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Sabeth schreibt

Poesie Melancholie Philosophie Feminismus Anarchismus

Erziehung - bedürfnisorientierter Umgang mit Kindern attachment parenting

 
Ich denke, lese, sehe, es gibt in Bezug auf den bedürfnisorientierten Umgang mit Kindern einige Missverständnisse.
 
Dass dieser Grundgedanke nicht falsch sein kann, ist, so denke und hoffe ich, eigentlich klar, weil im Grunde unmittelbar empirisch evident.
Das Problem scheint eher im Verständnis und der Interpretation von "bedürfnisorientiert" zu liegen, wobei es auch hier eigentlich keinerlei Ratgeberliteratur bedarf, sondern vor allem der Feinfühligkeit, Empfindsamkeit, Sensibilität, also der Empathie und des Mitgefühls der (Haupt-) Bezugspersonen.

Im Weiteren geht es dann vor allem darum, sich und anderen - Gesellschaft, Politik - zu verdeutlichen, dass und warum es gerade keineswegs bedürfnisorientiert ist, Sorge-Arbeit, d.h. auch und gerade die Fürsorge für Kinder, fast ausschließlich der (leiblichen/biologischen) Mutter zu überlassen, sondern dass es unabdingbar ist, dass die biologische oder/und soziale Mutter in eine Gemeinschaft eingebunden und von dieser getragen ist, da genau das ihr überhaupt erst ermöglicht, nicht schädigend und selbst unbeschadet Mutter, Sorgende sein zu können.

Es bedarf folglich mehrerer Bezugs-, Bindungspersonen für ein, d.h. für jedes Kind sowie auch für jene, die es umsorgen.
Idealerweise sind diese Bezugspersonen langjährig verlässlich, stabil vorhanden (dabei jedoch nicht jede einzelne täglich rund um die Uhr), gehen bedürfnisorientiert mit den Kindern um (liebevoll, respektvoll, empathisch bzw. mitfühlend, Halt, Geborgenheit, aber auch Freiheit gebend, lassend ...) und sind sie unterschiedlichen Geschlechts und gehören verschiedenen Generationen an.

Eigentlich geht es darum, anders als bisher - wieder - zusammenzuleben und auch zu arbeiten, zu wirtschaften: matrilinear orientiert, matriarchal, in einer tragenden Gemeinschaft, in der jeder mit Anerkennung und Wertschätzung behandelt wird und sich in die Gemeinschaft nach jeweils individuellen Möglichkeiten, Fähigkeiten, Interessen und ggf. vorhandenen Einschränkungen ... einbringen kann/darf. Also: weg von der Kleinfamilie, hin zu "Wahlverwandtschaften", zu generationenübergreifendem Wohnen, siehe auch Gemeinwohlökonomie, Wirtschaft der Fürsorge, cohousing.

Dass es all das schon mal und ziemlich lange sogar gegeben hat, ist dadurch belegt, dass/wie die Menschen vor der neolithischen Revolution zusammengelebt haben: friedlich und mit Geschlechterparität.
Siehe dazu bspw. die Ausführungen von Joachim Bauer in seinem herausragenden Buch "Schmerzgrenze - Vom Ursprung alltäglicher und globaler Gewalt", in dem er u.a. auch hierauf intensiv eingeht, siehe außerdem ganz besonders auch Doris Wolfs Internetseite "Das andere Ägyptenbuch", ihr Buch "Der Kampf gegen die Macht und Weisheit der matriarchalen Urkultur Ägyptens", siehe aber zu Mitgefühl auch Arno Gruen, Erich Fromm, zur symbolischen Gewalt Pierre Bourdieu sowie Jack Holland zum Frauenbild und Frauenhass zahlreicher Männer - siehe also die Entstehungsgründe, -ursachen für das bis heute global bestehende Patriarchat und dessen global katastrophale Folgen.
 
Es ist anders, d.h. gewaltfrei, solidarisch, kooperativ, gerecht, nachhaltig, umsichtig möglich - es war dies bereits lange Zeit. Und dass es noch immer möglich ist, zeigen auch die wenigen noch heute bestehenden, sogenannten Matriarchate (bspw. die Khasi, Mosuo, Minangkabau), die ein spezifisches Merkmal kennzeichnet: Gewaltlosigkeit.
 
