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Sabeth schreibt

Poesie Melancholie Philosophie Feminismus Anarchismus

Ernst Jünger - der Narzisst, der Sadist, der Antisemit

 
Ernst Jünger - ein typisch nekrophiler Charakter, nach Erich Fromm.
 
Ein augenfällig ausgeprägter Hang zu Krieg, Kampf, Gewalt, Destruktivität, Autoritarismus, freiwilliger Selbstverknechtung, "Heroismus", zu Tod, Vernichtung, Hass, Gehorsam, Unterwerfung, Metaphysichem, Mythischem, verklärt-schwülstigem Kitsch - als Kompensation ureigener Defizite, ureigenen Beschädigt(worden)seins und erheblicher Unreife, dem Mangel an Resilienz, Selbstwertgefühl, an Mitgefühl, Feinfühligkeit, (Selbst-) Reflexionsfähigkeit, der Unfähigkeit, eigene Verletzlichkeit, Bedürftigkeit zulassen, ertragen zu können, sie stattdessen auszulagern und Schmerz, Leid stellvertretend, kompensatorisch anderen zuzufügen - mit Lustgewinn: Sadismus.
 
Ein pathologischer Narzisst auch er also - antisozial persönlichkeitsgestört und sicher auch noch anderweitig.
 
Ein Liebesunfähiger, emotional Verpanzerter, Behinderter. Arno Gruen, Erich Fromm, Klaus Theweleit haben das bereits detailliert ausgearbeitet.
 
Mit einem Satz: Eine arme Wurst.
Der Mann war augenfällig schwer therapiebedürftig - hätte eine gute Psychoanalyse, analytische, jedenfalls tiefenpsychologisch fundierte Therapie gebraucht. Und wahrscheinlich auch eine andere "Erziehung".
 
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"Es ließen sich noch viele Zeichen nennen, in denen der Niedergang sich äußerte. Sie glichen dem Ausschlag, der erscheint, verschwindet und wiederkehrt. Dazwischen waren auch heitre Tage eingesprengt, in denen alles wie früher schien.
Gerade hierin lag ein meisterhafter Zug des Oberförsters; er gab die Furcht in kleinen Dosen ein, die er allmählich steigerte und deren Ziel die Lähmung des Widerstandes war. Die Rolle, die er in diesen Wirren, die sehr fein in seinen Wäldern ausgesponnen wurden, spielte, war die der Ordnungsmacht, denn während seine niederen Agenten, die in den Hirtenbünden saßen, den Stoff der Anarchie vermehrten, drangen die Eingeweihten in die Ämter und Magistrate ja selbst in Klöster ein und wurden dort als starke Geister, die den Pöbel zu Paaren treiben würden, angesehen. Der Oberförster glich einem bösen Arzte, der zunächst das Leiden fördert, um sodann dem Kranken die Schnitte zuzufügen, die er im Sinne hatte."

Ernst Jünger, Auf den Marmorklippen (1939)
 
Dieser Auszug aus den "Marmorklippen" veranschaulicht nochmals deutlich, dass Jünger selbst s i c h als diesen "Oberförster" sieht, ich wiederhole: in typisch pathologisch narzisstischer Manier.

Und es muss auch immer schmerzhaft sein, es muss immer mit Leiden einhergehen (die vermeintlich daraus folgende "Katharsis"). Und er ist es, der das Leid zufügen will und den dies erregt - Sadismus.

Schließlich bleibt er bei leichten, leeren Worten, da er selbst keinen aktiven Widerstand gegen das NS-Terrorregime geleistet hat.

Klar: Als Jugendlicher im Sturm und Drang (Hormone, Pubertät) den Krieg verherrlichen und Grenzen, eigene, ausloten (auf katastrophale Art) und im Alter sich als elitär darstellen, inszenieren.

Es klingt aus dieser zitierten Textpassage übrigens auch der übliche Kulturpessimismus heraus und eben die stets sich überlegen meinende Attitüde, die klassisch narzisstische Selbstüberhöhung.
 
Und was genau hat Jünger selbst an aktivem Widerstand geleistet? Und warum nicht?

Und ist Jünger auf seinen passiven, jedenfalls rhetorischen Widerstand (?) - oder ist es nicht viel mehr bloße Ablehnung und Enttäuschtsein, denn offenbar gab es Zeiten, da er Hitler durchaus sympathsich fand ...? - zu reduzieren und all seine Gewalt, sein Sadismus in Form seines Denkens, Fühlens und Sich-Ausdrückens auszublenden?

