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Sabeth schreibt

Poesie Melancholie Philosophie Feminismus Anarchismus

Menschheit, Gewalt, vermeidbares Leid, Patriarchat - Welche ethische Legitimationsgrundlage hat angesichts dessen dein zufällig privilegiertes Sein, deine Existenz?

 
"Wollen wir eine Brücke schlagen von Mensch zu Mensch – und dies gilt auch von einer Brücke des Erkennens und Verstehens –, so müssen die Brückenköpfe eben nicht die Köpfe, sondern die Herzen sein."
Viktor Frankl
 
"Die Herzen", das meint nichts anderes als Mitgefühl.
 
Viele verwechseln es noch immer mit Empathie (Einfühlungsvermögen) oder setzen es gleich. Mitgefühl ist weit mehr als Empathie, setzt Empathie aber voraus.
 
Mitgefühl ist das Miterleiden des Schmerzes, des Leids des, eines anderen Lebewesens, gleich, ob fremd oder vertraut - ausgelöst durch das Wahrnehmen dessen Schmerzes, Leids.

Mitgefühl ist das Erleben, Erinnern eigenen, selbst erfahrenen, erlittenen Schmerzes.
 
Aus diesem Mitgefühl erwächst der spontane Impuls, das Leid des anderen abwenden, es zumindest lindern und auch diesem Leid vorbeugen zu wollen.
Auch dann, wenn dieser Andere ein "Feind", ein Gegner ist.
 
Ethik folgt erst auf der nächsten, rationalen Ebene und wäre ohne dieses Mitgefühl - diese intrinsisch motivierte Moral, entsprechend prosoziales, auch altruistisches Verhalten als Grundlage - steril bis gefährlich, schädigend.
 
Und noch einmal mit Arno Gruen:
"Der mitfühlende Mensch kann Kriege verhindern."
 
Und er kann sie - Kriege, Konflikte - auch beenden.
 
Dafür bedarf es der Brücke, die von beiden Seiten gebaut, geschaffen werden muss, nur kann, sei der zu überbrückende Graben auch noch so groß, tief, unüberschaubar, abschreckend - es gibt keine einseitig zu errichtende, tragfähige Brücke.
 
So lange Menschen weltweit mehrheitlich auf Rache, Vergeltung, Strafe, Hass, Gewalt setzen, so lange dies ihrer je persönlichen Gefühls-, Charakterstruktur entspricht, so lange es ihnen also erheblich an Mitgefühl mangelt, wird sich nichts zum Besseren, d.h. Wohltuenden, (sozial) Gerechten, Friedvollen, Gemeinschaftlichen wenden können.
 
Martha Nussbaum: "Gerechtigkeit braucht Liebe."
 
Arno Gruen, Erich Fromm, Klaus Theweleit, Alice Miller, Pierre Bourdieu, David Graeber u.v.a.m. bleiben zum Verständnis dessen unverzichtbar - und das je eigene vorhandene, i n t a k t e Mitgefühl, die je persönliche Liebesfähigkeit - als Wegweiser, als Verhaltensfundament.
 
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Aktualisierung am 12. August 2019
 
Danke für die komplexe Analyse - "Aufstieg des globalen Autoritarismus: 19 Thesen zu Ursachen und Bestimmungsmomenten", zeitschrift-luxemburg.de - , des augenfällig bestehenden Problems.
 
Was mir noch immer nicht nachvollziehbar ist:

Warum sollten tatsächlich - nicht nur gefühlt - von sozialem, gesellschaftlichem "Abstieg" Bedrohte oder Betroffene zu Rassisten, Rechtsextremisten "werden"?
Warum sollten Menschen, die tatsächlich "abgehängt", benachteiligt sind, Autoritarismus w ä h l e n und wollen? Denn dieser löst ihre Probleme nicht ansatzweise und: noch nie je.
 
Zweifelsfrei ist es Neoliberalismus, Kapitalismus der global mit intensiver Zerstörung und Existenzvernichtung, mit Ausbeutung, Ausgrenzung, Leid und intensiver Gewalt einhergeht.

