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Sabeth schreibt

Poesie Melancholie Philosophie Feminismus Anarchismus

Mein ganz persönliches regretting motherhood

 
update 07. März 2021
 
Ich bereue kaum etwas so sehr, wie zwei Kinder bekommen zu haben:
allein alleinerziehend, unbemittelt, in Armut, sozialer Isolation krank, alternd vegetieren müssend: wegen Hartz IV und nicht als Arbeit anerkannter Sorge-Arbeit, LEISTUNG.
 
Wieviel, was alles muss eine Mutter - überzeugt ledig (keine Ehemagd), unfreiwillig alleinerziehend - eigentlich wie lange für ihre Kinder opfern, entbehren? Auf welcher moralisch-ethischen Legitimationsgrundlage?
 
Warum muss sie allein Jahre, Jahrzehnte lang (!) - Sohn wird in Bälde 28, Tochter ist 15 - die ganze Last der alleinigen Verantwortung tragen, wenn/weil es keine anderen Bezugspersonen (verantwortungsvolle, fürsorgliche, liebevolle Kindesväter und/oder Großeltern, sonstige Familie) gibt?
 
Warum wird politisch, gesellschaftlich zugelassen, dass eine solche Mutter für Kind 1 schon ihre gesamte Jugend gab, aufgab - zwangsläufig, gezwungenermaßen, eben weil sie die gesamte Verantwortung alleine trug/trägt, die ganze Sorge-Arbeit alleine unentgeltlich leistete - neben Jobs, Ausbildungen, (halbem) Studium, zahlreichen Umzügen ... - und für Kind 2 ihre "restlichen" guten, mittleren Jahre (30er und 40er)?
 
Warum muss eine solche allein alleinerziehende Mutter, Frau chronisch physisch krank über Jahre, Jahrzehnte in materieller Armut, in Hartz IV und/oder Niedriglohn vegetieren - sozial isoliert, ohne soziokulturelle Teilhabe, ohne Mobilität (da ÖPNV viel zu teuer, an Führerschein und Auto nie zu denken).
 
Warum wird eine solche Frau von zahlreichen Männern nur als gratis Fickobjekt gesehen, be-, misshandelt - denn die wenigsten wollen Verantwortung für fremde Kinder tragen.
 
Warum muss eine solche Frau noch im Jahr 2021 in Deutschland nahezu jegliche Selbstbestimmung entbehren - w e i l sie seit frühester Jugend allein alleinerziehende, l e d i g e, materiell arme Mutter, Frau ist?
 
Sie kann nicht einfach in Freizeit tun, unternehmen, was sie wann wie will, was ihr guttut - sie muss immer Rücksicht nehmen: auf Kleinkind(er), auf ältere Kinder. Sie muss sich selbst ein "soziales Netz" basteln, wozu sie wiederum mobil sein können muss und idealerweise nicht arm ist.
 
Sie kann sich beruflich nicht entwickeln, entfalten, sie kann sich nicht bilden, aus-, fortbilden, studieren, wie sie gerne möchte, gewollt hätte, als noch Zeit dafür war - weil sie bedürfnisorientiert fürsorglich und verantwortungsvoll mit zwei Kindern allein alleinerziehend "Umgang hatte".
 
Sie kann nicht reisen, sie kann mit Kind/ern nicht (mehr) trampen, sie findet mit Kind/ern weniger leicht einen existenzsichernden Job, eine Wohnung, einen Partner, Gefährten.
Sie ist gebunden: an Kind/er, durch die Kinder - seit ihrem 19. Lebensjahr: nontsop.
 
Sie hat ihre besten Jahre gegeben: zwei Kindern, wovon eines ihr das Sorgerecht entziehen ließ, weil es im Alter von 16 Jahren einen Umzug nicht mitvollziehen wollte, weil Jugendamt nicht minimalst unterstützt hat, weil es keine weiteren Bezugspersonen - für Kind/er und Mutter - gab, gibt und: obwohl keine Kindeswohlgefährdung, gar -schädigung vorlag.
 
Als allein alleinerziehende, mitfühlende, verantwortungsvolle Mutter, Frau, Partnerin bist du es immer, die gibt, fürsorglich ... ist. Wer, welcher Mann, geht wann mal bedürfnisorientiert-fürsorglich, liebevoll, verantwortungsvoll, wertschätzend mit d i r um?
 
Als (alleinerziehende) Mutter bist du auch ein bedürftiger, verletzlicher, belasteter, versehrter Mensch - bedürfnisorientiert fürsorglich, alleine Verantwortung tragend, etliche Entbehrungen leistend: Jahre, Jahrzehnte lang.
Keine eierlegende Wollmilchsau. Keine Maschine.
 
Aber was "kommt zurück"? Welches Mitgefühl, welche Anteilnahme, welches prosoziale Verhalten, welche Wertschätzung, Hilfsbereitschaft, Unterstützung, welcher Gemeinsinn, Verantwortungsbewusstsein?
Nada. Niente. Nothing.
Wie so auch bereits von den eigenen "Eltern".
 
regretting motherhood !
 
ICH WILL NICHT MEHR.
Was heißt das denn, Opfer zu bringen, zu entbehren, Verzichte zu leisten für zwei Kinder, über Jahre, inzwischen fast drei Jahrzehnte? Bring´ doch dafür mal ein paar konkrete Beispiele, Else, mach´ es doch mal anschaulich, nachvollziehbar!
 
Gut, Beispiele, beziehen sich nun hauptsächlich auf Tochter, da ich mit ihr aktuell noch zusammenlebe und weil Sohn schon seit 11 Jahren aus dem Haus ist.
 
- gerade letzte Woche war Tochter (nach einem Jahr) endlich mal wieder beim Friseur, €26,- nur für Spitzenschneiden und das war noch "günstig". Müsste für sie sonst, bei anderen Friseuren, schon den vollen Erwachsenen-, Damenpreis zahlen - hier im Stadtteil sind das um die €50,- aktuell. Mit anderen "günstigen Friseuren" haben wir schon wiederholt negative Erfahrungen gemacht.
 
Ich war 2017 das letzte Mal beim Friseur und davor auch stets nur ein Mal im Jahr, wie so auch Tochter. Seitdem schneide ich mir die Haare selber - entsprechend sieht es aus.
 
- Kind (Tochter) wollte nun auch mal Schminkzeug, ich schminke mich nie, habe sowas daher auch nicht. Letztes Jahr für Kind Schminkgrundausstattung (Bio-Schminke) im Wert von ca. €120,- gekauft.
 
- Kind wünschte sich vor Jahren ein Skateboard - hat sie bekommen, angeblich neu, aber leider ein Billigteil, ging nach zweimaliger Benutzung kaputt - Holz abgesplittert und es fährt von Anfang an schief, kriege das mit T-Schlüssel nicht behoben.
 
