamt tatsächliche Inklusion auf allen Ebenen.
 
Möglich, ermöglicht würde das nur durch andere Wohnformen, entsprechende Architektur, Infrastruktur und Arbeitsformen.
 
Hilfreich ist hier die Digitalisierung, die das durchaus ermöglicht - statt "Vollzeit Vollbeschäftigung" und bullshitjobs, Prekariat, Ausbeutung - auch von bspw. Frauen, Müttern als billige Arbeitskräfte und weltweit mehrheitlich noch immer gratis Sorge-Arbeit Leistende.
 
Ich bin der Überzeugung, Kinder sollten idealerweise nicht vor dem vollendeten vierten Lebensjahr fremdbetreut werden - schon gar nicht in Einrichtungen.
 
Man muss es individuell betrachten - je nach kindlichem Entwicklungsstand, die meisten Kinder werden aber erst mit ungefähr 4 Jahren ein angemessenes Zeitverständnis haben und sich verbal ausreichend artikulieren können, so dass sie aus ihrem Kita-Alltag berichten können (was gut, was schlecht gelaufen ist ..., warum sie sich worüber geärgert haben oder traurig waren ... - das können Zwei- und Dreijährige zumeist noch nicht).
 
Ein vierjähriges Kind kann die Aussage verstehen: "Ich gehe jetzt und komme in vier/fünf Stunden wieder." Ein Dreijähriges versteht dies zumeist noch nicht - Folge ist zumeist Trennungs-, Verlustangst, manchmal auch verzögert eintretend oder wenn längere Zeit Kita-Ferien waren oder das Kind krank war und längere Zeit nicht in die Kita ging.
 
Üblicherweise sind sicher gebundene Kinder unter drei Jahren an ihre Hauptbezugspersonen noch sehr anhänglich, erst ab ca. drei bis vier Jahre gehen sie nach außen, interessieren sich für andere, sind dann auch in der Lage, gemeinsam mit anderen zu spielen (nicht nur nebeneinanderher), auf andere einzugehen etc..
 
Die immer frühere, immer längere Fremdbetreuung halte ich daher bei auch guter Qualität der Einrichtung und gutem Betreuungsschlüssel für tatsächlich schädigend.
 
Auch ist vielen Müttern damit nicht geholfen, da die Kinder in den ersten Lebensjahren noch kein ausgereiftes Immunsystem haben, häufiger krank sind, nachts oft auch noch häufiger aufwachen ... - die Mütter trotz all dessen aber am nächsten Tag fit beim Job auflaufen und Leistung bringen müssen, gleich, wie wenig Schlaf und wieviel Stress sie hatten - und mehrheitlich sind es immer noch die Mütter, die sich um kranke Kinder kümmern, die sich nachts um Kinder kümmern, nach denen kranke Kinder häufig verlangen.
 
Ich sehe eine Tendenz, die bald schon wieder hin zur 24-Stunden-Krippe geht, siehe wie in der ehemaligen DDR - mit entsprechend gravierend negativen Folgen - für die Gesamtgesellschaft, aufgrund in solcher Weise beschädigten Kindern und späteren Erwachsenen.
 
Wir brauchen eine angemessene Aufteilung der Sorge-Arbeit und das im möglichst familiären Bereich (nur halt n i c h t in der Kleinfamilie), in dem Kinder sich sicher, vertraut, wohl fühlen und den sie mit zunehmendem Alter selbständig verlassen, den sie je individuell selbst erweitern.
 
Es gibt sicher individuelle Unterschiede, dennoch gibt es auch typische kindliche Entwicklungsphasen - wann ein Kind also frühestens was in etwa "kann" (Zeit einschätzen, wann hat es ein Ich-Bewusstsein, wann kann es Ausscheidungen kontrollieren, was ist wann motorisch möglich, welche Folgen hat es, wenn das Kind sich verbal mitteilen, austauschen kann usw.).
 
Und es gibt sicher auch Familien, in denen die Kinder vom Vater als erste Hauptbezugsperson betreut ... werden - zumeist ist es jedoch die Mutter (in vor allem dem ersten und zweiten Lebensjahr, im ersten schon wegen des Stillens z.B.).
 
Ich meine, es ist aus oben bereits genannten Gründen für ein Kind wichtig, dass es ein Zeitgefühl hat und nicht erlebt, dass die Bezugsperson geht und das Kind noch nicht versteht, dass sie tatsächlich zurückkommt und wann (siehe Trennungs-, Verlustängste) - das können Kinder unter drei Jahre definitiv alle noch nicht einordnen und viele auch mit 3 noch nicht - die meisten können es aber im Alter von 4 Jahren.
Ähnlich verhält es sich mit dem oben bereits genannten Berichten von Erlebtem - kleine Kinder, die negative Erfahrungen machen, können zumeist nur weinen, ihren Eltern aber nicht mitteilen, was sie beschäftigt, belastet ... und das eben zusätzlich im nicht vertrauten Rahmen/Raum, sondern in Fremdbetreuung.
 
Es bedeutet ja großes Vertrauen (-könnenmüssen), sein Kind in fremde Hände zu geben - umso mehr, wenn es sich um Menschen handelt, die eben keine emotionale Beziehung, Bindung zum Kind haben, sondern i.d.R. wechselndes Betreuungspersonal sind - zwar sicher engagiert, auch ausgebildet, hoffentlich einfühlsam ..., aber eben keine Bezugspersonen, sondern nur vorübergehend Betreuende. Gerade Kinder unter drei Jahren benötigen jedoch vertraute Bezugspersonen für ihre gesunde Entwicklung. Es müssen halt bloß nicht "nur" die biologischen und/oder sozialen Eltern sein.
 
Da es heute kaum mehr Großfamilien gibt, wir auch anders leben (wollen), Frauen nicht "nur" Sorge-Arbeit leisten wollen, Großeltern entweder nicht vorhanden oder räumlich weit entfernt oder selbst lange noch berufstätig oder anderweitig aktiv oder auch krank sind ..., ist es wichtig, dass Kinder mehrere vertraute Bezugspersonen von idealerweise Geburt an haben können - unterschiedlichen Alters und Geschlechts wäre perfekt, also andere Kinder und Erwachsene. Das entspricht der von mir oben erwähnten "familiären Gemeinschaft" auf Basis von Wahlverwandtschaften.

Je jünger das Kind ist, umso weniger Bezugspersonen braucht es zunächst, je älter es wird, umso mehr - jedenfalls grundsätzlich stabile, verlässliche - nicht alle zu jeder Zeit zugleich, aber generell eben Bezugspersonen, siehe also vorhandene/auf diese Weise mögliche emotionale Bindung, Beziehung.
 
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11. Juni 2026
 
Medizin: "Psychosoziale Belastungen - Belastungsstörungen, Anpassungsstörungen, Depression, Angststörung, Soziale Phobie"
 
Wenn du auf sozioökonomisch, sozial, physisch und/oder psychisch-emotional nicht selbstverschuldete, erheblich belastende Lebensumstände, Ereignisse, Widerfahrnisse, regierungspolitisch verursache Missstände (bspw. materielle Armut u.v.a.m.) als Mensch natürlicherweise mit körperlicher und/oder psychischer Überlastung, zahlreichen Symptomen, Beschwerden r e a g i e r s t, nennt man das in Medizin, Gesundheitssystem: "Belastungsstörungen, Anpassungsstörungen" oder auch Depression, Angststörung, soziale Phobie u.a.m..
 
Das Problem bist demnach also, wie üblich, DU: deine mangelnde, unzureichende, fehlgehende "Anpassungs-, Bewältigungsleistung", deine "kranke Psyche", dein "Fehlverhalten".
Das Problem wird bei, in dir als Person, Individuum, in deinem Körper, deiner Psyche, deiner Wahrnehmung, deinen Gefühlen, deinem Verhalten, deiner Persönlichkeit verortet, "diagnostiziert" und deshalb auch nur dort - nur an, in dir, der jeweilig betroffenen Einzelperson - "behandelt, therapiert". 
 
Deshalb wird auch an den nicht nur, aber auch deine Überlastung, physische und psychische Erschöpfung, Verzweiflung, Haltlosigkeit ... faktisch verursacht habenden bekannten, bestehenden, zahlreichen sozialen, sozioökonomischen, politischen, gesellschaftlichen Missständen nichts zum Wohltuenden hin - für dich und andere Menschen - geändert, sondern werden die einzelnen betroffenen Menschen, Individuen "behandelt, therapiert".
Nur damit halt nicht: geheilt.
Und angemessene, effektive Prävention sind diese zahlreichen schulmedizinischen, oft invasiven, meistens nebenwirkungsintensiven, allenfalls oberflächlich Symptome vorübergehend mildernden "Therapien" auch nicht.
 
