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Sabeth schreibt

Poesie Melancholie Philosophie Feminismus Anarchismus

Brauchen wir, brauchen Menschen heute noch Religion/en, religiösen Glauben?

 
update 13. Oktober 2020
 
Warum glauben Menschen - weltweit und immer noch, nicht nur trotz, sondern wegen Aufklärung, Wissenschaft, Vernunft - an "Gott", an ein "übergeordnets, metaphysisches Prinzip", also an eine bloße Vorstellung, ein Konstrukt, Phantasma, eine Illusion, ein Hirngespinst?
 
Der - infantile, unreife - Glaube an ein vermeintlich existentes, bestehendes übergeordnetes, metaphysisches Prinzip, einen "Gott", Götter, Wesen, Energie oder Ähnliches, basiert auf nichts anderem als dem Wunsch nach Halt, Trost, Sicherheit, Orientierung, Geborgenheit, Getragensein, Verbundensein, Einssein, Aufgehen, Verschmelzen (siehe "ozeanisches Gefühl"), Sinnhaftigkeit, d.h. auf der Unfähigkeit, Inkompetenz des jeweiligen gläubigen Individuums, mit der Conditio humana, mit Kontingenz, fehlender Teleologie und Sinnhaftigkeit, mit Komplexität, Ambivalenz, Widersprüchlichkeit, Absurdität, Unübersichtlichkeit, Ungewissheit, Unsicherheit, Angst und dem Tod, der - gerade auch eigenen - Sterblichkeit, Vergänglichkeit, d.h. dem Wissen, Bewusstsein hierüber angemessen, d.h. reif, vernünftig umzugehen.
 
Solcher Glaube, solches Denken, Fühlen und Sich-Verhalten basiert also auf Infantilität bzw. emotionaler, sozialer, intellektueller Unreife in Folge entsprechender frühkindlicher Prägung (auch: Beschädigung, bis hin zu Traumatisierung), gestörter, unsicherer, instabiler Bindung - mit hinreichend bekannten Folgen -  und/oder religiöser "Sozialisation" bis Indoktrination (durch Eltern, Familie, Gesellschaft, Kultur) in der Kindheit.
 
Typisch hierfür ist Welt-, Realitäts- und Selbstflucht (siehe auch sogen. "innere Emigration", Verbitterung), der selbstschonende, sanfte Selbstbetrug - nicht selten zu Lasten, zum Schaden anderer - und die Unfähigkeit, selbst aktiv zu lieben: andere, reale Menschen, Lebewesen im "Hier und Jetzt", im eigenen Leben, durch eigenes, entsprechend prosoziales, gewissenhaftes, verantwortungsvolles, rücksichtsvolles, zugewandtes, fürsorgliches, gebendes Verhalten - auf Basis von Mitgefühl und Bindungs-, Beziehungsfähigkeit.
 
Siehe hierzu unten verlinkte Quellen, bspw. Boris Cyrulnik, aber auch Erich Fromm, Arno Gruen, Alice Miller, Gabor Maté ... .
 
Da es gläubigen Menschen hieran aus oben bereits genannten Gründen häufig mangelt und/oder sie aus anderen Gründen - wie bspw. Alter, Krankheit, Gefangenschaft, Armut - einsam, sozial isoliert sind, Menschen aber als soziale Wesen, Primaten das Gemeinsamsein, Verbundensein mit anderen existenziell brauchen, hängen sie sich, um nicht zu verzweifeln, kompensatorisch an einen Ersatz, Stellvertreter, ein Surrogat, eine Illusion, Vorstellung, ein Konstrukt: "Gott".
 
Und innerhalb ihres jeweiligen Glaubenssystems erfahren sie auf diese Weise unter Umständen sogar gelegentlich, vorübergehend oberflächliche Zugehörigkeit, Gemeinsamsein, eine Art Verstanden- und Verbundensein. Dies hat allerdings oben bereits erwähnten "Preis" und ist nicht annähernd gleichsetzbar mit erfahrener und selbst gegebener Liebe, aktivem Lieben (siehe bei Erich Fromm nachlesbar) von "diesseitigen", gegenwärtigen, realen Menschen, Lebewesen und es ist nicht annähernd so heilsam und erfüllend wie solche Liebe.
 
Religiöser Glaube, inklusive Mystik, ist ein Ersatz für solche entbehrte Liebe, Bindung, Beziehung, ist Flucht vor und Verdrängung von der eigenen, persönlichen Liebesunfähigkeit sowie Angst, Unreife und Verzweiflung.
 
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"[...] Den angeborenen Hang zum Spirituellen bestätigt die moderne Hirnforschung. Eineiige Zwillinge, die ja genetisch identisch sind, zeigen nach einer Studie der Universität von Minnesota ein sehr ähnliches Maß an Spiritualität, auch wenn sie in völlig verschiedenen Lebensumständen aufwachsen, der eine etwa als verheirateter Arzt in einer liberalen Großstadt, der andere als Junggeselle in einem Fischerdorf.

