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Sabeth schreibt

Poesie Melancholie Philosophie Feminismus Anarchismus

Über Integrität

 
Über Integrität 
 
Letztlich ist mit Integrität "schlicht" das moralisch jeweils Gebotene gemeint.

Was zu welcher Zeit, in welcher Situation, unter welchen Umständen mit welchen Folgen das moralisch Gebotene ist, ist wandelbar. Eben deshalb müssen moralische Regeln, Normen, Moralsysteme modifizierbar bleiben, sind sie nicht ehern festgeschrieben.

Was aber die zugrundeligenden Werte anbetrifft, kann man sich tatsächlich an den universellen Menschenrechten und der Menschenwürde orientieren. Somit ist moralisch geboten ein prosoziales Verhalten, das sich auf Respekt, Mitgefühl (Rücksichtname, Feinfühligkeit, Verständnis etc.), bedürfnisorientierte Fürsorge (nicht zu verwechseln mit bevormundendem Paternalismus), Fairness und Kooperation gründet.
 
Denn der ganz basale Urgrund jeglicher Moral, d.h. insbesondere der intrinsischen, nicht oktroyierten Moral, ist Mitgefühl.

Nur dann, wenn diese intrinsische Moral "vorhanden ist", wird moralisch gebotenes, d.h. prosoziales Verhalten auch dauerhaft gelebt - eben weil es sich auf eine tiefe, innere Überzeugung stützt, der wiederum das Mitgefühl zugrundeliegt, d.h. die je eigene Schmerzfähigkeit, die (so sie nicht verdrängt, unterdrückt, abgespalten wird) dazu führt, dass man aufgrund dieser eigenen Schmerzfähigkeit das Leiden, den Schmerz auch anderer (schmerzfähigen Lebewesen) selbst nicht erträgt und es deshalb zu vermeiden oder abzuwenden, zu mildern versucht.
 
Ohne diesen basalen Urgrund (des Mitgefühls) bleibt jeglicher theoretische Überbau (Ethik) leer, kalt und verkommt er zu eben oktroyiertem Sollen, Zwang, der aus genau diesem Grund wiederum nicht internalisiert wird und daher nicht dauerhaft gelebt wird - außer: man wendet dabei Gewalt an.
Und genau das kennen wir zur Genüge aus der Geschichte - siehe die drei monotheistischen, alttestamentarischen, abrahamitischen Religionen (Judentum, Christentum, Islam), siehe die Schwarze Pädagogik (Druck, Zwang, Kontrolle, Dressur, Härte Strenge, Kälte, Strafe - absichtsvolles Schmerzzufügen, somit Sadismus, also: Gewalt).
 
Solches Schmerzerleiden wird stets und überall auf der Welt nur eines garantiert bewirken: Trotz, Verweigerung, Rachegefühle, Aggression und letztlich weitere Gewalt. Gewaltspirale. Teufelskreis.
 
Abhilfe schafft hier nur das Erhalten oder Wiederbeleben des jedem Menschen angeborenen Mitgefühls.
 
Nachweise finden sich in meinem blog gesammelt, siehe bei Interesse dort.
Was im Übrigen die "soziale Kontrolle" und "Internalisierung" sowie auch sogenannte Sozialisation, Erziehung, Edukation, Sanktionierung anbetrifft:

Wer ein intaktes Mitgefühl "hat", wem sein angeborenes (!) Mitgefühl nicht - wie so leider verbreitet - bereits in der Kindheit beschädigt wurde, sondern dieses stattdessen gefördert wird/würde, wird sich unwillkürlich prosozial, fair, solidarisch, kooperativ, fürsorglich, hilfsbereit, rücksichtsvoll, altruistisch, zugewandt, gebend verhalten, denn es ist dies, dieses Mitgefühl, somit intrinsische "Moral" - jedem Menschen (und auch anderen Primaten) genetisch angelegt, angeboren.
 
Es bedarf der sozialen Kontrolle und oktroyierter Moral (siehe insbesondere patriarchale Religionen, Ideologien, Schwarze Pädagogik: Druck, Zwang, Kontrolle, Härte, emotionale Kälte, Strafe, Dressur, Gehorsam erzwingen, absichtsvolles Schmerzzufügen - psychische und/oder physische Gewalt also) erst dann, wenn das Mitgefühl bei einer Mehrheit der Menschen - aus Gründen - nicht mehr intakt ist.
Moralisch zu rechtfertigen hat ein jeder Mensch sein Verhalten nicht vor einem "Gott", einem "metaphysischen Prinzip", Konstrukt, Phantasma, auch nicht vor einem Gericht, einer wandelbaren Justiz, sondern vor sich selbst und mehr noch: vor dem Anderen - mit, neben, durch den er lebt, dem er begegnet, der ihm widerfährt, mit dem er konfrontiert, von dem er herausgefordert, berührt, getragen, gehalten, verletzt, in Staunen versetzt und auf sich selbst zurückgeworfen ist - der ihm auf dem Weg seiner Selbsterkenntnis und sozialen, emotionalen, intellektuellen Reifung unverzichtbar nur sein kann. Auch dann, wenn dies (immer wieder auch) schmerzhaft ist.
 

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