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Sabeth schreibt

Poesie Melancholie Philosophie Feminismus Anarchismus

Über den Unterschied zwischen Empathie und Mitgefühl und die Sinnhaftigkeit, Bedeutsamkeit, Unentbehrlichkeit von Schmerz, Schmerzerfahrung

"Der mitfühlende Mensch kann Kriege verhindern."

sagte Arno Gruen.

Er meinte damit, dass der mitfühlende, feinfühlige, empfindsame Mensch, Schmerz, Leid anderer Menschen (gleich, ob diese ihm bekannt, vertraut oder fremd, nahe oder fern sind) zu vermeiden, dem vorzubeugen oder, bei bereits Eingetreten-, Vorhandensein, das Leid anderer abzumildern, zu lindern, abzuwenden, zu beenden versucht - weil es ihn selbst schmerzt, weil er, der mitfühlende Mensch, s e l b s t leidet, wenn andere Menschen, andere schmerzfähige Lebewesen leiden und er dies erlebt, erfährt, wahrnimmt, weiß.

Wenn wir mit anderen Menschen mitfühlen, auch mitleiden, ist es nicht deren augenblicklicher, je subjektiv empfundener, erlebter, erlittener physischer und/oder psychisch-emotionaler Schmerz, nicht deren, d.h. ihnen eigenes, subjektives Leid, das wir fühlen, denn das können wir nicht, da wir nicht dieser jeweilig andere Mensch sind, nicht seinen Körper, nicht seine Psyche, nicht seinen Leib, nicht seine Erfahrungen, Prägungen, Anlagen, sein Wesen, seine Persönlichkeit haben bzw. sind.

Wir fühlen beim Mitfühlen, Mitleiden stets nur unseren eigenen Schmerz - aktiviert wird dabei unwillkürlich, spontan, impulshaft die Erinnerung unserer persönlichen, der uns eigenen Schmerzerfahrung.
 
Weil wir diese "Schmerzfähigkeit" haben, eigenen Schmerz erinnern, diese Schmerzerfahrung spontan abgerufen wird, wenn wir andere Menschen leiden wahrnehmen, leiden wissen, stellt eben dies die basale Grundlage für das Mitfühlenkönnen dar. - Ohne Schmerzfähigkeit, d.h. Schmerzkenntnis, Schmerzerfahrung und Schmerzerinnerung und das Zulassen derselben, kein Mitfühlen (-können), kein Mitgefühl.
 
Was Arno Gruen sicher auch bewusst war, ist, dass es jedoch gerade dieser mitfühlende - der besonders feinfühlige, empfindsame Mensch - ist, der durch Kriege, durch physische und psychisch-emotionale Gewalt besonders schnell und besonders intensiv und langfristig beschädigt sowie auch existenziell vernichtet wird. - Mit entsprechenden Folgen.
 
Nein, das ist kein Sozialdarwinismus, kein Biologismus im Gegenteil:
Das Mitgefühl ist jedem Menschen sowie auch einigen anderen Primaten nachweislich angeboren. Es wird jedoch bei zahlreichen Menschen weltweit - zumeist in deren Kindheit - stark beschädigt, betäubt, es stumpft ab, es friert ein - aus Gründen.
Dies gilt es, angemessen zu verhindern, dem vorzubeugen, das Mitgefühl zu stärken, zu fördern bzw. wiederzubeleben, zu reaktivieren, denn:

"Der mitfühlende Mensch kann Kriege verhindern."
 
Kriege, Konflikte: sowohl auf sogenannt privater wie auch auf politischer Ebene.
 
Denn der mitfühlende Mensch kann und will verzeihen, vergeben, er ist um Wiedergutmachung und Versöhnung bemüht.
Rache, Strafe, Gewalt erzeugen wiederum Schmerz, Leid - das der mitfühlende Mensch gerade zu vermeiden und/oder zu lindern, zu heilen bemüht ist.
 
Nur der mitfühlende Mensch ist ein auch liebesfähiger Mensch.
 
-
 
"Das Gute missfällt uns, wenn wir ihm nicht gewachsen sind."
Friedrich Nietzsche
 
Empathie ist nicht (gleichbedeutend mit) Mitgefühl - Über die Sinnhaftigkeit, Bedeutsamkeit, Unentbehrlichkeit von Schmerz, Schmerzerfahrung
 
Auf WDR 3 (Radio) in der Sendung "Resonanzen" ging es am 03.02.2017 um "'Die dunkle Seite der Empathie", in welcher der Autor Fritz Breithaupt zu seinem gleichnamigen Buch (das ich hiermit keinesfalls bewerben möchte) interviewt wurde. - Ich kann nur sagen: haarsträubend, was für einen Unsinn Menschen von sich geben und damit sogar noch Geld verdienen (können, dürfen).
Der Autor setzt Empathie und Mitgefühl gleich. Ein unverzeihlicher Fehler - ein extrem grober überdies.
 
