Overblog
Edit post Folge diesem Blog Administration + Create my blog

Sabeth schreibt

Poesie Melancholie Philosophie Feminismus Anarchismus

Über linke Identitätspolitik - über Identität, Diskriminierung, Lagerbildung, Zuschreibungen, Unterstellungen

 
update 29. Juli 2021
 
Nach mehr als einem Jahr Corona-"Pandemie" und völlig versumpfter, regierungskurstreuer selbsternannter "Linker" kann ich nur abermals feststellen: links ist lost.
 
Die Linke hat als erforderliche Opposition gegen Restriktion, Repression, Demokratieabbau, siehe auch den Blankoscheck IfSG, total versagt.
 
Wo kämpft die Linke öffentlichkeitswirksam für Soziokratie, Gemeinwohlökonomie, BGE, existenzsicherndes Sorge-Gehalt (keine "Herdprämie"), wo für Ausbau von und Zugang zu cohousing für auch Nicht-Vermögende, für bundesweit Mobilität für alle, fahrscheinfreien ÖPNV, wo gegen (!) immer längere, immer frühere Fremdbetreuung und wo gegen die Klassenjustiz, siehe systematisch von Fachgerichten verwehrte PKH, entsprechende BVerfG-Beschlüsse hierzu?
 
Wo kämpft die Linke gegen Ersatzfreiheitsstrafen, wo für Entknastung, Abschaffung von Strafe, Haft, Gefängnis, für Abolitionismus?
 
Wo kämpft die Linke gegen die Prostituionslobby, für ein SexKaufVerbot, Nordic Model? Prostitution ist weder Sex noch Arbeit.
 
Wo kämpft die Linke für einen angemessenen Arbeitsbegriff, der Arbeit, inkl. bullshitjobs, nicht als ausschließlich kapitalistisch ausbeutbare Erwerbstätigkeit definiert, folglich "häusliche" Sorge-Arbeit existenzsichernd entlohnt werden muss?
 
Für jedenfalls mich geht es bei d i e s e r Bundestagswahl vorrangig um den Umgang mit der Coronamisere - die durch die Bundesregierung verursacht, vollzogen wurde und beibehalten werden s o l l, siehe RKI-Strategiepapier. Das muss aktiv abgewählt werden.
 
Zusatzinfo:
Ebenso wenig werde ich CDU, SPD, FDP, AfD oder gar die seit Jahren augenfällig ekelhaft maximal-opportunistischen, bürgerlich-konservativen Grünen wählen.
 
-
Über linke Identitätspolitik - über Identität, Diskriminierung, Lagerbildung, Zuschreibungen, Unterstellungen 
 
Finde in diesem Text zahlreiche Widersprüche. Es geht um vermeintliche?, tatsächliche? "linke Identitätspolitik"
 
"[...] Die Identitätspolitik setzt also gezielt darauf, dass Menschen, die Unterdrückung erleben, Kraft und Selbstbestätigung daraus gewinnen, wenn sie sich zusammenschließen, so wie andere Interessengruppen auch. Aber es gibt einen wichtigen Unterschied etwa zu Arbeiterbewegungen oder Klimaschützern: Die Identitätspolitik übernimmt gerade die Kategorien der Diskriminierung wie Hautfarbe, Herkunft, Religion, Geschlecht, sexuelle Orientierung und anderes, betont diese als Gruppenmerkmale ausdrücklich und erklärt sie zu einem essenziellen Teil des menschlichen Wesens. [...]"
 
Ich kann nun nicht für Menschen mit "dunklerer Hautfarbe", Schwarze und/oder Menschen mit verschiedenen Kulturen sprechen, aber durchaus für jedenfalls mich als Mensch mit biologischem (!) Geschlecht - das ich habe und das mich seit Jahrzehnten erheblich beeinflusst, beeinträchtigt, auch sehr belastend, siehe Schwangerschaften, Geburten, Stillzeiten, welche Folgen, Spuren sie auf meinem Körper wie hinterlassen haben, siehe Menstruation, Hormonsystem, Stoffwechsel.
 
Ich bin also nicht bloß ein "Mensch mit Gebärmutter", sondern biologisch eine Frau. Und nein, auch ich kann das - aus soeben genannten Gründen - nicht ignorieren, übergehen, "umdeuten".
 
"Die Betroffenen sollen sich demnach über Gruppenmerkmale definieren. Um an Bedeutung in der Gesellschaft zu gewinnen, wird die Bedeutung der Personen verschoben vom Individuum zum Merkmalsträger – was die persönliche Bedeutung letztlich allerdings verkleinert. Und obwohl die Identitätspolitik häufig von der "Kultur" von Gruppen spricht, geht es eigentlich nur um einige wenige Marker. Die tatsächliche Lebensweise verschiedener Gruppen, der eigentliche Inhalt ihrer Kultur, ist für die führenden Akteure der Bewegung oft nur eine Nebensache, sagt der Ethnologe Christoph Antweiler von der Universität Bonn. "Der Begriff Identität wird als argumentative Waffe benutzt"."
 