- Kind wünschte sich Rollschuhe, hat sie bekommen - neue von BTFL.
 
- Kind wünschte sich Meerschweinchen - hat sie bekommen, mit großem Gehege und Zubehör; mussten wir dann wieder abgeben, weil in der Haltung zu teuer: Heu und nur Frischfutter (kein Trockenfutter) für zwei, später drei Tiere, um die €45,- je Monat, Gehege aus Holz und Zubehör teils neu, teils gebraucht angeschafft, kostet auch Geld.
 
- Kind brauchte einen Schreibtisch, auch mal sowas wie ein, zwei Teppiche (gebraucht gekauft, gewaschen) für ihr Zimmer, "Vorhänge" (hier sind das Tücher, bunte Pareos vor den Fenstern), diversen "Kleinkram", bspw. Poster, Taschen, Rucksack, Stifte, Schränkchen/Kleinkommode für Krimskrams, dann auch sowas wie
 
- Malzeug: bspw. Wasserfarbkästen, Acrylmalfarben, bisschen Bastelkram, zuletzt Pastellmalkreiden mit passendem Papier, dazwischen auch mal Garn für Freundschaftsbänder, sowas wie Springseil, Hüpfpferd, Schaukelpferd (als sie noch klein war)
 
- Kind wünschte sich früher Spielzeug (Puppenhaus aus Holz, Duplo-Sachen, Stofftiere, Puppen und Puppengeschirr, -kleidung, Puppenwagen, Kaufladensachen, Brettspiele etc.) - hat Kind bekommen: alles secondhand angeschafft, so auch
 
- Kleidung, sogar zeitweilig Schuhe (ich auch sowie auch meine Kleidung und Möbel: secondhand-Ware) und inzwischen auch BH´s (auch sowas habe, trage ich selbst nicht)
 
- Kind ging gelegentlich (vor Corona) mit Freundinnen ins Kino
 
- Kind isst im Sommer häufiger Eis: zwei bis drei Kugeln von der Eisdiele
 
Ich gehe nie aus, weder ins Kino noch Theater, Konzert, Ausstellung, ich gehe nie in ein Café, Restaurant - seit mindestens 15 Jahren nicht mehr: HartzIV, aber auch davor nur sehr selten.
 
- Kind hat eine Schülerfahrkarte und ein je Alter/Größe passendes Secondhand-Fahrrad. Ich habe keine Fahrkarte für den ÖPNV, kann ich mir seit acht Jahren nicht mehr leisten, davor auch schon kaum.
Ein Fahrrad habe ich mir letzten Herbst secondhand gekauft, für €45,- (leicht defekt) - nach mehr als 20 Jahren habe ich nun wieder ein Rad.
 
- Wir gehen nie "shoppen". Alles, was Tochter braucht, wünscht, versuche ich secondhand via Internet zu beschaffen, auch ihren Modewünschen so weit es möglich ist zu entsprechen.
 
- Ausflüge: sind hier unmöglich, gibt es: nie.
 
- Urlaube: gibt es nie, gab es mit beiden Kindern: nie.
 
Mein letzter Urlaub liegt 35 Jahre zurück, war in meiner Kindheit - mit meinen Pflegeeltern in Österreich.
Außer Österreich (Tirol, Burgenland - wunderschön!) und ein bisschen Schweiz (Wallis - ein Traum!) habe ich von dieser Welt nichts gesehen, auch noch nie je in einem Flugzeug gesessen.
 
Das sind nur einige Beispiele. Davor war es mit Sohn schon ähnlich - unser gesamter Haushalt: Secondhandware - Kleidung, Möbel, Bücher, Hausrat.
 
Und wie, meint ihr, geht all das: in langjähriger materieller Armut (schon lange vor Hartz 4), alleinerziehend, ohne familiäre Unterstützung und seit 15, nun 16 Jahren im Hartz-Vollzug?
Wer, meint ihr, verzichtet da also ... ? Exakt.
 
Der einzige "Luxus", den wir uns, ich auch mir, leiste, sind Bio-Lebensmittel. Auch hier isst inzwischen, aufgrund von Pubertät, Wachstum ..., meine Tochter mehr als ich.
Ich kann auch krankheitsbedingt kaum noch etwas essen. Folge: kontinuierlicher physischer Verfall, Muskelabbau (sichtbar), Gewichtsverlust, untergewichtig, mangelernährt.
 
Mit Lebensqualität, Lebensfreude, Genuss hat all das schon lange nichts mehr zu tun.
 
Sorge-Arbeit: gratis geleistet seit nunmehr 28 Jahren nonstop - alleine. Daneben jobbend, in Ausbildungen und Studium befindlich gewesen, zahlreiche Umzüge bewältigt habend - und noch einiges andere mehr: mehrere Gerichtsverfahren (Sozialgericht, Finanzgericht, Familiengericht, Amtsgericht - zumeist ohne anwaltliche Vertretung, da schon PKH verwehrt wurde), Behördenschikane, Kampf gegen permanente Jobcenter-Beschädigungen.
 
Keine Eltern. Kein sozialer Rückhalt, Beistand, Unterstützung, Entlastung. Keine Wertschätzung. Keine Liebe. Keine Gefährten.
 
Soziale Isolation in Armut und physischer chronischer Krankheit. Kein Zugang zu medizinisch erforderlicher, hilfreicher (wenigstens symptomatischer) Behandlung.
 
Else, wie oft, lange noch willst du immer und immer dasselbe schreiben, offenlegen, dokumentieren? - So lange, als diese "Missstände" bestehen, sie nicht nur mich und mein(e) Kind(er) beschädigen und: so lange ich noch existiere, vegetiere.
 
Habe ich also noch immer nicht genug ertragen, durchlitten, bewältigt (von Kindheit, meiner, noch gar nicht gesprochen ...)?
Habe ich mich nicht genug bemüht, gekämpft?
 
WAS VERFICKTE SCHEISSE SOLL ICH N O C H AUSHALTEN.
 
Übrigens: Ich saufe nicht, rauche nicht, kiffe nicht, nehme auch keine anderen Drogen. Ich bin nicht übergewichtig, nicht kriminell geworden - trotz all der Belastungen.
Im Gegensatz zu etlichen Menschen, die ich kenne, die drogensüchtig sind, mindestens saufen (ja: Alkoholiker), kiffen, rauchen ... .
Und im Gegensatz zu meiner biologischen "Mutter" - der Säuferin. Die nicht einmal ihren Teil ihrer Verantwortung für ihre Tochter getragen hat - nie je. Weshalb ich bei mehreren Pflegeeltern aufgewachsen bin und zwei "Internate besuchte".
 
Biologischer Vater: unbekannt. Hat sich nie für mich interessiert, nie gekümmert. Ich habe ihn noch nie je gesehen.
 
Pflegeeltern: beide längst verstorben.
 
Biologische "Eltern": machen´s sicher auch nicht mehr lange, denke ich - altersbedingt.
 
