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Sabeth schreibt

Poesie Melancholie Philosophie Feminismus Anarchismus

Warum man mit Rechtsextremisten, Rassisten, Sexisten, Freiern, Prostitutionsbefürwortern, Narzissten, Selbstbetrügern nicht diskutieren kann und auch nicht sollte - gaslighting, victimblaming, Missbrauch, Macht und Kontrolle, Kompensation

 
Aktualisierung am 11. Januar 2019
 
Nochmal zum Umgang mit Rechten, Rechtsextremisten, Nazis, Faschisten:
 
Man verhält sich durch gleiches Verhalten (Ignoranz und/oder Blockieren) letztlich genauso - doof.

Mir ist durchaus bewusst, dass und warum man mit Rechten nicht diskutieren kann:
 
Sie haben gar kein Interesse an fakten- und argumentbasiertem Austausch, solcher Diskussion, an Dialog. Sie reagieren üblicherweise nur mit Polemik, Täter-Opfer-Umkehr, Abwehr, Trotz, fake facts, Verschwörungstherorien, Biologismus, Hassrede, derailing.
 
Der "Königsweg" ist es jedoch nicht.
 
Die Frage ist: Worum geht es bei der "Gegenrede" - jene noch zu erreichen versuchen, die den Rechten hinterherlaufen oder die im Herzen Rechten selbst/auch? Letzteres scheint unmöglich und ja, das lehrt die Erfahrung. Also doch Menschen total und für immer abschreiben?
 
Wenn man Rechte ein für allemal abschreibt, in welcher Weise unterscheidet sich das vom Denken, Fühlen und Verhalten der Rechten, die in genau dieser Weise selbst vorgehen?
Es läuft letztlich auf dasselbe hinaus: Man verweigert den Austausch, den Dialog, das Brückenbauen, das Händereichen bzw. schon die bloße Möglichkeit hierzu.
So kann nichts besser werden.
 
Mir ist wie gesagt vollumfänglich bewusst (auch aus persönlicher Erfahrung), dass Rechte ihrerseits an solchem Dialog üblicherweise/mehrheitlich bis im Grunde ausnahmslos n i c h t interessiert sind, das gar nicht wollen bzw. es nicht k ö n n e n. Eben das ist das Problem. Ich denke nur, man hilft ihm nicht ab, wenn man selbst auch blockt, verweigert.
 
Heißt: Im Moment, da der andere selbst auch signalisiert, an Brücken interessiert zu sein, müsste dann halt wieder aufgemacht werden.
 
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Aktualisierung am 03. September 2018
 
Es geht nicht ohne klare, unmissverständliche Positionierung gegen Rechts.
 
Denn Rechts ist und war schon immer genau das n i c h t:
 
mitfühlend, "gütig", demokratisch, prosozial, atheistisch, human, offen, zugewandt, bedürfnisorientiert. - Noch nie je und nirgendwo auf der Welt.
 
Rechts ist und war immer schon:
 
antidemokratisch, autoritär, militaristisch, religiös/mythisch/kultisch/esoterisch, androzentrisch, patriarchal, elitär, reaktionär, trennend, ausgrenzend, abwertend, machtgeil, imperialistisch, ängstlich, hassend, gewaltvoll.
 
Man kann folglich überzeugte Rechtsextremisten und Rassisten nicht "mitnehmen" und auch nicht einmal mit ihnen "reden", denn sie sind völlig verblendet durch ihre für sie typischen Verschwörungstheorien, -ideologien, sie argumentieren nicht, schon gar nicht faktenbasiert, sie projizieren, provozieren, hetzen, hassen nur. - Infantil, unreif, narzisstisch.
 
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Danke, dass es endlich mal jemand so unmissverständlich formuliert.
 
Exakt wie dargelegt verhält es sich. Es geht Rechten gerade n i c h t um Konsensfindung, Debatte, Diskursfähigkeit und -pflege und n i c h t um Demokratie. Und man kommt ihnen, d.h. ihren Gefühlen von hysterisierter Angst, Wut, Hass, Neid, Gier, Geiz, Minderwertigkeitskomplexen, Scham und daraus resultierend kompensatorischem, narzisstischen Macht-, Kontroll-, Unterwerfungs- und Selbstaufwertungsstreben (mittels Abwertung und Entwertung anderer) n i c h t mittels Argumenten, Fakten, Logik bei, denn es sind eben diese ihre Gefühle, die ausschlaggebend (für sie) sind, die Ideologie folgt erst im Anschluss als vermeintliche Legitimation dieser niederen Gefühligkeiten.
 