Das mag für einige Menschen zutreffen - für jedenfalls mich, als biologische Frau, nicht. Es ist also eine pauschale Unterstellung all jenen gegenüber, die sowohl "Merkmalsträger" (biologisches Geschlecht und was sich daraus wie ergibt) als auch Individuen, Persönlichkeiten sind - mit auch sozialem Geschlecht.
 
"Ein ganz grundsätzliches Problem mit der Identitätspolitik wird in der Regel überhaupt nicht angesprochen: Sie greift ausgerechnet auf jenes menschliche Verhalten zurück, das auch das Fundament des Rassismus und jeder Form von Fremdenfeindlichkeit bildet: Menschen denken in Kategorien – auch in Bezug auf andere Menschen. Sie neigen dazu, sich zu Gruppen zusammenzuschließen und dann die Merkmale besonders zu betonen, über die sich die Gruppe identifiziert. So wird der Kontrast zu anderen Gruppen systematisch verstärkt, während etwa Unterschiede innerhalb der eigenen Gruppe ausgeblendet werden, erklärt Antweiler.
Die rechte Identitätspolitik versucht auf diese Weise, eine fantasierte Hierarchie mit der eigenen Gruppe an der Spitze herzustellen. Linke Identitätspolitik zielt dagegen auf ein Miteinander solidarischer Gruppen. Das hört sich erst einmal gut an, ist aber wohl schwieriger als es klingt. Denn eine der wichtigsten Erkenntnisse der Sozialwissenschaften, der Verhaltensbiologie und der Psychologie ist: Je relevanter die eigene Gruppe für einen Menschen ist, desto höher bewertet er oder sie diese im Vergleich zu allen anderen Gruppen. [...]
 
Und je stärker die Abgrenzung und Ausgrenzung, desto geringer die Solidarität und desto größer das Konfliktpotential. Antweiler bezeichnet das als "allgegenwärtigen Ethnozentrismus", dessen Grundhaltung laute: 'Wir' sind ganz besonders, ganz anders, wir sind die Besten oder Auserwählten.' Der Psychologe und Aggressionsforscher Thomas Elbert von der Universität Konstanz fasst es so zusammen: "Der Mensch ist als soziales Wesen zu Gruppenbildung verdammt. Gemeinsam kämpfen, gemeinsam schlagen ist genauso sozial wie menschlich."
Es ist also zu befürchten, dass die Hoffnung der linken Identitätspolitik auf Solidarität statt Spaltung vergeblich ist – selbst wenn es natürlich ein Unterschied ist, ob eine Mehrheit Identitätspolitik betreibt, um auszugrenzen, oder ob Minderheiten sie nutzen, um auf ihre soziale Benachteiligung hinzuweisen und Kräfte dagegen zu mobilisieren."
 
Wenn oder dass es sich so verhält, ist dann aber doch nicht "Linken" oder linker "Identitätspolitik" anzulasten - sondern, sofern es tatsächlich zutrifft, ein menschliches Faktum - weil wir Primaten sind. Und es ist Linken auch nicht anzulasten, dass sie dennoch - wie so auch andere Primaten und nicht nur diese, siehe bei Frans de Waal nachlesbar - fähig sind zu Mitgefühl und Fairness, zu Kooperation und Solidarität und sich dafür einsetzen, dass diese Haltung und entsprechend prosoziales, faires Verhalten ausgeweitet wird - zum Wohle aller.
 
"Ein weiterer Punkt, der selten angesprochen wird, ist, dass die Identitätspolitik als taktisches Werkzeug grundsätzlich im Widerspruch zum Anspruch der Aufklärung steht, dass alle Menschen Mitglieder einer einzigen Menschheit sind, bestehend aus gleichwertigen und gleichberechtigten Individuen. Identitätspolitik ist hier geradezu reaktionär. Denn zumindest dort, wo der humanistische Anspruch konsequent verfolgt wurde, hat er sich als friedensstiftend erwiesen.
Nationalismus, Rassismus, Sexismus sind heute im Westen absolut geächtet – meist schon per Gesetz und im Prinzip auch innerhalb der Mehrheit der Gesellschaft. Überwunden sind sie noch nicht. Minderheiten erleben auch in Deutschland immer noch Diskriminierung. Aber die Entwicklung ist historisch und global gesehen weltweit bislang eine Erfolgsgeschichte des Universalismus. Und schlimme Rückschläge wie zum Beispiel die Verbrechen der Nationalsozialisten waren gerade die Folgen einer Identitätspolitik, einer konsequenten Politik des "Wir" gegen "die Anderen". Welcher Weg verspricht also den größeren Erfolg?"
 
