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Sabeth schreibt

Poesie Melancholie Philosophie Feminismus Anarchismus

Feindesliebe ist nicht Masochismus

 
Feindesliebe ist nicht Masochismus.
 
Der Masochist unterwirft sich, weil er es (aus Gründen ...) will bzw. muss, nicht anders kann.
 
Der den Feind Liebende unterwirft sich nicht. Er liebt, indem er mitfühlt: des Feindes Schmerz, Leid, Not.
Der Liebende erhebt sich nicht über den Feind, es ist kein herablassendes Mitleid, das er empfindet, ausdrückt, sondern tiefes Mitgefühl - und er, der Liebende, leidet deshalb selbst.
 
Denn der (autoritäre, narzisstische, patriarchalische) Feind interpretiert dieses Mitgefühl üblicherweise als Schwäche, wähnt sich überlegen, "siegend", stark; er erkennt aufgrund seines Selbstbetrugs seine Schwäche nicht, will seinen Schmerz nicht fühlen (müssen), lagert ihn aus, verdrängt ihn oder fügt ihn "stellvertretend"/kompensatorisch anderen zu (Sadismus). - Er weicht aus: dem Schmerz, der Selbsterkenntnis, statt sich emotional zu stellen: sich selbst und dem Anderen.
 
Solcher psychisch-emotionalen wie häufig auch physischen Gewalt lässt sich nicht durch weitere Gewalt (Druck, Zwang, Härte, Kälte, Strafe ...) begegnen, sondern allein durch Mitgefühl - Liebe.
 
Die Feindesliebe ist daher die schwerste, zugleich edelste Liebe und wie jedes Lieben ein aktives, unaufhörliches Tun, eine Herausforderung (an, für das eigene Selbst).
 
Mit Religion, religiösem Glauben hat das im Übrigen nichts zu tun; das Mitgefühl ist jedem Menschen angeboren. Charakterliche Reife muss er allerdings zumeist erst (mühsam) erlangen.
 
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update 29.09.2020
 
Das Problem beim Mitgefühl mit dem Gegner, Feind ist, dass er dir auf deine zur Versöhnung ausgestreckte, verletzbare Hand draufschlägt, draufkackt - nur, weil er verbittert, unversöhnlich, autoritär, also schwach ist und das, seine Scham hierüber, nicht ertragen kann.
30. Juli 2018
 
Grundsätzliches
 
Die politische Einstellung, Weltanschauung, Gesinnung, die Überzeugungen, auch Werte, Ideale, mehr noch Gefühle sind nicht etwas einer Person irgendwie/etwaig nur äußerlich, extern Anhaftendes, sondern integraler Bestandteil ihrer (gewordenen) Persönlichkeit, ihres Denkens, Fühlens, Handelns, Wollens, Strebens.
 
Wenn nun das (insbesondere emotional, sozial, familiär nahestehende) Gegenüber grundlegend anders bis ggf. auch gegensätzlich denkt, fühlt und sich entsprechend verhält (gerade im Lebensalltag), so wird sich schwerlich eine dauerhaft tragende Basis finden/schaffen lassen.
 
Es gibt m.E. nur einen "Weg", eine Möglichkeit, auch tiefe Gräben je beidseitig kontinuierlich aktiv, engagiert zu überbrücken: Liebe. Verstanden im Sinne von Metta, Karuna bzw. gemäß der "Definition" Erich Fromms: Achtung, Erkenntnis, Freiheit, Verantwortung, Fürsorge.
 
Und das gilt sowohl und basal für "private" Beziehungen sowie sodann, infolgedessen auch für politische.
Das Private ist politisch. Wer es auf der basalen "privaten", d.h. persönlichen Ebene nicht zuwegebringt, wird dies auf der politischen erst recht nicht vermögen.
 
Wir können daher bei keinem Kontakt mit einem Menschen phasenweise, vorübergehend oder gar generell irgendwie außenvorlassen, außer Acht lassen, ignorieren, abspalten, wie dieser Mensch politisch, moralisch, geistig-intellektuell, weltanschaulich eingestellt, wovon er überzeugt und wie er sozial und charakterlich je persönlich verfasst ist, weil er sich entsprechend v e r h ä l t - nicht "nur" denkt, spricht, fühlt. Sei ihm dies bewusst oder nicht.
 
