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Sabeth schreibt

Poesie Melancholie Philosophie Feminismus Anarchismus

Sucht, Abhängigkeit, Schmerz, Leere, Krankheit und Wege heraus

Sucht und Rausch. - Es ließe sich zu diesem Text - "Psychoanalyse des Rausches", siehe oben verlinkt -  so viel sagen ... . Augenblicklich fehlt mir hierfür die Muße, die Konzentration und die Energie. Daher nur so viel:
 
Nein, bei dem Wunsch nach "Vereinigung" bzw. Verbundensein geht es nicht um Omnipotenzphantasien und nicht um das "Transzendieren" des Todes, der (eigenen) Sterblichkeit, Vergänglichkeit. - Mir scheint das schon wieder ein sehr "männlicher", d.h. ein typisch patriarchaler Blick auf diese Vorgänge zu sein.
 
Es ist viel mehr eben dies (säkulare) Spiritualität und ein Gefühl von tiefer Wärme, Freude, Dankbarkeit - von Erfülltsein: das Erleben von Verbundenheit - mit anderem Menschen, mit/in Natur.
Man nennt es auch Liebe.
Und nein, dafür bedarf es keines Rausches und keiner Droge, schon gar nicht der Sucht, der Esoterik, Religion, Metaphysik, Mystik.
 
Es liegt in der jeweiligen Person, Persönlichkeit selbst: ob sie liebesfähig ist - ganz ohne jegliche Krücke - oder nicht.
Und damit auch, ob sie süchtig, suchtanfällig ist oder nicht.
 
Sucht ist eine Krücke - möglicherweise vorübergehend hilfreich, entlastend, erleichternd, aber nicht tatsächlich, schon gar nicht längerfristig wohltuend, insbesondere nicht heilend.
 
Denn liebesfähig zu sein, heißt mitfühlen zu können. Und was wir beim Mitfühlen erleben, ist grundsätzlich nicht, ist nie der Schmerz des anderen (Menschen, Tieres, Lebewesens), denn diesen zu erleben, zu erfahren, ist (bisher) unmöglich, insbesondere in dessen Schmerzintensität, -qualität, -individualität.
Was wir beim Mitfühlen erleben, e r l e i d e n, ist stets unser eigener (erinnerter, erfahrener, gefühlter) Schmerz.
Und im Mitfühlen wird dieser Schmerz "ertragen", zugelassen - n i c h t weggedrückt, unterdrückt, nicht betäubt, ignoriert, ausgelagert, übertüncht, schon gar nicht gewaltsam.
 
Nur wer mitfühlend, also "schmerzfähig" ist, ist liebesfähig.
 
Und Mitgefühl ist gerade nicht gleichbedeutend mit Empathie. Empathie ist Einfühlungsvermögen - über das auch jeder Psychopath verfügen muss, u m sein Opfer manipulieren zu können.
Mitgefühl ist das "Miterleiden" des Schmerzes des anderen, also tatsächlich das Erleiden des eigenen Schmerzes, das Zulassenkönnen dessen, das Erleben-, Erfahrenkönnen von eigenem Schmerz.
Ausgelöst wird es durch das Wahrnehmen von Schmerz, Leid anderer - gleich, ob es sich dabei um physischen und/oder psychischen Schmerz handelt.
Nein, dafür muss man mitnichten Masochist oder gar Sadist sein, denn man will, genießt den Schmerz, das Leiden nicht - weder eigenes noch das anderer, aber man lässt es zu.
 
Und diese Schmerzfähigkeit, dieses Schmerzzulassenkönnen, insbesondere, wenn es sich um den Schmerz, das Leid anderer (Lebewesen) handelt, e r m ö g l i c h t erst den Impuls (!) des Helfenwollens, das B e d ü r f n i s, den wahrgenommenen Schmerz des anderen abzuwenden, wenigstens zu mildern.
 
Diese Fähigkeit zum Mitfühlen ist jedem Menschen (wie auch einigen anderen Primaten) angeboren, kann aber - insbesondere in der (frühen) Kindheit, bei Kindern, im Umgang mit ihnen -  entweder gestärkt oder beschädigt werden.
 
Der Süchtige kann eigenen - psychisch-emotionalen - Schmerz nicht zulassen, er will ihn unterdrücken, übertünchen, abwehren, er will ihn nicht erfahren, erleiden. Infolgedessen kann er ihn nicht bewältigen, nicht beheben, nicht: heilen.

Er betreibt ausschließliche Symptombehandlung. Und kann damit nur zwangsläufig scheitern, beschädigt sich damit nur noch zusätzlich.
Was der Süchtige (mittels seines Suchtmittels) gerade n i c h t erlebt, erfährt, ist das Gefühl des Verbundenseins, des Erfülltseins (siehe oben).
 