Den Grad der Spiritualität „misst“ man mit dem TCI-Test des amerikanischen Psychologen Robert Cloninger. Dabei muss ein umfangreicher Fragenkatalog beantwortet werden, der das spirituelle Potenzial eines Menschen ausloten soll. Zwei Beispiele:„Fühlen Sie sich mitunter als Teil von etwas ohne Grenzen in Raum und Zeit?“ Oder:„Sind Sie fasziniert von den zahlreichen Aspekten im Leben, die wissenschaftlich nicht erklärt werden können?“

Wer sich seiner angeborenen Neigung zum Göttlichen hingibt, kann in der Tat Erfahrungen machen, die das Alltagserleben weit übersteigen. Der Neurologe Andrew Newberg untersuchte das Hirn meditierender buddhistischer Mönche im Kernspintomografen und kam zum Ergebnis: Je mehr sich Menschen in die Meditation versenken, umso mehr fährt der Scheitellappen des Gehirns, der Emotionen und Orientierung unter Kontrolle hält, seine Aktivitäten zurück – es kommt zu einer „Entgrenzung des Ichs“. Der Meditierende kann tatsächlich den Eindruck haben, dass er eins wird mit der übernatürlichen Macht, die er herbeisehnt.

Alle Religionen kennen dieses Phänomen. Für die christlichen Mystiker war es die „unio mystica“, die Vereinigung mit Gott. Dieses mystische Erlebnis ist jedoch ein sehr individueller Vorgang und kein Beweis für ein generelles „Gottes-Modul“ in unserem Kopf. Denn die Gehirnströme, die diesen Zustand herbeirufen, erzeugen eine bunte Palette emotionaler Reize. Sie erleuchten Esoteriker, denen überirdische Einhörner zu Hilfe kommen, und treten genauso beim sehr irdischen Orgasmus oder beim Durchleiden starker Schmerzen auf.


Aus wissenschaftlicher Sicht ist das spirituelle Erleben des Menschen also nicht gleich Religion. Der Mensch füllt es nur gern mit Religion aus. Dabei ist es für die religiöse Praxis fast nebensächlich, ob der Mensch sich Gott nach seinem Bild und Gleichnis schuf oder ob es umgekehrt war. Ob Gott „nichts anderes ist als das in die Unendlichkeit des Himmels projizierte Wesen des Menschen“, wie Ludwig Feuerbach, Stammvater des Atheismus, zu wissen glaubte. Oder ob nach christlicher – aber auch jüdischer und islamischer – Überzeugung „jeder von Geburt an einen göttlichen Funken in sich trägt, den es zu bewahren gilt“.

Die Menschen glauben, weil sie glauben wollen. Die Frage nach dem großen Warum treibt sie um.

„Religion ist Verzweiflung am Weltzweck“, meinte 1835 der aufklärerische Publizist Karl Ferdinand Gutzkow. Auch heute noch wollen die meisten nicht akzeptieren, dass die Zusammenhänge der Weltläufte ihr Verständnis überfordern und dass Grund und Zweck menschlichen Daseins nichts weiter ist als die Erhaltung der Art Homo sapiens im darwinschen Sinn. Sie sehnen sich nach einem „kohärenten Deutungsmuster“, wie der protestantische Theologe und Religionshistoriker Friedrich Wilhelm Graf diesen verbindlichen Lebenskompass nennt. Doch die Sinnfrage verfolgt sie natürlich nicht Tag und Nacht. Für die Lebenspraxis der meisten Gläubigen ist genauso bedeutend und prägend, dass sie sich in ihrer Religion aufgehoben und erhoben fühlen. [...]

Bei vielen religiösen Menschen war die Familie die Wiege ihres Glaubens. Sie erlebten eine geborgene Kindheit in einer christlichen Umwelt, an die sie sich gern zurückerinnern. Und weil Gott schon immer dabei war, blieb er ein Leben lang dabei als Teil des Wohlfühlpakets aus Jugendtagen.

„Ich hatte eine beschirmte und glückliche Kindheit. Es gab tatsächlich einen lieben Gott, aber auch einen strengen, der alles sieht. Es gab Schutzengel, die auf mich aufpassten. Es gab Gut und Böse, es gab die Madonna, die der Schlange den Kopf zertritt“, erinnert sich Matussek. „Dieser Kinderglaube hat ein Reservoir angelegt wie einen unterirdischen See. Der mochte im Laufe des Lebens teilweise verschüttet werden, doch er war stets da.“ [...]

Aufklärung und Naturwissenschaften ha­ben seit dem 18. Jahrhundert den einstigen Ge­wissheiten der christlichen Religionen schwer zugesetzt. Angesichts etwa der historisch­-kriti­schen Analyse der Bibeltexte oder der erdrücken­den Beweislast der Evolutionstheorie halten nur noch fundamentalistische Randgruppen an dem Buchstabenglauben fest, die Heilige Schrift sei in weiten Teilen Gottes direkte Offenbarung. Auch wenn ihr Verstand Einwände macht, bleiben sie bei ihren traditionellen Glaubensgewissheiten, um in einer immer unübersichtlicheren Welt fes­ten Grund unter den Füßen zu haben.

„Sie fürchten, dass das ganze Gebäude zusam­menfällt, wenn ein Stein herausbricht“, sagt Mar­tin Urban, Pastorensohn, Plasmaphysiker und Wissenschaftsautor. „Intellektuell unredlich“, nennt er diese Haltung. „Wenn ein Kind einmal gesehen hat, dass ein falscher Bart, Umhang und Kapuze aus einem Mann einen Weihnachts­mann machen, ist es ja auch vorbei mit dem Kin­derglauben – so betrüblich das sein mag.“

Die meisten religiösen Menschen fühlen sich heute allerdings eher zu einem wenig definier­ten, vielleicht sogar nur möglichen Gott hin­gezogen, den sie aber als transzendenten Halt nicht aus ihrem Leben streichen wollen. [...]