Natürlich kann die Fähigkeit, sich einfühlen zu können, zu manipulativen Zwecken missbraucht werden, um andere instrumentalisieren zu können.
Aber eben deshalb ist Empathie nicht gleichbedeutend mit Mitgefühl.
 
Mitfühlen zu können, heißt, mitleiden zu können - und das nicht, weil man das will, sich "vornimmt" oder damit irgendwelche Zwecke, Eigeninteressen verfolgt (es also instrumentalisiert), sondern weil es einem angeborenen Impuls entspringt - siehe, wie bereits Kleinkinder, auch einige Tiere sich mitfühlend, hilfsbereit, kooperativ verhalten - ohne also zuvor bereits dazu angewiesen, "erzogen", dazu dressiert worden zu sein.
 
Und nein, man löst auch nicht Leid beim Anderen mittels Empathie aus, um seinen je eigenen (vorgeblich angeborenen) Sadismus ausagieren zu können, sondern ein solcher Sadismus, wenn vorhanden, hat gänzlich andere Ursachen - eben gerade das Fehlen von Mitgefühl.
 
Wenn man das Leid eines anderen "nachfühlt", mitfühlt, so fühlt man selbstverständlich niemals den Schmerz dieses anderen - das ist absolut unmöglich (man ist nicht der Andere, man kann daher niemals so fühlen, wie er fühlt, wahrnimmt, denkt ...). Was man beim Mitgefühl, beim Mitleiden fühlt, ist der eigene Schmerz.
 
Und genau aus diesem Grunde ist Schmerzerfahrung unentbehrlich: Nur durch diese sind wir in der Lage, nachfühlen, mitfühlen zu können, wenn andere leiden (physisch und/oder psychisch).
 
Es ist dabei keineswegs vonnöten, genau diesen Schmerz (des Anderen) zu fühlen (in derselben Qualität, Intensität - ist wie gesagt ohnehin nicht möglich), sondern es reicht, d a s s wir wissen, wie Schmerz sich für uns selbst anfühlt, dass wir verschiedene Schmerzarten, Schmerzintensitäten und -qualitäten je persönlich/individuell erfahren (erlitten!) haben.
 
Ich habe viele Jahre geglaubt, das Leid bestätige nur die Absurdität der Existenz von Lebewesen, somit auch Menschen, gerade derer, da sie sich an erfahrenes Leid immer wieder erinnern (können bzw. müssen).
Inzwischen habe ich verstanden, dass das Leid für eben diese unentbehrliche Schmerzerfahrung wichtig ist, dass Leid und Schmerz verschwistert sind, dass sie die Grundlage für Mitgefühl und damit für Kooperation bilden.
 
Nur auf dieser Urbasis des Mitgefühls ist Moral überhaupt erst möglich.
Und Mitgefühl ist nur möglich, weil es die Schmerzerfahrung gibt - und wer emfpindsam, sensibel, feinfühlig, mitfühlend ist, hat daher das natürliche Bedürfnis, Leid nicht nur von sich selbst, sondern - auf Basis der Kenntnis eigenen Schmerzes und eben der Empathie - auch von anderen abzuwenden. Weil man automatisch überträgt, weil das Sehen, Miterleben des Leids anderer Lebewesen uns unmittelbar triggert (siehe Neurobiologie, die das inzwischen/längst ganz genau erläutern kann - Spiegelneuronen etc.).
 
Und daher ist auch gerade keine je persönliche Bindung an diese anderen erforderlich - es geht der Eindruck, das Wahrnehmen von Leid direkt an unser eigenes Inneres (im Gehirn ist das wahrscheinlich das Limbische System?) - es "triggert" uns grundsätzlich und unmittelbar, unwillkürlich.
 
Wenn dieser natürliche, angeborene Impuls jedoch gestört, beschnitten, beschädigt wird, reagieren wir nicht (mehr) mitfühlend - sondern bspw. gleichgültig, verdrängend, abgestumpft/kalt, ignorierend/ignorant oder eben auch gewaltvoll, sadistisch oder masochistisch.
 