Sie wollen, brauchen infolgedessen den "starken Mann", siehe autoritärer Charakter (nicht zu verwechseln mit Autorität) gleichermaßen wie Gehorsam, Hierarchien, "Ordnung".

Denn mit Komplexität sind sie allzuleicht überfordert, daher ihr ausgeprägter Hang zum Reduktionismus, Biologismus, Sozialdarwinismus und Schlimmerem ... .
 
Tatsächliches (globales) Gemeinwohl, soziale Gerechtigkeit, Bedürfnisorientiertheit, Mitgefühl, Kooperation, Fürsorglichkeit (statt Paternalismus) sind so wenig die Sache von Rechten wie Selbstkritikfähigkeit, Reflektiertheit, Humor und Selbstironie.
 
Letztlich sind das unreife Menschen, die in einer permanenten Trotz-, Abwehr-, Angriffshaltung, in fehlender Kritikfähigkeit und intensiver Selbstsucht, Selbstbezogenheit recht haltlos gefangen sind, weshalb sie Halt und Trost häufig in religiösem und/oder esoterischen (Aber-) Glauben, Mystik, Mystizismus sowie im Führerprinzip und einer "göttlichen Ordnung" verzweifelt suchen.
 
"[...] Das Problem mit Rechten sei nicht, „was sie sagen, sondern wie sie es sagen“. Man müsse sie daher nur an bestimmte diskursive Regeln gewöhnen und dann im Gespräch auf Augenhöhe widerlegen, lautet der Rat. Im gepflegten bürgerlichen Diskurs ließe sich schließlich noch jeder Dissens normalisieren.
 
Das aber ist eine fatale Fehleinschätzung, denn das intellektuelle Zentrum der Neuen Rechten, das Milieu des von Kubitschek geleiteten Antaios-Verlages, hat gar kein Interesse an einer Annäherung durch inhaltliche Auseinandersetzung, sondern verachtet die Debatte grundsätzlich: „Die Diskussion ist die Visitenkarte, mit der der Tod reist, wenn er inkognito geht“, bemüht man dort den spanischen Gegenrevolutionär Donoso Cortés. Dieser prangerte bereits im 19. Jahrhundert den revolutionären Liberalismus als Zeichen der Auflösung jeder Ordnung an. Rechten durch den Nachweis ihrer Unlogik beizukommen, läuft daher ins Leere, da sie nicht an einer kohärenten Argumentation interessiert sind.
 
Jede Aufnahme einer Debatte durch diese Rechte ist somit rein instrumenteller Natur. In der Antaios-Zeitschrift „Sezession“ ist nachzulesen, wie sehr man sich historisch den Verfechtern der Diktatur verpflichtet fühlt. Statt der Debatte und des Austauschs von Argumenten pflegt man einen autoritären Kult um Tat und Entscheidung. Maßgeblich ist eben nicht Habermas, sondern Cortés. Der belächelte das Bürgertum als „clasa discutidora“, als „diskutierende Klasse“, die schleunigst zum Schweigen gebracht werden müsse. Carl Schmitt formulierte in ebendiesem Geiste während der Weimarer Krisenjahre die staatsrechtlichen Grundlagen für die Diktatur. Ziel beider war das Ende der Debatte.
 
Für diese Denkschule ist „das ewige Gespräch“ der Liberalen eine Vorstellung von „grausamer Komik“. Daher hat Schmitt in der „Politischen Theologie“ den Diskurs als das eigentlich zu Überwindende bestimmt. Was dagegen „die gegenrevolutionäre Staatsphilosophie auszeichnet“, schreibt Schmitt, sei „das Bewusstsein, dass die Zeit eine Entscheidung verlangt“.
 
Sich selbst in diese Tradition stellend, beschwört Kubitschek seit Jahren eben nicht die Debatte, sondern die finale Krise, um endlich zur erlösenden Tat schreiten zu können: „Unser Ziel ist nicht die Beteiligung am Diskurs, sondern sein Ende als Konsensform, nicht ein Mitreden, sondern eine andere Sprache, nicht der Stehplatz im Salon, sondern die Beendigung der Party.“ Beim Auftritt Uwe Tellkamps im Dresdner Kulturpalast kurz vor der Leipziger Buchmesse hat Kubitschek diese Position nochmals bestärkt. Sein Anliegen sei die Polarisierung, nicht die Diskussion: „Ich bin strikt dafür, dass der Riss [der durch die Gesellschaft geht] noch tiefer wird, dass die Sprache noch deutlicher wird.“ Das aber sind schlechte Voraussetzungen für den Austausch von Argumenten.
 