Es geht nicht um Prävention und Heilung, nicht um tatsächliches Wohlergehen, Wohlbefinden von Menschen - es geht einzig darum, dass möglichst alle Menschen für Wirtschaft, Kapitalismus via Lohnarbeit, Erwerbstätigkeit (inkl. Maloche und künstlich geschaffener, nicht gemeinwohlförderlicher bullshitjobs) sowie unbezahlter Sorge-Arbeit - f u n k t i o n i e r e n, funktional (wieder) gemacht werden: wie/als Objekte, Benutzungsgegenstände. Menschenmaterial.
 
Warum und von wem, Thomas Brock, Psychiater am UKE Hamburg, aus der Sendung "Störungswahn" des Deutschlandfunk zitierend: "all das zur Aufgabe von Medizin erklärt" wird, versteht man, wenn man die Programmatik des Kapitalismus´, Neoliberalismus´ erfasst und u.a. Michel Foucault - bspw. "Überwachen und Strafen" - gelesen hat:
 
Wer Menschen, Subjekte - nicht nur also die von ihnen, ihrer Persönlichkeit, Leiblichkeit scheinbar "abgelöst", maschinenartig erbrachte Arbeit - als Produktionsfaktor, Produktionsmittel sieht, sie entsprechend behandelt, wer Menschen somit im Sinne der kapitalistisch-neoliberalen Ideologie und ihrer Dogmen zu funktionalen Nutzungsgegenständen objektifiziert - sie auf diese Weise entmenschlicht, also: entwürdigt - muss alles, das vonsetien des Menschen den reibungslosen Ablauf des Räderwerks "(Ausbeutung durch) Lohnarbeit/Erwerbstätigkeit (inkl. Maloche, bullshitjobs), (Produktion), Konsum, Konsumismus, Profit" stört oder stören könnte, systematisch pathologisieren oder anderweitig stigmatisieren, um es auf dieser vermeintlichen Legitimationsgrundlage überwachen, kontrollieren, manipulieren - indoktrinieren, erziehen, dressieren, abrichten, unterwerfen, gefügig machen - sowie vermeintlich reparieren, instandsetzen, also Menschen als Objekte, als Menschenmaterial für das System, dessen jeweilige Zwecke, Absichten, Ziele wieder verfügbar, funktional, benutzbar machen zu können. 
 
Die Ursachen oder Auslöser der vor allem chronischen psychischen und/oder physischen Erkrankungen, "Störungen" - oder was als solche aus genannten Gründen von wem erklärt wird - die vielfältigen, vielfachen Belastungen, Symptome, Beschwerden von Menschen - ihre Schmerzen, ihr Leid - können, dürfen im Sinne dieser kapitalistisch-neoliberalen Ideologie keinesfalls in den von Menschen, insbes. Arbeitern, Mittellosen, "Randständigen", Marginaliserten nicht selbst verschuldeten, jedenfalls mehrheitlich nicht freiwillig, nicht konsensual, nicht teilhabe-, entscheidungs- gestaltungsberechtigt geschaffenen äußeren gesellschaftlichen, regierungspolitisch verursachten, gewollten, zementierten Umständen, Verhältissen, Missständen verortet, festgestellt werden, sondern müssen aus genannten Gründen - Überwachung, Kontrolle, Strafe, Macht, Objektifizierung, Benutzung, Ausbeutung - in den Menschen, Subjekten, Individuen "gefunden" werden: an, in deren Körper, Psyche, Gehirn, Leib und ihrem vermeintlichen, je persönlichen Fehlverhalten, ihrer unzureichenden oder fehlerhaften (bewussten oder unbewussten) Anpassungs-, Bewältigungsleistung.
 
Zu analysieren und angemessen, human, wohltuend zu verändern sind demgemäß nicht diese krankmachenden, Menschen intensiv, oft lebenslang belastenden, beschädigenden äußeren, gesellschaftlichen, politischen Umstände, Verhältnisse, Missstände, sondern zu erziehen, dressieren, bestrafen, behandeln sind die vorgeblich kranken, gestörten, irren, behinderten, dysfunktionalen, unangepassten, ungehorsamen, widerspenstigen, widerständigen sowie auch die armen (mittellosen), alten und noch jungen (Kinder, Jugendliche, Adoleszente) Menschen - eben deshalb werden sie sämtlich in den jeweilig für sie konzipierten Einrichtungen (Krippe, Kita, Schule, diverse Kliniken, Psychiatrie, Gefängnis, Altenheim, Pflegeheim, Kinderheim, "Flüchtlingsunterkunft, Asylantenheim", Obdachlosenheim) fremdbetreut, dorthin ausgelagert, darin überwacht, beobachtet, kontrolliert, beurteilt, steril, empathielos, übergriffig, gewaltsam behandelt: "therapiert, repariert", misshandelt, ab- und zugerichtet und sogar als Säuglinge, (Klein-) Kinder, Alte, Kranke, Sterbende lukrativ, profitabel genutzt, ausgebeutet.  
Ja, d a s ist abartig, pervers, diskriminierend, unmenschlich, unethisch.
Es ist destruktive, Menschen systematisch, sukzessive zermürbende, vernichtende Gewalt. 
 
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Sozialstaat, der "soziale Staat" 

"(...) Eine Überwindung von Not, Armut und Unsicherheit oder gar eine »Angleichung der Lebensverhältnisse« erwartet sich – zu Recht – niemand mehr vom sozialen Staat, der in den letzten 15 Jahren große Teile seiner lohnabhängigen Bevölkerung im Interesse seiner Wirtschaft und seiner globalen Macht verarmt und verunsichert hat. (...)
 
Völlig offen bleibt:

Wieso gehört die Versorgung der Menschen und die Rücksichtnahme auf ihre sozialen Belange nicht zum Auftrag der Ökonomie selbst?

Weshalb fehlt es an all dem in der zugleich für ihre Effizienz bei der »Versorgung  mit Gütern« gelobten Marktwirtschaft?

Warum ist »das Soziale« getrennt von »der Wirtschaft« überhaupt eine gesonderte Staatsaufgabe?
 
Wieso gibt es »soziale Ungleichheit«, die »ausgeglichen« werden muss, wieso fehlt es an Möglichkeiten zur »Teilhabe« und was gefährdet eigentlich so systematisch den allseits  beschworenen sozialen Zusammenhalt?

Worin bestehen die angesprochenen »Lebensrisiken«? Sind damit Unglücksfälle gemeint, die »dem Leben« geschuldet sind und mal anfallen können, mal aber auch nicht?

Weshalb werden Armut, Not und Unsicherheit eigentlich nie überwunden, wenn doch ein mächtiger Sozialstaat ihnen seit 150 Jahren den Kampf ansagt? (...)
 
Die Frage nach den Ursachen und den Zielen ist aber keine Nebensache, die etwa je nach methodischer Schwerpunktsetzung – auch vernachlässigt werden könnte; zumindest dann nicht, wenn man die lästigen, aber immer wiederkehrenden Notlagen aus der Welt schaffen möchte. Dann ist es vielmehr unumgänglich, deren Ursachen zu ermitteln. (...)
 
Der kapitalistische Reichtum beruht auf der Armut jener, die ihn als Lohnabhängige mit ihrer Arbeit herstellen, vermehren und verwalten. Arm sind sie, die Lohnabhängigen, weder »irgendwie« und schon gar nicht in Abhängigkeit vom »jeweils zugrunde liegenden Definitions- und Wertmaßstab« der Sozialwissenschaften. Arm sind sie, weil sie ausgeschlossen sind von den Produktionsmitteln, um in der »Marktwirtschaft« am gültigen Wert(!)Maßstab selbständig Waren zu produzieren, zu verkaufen und damit Geld zu verdienen. In diesem objektiven – weil am Maßstab dieser Gesellschaft gültigen – Sinn sind sie absolut arm. Das begründet überhaupt ihre Lohnabhängigkeit.
 