Der Verfasser möge bitte nicht seine persönliche Wahrnehmung, Einordnung und die durch ihn selbst getätigten Zuschreibungen anderen Menschen unterstellen oder sie auf diese projizieren.
 
Denn gerade politisch tatsächlich/genuin links eingestellte Personen, Persönlichkeiten werden gewiss nicht Nationalismus, Rassismus, Sexismus befürworten - wer sich jedoch im Lebensalltag persönlich jeweils wie verhält, ist nicht nur Sache der politischen Einstellung, sondern vor allem der persönlichen Prägung, Erziehung, Erfahrungen, des persönlichen Menschenbildes, der persönlichen Reflexions-, Selbstreflexionsfähigkeit und Reife.
 
Und ja: Menschen sind Individuen, dennoch leben sie von jeher in verschiedenen "Gruppen" zusammen, in unterschiedlichen Gemeinschaften, in Gesellschaften. Auch diese Tatsachen lassen sich nicht ausblenden. Siehe auch, was darauf jeweils wann wie welchen Einfluss mit welchen Folgen genommen hat: bspw. die neolithische Revolultion, Sesshaftwerdung und das damit einhergehende, globale Entstandensein des Patriarchats.
 
"Ein weiterer, mehr als fragwürdiger Aspekt der linken Identitätspolitik, der in der Regel verschwiegen wird: Ihre VertreterInnen sind Kinder der Postmoderne. Diese hat ihren Ursprung in der "kritischen Theorie" der Frankfurter Schule um Theodor Adorno, Max Horkheimer und Herbert Marcuse und wurde vor allem durch Intellektuelle wie Jacques Derrida und Michel Foucault vorangetrieben.
Am Ende ihrer konstruktivistischen und poststrukturalistischen Überlegungen steht knapp zusammengefasst: Objektive Erkenntnisse sind unmöglich. Die gesamte soziale Wirklichkeit ist ein Konstrukt, gebildet im Sinne der Macht, die kontrolliert, wie über die Dinge geredet wird. Selbst Menschen gelten als vollständig sozial konstruiert: Identität, Charakter, Sexualität, der Körper - alles Produkte der Machtverhältnisse und der Sprache. Und die Machtstrukturen sollen sich überwinden lassen, indem man "dekonstruiert", die Hintergründe der Verhältnisse offenlegt und anprangert und die Diskurse im Sinne der Unterdrückten verändert.
Diese Beschränkung auf Sprache als einziges Werkzeug, das wirklich zählen soll, ignoriert eine der bedeutendsten Erkenntnisse der Wissenschaft überhaupt: Der Mensch ist Produkt der Evolution. Über Jahrmillionen mussten seine Vorfahren sich an eine Realität anpassen, die jene, die ihre Bedingungen ignorieren oder falsch interpretieren, mit dem Aussterben bestraft. Deshalb ist nicht die Sprache der Ausgangspunkt dafür, wie die Dinge wahrgenommen werden, sondern die an die Realität angepassten Sinnesorgane."
 
Auch hier arbeitet der Verfasser des Artikels erneut mit Zuschreibungen, siehe, alle seien, Zitat "Kinder der Postmoderne" und was das vorgeblich, nach seinem Dafürhalten, bedeute.
 
Siehe zur Evolution und Biologie außerdem, was ich oben bereits schrieb.
 
Auch hier also widerpricht der Verfasser sich selbst - einmal übergeht er, zu Anfang, dass es biologische Tatsachen, Gegebenheiten, Bedingtheiten mit diversen Folgen gibt und behauptet, eine darauf beruhende, exkludierende Gruppenbildung sei zu kritisieren, dann bringt er hier nun selbst diese biologischen, evolutionären Tatsachen ein und meint, dies nun auch gegen "linke Identitätspolitik" in Stellung bringen zu können, da diese "postmoderner Kindheit" unterliege, unterworfen sei.
Mit einfachen Worten: Er dreht´s halt hin, wie´s ihm grade passt, pauschalisiert permanent und saugt sich damit vermeintliche Kritikpunkte realitätsfern aus den Fingern.
 