Aber es folgt aus dem daraus resultierenden tatsächlichen Benachteiligt- und Beschädigtsein, der matierellen Armut und Perspektivlosigkeit, Zukunftslosigkeit unzähliger Menschen gerade nicht quasi zwangsläufig Rassismus und Rechtsexremismus. Verhielte es sich so, müsste es noch weit mehr Rassisten und Rechtsextremisten weltweit geben, es müssten dann alle von Armut Betroffenen/Beschädigten Rassisten sein - was sie nicht sind.
 
Das Problem ist m.E. im global nach wie vor weit verbreiteten Konservatismus zu finden, im für Konservative typischen F ü h l e n, ihren Gefühlen, aus denen entsprechendes Denken, Menschenbild, Ideologie erst resultiert.
 
Kennzeichnend für Konservative ist:
 
gesteigerte Angst, Neophobie, Xenophobie, Abwehr, gesteigerter Ekel, schnelles Überfordertsein mit Komplexität und Veränderung, erhöhte Anfälligkeit, Neigung zu Verschwörungsideologien (siehe auch fake news), zu Reduktionismus, Biologismus, Sozialdarwinismus, religiösem Glauben, Religion (inklusive Esoterik, Mystik, Mystizismus) - der Glaube an ein "übergeordnetes Prinzip" und eben Autoritarismus.
 
Dies ist wissenschaftlich belegt (siehe im blog verlinktes Quellenmaterial).
 
Der Konservatismus dürfte demnach das Kernproblem sein, das weltweit zumeist mit patriarchalem Menschenbild und Verhaltensweisen einhergeht, siehe Militarismus, Androzentrismus, Chauvinismus, Antifeminismus, Homophobie, Misogynie, grundsätzlich gruppenbezogene Menschenfeindlicheit und wiederum: Autoritarismus und Faschismus.
 
Die Ursachen hierfür liegen üblicher- wie bekannterweise in der Kindheit: Prägung, Sozialisation, fehlende Bindung, ideologische/religiöse Indoktrination, Schwarze Pädagogik, die nicht "erst" bei körperlicher Misshandlung anfängt ... .
 
Und es geht ebenfalls weltweit um den Verlust von Macht, Deutungshoheit und Privilegien patriarchaler Männer. Um also den Erhalt des Patriarchats v o n konservativ-patriarchalen Männern f ü r selbige. Daher auch Männlichkeitskulte und männliche Überlegenheitsphantasien rechter Männer. Siehe als ein Beispiel dessen das Buch "Der Weg der Männer", das Götz Kubitschek in seinem Antaios-Verlag vertreibt.
 
Nicht zuletzt und damit einhergehend, dem zugrundeliegend geht es um pathologischen Narzissmus, um Selbstwertproblematik und Projektions- sowie Kompensationsverhalten sich gegenüber insbesondere Frauen sozial, psychisch-emotional, sexuell, ggf. auch intellektuell und moralisch unterlegen, abhängig und bedürftig fühlender Männer.
 
Der Weg aus dieser Misere, hin zu Demokratisierung, sozialer Gerechtigkeit, Parität, transnationaler Kooperation und Solidarität sowie zu Gewaltlosigkeit (!) kann folglich nur darin bestehen, Frauen weltweit erheblich mehr Enscheidungs-, Mitbestimmungs-, Mitgestaltungs-, Verantwortungsmöglichkeiten zu "geben", dies zuzulassen, zu fördern, statt es zu unterdrücken, zu torpedieren. Tatsächliche Geschlechterparität also in Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Kultur, Gesellschaft.
 
Einzelne wenige, privilegierte Frauen in Führungspositionen vermögen aus bekannten Gründen die Verhältnisse nicht in gebotener Weise zu verändern, zu verbessern.
 
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Menschheit, Gewalt, vermeidbares Leid, Patriarchat - Welche ethische Legitimationsgrundlage hat angesichts dessen dein zufällig privilegiertes Sein, deine Existenz?
 
Die Geschichte "der Menschheit" ist seit ca. zehntausend Jahren eine Geschichte der Männer, des Patriarchats - der Kriege, Folter, (Völker-) Morde, Strafe, Rache - der Gewalt.
Rings um diesen Globus. Jeden Tag. Immer noch.
Und das lehren auch Schulen, Geschichtsbücher. Immer noch. Zwangsläufig.
 