„In so einsamen Momenten gibt es noch jemanden, der da ist und immer ansprechbar.“ [...]

Friedrich Wilhelm Graf hat in einem Essay für die Frankfurter Allgemeine Zeitung eine faszinierende Deutung des fundamentalistischen Gläubigen geliefert, der die Wiederkunft des frühmittelalterlichen islamischen Kalifats mit dem Sprengstoffgürtel herbeibomben will: „Der Fromme, der sich unmittelbar zu seinem Gott weiß, meint Gottes Willen ungleich besser zu kennen als die vielen anderen.“ Er fühle sich als legitimes Werkzeug eines Allmächtigen, an dessen Allmacht er geradezu teilhat. „Wenn die gegebene, durch diffuse Vieldeutigkeit, Widersprüche und bleibendes Elend geprägte Welt als eine verderbte Gegenwelt zur wahren, gottgewollten Ordnung erlitten wird, entsteht für ihn der Zwang, die Welt, so wie sie leider ist, auf die ideale und ursprüngliche Ordnung Gottes hin zu überwinden (...) Die hier und jetzt noch geltenden Ordnungen entfalten für ihn keinerlei Bindungskraft mehr, gelten sie doch als falsche, sündhafte, aufzuhebende Regelwerke, die souverän zu ignorieren nur mutige Glaubenstat sind.“ [...]

Sollte aber hinter dem großen Fragezeichen im Universum kein Gott, sondern eine ganz in­nerweltliche Erklärung stehen, die nur unserem beschränkten Gehirn übernatürlich scheint?

Atheisten halten es für religiösen Hochmut zu glauben, nur weil „der Krone der Schöpfung“ ein Phänomen unerklärlich sei, müsse es etwas Übernatürliches sein. Der britische Biologe J. B. S. Haldane sagt über die begrenzte Erkennt­nisfähigkeit des menschlichen Gehirns: „Ich habe den Verdacht, dass das Universum nicht nur seltsamer ist, als wir annehmen, sondern seltsamer, als wir annehmen können.“ [...]"
 
https://www.nationalgeographic.de/geschichte-und-kultur/religion-warum-glaubt-der-mensch
 
Und um Blaise Pascal diesbezüglich zu widerlegen -

"[...] Nach Blaise Pascal, dem scharf­sinnigen französischen Theologen aus dem 17. Jahrhundert, ist trotz aller Zweifel der Glau­be an Gott der sicherste Weg. Gibt es Gott nicht, meinte Pascal, hat der Glaube an ihn nicht ge­schadet. Gibt es ihn, war es richtig, an ihn zu glauben. „Was für ein theologischer Taschen­spielertrick“, sagt lächelnd Pastor Claussen."

der Glaube - an "Gott", ein "übergeordnetes Prinzip" - hat Menschen durch die Jahrtausende hindurch nachweislich sehr wohl und intensiv geschadet, bis hin zu Mord, Vernichtung, auch Völkermorden, Femizid, Kriegen.

Was uns statt des Glaubens hilft, was zuträglich, wohltuend, prosozial ist, ist je persönliches aktives Lieben, Liebesfähigkeit - auf Basis von Mitgefühl und Vernunft (inkl. Ethik).
 
... und neben Infantilität, U n r e i f e immer wieder auch der Narzissmus als Ursache:

"[...] Die Soziologin und Theologin beschäftigt sich unter anderem mit dem religiösen Wandel in der westlichen Welt. Bei aller Unterschiedlichkeit religiöser Praxis und den vielfältigen Formen von Spiritualität weltweit beschreibt sie dennoch eine Grundfunktion von Religion:

"Immer noch hat Religion eine Funktion eines Umgangs mit Unsicherheit, einer Bewältigung von tiefen Unsicherheitserfahrungen. Der Umgang mit Tod und Sterben ist vielleicht die dramatischste davon, aber auch der Umgang mit Krisen, seien es persönliche Krisen, seien es politische Krisen, also wenn sie sehen es gibt irgendwo Attentate oder es gibt irgendwo Amokläufer. Ja, dann gehen die Menschen in die Kirchen, wenn die da ein Angebot machen. Also die Bewältigung von Krisen, die Bewältigung von fundamentalen existenziellen Unsicherheiten."

Diese Definition ähnelt in Aspekten der Auffassung der Psychoanalyse. Sigmund Freud sah die Quelle der Religion in erster Linie in der frühen existenziellen Hilflosigkeit des Menschen. Das Kind findet Schutz und Trost in den Eltern. Sie werden als allmächtig erlebt und quasi vergöttlicht, was hilft, diese fragile Grundsituation zu bewältigen. Die frühesten Erfahrungen von Symbiose mit der Mutter spielen ebenfalls eine Rolle. Religion erfüllt für Sigmund Freud also auch die Sehnsucht nach Einheit und Verschmelzung:


"Die religiösen Vorstellungen, die sich als Lehrsätze ausgeben, sind nicht Niederschläge der Erfahrung oder Endresultate des Denkens. Es sind Erfüllungen der ältesten, stärksten, dringendsten Wünsche der Menschheit. Das Geheimnis ihrer Stärke ist die Stärke ihrer Wünsche."

