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Sabeth schreibt

Poesie Melancholie Philosophie Feminismus Anarchismus

Über die Menstruation - warum sie keine "private Frauensache" ist ...

 
update 29. Mai 2022
 
Warum wir über Menstruation sprechen, warum sie global enttabuisiert werden muss, was alles damit zu tun hat, seit wann wie intensiv Frauen für ihr Frausein, für Biologie, belastet, diskriminiert, beschädigt werden.
 
Es geht dabei auch darum, was mit Menstruation häufig einhergeht: diverse physische Beschwerden, die so ausgeprägt sein können, nicht selten sind, das auch über Jahre, dass Frauen dann bspw. nicht erwerbstätig sein können, aber Schmerzmittel einwerfen, statt zu Hause zu bleiben.
 
Auch hat(te) Menstruation lange Zeit, in auch anderen Ländern, den "Ruf", "schmutzig, unrein, schädlich" zu sein - Frauen mussten bspw. im Tierstall schlafen, wenn sie menstruierten oder durften kein Essen zubereiten, das Mensblut muss immer strikt verborgen gehalten werden etc..
 
Frauen wurden/werden also dafür, dass/weil sie - natürlicherweise - menstruieren, noch zusätzlich belastet, bestraft, ausgegrenzt. Als ob es irgendwie ihre Schuld wäre.
 
Eine Frau, die menstruiert und körperliche Beschwerden davor und/oder dabei hat, siehe auch PMS (psychische und physische Symptome, auch Beschwerden), ist dann ggf. nicht so leistungsfähig wie sonst - weder im Beruf noch in Familie. Sie braucht evtl. mehr Ruhe, Entlastung.
 
Das wird ihr aber als vermeintlich "weibliche Schwäche, Schwachsein", als Nachteil ausgelegt - sie ist eben "nur" eine Frau. Dabei verschwimmen Biologie und Biologismus.
 
Frauen werden dafür diskriminiert: dass, weil sie biologische Frauen sind.
 
Ähnlich verhält es sich auch mit Schwangerschaft, Geburt, den Wechseljahren, sogenannter Menopause und Abtreibung:
Alles, das den Körper der Frau betrifft, siehe auch Sex, Porno, Prostitution, wird von Männern annektiert und häufig pathologisiert.
 
Ich z.B. leide seit vielen Jahren unter einer Hypermenorrhoe, infolge einer erworbenen Blutgerinnungsstörung mit erhöhter Blutungsneigung, heißt: an den ersten beiden Menstruationstagen blute ich wie Schlachtvieh.
Das Blut ist dann nicht nur sehr viel, sondern dünnflüssig wie Wasser - kein Tampon, keine "Vorlage", Binde hält es, ich muss diese alle fünf bis zehn Minuten wechseln, kann das Haus nicht verlassen.
Nur mal so als Beispiel.
 
In nicht nur, aber auch meinem Fall resultiert aus dieser Hypermenorrhoe - aufgrund der erworbenen (nicht angeborenen) Blutgerinnungsstörung (deren Ursache bis heute medizinisch ungeklärt ist) - seit Jahren eine Eisenmangelanämie mit u.a. einhergehender Fatigue.
 
Viele Frauen sind aufgrund, infolge ihrer Menstruation früher oder später anämisch, haben einen Eisenmangel, oft auch, weil sie Vegetarierinnen oder Veganerinnen sind oder aus anderen Gründen wenig oder kein Fleisch essen (können). Aber es heißt immer, Männer bräuchten Fleisch.
 
Auch hatte ich fast drei Jahrzehnte lang regelmäßig sehr starke Schmerzen während der Menstruation. Ich habe zwei Kinder spontan (vaginal) geboren, die Mensschmerzen waren schon davor und auch noch danach wehenartig, über Stunden andauernd.
Auch das kennen viele andere Frauen ähnlich.
 
In all den Jahrzehnten, ich bin mittlerweile 48, hat mir kein einziger Gynäkologe geholfen. Mir wurde stets nur dazu geraten, chemisch-synthetische Hormone zu nehmen: Pille, Spirale etc..
 
Noch heute geben Frauen andere Erkrankungen an, wenn sie mit Beschwerden menstruieren, um eine Krankschreibung zu erhalten.
Frauen brauchen extra "Kranktage", wenn sie mit Beschwerden menstruieren. Es ist einfach Biologie, es trifft sie keine Schuld, sie sind deshalb nicht "schwach", im Gegenteil: ohne Menstruationszyklus keine Fruchtbarkeit: Schwangerschaft, Geburt - Leben.
 
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update 29.12.2020
 
Da es grade auf Zwitscher trendet:
Kostenlose Kondome von Männern gefordert vs. kostenlose Monatshygiene (Tampons, Binden ...)
 
Jungs:
Ihr ejakuliert nach der Pubertät nicht unwillkürlich, unkontrolliert, unfreiwillig und natürlicherweise/biologisch bedingt, insbesondere nicht jeden Monat mehrere Tage lang mit Schmerzen.
 
