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Sabeth schreibt

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Poesie Melancholie Philosophie Feminismus

Bazon Brock über vorgebliche Diskriminierung, Diskreditierung, über Liberalismus, Anerkennung, kulturelle Identität durch Gegnerschaft ...

Bazon Brock - "Einheit durch Verschiedenheit"

 
Unerträglich platte Allgemeinplätze zu Anfang (des oben verlinkten Videos/Interviews) und auch das, was er über Kritikwürdigkeit sagt (gähn, schnarch - mein Gott: wen will er damit hinter dem Ofen hervorholen, wie gesagt: platteste Allgemeinplätze), später: massiv suggestive, manipulative Behauptungen.
 
Es geht nicht nur oder vorrangig um Kultur, um kulturelle Identität, es geht um Grundlagen des Zusammenlebens - und das auf nationaler wie transnationaler Ebene:
 
Welche Regeln, Richtlinien sollen, können und wollen auf welcher - demokratischen: ?! Basis - dafür zugrundegelegt werden, gelten und eingehalten werden? Siehe: Verbindlichkeit, Verlässlichkeit.

Wer erkennt diese demokratische Basis - mit daher zwangsläufig offener Gesellschaft - als Grundlage des Zusammenlebens überhaupt an - und wer aus welchen Gründen, mit welchen Absichten und Zielen nicht?

Wer versteht was unter Demokratie - auf Basis wiederum welcher (je eigener, persönlicher) Prägungen, Erfahrungen, aber auch: erlittener Indoktrination?

Was hat all das mit Toleranz, Offenheit, Diskursfähigkeit (!), Informationszugang/-verbreitung oder eben auch mit Fehlinformation, Falschinformation, verwehrter, verweigerter Information und mit angemessener oder unangemessener Informationsverarbeitungsfähigkeit des Einzelnen, des Rezipienten zu tun?

Welche Voraussetzungen muss also der an Demokratie Teilhabende je individuell mitbringen, um adäquat teilhaben, mitreden, mitgestalten zu können?

Was hat all das mit Willensfreiheit und Verantwortung zu tun?

Und welches Verhältnis haben Macht und Demokratie zueinander bzw. welches können sie haben oder auch gerade nicht - mit welchen Folgen jeweils?
 
Was den Satz mit der Anerkennung betrifft: Nein, Ralph Boes, die höchste Form der Anerkennung ist nicht das Verbot - Verbote ziehen lediglich Aufmerksamkeit nach sich, etwas kann damit sehr bequem und simpel in den Mittelpunkt, ins Rampenlicht gezogen, gestellt werden - das hat jedoch nichts mit Anerkennung im Sinne von Wertschätzung zu tun.
Nur, weil etwas viel Aufmerksamkeit erhält und viel darüber geredet, berichtet, geschrieben wird, ist dies längst noch kein Maßstab für oder gar Beweis vom Wert/eines Werts dieser "Sache" (oder worum immer es geht).
 
Ein Verbot provoziert im Grunde nur eine pubertäre Trotzreaktion, Grenzen ausloten wollen oder aus purem Trotz und Angriffs- sowie Provokationslust diese Verbote brechen wollen.

Es kann stattdessen jedoch auch in der Weise vorgegangen werden, dass etwas verboten/nicht erlaubt wird, weil es sich schlicht als schädlich und als mit Menschenrechten und Menschenwürde unvereinbar zeigt - siehe bspw. Mord. Und dann hält man sich an das Verbot - nicht deshalb, weil es dieses gibt und weil es ein Verbot ist, sondern, weil man selbst/persönlich einsieht, erkennt, dass und warum das Verbotene nicht getan werden soll - und d e s h a l b (siehe intrinsische Moral) vom je Einzelnen auch nicht getan, nicht getätigt werden will.
 
Ganz anders verhält es sich mit den Grenzen der Toleranz. Ich empfehle hierzu wie auch zur Frage der Willensfreiheit immer wieder die Lektüre von Michael Schmidt-Salomon - einem zeitgenössischen Philosophen und Publizisten.
 
Und nein, wir brauchen auch keine "Gegnerschaft" - wozu? Wir brauchen Kontroversen, wir brauchen Meinungsvielfalt, Urteilsfähigkeit, Kritikfähigkeit, Selbstkritikfähigkeit, Selbstreflexion, geistige wie emotionale (!) Offenheit, Leidenschaftlichkeit, Begeisterungsfähigkeit, aber gleichermaßen Selbstdisziplin und Respekt sowie - und ganz vor allem: Empathie bzw. Mitgefühl.
 
