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Sabeth schreibt

Sabeth schreibt

Poesie Melancholie Philosophie Feminismus Anarchismus

Wozu?

 
Dieser Abend, Bettina, es ist
Alles beim alten. Immer
Sind wir allein, wenn wir den Königen schreiben
Denen des Herzens und jenen
Des Staats. Und noch
Erschrickt unser Herz
Wenn auf der anderen Seite des Hauses
Ein Wagen zu hören ist.
 
-
 
Sarah Kirsch
 
12. März 2022
 
Immer wieder frage ich mich, ob ich ein Jammerlappen bin.
 
Ob ich zu viel erwarte - vom Leben, von anderen Menschen.
Wie andere Menschen in meinem Alter auf ihr bisheriges Leben zurückblicken, wie sie ihre gegenwärtige Situation beurteilen und wie sie ihre Zukunft sehen, was sie davon noch erwarten, ob sie noch eine persönliche Zukunft wollen?
 
Wann, wobei, wie oft erleben andere Menschen im Alter von Ende 40 und älter Freude, Heiterkeit, Vitalität, Genuss, Geselligkeit, Zugehörigkeit, Wertgeschätztsein, Verbundensein, Dankbarkeit, vielleicht sogar etwas wie inneren Frieden, Lebenszufriedenheit?
 
Weshalb wollen sie noch wie alt werden, noch wieviele weitere Jahre - so ähnlich wie bisher? - leben?
Was erwarten oder erhoffen sie sich von diesen weiteren Jahren ihres Existierens?
 
Welche und wieviele wie intensive Herausforderungen, Widerfahrnisse, Krisen, "Schicksalsschläge" hatten sie bisher und in welchem Alter jeweils zu verkraften und wie haben sie diese bewältigt - mit welchen Folgen: für wen?
 
Wann wäre es ihnen genug, zu viel? Oder wäre es das nie?
Wann würden sie für sich entscheiden können, dass ihr Leben für sie selbst lange genug währte? Mit 50? 60? 70? 80? ... ?
Welche Menschen wollen weshalb Greise werden? Wollen sie es tatsächlich: all die vielen und immer noch mehr Jahre, Erlebnisse, Erfahrungen, Wiederholungen, Gewicht anhäufen oder lassen sie es nur notgedrungen zu, weil sie ihr Existieren nicht selbst beenden wollen oder können oder dies nicht zu dürfen meinen?
 
Ich habe meine 20er und 30er meinem Sohn gegeben, meine 30er und 40er meiner Tochter.
 
Seit 17 Jahren vegetiere ich in Hartz IV, in Armut, Ausgegrenztsein, seit neun Jahren in sozialer Isolation - infolge der langjährigen Armut, der nicht zugänglichen Mobilität - all den daraus wiederum zwangsläufig resultierenden Folgen.
 
Seit neun Jahren verlasse ich meine Wohnung - die ich immerhin noch habe, für die ich, wie für Nahrung, Kleidung, fließendes Wasser, Strom, sanitäre Anlage, Heizungswärme im Winter und Hausrat dankbar sein muss, da ich Politik und Gesellschaft ja als nutzlose, überflüssige, schmarotzende Ballastexistenz gelte: alleinerziehend, erwerbslos, absichtsvoll bis heute ledig, nicht vermögend - nur noch für den erforderlichen Lebensmitteleinkauf, bewege mich nur im winzigen, für mich fußläufig erreichbaren Kreis. Auf den immer selben Wegen.
 
Keine Sozialkontakte. Keine soziokulturelle, gesellschaftliche "Teilhabe", keine Begegnungen, keine Abwechslung, keine neuen Impulse, Anregungen durch, Austausch mit anderen Menschen, keine neu wachsen könnenden Beziehungen, Bindungen, keine Ausflüge in Natur, keine Reisen, Urlaube, keine Zugehörigkeit.
 
Isolation. Gezwungenermaßen. Der Armut wegen.
 
Hartz 4 ist offener Strafvollzug.
Armut ist ein Gefängnis, aus dem es lebenslang kein Entkommen gibt.
 
Das Bisschen verfügbare Geld benötigt meine Tochter. Es reicht nicht für uns beide - es reicht nicht einmal für wenigstens sie. Ihre gesamte Kindheit ist eine winzige, trostlose, farblose, eintönige, spärliche Kammer.
 
Meine Kindheit ist geprägt von zahlreichen Umbrüchen, Trennungen, Verlusten.
 
Meine leiblichen Eltern haben beide nie je für mich gesorgt, sich nicht gekümmert, nicht Verantwortung getragen, nicht Zuneigung, nicht Halt gegeben.
 
Jetzt bin ich 48, seit Jahren chronisch krank, abgemagert, ausgezehrt, dem bereits deutlich wahrnehmbaren Alterungsprozess ausgeliefert, der durch materielle Armut bekanntlich noch beschleunigt wird - der körperliche Abbau, Verfall, der Verlust der Vitalität, Attraktivität, Energie ... .
 
Ich habe von diesem Leben, von weiteren Jahren des bloßen Existierens, nichts mehr zu erwarten als nur noch weiteres isoliertes Vegetieren in meiner Wohnung, als weiteren unabwendbaren physischen und mentalen Verfall, als Krankheit, Leiden, Einsamkeit und Sterben.
 
Mir fehlt längst die Kraft, immer noch weiter zu kämpfen - um die Existenzgrundlage, für gute Verhältnisse für meine Kinder, gegen Behörden, Institutionen, Jobcenter, Gerichte - für das bloße, nackte Sein-, Existierendürfen, Vegetierenmüssen.
 
Seit mehreren Jahren bereits wünsche ich mir jeden Abend vor dem Einschlafen, am nächsten Morgen nicht mehr aufzuwachen.
 
Bisher sah ich mich verpflichtet, für meine Tochter "durchzuhalten", weiterzuexistieren, zu vegetieren, zu kämpfen, zu entbehren, zu opfern, mich zu bescheiden. Da sie, im Gegensatz zu ihrem in Bälde 29-jährigen Bruder, noch nicht volljährig ist.
 
