Overblog Folge diesem Blog
Edit post Administration Create my blog
Sabeth schreibt

Sabeth schreibt

Poesie Melancholie Philosophie

Über die vorgebliche Unabhängigkeit, Neutralität von Gutachtern, Sozialmedizinern, über Gefälligkeitsgutachten, Interessenkonflikte und die Folgen für Betroffene - auch in Hartz 4, im Alg 2-Bezug

 
Oder es passiert das Gegenteilige: Menschen mit nachweislich physischen Erkrankungen - durch ärztliche/schulmedizinische Befunde nachgewiesen - werden zu "psychisch Kranken" pathologisiert und damit diffamiert - und trotzdem für vollschichtig erwerbsfähig erklärt.
 
Die mit den Arbeitsagenturen kooperierenden, niedergelassenen sowie die direkt beim ÄD arbeitenden Ärzte ("Sozialmediziner") sind alles, nur eines gewiss nicht: unabhängig. Eben. Drum.

Denn: Wie werden sie bezahlt - von wem?

Wenn die Agenturen für Arbeit (oder die Jobcenter direkt?) die Arzthonorare bezahlen, wie sollte, wie könnte dann von Unabhängigkeit auch nur ansatzweise ausgegangen werden? ?
 
Es verhält sich überdies wie mit den Sachbearbeitern in den Jobcentern: Sie sind jeweils nicht angemessen qualifiziert.

Wenn also ein dafür nicht angemessen oder ein dafür grundsätzlich gar nicht qualifizierter Arzt (Mediziner) ein Gutachten über psychische Erkrankung(en) anfertigt, kann es folglich nur zu einem fehlerhaften Gutachten kommen.
Ebenso bei Menschen mit physischen Erkrankungen - wenn der Gutachter (der Arzt des ÄD oder des mit diesem kooperierenden) für die vorliegenden Erkrankungen nicht qualifiziert ist, sie nicht seinem Fachgebiet entsprechen, wird er ein fehlerhaftes Gutachten erstellen.
 
Ich frage mich, wie es sich hier mit der Rechtsgrundlage verhält: Dürfen all die für den ÄD (Ärztlichen Dienst) der Agenturen für Arbeit (also auch die mit diesem kooperierenden, niedergelassenen Ärzte) solche Gutachten erstellen, nur weil sie eine Zusatzqualifikation (?) als sogenannte Sozialmediziner haben - und das: soll dann generell ausreichend sein?:

Es spielt demnach also keine Rolle, welche Patienten/"Kunden" welche jeweiligen Erkrankungen haben und ob die Qualifizierung des Gutachters dazu passt, sondern es reicht vollständig aus, dass er "Sozialmediziner" ist - und auf dieser Basis darf er die Gutachten erstellen?
 
Ich finde dazu leider keine Informationen im net - auch nicht dazu, wie die (vorgebliche) Unabhängigkeit der Gutachter (der für den ÄD tätigen Ärzte) eigentlich gewährleistet wird/ist: ?
 
... Gefunden: Auf Basis entsprechender Verträge zwischen der Bundesärztekammer und der Bundesagentur für Arbeit - siehe unten verlinkt - erfolgt die Vergütung der für den ÄD tätigen Ärzte selbstverständlich durch die Agentur für Arbeit.

Ich wiederhole meine Frage: WIE kann hier auch nur die minimalste Unabhängigkeit dieser Ärzte/Gutachter gewährleistet sein?
 
Denn: Was glaubt man, wieviele Gutachten solche Ärzte anfertigen können, die n i c h t im Sinne der Agenturen für Arbeit bzw. der Jobcenter sind und wie lange diese Ärzte dann noch für die Agenturen für Arbeit tätig sein werden? - Eben.

Ich bin ein weiteres Mal fassungslos: dass so etwas rechtlich überhaupt möglich, zulässig ist.

Und es veranschaulicht dies nur ein weiteres Mal, wie unerträglich korrupt und verlogen das gesamte Hartz 4-System nachweislich also ist.
 
-
 
"Deutsches Ärzteblatt 106, Heft 17 (24.04.2009), S. A-848
Die seit dem 1. Januar 2009 geltende Vereinbarung über das Verfahren der Erstellung von Befundberichten für den Ärztlichen Dienst der Agenturen für Arbeit (GOÄ-Ratgeber, DÄ, Heft 49/2008) wird von den meisten Ärztinnen und Ärzten positiv bewertet. Zur Erinnerung: Die zwischen der Bundesärztekammer und der Bundesagentur für Arbeit geschlossene Vereinbarung unterscheidet sich vor allem in zwei Punkten von der bis Ende 2008 geltenden Vereinbarung: Die Vergütung für die Erstellung eines Befundberichts wurde von 21,00 Euro auf 32,50 Euro angehoben, und der Befundbericht muss der zuständigen Agentur für Arbeit innerhalb von zehn Werktagen zur Verfügung gestellt werden. [...]
 
Festzuhalten ist, dass die Ärzteschaft durch die zeitnahe und qualitativ hochwertige Befundberichterstattung einen bedeutenden Beitrag im Interesse der Arbeitssuchenden leistet. Die Bundesärztekammer und die Bundesagentur für Arbeit werten die Neuvereinbarung zudem als Ausgangspunkt für eine künftig noch engere Kooperation. So ist es für die Bundesagentur denkbar, bei bestimmten Fragestellungen niedergelassene Ärzte noch weitreichender in die Erstellung von Gutachten einzubinden – je nach Aufwand dann natürlich auch auf einer anzupassenden Honorarbasis. [...]"
 
Quelle: bundesaerztekammer.de - "Befundbericht - Neuvereinbarung mit der Bundesagentur für Arbeit"
 
http://www.bundesaerztekammer.de/fileadmin/user_upload/downloads/Vereinbarung_Agentur_fuer_Arbeit_15012015.pdf
 
Siehe im pdf-Dokument auf Seite 3 unter "§ 5 Vergütung".
 
"[...] Die Betroffenen sind gegen dieses Gutachtersystem häufig absolut wehrlos, selbst wenn sie wie die junge Reitlehrerin durch ihre Familie nach Kräften unterstützt werden. Gegen die Einschätzung der behandelnden Ärztin, die einen klaren Zusammenhang zwischen Unfall und Erkrankung herstellt, wird die Versicherung zwei Gutachten „nach Aktenlage“ erstellen lassen. Ohne auch nur ein einziges Mal mit der Frau gesprochen zu haben, wird ihr darin ein psychischer Defekt attestiert. Im ersten Aktenlage-Gutachten wird ihr unterstellt, sie wolle gar nicht gesunden, im zweiten heißt es dann sogar, sie habe sich die Verletzungen aus Geldgier selbst zugefügt. [...]
 
Dokumentationen wie „Die Gutachterrepublik“ machen auf Missstände aufmerksam, die den Betroffenen zwar schmerzlich bewusst, aber von der Öffentlichkeit in ihrem Ausmaß nicht bekannt sind. Tatsächlich gäbe es sogar eine Lösung für das Problem, wie der TV-Beitrag meint. Der Berliner Versicherungsrechtler Hans-Peter Schwintowsky plädiert für die Anonymisierung des Verfahrens, bei dem der Gutachter nicht weiß, in wessen Auftrag er tätig ist. „Dann werden wir objektive Gutachten bekommen“, sagt er."

Quelle: tagesspiegel.de - "Wehrlos gegen das System"
 

Qualitätsmerkmale in der familienrechtspsychologischen Begutachtung - Untersuchungsbericht I

www.fernuni-hagen.de

Diesen Post teilen

Repost 0

Kommentiere diesen Post