Wer einem anderen Menschen, einem Gegenüber, vorschlägt, "anbietet" oder ihn auffordert, "das Politische" (zeitweise) beiseitezulassen, tut dies stets aus manipulativen Zwecken, niederen, verwerflichen, jedenfalls egomanen, selbstsüchtigen Beweggründen. Immer.
 
Man kann nicht an einem Tag Rassist, Rechtsextremist, Agitator, Demagoge, Hassender, Menschenfeind, Sadist sein und einige Stunden oder Tage oder Wochen später oder in der darauffolgenden Nacht all das wegschieben und sich als weißbewesteten, mitfühlenden "Gutmenschen" ausgeben. Denn es fehlt hierfür nicht nur an der erforderlichen Authentizität, Wahrhaftigkeit und Vertrauensbasis, sondern vor allem an Integrität.
 
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update 13.10.2020
 
Mein Mitgefühl hört da auf, wo es in selbstdestruktiven Masochismus umschlüge. - Ich kann durchaus Mitgefühl mit Tätern haben: dies bis zur Grenze des eigenen Selbsterhalts, der persönlichen Integrität, eben da ich keine Masochistin bin. Sadismus sprengt diese Grenze.
Wenn sich zwei Parteien in ihrer jeweiligen Überzeugung konträr und in ihrer Haltung unversöhnlich gegenüberstehen, stellt sich die Frage, auf welche Weise ein vorausgegangener bzw. zugrundeliegender oder daraus resultierender Konflikt (dann noch, wenn überhaupt) angemessen zu lösen sei.

Wird man den Konflikt für alle Beteiligten und ggf. für auch Außenstehende auf zuträgliche, wohltuende, einvernehmliche, faire und ethisch, moralisch gerechte Weise mittels Gewalt, in Form von bspw. wie auch immer gearteter Strafe oder anderweitiger physischer, struktureller und/oder psychisch-emotionaler Gewalt, Unterdrückung, Unterwerfung, beheben, bewältigen können oder aber, indem man ihn verdrängt, ignoriert, vor ihm die Flucht ergreift, ausweicht, sich der aktiven gemeinsamen Bewältigung verweigert?

Oder ist die gebotene, zuträgliche, wohltuende, prosoziale Art der Konfliktbewältigung jene, die gewaltfreie, kooperative Konsensfindung zum Ziel hat, mittels der die gerechtfertigten, angemessenen Interessen sowie die Unversehrtheit, Integrität, Freiheit beider Parteien gewahrt, geschützt, erhalten oder wiederhergestellt werden?

Wie anders als durch Kommunikation, Dialog - falls erforderlich unterstützt durch eine dritte neutrale, unabhängige, hierfür versierte, d.h. geschulte, erfahrene Partei/Person (einen Mediator bspw.) - könnte solche Konsensfindung erwirkt werden?

Welches Grundgefühl, welche basale Einstellung muss für solche Konsensfindung bei allen Beteiligten zugrundeliegen - Trotz, Rache, Selbstsucht, Habgier, Neid/Missgunst, Abwehr, Angst, Wut, Ignoranz, Machtstreben?
Oder aber Empathie, Mitgefühl und der ehrliche Wunsch nach einer tatsächlich einvernehmlichen, bedürfnisorientierten, beiden Parteien wohltuenden Lösung?

Gerade dann, wenn Gräben, Abgründe absolut unüberbrückbar erscheinen, ermöglicht etwas - ein Gefühl, mehr noch eine Haltung - selbst und gerade dann aufeinanderzuzugehen: Mitgefühl, Liebe - im Sinne von Metta, Karuna: Güte, Geben, Zugewandtheit; den Anderen, insbesondere den Fremden als gleichermaßen schmerzfähigen, Schmerz leidenden Menschen erkennen, ihn als Mensch mit Würde respektieren, achten und mit ihm leiden sowie das daraus resultierende drängende Bedürfnis haben, Leid selbsttätig von ihm abzuwenden oder es zumindest zu mildern.

Besteht diese Grundhaltung wahrhaftig auf beiden Seiten, so ist es möglich - und das auf nur dieser Grundlage - Schritte aufeinanderzuzugehen, sich schließlich (symbolisch) die Hand zur Versöhnung zu reichen. Der Graben ist dann nicht nur überbrückt, er existiert im besten Falle gar nicht mehr, sondern idealerweise ist er gemeinsam tragender Boden, gemeinsames Fundament geworden.