Um das Geld zu verdienen, das die Lohnabhängigen zur verfassungsgemäßen Wahrnehmung ihrer Freiheit und zur »Entfaltung ihrer Persönlichkeit« befähigt, müssen sie ihre Arbeitskraft verkaufen. Sie müssen ihren Willen, ihre Kraft und ihre Lebenszeit in den Dienst eines »Arbeitgebers« stellen, der mit ihren Leistungen sein Kapital zu mehren sucht. Davon sind sie abhängig.
Damit unterliegt ihre materielle Existenz einer fundamentalen Bedingung: Lohn und Brot verdienen sie nur, wenn sie mit ihrer Arbeit fremden Reichtum vermehren. Ein Einkommen erzielen sie nur dann, wenn ihre Arbeit »rentabel« ist, d.h. wenn sie mit ihrer Arbeit mehr Reichtum bzw. mehr Wert schaffen, als sie an Lohn dafür erhalten. Lohn und Leistung sind dementsprechend. In diesem ganz und gar nicht beliebigen Sinn sind die Lohnbezieher relativ arm, nämlich relativ zu dem Reichtum, den sie herstellen und lebenslang vermehren müssen. (...)
 
Aller wissenschaftlichen Dogmatik zum Trotz findet die lohnabhängige Mehrheit Deutschlands im Verkauf ihrer Arbeitskraft kein dauerhaftes Ein- und Auskommen.
Die eine Hälfte von ihnen ist zwar alternativlos auf eine abhängige Beschäftigung angewiesen, bekommt diese allerdings nicht: Kranke, Behinderte und Alte sind mit ihrer vergleichsweise eingeschränkten Leistungsfähigkeit und ihrem erhöhten finanziellen Bedarf für medizinische Versorgung, Pflege und Assistenz als Arbeitskräfte in der Regel unrentabel, verdienen deshalb kein Geld sondern Mitleid. Pflegende Familienangehörige und (alleinerziehende) Mütter verfügen zwar über ihre volle Arbeitskraft, stehen »dem Arbeitsmarkt« bzw. den Arbeitgebern allerdings nicht oder nur zeitlich begrenzt zur Verfügung.
Kinder und Jugendliche sollen in staatlichen Schulen und kapitalistischen Betrieben erst die Qualifikationen erwerben, die sie als (aus)gebildete Arbeitskräfte möglichst bis siebenundsechzig zum Einsatz bringen. Amtlich anerkannte Arbeitslose verfügen zwar über ihre Arbeitskraft, wurden meist auch einst auf eine rentable Funktion hin ausgebildet oder zugerichtet und sie bieten diese auch der versammelten Unternehmerschaft vermittelt über staatliche und private Agenturen an, allerdings besteht schlichtweg kein Bedarf (mehr) an ihrer Dienstbereitschaft.

Der anderen Hälfte des modernen Proletariats gelingt der Verkauf ihrer Arbeitskraft.
Lohn und Leistung sind aber wegen der besagten Abhängigkeit so gestaltet, dass sie damit nicht dauerhaft zurechtkommen. Viele können mit ihren Löhnen und Gehältern die Mieten in den Ballungszentren, den Unterhalt ihrer Kinder oder die Preise für medizinische Behandlungen nicht bezahlen. Andere sind aufgrund ihrer Arbeitsbelastung nicht in der Lage, sich um die Erziehung ihrer Kinder oder die Pflege ihrer Angehörigen zu kümmern und ihr Lohn reicht nicht, um dafür speziell ausgebildete Kräfte zu engagieren. Wieder andere verlieren ihre Arbeitskraft und damit ihr Einkommen durch Berufskrankheiten und Arbeitsunfälle. Und wenn sie durch Arbeitslosigkeit oder Alter kein Erwerbseinkommen mehr beziehen, stellt sich für die Allermeisten rasch heraus, dass ihr Einkommen einfach zu klein war um damit Rücklagen zu bilden, von denen sie die unbeschäftigten Jahre in Muße verbringen könnten. Armut ist insofern Ausgangs- und Endpunkt der Lohnabhängigkeit im Kapitalismus und die bleibende ökonomische Grundlage der Sozialpolitik. (...)
 
Mit seiner Familienpolitik, dem Ehe-, Familien- und Unterhaltsrecht, nimmt der soziale Staat die haltlose Konstruktion einer auf Liebe gegründeten Versorgungsgemeinschaft ohne Produktionsmittel gegen die Betroffenen in die Pflicht, weil an der Familie als Keimzelle der Gesellschaft nun mal die Reproduktion des Ganzen hängt; auch und gerade dann, wenn die Beteiligten das nicht leisten können oder schlicht nicht
mehr zusammenleben wollen. (...)
 
Mit Kitas erschließt er junge Mütter für den Arbeitsmarkt und emanzipiert mit der Verstaatlichung der frühen Kindheit gleichsam die Erziehung der Kinder von den pädagogischen Fähigkeiten und Möglichkeiten ihrer Eltern. Über die Konsequenzen familiärer Sozialisation unter den skizzierten Bedingungen macht sich zumindest der soziale Staat keine Illusionen und hält in seinem SGB VIII ein ganzes Gesetzbuch der »Kinder- und Jugendhilfe« parat, um mit seiner Dialektik von Hilfe und Kontrolle die verwahrlosten Teile der proletarischen Jugend doch noch zu einer halbwegs gesellschaftskonformen Lebensführung zu bewegen und dafür Notfalls auch sein »Wächteramt« gegen die Familien in staatlicher Regie wahrzunehmen.

Die umfängliche Bildung und Erziehung der Jugend ist ebenfalls eine staatliche Aufgabe, zu der die lohnabhängigen Eltern in der Regel nicht in der Lage sind und die sich für die Unternehmen nicht oder nur sehr bedingt rentiert. Der soziale Staat übernimmt deshalb als Hoheitsaufgabe die Bildung, d.h. die Entwicklung jugendlicher Arbeitskraft, ihre universelle Ausstattung mit Qualifikationen und Kompetenzen, ihre Disziplinierung, Zertifizierung und Vorsortierung für den Arbeitsmarkt, ihre Ertüchtigung als Konkurrenzsubjekt und ihre Erziehung zu  gemeinschaftsverträglichem Handeln« auf der Grundlage der freiheitlich-demokratischen Grundordnung. Erst durch seine Intervention bildet sich die Arbeitskraft gemäß den geltenden Anforderungen der Arbeitgeber als »Eigentum« der Lohnabhängigen heraus, steht dem Kapital der kontinuierliche Nachschub von Arbeitskräften zur Verfügung und ist darüber hinaus ganz allgemein ein Funktionserfordernis für den Verkehr in der bürgerlichen Gesellschaft erfüllt.
 
Der spezifische Charakter dieser Bildung als staatliche Pflichtveranstaltung, als Leistungslernen in der Konkurrenz um Noten und gegen die Mitschüler*innen und mit den unvermeidlichen Resultaten sozial selektiver »Bildungserfolge« produziert zwar seinerseits gewisse Opfer, die sozial- und sonderpädagogisch betreut werden müssen, passt aber ganz zu der kapitalistischen Gesellschaft, die der soziale Staat fördert und fordert. (...)
 
Kapitalismus macht krank. Weil es in der Marktwirtschaft um die Produktion von Profit und nicht um die Bedürfnisbefriedigung der Produzenten und Konsumenten geht, ist das Arbeiten, Konsumieren und Leben »nun mal« mit erheblichen gesundheitlichen Risiken verbunden. Als »Volks- und Zivilisationskrankheiten« untergraben sie die Arbeitskraft, deren Verkauf die Lebensgrundlage der Lohnabhängigen und die Quelle des Profits ist.
 
Da die Lohnabhängigen aus eigenen Mitteln die Kosten der Behandlung individuell nicht bewältigen können und zugleich eine halbwegs intakte Volksgesundheit Voraussetzung für deren künftige Beanspruchung ist, organisiert der soziale Staat die Betreuung der Volksgesundheit auf Basis verstaatlichter Lohnteile. Eine ganze Medizinbranche verdient sich an der Behandlung der Symptome dumm und dämlich.
Dagegen werden die Kosten für das pflegende Personal in Kliniken und Einrichtungen von Anfang an kritisch beäugt und seit der »Ökonomisierung« mit neuem Engagement nach unten gedrückt – unterdurchschnittliche Löhne und überdurchschnittliche Arbeitsbelastung sind der in dieser Branche bereits ebenso lange beklagte Normalfall.
Wenn lohnabhängig Beschäftigte alt und pflegebedürftig werden, sind sie als Ergebnis ihres lebenslangen Arbeitens nicht in der Lage, die Mittel für Lebensunterhalt und Pflegekosten aus ihren Rücklagen aufzubringen. Mit Renten- und Pflegeversicherung zwingt der Sozialstaat sie zur Vorsorge, damit ihr absehbares Alterselend nicht zum Problem für die Funktionalität ihrer Familien und der öffentlichen Ordnung wird.
Die steigende Lebenserwartung seines Volks und die damit wachsenden Rentenansprüche dämpft er – marktwirtschaftlich sachgerecht – durch sinkende Renten und längere Lebensarbeitszeiten, während er die ebenfalls daraus erwachsende größere Nachfrage nach Pflege zur Basis eines neuen, erfolgversprechenden Zweigs seines sozialen Markts macht. Die dort agierenden Dienstleistungs-Unternehmen konkurrieren auf der Basis feststehender Pflegesätze und der geringen Rationalisierbarkeit der Branche mit der Überbeanspruchung des Pflegepersonals und der Unterversorgung der Patienten.

