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Sabeth schreibt

Sabeth schreibt

Poesie Melancholie Philosophie

Wozu das Ganze?

 
Öffentlich schreiben – warum?
 
… oder auch: wozu?
 
Auf für mich typische, naive Weise, versuche ich hiermit "öffentlich" schreibender-, somit paradoxerweise auf diese Frage eine Antwort zu finden, zu geben.
Die Antworten und Ideen kommen einem bekanntlich nicht selten erst während des Sprechens oder Schreibens. ;)
 
Ich vermute, andere "öffentlich Schreibende", andere (Buch-) Autoren, Bloggende … haben sich diese Frage auch irgendwann einmal (so ähnlich) gestellt, insbesondere, wenn ihr Schreiben nicht mit dem Broterwerb, der Existenzsicherung einhergeht.
Zu welchen Antworten kamen diese? – Da sie ja offensichtlich "öffentlich" (ohne Beklemmungen, Unbehagen) schreiben können, wollen – nicht nur im Verborgenen, für nur die eigenen Augen bestimmt oder höchstens noch einen kleinen, privaten Leserkreis.
 
Man müsste sie danach fragen (können).
 
Zur Sache:
 
Warum sollte ich meine Gedanken, Meinungen, Überzeugungen, Fragen, Bewertungen, Vorstellungen etc. über die Außen-Welt, wie ich sie (nur so, d.h. individuell, persönlich, "verkürzt", begrenzt) wahrnehmen, erleben und reflektieren kann und damit zwangsläufig also auch über meine Innenwelt überhaupt "öffentlich" mitteilen? – Wem?
 
Als ob es irgendwen Fremden interessierte … .
Und selbst wenn – was dann?
Als hätten nicht unzählige Andere ähnliche Gedanken, Meinungen, Fragen, Zweifel, Gefühle …, die sie äußern, sei es nun öffentlich oder "privat" oder auch: gar nicht.
Als könnte ich irgendetwas Neues, Wichtiges, Wesentliches, Bereicherndes, Erweiterndes, Hilfreiches, Erhellendes beisteuern.
Als käme es auf meine Gedanken, Schlussfolgerungen, Sätze … je auch nur im Geringsten an.
 
Ist es also – doch – bloß (nicht mal mehr verkappter?) Narzissmus, der einen antreibt, in "die Öffentlichkeit zu gehen", sichtbar, wahrnembar werden zu wollen?
 
Schreibe ich überhaupt für Andere – für: Fremde, Unbekannte?! Oder nicht viel mehr bloß an sie?
Damit sie sich in meinen (einfach gestrickten) Meinungen, Zweifeln, Fragen, Anklagen, meiner Kritik, Empörung, Wut, Trauer, Freude, Verzweiflung, Haltlosigkeit, Kleinheit … wiederfinden (können oder gar: sollen?), damit sie sich mit ihren je eigenen, persönlichen Gedanken, Lebenssituationen, Belastungen, ihren Überzeugungen, Zweifeln und sie möglicherweise überfordernden Gefühlen nicht so alleine, so verlassen, so einsam, so "falsch" fühlen (müssen)?
Damit sie sich also von wenigstens irgendwem, sei er oder sie noch so fremd, unerreichbar, "unreal", verstanden, sich mit ihm oder ihr doch irgendwie (und sei es also auch nur illusorisch) verbunden fühlen (können)? – In etwa so, wie es mir selbst beim Lesen von bspw. Romanen, aber auch Blogs manchmal ging und geht?
 
Ist "Trost" spenden wollen also meine Absicht, meine Motivation? Oder gar Halt geben? – Wie könnte ich das!?: Durch lediglich ein paar lächerliche, banale, abgedroschene, ausgelutschte Phrasen – durch ausgesprochene bzw. niedergeschriebene Gedanken: wie sie mannigfach Andere lange vor mir hatten, heute noch haben und auch zukünftig aller Vorraussicht nach haben werden – und diese: weit besser, tiefer, weiter, klarer, präziser als ich sie zu denken, zu fassen, zu formulieren, auszudrücken vermag! ?
 