Trotz all dessen: war ich ein gesundes, vitales, fröhliches Kind, Mädchen, gut in der Schule, hatte Freundinnen, Hobbies, habe immer gerne und regelmäßig Sport gemacht.
 
Ab dem Zeitpunkt, da ich - vorübergehend - bei meiner biologischen "Mutter" "lebte": fing die soziale Isolation und auch physische Krankheit an, später dann durch die beiden Kleinkinder und die Armut.
 
-
update 14. Mai 2022
 
Nochmal zu den zahlreichen geleisteten Verzichten und Entbehrungen von Müttern, jedenfalls dann, wenn sie allein alleinerziehend, ledig und unbemittelt sind, zu über Jahre, Jahrzehnte geleisteter bedürfnisorientierter Fürsorglichkeit, Verantwortung:
 
- Tochter war letztes Jahr im Sommer, mit 15 Jahren, zum ersten Mal in ihrem Leben in einem Restaurant, einem Bistro: Essen. Mit ihrer Freundin.
Niemals je zuvor mit ihrer Mutter. Kein Geld für zwei ... .
 
- Tochter war kürzlich, mit 16 Jahren, mit Freundinnen auf dem "Dom" (Hamburger Kirmes, Jahrmarkt, hier so bezeichnet), sie hat dort knapp €60,- ausgegeben.
 
All das und das im älteren thread bereits Genannte, ist nur möglich, weil die Mutter verzichtet: bei sich selbst.
Und das geht ETLICHEN unbemittelten Müttern im reichen Deutschland genau so! Soviel nochmal zum Mütterbashing.
 
Aber g e m e i n s a m können meine Tochter und ich nichts unternehmen.
Ich: sowieso nicht(s). Hartz IV, Armut, unten
 
- Tochter hat vor ca. 2 Jahren Bio-Schminke im Wert von insgesamt ca. €150,- bekommen, kürzlich auch ein Parfum.
Ich habe mir selbst in meinem ganzen Leben, bis heute nie Schminke für auch nur €100,- gekauft und hatte mit 16 noch kein Parfum.
 
- Tochter kann auch gelegentlich zum Friseur gehen, ich schneide mir die Haare seit 2017 regelmäßig selbst, weil ich nicht auch noch Friseur für mich bezahlen kann.
 
- Tochter hat auch das weit bessere secondhand-Handy als ich.
 
Und nochmal: Ich rauche, saufe, kiffe nicht, werfe keine Pillen ein, trinke seit Jahren nicht mal mehr Kaffee, weil ich ihn nicht mehr vertrage - aber es ist Kaffee da: für Tochter, weil sie gelegentlich Kaffee trinken möchte.
 
Aber klar: Müttern wie mir sollte man die Kinder wegnehmen. Weil sie ihnen, Zitat gelöschter twitter-account "MaedchensOpili":
"kein lebenswertes Leben zu ermöglichen in der Lage sind".
 
SO läuft das. Immer noch. Im maximal destruktiven, gewaltvollen Patriarchat. Frauen, Mütter attackieren, herabsetzen, entwerten, schwächen, beschuldigen, beschädigen.
 
Ihr seid so erbärmliche Wichte.
 
-
Was dem am 14. Mai 2022 vorausgegangen war:
 
Jemand - der account "MaedchensOpili" wurde inzwischen gelöscht - hatte mir am 14.05.2022 bei twitter, anonym, wie üblich, "vorgeschlagen", meine sechzehnjährige Tochter in eine Pflegefamilie zu geben, da ich, Zitat gelöschter account: "nicht in der Lage" sei, "ihr ein lebenswertes Leben zu ermöglichen".
 
Nachfolgend einkopiert meine Repliken auf diesen Ratschlag:
 
Ganz sicher nicht - sie ist 16. Und ich wollte meine beiden Kinder nie weggeben - nicht nochmal das erleiden, das ich erleiden musste. Nicht, weil meine Pflegeeltern so schlecht waren, sondern weil es eine existenziell lebenslang prägende "Sache" ist - wurzellos.
 
Und es gibt eine viel einfachere, bessere Lösung: für alle ähnlich Betroffenen, Frauen, Mütter, Alleinerziehenden, Familien in Armut: mehr Geld, somit immense Entlastung, überhaupt erst Mobilität, Teilhabemöglichkeit hierdurch - Lebensqualität.
 
Aber "interessant" und typisch: Der erste Gedanke ist: Wie kann man die Kinder von ihren Eltern wegorganisieren. Nicht und stattdessen: Wie kann man Familien so helfen, dass sie gut zusammenleben können: Armut beheben. Mütter stärken, entlasten.
 
Und wenn man schon feststellt, dass jemand am Ende seiner schon rein physischen Kräfte ist, ist es ganz gewiss das Beste für diese Person, ihr noch zusätzlich in die Visage zu treten.
Vielleicht lässt du deinen Sadismus fachärztlich behandeln.
 
Deine empathielose Ignoranz lässt noch viel tiefer blicken. Deine bösartigen, herabwürdigenden, absichtsvoll verletzen wollenden Unterstellungen - "nicht in der Lage, deinen Kindern ein lebenswertes Leben zu ermöglichen" - noch weit tiefer.
 
Und nein, das hat in der Tat nichts mit Schuld, Schuldfrage zu tun, sondern mit Ursachen. Und nicht nur, aber auch hier sind die Ursachen letztlich alle auf materielle Armut, Hartz IV und eben hieraus resultierende Folgen zurückzuführen - angefangen von der fehlenden Mobilität, somit soziokulturellen Teilhabe, über damit einhergehenden, nicht möglichen Zugang zu medizinischer Behandlung in Facharztpraxen, Freizeitaktivitäten, Sozialkontakten, Abwechslung, neuen Eindrücken, bis hin zu fehlendem Geld für Zugang zu anwaltlicher Vertretung - die in den meisten, wenn nicht allen Fällen, jedenfalls meinen, gar nicht vonnöten wäre, da ich den gesamten Jobcenter-Kampf (Widersprüche, Klagen ...) dann nie hätte führen müssen, da ich den aktuellen Stress mit der Jugendmusikschule und allen involvierten Behörden(stellen) nicht hätte usw..
 
Darauf entgegnete der gelöschte account, u.a., ob mir mehr Geld helfen würde und was denn passiere, wenn ich dieses nicht erhielte, wenn es, Zitat "nicht kommt".
Meine Replik hierauf:
 
Ja, stelle diese Frage doch gerne unserer Regierung und Gesellschaft. Denn diesen gilt Sorge-Arbeit nichts - nicht als unentbehrliche, unersetzliche Arbeit, Leistung.
 
