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Sabeth schreibt

Poesie Melancholie Philosophie Feminismus Anarchismus

Zum Buch "Lob der Macht" von Rainer Hank bzw. zu dessen Einstellung, seiner Unkenntnis, seinen Vorurteilen, seinem verengten Blickwinkel, seiner Selbstgerechtigkeit und Ignoranz bspw. in Bezug auf Alleinerziehende und materiell Arme ("Geschäftsmodell alleinerziehend im Hartz 4-Bezug") - ein Mal mehr: ein Patriarch, der Unhaltbares behauptet

 
Nein, ich habe Rainer Hanks Buch nicht gelesen, was er im Gespräch mit Svenja Flaßpöhler (in der Sendung "Sein und Streit" vom 15.10.2017, Deutschlandfunk Kultur) äußerte, reicht mir tatsächlich schon. Im Grunde liegen seine rechtspopulistischen "Überzeugungen" und ebensolche, typische Manipulationstaktik offen zutage, daran ändert auch der Versuch, dies mittels philosophischer Krücken irgendwie vermeintlich adeln zu können, es jedenfalls zu wollen, nichts - hier legt Einer nur (unfreiwillig) offen, wie er ganz persönlich eingestellt ist: durch und durch rechtskonservativ und neoliberal, tatsächlich patriarchal.

Von Oberflächlichem, das trotzdem nervig ist, wie seiner wiederholten Bezeichnung "Katalonen" für die Katalanen einmal abgesehen, wirft er mit Behauptungen nur so um sich - ich frage mich, was davon durch welche Quellen in seinem Buch untermauert/verifiziert ist?

Ich werde im Folgenden keine umfassende Kritik liefern, möchte aber auf einige besonders misslungene Punkte bzw. Äußerungen, also Einstellungen von ihm kurz eingehen, mit denen er bekannterweise keineswegs alleine steht und die mitnichten neu sind:

Ausgerechnet Frans de Waal führt er zur Untermauerung seiner steilen These(n) an, leider wird in der Sendung nicht genannt (ich habe es zumindest nicht mitbekommen) auf welche Äußerungen, welche Bücher, welche Aussagen, Erkenntnisse, Forschungsergebnisse von Frans de Waal genau er sich bezieht. Gibt er im Buch entsprechende Quellen/Literaturangaben an? Welche?

 
Zur Aggression, ihren Ursachen, Hintergründen, empfehle ich ausdrücklich die Lektüre von Joachim Bauer, insbesondere sein Buch "Schmerzgrenze - Vom Ursprung alltäglicher und globaler Gewalt".

Überdies setzt Hank im Gesprächsverlauf das Autoritärsein mit Autorität gleich - ein absolut unverzeihlicher Fehler, es sei denn: er nimmt dies absichtlich, d.h. taktisch, also manipulativ, in genau dieser Weise vor. Ein Schelm, der Böses dabei denkt/vermutet/"unterstellt" - erkennt. ;)

Merkwürdigerweise scheint Hank in seinem Buch außerdem weder Michel Foucault noch Erich Fromm zu erwähnen - jedenfalls tat er dies im Gespräch mit keiner Silbe, wo beide doch im Zusammenhang mit dem Beschreiben, Ergründen, Einordnen, Analysieren von Macht (-willen, -streben, -bedürfnissen, -verhalten ...) als Experten ausgewiesen sind. Könnte es sein, dass deren Erkenntnisse, Analysen, Darlegungen Herrn Hank schlicht so gar nicht in den Kram - Pardon - in sein patriarchales Konzept passen?
 
Auch unterscheidet er nicht zwischen Empathie und Mitgefühl, sondern setzt beides gleich - er kennt offenbar entweder den Unterschied nicht oder er geht hier wiederum taktisch/manipulativ vor und setzt beides absichtsvoll gleich.
Die Unterscheidung der beiden Begriffe, ihrer Bedeutungen, habe ich an anderer Stelle (im blog) vorgenommen, d.h. erläutert, worin sich Mitgefühl von Empathie unterscheidet, auch hier sei u.a. auf bspw. Arno Gruen und Erich Fromm verwiesen.