Nein, der Sexualtrieb ist nicht unkontrollierbar.
 
Nein, es ist nicht dasselbe, zu menstruieren oder zu ejakulieren.
 
Frauen forderten nicht (zuerst) Kostenübernahme für Verhütungsmittel, sondern für Tampons, Monatshygiene.
Periode Menstruation
 
Siehe auch den hinkenden Vergleich mit von Männern gefordertem, kostenlosen Toilettenpapier:
 
Alle Menschen müssen natürlicherweise regelmäßig urinieren und defäkieren, aber nur Frauen menstruieren - auch natürlicherweise - regelmäßig, sind somit/davon (häufig) belastet und benachteiligt. Das Blut muss ja aufgefangen werden.
 
Siehe außerdem den ebenfalls unsinnigen Vergleich mit Bartwuchs bei Männern:
Was natürlich nicht vergleichbar ist, denn:
 
- mann muss sich nicht zwangsläufig rasieren
- auch Frauen rasieren Körperbehaarung
- dann müssten auch Friseurbesuche kostenlos sein/werden
- das Menstruationsblut muss aber aufgefangen werden, freies Menstruieren geht nur selten ...
 
-
 
Vielen Dank, das ist immens wichtig.
 
Es geht nicht um Provokation, exakt - es geht darum, endlich einmal deutlich zu machen, dass Frauen nun mal menstruieren, dass sie sich das weder aussuchen, noch es unbedingt gerne oder "absichtlich" tun, dass sie dadurch auch erheblich negativ beeinträchtigt sein können (Schmerzen, PMS, sehr starke Blutungen und andere physische Beschwerden, die einhergehen können) und das für viele, viele Jahre ihres Lebens: jeden Monat mehrere Tage lang.
 
Es kann nicht sein, dass Frauen das alles verbergen, verstecken müssen/sollen, dass sie darüber gefälligst zu schweigen haben und in der Öffentlichkeit so tun müssen, als menstruierten sie nicht und als könnten sie trotz Beschwerden reibungslos funktionieren - dass das von ihnen erwartet wird oder dass sie dafür, um zu funktionieren, Schmerzmittel einwerfen und/oder hormonelle "Zyklusregulierung" vornehmen, die wiederum nicht unerhebliche Nebenwirkungen hat ... .
 
Man muss es nicht demonstrativ zur Schau stellen, dass/wenn man menstruiert, es sollte einfach als etwas Natürliches gelten und Frauen sollten entsprechende Rücksichtnahme erleben und "Auszeit nehmen" dürfen, wenn es ihnen dabei schlecht geht.
 
Und sie sollten dann nicht andere Krankheiten als Notlüge, Ausrede anführen müssen, sondern ganz selbstverständlich öffentlich einfach sagen können: Ich menstruiere gerade, deshalb kann ich dies und jenes im Moment (möglicherweise) nicht (so gut) tun.

Jemand kommentierte den Artikel auf facebook wie folgt:
"Und wo wird mal über die Enttabuisierung von Ejakulat geredet? Inklusive Männern die ihre Kleidung mit ihrem Sperma benetzen oder benutzte Kondome am Körper tragen?"

Ich antwortete ihm:
Der Vergleich hinkt auf allen vier Läufen, denn Ejakulat wird üblicherweise erst und nur dann sichtbar, wenn ein Orgasmus stattgefunden hat, somit ist diesem sexuelle Erregung und sexuelle Befriedigung voraus bzw. mit dem Ejakulieren einhergegangen.

Frauen, die menstruieren, tun das allerdings nicht freiwillig und nicht, um sexuelle Befriedigung dabei zu erleben, sondern weil sie damit (Menstruation) schlicht ihrer Biologie als Frau unterlegen sind - ganz generell verhält es sich zunächst einmal so, unabhängig von hormoneller Verhütung, Zyklusregulierung, Zyklusstörungen etc..

Das männliche Ejakulat wird im Rahmen von mainstream-Pornographie überdies geradezu gepriesen. An keiner Stelle in der Gesellschaft (außer ggf. in pornographischen Nischenbereichen) passiert etwas Vergleichbares mit Menstruationsblut.
 
Kommentar von einem weiterem Mann:
"Was genau ist das Tabu das gebrochen werden soll?
Menschen ekeln sich vor der Regelblutung, was ist das Problem daran? Hat die Regelblutung irgend etwas das sie von Urin, Fäkalien oder Schnoder unterscheidet und würdig irgendeiner Form des preisens macht?
Oder müssen wir bald alle Körpersekrete enttabuisieren?"