Es geht aktuell also nach wie vor, siehe Feminismus, darum, diese Ideologie, dieses Paradigma vom "Gebot" oder gar der Notwendigkeit der Ehe, Kleinfamilie, zu vorgeblicher Romantik, lebenslanger Monogamie und der Frau als Mutter/Heilige oder Hure/Magd tatsächlich endlich zu überwinden.

Gefragt sind hier allerdings vor allem Männer, die selbst bereit sein müss(t)en, ihre Privilegien, Deutungshoheit, Machtpositionen/Machterhalt, die Unterdrückungs-, Erniedrigungs-, Unterwerfungs-, Ausbeutungstendenzen (insbesondere mittels Gewalt dies durchzusetzen und aufrechtzuerhalten) aufzugeben - als Folge der Erkenntnis dessen, dass all dies nur Kompensationshandlungen sind, die auf der Scham (!) über eigene (männliche) Unterlegenheitsgefühle und Defizite beruhen, die also verdrängt, verborgen oder auch ganz geleugnet werden, siehe Selbstverherrlichung, Selbsttäuschung, Selbstbetrug und pathologischen Narzissmus.
 
Ja, viel hat das mit Narzissmus, d.h. narzisstischer, antisozialer Persönlichkeitsstörung zu tun.
Hier liegen die Ursachen ebenfalls wiederum fast ausnahmslos in der Kindheit - wir wissen auch längst, dass kein Mensch als "Täter" geboren wird.
Und so kommt man unweigerlich zurück auf die Kindheit, auf den bedürfnisorientierten Umgang mit Säuglingen und (Klein-) Kindern.

Im blog habe ich das an anderen Stellen bereits etwas ausführlicher erläutert, siehe frühkindliche Bindung, Elternsein, Mutterschaft, Mitgefühl, Patriarchat, Matriarchat, die Frau aus Sicht des Mannes, die Liebesfähigkeit der Frau und die Folgen dessen, Ausbeutung und Erniedrigung durch Prostitution/Frauenkauf/Freiertum, Pornographie, durch Frauen als gratis Sorge-Arbeiterinnen, Täter-Opfer-Verhältnis, Autoritarismus, Schwarze Pädagogik, Selbstbetrug, Verbitterung, Sucht, Trauma ... .
 
Nein, Eltern sollen und wollen nicht "beste Freunde" ihrer Kinder sein. Polarisiert David Eberhard, siehe oben verlinkten ZEIT-Artikel "`So ziehen wir Rotzlöffel heran´", aus Überzeugung - oder für die Auflage seines Ratgeberbuchs?
 
Was soll dieses Entweder-Oder, dieses ausschließliche Darstellen von Extremen?
Worum es beim Umgang mit Kindern geht, ganz gleich, ob es sich dabei um deren Eltern, Erzieherinnen oder Lehrer ... handelt, ist eben nicht nur oder überhaupt die Theorie, die jeweils gerade gängige oder aktuelle vorläufige, vorübergehende Ideologie, sondern ganz generell und dauerhaft: das Gefühl, d.h. Empathie bzw. das Mitgefühl (Feinfühligkeit, Sensibilität, sich einfühlen und mitfühlen zu können und zu wollen).
Sich auf das eigene, innere Gefühl, so hoffentlich vorhanden, zu verlassen, was in welcher Situation bei welchem Kind jeweils erforderlich, geboten, angemessen ist - welches Handeln, Reagieren, Verhalten seitens der Erwachsenen.
 
Dafür ist es allerdings erforderlich, selbst entsprechende Erfahrungen gemacht zu haben, empathiefähig zu sein, mitfühlen noch zu können; hierfür bedarf es wie bereits genannt einer gewissen eigenen, vorhanden sein müssenden Sensibilität, Feinfühligkeit, Empfindsamkeit.
 