Wird ein solcher Ausgang, eine Konfliktbewältigung auf diese "reziproke", wohltuende, heilsame Weise, nicht erwirkt, bleibt der Graben weiterhin, zumeist für immer offen und wird nicht selten noch tiefer; es heilt die Wunde nicht - so lange nicht, als ihre tatsächliche Heilung (s.o.) vollzogen, d.h. von beiden Parteien aktiv angestrebt, gewollt und gemeinsam erbracht, durchlaufen sowie akzeptiert wird, werden will und kann.
Es ist ein Heilungsprozess - dieser braucht u.a. Zeit.
 
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19. Oktober 2018
 
Ich frage nochmal:

Kann, darf man einen Menschen lieben, der unzweifelhaft, nachweislich rassistisch, rechtsextremistisch eingestellt, der überdies Freier (seit vielen Jahren, eigentlich Jahrzehnten mittlerweile) und ebenso unzweifelhaft pathologischer Narzisst ist?

Womit ich nicht zurandekomme, ist der Widerstreit, die Ambivalenz der Gefühle in mir selbst in Anbetracht dieses Faktenhintergrunds.

Nicht nur, weil es sich dabei um grundlegende moralische, ethische Aspekte handelt, sondern weil du mit der Diskrepanz nicht klarkommst, jedenfalls ich nicht:

Der Andere, der dir aufgrund seiner Überzeugungen, "Weltanschauung", Gesinnung und seines daraus resultierenden V e r h a l t e n s ferner und schädigender nicht sein könnte (und es bereits war ...), der zugleich aber leidens-, schmerzfähiger und -geplagter Mensch ist, darüberhinaus kein Fremder, sondern ein Mensch, dem du emotional, intim verbunden warst/bist, der dir nahestand, dem du v e r t r a u t e s t, demgegenüber du, aufgrund seines Leid(ens), Mitgefühl empfindest.

Immer wieder daher meine Frage:
Ist die Liebesfähigkeit insbesondere der Frau zwangsläufig ihr Verhängnis?

Wie verhält es sich mit der "Feindesliebe" - ganz und gar abseits jeglicher religiöser Einflüsse, Gebote, Dogmen?

Wer könnte dich intensiver, d.h. "totaler" schädigen, vernichten als der Vertraute, der zu deinem Feind wird/geworden ist?

Das alles meine ich nicht etwa ironisch. Ich komme tatsächlich nicht damit zurande und halte es keineswegs für ein Problem, das nur ich allein habe, sondern für eines, das global verbreitet, um nicht zu sagen alltäglich ist und sich in zahlreichen Konflikten rings um den Globus widerspiegelt, zum Ausdruck kommt.

Viele Menschen begegnen dieser Situation allerdings wohl (mehrheitlich?) mit Selbstbetrug - sie erklären den Anderen zum Feind, der eben deshalb n i c h t "geliebt" wird, vermeintlich nicht geliebt werden kann bzw. darf. Mit bekannten Folgen ... siehe globale Konflikte, Kriege.

"Geliebter, vertrauter Feind"?

Wo verläuft die absolut unüberschreitbare Grenze, wo zieht wer sie aus welchen Gründen - mit welchen Folgen: für wen wiederum?

Wann ist es noch "bereichernde", anregende, notwendige Differenz, die die je persönliche Horizontweitung, Persönlichkeitsreifung anstößt, die herausfordert, eigene Beschränkungen, Beschränktheit im Denken und Fühlen zu überwinden und wann ist es doch vielleicht eher Idealisieren, Projizieren (eigener Stärken auf den Anderen) und selbstdestruktives (?) Verhalten?

Ist die Feindesliebe die "größte", edelste Liebe?

Was aber, wenn ich dadurch mein Selbst verrate oder auch aufgebe - das kann Sinn der Sache kaum sein, denn das ist nicht der Urgrund von Liebe(n): Zerstörung, Selbstzerstörung, Gewalt.

Wie weit muss ich mich zurücknehmen, um "den Feind" lieben zu können, wie weit darf ich es, ohne mich selbst zu beschädigen?
Wann ist es bloße Unterwerfung? Die ich weder "leisten" kann noch will, die grundsätzlich tatsächlich völlig indiskutabel ist.

Besteht aber nicht in vielen Beziehungen ein "Dominanzgefälle", - ungleichgewicht? Wenngleich es so nicht sein sollte, sondern gleichberechtigt, paritätisch, ausgewogen, geprägt von gegenseitigem Respekt, Wertschätzung.