Ja, lesen sollte man ihn wie andere wohl, aber nicht unkommentiert, unreflektiert. Und mir scheint, es fehlt so manchem Lesenden an der Fähigkeit, die Texte analytisch zu erfassen, auszuleuchten und/oder es liegt eine eigene ähnliche Charakter-, Persönlichkeitsstruktur bei Jünger-Anhängern vor, weshalb sie ihn selbstredend "verehren", weil sie sich selbst darin wiederfinden: in seinen Texten, seinem Denken, Fühlen.
 
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"Innere Emigration" findet üblicherweise immer dann statt, wenn man sich unverstanden bzw. vermeintlich oder tatsächlich missverstanden, ausgegrenzt, nicht zugehörig fühlt.
 
Die Frage ist dabei nur grundsätzlich: Ist Ursache hierfür tatsächlich Äußeres, die jeweiligen politischen, sozialen, gesellschaftlichen, kulturellen ... Umstände, Verhältnisse, die persönliche freie Entfaltung, Selbstbestimmung und Mitbestimmung, Mitgestalten tatsächlich? unmöglich machen oder ist es die je persönliche Unfähigkeit, sich angemessen, d.h. vor allem prosozial in die vorhandene engere oder weitere Gemeinschaft, Gesellschaft einzubringen?
 
Und eben dies dürfte Ernst Jünger schon seit frühester Jugend mindestens schwergefallen sein und eben deshalb sondern Menschen wie er sich häufig ab oder überhöhen sich selbst, plädieren für eine "Elite", ziehen sich in die "innere Emigration" zurück - ja, man kann das durchaus als Trotz bezeichnen, denn häufig liegt genau dieser zugrunde, psychisch-emotionale, soziale Unreife.
 
Und dieses elitäre Gebaren, diese "innere Emigration" wird dann selbstredend gleichfalls überhöht, geadelt, mystifiziert - damit man sich selbst nicht als irgendwie falsch, defizitär, unzulänglich, unfähig, unreif wahrnehmen, erfahren muss; man lagert es aus, man projiziert eigene Schwächen auf andere, untestellt sie diesen, man wertet andere ab, um sich selbst aufwerten zu können.
Wie ich schon wiederholt erwähnte: Dem liegt eine ausgeprägte Selbstwertproblematik und der Mangel an Mitgefühl, an prosozialem Verhalten zugrunde.
 
Man flüchtet sich dann in Glaube, Religion, Esoterik, Mystik, Mythisches, u m sein persönliches Defizitärsein irgendwie vermeintlich rechtfertigen und "adeln" zu können, um der Auseinandersetzung mit eigenen Unzulänglichkeiten ausweichen zu können, sich diesen nicht stellen, d.h. sein Verhalten nicht ändern zu müssen - was zumeist anstrengend, mühevoll wäre/ist.
Es ist dies augenfällig Selbstbetrug, Selbstflucht, Kompensationsverhalten.
 
Fast immer geht das zu Lasten anderer, häufig zu deren Schaden, Beschädigung.
 
Was weiß man über Jüngers Beziehungen zu anderen Menschen? Über seine Freundschaften - mit wem pflegte er echte Freundschaft?
Was weiß man über seinen Umgang mit Frauen?
Wie beziehungs-, wie liebesfähig war Jünger - und damit ist selbstverständlich nicht bloß monogame Paarbeziehung, sondern gerade auch Freundschaft gemeint?
Wie war Jünger als Vater, wie ging er mit seinen Kindern um?
Dies würde sicher viel Aufschluss geben.
 
Es lässt sich "Werk" und Autor, Werk und Künstler grundsätzlich nicht voneinander trennen, so wenig wie Werk und Biographie und historischer, politischer Hintergrund.

Ja, ich halte die psychoanalytische Betrachtung daher generell für erforderlich, jedenfalls geboten.

Und klar: Je mehr Hässliches, Antisoziales, ggf. auch Destruktives, Sadistisches oder auch nur Ambivalentes, Widersprüchliches aus den je persönlichen Verhältnissen, Verhaltensweisen und in der jeweiligen Persönlichkeit vorhanden ist - das der jeweiligen Person selbst zumeist durchaus mehr oder minder als vorhanden bekannt ist - je intensiver die jeweilige Person sich dafür schämt (Scham spielt eine gewichtige Rolle hierbei), umso eher, gründlicher wird sie darauf bedacht sein, all dies vor der Öffentlichkeit, vielleicht auch vor nahestehenden Menschen, verborgen zu halten oder es umzudeuten, es als gegenteilig - als "gut, richtig, wichtig, ehrenvoll, erstrebenswert, wertvoll, besonders" usw. - darzustellen.