Wir brauchen nicht Gegnerschaft und dadurch verhärtete Fronten und "getrennte Lager", also wiederum: SPALTUNG, Konkurrenz, Kampf, Gewalt, Feindschaft, Hass, Verachtung, sondern Austausch - geistigen, emotionalen, je individuellen/persönlichen. Dafür wiederum ist oben Aufgezähltes Vorbedingung/Voraussetzung.
 
Was das Argumentieren anbelangt: Ja, gerade von Rechtspopulisten sind kaum bis nie Argumente vernehmbar, stattdessen fast ausnahmslos: POLEMIK.
 
Und was wir dringend brauchen, ist eine Fehler"kultur" - Scheitern zulassen und zugeben zu können und als Antriebsfeder zu erkennen, statt als Versagen zu bewerten, zu verurteilen.
 
Und schließlich: Aha, Bazon Brock spricht nun also von ERZIEHUNG - die Leute sollen erzogen werden - erwachsene Menschen also sollen dressiert werden. Nein: So läuft es ganz gewiss nicht.
 
Eine Annäherung ist nur dann möglich, wenn keine e m o t i o n a l e Verpanzerung vorhanden ist.
Emotionale Verpanzerung ist die Folge dessen, das in Kindheit und Jugend erlebt, erlitten wurde - siehe Prägung, "Sozialisation", Indoktrination. Das wird zumeist lebenslang mit sich geschleppt. Nur durch Erschütterungen, Krisen sind diese "Grundfesten" möglicherweise noch zu "bewegen", zu lockern - durch also ERFAHRUNGEN und ERKENNTNIS - nicht: durch Erziehung.
 
Und ja: Persönlichkeitsentwicklung und Identitätsbildung sind nicht möglich ohne den Anderen, ohne das Du - nur nicht ausschließlich oder überwiegend durch Unterscheidung, sondern durch die durch den Anderen verursachte Selbsterkenntnis - indem man im Anderen gerade nicht das völlig Differente erkennt, sondern gerade "das" sehr Ähnliche - das also auch meine eigenen Unzulänglichkeiten spiegelt bzw. mir vorhält, die ich als meine eigenen - durch das Du - erkennen muss - was: schmerzhaft sein kann ;) und deshalb vermieden, verdrängt, verweigert, abgewehrt wird.
Das Ich will nicht erkennen/einsehen müssen, dass die Fehler und Schwächen, die es dem Anderen unterstellt, vorwirft, anhängt, seine eigenen zumeist sind - nicht immer, aber doch immer wieder. ;)
 
Gleichermaßen lässt sich durch den Austausch mit dem Du, dem Anderen, dem Differenten erkennen, erleben, erfahren, welches Potential wofür im jeweiligen "Ich" vorhanden ist, es kann durch das Du hervor-/heraufgeholt, "aktiviert" werden. Auch das jedoch hat viel mit Selbstreflexionsfähigkeit zu tun. Und "wenig" bis nichts mit: Eitelkeit.
 
Und nein, niemand soll seine Meinung "abgeben", aber er sollte sie als eben dies zu erkennen in der Lage sein: als seine Meinung - nicht: als absolute Wahrheit. ;)
 
Urteilsfähigkeit btw ist nicht allein das Sich-Befassen mit etwas (Urteilssubjekt/-objekt), sondern die Fähigkeit, sich angemessen damit befassen, auseinandersetzen zu können - wofür wiederum Diverses Vorbedingung ist - kognitive Fähigkeiten, intellektuelle Fähigkeiten (Erfassen, Erkennen, Analysieren, Reflektieren, Schlussfolgern ...), damit einhergehend im Grunde auch immer Sprache, d.h. sprachliche Fähigkeiten (siehe die Verknüpfung von Sprache und Denken) und auch eine emotionale Grundlage, die überhaupt erst ermöglicht, sich möglichst offen und vorurteilsfrei mit einer Sache auseinanderzusetzen, dies zu wollen, eigene Vorurteile als solche erkennen zu können und sie soweit als möglich ;) dennoch bzw. gerade deshalb zurückstellen zu können, d.h. zu wollen; es hat viel also mit je individueller Persönlichkeitsreife, mit Selbstreflexion, mit außerdem Erfahrung (-shintergründen), mit Neugier, Wissbegier und mit Zugewandtheit zu tun.
 
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