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Sabeth schreibt

Poesie Melancholie Philosophie Feminismus Anarchismus

Über den Erwerbsarbeitsfetisch und seine Hintergründe, über Arbeit, Ausbeutung, Leistungsideologie, Sorge-Arbeit, bedürfnisorientiertes Gemeinwohl, Muße, einen zeitgemäßen Arbeitsbegriff und Folgen dessen - Bewusstseinswandel, Systemwechsel

 
Über den Erwerbsarbeitsfetisch und seine Hintergründe, über Arbeit, Ausbeutung, Leistungsideologie, Sorge-Arbeit, bedürfnisorientiertes Gemeinwohl, Muße einen zeitgemäßen Arbeitsbegriff und Folgen dessen - Bewusstseinswandel, Systemwechsel
 
Nicht nur, aber gerade auch auf social media-Plattformen lässt sich immer wieder und leider nach wie vor beobachten, wie Menschen sich mittels ihrer Erwerbstätigkeit, d.h. ihres bloßen Erwerbstätigseins und dessen Intensität, Umfanges - siehe bspw. Sätze wie "Ich habe mein Leben lang viel, lange und gerne gearbeitet.", "Ich kann mir ein Leben ohne Arbeit nicht vorstellen, mir würde dann etwas Wichtiges fehlen." und ähnliche Äußerungen - selbst aufzuwerten, auch rechtfertigen zu versuchen bemüht sind, dabei mit Arbeit zumeist ausschließlich Erwerbstätigkeit, Lohnarbeit meinend.

Wie tief die Indoktrinierung sitzt, wie wirkmächtig sie längst ist und welchen Zweck sie erfüllt - Privilegiengenerierung und -erhalt einiger vergleichsweise Weniger, insbesondere Kontrolle, Instrumentalisierung, Unterwerfung, Ausbeutung für das vorgeblich erforderliche, unverzichtbare "Wirtschaftswachstum", keineswegs jedoch damit zwangsläufig bzw. tatsächlich einhergehender Wohlstand, noch weniger Identitätsstiftung, Sinn, Genuss, Erfülltsein, stattdessen vielmehr Kompensation und Verdrängung, Ablenkung, Betäubung - ist lange schon bekannt, jedenfalls in bestimmten Kreisen, bei auf bestimmte Weise denkenden, zumeist politisch linksliberal/-progressiv eingestellten, reflektierten, ohnehin bei anarchistisch eingestellten (und so lebenden) Menschen.

Es hat diese vermeintliche Selbstlegitimation, Existenz- und Teilhabelegitimation, die ebenso nur vermeintliche Selbstaufwertung, Selbstbestätigung tatsächlich und eigentlich unmittelbar erkenntlich nichts mit Bewusstheit, Reflektiertheit zu tun, sie ist Folge intensiven, langjährigen, vielgestaltigen Indoktriniertwordenseins, siehe entsprechende patriarchal-kapitalistische (Arbeits-, Wirtschafts-, Familien-, Sozial-) Politik, patriarchale Religionen, Verstärkung, Resonanz durch Medien und uralt bekannte Slogans, Propaganda - bis hin zum infamen, pervertierten, menschenverachtenden, Menschen vernichtenden "Arbeit macht frei." der ebenfalls durch und durch patriarchalen, destruktiven NS-Ideologie.
 