Das Private ist politisch.
 
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Ernst Jünger - "Ich widerspreche mir nicht", 3sat Dokumentation

 
Hierdurch (oben verlinkte 3sat-Dokumentation) wird sein ganzer pathologischer Narzissmus, seine antisoziale PKST nochmal in aller Deutlichkeit offengelegt. - Möglicherweise ist vielen gar nicht wirklich bekannt, was diese Persönlichkeitsstörung genau ist, umfasst, wodurch sie gekennzeichnet ist, wie sie sich auswirkt.
Ernst Jünger ist geradezu ein Paradebeispiel für pathologischen Narzissmus.
 
Unzweifelhaft war Jünger auch ein Sadist - siehe hier nochmals hervorragend erläutert, nicht nur hinsichtlich BDSM - und siehe wiederum den Zusammenhang mit pathologischem Narzissmus:
 
 
... Und ein Antisemit und Antidemokrat:
 
"[...] Seine Erektionen hat er bevorzugt im Kampf Mann gegen Mann: »Unter allen erregenden Momenten des Krieges ist keiner so stark wie die Begegnung zweier Stoßtruppführer zwischen den engen Lehmwänden der Kampfstellung.« [...]
 
Jünger verachtet die »Zivilisationsjuden« und »Assimilationsjuden«, die er mit »Ameisen«, »Keimen« und »Bakterien« vergleicht und als »Geschmeiß« bezeichnet. Weil die Juden mit ihrem »endlosen Feuilletongeschwätz der Zivilisation« das vermeintlich spezifisch Deutsche intellektuell zersetzten, gelte es, sie zu separieren und auszuschalten. Und zwar nicht nach Art der Antisemiten, die »Bakterienjägern« glichen, sondern mittels einer »besseren Medizin«, nach deren Anwendung ein Prozess einsetze, den »auch der feinste, verborgenste Keim nicht mehr zu ertragen vermag«.
Überhaupt werde der »Stoß gegen die Juden (…) immer viel zu flach angesetzt, um wirksam zu sein«. Jünger will eine radikale Lösung, einen »Angriff«, der nicht bloß »einer äußerlichen Desinfektion« gleichkommt: »Man darf von diesem Lande schon hoffen, dass es einer eigenen und strengeren Lösung fähig ist.« [...]
 
Jünger verabscheut das Parlament als Quasselbude, in der nur Phrasen gedroschen würden. Nur wenige Wochen vor dem gescheiterten Hitler-Putsch im Jahr 1923 schreibt er im Völkischen Beobachter über die zu erwartende »wirkliche Revolution«, die er herbeisehnt: »Ihre Idee ist die völkische, (…) ihr Banner das Hakenkreuz, ihre Ausdrucksform (…) die Diktatur! Sie wird ersetzen das Wort durch die Tat, die Tinte durch das Blut, die Phrase durch das Opfer, die Feder durch das Schwert.«
 
Schon 1925 sieht er in Hitler »unzweifelhaft (…) die Vorahnung eines ganz neuen Führertypus«, in dessen Bewegung »Feuer und Blut« stecke. In der Folge korrespondiert er mit ihm und tauscht bis in die dreißiger Jahre hinein Bücher und Schriften mit ihm aus.
 
Dass Jünger Ende der zwanziger Jahre Distanz zum Nationalsozialismus gewonnen habe, wie gelegentlich behauptet wird, ist ein Mythos. Das zeigt sich auch daran, dass sich sein aggressiver Antisemitismus in seinen Texten dieser Jahre am deutlichsten niederschlägt. 1929 schreibt er: »Wir wünschen dem Nationalsozialismus von Herzen den Sieg; wir kennen seine besten Kräfte, deren Begeisterung ihn trägt, und deren Wille zum Opfer über jeden Zweifel erhaben ist.«
 
Noch 1946, ein Jahr nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, in dem er gehorsam seine Pflicht als Wehrmachtsoffizier erfüllte, schwärmt er von einer frühen Rede Hitlers, die er miterlebte und während der er meinte, sich »in einem Schmelztiegel, an einem Ort der nationalen Einigung zu befinden«. [...]"
 
 
"Der Krieger, der Arbeiter, der Waldgänger" - Man könnte auch sagen:
 
Der Sadist, der Narzisst, der Opportunist.
 