Warum glauben wir an etwas, von dessen Existenz wir nichts wissen? Warum ist Glaube trotz der Unbeweisbarkeit Gottes für viele Menschen so bedeutsam? Geschieht Glauben aus Notwendigkeit oder ist er eine Fähigkeit, in tiefere Dimensionen der Geheimnisse des Lebens einzutauchen? Wer glaubt, wer nicht? - Auf einige dieser Fragen geben die Narzissmustheorien der Psychoanalyse Antworten. Sie sind der Schlüssel moderner Religionskritik und handeln nicht nur von der häufig beklagten Selbstbezogenheit in unserer Gesellschaft. Es geht vielmehr um Erkenntnisse über die früheste Verfasstheit des Menschen, die Prägungen schon im Mutterleib, die Bedingungen, denen ein Neugeborenes ausgeliefert ist und die seine weitere Entwicklung maßgeblich mit bestimmen. In Bezug auf Religion brachte der Psychoanalytiker Heinz Henseler diese Erkenntnisse in den 90er-Jahren mit den Worten auf den Punkt:

"Religion ist eine Beziehungsform, die sich übernatürlich anfühlt, auf Transzendentes zu verweisen scheint, aber in Wirklichkeit in frühkindlichen Beziehungsformen ihre Wurzeln hat."

Sie hat ihre Wurzeln dort, weil – so die Auffassung der Freudschen Psychoanalyse - Religion auf dieses ganz frühe unbewusste, vorsprachliche Erleben, das schon im Vorgeburtlichen beginnt, zurückgreift, es emotional wiederbelebt. Religiöse und theologische Konstrukte bauen letztlich auf diese ganz frühen Erfahrungen auf. Freud nannte diese Entwicklungsphase "primären Narzissmus". Bernd Horn:

"Diese frühe Erfahrung, diese ganz frühe Geborgenheits- oder nicht Geborgenheitserfahrung hängt unbedingt mit dem religiösen Bedürfnis und dem religiösen Gefühl oder mit dem zusammen, was Religion als Erlösung, als Glücksmöglichkeit oder als Herausfall aus der Glücksmöglichkeit bestimmen."

In der Freudschen Tradition ist es eine Reifungsaufgabe des Menschen, sich diese Zusammenhänge klar zu machen und seinem Denken und Handeln eine rationale Basis zu geben. Was nicht heißt, auf diese Gefühle zu verzichten. Aber auf die richtige Einordnung, das passende Verständnis dieser letztlich evolutionär bedingten Emotionen und Wahrnehmungen kommt es an, so Bernd Horn.

"Die Möglichkeit, spirituell zu werden, ist in jedem angelegt. Der reife Mensch durchschaut eher diese Abhängigkeit und distanziert sich in einem rationalen oder intellektuellen Verständnis davon, zu begreifen, wo diese faszinierenden Bedürfnisse, zum Beispiel dieses Versenken in Kunst, in Liebe, in ganz bestimmte Affekte und Emotionen, für die man scheinbar keine Erklärung hat."

Für Horn hat die Psychoanalyse auch die gesellschaftskritische Aufgabe immer wieder darauf hinzuweisen, dass sich auf diese Gefühle und metaphysischen Bedürfnisse ein dogmatischer Überbau des Glaubens gesetzt hat - oder gesetzt wurde - mit Jenseitsvorstellungen, Wahrheitsansprüchen und moralischen Forderungen, die den Menschen letztlich unfrei machen.

"Dieses Gefühl ist, glaube ich, für alle möglich. Aus diesem Gefühl, diesen Sprung in eine metaphysische Erklärung zu machen, halte ich nicht für eine unbedingte Notwendigkeit. Ich erinnere hier an Camus, den Mythos von Sisyphos, wo er gesagt hat, dass es für den Menschen sehr schwierig ist, bestimmte Grundbedürfnisse nicht beantwortet zu bekommen. Und dass da der Sprung in ein Glaubenssystem eine naheliegende Erlösung ist. Er vergleicht sie aber letztlich mit einer Art intellektuellem Selbstmord."

Das entspricht fast 1:1 der Auffassung Freuds, der die Funktion der Religion in Tröstung, Belehrung und Anleitung sah und meinte:


"Religionen können diese Aufgaben nicht lösen, ohne den Wert des Lebens herabzudrücken, das Bild der realen Welt zu entstellen und die Intelligenz aufs Heftigste einzuschüchtern." [...]
 
Gottesvorstellungen, verbunden mit der Überzeugung, dass es ein Weiterleben nach dem Tode gibt, fallen für Freud und seine Anhänger klar in den Bereich der Illusion. Der Mensch muss sich von diesen kindlichen Vorstellungen emanzipieren, sich mit der eigenen Endlichkeit abfinden, ins wissenschaftliche Denksystem hinein reifen. [...]
 
"Das Entscheidende, was ich für die Theologie sehe an diesen neuen Entwicklungen, dass wir hier Grundlagen entdecken, etwa das, was Erik H. Erikson als das Urvertrauen beschrieben hat und selber mit dem Begriff Glauben verknüpft hat. Dass das sozusagen die strukturellen Grundlagen und Voraussetzungen im Menschen sind, um so etwas wie einen religiösen Glauben überhaupt zu ermöglichen."
 
Das Gefühl, gehalten und getragen zu sein: Hier zeigt sich eine Parallele zu religiösem Empfinden und einer zentralen Botschaft des Christentums. Wahl spricht von der Transformation der frühen Beziehungserfahrung und davon, dass sie im Religiösen eine Entsprechung findet. Für ihn gilt dieses Modell nicht nur für den Beginn des Lebens, sondern ein Leben lang. [...]"
 