Menschen mit Behinderungen, Jugendliche, die es erst gar nicht in Ausbildungs- und Arbeitsplatz schaffen, Langzeitarbeitslose, alleinerziehende Mütter, Altersarme und vor Ruinierung und Kriegen Geflüchtete – durchaus auch ein Produkt der Erfolgsbilanz des deutschen Kapitals und deutscher Außenpolitik – werden mit existenzsichernden Maßnahmen gegen die »Logik des Markts« ohne Gegenleistung am Leben erhalten.
Und zwar in aller Erbärmlichkeit, die das in einer Gesellschaft hat, die den Zwang zur Lohnarbeit zum Mittel ihres wirtschaftlichen Erfolgs macht und alle Ausnahmen deshalb entsprechend abschreckend organisiert. (...)
 
Natürlich können die Lohnabhängigen auch künftig weiter hinnehmen, was ihnen »der Markt«, die »globale Konkurrenz« der Kapitale, die »Weltlage« und ihre politischen Sachwalter »alternativlos« abverlangen. Angesichts ihrer unerschütterlich staatstragenden Gesinnung ist das sogar zu befürchten. Die weitere Verschlechterung ihrer Lebenslage, ihre fortschreitende sozialpolitische Zurichtung als Waffe im weltweiten Wettbewerb um Wachstum ist dabei vorhersehbar. Die Lohnabhängigen in Deutschland können auch weiterhin an die Vereinbarkeit ihrer Anliegen mit der herrschenden Ordnung, mit »ihrem« sozialen Staat glauben und bei der Suche nach Schuldigen für ihre materiellen und sozialen Enttäuschungen das Ausland und dessen Führer verantwortlich machen. Sie können Flaggen hissen, Ausländer hassen, Flüchtlingsheime anzünden. Sie können Muslime und oder Juden jagen oder eine »Alternative für Deutschland« wählen. Schließlich können sie sich auch noch als Manövriermasse für die zwischenstaatliche Gewaltkonkurrenz zur Verfügung stellen und bei Bedarf verheizen lassen.
Bessern wird sich ihre soziale Lage dadurch gewiss nicht. (...)
 
Es rettet uns eben »kein höheres Wesen, kein Kaiser, Gott« – und – gewiss auch kein sozialer Staat."
 
Quelle: Renate Dillmann, Arian Schiffer-Nasserie - "Der soziale Staat"
 
https://www.vsa-verlag.de/uploads/media/www.vsa-verlag.de-Dillmann-Schiffer-Nasserie-Der-soziale-Staat.pdf
 
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"[...] Gita erzählt uns von ihrem Probearbeitstag in der Kinderkrippe: „Die Gruppen der Allerkleinsten im Alter von sechs Monaten bis drei Jahre haben niedliche Namen. In der „Mäusegruppe“ lernte ich den 2jährigen Amadeo kennen. Seine Mutter will einen Schulabschluss nachholen und liefert ihn jeden Morgen ab. Hier ist von 7 Uhr morgens an sein „Zuhause“, in dem er seine Weltwahrnehmung entwickelt und leben lernt - ohne Mama, ohne vertraute Räume, ohne seine eigenen Spielsachen, ohne organischen und natürlichen Alltagsablauf. Er wird von Fremden betreut in einer fremden Umgebung, die aus hygienischen Gründen pflegeleicht und steril gestaltet ist, und dennoch bekommt er mehr fremde Keime ab als daheim. Sein Tag folgt einer an den Arbeitszeiten der Erzieherinnen und den Lieferzeiten der Großküche angepassten Routine."
 
Amedeo hat einige Überlebensstrategien entwickelt. Eine davon besteht darin, sich vorzudrängen. Besonders die körperlich unterlegenen Kinder schubst er aus dem Weg, wo immer sie ihn kreuzen. Die Spielecke beherrscht er allein. Als Gita sich dort auf den Boden setzt, um mit den Kindern zu bauen, klettert er auf ihren Schoß, den er fortan vor anderen besetzt hält. Eine der Betreuerinnen meint, es sei ein gutes Zeichen, dass er gleich Vertrauen zu ihr fasst. Aber Gita sieht es anders: „Er hat seine natürlichen Schutzinstinkte vor Fremden bereits verloren. Es ist nicht natürlich, dass sich ein zweijähriges Kind so schnell auf die körperliche Nähe eines fremden Menschen einlässt.“
 
Wir betrachten Fotos von einer Faschingsfeier in der Krippe. Die Kinder stecken in lustigen Kostümen, aber ihre Augen blicken traurig und leer in die Kamera. Auch eine noch so engagierte Krippenpädagogik kann das Trauma einer zu frühen Trennung von der Mutter nicht wieder gut machen. Auch wenn Kinder beim Abschied von der Mutter nicht mehr weinen und dies als „Eingewöhnung“ interpretiert wird, zeigt es in Wirklichkeit, dass das Kind resigniert hat.

Unser Herz, unsere Intuition und unser Verstand sagt: Kinder, die den Großteil ihrer Kindheit nicht in ihrem eigenen Zuhause verbringen dürfen, sind nicht sicher und gut betreut und versorgt. Tägliche lange Trennungen von der Mutter bedeuten für ein Baby oder Kleinkind enormen Stress. Es verfügt noch nicht über die intellektuellen Fähigkeiten, um die Trennung verstehen zu können und erlebt sie als endgültigen Verlust.
 
Sein Cortisolspiegel erhöht sich dadurch dauerhaft, was laut neuesten epigenischen Forschungen sogar die Gene schädigen kann. Dazu kommen die seelischen Probleme, weil es sein Urvertrauen verliert und sich nicht einmal mehr auf die Zuwendung der Mutter wirklich einlassen kann. Die Folge können Entwicklungs-, Bindungs- oder Persönlichkeitsstörungen, mangelnde Empathie und Sozialkompetenz sein. Darüber hinaus ist inzwischen erwiesen, dass Kinder nur bei ihren Müttern am besten sprechen lernen, die Voraussetzung für die weitere kognitive Entwicklung und Lernfähigkeit.

Kinderkrippen und Ganztagsschulen gehen an den Grundbedürfnissen von Kindern und Müttern vorbei. Untersuchungen wollen uns glauben machen, Kinder kämen mit dieser Form von Kindheit bestens klar.
 
Sigrid (35), Mutter von zwei Kindern, widerlegt das: „Ich finde die Vorstellung schrecklich, meine Kinder den ganzen Tag nicht zu sehen. Auch für die Kinder wäre das absolut nicht das, was sie brauchen. Für meine ältere Tochter ist es schon lang genug, wenn sie sechs Stunden in der Schule verbringen muss. Ich finde, niemandem darf die Ganztagsbetreuung aufgezwungen werden.
 
Nach acht oder mehr Stunden Getrenntheit ist es kompliziert, die Verbundenheit zwischen Mutter und Kind wieder aufzunehmen. Beide sind müde, müssen aber noch einkaufen, Abend essen Hausaufgaben und Hausarbeit erledigen. Viel Zeit und Kraft für das gegenseitige Aufeinander-Einstimmen bleibt da nicht. Welche Fähigkeiten und welche Formen der Zuwendung unser Kind von uns braucht, wandelt sich ständig. Nur die anwesende Mutter kann spontan auf die Bedürfnisse des Kindes reagieren.