Stelle diese Frage Kinderschutzverbänden, Jugendämtern, Politikern:
Warum sie sehenden Auges Kinder und Jugendliche leiden lassen: Kinderarmut ist immer auch Mütterarmut - weltweit. Eben deshalb, weil Frauen Mütter sind und für ihre Arbeit, Leistung kein Einkommen erhalten, schon gar kein existenzsicherndes, sind sie weltweit mehrheitlich von Armut betroffen, belastet, beschädigt.
 
Und auf die Idee, die Mütter zu stärken, weil es Kindern nur dann gut gehen kann und wird, wenn es auch ihren Eltern gut geht, kommst du erst gar nicht.
Auch nicht darauf, dass Mütter auch Menschen sind - keine Versorgungsmaschinen, die beliebig benutzbar sind.
 
Und welche, wie zahlreiche Entbehrungen Frauen, alleinerziehende, mit Armut belastete Mütter über Jahre und Jahrzehnte für das Wohlergehen ihrer Kinder leisten, interessiert dich auch nicht im Mindesten, diese Tatsache übergehst du: vollständig.
 
Aber dafür, dass diese Frauen, Mütter Jahre und Jahrzehnte auf eigene ausreichende, gesunde Nahrung, auf Teilhabe, Freizeitgestaltung, Mobilität, Sozialkontakte und zahlreiches "Alltägliche" verzichten, damit einiges davon wenigstens ihren Kindern möglich ist, sollen diesen Frauen, Müttern dann auch noch die Kinder weggenommen werden - drauf geschissen, d a s s sie offensichtlich "gute Mütter" haben: bedürfnisorientiert! fürsorgliche, verantwortungsvolle, liebevolle.
 
Und nochmal randläufig: Das aktuelle Problem mit bspw. der Jugendmusikschule - von dieser geforderte Gebühren für zwei Monate, obwohl meine Tochter den Unterricht gar nicht in Anspruch genommen hat und ich nachweislich (vorhandene e-mail-Korrespondenz, die das beweist) im Vorhinein, vor der Anmeldung, intensiv, eigeninitiativ darum bemüht war, jegliche Kosten zu vermeiden - habe ich, weil ich meiner Tochter Unterricht an selbiger, im Rahmen unserer finanziellen Situation, ermöglichen wollte.
Meiner Tochter. Nicht mir. Genau.
 
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update 14. Mai 2022
 
Meine Tochter hat keinerlei Erinnerungen mehr an unsere Zeit in Heidelberg, als ich mit ihr noch regelmäßig in die Natur ging: in den Wald, in den Weinbergen spazieren, zum Bierhelderhof den schönen Weg von Rohrbach aus, in den Wald in Sandhausen, auf die Neckarwiese ... .
 
Von diesen Spaziergängen und Spielplatzbesuchen abgesehen waren wir zweimal im Heidelberger Zoo, weil wir dort damals keinen Eintritt zahlen mussten. Hartz IV
 
Wir waren zweimal im von mir seit meiner eigenen Kindheit so geliebten Luisenpark in Mannheim und ein Mal fuhren wir mit der Bergbahn zum "Märchenparadies" auf dem Königstuhl.
Ein einziges Mal war ich mit ihr im Freibad, in Leimen.
 
Seit wir wieder in Hamburg wohnen, seit 2013, seit neun Jahren also, haben wir nichts gemeinsam unternommen. Nichts, außer ein paar Spaziergänge auf den immer gleichen zwei, drei Wegen hier im Stadtteil.
Da ich mir den ÖPNV nicht leisten kann, auch keine Gebrauchtfahrräder für uns beide, so hatte all die Jahre nur meine Tochter ein jeweils größen-, alterspassendes Gebrauchtrad.
 
Meine Tochter hat nichts erlebt, keine Abwechslung, keine Ausflüge in umliegende Natur, Umgebung, keine kulturellen Veranstaltungen, keinen Urlaub in Nachbarländern. Nichts.
 
Sie kennt nicht einmal die Stadt, in der sie seit neun Jahren "lebt", wohnt - nur unseren kleinen, außerhalb gelegenen Stadtteil.
Sie war noch nie an der Nord- oder Ostsee, noch nie im Harz, in der Lüneburger Heide, nie am Meer, nie in den Bergen.
 
Und genau so war es auch schon bei meinem inzwischen 29-jährigen Sohn, mit dem ich seit meinem 19. Lebensjahr ebenfalls allein alleinerziehend war.
 
Woran werden meine Kinder sich einmal erinnern, wenn sie (noch) etwas älter sind, wenn sie vielleicht eigene Kinder haben, wenn sie auf ihre Kindheit zurückblicken - woran werden sie sich erinnern, wenn sie an ihre (dann verstorbene) Mutter denken? An all die leeren, toten Stunden in Wohnungen.
 
Alles, das in ihrer Kleinkindzeit war, erinnern sie nicht - gemeinsames Keksebacken. Basteln ging schon nie, weil ich dafür keine Begabung habe und man auch dafür einen Grundstock unterschiedlicher Grundmaterialen braucht - und den Platz dafür.
 
Meine Tochter will längst schon keine Spaziergänge im Stadtteil mehr mit mir machen. Verständlich. Auf den Spielplatz geht sie auch nicht mehr. Klar.
 
Mein Sohn will seit seinem 16. Lebensjahr keinen Kontakt zu/mit uns, leider vor allem auch nicht zu seiner (Halb-) Schwester.
 
Seit 13 Jahren habe ich keinen Sohn mehr, hat meine Tochter keinen Bruder.
Großeltern oder andere Familie gibt es nicht.
Perspektive: gibt es nicht.
Nur noch Vegetieren, Abmagern, Krepieren in der Kammer.
 
Hartz IV
Je suis Ballastexistenz
Zu vernichten.
 
Dreißig Jahre, seit deinem 19. Lebensjahr, deine gesamte Jugend, vitalen Jahre, hast du fürsorglich g e g e b e n: zwei Kindern. Alleine.
 
Du hattest schon keine Eltern - fürsorglich, verantwortungsvoll, liebevoll, sie haben dich beide abgeschoben, ignoriert, im Stich gelassen.
 
Männer: woll(t)en dich letztlich immer nur ficken.
 
Wer geht eigentlich je mal mit dir wertschätzend, fürsorglich, liebevoll, gebend um - mit dir, als Frau, als Mutter, als Sorge-Arbeit-Leistende, Verletzliche, Versehrte.
 
Du, ledig: wirst lebenslang mit Armut b e s t r a f t.
 
-
Aktualisierung am 30. April 2019
 
LiebeN bedeutet nicht Unterwerfung - weder aktiv noch passiv.
 
Wer liebt, gerne, von Herzen g i b t (materiell, immateriell, emotional, sozial), sorgt (bedürfnisorientiert fürsorglich ist), Verantwortung für den geliebten Menschen - gleich ob Kind, Partner, Freunde, Eltern ... - trägt, sich mit ihm befasst, auseinandersetzt, ist und bleibt dabei auch selbst bedürftig. - Du kannst nicht endlos nur geben und deine eigenen natürlich menschlichen Bedürfnisse (nach Fürsorge, Nähe, Wertschätzung, Zuwendung, Beistand, Rückhalt, Verbundenheit ...) übergehen l a s s e n, du wirst dadurch verbraucht, du wirst davon krank und (schneller) alt.
 
