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Sabeth schreibt

Poesie Melancholie Philosophie Feminismus Anarchismus

Über "gut" und "böse", über Mitgefühl und Liebesfähigkeit, Verzeihen, Versöhnen, Frieden, über Heilung und Prävention durch Beziehung

 
Über "gut" und "böse", über Mitgefühl und Liebesfähigkeit, Verzeihen, Versöhnen, Frieden, über Heilung und Prävention durch Beziehung
 
Ist es nicht nur naiv, sondern tatsächlich falsch, davon auszugehen, dass in jedem Menschen "Gutes" vorhanden, angelegt, (re-) aktivierbar ist?
 
Was meint "Gutes", was ist "gut":
 
Hierunter ist vor allem faires, insbesondere prosoziales Verhalten, basierend auf dem jedem Menschen sowie auch anderen Primaten angeborenen Mitgefühl und auf Erkenntnis- sowie (Selbst-) Reflexionsfähigkeit und Liebesfähigkeit (im Sinne von Metta, Karuna, Freundschaft, "Güte"), zu verstehen.
 
Kann vernünftigerweise davon ausgegangen werden, dass ein jeder Mensch dies in sich trägt, wenngleich mehr oder weniger stark oder schwach ausgeprägt bzw. mehr oder weniger intensiv verschüttet, überlagert, betäubt, beschädigt oder intakt?
 
Wie verhält es sich mit Sadisten, die durch das Quälen anderer, durch deren Schmerz, Leid, tiefe Befriedigung und Lust erleben?
Wie verhält es sich mit Menschen, die andere absichtsvoll verletzen, quälen, beschädigen, bis hin zu deren Vernichtung - siehe Folter, Mord - und dies gerade auch oder nur, um damit diverse eigene Vorteile, Machtzuwachs, Machterhalt oder "Ruhm" (vermeintlich oder tatsächlich) zu erlangen?
 
Wie also verhält es sich mit dem "Guten" bei Menschen, die sich antisozial, destruktiv (für andere und/oder auch sich selbst), rachsüchtig, hasserfüllt, sadistisch, andere intensiv quälend, beschädigend, gewissen-, skrupellos, nicht integer, n i c h t: mitfühlend, rücksichtsvoll, verantwortungsvoll, gewissenhaft, respektvoll, prosozial verhalten, sondern belastend, verletzend, beschädigend und das nicht nur einmalig, sondern wiederholt oder auch langandauernd und nicht nur in geringem Ausmaße, sondern intensiv, mit gravierend belastenden, weitreichend beschädigenden, destruktiven Folgen: insbesondere für diese anderen, die Opfer solcher Menschen, solcher Täter von psychisch-emotionaler und physischer, auch sexueller, sozialer, politischer, juristischer Gewalt?
 
Wir wissen, dass diese Menschen mehrheitlich, wenn nicht ausnahmslos psychisch krank, gestört sind, zumeist eine oder mehrere Persönlichkeitsstörungen aufweisen, wie bspw. pathologischen Narzissmus (die antisoziale PKST), Psychopathie, Soziopathie, Sadismus (korreliert eng mit pathologischem Narzissmus) oder auch paranoide Störungen etc..
 
Wir wissen außerdem, dass solche Störungen mehrheitlich nicht angeboren sind, auch wenn es ggf. eine genetische Disposition für manche gibt, sondern dass sie Folge falschen, beschädigenden Umgangs mit Menschen in deren Kindheit, insbesondere in deren früher Kindheit, sind, dass sie sich folglich vermeiden ließen, ihnen durchaus präventiv angemessen vorgebeugt werden könnte - durch bedürfnisorientierten, feinfühligen, mitfühlenden, respekt- und tatsächlich liebevollen, nicht-paternalistisch fürsorglichen, somit immer gewaltfreien Umgang mit Säuglingen und (Klein-) Kindern.
 