Ich wollte meine Kinder nicht im Stich lassen, sie nicht weggeben, abschieben, entsorgen, verlassen - wie es meine biologischen Eltern mit mir so getan haben.
 
Meine besten Jahre sind für immer vergangen, verloren - unwiederbringlich.
 
Die Jahre der Vitalität, Kraft, Energie, Neugier, Offenheit, Zähigkeit, die Jahre der Illusion von Zukunft, Perspektive auf Leben, auf Abwechslung, Selbstbestimmung, Gestaltungsmöglichkeit, konstruktives Tätigseinkönnen, Wertschätzung, Verbundensein - auf so etwas wie Heimat.
 
Ich bin 48.
 
Meine fast dreißig Jahre alleine geleistete Sorge-Arbeit und alles seit Kindheit Ertragene, Durchlittene, Bewältigte: ist nichts wert. Ist Dreck.
Für diese Gesellschaft, für Politik, Regierungen, den Staat. Für meine "Eltern". Für meine bereits verstorbenen Pflegeeltern. Für meine Kinder.
 
Keine Wertschätzung. Nirgendwoher. Niemals je.
 
Wünsche, ja, die hatte ich durchaus, ich hielt sie tatsächlich nicht für unbescheiden - in Anbetracht des Lebens, das wohlhabende, vermögende Menschen führen können.
 
Meinen leiblichen, spanischen Vater hätte ich gerne kennengelernt - dies schon seit meinem 13. Lebensjahr.
Bevor er verstirbt. Oder ich.
 
Mit meinen beiden Kindern hätte ich gerne in den vergangenen 30 Jahren gelegentlich Ausflüge in umliegende Natur, Landschaften, zu Kulturstätten unternehmen können, alle paar Jahre auch mal eine Reise ins europäische Ausland - Schweiz, Österreich (der von mir seit Kindheit geliebten Berge, der Alpen wegen), Frankreich und natürlich Spanien.
 
Meine "Haupt"pflegeeltern - die meine Großeltern hätten sein können, da ich im Alter von eineinhalb Jahren zu ihnen kam, als sie beide schon Anfang 50 waren, die deshalb von allen auch stets für meine Großeltern gehalten wurden, obwohl ich sie "Mama" und "Papa" nannte - hätte ich gerne so vieles noch gefragt, ihnen gesagt, mit ihnen gesprochen, bevor sie beide verstorben sind.
 
Ich sah sie zuletzt im Alter von 16 Jahren ein Mal kurz. Vor 32 Jahren. Seitdem nie wieder.
 
Meine leibliche "Mutter" sah ich das letzte Mal 1996, als mein Sohn drei und ich knapp 23 Jahre "alt" war. Seitdem nie wieder.
 
Meine "Mutter" hat meine Tochter nie gesehen, geschweigedenn kennengelernt, Gleiches gilt für meinen Sohn, den sie seit seinem dritten Lebensjahr auch nicht mehr sah, davor auch nur ein Mal, als er noch ein Säugling war. Nein, sie war nicht da, als er oder meine Tochter geboren wurden. Nein, sie betreute mich nicht, als ich im Wochenbett lag.
 
Meine "Mutter" hat sich niemals fürsorglich, verantwortungsvoll um mich gekümmert oder sich auch nur irgendwie für mich, meine Person, meine Belange, Sorgen, Nöte, Wünsche interessiert, mich stattdessen immer abgeschoben, entsorgt. Zu verschiedenen Pflegeeltern und in zwei Internate.
 
Sie war auch nicht da, als sich zwei mir nahegestanden habende Menschen im Alter von 17 und 21 Jahren das Leben genommen hatten. Silke. Christian.
 
Als ich zwei Jahre lang, im Alter von 14 und 15 Jahren, magersüchtig war, nur noch 39kg wog (bei einer Körpergröße von damals 1,65m), hat sie sich auch darum nicht "gekümmert", sondern dies durch ihren Psychoterror verursacht, sich dann erneut (in ein anderes Bundesland) aus dem Staub gemacht, mich bei neuen Pflegeeltern zurückgelassen, sich zuvor in ihrem Zimmer eingeschlossen, während ich an ihre Tür klopfte, weil es mir täglich physisch und psychisch sehr schlecht ging, ich ihre Hilfe, Fürsorge, Zuwendung, Halt brauchte. All das hat sie stets verweigert. Ihrer Tochter.
 
Umsorgt hat meine "Mutter" nur ihre beiden Katzen.
 
Trotzdem wäre mir nie in den Sinn gekommen, meiner Mutter das Sorgerecht entziehen zu lassen. Es hat mir auch niemand dazu geraten oder mich auf diese Idee gebracht - keine Schule, Lehrer, Schulleitung, kein Arzt.
Ich habe mich vielmehr noch bis ich Mitte 30 war um einen guten Kontakt zu meiner Mutter bemüht, wenn auch vergeblich.
 
Ganz anders mein Sohn, der mir im Alter von 16 Jahren gerichtlich das Sorgerecht entziehen ließ und es mir also auch tatsächlich durch das Familiengericht entzogen wurde, obwohl weder Kindeswohlgefährdung noch -schädigung vorlag. Einfach nur, weil er den damaligen Umzug von Hamburg nach Heidelberg in seiner Pubertät nicht mitvollziehen wollte, weil die Mütter zweier Freunde von ihm, vor allem eine der beiden, ihn dazu angestiftet, ihn darin aktiv unterstützt hatten und weil weder Jugendämter noch Familiengerichte (Heidelberg und Hamburg) tatsächlich helfen, es dort grundsätzlich, erfahrungsgemäß nicht um die Menschen, Kinder, Familien geht, sondern um Fälle und um die bequemste, kostengünstigste "Lösung" dieser Fälle. 
 
