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Sabeth schreibt

Sabeth schreibt

Poesie Melancholie Philosophie

Über das Fehlen der Frauen - u.a. auch in Büchern, in Geschichtsbüchern, Kinderbüchern, Schulbüchern ... und somit: in der Wahrnehmung - mit entsprechender Prägung, Suggestion, Manipulation und negativen Folgen für MÄDCHEN UND FRAUEN - noch heute.

 
Es ist zum Heulen. Erst vor Enttäuschung und Wut, dann vor Freude. - EIN Buch: für Mädchen.
 
WIR BRAUCHEN GANZE BIBLIOTHEKEN UND SCHULSTUNDEN VOLL VON SOLCHEN BÜCHERN, INFORMATIONEN ÜBER UND VON FRAUEN!
 
 
Was mir an den neueren/"modernen" sogenannten Gender-Kinderbüchern nicht gefällt, ist, dass sie meist so bemüht, daher leider doch sehr überspannt, angestrengt oder auch überdreht - einfach leider verkrampft und künstlich daherkommen.
Es fehlt ihnen - im Vergleich zu bspw. dem tatsächlich gelungenen Klassiker "Pipi Langstrumpf" oder auch "Ronja Räubertochter" - an Leichtigkeit, unbeschwertem/ideologiefreien/ballastlosen Humor, Esprit, Kreativität, Originalität, Virtuosität.
 
Es fehlt ihnen an Gelassenheit, an selbstgewisser (nicht: selbstgerechter), entspannter Selbstverständlichkeit; eine solche transportieren, vermitteln diese Bücher leider gerade nicht. Es schwingt in ihnen viel mehr immer etwas Aufgesetztes mit, der vermeintlich "pädagogische" Subtext, die moralinsaure message, das Gedrängtsein, das Bemühtsein. Im Mittelpunkt steht gerade nicht eine von selbstbewusstem Selbstverständnis geprägte, leichtfüßige Unterhaltung der, d.h. für die Kinder (und gerne auch ihre Eltern), sondern das Transportierenwollen eben einer bestimmten Botschaft. Ja, es hat leider etwas Missionarisches, von verkrampftem Eifer Belastetes an sich.

Ganz besonderes Unbehagen verursacht mir vor allem, dass in den meisten solcher (neueren) Bücher "für starke Mädchen" die Mädchen im Grunde mehr oder weniger doch nur den Jungen nacheifern (sollen oder vorgeblich wollen bzw. eine solche Absicht der Verfassenden daraus ersichtlich wird).
 
Die Mädchen sollen also gefälligst "stark, wild, laut, schmutzig" sein "dürfen", sich auch raufen und vulgär ausdrücken "wollen" bzw. sollen, sich folglich schlicht rüpelhaftes Verhalten bei Jungen und Männern abschauen, es nachahmen.
 
Sie sollen überdies gefälligst gerade nicht (mehr) empfindsam, feinfühlig, auch schüchtern oder einfach zurückhaltend-beobachtend, bedachtsam, quirlig-flippig und/oder auch albern sein (wollen, können, dürfen) - sondern eben vermeintlich "selbstbewusst" auftreten, sich "durchsetzungsstark" verhalten - sich im Grunde in den Vordergrund spielen, ins Licht der totalen Aufmerksamkeit stellen wollen (lernen), kühn, "mutig" sein - mit Kampf"geist" und siegesgewillt.

Im Grunde ist das tatsächlich nichts anderes als das Befördern von Narzissmus und das Beschneiden, Behindern, Vermeiden von Mitgefühl.
 
Es ist nichts anderes, als das Ausweiten der Kampfzone kapitalistisch-neoliberaler Leistungsideologie auf Basis von Wettbewerb, Konkurrenz, Übervorteilen-/Ausstechenwollen und -sollen.
Es ist somit nichts anderes als patriarchalisch-gewaltvolles Gebaren. - Das Letzte, das die Menschheit (global btw) - noch länger ... - braucht, das ihr in irgendeinerweise zuträglich wäre.

Solche Bücher nehmen wiederum nur den Mann bzw. männlich-patriarchalische Ideologie und entsprechend typische Verhaltensweisen zum Leitbild, an dem sich also orientiert wird, dem die Mädchen zu folgen haben, an dem - dem Mann - sie sich also nach wie vor ein Vorbild zu nehmen haben.
Nur dann, wenn sie sich auf solche Weise verhalten - ganz gleich, ob dies ihrem je individuellen (!) Wesen und ihrer je persönlichen (!) Anlage entspricht (oder eben gerade nicht: so ...) - gelten sie als "stark".
 
Dies führt jedoch gerade nicht zu authentischem, tatsächlichen "Starksein", zu also einem stabilen Selbstwertgefühl mit einhergehendem Selbstvertrauen, mit außerdem ebenso unentbehrlicher Fähigkeit zur Selbstkritik, Selbstreflexion, mit auch für Persönlichkeitsreifung unverzichtbarem Sich-selbst-Hinterfragen, Selbstzweifeln, Introspektion, mit überdies der so wichtigen Fähigkeit, sich nicht nur in andere ein-, sondern mit ihnen wirklich mitfühlen zu können - zu also Sensibilität, Feinfühligkeit, Empfindsamkeit, die für Mitgefühl, das Mitfühlenkönnen, Voraussetzung sind und aus welchem (dem Mitgefühl) die für alle Menschen so essentielle Kooperationsfähigkeit hervorgeht.

Es führt all dies nicht zu tatsächlich kreativen, selbstsicheren, gewissenhaften, kritischen, urteilsfähigen, besonnen agierenden, sich selbst auch zurücknehmenkönnenden, hilfsbereiten, rücksichtsvollen, zugewandten, aufgeschlossenen, humorvollen, fürsorglichen, umsichtigen Persönlichkeiten - sondern es hilft nur, das zu zementieren, das bereits längst Allltag und uns beschädigend ist/stattfindet: Wetteifern, Konkurrenz, das Jagen nach und Ringen um Anerkennung, um Applaus, um Bewundertwerden - statt: Angenommensein, Wertgeschätztwerden, Eingebundensein - nicht aufgrund von "überdurchschnittlicher", errungener, erkämpfter Leistung, nicht aufgrund vermeintlich/vorgeblich herausragender "Heldentaten", sondern aufgrund von HERZENS- UND CHARAKTERBILDUNG und entsprechendem Sich-Verhalten (-Wollen und -Können).
 
Und hierzu gehört unweigerlich, sich bedürftig, verletzlich zeigen und auch ehrlich bitten zu können. Vor allem aber: g e b e n zu können, es zu wollen. Also: lieben zu können.
 
Vielleicht sollte genau das in unseren Gesellschaften - in also auch unserem Lebensalltag, zwischenmenschlichen Miteinander, in Politik und gerade Wirtschaft - endlich bzw. deutlich ausgeprägter gewichtet, d.h. mit Aufmerksamkeit belegt werden - und somit auch "Thema" in u.a. auch Kinderbüchern - geschlechtsunabhängig ;) - sein.

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