"Natürlich nimmt der Mensch über die Kommunikation Einfluss darauf, wie die aufgenommenen Informationen interpretiert werden. Diese Erkenntnis ist nicht neu. Und durch die Fortschritte der Hirnforschung und Kognitionspsychologie ist in den letzten Jahren auch die Konstruktion von "Bedeutung" in den Fokus der Naturwissenschaften gerückt, sagt Eckart Voland, emeritierter Professor für Biophilosophie an der Universität Gießen. Dinge existieren in der Realität, aber "Bedeutung entsteht nur im Gehirn, und zwar in jedem einzelnen. Sie ist zweifelsohne konstruiert."
Das heißt: Biologen ist klar, dass die Bedeutung von zum Beispiel Geschlechterrollen sozial konstruiert ist – aber die Rollen selbst sind es nicht ausschließlich. Auch die Natur spielt mit hinein."
 
Siehe oben - meine Rede. Es g i b t Biologie, so auch bspw. biologisches Geschlecht/Geschlechter.
 
Und was soll das nun:
"Voland zufolge wäre es sogar sinnvoller zu fragen, was es eigentlich bedeuten solle, Angehöriger einer Rasse zu sein – die Antwortet lautet: nichts –, und strukturelle Ungleichheiten mit emanzipatorischer Motivation zu bekämpfen, als zu fordern, den Begriff Rasse abzuschaffen."
Denn welche genuin links eingestellten Menschen würden "identitätspolitisch" von "Rassen" sprechen - es gibt bekanntlich nur eine menschliche "Rasse".
 
Aber nur weil man das weiß und eben nicht von verschiedenen "Rassen" in Bezug auf Menschen spricht, gibt es dennoch - aus längst hinreichend bekannten Gründen - "strukturelle Ungleichheiten", Diskriminierung, Unterdrückung, Entwertung, Gewalt ... .
 
Was soll/will mit obigen Sätzen also in Bezug auf linke vermeintliche oder tatsächliche "Identitätspolitik" ausgesagt bzw. kritisiert sein?
 
"Denn es wird noch schlimmer: Die Postmodernen der Gegenwart haben zwar wie ihre Vorgänger den Anspruch auf objektive Erkenntnisse aufgegeben. Sie stellen sich selbst aber nicht mehr infrage. Stattdessen konstruieren sie nun Vorstellungen von der Welt auf der Grundlage der Erfahrungen verschiedener Gruppen, entsprechend deren jeweiliger "Narrative". Ihre vor allem moralisch gerechtfertigten Diskurse sollen den herrschenden Diskurs der Privilegierten ersetzen und endlich für soziale Gerechtigkeit sorgen. Nachdem die Objektivität sowieso aufgegeben wurde, kann jede und jeder die eigenen Vorstellungen als wahr betrachten. Und der Anspruch, für soziale Gerechtigkeit zu kämpfen, adelt diese eigene Wahrheit.
Aus dieser Perspektive versucht die Gruppe der weißen, heterosexuellen, älteren cis-Männer immer noch zu definieren, was als "wahr" zu gelten hat, um ihre Machtposition zu erhalten. Um diesen Diskurs herauszufordern, sollen unterdrückte Identitätsgruppen dieser "Wahrheit" die eigenen, gleichberechtigten "Wahrheiten" entgegenstellen.
Der Postmodernismus behauptet tatsächlich: Menschen können aufgrund ihrer Gruppenidentität auf besondere Weise etwas "wissen", das allen anderen verschlossen bleibt: als Frauen, als Homosexuelle, als Muslime, als Angehörige einer Gruppe, die unter Sklaverei und Kolonialismus gelitten hat, oder auch einfach als Volk oder Stamm. Dabei geht es aber nicht darum, vielfältige individuelle Erfahrungen zu sammeln, um auf dem Wege der wissenschaftlichen Beobachtung, der Empirie, einer objektiven Wahrheit näher zu kommen. Die Empirie gilt vielmehr als der Weg, den der weiße heterosexuelle Mann seit der Aufklärung beschritten hat, um die Natur zu kontrollieren und alle zu beherrschen, die anders sind als er – und deshalb wird sie abgelehnt. Die Forderung nach einem Realitäts-Check selbst gilt als Zeichen westlicher Arroganz kulturellen Minderheiten gegenüber. Schließlich hat die westliche Wissenschaft nur deshalb Erfolg gehabt, weil dahinter die militärische und wirtschaftliche Macht westlicher Nationen steht, behauptet etwa die populäre postmoderne Philosophin Sandra Harding, und nicht weil sie wahr, rational oder effektiv sei."
 
Bitte? Hier wird nun alles wild durcheinandergewürfelt und miteinander verwurstet. Anders kann man es nicht nennen.
 
Denn:
Selbstverständlich kann ich vieles nicht selbst "genau" wissen, nachempfinden, "nach-, miterleben", wenn ich es nicht selbst, persönlich erfahren habe.
 