Seit die Therapeutin Jean Liedloff 1977 in ihrem Buch „Die Suche nach dem verlorenen Glück“ beschrieben hat, dass ein Umfeld der sicheren Bindung und Kontinuität (das sog. „Kontinuum Konzept“) für ein Kind notwendig ist, damit sein gutes Gedeihen gewährleistet ist, hat die Bindungsforschung die Unersetzbarkeit der Mutter-Kind-Beziehung ständig weiter untermauert. Eine Fülle von Informationen dazu liefern Forscher und Psychotherapeuten wie Wilhelm und Eva Reich, John Bowlby, Steve Biddulph, Christa Meves oder Dr. med. Karl Heinz Brisch und Prof. Dr. Gerald Hüther, um nur einige zu nennen.
 
Dagmar, Mutter dreier Söhne, erzählt: „Durch meinen 12jährigen Sohn habe ich guten Kontakt zu jüngeren Müttern. Ich erlebe darunter viele, die lieber Vollzeit-Familienarbeit bei ihren eigenen Kindern leisten möchten, als diese Arbeit zu delegieren, um der politisch und gesellschaftlich diktierten Vereinbarkeit Folge zu leisten. Und ich sehe ihre Sorge und Verzweiflung bei der Frage, wie das in dem momentanen politischen Klima gehen soll. Von echter Wahlfreiheit kann hier nicht die Rede sein. Ganz besonders nicht nach der Reform des Unterhaltsrechts vom 01.01.2008, welche die Mütter dreijähriger Kinder in die Erwerbstätigkeit zwingt.“ Auch das „Gesetz zur Förderung von Kindern unter drei Jahren in Tageseinrichtungen und in der Kindertagespflege“ (KiföG), das am 7. November 2008 vom Bundestag verabschiedet wurde, steht im Widerspruch zum Grundgesetz (Art. 6, Abs. 2) und zur Kinderrechtskonvention (Art. 7). Daraus leitet sich das Recht des Kindes auf die Betreuung in seiner Familie ab.
 
Auch das Kinderbetreuungsurteil des Bundesverfassungsgerichts vom 10.11.1998 wurde politisch bis heute nur für den weiteren Krippenausbau ausgelegt, obwohl es auch die Frauen betrifft, die voll für ihre Kinder da sein möchten:„Neben der Pflicht, die von den Eltern im Dienst des Kindeswohls getroffenen Entscheidungen anzuerkennen und daran keine benachteiligenden Rechtsfolgen zu knüpfen, ergibt sich aus der Schutzpflicht des Art. 6 Abs. 1 GG auch die Aufgabe des Staates, die Kinderbetreuung in der jeweils von den Eltern gewählten Form in ihren tatsächlichen Voraussetzungen zu ermöglichen und zu fördern. Die Kinderbetreuung ist eine Leistung, die auch im Interesse der Gemeinschaft liegt und deren Anerkennung verlangt. Der Staat hat dementsprechend dafür Sorge zu tragen, dass es Eltern gleichermaßen möglich ist, teilweise und zeitweise auf eine eigene Erwerbstätigkeit zugunsten der persönlichen Betreuung ihrer Kinder zu verzichten wie auch Familientätigkeit und Erwerbstätigkeit miteinander zu verbinden…“

Doch die 24-Stunden-Kita-Ideologie schürt den Trend, immer mehr und immer jüngere Kinder nicht mehr von der Mutter, sondern von fremden Personen aufziehen zu lassen.
Denn für die Betreuung durch die Mutter wird auch 2014 das Elterngeld nur für magere 12 bis 14 Lebensmonate eines Babys bezahlt (zwischen € 300 und maximal € 1800 monatlich; 67 Prozent des in den zwölf Kalendermonaten vor dem Monat der Geburt des Kindes durchschnittlich erzielten Monatseinkommens). Bei ALG II wird das Elterngeld verrechnet, das heißt, Mütter, die auf diese Sozialleistung angewiesen sind, erhalten es nicht zusätzlich.
 
Immer noch fehlt eine Lobby für Mütter und ihre Leistungen, die sie als Mutter erbringen, einschließlich der Realisierung eines Müttergehalts.
 
Viele Mütter dürfen ihren Kindern aus finanzieller Not heraus ihre ungeteilte Zuwendung und Zeit nicht in den paar Jahren geben, die eine Kindheit dauert. Diese Jahre lassen sich nicht nachholen. Kindheit lässt sich nicht auf später verschieben – ebenso wenig das Muttersein.
 
Kinder brauchen die ständige Gegenwart der Mutter. Sie gedeihen am besten, wenn sie sicher sind, dass die Mutter jederzeit für sie da sein kann. Dieses Rückversicherungsbündnis mit der Mutter brauchen Kinder bis ins Erwachsenenalter hinein. Dann werden sie stabile, zufriedene, lebensbejahende und kreative Menschen, die unsere Zukunft weiter gestalten. Nicht die Kinder sind schuld, dass Mütter den Spagat zwischen Kindern und Arbeit machen müssen, sondern die gesellschaftliche Strukturen. Oft entscheiden Mütter aus äußeren und inneren Zwängen heraus, sich von ihren Kindern zu früh und zu lange zu trennen, nur um wieder berufstätig sein zu können. Statt sich bewusst zu machen, dass ein Kind ungefähr nach vier Jahren selbst gerne einen Vormittag lang in den Kindergarten geht und an vielen Nachmittagen mit seinen FreundInnen spielt, was der Mutter mehr Freiraum für andere Betätigungen schafft.

Für Mütter sind es nur ein paar Jahre, die sie sich ganz ihren Kindern widmen können. Für die Kinder bedeutet es, wie sie für den Rest ihres Lebens geprägt sind."
 
Lesetipps 
Ralf Felix Siebler: Heim will! Argumente für die unverkürzte Elternschaft
80 Seiten, Broschur, Oktober 2013, Verlag BOOKSun, € 9,95, ISBN 9783941527195
 
Ralf Felix Siebler hat ein lesenswertes Plädoyer gegen die zu frühe und zu lange Fremdbetreuung von Kindern verfasst. Er beschreibt die Absurdität der Lebenswirklichkeit im patriarchalen Turbokapitalismus aus der Betroffenheit eines Vaters heraus, der die Zeit mit seiner Tochter bewußt erlebt und von Anfang an genießen konnte: „Die Familie verkommt zur Freizeitbeschäftigung – später vielleicht, wenn uns die Märkte Zeit dazu lassen. Von Politik und Wirtschaft wird uns die Fremdbetreuung unserer Kinder immer wieder als ebenso wünschenswert wie unausweichlich dargestellt.“ Aber, so hinterfragt er, „wollen wir unser wichtigstes Lebenswerk denn wirklich aus der Hand geben? So oft und so lange, wie nur irgend möglich?“ Glasklar wird auch, dass kaum eine Kita den geforderten Standards entspricht und auch niemals die sichere Bindung zur Mutter und zur Familie ersetzen kann. Der Autor läßt die LeserInnen spüren, was ein fiktiver kleiner „Kevin“ in der Kita empfindet, der sehnlichst „heim will“, und setzt sich für seine natürlichen Bedürfnisse nach einem geborgenen und vertrauten Nest ein: „Gibt es denn nicht auch ein Grundrecht auf die eigenen Eltern – auf ihre ungeteilte Zuwendung, zumindest am Beginn des Lebens?“ Ralf Felix Siebler macht Mut, auf die innere Stimme zu hören und sich beherzt gegen den politischen „Trend“ zu entscheiden, denn: „U3-Betreuung ist (…) mitnichten ein Indikator für eine moderne und lebenswerte Gesellschaft – ganz im Gegenteil.“
 
Bernhard Heinzlmaier, Philipp Ikrath: Generation Ego. Die Werte der Jugend im 21. Jahrhundert
208 Seiten, Promedia Verlag, broschiert, erschienen 2013, ISBN 978-3-95371-361-7, € 17,90
 
Die Trend- und Jugendkulturforscher Heinzelmaier und Ikrath untersuchen die Werte und Ideale der „Generation Ego“. Sie bringen viel Verständnis für die Jugendlichen auf, die in einer globalisierten, ökonomisierten Welt aufwachsen, in der sich alle Lebensbereiche der „Erwerbskultur unterordnen müssen“. Die Entfaltung und Selbstfindung in der Freizeit kommt viel zu kurz, da „die Schule, (…) nun ganztägig werden muss, nicht aufgrund von pädagogisch sinnvollen Erwägungen, sondern weil sie berufstätige Eltern in ihrer Betreuungspflicht entlasten soll.“ Die Autoren geben interessante Ausblicke, die noch aufschlussreicher werden, wenn sie in einen Kontext mit der Patriarchatskritik gestellt werden. Was die Analyse nicht aufgreift, ist das zunehmende Interesse der jungen Menschen an ökologischen Verbesserungen wie Tier- und Umweltschutz, veganer Ernährung, sowie ihre Ablehnung von Billigtextilherstellung.
Ein Buch für alle, die sich mit der Zukunft der Menschheit und dem notwendigen Paradigmenwechsel befassen. 
UF"
 
Quelle: Mütterblitz - siehe oben stehenden Link; farbliche Hervorhebungen habe ich vorgenommen.
 