Es kommt solchen Menschen, die sich mittels ihres Lohnarbeitssklaventums, ihres kapitalistisch ausbeutbaren Erwerbstätigseins selbst aufzuwerten versuchen, die sich tatsächlich vollumfänglich unbewusst und widerstandslos gehorsam dem Lohnarbeitsdiktat, dem Instrumentalisiert-, Ausgebeutet-, Verheiztwerden unterwerfen, sich selbst verknechten l a s s e n und das obendrein als Wert, als Leistung, gar als Erfordernis interpretieren - weil ihnen hierfür gelegentlich ein paar Gnadenbrösel hingeworfen werden, als "Belohnung" für ihr Untertanentum, um sie bei der Stange, unter Kontrolle zu halten und weil man ihnen anderenfalls zur Strafe ihre materielle Existenzgrundlage, Selbstwirksamkeit, ihr Selbstwertgefühl und ihre Würde systematisch sukzessive entzieht, siehe Dressur (heute perfide euphemisiert als Edukation und "Aktivierung, Förderung" bezeichnet) - es kommt solchen gehorsamen, indoktrinierten, unbewussten Knechten nicht für Momente in den Sinn, dass es nicht ihre Erwerbstätigkeit, ihr bloßes Erwerbstätigsein und/oder dessen Umfang, Dauer ist, das Identität und Sinn stiftet, das mit Freude und Zufriedenheit erfüllt, das tatsächlich angemessen zum bedürfnisorientierten und bedarfsgerechten, sozial gerechten Gemeinwohl beiträgt, das ihre Persönlichkeitsentwicklung, (Selbst-) Erkenntnis und ihren Reifeprozess anregt, unterstützt, fördert, sondern dass sie ihren Selbstwert und ihre ethische "Selbstlegitimation" und Sinnfindung stattdessen aus ihrer je individuellen Persönlichkeit, ihrem Charakter, ihrem prosozialen, verantwortungsvollen Verhalten, Tun, Tätigsein aus ihrem Mitgefühl und ihrer Integrität, aus Solidarität, Loyalität und Liebesfähigkeit sowie "Schaffenskraft", schöpferischem, intellektuellen, künstlerischen, handwerklichen, teilenden, gebenden Tätigsein und Interagieren mit anderen Menschen (siehe Kooperation ...) beziehen, dies jedenfalls sollten.

Stattdessen diskreditieren solche Menschen andere, die sich diesem völlig pervertierten Arbeitsbegriff und Lohnarbeitsdiktat/Erwerbsarbeitsfetisch nicht unterwerfen, selbstgerecht, ignorant und unreflektiert oder auch absichtsvoll manipulativ als "arbeitsscheu", als "Sozialschmarotzer, Nichtsnutze, Faulpelze, Pack, Parasiten, Asoziale, Ballastexistenzen" u.a.m. - nach wie vor. Aus bereits genannten Gründen.
 
Auf diese Weise tragen sie je persönlich aktiv zum Erhalt der bestehenden globalen wie je regionalen politischen, gesellschaftlichen Missstände bei, sie lassen ich als Marionetten missbrauchen, sie geben sich dem willfährig hin.
Sie hinterfragen ihr Tun, ihre Überzeugungen aus Gründen der bequemen Selbstschonung nicht und reagieren aggressiv, attackierend, mindestens abwehrend auf andere, die ihnen solches Hinterfragtwerden "zumuten", da sie sich hierdurch ihrer Selbstgewissheit, ihres Selbst- und Weltverständnisses, ihres positiven Selbstbildes und "Lebensentwurfs" beraubt und persönlich angegriffen, herabgesetzt fühlen. Sie sind nicht in der Lage, solche berechtigte Kritik zuzulassen und sich damit konstruktiv, selbstkritisch auseinanderzusetzen.

Sie sind nicht (mehr) befähigt, sich aus ihrer durchaus zum Teil selbstverschuldeten Unmündigkeit zu befreien, sich ihrer eigenen Urteilsfähigkeit zu "bedienen" (kleine Anlehnung an Kant).
Bei ihnen hatte die Indoktrinierung, die Konditionierung vollen, um nicht zu sagen totalen Erfolg.
 
Dem gilt es durch angemessene, fundierte, seriöse , verständliche, leicht zugängliche Information, Aufklärung sowie durch aktives Vorleben, bereits in Praxis umgesetzte Positivbeispiele, realisierte Utopie und insbesondere durch Prävention - insbesondere in Kindheit und Jugend, man denke hier an Familie, Elternhaus, Bezugspersonen und Schule, in welcher Kinder vorsätzlich, gezielt bereits auf Leistung, Konkurrenz/Kampf und Instrumentalisierbarkeit, Verfüg- und Verwertbarkeit, Funktionalität als spätere Erwerbstätige getrimmt, auf Spur gebracht werden - entgegenzuwirken.
 