Ich hatte mich damals eigeninitiativ Hilfe suchend an das zuständige Jugendamt gewandt, um einen (idealerweise männlichen) Erziehungsbeistand gebeten (da mein Sohn in seiner gesamten Kindheit keine männlichen Bezugspersonen, keinen Vater hatte), wurde jedoch nur abgewimmelt und an eine Erziehungsberatungsstelle verwiesen, die uns ebenfalls nicht im Geringsten weitergeholfen hat.
 
Auch hatte ich vor unserem Umzug versucht, ihn, gemäß seines Wunsches, bei seinen Freunden unterzubringen oder über das Jugendamt, weil eben dies sein Wunsch war: unbedingt in Hamburg bleiben zu können, bei seinen Freunden, in seiner bisherigen Schule.
Aber weder die Eltern der Freunde, die ihn später dann zum Sorgerechtsentzug angestiftet und ihn darin unterstützt hatten, hatten sich damals bereit erklärt, ihn für noch ca. zwei Jahre, bis zu seiner Volljährigkeit, bei sich aufzunehmen (etwaig als Pflegekind, mit finanzieller Unterstützung des Jugendamtes) noch das Jugendamt wollte ihn in einer Jugendwohnung oder Ähnlichem unterbringen. Uns, denn mein Sohn war bei all den Gesprächen dabei, wurde gesagt, das sei viel zu teuer.
 
All das, das vorher vorgeblich nicht möglich gewesen war, fand nach dem Sorgerechtsentzug jedoch exakt so statt:
Erst kam mein Sohn, der in den Frühjahrsferien nach Hamburg gefahren und dann ohne mein Einverständnis dort geblieben war - in den Osterferien zuvor, als wir gerade erst drei Monate wieder in Heidelberg lebten, wo er geboren und die ersten vier Lebensjahre aufgewachsen ist, hatte ich ihn bereits ebenfalls mit €200,-, für uns ein Vermögen, mit dem Zug nach Hamburg fahren, seine Freunde besuchen lassen, da ich ja sehr gut nachvollziehen konnte, dass und warum er sie vermisste, war ich doch selbst im Alter von 14 Jahren von meiner mir fremden leiblichen "Mutter" ad hoc und gegen meinen Willen in ein anderes Bundesland, nach Niederbayern, verschleppt worden ... - bei der besagten Mutter seines Freundes bzw. bei deren Schwester unter, da deren Sohn bereits ausgezogen war, sie aus ihrer dann zu teuren Altbauwohnung jedoch nicht ausziehen wollte und mein Sohn ihr als Untermieter perfekt gelegen kam.
Später, nachdem es bei/mit dieser Frau nicht gut gelaufen war, wurde er dann in einem Jugendwohnheim in Hamburg untergebracht, bis er schließlich, wiederum mit auch finanzieller Unterstützung der wohlhabenden Eltern seiner Freunde und einer Stiftung, seine eigene Wohnung bezog.
 
All das hatte ich erst Jahre später erfahren, da mir von allen Involvierten - Eltern der Freunde meines Sohnes, Jugendamt - vier Jahre lang nicht mitgeteilt wurde, wo mein Sohn wie untergebracht war, welche Adresse er hatte. Mit mir wurde verfahren, als hätte ich ihn übelst misshandelt.
 
Niemanden - nicht die Eltern seiner Freunde, nicht das Jugendamt, nicht das Familiengericht - hatte es damals auch nur annähernd interessiert, was ich damals bereits wiederholt vorbrachte, anmahnte: dass, wie und warum es die Beziehung, Bindung zwischen meinem Sohn und mir sowie ihm und seiner kleinen Schwester dauerhaft beschädigen würde. Denn zwischen Heidelberg und Hamburg liegen 600 Kilometer räumliche Distanz und weder ich mit meiner damals dreijährigen Tochter noch mein Sohn hatten das Geld für Besuche, für die Zugfahrten. Nicht für eine einzige.
 
Meine damals erst dreijährige Tochter und ich hatten infolgedessen, nach nur einem Jahr, erneut umziehen müssen, da die damalige Wohnung nach Jobcenterkriterien nicht mehr "angemessen", zu groß/teuer war, ein Zimmer zu viel hatte: das Zimmer meines Sohnes, das wir übrigens auch nie genutzt hatten, seit er gegangen war, es stand einfach leer.
 
Wir hatten nur sechs Monate Zeit, eine neue, jobcentertaugliche (Sozial-) Wohnung zu finden und den neuerlichen Umzug zu bewältigen - ich alleine mit Kleinkind im Hartz4-Bezug, mit krankem Kind (meine Tochter hatte eine Stoffwechselstörung, es waren deshalb über die Jahre ihrer Kindheit vier Klinikaufenthalte erforderlich), ich selbst damals am Beginn meiner eigenen chronischen Erkrankungen.
 
Es gab dann auch Ungereimtheiten bei den Kindergeldzahlungen für meinen Sohn; die damals zuständige Kindergeldkasse hatte mehrere Fehler gemacht, mir wichtige Informationen nicht erteilt, mit der Folge dass bis heute von mir vorgeblich überzahltes Kindergeld zurückgefordert wird - durch den gnadenlosen Inkasso-Service der BA.
 
Ich war zur damaligen Zeit jedoch vorrangig mit meiner kleinen kranken Tochter, dem erneut erforderlichen Umzug und dem Sorgerechtsentzug - Jugendamt, Familiengericht, von mir anzufertigende Schriftsätze ... - befasst, hatte keinerlei Unterstützung, Beistand, Entlastung.
 
Ich habe also infolge des überstürzten "Weggangs" meines damals 16-jährigen Sohnes bis heute diese Kindergeld-Schulden.
 
