Overblog
Edit post Folge diesem Blog Administration + Create my blog

Sabeth schreibt

Poesie Melancholie Philosophie Feminismus Anarchismus

Leiden, Lernen, Reifen - Liebe, Mitgefühl, Bindung, Beziehung, Heilung, Wiedergutmachung, Versöhnung - statt Rache, Vergeltung, Strafe, Gewalt

 
update 13. Mai 2022
 
Mein letzter Ex sagte mal zu mir, er glaube, man(n) sollte bei mir lieber keine Schwäche zeigen.
 
Ich habe kein Problem mit "Schwäche", mit Verletzlichkeit, Bedürftigkeit, Fehlern, Unzulänglichkeiten, Defiziten, Irrtümern - wir sind alle Menschen.
 
Ein Problem habe ich mit Personen, die ihre Schwächen, ihr Fehlverhalten, insbesondere ihr Tätersein, ihre Selbstsucht, pathologischen Narzissmus ... als Stärke ausgeben, sich als stark, souverän inszenieren, zu feige sind, sich und anderen das einzugestehen und: andere damit beschädigen.
 
Ein Problem habe ich also mit Heuchlern, Lügnern, Schwätzern, Philosophastern, selbstgerechten Ignoranten, Demagogen, pathologischen Narzissten (Macht, Kontrolle, Unterwerfung, Ausbeutung), Sadisten, Konformisten, die sich damit auf- und andere abwerten.
 
 
Stark, souverän ist: Fehlerkultur, Selbstreflexion (Selbstkritik, Selbstzweifel!), Mitgefühl, Feinfühligkeit, Courage, Rückgrat, Integrität, Authentizität, Wahrhaftigkeit, Durchhaltevermögen, prosoziales Verhalten, Solidarität.
 
 
 
 
 
Worauf ich besonders "empfindlich" reagiere, ist Manipulation: vorsätzlich getätigt zum Zwecke der Instrumentalisierung, Unterwerfung, Ausbeutung, Beschädigung. Wenn man meint, mich durch die Hecke ziehen zu können. Insbesondere, wenn Regierungen in dieser Weise agieren.
 
"Aber zu wissen, ob man mit seinen Leidenschaften leben kann, zu wissen, ob man ihr tiefes Gesetz - nämlich das Herz zu verbrennen, das sie gleichzeitig in Begeisterung versetzen - akzeptieren kann: das eben ist die Frage."
 
Albert Camus - Der Mythos des Sisyphos
 
 
 
Tapferkeit:
 
zeigt sich nicht im Kämpfen mit Waffen, in Kriegen.
 
Unabdingbar ist sie fürs Durchstehen, Ertragen, Durchleiden, Bewältigen all der unzähligen unzumutbaren Vorkommnisse, Widerfahrnisse, Umstände, Verhältnisse im einzigen, kleinen Leben eines (bewussten) Menschen.
 
Dies insbesondere dann, wenn dieser Mensch sich an keine Krücken hängt, klammert:
Drogen, Sucht, Religion, Glaube, "Gott", Esoterik, Aberglaube - Selbstflucht, Selbstbetrug.
Wenn er alles stattdessen wach, bewusst, nüchtern erfährt, erleidet, erträgt. Immer wieder. Lebenslang.
 
Und selbstverständlich: zeitigt das keineswegs "schöne" Folgen, hinterlässt all das Spuren. Wahrnehmbar, irreversibel eingraviert. Im Körper, in der Psyche, im Leib, in der Persönlichkeit eines solchen Menschen.
 
Nein, man muss deshalb kein Masochist oder Märtyrer sein oder dazu werden (wollen). Nur der Mensch, als einziges Lebewesen auf diesem Planeten, kann sich selbst, selbstbestimmt, den eigenen Tod geben. Das: erfordert eine immense Stärke.
 
Freitod
Leiden, Lernen, Reifen - Liebe, Mitgefühl, Bindung, Beziehung, Heilung, Wiedergutmachung, Versöhnung
 
Wie gehst du damit um, dass ein dir nahestehender, seinerseits psychisch versehrter, beschädigter Mensch, für den du aufgrund seines Leidens tiefes Mitgefühl empfindest, dich absichtsvoll intensiv verletzt, misshandelt, quält, aber stets behauptet, es verhielte sich umgekehrt?
 
Wenn ein solcher Mensch also die typisch narzisstische Schuld-, Täter-Opfer-Umkehr und Manipulation inkl. Selbstbetrugs tätigt, um sich keine Blöße, um eigenes, andere schädigendes, antisoziales, verletzendes Verhalten nicht zugeben, es nicht ändern zu müssen?
 
Das Sich-Abwenden von solchen Tätern, die selbst zumeist schon seit ihrer Kindheit Opfer (geworden) sind (zumeist ihrer Eltern, Bezugspersonen), fällt - zumindest mir - gerade deshalb so schwer, weil es meinerseits dieses Mitgefühl "für das Opfer im Täter" gibt.
 