Und massiv gestört, beschädigt wird dieser allen Menschen angeborene, in allen Menschen genetisch angelegte Impuls (Leid von anderen abwenden oder es mildern zu wollen, mitfühlen zu können bzw. es einfach spontan, unwillkürlich zu tun) durch den falschen Umgang mit Säuglingen und (Klein-) Kindern. Immer und überall auf dieser Welt.
 
Siehe Schwarze Pädagogik, siehe autoritäre und anti-autoritäre Erzieheung (beide nicht bedürfnisorientiert), siehe all die Indoktrination gerade von Kindern durch Religion(en), Ideologien, siehe die frühe Fremdbetreuung, das hierdurch getätigte Zerstören von Bindung, Beziehung - Gewalt, die dem Kind und seinen Hauptbezugspersonen auf diese Weise angetan wird und die nach wie vor auch "bei uns" als sogar "normal" (!) gilt, siehe etliche Erziehungsratgeber, wie bspw. "Jedes Kind kann schlafen lernen" (auch hier wird dem Kind Gewalt angetan, wird die Bindung, sein Urvertrauen massiv und "nachhaltig" beschädigt – es resigniert früher oder später, wenn seine Bedürfnisse nicht erfüllt werden, sein Weinen, seine damit geäußerte Not nicht durch Zuwendung, körperliche Nähe, Gehaltensein ... beantwortet wird oder es wird krank), siehe, wie mit gerade Kleinkindern umgegangen wird - es findet noch immer verbreitet kein bedürfnisorientierter Umgang statt - und das setzt sich umso mehr später in der Schule fort.
 
Und gerade in den drei monotheistischen Religionen, die alle ein massiv patriarchalisches Fundament (das Alte Testament) haben, wie auch im Kapitalismus, Neoliberalismus, der auf Konkurrenz, Kampf, Leistung, Druck, Zwang, Strafe beruht, liegt der Grund, die Ursache für die global verbeitete Gewalt, für die global verbreiteten Beschädigungen von Menschen - mit entsprechenden, bekannten Folgen: weitere Gewalt, Unterdrückung, Machtstreben etc. - zu Kompensationszwecken.
 
Siehe wiederum "autoritärer Charakter", "freiwillige Knechtschaft" (Erich Fromm, Th.W. Adorno), "Identifikation mit dem Aggressor", Trauma (Sandor Ferenczi) - statt Mitgefühl (siehe bspw. bei Arno Gruen) und Kooperation.
 
Nein, Empathie ist gerade n i c h t das Gleiche wie Mitgefühl. - Auch nicht, wenn vorgeblich schlaue Leute solches in Büchern behaupten und es auf diese Weise verbreiten.

Anzumerken ist abschließend, dass durch das Mitgefühl und durch Kooperation (statt Kampf), durch Miteinander statt Gegeneinander sich übermäßiges, damit unnötiges, sinnloses Leid vermeiden lässt.
Denn es ist keineswegs erforderlich, dass es massive Greueltaten geben muss, um "die Schmerzerfahrung machen zu können" - die Schmerzerfahrung machen wir zwangsläufig, unvermeidlich schon in einem sehr frühen Stadium unserer Existenz, mindestens als Säuglinge bereits (Frieren, Hunger - der Säugling empfindet Hunger wie physischen Schmerz - und andere Schmerzerfahrungen, die nicht sämtlich vermeidbar sind) sowie auch immer wieder im weiteren Lebensverlauf, weil physische wie psychische Verletzungen nicht immer, nicht grundsätzlich, nicht sämtlich vermeidbar sind.
 
Um aber Sadismus, Masochismus, Gewalt, übermäßigem, sinnlosen Leid vorbeugen, dies eindämmen zu können (statt all dies zu befördern) und um Kooperation, ein weitgehend und langfristig friedliches Miteinander zu ermöglichen, ist Mitgefühl unabdingbar.
 
Und letztlich bedeutet das Verweigern von Mitgefühl (siehe das Ablehnen des "Einforderns" von Mitgefühl, das Abwerten von Menschen (als Idioten, Schwache, Verweichlichte etc.), die mitfühlend sind, sich so verhalten, folglich, dass Menschen mit ihren je eigenen, ganz persönlichen/individuellen Schmerzen, Schmerzerfahrungen und Schmerzerinnerungen gerade nicht (wieder) konfrontiert werden, sondern dies verdrängen, unter Verschluss halten, in Schach halten wollen – weil: sie damit nicht umgehen können, weil sie nicht zulassen können, dies zu fühlen, diese je eigenen Beschädigungen als solche zu erkennen, zu akzeptieren und auch, wer sie verursacht hat (denn gegen diese – häufig die Eltern, Bezugspersonen - können sie sich nicht richten, nicht (mehr) zur Wehr setzen, sie haben all das stattdessen längst verinnerlicht, siehe Identifikation mit dem Aggressor, Internalisierung) und geben diese selbst erfahrenen, erlittenen Verletzungen nun "kompensatorisch" an andere weiter, siehe verschiedene Formen von Gewalt, Unterdrückung, Wille zu Macht, Herrschaft, somit der Unterwerfung, Erniedrigung, Schwächung andere, bis hin zu (deren) Zerstörung, Vernichtung – zu vermeintlicher Kompensation, zur eigenen Entlastung, Erleichterung also.
 