Dieser Umgang muss den jeweiligen Eltern bzw. den Hauptbezugspersonen der Kinder allerdings global politisch, sozial, gesellschaftlich tatsächlich angemessen - d.h. wiederum bedürfnisorientiert, respektvoll, nicht-paternalistisch - ermöglicht und er muss politisch, gesellschaftlich entsprechend gefördert, statt behindert, untergraben werden. - Eigenes, umfassendes Thema, das erheblich mit materieller Armut, mit sozialen Lebensverhältnissen dieser Eltern, Kinder, Familien und daraus resultierender, lebenslanger Prägung und Sozialisation zu tun hat, insbesondere hinsichtlich Urvertrauen, infolgedessen (!) ausgebildet werden könnendem Selbstvertrauen, Selbstwertgefühl, Selbstwirksamkeit und Resilienz.
 
Ist es vor diesem Hintergrund also naiv, falsch, davon auszugehen, man könne nicht nur angemessen präventiv vorgehen, um diversen PKST und um insbesondere Gewalttaten, destruktivem, antisozialen, sadistischen Verhalten, entsprechenden Taten, vorzubeugen, sondern all das auch für therapierbar, genauer: für heilbar zu halten?
 
Und was könnte hier zur Heilung hilfreich, effektiv sein?
Kann das nicht grundsätzlich vor allem Beziehung sein - gerade auch die zwischen Therapeut und Patient?
 
Mit Beziehung ist hier jedoch nicht (zwangsläufig) Liebes-, Paarbeziehung oder Sexualverhältnis gemeint, obschon auch das mehr oder weniger häufig, im Grunde fast zwangsläufig hineinspielen wird, weil es schlicht menschlich ist: Gefühle des Hingezogenseins, der Zuneigung, emotionale, sexuelle Bedürfnisse gegenüber einem Menschen, dem man sich verbunden, von dem man sich verstanden, respektiert, angenommen, wertgeschätzt fühlt, für den man Sympathie empfindet ... . Es ist natürlich, dass es diese Gefühle gibt, dass sie entstehen, im Beziehungsverlauf auch wachsen und es ist gerade wiederum beschädigend, sie unterdrücken, gar leugnen zu sollen, weil sie aus diversen (ideologischen) Gründen und/oder Angst vorgeblich keinen Raum haben, nicht ausgelebt werden dürfen.
 
Unter Beziehung ist vor allem aber ein wechselseitig freundschaftliches, emotionales (!), zugeneigtes, mitfühlendes Verbundensein, Anteilnehmen, Akzeptieren, Respektieren und eben prosoziales, auch gebendes, fürsorgliches, bedürfnisorientiertes Verhalten und ein Getragensein gemeint.
 
Solche Beziehung kann durchaus ohne Verliebtsein, sexuelle Bedürfnisse, Wünsche in Bezug auf die Beziehungsperson, Bezugsperson, gelebt werden, solche Gefühle und Bedürfnisse können jedoch hinzukommen und haben dann ihre "Daseinsberechtigung", sollten keineswegs Scham behaftet sein oder gar zu destruktivem Kompensationsverhalten - gegen sich selbst und/oder andere gerichtet, ausagiert - führen.
 
Ist es letztlich also nicht doch Beziehung und wohltuende körperliche Berührung, somit Liebe, die heilt - alle Menschen, gerade aber auch jene, die in ihrer Kindheit nicht geliebt wurden?
Und noch einmal verweise ich zur Definition von Liebe auf Erich Fromm und Emmanuel Lévinas sowie auch Arno Gruen (Mitgefühl ...).
 
Ist es falsch, an "das Gute" in jedem Menschen "zu glauben" - gerade auch dann (!), wenn es sich um - insbesondere bekannte, nahestehende - Menschen, Individuen, Persönlichkeiten (im Gegensatz zu Institutionen, Behörden, Unternehmen etc.) handelt, die einen selbst bereits intensiv (psychisch-emotional oder auch physisch, sozial, gar existenziell) beschädigt haben, wie bspw. Eltern, Freunde, Kinder, Beziehungspartner ...?
 