Weiterhin missachtet er in seiner "Macht und Geschlecht"-, "Macht und Sexualität"-Erörterung vollständig die Fakten, die Verhältnisse in den noch heute bestehenden (wenigen, aber noch vorhandenen) sogenannten Matriarchaten sowie jene Fakten, Verhältnisse - siehe Geschlechterparität - in der Zeit vor der neolithischen Revolution, beides lässt er vollständig unerwähnt. Wohl aus demselben Grund, aus welchem er sich auch nicht auf Fromm und Foucault bezieht und selbstredend noch weniger auf Pierre Bourdieu (siehe "symbolische Gewalt", also auch: Macht, nach wie vor bestehende, schlagseitige Machtverhältnisse zwischen Frauen und Männern) oder gar Simone de Beauvoir
 
Zur Frage, warum weniger Frauen in Machtpositionen befindlich sind, kommt Rainer Hank zu ausschließlich dem einen Ergebnis, es läge an der weiblichen Biologie bzw. bedient er sich - in ebenfalls typisch rechtspopulistischer Manier - des Biologismus´, demnach käme es für Frauen dann zu Problemen, wenn sie Mütter geworden sind - er hinterfragt nicht, ob Frauen möglicherweise schlicht weniger machtgeil sind als Männer, er erwähnt nicht einmal beiläufig, dass Machtstreben zumeist eine Kompensationshandlung, ein Kompensationsbedürfnis ist und dass insbesondere narzisstische, narzisstisch persönlichkeitsgestörte Menschen ein solches Machtstreben an den Tag legen, wobei wiederum mehr Männer als Frauen eine solche Störung haben.

Mit keinem Satz hinterfragt er die bestehenden, nach wie vor androzentrischen Arbeitsstrukturen, Arbeits-, Wirtschafts- und Wohnformen, die es Müttern geradezu unmöglich machen, in verantwortliche, in also auch Führungspositionen gelangen und/oder darin bleiben zu können (nachdem sie Mütter geworden sind), sofern sie dies wollen, und er hinterfragt auch nicht, warum Sorge-Arbeit noch immer mehrheitlich von Frauen geleistet wird oder auch, dass und warum Mütter unentbehrlich, unersetzlich sind, weil es hierbei um (frühkindliche) lebenslang wirkende Bindung und Beziehung geht (die Mutter üblicherweise die erste Bezugsperson ist, aus auch biologischen Gründen, ja) und warum Mütter ihre Kinder nicht gerne, oft nicht freiwillig in immer frühere und immer längere Fremdbetreuung geben (dies aus bekannten/genannten Gründen jedoch häufig müssen), deshalb jedoch keineswegs in "traditionelle" Geschlechterrollen verfallen wollen/sollen.

Ein angemessenes, existenzsicherndes Sorge-Gehalt würde hier Abhilfe schaffen, um Sorge-Arbeit-Leistenden ihre finanzielle, wirtschaftliche Unabhängigkeit zu ermöglichen, zu gewährleisten sowie andere, zeitgemäße Arbeitsstrukturen und Wohnformen (bspw. weg von der Kleinfamilie ...).
Genau diese finanzielle, wirtschaftliche Unabhängigkeit (der Frauen, der Mütter von Männern) ist aber augenfällig (von zahlreichen Männern) nicht gewollt - u.a. deshalb plädieren Rechtskonservative und Rechtspopulisten für "traditionelle Geschlechterrollen/Rollenaufteilung", für die (patriarchalische) Ehe und eben deshalb opponieren sie gerade gegen Alleinerziehende.
 
Völlig unhaltbar wird es schließlich bei dem von ihm absichtsvoll provokativ bezeichneten "Geschäftsmodell: alleinerziehend im Hartz 4-Bezug" - spätestens an dieser Stelle wissen wir, woher der Wind eigentlich und tatsächlich weht:
 
Es geht um nichts weniger als darum, patriarchalische Verhältnisse (die eben deshalb u.a. auch neoliberale sind) aufrechtzuerhalten bzw. verschärfter wiederherzustellen, zu diesem Zwecke werden Alleinerziehende, die mehrheitlich noch immer Frauen sind, die außerdem aus zahlreichen, bekannten Gründen, die ich an anderer Stelle ausführlich dargelegt habe, häufig materiell arm (weil im Hartz 4-Bezug und/oder Niedriglohnerhaltende und - wie fast alle Frauen weltweit im Übrigen: gratis Sorge-Arbeit-Leistende) sind, diskreditiert - auf billigste, abstoßendste Weise im Übrigen.
 
