Overblog Folge diesem Blog
Edit post Administration Create my blog
Sabeth schreibt

Sabeth schreibt

Poesie Melancholie Philosophie

Wenn Politik - im Wahlkampf - zum Revuespektakel verkommt, wird Demokratie zur Farce - Über TV-Duelle, twitternde Politiker, Meinungsumfragen vor Wahlen ...

 
Wenn Politik - im sogenannten Wahlkampf - zum Revuespektakel verkommt, wird Demokratie zur Farce - Über TV-Duelle, twitternde Politiker, Meinungsumfragen vor Wahlen
 
Ich halte von all den TV-"Duellen" gar nichts. Es wird Politik als Spektakel inszeniert, es geht dabei kaum bis gar nicht um Inhalte, Argumente, sondern darum, wer die "bessere" Polemik ausspielt und sich glatter selbst inszenieren "kann" (als würdigungswerte Fähigkeit ist solches nicht zu bezeichnen, eher als charakterliches Armutszeugnis).
 
Wenn "das Volk" also auch via Wahlkampfspektakel unterhalten (!) werden will, wird entsprechend geliefert.
 
Ebensowenig halte ich vom - sogar geforderten - Twittern, nicht nur, aber gerade auch von Politikern (gleich, ob Wahlkampf ist oder nicht) - als hätten diese nicht anderes zu tun, ihre Zeit nicht viel eher dem Erforderlichen, d.h. politischen Angelegenheiten, Problemen, Herausforderungen zu widmen, ihre Zeit, Aufmerksamkeit, Energie und ihr Tun dahinein zu investieren, statt im Rahmen von 140 Zeichen komplexe Sachverhalte nicht nur waghalsig und gratwandernd (weil fast zwangsläufig propagandistisch, jedenfalls: oberflächlich) zu komprimieren, sondern überdies reduktionistisch in mundgerechten Happen aufzubereiten.
 
Politik erscheint zwar häufig leider als Zirkus, sollte zu einer solchen Marktschreier-/Rummelplatzrevue meines Erachtens jedoch gerade keines Falls (noch mehr) verkommen.
 
Schluss daher nicht nur mit den unsäglichen Meinungsumfragen (vor Wahlen), sondern auch mit TV-Inszenierungen von/mit Politikern und mit twitternden Politikern.
Denn all das hat nichts mit Seriosität zu tun und ein Staatsvolk, das auf solche Weise "Demokratie" spielen will, ein solches Politikverständnis (?) hat, ist nur intensiv zu beklagen - gleichermaßen zu bedauern.
 
-
 
"[...] Umfragen können irreführend und sogar verfälschend wirken. Meinungsforscher haben in der letzten Zeit schon mehrfach versagt und es gibt wenige Gründe anzunehmen, dass solche Irrtümer nicht auch in Deutschland passieren können. Tatsächlich gab es sogar schon extremere Fälle, etwa als die FDP zur Landtagswahl im Saarland 1985 auf weniger als zwei Prozent geschätzt wurde, am Ende aber um die zehn Prozent erhielt.
 
Als Forscher habe ich mich lange mit der Aussagekraft von Umfragen beschäftigt. Schließlich habe ich selbst versucht, bessere Prognosen zu erstellen. Ich errechnete Mittelwerte aus den Ergebnissen der Forschungsinstitute, ich gewichtete die Institutsergebnisse mithilfe der Genauigkeit früherer Vorhersagen. Doch je länger ich an der perfekten Umfrage feilte, desto mehr drängte sich mir die Frage nach dem Wozu auf.
Meinungsforschung macht auch selbst Meinung. Sie kann, ob gewollt oder nicht, Wahlen beeinflussen. Dafür gibt es jede Menge Beispiele. Wird eine Partei dauerhaft auf unter drei Prozent geschätzt, liegt es für den taktisch denkenden Wähler nahe, die Stimme einer größeren Partei zu geben, um sie nicht zu verschenken. Prognosen dagegen, die eine Partei in unmittelbarer Nähe der Fünfprozenthürde einordnen, werden nicht nur die eigenen Anhänger motivieren, sondern auch Wähler anderer Parteien zu Leihstimmen verführen. [...]
 
Wenn im Zentrum der Aufmerksamkeit der Spielstand zwischen den Spitzenkandidaten steht, dann werden tiefe inhaltliche Debatten schnell als nervtötend und anstrengend empfunden. Wenn ihnen nicht schon vorher die Relevanz verloren geht, weil das Ergebnis ohnehin schon feststeht – laut Umfragen. [...]"
 
Quelle: zeit.de - "Schafft die Wahlumfragen ab!"
 

Diesen Post teilen

Repost 0

Kommentiere diesen Post