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Sabeth schreibt

Poesie Melancholie Philosophie Feminismus Anarchismus

Ein Buch schreiben

 
Da mir via social media in den vergangenen Jahren schon mehrfach freundlich zusprechend angeraten wurde, doch "ein Buch zu schreiben" -
 
mir fehlt für solches die Kraft. Ich schreibe auf social media und im blog, was mich weshalb wie beschäftigt, auch belastet (oft betrifft das nicht nur mich ...).
 
In den vergangenen Jahren war ich sehr beansprucht durch Jobcentervorgänge (hier immer und immer wieder anzufertigende Schriftsätze an das Jobcenter - zahlreiche, gegen rechtswidrige Bescheide einzulegende Widersprüche, erhobene Klagen - auch an den Inkasso-Service der BA), durch Gerichtsverfahren (vor verschiedenen Gerichten, teilweise zeitgleich und stets ohne anwaltliche Vertretung, während die Gegenseite jeweils stets anwaltlich vertreten war), außerdem durch meine Tochter, deren schulische und gesundheitliche Belange sowie meine eigene chronische physische Krankheit, die mir tatsächlich längst, seit Jahren schon und zunehmend mehr, die rein physische Kraft raubt.
 
Auch habe ich nicht den Eindruck, über ausreichende Qualifikation und Wissen zu verfügen - ich habe keinen akademischen Abschluss, ich kann nur in bescheidenem Maße selbst zu verschiedenen Themen recherchieren, ich bin nicht mobil und nicht "sozial vernetzt" und im Grunde haben etliche andere Menschen längst schon viele andere, schlauere Gedanken, Erkenntnisse in (deren) Büchern aufgeschrieben, veröffentlicht, verbreitet als ich es je könnte.
 
Ich würde nur aus meiner Sicht darlegen, beschreiben, benennen, dokumentieren können, was ich persönlich wie wahrnehme, erlebe, einordne, empfinde ... .
Mir fehlt es an der erforderlichen Sprachgewandtheit und für einen Roman an Phantasie und Muße. Ich habe Zeit, aber den Kopf eigentlich täglich nur voller Sorgen - gerade auch in Bezug auf meine Tochter, deren (nähere und fernere) Zukunft (in der sie allein auf eigenen Beinen stehen können muss ...), unsere Armut ... .
Und mit zunehmendem Alter beschäftigen Menschen, so jedenfalls mich, auch mehr die "Altlasten" aus der Vergangenheit, Kindheit ... .
 
Ja, ich hätte gerne einmal so etwas wie einen Mentor, einen Beistand, Förderer, Unterstützer gehabt - jemanden, der Wertschätzung zeigt, äußert, der feedback gibt, konstruktiv kritisiert und zu intellektuellem wie emotionalem Wachstum, Reife anregt.
 
Auch hätte mir sehr geholfen, wäre jemand mit mir (längerfristig, auch im Erwachsenenalter) bedürfnisorientiert-fürsorglich, zugewandt, aufmerksam, feinfühlig, liebevoll umgegangen: emotional, sozial, körperlich - Nähe, Zärtlichkeit, Intimität, nicht-sexuelle, wohltuende, stärkende, heilsame Berührung, Gehalten-, Getragensein.
So, wie ich dies mit meinen beiden Kindern und auch mit ehemaligen Partnern tat, ihnen dies gab/gebe.
 
Ich möchte nicht mehr kämpfen. Ich möchte nicht mehr suchen, immer noch mal und noch mal neu anfangen, immer wieder nur bitten, betteln, kriechen sollen, mich selbst anbieten, verkaufen, präsentieren. Das kann, will, bin ich nicht. Ich gehe keine faulen Kompromisse ein und bettle nicht um Almosen, Spenden - wie andere: in ihren, für ihre blogs. Ich würde mich vor mir selbst ekeln, verhielte ich mich so.
 
Es bleibt daher offenbar nur Einsamkeit, soziale Isolation in Armut, Krankheit, Alter(n) und Verfall. Auch dies betreffend bin ich keine Ausnahmeerscheinung. So vielen Menschen auf dieser Welt geht es schlecht, noch viel schlechter als mir. Warum soll es mir besser gehen als all diesen Menschen, die ebenso unverschuldet leiden müssen ... - ich habe nur etwas mehr Glück gehabt als sie. Weiter nichts.
 
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Wenn seit drei, fast vier Jahrzehnten niemand mehr da ist, mit dem du Erinnerungen aus deiner Kindheit austauschen, besprechen, dich gemeinsam erinnern und das Erlebte, Erfahrene damit "verifizieren" kannst.
 
Wenn es von Anfang an schon keine Wurzeln, keinen Halt gab und alles Folgende nur Aneinanderreihungen bloß zusammenhangloser Lebensabschnitte, Ereignisse sind, denen ein gemeinsames, tragendes Fundament, ein Identitätsfaden fehlt.
 
Wenn all die Menschen, mit denen du emotional verbunden warst, auf dem Weg verlorengingen - wegzogen oder du selbst häufig Orte (mal mehr, mal weniger freiwillig) wechseltest oder sie verstarben (auch durch eigene Hand schon in jungen Jahren oder alt, krank und ohne, dass jeweils ein Abschiednehmen erfolgte, möglich war).
 
Wenn du so häufig an unterschiedlichen Orten, in unterschiedlichen Bereichen, Tätigkeiten immer wieder neu angefangen, immer wieder ums Existierendürfen gekämpft hast - mit zwei Kindern, für deine Kinder und dich - und es dabei kaum je Beistand, Rückhalt, Unterstützung, Wertschätzung und nie je gemeinsames Verantwortungtragen, -teilen gab.
 
Wenn du auf diesem "Weg" physisch krank, arm, verbraucht, mager, alt geworden bist.
 
Wenn es keine Freude, keine Wärme, kein Licht, keine Perspektive, keine offene Tür, kaum Selbstbestimmung, keine Selbstwirksamkeit, kein Selbst- und kein Urvertrauen (mehr) gibt.
 
Wenn seit Jahren täglich dich der Gedanke an das, dein Sterben, deinen Tod "begleiten".
 
Wenn du anämisch physisch ausgelaugt, ausgezehrt, blutleer, kraftlos, ohne Vitalität in Armut und sozialer Isolation vegetierst - nurmehr aus Verantwortungsbewusstsein deinem (noch minderjährigen) Kind gegenüber - um es nicht im Stich zu lassen, wie du als Kind im Stich gelassen, verlassen, mehrfach herumgereicht, entsorgt wurdest.
 
Wenn da keine Menschen (Familie, Eltern, Freunde) mehr sind und keine "neuen gefunden werden" können.
 
... Dann bleiben dir nurmehr die Orte deiner Kindheit, deiner Erinnerungen. Orte, die du mit Licht, Wärme, Unbeschwertheit, Vitalität, Geborgenheit und Freude verbindest, erinnerst.
 
Orte, die du niemals je wiedersehen wirst.
 
Heimat.
 
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Irgendwann bist du auch zu schwach, physisch und psychisch zu ausgelaugt, zermürbt, verbraucht, versehrt - um dich noch freuen zu können.
 
Irgendwann kommt das (etwaig) Gute, Wohltuende, Entlastende, Unterstützende einfach zu spät.
 
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