Und der Kapitalismus ist, wie sämtliche alttestamentarischen, patriarchalen Religionen (Judentum, Christentum, Islam), aber auch der Hinduismus und diverse Ideologien (pervertierter Sozialismus, Kommunismus, Faschismus), eine Manifestation dieses destruktiven, vernichtenden, unablässig unerträgliches Leid produzierenden Patriarchats.
 
Wenn du dir all diese täglichen Nachrichten über weltweit unvorstellbar leidende Menschen, die ihr Leid überdies zumeist selbst nicht verschuldet haben (insbesondere Kinder nicht), tatsächlich emotional nahekommen lässt bzw. es dir einfach nahegeht, weil/wenn du ein mitfühlender Mensch bist, hilft dir nicht weinen, wüten schreien, nicht schreiben, nicht sprechen, nicht schweigen - in Anbetracht des Ausmaßes, der Dauer, Intensität, permanenten Wiederholung dieses Leids und deiner totalen Hilflosigkeit angesichts dessen.
 
Du kannst dann selbst nichts mehr irgendwie noch "geniessen", du erträgst es nicht, dass d u lebst, obwohl andere leben möchten, sollten, dass du nicht so intensiv leidest, leiden musst wie sie, dass du aufgrund des Zufalls der Geburt "Glück" hattest, dass du um ihr untragbares, unzumutbares Leid weißt und doch faktisch zumeist nichts, nicht das Geringste zu dessen Milderung oder gar Abwendung, Endigung t u n kannst.
 
Es hilft diesen Menschen nicht, dass du ihr Leid betrauerst ... - sie leiden und krepieren trotzdem, oft qualvoll und langwierig.
 
Aber in dir selbst ist all das, all dieses Wissen darum, auch um deine Verantwortlichkeit und deine Hilflosigkeit, all die empfundene Ungerechtigkeit ... bei zugleich vorhandenem Mitfühlen, Mitleiden, all die Unfasslichkeit für (auch) dich so unerträglich geworden, dass du dich für jedes Bisschen z u f ä l l i g - nicht selbst "verdient" - Privilegiertsein schämst. Dass du von der unfassbaren Ungerechtigkeit so überwältigt, überfordert bist, dass du selbst, um all das wissend, nicht mehr (existent) sein willst - es nicht mehr kannst,
 
Auch das ändert nichts am von "Menschen", am mehrheitlich von Männern gemachten Leid. Denn das meiste i s t menschengemacht, von Männern verursacht, erdacht, angeordnet, vollstreckt, vollzogen, getätigt - es ließe sich so lange schon (!) vermeiden, vorbeugen, beenden.
 
Aber es scheint für dich die einzige dir verbleibende, dir zur Verfügung stehende Art des Ausgleich(en)s, der ethischen Gerechtigkeit zu sein:

Wenn s i e alle nicht gut, sicher, frei, selbstbestimmt, gesund, wohlbehalten ... leben können, "dürfen" - MIT WELCHEM RECHT, auf welcher ethisch legitimierbaren Grundlage solltest d u es dann (weiterhin), um all dieses Leid wissend, können, dürfen.

Du hast es nicht verursacht, aber schon einfach, da du um das Leid der anderen weißt, bist du verantwortlich: ihnen gegenüber.

Du solltest etwas t u n, um dieses Leid angemessen zu beenden, wenigstens abzumildern.
Da du dies jedoch aus vielerlei Gründen nicht vermagst - insbesondere nicht allein und nicht in erforderlichem Umfang, nicht mit erforderlicher, gebotener Wirkung, Folgen ... - bleibt dir nur, selbst zu enden: dein Sein, deine Existenz, die ethisch nicht zu legitimieren ist in Anbetracht des sinnlosen, vermeidbaren (!) unaufhörlichen Leidens anderer.