Und bis heute ist unser aller Beziehung zueinander zerstört geblieben, da mein inzwischen fast 29-jähriger Sohn auch seiner mittlerweile 16-jährigen Schwester seit neun Jahren, seit auch sie und ich wieder in Hamburg wohnen, jeglichen Kontakt, Umgang verweigert.
Sie hatte sich viele Jahre gewünscht, mit ihm Kontakt zu haben, sie hätte diesen Kontakt dringend gebraucht, da auch meine Tochter außer mir keine weiteren Bezugspersonen hat. Und auch meinem Sohn hätte es für seine Persönlichkeitsentwicklung, Reifung sehr gut getan, sich mit seiner kleinen Schwester zu beschäftigen ... .
 
Aber wie beim Sorgerechtsentzug damals ging und geht mein Sohn seit Jahren nur den selbstbezogenen, egozentrischen, trotzig-sturen, selbstgerechten Weg - ohne Empathie, Mitgefühl für seine Schwester, der ein "großer Bruder" in all den Jahren sehr geholfen hätte ... . Nur ist er jetzt nicht mehr in der Pubertät, sondern fast 30 Jahre alt. 
 
Und ich habe weder ihn noch meine Tochter je vernachlässigt oder gar misshandelt, weder physisch noch psychisch.
 
Der Sorgerechtsentzug sützt sich übrigens auf ein fehlerhaftes Gutachten.
Der Gutachter hat mit meinem Sohn nur ein einziges Mal gesprochen, wie ich Jahre später von meinem Sohn selbst erfuhr. Im Gutachten enthalten sind mehrere Falschbehauptungen.
So läuft es bekanntlich üblicherweise, auch in anderen Fällen ab: Gutachter liefern das Gutachten, das der jeweilige Einzelrichter haben möchte, denn sie sind gerade nicht unabhängig, sondern werden zumeist vom jeweiligen Auftraggeber bezahlt: Gutachter.
 
Übrigens:
Ich rauche, saufe, kiffe nicht, werfe auch keine Pillen ein.
Ich trotze dem ganzen Jahrzehnte währenden Wahnsinn nüchtern.
Seit Jahren trinke ich nicht einmal mehr Kaffee (weil ich ihn nicht mehr vertrage).
Auch religiöser Glaube ist meine Krücke nicht.
 
Aber ja: Ich bin müde. Lebensmüde. Lange schon.
Physisch und psychisch erschöpft, "ausgebrannt". Lange schon.
 
Mein aktueller, wohl "letzer Wunsch":
Den nächsten Winter nicht mehr im hässlichen, in jeder Hinsicht kalten, abstoßenden Hamburg verbringen zu müssen, sondern in Heidelberg - wieder und das letzte Mal zurück in meine zumindest geographische Heimat ziehen und dort den Rest meines "Lebens" verbringen zu können.
 
Wenn es keine Menschen mehr gibt, bleiben nur noch Orte. Orte der Kindheit.
Meine sind Heidelberg und Umgebung, die Schweiz (Wallis) und Österreich (Tirol, Burgenland).
 
Das erste Mal war ich im Alter von 14 Jahren "lebensüberdrüssig". Mir fehlte heute nichts, ich bereute es nicht - nicht einen Tag, auch nicht die Geburt meiner Kinder, ich verzichtete, so ich die Wahl hätte, auf alles "Erfreuliche", würde mir zugleich auch alles Belastende, Beschädigende erspart - wäre ich damals gestorben.
Selbstbestimmt.
 
Es sind bereits 34 Jahre zu viel.
Zu lange. Überflüssig. Vergeblich. Sinnlos.
Und jeder weitere Tag legt seine ganze unnachgiebige, erbarmungslose Schwere, Last der Nichtigkeit, des Abgespaltenseins, beständigen, unabänderlichen Isoliertseins, der Gleichförmigkeit, des Entbehrens, der Existenznot darauf.
Zu viel. Zu lange. Sinnlos.
Zum darunter Zerbersten.
 
Keine Wurzeln - kein Himmel.
Keine Heimat.
 
Gleich, wieviele Jahre das Ausharren währt.
 
Wozu?
 
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update 19. April 2022
 
Vielleicht plätschert das Leben der meisten (?) Menschen so vor sich hin, in aller Alltagsbanalität, Gleichförmigkeit, weitgehenden Gefahrenlosigkeit.
 
Vielleicht sind ihnen mehrheitlich (?) äußere wie innere Kämpfe völlig fremd, unbekannt oder sie verdrängen sie - feige.
 
?
 
Vielleicht hängen sie sich an vermeintliche Gewissheiten, Sicherheiten, "Normalität" - entweder, um der (lebenslangen) Auseinandersetzung mit sich selbst, ihrem Denken, Fühlen, Tun und Unterlassen, ihren Entscheidungen, Überzeugungen, (Selbst-) Zweifeln, Ängsten, ihrer Verzweiflung, Haltlosigkeit, Bedürftigkeit, Verletzlichkeit, Sterblichkeit und e x i s t e n z i e l l e n Einsamkeit, ihrem Geworfensein, der Vergeblichkeit, Ausweglosigkeit und den Sinnfragen auszuweichen oder aber, weil ihrem Gemüt, Intellekt, ihrer Persönlichkeit all das grundsätzlich völlig fernliegt, solche Selbsterkenntnis, Selbstreflexion, emotionale Tiefe, Leidens-, Schmerzfähigkeit in ihnen nur spärlich vorhanden, nur rudimentär angelegt ist oder weil man ihnen all das zuzulassen abdressiert hat?
 
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update 14. Mai 2022
 
Meine Tochter hat keinerlei Erinnerungen mehr an unsere Zeit in Heidelberg, als ich mit ihr noch regelmäßig in die Natur ging: in den Wald, in den Weinbergen spazieren, zum Bierhelderhof den schönen Weg von Rohrbach aus, in den Wald in Sandhausen, auf die Neckarwiese ... .
 