Ich kann nur anmerken, dass alles oben Beschriebene exakt meinen eigenen Erfahrungen mit meinen beiden Kindern (heute 22 Jahre und 9 Jahre alt) entspricht sowie auch den zahlreichen Beobachtungen, die ich in mehreren Kindergärten und Kindertagesstätten als Mutter und als dort Arbeitende über einen Zeitraum von mittlerweile 25 Jahren machen konnte (und musste ...).
 
Siehe dazu u.a. auch meine Bemerkungen am Ende in nachfolgendem Link ("Über Mutterschaft ...") sowie grundsätzlich auch die dort gesammelten Beiträge und Artikel.
 
"[...] Das Thema wird von der Politik überwiegend ignoriert, obwohl bereits um 1900 Frauen ihre Stimmen für ein Müttergehalt erhoben. In Berlin engagiert sich die Studienrätin Sabine Goldmann für dieses Ziel. Ursula Fournier sprach mit ihr über die geplante FamilienKammer.
 
Frau Goldmann, warum engagieren Sie sich für ein Müttergehalt?
Ich möchte, dass Mütter stolz und selbstbewusst ihre Familienarbeit erfüllen können, und dass die Gesellschaft diese Leistung anerkennt und als wichtig und notwendig akzeptiert.
 
Laut UNO leisten die Frauen weltweit 80 Prozent der Arbeit, erhalten aber nur ca. 30 Prozent des Geldes und besitzen nur 10 Prozent des Weltvermögens. Die Deklaration der Millenniumsziele hat daran bisher nur wenig geändert. Da ist es doch das Mindeste, die Bezahlung der Frauen-Familienarbeit zu fordern, wie bereits 1985 auf der UNO-Frauenkonferenz von Nairobi. Meine Existenz ist gesichert als Beamtin – im Gegenzug dafür soll ich das demokratische Gemeinwohl sichern. Mein Amtseid auf „Demokratie und Gemeinwohl“ gebietet es mir. Solange Frauen- und Kinderarmut bestehen, haben 4 Millionen Beamte im öffentlichen Dienst versagt! So sehe ich das!
 
Mütter wissen um das Wunder der Geburt und des Lebens. Es geht um die Familie, die Urzelle des Lebens. Und wer schenkt sie allen Menschen? Die Mütter! Also ist  die gesellschaftliche Anerkennung der Mütterarbeit der entscheidende Entwicklungsschritt der Menschheit, der nun ansteht.
 
Warum reicht ein Grundeinkommen, wie es derzeit diskutiert wird, für Mütter nicht aus?
Die Mütterarbeit zählt zu den qualifizierten Berufen, die unsere Gesellschaft braucht.
Diesen Berufspool möchte ich um rechnerisch 5 Millionen Vollerwerbs-Arbeitsplätze „Familienmanagement“ (FM) erweitern, die auch Steuern zahlen. Zu unserer Rechnung: 10 Millionen Familien ziehen etwa 15 Millionen Kids groß. Wir rechnen bei drei Kindern mit einem vollen Arbeitsplatz – also mindestens 5 Millionen volle Stellen in Deutschland, die sich etwa auf 10 Millionen Familien verteilen.
 
Was haben Sie bisher unternommen und welche Reaktionen haben Sie erhalten?
Bei der Veranstaltung zu Hartz I am 16. August 2002 im Französischen Dom in Berlin sagte ich ins Mikrophon: „Wenn Geld durch Arbeit gedeckt ist, gehört Familienarbeit ins Geldmodell. Wir schlagen vor, bei drei Kindern ein Managementgehalt von 2.000 Euro.“ Ich sprach auch Prof. Rürup auf das Müttergehalt an. Er antwortete: „Wir wollen das nicht!“ Dies wurde später mehrfach gesendet bei PHOENIX.
 
2003 habe ich bei der Deutschen Bundesbank gefragt, wann die Familienarbeit ins BIP (Bruttoinlandsprodukt) kommt. Herr Dr. Oper, Öffentlichkeitsbereich, antwortete mir, „sie wüßten nicht, wie sie sie bewerten sollen.“ Im Oktober 2003 bekam ich dann ein Fax mit dem Schlusssatz, „eine Änderung der Geld- und Währungsordnung würde in den Aufgabenbereich des Gesetzgebers fallen.“
 
In Berlin in der Reihe „Europa eine Seele geben“ am Pariser Platz antwortete mir der Alt-Chef Schulte-Noelle auf meine Frage nach der Bezahlung der Mütter: „Die tun das doch aus Liebe!“
 
Bereits 2006 hatte ich einen Stand auf der „didacta“ zum Thema „BundesFamilienKammer“ - Wirtschaft für die Eine Menschheitsfamilie nach dem Prinzip, Geld ist durch Arbeit gedeckt.
 
Es gibt Modelle, die die Finanzierbarkeit des Müttergehaltes nachweisen. Zum Beispiel das „Projekt Erziehungs- und Pflegeeinkommen." PEPe belegt dies mit einer einfachen Rechnung, die von einem sozialversicherungspflichtigen Erziehungsgehalt von 2.000 Euro ausgeht.
 
Sehen Sie hier Kooperationsmöglichkeiten?
Mit Herrn Ludwig, dem Wissenschaftler von PEPe, habe ich mich erst kürzlich wieder ausgetauscht. Auch er arbeitet hartnäckig und mit einem interessanten Ansatz. Ähnlich hat Christa Müller gefordert, die ifo-Zahlen (Institut für Wirtschaftsforschung) zur Gestaltung des Mütter- oder Erziehungsgehalts zu nutzen. Auch das Familiennetzwerk von Maria Steuer kenne ich. Mit der BGE-Gruppe in Berlin (Bürgerinitiative Bedingungsloses Grundeinkommen) habe ich eine Kooperation verabredet. Die Gewerkschaftler und IG-Metaller in Berlin - Spandau habe ich angesprochen, ob sie nicht anfangen könnten, das  Familiengehalt der Männer in zwei Erwachsenengehälter zu splitten. Damit könnten Mütter ein eigenes Gehalt deklarieren. Wir könnten den Beruf „Familienmanagerin“ etablieren und den Berufsverband FamilienKammer gemeinsam starten. Gerade Gewerkschafter wissen doch am besten, wie wichtig eine eigene Berufsorganisation ist.  
 
Welche Auswirkungen hat die Einbeziehung der Mütterarbeit in das BIP?
Vorab: Wissen Sie, dass das Statistische Bundesamt genau dafür die amtlichen Zahlen liefert – und schon eine Gehaltsdiskussion führt? Die Erhebung über das 3-Tages-Zeitbudget 2001/02 ergaben: Mindestens 40 Prozent des BIP müssten noch dazugerechnet werden, wenn man die Familienarbeit nur als Hauswirtschafterin bezahlen würde. 2013 wären das mindestens 1 Billion Euro. Laut Albert Braakmann vom Statischen Bundesamt, der bei der Enquete-Kommission „Wachstum, Wohlstand, Lebensqualität“ mitwirkte, könnte man das Müttergehalt auch nach dem Spezialistenansatz berechnen, denn Mütter haben pädagogische, psychologische, soziale, gesundheitsrelevante, künstlerische, sportliche, ernährungswissenschaftliche, hauswirtschaftliche u. v. a. Kompetenzen.
 
Albert Braakmann war in der Projektgruppe 2, in deren Abschlussbericht vom 28. Januar 2013 steht, wie man das Gehalt für Mütter einschätzen könnte. Am Schluß heißt es dann jedoch, die Bundestags-EK-Fraktionen und Experten seien „von keinem Ansatz überzeugt.“ Das ist doch ein Skandal! Die Bundestagsabgeordneten wischen die Bezahlung der Mütter damit wieder vom Tisch!
 
Nach meinen Recherchen ist die bezahlte Mütterarbeit an mehreren Stellen im BIP enthalten, teils verdeckt. Ein Beispiel dafür ist das Ehegattensplitting. Es kommt zu 90 Prozent den Müttern zugute, wie ich beispielsweise den Ausführungen des Sozialrichters und Autoren Jürgen Borchert (Tagesspiegel, 06.02.2013) entnehme. Daher ist die dem Gatten erlassene Steuer eine indirekte staatliche Bezahlung der Mütter.
 