Dies nur leider auf völlig ungesunde Art, mittels derer sie selbst gerade nicht heilen können und überdies auch noch andere, nicht selten massiv, beschädigen - nicht nur, aber gerade auch eigene Kinder bspw. und andere nahestehende Menschen oder Fremde, die dann die Sündenbock-, Feindbildfunktion aufgedrückt bekommen, da "alles Schlechte" auf diese projiziert wird, werden kann, werden muss – um die je eigenen Defizite und Unzulänglichkeiten veräußern, auslagern zu können – wiederum aus Gründen der Selbstschonung.
 
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Siehe in Boris Cyrulniks Buch "Mit Leib und Seele - Wie wir Krisen bewältigen"
 
v.a. die Seiten 65, 66 (Schmerz), 83 (Kinder), 86 (Verdrängung, Abwehr, Angst), 87/88 (Drogen vs. Beziehung gegen Leid), 97 (Prägung, Berührung!), 114 (vorbewusstes Gedächtnis), 125 (Misshandlung in Kindheit), 127 (Urvertrauen), 128 (Selbstbetrug), 130 (Empathie Tiere),
137/138 (Unreife, Empathie, Misshandlung Kindheit, Alarmzustand), 148/149 (Angst, Narzissmus), 160 (Psychopathie), 163 (Paranoiker) ...
 
update 20. Februar 2021
 
Gabor Maté - Ich möchte, muss nochmal erwähnen, wie großartig dieser Mensch, diese Persönlichkeit ist.
 
Es verhält sich keineswegs so, dass er hier (siehe oben verlinktes Video "Implicit Memory") etwas auf andere projiziert, sie manipuliert, wie man ggf. meinen könnte, vielmehr zeigt es, w i e schwer wir uns damit tun, eigenes Verletztsein, Schmerz, Verletzlichkeit, Bedürftigkeit nach Wertschätzung, Nähe, Beziehung, Berührung, Verbundensein "zuzugeben", wie viel das mit Scham und Angst zu tun hat und mit Kindheit, Prägung, Sozialisation, Gesellschaft ... .
 
SO wünsche ich mir (einen) Therapeuten.
Siehe auch die Serie "In Treatment" mit Gabriel Byrne alias Paul Weston, der darin ein wahrer "Bilderbuchtherapeut" ist:
 
menschlich, mitfühlend, selbstreflexiv, selbst verletzt, versehrt.
Und wie entscheidend die Beziehung ist und die Persönlichkeit (!) des Therapeuten für "gelingende", heilsame Therapie.
 
Und genau das ist, was Gabor Maté hier heraufholt: den Schmerz. Und genau darum geht es: diesen, den verdrängten, wegrationalisierten, kompensatorisch "selbstschützend" überschriebenen Schmerz bewusst wahrzunehmen und zuzulassen. Ja, das ist: schmerzhaft, ein Heilungsprozess.
 
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Aktualisierung am 26. April 2019
 
Ob der offensichtlichen Vielfalt, Differenz und zugleich so augenfälliger Gemeinsamkeit von Menschen weltweit, ob der Tatsache der Offenheit, Arglosigkeit von Kindern und des Gezeichnetseins der Erwachsenen, ob des "ewigen" (?) Kreislaufs und all der darin liegenden, unbeschreiblichen Fülle und unerträglichen Vergeblichkeit ..., kann man, kann jedenfalls ich immer wieder nur noch weinen.
 
Die (Lebens-) Kunst liegt bekanntlich nicht im Verdrängen, sondern im Aushalten des Bekannten, Bewussten - im Aushalten des Schmerzes - gerade des Schmerzes, der nicht nur der eigene ist, w e i l er nicht der nur "eigene" ist. Dieser Umstand ist zugleich erleichternd, verbindend wie zusätzlich belastend - schmerzhaft.
 