Hier legt Herr Hank Zeugnis davon ab, dass er weder vom Alleinerziehendsein die geringste Kenntnis, noch weniger persönliche Erfahrung mit dem entsprechenden Lebensalltag, mit den typischen Sorgen, Nöten, Belastungen - und gerade deren Ursachen - hat, noch vom Vegetieren-, Entbehren-, Leidenmüssen in durch Niedriglöhne und/oder Hartz 4 verursachter, materieller Armut mit all ihren gravierend negativen, belastenden, beschädigenden Folgen für davon Betroffene/dadurch Geschädigte. Er trägt seine Unkenntnis bzw. sein Desinteresse für die Lebenssituation dieser Menschen und noch mehr seine Ignoranz demgegenüber demonstrativ zur Schau, dass es schon eigentlich obszön ist.
 
Herr Hank sei dennoch auf die Fakten zu Hartz 4 (Jobcenterpraktiken, vorsätzlich rechtswidriges Vorgehen derselben und ebensolche Bescheide, die Sanktionen, die grundsätzlich zugrundeliegende Schwarze Pädagogik - Druck, Zwang, Kontrolle, Schikane, Strafe, also: systematische (Staats-, Exekutiv-) Gewalt gegen Menschen - das entsprechende Menschenbild, die daraus zwangsläufig resultierende materielle Armut, die verweigerten Bildungsgutscheine für wirkliche und individuell angemessene Qualifizierung, die unlauteren Vorgehensweisen der Ärztlichen Dienste/Gutachter der Agenturen für Arbeit) sowie auch auf die Fakten zur für weltweit jede Gesellschaft unentbehrlichen, nach wie vor überwiegend von Frauen zumeist unentgeltlich geleisteten Sorge-Arbeit (Frauen, Mütter, die eben deshalb materiell arm sind, weil sie zwar Arbeit leisten, dafür aber zu gering oder auch gar nicht entlohnt werden, kein oder kein ausreichendes Einkommen haben dürfen) verwiesen, die zur Kenntnis zu nehmen er sich zweifelsohne weigert oder die er als bestehend vermutlich schlicht und bequem/ignorant und selbstgerecht leugnet - die übliche, bewährte Taktik also, mit der er wie gesagt keineswegs alleine steht, sondern in guter, neoliberaler, patriarchalischer Gesellschaft befindlich ist.
 
Das Alleinerziehenden-, Hartz 4-"Kunden"-, Unterschichtenbashing ist uns schließlich aus rechtspopulistischer Ecke - siehe AfD (deren Partei- und Bundestagswahlprogramm zu den Punkten Familie, Ehe, traditionelle Geschlehterrollen, Alleinerziehende oder auch gender studies ...), siehe Rechtspopulisten wie Thilo Sarrazin ("Deutschland schafft sich ab") oder auch die Äußerungen von Gunnar Heinsohn ("Alleinerziehende aushungern lassen" ...) - nur allzu bekannt.
 
Daher ist im Grunde beinahe Zeitvergeudung, zu erwähnen, dass auch Herr Hank einen wenigstens kritikwürdigen Arbeitsbegriff hat, der ausschließlich Erwerbsarbeit als Arbeit definiert - und diese generell für gut und richtig befindet, sei sie auch noch so sinnlos, entbehrlich, nicht selten auch sogar noch so schädigend - für nicht nur die sie ausführenden Individuen, sondern auch für ganze Gesellschaften.
 
Und noch überflüssiger, zu konstatieren, dass u.a. auch Herr Hank ein mindestens fragwürdiges, ein eigentlich katastrophales, sehr weit rechts zu verortendes Menschenbild hat, denn wo das Unterschichtenbashing seine Wurzeln hat, ist, hoffentlich, noch präsent - siehe "Asoziale, Ballastexistenzen" - die "Schwarzwinkligen" im Dritten Reich.

Sein Diffamieren von gerade und ausgerechnet Alleinerziehenden darf man getrost als recht deutlich erkennbare Misogynie bezeichnen - er würde sich unzweifelhaft gut in die Maskulisten-, die sogenannte "Väterbewegung" integrieren.
 