"Kämpfen, feiern, siegen, sterben", "die Erhabenheit männlicher Tugenden" - exakt:
 
Kampf, Gewalt, Vernichtung, Macht, Kontrolle, Unterwerfung.
 
Aus Angst, Unsicherheit, der Unfähigkeit, mit eigener Verletzlichkeit, Bedürftigkeit, Verwundbarkeit, Vergänglichkeit, Haltlosigkeit, mit Schmerz und Kontingenz angemessen umzugehen.
 
Die Unfähigkeit zu geben, zu lieben, zu reifen.
Die Unfähigkeit m i t z u f ü h l e n.
 
Ja, das ist narzisstisch, das ist pathologisch.
 
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"[...] "Die Gliederung aller Deutschen in das große Hundertmillionenreich der Zukunft, das ist das Ziel, für das es sich wohl zu sterben und jeden Widerstand niederzuschlagen lohnt. Uns aber leite über alles Niederträchtige hinweg unsere große, klare und verbindende Idee: das Vaterland, in seinem weitesten Sinn gefaßt. Dafür sind wir alle zu sterben bereit." ("In Stahlgewittern") [...]

"In göttlichen Funken spritzt Blut durch die Adern, wenn man zum Kampfe über die Felder klirrt im klaren Bewußtsein eigener Kühnheit. Unterm Sturmschritt verwehen alle Werte der Welt wie herbstliche Blätter. Auf solchen Gipfeln der Persönlichkeit empfindet man Ehrfurcht vor sich selbst. (...) Gewiß wird der Kampf durch seine Sache geheiligt; mehr noch wird eine Sache durch Kampf geheiligt. (...) Mir ist Kampf immer noch etwas Heiliges, ein Gottesurteil über zwei Ideen." ("Der Kampf als inneres Erlebnis") [...]

"Wir brauchen für die kommenden Zeiten ein eisernes, rücksichtsloses Geschlecht. Wir werden wieder die Feder durch das Schwert, die Tinte durch das Blut, das Wort durch die Tat, die Empfindsamkeit durch das Opfer ersetzen - wir müssen es, sonst treten uns andere in den Dreck." ("In Stahlgewittern")

"Leben", sagt Jünger, "heißt töten." ("Der Kampf als inneres Erlebnis") [...]

Der Menschenverächter ist vom Morden berauscht: Krieg ist ein "vom überschäumenden Blute der Jugend berauschtes Fest", die Stunde der "großen Gefühle". Auf einer einzigen Seite in "Der Kampf" schreibt er: "Blutdurst", "Wollust des Blutes", "sich auf den Gegner stürzen, ihn packen, wie es das Blut verlangt!", "Lechzen, sich im Kampfe völlig zu entfesseln". Dies mündet schließlich in: "Orgien der Wut" (...) "an grenzenlosem Schwung nur dem Eros verwandt". Krieg, Schmerzen und Blut betrachtet er unter dem Gesichtspunkt der Erlebnisintensität für sich selbst. Der Krieg wird zum Kunstwerk - für den Überlebenden. Wer den Naziideologen ästhetisiert - "Dandy" - hat eine Flanke offen, in absehbarer Zeit auch der deutschen Beteiligung an Kriegen eine spezifische "Ästhetik" abzugewinnen. Andere Menschen werden zum Material für den eigenen Rausch, der die Langeweile des eigenen sinnleeren Lebens unterbrechen soll. [...]
 
Jünger will "den Juden" als das schlechthin "andere" entlarven: "Die Erkenntnis und Verwirklichung der eigentümlichen deutschen Gestalt scheidet die Gestalt des Juden ebenso sichtbar und deutlich von sich ab, wie das klare und unbewegte Wasser das Öl als eine besondere Schicht sichtbar macht. In dem Augenblick jedoch, in dem der Jude als eine eigentümliche und eigenen Gesetzen unterworfene Macht unverkennbar wird, hört er auf, am Deutschen virulent und damit gefährlich zu sein. Die wirksamste Waffe gegen ihn, den Meister aller Masken, ist, ihn zu sehen (...), im gleichen Maße jedoch, in dem der deutsche Wille an Schärfe und Gestalt gewinnt, wird für den Juden auch der leiseste Wahn, in Deutschland Deutscher sein zu können, unvollziehbarer werden, und er wird sich vor seiner letzten Alternative sehen, die lautet: in Deutschland entweder Jude zu sein oder nicht zu sein." ("Über Nationalismus und Judenfrage")