Bestes Beispiel ist hierfür Schmerz, psychischer und/oder physischer Schmerz, Schmerzerfahrung: diese ist individuell. Ich weiß zwar, als jeweiliges Individuum je selbst, ggf., was (starke) psychische und/oder physische Schmerzen sind, weil ich selbst solche bereits (einmalig oder wiederholt) erfahren, erllitten habe, aber dennoch weiß ich niemals je, w i e sich der psychische und/oder physische Schmerz für einen anderen Menschen, ein anderes Individuum, auch ein Tier anfühlt ... . Denn: Ich bin nicht dieses Lebewesen, diese Person, Persönlichkeit. Ich habe nicht ihren Körper, ihre Psyche, ihr Empfinden, ihr Bewusstsein, ihre Erfahrungen, ihre Persönlichkeit, ihre Prägung etc..
 
Siehe dazu auch das uralte Problem der Qualia.
 
Wie will ich diesbezüglich einen "Realitätscheck" durchführen (können) - womit?
 
Was wir aber durchaus realiter feststellen, erkennen, uns darüber austauschen, dazu kommunizieren, darüber diskutieren, verhandeln und uns idealerweise auch einigen ;) können, ist, d a s s es - unterschiedlichen - Schmerz gibt, um bei diesem Beispiel zu bleiben. Dass es unterschiedliche Schmerzintensität und Schmerzqualität sowie eben unterschiedliche, individuelle Schmerzwahrnehmung und -einordnung sowie -verarbeitung gibt und dass und wie diese wiederum auch gerade mit der jeweiligen Umgebung, den je aktuellen Verhältnissen, Gegebenheiten etc. korrespondiert, womit sich Schmerz wann wie mildern oder auch vorbeugen lässt etc.. Denn dafür, ja, können wir wissenschaftliche Erkenntnisse, u.a. der Hirnforschung, Neurowissenschaften, nutzen, heranziehen.
 
"Stattdessen gelten im Postmodernismus etwa überlieferte Traditionen den wachsenden naturwissenschaftlichen Erkenntnissen als ebenbürtig. Jeder Schöpfungsmythos soll genauso als Wissen betrachtet werden wie die Evolutionstheorie. [...]
Als eigenes Wissen dürfen solche Vorstellungen jedoch im postmodernen Weltbild nicht infrage gestellt werden. Gerechtfertigt wird dieser Multikulturalismus-Anspruch auch mit dem Argument, dass so kulturelle Diskriminierung verhindert wird. Das aber funktioniert nicht, sagt Christoph Antweiler, gerade "weil ja unterschieden – also diskriminiert – wird." Trotzdem etabliert sich diese Haltung seit einigen Jahren zunehmend an nordamerikanischen Colleges und Universitäten."
 
Pardon, aber: was für ein bullshit. Denn: Nur weil etwas unterschieden wird, wird es deshalb, damit nicht automatisch, nicht zwangsläufig auch diskriminiert - weil es durch bloße Unterscheidung, Differenzierung nicht auch zugleich bewertet wird oder werden muss.
 
Und welcher "linken Identitätspolitik" gelten welche, wessen "überlieferte Traditionen wachsenden naturwissenschaftlichen Erkenntnissen als ebenbürtig"?
Das wird hier an keiner Stelle genannt, belegt, sondern auch dies wiederum nur pauschal diskreditierend behauptet.
 
"Letztlich kehren die Postmodernisten damit zu den Vorstellungen des Romantikers Johann Gottfried Herder und der anti-aufklärerischen Philosophen wie Johann Gottlieb Fichte und Georg Wilhelm Friedrich Hegel zurück, die Kultur, Wissen, Volk, Sprache und völkische Identität als untrennbare Einheit betrachteten und so eine der Grundlagen für den Rassismus des 19. und 20. Jahrhunderts schufen."
 
Nochmal meine Frage: Welche "Postmodernisten" nehmen das wo, wie vor und was hat das mit "linker Identitätspolitik" - wessen? - zu tun, wo, womit sind diese Behauptungen, Unterstellungen, Projektionen belegt, bewiesen? Eben.
 
"Die Identitätspolitik wirft den Weißen zum Beispiel vor, Rassismus erfunden zu haben, um Kolonialismus und ihre Vorherrschaft in der Welt zu rechtfertigen. Im Prinzip war dieser Rassismus die Diskriminierung von Gruppen aufgrund angeborener Merkmale. "Weiße haben diesen Rassismus systematisiert und pseudobiologisch untermauert", sagt Antweiler. "Allerdings ist auch der Kampf gegen den Rassismus ein Kind des Westens."
Statt sich aber differenziert mit dem Phänomen auseinanderzusetzen, wurde der Begriff übertragen auf die Benachteiligung von Gruppen aufgrund von sexuellen, religiösen oder kulturellen Merkmalen. Wo die Hautfarbe angesprochen wird, gilt sie ebenfalls als sozial konstruierte Eigenschaft. Damit ist man den spezifisch biologischen Aspekt des Rassismus los. So hat der Begriff allerdings auch jede Kraft für eine eigentlich antirassistische Argumentation verloren, warnt Antweiler."
 