Von diesen Spaziergängen und Spielplatzbesuchen abgesehen waren wir zweimal im Heidelberger Zoo, weil wir dort damals keinen Eintritt zahlen mussten. Hartz IV
 
Wir waren zweimal im von mir seit meiner eigenen Kindheit so geliebten Luisenpark in Mannheim und ein Mal fuhren wir mit der Bergbahn zum "Märchenparadies" auf dem Königstuhl.
Ein einziges Mal war ich mit ihr im Freibad, in Leimen.
 
Seit wir wieder in Hamburg wohnen, seit 2013, seit neun Jahren also, haben wir nichts gemeinsam unternommen. Nichts, außer ein paar Spaziergänge auf den immer gleichen zwei, drei Wegen hier im Stadtteil.
Da ich mir den ÖPNV nicht leisten kann, auch keine Gebrauchtfahrräder für uns beide, so hatte all die Jahre nur meine Tochter ein jeweils größen-, alterspassendes Gebrauchtrad.
 
Meine Tochter hat nichts erlebt, keine Abwechslung, keine Ausflüge in umliegende Natur, Umgebung, keine kulturellen Veranstaltungen, keinen Urlaub in Nachbarländern. Nichts.
 
Sie kennt nicht einmal die Stadt, in der sie seit neun Jahren "lebt", wohnt - nur unseren kleinen, außerhalb gelegenen Stadtteil.
Sie war noch nie an der Nord- oder Ostsee, noch nie im Harz, in der Lüneburger Heide, nie am Meer, nie in den Bergen.
 
Und genau so war es auch schon bei meinem inzwischen 29-jährigen Sohn, mit dem ich seit meinem 19. Lebensjahr ebenfalls allein alleinerziehend war.
 
Woran werden meine Kinder sich einmal erinnern, wenn sie (noch) etwas älter sind, wenn sie vielleicht eigene Kinder haben, wenn sie auf ihre Kindheit zurückblicken - woran werden sie sich erinnern, wenn sie an ihre (dann verstorbene) Mutter denken? An all die leeren, toten Stunden in Wohnungen.
 
Alles, das in ihrer Kleinkindzeit war, erinnern sie nicht - gemeinsames Keksebacken. Basteln ging schon nie, weil ich dafür keine Begabung habe und man auch dafür einen Grundstock unterschiedlicher Grundmaterialen braucht - und den Platz dafür.
 
Meine Tochter will längst schon keine Spaziergänge im Stadtteil mehr mit mir machen. Verständlich. Auf den Spielplatz geht sie auch nicht mehr. Klar.
 
Mein Sohn will seit seinem 16. Lebensjahr keinen Kontakt zu/mit uns, leider vor allem auch nicht zu seiner (Halb-) Schwester.
 
Seit 13 Jahren habe ich keinen Sohn mehr, hat meine Tochter keinen Bruder.
Großeltern oder andere Familie gibt es nicht.
Perspektive: gibt es nicht.
Nur noch Vegetieren, Abmagern, Krepieren in der Kammer.
 
Hartz IV
Je suis Ballastexistenz
Zu vernichten.
 
Dreißig Jahre, seit deinem 19. Lebensjahr, deine gesamte Jugend, vitalen Jahre, hast du fürsorglich g e g e b e n: zwei Kindern. Alleine.
 
Du hattest schon keine Eltern - fürsorglich, verantwortungsvoll, liebevoll, sie haben dich beide abgeschoben, ignoriert, im Stich gelassen.
 
Männer: woll(t)en dich letztlich immer nur ficken.
 
Wer geht eigentlich je mal mit dir wertschätzend, fürsorglich, liebevoll, gebend um - mit dir, als Frau, als Mutter, als Sorge-Arbeit-Leistende, Verletzliche, Versehrte.
 
Du, ledig: wirst lebenslang mit Armut b e s t r a f t.
 
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update 14. Mai 2022
 
Nochmal zu den zahlreichen geleisteten Verzichten und Entbehrungen von Müttern, jedenfalls dann, wenn sie allein alleinerziehend, ledig und unbemittelt sind, zu über Jahre, Jahrzehnte geleisteter bedürfnisorientierter Fürsorglichkeit, Verantwortung:
 
- Tochter war letztes Jahr im Sommer, mit 15 Jahren, zum ersten Mal in ihrem Leben in einem Restaurant, einem Bistro: Essen. Mit ihrer Freundin.
Niemals je zuvor mit ihrer Mutter. Kein Geld für zwei ... .
 
- Tochter war kürzlich, mit 16 Jahren, mit Freundinnen auf dem "Dom" (Hamburger Kirmes, Jahrmarkt, hier so bezeichnet), sie hat dort knapp €60,- ausgegeben.
 
All das und das im älteren thread bereits Genannte, ist nur möglich, weil die Mutter verzichtet: bei sich selbst.
Und das geht ETLICHEN unbemittelten Müttern im reichen Deutschland genau so! Soviel nochmal zum Mütterbashing.
 
Aber g e m e i n s a m können meine Tochter und ich nichts unternehmen.
Ich: sowieso nicht(s). Hartz IV, Armut, unten
 
- Tochter hat vor ca. 2 Jahren Bio-Schminke im Wert von insgesamt ca. €150,- bekommen, kürzlich auch ein Parfum.
Ich habe mir selbst in meinem ganzen Leben, bis heute nie Schminke für auch nur €100,- gekauft und hatte mit 16 noch kein Parfum.
 
- Tochter kann auch gelegentlich zum Friseur gehen, ich schneide mir die Haare seit 2017 regelmäßig selbst, weil ich nicht auch noch Friseur für mich bezahlen kann.
 
- Tochter hat auch das weit bessere secondhand-Handy als ich.
 
Und nochmal: Ich rauche, saufe, kiffe nicht, werfe keine Pillen ein, trinke seit Jahren nicht mal mehr Kaffee, weil ich ihn nicht mehr vertrage - aber es ist Kaffee da: für Tochter, weil sie gelegentlich Kaffee trinken möchte.
 
