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Sabeth schreibt

Poesie Melancholie Philosophie Feminismus Anarchismus

A wie Analphabet - arte Dokumentation

Einige kommentierten bei facebook, es sei "so traurig" - ja, auch mich berührte es unmittelbar, macht es traurig - aber nicht vorrangig, dass sie "keine Bücher lesen können" (gibt auch sehr gute Hörbücher ), sondern, wie unsere Gesellschaft damit umgeht: dass es offenbar zu wenig oder die falsche, keine bedürfnisorientierte, einfühlsame, angemessene, respektvolle, zugewandte Unterstützung gibt, dass die Menschen überdies darauf nicht selten reduziert, dass sie dafür abgewertet, verachtet, dass sie lächerlich gemacht, gemobbt, ignoriert oder eben bemitleidet werden - dass all ihre anderen - charakterlichen, kreativen, sozialen, emotionalen ... - Stärken, Kompetenzen, Fähigkeiten nicht oder wenn, dann nur nachgeordnet gesehen und wertgeschätzt werden.
 
In Folge werden bzw. sind sie ausgegrenzt, können sie sich nicht wirklich entfalten, einbringen - es wird ihnen von vornherein verwehrt. Und sie werden mit Druck, Zwang, Strafe ... g e q u ä l t, was sie massiv beschädigt - gerade, wenn sie noch Kinder sind, es wird ihnen ihre Kindheit zu einem erheblichen "Teil" vergällt. Das (alles) ist das Traurige daran.

Aber richtig: So ist das auch heute nach wie vor - in der Meritokratie, in der neoliberalen Leistungs-, Verwertungsgesellschaft, in der es vor allem um Wirtschaftswachstum und verfügbares, funktionales, instrumentalisierbares, ausbeutbares Menschenmaterial geht. - Von wegen "die Würde des Menschen ist unantastbar" - sie wird täglich rings um den Globus auf so intensive, beschädigende, grausame Weise "angetastet", aber wir haben uns längst daran gewöhnt und so lange es uns nicht je persönlich (be-) trifft, ist alles in Ordnung.

Ja, es war erforderlich, mal ein bisschen weiter auszuholen, denn die Dinge, die Geschehnisse, die Verhältnisse stehen bekannterweise grundsätzlich und unvermeidlich in Zusammenhängen.
 
-
 
"[...] Analphabetismus und Behinderung
Analphabetismus kann durch eine Behinderung, vor allem durch eine geistige Behinderung oder längerfristige bzw. chronische Krankheit verursacht oder mit dem als Lernbehinderung bezeichneten Komplex verbunden sein. Er gilt in Deutschland der geltenden Rechtsprechung nach dennoch nicht als Form der Behinderung,[4] wenngleich der Analphabetismus nach aktuellen Untersuchungen nachweislich zu einer erheblichen Behinderung der persönlichen und sozialen Integration des einzelnen Menschen führt.[5]
 
Die Aussichtslosigkeit, als Analphabet auf dem Arbeitsmarkt eine Arbeit zu finden, die ein Einkommen oberhalb der unten genannten Bezugsgröße ermöglicht, gilt rechtlich nicht als „Behinderung“.
 
Sozialrecht
Da als erwerbsunfähig gemäß § 44 Abs. 2 Satz 1 SGB VI nur solche Versicherte gelten, die wegen Krankheit oder Behinderung auf nicht absehbare Zeit außerstande sind, eine Erwerbstätigkeit in gewisser Regelmäßigkeit auszuüben oder Arbeitsentgelt oder Arbeitseinkommen zu erzielen, das ein Siebtel der monatlichen Bezugsgröße übersteigt, und da dabei die jeweilige Arbeitsmarktlage nicht berücksichtigt werden darf (vgl. § 44 Abs. 2 Satz 2 Nr. 2 SGB VI), haben Analphabeten, die keine (mehr als nur geringfügige) Arbeit finden, keinen Anspruch auf eine Erwerbsunfähigkeitsrente.
 
Staatsangehörigkeitsrecht
Im Jahr 2007 gab es eine Bundesratsinitiative des Hamburger Senats, einheitliche Standards hinsichtlich der Sprachkenntnisse bei Einbürgerungsverfahren in Deutschland zu setzen; der damalige CDU-Bürgerschaftsabgeordnete Alexander-Martin Sardina thematisierte die Problematik der Einbürgerung von Analphabetinnen und Analphabeten darauf hin im Landesparlament.[6] Laut einem Urteil des Verwaltungsgerichtshofs Baden-Württemberg in Mannheim vom Februar 2009 hat ein ausländischer Analphabet in Deutschland keinen Anspruch darauf, eingebürgert zu werden. Eine soziale, politische und gesellschaftliche Integration setze die Möglichkeit voraus, hiesige Medien zu verstehen und mit der deutschen Bevölkerung zu kommunizieren. Für eine ausreichende Integration sei zu verlangen, dass er schriftliche Erklärungen, die in seinem Namen abgegeben werden, zumindest ihrem wesentlichen Inhalt nach selbstständig auf Richtigkeit überprüfen könne. [...]"
 
Quelle: Wikipedia - "Analphabetismus", farbliche Hervorhebungen der Textpassagen, die die getätigte Ausgrenzung, Benachteiligung deutlich offenlegen, habe ich vorgenommen.
 

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