Em, what? Ja, hier nun kann ich überhaupt nicht mehr folgen. Es wäre hilfreich gewesen, statt nur mit Behauptungen und Unterstellungen zu arbeiten, konkrete Beispiele zu nennen, Faktenbelege anzuführen.
 
Ah, er führt dann doch noch ein, zwei Beispiele an:
 
"Es wird darüber hinaus behauptet, überhaupt könnten nur Weiße rassistisch sein, weil auch nur sie von den Strukturen profitieren – und weil sie als Weiße davon profitieren, selbst wenn sie sich dessen nicht bewusst sind, sind sie auch und immer strukturell rassistisch. Der populäre schwarze US-Buchautor Ibram X. Kendi etwa behauptet, Weiße könnten nur dann keine Rassisten sein, wenn sie aktive Antirassisten wären – indem sie seinen Lehren folgen."
 
Wieder eine Behauptung, Unterstellung des Verfassers. Denn klar: wer nicht rassistisch ist, ist eben dies: nicht rassistisch. Und dabei muss man keinen "Lehren folgen".
Zu fragen wäre hingegen: Wer aus welchen Gründen doch sehr häufig und nach wie vor, wenn auch unbewusst, diverse Ressentiments in sich trägt und inwiefern diese auch "rassistisch gefärbt" sind.
 
Ich weiß im Übrigen nicht, wer Ibram X. Kendi ist und was er mit "linker Identitätspolitik" zu tun hat. Das legt der Verfasser auch leider nicht dar, führt dazu nichts aus.
 
"Denn der Begriff "weiß" bezeichnet nicht mehr die Hautfarbe. Er steht für die privilegierte Position der Menschen weißer Hautfarbe, während die Hautfarbe selbst irgendwie keine Rolle mehr spielen soll. Ein weißer Bettler wäre demnach im Prinzip privilegiert gegenüber allen Schwarzen, unabhängig von deren Position und Einkommen."
 
Oh-mein-Gott, nur noch reine Polemik. Der Verfasser scheint persönlich arg gebeutelt zu sein, sich persönlich angegriffen zu fühlen, anders erklärt sich sein Rechtfertigungs- und Diffamierungsdrang nicht.
 
Denn nein, natürlich ist das nicht gemeint: dass ein "weißer Bettler" ("Bettler" alleine ...) gegenüber allen Schwarzen per se privilegiert sei, sondern gemeint ist eben das, das er selbst im vorherigen Satz schrieb: "weiß" steht für "privilegiert" - nur eben nicht pauschal, sondern im übertragenden Sinne, eben w e i l durch/seit Kolonialismus und Eurozentrismus seit Jahrhunderten zahlreiche "weiße Männer" gegenüber zahlreichen "nicht-weißen" Menschen weltweit, insbes. auf dem Trikont, erheblich "privilegiert" waren und sind, weil Menschen von "weißen Männern" und Frauen, von Kolonial"herren", versklavt, augebeutet, misshandelt, verschleppt, vergewaltigt, getötet wurden und all das bekanntlich bis heute global massiv "nachwirkt". Das ist der historische Hintergrund.
 
Und insofern ist es auch ein patriarchaler und kapitalistischer und wer eben "männlich, weiß, alt" ist, ist nach wie vor häufiger privilegiert, vermögend, wohlhabend, in politischen und wirtschaftlichen Machtpositionen befindlich als jemand, der/die "weiblich" (biologisch: eine Frau), "nicht-weiß" und ggf. jung, Kind ist, also weltweit mehrheitlich von materieller Armut betroffen, belastet, beschädigt: Mehr Frauen als Männer sind weltweit materiell arm.
 
Die Ursachen dafür finden sich in Kapitalismus, Neoliberalismus, Ausbeutung (siehe Sorge-Arbeit, Geschlechterrollen, Diskriminierung von Frauen und Mädchen in vielen Bereichen nach wie vor), Arbeitsbegriff (nur Erwerbstätigkeit, inkl. bullshitjobs, gilt als Arbeit), Klassismus und/also patriarchalen Strukturen, auch in Konservatismus, Religion und einhergehendem Menschenbild, Frauenbild.
 
All das ist mit "weiß", also "privilegiert" gemeint. Und Ausnahmen bestätigen wie immer die Regel. Es gibt also - aus denselben Gründen übrigens, siehe oben genannt - auch "arme, nicht-privilegierte, weiße Männer" und einige, vergleichsweise wenige superreiche, mächtige Frauen - wieviele davon allerdings "schwarz" sind, entzieht sich meiner Kenntnis, wäre zu erfahren gerade vor dem Hintergrund dieses Textes und all seiner beleglosen Behauptungen allerdings interessant.
 