Wie reflektiert, wie reif müssen Menschen sein, um tatsächlich lieben zu können?

Ich halte mich übrigens grundsätzlich an den Liebesbegriff, die "Liebesdefinition" von Erich Fromm, da ich sie nicht nur vollumfänglich teile, sondern sie mir unmittelbar einleuchtend ist, sie sich auf auch meine persönliche Erfahrung gründet.

Oder anschaulicher:

Wenn "der Feind", der Widersacher, ein von Hass, Selbsthass geprägter, verbitterter, pathologisch narzisstischer, dem Selbstbetrug sich hingebender Menschenfeind ist (ja, das ist meine persönliche Draufsicht, was auch sonst), zugleich aber eben auch reflektierender, Leid empfindender, suchender, verzweifelter Mensch (mit auch weiteren positiven Seiten)?

Jeder sieht einen anderen nur so, wie er es jeweils kann - aufgrund seines je eigenen psychisch-emotionalen, intellektuellen, biographischen und erfahrungsgeprägten Persönlichkeitshintergrunds.

Waren all die Frauen, Partnerinnen von Nazis selbst Nazis? Und wenn nicht, wie sind s i e damit umgegangen: mit ihrer Liebe (?) zu einem Nazi?


Die Banalität des Bösen?

Macht man sich mitschuldig, wenn man einen solchen Menschen liebt, sich zugewandt, fürsorglich, gebend, mitfühlend, liebend ihm gegenüber verhält?

Macht man sich schuldig, wenn man ihn enttarnt - ist das Verrat an ihm, an der Liebe, an den eigenen Ansprüchen, Werten, Idealen, Überzeugungen, bspw. auch jenen zu Loyalität?
Kann auch hier Vertrauensbruch (des Anderen) nur die zwangsläufige Folge sein?

Wird man hierdurch selbst zum Täter?

Man kann nicht "einfach gehen, loslassen" - all das, das geschah, wirkt sich nachhaltig aus: auf das eigene Denken, Fühlen und Leben, auf die eigene Persönlichkeit, auf zukünftiges Verhalten, Vertrauenkönnen ..., mit jeder gemachten, intensiven Erfahrung verhält es sich bekanntlich so.

Wir sind alle Gewordene, womit nicht gesagt sein soll, wir kämen als "unbeschriebene Blätter" zur Welt.

Und selbst wenn man sich gegenüber dem Anderen "nicht mehr verhält" - w i e verhält man sich vor dem Hintergrund des Geschehenen in, mit sich selbst?


Mein im Grunde zentrales Problem ist die Angst vor dem - meinem - Selbstbetrug.

Den man wahrscheinlich unbewusst ohnehin sehr oft vornimmt, der aber, wenn er zu Bewusstsein kommt, verheerende Auswirkungen haben kann/wird, denn dir wird der Boden, das Fundament deines Selbstverständnisses, deines Selbst- und Weltbildes, deiner Identität (!) all deiner "Gewissheiten", Verankerungen deines Selbst in der Welt dadurch vollständig und abrupt entzogen.
Folglich stellt sich Haltlosigkeit ein ... . Klingt so harmlos, ist jedoch alles andere als das.


Denn was kann das je persönliche "Ziel", der Sinn nur sein: Selbsterkenntnis ("Erkenne dich selbst.") und daraus resultierend der je persönliche Beitrag zum Gemeinwohl - dazu beitragen, "die Welt" (zumindest die je eigene, kleine, auf die man unmittelbar einwirkt, Einfluss nehmen kann) ein kleines Bisschen besser, lebenswerter, friedlicher zu machen.

Jedenfalls sollte es m.E. viel mehr um genau solche Themen, Konflikte, Problemlagen gehen, nicht nur ständig um oberflächliches Alltagsgeschehen, das öffentlich - mit Fremden - "geteilt" wird und tagespolitische, durchs Dorf getriebene Säue, die morgen schon wieder im Stall krepieren.
 
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Und trotz allem ...
 
... halte ich immer noch so große Stücke auf die Meinung, die persönliche Draufsicht auf "die Dinge des Lebens" des, in diesem Falle meines persönlichen "Feindes" und habe ich trotz all dessen immer noch so tiefes Vertrauen in seine Reflexions-, Erkenntnisfähigkeit und die Hoffnung auf bei ihm vorhanden seiendes Mitgefühl und seine Schmerzfähigkeit (!) - also den Glauben (?) in, die Hoffnung (?) auf seine charakterliche Größe, Stärke, Herzens- und Charakterbildung sowie auch seine intellektuelle Schärfe, dass ich eben diese seine Draufsicht, Einschätzung gerne kennte.