Als Frau, als - alleinerziehende, ledige, unbemittelte - Mutter bist du es zumeist, die gibt, sorgt, Verantwortung trägt, verzichtet, kämpft, erträgt, bewältigt ... : viele Jahre lang, jeden Tag - bis zum physischen und psychischen Zusammenbruch. Weil du kaum etwas zurückerhältst, weil Kinder nicht deine Bedürfnisse erfüllen können, es auch nicht sollen.
Ein Kind ist kein Partner, auch kein Partnerersatz. Kinder sind auch nicht die Freunde ihrer Eltern und umgekehrt.

Du gibst - und entbehrst, verzichtest. Jahre, Jahrzehnte lang. Jeden Tag.
Sie gehen aus dem Haus und ihrer Wege. Du bleibst alt, krank, verbraucht zurück und vegetierst, stirbst nur noch in Krankheit und Armut, w e g e n beidem.

"Mehr": war es nicht.

Ich habe mein Soll erfüllt. Seit meinem 19. Lebensjahr: mit zwei Kindern allein alleinerziehend in materieller Armut und inzwischen langjährig chronisch physisch krank.
 
Es gibt hier keine Mobilität, keine soziokulturelle Teilhabe, keine "Förderung" (durch Jobcenter bspw.), keine Perspektive auf je nochmal eine Verbesserung der Situation, nicht einmal auf die notwendige medizinische Behandlung (ebenfalls wegen der Armut, ihrer Begleiterscheinungen und Folgen, wie bspw. fehlende Mobilität, Nichterreichbarkeit von Facharztpraxen).
 
Es gibt hier keine "Resilienz" und keine Selbstwirksamkeit mehr.
Irgendwann ist einfach keine Kraft (zum Aushalten, Durchhalten, Ertragen, Kämpfen, Bewältigen) mehr vorhanden - weder physische noch psychische. Insbesondere dann nicht, wenn es keinen familiären, sozialen Beistand, Rückhalt gibt.
 
Wenn du jung, gesund, vital, attraktiv und naiv, aber alleinerziehend und arm bist, "findest" du noch "ausreichend" Männer, die dich ficken wollen, aber auf Beziehung und Verantwortung (für ein fremdes Kind) haben sie üblicherweise, mehrheitlich keine Lust.
 
Wenn du alt, krank, nicht mehr attraktiv, nicht mehr naiv, aber zusätzlich alleinerziehend und arm bist, willst du nicht mehr - noch zusätzlich - gefickt werden.
 
Du möchtest Wertschätzung (!), nicht-paternalistische, sondern bedürfnisorientierte, respektvolle Fürsorglichkeit, Nähe, Vertrautheit, Intimität, Leidenschaft(en), Zärtlichkeit, Mitgefühl (statt Mitleid), Verlässlichkeit, Verantwortung, Verbundensein, (mentale, intellektuelle) Anregung, Austausch - du möchtest einen Gefährten. Gleich, ob du jung warst oder alt bist.
 
Deine Kinder können und sollen dir solche Gefährten niemals sein. Dass einige Eltern das anders sehen, wollen, sich wünschen und ihre Kinder entsprechend behandeln, d.h. missbrauchen, ändert daran nichts.
 
Es ist anstrengend, sich allein und in materieller Armut um Kinder zu kümmern. Es ist Arbeit. Es ist Leistung. Und sie schwächt, verbraucht, insbesondere dann, wenn du selbst kaum je einmal regenerieren, auftanken kannst: physisch und psychisch-emotional. Wenn du alles alleine organisieren, ertragen, bewältigen, verantworten musst und dabei das Geld nicht einmal für ausreichend gesunde Nahrung für die Kinder und dich vorhanden ist, obwohl du schon Jahre und Jahrzehnte selbst zurücksteckst, verzichtest, entbehrst.
 
Du erhältst dafür weder von "Staat", Regierungspolitik noch Gesellschaft noch deinen Kindern Anerkennung, Wertschätzung.
Nichts. Nada, niente, nothing.
 
Du vegetierst nur noch: krank, alternd, sozial isoliert in Armut. Bis du schließlich krepierst.
 
Frau, Mutter, Sorge-Arbeit-Leistende - ledig, arm, alleinerziehend, seit 27 Jahren nonstop (im Jahr 2020). In Deutschland.
 
Um Missverständnissen vorzubeugen: Ich wollte nie heiraten und nie einen "Versorger". Und so bis heute. Was fair/geboten wäre: ein existenzsicherndes Sorge-Gehalt (keine Herdprämie) für alle Sorge-Arbeiter_innen, auch häuslich Pflegende und ein echtes, menschenwürdiges BGE.
 
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September 2017
 
Nicht, dass ich sie "nachträglich" nicht hätte haben wollen (obwohl ...) - aber regretting motherhood überkommt mich in den letzten Monaten zunehmend - jetzt "erst", nachdem Kind 1 schon 24 und längst aus dem Haus ist und Kind 2 auf dem Weg in die Pubertät - und mich das Altern so schnell einholt, dass mir infolgedessen umso bewusster wird, wie wenig Zeit ich tatsächlich für mich alleine hatte. Ja, JETZT "erst" tut mir das Leid.
 
Jetzt, da ich meine Pflicht mehr oder weniger getan habe. Fast meine gesamte Jugend meinen Kindern gegeben. Irreversibel.
Die Zeit der Vitalität, der Anfänge, der offenen Türen, der Egozentrik, der Unvernunft ... .
 
Das Problem sind/waren nicht die Kinder, ist nicht Mutterschaft als solche, das Problem, die Last, ist das a l l e i n Verantwortlich-, Zuständigseinmüssen und die "misslichen" Umstände, Lebensverhältnisse: materielle Armut und all ihre Folgen für auch und gerade die eigene Persönlichkeit.
 
Du hast keine Zeit, keine Möglichkeit, dich deiner eigenen Entwicklung, Entfaltung, Reifung (bewusst, aufmerksam) zu widmen und ehe du dichs versiehst, bist du jenseits der 40, alterst sichtbar, spürbar und wirst dir gewahr: das war´s. Das war "alles".
 
Es gab kaum Gestaltungsspielraum, es stand nie zur Debatte, was ich "will". Es ging immer um Pflichterfüllung, Verantwortungtragen, Existenzsicherung. Alleine.

Es ging ums Überleben (Wohnung, Nahrung, die in unserer Gesellschaft basalsten Dinge eben) und die Bedürfnisse, Wünsche, das Wohlergehen der Kinder.
Irgendwann stellst du dann fest: Da ist keine Zeit mehr, die Türen sind zu und du hast physisch keine Kraft mehr.
 