Seit Adenauers Spruch „Kinder kriegen die Leute von alleine“ existiert das „Familiengehalt“ durch den Anspruch, der Mann müsse die Familie ernähren. In der Zeit des Wirtschaftswunders wurden wohl alle Männergehälter als Familiengehalt betrachtet, und konsequenterweise die niedrigeren Frauengehälter als Singlegehälter. Besonders alle Gehälter über 4.000 Euro kann man auch heute als Familiengehalt interpretieren, denn da können Frau und Kinder mit unter den „Gehaltsschutzschirm des Mannes“. Aber bis 1.000 oder 2.000 Euro ist es eine existenzielle Frage, ob ein Gehalt ein Familiengehalt oder ein Single-Leistungslohn ist.
 
Im Dezember 2012 forderten die GEW (Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft) und Verdi 6,4 Prozent mehr Lohn im Öffentlichen Dienst. Auf meine Nachfrage sagte man mir bei Verdi: Eigentlich ginge es um einen Familienlohn, die GEW lehnte das ab, nein, es ginge um einen Singlelohn, und die TdL (Tarifgemeinschaft deutscher Länder) hatte darüber noch nie nachgedacht. Diese Diskussion möchte ich gerne ausweiten.
Und jetzt kommt das spannendste Beispiel für ein verdecktes Müttergehalt, nämlich die reale Bezahlung für Familienarbeit an über 10.000 Alleinerziehende, wenn der geschiedene Ehemann stirbt – die „Erziehungsrente“. 700 bis 750 Euro bis das Kind 18 Jahre alt ist - das kann sich die Deutsche Rentenversicherung leisten.

Eine korrekte Einbeziehung der Mütterarbeit in das BIP würde viele Veränderungen bewirken: Familien-, Kinder- und Frauenarmut wären überwunden; Gleichberechtigung zwischen Frau und Mann wäre möglich; gleiche Demokratie-Machtteilhabe über eine Familienkasse könnte etabliert werden. Dies alles ist dringend nötig, wenn wir für unsere Kinder ein wenig Zukunft retten wollen.

Warum wird dieses Thema bisher weitgehend ignoriert?
Wer sich für Bezahlung von Mütterarbeit einsetzt, der wird von Politikern, Experten und Presse ignoriert. Die „Änderung der Geld- und Währungsordnung“ und als wichtigster Punkt die Bezahlung der Familienarbeit wurde offensichtlich von den Finanzmächtigen mit einem Tabu belegt. Doch seit der Finanzkrise finde ich immer mehr mutige, kritische Artikel.

Was ist Ihre Motivation, den Förderverein zur Gründung der FamilienKammer e.V. ins Leben zu rufen?
Der Verein ist der erste realistische Schritt zur FamilienKammer und in die Öffentlichkeit. Er soll Mütter bestärken, dass sie einen ordentlichen Beruf ausüben, der bezahlt wird und zu dem auch ein ordentlicher Berufsverband gehört. [...]"
 
Quelle: Mütterblitz - siehe oben stehenden Link (Gespräch mit Sabine Goldmann). Farbliche Hervorhebungen habe ich vorgenommen.
"[...] Karriere-Mutter kontra Glucke
Der steigende Bedarf nach Betreuungsplätzen für Kleinkinder deckt sich auch mit meinen Erfahrungen. Der sozialen Trend unserer Gesellschaft geht dahin, dass das Bild einer fürsorglichen Mutter, die sich entscheidet, für einen längeren Zeitraum, also über das erste Lebensjahr hinaus ganztägig mit ihrem Kind Zeit zu verbringen, negativ besetzt ist. Mütter, die sich gegen den zeitnahen Ausbau ihrer Karriere und für die eigene Betreuung ihrer kleinen Kinder entscheiden, werden in unserer kapitalistischen Gesellschaft vielfach an den Rand gedrängt, nicht nur finanziell.
 
Was im ersten Lebensjahr in den Kindertreffs noch als vorbildlich gilt – eine fürsorgliche 24-Stunden-Mutter – zieht spätestens mit Beendigung des staatlichen Elterngeldes nach 12 Monaten ein mitleidiges Lächeln und inneres Kopfschütteln nach sich: Mütter, die nicht Loslassen können – sogenannte „Glucken“. Tatsächlich ist die Mehrzahl aller Mütter selbst der Meinung, ihr Nachwuchs bräuchte mit einem Jahr soziale Kontakte, Abwechslung und Förderung, die allein die Mutter nicht bieten könnte. Das ist der Zeitgeist, der bei Müttern, die tief in sich die Sehnsucht spüren, die sensible Bindung zu ihrem Kind nicht durch eine Unterbringung in einer Krippe abrupt abzubrechen, Unsicherheit und Selbstzweifel auslösen kann. Ich habe selbst erlebt, wie eine Mutter, die sich bewusst entscheidet, länger Zeit mit ihrem Kind zu verbringen, sich immer wieder in einer Rechtfertigungsposition wiederfindet. [...]
 
Dabei ist es sowohl für die junge Mutter als auch für das so kleine Kind ein erheblicher emotionaler Stress, den diese viel zu frühe Trennung mit sich bringt. In unserer Gesellschaft ist es schon schwer genug, unsere Urinstinkte in Bezug auf das Muttersein überhaupt zu beleben, mit der Mutter in uns in Kontakt zu kommen und in sich – fernab von der tsunamiartigen Überhäufung mit Ratgebern und Babyzeitschriften – eine ganz eigene Wahrheit und Liebe zu seinem Kind entstehen zu lassen. Wenige, das ist mein Erleben im Kontakt mit den vielen verunsicherten Müttern, haben je die wirklich gespürt, was sie für ihr Kind bedeuten, haben je zu einem tiefen Vertrauen in ihre weiblichen Fähigkeiten als Mutter gefunden.
 
All das stellt sich nicht von heute auf morgen ein. Es kostet Zeit ohne Druck. Oft bleibt den Müttern aber im Idealfall ein Jahr, bevor sie in den absoluten Wahnsinn aus Beruf, Familie und Haushalt einsteigen, indem oft nur noch Raum fürs Funktionieren bleibt. Die emotionale Trennung beginnt viel früher, da der Termin der tatsächlichen Trennung schon lange absehbar ist. Für viele Mütter führt diese so frühe Trennung von ihrem kleinen Kind zu einer großen seelischen Belastung, da Schuldgefühle gegenüber dem Kind aufgrund des Verlassens dem Funktionsanspruch unserer Gesellschaft, Familie und Arbeit zu verbinden, gegenüberstehen. Da prallt der Verstand auf das Herz. Nicht selten habe ich erlebt, wie diese Mütter ihr Herz gegenüber ihrem Kind teilweise verschließen, um diese unglaubliche Diskrepanz nicht länger spüren zu müssen.
 
… existenziell für das Kind
Für die Kinder in den ersten drei Lebensjahren, insbesondere umso kleiner die Kinder sind, bedeutet diese früh kindliche Trennung von der Mutter eine existenzielle Konfrontation mit dem Schrecken des Alleinseins. Die natürliche Beziehung zur Mutter, die grundlegende erste Seins-Erfahrung in Bezug auf Sicherheit, Geborgenheit, Verlässlichkeit bis hin zur Ausbildung des Urvertrauens wird empfindlich gestört. Im Idealfall werden in den ersten Jahren der körperlichen Geborgenheit und des engen Kontakts zwischen Mutter und Kind die Grundbausteine für die zukünftige Bindungsfähigkeit gelegt.
 
Umso präsenter und verlässlicher die Mutter für das Kind ist, umso sicherer wird das Kind sich in seinem eigenen, der natürlichen Entwicklung angepassten Tempo von ihr entfernen, immer mit dem sich versichernden Blick, dass der vertraute Hafen der Mutter noch in greifbarer Nähe ist und jederzeit erreicht werden kann.
Dieser Prozess geht natürlicherweise vom Kind aus und unterliegt einem individuellen Zeitplan. Wird dieser Zeitplan gestört oder wird diese Loslösung zu früh und unter Druck forciert, entstehen irreparable Störungen in der Bindungsfähigkeit, dem Urvertrauen und in dem Sicherheitsgefüge des Kindes.
 