Aber klar: Müttern wie mir sollte man die Kinder wegnehmen. Weil sie ihnen, Zitat gelöschter twitter-account "MaedchensOpili":
"kein lebenswertes Leben zu ermöglichen in der Lage sind".
 
SO läuft das. Immer noch. Im maximal destruktiven, gewaltvollen Patriarchat. Frauen, Mütter attackieren, herabsetzen, entwerten, schwächen, beschuldigen, beschädigen.
 
Ihr seid so erbärmliche Wichte.
 
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Was dem am 14. Mai 2022 vorausgegangen war:
 
Jemand - der account "MaedchensOpili" wurde inzwischen gelöscht - hatte mir am 14.05.2022 bei twitter, anonym, wie üblich, "vorgeschlagen", meine sechzehnjährige Tochter in eine Pflegefamilie zu geben, da ich, Zitat gelöschter account: "nicht in der Lage" sei, "ihr ein lebenswertes Leben zu ermöglichen".
 
Nachfolgend einkopiert meine Repliken auf diesen Ratschlag:
 
Ganz sicher nicht - sie ist 16. Und ich wollte meine beiden Kinder nie weggeben - nicht nochmal das erleiden, das ich erleiden musste. Nicht, weil meine Pflegeeltern so schlecht waren, sondern weil es eine existenziell lebenslang prägende "Sache" ist - wurzellos.
 
Und es gibt eine viel einfachere, bessere Lösung: für alle ähnlich Betroffenen, Frauen, Mütter, Alleinerziehenden, Familien in Armut: mehr Geld, somit immense Entlastung, überhaupt erst Mobilität, Teilhabemöglichkeit hierdurch - Lebensqualität.
 
Aber "interessant" und typisch: Der erste Gedanke ist: Wie kann man die Kinder von ihren Eltern wegorganisieren. Nicht und stattdessen: Wie kann man Familien so helfen, dass sie gut zusammenleben können: Armut beheben. Mütter stärken, entlasten.
 
Und wenn man schon feststellt, dass jemand am Ende seiner schon rein physischen Kräfte ist, ist es ganz gewiss das Beste für diese Person, ihr noch zusätzlich in die Visage zu treten.
Vielleicht lässt du deinen Sadismus fachärztlich behandeln.
 
Deine empathielose Ignoranz lässt noch viel tiefer blicken. Deine bösartigen, herabwürdigenden, absichtsvoll verletzen wollenden Unterstellungen - "nicht in der Lage, deinen Kindern ein lebenswertes Leben zu ermöglichen" - noch weit tiefer.
 
Und nein, das hat in der Tat nichts mit Schuld, Schuldfrage zu tun, sondern mit Ursachen. Und nicht nur, aber auch hier sind die Ursachen letztlich alle auf materielle Armut, Hartz IV und eben hieraus resultierende Folgen zurückzuführen - angefangen von der fehlenden Mobilität, somit soziokulturellen Teilhabe, über damit einhergehenden, nicht möglichen Zugang zu medizinischer Behandlung in Facharztpraxen, Freizeitaktivitäten, Sozialkontakten, Abwechslung, neuen Eindrücken, bis hin zu fehlendem Geld für Zugang zu anwaltlicher Vertretung - die in den meisten, wenn nicht allen Fällen, jedenfalls meinen, gar nicht vonnöten wäre, da ich den gesamten Jobcenter-Kampf (Widersprüche, Klagen ...) dann nie hätte führen müssen, da ich den aktuellen Stress mit der Jugendmusikschule und allen involvierten Behörden(stellen) nicht hätte usw..
 
Darauf entgegnete der gelöschte account, u.a., ob mir mehr Geld helfen würde und was denn passiere, wenn ich dieses nicht erhielte, wenn es, Zitat "nicht kommt".
Meine Replik hierauf:
 
Ja, stelle diese Frage doch gerne unserer Regierung und Gesellschaft. Denn diesen gilt Sorge-Arbeit nichts - nicht als unentbehrliche, unersetzliche Arbeit, Leistung.
 
Stelle diese Frage Kinderschutzverbänden, Jugendämtern, Politikern:
Warum sie sehenden Auges Kinder und Jugendliche leiden lassen: Kinderarmut ist immer auch Mütterarmut - weltweit. Eben deshalb, weil Frauen Mütter sind und für ihre Arbeit, Leistung kein Einkommen erhalten, schon gar kein existenzsicherndes, sind sie weltweit mehrheitlich von Armut betroffen, belastet, beschädigt.
 
Und auf die Idee, die Mütter zu stärken, weil es Kindern nur dann gut gehen kann und wird, wenn es auch ihren Eltern gut geht, kommst du erst gar nicht.
Auch nicht darauf, dass Mütter auch Menschen sind - keine Versorgungsmaschinen, die beliebig benutzbar sind.
 
Und welche, wie zahlreiche Entbehrungen Frauen, alleinerziehende, mit Armut belastete Mütter über Jahre und Jahrzehnte für das Wohlergehen ihrer Kinder leisten, interessiert dich auch nicht im Mindesten, diese Tatsache übergehst du: vollständig.
 
Aber dafür, dass diese Frauen, Mütter Jahre und Jahrzehnte auf eigene ausreichende, gesunde Nahrung, auf Teilhabe, Freizeitgestaltung, Mobilität, Sozialkontakte und zahlreiches "Alltägliche" verzichten, damit einiges davon wenigstens ihren Kindern möglich ist, sollen diesen Frauen, Müttern dann auch noch die Kinder weggenommen werden - drauf geschissen, d a s s sie offensichtlich "gute Mütter" haben: bedürfnisorientiert! fürsorgliche, verantwortungsvolle, liebevolle.
 
Und nochmal randläufig: Das aktuelle Problem mit bspw. der Jugendmusikschule - von dieser geforderte Gebühren für zwei Monate, obwohl meine Tochter den Unterricht gar nicht in Anspruch genommen hat und ich nachweislich (vorhandene e-mail-Korrespondenz, die das beweist) im Vorhinein, vor der Anmeldung, intensiv, eigeninitiativ darum bemüht war, jegliche Kosten zu vermeiden - habe ich, weil ich meiner Tochter Unterricht an selbiger, im Rahmen unserer finanziellen Situation, ermöglichen wollte.
Meiner Tochter. Nicht mir. Genau.
 