Einen Weg zu finden, dies zu bewältigen, ohne sich selbst zu betrügen, ohne vor sich selbst und den Tatsachen der conditio humana (in den Glauben, in Eskapismus, in Verbitterung ...) zu fliehen, trotz all dessen mitfühlender, liebender, zugewandter Mensch zu bleiben - darin liegt die Kunst.
 
Nicht Sisyphos. Sisyphos war weder Revoltierender noch Bewusster - er fügte sich: gehorsam, willenlos.
 
Kein gesunder Mensch gibt sich der Selbstverknechtung hin und interpretiert die ihm (vermeintlich) auferlegte Last zur "Chance", zur "Aufgabe", gar zum "Geschenk" um.
Sisyphos muss Narzisst und/oder Masochist gewesen sein.
 
Den Schmerz auszuhalten, heißt nicht, ihn anzunehmen, sich ihm zu unterwerfen oder gar hinzugeben.
Es heißt: ihn auszuhalten. Bewusst. So lange er nicht abwendbar, nicht endbar ist. So lange: er auszuhalten möglich ist.
 
Der Bewusste, Selbstbestimmte beendet zumindest seinen "eigenen" Schmerz - vollständig - wenn/wann er es für geboten hält. Der gesunde Mensch ist kein Masochist.
Und er hat alles ethische Recht dazu.
 
Verantwortung: ja. Aber wessen Schmerz untragbar wird, der kann auch seine Verantwortung(slast) nicht mehr tragen, ihr nicht mehr gerecht werden und somit keine Hilfe, kein Halt, kein Beistand, kein Begleiter mehr sein. Wenn er sich dem Schmerz durch vollständiges Beenden entzieht, entzieht er sich nicht seiner Verantwortung, flieht sie nicht, versagt nicht. Er beendet nur das Leiden, das seines ist, das niemand anderer für ihn trägt, tragen kann, das niemand anderer erleidet, durchleidet: wie er - selbst.
 
Wir werden alleine geboren. Wir sterben: allein, selbst - nur jeder in und mit sich selbst. Wir werden "entlebt" oder wir entleben uns selbst - selbstbestimmt.
 
Der bewusste, verantwortliche, gesunde (!) Mensch wartet nicht wie ein unbewusstes Tier willenlos, ergeben auf den Schnitter.
Der gesunde Mensch versucht nicht, gierig, unersättlich "mehr" Zeit - nicht Qualität, nicht Beständigkeit - herauszuschlagen, um noch länger dem Hedonismus, dem Eskapismus, dem Selbstbetrug zu frönen, zu erliegen - wie der Narzisst es tut.

Dem Schmerz entgeht auch und gerade der Narzisst nicht. Im Gegenteil. Der Narzisst ist immer zugleich auch Masochist und Sadist.
 
Und dabei gibt es kaum etwas, das einen so intensiv sich mit einem anderen Menschen v e r b u n d e n fühlen lassen kann, das so tief berühren kann, wie dessen (psychisch-emotionaler) Schmerz.
Grundlage dessen ist ein intaktes Mitgefühl.
 
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Mitgefühl - auch mit dem Täter ...

Ist das nicht interessant - und einmal mehr Grund dafür, Frauen weltweit paritätisch in sämtlichen gesellschaftlichen, politischen, sozialen, wirtschaftlichen, kulturellen Einfluss- und Verantwortungspositionen vertreten sein zu lassen: für ein gewaltlose(re)s, friedliches Miteinander und Gemeinwohl.
 
Wie bereits mehrfach wiederholt: Spezifisches Merkmal sämtlicher sogenannter Matriarchate (matrilinear, matrifokal lebender Gemeinschaften) ist Gewaltlosigkeit. Auch der wenigen noch heute bestehenden (Khasi Mosuo, Minangkabau ...).
 
"[...] Wenn es darum geht, Mitgefühl zu zeigen, reagieren Männer und Frauen übrigens unterschiedlich. Männer zeigen fast ausschließlich Empathie für diejenigen, die sich zuvor fair und untadelig verhalten haben, Verräter und unfaire Zeitgenossen dulden sie nicht. Frauen leiden zwar auch stärker mit den Gerechten, aber in erheblichem Maße verspüren sie ebenso Mitgefühl mit den Fieslingen. Das haben Untersuchungen gezeigt, in denen faire und unfaire Teilnehmer eines Spiels hinterher belobigt oder bestraft werden sollten. [...]"
 
Quelle des zitierten Textes: sueddeutsche.de - "Narzissten lernen Mitgefühl", farbliche Hervorhebungen habe ich vorgenommen.
 

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