Es geht nicht darum, sich "schuldig zu fühlen" (wovon alleine niemand etwas hat, was niemandem hilft, was nicht konstruktiv ist, so wenig wie dies Strafe ist - wenn es der Schuldeinsicht tatsächlich bedarf, ist sie nur ein erster Schritt, erforderlich ist immer: jeweils angemessene Wiedergutmachung), sondern sich je persönlich bewusst zu machen, wer aus welchen Gründen (!) welche Privilegien hat (wenn er/sie solche hat), was das mit biologischem und sozialen Geschlecht, uralten patriarchalen Strukturen, Kolonialismus, vererbtem Vermögen, Reichtum, Zufall der Geburt u.a.m. zu tun hat.
 
Und es geht darum, sich infolgedessen entsprechend zu verhalten: fair, prosozial, mitfühlend, solidarisch/sich solidarisierend, hilfsbereit, bedürfnisorientiert, nicht-paternalistisch gebend, teilend, sozial gerecht, gewaltfrei.
 
Es geht um Selbstreflexion, Selbstkritik und das Überwinden des persönlichen, bequemen Selbstbetrugs.
 
"Trotz solcher Einwände setzen sich die Vorstellungen der linken Identitätspolitik weiter durch. So schreiben Anhänger der CRT heute von "Schwarzen Menschen" mit großem "S", aber von "weißen Menschen" mit kleinem "w", um das Selbstbewusstsein der Schwarzen zu stärken. "
 
Hierbei geht es nicht um Abwertung "Weißer", sondern um Stärkung "Schwarzer" - es verhält sich damit ähnlich wie mit Feminismus: Es geht um Stärkung, Solidarität, nicht, indem man andere, auch nicht Männer (biologisches und/oder soziales Geschlecht), pauschal und sämtlich abwertet, verurteilt und Frauen "über sie stellt", sondern indem man Frauen "auf dieselbe Stufe holt".
Dafür ist allerdings durchaus berechtigte Kritik erforderlich - an patriarchalem, gewaltvollen, diskriminierenden, destruktiven Verhalten, Taten, Einstellungen, Überzeugungen.
 
Wenn also vorübergehend (!) "Schwarze" mit "großem S" schriftlich dargestellt werden und "Weiße" mit "kleinem W", dann geht es darum, symbolisch einen Ausgleich zu schaffen zu jahrhundertelanger Unterdrückung, Versklavung, Ausbeutung, Misshandlung, bis hin zur gezielten Vernichtung (jegliche Art von Völkermord, Genozid ist hier selbstverständlich auch gemeint).
 
Es geht also um "empowerment", um das Stärken des Selbstwerts all jener, die jahrhundertelang massiv unterdrückt, benachteiligt, beschädigt, misshandelt wurden.
 
Und selbstverständlich (!) spielen hierbei Gefühle unweigerlich eine Rolle: siehe Schmerzgrenze - r e a k t i v e Aggression. Immer wieder sei hierzu Joachim Bauers Buch empfohlen: "Schmerzgrenze - Vom Ursprung alltäglicher und globaler Gewalt".
Und auch Martha Nussbaum schreibt über "politische Gefühle" - "Gerechtigkeit braucht Liebe".
Es lässt sich all das eben gerade n i c h t nur "rein rational" behandeln, aufarbeiten, abhandeln.
 
"Vor dem Hintergrund des westlichen Kolonialismus und Imperialismus lehnen Anhänger der Postmoderne den Anspruch universeller Menschenrechte als kulturimperialistisch und eurozentristisch ab."
 
Ist das so? Wer sind denn diese "Anhänger der Postmoderne" - welcher "Postmoderne"? Und nochmal: Was hat das mit w e s s e n "linker Identitätspolitik" zu tun?
 
"Gesellschaften bestehen aus menschlichen Individuen, die sich zwar mit ihren Kulturen in der Regel weitgehend identifizieren – sie werden aber zuerst einmal als Menschen geboren – frei, die Ketten kommen später. "
 
Da kann ich, mit Verlaub, nur lachen. Das ist hoffentlich Ironie, Zynismus? Denn n e i n: etliche Menschen rings um den Globus werden nachweislich gerade n i c h t "zuerst einmal als Menschen frei geboren". - Wieviel Realitätsflucht, -verweigerung kann es geben. Rhetorische Frage.
 