Hierzu noch eine Anmerkung: Es verhält sich gerade umgekehrt: eben w e i l sehr viele Menschen rund um den Globus - aus Gründen ... - dieses Urvertrauen n i c h t erfahren haben (und sich infolgedessen auch kein Selbstvertrauen ausbilden kann), suchen sie es im Glauben an "Gott", an ein "übergeordnetes Prinzip" und in einer Art "Beziehung" zu also einem Hirngespinst, einer Illusion - weil ihnen die Beziehung zu/mit anderen Menschen, die die einzig tatsächlich heilsame (!) ist, nicht möglich ist (hat wiederum mit Narzissmus und Beschädigtwordensein in der Kindheit zu tun).
 
Der Glaube an "Gott" ist nichts weiter als Kompensation, als himmelschreiender Ausdruck dieser Hilflosigkeit, Unfähigkeit, Verzweiflung und eben die verzweifelte Suche, der Wunsch nach Halt, Trost, Heilung - Einheit, Verschmelzung. Nur ist das eben nie tatsächlich möglich, erfahrbar: mit einem Hirngespinst, sondern nur mit leiblichen Menschen.
Liebe, exakt - nur halt keine bloß imaginierte, phantasierte, sondern aktiv gelebte - und "solche" Liebe ist immer aktives Lieben und bezieht sich immer auf das reale Du, den Anderen, inklusive all seiner diesseitigen Leiblichkeit, womit gerade nicht nur sein Körper gemeint ist, mit Verweis auf Maurice Merleau-Ponty.
 
"[...] Die Psychoanalyse hilft, zu verstehen, woher religiöse Gefühle kommen. Und in welchen Bereichen der Psyche sie zu verorten sind. Je offener die Theologie, je stärker ihr Wille nach aufgeklärter Religion, desto eher baut sie diese Erkenntnisse in ihr Menschenbild ein. Vonseiten der Psychoanalyse wird das aber zum Teil kritisch beäugt. Bernd Horn etwa wittert eine Vereinnahmungsstrategie, befürchtet, dass einzelne Aspekte der psychoanalytischen Theorien von der Theologie genutzt werden, um die eigene Position auf elaboriertem Niveau zu festigen und insofern dem Kern der Religionskritik auszuweichen: [...]"
 
Quelle: deutschlandfunk.de - "Kontroverse über den Grund religiöser Gefühle", farbliche Hervorhebungen habe ich vorgenommen.
 
 
Moralisch zu rechtfertigen hat ein jeder Mensch sein Verhalten nicht vor einem "Gott", einem "metaphysischen Prinzip", Konstrukt, Phantasma, auch nicht vor einem Gericht, einer wandelbaren Justiz, sondern vor sich selbst und mehr noch: vor dem Anderen - mit, neben, durch den er lebt, dem er begegnet, der ihm widerfährt, mit dem er konfrontiert, von dem er herausgefordert, berührt, getragen, gehalten, verletzt, in Staunen versetzt und auf sich selbst zurückgeworfen ist - der ihm auf dem Weg seiner Selbsterkenntnis und sozialen, emotionalen, intellektuellen Reifung unverzichtbar nur sein kann.
Auch dann, wenn dies (immer wieder auch) schmerzhaft ist.
 
Wer einen "Gott", eine "übergeordnete Instanz", ein "metaphysisches Prinzip", Konstrukt braucht, will, proklamiert, um sich moralisch, d.h. fair, prosozial zu verhalten, offenbart damit seinen je persönlichen Mangel, Defizit an Mitgefühl und intellektueller, emotionaler Reife.
 
"Das moralische Gesetz in mir", wie Kant es formuliert, ist nichts anderes als intrinsische - nicht: ideologisch, religiös oktroyierte - Moral, als die Urbasis jeglicher (rationalen) Ethik: das jedem Menschen wie auch anderen Primaten angeborene Mitgefühl.
 
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Ursache hierfür (siehe Spektrum-Artikel "Sogar Atheisten halten Serienmörder eher für Atheisten") dürfte die seit Jahrhunderten bzw. Jahrtausenden (siehe das Entstehen der monotheistischen, abrahamitischen, also patriarchalen Religionen Judentum, Christentum, Islam) wirkende, religiöse Indoktrinierung sein - bei der die Religionen sich als quasi Erfinder/Begründer von Moral und Ethik selbst darstellen, statt offenzulegen, dass Ethik (längst) Teilgebiet von (heute auch der akademischen) Philosophie ist und dass die Urbasis jeglicher, insbesondere intrinsischer (statt oktroyierter) Moral, d.h. jeglichen moralischen, also fairen, prosozialen, kooperativen, respektvollen Verhaltens das Mitgefühl ist (erst im nächsten Schritt folgt die Rationalisierung, die Ethik auf der theoretischen, der Meta-Ebene) - und das global unabhängig von Geschlecht, Alter, ethnischem Hintergrund, Kultur, Tradition, Bildungsstand, sozialer Herkunft ... .

Ich verweise an dieser Stelle abermals gerne auf Arno Gruen und Martha Nussbaum ("Gerechtigkeit braucht Liebe").
Empathie ist im Übrigen nicht gleichbedeutend mit Mitgefühl, das nur randläufig zu einem immer noch verbreiteten Missverständnis.
 