Auch, da du mittels deines Existierens Platz, Rohstoffe verbrauchst, die anderen fehlen, die sie nötiger, jedenfalls mindestens ebenso lebensnotwendig brauchen wie du, die sie überdies vielleicht bewusster, sinnvoller für das Gemeinwohl nutzen, gestalten, einsetzen als du (es je könntest, je tatest).
 
Kein Fatalismus, kein religiöser Glaube, kein Aberglaube, keine Esoterik und keine Mystik kann den Selbstbetrug - zum Zwecke des selbstschonenden Selbsterhalts, zum Zwecke der Kompensation, des Hedonismus´, Egozentrismus´ ... - je wirklich und dauerhaft in Schach halten, noch weniger ihn ethisch legitimieren.
 
Sisyphos: war kein Revoltierender. Bestenfalls war er ein unbewusster Idiot, wahrscheinlicher jedoch ein gieriger Nimmersatt - ein Narzisst. Er war ein Mann.
 
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"Der mitfühlende Mensch kann Kriege verhindern."
sagte Arno Gruen.


Er meinte damit, dass der mitfühlende, feinfühlige, empfindsame Mensch, Schmerz, Leid anderer Menschen (gleich, ob diese ihm bekannt, vertraut oder fremd, nahe oder fern sind) zu vermeiden, dem vorzubeugen oder, bei bereits Eingetreten-, Vorhandensein, das Leid anderer abzumildern, zu lindern, abzuwenden, zu beenden versucht - weil es ihn selbst schmerzt, weil er, der mitfühlende Mensch, s e l b s t leidet, wenn andere Menschen, andere schmerzfähige Lebewesen leiden und er dies erlebt, erfährt, wahrnimmt, weiß.

Wenn wir mit anderen Menschen mitfühlen, auch mitleiden, ist es nicht deren augenblicklicher, je subjektiv empfundener, erlebter, erlittener physischer und/oder psychisch-emotionaler Schmerz, nicht deren, d.h. ihnen eigenes, subjektives Leid, das wir fühlen, denn das können wir nicht, da wir nicht dieser jeweilig andere Mensch sind, nicht seinen Körper, nicht seine Psyche, nicht seinen Leib, nicht seine Erfahrungen, Prägungen, Anlagen, sein Wesen, seine Persönlichkeit haben bzw. sind.

Wir fühlen beim Mitfühlen, Mitleiden stets nur unseren eigenen Schmerz - aktiviert wird dabei unwillkürlich, spontan, impulshaft die Erinnerung, das Gefühl unserer persönlichen, der uns eigenen Schmerzerfahrung.
 
Weil wir diese "Schmerzfähigkeit" haben, eigenen Schmerz erinnern, diese Schmerzerfahrung spontan abgerufen wird, wenn wir andere Menschen leiden wahrnehmen, leiden wissen, stellt eben dies die basale Grundlage für das Mitfühlenkönnen dar. - Ohne Schmerzfähigkeit, d.h. Schmerzkenntnis, Schmerzerfahrung und Schmerzerinnerung und das Zulassen derselben, kein Mitfühlen (-können), kein Mitgefühl.
 
Was Arno Gruen sicher auch bewusst war, ist, dass es jedoch gerade dieser mitfühlende - der besonders feinfühlige, empfindsame Mensch - ist, der durch Kriege, durch physische und psychisch-emotionale Gewalt besonders schnell und besonders intensiv und langfristig beschädigt sowie auch existenziell vernichtet wird. - Mit entsprechenden Folgen.
 
Nein, das ist kein Sozialdarwinismus, kein Biologismus im Gegenteil:
Das Mitgefühl ist jedem Menschen sowie auch einigen anderen Primaten nachweislich angeboren. Es wird jedoch bei zahlreichen Menschen weltweit - zumeist in deren Kindheit - stark beschädigt, betäubt, es stumpft ab, es friert ein - aus Gründen.
Dies gilt es, angemessen zu verhindern, dem vorzubeugen, das Mitgefühl zu stärken, zu fördern bzw. wiederzubeleben, zu reaktivieren, denn:

"Der mitfühlende Mensch kann Kriege verhindern."
 
Kriege, Konflikte: sowohl auf sogenannt privater wie auch auf politischer Ebene.
 