Vielleicht haben die jungen Frauen, die ihr Muttersein bereits früh bereuen, mir also einiges an Erkenntnis voraus. Ich habe 24 Jahre gebraucht (seit Geburt des ersten Kindes), zu erkennen ... .
 
Fazit: Muttersein ist in dieser Zeit in auch diesem Land - in materieller Armut, ohne Wertschätzung, Anerkennung (stattdessen wird einem mit Mitleid, Verachtung, Ignoranz begegnet) - alles andere als ein "Glück".
 
Meine Kinder würde ich nicht missen wollen, aber nochmal würde ich es gewiss nicht machen, wäre ich heute nochmal 19 (und schwanger).
 
-
 
23. Februar 2018
 
Zur Situation nicht nur, aber gerade auch vieler Alleinerziehender im reichen Deutschland, dem es doch "so gut geht", hier nochmal (m)eine Stellungnahme:
 
Unter anderen (Menschen) malocht auch die Alleinerziehende häufig in einem Niedriglohnjob oder mehreren Minijobs, ihre Kinder sind währenddessen qualitativ keineswegs gut fremdbetreut, sondern von frühester Kindheit an durch die grundsätzlich viel zu frühe Fremdbetreuung geschädigt - siehe Verlust-, Trennungsängste, Stress, gestörte oder unmöglich gemachte Bindung - die jedoch lebenslang eine so immens wichtige Rolle spielt: die sichere Bindung, das Ausbildenkönnen von Urvertrauen, das das Selbstvertrauen überhaupt erst möglich macht/zur Folge hat - und wir sehen all die persönlichkeitsgestörten Menschen, insbesondere pathologische Narzissten, ängstliche Konservative bis hin zu Tätern schwerer Gewalttaten ..., denen es an genau dieser sicheren Bindung fraglos fehlte.
 
Ich wiederhole: Es geht in neoliberaler Politik/Regierung nicht um die Kinder, deren Wohl, es geht nicht um die Mütter, Frauen (deren berufliche "Selbstverwirklichung", Freiheit, Selbstbestimmung, Gleichberechtigung, Gleichwertigkeit, Gleichwürdigkeit) - es geht rein nur um die Wirtschaft, um das Instrumentalisieren der Lohnarbeitssklaven.
 
Denn ein tatsächlich bedürfnisorientiertes Arbeiten, Wirtschaften, Handeltreiben und Wohnen, müsste ein tatsächlich (!) am Gemeinwohl orientiertes sein (und das in letzter Konsequenz auch und gerade auf das möglichst globale Gemeinwohl hin orientiert, darum bemüht). Aber es geht nicht um das Gemeinwohl, sondern um Privilegien, Profite, Gier, Geiz, Neid, Konkurrenz, Kampf, Ausbeutung, Unterwerfung, Macht, Unterdrückung.
 
Und da schließt sich der Kreis: W a r u m werden Menschen (weltweit btw) zu solchen "Monstern"? - Es liegt in ihrer Kindheit, Prägung und Sozialisation begründet, häufig eben in Schwarzer Pädagogik (die nicht nur aus Schlagen besteht, die nicht ausschließlich durch physisch sichtbare Gewalt gekennzeichnet ist) und zumeist auch in religiöser Indoktrinierung.
 
Wenn mit dem Kind nicht angemessen, d.h. je individuell bedürfnisorientiert umgegangen wird oder werden kann (weil die Eltern selbst bereits massiv beschädigt (worden) sind oder unter Druck stehen - siehe Krisengebiete, Gewalt, Armut, Elend, Not, diktatorische Regime ...), dann entwickelt es sich entsprechend: negativ - bspw. ängstlich, misstrauisch, aggressiv, gewalttätig, abwehrend, verweigernd, unkooperativ, neidisch, gierig, narzisstisch, Sucht ausbildend, Macht, Kontrolle, Unterwerfung anstrebend usw. - man nennt das allgemeinhin Kompensation, siehe außerdem Gehorsam, Identifikation mit dem Aggressor, freiwillige Knechtschaft, Selbstentfremdung (mit wiederum entsprechenden Folgen - des Suchens nach "Höherem, Übergeordnetem" aufgrund der Haltlosigkeit usw.).
 
Denn das ihm angeborene Mitgefühl ist gravierend beeinträchtigt, beschädigt, somit seine Fähigkeit zu prosozialem Verhalten auf ganz ursprünglicher Basis eben dieses Mitgefühls, intrinsischer, nicht (bspw. religiös) oktroyierter Moral.
 
Zum Nachweis des Zutreffens dessen sei immer wieder auf Erich Fromm ("Anatomie der menschlichen Destruktivtät", "Die Kunst des Liebens" ...) verwiesen, außerdem auf Alice Miller, Arno Gruen (Schmerz, Anpassung, Gehorsam ...) und Joachim Bauer ("Schmerzgrenze - Vom Ursprung alltäglicher und globaler Gewalt").
 
Und die Geschichte zeigt uns in nicht wenigen Figuren deutlich auf, was passiert, wenn Menschen eine belastende, insbesondere physisch und/oder psychisch gewaltvolle Kindheit erlitten haben: Sie werden (als einstige Opfer) selbst zu Tätern - man denke bspw. an Hitler, Stalin - oder zu Kranken - man denke bspw. an Nietzsche.
 
Es kann allerdings auch vorkommen, dass die alleinerziehende Mutter in Hartz 4 - mit ihrem Kind - vegetiert.
 
Weil:

- es ihr an einer beruflichen Qualifikation, einem berufsqualifizierenden Abschluss/Scheinchen, außerdem auch an "Kontakten" fehlt
 
- sie vom Jobcenter über Jahre keine Weiterbildung, Umschulung bzw. berufliche Qualifizierung gewährt/finanziert bekommt (da es hierauf keinen Rechtsanspruch gibt), obwohl sie zertifizierte Maßnahmen und entsprechende Träger vorlegt
 
- sie infolgedessen mittels Ein-Euro- oder Minijobs bis ins Alter bzw. bis in den Tod am Hartz 4-Tropf hängen muss - und das offensichtlich auch s o l l (anderenfalls erhielte sie ja vom Jobcenter individuelle passende Unterstützung, Stichwort "fördern")
 
- sie möglicherweise physisch chronisch krank und daher zusätzlich entsprechend beruflich eingeschränkt ist und die Jahrzehnte währende materielle Armut (inklusive aller Folgen, Belastungen, Entbehrungen und ohne jeglichen familiären/sozialen Rückhalt) diese Situation kontinuierlich nur verschlechtert, statt verbessert.
 