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1. "Selbstmord ist absolut nicht erlaubt" - da fängt es schon an, mit der Indoktrination und Instrumentalisierung. - Es gibt keine Pflicht zu leben.
 
2. Ja, alle drei sogen. Buchreligionen sind maximal patriarchalisch, d.h. gewaltvoll - denn sie haben alle das Alte Testament zur Grundlage. Und ja, die darin enthaltenen Texte, Geschichten haben mehrheitlich bis ausnahmslos - zur damaligen Zeit - Männer verfasst, zusammengetragen, aufgeschrieben.
 
Unerträglich übrigens auch der stets enthaltene Paternalismus - siehe bspw., dass es Interpretatoren bedürfe - Imame, Priester ... - dass den Menschen abgenommen oder verwehrt, verweigert wird, selbst wirklich zu denken, zu hinterfragen, sich ein Urteil zu bilden: sorgfältig, kritisch.
 
3. Warum wird eigentlich nie genannt, was längst unstrittige Tatsache ist: dass physische Gewalt - global btw und seit Jahrtausenden (siehe Patriarchat) - von Männern getätigt wird? Vielleicht sollten wir einfach doch endlich genau hier mal ansetzen ... .
 
Vielleicht/wahrscheinlich wäre diese "Dokumentation" (?) ganz anders gestaltet worden, hätte der Verantwortliche Töchter.
 
4. Es braucht keinerlei Religion (also: Ideologie) für moralisches Verhalten, auch nicht für Ethik. Die Urbasis jeglicher Moral ist Mitgefühl (und nein, Empathie ist nicht das Gleiche wie Mitgefühl). Der rationale,"theoretische Überbau" - Ethik - erfolgt erst im nächsten Schritt, ist nicht weniger wichtig, aber keine oktroyierte Moral wird/kann ohne Gewalt(anwendung oder -androhung, also: dem Drohen mit Strafe und Vergeltung) Bestand haben - Moral wird nur dann dauerhaft sein, d.h. jeweils gewünschtes, gebotenes (faires, prosoziales, kooperatives) Verhalten gelebt, wenn sie i n t r i n s i s c h ist - wofür Mitgefühl wiederum die/eine unabdingbare Grundbedingung ist.
 
Und ja: Werte sind wandel-, d.h. veränderbar: durch Menschen, durch Erfahrungen, Diskurs, Reflexion, vor allem auch Selbstreflexion, selbstkritische, offene, zugewandte Haltung.
 
Ja, das ist vielen Menschen bereits zu "anstrengend", zu mühsam - daher klammern sie sich lieber bequem und z.T. auch feige an das, das ihnen vorgegeben und vorgekaut wird - Gebote, Verbote, Dogmen.
 
5. Ethik ist keine Erfindung von Religion(en). Aber sie schreiben sich das häufig auf die eigenen Fahnen.
 
6. Religion ist Mittel zur Instrumentalisierung, zur Kontrolle, zur Machtausübung und zum Machterhalt. Daher die Indoktrination - die bekannterweise eben deshalb grundsätzlich bei den Kindern ansetzt, welche davon zumeist lebenslang geprägt sind und: bleiben (mit kurzfristigen Phasen des Opponierens, zumeist in der Pubertät/Jugend/Adoleszenz).
 
7. Menschen suchen in Religionen bzw. religiösem Glauben Halt und Trost. Und sie können durch ihren Glauben Verantwortung abgeben, sich entlasten, sich selbst schonen, sich ihrem Selbstbetrug hingeben.
 
8. Glauben muss den Zweifel eigentlich immer einschließen - wer als Gläubiger völlig frei von Zweifel(n) ist, kann nur pathologischer Fanatiker sein.
 
9. Der Wunsch nach Antworten, nach Gewissheit und Halt ist verständlich, er erlaubt es aber nicht, es sich selbst bequem zu machen, sich selbst zu schonen, zu betrügen - indem man sich in Glauben, in Ideologie, in Eskapismus flüchtet, denn dies tut man üblicherweise aus genau diesem Grund: um sich selbst zu schonen, es s i c h leicht(er) zu machen - leider meist zu Lasten anderer, das ist das "Problem" dabei.
 
10. Metta, Karuna, Güte, Mitgefühl, "Nächstenliebe" (siehe bspw. auch im Neuen Testament), Fürsorge, Zugewandtheit, Gebenkönnen, -wollen: sind das urweibliche Prinzip - eben das des Gebens, des "Kümmerns", der Fürsorge.
 
11. Was in Religionen, in Ideologien grundsätzlich zum Ausdruck kommt, sind schlicht die je persönlichen, ureigenen Niederheiten von Individuen, von Menschen, die ihre eigenen Fehler, Unzulänglichkeiten, Charakterdefizite, ihr Scheitern, ihr Irren verbergen wollen oder gar zu legitimieren versuchen oder es als Triumphe verkaufen.
 
Das grundsätzliche Problem ist also Charakterschwäche und mangelnde Herzensbildung sowie geistige Trägheit bzw. bequeme Selbstschonung, Selbstbetrug, Verweigerung der Auseinandersetzung mit eigenen (!) Niederheiten, Defiziten, Unzulänglichkeiten, Schwächen, auch also eigener Bedürftigkeit, Verletzlichkeit, eigenem Schmerz (-erleben, -erinnern). Die Angst davor - die Angst vor dem "kleinen" Selbst, das sich hinter einem aufgeblasenen Ego verbirgt (siehe Narzissmus).
 