Oder ist es nicht viel mehr gerade geboten, erforderlich, das jeweils eigene Mitgefühl, die eigene Leibesfähigkeit, seinen "Glauben an das Gute im Menschen" - g e r a d e auch im (Gewalt-) Täter, im (politischen) Gegner, im Widersacher, Beschädigenden, "Feind" - lebenslang zu erhalten, u m sich entsprechend selbst verhalten zu können, dies aus einem inneren Impuls heraus, auf Basis von Liebesfähigkeit, zu w o l l e n, gar nicht anders zu können?
 
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Dass so viele Zeitgenossen noch immer meinen, es sei Zeichen, Ausdruck von Stärke, Macht, ihre psychisch-emotionalen und sozialen Defizite, Unzulänglichkeiten, ihr Fehlverhalten zu leugnen, verborgen zu halten und jene, die diese Schwächen, Fehler, Defizite aufdecken, sie als solche benennen, skrupellos, nicht selten auch gewaltsam zum Schweigen zu bringen versuchen.
 
Dass sie nicht erkennen können, dass dieses Verhalten das Gegenteil von Charakterstärke, Größe, Souveränität, Courage, Rückgrat, Integrität und Reife ist, sondern nur überdeutlich ihre Angst vor Ablehnung, Zurückweisung, (sozialer) Verurteilung, Ausgrenzung, ggf. auch Strafe offenlegt und ihre Scham.
 
Dass sie sich lieber feige, bequem, dem vordergründig, vorläufig behaglichen, selbstschonenden Selbstbetrug hingeben, der Selbstflucht, statt beherzt, reflektiert und couragiert zu ihrem Fehlverhalten ... zu stehen, um Verzeihung zu bitten - Schuldeinsicht auf Basis von Mitgefühl zu haben und Verantwortung für ihr Tun zu tragen - und um Wiedergutmachung, Ausgleich sowie Persönlichkeitsreifung bemüht zu sein, wo erforderlich, dies mit (professioneller, bspw. therapeutischer) Unterstützung.
 
Dass sie lieber die Täter-Opfer-Umkehr, die Manipulation, das silencing tätigen und mittels all dessen doch letztlich am intensivsten sich selbst beschädigen.
 
Das ist nicht nur beklagenswert, sondern häufig zahlreiche Menschen beschädigend und destruktiv.

Es ist schwach, es ist arm, es ist unreif. Und leider oft sehr hässlich.
 
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Zweifelsohne ist jeder Täter selbst Opfer.

Zugleich ist er als Täter jedoch Verletzungen, Beschädigungen, Leid anderer, somit weitere Opfer verursachend und dafür zur Verantwortung zu ziehen - mittels Um-Verzeihung-Bittens (auf Basis von Schuldeinsicht, von Mitgefühl), Wiedergutmachung, idealerweise sich anschließender Versöhnung mit jeweiligem/-n Opfer/n, nicht: durch Strafe, nicht durch Gewalt. Nicht auf Basis von Hass, Rache, Vergeltung.
 
Nur durch Mitgefühl und Wiedergutmachung sowie Versöhnung kann der Kreislauf der Gewalt, der Vergeltung, die Destruktionsspirale durchbrochen, d.h. bewältigt werden.
 
Die einzige Art der gewaltlosen, somit der gebotenen Konfliktbewältigung ist dialogische Kommunikation, falls erforderlich mit Unterstützung durch je angemessene, passende, versierte Mediation (unabhängiger, neutraler Mediatoren) oder aber unter Umständen/situationsbedingt auch nonverbal: eine direkte menschliche, zugewandte, gebende, versöhnliche, mitfühlende Geste, entsprechende Tat.
 
Wem es jedoch um Macht, Kontrolle, Unterwerfung (zumeist auch Ausbeutung) geht, wird zu solcher Konfliktbewältigung weder willens noch fähig sein. Narzissmus.
 
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