"Soziale Gerechtigkeit für alle lässt sich nur erreichen, wenn Menschen ihrer Gruppenidentität keine besondere Bedeutung anderen Gruppen gegenüber beimessen. Mehrheiten sind hier in der Pflicht, aber es gilt auch für Minderheiten, dass sie Angehörige der Mehrheit nicht pauschal denunzieren und deren Interessen delegitimieren sollten. Identitätspolitik, egal von welcher Seite, vergiftet die Gesellschaft. Sie ist toxisch."
 
Soziale Gerechtigkeit lässt sich vor allem durch das angemessene, effektive Beheben von globaler materieller Armut erreichen, durch ein n i c h t-konservativ-autoritär-patriarchales Menschenbild und durch das Überwinden solcher patriarchalen, autoritären Ideologien/Religionen sowie durch das globale Überwinden des Kapitalismus´, Neoliberalismus´, durch einen angemessenen, zeitgemäßgen, nicht-diskriminierenden Arbeitsbegriff, das Beenden von systematischer Ausbeutung und entsprechender Politik.
 
Selbstbetrug, egal von welcher "Seite", Person, vergiftet Gesellschaft und Individuen. Er ist toxisch.
 
-
 
update/Nachtrag vom 30. Juni 2021
 
Exakt so - siehe oben verlinkten Artikel "Was Antisemitismus und Rassismus mit Femizid zu tun haben" - ordne auch ich das ein. Leider ist mein entsprechender, ausführlicher, mit Quellen unterlegter blog-Eintrag hierzu aktuell nicht mehr abrufbar (wegen des "Vorfalls" am 07. Juni 2021 bei overblog).
 
Es ist die Angst des patriarchal-autoritären, zumeist auch konservativen, religiös geprägten und gläubigen und/oder auch pathologisch narzisstischen (siehe antisoziale PKST - stets kompensatorisches! Streben nach Macht, Kontrolle, Unterwerfung, nicht selten auch mit psychischem und/oder sexuellen Sadismus einhergehend) Mannes vor der starken, selbstbewussten, selbstbestimmten Frau.
 
Der Frau, die für solche Männer Mutter/Heilige oder Hure/Magd ist und die sie gerade als Letztere begehren, wollen (siehe auch Porno und Prostitution), sie dafür zugleich aber verachten, weil sie sich selbst für ihr Begehren, ihr Bedürftigsein, ihre Abhängigkeits- und Unterlegenheitsgefühle sowie ihre Minderwertigkeitskomplexe verachten, schämen.
Scham - Hass/Selbsthass - Kompensationsverhalten
 
Es ist die Angst solcher unreifen Männer vor der "Macht" der Frau:
 
- als Mutter, die als Schwangere, Stillende/Nährende, Fürsorgliche oder auch Abtreibende über Leben, Geborenwerden entscheidet, die in gewisser Weise hierüber also Macht hat, der sich Männer - als Nicht-Gebärende, Nicht-Stillen-Könnende ... ausgeliefert, abhängig, unterlegen fühlen
 
sowie auch der Angst vor der Macht der Frau:
 
- als sexuell Begehrenswerte, siehe oben und siehe die sexuelle Lust und Potenz der Frau, die bspw. multiple Orgasmen erleben kann und die für ihre Lusterfüllung nicht auf Penetration ihrer Vagina angewiesen ist, die dafür keinen Mann, keinen Penis, keinen Dildo oder was immer braucht, sondern vom Mann unabhängig höchste, erfüllende sexuelle Lust, Lustbefriedigung empfinden, erleben kann - was in gewisser Weise auch mit Neid zu tun hat.
 
Auch hier fühlen sich bestimmte Männer unterlegen, benachteiligt, minderwertig.
Deshalb gibt es FGM - weibliche Genitalverstümmelung.
 
Angefangen hat diese (auch oft unbewusst vorhandene) Misogynie bekanntlich mit dem Patriarchat, das vor ca. sieben- bis zehntausend Jahren (mit der neolithischen Revolution, der Sesshaftwerdung ...) begann und sich global ausbreitete. So bis heute.
 
Typisch ist für solche Männer auch, dass sie Sex häufig mit Gewalt und mit "Sünde" verbinden - siehe Sexualgewalt, Vergewaltigung, Porno.
Dass Frauen durch solche Männer objektifiziert werden.
 
Typisch ist hier auch die narzisstische Täter-Opfer-Umkehr: Die begehrenswerte, "verdorbene, schmutzige, verführerische, böse, niedere" Frau verführt den "armen, wehrlosen" Mann, der also zu ihrem "Opfer" wird.
 
Deshalb müssen Frauen sich in bestimmten patriarchalen Kulturen, Gesellschaften, Ländern verhüllen, verschleiern.
 
-
 

Diesen Post teilen

Repost0
Um über die neuesten Artikel informiert zu werden, abonnieren:

Kommentiere diesen Post