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update 12. Mai 2022
 
Nochmal - Warum will ich zurück nach Heidelberg:
 
1. Ich bin dort aufgewachsen.
Da sämtliche "Bezugspersonen", vor allem meine Pflegeeltern, längst verstorben sind, es keine sonstige Herkunftsfamilie (mehr) gib, nie gab, bleiben nur noch Orte der Kindheit als Heimat. Mir jedenfalls. Vertrautheit ...
 
2. Als ich zwischen 2009 und 2013 - nach ca. 20 Jahren - erstmals wieder dorthin und damals schon aus Hamburg, zurückkam, dort für vier Jahre wieder lebte, gab es keine Enttäuschung für mich, im Gegenteil: das meiste war noch so, wie ich es von früher kannte, vor allem standen noch sämtliche Mietshäuser, in denen ich (in Wohnungen) aufgewachsen war, nahezu unverändert an ihrem alten Ort. Auch sonst hat die Stadt sich nicht zum Negativen verändert.
 
3. Alles für mich Wichtige war/ist dort für mich fußläufig erreichbar - innerhalb von 30 Minuten.
 
Ich konnte und könnte, so ich nochmals zurückkehren könnte, also alles - Lebensmittelgeschäfte, Facharztpraxen, NATUR (Wald, Felder, Weinberge ...) Freizeiteinrichtungen u.a.m. auch ohne Fahrrad, ÖPNV und sowieso Auto (das ich nicht habe, nie hatte) fußläufig erreichen.
 
4. Der ÖPNV war zwar auch in Heidelberg im Jahr 2013 schon teuer, für HartzIV-Verhältnisse, aber doch noch günstiger als die für mich hier in Hamburg erforderliche Monatsfahrkarte: inklusive "Sozialkarte".
 
5. In Heidelberg hatten unbemittelte Familien freien Eintritt in den Zoo
 
6. Ich hatte sowohl einen wunderbaren Hausarzt dort, der nach wie vor in bisheriger Praxis praktiziert und von dem ich ohne Bitten, auf seine Initiative ihn ohne Zuzahlung die für mich so wichtigen Eiseninfusionen regelmäßig erhalten habe.
Als auch hatten wir einen großartigen Kinderarzt in HD.
Beides entbehre ich hier, Hamburg, seit neun Jahren.
 
7. Ich hätte auch in Heidelberg nicht mehr Geld, aber die Möglichkeit der fachärztlichen Behandlung und die Möglichkeit des Erreichens von Natur: solcher, in der ich mich gerne aufhalte.
 
8. Mir gefällt Heidelberg unvergleichlich viel besser als das kalte, hässliche Hamburg mit seinen hässlichen Gehwegplatten, roten Klinkerbauten.
Ich will keinen Hafen, kein Meer, keinen Wind, keine Tiefebene, keinen Fisch - ich will BERGE, am liebsten Alpen: Schweiz, Österreich.
 
9. In Heidelberg beginnt der Frühling alljährlich früher, dauert der Sommer länger, sind die Winter milde - für mich genau das Richtige. Mich macht Kälte, Wind, Sturm krank, kostet mich Kraft, Energie, lähmt und schwächt mich: körperlich, gesundheitlich.
 
10. Und wie eingangs bereits geäußert: Es ist meine Heimat.
Hier in Hamburg gibt es das nicht - insbesondere keine Menschen, Beziehungen, keine Vertrautheit, kein Zuhause. Hier ist alles kalt, hässlich, fremd, steril - auch nach insgesamt 21 Jahren Hamburg immer noch. Immer.
 
Warum bin ich von Heidelberg weg und ein zweites Mal nach Hamburg gezogen:
 
Weil hier mein Sohn und der biologische Vater meiner Tochter leben und, wie schon beim ersten Mal, "der Liebe wegen".
Leider haben sich keine dieser Kontakte als Beziehungen "stabilisiert", im Gegenteil.
Insbesondere die "Beziehung" zwischen meiner Tochter und ihrem biologischen Vater als auch ihrem 13 Jahre älteren Bruder ist leider nach wie vor keine solche - auch in neun Jahren nicht "geworden", gewachsen. Aus Gründen.
 
Es gibt hier keine Familie, kein Zuhause - nicht Heimat.
 
Und es gibt hier, Hamburg, nicht einmal fachärztliche, notwendige medizinische Behandlung, seit neun Jahren nicht - mit entsprechenden Folgen ... .
Hier gibt es nur Vegetieren in der Kammer, in sozialer Isolation, wegen fehlender medizinischer Behandlung, Armut, unzugänglicher Mobilität, ÖPNV.
 
Hier gibt es nur noch Vegetieren, Altern, Verfall in sozialer Isolation - unwiederbringlich verlorene Lebensjahre.
Nicht einmal ein wenig Krafttankenkönnen in Natur, Sonne, Wärme, Halt finden in vertrauter, angenehmer, wohltuender Umgebung. Immerhin das gäbe es in Heidelberg.
 
Denn was es seit Jahrzehnten nicht gibt, nie gemeinsam mit meinen Kindern erlebt werden konnte und nie je zu erleben sein wird: Ausflüge in die nahe Umgebung, Natur, Landschaften, zu Kulturstätten, Urlaube, soziokulturelle Teilhabe, kulturelle Veranstaltungen besuchen ... .
 
Hartz 4 ist Dauerlockdown.
Einfach deshalb, weil in unserer Welt nur solche Menschen von Wert sind, nur jenen Lebensqualität, Lebensfreude, Selbstwirksamkeit, Gestaltung, Entfaltung zugebilligt wird, die erwerbstätig, die vermögend sind.
 