Wir wachsen nicht an permanenter Harmonie, Gleichgesinntheit, gegenseitiger Zustimmung und (Selbst-) Versicherung, Bestätigung - all das brauchen wir auch (Anerkennung, Wertschätzung, Rückhalt), woran wir geistig/intellektuell sowie auch emotional, charakterlich wachsen, reifen, ist die Differenz - die Herausforderung durch den Anderen als Anderem.

Durch dieses Herausgefordertwerden durch den Anderen, eigene Überzeugungen, vermeintliche Gewissheiten, auch Bequemlichkeiten (im Denken) zu überdenken, zu hinterfragen, ggf. zu korrigieren, den eigenen Horizont durch die Konfrontation, den Austausch, die Interaktion mit dem Anderen weiten zu l a s s e n, dies zuzulassen, auch wenn es mühsam und mitunter vielleicht auch schmerzhaft ist.

Das ist nicht unbedingt möglich, nicht immer, nicht grundsätzlich und nicht mit jedem "beliebigen" Anderen - es braucht dafür eine Vertrauensbasis, darauf vertrauen zu können, dass der Andere mir nichts Schlechtes will und/oder tut.

Die ideale Trägersubstanz ist Liebe.

Und gerade Liebe(n) bedeutet keineswegs ständige, ausschließliche Harmonie, Einigsein, Konfliktfreiheit, wenngleich sie leider nach wie vor gängigerweise so missverstanden wird.

Liebe ist nicht "nur" ein Gefühl intensiver Zuneigung, sondern zugleich eine mentale und soziale Haltung, ein Sich-Verhalten.

Auch an dieser Stelle kann ich nur ein Mal mehr auf Erich Fromm ("Die Kunst des Liebens") und Emmanuel Lévinas verweisen.
 
Vielleicht besteht die Liebe, d.h. das aktive Lieben genau in diesem "Trotzdem" - trotz aller bestehenden Differenzen, Konflikte, Gräben, Abgründe, Fassungslosigkeit, Schmerzen, Widerstände, Kämpfe: Brücken zu bauen, Hände zu reichen, sich versöhnlich zu zeigen, auf den Anderen zuzugehen, mitzufühlen, zugewandt zu bleiben, verzeihen zu können, zu wollen, einen gangbaren Weg finden zu wollen, dies unermüdlich zu versuchen.
 
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04. Dezember 2018
 
Versöhnung - die weit über "Waffenstillstand" hinausgeht und die für stabilen Frieden unabdingbar ist - gleich ob auf privater oder politischer Ebene, setzt grundsätzlich ein vorhandenes Minimum an Selbstkritik, Reflexionsfähigkeit, Schuldeinsicht und Mitgefühl voraus - Reife, Vernunft, Umsicht, Besonnenheit, Liebesfähigkeit.
 
Wo all das bei einer oder beiden beteiligten Parteien nicht besteht, bleiben die Gräben zwangsläufig offen, kann es keine Brücken, keinen Frieden geben.
 
Das ist, was ich offenbar zu lernen hatte.
 
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In ständigem Ringen mit dem Partner um je eigene Souveränität bleibt kein Raum für ein tragfähiges Fundament.

Lieben heißt nicht beherrschen, unterwerfen, konsumieren, ausbeuten, Profit maximieren.
Sie ist kein Tausch-, kein Handelsobjekt und kein Garant für eigenes Glück (Zufriedenheit).

Liebe ist eine Gabe an den Anderen - der nicht ich ist, den ich mir nicht einverleibe, nicht besitze, mir nicht passend, tauglich zurechtformen kann.

Lieben ist die Möglichkeit, mit dem Anderen auf einem Weg gemeinsam - nebeneinander, miteinander, beieinander, füreinander - gehen zu können, zu wollen, sei dieser Weg auch noch so beschwerlich - herausfordernd: für das je persönliche Selbst.

Verletzlichkeit und Ungewissheit sind ebenso Bestandteil dieses Weges wie Reifung und Verbundenheit.
 
Ohne Mut, Entschlusskraft, Offenheit, Verantwortung, Erkenntnis und Ausdauer ist er nicht zu bewältigen, zu erfahren, zu erleben, zu erhalten.
 
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