Das „Rechts“ der Neuen Rechten ist eben keine „bestimmte Art des Redens“, wie es das Bändchen „Mit Rechten reden“ behauptet. Es ist eine Weltanschauung, die von der Ungleichwertigkeit von Menschengruppen ausgeht und sie in der Gesellschaft zementiert wissen will. Diese Rechte lebt auch keineswegs ausschließlich von ihren Gegnern, sondern verfügt über eine ganz genaue Vorstellung, wie die Welt einzurichten ist, sollte man ihnen jemals die Gelegenheit dazu geben. Sie jedenfalls werden dann nicht mehr mit ihren Gegnern „reden“.
 
In den jüngst bekannt gewordenen Richtlinien des Troll-Netzwerkes „Reconquista Germanica“ ist zu lesen: Es „geht nicht darum, wer Recht hat, sondern wer vom Publikum Recht erhält.“ Erlaubt ist in der Anonymität alles: Persönliche Beleidigungen, Lügen, gefälschte Pornographie, Drohungen gegen die Familie. Diese aggressive Strategie folgt dem Vorbild der US-amerikanischen Altright, zu der man im Hause Antaios gute Kontakte pflegt. Zum Netzwerk von „Reconquista Germanica“ zählt auch der Antaios-Autor Martin Sellner. Der Österreicher hat die Anleitungen von „Reconquista Germanica“ selbst empfohlen. Er ist ein enger Mitstreiter Kubitscheks und Kopf der „Identitären“, der seine politischen Lehrjahre in der harten Neonazi-Szene absolvierte. Die Realität sieht bei Antaios eben anders aus als die Selbstdarstellung. Wenn keine Kamera in der Nähe ist, neigt auch Kubitschek zu Wutausbrüchen. Der von tiefer Sorge um Deutschland getriebene, grüblerische Verleger entpuppt sich als Poser.
 
Das Vorgehen der Rechten ist durch das geprägt, was Leo Löwenthal nach umfangreichen Untersuchungen faschistischer Agitatoren Ende der 1940er Jahre als „umgekehrte Psychoanalyse“ gefasst hat: einen permanenten Aufbau von Spannung, Angst und Abhängigkeit. Diese Technik soll den erwünschten Ausnahmezustand auf der Ebene des Subjekts produzieren. Permanentes Triggern soll die Gesellschaft neurotisch machen, damit sie willfährig die autoritären Erlösungsangebote annimmt. Sie ist das Gegenteil eines reflexiven Gesprächs, das Spannungsabbau, Rationalität und Emanzipation fördert.
 
Dem ist mit einem Gesprächsangebot kaum beizukommen. Es würde auch kaum angenommen werden, denn dieses „thymotische“ Element ist bekanntlich, wie der Sloterdijk-Schüler und MdB Marc Jongen propagiert, das Lebenselixier der Neuen Rechten. Ein Verzicht darauf würde sie ihrer schärfsten Waffe berauben. Und das weiß sie. [...]
 
Während der Frankfurter Messe hatte der Antaios-Autor Martin Semlitsch, bekannt unter dem Autorennamen „Lichtmesz“, die jüdische Leiterin der Stiftung, Annetta Kahane, auf Twitter antisemitisch beleidigt. Er unterstellte ihr, Deutschland „umrassen“ und „umvolken“ zu wollen. Auf Nachfragen seiner Fans, ob Kahane denn nicht selbst „weiß“ sei, schrieb Lichtmesz: „Ich vermute, sie zählt sich selbst zu einer anderen Mischpoke…“. Als Österreicher weiß Lichtmesz, wie sich Antisemitismus erfolgreich enttabuisieren lässt. Aus seiner Bemerkung spricht das alte Motiv des Juden als „weißen Neger“, das etwa aus den Schriften des Antisemiten Bruno Bauer bekannt ist. Kein ungewöhnlicher Jargon für einen „Rechtsintellektuellen“ wie Lichtmesz, der politische Gegner auch als „Läuse“ bezeichnet.

Eigentlich war mit diesem Tweet die Neutralitätsverpflichtung der Veranstalter aufgehoben. Hätte man in Frankfurt die sonst vielbeschworene Verantwortung aus der Vergangenheit ernst genommen, wäre dem Autor spätestens da die Türe zu weisen gewesen. Mit einer konsequenten Haltung hätte die Buchmesse sich weitere Blamagen mit einem Verlag erspart, der mit „Finis Germania“ den ersten antisemitischen Bestseller nach 1945 vertreibt.