Und das wiederum hat häufig viel mit (früh-) kindlichem Beschädigtwordensein und Indoktrination, Prägung, "Erziehung", falschem Umgang mit Kindern zu tun, geht hierauf zurück.
Eben deshalb ist angemessene Prävention, ein bedürfnisorientierter Umgang so überaus wichtig, so erforderlich.
 
Ziel kann nur globale Säkularisierung und Humanismus sein.
 
Und übrigens: Der Impuls, "zurückzuschlagen" (auch bspw. "nur" mit Worten oder gewaltfreier Tat - in Form von diversem Widerstand ...), hat nicht mit "dem Bösen" in uns (Menschen) zu tun, sondern damit, dass Menschen mit Aggression reagieren, wenn ihre Schmerzgrenze intensiv, wiederholt oder regelmäßig, auch also dauerhaft überschritten wird. Hierzu kann ich nur immer wieder Joachim Bauers hervorragendes Buch "Schmerzgrenze - Vom Ursprung alltäglicher und globaler Gewalt" empfehlen.
 
Und auch hier ist Kommunikation unentbehrlich, unerlässlich: zur Gewaltprävention, -vermeidung. Denn zumeist kommt es dann zur Gewaltanwendung, wenn die (konstruktive, zugewandte, respektvolle, aber keineswegs konfliktfreie) Kommunikation zum Erliegen kommt bzw. verweigert oder anderweitig unmöglich gemacht wird.
 
Zur Versöhnung braucht es übrigens auch keine Religion/en, keinen religiösen Glauben, sondern genau das oben bereits Genannte: Herzenstiefe, Geistesreife (mentale, intellektuelle und Persönlichkeitsreife), Horizontweite - Selbstreflexion, Zugewandtheit, Mitgefühl, die Fähigkeit, die Scham zu überwinden, die aus Minderwertigkeitsgefühlen resultiert sowie auch den Neid und die Gier - die wiederum zu Scham führen.
 
Verzeihen(können) ist jedoch keineswegs bedingungslos möglich, es braucht stets einen Ausgleich - siehe im Sinne von "Täter-Opfer-Ausgleich", Wiedergutmachung; es braucht das Einsehen des Täters, seine Reue, seine Einsicht, sein Reifen, sein wahrhaftiges Um-Verzeihung-Bitten - nicht, um die Machtverhältnisse umzukehren, sondern auf Basis von Mitgefühl in Bezug auf das Leid, den Schmerz des Opfers.
 
Und dieses Versöhnen ist wiederum nur mittels u.a. Kommunikation und Mitgefühl möglich.
 
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Ziel kann letztlich bzw. grundsätzlich - global - nur Säkularisierung bzw. Säkularismus sein - ganz im Sinne der Aufklärung, der Vernunft, der universellen Menschenrechte und der diesen zugrundeliegenden Ethik.

Darum geht es:
Zu erkennen, dass und w a r u m Religion weder früher noch heute "Privatsache" war/ist - denn gerade durch Religion lassen Menschen sich eben indoktrinieren, manipulieren, instrumentalisieren, unterwerfen und beschädigen - und das so, dass sie es - als religiös Gläubige - häufig gerade nicht selbst erkennen und das auch nicht sollen.
 
Es geht gerade darum, erkenntlich zu machen, dass und warum insbesondere die drei monotheistischen Religionen (Judentum, Christentum, Islam) durch und durch patriarchal und autoritär sind, siehe nicht nur, aber auch und gerade deren gemeinsames Fundament: das gewaltvolle, patriarchale Alte Testament.
 
Es geht darum, zu erkennen, dass und warum Religion von jeher Macht-, Unterwerfungs- und Kontrollmittel war - siehe zu oben genannten Zwecken.
 
Zur vorgeblichen "Religionsfreiheit":

Diese ändert leider nichts an der Tatsache, dass Menschen weiterhin durch, innerhalb von Religion(en) indoktriniert, kontrolliert und instrumentalisiert werden - und ganz besonders gerne macht man das in Religionen/Ideologien bekanntlich mit Kindern - dies mit zumeist lebenslang wirksmächtigen (negativen bis schädigenden) Folgen, siehe Menschenbild, Weltbild, Selbstbild, Frauenbild ... .

Wozu überhaupt Religion? Warum an ein Hirngespinst, ein Konstrukt, ein Phantasma, eine bloße Vorstellung glauben? Wozu Aberglaube, Esoterik, Mystik, Mystizismus? - Warum nicht stattdessen Vernunft, Wissen (das grundsätzlich und stets ein vorläufiges ist, nur sein kann, das also falsifizierbar ist, keine "ewigen Wahrheiten" proklamiert - siehe Kriterium von auch Wissenschaftlichkeit), Reflexion (-svermögen), Mitgefühl, prosoziales, faires, kooperatives, solidarisches, verantwortungsvolles, reifes V e r h a l t e n, Liebesfähigkeit: gegenüber realen, "diesseitigen" Menschen und Philosophie?
 
Antwort: Weil Letzteres zumeist deutlich komplexer, unsicherer, unübersichtlicher, anstrengender, mühevoller, herausfordernder, unbequemer ist und uns intensiver mit unseren je persönlichen Schwächen, Unzulänglichkeiten, Defiziten und Defekten konfrontiert.
 