Und nein: Sport, Sex sind nicht zwangsläufige Rauschzustände, sondern was erlebt werden will und wird, ist Intensität, Leidenschaft, eigene (physische, psychisch-emotionale, mentale) Grenzen ausloten, gespürte Vitalität, Lebendigkeit.
Es geht keineswegs dabei darum, dass es immer möglichst riskant oder gar tödlich sein muss - hier findet sich wohl eher ein Zusammenhang mit bspw. ADHS (thrill, Kick, Adrenalinausstoß ...).
 
Und nein, das kurze Glücks-, Hochgefühl ist gerade nicht gleichbedeutend mit Erfülltsein, Freude, "innerem Frieden", Gleichgewicht, Ruhe, mit Heil-, Unversehrtsein, "Ganzsein", sondern nur schnell vergänglicher, kurzer Moment.
 
Und nein, dieses Erleben von Intensität, Vitalität, Verbundensein, Erfüllung ist eben gerade nicht Rausch, ist nicht schädigend, nicht gefährlich und nicht "den Tod transzendierend", sondern das Gegenteil dessen: Es ist Lebendigkeit, Bewusstheit, Annehmen, Zulassen, Sich-Einlassen, "Aufgehen" - statt Abwehren, Kontrollieren, Verdrängen, Abspalten.
 
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"[...] Die Psychologin Julianne Holt-Lunstad hat 148 solcher Untersuchungen mit den Daten von insgesamt mehr als 300 000 Menschen ausgewertet. Ihr Befund: Wer über soziale Bindungen verfügte, der lebte länger - die Überlebensrate war um 50 Prozent erhöht. Mit anderen Worten: Einsam zu sein ist so schädlich wie Rauchen und abträglicher als Bewegungungsmangel und Übergewicht.
 
Im Fachblatt "PLOS Medicine" zieht Holt-Lunstad sogar Parallelen zu jenen Waisenhäusern, in denen es einst üblich war, Babys sich selbst zu überlassen. Erst als Ärzten auffiel, wie seltsam die Heimkinder sich verhielten, und sie Mitte des vergangenen Jahrhunderts dem Phänomen des Hospitalismus nachspürten, entdeckten sie: Die soziale Vernachlässigung ließ die Kinder sterben.
 
Es bedurfte erst dieser aus heutiger Sicht selbstverständlichen Erkenntnis, um die Zustände in Heimen und Krankenhausstationen menschlicher zu gestalten, woraufhin die Lebenserwartung der Kinder stark stieg.
Die Medizin könne nun noch einmal lernen, sagt Holt-Lunstad, wenn sie endlich auch die Erkenntnis aus der Erwachsenenforschung beherzige: Soziale Beziehungen entscheiden darüber, wie gesund der Mensch ist.
Das gilt ebenfalls für das Verhältnis zwischen Arzt und Patient oder, genauer: zwischen Heiler und dem zu Heilenden. [...]"
 
Quelle: Der Spiegel - "Heilen mit dem Geist", farbliche Hervorhebungen habe ich vorgenommen.
Gefühle, Gedanken, Erwartungen, Ängste, Zweifel, Beziehung(en) oder eben: fehlende solche, auch: die Umgebung des Erkrankten - auch und gerade im Krankenhaus, Natur, Musik, Ernährung (sehr wichtig für Gesundung, Heilung!) - all das spielt eine so erhebliche Rolle.
 
Aber sag´ das mal einer den Schulmedizinern und besehe man sich, wie es noch immer in den meisten Krankenhäusern vor sich geht: Technik, Apparatemedizin, keine Ganzheitlichkeit, keine Beziehung zwischen Heilendem und Krankem, keine Natur (allenfalls ein kleiner Park, den Bettlägerige nicht aufsuchen können), kein qualitativ gutes, gesundheitsförderliches, wohltuendes Essen bzw. Nahrung.
 
Es gibt bereits ganzheitlich orientierte Mediziner und auch entsprechende Einrichtungen, diese sind jedoch noch immer deutlich in der Minderzahl und überdies meist nur Privilegierten zugänglich, da häufig Privatkliniken, also teuer.
Siehe bspw. auch die Traditionelle Chinesische Medizin oder auch die Ayurvedische oder Tibetische oder auch die Anthroposophie ....
 
Meist wird jedoch nur Einzelnes herausgenommen - machen wir hier mal bisschen Akupunktur, da mal bisschen "Aromatherapie" ... . Aber das ist der völlig falsche Ansatz. So h e i l t man nicht, so kann Heilung nicht vonstatten gehen, da sie immer nur ganzheitlich "gelingen", erfolgen, sich vollziehen kann. Eben weil Körper und "Geist/Seele" nicht nur miteinander verbunden, sondern eine Einheit sind.
 
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