Auch in Leipzig wäre hier gegenüber Antaios ein klares Signal zu setzen gewesen. Ob drinnen oder draußen, die Opferrolle beansprucht die Neue Rechte ohnehin für sich. Stattdessen gab es die Aufforderung, die Vertreter der Neuen Rechten entweder zu ignorieren oder, wie Leo vorschlug, ganz „cool“ mit ihnen zu reden. Alles andere, so das bekannte Argument, verschaffe der Rechten nur Publicity.

Doch der Glaube, die Neue Rechte wachse vor allem durch ihre Gegner, ist ebenso falsch wie die Annahme automatischer Solidarisierung von Leuten, „die sonst nichts mit den Rechten verbindet“. Auseinandersetzungen dieser Art finden schließlich seit Jahrzehnten statt. Sie haben den Rechten nie zuvor derart Öffentlichkeit gebracht wie heute. Die Präsenz der Neuen Rechten ist somit nicht eine Folge der Gegenaktivitäten, sondern fundamental veränderter Rahmenbedingungen. Sie verstand es, die europäische Krise und Flüchtlingsströme politisch umzumünzen. Ihren Aufschwung verdankt sie somit primär äußeren Faktoren, zu denen allerdings auch die Unfähigkeit der bürgerlichen Intelligenz zählt, die Neue Rechte zu durchschauen.

In der Vergangenheit ist es dagegen durchaus gelungen, die Rechte aus dem Diskurs herauszuhalten. Als beispielsweise 1995 der Propyläen-Verlag Kubitscheks politischen Ziehvater und Chefideologen der „Jungen Freiheit“ Karlheinz Weißmann, beauftragte, ein Buch über den Nationalsozialismus zu schreiben, protestierten Fachhistoriker erfolgreich. Blamiert haben sich damals nicht die Kritiker, die die Aufnahme in eine renommierte geschichtswissenschaftliche Reihe verhinderten, sondern der Verlag. Weißmann wurde damit nicht zum Märtyrer gemacht, sondern lediglich auf sein Maß als Ideologe gebracht. Seine jüngste Rückkehr in die Öffentlichkeit wurde erst durch die Normalisierung seiner Positionen möglich.

Gewachsen ist diese Neue Rechte, die in erheblichem Umfang noch immer die alte ist, somit weniger an ihren Gegnern als an deren Gesprächsangeboten, die sie erst zu akzeptablen Partnern machten. Gewachsen ist sie auch an den unzähligen Reportern, die zu Kubitscheks „Rittergut“ Schnellroda pilgerten und sich fasziniert den Ziegenstall zeigen ließen. Jede unkritische Homestory und jedes Dialogangebot haben stärker zur Verbreitung des Neofaschismus à la Antaios beigetragen als die Protestschreie auf den Buchmessen.

„Provokation“ heißt ein Büchlein Kubitscheks mit einer Handreichung für die Rechte, öffentliche Aufmerksamkeit zu generieren. „Bloß nicht provozieren lassen“, lautet die hilflose Antwort. Ganz wie ihr islamistischer Zwilling hält die Neue Rechte ihre Gegner für dekadent und träge. Man sollte ihnen zeigen, dass sie sich irren. Wer radikal provoziert, will etwas hervorrufen, und längst wäre es an der Zeit, in diesem aufgezwungenen cultural war angemessen deutlich zu reagieren. Gegenüber Leuten, die vollmundig antreten, den Kulturbetrieb zu „entsiffen“, kann dies nur ein souveräner Ausschluss sein."

Quelle des zitierten Textes: blaetter.de - "Debatte oder Protest: Wie weiter gegen rechts?" von Volker Weiß
 
 
Man kann mit Rechten nicht reden, weil es üblicherweise keine inhaltsbezogene, argumentbasierte, reflektierte Diskussion ist, es nicht ums Denken, gar um intellektuellen Austausch geht, sondern Rechte von bestimmten G e f ü h l e n geleitet werden, die erst im nächsten Schritt durch Ideologie (und Sprache) vermeintlich legitimiert werden (sollen/wollen) - gerade auch vor sich selbst (um sich ein positives Selbstbild erhalten zu können).
 
Diese Gefühle gehen einher mit ausgeprägter Abwehr, Verweigerung, mit autoritärem Gebaren, sind geprägt von Angst vor Verlust von Deutungshoheit und Privilegien sowie mit Wut darüber - auch übrigens mit Scham über ureigene charakterliche Defizite, die wiederum kompensatorisch unter Kontrolle gehalten, verborgen werden muss/will.
 