Wer arm ist, ist Dreck. Ballastexistenz.
 
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Aktualisierung am 30. April 2019
 
LiebeN bedeutet nicht Unterwerfung - weder aktiv noch passiv.
 
Wer liebt, gerne, von Herzen g i b t (materiell, immateriell, emotional, sozial), sorgt (bedürfnisorientiert fürsorglich ist), Verantwortung für den geliebten Menschen - gleich ob Kind, Partner, Freunde, Eltern ... - trägt, sich mit ihm befasst, auseinandersetzt, ist und bleibt dabei auch selbst bedürftig. - Du kannst nicht endlos nur geben und deine eigenen natürlich menschlichen Bedürfnisse (nach Fürsorge, Nähe, Wertschätzung, Zuwendung, Beistand, Rückhalt, Verbundenheit ...) übergehen l a s s e n, du wirst dadurch verbraucht, du wirst davon krank und (schneller) alt.
 
Als Frau, als - alleinerziehende, ledige, unbemittelte - Mutter bist du es zumeist, die gibt, sorgt, Verantwortung trägt, verzichtet, kämpft, erträgt, bewältigt ... : viele Jahre lang, jeden Tag - bis zum physischen und psychischen Zusammenbruch. Weil du kaum etwas zurückerhältst, weil Kinder nicht deine Bedürfnisse erfüllen können, es auch nicht sollen.
Ein Kind ist kein Partner, auch kein Partnerersatz. Kinder sind auch nicht die Freunde ihrer Eltern und umgekehrt.

Du gibst - und entbehrst, verzichtest. Jahre, Jahrzehnte lang. Jeden Tag.
Sie gehen aus dem Haus und ihrer Wege. Du bleibst alt, krank, verbraucht zurück und vegetierst, stirbst nur noch in Krankheit und Armut, w e g e n beidem.

"Mehr": war es nicht.

Ich habe mein Soll erfüllt. Seit meinem 19. Lebensjahr: mit zwei Kindern allein alleinerziehend in materieller Armut und inzwischen langjährig chronisch physisch krank.
 
Es gibt hier keine Mobilität, keine soziokulturelle Teilhabe, keine "Förderung" (durch Jobcenter bspw.), keine Perspektive auf je nochmal eine Verbesserung der Situation, nicht einmal auf die notwendige medizinische Behandlung (ebenfalls wegen der Armut, ihrer Begleiterscheinungen und Folgen, wie bspw. fehlende Mobilität, Nichterreichbarkeit von Facharztpraxen).
 
Es gibt hier keine "Resilienz" und keine Selbstwirksamkeit mehr.
Irgendwann ist einfach keine Kraft (zum Aushalten, Durchhalten, Ertragen, Kämpfen, Bewältigen) mehr vorhanden - weder physische noch psychische. Insbesondere dann nicht, wenn es keinen familiären, sozialen Beistand, Rückhalt gibt.
 
Wenn du jung, gesund, vital, attraktiv und naiv, aber alleinerziehend und arm bist, "findest" du noch "ausreichend" Männer, die dich ficken wollen, aber auf Beziehung und Verantwortung (für ein fremdes Kind) haben sie üblicherweise, mehrheitlich keine Lust.
 
Wenn du alt, krank, nicht mehr attraktiv, nicht mehr naiv, aber zusätzlich alleinerziehend und arm bist, willst du nicht mehr - noch zusätzlich - gefickt werden.
 
Du möchtest Wertschätzung (!), nicht-paternalistische, sondern bedürfnisorientierte, respektvolle Fürsorglichkeit, Nähe, Vertrautheit, Intimität, Leidenschaft(en), Zärtlichkeit, Mitgefühl (statt Mitleid), Verlässlichkeit, Verantwortung, Verbundensein, (mentale, intellektuelle) Anregung, Austausch - du möchtest einen Gefährten. Gleich, ob du jung warst oder alt bist.
 
Deine Kinder können und sollen dir solche Gefährten niemals sein. Dass einige Eltern das anders sehen, wollen, sich wünschen und ihre Kinder entsprechend behandeln, d.h. missbrauchen, ändert daran nichts.
 
Es ist anstrengend, sich allein und in materieller Armut um Kinder zu kümmern. Es ist Arbeit. Es ist Leistung. Und sie schwächt, verbraucht, insbesondere dann, wenn du selbst kaum je einmal regenerieren, auftanken kannst: physisch und psychisch-emotional. Wenn du alles alleine organisieren, ertragen, bewältigen, verantworten musst und dabei das Geld nicht einmal für ausreichend gesunde Nahrung für die Kinder und dich vorhanden ist, obwohl du schon Jahre und Jahrzehnte selbst zurücksteckst, verzichtest, entbehrst.
 
Du erhältst dafür weder von "Staat", Regierungspolitik noch Gesellschaft noch deinen Kindern Anerkennung, Wertschätzung.
Nichts. Nada, niente, nothing.
 
Du vegetierst nur noch: krank, alternd, sozial isoliert in Armut. Bis du schließlich krepierst.
 
Frau, Mutter, Sorge-Arbeit-Leistende - ledig, arm, alleinerziehend, seit 27 Jahren nonstop (im Jahr 2020). In Deutschland.
 
Um Missverständnissen vorzubeugen: Ich wollte nie heiraten und nie einen "Versorger". Und so bis heute. Was fair/geboten wäre: ein existenzsicherndes Sorge-Gehalt (keine Herdprämie) für alle Sorge-Arbeiter_innen, auch häuslich Pflegende und ein echtes, menschenwürdiges BGE.
 
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Die siechende Armut zum selbstgerechten Reichtum:
 
Lebenslang hast du nur gierend, geizend genommen.
Lebenslang habe ich dir gegeben.
 
So wirst du immer fetter - und doch nie satt, während ich vor deinen trüben Augen verhungere.
 
Reich bist du an Totem nur, in deinem Herzen warst du es nie.
Lebenslang.
 

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