Als Erwachsene habe ich umso mehr, intensiver, umfassender auf das jeweilige Kind einzugehen, auf seine Bedürfnisse, Nöte ..., je jünger es ist.
Je älter ein Kind wird, umso mehr kann ich von ihm auch an prosozialem Verhalten erwarten, bspw. Rücksichtnahme, seinerseits Mitgefühl, Einfühlungsvermögen, unverzichtbare Regeln einzuhalten, aber eben keine unsinnigen, sondern nur solche, die tatsächlich unverzichtbar, die wirklich zum essentiellen Schutz des Kindes und anderer erforderlich sind, auch selbständigeres, verantwortungsvolles, gewissenhaftes, reflektiertes Verhalten etc..
 
Es kommt jedoch entscheidend darauf an, wie weit entwickelt das individuelle Kind jeweils ist und überdies auf sein je individuelles "Wesen", Naturell, seine genetische Anlage, Disposition - mit einem empfindsameren Kind muss ich entsprechend feinfühliger umgehen, d.h. einfach seinem jeweiligen Bedürfnis entsprechend.
Auch Kinder haben, sind bereits unterschiedliche Persönlichkeiten, kommen nicht als unbeschriebene Blätter zur Welt. Siehe hierzu u.a. Epigenetik, vorgeburtliche Einflüsse ... .
 
Das hat mit Verzärteln oder Verziehen nichts zu tun. Trotzdem setze ich, falls erforderlich, respektvoll Grenzen und treffe Entscheidungen, auch dann, wenn das Kind damit augenblicklich (noch) nicht einverstanden ist, es meine Entscheidung möglicher- oder wahrscheinlicherweise noch nicht (vollständig) erfassen, nachvollziehen, ihr zustimmen kann - immer dann, wenn es seinem Wohl tatsächlich dient und/oder wenn es um das Wohl anderer Menschen (Familienmitglieder, Freunde, andere involvierte Menschen) geht. Abwägen also, was weshalb wann Priorität hat ... .
 
Es kommt hierbei vor allem aber auf das Wie an - wie vermittle ich dem Kind meine Entscheidung: angemessen, wie gehe ich dabei mit ihm um, wie spreche ich mit ihm, was sage ich zu ihm, wie verhalte ich mich, wie reagiert das jeweilige Kind darauf ... .
 
Keineswegs muss es dann, bei Kleinkindern bspw., zu vermeintlich "üblichen" Trotzreaktionen kommen - ganz und gar nicht.
Diese lassen sich sehr wohl vorbeugen bzw. erfolgen absolut nicht zwangsläufig, sind gerade nicht "normal". Es gibt Kinder, die niemals je "getrotzt" haben und trotzdem keine "Tyrannen" oder "Versager, Duckmäuser" geworden sind - das Gegenteil ist der Fall, gerade deshalb: weil ihre je individuellen, spezifischen Bedürfnisse und ihr Entwicklungsstand grundsätzlich tatsächlich angemessen berücksichtigt, respektiert und nicht übergangen wurden.
 
Von einem vier-, fünf- oder zehn-jährigen (oder älteren) Kind kann ich mehr bzw. anderes Verhalten, Verständnis, Einsicht, Kooperation, Rücksicht, Verantwortung, Unterstützung anderer etc. und auch das eigenständige Einsehen und die Bereitschaft hierzu erwarten und "einfordern" als von einem ein-, zwei- oder dreijährigen Kind, das dies entwicklungsbedingt noch gar nicht leisten kann.
 
Darum geht es: keine starren Richtlinien aufzustellen und diesen stur, stumpf oder einfach nur bequem zu folgen, sondern bedürfnisorientiert zu "erziehen", zu umsorgen, zu begleiten, entsprechenden Umgang zu pflegen - mit/durch Empathie, Mitgefühl und Zugewandtheit, verantwortungsvoll, besonnen, reflektiert und auch: selbstkritisch, selbstreflektiert.
Eigentlich ist es ganz einfach:
Ich orientiere mich grundsätzlich am je individuellen Kind.
 
Wenn ich über das erforderliche, d.h. für den Umgang mit gerade Kindern absolut unabdingbare Mitgefühl und Sensibilität verfüge und zusätzlich ein paar wenige Grundkenntnisse, Basiswissen über kindliche Entwicklung (-sphasen) habe - was kann ein Kind frühestens wann, was kann ich also frühestens ab wann von ihm wie erwarten, ihm zutrauen und was weshalb noch nicht (in dieser Form) ...) - dann zeigt mir das jeweilige Kind selbst, was es wie kann und braucht und was (wie) nicht.
 