Es ist dieses Mitgefühl, das ich für grundsätzlich unentbehrlich halte, das ich auch nicht "abstellen" will/kann, da es ein natürlicher, angeborener Impuls ist.
Zugleich ist es jedoch das Kernproblem für mich, denn es gibt dem Täter Raum, Möglichkeit für seine Misshandlungen ... .
 
Mir ist bekannt, dass Menschen darauf mehrheitlich in der Weise reagieren, der betroffenen Person zur Trennung, zum Gehen, Loslassen, "Abschied in Frieden" zu raten - oft jene, die selbst nicht betroffen waren/sind. Denn "in Frieden" ist ja gerade nicht möglich, so lange der Täter keine Schuldeinsicht, kein Mitgefühl (!) seinerseits hat und deshalb die erforderliche Wiedergutmachung nicht leistet.
 
Für das Opfer - gleich letztlich, welcher Art von Gewalt, Beschädigtwordensein - ist es essentiell, existenziell wichtig, dass der Täter nicht bestraft wird, sondern den Schmerz, das Leid des Opfers erkennt, darunter selbst leidet und erst/nur das, sein Mitgefühl, ihn dazu veranlassen würde/könnte, tatsächlich "Reue", also eigenen Schmerz über seine Taten zu empfinden und infolgedessen ein eigenes, echtes, nicht-oktroyiertes Wiedergutmachungsbedürfnis zu haben.
 
Solches einseitige, vermeintliche "Gehen, Distanzieren, Abstandnehmen" halte ich, mit Verlaub, für Selbstbetrug, Selbsttäuschung. Wer sich mit Opfern befasst, weiß, dass es so mehrheitlich nicht vonstattengeht, insbesondere nicht wohltuend, heilsam, inneren Frieden ermöglichend.
Es gibt niemals ein einseitiges "Verzeihen". Es muss für zugefügtes Leid einen Ausgleich und eine "Befriedung" mit den jeweiligen Tätern geben.
 
Es ist eine Sache, die Dinge von außen zu betrachten, eine andere, selbst betroffen, beschädigt worden zu sein - nicht selten: existenziell. Mit ebenfalls nicht selten dauerhaften Folgen, bleibenden Schäden.
 
Die übliche Reaktion auf zugefügten Schmerz, auf Verletzung, Misshandlung, Beschädigung, ist reaktive Aggression, ggf. bis hin zu Gewalt und der Wunsch nach Rache, Vergeltung und Strafe - all das hilft jedoch weder dem Opfer noch dem Täter. Stattdessen hülfe beiden: Wiedergutmachung.
 
Es ist gerade das Mitgefühl, das solches Schmerzzufügen verhindert, diesem vorbeugt - weil man es nicht kann, weil man selbst darunter litte, verhielte man sich so.
Und es ist auch dieses Mitgefühl, das im Täter immer auch den Menschen, den seinerseits Leidenden sieht.
 
Dafür ist im Übrigen keinerlei Religion, Ideologie, Zwang, Kontrolle ... erforderlich, denn dieses Mitgefühl ist Menschen (und anderen Primaten) angeboren, nur leider wird es zumeist beschädigt, statt gestärkt, gefördert.
 
Ich denke inzwischen, dass letztlich doch allenfalls das Leiden solche Menschen zu Einsicht, Selbstreflexion, Selbsterkenntnis, Verhaltensänderung, ggf. sogar Heilung, Reife "bringt".
Leider ist das der Weg, den viele Menschen gehen müssen, u m zu reifen.
 
Befasse mich mit diesen Phänomenen schon seit einiger Zeit, siehe dazu unten verlinkte blog-Einträge.
Nun nochmals thematisiert, da es mir schon lange sehr am Herzen liegt und weil ich den Eindruck habe und immer wieder die Erfahrung mache, dass hinsichtlich dessen noch immer so viele Missverständnisse, Unkenntnis vorliegen.
 
"Ich weiß, Ihr habt an mir immer einen gewissen Anteil genommen, weil ich ein armer Teufel bin - den Ihr im Grunde verachtet, der Euch aber unterhält."
 
"Edles und Gutes zu tun, macht die eigenen Gefühle reicher. - Ihr seid ein wunderliches Wesen. - Und Ihr ein bedauernswertes, da Ihr all das nicht fühlen könnt. (...) Weil Ihr Euch niemals eine Existenz errichtet habt, frei von jeder Knechtschaft."
 
"Man will mich, so wie ich bin, aber wundert sich dann, dass ich so bin, wie ich bin. Man weiß doch: Solche wie ich sind eigensüchtige, niederträchtige Burschen. Es muss also die stillschweigende Übereinkunft gelten, dass man uns Gutes tut, aber wir früher oder später das mit Bösem vergelten werden."
 
Denis Diderot - "Rameaus Neffe"
 
Leiden, Lernen, Reifen - Liebe, Mitgefühl, Bindung, Beziehung, Heilung, Wiedergutmachung, Versöhnung - statt Rache, Vergeltung, Strafe, Gewalt

Diesen Post teilen

Repost0
Um über die neuesten Artikel informiert zu werden, abonnieren:

Kommentiere diesen Post