Meine Antwort hierauf:
Ihre Assoziation bzw. Ihr Vergleich von Menstruationsblut mit Kot und Urin drückt ja bereits Ihren offensichtlichen Ekel vor Menstruationsblut in aller Deutlichkeit aus: Für Sie scheint es etwas Ekliges, Schmutziges zu sein.
Genau das ist es jedoch gerade nicht: Es sei denn, Menschen ekelten sich mehrheitlich generell vor (menschlichem) Blut und halten es für schmutzig, für "ekelerregend".

Menstruationsblut ist Blut, es kommt einfach aus der weiblichen Vagina, aus der Gebärmutter - zusammen mit noch etwas abblutender Gebärmutterschleimhaut, die sich jeden Monat - zum Zwecke der Aufnahme einer möglicherweise befruchtet werdenden Eizelle - aufbaut.

Es hat also mit Biologie, mit insbesondere Fortpflanzung und Sexualität, mit Frausein zu tun - nicht aber mit sauberem, genormten, auf männliche Wünsche ausgerichteten mainstream-Porno. - Vielleicht ist es das, das Sie stört?
 
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Aktualisierung am 10. September 2019
 
Es findet in deutschen staatlichen Schulen mehrheitlich übrigens noch immer kein Sexualkundeunterricht statt, nur Fortpflanzungsunterricht. Und selbst in diesem wird - wie auch von Gynäkologen - nicht einmal wenigstens angemessen über den weiblichen Zyklus, PMS und Menstruation aufgeklärt, noch weniger über nfp. Aus Gründen: finanzielle, paternalistische - mit nfp ist frau wesentlich unabhängiger von chemisch-synthetischer Verhütung und wesentlich selbstbestimmter, unabhängiger von Verhütungsmitteln, aber auch Frauenärzten - eigenes, umfassendes Thema.
 
Wieviele Mädchen im Alter zwischen ca. 10 und 18 Jahren kennen bspw. ihre fruchtbaren Tage je Zyklus bzw. warum nicht ... ?
 
Wieviele Eltern schaffen es noch immer nicht, mit ihren Kindern offen und angemessen über Sex (auch Praktiken, Stellungen ...), Lust, Erotik, aber auch über Sexualgewalt, Pornographie, Prostitution, Freiertum, Selbstbestimmung, echten sexuellen Konsens zu sprechen - und warum nicht?
 
Und ja: Gerade auch Jungen und Männer sollten sich mit dem weiblichen Zyklus auskennen, wenn sie Schwangerschaftsverhütung tatsächlich ernst nehmen, Verantwortung übernehmen.
 
Was mich betrifft: zweifache alleinerziehende Mutter (Sohn 26, Tochter 13 Jahre alt).
 
Längst überfällig ist übrigens auch, dass Frauen ihre Menstruation nicht mehr verbergen, verstecken müssen sollten und dass ihnen regelmäßige Auszeit (Beruf, Familie) nicht nur gewährt, sondern ermöglicht wird, wenn/wann sie diese je Zyklus je persönlich benötigen. Noch immer nehmen zu viele Frauen Schmerzmittel wegen Menstruationsbeschwerden und schleppen sich so zum Job, statt zu Hause bleiben zu können: ohne negative berufliche, finanzielle Folgen.
 
Eine persönliche Anmerkung zu Menstruationsschmerzen:
Auch ich hatte damit drei Jahrzehnte in fast jedem Zyklus zu tun, obwohl ich mich von Kindheit an viel bewegte, regelmäßig Sport trieb, die meiste Zeit meines Lebens keinen Kaffee trank, nicht rauchte, mich vegetarisch, zeitweise auch vegan und (ein Jahr) glutenfrei ernährte, Entspannungsübungen machte, diverse Kräutertees trank und es auch mit Mönchspfeffer (Keuschlammfrüchte) versuchte - alles blieb erfolglos. Ich hatte fast jeden Zyklus intensive Schmerzen, meist über die Dauer von fünf Stunden (konnte nicht liegen, sitzen, stehen, essen, schlafen oder gar arbeiten, aktiv sein). Das änderte sich auch nicht mit/nach Geburt zweier spontan geborener und gestillter Kinder. Schmerzmittel nahm ich dennoch nie.

Was mir nach so vielen Jahren tatsächlich und endlich geholfen hat, war schließlich wohl Vitamin B6 (darf nicht überdosiert werden!), B12 und Omega 3-Fettsäuren (in meinem Fall mit Walnüssen aufgenommen - regelmäßig in den Tagen vor der Mens, aber auch in Maßen).
 
Leider hat mir das in all den Jahren, Jahrzehnten nie ein einziger Frauenarzt, -ärztin gesagt oder gar empfohlen - sie empfahlen mir nur sämtlich chemisch-synthetische, hormonelle Verhütung: Pille, Spirale.
Ich las davon erst spät im Internet und probierte es aus, seitdem habe ich nur noch selten und wenn, dann leichte, erträgliche Mensschmerzen, nicht intensiv wehenartig und massiv schwächend wie früher so.
Vielleicht hilft es auch anderen Frauen und Mädchen.
 
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