Ja, das ist häufig auch anstrengend, das ist, neben/trotz Liebe, auch Arbeit: unentbehrliche, unersetzliche Sorge-Arbeit.
Die übrigens gerade nicht beliebig intensiv und/oder umfangreich ausgelagert, delegiert oder vorgeblich "professionalisiert" ausgeführt (siehe Fremdbetreuung) werden kann und dies aus guten Gründen auch nicht sollte. 
 
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Pucken und Eltern-, Familienbett. Ganz einfach. Kein künstlicher Kram, wie bspw. ein "elektrisches Rüttelbett" - bewahre!
 
Jede gute Hebamme leitet eine neu Muttergewordene im Pucken an.

Überdies sind Säuglinge "Traglinge", sollten also bis zum vollendeten ersten Lebensjahr überwiegend am Körper der Mutter oder anderer sehr vertrauter Bezugspersonen getragen (und damit auch "geschaukelt") werden. Das sehen wir heute ja aber immerhin wenigstens wieder vermehrt.
 
Was hingegen völlig falsch ist, ist Kinder im Alter von dann ein, zwei und drei Jahren im Kinderwagen in Fahrtrichtung blicken zu lassen - sie sind von den Reizen überfordert und brauchen überdies den Augenkontakt zur ihnen vertrauten Bezugsperson; diese zu sehen, mit ihr verbal und nonverbal kommunizieren zu können, verschafft dem Kleinkind die für es erforderliche (emotionale) Sicherheit.
 
Warum macht man das: pucken? Weil der Säugling aus dem Mutterleib die Enge, das enge Umhülltsein gewohnt ist. Ist er dann geboren, kommt er mit all den zahlreichen, plötzlich auf ihn einstürmenden, ihm fremden Reizen noch nicht gut zurecht - er muss sich an hell-dunkel, laut-leise, frieren-schwitzen, Hungergefühl (Babies nehmen Hunger als physischen Schmerz wahr), unreife Verdauung (die Schmerzen verursacht ...) sowie an die Schwerkraft und noch einiges andere mehr erst gewöhnen.
Der Säugling macht dann bspw. - auch im Schlaf und Traum - oft "fahrige Bewegungen" mit Armen und Beinen. Das Pucken gibt ihm das Gefühl von Schutz und Geborgenheit - idealerweise wie gesagt am Körper vertrauter Personen, nicht alleine im Bett/der Wiege liegend.
 
Und selbstverständlich richtet man sich auch beim Pucken nach dem je individuellen Kind: Wenn das Kind deutlichen Unmut, Unbehagen äußert, erkennen lässt, wenn es in - möglicherweise falsch - gepucktem Zustand weint, schreit, wimmert, sich wahrnehmbar unwohl fühlt, so lässt man das Pucken natürlich bleiben oder ändert die Technik (nicht zu eng bspw.).
 
Dieses Gerät, "Rüttelbett", hingegen ist wiederum nur der Versuch, sich vom Kind "freizumachen", es sich fernzuhalten, vermeintlich ohne ein schlechtes Gewissen haben zu müssen - statt: seine Zeit, Aufmerksamkeit, Nähe, Zuwendung dem Kind aktiv zu widmen, zu geben.
 
Mir scheint, das ist wieder so etwas, womit man vor allem Mütter dazu bringen will, erwerbstätig (auch zu Hause) zu sein, statt eben den Vollzeitjob Mutter/Sorgende gerade in den ersten Jahren des Kindes in Ruhe, unbeschadet, ohne Druck, Stress, Überlastung, Beschädigtwerden ... "ausüben" zu können - dies zu dürfen.
 
Ein "Rüttelbett" und Ähnliches dient weder dem Wohl der Mutter/Eltern, noch weniger dem des Kindes, aber es lässt sich beklagenswerterweise auch mit solchen abstrusen Geräten Profit erzielen.
 
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