Ist es wirklich Altruismus, der mich leitet?
 
Oder … schreibt man letztlich doch nur für sich selbst?
Um es loszuwerden.
 
Um es auf Andere, Unbekannte loszulassen, um es ihnen "zuzumuten"? Um sie zu provozieren, herauszufordern, anzustacheln, aus der Reserve zu locken, um sie aufzurütteln oder um sie vorzuführen,  zu brüskieren, zu treffen, gar zu verletzen?
Ist also "Sadismus" die Antriebsfeder, der eigentliche Grund?
Oder eine Art Geburtshilfe (für das Denken, Erkennen, zur "Aufklärung" oder zur bloßen Missionierung der Anderen)?
 
… Will man (eigentlich) gar keine Reaktion(en)?
 
Will man gar nicht mit dem Denken und Fühlen, dem Lob oder der Kritik der Anderen, der Fremden, konfrontiert, herausgefordert, belastet, möglicherweise überfordert werden?
 
Oder … tut man es ganz ordinär: wegen der Anerkennung, die man sich erhofft, wünscht, ggf. gelegentlich erhält, wegen der (bestenfalls?) konstruktiven Kritik, um sich (so besser) entwickeln zu können?
Weil man Zuspruch, Bestätigung sucht, selbst "verstanden werden" will?
 
Weil man: auf der Suche nach "Gleichgesinnten" ist? (Wiederum also: weil man selbst sich "falsch", fehl, verloren, vereinzelt, ausgeschlossen, unverstanden … fühlt.)
 
Welche Absichten hat wer jeweils, der "öffentlich" schreibt – welche Erwartungen oder auch sogar Hoffnungen, welche Befürchtungen, welche hehren oder niederen Ziele, welche Zwänge?
 
Und was davon findet wer aus welchen Gründen, durch welche Umstände oder eigenes Tun (?) – also: mittels seines Schreibens – möglicherweise bzw. überhaupt je erfüllt? – Wann? Wie oft? Wie lange?
 
Und dann?
 
Und was wäre, schriebe er nicht (öffentlich)?
Wäre dies denn ein beklagenswerter Verlust? – Für wen und … warum?
 
Kommt es denn auf den Einzelnen tatsächlich an?
Wiederholt sich nicht alles: permanent!?
Wozu dann also noch selbst am überflüssigen Überfluss mitwirken, die Redundanz mitvollziehen?
 
Sind wir nicht alle als je(der) Einzelne(r) vollständig unmaßgeblich, verzichtbar, ersetzbar – redundant?
 
Wir schreiben.
Für uns selbst.
Zu unserer je eigenen Entlastung, Beruhigung, Beschwichtigung, Erleichterung.
Oder schlicht zu unserem eigenen Amusement.
Vielleicht aus Selbstgefälligkeit.
Vielleicht auch, um uns abzulenken, etwas zu verdrängen, zu unterdrücken, in Schach zu halten oder zu "verarbeiten", zu bewältigen.
 
Unser je eigenes, kleines Ego schreibt – für sich selbst. Eigentlich nicht: für "die Anderen", das Publikum.
 
Denn …
 
für einen Anderen: kann ich nur (etwas) schreiben, wenn ich ihn kenne – persönlich, gut, "wirklich".
 
Es erfordert einen konkreten, mir bekannten Adressaten - dafür: dass ich mich an das Du wenden kann, dafür, dass/wenn es mir wirklich um den Anderen geht. (Und nicht bloß um mich/mein Selbst. Mein eigenes "Heil". Meine Behaglichkeit … .)
Es braucht einen Bezug zu ihm. Eine Beziehung. Eine Verbindung.
Und diese kann naturgemäß immer nur reziprok sein. Keine Einbahnstraße.
 
Alles andere … ist Selbsthilfe, Selbsttherapie.
 
"Mitunter" auch (unbewusst) narzisstisch motivierte. ;)
 
;)

;)

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