Sorry, dass ich schon wieder selbstmitleidvoll "gejammert" hab´, aber ja:
Ich würde sehr gerne mal Zahlen haben:
 
Wievielen Menschen es im Hartz-Vollzug eigentlich wie lange schon aus welchen Gründen wie schlecht geht: physisch und/oder psychisch. Und was das mit ihnen "macht" - mit ihrer Persönlichkeit, ihrem Selbstwertgefühl, ihrer Gesundheit, ihrem Verhalten (siehe bspw. Ängste, Rückzug, Aggression, Depression, Verzweiflung bis hin zum Suizid).
 
Warum gibt es hierzu keine Studien - nicht nur also zur "Erwerbslosigkeit", denn es ist nicht die Erwerbslosigkeit das Problem dieser Menschen, sondern: dass sie keine Zugehörigkeit haben, keine Teilhabe, dass sie keine Anerkennung und Wertschätzung erhalten und sich nicht nach je persönlichen Möglichkeiten, Fähigkeiten, Interessen, Stärken, Wünschen, aber auch etwaig vorhandenen Einschränkungen, Belastungen in die Gesellschaft einbringen können und dabei gerade n i c h t individuell bedürfnisorientiert unterstützt werden.
 
Nein, Menschen brauchen keine "Arbeit" um jeden Preis.
Nein, nicht jede "Arbeit", d.h. Erwerbstätigkeit ist besser als keine.
 
Menschen brauchen ein existenzsicherndes Einkommen und all das, das ich soeben aufgezählt habe.
 
Und dafür wiederum ist eine gute, stabile, fröhliche, lebenslang prägende und im Idealfall tragende Kindheit absolute Grundvoraussetzung - um den "Unbillen", Herausforderungen, Belastungen des Lebens überhaupt gewachsen zu sein, um sie bewältigen (!) zu können.
 
Was Menschen (gleich ob Kinder oder Erwachsene) n i c h t brauchen, was sie stattdessen belastet, beschädigt, ist:
 
bevormundender, respektloser Paternalismus, Ignoranz, Verachtung (getarnt als "Mitleid"), Beschämung, Verheizt-, Ausgebeutetwerden und Schwarze Pädagogik:

Druck, Zwang, Kontrolle, Schikane, Härte, Strenge, emotionale Kälte, Dressur, Strafe - absichtsvolles Schmerzzufügen, das man im allgemeinen Sprachgebrauch als Sadismus bezeichnet - Gewalt also: psychische und/oder physische).
 
-
 
Wir - Mütter - kennen das so gut; wahrscheinlich findet jede von uns, wenn sie ehrlich sich selbst gegenüber ist, es sich zu sein traut, in irgendeinem Teil (oder mehreren) dieses Erfahrungsberichts sich selbst wieder, kennt vieles dessen aus eigener, schmerzlicher, noch immer schmerzender Erfahrung. - All diese Schmerzen (der Mütter, aber zumeist auch zwangsläufig ihrer Kinder - siehe bspw. viel zu frühe Trennung/Fremdbetreuung u.v.a.m.): müssten nicht sein, ließen sich vermeiden, vorgeugen - w e n n in unserer androzentristischen, patriarchalischen Gesellschaft Etliches anders liefe, laufen dürfte.
Es gäbe dann sicher deutlich weniger regretting motherhood und Mütterburnout, es gäbe viel weniger traumatisierte, oft lebenslang psychisch und/oder physisch beschädigte Kinder und Mütter. Es gäbe sicher auch deutlich weniger Gewalt, weniger Täter - die selbst im Grunde (fast) alle einmal Opfer waren/wurden ... .
 
Es wären diese erforderlichen wie gebotenen, längst überfälligen Veränderungen durchaus möglich, realisierbar, lebbar: mit veränderten Arbeitsstrukturen, Wohnformen, Arten des Zusammenlebens (weg von der Kleinfamilie vor allem), mit zwangsläufig einhergehen müssend einer anderen, angemessenen, gemeinwohlorientierten Art des Wirtschaftens, Handeltreibens, aber auch: der Bildung, des Sorgens und Pflegens (siehe Sorge-Arbeit) - mit einem anderen, angemessenen Umgang mit gerade Säuglingen, Kindern, Jugendlichen, aber eben auch Erwachsenen: bedürfnisorientiert, respektvoll, feinfühlig, mitfühlend, fürsorglich, kooperativ, dabei durchaus auch widersprüchlich, ambivalent, experimentell, wandlungsfähig, offen, kommunikativ, kontrovers, mit Reibung, Differenzen, kreativ, verantwortungsvoll, wahrhaftig, ehrlich, gewissenhaft und vor allem weitsichtig, bedachtsam.

Und das ist nur möglich bei bestehender, erlangter, gelebter Geschlechterparität - o h n e: Unterdrückung, Unterwerfung, Knechtung, Instrumentalisierung, Funktionalisierung, Objektifizierung, Ausbeutung.
Kooperation, statt Kampf. Mitgefühl, statt Strafe, Druck, Kontrolle Zwang, Gewalt. Güte, statt Rache, Gier, Neid, Hass.
 
Die wenigen, noch heute bestehenden sogenannten Matriarchate zeigen, dass all das keine Phantasmen, Hirngespinste, naive, realitätsferne Utopien sind.
Im Übrigen war all das auch schon einmal Realität: vor der neolithischen Revolution.
 
Und es gibt und gab auch Männer, die das verstanden, erkannt, eingesehen haben - spontan fallen mir immer Erich Fromm und Arno Gruen, aber auch Pierre Bourdieu ein.
 
Man braucht hierfür keine Religionen, keine Dogmen - man braucht eigentlich nur Mitgefühl, Selbstreflexion, intrinsische Moral. Die Fähigkeit, sich selbst zu hinterfragen, Schmerz (über eigene Defizite ...) zulassen zu können, zu wollen, ihn auszuhalten, statt zu verdrängen oder zu überdecken (womit auch immer).

Das Wichtigste ist daher, das in jedem Menschen natürlich angelegte Mitgefühl zu fördern, zu stärken, statt es - von klein auf bereits - zu zerstören und sensible Menschen für ihr Sosein zu bestrafen.
 
Ich wiederhole: "Gerechtigkeit braucht Liebe" - Martha Nussbaum und: "Der mitfühlende Mensch kann Kriege verhindern." - Arno Gruen.

Lieben heißt geben - das wusste und schreib unter anderen auch Erich Fromm. Aber wenn einige immer nur oder überwiegend geben und sorgen und andere überwiegend nehmen und zerstören, kann das nicht gutgehen, werden darunter immer Menschen zu leiden haben. Leid, das vermeidbar wäre - siehe oben dargelegt.
 