Im Gegensatz dazu steht der bequeme, selbstschonende, sanfte Selbstbetrug, inklusive Realitäts- und Selbstflucht - in Form von bspw. religiösem Glauben, Aberglauben, Esoterik, Mystik und Verschwörungsideologien, wodurch das (eigene, kleine) Leben, die Welt für das jeweilige gläubige Individuum einfacher, übersichtlicher, erträglicher, vermeintlich sicherer, erklärbar, bewältigbar wird und das glaubende, gläubige Individuum ein Stück weit Verantwortung abgeben und Angst, Unsicherheit, Ungewissheit, Haltlosigkeit, Verzweiflung einigermaßen in Schach halten kann - eben um den Preis des Selbstbetrugs, der Selbstlüge und häufig zu Lasten, zum Schaden anderer Menschen, Lebewesen.
 
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Herzlichen Dank für diesen informativen, aufschlussreichen Artikel ("Wie die Evangelikalen Berlin erobern", tagesspiegel.de). Kenne persönlich zwar nur zwei Evangelikale, aber das im Text Beschriebene trifft auf diese vollständig zu.
 
Es ist zweifelsohne eine Sekte und ich finde es erschreckend, dass dieses Prinzip immer noch immer wieder funktioniert, d.h. wie geistig, vielleicht auch emotional unreif, infantil so zahlreiche Menschen sind, gehe allerdings davon aus, dass die meisten dieser religiös gläubigen Erwachsenen mehrheitlich bereits in ihrer Kindheit in religiös geprägten Strukturen, Familien aufwuchsen, somit selbst mehrheitlich in der Kindheit religiös geprägt wurden.
 
Bekannt ist außerdem, dass religiös gläubige Menschen mehrheitlich konservativ eingestellte, d.h. insbesondere wiederum so f ü h l e n d e sind; ein typisches Merkmal für Konservatismus ist eben der Glaube an ein irgendwie "übergeordnetes Prinzip", Metaphysik, "Transzendenz" - das äußert sich je individuell in religiösem oder esoterischen (Aber-) Glauben.

Der Gedanke an eine bei vielen dieser Menschen vorhandene ekklesiogene Neurose liegt nahe, auch der Verweis auf Freud.
 
Der alttestamentarische, abrahamitische, patriarchale, gewaltvolle Gott, den der Mann anthropomorph nach seinem Ebenbild geschaffen hat, legt zweifelsohne eines demonstrativ offen: den göttlichen, patriarchalischen Sadismus.
 
"[...] Der wahre «Härtetest» für Hiobs Frömmigkeit wäre erst eingetreten, wenn sich Gott ihm offenbart hätte, wenn er Hiob also über seinen Status als Versuchskaninchen in einem Wettstreit zwischen Himmel und Hölle aufgeklärt hätte. Hätte Jahwe sich in der, so die These, zensierten dritten Himmelsszene auch auf diesen abgründigen Vorschlag Satans eingelassen, er hätte den Wettstreit wohl krachend verloren.
 
Doch bevor sich Gott selbst kompromittiert habe, habe er lieber den Satan verstossen und dem armen Hiob alles doppelt und dreifach zurückerstattet, lautet Türckes Erklärung für das märchenhafte Happy End des überlieferten Textes. Eine ebenso reizvolle wie plausible philologische Spekulation, die der Philosoph da vorlegt, nur hat sie einen Schönheitsfehler: Ob Hiob am Ende die Wahrheit über sein Leid erfahren hätte oder nicht, ist viel weniger entscheidend als das, was das Buch Hiob dem Leser über Gott und das Leid verrät. Und der weiss nach der Lektüre, mutmasslicher Zensor hin oder her, auch so mehr als genug."
 
Quelle des zitierten Textes: nzz.ch - "Ein Gott, der über Leichen geht"
 
"[...] Es seien die Konservativen, die Bibeltreuen, die Naiv-Gläubigen, die Pietisten, die Evangelikalen, die in Gemeinden, Gremien und Ämter den Ton angäben, je mehr sie von Mitglieder und Gottesdienstbesuchern verlassen würden.
 
Politisch stünden Fundamentalisten der rechten Szene nahe, theologisch lehnten sie eine historisch-kritische Exegese religiöser Texte und Tradition ab, weil sie sich als Glaubenswächter grundsätzlich den Erkenntnissen der Geschichts- und Naturwissenschaften verweigerten, also selbst Fehlinterpretationen und Fehlübersetzungen in Kauf nähmen.
Deswegen würden auch Bischöfe und Theologieprofessoren in der gesellschaftlichen Debatte keine Rolle spielen, weil sie ihre biblizistischen Erzählungen nicht auf die Höhe der Zeit brächten.
 
Dem Publikum werde so zugemutet, entweder sich abzuwenden, so es offenkundige Brüche zwischen Legenden und Erkenntnis nicht erträgt, oder sich in einer Gemeinschaft der Ahnungslosen zu bewegen, die ihre Botschaft an Mythen verbindlich festmacht, die sie noch dazu für wahr ausgibt, obschon sie es nicht sein könnten.
 
Mithin sei im Lichte der Wissenschaft aus dem Glauben ein Aberglauben geworden."
 
Quelle: deutschlandfunkkultur.de - "Wider den religiösen Fundamentalismus", farbliche Hervorhebungen habe ich vorgenommen. 
 

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