Die Revolutionäre von 1918/19 verachtet der Herrenmensch als "Ausgeburten des Hungers und der Feigheit, viehisch ist der einzige Ausdruck (...). Den Deserteuren scheint sich in sicherer Entfernung ein geistiges Zuhältertum und geschäftsmäßiges Literatenpack zuzugesellen, für das sofort die Prügelstrafe wiedereingeführt werden müßte." ("Das Wäldchen")

Der Feind sind nicht nur KommunistInnen oder SozialistInnen: "Ich hasse die Demokratie wie die Pest", sagte Jünger 1925. In der letzten Zeit formulierte er es taktischer, die "Demokratie (ist) eine Pforte zur Gewalt". Für den erträumten deutschen Militärstaat ist das mindeste die Abschaffung der Pressefreiheit (1932): "(...) die Trockenlegung jenes Sumpfes der freien Meinung, in den sich die liberale Presse verwandelt hat." ("Der Arbeiter") [...]
 
Noch mit 76 Jahren gab er seinen Namen für die Herausgeberschaft der italienischen faschistischen Monatszeitschrift La Destra. In dieser Zeitung standen 1972 Sätze wie: "Das Blut von einer Million Menschen ist gut vergossen, wenn es nur eine Ruhmeslegende für die kommenden Generationen schafft (...), wozu es vergossen wird, spielt keine Rolle." [...]"
 
Quelle: "Der veredelte Faschist", Jutta Ditfurth, jungle world.
 
https://jungle.world/artikel/1998/09/der-veredelte-faschist
 
Farbliche Hervorhebungen habe ich vorgenommen.
 
Pathologischer Narzissmus, Sadismus. Exakt. Wie praktisch, dass solche Leute sich durch ihre eigenen Texte, Aussagen und Verhaltensweisen eigentlich immer selbst enttarnen.
 
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Jünger proklamiert den "Kollektivkörper" ("der Arbeiter" und siehe seinen Nationalismus) zwar: für andere, sieht sich selbst überhöhend aber als davon abgehoben, siehe sein elitäres, pseudo-aristokratisches Gebaren . Das eben ist u.a. typisches Merkmal von pathologischen Narzissten, die stets kompensatorisch nach Macht, Kontrolle, Unterwerfung streben.

Zugrunde liegt dem stets eine ausgeprägte Selbstwertproblematik und ein erheblicher Mangel an Mitgefühl (nicht gleichbedeutend mit Empathie btw), was die ebenfalls typische emotionale Verpanzerung zur Folge hat.
 
Selbstauflösungswünsche sehe ich bei Jünger nicht, er scheint einen doch sehr ausgeprägten (Über-) Lebenswillen gehabt zu haben.
 
Aber ja: Er spricht anderen Menschen deren Individualität ab - dieser Vergleich mit dem Ameisenstaat veranschaulicht das ja sehr gut und ja, das zeugt von intensiver Selbstwertproblematik und emotionaler Kälte, Verpanzerung, um nicht zu sagen emotionaler Behinderung.
 
Nein, es ist nicht Selbstauflösung, sondern Selbstberauschung - das erlebt, empfindet er im Krieg, bei dem Ausagieren von Gewalt, "Kampf". Es ist das Gegenteil von Selbstauflösung - es ist der Versuch, sich zu spüren, weil offenbar derart verpanzert, dass nur noch Gewalt ihm Gefühlsintensität (emotionales Erleben) ermöglicht, überdies sexuelle Erregung.
Wie gesagt: Das ist zweifelsfrei Sadismus: die Lust am Schmerz, Leid, am Quälen und Unterwerfen des Anderen.
 
Nach Macht, Kontrolle, Unterwerfung zu streben, was Jünger augenfällig tat, andere - als "Gegner, Feind" - vernichten (!) zu w o l l e n, sich daran überdies zu berauschen und alles Individuelle unterwerfen, ausmerzen zu wollen, ist kein "Wachstumsprozess", sondern bekanntlich kennzeichnend für Autoritarismus, für Faschismus.

Das zeugt nicht von Reflexion und Reife, sondern von Regression und Persönlichkeitsstörung (siehe antisoziale PKST, Narzissmus, Sadismus).


Ich empfehle zum besseren Verständnis dessen nach wie vor die "Klassiker": Erich Fromm und Arno Gruen. Denn ja: Man muss es psychoanalytisch betrachten, da hier die Quelle, die Ursache liegt.
 