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Die Passagen aus dem Text, die auch ich aus eigener Erfahrung kenne:

"[...] Aber das Muttersein wurde mir von vielen Seiten nicht leichtgemacht. Auch das ist etwas, das Frauen nicht ansprechen dürfen. Ich musste mein Kind, mit dem ich ein Jahr lang jede Sekunde verbracht hatte, nach einem Jahr in die Betreuung geben, um wieder arbeiten zu gehen. Ich hatte keinen Partner, der mich, der uns versorgte. Diese Trennung war für uns beide traumatisierend. Ich hatte Tränen in den Augen, sobald ich einen Kinderwagen sah. Ich wollte nicht wieder arbeiten. Ich wollte bei meinem Kind sein, dabei sein, wenn es seine ersten Worte sprach, zu Laufen begann. Stattdessen habe ich von all dem nur durch die Kindergärtnerinnen erfahren. Sie sammelten diese Erlebnisse für mich in einem Ordner. Gleichzeitig wurde von mir nach der Geburt erwartet, alle meine Interessen einfach aufzugeben und nur noch für das Kind da zu sein. Ich als Person sollte aufhören, zu existieren und mich nur noch als Mutter definieren – und nicht wenige Frauen, die ich kenne, haben genau das getan. Nur um einige Jahre später festzustellen, dass sie als Person gar nicht mehr existieren. [...]

„Du musst sie schreien lassen“, rieten mir viele, als mein Kind vier Monate alt war. „Irgendwann gewöhnt sie sich dran.“ Das ist falsch. Kinder gewöhnen sich nicht daran, dass niemand kommt, wenn sie schreien, sie resignieren. Auch Kinder werden, vom ersten Moment an, in diesen Perfektionszwang gedrängt. Ständig wird verglichen, wer sich wann wie schnell entwickelt. Dabei ist das bei jedem Kind unterschiedlich und die Bemühungen mancher Mütter, mit ihren unter Einjährigen, von Kurs zu Kurs zu hetzen, nur um es „perfekt“ frühkindlich zu fördern, erhöhen den Stress noch. [...]

Als ich dann schwanger wurde, habe ich mich sehr gefreut. Doch die Umstände waren nicht einfach. „Du musst es nicht behalten“, hieß es dann, von Familie und Freunden. „Treib doch ab“, sagten sie. Nicht wenige von ihnen waren später unter denen, die mir sagten, wenn es schwierig wurde, „das hast du dir ausgesucht“ – oder „du hast es ja so gewollt“. Ja, ist das so einfach? Was, wenn es das nicht ist, nachdem man das eigene Baby im Bauch bereits auf dem Ultraschallbild gesehen und den Herzschlag gehört hat? Haben nur Frauen in perfekten Partnerschaften oder Ehen das Recht darauf, sich über ihre Schwangerschaft zu freuen – sind sie es, die die „richtigen“ Kinder bekommen? Jene, die mehr Recht haben, auf dieser Welt zu sein, als all die „Unfälle“?

Schwangerschaft, Geburt und Mutterschaft sind für jede Frau einschneidende Erlebnisse, die mit vielen intensiven Gefühlen verbunden sind. Freude ist nur eine davon. Angst, Wut und Unsicherheit gehören auch dazu. Doch diese Gefühle haben keinen Platz in der gesellschaftlichen Wahrnehmung. Mütter werden heute zerrissen, zwischen dem Anspruch, perfekte, aufopfernde Mütter zu sein, körperlich sofort wieder in „sexuell begehrbare“ Normen zurückzukehren und gleichzeitig noch berufstätig zu sein, „ihren Mann zu stehen“, wie man so sagt. An all diesen Ansprüchen, an diesem Idealbild kann man nur scheitern. An welchem Punkt, das ist für jede Frau unterschiedlich. Aber wenn wir ehrlich darüber sprechen, dann gibt es in jeder Schwangerschaft, in jeder Beziehung, bei jeder Geburt und jeder Muttter-Kind-Beziehung auch Aspekte, die eben nicht „perfekt“ sind. Warum können wir nicht über die Realitäten sprechen, auch über die traumatisierenden, die Angst machenden, die unperfekten Momente darin oder sie zumindest anerkennen? Warum werden gerade Mütter so sehr unter Druck gesetzt? [...]

Die Zwänge, unter denen Mütter stehen, entfremden sie von dem Vertrauen in sich selbst und ihre Kinder. Die Kinderfeindlichkeit der Gesellschaft – die sich über quengelnde Kinder beschwert – führt dazu, dass Mütter immer mehr in Sonderräume abgedrängt werden, wo es aber auch nur darum geht, ein Idealbild aufrechtzuerhalten. Wer das nicht glaubt, kann ja mal als Alleinerziehende einen Krabbelkurs besuchen und sich da von all den perfekten Eltern bewerten lassen. Dabei scheitern nicht wenige Beziehungen, auch mit Kindern. Knapp drei Millionen Menschen ziehen ein Kind alleine auf, davon sind 90 Prozent Frauen. Sie werden an allen möglichen Stellen benachteiligt, anstatt sie zu unterstützen, von der Besteuerung bis zu Betreuung. Die gesellschaftliche Realität ist allerdings längst eine andere. Fast die Hälft aller Alleinerziehenden lebt von Hartz IV – die Armutsgefahr ist hier besonders groß. All das, auch Existenzängste, erschweren es, entspannt mit der neuen Lebenssituation umzugehen. Andere Länder wie Schweden oder Norwegen zeigen, dass es anders geht, dass es andere Arbeits- und Betreuungsmodelle geben kann, die auf die Bedürfnisse von Mutter und Kind Rücksicht nehmen. Ein Kind als Armutsrisiko? Das ist in einem reichen Land wie Deutschland eine Perversion. Noch dazu, während sich alle über die zu geringen Geburtsraten aufregen. Oder über die Zuwanderer – die „zu viele“ Kinder bekommen.

Es kann in dieser Gesellschaft gar nicht genug Kinder geben und jedes Einzelne von ihnen ist ein Wunder und ein Grund sich zu freuen. Mütter müssen nicht perfekt sein. Alle Verantwortung wird auf ihren Schultern abgeladen, dabei profitiert die ganze Gesellschaft von ihrer Arbeit. Es ist an der Zeit, dass wir uns von den Hochglanzbildern verabschieden und uns den Realitäten stellen. Frauen muss die Selbstbestimmung über ihren Körper wieder gegeben werden – vom unbegrenzten Recht auf Abtreibung bis zur Existenzsicherung weit über das Elterngeld hinaus, von dem Recht auf eine ihren Bedürfnissen gerecht werdende Geburtssituation abseits von der kalten Krankenhausroutine bis zur Akzeptanz ihrer sich verändernden Körper. Ich bin für mehr Entspannung, für mehr Realitätssinn. Das wird erstens dazu führen, dass wir auf die echten Bedürfnisse von Müttern und Kindern eingehen und gleichzeitig sowohl entspanntere Mütter als auch Kinder schaffen. Dieser Perfektionswahn ist zerstörerisch."

Quelle: diestoerenfriedas - "Schwangerschaft, Geburt und Mutterschaft - ein Idealbild, an dem die Realität nur scheitern kann?" von Mira Sigel - siehe oben verlinkt.
 

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