All das ist typisch für Rechtskonservatismus, noch mehr für Rechtsextremismus - insbesondere ein ausgeprägter Mangel an Mitgefühl.
 
Diese Menschen sind zumeist in der Kindheit beschädigt worden: durch Schwarze Pädagogik, wie sie auch heute und auch in Deutschland leider noch immer verbreitet ist - und keineswegs hauptsächlich durch physische Gewalt gekennzeichnet ist, sondern durch vor allem psychische.
 
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Anatol Stefanowitsch: Die Grenzen des Sagbaren

soundcloud.com

30. Juli 2018
 
Nochmal Grundsätzliches:
 
Die politische Einstellung, Weltanschauung, Gesinnung eines Menschen ist nicht irgendwie "extern" an ihn angeheftet, sie ist integraler Bestandtteil seiner Persönlichkeit - seines Denkens, Fühlens, Handelns, Wollens, Strebens und Folge (!) seines Charakters.
 
Ja: Das Private ist politisch.
 
Wir können daher bei keinem Kontakt mit einem Menschen phasenweise, vorübergehend oder gar generell irgendwie außenvorlassen, außer Acht lassen, ignorieren, abspalten, wie dieser Mensch politisch, moralisch, geistig-intellektuell, weltanschaulich eingestellt, wovon er überzeugt und wie er sozial und charakterlich je persönlich verfasst ist, weil er sich entsprechend v e r h ä l t - nicht "nur" denkt, spricht, fühlt. Sei ihm dies bewusst oder nicht.
 
Wer einem anderen Menschen, einem Gegenüber, vorschlägt, "anbietet" oder ihn auffordert, "das Politische" (zeitweise) beiseitezulassen, tut dies stets aus manipulativen Zwecken, niederen, verwerflichen, jedenfalls egomanen, selbstsüchtigen Beweggründen. Immer.
 
Man kann nicht an einem Tag Rassist, Rechtsextremist, Agitator, Demagoge, Hassender, Menschenfeind, Sadist sein und einige Stunden oder Tage oder Wochen später oder in der darauffolgenden Nacht all das wegschieben und sich als weißbewesteten, mitfühlenden "Gutmenschen" ausgeben. Denn es fehlt hierfür nicht nur an der erforderlichen Authentizität, Wahrhaftigkeit und Vertrauensbasis, sondern vor allem an Integrität.
 
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Frau Hähnig, Sie vertrauen auf die Kraft des faktenbasierten Arguments und auf Seite der Rezipienten auf dort vorhanden angemessen ausgeprägte Urteilskraft. Was Sie gänzlich unter den Tisch fallen lassen, ist, dass Rechtspopulisten genau wissen, wie sie ihre Lämmer wo "abholen" müssen - und das läuft eben gerade n i c h t über argumentbasierte Auseinandersetzungen, solchen Austausch, sondern über Gefühle bzw. Gefühligkeiten.

Rassismus, gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit, ist keine Meinung, sondern Hass - und dieser wird mittels Agitation (Manipulation, Suggestion, Ängste schüren, hetzen ...) transportiert.
 
Es funktioniert also gerade bei den für rechtes Gedanken"gut" Anfälligen nicht die Strategie, sich die Rattenfänger als solche selbst enttarnen, entblößen zu lassen (indem man ihnen die hierfür vermeintlich notwendige Bühne bereitet bzw. gewährt, überlässt) - eben weil es nicht um Substanz, Gehalt, Tatsachen geht, sondern um Gefühle - um Kompensationsbedürfnisse auf Basis von Unterlegenheits-, Minderwertigkeitsgefühlen, um nicht Angst "besorgter" Bürger, sondern um Wut über vermeintlichen Privilegien- und Deutungshoheitsverlust, um Geiz, Neid und die Scham über je persönliche (!) Unzulänglichkeiten, Defizite - über die eigene Selbstsucht, Gier, das Nicht-Abgeben-, Nicht-Teilen-Wollen - über die ureigenen, charakterlichen Niederungen also, die man um jeden Preis jedoch selbstredend zu verbergen, auch zu leugnen bestrebt ist - und sie überdies auf den Sündenbock, das Feindbild projiziert.
 
Ja: die AfD i s t unzweifelhaft fester Bestandteil der "neuen" alten Rechten, damit folglich zutiefst antidemokratisch, demokratiefeindlich, menschenverachtend. Und genau deshalb geht es darum, mit Verweigerung und "Bühnenentzug" ein Zeichen zu setzen - ein ganz und gar unmissverständliches, ziviles - und notwendiges.
 
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