Ein Mal mehr das Fazit:
 
So leicht kann mann es sich machen.
 
Es scheint, insbesondere rechtskonservativ eingestellte Männer versuchen - in uralter, patriarchalischer Manier - eigene Defizite und Unzulänglichkeiten (siehe mangelhafte Fähigkeit zu Mitgefühl, Kooperation, Fürsorge, Geben, Sich-Zurücknehmen, Verzichten für andere, für deren Wohlergehen, siehe Gemeinwohlökonomie ...) manipulativ als vorgebliche Stärken zu proklamieren, zu verkaufen.
 
Rollback, backlash. Leider kann ich mich diesbezüglich nur ein weiteres Mal wiederholen.
 
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Danke - für oben verlinkten Text, Beitrag von Manuela Schon auf der Seite der Störenfriedas.
 
Meine Rede: ohne Nachfrage kein "Anbebot". Es sind nicht (mehr - oder überhaupt?!) Frauen, die "sich emanzipieren müssen" - es sind Männer, die eigeninitiativ, aus eigener Überzeugung, eigenem Wunsch bzw. Bedürfnis das Patriarchat abschaffen w o l l e n müssen. Sie sind es, die sich (seit Jahrtausenden rings um den Globus) massiv "fehlverhalten" und die daher ihr ausbeutendes, erniedrigendes, unterdrückendes, beschädigendes, gewaltvolles Verhalten ändern müssen - hin zu angemessenem, kooperativen, respektvollen, wertschätzenden, zugewandten, aufgeschlossenen, prosozialen, mitfühlendem (!) Verhalten. Längst überfällig.
 
Es sind Männer, die sich je individuell/persönlich durchaus (in ihrem Lebensalltag, täglich) entscheiden können, Frauen n i c h t als Prostituierte, als Ware, Objekt, Gebrauchsgegenstand, gratis Sorge-Arbeiterinnen, Gebende ... zu konsumieren, zu unterwerfen, zu diskriminieren, zu benutzen, zu misshandeln, zu missbrauchen, auszubeuten, zu vergewaltigen, zu manipulieren (gaslighting ...), zu töten.
 
Dass es so viele nicht tun, leigt m.E. nicht vorrangig daran, dass sie Nachteile, Repressalien, Ausgrenzung fürchten, sondern eher daran, dass es noch immer nur so wenige Männer gibt, die sich in angemessener (siehe wie oben beschrieben) Weise verhalten wollen.
 
Ja, über die Gründe hierfür sollten wir öffentlich lauter werden bzw. mehr Gehör finden - was so lange nicht passieren wird/kann, als Männer rings um den Globus genau das zu ihrem Vorteil, zur Sicherung ihrer Privilegien, Herrschaft, (Definitions-) Macht, Deutungshoheit mit allen Mitteln vermeiden, verhindern wollen und werden - und das genau deshalb können, weil nach wie vor sie weltweit mehrheitlich in Entscheidungs-, Führungs-, Machtpositionen befindlich sind.

Und aus genau diesem Grund können letztlich nur ihre Geschlechtsgenossen - also andere Männer - die Verhältnisse wirklich und dauerhaft ändern.
 
Denn leider gibt es auch noch immer zu viele Frauen, die sich nicht gegen das Patriarchat stellen - wollen oder können, eben deshalb, weil sie erheblich darunter zu leiden hätten (inklusive Vernichtung ihrer Existenz) und/oder weil sie so massiv indoktriniert sind, dass sie ihre Unterwerfung nicht erkennen (können oder auch wollen ...).
 
Nur wenn eine weltweite Mehrheit von Frauen Männern den Rückhalt, die Vergünstigungen, die Erleichterungen, das Umsorgt- und Bestätigtwerden, auch die "Sexdienstleistung", das Rücken-frei-Halten etc. entziehen würde (und es strafffrei/ohne beschädigt zu werden könnte), wäre das ein geeignetes "Druckmittel" - ohne Druck, nur mit Bitten, Auffordern, Aufklären, Informieren, Erläutern: scheint kaum etwas zu bewirken zu sein - oder nur oberflächlich, aber nicht wirklich (siehe, was alles noch immer wie sehr im Argen liegt, auch in Deutschland).
 
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