Wenn man Kinder im Kleinkind- oder Grundschulalter fragt, was sie später einmal werden, machen, sein wollen, antworten sie üblicherweise mit dem Nennen eines Berufs, einer Berufsbezeichnung - als sei das der ganze, mehr oder weniger einzige, jedenfalls vorrangige Sinn und "Zweck" ihres gesamten, d.h. generell des menschlichen Lebens, Daseins.
 
Was stattdessen im Vordergrund stehen, worum es gehen und was wie vermittelt werden müsste, ist als Anregung nachfolgend verlinkten Texten, auch jenen zahlreichen im blog-Eintrag über Arbeit verlinkten, zu entnehmen.
 
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Noch eine Anmerkung:

Wann hören wir damit auf, Menschen danach zu beurteilen, welchen Schul-, Bildungsabschluss, akademischen Titel, berufliche (Führungs-) Position - als Erwerbstätige - und/oder Besitz, Vermögen sie haben?

Wann fangen wir damit an, die ausbeuterische, destruktive, kapitalistische, kompensatorische Leistungs- und Konsumgesellschaft zu überwinden und Menschen anhand ihres Charakters, ihrer Persönlichkeit und ihres Handelns, Verhaltens, Tätigseins im Sinne, zum tatsächlichen Wohle des bedürfnisorientierten Gemeinwohls zu beurteilen, wertzuschätzen - für also prosoziales Verhalten, für Reflektiertsein, für Herzensbildung, Mitgefühl und Integrität?

Vielleicht mal wieder Erich Fromm lesen: "Haben oder Sein", "Anatomie der menschlichen Destruktivität", "Die Kunst des Liebens".
 
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„Tatsächlich hat der arbeitende Mensch heute nicht mehr die Muße, sein Leben Tag für Tag wirklich sinnvoll zu gestalten. Wahrhaft menschliche Beziehungen zu seinen Mitmenschen kann er sich nicht leisten; es würde den Marktwert seiner Arbeit herabsetzen. Es fehlt ihm an Zeit, etwas anderes zu sein als eine Maschine.“

Henry David Thoreau

„Von Anbeginn an war die Freiheit des Unternehmens keineswegs ein Segen. Als die Freiheit zu arbeiten oder zu verhungern bedeutete sie für die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung Plackerei, Unsicherheit und Angst. Wäre das Individuum nicht mehr gezwungen, sich auf dem Markt als freies ökonomisches Subjekt zu bewähren, so wäre das Verschwinden dieser Art von Freiheit eine der größten Errungenschaften der Zivilisation.“

Herbert Marcuse

„Arbeit um der Arbeit willen ist gegen die Natur."

John Locke

„Der chronisch Verbitterte bemerkte seine Krankheit nur einmal in der Woche: am Sonntagnachmittag. Dann, wenn weder seine Arbeit noch die Routine ihm halfen, die Symptome zu lindern, bemerkte er, daß irgend etwas nicht stimmte. Denn der Frieden dieser Nachmittage war die reinste Hölle, die Zeit verging nicht, und er war ständig gereizt. Doch dann wurde es wieder Montag, und der Verbitterte vergaß seine Symptome, auch wenn er schimpfte, daß er niemals Zeit hätte, sich auszuruhen, und sich darüber beklagte, daß die Wochenenden immer so schnell vergingen.“

Paulo Coelho

„Wenn ein Mann erzählt, er sei durch harte Arbeit reich geworden, dann frage ihn, durch wessen Arbeit.“

Don Marquis

„Wir dürfen nicht hoffen, eine bessere Welt zu erbauen, ehe nicht die Individuen besser werden. In diesem Sinn soll jeder von uns an seiner eigenen Vervollkommnung arbeiten, indem er auf sich nimmt, was ihm im Lebensganzen der Menschheit an Verantwortlichkeit zukommt, und sich seiner Pflicht bewusst bleibt, denen zu helfen, denen er am ehesten nützlich sein kann.“

Marie Curie

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