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Erich Fromm über Faschismus, Autoritarismus, totale Kontrolle, Unterwerfung, Gehorsam, Militär, Sadismus, Masochismus, Biologismus, Sozialdarwinismus, Rassismus, Kompensation, Selbstwertproblematik, Narzissmus - "Der Sadist will den anderen Menschen zu seinem Ding machen, das er beherrscht, dessen Gott er wird. Nur der Unterlegene reizt den Sadisten. Der Starke reizt ihn nicht, den bewundert er." - Masochismus: "Die Lust an der Unterwerfung, die absolute Abhängigkeit."

Der Narzisst vermag seine innere Leere nicht zu füllen - denn: er kann ja nicht lieben = geben. Niemanden je . Er nimmt nur - alles, so viel und so lange er kriegen kann. Skrupellos.
Und er wird nie satt. Er ist maximal gierig.

Wenn er irgendwann im Lebensverlauf allerdings durchaus sieht, feststellt, dass andere Menschen etwas erleben, erfahren, das er nicht kennt, nicht kann, nicht fühlt, nicht erlebt, nicht versteht, wendet er sich dem Morbiden, Hässlichen zu.
 
Denn vor gerade dem Tod, seiner eigenen Vergänglichkeit, vor dem Untergang seines Ich bzw. Egos hat der Narzisst eine unerträgliche Angst. Er erträgt es nicht - denn es bedeutet nichts anderes als alles (auf-) zu geben; es ist dies das Gegenteil von Gier und Nehmen, von Völlerei, Sucht, von Schlingen, Sich-Einverleiben und Aussaugen - das er ja aber zeitlebens tut, braucht.

Das Ende seiner Existenz bedeutet nichts anderes für ihn als der Schlusspunkt hinter seiner Leere. Die Leere seiner Existenz wird durch seinen Tod potenziert - und das in seinem Gefühl, in seinen Gedanken: lange, bevor er stirbt.
 
Er hat ja seine Leere sein gesamtes "Leben" hindurch mit sich geschleppt - und sie zu überdecken, zu unterdrücken, zu übertünchen versucht (mittels eben Konsums, Hedonismus, Sucht ... - mittels des Ausbeutens, Aussaugens anderer Menschen, an denen er sich sattzumachen versucht). Aber angesichts des absoluten Endes (seines Existierens) überkommt ihn das Grauen - denn es führt ihm unerbittlich genau das vor Augen, das er gerade unbedingt nicht sehen will: seine Lebensleere, die Nichtigkeit seiner Existenz, dessen totale Sinnlosigkeit. Denn: Er hat nie je einen (anderen) Menschen geliebt. - Er kann es nicht. Er konnte es nie. Lebenslang nicht ein Mal.

Und obgleich er nicht weiß, was genau ihm solche Angst einflößt, spürt er doch diese Leere, diesen Abgrund, in den er im Grunde jederzeit zu fallen droht. Es ist sein ganz und gar eigener Abgrund, der daher durch nichts zu bewältigen, zu überdecken, dem durch nichts sein Schrecken zu nehmen ist. Durch: nichts. Denn in ihm, dem Narzissten, regiert genau dieses Nichts - die absolute Leere.

Er kann emotional nie "satt" werden - er kennt das Gefühl der tiefen Freude, Verbundenheit, Erfüllung nicht.
 
Er kennt nur oberflächliche Bedürfnisbefriedigung, kurzlebigen Spaß, kleine Kicks (durch Essen, Drogen, Sex, Konsum und vor allem durch das Bewundertwerden, den Applaus anderer, den er lebensnotwendig braucht).

Aber nichts vermag seine totale innere Leere, Schwärze zu füllen, zu erhellen. Nichts. - Er kann nicht lieben.
 
Wenn du mit einem Narzissten zu tun hast, musst du dir über eines absolut im Klaren sein: Er meint nicht dich. Es geht (ihm) nie je um dich. Er sieht, erkennt dich gar nicht, er will es gar nicht wissen, es interessiert ihn nicht: wer du als Persönlichkeit bist.
 
Er will und braucht von dir nur dein Geben, deine Fürsorglichkeit, Aufmerksamkeit, Zuwendung, deine Leidenschaft, deine Freude, deinen Schmerz, deine Lust, deine Intensität, deine Originalität, deinen Geist/Esprit, deinen Humor - ja: deine Lebensenergie, die Essenz deines Seins. Daran berauscht er sich, damit füllt er seine Leere. Stets folglich nur vorübergehend, so lange die Wirkung andauert, dann braucht er neuen Stoff ... - bis zum nächsten Mal, zum nächsten Kick, zum nächsten "Schuss".
 
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