Die Psychoanalytikerin Ann-Kathrin Scheerer über diese „forcierte Trennnung“:
„Vergessen wir nicht, dass stundenlange/stundenweise Trennung von der Mutter im Krippenalter eigentlich immer forcierte Trennung ist, die den kindlichen Entwicklungsschritten noch nicht entspricht. Natürlich hat das Kind selbst auch ein Separationsbedürfnis – es wendet den Blick, den Kopf ab, möchte erforschen, sich wegbewegen, aber zur Freude daran gehört der eigene Antrieb. Wir verleugnen gerne diese Forcierung und dass sie bedeutet, dass das Kind dann im Nachhinein, also nach dem Krippenleben, viel Hilfe bei der Regulierung seiner Trennungsstresssymptome braucht“.
 
Bei vielen indigenen Völkern werden Kinder über ein Jahr direkt am Körper getragen, was den natürlichen Bedürfnissen des Kindes sehr zu entsprechen scheint – von einem Weggeben in organisierte Fremdverwahrung ganz zu schweigen. Forscher wie Jean Liedloff haben festgestellt, dass viele psychische Störungen in diesen Gesellschaften nicht nicht existieren und die Kinder zu ungewöhnlich freundlichen, friedlichen und selbstbewussten Menschen heranwachsen.
 
Auch die beste Krippenerzieherin ist ein schlechter Mutterersatz
Selbst wenn eine Krippe fachlich und personaltechnisch gut ausgestattet ist, kann die Krippenbetreuerin niemals die eins-zu-eins Betreuung einer Mutter ersetzen. Auch wenn sich eine Betreuerin „nur“ um fünf Babys gleichzeitig kümmern muss (die Realität liegt oft bei 10 Kleinkindern für eine Betreuerin), bedeutet dass immer noch Zeiten, in denen das Kind psychisch alleine ist, weil die Bedürfnisse der gesamten Gruppe befriedigt werden müssen. Davon unabhängig wird eine Erzieherin sich im Idealfall gut um die natürlichen Bedürfnisse des Kindes nach Förderung und Pflege kümmern, aber sie wird sie nicht lieben. Das ist auch gar nicht der Anspruch, den sie erfüllen muss. Der emotionale Spielraum ist im Gegensatz zur Mutterliebe daher erheblich eingeschränkt. Die Folge sind Kinder, die in ihrem sehr eigenen Gefühlsleben traumatisiert sind, die das Gefühl vom Verlust der Mutter, dass wiederkehrende Loslassen der wichtigsten Bezugsperson in einem Alter erleben, das Loslassen in dieser Form und Dauer natürlicherweise nicht vorsieht.
 
Affektkontrolle
Oft wird argumentiert, dass Krippenkinder hinsichtlich ihrer „Affektkontrolle“ Familienkindern voraus sind. Die Häufigkeit des Weinens wird häufig als Indikator angesehen, ob die Kinder sich in der Umgebung wohl fühlen. Gerade in Säuglingsgruppen wird aufgrund der Affektansteckung (ein Kind weint, alle anderen stimmen ein) der Affektausdruck des Einzelnen unterdrückt, auch um die Gruppe für die Betreuer umgänglicher zu halten. Die Unterdrückung des Affektausdrucks geht aber zulasten des natürlichen und spontanen Gefühlsausdrucks des Kindes. Sie fördert die Anpassung und unterdrückt mehr und mehr das Ausleben des momentanen individuellen Lebensgefühls – in einer Phase, in der das Kind null Toleranzschwelle für die Bewertung von Außen hat. Diese unnatürliche Anpassung ist für alle Kinder, besonders jedoch für sehr kleine Kinder ein unglaublicher Stressfaktor, der ihnen nach kurzer Zeit nur eine Möglichkeit lässt – ihr Urvertrauen aufzugeben zugunsten einer Welt voller Rituale und Regeln. Dies ist der Beginn eines traumatischen Prozesses der Entfernung von der eigenen Natur, dem eigenen Körper mit seinen Impulsen. Anstelle dessen suchen diese Kinder in ihrem natürlichen Sicherheitsbedürfnis diese nun in der Struktur, die sie umgibt, sobald diese für sie irgendwie erkennbar wird – mit langfristigen Folgen.
 
Ich wage in diesem Zusammenhang die Behauptung, dass die entstandenen frühkindlichen Bindungsstörungen in Verbindung mit der vorgenannten Anpassung in unserer Gesellschaft und ihrem System in bestimmten Aspekten gewollt sind. Kinder, die frühe Anpassung und Affektkontrolle unter existenziell bedrohlichen Umständen gelernt haben, werden sich auch später besser gesellschaftlich einfügen und kontrollierbarer leben.
 
Der Preis für die betroffenen Kinder und späteren Erwachsene ist hoch. Teile der Verlorenheit, die die Trennung für das Kind mit sich bringt, halten unter Umstände lebenslang an. Man muss nicht weit schauen, um die Verlorenheit unserer Gesellschaft zu spüren, eine Verlorenheit, die ihre Wurzeln oft in der frühesten Kindheit hat. Den wenigsten Menschen, die ich kenne, ist es heute spontan möglich, aus sich heraus ihrer Seele Ausdruck zu verschaffen, auch weil wir oft sehr früh schon mit Konditionierungen gelernt haben, uns möglichst konform zu verhalten. Wir haben Menschen hervorgebracht, die ihre inneren Impulse und Affekte zugunsten einer gesellschaftlichen Anpassung kontrollieren können, um möglichst lange reibungslos zu funktionieren. Menschen, die sich scheuen, die Regeln und Normen der Gesellschaft infrage zu stellen, die ihre einzige Sicherheit geworden ist.
 
Die gefühlte Mutter
Ich denke, in diesem Zusammenhang geht es auch darum, dass wir uns neben dem Menschenbild mit unserem Bild des Mütterlichen auseinandersetzen. Sind Kinder tatsächlich nur der erfolgsverzögernde Faktor unseres Berufslebens? Oder sind sie der natürlichste Ausdruck unserer Weiblichkeit? Die ersten Jahre mit dem Kind kommen nie wieder. Welchen Preis zahlen wir hier als Frauen und als Gesellschaft?
 
Ann-Kathrin Scheerer spricht von einer „geschürten Gegnerschaft“ von Mutter und Kind:
„Das Schüren der Gegnerschaft geht mit ihrer Verleugnung einher, wenn wir heute hören, dass es kein Problem mehr sein soll oder darf, Kind und Karriere unter einen Hut zu bringen. Wenn man nicht aufpasst, geht diese Verleugnung immer gegen das Kind und seine Abhängigkeitsbedürfnisse aus. Die Notwendigkeit, eine Weile auf etwas verzichten zu müssen, wird öffentlich stets verleugnet, obwohl es die sicht- und fühlbare Wirklichkeit ist. (…) Unser Kind schreit danach, buchstäblich, dass wir uns für eine Weile wieder auf „Mütterlichkeit“ festlegen sollen und wir reagieren, neuer Freiheitsrechte beraubt, sehr ambivalent darauf bis hin zum unterschwelligen Hass auf das Kind. Oder wir versuchen, Mutterschaft zu idealisieren, was nur eine andere Art ist, auf den abverlangten Verzicht, der mit ihr einhergeht, zu reagieren“
 
Dieses Auseinandersetzen mit dem natürlichen Fluss der Mutterliebe erfordert ein kritisches Hinterfragen all der gesellschaftlichen Normen, mit denen Mütter viel mehr als andere konfrontiert werden.
 
Es bedeutet absolut keine Umkehr zu einem archaischen Frauenbild, vielmehr die Öffnung in uns selbst durch unsere Kinder, um diese wieder mehr fühlen zu können. Daraus ergibt sich eine natürliche Prioritätensetzung, daraus ergibt sich auch die Möglichkeit, die kindlichen Bedürfnisse, all die unausgesprochenen Gefühlsregungen, die sie mit uns auf der einzigartigen nonverbalen Verbindung zwischen Mutter und Kind kommunizieren., besser wahrzunehmen. Und es gibt uns die Möglichkeit, darauf zu reagieren, anstatt unseren natürlichen Schmerz und unsere Schuldgefühle einem System zuliebe einzuschließen, dass uns unserer Natur immer mehr entfremdet, indem Leistung und das Recht des Stärkeren dominieren. Wenn es einen Wandel der Gesellschaft geben soll, beginnt er bei unseren Kindern."
 
Quelle: sein.de, siehe oben stehenden Link. Farbliche Hervorhebungen habe ich vorgenommen.

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