Denn der mitfühlende Mensch kann und will verzeihen, vergeben, er ist um Wiedergutmachung und Versöhnung bemüht.
Rache, Strafe, Gewalt erzeugen wiederum Schmerz, Leid - das der mitfühlende Mensch gerade zu vermeiden und/oder zu lindern, zu heilen bemüht ist.
 
Nur der mitfühlende Mensch ist ein auch liebesfähiger Mensch.
 
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"Das Gute missfällt uns, wenn wir ihm nicht gewachsen sind."
Friedrich Nietzsche
 
"[...] Doch die Diskriminierung von Frauen aus dem einfachen Grund, dass sie Frauen sind, die zieht sich durch die Weltgeschichte und ist bis heute weltweit üblich. Keinem Mann wird das Autofahren verboten, weil er ein Mann ist, nirgendwo. Keinem Mann wird der Zugang zu Bildung verweht, nur weil er ein Mann ist. Kein Mann wird eingesperrt, weil er ein Mann ist. Von keinem Mann, dessen Freiheit beschnitten wird, wird behauptet, zum Ausgleich habe er ja die Möglichkeit, diejenigen, die seine Freiheit beschneiden, durch Sex zu manipulieren. Keinem Mann wird gesagt: Du darfst zwar ohne Erlaubnis nicht vors Haus, du darfst zwar nicht wählen, keine Geschäfte abschließen, öffentlich den Mund nicht aufmachen, aber dafür verfügst du über geheime häusliche Kräfte, mit denen du Einfluss nimmst auf deine Söhne, und wenn du das nicht als Äquivalent erkennst zu allem, was dir vorenthalten wird, dann bist du ein schlechter Mensch.
 
Frauen werden ganz selbstverständlich eingesperrt, in staatliche Gefängnisse oder in häusliche. Sie werden aus den gleichen Gründen diskriminiert wie Männer – wegen ihrer Hautfarbe, ihrer Ethnie, ihrer politischen Aktivitäten, aber dazu auch noch wegen ihres Geschlechts. Unterprivilegierte Männer sind unterprivilegiert, weil sie zu einer gering geschätzten Klasse oder Rasse gehören, unterprivilegierte Frauen sind es doppelt, weil zum Klassen- oder Rassenmalus auch noch der des Geschlechts kommt.
 
Das alles ist nicht neu. Es ist so alt und so normal, dass den meisten Leuten das große Gähnen kommt, wenn du es ansprichst. Und während niemand über diese geradezu banalen Selbstverständlichkeiten in der ganz normalen Welt reden mag, geht der ganz normale Irrsinn weiter, läuft nebenbei und unerbittlich das ganze Programm der Diskriminierung wieder und wieder ab, werden Frauen weltweit alltäglich in häuslicher Gefangenschaft gehalten, geschlagen, sexuell misshandelt oder wenigstens am Autofahren gehindert. Es ist normal und üblich, dass sie ungebildet bleiben, weniger zu essen kriegen, im Krankheitsfall nicht behandelt werden. Es gilt als abnormal, wenn sie sich dagegen wehren. Dann werden sie verfolgt, bestraft und getötet. [...]
 
Wie konnte sich dieser ganze Wahnsinn etablieren? Und warum scheint er unabschaffbar? Nein, es liegt nicht an den Frauen, die sich halt nicht so viel gefallen lassen sollen. Etablierte Machtstrukturen, weltliche wie religiöse, zu zerschlagen, ist etwas, was man nicht achselzuckend den Unterdrückten überlassen kann. Denen fehlen die Mittel. Und wenn sie trotzdem aufstehen, ist ihr Scheitern, siehe oben, oft vorprogrammiert.
 
An Stellen wie dieser kommen für gewöhnlich ermunternde Appelle. Den Mut nicht sinken lassen, weiterkämpfen, solidarisch sein – wir kennen die Litanei. Aber woher den Optimismus nehmen? Manchmal bin ich nur verdammt müde. Und sauer. Und wütend."
 
Quelle: profil.at - "Elfriede Hammerl: Der tägliche Irrsinn", farbliche Hervorhebungen habe ich vorgenommen.
 

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